Schweinejournalismus Revisited

Medien Die taz schrieb über Umweltminister Altmaier und betrieb dabei Zwangsouting. Jetzt äußerte sich der Presserat
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Schweinejournalismus Revisited

Foto: Sean Gallup / Getty Images

Ist der Umweltminister Peter Altmaier homosexuell? Kann sein. Geht das jemanden etwas an? Das kommt darauf an.

Wenn Altmaier relevante politische Entscheidung entscheidend mitbestimmt, die Auswirkungen auf die schwule-lesbische Gemeinschaft haben, könnte man argumentieren, dass seine mögliche Homosexualität eine politische Dimension hat. Aber nur dann.

Es ist sonst seine sexuelle Orientierung nur Altmaiers eigene Sache. Wer sich als Journalist ohne inhaltlichen Zusammenhang gegen Altmaiers Willen spkeluativ damit befasst betreibt Schweinejournalismus. Ganz einfach.


Es gibt eine Zeitung, der man so etwas zutraut: Das ist die Bild-Zeitung.
Und dann gibt es eine Zeitung, die so etwas macht: Das ist die taz.

Die taz hat ihre selbstironischen Spiele mit der Bild offenbar so weit getrieben, dass sie sich selber über die Grenze zwischen seriösem und Schweinejournalismus nicht mehr sicher ist. Es gibt da an der Rudi Dutschke Straße verschiedene Haltungen. Redakteur Jan Feddersen schreibt:

"Auch Bild am Sonntag hat sich nicht getraut, die direkte Frage zu formulieren: »Herr Minister, bei aller Liebe zu Gorleben und zur Endlagerfrage, aber: Sind Sie sch …?« Da die taz weder outet noch dementiert, gleichwohl den Sprechton verstopfter Flöten nicht schätzt, hätten wir gern Erläuterung. Denn irgendwie passt dieses pseudobarocke Schwurbeln nicht zu diesem Minister: Er, die einzige gute Idee, die Merkel noch hatte, hat es nötig, so zu hüsteln und zu brüsteln? Kaum zu glauben."

Aber seine Chefredakteurin Ines Pohl sieht das ganz anders, sie hat den Beitrag aus dem Netz genommen und dazu geschrieben:

"Politisch wie moralisch ist die sexuelle Orientierung eines Menschen irrelevant. Sie ist Privatsache. Entsprechend sollte sich die taz weder an Zwangsoutings noch an Gerüchten über die sexuelle Orientierung beteiligen."

Ich weiß gerade gar nicht, ob die sexuellen Orientierungen von Feddersen und Pohl öffentlich bekannt sind oder ob die beiden sich dazu einmal geäußert haben.

Jedenfalls muss Pohl in letzter Zeit offenabr häufiger taz-Kollegen aus den morlaischen Fettnäpfchen holen, in die sie sich durch besonders nassforsche Formulierungen hineinmanövriert haben. Neulich hat die taz geschrieben, der neue Bundespräsidenten betreibe eine „Verharmlosung des Holocaust“, was ja ein starker Vorwurf gegen ein deutsches Staatsoberhaupt ist. Da hat der Grüne Jürgen Trittin geschimpft, das sei „Schweinejournalismus“, den er sonst nur von der Bild-Zeitung kenne. Trittin sagte, die taz solle sich entschuldigen. Davon wollte die taz-Chefredakteurin aber nichts wissen. Sie berief sich auf die Meinungsfreiheit. Na also.

Mich erinnert dieser Vorgang an einen taz-Artikel, in dem neulich der Bild-Virus vorgestellt wurde, der alle Welt infiziert habe. Ich gehörte wegen meiner Sendung mit Blome auch zu den Infizierten. Es waren ganz viele Kollegen darunter, die mit Bild oder Bild-Mitarbeitern beruflich in Kontakt kommen. Leider hatten die Kollegen von der taz ihre eigene Chefredakteurin vergessen. Radio Eins hatte nämlich eine regelmäßige Talk-Runde mit Ines Pohl und Blome vorbereitet. Ein Pilot war bereits produziert. Gerade noch rechtzeitig sprang Pohl von dem Projekt ab. Es muss ihr irgendwer ein wirksames Anti-Bild-Mittel gespritzt haben ...

Zur Altmaier-Sache empfehle ich dringend, den ganzen Vorgang bei Stefan Niggemeier nachzulesen. Niggemeier bewertet das inhaltlich anders als ich es tun würde. Aber er hat gute Fakten und gute Argumente dafür.

Und auch der Kollege Fleischhauer befasst sich damit.


Als langjähriger Asterix Leser erinnert mich das an das alte Normannische Volkslied: "Die Bigotterie, die vergess' ich nie ...."

Den nebenstehenden Text hatte ich im Sommer geschrieben. Es ging um das Zwangsouting, das die taz dem Umweltminister Altmaier de facot hatte angedeihen lassen. Obwohl dessen sexuelle Orientierung für sein Ministeramt ohne Relevanz ist. Seitdem hat sich offenbar der Presserat mit der Sache befasst.

Queer.de berichtet, dass eine Rüge an die taz nur deshalb nicht ausgesprochen wurde, weil der inkriminierte Text rechtzeitig von der Website genommen wurde.

Unten finden sich zwei Links zu queer.de, die die Sache weiter beleuchten. Die Kollegen sind anderer Meinung als ich und führen dazu interessante Argumente ins Feld.

Presserat: Outing ist Verletzung von Persönlichkeitsrechten
Ein Artikel der "taz" über Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) führt nur deswegen nicht zu Maßnahmen, weil die Chefredakteurin diesen zurückzog und sich entschuldigte ...


Altmaier-Outing
Offener Brief kritisiert Presserat

Der Bund Lesbischer und Schwuler Journalisten (BLSJ) hat sich in einem Offenen Brief über zwei Entscheidungen des Presserates beschwert ...

Dank an Adrian Daniel für die Hinweise
19:46 19.07.2012
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Jakob Augstein

Journalist und Gärtner in Berlin
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Jakob Augstein

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