Jakob Augstein
29.09.2011 | 07:00 135

In der gläsernen Fabrik

Kanzlerin Selten wurden die zwei Prinzipien der Medien­demokratie – Verblödung und Unterforderung – so offenbar wie hier: Über Merkel, Jauch und die Mechanik der Machtverwaltung

Die Vertrauensfrage wird sie nicht stellen. Weder an diesem Donnerstag noch in Zukunft. Es ist ein dramatischer Akt der Demokratie, wenn sich ein Kanzler entblößt und sein Schicksal in die Hand der Abgeordneten legt. Aber das Theater der Politik inte­ressiert Angela Merkel nicht. Ihre Sache ist der Machterhalt. Während sich das Schicksal des Euro und das Schicksal der Regierung entscheiden, kann das Wahlvolk in das Getriebe von Merkels Machtverwaltung schauen wie in eine gläserne Fabrik.

Der Euro nähert sich seiner Krise. Also dem Wendepunkt der Krankheit. Darauf folgt Genesung oder Untergang. Zur gleichen Zeit tritt auch die deutsche Regierung in die Phase ihrer Krise ein. Diese Koalition, die das Beiwort „bürgerlich“ jedenfalls nicht wegen der von ihr vertretenen Tugenden verdient, steht kurz vor ihrem zweiten Geburtstag. Zum Feiern wird niemandem zumute sein.

Dass ihr der Koalitionspartner FDP unter den Händen stirbt, ist nicht die Schuld der Kanzlerin. Ihre Schuld ist aber, wenn in einem entscheidenden Moment ihrer Kanzlerschaft die eigene Fraktion von der Fahne zu gehen droht. Merkel hat – erneut – zu spät gehandelt. Der griechische Gott Kairos hat nur vorne einen Haarschopf und ist hinten kahl. Wer ihn packen will, wenn er bereits vorübergegangen ist, greift ins Leere. Merkel hat die Bedeutung der Euro-Abstimmung im Bundestag zunächst heruntergespielt und so getan, als handele es sich um ein Gesetz wie jedes andere. Das hat die Abweichler ermutigt. Am Ende musste Merkel doch auf die Bühne.

Wenn es sein muss, das nimmt man staunend zur Kenntnis, beherrscht Merkel die Kunst der süßen Rede. „Dafür habe ich Sie zu gerne, und dafür habe ich noch viel zu viel mit Ihnen vor“, säuselte sie den Unionsabgeordneten vor der entscheidenden Abstimmung noch in die Ohren. Beim wichtigsten deutschen Fernsehmoderator musste sie sich solche Mühe nicht machen. Der gab sich freiwillig hin – und alle journalistischen Grundsätze auf.

Sendung mit der Maus

Es war Merkels Glück, dass ausgerechnet Günther Jauch den wichtigsten Sendeplatz des deutschen Fernsehens übernommen hat. Auf diesen Moderator kann sich die Kanzlerin besser verlassen als auf die eigenen Leute. Am vergangenen Sonntag lud sich Merkel erst selber ein und hielt dann eine durch unangenehme Nachfragen weitgehend ungestörte einstündige Regierungserklärung. Jauch bewies in seiner ganzen nuschelnden Harmlosigkeit, dass man auch eine politische Talkshow zu einem komplizierten Thema so moderieren kann wie die Sendung mit der Maus.

Selten wurden die zwei zentralen ­Prinzipien der deutschen Medien­demokratie – Verblödung und Unterforderung – so offenbar wie hier in der harmonischen Zusammenarbeit von Politiker und Moderator. Unversehens geronn die europäische Krise, die nicht zuletzt durch deutsches Zutun ihre Zuspitzung erfahren hat, zu einer kurzweiligen Lach- und Sachgeschichte.

Hätte Jauch die Arbeit eines Journalisten gemacht, hätte er die Kanzlerin nach dem deutschen Beitrag zur europäischen Krise befragt, nach dem Zusammenhang zwischen dem phänomenalen deutschen Exportüberschuss und dem Defizit der EU-Partner. Und er hätte über den Lohnverzicht gesprochen, der den deutschen Arbeitnehmern aufgezwungen wurde und der ihre europäischen Kollegen in die Arbeitslosigkeit getrieben hat. Es liegt allerdings die Vermutung nahe, dass Jauch der beliebteste Moderator des Landes ist, weil er diese Fragen nicht stellt.

Kommentare (135)

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Ehemaliger Nutzer 29.09.2011 | 11:32

Nun machen Sie mir nicht die "Sendung mit der Maus" schlecht. Wenn die "Maus" sich eines Themas annimmt, dann hat der Zuschauer hinterher die Sache verstanden. Und: Die Maus stellt jede Menge kritische Nachfragen.

Abgesehen davon: Was heißt eigentlich das "auch" in Ihrem Satz? Gerade bei politischen Talkshows ist es doch der Regelfall, daß nix bei rauskommt. Einmal möchte ich es erleben, daß ein Moderator... na, noch nicht mal kritisch nachfrägt, sondern schlicht sagt: "Frau Merkel, ich bin vom Land, ich versteh das nicht. Könnten Sie das bitte nochmal einfacher erklären."
Wie das mit dem Einfach-Erklären gehen kann sieht man hier, wo der Herr Doktor Gysi den staunenden Kindern im Bundestag die Finanz- und Wirtschaftspolitik erklärt.



Ciao
Wolfram
Doris Brandt 29.09.2011 | 11:50

Die Talk-SHOW spiegelt einfach nur wider, wie die „Mediendemokratie“ (oder vielleicht bereits Oligarchie?) agiert. Die Bevölkerung wird mit Glücks-Atlas-Beiträgen von INSM-Eminenzen wie Bernd Raffelhüschen seicht zur besten Sendezeit berieselt. Die Bedeutung der Euro-Abstimmung muss uns nicht interessieren. „Ein absichtlich und systematischer Versuch, Sichtweisen zu formen“. Den Begriff zu dieser Definition verkneife ich mir.

gioachimo 29.09.2011 | 12:39

Meine lieben Freunde, bleibt einfach ehrlich. Machterhalt ist in jeder, aber auch wirklich jeder Regierung ein zentraler Faktor. Und das ist im Prinzip auch richtig so, sonst hätten wir alle 3 Monate Neuwahlen. Die Behauptung, dass Frau Merkel zuviel Zeit ins Land hat gehen lassen, ist doch sehr fragwürdig, da sie in erster Linie ein amerikanisches Anliegen ist. Die Amerikaners sind in einer ebenso desolaten Lage und wünschen sich kurzfristig mehr Geld, mehr Kaufkraft, um aus dem Abwärtsstrudel herauszukommen. Das aber löst das Problem nun wirklich nicht. Einfache Rezepte gibt es in diesem Fall einfach nicht.

gioachimo 29.09.2011 | 12:40

Meine lieben Freunde, bleibt einfach ehrlich. Machterhalt ist in jeder, aber auch wirklich jeder Regierung ein zentraler Faktor. Und das ist im Prinzip auch richtig so, sonst hätten wir alle 3 Monate Neuwahlen. Die Behauptung, dass Frau Merkel zuviel Zeit ins Land hat gehen lassen, ist doch sehr fragwürdig, da sie in erster Linie ein amerikanisches Anliegen ist. Die Amerikaner sind in einer ebenso desolaten Lage und wünschen sich kurzfristig mehr Geld, mehr Kaufkraft, um aus dem Abwärtsstrudel herauszukommen. Das aber löst das Problem nun wirklich nicht. Einfache Rezepte gibt es in diesem Fall einfach nicht.

Calvani 29.09.2011 | 13:32

Dem Tenor Ihres Artikels schließe ich mich gerne an, Jakob.
Allerdings müssten Sie doch eigentlich aus eigener Erfahrung wissen, wie nervig kritische Nachfragen sind. Und wie verlockend es ist, Fragen einfach nicht zu beantworten und auszusitzen. Aber Sie sind ja Journalist und kein Politiker. Macht das die Sache nun besser oder schlechter?
Ach, Mist, da habe ich doch schon wieder eine kritische Frage gestellt! Ich gelobe Besserung...

Streifzug 29.09.2011 | 14:37

Lieber JA,

es gab sie schon öfter.
"Die Sendung mit der Merkel"

Die von Ihnen beschriebene Sendung habe ich nicht gesehen. Das tue ich mir nicht mehr an, es überschreitet meine Schmerzgrenze und verstößt meiner Meinung nach sogar gegen das Folterverbot der Europäischen Menschenrechtskonvention. Bei solchen Anlässen mutiert das Öffentlich-Rechtliche zum hofierenden Staatsfernsehen.

Die im Artikel geäußerte Kritik an der Sendung glaube ich unbesehen. Nur ein Punkt hat mich irritiert. Sie schreiben:

"Hätte Jauch die Arbeit eines Journalisten gemacht..."

Reden sie vom Wunschbild Journalist oder von real existierenden Journalisten? Unrecherchiert behaupte ich nun: "In all den Jahren ihres Machterhalts wurde Angela Merkel noch nie von einem Journalisten kritisch befragt. Weder im Staatenfernsehen noch in kommerziellen Medien. Weder in der FAZ noch im Spiegel, weder in der taz noch in der BILD."

Angenommen, diese Behauptung stimmt, was bedeutet das?
Gibt es keine Journalisten in Deutschland?
Gibt es keine kritischen Journalisten in Deutschland?
Gibt es keine Journalisten, welche Merkel kritisch befragen?
Dürfen Journalisten Merkel nicht kritisch befragen, weil die Regierung es nicht will?
Dürfen Journalisten Merkel nicht kritisch befragen, weil die Medienbesitzer es nicht gestatten?
Fragen über Fragen.

Ein Vorschlag:
Statt "Augstein und Blome" eine Sondersendung "Augstein und Merkel". Dann können Sie der verwunderten Öffentlichkeit mal vorführen, wozu kritischer Journalismus fähig ist. Das haben Sie bestimmt auf der Pfanne.
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fahrenheit-451 29.09.2011 | 14:52

"Statt "Augstein und Blome" eine Sondersendung "Augstein und Merkel". Dann können Sie der verwunderten Öffentlichkeit mal vorführen, wozu kritischer Journalismus fähig ist. Das haben Sie bestimmt auf der Pfanne."



Aber dann nicht 10 Minuten, sondern mindestens 100. Große Gefühle müssen auch genug Zeit bekommen, um sich vollständig auszuleben.

Also ich stimme zu, es muss eine Sondersendung "Augstein und Merkel" erscheinen.
j-ap 29.09.2011 | 15:06

"Bei solchen Anlässen mutiert das Öffentlich-Rechtliche zum hofierenden Staatsfernsehen."

Hier "mutiert" gar nichts, sondern kommt höchstens in Vollendung zu sich selbst:

Der öffentlich-rechtliche Schundfunk ist ein von Parteiungen durchzogener, durch politische Interessen bewegter und von Klüngeln flottgehaltener Moloch, der überhaupt noch nie und nirgendwo etwas anderes produziert hat als Regierungspropaganda.

Damit ist er übrigens noch schlimmer, weil verlogener, als die geschmähten Privatsender, denn jedem, der Private einschaltet, ist von vornherein sonnenklar, daß es dort um nichts anderes als polit-ökonomische Interessen geht, es wird also im Unterschied zu den zwangsabgabenfinanzierten Staatssendern (die bis heute von der unauslöschlichen und entsprechend bewirtschafteten Erwartung leben, daß sie ein überparteiliches Offenbarungsorgan für "die Wahrheit" seien) niemand betrogen.

Vor Monaten veröffentlichte Herr Augstein hier, in dieser Zeitung, eine nachgerade phantastische Eloge auf den Staatsfunk -- also soll er sich nicht heuchlerisch beschweren, wenn er genau den dann auch bekommt.

Streifzug 29.09.2011 | 15:43

Lieber J.A.-P.,

es hat den Anschein, als könnten sie dem öffentlich-rechtlichen Staatsfernsehen wenig abgewinnen :)

Ich schwankte zwischen "mutieren" und "demaskieren".

Solange es noch Sach- und Lachgeschichten, extra 3 und einige andere sehr gut recherchierte Sendungen gibt, solange also ein Rest "öffentlich" im positiven Sinne erhalten bleibt, solange befürworte ich diese Einrichtung, da die wenigen angeführten Sendungen einen letzten Vergleichsmaßstab, eine letzte Barriere darstellen, deren Wegfall zu einem ungebremst abstürzenden Nichtqualitätsjournalismus führen würde.

Davon profitieren die kommerziellen Medien. Deren Kampf gegen die Öffentlich-Rechtlichen ist nicht konsequent zu Ende gedacht, da sie durch die kommerziellen Medien zu mehr Qualität gezwungen werden. Warum wohl schwächeln die Kommerziellen in den USA so stark. Genau. Denen fehlt jegliche Selbstverblödungsbegrenzung.

tlacuache 29.09.2011 | 15:54

JAP,
..."denn jedem, der Private einschaltet, ist von vornherein sonnenklar, daß es dort um nichts anderes als polit-ökonomische Interessen geht...

Klar, wer 30 Jahre öffentlich-rechtliches gesehen hat, incl. 3. Programme, dem ist auch sonnenklar das privat = Gülle ist, das ist Ihnen und mir und anderen zugute gekommen, aber ab BJ. 84 nicht mehr, wobei ich Ihren ..."durch politische Interessen bewegter und von Klüngeln flottgehaltener Moloch"... nicht wiedersprechen will, aber REINprivatwirtschaftliche Fernsehinteressen in anderen Ländern können da kaum Vorbild sein (expotenzielle Volksverdummung)...

takamura 29.09.2011 | 16:36

danke für den beitrag/ vortrag des herrn gysi!
wissen sie, eigentlich weiss jeder oder wissen viele was für ein mist in unserem system und systemen abläuft.
die menschen wissen aufgrund des masse von missständen nicht wo sie anfagen sollen veränderungen zu wünschen.
diese überforderung blockiert die handlungsfähigkeit.
so bleibt vielen nur die möglichkeit darüber zu schreiben.
eigentlich sollten die menschen auf die strassen gehen und jeden tag ihren ärger und unmut zum ausdruck bringen.
bis die mächtigen mal verstehen, dass es so nicht weitergeht.
von der kleinsten kommune bis zum bun.
die politiker sind zum grössten teil nur marionetten ihrer machtansprüche geworden.
deshalb sind auch leicht beeinflussbar.
danke
d.y.

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Ehemaliger Nutzer 29.09.2011 | 17:55

@takamura
danke für den beitrag/ vortrag des herrn gysi!
wissen sie, eigentlich weiss jeder oder wissen viele was für ein mist in unserem system und systemen abläuft.

Na ja, wissen. Irgendwie ahnen tun viele, daß da etwas ganz und gar nicht stimmt mit dem Zeug, das man ihnen täglich einzureden versucht. Was da genau nicht stimmt, wissen die Wenigsten, mich eingeschlossen. Gregor Gysi hat die Gabe, komplexe Sachverhalte präzise auf den Punkt zu bringen. "Präzise auf den Punkt bringen" ist aber nichts anderes, als eine Sache so einfach darzustellen, daß auch ein Laie versteht, was eigentlich los ist.

die politiker sind zum grössten teil nur marionetten ihrer machtansprüche geworden.

Genau besehen sind Politiker gar nicht mächtig. Sie könnten es - vielleicht - sein, wenn sie Klartext redeten. Aber dann kommen sie gar nicht erst an die Spitze.
Politiker, bzw. ihre Parteien erhalten von reichen Leuten reichlich Spenden. Das sind keine Spenden, so wie unserer eine Spende an die Caritas oder Arbeiterwohlfahrt gibt, das sind völlig legale Schmiergelder. Wenn ich von jemandem Geld annehme, mache ich mich diesem Menschen gegenüber abhängig, selbst dann, wenn er mir keine Weisungen erteilt, sondern nur höflich Wünsche äußert. In Ministerien sitzen mittlerweile Mitarbeiter von großen Firmen und "helfen" den beamteten Ministerialen beim Erarbeiten von Gesetzentwürfen. Diese Firmenmitarbeiter haben nicht etwa einfach den Arbeitgeber gewechselt (was auch schon hochverdächtig wäre), sie werden weiterhin von ihren Firmen bezahlt, arbeiten also gewissermaßen ehrenamtlich für das Ministerium. Daß die erarbeiteten Gesetzentwürfe dann so sind, daß die jeweiligen Firmenchefs zufrieden mit dem Kopf nicken, wird niemanden verwundern.
Gysi erwähnt in seiner Rede ein Papier, das Frau Merkel vorlegte und das wortwörtlich vom Bankenverband stammt. Hätte er das erfunden, so hätte der halbe Bundestag empört aufschreien müssen, Gysi hätte einen Ordnungsruf als Verleumder bekommen müssen. Nichts geschah, weil die Geschichte stimmt.

Ciao
Wolfram

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Ehemaliger Nutzer 29.09.2011 | 18:20

@Fahrenheit 451
Aber dann nicht 10 Minuten, sondern mindestens 100.

Das ist das Problem all dieser heutigen Talk-Shows, ob es politische sind oder andere. Sie gönnen sich keine Zeit. Die 10 Minuten, die Augstein und Blome über ein Thema diskutieren, sind natürlich viel zu kurz, um ernsthaft und in Ruhe ein Thema zu entwickeln, eine Argumentation aufzubauen und sich für diese Argumentation dann auch kritisieren zu lassen.
Trotzdem sind diese lächerlichen 10 Minuten über ein Thema immer noch reichlich im Vergleich zu dem, was in anderen Talk-Shows der Brauch ist. Sicher, diese Talk-Shows dauern eine Dreiviertelstunde, eine Stunde oder gar länger. Aber dann sitzen dort fünf, sechs, sieben Gäste und ein Moderator und man diskutiert über zwei, drei, vier Themen. Für den einzelnen Talk-Gast bleiben dann nur wenige Minuten zu einem Thema, viel mehr als das Ablassen eines knackigen Statements ist da nicht drin.
Es gibt sie zwar noch, die Sendungen, in denen einer sich lediglich zwei Leute ausführlich über ein Thema unterhalten können, aber es sind Raritäten geworden.
Günter Gaus hatte damals nur einen Gast in seiner Sendung, er selbst ging hervorragend vorbereitet in die Sendung, immer freundlich in der Form, aber hart und kritisch in der Sache. Er nahm sich optisch zurück, war nicht oder fast nur als Hinterkopf zu sehen. Wenn die Sendung aus war, warst du ein Stück schlauer.
Vorbei.

Ciao
Wolfram

Tiefendenker 29.09.2011 | 18:54

"Der Euro nähert sich seiner Krise. Also dem Wendepunkt der Krankheit. Darauf folgt Genesung oder Untergang."

Das sehe ich ähnlich, wobei mir die Genesung nicht wirklich plausibel erscheinen will...

Vielleicht ahnt Herr Jauch das ja ebenfalls?

Würde sich die Kanzlerin ernsthaften Argumenten stellen müssen, würde sie vermutlich noch viel hilfloser mit den Armen in der Luft rudern, als mit ihren Händen beim Jauch-Interview.

Mir verrät die "gläsene Fabrik" folgendes: Es gibt zwischen dem Papstbesuch und dem prompten Interview der Kanzlerin einen klaren inhaltlichen Bezug - siehe:

www.hh-violette.de/politik/des-papstes-rotkappchen-und-der-bose-wolf.html

Rosa Sconto 29.09.2011 | 20:54

Ja,ja, Jakob, - bloggen gegen die Apokalypse. Auch Herausgeber haben's da nicht so einfach. Vielleicht, wenn ich Lust hab', schreib ich dazu auch bald mal in einem Extra-Beitrag darüber wie Stumpfsinn die Welt eroberte... Fragt sich nur ob es überhaupt jemand die Geschichte von einem alternden Alt-humanistischer Gymnasiasten als "Show-Entertainer" den Bohlen auf dem Weg nach Alzheim überholen will.

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Ehemaliger Nutzer 29.09.2011 | 21:59

@SchmidtH.,
aus welcher Flasche haben Sie eigentlich getrunken, Sie sehen doch keine klaren Bilder oder?
Hurra, es lebe der Kalte Krieg.
Jauch würde Herrn Dr. Oertel noch nicht einmal das Wasser reichen können.
Wenn Sie schon so blöd dahersabbern, dann denken Sie daran, dass die BRD erst ab heute ein gültiges Wahlgesetz hat.
Es ist ja beruhigend, dass Sie am Schluss wenigstens auf den Trichter kommen, dass Frau Mohn dahinter steckt. Wenn Frau Mohn wollte, könnte Merkel morgen ihren Hut nehmen. Nur gut, dass beide dicke Freundinnen sind.

Tom Bombadil 29.09.2011 | 22:00

@j-ap
Sie irren - und zwar gewaltig.

Nicht hiermit

>>>Der öffentlich-rechtliche Schundfunk ist ein von Parteiungen durchzogener, durch politische Interessen bewegter und von Klüngeln flottgehaltener Moloch, ...>>>

aber damit

>>>...der überhaupt noch nie und nirgendwo etwas anderes produziert hat als Regierungspropaganda.>>>

Ersteres ist heutzutage leider korrekt; mehr mehr als mehr weniger. Zugegeben.

Das 2te ist Unfug. Jeder Interessierte, der sich ein wenig mit BRD-Fernsehgeschichte beschäftigt hat, weiß das.

Oder glauben Sie allen Ernstes, dass die Reportagen eines Dagobert Lindlau, eines Gordian Troeller (und das sind nur die 2, die mir spontan einfallen) jemals auf einem der seit den 80ern existierenden Kommerz-Kanälen eine Chance auf Sendung gehabt hätten?

Oder glauben Sie tatsächlich, der ehemalige Herausgeber der Wochenzeitschrift, unter deren Dach wir hier alle unsere Ansichten und Meinungen so frei veröffentlichen dürfen, wie sonst nirgendwo in einer mir bekannten deutschsprachigen Postille, hätte auch nur eine einzige Minute Sendezeit beim Kirch-Sender erhalten, wenn er nicht in den ÖffRechtS 20 Jahre vorher bereits zur Legende geworden wäre?

Das wollen Sie doch bitte niemandem erzählen! (Denken Sie bitte daran, dass hier auch Kinder mitlesen könnten - was sollen die denn bloß von uns halten....)

>>>Vor Monaten veröffentlichte Herr Augstein hier, in dieser Zeitung, eine nachgerade phantastische Eloge auf den Staatsfunk -- also soll er sich nicht heuchlerisch beschweren, wenn er genau den dann auch bekommt.>>>

Dieser Vorwurf ist daher falsch, wenn nicht unredlich.

Und das hier

>>>...jedem, der Private einschaltet, ist von vornherein sonnenklar, daß es dort um nichts anderes als polit-ökonomische Interessen geht, es wird also im Unterschied zu den zwangsabgabenfinanzierten Staatssendern (die bis heute von der unauslöschlichen und entsprechend bewirtschafteten Erwartung leben, daß sie ein überparteiliches Offenbarungsorgan für "die Wahrheit" seien) niemand betrogen.>>>

ist, mit Verlaub, borniert. Das von Ihnen zurecht Konstatierte, wissen Leute wie Sie und ich (= spießiger Kleinbürger, lohnabhängig, älter, weder verbeamtet noch verrentet, nicht Besserverdienend, einer materiellen Zukunft am unteren Gesellschaftsende harrend). Aber doch nicht die Massen derer, die dieser Vollverblödungsmaschinerie von rtlsatpro7tele5sonnenklarbibeltv etc. tagtäglich zusehen!

Der Teilnehmer Wolfram Heinrich hat im übrigen vollständig Richtiges zu Günter Gaus gesagt.

Gruß Tom
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Kein Projekt nirgends

Calvani 29.09.2011 | 22:16

@ Streifzug am 29.09.2011 um 13:43
Naja, diesen Konkurrenzzwang wären die meisten privaten Medien eben gerne los.

@ Tom
Sie haben Recht, j-aps Kritik an Augstein in diesem Zusammenhang war und ist ungerechtfertigt.
Mag ja sein, dass Augstein bei seinen Plädoyers für die ö-r RFA auch ganz persönliche Motive trieben, aber sei's drum, abgesehen von der Verwendung einiger irreführender Begrifflichkeiten hat mich sein Engagement damals begeistert.
Nicht nur beim Freitag, sondern auch hier.

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Ehemaliger Nutzer 29.09.2011 | 22:20

Wer sich Jauch reinzieht, ist selbst Schuld. Jauch ist für mich ein einfältiger Schwätzer, der eigentlich von allen Leuten überschätzt wird, so wie Merkel auch. Im RTL paßt er gut hin, da kann er seine Rätsel vom Blatt ablesen, aber von der Poltik hat dieser Typ keinerlei Dunst.

j-ap 29.09.2011 | 22:54

"Sie haben Recht, j-aps Kritik an Augstein in diesem Zusammenhang war und ist ungerechtfertigt."

Nein, ist sie nicht, und um zu wissen, warum sie es nicht ist, empfiehlt es sich, den genannten Artikel von Jakob Augstein noch einmal unter diesem Gesichtspunkt zu lesen:

www.freitag.de/kultur/1123-im-netz-der-interessen

Herr Augstein kennt die fälligen Einwände gegen seine Position, er kannte sie sogar schon zum Zeitpunkt, da er seinen damaligen Artikel abfaßte, weshalb er sie auch im Artikel selbst mit einem relativ simplen eristischen Kunstgriff einfach weg-erklärte, indem er ihnen Zeitlichkeit unterschob und sie damit als Problem der Adenauer-Zeit (ff.) verabschiedete, das uns heute nicht mehr betreffe -- was schlechterdings falsch ist.

Allgemein gesprochen finde ich übrigens die Augstein'sche Neigung zum (medialen) "Bonapartismus" äußerst bedenklich; vermutlich können Sciences Po-Absolventen aber nicht anders.

Calvani 29.09.2011 | 23:09

Streifzug, da verlangst du ganz schön viel von den Privaten. Letztendlich belebt Konkurrenz zwar das Geschäft, aber außer Konkurrenz zu laufen hat auch Vorteile v.a. in ökonomischer Hinsicht.

J-ap, ich finde den von dir kritisierten Punkt nicht im verlinkten Artikel, den ich übrigens auch bei seinem Erscheinen schon gelesen hatte. Augstein kritisiert doch gerade, dass sich die Staatsnähe trotz der beschriebenen Abwehrversuche ergeben hat.

takamura 29.09.2011 | 23:09

"Gysi erwähnt in seiner Rede ein Papier, das Frau Merkel vorlegte und das wortwörtlich vom Bankenverband stammt. Hätte er das erfunden, so hätte der halbe Bundestag empört aufschreien müssen, Gysi hätte einen Ordnungsruf als Verleumder bekommen müssen. Nichts geschah, weil die Geschichte stimmt."
genau das habe ich gemeint: das sind details die manchen bekannt sind und es passiert nicht, kein aufschrei.
es gibt keine tabus mehr.
mit machtansprüchen der politiker wollte ich nicht sagen, dass die politiker mächtig sind, sondern in einer pseudomacht ihre pseudomacht erhalten wollen.
letztendlich sind es einige viele reiche die ihre besitztümer auf vielerlei verteidigen.
global wie auch lokal.
was der masse und den wenigen aufgeklärten menschen fehlt, dass sie sich nicht organisieren können. sie können keine kontinuierliche bewegung bilden, die als gegenstück zu den kapitalisten und ausbeutern wahrgenommen werden.
y.d.

Joachim Petrick 29.09.2011 | 23:34

@Jakob Augstein

"Jauch bewies in seiner ganzen nuschelnden Harmlosigkeit, dass man auch eine politische Talkshow zu einem komplizierten Thema so moderieren kann wie die Sendung mit der Maus."

Formidable Pointe, samt Grund, warum ich mir die Jauch durchmerkelte Sendung nicht angetan.

"Hätte Jauch die Arbeit eines Journalisten gemacht, hätte er die Kanzlerin nach dem deutschen Beitrag zur europäischen Krise befragt, nach dem Zusammenhang zwischen dem phänomenalen deutschen Exportüberschuss und dem Defizit der EU-Partner. Und er hätte über den Lohnverzicht gesprochen, der den deutschen Arbeitnehmern aufgezwungen wurde und der ihre europäischen Kollegen in die Arbeitslosigkeit getrieben hat. "

Das Talkspiel ist dabei:

"Wer hält es als Talkmaster am längsten aus, nichts zu sagen, wenn der Gast, in diesem Falle Bundeskanzlerin Angel Merkel, robust beredt nichts sagt, nur eine Flachmann Flaschenpost ins nächste Medien Jahrhudert versenkt..

Das ist aber auch eine neurokatholisch selbstkasteiende Leistung, zu der gegenwärtig unter der prominenten Moderatoren Riege nur Günther Jauch bereit und fähig scheint: Poohh!

Aber nach dem kürzlichen Papst Benedikt XVI Besuch im Deutschen Bundestag zu Berlin, den Sie, lieber Jakob Augstein ja so kämperisch enthusiastisch begrüßt haben, ist das kein Wunder bzw. das Wunder, das Papst Benedikt XVI geschaffen spurensicher als Fussabdruck hinterlässt. .

"Es liegt allerdings die Vermutung nahe, dass Jauch der beliebteste Moderator des Landes ist, weil er diese Fragen nicht stellt"

Viele denken, der ist so beliebt, der Günter Jauch, deshalb müssten sie ihn geszwungener Maßen aus Selbsterhaltungs- Sympathiegründen auch liebenswert finden.
Dabei ist der Günter Jauch ganz anders, ersten, kommt er nur nicht dazu, zweitens, er traut es sich auch nicht, sein Anderssein zu zeigen.

Kennen Sie den Witz:

"Wenn Pferde Katzen wären, würden die Bäume hochklettern und Vögel jagen".

"Wenn Flaschen Journalisten wären, würden die sich, vorher spiritus sanktus, von ihrem eigenen Inhalt verzaubert, selber aussaufen, entleert in Talkrunden gehen, mit leerem Blick, fraglos beredt, sinnfrei in die Gegend auf und dann doch an den Gästen vorbei starren, wenn Sie wissen, was ich meine?

tschüss
JP

siehe dazu:

www.freitag.de/community/blogs/joachim-petrick/--rettungsfond-politik-auf-der-ueberholspur

29.09.2011 | 03:24
€- Rettungsfond Politik auf der Überholspur
bundestag haushaltskontrollrecht rettungsfond rettungsschirm ezb fed schuldnerstaaten gläubigerstaaten eurokrise staatsverschuldung maastrich mefo-wechsel hjalmar schacht reichsbank

€- Rettungsfond Management greift, kreditschöpfend, bei der EZB nach Hebeln für den €- Rettungsfond.

Joachim Petrick 29.09.2011 | 23:39

@Tiefendenker

"Mir verrät die "gläsene Fabrik" folgendes: Es gibt zwischen dem Papstbesuch und dem prompten Interview der Kanzlerin einen klaren inhaltlichen Bezug - siehe:

www.hh-violette.de/politik/des-papstes-rotkappchen-und-der-bose-wolf.html "

Das sehe ich auch so:

siehe:

www.freitag.de/community/blogs/joachim-petrick/benedikt-xvi-ein-papst-mit-herz-ohne-hoersinn?

23.09.2011 | 15:14
Benedikt XVI, ein Papst mit Herz ohne Hörsinn?
papst_benediktxvi papstbesuch papast bundestag ratzinger vatikan kurie uno honecker berliner_mauerfall patchwork_religionen relativismus kelsen positivismus

Was ist verhängnisvoller, was befreiender, ein gegenwäriger Hörsturz im päpstlichen Herzen oder der Sturz des Heiligen Stuhls?

j-ap 29.09.2011 | 23:41

"Augstein kritisiert doch gerade, dass sich die Staatsnähe trotz der beschriebenen Abwehrversuche ergeben hat."

Ja eben! Und nicht: trotzdem, sondern gerade deswegen leitet er aus diesem Befund nach einigen sehr bemühten Analogien die wundersame Fähigkeit des Staatsfernsehens ab, es "besser" zu machen. Deswegen, weil sich der Staatsfunk geradezu notwendig am verhimmelten Augstein'schen Ideal als einer Mischung aus Agora, regimen morum und Volkshochschule blamieren muß, soll es ihn erst recht geben, weil nur es es vermöchte, durch "Kritik" (die genauer besehen gar keine ist, sondern sich bloß als Antrag an die Hierarchen darstellt, es beim nächsten Mal halt anders zu machen) sich immer weiter emporzuläutern, bis er irgendwann einmal der Volksempfäner ist, der den Laden rund laufen läßt, weil er von unten nach oben als Instrument der Dauerabstimmung über politische Sachverhalte und von oben nach unten als leuchtendes Organ der staatlichen Benevolenz funktioniert; dem Herrschaftspersonal wird zugleich "kritisch" auf die Finger geschaut, dafür darf und soll dieses dann aber auch nach unten durchreichen, wie die Basis regiert wird.

Und eben dies ist der mediale Bonapartismus, von dem ich sprach: der Augstein'sche Staatsfunk bewährt sich gerade dadurch und daran, daß er gegen den manifesten Willen und die "vested interests" aller Fraktionen verstößt, aber nur, um sie anschließend in noch reinerer, universalerer Form und höherer Potenz zu bedienen.

Tom Bombadil 30.09.2011 | 00:26

@Jakob Augstein

Lieber Herr Augstein,

ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht so recht, wie und wo ich anfangen soll; bei Ihrem Leitartikel.

Also, mal von oben...
Die ersten 3 Absätze: Grandios. (Das ist keine Schleimerei, das meine ich so!) Vor allem die Dekonstruktion der "Krise" und des Kairos. Habe ich so noch in keiner anderen Postille gelesen. Da können sich die Edelfedern von FAZ, SZ, DIE ZEIT etc. noch ne Scheibe abschneiden!

Tja, und dann wird's schief. Um nicht zu sagen krumm. Deutlicher: Es wird krumm und schief. Oder noch schlimmer: Daneben; und zwar ziemlich. Wäre ich jetzt schlecht drauf, würde ich schreiben "Völlig daneben"! (Bin ich aber nicht - also schlecht drauf. Daher belasse ich es beim Konjunktiv.)

Die Sendung mit der Maus
Das ist Aufklärung pur! Im Unterschied zur Vernebelung derselben durch Merkel/Jauch. Letzteres kritisieren Sie ja auch zurecht.

Die Maus erklärt die Herkunft, das Werden, das Produzieren, das Entstehen von Fakten/Dingen/Sachverhalten/Produkten.

Die Maus stellt Fragen, die Fragen sind; keine Pseudos. Und da kommen echte Antworten bei raus. Keine Merkels.

Die Sendung mit der Maus ist kein Propaganda-Theater! Keine Vorspiegelung falscher Tatsachen!
In der Sendung mit der Maus wird Aufklärung im besten Sinne betrieben. Ausgewiesen zwar nur für kleine Menschen, aber ergebnisproduktiv ebenso für Erwachsene.

Jauch hingegen stellt Pseudos, keine Fragen. Der will gar nicht wissen, wieso, weshalb, warum. Das haben Sie doch alles völlig richtig geschrieben. (Auf die Kanzlerin gehe ich hier gar nicht ein; die hat völlig andere Interessen.)

Also, warum, um Himmels Willen, hängen Sie Ihr für mich völlig folgerichtiges Anliegen und Ihre zutreffende Schlussaussage

>>>Hätte Jauch die Arbeit eines Journalisten gemacht, hätte er die Kanzlerin nach dem deutschen Beitrag zur europäischen Krise befragt, nach dem Zusammenhang zwischen dem phänomenalen deutschen Exportüberschuss und dem Defizit der EU-Partner. Und er hätte über den Lohnverzicht gesprochen, der den deutschen Arbeitnehmern aufgezwungen wurde und der ihre europäischen Kollegen in die Arbeitslosigkeit getrieben hat. Es liegt allerdings die Vermutung nahe, dass Jauch der beliebteste Moderator des Landes ist, weil er diese Fragen nicht stellt.>>>

an diesem völlig falschen Beispiel mit der Maus auf?

Nachtrag:
Wie man an meinem Geschreibsel unschwer erkennen kann, bin ich kein Journalist. Auch kein Lehrer, oder anderweitig Sprachmächtiger. Als einfacher Mensch, der sich zum Nachdenken zwingen muss, erkenne ich aber Bilder, die falsch sind. Die nicht das erklären, was sie mutmaßlich bezwecken sollen. Und das tut mir weh.

Solidarischen Gruß
Tom
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Kein Projekt nirgends

Tom Bombadil 30.09.2011 | 00:50

@Fahrenheit 451

Günter Gaus war einer der Herausgeber des Wochenblattes DER FREITAG; bis er 2004 verstarb. Ohne ihn (und, weiß Gott, einige andere!) gäbe es diese Zeitung heute gar nicht.

Er war einer der besten Journalisten in der Nachkriegs-BRD. Ich verehre ihn sehr. Er hat unglaubliche Artikel geschrieben. Frau Baureithel und Herr Jäger dürften ihn noch gekannt haben, als Chef.

Außerdem war er der erste Botschafter der BRD in der DDR. (Das hieß damals im Westen in den siebzigern offiziell "Ständiger Vertreter der Bundesrepublik in der DDR").

Außerdem war er mal Chefredakteur des SPIEGEL. Damals noch ein Wochenblatt, das man als anständiger Mensch kaufen und lesen konnte, ohne, wie heute, das Gefühl zu haben, man läse die BLÖD-Zeitung, oder ein anderes pornografisches Blatt.

Vorbei. Alles.

Gruß
Tom
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Kein Projekt nirgends

Tom Bombadil 30.09.2011 | 01:03

@j-ap

"jap schrieb am 29.09.2011 um 21:41"

Sagen Sie, gibt's Ihren Kommentar auch nochmal auf deutsch? (Wenn's sein muss, auch auf englisch; da versteh' ich Dinge, die auf deutsch völlig verschwurbelt rüber kommen, immer noch besser, als im Original. Angelsachsen können komplexe Sachverhalte eh' besser verständlich machen; mir zumindest).

Ich frag' nur, weil ihr höchst elaborierter Code massiv an meine intellektuellen Fähigkeiten stößt.

Wäre jedenfalls nett.

Danke im Voraus
Tom

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Kein Projekt nirgends

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Ehemaliger Nutzer 30.09.2011 | 01:38

@Tom Bombadil
Günter Gaus war einer der Herausgeber des Wochenblattes DER FREITAG; bis er 2004 verstarb. Ohne ihn (und, weiß Gott, einige andere!) gäbe es diese Zeitung heute gar nicht.

2001 ist er aus der SPD ausgetreten, nachdem Bundeskanzler Gerhard Schröder sich zur „uneingeschränkten Solidarität“ mit der US-Regierung bekannt hatte.

Damit klar wird, wie Gaus die Gespräche geführt hat, hier ein Beispiel aus dem Jahre 1967:



Er läßt seinen Gast reden, er hakt nach, aber es bleibt immer klar, daß die Hauptperson sein Gast ist.
Auf der Suche nach diesem Beispiel bin ich auf das hier aus dem Jahre 1978 gestoßen:



Gesprächsführer ist hier nicht Günter Gaus, sondern Günter Nenning. Vier Gäste, ein Streitgespräch. Und - man glaubt es kaum - die haben sich tatsächlich 3 (!) Stunden Zeit nehmen dürfen für ihr Gespräch.
Jetzt kommt allerdings die bittere Pille: Man sieht zwar das 3sat-Logo, aber das kommt nur daher, weil es dort deutlich später wiederholt worden war. Die Originalsendung war im "Club 2"des Österreichischen Rundfunks und der SPIEGEL hatte schon damals, also 1978, beklagt, diese aufregende Debatte sei "undenkbar im öden deutschen TV-Betrieb".
"Freier Geist weht längst nicht mehr durch deutsche Fernsehstudios. Dort trifft sich, zum Polit-Palaver, nur das Establishment. Dort sitzen und öden die Partei-Marionetten und Verbandsfunktionäre, die Profis im Nichtssagen. Dort vollzieht sich das triste Ritual von "Journalisten fragen -- Politiker antworten", da buckeln die ehrerbietigen Moderatoren, die alles glätten und nach Proporz abzählen.
In diese Leisetreterei, diesen politischen Kastratenchor paßt keine profilierte Meinung, keine böse Polemik; immer schon haben sich die TV-Aufsichtsbeamten vor der Sendung vom weltanschaulich ordnungsgemäßen Zustand ihrer Studiogäste überzeugt.
Und daß diese Spielregeln eingehalten werden, dafür sorgen die politischen Oberaufseher, die dickbräsig in den TV- und Rundfunkräten sitzen und buchhalten, voran die der CDU/CSU."
www.spiegel.de/spiegel/print/d-40616120.html

Ciao
Wolfram
Calvani 30.09.2011 | 02:00

@ j-ap
Ich bin nach der Lektüre deines Kommentars vom 29.09.2011 um 21:41 leider nur geringfügig klüger als vorher. Und antworten, will heißen: inhaltlich eingehen kann ich darauf schon gar nicht.
Meiner Meinung nach geht es momentan darum, die Weichen zu stellen, damit sich die ÖRen auch im Netz systematisch etablieren und neben den PRen halten können. Davon abgesehen gibt es sicherlich genügend Kritikpunkte sowohl was die Inhalte der ÖRen als auch ihre Organisation betrifft. Und diese beiden Aspekte - zukünftige Netzpräsenz und Kritik - hat Augstein zu meiner großen Freude auch mehrfach deutlich gemacht.

@ Tom
Aber bitte doch!

Tom Bombadil 30.09.2011 | 02:11

@Wolfram Heinrich

Ganz herzlichen Dank für Ihren Kommentar, besonders für diese beiden Sternstunden deutschsprachiger Fernsehaufklärung. Nein, früher war nicht alles besser; aber das schon!

Habe das Dutschke-Interview früher schon mal gesehen und erinnere mich gern daran. Nenning war mir ebenfalls aus dem alten BRD-Fernsehen (3 nach 9?!) bekannt. Die von Ihnen verlinkte Sendung ist mir jedoch nicht erinnerlich. Dank dafür!

Zeitzeugnisse, die man aufheben sollte, wenn möglich. Und Beweise dafür, dass das böse, böse BRD-Staatsfernsehen sehr wohl seine Gebühren wert war.

Günter Gaus.
Erinnern Sie sich noch an seinen grandiosen Artikel "Warum ich kein Demokrat mehr bin"? Oder seine Verteidigung des Kleibürgers?

Den ersten Artikel habe ich noch irgendwo gebunkert (auf einem anderen Rechner, muss mal suchen gehen). Die Verteidigung des Kleinbürgers habe ich als Artikel leider nicht mehr präsent. Der FREITAG öffnet heute sein Archiv ja nur bis 2005. Daher kann man diese und andere Artikel leider nicht mehr einsehen. Traurig.

Gordian Troeller
Erinnern Sie noch "Kinder der Welt" und "Frauen der Welt", von diesem großartigen Journalisten?

Aufklärung vom Feinsten. Im Fernsehen. Das kann man den Heutigen kaum noch erklären.

Dank nochmal und Gruß
Tom
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Ehemaliger Nutzer 30.09.2011 | 02:47

@Tom Bombadil
Günter Gaus.
Erinnern Sie sich noch an seinen grandiosen Artikel "Warum ich kein Demokrat mehr bin"? Oder seine Verteidigung des Kleibürgers?

Nein, zu der Zeit war ich in Italien und habe relativ wenig von dem mitbekommen, was in Deutschland passiert ist.

Den ersten Artikel habe ich noch irgendwo gebunkert (auf einem anderen Rechner, muss mal suchen gehen). Die Verteidigung des Kleinbürgers habe ich als Artikel leider nicht mehr präsent. Der FREITAG öffnet heute sein Archiv ja nur bis 2005. Daher kann man diese und andere Artikel leider nicht mehr einsehen. Traurig.

Den ersten Artikel findet man hier (leicht gekürzt):
www.freitag.de/2004/22/04220201.php
Der zweite Artikel ist für 2 EUR hier zu beziehen:
archiv.sueddeutsche.apa.at/sueddz/index.php?id=A22949419_EGTPOGWPPEPEPHGWWTRTROT

Ciao
Wolfram

Streifzug 30.09.2011 | 02:53

Ihr seid ja immer noch dran. Letztlich habe ich auf einem Büchertrödelmarkt "Günter Gaus, Was bleibt sind Fragen, Die klassischen Interviews" erstanden, gebunden, neu, bestens, für einen Euro. Das ist der aktuelle Kurs. So ein Buch, fast geschenkt.

Mit Erhard, Gründgens, Dehler, Niemöller, Edward Teller, Wehner, Strauß, Arthur Koestler, Mende, Gerstenmaier, Brandt, Hanna Arendt, Abs, Golo Mann, Adenauer, Schmidt, Dutschke, Heinemann, Heinrich Albertz.

ChristianBerlin 30.09.2011 | 03:24

@Calvani

Wer läuft denn da im Hintergrund ständig im Bild rum? Ist das Michael Angele?

@j-ap

der Augstein'sche Staatsfunk bewährt sich gerade dadurch und daran, daß er gegen den manifesten Willen und die "vested interests" aller Fraktionen verstößt, aber nur, um sie anschließend in noch reinerer, universalerer Form und höherer Potenz zu bedienen.

Lieber Josef,

was sofort einsehe, ist die Kritik an der Pseudokritik im ÖR-Fernsehen (der DLF kann auch anders). Das ist an dem unkritischen Gespräch mit der Kanzlerin zu abzulesen und an der Abwesenheit der wirklich kompetenten Kritiker, die im Moment zu keiner Talkshow mehr eingeladen werden.

Was ich noch nicht verstehe ist, woher Du wissen willst, dass JA genau solche Pseudokritik ebenfalls will, obwohl er es hier (und auch sonst, selbst in dem Interview) am ÖR-F kritisiert.

Kannst Du hellsehen? Oder ist das ein Analogieschluss aus seinen unkritischen Äußerungen hier auf freitag.de, aus den kritiklos anerkennenden Worten, die er zu unserer aller Überraschung schon für den Neoliberalismus oder für den Papst hatte? Oder weißt Du noch aus einer anderen Quelle, dass JAs Kritik nur der Verschleierung von Kritiklosigkeit dient?

LG Christian

j-ap 30.09.2011 | 17:43

@ ChristianBerlin schrieb am 30.09.2011 um 01:24

Lieber Christian,

selbstverständlich kann ich nicht hellsehen, Losstäbe deuten oder dem Vogelflug das eine oder andere höhere Wollen entnehmen.

Was ich aber kann: Den Herrn Augstein bei seinen eigenen Worten nehmen. Und die lassen aus meiner Sicht eben nur den Schluß zu, den ich oben versucht habe, darzustellen.

Ich räume allerdings sehr gerne ein, daß dieser Schluß nicht einfach so daherkam, sondern in einem etwas weiteren Zusammenhang faßbar wird, den ich hier und da schon einmal zur Sprache brachte. Der bereits angesprochene latente Augstein'sche Bonapartismus gehört genauso dazu wie die -- mE immer deutlicher werdende -- autoritäre Sehnsucht, die den Linksliberalismus schon immer gekennzeichnet hat.

Grüße
Josef

Achtermann 30.09.2011 | 18:09

Jens Berger über Augstein und den Spiegel:

"Der einzige Kolumnist, der hin und wieder Meinungen publiziert, die nicht auf SPIEGEL-Linie sind, ist der SPIEGEL-Mitinhaber Jakob Augstein. Er schreibt zwar viele vernünftige Sachen, schreibt aber auch viel Unfug und ist dabei ungefähr so systemkritisch wie die SPD. Mal drischt er in bester BILD-Manier auf die Linkspartei ein, mal verteidigt er einen nicht ideologischen Neoliberalismus, ohne dem Leser Antwort zu geben, was das eigentlich sein soll, mal bejubelt er die katholische Kirche. Es scheint eher so, als sei Augstein selbst die fleischgewordene Meinungspluralität. Für den SPIEGEL ist er kaum mehr als ein mehr oder weniger linksliberales Feigenblatt. Selbst seine besseren Artikel gehen in der täglichen Flut der Meinungsmache in diesem Medium unter. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer – erst recht dann nicht, wenn sie so aufgeplustert ist, dass sie gar nicht fliegen kann."

Streifzug 30.09.2011 | 18:51

Ich lese immer nur Bonapartismus. Bestimmt hat jemand J.A.-P. das lesenswerte Buch "Demokratie oder Bonapartismus" von Domenico Losurdo geschenkt.

Die massiv theoretisch- und weitschweifigen Erläuterungen lassen sich recht bündig zusammenfassen:

Öffentlich-rechtliches-"Staatsfernsehen" sei Mist und das doppelt, da "Wahrheit" vorgetäuscht würde.

Kommerzielle seien auch Mist, das aber nur einfach, da es jedem klar sei.

Und nun? In welcher Art von Vierte-Gewalt-Mist sollen die Menschen sich suhlen? Oder gibt es eine Alternative? Dann aber mal raus damit. Die Lach-und Sachgeschichten mit J.A.-P. haben doch bestimmt ein lehrreiches Ende ;)

j-ap 01.10.2011 | 01:05

"Streifzug, Konstruktives von j-ap zu erwarten ... ist ... aussichtslos ..."

Ich freue mich, daß ihr herzensguten Seelen mal wieder die älteste Kachel vom Ofen gekratzt habt, die der bürgerliche Bauchladen so hergibt: Jetzt sei nicht immer nur destruktiv, Du Querulant, sondern trage mal mit "konstruktiver Kritik" selbst was bei, Himmel Arsch und Zwirn nochmal!

Achtung, Durchsage (die deshalb, weil das, was ich jetzt erkläre, unabhängig vom hiesigen Thema überall gilt): "Konstruktiv sein", mithin also das Ansinnen oder die Aufforderung, zu einer "konstruktiven Kritik" zu kommen, ist vorsätzlicher Aufklärungsverrat.

Begründung:



1. Es kann sein, daß eine erklärte, also nach der Seite ihres Zweckes bewußte Sache meinem Interesse entspricht, aber dieser Zweck lediglich schlecht verwirklicht wurde und dies der Grund ist, weshalb sie sich mir gegenüber als Hindernis bemerkbar macht. Hier ist das fällig, was Hegel das "Urteil des Begriffs" nennt: Die Sache ist, für sich selbst genommen, zwar in Ordnung, aber ihre besondere Ausprägung unvollkommen, gemessen an ihrem Begriff. "Konstruktiv" im landläufigen Sinn ist daran nicht die Kritik, sondern lediglich der Umstand, daß das Funktionieren der jeweiligen Sache in meinem Interesse liegt.

2. Es kann aber auch sein, daß die Sache schon ihrem Begriff nach nicht bloß irgendeinen Mangel hat, der in meinem Interesse tunlichst zu beseitigen wäre, sondern vielmehr schon der Grund ist für meinen Schaden -- dann liegt es alles andere als in meinem Interesse, mich an der Sorge um sie zu beteiligen, d.h. sie irgend zu "verbessern" (denn sie funktioniert ja offenkundig viel zu gut und ihre Aufbesserung liefe ohnehin nur auf die theoretische Konstruktion (!) eines Ideals [*] hinaus, mit dem ich mich in Absehnung der realen Misere über die nächsten Runden rette) und ich bin gut beraten, mich stattdessen um ihre Beseitigung und Abschaffung zu kümmern.

___
*) Wie solche Ideale im Einzelfall aussehen können, demonstriert gerade Herr Augstein weiter oben. Beispiel: "Selten wurden die zwei zentralen Prinzipien der deutschen Mediendemokratie – Verblödung und Unterforderung – so offenbar wie hier ..." Herr Augstein hat sich mal eben ideell an die Spitze des Staates gestellt und mithilfe des Herrschaftswissens der Unterscheidung zwischen Blöd und Gescheit von dort aus die Hirnreserven der Nation auf Herz und Nieren geprüft und dabei festgestellt, daß tatsächlich nicht wenige Mitbürger signifikant blöder aus dem Fernsehsessel aufstehen als sie sich hineingesetzt hatten. Ein klarer Fall für die Qualitätssicherung im Volksempfänger!
Calvani 01.10.2011 | 02:03

Lieber j-ap,
diesen, deinen letzten Kommentar zu lesen, war eine wahre Wonne für mich - das meine ich ausnahmsweise ganz ohne Ironie.
Dennoch lässt sich deine Einlassung kurz und knackig zusammenfassen. Entweder eine Sache ist modifizierende Anstrengungen wert oder eben nicht. Aber auch dann, wenn du eine Sache schon dem Grunde nach für überflüssig und nicht mehr modifizierbar hälst, bleibt der Kontext zurück. Und aus diesen Umständen ergibt sich i.d.R. auch ein Surrogat der Sache.
Konkret: Bist du dem Grunde nach gegen ö-r RFAen, dann bleiben die Privaten unter sich.
Hier zeigt sich, wie nahe Destruktion und Konstruktion bei einander sein können.
Ich gebe zu, dass sich an diesem Artikel mal wieder Augsteins Schwächen zeigen. Seine Referenzen und Metaphern sind unzulänglich - so kann beispielsweise die Sendung mit der Maus, das wurde hier ja hinreichend diskutiert, eben nicht als Motiv für die Beliebigkeit von Fragen und Antworten herhalten. Und wie ich weiter oben schrieb, könnte Augstein, wenn es um kritischen Journalismus geht, auch vor seiner eigenen Haustüre kehren.
All dem zum Trotz: Die wenigen Sendungen, die ich online schaue und höre, erscheinen alle im ö-r Rahmen, wehalb ich für den ö-r Rundfunk bin, was mich aber genau so wenig wie Augstein daran hindert, am Programm der ö-r Sender scharfe Kritik zu üben.

Nun aber mal Butter bei die Fernseh- und Radiofische: Wie hättest du's denn gerne?

g. 01.10.2011 | 08:46

Ich frage mich ja immer, was diese ominöse Mediendemokratie eigentlich sein soll? Im Meinungsstreit wurden ja bekanntlich im Laufe der Zeit verschiedene Medien genutzt, angefangen bei den Flugschriften, Zeitungen über den Rundfunk, das Fernsehen und jetzt eben das Internet. Das Problem war eigentlich immer, dass wer die Macht hat auch die jeweiligen Medien umfangreicher nutzen konnte als die, die weniger Macht hatten, gezielter und damit einflussreicher die Meinungsbildung betreiben konnten (gilt im Übrigen auch für das Internet). Propaganda kann man in jedem Medium betreiben.

ChristianBerlin 01.10.2011 | 11:52

@j-ap

Lieber Josef,

danke, das waren erhellende Antworten, insbesondere das Postscriptum der letzten.

Ich schließe mich aber der Frage von @Calvani an:

Gibt es einen Gegenentwurf?

Das ÖRF ist ja kein Unfall der Medienevolution wie vielleicht das HIV-Virus in der biologischen, es ist da, weil es bestimmte Zwecke erfüllt und Bedürfnisse bedient, würde in irgendeiner Form also irgendwann (modifiziert) wiederentstehen, wenn man es wegnähme. Was wäre dann an seiner Statt da, was könnte seine Funktionen übernehmen - oder sind sie alle nur schädlich - was ja nicht mal beim Opium so ist?

LG Christian

Angelia 01.10.2011 | 13:22

na ja, die Einschaltquoten zeigen, dass das Interesse an der Merkelshow ohnehin nicht sonderlich hoch war. 4,3 Mill. Zuschauer von ca. 82 Mill. Bundesbürger. Frau Merkel´s Rede an die Nation hat quasi gerade mal so knapp die 5% Hürde übersprungen. Insofern kann man die Schadensbilanz der Sendung nicht nur als Marginalie verbuchen, sondern auch die Hoffnung hegen, dass die Bevölkerung eben vielleicht doch nicht so blöd ist, wie ein FDP-Abgeordneter meint.

(Oder der Tatort war so unspannend, dass die meisten einfach schon zu müde für Jauch/Merkel waren. (Danke Köln) )

Ansonsten muss Herr Jauch das kritisch offene Fragen stellen vielleicht einfach wieder einüben....
Was passiert eigentlich, wenn ein Journalist sich weigerte sich zum propagandistischen Steigbügelhalter einer Kanzlerin degradieren zu lassen?

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fahrenheit-451 01.10.2011 | 15:54

@ChristianBerlin schrieb am 01.10.2011 um 09:52

"Das ÖRF ist ja kein Unfall der Medienevolution wie vielleicht das HIV-Virus in der biologischen, es ist da, weil es bestimmte Zwecke erfüllt"



HIV-Virus ist mit Sicherheit kein Unfall in der biologischen Evolution. Genauso wie es auf dieser Welt keine Zufälle gibt, weil Gott nicht würfelt, gibt es in der Evolution auch keine Unfälle. Das mit Unfällen ist - sorry - eine völlig falsche Auffassung von den evolutionären Mechanismen. Denn jeder Unfall erfüllt seinen Zweck und zwar positiven.
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fahrenheit-451 01.10.2011 | 16:03

@Streifzug schrieb am 01.10.2011 um 00:05
@Streifzug schrieb am 01.10.2011 um 00:58

Vielen Dank für diese Verlinkungen, diese Musik ist fantastisch, sie geht mir direkt in ins Knochenmark. Ich habe sie heute nachts angehört und war so verzaubert, dass ich sofort - also eben mitten in der Nacht - alles auf mein MP3-Player (bzw. auf eine inzwischen schon 14. SD-Karte) geladen habe, was ich von Arno Pärt finden konnte... diese Stücke, die Du hier verlinkt hast eben auch. Die Musik ist einfach wunderbar, sie tut so gut...

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fahrenheit-451 01.10.2011 | 17:29

@Streifzug schrieb am 30.09.2011 um 14:31
@Wolfram Heinrich schrieb am 30.09.2011 um 14:45

Leute, Ihr macht die Sache zu kompliziert. Easy muss man leben, easy:

http://fantasy.ifokus.se/Sites/329ffc91-4923-452c-b1dc-c68d260f50e2/kentaur.jpg

Easy, entspannt und locker:

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/thumb/d/d8/Kentauren_Mosaik.jpg/800px-Kentauren_Mosaik.jpg

Und hier ist eine Soft-Variante extra für Calvani... muss bestimmt sehr fantasieanregend sein:

http://www.hoio.ch/04_ateliers/herzog_samuel/privat/500x333_kentaur_3.jpg

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fahrenheit-451 01.10.2011 | 17:53

Aber im Ernst: Es wundert mich, in welche Richtung die Diskussion driftet. Kann Augstein oder kann er nicht? Ich bin absolut überzeugt, dass er kann, aber wäre nicht eine andere Frage mindestens genauso vom Gewicht, und zwar, wie will man Merkel in diese Sendung hinbekommen? Glaubt Ihr tatsächlich, sie wäre total scharf drauf, sich wirklich kritischen Fragen zu stellen? Da kann ich mir schon bildhaft ausmalen, wie sie im Kanzleramt gespannt auf Augsteins Anruf wartet...

kamunar 01.10.2011 | 19:05

@streifzug

"Ein Vorschlag:
Statt "Augstein und Blome" eine Sondersendung "Augstein und Merkel". Dann können Sie der verwunderten Öffentlichkeit mal vorführen, wozu kritischer Journalismus fähig ist. Das haben Sie bestimmt auf der Pfanne."

das ist ironisch gemeint oder? ehrlich gesagt, bei augstein und blome fühle ich das wort fremdschämen am eigenen leibe, selten eine selbstdarstellung gesehen, in der geltungsdrang und selbstverliebtheit so auf die spitze getrieben wurden...

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Ehemaliger Nutzer 01.10.2011 | 20:58

@Calvani
Verletzte Eitelkeit, Rache und verschmähte Liebe sprechen zu Ihnen aus diesem einen Satz? Das ist doch lyrischer Stoff für eine ganz große Oper. Und falls es eine Community(seifen)oper geben sollte, bin ich natürlich dabei - solange ich die Hauptrolle spiele.

Dann will aber ich den Tenor machen und meine Arie "Die Frau ist ein Möbelstück" (Donna è mobile) von Schusepppe Pferdi in den virtuellen Raum schmettern.

Ciao
Wolfram

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Ehemaliger Nutzer 01.10.2011 | 21:45

@Calvani
Einverstanden, Wolfram, einverstanden!
Ich singe übrigens Sopran.

Äh, geil, ey! Damit sollten wir Fuh Rohre machen bei den feinsinnigen Kulturschmocks.
Die Frau, das ist ein Möbelstück,
Ist manchmal Kautsch und manchmal Schrank.
Das schafft uns Männern manches Glück,
Drum sagen wir den Weibern Dank.

Jetzt sag mal selbst: Hat jemals 1 Mann den Frauen glutvoller inniger gehuldigt?

Ciao
Wolfram
P. S.: "Huldigen" ist überhaupt ein ganz wahnsinnig geiles Wort. Ob wir zwei - du, hulde Calvani, und ich - es noch schaffen werden, dieses Wort zum "Wort des Jahres 2011" zu pushen?

ed2murrow 01.10.2011 | 21:46

Die öffentlich-rechtlichen Anstalten haben nach Einführung ihrer Depublikationspflicht einen strukturellen Präsenznachteil gegenüber allen anderen Anbietern: Im Netz. Ist dadurch das Netz schlechter oder besser geworden mit Blick auf die "Grundprinzipien der Mediendemokratie"? Und was bedeutet das für "Medien", was auch immer nun darunter zu verstehen sei?

Die Frage würde sich Jakob Augstein nicht mit einer "Sendung mit der Maus" beantworten, sonder via "Wissen macht Ah", wäre ein ihm genehmerer Kanzler (gerne auch weiblich) als Merkel am Werk gewesen. Und er als Moderator. Was nicht bedeutet, dass Kritik nicht auch parteiisch sein sollte, wie die kritisierte Handlung. Nur sollte es nicht ganz so offensichtlich sein.

Columbus 02.10.2011 | 00:11

In der gläsernen Fabrik können, neben Jauch, nur noch eine begrenzte Anzahl anderer Unterhalter machen was sie wollen, weil sie die Quoten bringen. - Quote ist das Ergebnis von viel Publikum, sieben Tage die Woche, rund um die Uhr. Keine Frage, Jauch und Co. stoßen auf Interesse, selbst wenn es merklich kühler ist, als noch voir Jahren.

Z.B. ist es derzeit der reinster Medienpop, nach den "sozial denkenden Unternehmern" (Beckmann, Otto) zu fahnden, die Museen stiften, gemeinnützig auftreten und Mut beweisen, wenn sie Bambis an bekannte Größen aus dem Pop und Bizz und einige für "so spielt das Leben" verleihen (Burda).

Nur in ihre abhängigen und vielfach, aus steuerlichen und betriebswirtschaftlichen Gründen, verschachtelten Unternehmen, werden Billiglöhne und Scheinselbstständigkeiten, bzw. freie Mitarbeiterschaften, befördert und zur Regel gemacht. Da enstehen die Sozialfälle von übermorgen.

Sonst bliebe ja für die Charity und die Spendengala gar nichts übrig.

Jauch kommt nicht nur mit der ARD, sondern auch noch privat ins Haus und er betreibt sein Geschäft als mittelständischer und selbstständiger Unternehmer, der seine Popularität, sein Image, kein Wissen, keine Erkenntnis und auch keine Moral, eben bestmöglich verkauft. - Da hilft man schon einmal einer Kanzlerin, die ihren Job auch ganz persönlich und für sich verrichtet und darin das erfolgreichste Politikprodukt ist, das es derzeit aus Deutschland zu wählen gibt.

Wie man sieht, funktioniert das prächtig und zwingt sogar den größten Teil der Opposition, nur noch zum Schein ein wenig dagegen zu sein.

Bezeichnend übrigens, dass die Klassenkasper der Fernseh- und Kleinkunstunterhaltung, die Leute vom Kabarett, diese Sachverhalte differenzierter auf den Punkt bringen, als je der Krawatten- und Schminke-Talkjournalismus.

Grüße
Christoph Leusch

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Ehemaliger Nutzer 02.10.2011 | 03:04

@Doris Brandt
Die Selbstdarstellung von Frau Merkel mit "Der Sendung mit der Maus" zu vergleichen, finde ich nicht ganz gerechtfertigt. "Die Sendung mit der Maus" hat nun wirklich mehr Größe.

Wenn du im Fernsee Klartext (und sei es nur für knapp zweieinhalb Minuten) zum Thema Wirtschaft hören willst, mußt du heutzutage eine Sendung über (Natur-)Wissenschaft anschauen.



Ciao
Wolfram
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Ehemaliger Nutzer 02.10.2011 | 14:52

@Fahrenheit 451
Leute, Ihr macht die Sache zu kompliziert. Easy muss man leben, easy:
(...)

Easy, entspannt und locker:

So ganz wahnsinnig rasend entspannt schauen deine Kentauren aber nicht aus. Andererseits: Wenn ich von einem Löwen und einem Tiger gleichzeitig angegriffen würde, wäre ich auch nicht mehr so ganz voll entspannt.
Außer in einem Zoo oder Zirkus ist die gleichzeitige Anwesenheit von Löwe und Tiger aber eine ganz, ganz, ganz seltene Sache.

Ciao
Wolfram

ChristianBerlin 02.10.2011 | 15:40

@Fahrenheit 451

Danke für das theologische Argument:

Genauso wie es auf dieser Welt keine Zufälle gibt, weil Gott nicht würfelt, gibt es in der Evolution auch keine Unfälle.

dem ich aber widersprechen möchte.

Dass Gott nicht würfeln würde, stammt nicht aus der Bibel, sondern von Einstein. Das war sein spontanes Argument gegen Heisenbergs Unschärferelation.

Genau an diesem Punkt hat sich Einstein jedoch geirrt und später auch korrigiert. Dass außerdem die Neutrinos vor ein paar Tagen auch die Relativitätstheorie widerlegen würden, hat er nicht mehr mitgekriegt.

Aufgrund der späteren Revision durch den Autor selber ist das Dogma "Gott würfelt nicht" jedenfalls kein wirklich gutes Argument, weder physikalisch, noch theologisch.

Und auch die Bibel redet manchmal anders von Gott als die Scholastik. Nach der chrislich-jüdischen Tradition kann der Mensch sub rationem Dei durchaus als "Unfall" oder schöpferischer Missgriff betrachtet werden:

Als aber der HERR sah, dass der Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immerdar, da reute es ihn, dass er die Menschen gemacht hatte auf Erden, und es bekümmerte ihn in seinem Herzen und er sprach: Ich will die Menschen, die ich geschaffen habe, vertilgen von der Erde,...

Ein scholastisch scheinbar unmöglicher Gedanke, dass Gott nicht weiß / wusste, was er tut / tun wird.

Man kann aber scholastisch die Frage stellen, ob die Natur in der Lage ist, Fehler zu machen.

Heute wissen wir: Auch wenn die Natur keine Fehler machen kann, könnte der Mensch ein Fehler der Natur gewesen sein, denn er ist in der Lage, die Natur abzuschaffen. Wenn wir ihr der Natur die leiseste Absicht beilegen, können wir von einem "Fehler" sprechen.

Der Unterschied zwischen dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen und dem HIV-Virus liegt, was die Notwendigkeit von beider Existenz betrifft, nach meiner Einschätzung lediglich im Zeitfaktor.

Für den Menschen, der potenziell die Natur abschaffen kann, und für das HIV Virus, das potenziell den Menschen abschaffen kann, gilt nach Murphies Gesetz, dass beide früher oder später in die Welt kommen mussten - wie beim Würfeln mit beliebig vielen Würfeln irgendwann der beliebig-facher 6er-Pasch auftreten muss, nur das WANN, ist eine Frage, die sich nicht logisch vorherbestimmen lässt.

Dagegen wird alles vom Menschen selbst für sich selbst Erschaffene, was ein Bedürfnis bedient, alsbald zeitlich vorherbestimmbar in veränderter Form wiedererstehen, wenn es abgeschafft oder verboten wird.

LG Christian

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Ehemaliger Nutzer 02.10.2011 | 17:30

@Fahrenheit 451
Baiern kommt mir inzwischen wie Atlantis vor... da gibt es alles, und zwar wirklich alles, vom Kentauren als Schweinefutter bis zu baiernbewussten Psychologen...

Ich muß doch bitten! In Bayern verfüttert man keine Kentauren an Schweine, das mit dem Saufuadan ist metaphorisch gemeint. In Bayern gibt es wesentlich mehr Doctores aller Fakultäten als Biobauern, wahrscheinlich sogar mehr als Bauern überhaupt. Also könnte man sagen: "Mir ham sovui Doktern, zum Saufuadn." Heißt, die Doktoren sind so überreichlich vorhanden und also so wohlfeil, daß man es sich leisten könnte, sie an die Schweine zu verfüttern.
Muß ich denn jedem alles erklären. Säufts.

Ciao
Wolfram

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Ehemaliger Nutzer 02.10.2011 | 17:31

@ChristianBerlin
Dass außerdem die Neutrinos vor ein paar Tagen auch die Relativitätstheorie widerlegen würden, hat er nicht mehr mitgekriegt.

Immer schön langsam. Die Wissenschaftler vom CERN trauen ihren eigenen Meßergebnissen nicht und haben alle Kollegen gebeten, das Experiment mit ihren Geräten zu wiederholen und neu zu messen.
Von einer Widerlegung der Relativitätstheorie ist das noch weit entfernt.

Ciao
Wolfram

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Ehemaliger Nutzer 02.10.2011 | 18:01

@Fahrenheit 451
Was macht Ihr denn in Bayern mit Kentauren, wenn Ihr sie Schweinen nicht verfüttert? l
Werden sie etwa in Weißwurst und Leberkäse verarbeitet?

Obst du denn an nichts als an das Essen denken kannst?
Kentauren sind hierzulande die weisen Erzieher von Helden, Denkern und Dichtern. Otto von Wittelsbach, Sohn von Ludwig I., König von Bayern, war der erste griechische König der Neuzeit.
de.wikipedia.org/wiki/Otto_%28Griechenland%29
Er hat die Kentauren von Griechenland nach Bayern importiert. Ottos Vater Ludwig I. hat sich dann selber zum Kentauren umoperieren lassen, seiner wird heute noch mit einer Statue vor dem Regensburger Dom gedacht.
http://theodor-rieh.de/heinrich/Bilder/ludwig.jpg
Ludwig war ein glyhender Verehrer Griechenlands, die heute ybliche Schreibweise des Landesnamens Bayern mit „y“ geht auf eine Anordnung Königs Ludwigs I. vom 20. Oktober 1825 zuryck, mit der die urspryngliche Schreibweise „Baiern“ abgelöst wurde. Die Landeshauptstadt München entging der Umbenennung in Mynchen nur deshalb, weil Ludwig 1848 (aus anderen Grynden; Bierpreiserhöhung, Lola Montez und yberhaupts Revolution) zur Abdankung gezwungen wurde.

Ciao
Wolfram

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fahrenheit-451 02.10.2011 | 18:21

"@Fahrenheit 451
Was macht Ihr denn in Bayern mit Kentauren, wenn Ihr sie Schweinen nicht verfüttert? l
Werden sie etwa in Weißwurst und Leberkäse verarbeitet?

Obst du denn an nichts als an das Essen denken kannst?"

Hm, Du glaubst doch nicht wirklich, dass ich Weißwurst oder Leberkäse essen würde?

Oder macht Ihr auch Eis und Schokolade aus überflüssigen Kentauren? Barbaren!

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Ehemaliger Nutzer 02.10.2011 | 18:53

@Fahrenheit 451
"Obst du denn an nichts als an das Essen denken kannst?"
Hm, Du glaubst doch nicht wirklich, dass ich Weißwurst oder Leberkäse essen würde?
Oder macht Ihr auch Eis und Schokolade aus überflüssigen Kentauren? Barbaren!

Das mein ich ja. Alles dreht sich ums Essen. Wenns keine Weißwurscht oder kein Leberkäs nicht ist, dann ist es halt Eis oder Schokolade.
Ein Baier frißt keinen Kentauren nicht, merken's Ihnen das.
In Österreich haben Kentauren sogar eine eigene Talk-Show im Fernsee, zu der sie dann andere Kentauren einladen.



Ciao
Wolfram
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fahrenheit-451 02.10.2011 | 22:19

@ChristianBerlin schrieb am 02.10.2011 um 13:40

"Heute wissen wir: Auch wenn die Natur keine Fehler machen kann, könnte der Mensch ein Fehler der Natur gewesen sein, denn er ist in der Lage, die Natur abzuschaffen. Wenn wir ihr der Natur die leiseste Absicht beilegen, können wir von einem "Fehler" sprechen."



Der Mensch ist aber ein Gottesebenbild? Dann ist Gott selbst ein Fehler?
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helena-neumann 05.10.2011 | 12:06

Lieber J.Augstein,
wie so oft bin ich so spät! Immerhin bin ich beim Lesen Ihres Artikels ins Grübeln gekommen: Wie soll ich Ihre Empörung einordnen?

Denn Journalisten kennen die Spielregeln nur zu gut. Und sicherlich haben viele hier auch Marshall McLuhan gelesen. Auf dass ich nun „Eulen nach Athen trage“.
McLuhan analysierte schon vor über einem halben Jahrhundert messerscharf: Das Medium ist die Botschaft und TV-Shows eignen sich nicht für Debatten. TV- Gespräche, ob politisch etikettiert oder nicht, sind nichts anderes als Unterhaltung. Getoppt wird so ein Format nur mehr von Quizshows. Die vermitteln, so der „Gottvater“ der Medientheorie, dem Zuschauer nämlich den Eindruck, aktiv dabei sein zu können. An McLuhan anknüpfend, hat Neil Postman wohl in den 1980ziger Jahren mit Thesen Bestseller verkauft wie „Wir Amüsieren uns zu Tode“ – und später „Wir informieren uns zu Tode“: Problematisch am Massenmedium Fernsehen sei nicht die Unterhaltung, sondern das alles Unterhaltung sein müsse, eben Show-Biss. Deshalb verbringe am Ende „der Moderator auch mehr Zeit mit dem Föhn als mit dem Manuskript“. So viel also zum Fortschritt im Fernsehen, laut Postman. Das Zuschaueraktionsfeld wäre neben Ratesendungen um den Bereich Stilberatung erweitert worden: „Hier ein Fussel, da ein schiefer Scheitel, ja, und die verdammten Hemdenknöpfe.“ Demnach hat die ARD ein Top-Schnäppchen gemacht mit Jauch: Quizmaster und Moderator in Personalunion, adrettes Schwiegermutter-Image inklusive.

„Ob das einem süßer Einlauf in unsere Gehirne“ gleichkommt, wenn Frau Dr. Merkel und Herr Jauch gefälligen Small-Talk pflegen, während die Europäische Union und der Euro den Bach runter gehen? Das darf man wohl meinen. Denn nirgendwo wird deutlicher wie sehr bei einem Massenmedium Show-Business, Wirtschaftsfaktor und Machtinstrument ineinander greifen. Das darf man recht lauthals beklagen. Denn so konsequent da das Unterhaltungsmedium Fernsehen bedient wird, so sehr wird Politik, im Fall von Merkel das Bundeskanzleramt, vorgeführt als Teil einer Beschäftigungsindustrie. Die Kosten für die Demokratie sind enorm: Statt agieren reagieren, statt Fortschritte „Stop and Go“, statt Stärkung demokratischer Institutionen deren Verfallsbeschleunigung.

Die entscheidende Frage ist allerdings neben der, wer den Preis für diese Entwicklung zahlt, die Frage, wer die Nutznießer sind, die Profiteure davon, dass die Unterhaltungskultur den politischen Diskurs eingeholt hat? Schon für Postman stand fest: Die Informationsproduzenten sind die wahren Machthaber. Wir sehen sie nicht. Sie leben hoch oben in Glaspalästen, geben sich als kultivierte Philanthropen. Von Beschwerden abgeschirmt, erreichen wir sie nicht. Dafür dürfen sie uns zumüllen mit ihrer Vorstellung von Information und Meinung. Nein, verJaucht werden wir dabei nicht, eher verBIldet. Moderatoren oder andere Bespaßer, die sind nur deren Diener. Gut, eine echte „Perle“ kostet was, ist am Ende aber ebenso austauschbar wie das politische Personal. Journalismus jedenfalls findet wo ganz anders statt.

Trotzdem darf doch einmal sinniert werden, wie das so einzuordnen ist, wenn vor der Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Mathias Döpfner, der große, mächtige Springer-CEO, den Gästereigen einleitet in eine schöne, neue Politikshowwelt. Ist das Zufall, eine unbedarfte Chuzpe der ARD, oder das Novum einer unverhohlenen Zurschaustellung der wahren Machtverhältnisse? Wer spannt da wen vor den Karren? Wo führt das hin? Zu(r Oligarchie der) Informationsproduzenten in gläsernen Fabriken?
Dem pfiffigen Hinweis lohnt es nachzugehen, gemahnt er am ehesten an Charlie Chaplins „Modern Times“.

In diesem grandiosen Film zeigt Chaplin, dass der moderne Mensch in ein Räderwerk eingespannt ist, dem er nicht zu entkommen scheint, und sich dabei abzuschaffen droht, weil er sich nicht mehr erkennen kann. Demzufolge wären nun die Informationsfabriken an die Stelle der Produktionsstätten getreten. Das Räderwerk würde sich nicht weiter in laufende Bilder kopieren, sondern Kopien von Kopien von Kopien von Bildern hätten dieses komplett verdrängt. Und haben sich Politik und Unterhaltung nicht längst so ineinander kopiert, dass das, was als laufende Bilder von „Modern Times“ einst als große Metapher seiner Zeit galt, inzwischen in Realität aufgelöst ist?
Postman freilich ist noch einen Schritt weiter gegangen und hat für solch eine Entwicklung nach Analogien in der großen, weiten Geschichte gesucht. Gestrandet ist er im Athen des fünften bis vierten Jahrhundert v. Chr. Hier durften sich nur einige wenige Demokraten nennen, also in exklusiver Runde über den Sinn und Zweck des Gemeinwesens nachdenken. Alles, auf Anfang, sollte man jetzt meinen! Jedoch dem Medienökologen standen die christlichen Orden, insbesondere die Dominikaner, näher als die attische „Grass Root Democracy“.

Das ist nicht ohne Ironie, dass Postman, der New Yorker Bilderbuch-Intellektuelle und Universitätsprofessor als Fluchtlinie einen der großen städtischen Bettelorden des 13. Jahrhunderts n. Chr. wählt. Denn diese herausragenden Intellektuellen waren anderes als ihre Vorgänger keine Kopisten mehr. Anstatt ein Buch, das war damals das begehrte Medium, nach dem anderen abzuschreiben und nicht selten, eine Abschrift von einer Abschrift von einer Abschrift vorzulegen, begannen diese Mönche, den Zeitgeist zu kommentieren. Von Universität zu Universität ziehend, interpretierten Sie die Wirklichkeit unter Einsatz ihres eigenen Verstandes und was der Federkiel nur hergab. Dabei bezogen sie ausgerechnet jene Texte ein, die das Athen des ausgehenden vierten und dritten Jahrhunderts v. Chr. hervorgebracht hatte. Die Botschaft dieser Texte ist: „Erkenne Dich selbst“.

Postman zufolge, geht es seit zweieinhalb Jahrtausenden um nichts anders als um diese befreiende Selbsterkenntnis. Moderne Massenmedien hingegen wie das Fernsehen oder Internet stehen dem konträr entgegen. Die Fülle von Informationen einerseits und sorgfältig als Unterhaltung aufbereitete Meinungen andererseits verhinderten kritische Erkenntnis und dienten nicht selten als „Droge“. Auf Kosten des Gemeinwesens, der politischen Institutionen und vor Allem des Einzelnen etabliere sich hingegen die Oligarchie der Informationsproduzenten.

Eine neue Askese sei angesagt, meinte Postman. Man muss nicht so tief in die Tradition greifen wollen, aber Abschalten wäre demnach das Gebot. Einfach aufpassen, nicht „überzulaufen“, wohl wahr! Wenn es der Selbsterkenntnis, dem mentalen Umweltschutz dient, dann sogar ohne Ansage!

Ihre
HN

P.S Leider viel zu wenig beachtet : www.freitag.de/kultur/1129-s-er-einlauf-in-euer-hirn; www.freitag.de/kultur/1129-der-hohepriester-der-popkultur; Postman: www.youtube.com/watch?v=uglSCuG31P4

ChristianBerlin 06.10.2011 | 09:29

@Fahrenheit 451

Der Mensch ist aber ein Gottesebenbild? Dann ist Gott selbst ein Fehler?

Auf diese wirklich sehr theologische Frage kann ich leider nur mit Theologie antworten.

Du kommst um ein theologisches Grund-Paradox nicht herum, das man Tehodize nennt.

Wenn Gott das Schlechte, das er nicht will, verurteilt, verurteilt er sich selbst, denn es nicht ohne seinen Willen geworden.

Das in sich widersprüchliche Geschöpf zwingt zum Rückschluss auf einen Widerspruch im Schöpfer.

Prämisse I: Der Mensch ist fehlbar / unvollkommen.
Prämisse II: Nichts wird ohne den Willen Gottes.

Konklusion: Die Fehlbarkeit des Menschen ist nach dem Gottes Willen geworden.

Gott ist in einem kausalen Sinne für jeden Irrtum verantwortlich, der durch sein fehlbares Geschöpf in der Welt ist, inklusive des selbstzerstörerischen Potenzials.

Lösung:

Gott kann im Unterschied zum Menschen diese Verantwortung tragen, weil seine Möglichkeiten unbegrenzt sind und bleiben.

Er ist nicht dem Zeitablauf unterworfen, sodass seine Möglichkeiten nie verwirkt sein können. Er kann stets sagen: Alles neu macht der Mai, alles neuer macht der Maier.

Gott ist nach allgemeiner Überzeugung (bezüglich der Wortbedeutung von "Gott") zwar Schöpfer der Zeit und der Vergänglichkeit, aber der Zeit und der Vergänglichkeit selbst nicht unterworfen.

Da liegt die Grenze der Gottebenbildlichkeit, deren Transzendierung das Thema der Religion oder der Theologie ist (die Grenze soll transzendiert werden, nicht die Ebenbildlichkeit).

Die Transzendierung der Grenze ist zumindest schöpferseitig möglich, weil auch ein Schöpfer, der Fehlerbehaftetes und Defizitäres schafft, selbst permanent darüber steht und Fehler und Defizite überblicken und auf sie reagieren kann, indem er z.B. das Geschaffene verwirft oder es vervollkommnet.

Dieses Vervollkommnen des Missratenen geschieht in permanenten, außerplanmäßigen Interventionen des Ewigen in die Zeitlichkeit hinein, die - nach christlicher Überzeugung - in der "Menschwerdung Gottes" ihren zeitlichen Höhepunkt und vollkommensten Ausdruck gefunden haben.

Die Tragödie dabei ist, dass die menschlichen Reaktionen auf solche Impulse Gottes selbst wiederum fehlbar sind und bleiben, selbst dann, wenn die Impulse richtig erkannt und gedeutet werden. Die permanente Fehlerquelle Mensch kann zwar durch geregelte intersubjektive Kommunikation zwar begrenzt, aber nicht ausgeschlossen werden. Nach protestantischer Überzeugung kann es deshalb kein unfehlbares Lehramt einer Institution geben, der Glaube an diese Unfehlbarkeit kann deshalb nur Ausdruck fehlerbehafteten Wunschdenkens und Aberglaubens sein.

LG Christian

cityboyaaa 10.10.2011 | 15:34

@Helena Neumann
Postman wollte ich immer mal lesen. Das kann ich nun sein lassen. Sie haben das schön zusammengefasst - instant-mäßig.
Glauben Sie wirklich an eine Rolle rückwärts: Wollen Sie tatsächlich in Sokrates Garten ein bißchen herum flanieren und zu sich kommen? Der New-Yorker Medienökologe nimmt un doch alle ein wenig auf die Schippe, "ironischerweise"!
Das mit dem Abschalten ist ja gut und schön aber die Zeit bleibt nicht stehen, oder? Heute gibt's Yoga Kurse und Reha-Maßnahmen für gebeutelte "Netzwerker"!

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helena-neumann 10.10.2011 | 20:10

@Cityboyaaa Ihre Einlassung vom 10.10.2011

Lieber CityBoy (mit Tripple A***, davon träumt so manch ein Staat!)

Schon wegen der Witterungsverhältnisse, wäre es wunderbar, in einem südlichen Garten zu lustwandeln. Der griechischen Tourismusbranche und am Ende uns, den Gläubigern, käme es auch zugute. Was für eine Wi-win-Situation! de.wikipedia.org/wiki/Platonische_Akademie
Nun ist aber die Athener Akademie seit dem Jahre 529 geschlossen und Klöster traten an ihre Stelle. de.wikipedia.org/wiki/Montecassino. Da kann man heute gut relaxen, die Seele baumeln lassen.
Wem so eine Atmosphäre nicht gefällt, der fahre nach Indien oder Sri Lanka in ein Luxus Resort oder buche Hand-Yoga- Kurse im Kombipaket mit Aromatherapie in Kreuzberg. Musik ist auch nicht schlecht, am besten noch selbst gemacht. Wie auch immer, abschalten macht Sinn. Das predige ich von Berufswegen. Bevor nämlich, im übertragenden Sinn, der Stecker abrupt gezogen wird, ist ein zeitweises Ausklinken gesundheitsfördernd. Ich mache das regelmäßig - ganz unironisch, das muss man ja inzwischen mitschicken.

Natürlich bin ich nicht gegen das Fernsehen und schon gar nicht gegen das Internet. Aber eine eigene Meinung bildet man sich doch nur durch Abstand und bestimmt nicht bei TV-Talks (Presseclub ist eine Ausnahme, wegen der Erinnerung an meinen Großvater). Wenn dann noch ein paar alte Kulturtechniken wie Lesen und Schreiben beherrscht werden, dann ist das doch fein .

Das finden Sie trivial, gar hausbacken? Mich besucht öfter ein kleines Mädchen aus der Nachbarschaft. Die Kleine hat mit ihren neun Jahren Probleme, sich 45 Minuten am Stück zu konzentrieren. Dafür darf sie am Wochenende bis morgens fernsehen und bekommt „surfen“ als Belohnung.

Distanz halten, abschalten! Darum geht es ja auch bei der Merkel-Jauch-Vorstellung. Hier haben sich die Grenzen so verwischt, dass alles zur Unterhaltung verkommt. Bezeichnenderweise schreibt J.Augstein, "hätte Jauch die Arbeit als Journalist". Doch um Jauch geht es ja auch nicht, sondern um Abstecken von Claims, eben um gläserne Fabriken und deren Inhaber.
Auch unserem New-Yorker Medienökologen ging es schon um die Deutungshoheit und der Verweis auf die Alten geschieht nicht ohne Witz. Denn so sehr es auch zu den alten Taschentricks von Philosophen gehört, alles auf Anfang setzen zu wollen, so sehr wusste Postman, dass das Rad der Geschichte nicht zurückzudrehen ist. Während er die Alten zitiert, also Sokrates, Dominikaner, Kant etc., laufen im Hintergrund die Computer.

Nein, cityboyA***, Sie müssen Postman auch nicht mehr lesen, zum Glück hat er seine Gedanken aufzeichnen lassen, und nun sind die auf der YouTube-Unterhaltungswiese abrufbar. Wie sagte Postman, „die schöne, neue Welt bereitet keine (physische) Schmerzen mehr“, sondern Bedröhnung bis zum bitteren Ende.

Schöne Grüße
HN