Jakob Augstein
18.08.2011 | 15:00 254

Moralische Kernschmelze

Aufruhr Der Westen erlebt sein soziales Fukushima. Die Gerechtigkeit steht auf dem Spiel. Wer wird siegen: die Demokratie oder der Kapitalismus?

Von der Gestalt der künftigen Tragödie wissen wir nichts“ hat Botho Strauß einmal geschrieben. Aber das gilt nicht mehr. Inzwischen können wir uns die Gestalt unserer Tragödie ganz gut ausmalen. Wir müssen nur bei Youtube nachsehen. Die Bilder der riots sind der Vorfilm unserer Zukunft: Der malayische Student Asyraf Haziq Rosli sitzt blutend am Boden, ein paar Jugendliche beugen sich über ihn, zwei helfen ihm auf, während in aller Ruhe der dritte den Rucksack des Verletzten öffnet und ausräumt. Sie lassen den jungen Mann, der sich nicht wehren kann, dastehen. Das ist der menschliche Nullpunkt.

Der britische Premier Cameron hat ein paar Tage gebraucht, um die richtigen Worte zu finden. Erst in dieser Woche sagte er: „Die sozialen Probleme, die sich seit Jahrzehnten entwickelt haben, sind vor unseren Augen explodiert“. Und er sprach von der „kaputten Gesellschaft“. Für einen Tory ist das ein Fortschritt. Gesellschaft – das Wort kommt dem britischen Konservativen nicht leicht von den Lippen. Da wirkt immer noch die Lehre Jeremy Benthams nach, der vom „fiktiven Körper“ sprach. Aber wenn die Gesellschaft kaputt ist, geht auch der Mensch kaputt. Das wollten Margret Thatcher und die anderen neoliberalen Ideologen nach ihr nicht wahrhaben. Der Markt hat keine moralische Qualität ,und ohne Moral werden wir zu Tieren.

Alle Debatten über gesellschaftliche und private Verantwortung mal beiseite: Keine Gesellschaft ist ganz machtlos, ob ein Kind zum gewissenlosen Schurken wird. Sie müsste wahnsinning sein, den Einfluss, den sie hat, aufzugeben. Aber solcher Wahnsinn hat sich im Westen ausgebreitet. „Nach und nach wurde jene geheimnisvolle, gefährliche Kraft, das Selbst, zum Maßstab der gesellschaftlichen Beziehung“, hat Richard Sennett geschrieben. Jetzt fällt es plötzlich allen auf. Im konservativen Daily Telegraph schreibt der Thatcher-Biograf Charles Moore: „Es hat mehr als dreißig Jahre gedauert, bis ich mir diese Frage stelle, aber in dieser Woche spüre ich, dass ich sie stellen muss: Hat die Linke nicht am Ende recht?“ Und in der konservativen FAS greift Frank Schirrmacher das auf, wendet es gegen Angela Merkel und bejammert, mit welch „gespenstischer Abgebrühtheit“ die Kanzlerin das moralische Vakuum bürgerlicher Politik verwaltet.

Die Aufstände in London, so scheint es, sind für das soziale Selbstverständnis des Westens, was Fukushima für sein technologisches Selbstverständnis war: der GAU, die immer denkbare, aber nie erwartete Kata­strophe, der moralische Meltdown.

Die Neoliberalen können jetzt neben den Linken ihren Platz auf dem Scherbenhaufen der Ideologien einnehmen. Die Linken müssen deswegen nicht frohlocken. Sie kranken seit jeher daran, dass sie die Idee der Gerechtigkeit nicht mit der Idee der Freiheit verbinden können. Die Partei Die Linke hat sich das Wort „links“ unter den Nagel gerissen so wie die FDP seinerzeit das Wort von der Freiheit. Das bekommt den Begriffen nicht. Sie degenerieren in der politischen Abnutzung. Wenn Gesine Lötzsch und Klaus Ernst, das unwürdige Gezänk über die traurige DDR-Vergangenheit, Sahra Wagenknecht und ihr Haufen von DDR-Vertriebenen, die in Wahrheit nicht mal mehr als politische Folk­lore taugen – wenn all das links ist, wer will dann links sein?

Links in einem politischen Sinne wäre es, das parlamentarische System gegen seine Feinde zu verteidigen und innerhalb dieser Gesellschaft für mehr Gerechtigkeit zu kämpfen. Der Posten ist frei, seit die Sozialdemokraten ihn gekündigt haben. Dafür müsste sich Die Linke aber endlich von dem Gedanken verabschieden, die Vollendung der Gesellschaft liege jenseits des parlamentarischen Systems. Dort wartet nur die Stasi. Sonst nichts.

Das parlamentarische System hat stärkere Verbündete nötig. Es gerät unter Druck. Neulich hat der chinesische Journalist Zhong Sheng geschrieben, im Westen stünden Wahlen an, die Zukunft der amtierenden Regierungen sei unsicher: „Populismus und Konservatismus werden dort wahrscheinlich zunehmen.“ Dem Westen mangele es, so der Kommentar in Renmin Ribao, dem Zentralorgan der Kommunistischen Partei Chinas, an Wille und Fähigkeit, die Schuldenkrise in den Griff zu bekommen. Mark Siemons bemerkte dazu in der FAZ, das laufe am Ende auf die Frage hinaus, „ob Kapitalismus überhaupt mit Demokratie funktionieren kann. Oder nicht gleich in den Händen der Kommunisten besser aufgehoben wäre.“ Die Antwort ist: Natürlich findet sich der Kapitalismus in einem autoritären Regime blendend zurecht. Und das Autoritäre wittert schon seine Chance: In England haben sich die Rechtpopulisten zu Bügerwehren formiert, Premier Cameron denkt über eine Kontrolle von Facebook und Twitter nach, wie sie in arabischen Staaten praktiziert wird. In Deutschland fordert der Innenminister die Aufhebung der Anonymität im Internet.

Aber eine Demokratie ohne Demokraten hat keine guten Aussichten. Wir lernen aus der Geschichte bekanntlich wenig. Aber an diese Lehre von Weimar sollte man sich erinnern: Die res publica amissa, das vernachlässigte Gemeinwesen, wird am Ende untergehen. Wenn es darum geht, was uns wichtiger ist, die Demokratie oder der Kapitalismus – wie werden wir uns entscheiden? Und: Wird man uns überhaupt entscheiden lassen?

Kommentare (254)

goch 18.08.2011 | 17:51

@JA:Die Linken müssen deswegen nicht frohlocken. Sie kranken seit jeher daran, dass sie die Idee der Gerechtigkeit nicht mit der Idee der Freiheit verbinden können.

Konkretisieren wir das doch mal:
Wer also gegen den ungehemmten finanzgetriebenen Kapitalismus ist und seine Regulierung forder wie die Linke seit Jahrzehnten ist also nur für Gerechtigkeit und nicht für Freiheit?
Die Erpressung demokratischer Staaten über Ratings und Staatsanleihen hat also keine Auswirkung auf die Freiheit der Menschen im Kapitalismus. Das die internationale Finanzindustrie die Demokratie aushebelt hat also mit der Freiheit des Einzelnen nichts zu tun, lernen wir von J A.
Vielleicht können wir das auch eine Nummer kleiner diskutieren.
HarzIV bedeutet nicht nur ökonomische Deklassierung ganzer Bevölkerungsschichten, sondern über das Arbeitszwangsinstrument (jede Arbeit muss zu jeder Zeit angenommen werden, egal ob es die Lebenshaltungskonsten deckt oder nicht) auch eine Entrechtlichung also ein Freiheitsentzug.
Der HarzIV -Bezieher hat nicht mehr das Recht auf einen menschenwürdigen die Existenz sichernden Arbeitsplatz. Und diese Forderung der Linken nach Abschaffung dieser Lage ist also keine Forderung nach Freiheit und Würde des Einzelnen? Lernen wir von J A.

Links in einem politischen Sinne wäre es, das parlamentarische System gegen seine Feinde zu verteidigen und innerhalb dieser Gesellschaft für mehr Gerechtigkeit zu kämpfen. Der Posten ist frei, seit die Sozialdemokraten ihn gekündigt haben. Dafür müsste sich Die Linke aber endlich von dem Gedanken verabschieden, die Vollendung der Gesellschaft liege jenseits des parlamentarischen Systems.
Ich wiederhole: die Forderung nach menschenwürdiger Existenz-sichernder Arbeit , die Regulierung der Finanzmärkte, die Ausrichtung der Wirtschaft auf nachhaltige sozialverträgliche Ziele ist also kein Kampf für kollektive und individuelle Freiheit und Würde?
Das Beharren auf dem Grundgesetz,, dass Eigentum auch dem Gemeinwohl dienen müsse,
die Würde des Menschen nicht antastbar ist (HarzIV untergräbt sie) ist eine genuine linke Forderung, dient also nicht der Freiheit des Menschen?
Wer verteidigt denn das parlamentarische System? Der der ständig an dem Bundestag vorbei Jahrhundertschulden zugunsten der Banken und Finanzindustrie macht oder der der dies anprangert und die Entscheidung des Gesetzgebers (des Bundestags) fordert?
Der, der Krieg gegen Afghanistan führt mit verlogenen Argumenten oder der der die Ächtung von Kriegen fordert und die Pro—Afghanistan-Kriegs-Parteien CDU/SPD/FPD/CSU/Grüne argumentativ widerlegt? Ist ein Votum für den Frieden kein Votum für Freiheit, sondern nur für Gleichheit oder Gerechtigkeit?

goch 18.08.2011 | 18:12

@JA:Die Linken müssen deswegen nicht frohlocken. Sie kranken seit jeher daran, dass sie die Idee der Gerechtigkeit nicht mit der Idee der Freiheit verbinden können.

Konkretisieren wir das doch mal:
Wer also gegen den ungehemmten finanzgetriebenen Kapitalismus ist und seine Regulierung forder wie die Linke seit Jahrzehnten ist also nur für Gerechtigkeit und nicht für Freiheit?
Die Erpressung demokratischer Staaten über Ratings und Staatsanleihen hat also keine Auswirkung auf die Freiheit der Menschen im Kapitalismus. Das die internationale Finanzindustrie die Demokratie aushebelt hat also mit der Freiheit des Einzelnen nichts zu tun, lernen wir von J A.
Vielleicht können wir das auch eine Nummer kleiner diskutieren.
HarzIV bedeutet nicht nur ökonomische Deklassierung ganzer Bevölkerungsschichten, sondern über das Arbeitszwangsinstrument (jede Arbeit muss zu jeder Zeit angenommen werden, egal ob es die Lebenshaltungskonsten deckt oder nicht) auch eine Entrechtlichung also ein Freiheitsentzug.
Der HarzIV -Bezieher hat nicht mehr das Recht auf einen menschenwürdigen die Existenz sichernden Arbeitsplatz. Und diese Forderung der Linken nach Abschaffung dieser Lage ist also keine Forderung nach Freiheit und Würde des Einzelnen? Lernen wir von J A.

@JA: Links in einem politischen Sinne wäre es, das parlamentarische System gegen seine Feinde zu verteidigen und innerhalb dieser Gesellschaft für mehr Gerechtigkeit zu kämpfen. Der Posten ist frei, seit die Sozialdemokraten ihn gekündigt haben. Dafür müsste sich Die Linke aber endlich von dem Gedanken verabschieden, die Vollendung der Gesellschaft liege jenseits des parlamentarischen Systems.
Ich wiederhole: die Forderung nach menschenwürdiger Existenz-sichernder Arbeit , die Regulierung der Finanzmärkte, die Ausrichtung der Wirtschaft auf nachhaltige sozialverträgliche Ziele ist also kein Kampf für kollektive und individuelle Freiheit und Würde?
Das Beharren auf dem Grundgesetz,, dass Eigentum auch dem Gemeinwohl dienen müsse,
die Würde des Menschen nicht antastbar ist (HarzIV untergräbt sie) ist eine genuine linke Forderung, dient also nicht der Freiheit des Menschen?
Wer verteidigt denn das parlamentarische System? Der der ständig an dem Bundestag vorbei Jahrhundertschulden zugunsten der Banken und Finanzindustrie macht oder der der dies anprangert und die Entscheidung des Gesetzgebers (des Bundestags) fordert?
Der, der Krieg gegen Afghanistan führt mit verlogenen Argumenten oder der der die Ächtung von Kriegen fordert und die Pro—Afghanistan-Kriegs-Parteien CDU/SPD/FPD/CSU/Grüne argumentativ widerlegt? Ist ein Votum für den Frieden kein Votum für Freiheit, sondern nur für Gleichheit oder Gerechtigkeit?

Lethe 18.08.2011 | 18:13

Die Gerechtigkeit steht auf dem Spiel.
Wie niedlich. Wo könnte sie denn mal begutachtet werden, um sich darüber klar zu werden, ob sie überhaupt auf dem Spiel stehen kann?

Davon abgesehen, wird unser "soziales Fukushima" außer einer Verschärfung der Gesetzeslage genau nichts bewirken, nicht solange es nicht in Bürgerkriege mündet.

luddisback 18.08.2011 | 18:25

"Wenn es darum geht, was uns wichtiger ist, die Demokratie oder der Kapitalismus – wie werden wir uns entscheiden? Und: Wird man uns überhaupt entscheiden lassen?"

ich fuerchte, beide fragen wurde bereits unter kohl abschliessend beantwortet. wir befinden uns in der phase der geplanten demontage der demokratie nach dem vorbild der weimaer republik, denke ich manchmal. interessant finde ich aber die formulierung:

"Wird man uns überhaupt entscheiden lassen?"

wer bitte ist denn dieser "man"? etwas wie das "SIE" des paranoikers? oder ein zugestaendnis an die realitaeten?

"Links in einem politischen Sinne wäre es, das parlamentarische System gegen seine Feinde zu verteidigen und innerhalb dieser Gesellschaft für mehr Gerechtigkeit zu kämpfen. Der Posten ist frei, seit die Sozialdemokraten ihn gekündigt haben. "

ja, und wer bleibt dann noch im etablierten spektrum? bzw. wozu rufen sie da auf?
die linke, haben sie festgestellt, will unentwegt in richtung stasi (nicht dass ich urvertrauen denen gegenueber haette, aber einige der allzu bekannten vorwuerfe werden mir dann doch zu oft bemueht und werden vielem einfach nicht gerecht, was dort geschieht.), der rest (schwarz, rot, gelb und gruen) hatte bereits alle chancen, seine redlichkeit unter beweis zu stellen. also?

die groesste gefahr droht dem demokratischen parlamentarismus heute nicht von ausserhalb. MAN hat seine schafe laengst mittendrin angemietet oder eingekauft und offenbar haben dort drinnen jene die uebermacht gewonnen, deren souveraen mitnichten das volk ist. anders lassen sich die veraenderungen der letzten 20 jahre nicht erklaeren.

und weil das in meiner wahrnehmung so ist, teile ich die wuensche, den demokratischen parlamentarismus betreffend, aber auch die ratlosigkeit ueber den weg dahin, die ich in diesem artikel zu entdecken glaube.

Zweibein 18.08.2011 | 19:09

"Die Aufstände in London, so scheint es, sind für das soziale Selbstverständnis des Westens, was Fukushima für sein technologisches Selbstverständnis war: der GAU, die immer denkbare, aber nie erwartete Kata­strophe, der moralische Meltdown."
In beiden Fällen wird dem Problem jedenfalls auf die gleiche Weise begegnet, mit Lügen hinsichtlich Ausmaß und Bedeutung des jeweiligen Ereignisses. Während inzwischen klar ist, dass es in Fukushima mehrere Kernschmelzen gab, wird in GB noch so getan, als wären die Unruhen der per Facebook organisierte massenkriminelle Ausbruch von Plündererbanden. Ebenso wie Fukushima nicht die Kernenergie erledigt, erledigen die Unruhen nicht den Neoliberalismus. Der Exkurs im zweiten Teil des Artikels ist nur ein Vorwand, um den wimmernd in der Ecke sitzenden "Linken" noch einen kleinen Fusstritt zu verpassen. Dann noch ein kleiner Treueschwur auf die soziale Marktwirtschaft (R.I.P.). Das die Linke sich nicht mit der ihnen zugewiesenen Rolle "das parlamentarische System gegen seine Feinde zu verteidigen und innerhalb dieser Gesellschaft für mehr Gerechtigkeit zu kämpfen." abfinden würde, ist sicherlich nur einer etwas getrübten Sehhilfe geschuldet. Wenn auf lokaler Ebene irgendeine Partei in dieser Art wirkt, dann ist es wohl die Linke. Was JA meint, ist wohl, dass die Linke sich endlich darauf beschränken sollte, dies zu tun und ja nicht mehr. Und blos keine Utopien mehr.

Magda 18.08.2011 | 19:27

Mir kommt der ganze Beitrag wie eine Art "Zwischenergebnis" vor. Oder - wie eine Freundin mal in anderem Zusammenhang - sagte: Man kann hier beim Denken zugucken, aber die Schlussfolgerungen sind nicht sehr einleuchtend.

"Die Neoliberalen können jetzt neben den Linken ihren Platz auf dem Scherbenhaufen der Ideologien einnehmen

Das kann ich nicht erkennen. Die Neoliberalen sind eifrig am Retten ihrer Programmatik. Und die Regierungen sind ihnen dabei fleißig zu Diensten, damit es nicht so "crasht" andauernd.

Ob die Linke auf dem Scherbenhaufen sitzt oder - was sie absolut verdient hat - mal wieder nur eine Runde "draußen" ist, das ist schwer zu sagen. Sie muss sich wandeln, das sicher. Aber, eben nicht nur sie. Auch die Art der demokratischen Willensbildung muss sich ändern. Auch die Art wie Parlamentarismus hierzulande momentan eher "exekutiert" als legitimiert daher kommt. Und sie muss hin und wieder auch gegen das Kapital paar Zwänge anwenden, nicht nur gegen die Habenichtse.

Apropos links: Ihr Motto beim Spiegel lautet (noch?)
Im Zweifel links. Soll das jetzt "im Zweifel Scherbenhaufen" heißen?".

Mir fällt gerade - ganz pathetisch und ein wenig abgewandelt - Rosa Luxemburg ein: "Ich war, ich bin, ich werde sein." Sie meinte die Revolution, aber es kann auch für linke Programmatik gelten. Wenn Leute in Not geraten, wenn sie bevormundet werden und diskriminiert, dann werden die nicht zuallererst den Parlamentarismus retten wollen, die denken auch über ein System nach, das sie davor kaum bewahrt.
Dafür gibt es ja die Citoyens und Citoyennes.

Kleiner Scherz: Am besten wäre ein Relaunch zum Neusprech: Die Neoliberalen nennen sich die Neuen Neoliberalen und die Linke, die Neue Linke. Und das Spiegel-Motto wäre dann: "Im Zweifel, neu."

Nietzsche 2011 18.08.2011 | 20:17

"Kanzlerin das moralische Vakuum bürgerlicher Politik verwaltet."
Ein Aufwärmen der Diskussion über die Handlungsbereitschaft von Angela Merkel bringt das Problem nicht weiter. Auch halte ich die Trennung von gesellschaftlicher und privater Verantwortung für wenig hilfreich; zumal wenn doch zu gern der Staat in die Pflicht genommen wird. Was einerseits richtig ist, andererseits einen Aspekt „vergisst“: die Qualität des Menschen. Sowohl der Kommunismus (in welcher Gestalt auch immer) als auch der Kapitalismus gehen von einem Menschen aus, wie er eben nicht vorhanden ist – moralisch integer, rational handelnd, altruistisch. In den sozialistischen Ländern musste der staatliche Zwang den „neuen Menschen“ ersetzen – heute ist langsam zu erkennen, dass der moralische Verlust (wenn es denn überhaupt einen solchen Verlust gab) durch die Justiz aufgehalten werden soll. Nur hat in diesem Fall die „Freiheit der Marktwirtschaft“ einen Menschen geschaffen, der eben in seiner Grundqualität nicht wesentlich über dem Neandertaler (oder anderen Vorfahren) steht.

"Wenn es darum geht, was uns wichtiger ist, die Demokratie oder der Kapitalismus – wie werden wir uns entscheiden? Und: Wird man uns überhaupt entscheiden lassen?"
Die Entscheidung ist doch längst gefallen – mit Worten stimmt (fast) jeder positiven Veränderungen zu (Energiewandel etc.), praktisch wird der eingeschlagene Weg des Konsumierens (Konsumgüter wie Rohstoffe) auf Teufel komm raus nicht verlassen.

Streifzug 18.08.2011 | 22:03

@JA,

"Die Linken müssen deswegen nicht frohlocken. Sie kranken seit jeher daran, dass sie die Idee der Gerechtigkeit nicht mit der Idee der Freiheit verbinden können."

Dann lass uns mal Nägel mit Köpfen machen, die Menschrechte auf die öffentliche Vernunftgebrauch-Agenda setzen, alternative Wege zur Entscheidungsfindung beschreiten, einen fortdauernder interaktiven Prozess starten, der Rechte als Freiheiten in Veränderung aktiv gestaltet und Unterschiede zulässt.

Weg mit den zweidimensionalen Wegweisern, recht oder links, die unisono eh nur in eine Richtung führen: den Abgrund.

Auf, dem Morgenrot entgegen :)
Dewey 18.08.2011 | 23:05

Es gibt noch eine Erklärung für zumindest einige Veränderungern der letzten 20 Jahre: www.b-republik.de/aktuelle-ausgabe/die-politik-der-verleugnung

Vielleicht sind viele unserer Parlamentarier in der Tretmühle von Sitzungen, gewählt werden wollen, parteiinternen Streitereien usw. schlicht überfordert, sich auch noch mit komplexen Problemen zu befassen. Und eine Gesetzesvorlage mit copy und paste zur eigenen zu erklären ist dann halt einfacher als in Ruhe zu überlegen.
Vermutlich noch schlimmer als zu einem ordentlichen Preis verkauft zu werden, ist wohl verramschen, damit der Schreibtisch leer ist ...

Dreizehn 18.08.2011 | 23:06

@ "Natürlich findet sich der Kapitalismus in einem autoritären Regime blendend zurecht."

Da fehlt's, mit Verlaub, an begrifflicher Klarheit. Sie beziehen den Satz auf die Verhältnisse in China; in China, "autoritäres Regime", herrscht jedoch kein Kapitalismus, der definiert sich über das private Eigentum an Produktionsmitteln.

Nur ein Beispiel, das sich bei mir eingenistet hat: In China gibt's keine unabhängigen Banken, der Finanzverkehr ist staatlich geregelt, die Bankangestellten erhalten normale Gehälter, von Bonuszahlungen ganz zu schweigen. Beneidenswert, oder?

Von Kapitalismus in China zu reden, entspricht nicht der Realität. Richtig ist, dass ein autoritäres Regime wie etwa Pinochet in Chile eine kapitalistisch strukturierte Gesellschaft regierte. Faschistische Gesellschaften sind meines Wissens i.d.R. kapitalistisch. China ist strukturell anders, Korruption ist dort eine große Bedrohung, aber die in kapitalistischen Systemen wirksamen "Kräfte" entfalten sich dort nicht.

Ihre Alternative Demokratie oder Kapitalismus ist fragwürdig, auch wenn sie als Parole recht einprägsam daherkommt. Das beides schließt sich ganz und gar nicht aus. Zur Zeit erleben wir alle, wie locker der Kapitalismus mit parlamentarischen Strukturen leben kann: die Medien fast gleichgeschaltet, Parlament durch Lobbyismus eingenordet - was können die Herrschaften Ackermann bis Zumwinkel mehr verlangen?

Uwe Theel 18.08.2011 | 23:28

@ j-ap 18.08.2011 um 20:15

Werterj-ap,

nun bin ich der meinung, dass man JAs Gedanken nicht unbedingt als "links" bezeichnen kann und muß. Er selbst spricht auch immer nur von "irgendwie links" - leider.

Diese Sprachschöpfung sollte er langsam mal überdenken: Wie kann man "irgendwie" nach links vom Weg des Kapitalismus abbiegen, den er, JA, ja "irgendwie" auch nicht so dolle findet?

wmkommentar 19.08.2011 | 01:21

Der jetzige Kapitalismus gibt der Demokratie keine Chance.
Kernschmelzen sind Produkt von alternativloser Basta- Politik
„Unsere amtseid- brechenden Marionettenpolitiker“ sind nicht daran interessiert, die grundlegenden Probleme des Kaputtalismus zugunsten der Mehrheit zu lösen.
Ein entscheidender Fehler besteht darin, dass im Schuldgeldsystem Betrug staatlich legalisiert ist. Weil Privatbanken einen Großteil „ihres“ Geldes aus dem NICHTS zaubern dürfen und das als Kredit an Schuldner vergeben und dessen Rückzahlung mit Zins und Zinseszins oder der Pfändung von Sicherheiten erfolgt, ist die Finanzwirtschaft ein Parasit, der von der Realwirtschaft nicht mehr ausreichend gefüttert werden kann.
(Irving Fisher *1867 †1947 US-Ökonom: „Unser nationales Umlaufmedium hängt vollkommen von der Kreditvergabe der Banken ab, die selbst kein Geld verleihen sondern Versprechen Geld zu liefern über das sie nicht verfügen.“)
Durch exponentiell wachsende private Guthaben und wachsende (Staats)schulden wird Wirtschaftswachstum erzwungen. Die Realwirtschaft kann aber nicht exponentiell wachsen, da die Ressourcen der Erde begrenzt sind und der Bedarf an sinnvollen Waren in den Industrieländern gesättigt ist. Es werden Kriege um die knappen Güter der Erde (Irak, Afghanistan, Libyen,…) geführt.
Was wir für eine funktionierende Demokratie brauchen ist u. a. fließendes Geld und ein Bedingungsloses Grundeinkommen.
Nur mit fließendem Geld entfällt der in jedem Produkt- und Dienstleistungspreis enthaltene Zinsanteil von 40% und mehr. Dieser Zinsanteil ist ein Grundeinkommen für die Reichsten (10%) zu Lasten der Mehrheit (90%).
Das Geld soll den Menschen dienen - nicht der Mensch dem Geld. Wenn Geld dem Menschen dient, hat Demokratie eine Chance, sonst gibt es immer wieder politisch- ökonomische und moralische Kernschmelzen.
In Leipzig findet am 09.06.2012 ein Event www.lust-auf-neues-geld.de statt.

wmkommentar 19.08.2011 | 01:21

Der jetzige Kapitalismus gibt der Demokratie keine Chance.
Kernschmelzen sind Produkt von alternativloser Basta- Politik
„Unsere amtseid- brechenden Marionettenpolitiker“ sind nicht daran interessiert, die grundlegenden Probleme des Kaputtalismus zugunsten der Mehrheit zu lösen.
Ein entscheidender Fehler besteht darin, dass im Schuldgeldsystem Betrug staatlich legalisiert ist. Weil Privatbanken einen Großteil „ihres“ Geldes aus dem NICHTS zaubern dürfen und das als Kredit an Schuldner vergeben und dessen Rückzahlung mit Zins und Zinseszins oder der Pfändung von Sicherheiten erfolgt, ist die Finanzwirtschaft ein Parasit, der von der Realwirtschaft nicht mehr ausreichend gefüttert werden kann.
(Irving Fisher *1867 †1947 US-Ökonom: „Unser nationales Umlaufmedium hängt vollkommen von der Kreditvergabe der Banken ab, die selbst kein Geld verleihen sondern Versprechen Geld zu liefern über das sie nicht verfügen.“)
Durch exponentiell wachsende private Guthaben und wachsende (Staats)schulden wird Wirtschaftswachstum erzwungen. Die Realwirtschaft kann aber nicht exponentiell wachsen, da die Ressourcen der Erde begrenzt sind und der Bedarf an sinnvollen Waren in den Industrieländern gesättigt ist. Es werden Kriege um die knappen Güter der Erde (Irak, Afghanistan, Libyen,…) geführt.
Was wir für eine funktionierende Demokratie brauchen ist u. a. fließendes Geld und ein Bedingungsloses Grundeinkommen.
Nur mit fließendem Geld entfällt der in jedem Produkt- und Dienstleistungspreis enthaltene Zinsanteil von 40% und mehr. Dieser Zinsanteil ist ein Grundeinkommen für die Reichsten (10%) zu Lasten der Mehrheit (90%).
Das Geld soll den Menschen dienen - nicht der Mensch dem Geld. Wenn Geld dem Menschen dient, hat Demokratie eine Chance, sonst gibt es immer wieder politisch- ökonomische und moralische Kernschmelzen.
In Leipzig findet am 09.06.2012 ein Event www.lust-auf-neues-geld.de statt.

j-ap 19.08.2011 | 02:08

»Wie kann man "irgendwie" nach links vom Weg des Kapitalismus abbiegen ...«

Ich weiß es auch nicht, Herr Theel.

Ich weiß nur, daß das, was dabei herauskommt, im Regelfall hinten und vorn nicht zusammenpaßt — was hinwiederum sogar sehr gut zu dem paßt, was man früher statt »irgendwie links« gesagt hat, nämlich: linksliberal:

Der Linksliberalismus hat sich schon immer darin erschöpft, dem Staat die Aufgabe zuzuschanzen, die perhorreszierten »Exzesse« des Kapitalismus irgendwie zu bändigen.

(Nebenbemerkung: Genau darin zeigt sich übrigens die von Anfang an im Linksliberalismus selbst angelegte autoritäre Sehnsucht, die die Linksliberalen als die Ideologen, die sie schon immer waren, allerdings erst abspalten und auf anderem Wege wieder einholen müssen — zB, indem sie sich darüber »wundern«, daß das Kapital sich ganz hervorragend mit autoritären Regimen versteht —, um sich ihrer inne zu werden.)

Nun ist es aber gerade so, daß jeder, der auch nur im Vorübergehen etwas vom Begriff des Kapitalismus und der Krise gehört hat, weiß, daß weshalb das nicht gelingen kann, der Staat also bei der ihm zugedachten Zähmung des Kapitals notwendig scheitern muß.

Das nehmen die Linksliberalen allerdings nicht etwa zum Anlaß, über die Defizienzen ihrer schönen Theorien nachzudenken, sondern lasten es, wie bei Psychotikern nunmal üblich, der Sache selber an: Dann waren es mal wieder Korruption, Lobbyismus, Gier, Schlendrian, Unqualifiziertheit, Faulheit sowie ganz allgemeine Verlotterung der Sitten allüberall, die verhindert haben sollen, daß aus dem schönen und zurechtgepressten Kapital das Paradies hervortreibt.

Leuten, in denen es so denkt, nimmt man es dann auch ab, daß sie ihre heißen Stirnen in ernsthafte Falten legen und sich nicht erklären können, wie um alles in der FAZ der Schirrmacher was vom Linkssein schreiben kann.

Dreizehn 19.08.2011 | 02:36

noch: Ein Bundeskanzler prägte einst den Satz: "Mehr Demokratie wagen". Folgte Aufschrei in Presse Funk Fernsehen. Egal.

Das meinte seinerzeit, bestehende demokratische Strukturen im Produktionsbereich - Mitbestimmung - auszubauen. Heute ist man der Ansicht, "mehr Demokratie" sei die Forderung nach mehr Volksabstimmung, Bürgerentscheid oder welchen Namen immer man dem Bastard geben will.

Graureiher 19.08.2011 | 02:41

Augstein verfährt wieder einmal zweigleisig. Vordergründig kritisiert er die herrschende neoliberale Ideologie und Praxis, in Wirklichkeit versucht er, linke Alternativen zu diskreditieren. Wie schrieb er doch gerade auf SPON: "... So wie Mauer und Gulag keine Unfälle des Sozialismus waren, sondern seine Wahrheit... Sozialismus bedeutet für alle Menschen das Glück, und wer nicht mitmacht, kommt in den Knast."
So einfach ist seine Welt, diese Weisheit hätte er auch in der BILD verbreiten können. Er ist von einer geradezu rührenden politischen Naivität. Oder von einer gerissenen Skrupellosigkeit. Ich tippe auf Letzteres.
Ich wage mal eine Prognose: Die erste schwarz-grüne Bundesregierung wird vom Bild-Chefredakteur Augstein als großer Sieg der Demokratie gefeiert werden!

hjsbi-nrw 19.08.2011 | 09:39

Besser kann es meines Erachtens kaum auf den "Punkt" bringen! Nur,
die "Schlacht" ist doch längst verloren! Viel zulange, seit 1982 Kohl an
die Macht kam, wirken schon Massenverdummung und Lethargie bei
der Bevölkerung. Die sogenannten Vertreter der "kleinen Leute", die
SPD und die Gewerkschaften (Ausnahme: die GDL), haben sich ledig-
lich als Mogelpackungen erwiesen, sind doch inzwischen korrumpiert bis in die Socken! Sie sind ja nicht einmal mehr Willens einen massiven Widerstand gegen diese rücksichtslose, menschenverachtende Politik zu organisieren. Ich selbst war in den 1960- er Jahren Mitglied in der IG-
Metall, damals noch die "Speerspitze der Bewegung"! Unsere damalige Führung hätte sowas niemals zugelassen, wir wären längst auf den Straßen gewesen und hätten notfalls alles "kurz und klein" geschlagen, bevor wir eine derartige Politik auf unsere Kosten zugelassen hätten. Uns
hätte nur noch das Militär stoppen können! Ich habe noch die Slogans von damals im Kopf: "Macht kaputt was Euch kaputt macht" oder "wer kämpft der kann verlieren, wer aber nicht kämpft, der hat schon ver-loren"!
Es ist hierzulande nur noch ein Trauerspiel, das ich bereits mit dem
Beginn dieser unsäglichen "Aera Kohl" habe kommen sehen! Meine Kinder, übrigens beide sind immerhin Akademiker geworden, sind auf meine Empfehlung schon längst im europäischen Norden intergriert, ich werde ihnen demnächst noch folgen!
"Armes Deutschland, deine Zukunft ist nur noch Vergangenheit", kann ich zu alledem nur noch sagen!
hjsbi-nrw

Angelia 19.08.2011 | 10:35

Graureiher

in einer relativen, d.h nicht absolutistischen Welt, bleibt einem gar nichts anderes übrig, als den Spagat zwischen den Positionen zu vollziehen. Und hinzu kommt natürlich, dass wir uns spätestens seit dem Schöder´schen Agenda-Unding mit der Dekonstruktion der sozialen Marktwirtschaft und der absichtlichen Einführung des Neoliberalismus konfrontiert sehen.
Nach fast 10 jähriger Beobachtung wird man ja wohl mal ein Fazit wagen und so, wie Herr Augstein, die Dinge auf den Punkt bringen dürfen. Der Unterschied zwischen einer Bildzeitung und einem Fazit des der Freitag Verlegers ist, dass der zielgerichteten Propaganda einer Bildzeitung keinerlei Beobachtung und Reflektion voraus ging. Diese ideologisch verblendenten Eigenschaften haben Teile "der Linken" mit der FDP gemeinsam.
Und was noch viel schlimmer ist, Selbstkritik und Reflektion sind Teilen der Linken nach wie vor genau so fremd, wie Teilen der FDP.

Und genau aus diesem Grund ist der Sozialismus in den Händen von Absolutisten genauso gefährlich, wie der Kapitalismus.
Beide pervertieren nämlich die alteuropäischen Vorstellungen von der Symbiose zwischen Freiheit und Gerechtigkeit.

elgreco 19.08.2011 | 10:45

(graureiher) besser hätte ich es auch nicht kommentieren können!!!
Endlich zeigt sich, dass der Apfel (J.A.) nicht weit vom Stamm (R.A.) fällt!
Es geht der kleinbürgerlichen Mischpoke immer nur um den Erhalt ihrer miefigen Privilegien. Diese Klicke bemüht sich schon seit 1790, jede grundsätzliche gesellschaftliche Veränderung zu diffamieren, das Volk zu verblöden und die Begriffe Freiheit und Demokratie zu abstrakten fetischisierten Mythen zu verklären.
Das Kapital ist nie sozial - aber natürlich wollen diese "Aufrechten" das demokratisch und freiheitlich ausgebeutet wird, dieser Artikel von J.A. ist Wort für Wort Mainstream und das in einem Medium, dass einst hervorragende Artikel gegen den Mainstream veröffentlichte!
P.L.

Margareth Gorges 19.08.2011 | 10:50

siehe Kommentierung in den NachDenkSeiten : www.nachdenkseiten.de/?p=10487#h17

Anmerkung Jens Berger: Kann es sein, dass Jakob Augstein sich zu oft mit Nikolaus Blome trifft? Anstatt sich auch nur im Ansatz mit politischen Inhalten der Partei „Die Linke“ auseinanderzusetzen, drischt der Salon-Sozialist in „bester“ BILD-Manier auf die DDR-Vergangenheit der Linkspartei ein. Man kann zum nostalgischen Umgang einiger Linken-Politiker mit dem Thema DDR durchaus eine kritische Meinung haben – es ist jedoch armselig, die Linke auf dieses Thema zu reduzieren. Augsteins Anmerkung, die Linke habe sich das Wort „links“ unter den „Nagel gerissen“, ist ebenfalls reichlich abstrus. Wenn alle anderen Parteien in die vielzitierte Mitte streben, entsteht auf der linken Seite nun einmal ein Vakuum, das nur noch gefüllt werden muss. Die Linke indirekt dafür verantwortlich zu machen, dass die anderen Parteien mit linker Politik nichts mehr am Hut haben wollen, ist nicht nur eine Umkehrung von Ursache und Wirkung, sondern sogar schäbig. Augsteins Artikel über die „moralische Kernschmelze“ ist vielmehr eine publizistische Kernschmelze.

Anmerkung Albrechdt Müller (AM) : – Sie kranken seit jeher daran, dass sie die Idee der Gerechtigkeit nicht mit der Idee der Freiheit verbinden können.
AM: Augstein erweist sich als dümmlicher nachplappernder Ideologe. wo ist der Beleg?
- Dafür müsste sich Die Linke aber endlich von dem Gedanken verabschieden, die Vollendung der Gesellschaft liege jenseits des parlamentarischen Systems.
AM: Belege bitte. Und wie steht es mit den anderen Parteien, die machen, was die Finanzindustrie will? Wird damit der Ruf des parlamentarischen Systems gefördert?

Anmerkung Martin Betzwieser: Mit Manchem hat Augstein sicher recht, über Manches kann man streiten. So war das Verhalten mancher Linker – nicht der Linken – zum 50. Jahrestags des Mauerbaus sicher sehr ungeschickt. Der Vergleich – hoffentlich – vorüber gehender Krawalle in Großbritannien mit der Reaktorkatastrophe von Fukushima ist einfach nur daneben.

Graureiher 19.08.2011 | 12:53

..., das einst hervorragende Artikel gegen den Mainstream veröffentlichte!

Wie mit den Autoren dieser Artikel inzwischen umgegangen wird, lässt sich hier verfolgen:

www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=16830

Es geht um einen nicht veröffentlichten Artikel von Jürgen Rose, der als Antwort auf einen Beitrag des Grünen Volker Beck gedacht war. Beck kritisierte im FREITAG die Panzerexportpolitik der jetzigen Regierung, Rose erinnerte an die Politik der rot-grünen Regierung, die u.a. Israel mit als Atomwaffenträger tauglichen U-Booten beliefert hat.

Frnk 19.08.2011 | 13:18

“Der konservative oder Bourgeoissozialismus

Ein Teil der Bourgeoisie wünscht den sozialen Mißständen abzuhelfen, um den Bestand der bürgerlichen Gesellschaft zu sichern.

Die sozialistischen Bourgeois wollen die Lebensbedingungen der modernen Gesellschaft ohne die notwendig daraus hervorgehenden Kämpfe und Gefahren. Sie wollen die bestehende Gesellschaft mit Abzug der sie revolutionierenden und sie auflösenden Elemente. Sie wollen die Bourgeoisie ohne das Proletariat. Die Bourgeoisie stellt sich die Welt, worin sie herrscht, natürlich als die beste Welt vor. “

Manifest der Kommunistischen Partei, 1848

lebowski 19.08.2011 | 13:45

Der Kapitalismus wird mit Sicherheit nicht verschwinden, weil er moralisch bankrott ist. Schön wärs ja! Aber dann gäbe es ihn schon seit 300 Jahren nicht mehr.
Moral ging den Kapitalisten schon immer am A.. vorbei.

Und was die riots in England betrifft. Das Menschenbild des Kapitalismus ist Hobbes "Homo homini lupus est" und der Staat fungiert als Leviathan. Insofern nicht Neues! Es ist wie seit über 300 Jahren. Ein paar Tropfen sozialen Öls haben daran nichts geändert.

Der Anlass für das Ende des Kapitalismus kannte Marx:
„Auf einer gewissen Stufe ihrer Entwicklung geraten die materiellen Produktivkräfte der Gesellschaft in Widerspruch mit den vorhandenen Produktionsverhältnissen. (…) Aus Entwicklungsformen der Produktivkräfte schlagen diese Verhältnisse in Fesseln derselben um. Es tritt dann eine Epoche sozialer Revolutionen ein. Mit der Veränderung der ökonomischen Grundlage wälzt sich der ganze ungeheure Überbau langsamer oder rascher um.“ (MEW 13, S. 9)

Der Kapitalismus vernichtet zunehmend seine eigene Substanz: die Arbeit. Deswegen ist er am Ende und nicht weil er moralisch bankrott ist.

Pech für uns, dass Merkel früher im Marxismus-Unterricht nicht aufgepasst hat und lieber in der FDJ-Sauna rumhing.

Dreizehn 19.08.2011 | 14:52

.. plus die Tatsache, dass Fraktionen des Kapitals gegeneinander konkurrieren, jeder getrieben von Eigennutz/Gier. Beispiel: die Auseinandersetzung um Hoheit in der Energieversorgung.

Herrschaft des Finanzkapitals hat ebenso zur Folge, dass Konditionen für den Ankauf von Kapital vom Finanzkapital nahezu beliebig diktiert werden.

Radikale Deregulierung ignoriert die originäre Aufgabe staatlicher Behörden, diesen im Grunde anarchischen Strukturen, dem "Markt", Regeln und eine Ordnung zu geben. Jetzt ist das Schlamassel da. Wie kann es sein, dass Shell über die Informationshoheit des neuesten Öl-Lecks verfügt? Wo sind die staatlichen Instanzen, die den "Markt" beaufsichtigen und ordnen? Wurden auf Bohrinseln keine Überwachungskameras installiert?

Kann man gut verstehen, dass FAZ-Edelfedern und SPIEGEL-Nachfahren an ihrer Welt zu verzweifeln beginnen und sich die Socken rot einfärben.

THX1138 19.08.2011 | 14:52

Mit Botho Strauss eine irgendwie linke Position in einem linken Meinungsmedium zu vertreten, ist ganz schön verwegen..!

Die Götterdämmerung ist in den westlichen Demokratien bereits schon seit geraumer Zeit angebrochen. Nur dämmert jeweils ganz Unterschiedliches in den unterschiedlichsten Köpfen unter immer unterschiedlicheren Umständen. Ob es das richtige ist, was da jeweils dämmert, sei einmal dahin gestellt.

Ein sehr gelungener und pointierter Artikel, vielen Dank!

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Ehemaliger Nutzer 19.08.2011 | 16:03

Ich lasse lieber Fachleute vor, die wissen es besser!

Wenn ein kapitales System am finanziellen Abgrund steht, kommen auch Erzkonservative schon mal ins Grübeln. Hatte oder hat die Linke vielleicht doch recht? So weit gehen, außer Frank Schirrmacher in der FAS, deutsche Medien nicht. Die Oligarchie des Geldes wird dafür im gutbürgerlichen Züricher "Tages-Anzeiger" beschrieben. Ein Essay (Teil eins).

Charles Moore ist Konservativer bis in die Knochen. Er war 20 Jahre lang Chefredakteur konservativer Zeitungen, zuletzt des "Telegraph". Er konvertierte zum Katholizismus, ist ein beliebter Gast des Papstes und der offizielle Biograf von Margret Thatcher. Vor Kurzem schrieb Moore eine Kolumne, die sein ganzes Leben in Frage stellt. Ihr Titel lautet: "Ich fange an zu denken, dass die Linke vielleicht doch recht hat".
Moore schreibt: "Ich habe mehr als 30 Jahre gebraucht, um mir diese Frage zu stellen. Aber heute muss ich es tun: Hat die Linke doch recht?" Und fährt fort: "Die Reichen werden reicher, aber die Löhne sinken. Die Freiheit, die dadurch entsteht, ist allein ihre Freiheit. Fast alle arbeiten heute härter, leben unsicherer, damit wenige im Reichtum schwimmen. Die Demokratie, die den Leuten dienen sollte, füllt die Taschen von Bankern, Zeitungsbaronen und anderen Milliardären." Dann blendet Moore zurück seine Anfänge als politischer Journalist. Damals, in den 80er-Jahren, entfesselte Thatcher die Finanzmärkte und zerschlug die Gewerkschaften. Moore unterstützte beides. Nun schreibt er: "Die Kreditkrise hat gezeigt, wie diese Freiheit gekidnappt wird. Die Banken sind ein Spielfeld für Abenteurer, die reich werden, auch wenn sie Milliarden verfeuern. Die Rolle aller anderen ist, ihre Rechnung zu zahlen."

Und zum damaligen Verbündeten von Thatcher, dem Verleger Rupert Murdoch, schreibt er: Murdoch argumentierte immer mit dem Recht der Leser. "Aber seine Zeitungen informieren erbärmlich. Sie verschafften ihm persönlich Macht, nicht seinen Lesern."

Moore beschreibt die "schrille" Kompromisslosigkeit der Republikaner in den USA. Und bemerkt: "Die westliche Demokratie fängt an, wie ein aussterbender Luxus auszusehen. Klar können wir Fähnchen mit dem Aufdruck 'Freiheit' schwingen. Aber auf ihnen steht, klein gedruckt, 'made in China'."

Und er endet: "Das alles ist eine schreckliche Enttäuschung für uns, die wir an freie Märkte glaubten, weil sie freie Menschen hervorbringen würden."
Kontext: Wochenzeitung

lebowski 19.08.2011 | 16:22

Zu den Nachdenkseiten:
Zurück zu Willi '72!
Diese Zeiten hätten Müller und Co. gerne zurück.
Jeder hatte einen kuscheligen Platz im nationalen Arbeitshaus.
Albrecht Müller und Kollegen untersuchen sorgfältig jedes einzelne Detail der kapitalistischen Misere, ohne jemals das Gesamtbild zu betrachten.
Müllers linksliberale Kritik bewegt sich immer innerhalb der kapitalistischen Binnenlogik.

Das wäre gar nicht schlimm, aber Müller fängt zunehmend an, Leute anzugreifen (zB Wachstumskritiker), die einen Ausweg aus dem kapitalistischen System suchen. Und das sollte man ihn nicht durchgehen lassen.

Uwe Theel 19.08.2011 | 16:23

Hallo Fro,

was ich unterlinks versteheh, habe ich meinem Blog

www.freitag.de/community/blogs/uwe-theel/was-ist-eigentlich-links---individuum--freiheit--gesellschaft

diskutiert. Gejammert habe ich weder dort noch jetzt hier im Kommentar zu JA.

Ich glaube, auch j-ap hat nicht gejammert. Ich jedenfalls bestehe, wie er wohl auch auf klaren Kategorien und lehne unscharfe Begriffe ab.

Ich persönliche halte gar nichts davon Begriffe als veraltet zu betrachten nur aus Marketinggründen. Da muß man schon nachdenken, was historisch wirklich weggebrochen sei, dass ein Begriff wirklich historisch obsolet geworden ist.

Im Falle von "Links" sind die Differenzen im Spektrum "Sozialist" "linker Demokrat" Linksliberaler" bis "Sozialdemokrat" und "Grünem" durchaus nicht trivial.

Ein Linksbegriff, der ohne einen strengen Kapitalbegriff auskommen will und den Kapitalismus als solchen für einhegbar hält verläßt für meine Begriffe den Begriff von Links.

Völlig unabhängig davon übrigens die Komponente des demokratischen Moments, das allen Färbungen im Kern durchaus zugeschrieben werden kann, von, denen, die man nicht mehr als genuin links bezeichnen könnte (s.o.) dann aber im Ernstfall (Krisenfall) eventuell nicht mehr beschütz- und bewahrbar wäre (Die Rasterfahndung wurde unter der Sozialdemokratie Brandts eingeführt, Schröders SPD spaltete die Gesellschaft durch die Agenda 2010 tiefer und weiter in partizipierende Gewinner und depravierte Verlierer.)

j-ap 19.08.2011 | 16:54

»Hallo j-ap: Staat Mist, Demokratie Mist, Finanzmarkt ok.«

Ich weiß zwar nicht, wo Sie das her haben, Fro, aber ist Ihnen schon einmal der Gedanke gekommen, daß Demokratie und Markt, Staat und Kapital usw. Bestimmungen sind, die etwas mehr verbindet als das halluzinierte System der kommunizierenden Röhren, das Sie sich darüber vorstellen?

Wie der Markt das arithmetische Aggregat der Nachfrage ist, die das Angebot bestimmt und damit den Preis, so ist die Demokratie das arithmetische Aggregat der staatsbürgerlichen Einzelwillen zur volonté générale, zum Allgemeinwillen. Die Demokratie ist das Komplement zum Markt und der bürgerliche Staat alles andere als eine »Ableitung«, der einen höheren Freiheitsgrad verspräche als das Kapital und deshalb gegen es in Stellung zu bringen wäre (obwohl diese Sichtweise natürlich eine sehr verheißungsvolle Perspektive für die, zumal linke, Bevölkerung der ideologischen Staatsapparate bietet, die sich schonmal theoretisch warmlaufen für die avisierten Stellen in der Planungsbürokratie).

Deshalb belügen oder täuschen die »Neoliberalen« auch niemanden, wenn sie erklären, dem berühmten Gemeinwohl erst so richtig auf die Beine zu helfen, wenn sie »der Wirtschaft« einen Gefallen tun.

Was traditionelle Linke — und zwar von Wagenknecht bis zu den Nachdenkseiten — am Kapitalismus zu stören scheint, ist dasselbe, was den Bundesverband der deutschen Industrie an ihm stört: daß die »Finanzwirtschaft« das Geld verzockt und verbrät, das in der »Realwirtschaft« wesentlich besser aufgehoben wäre, weswegen es oberstes Gebot sei, die Finanzwirtschaft auf die märchenhafte Rolle als Handlangerin der »Realökonomie« zurechtzustutzen, die sie irgendwann einmal gehabt haben soll, als Schneewittchen hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen gewohnt hat.

Dazu ist es zunächst einmal nötig, auf Biegen und Brechen den fundamentalen Unterschied zwischen »Finanzökonomie« hie und »Realökonomie« da zu behaupten und mithin die ganze »Kritik« am Kapital in eine am Finanzkapital zu verflüchtigen: der Finanzmarkt (Aktien, Anleihen, Futures, Devisen, CDS und so weiter) ist das Problem und die »Realwirtschaft« dessen Lösung! Prima!

... vielleicht erinnert sich der eine oder die andere ja noch daran, was »Realwirtschaft« bedeutet, die einen immer so freundlich anlacht, wenn Linke mal wieder über die finanzkapitalistischen Heuschrecken herfallen: Realwirtschaft hieß früher Kanonen, Panzerkreuzer und Granaten bei Krupp, Thyssen und Škoda, heißt heute Sweatshops in Bangladesh, Kohleminen in China, Blutdiamanten in Afrika, Öl- und Gaszapfen in Sibirien und heißt morgen Leiharbeit bei Siemens und Mercedes.

Und daß dieses schöne System »stärkere Verbündete« nötig hat und den Willen, es gegen seine Feinde innen wie außen zu verteidigen, das weiß schon die gute alte NATO und setzt das auch sogleich ins Werk, wenn sie die galaktische Republik wieder einmal gegen Palpatine (Gaddafi) und Darth Vader (Assad) freischießt.

laubfrosch 19.08.2011 | 16:55

der verdienst von jakob augstein ist, dass er begriffen hat dass man die botschaften nicht ins linke lager tragen muß, sondern in das nationale, schwarze und gelbe.

der verdienst von jakob augstein ist, dass er begriffen hat dass man ohne fähigkeit zur selbstkritik nicht befähigt ist andere glaubwürdig zu kritisieren.

an einer haltung welche die eigenen positionen ständig und immer wieder selbst überprüft, und diesen gesamten prozess auch noch zur öffentlichen debatte stellt, an einer solchen haltung kann niemand etwas kritisieren im fundament.

wenn man ehrlich und offen ist, dann erwartet man genau diese haltung auch von den anderen, den politischen opponenten.

was absolut keiner begreifen will und kann, der kern der schmelze, der kern des pudels, dass ist das man gerechtigkeit als ehrlicher linker nicht mehr national, nicht mehr kontinental, sondern ausschließlich global definieren muß.

es geht nicht darum in wolfsburg höhere löhne zu erstreiten, sondern in mexiko.
dafür müßen deutsche gewerkschafter streiken, damit der VW konzern die produktion nicht auslagert.
wenn die wirtschaft global agiert und agieren kann, dann muß dem eine global tätige gewerkschaftsbewegung als kontrapunkt entgegenstehen.

"arbeiter aller länder vereinigt euch" wird damit zu einem imperativ vor einer kulisse die selbst marx und engels nicht vorstellbar war.

das engagement der europäischen sozialisten und grünen für die EU, für eine reformierte UNO ist also richtig positioniert. aber die zukunft gehört attac, die wesentlich ambitioniertere positionen zu dem ganzen haben.

was hat das alles mit england und den riots zu tun ?

der bogen muß nicht weit gespannt werden.
eines der beiden großen probleme der menschheit ist die arbeitslosigkeit und die daraus resultierende armut.
das andere ist die überbevölkerung, die in europa speziell aber zur zeit kein problem ist.

die arbeitslosigkeit resultiert schlicht und einfach aus der tatsache dass moderne produktion und dienstleistung nicht 100% der erwerbsfähigen benötigt, sondern nur 80% in europa, global sogar noch viel weniger.
global leben 2,6 milliarden menschen von weniger als 2 US dollar am tag, 900 millionen von weniger als 1 US dollar am tag.

damit wird inzwischen die hälfte aller erwerbsfähigen menschen auf diesem globus von jeder lohnarbeit ausgeschlossen die nur für einen mindesstandard des lebens nötig wäre.
dach über dem kopf, kleidung, vollwertige ernährung, sauberes wasser und sanitäre anlagen.

das ist des pudels kern.
und der pudel wird zum rottweiler auch für die westlichen nationen, wenn die schwellenländer von uns lernen ähnlich effizient produktion und dienstleistung zu verrichten.
dann bekommt die arbeitslosigkeit auch in europa, auch in deutschland eine dimension die jeden demokratischen prozess auf ein neues niveau hebt, oder die demokratie selbst wird zu grabe getragen.

glück auf ... laubfrosch

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tomcat 19.08.2011 | 17:03

"Wenn Gesine Lötzsch und Klaus Ernst, das unwürdige Gezänk über die traurige DDR-Vergangenheit, Sahra Wagenknecht und ihr Haufen von DDR-Vertriebenen, die in Wahrheit nicht mal mehr als politische Folk­lore taugen – wenn all das links ist, wer will dann links sein?"

Gut auf den Punkt gebracht. Die Linke ist heute eine konzeptlose Truppe, die sich nicht darüber im klaren welche Veränderungen sie eigentlich will und was diese Veränderungen überhaupt sinnvoll erscheinen lässt. Sie versteht ferner nicht, dass eine Umstrukturierung der Gesellschaft nicht ohne Schmerzen von sich geht und dass Links auch nicht bedeuten kann, dass einige es sich im Transfersystem gemütlich machen. Wenn das nämlich auch links sein soll, dann wird bald niemand mehr links sein wollen, ausser diejenigen, die echt nichts mehr in ihrem Leben vorhaben.

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Ehemaliger Nutzer 19.08.2011 | 17:05

lebowski,

Sie greifen Herrn Müller an, können aber selbst nicht logisch denken.
Was bewirkt denn bedingungsloses Wachstum?Unseren Untergang, nichts weiter!
Sie kennen das Märchen von dem Fischer mit seiner Frau. Dieses Märchen ist das Märchen vom Kapitalismus. Die Frau schickt den Mann immer wieder zu dem Butt, weil sie den Hals nicht voll bekommt. Zum Schluß nimmt ihr der Butt alles wieder weg und alles bricht zusammen.
Immer mehr, immer mehr, wobei die Hälfte vauf dervanderen Seite wieder vernichtet wird.
Auf dem Grabstein des Kapitalismus wird stehen: "zuviel war nicht genug".
Wir müssen wieder runter vom Wachstum und mehr Innovation betreiben.

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Ehemaliger Nutzer 19.08.2011 | 17:05

lebowski,

Sie greifen Herrn Müller an, können aber selbst nicht logisch denken.
Was bewirkt denn bedingungsloses Wachstum?Unseren Untergang, nichts weiter!
Sie kennen das Märchen von dem Fischer mit seiner Frau. Dieses Märchen ist das Märchen vom Kapitalismus. Die Frau schickt den Mann immer wieder zu dem Butt, weil sie den Hals nicht voll bekommt. Zum Schluß nimmt ihr der Butt alles wieder weg und alles bricht zusammen.
Immer mehr, immer mehr, wobei die Hälfte vauf dervanderen Seite wieder vernichtet wird.
Auf dem Grabstein des Kapitalismus wird stehen: "zuviel war nicht genug".
Wir müssen wieder runter vom Wachstum und mehr Innovation betreiben.

Joachim Petrick 19.08.2011 | 17:22

@Jakob Augstein

"Der Westen erlebt sein soziales Fukushima"

..eben nicht in England, Liverpool, Birmingham. London, Tottenham, Paris, Berlin, sondern unter den Hungernden, Verdurstenden in Ostafrika.

Jetzt weiss ich einmal mehr, wie linker Boulevard, wie ein "Pin Up Girl" aufklappbar verklappt werden kann.
Erst atemfrei ein moralisch riesiges Fasss aufmachen, vor keinem GAU zurückschreckend, das Neue fordernd, sodann unverzüglich genussfrei alles ins Vorherige vernorden?

Wer bietet da eigentlich wem, wenn ja, warum, warum nicht im Berliner Wahlkampf eine Chance zur Veränderung?

Übrigens:
"Der Vater des Kapitalismus wie der neuzeitlich parlamentarischen Demokratie, diesen verfeindeten Geschwistern, war die klerikare wie säkulare Despotie im Gewande einer Autorität von Gottes Gnaden, des Teufels pralle Waden.

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Ehemaliger Nutzer 19.08.2011 | 17:30

j-ap,

Das ist eigentlich Quark, weil es sowieso wenig Arbeitskräfte gibt. Bei der Rationalisierung geht es um die Wirtschaftlichkeit und bei der Innovation um neue Technik. Das muss aber nicht heißen, dass hier Leute rausgeschmissen werden. Die neue Technik muss auch von Leuten bedient werden können und gerade in dieser Richtung werden Arbeitskräfte gesucht.
Man muss aber nicht auf Teufel komm raus produzieren, um die Dinge anschließend wieder zu vernichten, z. B. in der Lebensmittel- oder der Arzneimittelindustrie.

Dreizehn 19.08.2011 | 17:36

Ach diese Vorwürfe, tomcat, von konzeptlose Truppe bis zu persönlich wenig einnehmend bis neurotisch - kannst du die nicht ebenso auf FDP, auf CDU übertragen? Das Personla wirkt überall leicht überfordert. Auch die dramatisierende Frage, ob links, ob nicht links, ist mir ziemlich schnuppe.

Ich les in Augsteins Artikel viel Affekt, viel gekünstelte Erregung: soziale Kernschmelze, moralisches Fukushima - nette sprachliche Bilderchen fürn Feuilletonbeitrag. Oder anders: viel heiße Luft.

Weshalb wird nicht der Dialog über Politik eingefordert [den außer der Linken alle Parteien verweigern], also: Wie lässt sich sozialer Ausgleich in dieser Gesellschaft [wieder] erreichen? Wie können wir der Armut vorbeugen - Kinderarmut zum Beispiel: Weswegen redet niemand von freier Schulspeisung? usw. usf. Und gibt weit mehr dieser Themen mit bislang nicht beantworteten Fragen.

Stattdessen echauffiert man sich über die Mauer und fordert Bekenntnisse ein? Ja bitte wo leben wir denn?

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tomcat 19.08.2011 | 17:37

@ Joachim Petrick

Nein das Desaster am Horn von Afrika ist diesmal klar hausgemacht, denn 1992 war dort kein westlicher Soldat mehr und das Schattenregime von Mogadishu (wenn es denn mal überhaupt die Stadt unter Kontrolle hat) hat überhaupt keine Autorität im Lande. Es ist der totale Bankrott einer Stammes- und Clangesellschaft, die von der Entwicklung der Welt vollkommen as absurdum geführt wurde, den Smartphone und Stammesfehden passen nicht in die gleiche Zeit. Und was Gott bzw. hier eher Allah angeht, so ist der Obkurantismus der somalischen Stämme und die krasse Vernachlässigung alltäglicher Aufgaben zugunsten jihadistischer Empörungen der Hauptgrund für die Hungersnot.

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Ehemaliger Nutzer 19.08.2011 | 17:40

@Tomcat,

Hand aufs Herz, Sie kennen das Programm der Linken doch gar nicht? Was Sie hier zelebrieren ist paranoides Geschwätz.
Lesen Sie sich das Programm durch und Sie werden viele Dinge erkennen, die auch Sie wollen.
Wenn man nichts weiß, sollte man sich nicht bewußt lächerlich machen.
Genau diese Meinungsmache ist es, betreibt übrigens auch die Bildzeitung, die von bildungsfernen Bürgern gut aufgenommen wird. Die Menschen in diesem Land sollen in eine Dauerschleife der Volksverdummung fixiert werden, damit die Obrigkeit so weiter machen kann.

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tomcat 19.08.2011 | 17:42

@Dreizehn:

das sind wir doch einer Meinung! Anstatt pragmatische Lösungen zu entwickeln reden die über die Berliner Mauer und so einen historischen Müll, den kein Mensch heute braucht. Eine Linke macht nur dann Sinn, wenn sie im besten utilitaristischen Sinne das Maximum für die Gesellschaft verfolgt. Ansonsten sind wir dann tatsächlich woanders besser aufgehoben.

Anstatt den Staat zu modernisieren und ihn, wie es etwa auch andere Staaten machen, mit Fonds an der Industrie zu beteiligen und somit Einnahmen für soziale Projekte zu generieren, reden wir vom Beamtenstaat 2.0 und von Jobs im öffentlichen Dienst...und wer soll das bezahlen?

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tomcat 19.08.2011 | 18:03

@Matto

Gehört Bepöbeln und Beleidigen jetzt auch zum "Linksein", oder liegt das daran, dass wir nicht in persona sprechen. Wenn Sie nämlich im realen Leben auch reden, müssten Sie schon ein paar plastische Eingriffe hinter sich haben, so mit Nasenbein und Kiefer und so! Aber ich schätze mal, dass sie im echten leben eher leise auftreten.

Zur Sache an sich: Das Programm der Linken hat sicherlich hier und da eininge gute Elemente. In Summe ist es aber leicht beknackt. Da können Sie mal hier nachlesen: bit.ly/piI267

Nur mal ein paar Schmackerln:

"Wir fordern politische Instrumente, die familiäre Abhängigkeiten aufheben und gegenseitige Verantwortung in allen unterschiedlichen Lebensformen stärken, denn die Institution der bürgerlichen Ehe kann nicht die einzige anerkannte Familienform sein. Ein neues Familienbild muss auch die Lebensweisen von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgendern einschließen. Notwendig ist eine aktive Politik für Menschen mit Kindern, egal in welchen Beziehungsformen sie zusammen leben."
-----
Genau ein Staat mit 9 Lebendgeburten pro 1000 Einwohnern und einem drohenden Rentenkollaps hat sonst keine Probleme. Und was soll das jetzt heißen? Dass kinderlose Transgender auch Kindergeld kriegen?

----

Oder wie wäre es damit:

"Hartz IV muss weg!" - für die Überwindung der Hartz-Gesetze" - ein Gesetz muss weg - OK und wie finanzieren wir dann das Plus an Transfer?

Oder wie wäre es damit "für die Demokratisierung sozialer Sicherungssysteme, die Stärkung ihrer solidarischen Elemente und die Erneuerung ihrer Selbstverwaltung" - Was soll das konkret bedeuten? Kann ich meine Beitragshöhe nun selbst festsetzen, oder können wir das per Briefwahl entscheiden?

Sehr gut gefällt mir auch diese Satz:
"öffentlich geförderte und gestaltete Beschäftigungssektoren mit genossenschaftlichen Elementen, die jene sozialen, kulturellen und ökologischen Bedürfnisse befriedigen, die weder der Markt noch der öffentliche Dienst abdecken." - Also noch mehr Schnarcherjobs die durch die Steuern finanziert werden sollen. Damit der Arbeiter und Angestellter aus der Wettbewerbswirtschaft noch mehr professionelle Kaffeekränzchen füttern darf.

Viele arbeitende Wähler schreckt auch das hier ab:
"offene Grenzen für Menschen in Not: Wir setzen uns für die Wiederherstellung des Grundrechts auf Asyl ein und werben für eine Harmonisierung des Asylrechts in Europa auf hohem Niveau." - Was heißt hier Not? Wir haben derzeit ein entsprechendes Asylverfahren. Ist mit Not auch wirtschaftliche Not gemeint? Soll jetzt Deutschland die Probleme der Welt lösen? Also spätestens jetzt wird klar: Die Linke ist noch nicht regierungsfähig, denn sie lebt im Wolkenkuckucksheim. Sie versteht nicht, dass unsere Mittel langsam knapp werden und soziale Gerechtigkeit durch eine innovative Politik hergestellt werden kann und nicht durch alte Omarezepte und offene Tore für alle.

Joachim Petrick 19.08.2011 | 18:30

@Tomcat

"Nein das Desaster am Horn von Afrika ist diesmal klar hausgemacht, denn 1992 war dort kein westlicher Soldat mehr .."

Umgekehrt wird ein Schuh daraus.
Die "westlichen Clinton" Soldaten sollten damals von der UNO mandatiert die Warlords entwaffnen, sind aber unverrichteter Dinge abgezogen, ohne dass der Waffenhandel aus den USA, Russland, England, Deutschland nach Ostafrika bis heute unterbunden wurde

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tomcat 19.08.2011 | 18:37

Moment mal, wer hat den die US Marines zu Paaren getrieben? Das waren die Somalis selbst! Die wollten keine fremde Einmischung. Dann bitteschön, sollen sie doch die Suppe auslöffeln, die sie bestellt haben. Bei all den Fehlern die der Westen weißgott begangen hat, Somalia gehört nicht dazu. Das kriegen die stolzen Krieger da unten ganz alleine hin.

Und sicherlich werden die neusten Waffensystem aus USA und Russland bestimmt nicht an somalische Clanmilizen oder die Al Shaabab gelieftert. Die haben noch genug Zeug aus den Beständen der ehemaligen somalischen Armee. Außerdem gehören Waffen am Horn von Afrika quasi schon aus Folkloregründen dazu. Wer ein dort als Mann ernst genommen werden will, hat eine AK oder sowas in der Art daheim.

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tomcat 19.08.2011 | 18:37

Moment mal, wer hat den die US Marines zu Paaren getrieben? Das waren die Somalis selbst! Die wollten keine fremde Einmischung. Dann bitteschön, sollen sie doch die Suppe auslöffeln, die sie bestellt haben. Bei all den Fehlern die der Westen weißgott begangen hat, Somalia gehört nicht dazu. Das kriegen die stolzen Krieger da unten ganz alleine hin.

Und sicherlich werden die neusten Waffensystem aus USA und Russland bestimmt nicht an somalische Clanmilizen oder die Al Shaabab gelieftert. Die haben noch genug Zeug aus den Beständen der ehemaligen somalischen Armee. Außerdem gehören Waffen am Horn von Afrika quasi schon aus Folkloregründen dazu. Wer ein dort als Mann ernst genommen werden will, hat eine AK oder sowas in der Art daheim.

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tomcat 19.08.2011 | 18:37

Moment mal, wer hat den die US Marines zu Paaren getrieben? Das waren die Somalis selbst! Die wollten keine fremde Einmischung. Dann bitteschön, sollen sie doch die Suppe auslöffeln, die sie bestellt haben. Bei all den Fehlern die der Westen weißgott begangen hat, Somalia gehört nicht dazu. Das kriegen die stolzen Krieger da unten ganz alleine hin.

Und sicherlich werden die neusten Waffensystem aus USA und Russland bestimmt nicht an somalische Clanmilizen oder die Al Shaabab gelieftert. Die haben noch genug Zeug aus den Beständen der ehemaligen somalischen Armee. Außerdem gehören Waffen am Horn von Afrika quasi schon aus Folkloregründen dazu. Wer ein dort als Mann ernst genommen werden will, hat eine AK oder sowas in der Art daheim.

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Ehemaliger Nutzer 19.08.2011 | 19:02

@Tomcat,

Nun mal schön einen Gang runter schalten, sonst bekommen Sie noch einen Kollaps.
Sie müssen, wenn Sie die Linken kritisieren, auch das Angebot der anderen Parteien sich anschauen und da stehen die Linken nicht schlecht da. Und genau in dieser Richtung bleibe ich mit meiner Kritik Ihnen gegenüber, wenn sie das auch als Beleidigung auffassen, dann tun Sie das eben!
Es wird sich beweisen und das hat mit Kommunismus und dem anderen Gezedere nichts zu tun, dass sich der linke Gedanke durchsetzen wird, nicht mit den Alten.
Wir sehen es doch gerade in vielen Ländern, wo sich hauptsächlich die Jugend diese Behandlung nicht mehr gefallen läßt.
Natürlich muss Hartz IV weg, weil Hartz IV ein Verbrechen gegenüber Millionen von Menschen ist. Hartz IV kann und da werde ich etwas polemisch genau so finanziert werden, wie man die Banken finanziert.
Hunderte von Milliarden sind für die Bankenrettung da und wenn ein Hartz IV Empfänger ein Geldgeschenk zum Geburtstag bekommt, wird es als Einkommen angerechnet.
Ich weiß, ich werde mit Ihnen hier nicht zurecht kommen und das ist mir auch vollkommen wurscht, aber es wird der Tag kommen, wo dieses menschenfeindliche System zusammenbricht. Das Verfallsdatum des Kapitalismus ist schon lange überschritten.

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tomcat 19.08.2011 | 19:13

Keine Angst, ich kriege keinen Kollaps, sondern bleibe im Falle einer Außeinandersetzung immer ganz cool, so dass der andere immer kollabiert.

Aber zum Thema: Ja Hartz IV ist schlimm, ja der Kapitalismus ist schlimm, bla bla bla alles ist schlimm, das wussten wir schon lange vorher.

Was ich sehen will ist ein kluges Konzept, eine klare Lösung, wie es besser werden kann und keine Politik für arbeitslose Transsexuelle oder nordafrikanische Wirtschaftsflüchtlinge. Dann soll die Linke doch in Ägypten kandidieren. Haben die überhaupt schon mal daran gedacht, dass die Ausländer die hier arbeiten den Scheiß genauso bezahlen müssen wie die Deutschen?

Wie will die Linke ihre Programme finanzieren? Das kann sie uns nicht erklären. Das Land macht diese Jahr wieder 30 Milliarden neue Schulden. Ab 2013 gehen jedes Jahr eine Millionen Menschen in Rente. Es wachsen immer weniger Leute nach, gleichzeitig gibt es Integrationsprobleme, Abwanderungsbewegungen der Industrie und ein starkes Nachlassen der Qualität in der Ausbildung. Hier muss die Politik liefern, egal ob sie Linke oder Rechte heißt. Und wer das nicht tut, der wird eben nicht gewählt.
Einfach nur die Steuern zu erhöhen reicht nicht mehr, denn das Limit ist erreicht.

laubfrosch 19.08.2011 | 19:20

nein matto ...
dieses ewige vergleichende argumentieren muß aufhören.

die cdu hat eine parteienspendenaffaire ?
man kontert mit der west-lb oder den schmiergeldern für die müllverbrennungsanlagen.

linksextremisten zünden autos an ?
140 tote seit 1990 durch rechtsextremisten werden ins spiel gebracht.

60 millionen tote des naziregimes ?
noch mehr millionen waren opfer von stalin und mao ...

koch erklärt steuerfahnder zu psychopathen ?
klaus ernst fährt porsche ...

jakob augstein schreibt eine kapitalismuskritik ?
im spon forum wird ihm nahegelegt sein erbe zu spenden bevor er das tun darf ...

ich finde dafür keine worte mehr, nur noch musik.

www.youtube.com/watch?v=kK62tfoCmuQ

gruß laubfrosch

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tomcat 19.08.2011 | 19:36

goedzak schrieb am 19.08.2011 um 17:13
Es hat mehr als zwanzig Jahre gedauert, bis ich mir diese Frage stelle, aber nach Lesen dieses Artikels spüre ich, dass ich sie stellen muss: Hat Sahra Wagenknecht nicht am Ende recht?
-------

Ja sie hat Recht, dass das System verändert werden muss und dass dabei keine Tabus im Wege stehen dürfen. Aber den Weg den sie beschreiten will, der ist der falsche. Mit Rezepten von gestern die Zukunft von morgen zu gestalten wird wieder mal im Abseits landen.

Fro 19.08.2011 | 20:03

@Jakob Augstein

Die Vorwürfe die Sie der Linken machen, betreffen nur einen Teil der Linken - auch nur einen Teil innerhalb der Partei dieLinken. Ich halte es für wichtig, dass man differenziert.
Für mich (unabhängiger Bürger) hat die Linke in den vergangenen Jahren die besten parlamentarischen Leistungen im BT erbracht. Hervorragende Reden wurden gehalten und gute Anträge gestellt.
Und ich weiß von vielen Linken, die sich in Demokratiebewegungen und Betrieben engagieren....
Sicher gibt es auch noch ein paar verknöcherte Ideologen und Demokratieungeübte... Kritik wird ihnen vielleicht gut tun... Verallgemeinerungen werden die anderen, die aufgeklärten Linken berechtigterweise verärgern.

Das

allgemeine

Demokratiedefizit ist offensichtlich. Viele haben überhaupt keinen blassen Schimmer, was Demokratie heute sein soll, und sein kann – haben kein demokratisches Feeling – das natürlich das für Gerechtigkeit und Freiheit einschließen muss. Es ist richtig, eine Demokratisierung (auch innerparteilich) von den Parteien immer wieder einzufordern und undemokratisches Verhalten zu kritisieren.
Unsere demokratische Kultur in Deutschland ist leider unterstes Niveau – im europäischen Vergleich, stehen wir ganz unten. Das Problem ist: Es sind zu wenige, die echte Demokratie verlangen. - Wahrscheinlich auch, weil niemand sich vorstellen kann, wie so etwas aussehen könnte, und so etwas überhaupt machbar wäre – ohne viel Aufwand.
Demokratie ist das große Thema. Aber ohne Verlangen nach intelligenten Lösungen, die natürlicherweise ganzheitlich/global und für die Zukunft stimmig sein müssen, haut Demokratie nicht hin.
Wir brauchen eine schlaudemokratische Erneuerung der aufgeklärten Bürger. Zunächst sollte man einmal eine nüchterne Bilanz ziehen, was dieses neoliberale „Experiment“ seit 1989 eigentlich so gebracht hat. Die Bilanz sieht verheerend aus und es ist für einen normaldenkenden Menschen überhaupt nicht einsehbar, dass man diese neoliberale Politik nicht schon lange verboten hat (das GG lässt so etwas z.B. gar nicht zu) bzw ersetzt hat...
Mit Klagen sollte man sich m.E. aber nicht mehr aufhalten. Es steht die Frage, die oben schon gestellt wurde: Was tun? Ich würde erstmal vorschlagen: Mensch sollte einfach sagen, was mensch will - und schauen, wie es zu realisieren wäre.. freundlicherweise verlangt das Grundgesetz „soziale Demokratie“ - was will man mehr? Das bietet Raum für angenehme (schlaue) Visionen....
Fro 19.08.2011 | 20:59

@Uwe

Der Satz
„...Damit erübrigt sich das Klagen über die träge „untertänige Masse“. - Die Linke ist gefordert, den Weg zu weisen...“

war nur so allgemein in den virtuellen Raum geschrieben. Man beklagt sich (ich auch hin und wieder) über die alles erduldenden Untertanen, vergisst aber, dass eine menschliche Bewegung auch ausreichend begründet sein will.

Wichtig finde ich es eben, dass man einen Weg weist, der schon jetzt beschritten werden kann – und das passiert ja schon an vielen Stellen...
Es gibt genossenschaftliche Projekte, demokratisierte Betriebe, faire Gewinnverteilung, energieautarke Gemeinden.... 200Jahres-Visionen sollte man verschwommen halten, um Zwanghaftigkeit zu vermeiden - niemand weiß wie sich die Verhältnisse weiter entwickeln, und was möglich ist/sein wird.

Zu „Links“ schreibe ich wahrscheinlich noch an anderer Stelle etwas.

tamackler 19.08.2011 | 21:31

Es ist traurig, dass - weil es angeblich so wenig Geld gibt - stets das volk gespalten wird. Die alte Methode eben. Hauptsache ein Sündenbock ist gefunden. Die Verurteilungen, die es jetzt in GB teils gegeben hat, sind derart überzogen, dass man nur zu einem Schluß kommen kann. Hier hat ein System ganz einfach Angst. Dabei liegen die Ursachen der Gewalt ganz woanders. Ein Video, welches ich im Netz gefunden habe, zeigt das ganz gut auf - besonders die Paralellen; www.youtube.com/watch?v=zqVzaTzBcQw

tamackler 19.08.2011 | 21:31

Es ist traurig, dass - weil es angeblich so wenig Geld gibt - stets das volk gespalten wird. Die alte Methode eben. Hauptsache ein Sündenbock ist gefunden. Die Verurteilungen, die es jetzt in GB teils gegeben hat, sind derart überzogen, dass man nur zu einem Schluß kommen kann. Hier hat ein System ganz einfach Angst. Dabei liegen die Ursachen der Gewalt ganz woanders. Ein Video, welches ich im Netz gefunden habe, zeigt das ganz gut auf - besonders die Paralellen; www.youtube.com/watch?v=zqVzaTzBcQw

Fro 19.08.2011 | 21:33

Ich kann Sie verstehen, die Systemkomponenten sind mir durchaus bekannt. Haben Sie auch gut beschrieben - danke. Und ich weiß, dass jede Verbesserung des Systems zu seiner Stabilisierung beitragen kann, - wenn es keine „aufgeweckten“ aufgeklärten Bürger gibt, die eine echte Demokratie wollen und fortfahren sie allenorts zu verwirklichen.
Mir reicht es aber nicht, eine 300Jahres-Vision einer herrschaftsfreien Gesellschaft zu träumen. Ich finde es interessanter darüber zu sinnieren, wie und wo man sich hier schon mal auf den Weg dahin machen kann.

Aufgeklärte Bürger, Gefühl für Fairness, Demokratie plus Sachverstand auf höchstem Niveau.
Mehr braucht es nicht, um sich auf einen guten Weg machen zu können. Und es gibt an vielen Stellen kleine Inseln, auf denen man das auch schon finden kann.

Ja, das Finanzsystem – das sollte man m.E. so "zurechtstutzen", dass es außer sich selbst niemanden schaden kann. Ich will hier aber keinen voreiligen Reformvorschlag machen....sollte man aber hinbekommen. - Die Rahmenbedigungen für das Leben auf diesem Planeten sollten stets verbessert werden.

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Ehemaliger Nutzer 19.08.2011 | 21:43

@tomcat,

Ihre ersten Ausführungen zu den jetzigen haben sich sehr versachlicht und das finde ich gut.
Noch besser wäre es, wenn Sie sich die Bücher von Frau Wagenknecht "Wahnsinn mit Methode" oder "Freiheit statt Kapitalismus" zu Gemüte führen würden.
Dann wüßten Sie, dass Frau Wagenknecht eben nicht mit Rezepten von gestern argumentiert.
Den Weg, den Merkel und Co. gehen, wird uns alle ins Unglück führen. Lesen die die Bücher von klugen Markoökonomen wie Flassbeck und Horn. Was einem Ökonom schon im ersten Semester beigebracht wird und lernt, so Flassbeck, machen unsere abgehobenen und selbsternannten Ersatzökonomen unserer Obrigkeit falsch. Durch diese Unfähigkeit wird das Volk einen hohen Preis bezahlen. So kann es einfach nicht weiter gehen.

Dreizehn 20.08.2011 | 01:30

Ich führ einfach meine Zeilen von weiter oben noch bißchen aus, es passt auch inhaltlich hervorragend. Doch.

Schulspeisung gab's "hier" in den Nachkriegsjahren finanziert aus dem Marshallplan, dann nicht mehr. In der DDR seit 1975 bis 1989, zuletzt für 85% sämtlicher Schüler, die zwischen 0,50 und 0,75 Mark DDR dafür zahlten. Wurde nach der Vereinigung nicht mehr für erforderlich gehalten. Kann man drüber streiten. Wurde nicht für nötig gehalten, drüber zu diskutieren, merkte ja im Westen eh niemand.

Inzwischen sieht's anders aus. "Wir" "mußten" "unsere" Banken "retten", jetzt is man bissel ausgeplündert und Geld für soziale Zwecke fehlt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es Ansätze für schulische Essensangebote gibt, an Ganztagsschulen eh meistens Kantinen, wobei die nicht unter zwei Euro verlangen, was für prekäre Lebensverhältnisse nicht wenig Geld ist, so pro Monat gerechnet, rechnet einfach mal, ich weiß nicht ob's dafür vom Sozialamt gibt.

Ich schreib das alles so ansatzweise detailliert auf, weil es vielleicht für die Zeitung von Herrn Augstein eine Möglichkeit wäre, einen Redakteur loszuschicken mit dem Auftrag, er soll sich mal schlau machen und ne Reportage vorlegen. Auch fürn SPIEGEL n schönes Thema. Und was sagt eigentlich Blome/BILD? BILD schweigt? Na sowas. Hört man ja eher selten, dass BILD nichts zu sagen hat. Gab's da nicht mal son Aufkleber "Ein Herz für Kinder"? Ach so, war nurn Aufkleber. Ich verstehe.

mustermann 20.08.2011 | 07:32

dummes linken-bashing vom salonlinken augstein.

der arsch geht dem millionärssöhnchen auf grundeis, seit die linke mit zunehmendem erfolg die eigentumsfrage in die öffentlichkeit bringen kann. ein solcher artikel zeigt, dass die linke in deutschland auf einem guten (programm-) weg ist.

lustig war mitzuverfolgen, wie das von augstein gefeaturete, durch und durch korrumpierte, "think tank"-projekt linke mitte über monate scheibchenweise abgesoffen ist Es ist gestorben an inhaltsleerer geschwätzigkeit und dieser artikel ist die ebenso hohle grabrede.
der versuch von augstein und seinen seeheimern, dass Institut Solidarische Moderne zu verhindern, ist in erbärmlicher art und weise gescheitert, ein echter killer.

Achtermann 20.08.2011 | 11:31

@ mustermann

Ich habe mir erlaubt, Dein Posting zu zivilisieren und neu geschrieben, da es doch etwas stark an eine erkenntnisimmune Geisteshaltung erinnert:

Augsteins Versuch die Linke zu kritisieren, ist nicht gelungen

Herr Augstein, der aus begütertem Hause kommende Herausgeber des Freitag, befürchtet Schlimmes, seit die Partei Die Linke mit zunehmendem Erfolg die Eigentumsfrage an die Öffentlichkeit bringt. Die inhaltliche Position Augsteins zeigt, dass Die Linke in Deutschland mit einem guten (Programm)-Weg ist.

Erheiternd war mitzuverfolgen, wie das von Augstein geförderte der Bestechlichkeit verdächtige "Denkfabrik"-Projekt "linke Mitte" über Monate hinweg scheibchenweise eingeschlafen ist. Es ist seiner inhaltsfreien Abschweifungen wegen hingeschieden. Augsteins Artikel passt sich bedauerlicherweise dieser Niveau-Ebene an. Man könnte seinen Text als Grabrede auf das Ende des Projekts interpretieren. Der Versuch des Freitag-Herausgebers zusammen mit dem sozialdemokratischen Seeheimer Kreis, das Institut für Solidarische Moderne, das "Anstöße geben [will] für ein gesellschaftliches Reformprojekt", zu verhindern, ist in nahezu bedauerlicher Art und Weise gescheitert.

P.S.: Intelligent und aufklärerisch wäre, wenn Du Deine Behauptungen über das korrumpierte Think-Tank-Projekt und Augsteins Zusammenarbeit mit dem Seeheimer Kreis durch Fakten belegen würdest.

luddisback 20.08.2011 | 11:46

@tomcat
"Die Linke ist noch nicht regierungsfähig, denn sie lebt im Wolkenkuckucksheim. Sie versteht nicht, dass unsere Mittel langsam knapp werden und soziale Gerechtigkeit durch eine innovative Politik hergestellt werden kann und nicht durch alte Omarezepte und offene Tore für alle."

da kauen sie ja ein dauermantra der systemmedien wieder. aber gerade zum thema steuergerechtigkeit hat die linke ein paar vorschläge gemacht, die am mißverhältnis exportweltmeister vs. armer staat einiges in vernünftige bahnen lenken könnten. die meisten leute vergessen lieber den sinn von solidarität, lieber sollen leute in not verhungern, als "uns hier auf der tasche zu liegen". mal darüber nachdenken, wohin das ganze geld denn verschwindet und wie man es von dort zurück in den kreislauf bringen und zum allgemeinen wohl verwenden könnte, damit halten sich die meisten leute nicht auf. ich finde das putzig, aber da traut sich das untertanenhirn nicht ran, da blättert es lieber ein bißchen im sarrazin.

Margareth Gorges 20.08.2011 | 12:03

Augsteins lieber Kapitalismus

Ein unschön verquirltes Gebräu tischt Jakob Augstein auf in der Absicht zu zeigen, dass Neoliberalismus und Sozialismus irgendwie beide böse sind. “Links” hätte er es gern, aber nicht mit der Partei “die Linke”, parlamentarisch muss es sein, wobei nicht recht einleuchten will, was er damit meint. Der Verdacht liegt allerdings nahe, dass er damit am Ende “Marktwirtschaft” meint, die gute freilich, den lieben Kapitalismus

Quelle: Feynsinn weiterlesen : feynsinn.org/?p=9709

Margareth Gorges 20.08.2011 | 12:03

Augsteins lieber Kapitalismus

Ein unschön verquirltes Gebräu tischt Jakob Augstein auf in der Absicht zu zeigen, dass Neoliberalismus und Sozialismus irgendwie beide böse sind. “Links” hätte er es gern, aber nicht mit der Partei “die Linke”, parlamentarisch muss es sein, wobei nicht recht einleuchten will, was er damit meint. Der Verdacht liegt allerdings nahe, dass er damit am Ende “Marktwirtschaft” meint, die gute freilich, den lieben Kapitalismus

Quelle: Feynsinn weiterlesen : feynsinn.org/?p=9709

Angelia 20.08.2011 | 12:25

dreizehn,
die Bedingungen der ehemaligen DDR lassen sich mit denen in der BRD nur in ein und dem selben zeitlichen Kontext vergleichen und keineswegs mit den jetzigen. Und da muss sich das Ergebnis des Sozialismus mit dem der sozialen Marktwirtschaft vergleichen lassen.

Da wir Verwandte im Osten haben, die ich mit meinen Eltern mehrmals besuchte, frage ich einfach mal, wie kam es denn zum Verfall der DDR. Ich habe den desolaten Zustand ja mit eigenen Augen gesehen. Man darf, bei aller Kritik an der Wiedervereinigung, doch ruhig mal einen Blick auf die im Verhältnis zu früher jetzt "blühenden Landschaften" der neuen Bundesländer werfen.
Und sich vor allem fragen, auf welcher Basis die alten BL ein derart teures Projekt wie die WV überhaupt hin bekamen. Ich möchte nur mal daran erinnern, dass nicht nur die ehemaligen DDR-Bürger, sondern auch die des Westen einen verdammt hohen persönlichen Preis bezahlten.
Das ging so:
Durch den Niedergang des Kommunismus/Sozialismus gab es für den Kapitalismus kein Konkurrenzmodell mehr. So war es ein Leichtes auch die soziale Marktwirtschaft sukzessive zu Gunsten des radikalen Kapitalismus auszuhebeln. Und wie das geht, dazu hat die amerikanische Linke Naomi Klein mehrere Bücher, z.B die Schock-Strategie, geschrieben. Klein ist übrigens eine gute Alternative zu Wagenknecht. Es ist eben immer eine Frage, welche Kräfte innerhalb eines Systems X dominant zur Wirkung kommen. Es ist de facto keine Frage des systemischen Überbaus. Das muss auch eine Wagenknecht begreifen. In den letzten Jahren haben unzivilisierte radikal archaische Kapitaleigner ihre Macht ausgespielt, Handlanger in der Politik platziert, ggf. erpresst, Notlagen zu ihren Gunsten ausgenutzt und so das relative Gleichgewicht der Kräfte empfindlich gestört. Das Ergebnis liegt uns ja vor und ist nicht nur an den Börsen und an den weltweit sozialen Verwerfungen abzulesen. Das Alles hat in der Tat was mit Moral, Tugenden und einem Ethikverständnis zu tun, welches man aber nur im Rahmen einer zivilisatorischen Schulung des Intellekts, auf der Basis jahrtausend alter menschlicher Erfahrungen, erwerben kann. Hier schließt sich der Kreis zum Artikel von J.A.

Im Endeffekt muss man sich mal über Eines klar werden, dauerhaft ist eine sozial möglichst gerechte Gesellschaft nur im Kapitalismus möglich. Ohne Moos ist nun mal nix los und eine kostenlose Schulspeisung kann man dauerhaft auch nicht aus Luft und Ideologie gewährleisten.

Es gibt da mehrere Dinge, die ich auf den Tod nicht ausstehen kann:
1. Die Lebenssituation der Kinder für politische Zwecke zu instrumentalisieren.
Natürlich wurden und werden Familien und Kinder schon aus ideologischen Gründen immer unterstützt. Aber auch hier hängen die Möglichkeiten der Förderung und Unterstützung mit den wirkenden Kräften im System zusammen.
2. Diffamierungen einer Person, hier R. und J. Augstein, aufgrund ihres finanziellen und gesellschaftlichen Status, ohne das Wirken der Person zu berücksichtigen.

Diese absolutistische Form des Denkens und das Ergebnis, hier selten dämliche Propaganda, hilft weder uns noch den hier von radikal Linken instrumentalisierten Kindern weiter. Im Gegenteil, derart freche Aussagen, wie die von Mustermann, sind gesellschaftspolitisch kontraproduktiv.
Gott sei Dank erkennt man das sofort, weil es einfach plump und unreflektiert daher kommt.

exkoelner 20.08.2011 | 12:32

Ein Blick in die Geschichtsbücher und dann einen zweiten auf die Entwicklungen der letzten 10, 15 Jahre, und man hat den Eindruck aus Erfahrungen der Vergangenheit lernen ist nur auf die Generation beschränkt, die sie selbst gemacht hat.
Langsam sterben die letzten weg, die den 2. Weltkrieg erlebt haben, die die den 1. erlebt haben sind schon lange weg, und schon sind die damals gemachten Erfahrungen verblasst.

Warum hat es diesen dämlichen Krieg eigentlich gegeben? Die schnelle Antwort, ein einzelner Wahnsinniger, Herr H. hat das alles angezettelt, der Rest war nur irgendwie dabei, das es so nicht wahr, weiß man vielleicht noch. Aber die Konsequenzen danach, wie man in ganz Europa die Gesellschaften umgebaut hat, nicht nur in Deutschland sollten einen angesichts der Entwicklungen unserer Gesellschaft in den letzten Jahren doch zum Denken anregen:

- Große Konzerne, meist Aktiengesellschaften bekamen einen Aufsichtsrat, der zur Hälfte aus Arbeitnehmervertretern bestand, ein Revolutionärer Akt - warum wohl? (Vielleicht wegen der fatalen Rolle der IG Farben AG, oder von Krupp und Thyssen, im Streben nach unmoralischem Gewinn, die dann die ganze Gesellschaft ausbaden durfte?)
- Die Entwicklung der "Sozialen Marktwirtschaft" - weil vielleicht erkannt wurde, das eine sich auseinander entwickelnde Gesellschaft mit vielen Verlierern auf Dauer auch keinen Gewinn für die große Mehrheit ihrer Mitglieder ist, sondern nur für einige wenige?
- Schon in den 20ern begannen Architekten sich mit dem Bau von günstigen, freundlichen Arbeiterwohnungen massiv auseinander zu setzen - warum? Weil die Lebensbedingungen vieler, auch wenn sie wenig Einkommen haben wichtig sind?
- Die Entstehung von Genossenschaften für Wohnen, in der Landwirtschaft und Banken - warum? Vielleicht weil Anteilseigner, die an einer langfristigen Geschäftspolitik ein hohes Interesse haben, weil sie höchstpersönlich davon betroffen sind, und dann ganz anders Verantwortung mit übernehmen für die Geschäftspolitik dieser Unternehmung?

Man könnte diese Liste unendlich fortsetzen, und was ich nicht verstehe, das waren doch keine absurden Spinnereien, sondern genau die Wege, wie man den Wohlstand der BRD nach dem Krieg für die Mehrheit der deutschen Bevölkerung geschaffen hat, auch unter anderem um Gesellschaftlichen Sprengstoff zu entschärfen, oder erst gar nicht entstehen zu lassen - was ist passiert, das diese tiefe Lebensweisheit bei den heutigen Gesellschafts-Gestaltern abhanden gekommen ist? So kompliziert ist es nicht, und lesen können die meisten Abgeordneten und Wirtschaftsführer doch noch immer, oder? Und es hatten alle was davon, auch die Megareichen - mehr Umsatz, mehr Gewinn - ich kapiers nicht ...

Nicht das ich falsch verstanden werde, ich habe keine konkrete Angst vor einem 3. WW, aber die Gesellschaften, die zunehmend unkontrollierbar werden, tragen immer ein Gewaltpotential in sich, und das äußert sich je nach Umständen mal so, oder so ... und man wird nie neben jeden Verlierer gesellschaftlicher Entwicklungen einen Polizisten stellen können, dafür sind es heute schon zu viele und es werden jeden Tag mehr. Was man aber machen kann ist, eine Gesellschaft zu bauen und erhalten, die eben weit weniger Verlierer produziert.
Wissen tun das alle, warum gibt es nur so viele Entscheidungsträger heute, die dem bewusst entgegen handeln?

tlacuache 20.08.2011 | 12:53

...und lesen können die meisten Abgeordneten und Wirtschaftsführer doch noch immer, oder?...

Klare Antwort von mir, sie können vielleicht lesen, aber sie verstehen es nicht, in ihrer Raffgier (Kopf ist bei Heli- oder Inselkauf):

...Ballmer (Microsoft Number ONE): "Ich lese gerade viel über Zeiten, in denen die Wirtschaft, ähnlich wie heute, schwächelte. Dabei habe ich herausgefunden, dass es ähnliche Entwicklungen 1835, 1873 und 1929 gab. Kreditkrisen aufgrund von Grundeigentums-Spekulationen gab es sogar schon im Alten Rom und im antiken Griechenland. Einige meiner Leute haben mich mit Informationen über die wichtigen Wirtschaftsflauten der Geschichte bombardiert."...

Er liesst es halt, aber er versteht es nicht...

www.spiegel.de/netzwelt/tech/0,1518,600305-2,00.html

Columbus 20.08.2011 | 14:03

In meinen Augen, ein kluger, ein abgewogener Artikel, der die Problemlage klar benennt, ohne so zu tun, als wüsste der Autor wie es weiter geht. Es herrscht Verunsicherung und die muss auch in einem Text zu spüren sein. So wie es Transitionsstaaten gibt, Wende- und Wechselzeiten, so wie die Übersetzung der guten Basisprinzipien in die Realität verloren gehen kann und trotzdem alles weiter geht, so steht es derzeit.

Demokratie und Kapitalismus, trennt schon der Teaser dieses Beitrags, und das ist richtig. Der freie Markt hat keine Verwandtschaft mit Demokratie, nicht einmal mit der Republik oder dem Verfassungsstaat. Der Markt funktioniert in jedem System irgendwie!

Nur wenn die Marktwirtschaft auch geregelt ist und die demokratische und transparente Politik die Vorgaben setzt, haben politische, kulturelle und gesellschaftliche Vielfalt und Mitsprache überhaupt eine gewisse Chance. Das sind die Basiselemente der „ganz alten“ Bundesrepublik, die, immer im Systemvergleich mit dem "kommunistischen Osten“ und ihrem kleinen Schwesterstaat, der DDR, sehr erfolgreich war, und nun seit zwei Jahrzehnten einer Chimäre, nämlich dem globalen, verselbstständigten Markt und der individuellen Risikovorsorge geopfert wurde.

Markt funktioniert mit Staatskommunisten, Drittwelt-Diktatoren und Warlords, Drogendealern und Waffenverkäufern, mit Kaufdemokraten und Nenndemokraten, mit Stars und Sternchen, so lange es Ressourcen gibt die verkauft werden können. Seien es nun Bodenschätze, landwirtschaftliche Produkte, Energieträger, seien es billige Arbeitskräfte oder gar moderne Wirtschaftssklaven, die, wie im System des Pauperismus aus dem vorletzten Jahrhundert, buchstäblich für Nahrung und Unterkunft schuften. - Zu mehr reicht es für immer mehr Menschen nicht mehr!

Jedoch, wie in einer Handicap- und Risiko-Lotterie, werden die schon vorhandenen privaten Vermögens-und Besitzwerte mit Steigerfaktoren für Gewinne, andererseits mit zahlreichen Abschreibemöglichkeiten für Verluste, belohnt. So zieht eine ebenfalls größer gewordene Schar den Profit aus der Tätigkeit am Markt ab und konnte diese Marge in den letzten zwei Jahrzehnten weiter steigern. Jetzt sucht sehr viel Geld Anlagemöglichkeiten, und die These von der Konsumgetriebenheit zwingt zur Erschließung möglichst beständig wachsender Märkte. Das geht nur gut, wenn es Güter gibt, deren Preis börslich erhöht oder gesenkt werden kann, Fehlkalkulationen und Kollateralschäden bei Gesellschaft und Arbeit eingeschlossen.

Die Zahlen der Einkommens - und Vermögensverteilungen, der Lohnentwicklungen preis- und inflationsbereinigt, der Bildungschancen, belegen unisono die zunehmende Aufspaltung, hierzulande, in der EU, in den USA, und graduell noch viel ausgeprägter, weltweit.

Die Entwicklung greift nun, über die Staatsverschuldung und die Senkung der sozialen Leistungen und Standards, zunehmend die Mittelschichten und Funktionseliten an, die noch immer an das Märchen glauben, es fiele, bei einem erneuten Aufschwung, ausreichend etwas vom großen Gabentisch herunter. Daher wählen sie weiterhin Parteien, die auch an dieses Modell glauben, selbst wenn sie es derzeit nicht allzu laut sagen, dafür aber Pseudokritik an den Finanzmärkten üben.

Allein, das was Menschen brauchen, um sich wohl und sicher zu fühlen, um nicht in offener oder unterdrückter Furcht leben zu müssen, nämlich Sicherheit für Viele, für die Meisten, die schafft der Markt nicht, der auf den Zyklus und die Unsicherheit als Antrieb setzt, weil er im Grunde ein amoralisches Bild vom Menschen hat.

Ein Kontinent, Afrika, droht in riesigen Regionen wieder in ein Haus des Hungers und des Elendsnomadismus zu verfallen, während auf dem selben Kontinent die besten Profite aus Öl, Erz und seltenen Erden für ganz wenige generiert werden. Gleichzeitig führt die Produktion des Überkalorismus für den Westen dazu, immer mehr Flächen allein und ausschließlich für diese Märkte zu bewirtschaften oder gleich ganze Landstriche an die Unternehmen fremder Länder zu verkaufen.

Jakob Augsteins These, dass Jahrzehnte der leichtfertigen Demontage des politischen und sozialen Systems die Misere in Gang setzten, teile ich. In Wahrheit begann dieser Ab- und Rückbau bei uns schon mit dem Regierungswechsel Brandt-Schmidt, und verschärfte sich unter Kohl- Gentscher, weil das ab diesem Zeitpunkt mit einer parlamentarisch gewählten, großen, lagerübergreifenden Mehrheit exerziert und exekutiert wurde. Die Schröder-Fischer-Jahre bildeten den Kulminationspunkt. Daher stammt auch das schlechte Gewissen der Grünen, das zu einem bewussten und vollständigen Neglect für die eigenen Anteile an dieser Entwicklung führte.

Der Beginn datiert sich allerdings auf die Jahre um 1982. Wir landen historisch in der Ära der Baroness Thatcher, die mit ihren Beratern, ebenso wie die Exekutive Ronald Reagans, die Grundlage, das Role model, für den heutigen Scherbenhaufen lieferte.

Die Antworten von Links, sie sind tatsächlich häufig schwach. - Aber komplexe Erklärungsversuche und Lösungsansätze werden täglich noch schwächer geredet und geschrieben, weil es diesbezüglich einen gewaltigen Unterschied in der Fragetechnik und Präsentationsstrategie gibt, vergleicht man es mit der Art und Weise, wie selbst mit faktischen Null-Antworten der derzeit Regierenden, oder gar mit solchem sozialem und gesellschaftlichem Teufelszeug, wie z.B. dem rot eingebundenen Geschwafel eines Ex- Bundesbankers und SPD-Politikers, umgegangen wird.

Parallel zur geschilderten Wirtschafts- und Gesellschaftsentwicklung, -Wen wundert es im System der kommunizierenden Röhren, aus dem die Schlüsselindustrie der Publizistik und Kommunikation doch nicht ausgeschlossen bleiben kann, sondern geradezu als Transmissionsriemen funktioniert?- , hat sich in den Medien eine Haltung heraus gebildet.

Mögen die Gründe für die kritische Betrachtung der Linken auch aus der Historie verständlich sein, so fällt doch auf, wie sehr in diese Richtung die Fragestellung und die Kommunikationsverweigerung, der Zugang zur Kommunikation überhaupt, für Linke beschränkt ist, kontrastiert man das mit der Kritiklosigkeit, mit der banale, falsche und einfach dumme Marktwirtschafts- und Finanzmarktformeln nachgekaut und verbreitet werden.

Ein auf den ersten Blick unscheinbares Beipiel, unter unzähligen, zum Abschluss: Martin Hesse von der Südeutschen Zeitung meint schlicht, es läge an den Staatsschulden (www.sueddeutsche.de/geld/boersen-auf-talfahrt-strafe-fuer-die-schuldensucht-1.1133044 ).

Vielleicht stimmt das ja auch! Nur, weiter wohin, wofür, warum und wie lange dann wieder? Die Fragen, die sich sofort im Geiste bilden, zeigen welchen Wandel die Diskussionsfähigkeit, analog der Wirtschaftstätigkeit durchgemacht hat. Wer keine komplexen Fragen mehr stellen kann, der bekommt auch nur noch Antworten die völlig unterkomplex sind.

Die moralische Kernschmelze betrifft also nicht nur das Wirtschafts- und Sozialsystem und die Politik, sondern viel übler noch, das mediale Super-System, welches die Hirne und Sensorien des Millionen- und Milliardenpublikums, täglich mindestens drei Stunden okkupiert, wenn dieses nicht gerade die Arbeit auf den mehr oder weniger gepolsterten Ruderbänken der Galeeren antreten, nämlich die Medien. Bloomberg-, CNN- und Fox-News machen so wenig kritisch, wie Murdochs Presse und die BILD-Zeitung ehrlich.

Grüße
Christoph Leusch

tlacuache 20.08.2011 | 15:00

Aber man wusste nix:
"Riots" in London und sonstwo:

"10. März 2011
Und das spricht wohl eine recht eindeutige Sprache. Noch nie seien so viele Milliardäre auf der Liste gewesen, meinte Steve Forbes, Herausgeber des gleichnamigen Magazins. Insgesamt belief sich das Kapital auf sage und schreibe über 4,5 Billionen Dollar und ist längst nicht mehr nur auf die USA beschränkt."

Das ist besser als die Sendung mit der Maus...

Fro 20.08.2011 | 15:12

Deinen letzten beiden Absätzen will ich ausdrücklich zustimmen, Angelia.
Das Bashing gegen finanziell gut ausgestattete Mitbürger, oder Demokraten die andere Ansichten haben, hat für mich die gleiche Qualität wie das Bashing gegen linke Systemkritiker und HartzIV-Empfänger.
Das ist nicht nur vollkommen unterlinks, da schimmert auch etwas beängstigend Totalitäres durch.
Ich denke mal, wir sind alle auf der Suche nach dem „richtigen Weg" aus dem globalen Dilemma – da ist Offenheit und Beweglichkeit im Denken gefragt. Alte Rezepte kann man getrost in die Tonne treten. Falls es da mal welche gegeben haben sollte, die funktionierten, kann man sich davon inspirieren lassen, ok – ansonsten würde ich empfehlen, alles noch einmal neu zu denken und da unideologisch ganzheitlich heranzugehen – ohne Tabus.
Maßgabe: Fairness, Optimum an Freiheit, Demokratie, Sachverstand auf höchstem Niveau...
An die Neoliberalen: Freiheit kann natürlich nicht die Freiheit einschließen, andere auszubeuten oder ihnen anderen Schaden zuzufügen.

Columbus 20.08.2011 | 15:19

Gedankenlosigkeit erzeugt aber nicht einmal Gespräche mit..., liebe Magda, und, meinen Sie nicht auch, Jakob und ich, wir seien noch ein wenig zu weit voneinander entfernt für so etwas wie Tischgespräche? - Dazu gehört das unbedingt ins männliche Alterswerk. - Vom Zeitpunkt passt es schon, keine Frage.

Im Prinzip haben Sie schon Recht. Ich kann ja schlecht eine Kritik zum Samstag hier dran hängen, nur weil sich das vielleicht kritisch gehörte, und müsste mir dann auch noch, damit es knallt, selbst widersprechen und gegen mein Wissen, und gegen meine Überzeugungen schreiben. - Eine weitere Alternative, liebe Magda, lautete schlicht Klappe halten.

Aber keine Angst, der Jakob Augstein streut so viel Kies unter Buchenschatten, dass es einem ganz blümerant werden kann. Noch ist es Kies, noch kein Beton. Aber das ist wohl ein anderer, abseitiger Fall, an anderer Stelle.

Zum Thema: Jakob Augstein vergisst immer den Transmissionsriemen. Er hat das in einem früheren Artikel einmal damit begründet, an Staat und Recht könne man (das Publikum, der Bürger) was machen und das gelte dann auch verbindlich, während die Medien eher so naturwüchsige und freie Angelegenheiten sind und bleiben müssen (Pressefreiheit, seine Antwort, aber, Willkür und fehlende Haltung, Moral, Standpunkte, meine Kritik).

Wie größere und kleinere Spinnentiere, -fantasiere ich-, von denen man nie weiß in welche Richtung sie demnächst krabbeln, laufen, springen und wo sie Beute machen oder druch Zufall beißen. Ich habe vor dieser Art Medien, gedacht als Spinnentiere, gehörigen Respekt und bedenke sie daher gerne, zumal ich eben glaube, dass sie auch Teil des Problems sind.

Jakob Augstein kann und muss als befangen gelten.

Viel Spaß noch und ein gutes WE
Christoph Leusch

PS: Einen Punkt könnte ich noch vermerken. Aber der ist auch schon früher einmal durch. Dieser Starrblick auf Herrn Schirrmacher aus Frankfurt und Wiesbaden, schon sind wir Goethe wieder ein Stück näher. Dem traue ich diese natürliche Undurchschaubarkeit und vermutete, es liegt ja immer am Betrachter, Willkür, des letztlich doch armen Spinnentiers, -es hat seine eigene, aber begrenzte, durch Instinkte geregelte Logik-, doch zu und finde daher allzu viele Bezüge eher schlecht.

Achtermann 20.08.2011 | 15:45

@ Columbus

In meinen Augen, ein kluger, ein abgewogener Artikel, der die Problemlage klar benennt…

So ist das mit den Eckermännern: immer freundlich, immer ergeben, immer zugewandt. Es gibt jedoch historische Situationen, in denen die Kategorie Abgewogenheit fehl am Platze ist, weil sie keine Perspektiven aufzeigt und damit auch keine Konsequenzen zieht. Der Finanzkapitalismus strebt seinem Höhepunkt zu. Er zerstört seit Jahrzehnten nicht nur Volkswirtschaften, er zerstört auch das einigermaßen gedeihliche Miteinander. Weil humanistische Kategorien nicht zwingend in wirtschaftliche Faktoren zerlegt werden können, sind sie zunehmend überflüssig. Sie kommen in den Kommentarspalten der Zeitungen so gut wie nicht mehr vor. Hätte Augstein die Problemlage klar benannt, wäre der Artikel nicht in der Beschaulichkeit, die er verbreitet, untergegangen.

Dreizehn 20.08.2011 | 16:33

Den bashing-Vorwurf, angelia und fro, zieh ich mir nicht an, er kann wohl kaum auf mich gemünzt sein.

Angelia, ich hab keinen Systemvergleich angestellt und wollte auch nicht oberlehrerhaft daherkommen. Ich wies einfach nur drauf hin, daß es in, wenn Du so willst: Deutschland mal kostenlose Schulspeisung gab bzw. fast kostenlose [übrigens auch im Westteil, ich hab's erwähnt]. Ich wies auch darauf hin, daß mir das politische Schubladendenken dabei ziemlich egal ist. Genauso das Kapitalismus-Sozialismus-Gebäude. Niemand muß Naomi Klein lesen, um in dieser Frage politisch wirksam einzugreifen.

Es genügt die Beobachtung, daß es Leute gibt, die in Not sind, und Kinder, Jugendliche, die nicht angemessen ernährt werden. Kann Politik sofort eingreifen, frei von Links-rechts-Denken. Weshalb tut das keiner? Dafür wäre kein Geld da?

Augstein stellt einen Artikel zur Diskussion, da macht er Alarm mit "soziale Kernschmelze" und "soziales Fukushima" und unternimmt einen begrifflich höchst zweifelhaften Versuch, Kapitalismus, linke Politik und Demokratie in Beziehung zu setzen. Er geht das recht feuilletonistisch an und übernimmt sich.

Noch: Er zitiert zustimmend David Cameron: „Die sozialen Probleme, die sich seit Jahrzehnten entwickelt haben, sind vor unseren Augen explodiert“. Da wundert Augsteins Mangel an Sensibilität. Nein, sein Blick fällt nicht sofort vor die eigene Haustür, wo sich genau diese Probleme herausbilden bzw. bereits virulent sind. Auch mit dem Freitag könnte er einiges bewegen, und wenn's "nur" die Schulspeisung wär. Würde Menschen helfen, die in Not sind.

Wie verstiegen, Angelia, sind eigentlich Leute, die darin eine "politische Instrumentalisierung von Kindern" entdecken können?

Fro 20.08.2011 | 18:20

@ Angelia

Gut, dass es engagierte Mitbürger gibt, die sich damit befassen Aufklärungsarbeit zu leisten – wie die FC und Nachdenkenseiten-Aktivisten auch -. Warum sollte man sich aufregen, wenn jemand Ansichten hat, die sich von den eigenen unterscheiden? Man kann sie auch als Quelle des Wissens und der Inspiration nutzen... Oder wenn man fürsorglich gestimmt ist, auf offensichtliche Ungereimtheiten hinweisen - falls man welche entdeckt... Ideologien einfach herausfiltern, oder wenn es gar nicht passt, den Kontakt meiden. Und man sollte nicht traurig sein, wenn man den anderen nicht von seinen Ansichten überzeugen kann.
;-)

Fro 20.08.2011 | 19:42

Es ist ja in Ordnung, wenn man sich darüber aufregt, dass J.Augstein ein verzerrtes Bild der Linken zeichnet, - und zu sehr verallgemeinert.. - aber wie Feynsinn da ran geht, wird er wahrscheinlich keine Erkenntnisse bei J.A. fördern – sondern ihn eher in seinem Misstrauen stärken. Man kann doch von niemandem verlangen, dass er genau so zu denken hat wie man selbst – und wenn er es nicht tut, ihn wie ein unartiges Dummerchen runterputzen – scheint ein Trend zu sein.... kein guter..

Märion Es 20.08.2011 | 19:58

Werter Herr Theel,

wenn ich Sie recht verstehe, werfen Sie "irgendwie linken" wie Jakob Augstein vor, sich in ihrer Kapitalismuskritik nicht streng genug vom kritisierten System zu emanzipieren. Das läuft auf die verblendete Meinung hinaus, man könne das Kapital "für das Gute" einspannen. Denn erst das Entgegen-Setzen des Kapitals eröffnet, so verstehe ich ihren Ansatz, den Horizont für eine freiheitlich orientierte und dabei streng distinkte Linke.

Gleichsam werfen Sie einer linken Orientierung, die ohne radikal-akkumulationskritische Züge auskommen möchte, eine schleichende oder offensichtliche Entdemokratisierung vor. Ich möchte hier nicht auf die Gechichte des realen Sozialismus zu sprechen kommen, sondern mit einer Analogie aufwarten:

In den politischen und ideologischen Wirren der Spätaufklärung des 18. Jahrhunderts war es die arkadische Idylle des Gartens, in die sich z.B. einige von der soziopolitischen Realität desillusionierten bürgerlichen Literaten des Sturm und Drang geflüchtet haben. Jene, denen man üblicherweise qua Aufklärung (und sich davon abhebend) ein erwachendes Selbst-Bewusstsein zuschreibt, ergehen sich angesichts einer wachsenden Spannung zwischen feudal-merkantilistischer Adelsherrschaft und bürgerlich-äufklärerisch-subjektivistischen Idealismen an der hübschen Welt der selbstverwalteten Ordnung, innerhalb derer sie befrieden, einzäunen und anpflanzen können, wie es ihnen beliebt.

Die Assoziation erwuchs meinem Hirn nach ihrem Bekenntnis für "klare Kategorien" und gegen "unscharfe Begriffe". Ihre Haltung entspricht der Gartenliebe insofern, als Sie in ihrem definitorischen Bestreben (siehe ihr verlinkter Artikel) an den gegebenen Realitäten vorbeiargumentieren und dies nicht nur in Kauf nehmen, sondern in reduktionistischer Absicht anstreben. Eine dualistisch angelegte Theorie (mit in der Tiefe freilich ausdifferentzierten Begriffen, die aber von der Dichotomie Gesellschaft - Kapital besonders in ihren Ausführungen unterminiert werden) entspricht schlichtweg nicht der gegenwärtigen, komplexen Realität der westlichen Gesellschaft im 21. Jahrhundert. (Zum Realitätsbegriff müsste ein eigener Beitrag her, aber ich belasse es bei Hinweisen auf den Ernst Bloch vorangehenden Helmut Plessner - man beachte das Zitat in ihrem Artikel - und auf Luhmann.)

Auf das Bild zurückgeführt: All die eingezäunten, umhegten und abgesteckten Beete,Hecken, Wege und Wiesen, die Sie den Gegebenheiten mit ordnender Gewalt abgerungen haben, können den Wucherungen (nicht nur der Wirtschaft, sondern auch und insbesondere der freiheitlich orientierten(!), individual-ausdifferenzierten Gesellschaft) nicht standhalten. Sie vermögen ebenso wenig, eine Natürlichkeit dieser stets bedrohten Ordnung (im Sinne eines englischen Gartens) zu proklamieren oder gar als gegeben erscheinen zu lassen.

Es ist die von ihnen abgelehnte Unsicherheit Augsteins und anderen zweifelnden Linken (zu denen auch ich mich zählen würde), die eine komplexe und komplizierte Situation zu reflektieren versucht und nach einer angemessen Reaktion fahndet. Daran knüpft sich das eigentliche Problem aller linken Orientierung der Gegenwart, der ja oft die bloße Negation aller bestehenden Politik vorgeworfen wird. Der vorgebliche realpolitische Pragmatismus, im Wort "alternativlos" wirkungsmächtig geronnen und gleichzeitig widerlegt, ist die Sache des Neoliberalismus geworden und steht bei Konservativen wie Moore und Schirrmacher gerade zur Disposition. Die Linke dagegen, insofern Sie sich von nostaligischen Gefühlen oder menschenverachtenden Glücksversprechen befreien konnte, schwört mit einigem Recht auf ihr demokratisches Fundament, schafft jedoch über ihr skeptisches Potenzial hinaus keine neuen Fixpunkte.

Ihre Kritik, werter Herr Theel, zielt genau auf dieses skeptische Potential ab. Zu verwaschen, zu gefährdet scheint eine Ausrichtung, die den Namen Ideologie - zu ihrem Glück - nicht verdient, weil sie ein klares Menschenbild ebenso wie eine klare und distinkte Programmatik vermissen lässt und dem Einzelnen Verantwortung anträgt. Deswegen scheint linkes Denken vornehmlich oppositionsgerecht zu sein (nicht nur bei der Partei die Linke, sondern auch bei den Grünen).

Obwohl dabei die Gefahr eines radikalen Skeptizimus,prinzipiell egoistisch, reaktionär und abstrahierend, nicht missachtet werden kann - hier scheint ein demokratisch-verantwortendes und diskursiv ausgewogenes Regulativ stärker vonnöten, als eine umfassende definitorische Selbstbegrenzung - erwächst die potentielle Stärke der Linken aus eben jener toleranten Flexibilität im Urteil, die der Alternativlosigkeit das reflexive Ausschöpfen aller Möglichkeiten entgegensetzt, und zwar aus den Quellen der als verbindlich zu verstehenden Übereinkünfte von Demokratie und Menschenrechten wie aus festen Reservoirs in einer nomadisch genutzten Wüste schwankender Realität.

Mein Beitrag hätte auch kürzer ausfallen können: Evolution ohne R.

Columbus 20.08.2011 | 20:40

Am meisten, lieber Achtermann, zerstört das personalisierte und übertriebene Gebelfere in Kommentaren die (Gesprächs-,Streit- und Diskurs-)Kultur. Weder im Netz, noch in den Medien wird letztlich entschieden und gehandelt, allenfalls vernünftig diskutiert werden, könnte dort und, das gebe ich zu, im revolutionären Augenblick, lassen sich (noch) Verabredungen treffen.

Immer freundlich, zugewandt, das lasse ich gerne gelten, das ist so meine Art. Aber, ergeben? Was soll damit gewonnen sein? Für mich, für das Forum? - Was wäre stattdessen, in ihren Augen, die hier passende, für Sie dann nicht "ergebene" Antwort?

Die "Perspektiven", von denen Sie schreiben, wären dann zu nennen, was wirklich nicht einfach ist, zum Thema das Augstein nun anriss. Ich gebe zu, ich halte mich diesbezüglich für inkompetent. Es reicht bei mir eben nicht zu den Perspektiven, allenfalls vielleicht zu Befunden. - Gerne lasse ich mir aber die Perspektiven aufzeigen.

Ich weiß ja, dass eine Menge, eventuell sogar die Mehrheit der Blogger und Kommentatoren denken, es ginge darum, sich mächtig zu streiten, und dabei sogar Entspannung, Unterhaltung, aber auch Anregung zu empfinden. Jedem nach seinen Bedürfnissen. Meine Art ist das nicht. Da bleibe ich lieber, für heute und hier, der "Eckermann" des allergeheimsten Geheimrates, der an seinem Gärtnerimage, nicht am Gärtnern, leidet.

Was nun historische Situationen angeht, so erkenne ich weder eine kritische Masse an Denkern, noch eine an Akteuren, die den Mut hätten, besonnen und klar zu agieren. - Die paar Radikalinskis der Entschiedenheit, die sich schon länger im Web tummeln, und unter anderem auch über den dF herziehen, lasse ich ´mal ganz außen vor. Die reden im ähnlichen Tone und befleißigen sich ebenfalls heftig, überall ein paar Schildchen an die Haustüren zu heften.

Die Furcht der Vielen wird jede Radikalität sofort in ihre Schranken weisen, zumal eben weitreichende Eingriffe, weitreichende Verantwortung voraus setzt und alle Welt riefe, wo sind denn die Pläne, die Ziele?

Derzeit ist, trotz allen Gegrummels, nichts dergleichen in Sicht, wobei eben, wie ich unserem "neuen Goethe" noch ins Stammbuch schrieb, die mediale Struktur heftig mitwirkt und ihren Anteil hat.

Was ich allerdings auch immer häufiger feststelle, dass bei Gender-Fragen, bei solchen von Krankheit und Gesundheit, bei Diskussionen um Glauben und Politik, beim Streit um die Foren-Etikette, kaum einmal geschrieben und geredet werden kann, ohne Etiketten. Ich bin allerdings auch überzeugt, dass das ganz wunderhübsch Leute können, die schon lange die Zunge rausstrecken, wenn ihnen was nicht gefällt.

Ich stimme mit der Grundthese Augsteins völlig überein, dass es um eine Art Renaissance der Demokratie geht, die wieder auf eine solide Basis gestellt werden muss, die auch keine Verknüpfung mit dem Kapitalismus als Wirtschaftsform hat. Jedoch, kein Kern-Prinzip dieser westeuropäischen Nachkriegsdemokratie (Rechtsstaatlichkeit, Verfassung, Abstimmung auf allen Ebenen, Pressefreiheit,...) ist obsolet und verzichtbar. Im Gegenteil, es gilt, was der norwegische Ministerpräsident unter dem Eindruck einer Gewalttat, aber nichtdestotrotz glaubwürdig, sagte: "Mehr Demokratie wagen!", gerade in der Krise.

Ohne diese Rückkehr und Rückbesinnung verfällt die Gesellschaft weiter.

Schwieriger wird es im Bereich von Besitz und Eigentum, weil dort das wachsende ökonomische Ungleichgewicht droht, die Freiheiten und Möglichkeiten der Demokratie selbst zu beschädigen. Bürgerliche denken bei Besitz und Eigentum hauptsächlich an ihr Eigenes, nicht an das der anderen oder gar an jenes ferner Erdenbürger. Ökonomisch denkende Bürger, die mit fast jedem System klar kommen, wenn es sie nicht allzu sehr einschränkt, schauen auf die Rendite und nicht auf die Folgen der Globalisierung. Sie sind mental wie die Helfer des malayischen Studenten Asyraf Haziq Rosli drauf. Eine Leich´, Blut und andere unschöne Szenen soll es nicht geben, aber trotzdem werden die "Rucksäcke" ausgeplündert und ein paar NGOs und die UN stellen die Weizen und Maissäcke seit Jahrzehnten vor die Lagerzelte. - Augstein schreibt klar, welche Alternativen dann anstehen, sollte sich der verklärte Blick aufs Kapital, sollte sich die demokratische Wahl der nichtstuenden Politiker fortsetzen.

Bisher gibt es keine anerkannte und breite Gegenbewegung, und die Linke hilft sich selbst nicht auf, wenn Sie auf eine ebenfalls gescheiterte Historie als Lösung verweist.

Liebe Grüße
Christoph Leusch

Magda 20.08.2011 | 22:01

@ Angelia - Ich bin durchaus bereit, Ihren Überlegungen zu folgen.

"Und wie das geht, dazu hat die amerikanische Linke Naomi Klein mehrere Bücher, z.B die Schock-Strategie, geschrieben. Klein ist übrigens eine gute Alternative zu Wagenknecht."

Ist das denn überhaupt ein Entweder/Oder?
Diese Gegensätze aufzumachen, das bringt doch auch wenig für die Erkenntnisse.

"Im Endeffekt muss man sich mal über Eines klar werden, dauerhaft ist eine sozial möglichst gerechte Gesellschaft nur im Kapitalismus möglich. Ohne Moos ist nun mal nix los und eine kostenlose Schulspeisung kann man dauerhaft auch nicht aus Luft und Ideologie gewährleisten."

Da steige ich aber aus. So pauschal "der Kapitalismus" als einzig mögliches System, das ist die Angelia Tina-Variante. Da weiß ich zwar jetzt nicht, wie ich das gleich touchieren soll, aber es kommt mir zu einfach vor.

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tomcat 20.08.2011 | 22:46

@luddisback:

genau, machen wir weiter Schulden und lassen noch mehr Menschen in die Sozialsysteme einwandern bis ganz Deutschland aussieht wie Berlin...und das ist der Grund warum die Linke nie einen Kanzler stellen wird und die Leute den Sozialabbau der CDU/SPD vorziehen, denn wenn ganz Deutschland funktioniert wie Berlin, wer zahlt dann für uns? Die Griechen oder Portugiesen...und hören Sie bitte mit dieser dummen Tränendrüsendrückerei auf, von wegen die Leute verhungern, wenn sie hier nicht herkommen.

Jakob Augstein 20.08.2011 | 23:40

Liebe Leser,

dass der WInd im SPON Forum immer ein wenig rauher weht, das weiß ich ja und darüber wundere ich mich nicht. Das ist auch in Ordnung so.

Aber dass hier und bei den Kollegen von den Nachdenkseiten jetzt so herumgekeift wird, das hat mich doch erstaunt. Kenne ich so gar nicht. Da hatte ich irgendwie mehr Benehmen erwartet.
Im Schulmeister- oder Kasernenton ist jedenfalls nicht gut reden, finde ich.

(Und noch mal kleine Bemerkung zur Linkspartei: Bartsch hat doch recht, wer beim Mauergedenken demonstrativ sitzen bleibt oder den Mauerbau als notwendig verteidigt, was hat der in der Linkspartei verloren? Das ist wie mit Sarrazin. Was macht ein Rassist in der SPD?

Gibt es da irgendetwas zu gewinnen, wenn man sich mit diesem Irrsinn solidarisiert? Welche Identität wird verteidigt? Gegen wen? Wird die Mauer weniger verabscheuungswürdig, weil der politische Gegner sie heute instrumentalisiert? Wieso kann der politische Gegner sie überhaupt instrumentalisieren?)

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Ehemaliger Nutzer 20.08.2011 | 23:50

@Angelia,

genau den gleichen Stuss hat Merz in seinem Buch behauptet, dass der Kapitalismus die gerechteste Gesellschaftsordnung sei.
Sie und Merz sind vielleicht der Meinung, dass von den Kaviarkisten, die die Oberschicht nach Hause schleppt, ein paar Krumen für die Unteren abfallen.
Die Lüge des Kapitalismus ist, dass in diesem System jeder reich werden kann, wenn er nur fleißig sei. Das ist eine der größten Lügen dieses Systems. Wenn Sie hier behaupten, dass dieses System das gerechteste sei, dann ist da für mich eine paranoide Behauptung, ohne Sinn und Verstand. Eigentlich ist das für mich eine Frechheit.
Wissen Sie überhaupt was Demokratie ist?
Demokratie ist die Herrschaft des Volkes für das Volk. Wo sehen Sie das in diesem Staat?
Eine Minderheit, hochgespült durch fertige Wahlergebnisse, schikaniert und bevormundet das Volk nach Strich und Faden.
Ich bin nicht der Meinung, dass hier auf Kosten der Kinder diskutiert wird.
Welches Kind kann in diesem Staat kostenlos ein Instrument lernen. Welches Kind kann sich einmal im Jahr fast kostenlos 3 Wochen in einem Ferienlager erholen. Ich könnte hier beliebig weitermachen.
Diese Kinder, die eigentlich das wertvollste Gut ist was der Staat hat, werden schändlichst von ihm behandelt.
Milliarden werden durch sinnlose Dünkelei in den Sand gesetzt, aber hier wird gespart.
Warum können die skandinavischen Länder denn das?
Warum wird in der Schweiz jedem alten Menschen eine Grundsicherung gegeben. Ich weiß, weil die Schweizer nicht rechnen können. Im Gegenteil!
Warum wird bis 5000 (Brutto) Euro eine Steuer (Sozialversicher und, Rente usw.) von 20% erhoben. Ab 8000 Euro aber nur noch 5%. Ist das die Gerechtigkeit. Wie heißt es so schön, die starken Schultern tragen die Last, nein sie tragen Kaviar in Eimern nach Hause. Das nennt man Gerechtigkeit im Kapitalismus, weil er doch so gerecht ist.

luggi 21.08.2011 | 00:06

@ JA
An Ihrer Stelle würde ich mich einmal ganz einfach informieren ... ohne zu bewerten.
Also mal abgesehen von der so viel beschrieenen Meinungsfreiheit, die dann wohl nicht soviel bei Parteitagen güldet, ... wollen sie wirklich das Szenarium herauf beschwören, dass ohne die Mauer die "Blühenden Landschaften" bereits ab 1961 sich entwickelt hätten?
Mal ein Hinweis an den Gärtner ... jeder ordentliche Gärtner hat eine Abgrenzung um sein Grundstück ... oder kann bei Ihnen jeder, außer Maulwürfen, auf Ihr Grundstück?
So. Vielleicht hatten ja einige von den Sitzenbleibern ihre eigenen historischen Erfahrungen bei leicht kontrollierten Sektorengrenzen nach Westberlin. Vorstellungen?

Magda 21.08.2011 | 00:07

@ Jakob Augstein -
"Bartsch hat doch recht, wer beim Mauergedenken demonstrativ sitzen bleibt oder den Mauerbau als notwendig verteidigt, was hat der in der Linkspartei verloren? Das ist wie mit Sarrazin. "

Wer würde das denn bestreiten. Sie aber haben die ganze Linke sofort in einen Topf geschmissen und auf den Müllhaufen befördert. So pauschal, da gibts dann auch einen Aufschrei.

Und so ein Ding wie:
"Sahra Wagenknecht und ihr Haufen von DDR-Vertriebenen, die in Wahrheit nicht mal mehr als politische Folk­lore taugen – wenn all das links ist, wer will dann links sein?"

Ich bitte Sie, was ist daran denn stilvoll. Nix. Die Wagenknecht gehört zu den halbwegs klaren Geistern und die DDR hat die noch nie verklärt in dem von Ihnen gemeinten Sinn.

So schallts halt rein und raus im deutschen Forst .

Magda

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tomcat 21.08.2011 | 00:10

Sicher haben Sie nicht unrecht, wenn Sie die Rationalität der Mauerschützer und der genetisch-sozialen Ausleser in Frage stellen. Aber ist es auch nicht so, dass beide Seiten Ressentiments artikulieren, die bei der jeweiligen Klientel auch verbreitet sind? Es gibt immer noch genug Verlierer der Wendezeit, und die sind mittlerweile in 20 Jahren Reformzeit so große DDR Patrioten geworden, dass selbst Onkel Erich dem Braten nicht trauen würde. Das sind treue Linke Wähler. Und Sarrazin spricht der traditionellen Klientel der SPD aus der Seele, die in den weniger betuchten Vierteln mit entwurzelten Einwanderern, vorzugsweise aus dem Orient, zusammenleben müssen, weil sie kein Geld für eine bessere Wohngegend haben. Die wiederum kriegen die nicht so angenehmen Seiten einer verfehlten Zuwanderungs- und Integrationspolitik ab. Dass seine genetische Prädestinationslehre dabei auch die deutschen Unterschichtler auf den gleichen gesellschaftlichen Abfallhaufen wirft, haben die aber noch nicht verstanden, denn die lesen sein Buch nicht.
Fakt ist aber, wer kann zieht aus diesen Gegenden weg, auch die Migranten mit entsprechenden Geld. Da sollten wir auch mal über ein paar Tabus reden, denn der Nationalismus der Skinheads ist genau so übel wie der der Bozkurt (graue Wölfe). Beide wollen ein friedliches Miteinander verhindern weil es in ihrem Weltbild keine Entsprechung findet. Aber solange auch die Linke diese Tabus nicht bricht, werden die Menschen sich denen zuwenden, die ihre Probleme artikulieren und dass sind dann die Leute rechts von Sarrazin - Ein Migrant der zweiten Generation

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tomcat 21.08.2011 | 00:10

Sicher haben Sie nicht unrecht, wenn Sie die Rationalität der Mauerschützer und der genetisch-sozialen Ausleser in Frage stellen. Aber ist es auch nicht so, dass beide Seiten Ressentiments artikulieren, die bei der jeweiligen Klientel auch verbreitet sind? Es gibt immer noch genug Verlierer der Wendezeit, und die sind mittlerweile in 20 Jahren Reformzeit so große DDR Patrioten geworden, dass selbst Onkel Erich dem Braten nicht trauen würde. Das sind treue Linke Wähler. Und Sarrazin spricht der traditionellen Klientel der SPD aus der Seele, die in den weniger betuchten Vierteln mit entwurzelten Einwanderern, vorzugsweise aus dem Orient, zusammenleben müssen, weil sie kein Geld für eine bessere Wohngegend haben. Die wiederum kriegen die nicht so angenehmen Seiten einer verfehlten Zuwanderungs- und Integrationspolitik ab. Dass seine genetische Prädestinationslehre dabei auch die deutschen Unterschichtler auf den gleichen gesellschaftlichen Abfallhaufen wirft, haben die aber noch nicht verstanden, denn die lesen sein Buch nicht.
Fakt ist aber, wer kann zieht aus diesen Gegenden weg, auch die Migranten mit entsprechenden Geld. Da sollten wir auch mal über ein paar Tabus reden, denn der Nationalismus der Skinheads ist genau so übel wie der der Bozkurt (graue Wölfe). Beide wollen ein friedliches Miteinander verhindern weil es in ihrem Weltbild keine Entsprechung findet. Aber solange auch die Linke diese Tabus nicht bricht, werden die Menschen sich denen zuwenden, die ihre Probleme artikulieren und dass sind dann die Leute rechts von Sarrazin - Ein Migrant der zweiten Generation

Jakob Augstein 21.08.2011 | 00:13

Lieber Streifzug,

ja, gerne. Jetzt mal ohne Spaß. Ich hab den Durchblick ganz und gar nicht. Im Gegenteil. Ich stelle mir Fragen. Und finde keine Antworten. Sie? Ich finde, Negt und Crouch und Krugmann und Sennett haben Recht. Und jetzt? Was machen wir denn jetzt?

Ich habe eine Art eingebautes Misstrauen gegenüber der Bürokratie, weil ich glaube, dass sie sich selber nährt. Und gegenüber allen, die Recht haben. Weil das ja jeder sagen kann. Ich sehe keine Alternative zum Streit und zum Argument. Und zwar zum dauernden. Das ist das einzige, was uns alle retten kann: Der Streit. Denn damit bleibt alles immer durchlässig und in Bewegung und hinterfragbar von jedem jederzeit.

Die größte Gefahr ist doch, dass die Leute solche Angst vor dem Zusammenbruch des Systems bekommen, dass sie das System nicht in Richtung Demokratie reformieren sondern es in Richtung Autokratie deformieren.

Die Leute reagieren eben nicht wie die Norweger: Wenn wir angegriffen werden, reagieren wir als Demokraten. Sondern sie reagieren wie die Deutschen: Wenn wir unter Druck geraten, rufen wir die Polizei.

Das ist die Gefahr.

Und da wüßte ich unsere Zukunft gerne in besseren Händen als in denen der sozialistischen Senioren-Selbsthilfegruppe von den Nachdenkseiten oder dem Vertriebenenflügel der Linkspartei

Ihr JA

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tomcat 21.08.2011 | 00:22

@ JA

gibt es in diesem Zusammenhang nicht einen Aufsatz aus den 60er Jahren von Oskar Negt..."in Erwartung einer autoritären Leistungsgesellschaft" aus dem Buch "der CDU Staat"...dieser Artikel hat viele Entwicklungen vorweggenommen, die wir heute sehen.

Und trotzdem: Die Linke muss praktische und tragfähige Lösungen anbieten, wenn sie ernst genommen werden will. Ansonsten werden die Menschen sich der autoritären Versuchung hingeben. Wer redet heute noch in Russland, der Ukraine oder China von Demokratie? Entweder die Demokratien finden Lösungen oder sie werden den Technokraten immer hinterherhecheln und ihnen zwangsläufig immer ähnlich werden. Hier könnte die Linke als demokratische Alternative ins Spiel kommen, aber nur wenn sie sich modernisiert.

Dreizehn 21.08.2011 | 00:34

Ja lass uns mal, wie Fro schreibt, da "unideologisch ganzheitlich herangehen – ohne Tabus".

Die Dinge liegen recht einfach. Da sind Leute ["Menschen" sagt man ja heute stets; ich nehm an, das ist Politikerslang, der den gebührenden Respekt konnotieren soll] in materieller Not. Müßte überlegt werden, wie da geholfen werden kann. Vielleicht les ich ja die falschen Zeitungen. Meist wird ja rumkrakeelt und gegeifert über Mißbrauch und Betrug.

Das Bild des notleidenden Menschen existiert im öffentlichen Bewußtsein gar nicht. Ich erinnere mich, daß es die Süddeutsche mal verstand, mit ergreifenden Reportagen einen Eindruck von Not und Elend zu vermitteln; als Beispiel vielleicht die Reportage von Thorsten Schmitz über Alkoholismus in Mecklenburg-Vorpommern [5.11.97], die von Stephan Lebert über einen Umzug ins Altersheim [8.11.97] sowie eine von Karin Steinberger über Bauernselbstmorde in Indien als Ergebnis des Wirkens von Monsanto [4.11.06]. Im Zuge der Optimismuswoge "Positiv Denken" kam diese Perspektive etwas aus der Mode. Vielleicht nehmen ja die Murdochs, die Springers und sonstige Herren des mainstream die Ereignisse von London/Birmingham zum Anlaß, den Blick ihrer Produkte auf Politik und Leben neu zu justieren.

Das wär womöglich ne Überlegung für Herrn Augstein, wenn er denn beitragen möchte, ganz unideologisch, zu dem, was er links nennt. Grundsätzliche Debatten zu entfachen und Abgrenzungsbekenntnisse einzufordern, das ist eher überflüssig und desorientierend.

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nil 21.08.2011 | 00:49

@ JA

Das Unternehmen, die Welt zu retten

Kann der Kapitalismus eine treibende Kraft für ein neues globales Bewusstsein werden?
von Elizabeth Debold

Schwerpunkt

Treten Sie einmal zurück, ganz weit zurück,
und stellen Sie sich den majestätisch rotierenden Planeten, auf dem wir leben, vor. Welches Bild kommt Ihnen da in den Sinn? Die gefurchte, blauweiß marmorierte Murmel, welche die Astronauten als Erste erblickten, die sich so leuchtend klar von der unendlichen Schwärze des Weltraums abhebt? Oder die vertraute Form der Kontinente mit ihren grünen Tälern und Gebirgskämmen, die sich wie ein Rückgrat an der Erdoberfläche abzeichnen? Vielleicht sehen Sie auch das Spiel ursprünglicher Kräfte – Wasser und Wind – , die in Wolkenmustern über die Weiten von Land und Meer eilen und dabei stetig ihre Form verändern. Oder betrachten Sie die Lichter, die auf der dunklen Hälfte funkeln, verbunden durch die Elektrizität, die uns ermöglicht, mit jedermann überall und sofort zu kommunizieren? Spüren Sie vielleicht den unsicheren Allianzen von Demokratien, Sozialismen, Monarchien und Diktaturen nach; den ständig wieder aufflammenden Konflikten, die zu immer größeren Flächenbränden zu werden drohen, weil die Interessen der verschiedenen Kulturen und Menschen sich überall auf der Welt aneinander reiben?
Nur wenige Jahrzehnte sind vergangen, seit die Raumfahrt uns die Augen für den großartigen Anblick unseres in der Leere schwebenden, gemeinsamen Zuhauses geöffnet hat. Doch inzwischen scheint unsere Welt so fragmentiert wie nie zuvor, und das, obwohl wir – ungeachtet unserer Nationalitäten, Religionen oder Ideologien – im Netz des Handels enger aneinander gebunden sind denn je. Handelsnetzwerke verbinden heute die Lofts der Park Avenue mit den Slums vor Nairobi. Die Entwicklung der kapitalistischen Wirtschaftskooperationen war ein gewaltiger evolutionärer Schritt in eine komplexe globale gegenseitige Abhängigkeit. Die gigantischen Unternehmen – Mitsubishi, Nestlé und DaimlerChrysler, einige sind sogar so bekannt, dass man nur noch ihre Akronyme benutzt, wie IBM, GE, GM oder HP – sind von Standortzwängen und nationaler Zugehörigkeit befreit und weiten ihren Einfluss von Boston bis nach Bangkok aus. Da sie in der Stratosphäre internationaler Kapitalmärkte operieren, haben sie so viel Macht und Reichtum angehäuft, dass sie es mit vielen Nationen aufnehmen können. Tatsächlich sind einundfünfzig der hundert größten Wirtschaftseinheiten dieser Welt multinationale Konzerne, und nur neunundvierzig sind echte unabhängige Staaten. Angefangen bei ihrem wirtschaftlichen Einfluss bis hin zu ihrer interkulturellen People-Power stellen die Wirtschaftskonzerne einen wirklichen Sprung in der menschlichen Fähigkeit dar, sich für einen gemeinsamen Zweck zu organisieren.

Unternehmen sind im wahrsten Sinne des Wortes Triebfedern für die Transformation der modernen Welt, indem sie einen konstanten Bedarf an Kreativität und Innovation erzeugen. Alexander Graham Bell erfand das Telefon, daraus wurde die Firma Bell Telephone, aus der sich die Bell Laboratorien entwickelten, die den Transistor erfanden, der das elektronische Informationszeitalter einläutete. Praktisch endlos ist die Liste der Konsumgüter, die in einem Wimpernschlag der Evolution auftauchten – von Zahnpasta über flüssiges Bohnerwachs und Aspirin bis hin zu Kontaktlinsen. In weniger als einem Jahrhundert sind wir von der Pferdekutsche bis zum Geländewagen mit 4-Radantrieb gelangt, weil die Wirtschaft unerbittlich das Neue fordert, und dies immer schneller und noch schneller. Alle fünf Minuten entwickelt Disney ein neues Produkt und wirft es auf den Markt. Sony bringt stündlich drei neue Produkte heraus. 70 Prozent des Umsatzes von Hewlett-Packard wird durch Produkte generiert, die es vor einem Jahr noch gar nicht gab. Dieses ständige Drängen auf den Markt hat das menschliche Leben dramatisch verbessert und verändert – unsere Lebenserwartung hat sich verdoppelt, die Lebensqualität ist gestiegen, und der Horizont des Möglichen liegt jetzt irgendwo im Sternenhimmel.

Gleichzeitig jedoch hat der von Profitgier getriebene Ansturm auf mehr Marktanteile unsäglichen Schaden für diesen Planeten und seine Bewohner verursacht. Der Energieriese Unocal wurde von burmesischen Dorfbewohnern kürzlich verklagt, weil das Militär von Myanmar, das der Konzern zur Überwachung von Bauarbeiten an der Gaspipeline im Land angeheuert hatte, "ermutigt" worden sei, sie zu Zwangsarbeit heranzuziehen, sie zu ermorden, zu vergewaltigen und zu foltern. Coca-Cola steht wegen Wasserverunreinigung und "Vorteilsnahme" bei Wasserknappheit unter der genauen Prüfung von Überwachungsorganisationen. Es ist wohl kaum erfrischend, wenn wir 1993 im Jahresbericht des Unternehmens lesen: "Wir in der Coca-Cola-Familie wachen jeden Morgen in dem Wissen auf, dass jeder einzelne der 5,6 Milliarden Menschen auf dieser Erde an diesem Tag durstig werden wird. Wenn wir es für diese 5,6 Milliarden Menschen unmöglich machen, Coca-Cola zu entkommen, dann sichern wir über viele Jahre unseren Erfolg. Alles andere ist keine Alternative." Die Dynamik der Unternehmensmaschinerie – angetrieben vom grundlegenden menschlichen Überlebenswillen und von Statusinteressen – ist so stark, dass eine Kursänderung kaum möglich zu sein scheint. "Wir marschieren nicht bloß in die Richtung einer Katastrophe", sagt der bekannte Unternehmensberater Dr. Ichak Adizes, "wir sprinten förmlich darauf zu."

Nichtsdestotrotz arbeitet innerhalb dieser Unternehmen auch noch eine andere starke Kraft – eine unkalkulierbare menschliche Kraft. Die Menge und Vielfalt der Menschen, die dort, ungeachtet ihrer Nationen und Kasten, zusammenkommen, ist etwas ganz und gar Neues. Wal-Mart, der weltweit größte Arbeitgeber, hat über eine Million Mitarbeiter, und McDonald's beschäftigt vermutlich die meisten Jugendlichen dieser Welt, denn McDonald's gibt es überall. Wenn sich in einem globalisierenden Arbeitsmarkt immer mehr Menschen miteinander engagieren, wenn die Armen mit den Reichen auf Tuchfühlung gehen und eine Kultur die andere befruchtet, dann bildet sich Druck. Innerhalb und außerhalb dieser Unternehmen wächst das Wissen darum, wie sich kollektive Aktivitäten auf den Planeten und seine Bewohner auswirken, erwacht die Erkenntnis, dass wir eine Menschheit sind, die eine Welt bewohnt.

Was wäre, wenn sich diese riesigen Einheiten kreativen Potenzials tausender Menschen, dieser neuen globalen Realität zunehmend bewusst würden? Diese Frage habe ich etwa dreißig Managern und Unternehmensberatern gestellt, die sich mit den Grundlagen der Unternehmensumstrukturierung befassen. Sie alle stimmen in der Einschätzung überein, dass dies – sollte die Wirtschaft erwachen und sich entsprechend verändern – beispiellose Auswirkungen hätte und die Welt auf eine Weise verändern würde, die wir uns nicht annähernd vorstellen können. Einige meinen sogar, dass dergleichen die Rahmenbedingungen für eine neue Ebene globalen Bewusstseins schaffen würde. Aber kann dieses alles verschlingende Ungeheuer, das so sehr in den wirtschaftlichen Systemen dieses Planeten eingebettet ist, sich selbst wirklich so grundsätzlich verändern? Was wäre nötig, um die Kreativität dieser mächtigen Handelsmaschinen zu befreien und ihrer Zerstörungskraft Einhalt zu gebieten? Auf dieser Ebene wurde noch nie zuvor bewusst Veränderung betrieben. Wird sie geschehen? Es kommt ganz darauf an, meinen diese bemerkenswerten Menschen: Eine weltweite Veränderung ist möglich, aber nur, wenn wir es wollen. Und dieses große "Wenn" wird bestimmen, welche Zukunft wir haben – oder auch, ob wir überhaupt eine Zukunft haben werden.

weiter lesen www.wie.org/de/j16/elizabeth.asp?page=2

Angelia 21.08.2011 | 01:13

PS: Was ist die Angelia Tina Variante?
Magda, wie ich bereits weiter oben versuchte zu erklären, ist das System als solches völlig irrelavant. Es sind die darin wirkenden Kräfte.
Deshalb hat weder der Sozialismus, Kommunismus noch der Kapitalismus überall ein und das selbe Gesicht.

Wenn man sich, so auch Matto, mal die Mühe machte genauer zu lesen, fände man irgendwo in meinen Kommentaren auch die Idee der Symbiose unterschiedlicher Ideen, wie wir sie praktisch umgesetzt in der sozialen Marktwirtschaft de facto hatten.

Dann die Idee mit den kostenlosen Schulspeisungen als Hilfe notleidende Kinder. Das ist dermaßen kurz gedacht, denn es unterstützt, genau so wie "die Tafel" genau das System, gegen dass man ja vermeidlich ankämpft. Hier werden Symptome behandelt statt Ursachen. Man stellt die Leute obendrein ruhig, damit sie eben nicht auf die Straße gehen und all das fordern, was ihnen und ihren Kindern aus der Armutssituation heraus helfen würde. Bildung, gerechte Löhne, adäquate Arbeitszeiten, vernünftige Wirtschaftpolitik etc. Es ist doch ein Trauerspiel, dass Kinder in einem der reichsten Länder der Welt überhaupt auf Schulspeisungen angewiesen sind.

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nil 21.08.2011 | 01:14

@JA
....hatte ich an anderer Stelle schon einmal gepostet

Marxismus und die Grünen
(aus: Eros Kosmos Logos, Krüger 1996,S. 245)

Die einzige ernstzunehmende soziale Bewegung von globaler Natur ist bis heute die internationale Arbeiterbewegung (Marxismus), der ein großes und bleibendes Verdienst zukommt, die aber auch eine fatale Schwäche hat. Das Verdienst besteht in der Entdeckung eines gemeinsamen Zugs aller Menschen, unabhängig von Glaubensbekenntnis, Nationalität, Mythologie oder Geschlecht: Wir alle müssen unser körperliches Überleben durch gesellschaftliche Arbeit dieser oder jener Art sichern: Wir alle müssen essen. So sind wir aufgrund der gesellschaftlichen Arbeit alle im selben Boot, alle Weltbürger. Diese Bewegung war echt und ernsthaft und für sehr viele Menschen einleuchtend und glaubwürdig genug, um die ersten wirklich global gemeinten Revolutionen von Rußland bis China und bis nach Südamerika auszulösen.

Soweit die wirklich anerkennenswerte Seite.
Die fatale Schwäche bestand darin, daß diese Bewegung die höheren kulturellen Bestrebungen nicht nur auf die Grundlage des ökonomischen und materiellen Bereichs, der gesellschaftlichen Arbeit und des materiellen Austauschs stellen wollte, sondern sie darauf zu reduzieren versuchte; sie wollte Kultur auf den kleinsten gemeinsamen Nenner reduzieren, auf materielle Produktion, materielle Werte und materielle Mittel, und alle Produktion höherer Art, insbesondere alles spirituelle, war nur noch Opium fürs Volk.

Der Marxismus stellte also die Noosphäre nicht allein auf die Grundlage der Physiosphäre (was wegen des zusammengesetzten Charakters der Individualität entscheidend wichtig ist), sondern reduzierte die Noosphäre auf die Physiosphäre - was sich als derart abwegig herausstellte, daß sich die Evolution jetzt nach kaum einem Jahrhundert ernsthaft daran gemacht hat, diesen Irrtum aus der Welt zu schaffen. Da die reduktionistische Seite des Marxismus keinerlei Rückhalt im Kosmos fand, mußte das Ganze in eine religiöse Mythologie umgedeutet und dann unter imperialistischem Zwang durchgesetzt werden.

Eine zweite große Bewegung, die eine gewisse Eignung als Träger einer Weltbürgerschaft besitzt oder zu besitzen vorgibt, ist die der Grünen. Ich habe sehr viel Sympathie für diese Bewegung, solange sie sich als ein Unterfangen neben anderen versteht, aber ich glaube, sie besitzt nicht im entferntesten die nötige Integrationskraft für eine globale Föderation von Weltbürgern, die sich ihre Grundsätze freiwillig zu eigen machen (unter Zwang vielleicht,aber das wäre kein ungehinderter globaler Diskurs, sondern wieder nur gewaltsame Einigkeit).

Die Grünen machen im Grund den gleichen Fehler wie die Marxisten, weil sie die unbestrittene und unbestreitbare Tatsache, dass niedrigere Ebenen grundlegender sind als höhere, zum Anlaß einer Reduzierung des Höheren auf das Niedrigere nehmen. Aber das Grundlegendere ist allein nicht ausreichend für das Leben des Höheren und Tieferen. Wo die Marxisten alles auf materielle Austauschprozesse der Physiosphäre zurückzuführen versuchen, reduzieren die Grünen alles auf ökologische Austauschprozesse der Biosphäre. Das ist zwar ein Schritt über den Marxismus hinaus, bleibt aber eine Wissenschaft des kleinsten gemeinsamen Nenners, die zwar (wie der Marxismus) in ihrem Geltungsbereich wichtiges leistet, aber jenseits eines gewissen Punktes katastrophal wird und vor allem völlig außerstande ist, Weltbürgerschaft über diesen Punkt hinauszutreiben.

Zu ihrer philosophischen Plattform machen die Grünen a) den Gedanken, daß die Kultursphäre oder Noosphäre Teil des größeren Ganzen der Biosphäre ist, und b) die Systemtheorie als Wissenschaft vom Gewebe des Lebens. Der genannte Gedanke ist, wie wir gesehen haben, schlicht falsch, und die Systemtheorie stellt, wie wir ebenfalls gesehen haben, eine etwas martkschreierische Form des subtilen Reduktionismus dar. Die Biosphäre ist grundlegender als die Noosphäre, aber eben deshalb nicht höher, sondern niedriger und seichter; und das Niedrigere kommt in aller Evolution zuerst, vor allem anderen.

Die Grünen meinen nun, das Erste und Grundlegendste müsse auch das Letzte und Höchste sein - ein schwerer Irrtum, der dazu führt, daß sie wie die Marxisten die biomaterielle Dimension durchforsten und zu bereinigen versuchen, was dort nicht in Ordnung ist. So gut und begrüßenswert das ist, sie kommen darüber nicht hinaus, sie finden keine integrativen Ansätze zu einem tieferen Bewußtsein, zu höherem Umfangen, zu echter Gesamtschau, zu etwas wirklich Befreiendem - nur zu eher theoretischer und regressiver biosphärischer Indissoziation. Und wie die Marxisten haben sie für alle wahrhaft tieferen oder höheren Bestrebungen nichts anderes als das Vokabular des sozialen Reduktionismus parat: "Eskapismus", "Opium", "Illusionismus", "falsches Bewusstsein".

Ein wirklich integrativer Ansatz, der von den tatsächlichen historischen Gegebenheiten unserer Zeit ausgeht, um eine Weltkultur zu schaffen, wird sicher auch für eine gerechtere Verteilung im materiell-ökonomischen Bereich und für tragbare ökologische Verhältnisse zu sorgen haben, also die Anliegen der Marxisten und der Grünen berücksichtigen. Aber er wird weit darüber hinausgehen müssen und sich ganz direkt und ohne jeden Reduktionismus auf die Noosphäre und ihre Verteilungsprobleme und Fehlentwicklungen einlassen...

Gesellschaftliche Arbeit kann uns als Weltbürger insoweit einigen, als wir Materie gemeinsam haben - weiter nicht. Ökologische Vernunft kann uns als Weltbürger insofern einigen, als wir alle einen Körper haben - weiter nicht. Es wird einer Schau-Logik-Bewegung von gewaltiger Integrationskraft bedürfen, um uns als Weltbürger zentaurisch zu einigen, das heißt insofern, als uns Materie und Körper und Geist (ganz zu schweigen vom GEIST und dem Selbst, die all dem vorausgehen) gemeinsam sind.

czimmer 21.08.2011 | 01:20

Zumindest ließ man Sie ungeschoren aus dem "Bocksgesang" zitieren, einen geradezu prophetischen Text von Botho Strauss aus dem Jahr 1994. Leute mit einer Abneigung gegen "Salonlinke" würden wahrscheinlich kotzen, wenn sie dort Sachen lesen würden wie: "Ich habe keinen Zweifel, dass Autorität, Meisterlehre, eine höhere Entfaltung des Individuums befördert bei all jenen, die sich ihr zu verpflichten imstande sind, als jede Form der zu frühen leichtgemachten Emanzipation." In Zeiten wo Konservative sich fragen, ob die Linke nicht doch recht hat, passt das aber schon.

Angelia 21.08.2011 | 01:23

Matto, ich habe oben gar nicht geschrieben, dass ich den Kapitalismus wie Merz, der übrigens dem Tenor nach sicher bei Freidman abgeguckt hat, für das gerechteste System halte.

Aber isz würde mich freuen, wenn auch Sie, wie Magda die Aufgabe annähmen und mit erklärten, wie sie ohne Kapital all ihre Almosen an die Kinder verteilen wollen.
Und dann würde ich gern wissen, warum Sie meinen, dass Symptombehandlung langfristig zu was Gutem, Gesunden führt.

vielen Dank

A.

j-ap 21.08.2011 | 01:24

Verehrter Herr Augstein!

»Ich finde, Negt und Crouch und Krugmann und Sennett haben Recht. Und jetzt? Was machen wir denn jetzt?«

Nun, wenn es nach Ihrer eigenen Diskursphilosophie geht, dann machen wir uns auf die Suche nach jemandem, der in der Lage ist, Sie mit seinen besseren Argumenten davon zu überzeugen, daß Negt, Crouch, Krugman und Sennett gar nicht recht haben, sondern im Gegenteil völlig vernagelte Idioten sind, woraufhin Sie, Ihrem eigenen Idealismus gemäß, sämtliche bisherigen Überzeugungen sogleich fahren lassen und Ihrem Kontrahenten vollumfänglich beipflichten, so wie sich das gehört.

Ich schlage zu diesem Behuf Joseph Ratzinger als Ihren Diskussionspartner vor. Der kommt ja bald zu Ihnen nach Berlin. Laden Sie den doch zu einer »Freitags«-Soirée. Wir werden dann sehen, wer von ihnen beiden die besseren Argumente kommandiert und uns anschließend, je nach Debattenausgang, zwischen Sennett und der Heiligen Jungfrau von Fátima zu entscheiden haben.

(Das wird dem Schirrmacher bestimmt auch stinken, wenn Sie ihm diesen Fisch vor der Nase wegangeln!)

»Das ist das einzige, was uns alle retten kann: Der Streit. Denn damit bleibt alles immer durchlässig und in Bewegung und hinterfragbar von jedem jederzeit.«

Das nenne ich dogmatischen Pluralismus, der mittlerweile selbst zur akutesten Form der Propaganda geworden ist:

Wo jedes Einerseits unvermeidlich ein Andererseits provoziert, am Ende beides gleichrangig nebeneinander zu stehen hat (alles andere wäre schließlich undemokratisch) und das Ergebnis der Debatte nur das Sichfreuen auf die nächste Runde in ihr ist, dort herrscht nicht das bessere Argument, sondern die losgelassene Subjektivität als schrankenlose Diktatur über die Wahrheitsfähigkeit des Denkens.

So prozessiert der helle Wahnsinn ewig weiter und stellt sich an der Oberfläche dar als Widerstreit einander ausschließender Meinungen, ist aber im Innern das genaue Gegenteil davon: Antinomie, die auf Inklusion ins Bestehende zielt.

Viele Grüße
Josef Allensteyn-Puch

Angelia 21.08.2011 | 01:33

ha nein man stellt die Leute nicht ruhig, man hält sie durch die Gagen von Almosen in Abhängigkeiten und Unmündigkeiten. Das hat mit Freiheit nicht das Geringste zu tun.

Und der Unterschied zwischen einer Naomi Klein und einer Wagenknecht ist, das sich letztgenannte im Reich der Utopien verrennt und diesem durch Analysen, z.B eines Albrecht Müllers oder Marx den Hauch von Realitätssinn gibt. Hingegen Naomi Klein durch Eigenbeobachtung, selbstständigem Denken, Recherchieren und Formulieren durch und durch in der Realität ist.

Columbus 21.08.2011 | 01:47

Jakob Augstein will doch die paar Linken die es in unserer Gesellschaft gibt, nicht fertig machen. Das erledigen die im Zweifel schon selbst. So, wie sich die 68er Grüppchen gegenseitig den Garaus machten. So, wie sich Linke bis auf die Knochen blamieren, wenn sie sich an die Verteidigung der Mauer machen. - Vor allem aber, lenken diese Spielereien und Sophistereien furchtbar ab und vertreiben die naturhaft Milden und die vom realen Leben Abgeschliffenen.

Jedoch, eines müsste er auch einmal zur Kenntnis nehmen.- Sarah Wagenknecht u.a. Linke werden regelmäßig in der Print-Presse und bei den TV-Anstalten mit Nebensachen "genagelt", z.B. dass in NRW oder im brandenburgischen Streusand irgend jemand immer noch dem antifaschistischen Grenzwall nachtrauert. Und das Massenblatt der Massen-Intelligenz, "Der Spiegel", hätte doch, wenn die Kritik nicht an einem solchen Organ einfach abperlen würde, genügend Gründe, sich einmal über seine vielen schwarzen Titelblätter mit den so sensiblen Überschriften und den dann folgenden unzähligen und länglichen Haupt- und Nebenartikeln Gedanken zu machen, die zwar endlos die Geschichte des zweiten Weltkrieges und die Verdauung des wirren und brutalen Gröfaz bis in kleinsten Details aufarbeiteten, der sich aber bisher nicht in der Lage sieht, genügend ökonomischen und kulturpolitischen Sachverstand ins Blatt zu ziehen, um diesem schamlosen, seit zwei Jahrzehnten gesteigert anhaltenden Erpressungsversuch der Finanzwirtschaft und der Abschreiber vor dem Herrn entgegen zu treten.

Deutschland hat abertausende gebildete und kluge Ökonomen und einige hunderte, die nicht nachbeten sondern nachrecherchieren, was denn die Realität zur reinen Lehre ist. Ab und an dürfen schon ganz nüchterne Soziologen beim dF schreiben. Ich liebe das. Aber ehrlich, es sind eher die wenig kommentierten Beiträge.

Im Spiegel liest man selten davon, aber umso mehr Horrormärchen von der Unterwanderung ganzer Landesverbände der Linken, durch den Geist der ewig Gestrigen.

Mit der Kommentierung, Verbreitung und der Suche nach dem "wahrhaftigen" Kern in Thilo S.s Steam of consciousness-Bibel haben sich wochenlang die allerwichtigsten Kolumnisten und leitenden Medialisten der bürgerlichen Presse und des TVs auseinander gesetzt und der Grad der Affirmation fiel häufig nur deswegen etwas geringer aus, weil sie selbst bisher nicht auf die Idee gekommen waren, so "slutty" zu schreiben (Schirrmacher erschrak regelrecht vor seinen eigenen Gedanken). - Das ist, ich weiß kein anderes Wort dafür, zumindest ein wenig pervers und wird sich, anläßlich der neuen Fibel der Selbstaufklärung, ich übertreibe, nun beim Gender-Thema wiederholen.

Wenn stimmt, was Kommunisten schon immer wussten, dass nämlich die Ökonomie die Verhältnisse bestimmt, und wenn nun, nach einiger Medienerfahrung der Nationen und der Intellektuellen, zusätzlich gilt, dass die zur Verfügung stehenden Medien selbst eine ganz wesentliche Rolle spielen (Mein Mensch, schon der erzkonservative Neoplatoniker Walter Lippman wusste das!), dann gilt es auch, den Platz für ernsthafte und, -das kommt dazu-, nicht in drei und nicht in dreißig Zeilen zu erledigende linke Kritik an den Verhältnissen zu schaffen. Allerdings forderte das einem ungeduldigen Publikum auch mehr Ausdauer ab und vielleicht ein wenig mehr Interesse dafür, als z.B. dazu, ob im Gender mainstream die Unterhosen, Slips, Schlüpfer und BHs nun auch über der Oberbekleidung getragen werden dürfen und sei es nur als Protestform.

Selbst die Netzmedienkundigen befällt doch eine seltsame Sehnsucht, wenn sie sich mehr und intensiver um die Sicherheit ihrer Briefkästen kümmern, als relevante Sachverhalte zu leaken.
Trotzdem frisst die Aufmerksamkeit dafür fast die ganze deutsche Medienenergie in diesem Bereich.

Ein Problem stellt sich allerdings und daran leide ich, wie wahrscheinlich eine ganze Schar anderer Leser des dF und der dFC auch. Analysen und Ansätze zur Problemlösung vorzustellen, das ist meistenteils und überhaupt, ein sehr trockenes Brot und ich frage mich, ob überhaupt Bereitschaft dazu vorhanden ist, es zu brechen und zu teilen. Den Wein aus der Wandlung, passend dazu, den gibt es vorerst und mittelfristig nicht.

Liebe Grüße
Christoph Leusch

Fro 21.08.2011 | 02:30

Nein, bloß nicht emotionslos werden Angelia, - über den Beitrag von Feynsinn, oder neulich Schwarzer vs Roche, konnte ich mich auch ganz gut aufregen... angenehm finde ich es aber, wenn dabei das "Vernunftzentrum" nicht deaktiviert ist.
Unterschlau wäre es, wenn man Mitstreiter (im weitesten Sinne) - wegen anderer Auffassungen im Detail - stigmatisieren und ausgrenzen würde.
Es gibt ziemlich dringend grundlegende Aufgaben zu bewältigen, wo sich ein großes Spektrum der Kritiker und Unzufriedenen doch wohl prinzipiell einig sein dürfte. Demokratisierung sehe ich da ganz oben auf der Agenda..

;-)

Uwe Theel 21.08.2011 | 02:37

@ Angelia schrieb am 20.08.2011 um 23:13

" ... wie ich bereits weiter oben versuchte zu erklären, ist das System als solches völlig irrelavant. Es sind die darin wirkenden Kräfte.
Deshalb hat weder der Sozialismus, Kommunismus noch der Kapitalismus überall ein und das selbe Gesicht."

Schwerer Irrtum, liebe Angelia:

Gerade weil in jedem System eine andere historische Kraft als Agens der Geschichte wirkt, haben die System verschiedene Gesichter, wichtiger aber ein verschiednes Wesen. Solange das Kapital(gesetz) wirkt, kann der Kapitalismus zwar tausend Gesichter haben, die mit tausend Ideologien (Ideolgie im marxchen Sinne) verschieden beschrieben werden, er hat aber nur ein Wesen und das zeigt er sogar regelmäßig in der Krise.

Du benutzt hier ein Theorem, mit dem z.B. schon die leidige Totalitarismustheorie Schiffbruch erlitt: Von den (ähnlichen) Phänomemen, auf die nämliche Ursache schließen wollen, weil die Phänomene ähnlich seien.

LG
ut

Fro 21.08.2011 | 02:59

Ich finde die Frage auch hochinteressant. Als Bürger frage ich mich natürlich auch, was man nun mit dem Kapitalismus machen soll, wo doch noch der Kurzsichtigste erkennen kann, dass er dem planetarischen Gemeinwohl mehr schadet als nützt...

Ich würde da mal einen Extra-Blog vorschlagen – wenig sinnvoll es hier zu diskutieren. Da Angelia anscheinend eine Vorstellung hat, wie ein sozialer Kapitalismus aussehen könnte...

Uwe Theel 21.08.2011 | 03:21

@ Märion Es 20.08.2011 um 17:58

Werte Märion Es:

Es ist eine Mär, die Sie hier von dem erzählen, was ich geschrieben hätte:

Meine Forderung nach scharfen Begriffen und klarer Argumenation ist nicht zu verwechseln mit dem Zuchtschnitt de Gärtners, den Sie selbst diesem in seiner, des Gärtners selbst, richtigen Form in der falschen Art unterstellten.

Die Flucht des bürgerlichen Idealisten in den goldenen Garten einer Einnerung, der ihr entsprechend nie wirkliche Erfahrungen erbracht hat, ist es gerade die ich kritisiere.

Sie schreiben selbst, dass die Einhegung des Kapitalismus nicht möglich sei, genau das scheint JA aber in meinen Augen zu intendieren, deshalb kritisiere ich ihn.

Wo ich in meinem noch dazu nur kurzen Kommentar einen Garten Eden, Verzeihung einen Garten Sozialismus intendiert hätte , bleibt mir verborgen, müßten sie mir erklären.

Vor einen Ernst Bloch würde ich ungern zurückgehen, mit Niklas Luhmannn schon gar nicht und mit Plessner, damit Scheler und Gehlen schon gar dreimal nicht.

Der allenfalls ideologisch motivierte Vorwurf, eine wirkliche Linke währe unfähig zu Übernahme politischer verantwortung im Sinne des Allegmeinwohl, verdient so kein Wort der Erwiederung.

Wie es ist, wenn der Kaitalismus "alle Möglicheiten" auschöpft, haben wir historisch schon einmal erlebt, nämlich in der Endform bürgerlicher Herrschaft, im Faschismus. Vielleicht lesen Sie das bitte bei Reinhard Kühnl nach.

Mein Beitrag hätte auch kürzer ausfallen können: Aktion ohne Re.

Uwe Theel 21.08.2011 | 03:48

@ Fro schrieb am 20.08.2011 um 18:30

Erkenntnisfördernder Beitrag - Danke.

Fro,

soll ich jetzt annehmen, dass Deine Theorie vom freien Bürger, sich auf Arnold Gehlen und Max Scheler sowie Hellmut Plessner und Niklas Luhmann stützt, die Märion Es hier gegen Bloch, damit Marx, ja selbst noch gegen die evolutionäre Seite der Frankfurter Schule (Habermas als Kritiker Gehlens und Scheler und Plessners) als ihre Gewährsleute ins Feld führt

Vom pseudopilosophisch, lyrischem Klang der Sätze der Märion Es solltest Du Dich nicht zu vorschnellem Lob der Worte derselben hinreißen lassen und ihr ihren Wolkenraum schon gar nicht aussternen.

LG
ut

Columbus 21.08.2011 | 03:52

ad
j-ap schrieb am 19.08.2011 um 14:54

Lieber J.A.P.,

Sie neigen aber auch zur Verallgemeinerung. Demokratie ist mitnichten grundsätzlich das arithmetische Mittel der staatsbürgerlichen Einzelwillen. Gerade das Gegenteil ist eine wesentliche Orientierung und Basis, zumindest in idealer Form, jeder funktionierenden Demokratie.

Es werden nämlich die Stimmen gleichwertig ausgezählt, bei Wahlen, aber aus dem Ergebnis ist nicht direkt abzuleiten, was unbedingt gemacht werden muss. Die Grenzen bestimmen nämlich, so paradox das zunächst klingen mag, wenn die Demokratie gut funktioniert, die Minderheiten, die jeweils Geschlagenen in der Abstimmung. Sie werden zum Maßstab dafür, ob es tatsächlich gerecht zugeht.

Demokratie ist nicht Herrschaft der Mehrheit, sondern, u.a., eine Art abgestufte, gemilderte Form davon. Daher auch die vielen Zwischenstufen, das ewige und notwendige Palaver, und das Verbot,- zumindest in der Theorie und bei den Thesen-, von Absolutismen auszugehen.

In der Realität herrscht derzeit gerade deswegen helle Aufregung und berechtigte Gewittergefahr, weil Nenndemokraten diese Prinzipien zuhauf aufgaben und verletzten. Scherzhaft gesprochen, um eines mittelfristigen, geringen ökonomischen Gewinnst und der persönlichen Macht willen.

Die politische "Erleichterung", der vorzüglich Sozialdemokraten erlagen und die Grüne allmählich schätzen lernen: Herrschaft durch Einhaltung der Verfahren, egal wieviel reale Zustimmung und reale Transparenz vorher erzeugt und hergestellt wurde.

Das Modell "Schrö-Fi" war das Ergebnis, welches nun Angela Merkel, auch noch mit wechselnden, politischen Lebensabschnittspartnern, weiter perfektioniert hat.

Aber die Leute, die in den letzten Jahrzehnten zu häufig von dem arithmetischen Mittel der Nachfrage auf dem Markt träumten, die haben eine noch andere Realität in Szene gesetzt, die mit Arithmetik wenig und mit Gerechtigkeit kaum in Verbindung gebracht werden kann.

Selbst wenn es gelänge, diese Doppelwelt der Finanz- und Spekulationswirtschaft, neben der Realwirtschaft aufzulösen und nur die Realwirtschaft nach den Marktprinzipien funktionierend übrig bliebe, reproduzierte sich die Ungerechtigkeit, wenn auch mit viel geringerer Geschwindigkeit. - Trotzdem wäre das wohl einer der möglichen, gangbaren Wege um Zeit zu gewinnen. Dieser Weg erforderte strickte ökonomische Rahmengesetze und eine schrittweise umgesetzte internationale Finanzordnung, bei der zuerst und zunächts die Gewinne aus Spekulation realistisch mit Umsatz- und Einkommenssteuer belastet werden müssten.

Sozialisten (der alten Zeit) und Kommunisten glauben daran und können auch gute Beispiele anführen, dass der Staat als Organ zumindest die Probleme Verteilungsgerechtigkeit und Chancengerechtigkeit sinnvoll lösen könnte, ja, dass darin, neben dem Schutz der individuellen Grundrechte, seine wesentliche Funktion bestehe, die er aber zuletzt aufgegeben habe. - Das erklärt sowohl Jakob Augsteins Entrüstung über die SPD und die Leerstelle, die deren grundsätzlicher Paadigmenwechsel verursachte, das erklärt aber auch die Zurückhaltung gegenüber anarchistischen Gesellschaftsmodellen bei den meisten Menschen, die sich noch als Linke sehen.

Der Kapitalismus trägt anarchische Züge, ohne jedoch die humane und menschenfrendliche Seite des Anarchismus (der Gesellschat der Gleichen), dessen Ethik also, übernommen zu haben.

Es ist ganz einfach so, dass sich kapitalistisch orientierte Leute und Theoretiker wie Praktiker, dafür nicht wesentlich interessieren. Ihnen genügt der Markt.

Daher kann es nicht Ziel der Kapitalismuskritik sein, die Wirtschafts- und Kulturprozesse durch ein vorgeblich rationaleres System der Produktion und Konsumtion zu ersetzen, wie es auch viele Linke noch glauben, obwohl schon relativ einfache lokale Wirtschaftsvorgänge die Steuerungsfähigkeit überfordern und nur riesige Bürokratien entstünden. Aber Ziel muss es sein, die Rahmen für das Wirtschaftsverhalten wesentlich enger zu ziehen und Grundbedürfnisse: Nahrung, Gesundheit, Wohnen, Kultur und Bildung, wieder weitgehend vom Wirtschaftsdruck frei zu stellen.

Das Surplus kann dann ruhig und ad libitum verspielt, oder aber produktiv genutzt werden. Ich bin mir sicher, die meisten Leute entschieden sich dann für kulturelle und soziale Produktivität, weil die spannender und sinnstiftender wäre und die einzige Form gesellschaftlicher Anerkenntnis.

LG und gute Nacht
Christoph Leusch

Fro 21.08.2011 | 04:28

Hallo Uwe,
„Märion Es“ nannte die Autoren lediglich, um auf deren Realitätsbegriff hinzuweisen.
Prinzipiell würde ich niemanden ausgrenzen, nur weil er Texte von Autoren liest, die mir nicht gefallen. Entscheidend ist ja, was er von ihnen annimmt, und was er daraus macht.
Im übrigen bedeutet für mich "erkenntnisfördernd" nicht gleich Übereinstimmung – obwohl ich diese in dem Beitrag an vielen Stellen sehe.

Sehr schön finde ich:

....erwächst die potentielle Stärke der Linken aus eben jener toleranten Flexibilität im Urteil, die der Alternativlosigkeit das reflexive Ausschöpfen aller Möglichkeiten entgegensetzt, und zwar aus den Quellen der als verbindlich zu verstehenden Übereinkünfte von Demokratie und Menschenrechten...

Märion Es 21.08.2011 | 05:40

Mit dem gegenseitigen Verstehen ist es nicht leicht. Deswegen bin ich gern bereit, mich über ihre bisherigen Äußerungen hinaus mit ihrem Standpunkt bekannt zu machen, genauso wie ich mich erklären will. Leider fehlt ihrer Replik dahingehend, wahrscheinlich intendiert, die substantielle Ernsthaftigkeit.

Nach meiner Wahrnehmung schließen Sie die Linken, die sich keinen wie auch immer gearteten diszantierten Begriff von Kapital machen, voreilig aus. Möglicherweise sind wir tatsächlich nicht links nach ihrer Definition. Aber was genau ändert das?

Um den Garten ein letztes Mal zu bemühen: Ich habe einen methodischen (!) Schritt ihrerseits als "ordnende Gewalt" bezeichnet und bleibe dabei. Dabei spielt es keine Rolle, ob ihr Gesellschaftsindividuum nun wohlbehütet in Erinnerungen lebt oder den harten menschlichen Erfahrungen entgegengeht. Das Umzäunen im definitorischen Sinne ist meines Erachtens ein Fehler, nicht weil es an alten Begriffen festhalten möchte (die können durchaus nützlich sein), sondern weil es sich in seiner gesicherten Position zu verschlossen, eben zu re-aktionär präsentiert. Wie ich bereits festgestellt habe, entgleitet uns allen (!) die Welt (und mit ihr auch der Kapitalismus) in ihrer komplexen Vielfalt. Allein die Offenheit unserer Reaktion bei gleichzeitiger Behutsamkeit (das ist es, was ich mit dem polemischen Hinweis auf Evolution meinte) entscheidet über die Verfasstheit unserer Zukunft. Den Ansatz dazu können sie meinetwegen bei Plessner nicht nachlesen, für den sie ja schnell eine ebenso fassliche wie oberflächliche Schublade fanden.

Herr Augstein antwortete weiter oben in diesem Kommentarthread auf ein progressiv-optimistisches Statement Streifzugs:

"ja, gerne. Jetzt mal ohne Spaß. Ich hab den Durchblick ganz und gar nicht. Im Gegenteil. Ich stelle mir Fragen. Und finde keine Antworten. Sie?"

Diese Unsicherheit in Verbindung mit der Skepsis gegenüber klaren, polaren Positionierungen, dieser Grundverdacht ist vielleicht symptomatisch für die junge linke Intelligenz. Darin liegt ihre Schwäche, denn sie kann keine Programmatik bieten. Darin liegt aber gleichsam ihre Stärke, denn sie kann salopp gesagt der Rechten (womit nicht allein die CDU und FDP gemeint ist, sondern konservative Kräfte in allen Teilen der Öffentlichkeit) in den Arsch treten und wider die vorgebliche pragmatische Alternativlosigkeit ihre Stärke, den toleranten Pluralismus der Ideen und Gegenideen, des Probierens und Scheiterns, ausspielen. Das ist es auch, was ich (in affirmativer Absicht) in den letzten Absätzen meines ersten Beitrags zu verstehen geben wollte.

Bei einem allein skeptisch-kreativen Beitrag zur Politik kann es freilich nicht bleiben. Es geht um politische Verantwortung, aber eben im allgemeinen, nicht allein im parteilich-parlamentarische Sinne von Regierung. Leider aber würde ich den unterstützenswerten Streifzug'schen Ruf zum Aufbruch momentan jedoch ähnlich wie Augstein eher fragend als antwortend unterschreiben.

weinsztein 21.08.2011 | 09:42

@Ullrich Läntzsch,

Sie nennen "die eine Crux", sogleich dann die andere:

"Angefangen mit der sogenannten Diktatur des Proletariats bis hin zur Unfähigkeit einer klaren Ablehnung von, Mauerbau und Schießbefehl. Freiheit sieht anders aus."

Vor einiger Zeit hatte ich auf einen Ihrer Kommentare unflätig geantwortet. Etwa in dem Sinne, dass Sie woanders scheißen sollten als in hiesige Blogs. Das nehme ich zurück. Sie tragen zur Erleuchtung der FC und deren Einschätzung mancher Mitforisten bei.
Ihr obiger Kommentar ist ein echtes Pfund auf die "Diktatur des Proletariats bis hin"... usw.!

Das ist großartig.

Wolfgang Blankschein 21.08.2011 | 12:55

Ihr Kommentar verdeutlicht, wie wenig Sie sich aus der Tradition hergebrachter philosophisch-politischer "Ideologien" lösen möchten.
Marx' Kapitalismus-Kritik: in die Zukunft weisend, durch die gesellschaftliche Weiterentwicklung oft genug bestätigt. Marx' utopische Ideen einer gerechteren Gesellschaft: wohl begründet, wenngleich notwendig oft diffus.
Marx' Credo vom "wissenschaftlich begründeten Sieg des Proletariats über die Bourgeoisie": Der vom Kipf auf die Füße gestellte Hegel war ein kühner Dialektiker - der freie (!) Wille des Menschen, ethische Grundsätze (-> Menschenrechte), wesentliche Teile fundierten philosophischen Denkens blieben in seinem geschlossenen Geschichtsverständnis ausgeschlossen!

Eine gerechtere Gesellschaft kann nur auf der freien Übereinkunft der Menschen über Menschenrechte inkl. ausgeprägter sozialer (und: psycho-sozialer) Rechte des Menschen bestehen. - Der freie kapitalitische Markt untergräbt den Prozess dieser Übereinkunft ebenso wie die Berufung auf vorgeblich wissenschaftlich begründbare Formen der "Diktatur der arbeitenden Klasse".
Die zeitgemäße Erkenntnis aller (!) Humanwissenschaften wären in die Begründung und Übereinkunft der Menschenrechte einzubeziehen - und schon da liegt eine Crux: Über den
Menschen wissen wir weitaus weniger als gemeinhin behauptet. Schlimmer noch: Was wir heute schon wissen, wird von wirtschaftlich wie politisch Mächtigen ständig geleugnet - oft absichtlich geleugnet und tabuisiert.
Jeden Satz des Herrn Augstein kann ich nur unterschreiben!

Angelia 21.08.2011 | 13:14

Lieber Uwe

also Uwe ;-) diese deine Behauptung meines schweren Irrtums müssen wir aber erst mal dialektisch verarbeiten. Ich behaupte, das Kapitalgesetz kann nicht unabhängig vom Menschen als kleinste aber wirkungsvollste Einheit eines Systems wirken. Sowohl der Begriff Kapital als auch System sind lediglich abstrakte Begriffe, die bei der modellhaften, d.h theoretischen Abbildung der Realität zwar hilfreich sind.
Systeme an sich haben kein vom Menschen unabhängiges Wesen. Insofern sind sie weder geschlossen noch nicht veränderbar.

Wir sollten mal, statt Charlotte Roche, zusammen z.B Max Weber lesen und besprechen.

Dann stellt sich auch die Frage, ob der Sozialismus ohne Kapitalismus ausgekommen ist und ob und wie sich der Besitz von privatem Eigentum und Handel, sei es in Form von Fähigkeiten oder Gegenständen, z.B Lebensmittel und Materialien, ob geklaut oder selbst hergestellt, unterschwellig im Sozialismus verhielt.

Ja wir sollten einen eigenen Blog aufmachen, um das Thema zu diskutieren.

lG A.

Angelia 21.08.2011 | 13:23

lieber Fro

nix da, ;-) den Ball, ein eigenes Blog zum Thema zu eröffnen, spiele ich dir gern zurück.

Ich muss noch, neben meinen anderen Aufgaben, meine Buchbesprechung zu Charlotte Roche schreiben.

Aber du oder Uwe könntet ja mal unsere letzten Fragen, Einwürfe und Thesen zusammenfassend zur Diskussion stellen.

Ich diskutiere da gern mit und wenn ihr ein paar interessante Texte von Weber besprechen wollt, mache ich mit. Wir könnten z.B "Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus lesen." Außerdem habe ich mir gerade noch eine Rede Webers zum Sozialismus ausgedruckt.

lG A.

Ullrich Läntzsch 21.08.2011 | 13:42

Danke,

und ich finde es großartig, wenn jemand in der Lage ist Fehler erstens einzusehen, und dann auch noch den Mumm in den Knochen hat, die öffentlich zurückzunehmen.

Für mich ist es das, was mich z.B. an der SPD so ankotzt, da ist wohl weithin die Einsicht vorhanden mit HARZ IV das größte soziale Verbrechen der Nachkriegsgeschichte begangen zu haben, aber das mea culpa, besser das mea maxima culpa bleibt aus. Und die Grünen sind um kein Deut besser.

Streifzug 21.08.2011 | 14:40

Lieber JA,

Sie schreiben:

"Ich stelle mir Fragen. Und finde keine Antworten.
...
Ich sehe keine Alternative zum Streit und zum Argument." Eine sehr wichtige, wesentliche und durchaus mutige Antwort haben Sie doch schon gegeben: Eine für jeden offene, unzensierte Community, in der jeder Texte veröffentlichen kann, die ihm wichtig sind. (Ich stelle mal die bekannten Kritikpunkte zurück, da diese den positiven Aspekt des Gesamtkonzepts nicht grundsätzlich schmälern.)

Streit und Argumentation, dauernd, frei Haus, ungeschminkt. Stellt sich noch die Frage: "Streiten, bis der Arzt kommt - oder der Polizist - oder gar der Homöopath?"

Da kann jede Zeitung vor Neid nur erblassen ;)

Uwe Theel 21.08.2011 | 15:13

@ Märion Es am 21.08.2011 um 03:40

Entschuldigen sie Märion Es,

aber sie bauen sich reglmäßig einen argumentativen Popanz auf, den sie dann kritisieren anstatt vielleicht erst einmal nur genauer zu lesen:

Meine wissenschaftlich standardmäßige Forderung nach klaren Begriffen, z.B. hinsichtlich des Kapitalbegriffs ein "Umzäunen im definitorischen Sinne ", zunennen, das "sich in seiner gesicherten Position zu verschlossen, eben zu re-aktionär präsentiert" ist wenig konstruktiv.
Es ist vielmehr nur Unterstellung, die Sie nirgends an meinen Worten festmachen können. Gerade die dialektische Vorgehensweise, wie sie dem historischen Materialismus innewohnt ist hier das "methodische" Moment, das dies auschließen kann.

Sie mögen z.B. auch das Parteiprogramm der Linken gelesen haben, trotzdem zu behaupten, es täuschte "vorgebliche pragmatische Alternativlosigkeit" als seine "Stärke, den toleranten Pluralismus der Ideen und Gegenideen, des Probierens und Scheiterns, aus(zu) spielen", was sie so de fakto als Schwäche zu entlarven suchen und es buchhalterisch dann noch mit der "Alternativlosigkeit" (Merkels neuer und explizit gebrauchter programmatischer Zentralbegriff) gegenzurechnen, enthüllt Nichverstehen aus Interesse.

Wenn Sie wirklich "nur" Fragen stellen wollen, dann beantworten sie nicht Gedanken, z.B. meine mit vorgestanzten Ideologieformeln.

P.S.: Meine, wenn auch nur mit wenigen Worten formulierte Einordnung Plessners in die deutsche idealistische Philosophie, bzw. die positivistischer Soziologie eines formalen Rationalismus als "oberflächlich" zurückweisen können zu glauben, zeugt mir von wenig Kenntnis der auch nur jüngeren Geschichte der (auch nur deutschen) Geschichte der Erkenntnistheorie, Soziologie und Philosophie.

P.S.P.S: Das nur scheinbar "hilflose" Fragen Augsteins ignoriert ganze Debattenstränge der neuren Linken bis hin zu dem, was manchmal sogar in seinem eigenen Blatt steht. Von daher ist Prof. Bömmels Satz Nun stell´mer uns janz domm ... wat is´ene Dampfmaschin´!" nicht immer das gegeignete Motto eine Diskussion auszulösen, die längst im Gang ist. - JAs lobende Hinweise zum englischen Premier Cameron sind schlicht "alternativlos" abwegig.

Uwe Theel 21.08.2011 | 15:21

@ Fro am 21.08.2011 um 02:28

wg.: "Realitätsbegriff "

genau auf den von Märion verwendeten "Realitätsbegriff" des deutschen kritischen Rationalismus (Positivismus) in Folge von Popper, hier genauer noch der sogenannten schon früher ansetzenden "Anthropologischen Philosophie" bezog ich mich kritisch und dies ist mir keine Geschmackssache , es ist nicht so, dass diese Postionen mir nur "nicht gefielen".

Dein bürgerlicher Feiheitsbegriff, wenn er denn mehr sein sollte als nur Ideologie, wäre in diesem Denkrahmen dann jedenfalls falsch aufgehoben.

Fro 21.08.2011 | 16:34

Mach dir keine Sorgen Uwe, wenn ich einen Denkrahmen benötige (aus denkpraktischen Gründen), so setze ich mir den selbst.

„Bürgerlicher Freiheitsbegriff?“ Damit kann ich nichts anfangen.
Für mich als (naturgegeben) freiheitsliebender Mensch und Citoyen zählen nur die eigenen Erkenntnisse – aus eigener urmenschlicher Erfahrung, und inspiriert vom Außen.
Freiheit ist für mich die Abwesenheit von Fremdbestimmung. Mit Denkmodellen bzw Ideologien würde ich meine Erkenntnisfähigkeit einschränken.
Meine Überzeugung: "Die Vision", nach der wir suchen ist eine urmenschliche, die jeder (nach jeweiligem "Freiheitsgrad") aus sich abrufen kann. Das ist meine große Hoffnung.

Es lebe die beschleunigte Evolution.

Magda 21.08.2011 | 16:51

Ich habe noch einen anderen Eindruck: Jakob Augstein muss - insgesamt - immer Kurs halten: Nicht zu weit in die linke Ecke, ein bisschen aber auch Trend- und Mainstream und nicht aus dem Blickfeld verschwinden.
Er hat wohl auch so etwas mal gesagt: DerFreitag soll nicht zu weit weg vom Ufer,

Und nun waren einige der letzten Beiträge zum Mauerbau recht linkslastig, unkonventionell und - wider den Stachel - geschrieben. Ich denke an den Fülberth-Beitrag. Da droht das "Abtreiben" in eine zu eindeutige Richtung.
Da will er wieder raus, denn das wäre das Ende. Also muss er -energisch - gegenhalten.
So lese ich Teile dieses Beitrages auch. Als - ein bisschen - ein Kurshalte-Manöver.

Dass dann auch noch Seniorenbashing - in Bezug auf die Nachdenkseiten - bei rauskommt, hätte ich nicht gedacht, aber in der Hitze des Gefechts. :-rolleyes
Unter anderen Bedingungen - bei Stephane Hessel - wird dann wieder der Bewunderungsgriffel in Anschlag gebracht. Mit dem Alter sollte man nicht so herumhantieren, finde ich.

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Ehemaliger Nutzer 21.08.2011 | 17:55

Von der Gestalt der künftigen Tragödie wissen wir nichts“ hat Botho Strauß einmal geschrieben. Aber das gilt nicht mehr. Inzwischen können wir uns die Gestalt unserer Tragödie ganz gut ausmalen. Wir müssen nur bei Youtube nachsehen. Die Bilder der riots sind der Vorfilm unserer Zukunft: Der malayische Student Asyraf Haziq Rosli sitzt blutend am Boden, ein paar Jugendliche beugen sich über ihn, zwei helfen ihm auf, während in aller Ruhe der dritte den Rucksack des Verletzten öffnet und ausräumt. Sie lassen den jungen Mann, der sich nicht wehren kann, dastehen. Das ist der menschliche Nullpunkt.

"Menschlicher Nullpunkt", das hat so etwas Ultimates. Tiefer nämlich, sagt der Spruch, geht es nicht mehr in Bezug auf die menschliche Moral. Ach, sage ich mir, wäre doch das Ausrauben eines zeitweilig wehrlosen Menschen das Schlimmste, was Menschen einander antun.
Als ich den Artikel, etwas verspätet, durchlas, fiel mir spontan der "Woyzeck" von Georg Büchner ein, das Gespräch über die Moral zwischen Woyzeck und dem Hauptmann:

HAUPTMANN Woyzeck, Er ist ein guter Mensch, ein guter Mensch - aber ( mit Würde) Woyzeck, Er hat keine Moral! Moral das ist wenn man moralisch ist, versteht Er.
(…)
WOYZECK Wir arme Leut. Sehn Sie, Herr Hauptmann, Geld, Geld. Wer kein Geld hat. Da setz einmal einer seinsgleichen auf die Moral in die Welt. Man hat auch sein Fleisch und Blut. Unseins ist doch einmal unseelig in der und in der andern Welt, ich glaub' wenn wir in Himmel kämen so müßten wir donnern helfen.
(…)
HAUPTMANN Woyzeck Er hat keine Tugend, Er ist kein tugendhafter Mensch.
(…)
WOYZECK Ja Herr Hauptmann, die Tugend! ich hab's noch nicht so aus. Sehn Sie, wir gemeine Leut, das hat keine Tugend, es kommt einem nur so die Natur, aber wenn ich ein Herr wär und hätt ein Hut und eine Uhr und eine anglaise und könnt vornehm reden, ich wollt schon tugendhaft seyn. Es muß was Schönes sein um die Tugend, Herr Hauptmann. Aber ich bin ein armer Kerl.

Ein schön gefülltes Bankkonto bewahrt die meisten vor Diebstahl und Raub. Gut, die Reichen haben ihre eigene Art von Kriminalität. Ein Einbrecher räumt dir schon mal die Wohnung leer, die Bank nimmt dir gegebenenfalls das ganze Haus.

Ciao
Wolfram

Fro 21.08.2011 | 18:11

@Uwe
„Es lebe die beschleunigte Evolution.“ ;-)

„Inspiration vom Außen“: Beiträge – auch deine - gehören natürlich auch dazu – deswegen lese und schreibe ich hier. Ohne deine Antwort an mich wäre ich garnicht auf die Idee gekommen zur beschleunigten Evolution aufzurufen. ;-)

Wenn wir das System für vollkommen daneben halten (was es ja bewiesenermaßen ist) sollte man es sich erstmal in seinen Grund-Strukturen ansehen und schauen was es zu verändern gilt, um hier ein für alle zufriedenstellendes Leben führen zu können. (wobei man Unzufriedenheit, wegen Verlust von einigen Nullen auf dem Kontoauszug, ausklammern muss).
Nie Vergessen: Ziel ist die Selbstbestimmung der Menschen und die Selbstorganisationen. Ein langer Prozess, der natürlicherweise über Demokratie führen muss.
Wenn die Linke ein gutes Werk tun will – im Dienste der beschleunigten Evolution – dann sollten sie dieses Feld mit einem echten demokratischen Feeling als Citoyens voller Enthusiasmus in Angriff nehmen.;-) Alle anderen Demokratieinteressierten natürlich auch.

Columbus 21.08.2011 | 18:43

Das kann stimmen. Augstein wäre doch persönlich zu fragen. Ich komme dafür aber bestimmt nicht nach Berlin!
(;-)).

Was das Seniorale angeht, dachte ich, Augstein meint damit die Ideen und Inhalte, das steife Beharren auf wahrhaftig gescheiterten Vorstellungen und die Sucht, im Stile eines Lehramtes festzulegen, wer überhaupt Linker sein darf und welche Ökonomie sich tatsächlich aus der nun schon mehr als 100-jährigen Weiterentwicklung der Marxschen Basisschriften ergibt (Die so wichtigen Frühschriften, sie tauchten ja editiert erst in den 30er Jahren auf, lasen die 68er zuerst und ohne die ist Marx nur halb verstanden).

Das ist nämlich die andere Seite des Alters, neben der doch auch vorhandenen, vertieften Lebensweisheit (;-)).

Ich schildere ´mal ein anderes Beispiel, hier aus dem dF. Da gibt es einen regelmäßigen Autoren, der von der Reformpädagogik rein gar nichts hält und die Plagiaterechercheure jüngst als Kleinbürger abqualifizierte. - Passt mir nicht, mag ich nicht, dabei wird mir übel.

Allgemeiner: Augstein verteidigt hier gerade nicht Camerons Antwort (Dreizehn), sondern betont, dass auf der Rechten und der Konservativen politischen Agenda schon jene Leute mit den Hufen scharren, die sich, populistisch und durch Wahlen gestützt, im Zeichen der Krise und der Stadtkrawalle über alles Abweichende und Andere, die Fremden und über die Rede- und Schreibfreiheit her machen wollen. - Ich versichere und glaube, diese Leute bringen schneller Massen hinter sich, als Linke ihre Streitereien und den Starr-Blick auf die kommunistische Vergangenheit ablegen.

Leseerfahrungen könnten ein wenig helfen, die Urteile stärker auf den Kern der Sache zu konzentrieren. Ich empfehle James Baldwins "The fire next time" von 1964 und für die globale Situation die Texte Frantz Fanons.

Die Sozialdemokratie hinterlässt eine Leerstelle und intellektuell wie pragmatisch gelingt es bisher keinem Linken, keiner linken Gruppe, keiner Partei, diese Leere öffentlichkeitswirksam zu füllen.

Ich sage, wenn das so anhält, okkupiert diesen Raum die Rechte. Leider tritt dieses Phänomen nicht nur Deutschland auf, sondern hat seine stärkste Ausprägung bei unseren direkten und indirekten EU-Nachbarn, z.B. in Ungarn oder zunehmend in der Slowakei, aber vor allem in den Benelux-Staaten und im doch eigentlich sozialdemokratisierten Norden Europas.

Meinen Argument-Teil zur gewissen Blindheit Augsteins für die medialen (Hinter)Gründe dieser Linksschwäche hatte ich oben schon angefügt.

Auch Botho Strauß´ Feststellung wird hier nicht zustimmend, sondern als mittlerweile widerlegt zitiert! Jeder kann das oben nachlesen. Ich glaube ja, dass Jakob Augstein sich eines Artikels von Reinhard Mohr erinnerte, der das 1999, fast schon eine Ewigkeit ist es her, in seiner Beschäftigung mit Strauß, Sloterdijk und Martin Walser im Spiegel dazu schrieb ( www.spiegel.de/spiegel/print/d-14839723.html ).

Zuletzt: Einst wussten sogar Zentrumspolitiker wo die Totengräber der Demokratie her kamen. Hessel weiß das ganz sicher.

Liebe Grüße
Christoph Leusch

Märion Es 21.08.2011 | 18:48

Vorab: Ihre Kenntnis der jüngeren Philosophiegeschichte in allen Ehren, mit ihrem profunden Wissen und ihrer eigenen Praktik, in systematischer Weise an marxistische Positionen anzuschließen, sollten Sie mir jedoch gestatten können, die Philosophische Anthropologie ebenso als systematischen Ausgangspunkt für meine Überlegungen zu nehmen, ohne mich gleich in eine rationalistische Ecke zu schieben. (Ich "verunglimpfe" sie ja auch nicht als verkappten Hegelianer, nur weil Marx methodisch (!) an Hegel anschließt.)

Und mit Verlaub, die dem historischen Materialismus innewohnende dialektische Methode schließt mitnichten einen solchen Dogmatismus aus, den ich Ihnen vorwerfe. Eine inhärente Struktur der grundsätzlichen Widersprüchlichkeiten, die den Umfang der menschlichen Natur und des natürlichen Menschen voll abzudecken im Stande sich begreift, bietet noch lange keine politische Offenheit in meinem (oben) geforderten Sinne.

"Individualität ist eben keine individuelle, sondern eine gesellschaftlich-historische. Deshalb setzt linke Politik tatsächlich an der Gesellschaft an und kommt beim einzelnen Menschen an." schreiben sie in ihrem Blogbeitrag zum Thema "links sein" und sprechen gleichzeitig davon, kein festgelegtes Bild vom Menschen zu haben, das es durch politischen Einfluss anzupassen oder vielmehr "einzuhegen" gilt. Das Problem ist nur, dass der westliche Mensch sich, zumindest gegenwärtig, als individualistisch-individuell begreift. Wie gedenkt man dann, die Selbsterkenntnis des Menschen zu befördern, dass er sich als individuelles Gesellschaftswesen begreifen sollte?

Zudem muss ich gestehen, dass ich ihren Ausführungen im dritten Absatz ihrer letzten Replik nicht ganz folgen kann. "[W]as [ich] so de fakto als Schwäche zu entlarven suche[...]", betrifft die fehlende Programmatik der skeptischen Linken, zu der sie sich überhaupt nicht zählen wollen. Schließlich stehen sie auf festem, wenn auch dialektischem Grund. Die beschriebene Stärke derer, die "im Zweifel links" sind, hebt diese dagegen auch und gerade von der "echten" Linken ab, die vielleicht fester im Sattel sitzt, deswegen gegenwärtig politisch nicht besser gewappnet ist. (Ihrer "echt-linken" Position würde ich die politische Handlungsfähigkeit mitnichten absprechen wollen, nur deren Konsequenzen scheuen.)

Zuletzt schreiben sie von "ganzen Debattensträngen der neueren Linken", die sie auszuweisen sich nicht bemüßigt fühlen. Ich bin möglicherweise zu stark dem "interessierten Nichtwissen" anheimgefallen, sodass mir die neuesten kapitalkritisch-fruchtbaren Ansätze entgangen sind. Vielleicht meinen sie die durchaus interessanten Exkurse in die Gefilde des Anarchismus. Das oder anderes müssten Sie mir schon mitteilen.

Wie auch immer, einer vereinfachenden, weil journalistischen Bilanzierung im Sinne der Ausführungen Jakob Augsteins muss man nicht unumwunden zustimmen. Insbesondere sind auch einzelne Aussagen durchaus diskutabel (und für manchen indiskutabel). Ich habe hier lediglich den Versuch einer Systematisierung zu einem skepitizistischen Humanismus unternommen, der mir aus Erfahrung/Vernunft (miteinander und gegeneinander, insofern auch von einer dialektischen Methode geprägt) angebracht erscheint.

Uwe Theel 21.08.2011 | 20:56

@ Märion Es 21.08.2011 um 16:48

Für das Lob (Links)Hegelianer zu sein würde ich mich bedanken, denn nur wer - neben anderen - Hegel verstanden hat, wird Marx verstehen können.

Hegel Methode der Dialektik (Logik) ist, vom Kopf auf die Füße gestellt, uneinholbar.

Was deren Sicherheit vor wirklichen, d.h. folgenreichen Fehlern für gesellschaftliche Praxis sei, habe ich mit einem vorsichtigen "kann" nicht mit einem unbedingten "hat" beschrieben. - Menschen können irren.

Sie schreiben sehr richtig "Das Problem ist nur, dass der westliche Mensch sich, zumindest gegenwärtig, als individualistisch-individuell begreift." und beschreiben damit dassselbe was linke Theorie als z.B. "bornierten Bourgoies" bezeichnet.

Ihre Frage "Wie gedenkt man dann, die Selbsterkenntnis des Menschen zu befördern, dass er sich als individuelles Gesellschaftswesen begreifen sollte?" haben europäische Aufklärung und der modernen Emazipationsanspruch, der ohne Marxens Kritik der "Deutschen Ideologie" und der "Politischen Ökonomie" nicht wirklich denkbar wäre, seither zu beantworten versucht.

Es würde diesen Blog sprengen, diese Geschichte weltweit zu erzählen, sie wird Ihnen bekannt sein, daher wundert mich die Frage in dieser Absolutheit. Sie beantworten Sie dagegen selbst pauschal "skeptisch", geben selbst keine Gründe dafür, verlangen aber von mir konkretere angaben zur Theoriebildung der neueren Linken.

Ich glaube nicht dass ich Ihnen jetzt hier Links setzen muß, die die Foren und Publikationen dieser Debatte erst erschließen müßten. Daß Die Lehrstühle deutscher Universitäten zu diesem Feld rar geworden sind, ist so wahr, wie bedauerlich. Aber ich nenne nur mal den Prof. Butterwegge in Köln.

Zu Ihrem Verstännisproblem:

Sie unterstellen der Linken eine "vorgebliche pragmatische Alternativlosigkeit" als "Stärke, den toleranten Pluralismus der Ideen und Gegenideen, des Probierens und Scheiterns, aus(zu) spielen".

Dieses Argument ist in zweifacher Weise vergiftet: Es unterstellt der Linken nur vorgeblichen Progmatimus, was heiß in Wahrheit zielte sie mindesten einen "(gewaltsam) Revolution" an und auch die Werte einer freiheitlichen Gesellschaft, die Sie aufzählen würden für die Wähler nur gespielt.

Da sind Sie nun aber aber wirklich in der Erklärungsnot.

Schließlich: Ich habe Sie nicht in die "rationalistische Ecke gestellt". Sie selbst haben sich in eine philosophische Tradition gestellt, die - zugegeben - traditonell von links kritisiert wird. Sie selbst nannten Luhmann als neuesten Vertreter dieses Strangs. Luhman ohne Popper und ohne die Substanz des Positivsmusstreits in der deutschen Soziologie (Habermas) zu denken wäre mindestens Ignoranz. Ich will gerne zugeben, dass der Rationalismus Poppers nicht identisch ist mit dem Konstruktivismus Luhmanns, ob dies aber im Hinblick auf linke Kritik der Erkenntnistheorie und gesellschaftlicher Praxis einen entscheidenden Unterschied machte, möchte ich bezweifeln.

P.S.: Warum fühlen sie sich beschimpft, wenn ich Sie als in der Tradition der antropologischen Philsophie, des kritischen Rationalismus oder der konstruktivistischen Systemtheorie sehe, zu der sie sich selbst bekannten?

Columbus 21.08.2011 | 20:56

ad nil schrieb am 20.08.2011 um 23:14:

Gut zitiert, Nil, und so weit wahrhaftig, um so manche Verwirrung im Urteil zu erkennen.

Mir scheint es jedoch so, als hätten die ganz strammen Kenner einer Zukunft mit Marx im Tornister eben nur den Unterleib oder nur den Kopf von Marx vom Schuttplatz der Geschichte gerettet und eingepackt. Dabei waren einige in den sechziger und siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts schon weiter.

Eros und Zivilisation gehören dazu, wie Rudolf Bahros Überlegungen zur Stellung der Arbeit. Die Erfahrung der Befreiungstheologie, die Jesus als ewiges Symbol für "Ecce homo" unter uns treten lässt, genau so, wie die Beschreibungen des Kolonialismus und Imperialismus Frantz Fanons. Rudi Dutschkes Versuch bei den Grünen heimisch zu werden gehören hinein, wie die zeitlich späte Abwendung des SPD-Vorsitzenden Oskar Lafontaine von seiner Partei. - Marx ist nicht Marxismus. Weder mit Marx, noch mit Nietzsche lässt sich der Gulag oder das KZ erklären. Dafür aber mit den schrecklichen Vereinfachern, vor denen Marx und Nietzsche immer warnten.

Eine Gefahr lauert hinter jedem "Ismus", besser gedeutet als Isthmus, Engführung, Engstelle. Allzu häufig erwies sich das reale Ergebnis der gigantischen Ausprobens, sei es materialistisch oder idealistisch, oder vorgeblich neutral, als größere Katastrophe, verglichen mit dem je überwundenen oder überwunden geglaubten Gesellschaftsmodell.

Die eigentliche Bedrohung derzeit stammt aber nicht von erklärten Ideologen, sondern von jenen, die behaupten, sie kämen ohne Ideologie, ohne Ethik und ohne Grundsätze aus und hielten sich nur an Realia und Realitäten, und erzielten doch damit die größten Erfolge. Selbstbetrachter, die gerne der Multitude anempfehlen, es doch genau so zu machen, wie sie selbst.

Herr Heinrich führt am Ende des Threads mit dem Stückchen aus dem Wozzeck ein Exemplar an. Was schert es den Hauptmann, wenn die Rumfordsche Suppe für einen Haufen armer Schlucker nicht einmal das Überleben sichert. Der einzige Gedanke ist dann, wie man an so einem Volk noch ein wenig experimentieren kann. In den Gedanken dieser Leute ist solches Volk Material und nicht Persona dramatis eines zahlreichen und regelmäßigen "Pretty Woman"-Märchens. Einfacher gesprochen droht, einmal wenigstens vom Geschlecht befreit, einer solchen, medial schon beständig so angesprochenen Mehrheit die Besenkammer, die ungewollte Dienstleistung, das Bereit sein auf Abruf und der alltägliche Verbrauch.

Scheinvorteil derzeit: Man braucht dafür keinen großen Krieg, keine strengen Lager und erstaunlich wenig Wachpersonal, weil sich der Prozess so schleppend hin zieht.

Dawei, dawei
Christoph Leusch

Uwe Theel 21.08.2011 | 21:27

@ Angelia schrieb am 21.08.2011 um 11:14

Huih, huih,

spannende Angebote, da stehe ich grundsätzlich zu Verfügung, obwohl das Lesepensum sicher zeitintensiver, wenn auch sicher spannender als C.R. wäre.

Am Ende machen wir hier mit "Marx gegen Popper" den ersten Positivismustreit in der freitag-Sozoilogie :-)?

Ach so, wesentlich: Du schriebst:

"Ich behaupte, das Kapitalgesetz kann nicht unabhängig vom Menschen als kleinste aber wirkungsvollste Einheit eines Systems wirken. Sowohl der Begriff Kapital als auch System sind lediglich abstrakte Begriffe, die bei der modellhaften, d.h theoretischen Abbildung der Realität zwar hilfreich sind.
Systeme an sich haben kein vom Menschen unabhängiges Wesen. Insofern sind sie weder geschlossen noch nicht veränderbar".

da halte ich Dir Marx selbst entgegen:

Die Individuen sind immer und unter allen Umständen von sich ausgegangen, aber da sie nicht einzig in dem Sinne waren, daß sie keine Beziehung zueinander nötig gehabt hätten, da ihre Bedürfnisse, also ihre Natur, und die Weise, sie zu befriedigen, sie aufeinander bezog (Geschlechtsverhältnis, Austausch, Teilung der Arbeit), so mussten sie in Verhältnisse treten.

Da sie ferner nicht als reine Ichs, sondern als Individuen auf einer bestimmten Entwicklungsstufe ihrer Produktivkräfte und Bedürfnisse in Verkehr traten, in einen Verkehr, der seinerseits wieder die Produktion und die Bedürfnisse bestimmte, so war es eben das persönliche, individuelle Verhalten der Individuen, ihr Verhalten als Individuen zueinander, das die bestehenden Verhältnisse schuf und täglich neu schafft. …

Es stellt sich hierbei allerdings heraus, daß die Entwicklung eines Individuums durch die Entwicklung aller anderen, mit denen es in direktem oder indirektem Verkehr steht, bedingt ist, und daß die verschiedenen Generationen von Individuen, die miteinander in Verhältnisse treten, einen Zusammenhang unter sich haben, daß die Späteren in ihrer physischen Existenz durch ihre Vorgänger bedingt sind, die von ihnen akkumulierten Produktivkräfte und Verkehrsformen übernehmen und dadurch in ihren eigenen gegenseitigen Verhältnissen bestimmt werden.

Kurz, es zeigt sich, daß eine Entwicklung stattfindet und die Geschichte eines einzelnen Individuums keineswegs von der Geschichte der vorhergegangenen und gleichzeitigen Individuen loszureißen ist, sondern von ihr bestimmt wird. (aus:. K. Marx, Deutsche Ideologie, MEW 3, 423.)

und ich muß Dich nicht erinnern, dass die "theoretischen Abbildungen der Realität zwar hilfreich sind", sein können, aber als "Überbau" doch immer nur die Erklärungen der Welt sind, die aus der Basis den wirklichen gesellschaftlichen Verhältnissen, realiter ableitbar sind und dies kann im Zweifelsfall blanke Ideologie sein.

LG
Uwe

Fro 21.08.2011 | 21:28

Hallo JA,

Sie haben eine schlaue Community - FCler mit unterschiedlichem Wissen und Talenten - falls sie eine Frage haben, auf die Sie selber keine Antwort wissen, fragen sie einfach Ihre FC. Was Sie da mindestens erhalten werden, sind Inspirationen.

„Ich sehe keine Alternative zum Streit und zum Argument. Und zwar zum dauernden. Das ist das einzige, was uns alle retten kann: Der Streit. Denn damit bleibt alles immer durchlässig und in Bewegung und hinterfragbar von jedem jederzeit.“

Wenn Sie damit meinen, das alles stets einer Hinterfragung und einer öffentlichen Kontrolle ausgesetzt sein muss – so lese ich es - dann stimme ich Ihnen zu. Das erwarte ich von einer schlauheitsverpflichteten Demokratie. So muss es sein.
Nur sollten Diskurse natürlich ergebnisorientiert sein – also konstruktiv – das Optimum anstrebend. Raus aus dem Anklagen des Systems, hin zur Realisierung einer echten Demokratie, intelligenter Lösungen, und Anhebung des allgemeinen Schlauheitspegels – also Aufklärung. Das Grundgesetz fordert die Verwirklichung einer „Sozialen Demokratie“ - natürlich im besten Sinne der Worte. Wir haben hier und heute das gleiche Problem wie die ehemaligen DDRler: Der Name einer guten Idee wird von ein paar eigennützigen Interessensgruppen aufs Schändlichste missbraucht.
Aktuell sehe ich allerdings auch die Aufgabe, die weitere Enteignung der europäischen Bürger zu verhindern, und das Lügenspiel „unserer“ Regierung aufzudecken.

poor on ruhr 21.08.2011 | 22:27

@JA

...und was soll das alles heissen?

...doch SPD oder Grüne oder FDP oder CDU wählen?

....das mache ich jedenfalls nicht!!!

...oder sind die o.g. Kürzel die Neoliberalen, die ihren Platz auf dem Scherbenhaufen der Ideologien neben den Linken einnehmen können?

Hier ist JA meines Erachtens erstaunlich unklar geblieben.

Mit den o.g. Kürzeln (SPD u.s.w.) gibt es jedenfalls auch nur für die Leute, die Geld haben , was mitzubestimmen.

Die Neoliberalisierung der BRD hat das gezeigt!

Wirkliche Demokratie sieht anders aus.

Die Linke hat auch aus meiner eignen Kenntis unheimlich viel Kritik verdient , aber sie nur runterzumachen ist aus meiner Sicht keine angemessene Antwort.

claudia 21.08.2011 | 23:15

@por:
Grundsätzlich: Wahlen sind ein Vorgang innerhalb des Herrschaftssystems und können es nicht durch Neues ersetzen.

>>Die Linke hat auch aus meiner eignen Kenntis unheimlich viel Kritik verdient , aber sie nur runterzumachen ist aus meiner Sicht keine angemessene Antwort.
Unquafiziert "runtermachen" tun politische Gegner und sie wissen warum.

Mit inhaltlicher Kritik kann ich hingehen und sagen, was ich denke und was ich will. Auch als Nichtmitglied. (Hab als Solches halt kein Stimmrecht.)
Das heisst konkret: Als neulich Klaus Ernst in München war, hab ich das Mikrofon genommen und mit den üblichen 3 min Redezeit gesagt, was ich zu sagen habe.
Das hab ich auch schon bei Bundestagsabgeordneten der Linken gemacht.
Und festgestellt, dass ich von Mitgliederversammlung Beifall bekomme, wenn auch nicht von Allen.

So kann man ein bisschen mit "Demokratie" experimentieren.
Hier, wo es die Gemeinten wahrscheinlich nicht lesen werden ist das unproduktiv.

Wiesengrund 22.08.2011 | 00:01

Die sozialen Unruhen in England waren die Erinnerung daran, dass erstens die Einrichtung der Gesellschaft für viele Menschen unbefriedigend und zweitens eben gegenwärtig diese Menschen nichts zurück hält, mit jener Einrichtung brandheiß umzugehen: Das Feuer erscheint demzufolge als Gedächtnishilfe an das Verkrustete, alle dunklen, unterbelichteten Randbrutalitäten, welche die Politik der Kapital(zuge)hörigkeit jahrelang gelassen vorbereitet hat. Und daran ent-scheidet sich auch die Bestimmung des Wörtchens ››links‹‹, denn was anderes könnte dies weniger bedeuten, als die gesellschaftliche Frage in den Mittelpunkt zu rücken? (Günter Gaus) – Man könnte es auch historisch-kritisches Denken nennen, und gesellschaftliches Denken widerum muss ein bewegliches Denken sein, weil Gesellschaft kein Fixum ist, was jede Form eines dogmatischen Imperativs verunmöglicht. Wer deshalb das humane Wesen der Moral im Parlament verortet, hat schon verloren! Will heißen: „Suspekt ist nicht die Darstellung der Wirklichkeit als Hölle, sondern die routinierte Aufforderung, aus ihr auszubrechen“ (Adorno). Darüber hinaus sind Konvertiten meist die militantesten Akteure; weil der Horizont für die eigene linkslibertäre Gesellschaftsanalyse die endlich auch einmal Ansagen zulässt, was man tun soll, düster aussieht, kippt die gepflegte Sympathie in fundierte Opposition. Das ist ein psychosozialer Anfängerfehler.

Dreizehn 22.08.2011 | 00:16

Damit Sie vor Augen haben, auf welchen Teil Ihres obigen Kommentars ich mich beziehe - Sie behaupten: "Augstein verteidigt hier gerade nicht Camerons Antwort (Dreizehn), sondern betont, dass auf der Rechten und der Konservativen politischen Agenda schon jene Leute mit den Hufen scharren, die sich [...] im Zeichen der Krise und der Stadtkrawalle über alles Abweichende und Andere [...] her machen wollen."

Die Zeilen aus Augsteins Text sind für Sie direkt über diesem Text bereits eingegeben. Vergleichen Sie ruhig sorgfältig und prüfen Sie, ob Augstein Cameron hier verteidigt bzw. sich auf dessen Seite stellt oder - Ihre Lesart - ob er ihn "gerade nicht" verteidigt.

Mich würde interessieren, zu welchem Resultat Sie Ihre eingehende Prüfung führt.

Magda 22.08.2011 | 00:21

"Was das Seniorale angeht, dachte ich, Augstein meint damit die Ideen und Inhalte, das steife Beharren auf wahrhaftig gescheiterten Vorstellungen und die Sucht, im Stile eines Lehramtes festzulegen, wer überhaupt Linker sein darf und welche Ökonomie sich tatsächlich aus der nun schon mehr als 100-jährigen Weiterentwicklung der Marxschen Basisschriften ergibt"

Ach, das ging nur gegen die Nachdenkseiten und d war das mit den Senioren gerade zur Hand.

SozialePlastik 22.08.2011 | 00:51

1947 war noch ein zweiter verlorener Weltkrieg notwendig, damit
Konservative öffentlich eingestehen, dass mit der kapitalistischen
Gewaltherrschaft etwas nicht stimmt.

"Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und
sozialen Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht
geworden. Nach dem furchtbaren politischen, wirtschaftlichen und
sozialen Zusammenbruch als Folge einer verbrecherischen Machtpolitik
kann nur eine Neuordnung von Grund aus erfolgen. Inhalt und Ziel
dieser sozialen und wirtschaftlichen Neuordnung kann nicht mehr als
das kapitalistische Gewinn- und Machtstreben, sondern nur das
Wohlergehen unseres Volkes sein. Durch eine gemeinwirtschaftliche
Ordnung soll das deutsche Volk eine Wirtschafts- und Sozialverfassung
erhalten, die dem Recht und der Würde des Menschen entspricht, dem
geistigen und materiellen Aufbau unseres Volkes dient und den inneren
und äußeren Frieden sichert."
- aus dem Ahlener Programm der CDU vom 3. Februar 1947

im übrigen empfehle ich die soziale dreigliederung nach r. steiner...

tlacuache 22.08.2011 | 00:53

So so,
Claudia,
du weisst ja, ich bin mit Dir auf einer Linie,
aber "...hab' ich das Mikrofon genommen und mit den üblichen 3 min Redezeit gesagt, was ich zu sagen habe... Und festgestellt, dass ich von Mitgliederversammlung Beifall bekomme, wenn auch nicht von Allen..."
Also mal ein bisschen "Speakers’ Corner im Hyde Park".
Dumm nur, dass dieses ja mal gar nicht funktioniert hat, so seit 1872, jetzt haben wir ja den olympischen Fackellauf in London.
Die "Experimentierzeit" von Demokratien sind bald abgelaufen, meiner bescheiden Meinung nach.
Man kann von einem Volk von Strohköpfen (RTL, SAT1, Pro Sieben) eben nicht viel erwarten. Bei Murdoch noch weniger, "Welcher Zuchthengst besteigt bald die königliche Prinzessin" etc. etc. etc.

Angelia 22.08.2011 | 01:12

ähmm Uwe, im Grunde bestätigt Marx aber doch meine Kernaussage die da lautete:
"Systeme an sich haben kein vom Menschen unabhängiges Wesen." eben wegen der auch von Marx beschriebenen Wechselwirkungen.
guckst du auch hier: Systeme

Marx gegen Weber könnte insofern spannend werden, da hier mit einigen marxistischen Mythen der Vorteile des Sozialismus gegen den Kapitalismus aufgeräumt werden würde.

Toller Aufsatz dazu, heute gelesen: Weber zum Sozialismus

laubfrosch 22.08.2011 | 01:42

hallo jakob, grüße sie herr augstein

"Gibt es da irgendetwas zu gewinnen, wenn man sich mit diesem Irrsinn solidarisiert?"

nein.
aber es gibt ein linkes lager zu verteidigen welches in der essenz nicht kritikfähig ist, welches in der essenz von der existenz des kapitalismus lebt, und das ganze noch aristokratisch von gottes gnaden mit später geburt.

manche linke meinen dass ihnen mehr zusteht als ungebildeten fidschies, polen oder chinesen, weil sie im land des begabten maschinenbaus geboren wurden ohne technisches studium.
genau so wie manche von frau merkel erwarten natürlich panzer nach saudi arabien zu verkaufen weil das geld für krauss-maffei geld auf deutschen arbeiterkonten bedeutet.

am ende ist das die gleiche braune soße und herrendenken, egal welcher couleur ...

die linken haben nicht begriffen, werden auch nicht begreifen wollen, dass jede ehrliche gerechtigkeit sie ihrer eigenen pfründe beraubt.

da macht man dann lieber geistig moralische verrenkungen als ein einziges mal zuzugeben dass man extrem privilegiert ist.
wer das zugibt muß ja verzichten können ...

dazu ist weder rechts noch links bereit, daher gibt es auch keine bewegung, in deutschland im gesamten okzident.
der graben verläuft zwischen nord und süd !

alle wissen wie der hase läuft, aber genau deshalb ist das komplett tabu ...

shit ...
ich höre mich an wie ein schreiberling aus dem kopp-verlag, ich weiß, aber was tun ?
die götter sind besoffen ...

gruß laubfrosch

Columbus 22.08.2011 | 02:01

Nein, selbstverständlich lese ich das nicht anders, Dreizehn.

Aber dieser erste Satz und die Wertung "richtige Worte", sind doch völlig neutral. In diesem Satz steckt nämlich nicht ein Wort, das Sie, ich oder Herr Augstein, nicht auch gesagt hätten.

Allerdings braucht ein Erzkonservativer Tage dafür und wir hätten doch so etwas eine Stunde nach den Krawallen und Plünderungen im TV verkündet, wären wir an Camerons (oder ein paar Monate früher, an Blairs) Stelle.

"Soziale Probleme, die sich seit Jahrzehnten entwickelt haben,...." - Nach der Theorie des unangreifbaren und unwiderlegbaren Neoliberalismus und Kapitalismus dürfte es das gar nicht geben, weil die Effizienzleistung dieses Systems in seiner Selbstbeschreibung einfach so furchtbar überlegen ist. Auch Hungersnöte und Waffenhandel, Failed states, sinkende Realeinkommen, sinkende soziale Absicherung und Terrorismus dürften nicht existieren, weil die haushohe Überlegenheit des Kapitalismus dies gar nicht zulassen darf. So war die Rhetorik noch zu Zeiten des kalten Krieges und später im Ost-West Konkurrenz-Gegenssatz, ein Echo und eine Entsprechung der Gegenseite.

Nun kommt doch vielleicht der Gedanke, dass solche Sätze aus den Mündern der Stockkonservativen sehr ähnlich den Sätzen klingen, die Jahrzehnte lang auf realsozialistischen Parteikongressen herunter gebetet wurden.

Diese Ähnlichkeiten in der üblichen Rhetorik, die FAZ, die Welt, die ZEIT und die Süddeutsche sind jede Woche, wenn auch mit feineren Formulierungen, voll davon, noch mehr jedoch der Neusprech von Schröder, Fischer bis Angela Merkel und Guido W., sind doch vollkommen ähnlich.

Im Web gibt es bei Phoenix eine Aufzeichung des Presseclubs aus Köln vom Sonntag. Da kann man einer Fach-Journalistin und dreien ihrer Kollegen bei der Verfertigung solcher Gedanken zusehen.

"Die Menschen sind glücklich im K. (Kapitalismus) und K. (Kommunismus) Reich, der Plan (Exportüberschuß) wird jedes Jahr übererfüllt, Rückschläge machen uns nur stärker (Gestärkt aus der Krise. Nur wer wird da befördert?), ihr müsst schon glücklich sein, dass es auf unserer Insel der Seligkeit nicht zugeht wie,...." Mit diesem Mist füllen uns doch täglich die Medien und die Politiker ab und dafür werden sie gekauft, eingeschaltet und auch gewählt. Die meisten Leute lesen nicht den dF sondern BILD, ZEIT, Spiegel, FAS und FAZ und ihre erste und zweite Wahl sind ARD und ZDF, nicht Arte oder Kluges dctp, auch nicht die Nachdenkseiten.

Ich bin jetzt bewusst etwas pauschal und oberflächlich und rede immer von "Die, die, die", weil ich zu müde bin.

Aber der zweite Bezug auf Cameron enthält den Teil, der hier auch im Verhältnis Kapitalismus und die Demokratie geht den Bach runter, ganz wichtig ist!

Cameron greift zur üblichen Methode. Er droht eben mit mehr Überwachung, harten Strafen und der schwachsinnigen Webkontrolle. Herr Augstein schrieb dafür eine passende Wertung, fand ich.

Woran liegt es aber, dass ihm seine Zitate, auch das aus den Bocksgesängen des B.Strauß als Zustimmung ausgelegt werden, das ist hier die Frage?

Liebe Grüße und gute Woche
Christoph Leusch

Joachim Petrick 22.08.2011 | 02:02

@Tomcat

"Moment mal, wer hat den die US Marines zu Paaren getrieben? Das waren die Somalis selbst! Die wollten keine fremde Einmischung. "

Die Marines sind nicht zu Paaren getrieben worden, sondern in Hinterhalte geraten.

Wenn Sie 100 Hanseln mit Klschnikows, UZise sehehn, sind die für Sie as Volk dr Stämme der Somalis?

"Außerdem gehören Waffen am Horn von Afrika quasi schon aus Folkloregründen dazu. Wer ein dort als Mann ernst genommen werden will, hat eine AK oder sowas in der Art daheim."

ist das ein Plädoyer für den Waffenhandel überhaupt, soders in Krisen- , gar Kriegsgebiete?

Joachim Petrick 22.08.2011 | 02:54

Lieber Jakob Augstein,
Sie schreiben:
"Der Westen erlebt sein soziales Fukushima. Die Gerechtigkeit steht auf dem Spiel. Wer wird siegen: die Demokratie oder der Kapitalismus?"

Ein Fragezeichen am Ende eines Satzes, was ich übrigens auch gerne praktiziere, zielt noch auf keine klarumrissene Frage, insbesondere, wenn in dem Satz bereits "erfundene Gegensätze"als historisch unumstössliche Antagonismen eingeführt sind, die grundsätzlich immer und immer wieder in Frage gestellt gehören.

Dass Sie zu dieser indirekt herausfordernden Fragestellung ermuntern, erkenne ich in diesem Artiklel als Ihren Verdienst und greife mit meiner folgenden Frage den Ball gerne auf:

"Sind Demokratie und Kapitalismus systemrelevant notwendige Antagomismen?, wenn ja, wie lange noch? oder ist die Demokratie ein Wachstumsmotor für den global aufgestellten Kapitalismus, wie umgekehrt, ist der Kapitalimus selber ein Motor für die Finanzierung der Entwicklungen von lokal und global aufgestellter Wirtschafts- Demokratie?, wenn ja, trifft das besonderrs auf Gesellschaften zu, denen der Wachstumsmotor "demografischer Faktor Bevölkerungszuwachs" abhanden kommt?"

Bisher leidet und krankt unsere Zivilgesellschaft auf dem Wege zur Demokratie an ihrer Unterfinanzierung.
Unsere Parteien sind vielleicht hinreichend über das Parteienfinanzierungsgesetz finanziert.
Unsere Zivilgesellschaft kennt auf kommunaler, städtischer, landes- , bundes- und europäischer Ebene nicht einmal so ein Finanzierungsgesetz nach Art der Parteien für sich, nicht für Bürgerinitiativen, Bürgerforen, Bürgerbeteiligung, Bürgerinformationskampagnen?
Zu solcher Finanzierung der Zivilgesellschaft könnte es gehören, der Bevölkerung ein personenbezogenes Budget zu sichern, das geeignet ist, sich nach eigener Wahl, u. a. ein Meinungsmedium wie der Freitag im Abonnement, die Mitgliedschaft in einer Kirche, einer Gewerkschaft, einer Partei, einem Sport- , Kulturverein, leisten zu können.

Da appelliere ich ganz an Ihr persönliches Engagement als Eigner des Freitag, der Finanzierung unserer Zivilgesellschaft ihr redaktionelles Wort in Serie zu spenden.

Die Norweger/innen sind da zur Zeit als Scheichs des Norden in Sachen Gas und Öl monetär in einer weitaus komfortableren Situation bei der Entwicklung und Verstetigung ihrer Demokratie als wir hier in Deutschland.

Angesichts einer sogenannten rechtspopulistischen Fortschrittspartei im Osloer Palament ist das alles an Demokratieentwicklung in Norwegen aber auch nicht vor Rückschlägen gefeit und wirklich sicher.

tschüss
JP

Joachim Petrick 22.08.2011 | 04:04

Lieber Jakob Augstein.

Sie schreiben:

"Und da wüßte ich unsere Zukunft gerne in besseren Händen als in denen der sozialistischen Senioren-Selbsthilfegruppe .....,,"

Es gibt viele Arten den Zeitgeist verrätselt und verschleiert zu adeln.
Eine solche Art ist es, einem Meinungsmedium, wie die NachDenkSeiten, die keine Kommentarleisten zu Artikeln von Albrecht Müller, Wolfgang Lieb u. a. kennt, den Status einer Selbsthilfegruppe zu attestieren.

Da bin ich mir, anders als Sie, nicht so gewiss.

Als Kollateralgewinn Ihres kleinen Hiebs gegen die NachDenkSeiten nehme ich zur Kenntnis, dass der Freitag, anders als ich lange hier und da irrtiert gemutmaßt, nicht mit den NachDenSeiten unter einer Geschäftspartner Decke steckt.

In diesem Sinne gut gehiebt.

tschüss von der Waterkant
JP

Uwe Theel 22.08.2011 | 14:33

@ Joachim Petrick schrieb am 22.08.2011 um 00:54

Deinen Fragen sind pompöser, als Ihr Gehalt rechtfertigt.

Du schreibst selbst:

Bisher leidet und krankt unsere Zivilgesellschaft auf dem Wege zur Demokratie an ihrer Unterfinanzierung.

Dein Wort Unterfinanzierung, beschreibt das Phänomen, das sich aus "Überproduktion", "Mehrwertabschöpfung (Privateigentum an Produktionsmitteln)" und "Tendenziellem Fall der Profitrate" direkt ableiten läßt. Diese lassen sich abkürzen zu "Kapitalgesetz", also Kapitalismus.

Dass Du noch fragen mußt, ob der mit Demokratie, das heißt Teilnahme des Volkes unter gleichen Bedingungen an der Gestaltung des Gemeinwesens in Menschenwürde und Freiheit zusammengehen kann, zeigt nur, dass Du hoffnungslos dem sozialdemokratischen Einhegungsgedanken der Sozialdemokratie verhaftet bleibst.

Kapitalismus in der ihm immer innewohnenden Krise ist der Tod der Demokratie.

claudia 22.08.2011 | 15:10

@tlacuache:
>>So so
ja ja.

Dass nur eine strenge "Diktatur der Venunft" unsere immer drängender werdenden Probleme lösen kann, befürchte ich.

Dikaturen sind selbstrefentiell. Nach ihrer Machtergreifung beschäftigt sich eine Diktatur, sei sie auch noch so gutwillig angetreten, bald mehr mit dem Machterhalt als mit der Lösung von Problemen und gesellschaftlicher Weiterentwicklung.

Deswegen hoffe ich, dass mit der Zeit die Normdebilität, verursacht durch das Machterhaltungsstreben unserer akuten Diktatur, durchbrochen werden kann und mehr SelbstBEWUSSTsein bei Untertanen entwickelbar ist.
Die Hoffnung kann sterben, aber sie stirbt zuletzt.

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Ehemaliger Nutzer 22.08.2011 | 15:37

Der Leitartikel von Jakob Augstein gehört wieder mal zu denen, die meinen Konsens mit dem politischen Standort des "dF" gefährden.

>>>Die Neoliberalen können jetzt neben den Linken ihren Platz auf dem Scherbenhaufen der Ideologien einnehmen. ....Sie kranken seit jeher daran, dass sie die Idee der Gerechtigkeit nicht mit der Idee der Freiheit verbinden können.

Von welchem Standort aus kann Herr Augstein denn diesen Satz schreiben. Vom Standort des "Parlamentarischen Systems" aus? Was meint er denn damit? Die politischen Kalkulationen der parlamentarischen Geschäftsführer? Die Verquickung der parlamentarischen Kommisionen mit den jeweils finanziell am besten ausgestatteten Lobby-Organisationen?

Es gibt kein abstraktes "Parlamentarisches System", es gibt nur ein tatsächliches "Parlamentarisches System". Wenn sich Herr Augstein nun aber auf ein abstraktes "Parlamentarisches System" beruft, drückt er sich vor einem politischen Standpunkt zu dem tatsächlichen "Parlamentarischen System".

Das tatsächliche "Parlamentarische System" ist nicht durch die "Stasi" gefährdet, wie Herr Augstein in völliger Verkennung der politischen Situation schreibt, sondern es funktioniert leidlich gut, bei der Aufrechterhaltung der Bedingungen der Kapitalverwertung.

Ohne einen politischen Standpunkt wird noch ein "Parlamentarisches System" verteidigt werden, das als Gameshow über die Fisuren und Figuren der Spiel-Kandidaten abstimmt.

Augstein muss schon sein "Parlamentarisches System" konkretisieren und dann denen ein Forum bieten, die Diskussionswürdiges dazu vorzutragen haben. Wenn Augstein alle "Linken", die er nicht weiter differenziert, auf dem "Scherbenhaufen" verortet und als "krankend" kennzeichnet, weil sie seit "jeher" nicht mit der "Freiheit" können, dann frage ich mich, wen er anspricht und für wen er seine Zeitung macht.

Ich bin mindestens verwirrt über diesen Artikel. Bestenfalls ist Augstein verärgert über das endlose "Mauerkauen", schlimmstenfalls rechtfertigt er sich vor Typen, denen er besser mal in den Hintern treten sollte.

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jps-mm 22.08.2011 | 16:18

Vertrauen in die Politik schrumpft rapide

Die Politikverdrossenheit ist so hoch wie nie. Eine stern-Umfrage kommt zu desaströsen Ergebnissen für Politiker und Parteien:

Die Frustration der Bürger über die Volksvertreter wächst. Das zeigt eine große stern-Umfrage. Für das Hamburger Magazin fragt das Forsa-Institut regelmäßig die Deutschen, was das größte Problem des Landes sei. Auf diese Frage ohne Antwortvorgabe nennen derzeit spontan 35 Prozent die Unzufriedenheit über Politiker und Parteien – so viele wie nie zuvor. Auf die Frage, ob die Politiker und Parteien eine klare Linie verfolgen, antworten 83 Prozent mit Nein.

www.stern.de/politik/deutschland/stern-umfrage-vertrauen-in-die-politik-schrumpft-rapide-1681035.html

Das muss Gründe haben. In Deutschland werden Menschenrechte fortgesetzt massiv verletzt. Und das nicht erst seit letzter Woche! Deutschland ist ein asozialer Unrechtsstaat!

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jps-mm 22.08.2011 | 16:18

Vertrauen in die Politik schrumpft rapide

Die Politikverdrossenheit ist so hoch wie nie. Eine stern-Umfrage kommt zu desaströsen Ergebnissen für Politiker und Parteien:

Die Frustration der Bürger über die Volksvertreter wächst. Das zeigt eine große stern-Umfrage. Für das Hamburger Magazin fragt das Forsa-Institut regelmäßig die Deutschen, was das größte Problem des Landes sei. Auf diese Frage ohne Antwortvorgabe nennen derzeit spontan 35 Prozent die Unzufriedenheit über Politiker und Parteien – so viele wie nie zuvor. Auf die Frage, ob die Politiker und Parteien eine klare Linie verfolgen, antworten 83 Prozent mit Nein.

www.stern.de/politik/deutschland/stern-umfrage-vertrauen-in-die-politik-schrumpft-rapide-1681035.html

Das muss Gründe haben. In Deutschland werden Menschenrechte fortgesetzt massiv verletzt. Und das nicht erst seit letzter Woche! Deutschland ist ein asozialer Unrechtsstaat!

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jps-mm 22.08.2011 | 16:19

Sprechen Sie ö f f e n t l i c h die Menschenrechtsverletzungen in Deutschland an !!!!

Fortgesetzte massive Menschenrechtsverletzungen mit Merkel

Seit 2005 täuscht die Merkel darüber hinweg, dass die Verletzung von Bürgerrechten schwerster Art unverändert fortgesetzt wird. Dazu kommt, dass die Merkel die dafür verantwortlichen Rechtsbrecher deckt, damit diese die Menschenrechtsverletzungen weiterhin ungestört fortsetzen können. Schlimmer noch: Die Situation der Menschenrechte hat sich seit ihrem Amtsantritt drastisch verschlechtert. Und die Merkel blinzelt den Journalisten zu.

Ein Unrechtsstaat ist dadurch gekennzeichnet, dass die Verletzung von Bürgerrechten schwerster Art über einen längeren Zeitraum mit Duldung, wenn nicht sogar mit Billigung staatlicher Stellen fortgesetzt wird, die strafrechtliche Sanktionierung der Rechtsbrecher durch Staatsanwaltschaft und Gerichte systematisch verschleppt und behindert wird und das Parlament sich über die Menschenrechtsverletzungen schwerster Art und die dafür verantwortlichen Rechtsbrecher ausschweigen.

In Anbetracht dieser Feststellungen ist es nicht weiter verwunderlich, dass die UN-Kommission für Menschenrechte den Bericht der Merkel über die Menschenrechtslage in Deutschland als "beschönigt" bezeichnet. Mittlerweile muss die Merkel deswegen schon bei jedem Treffen über die schwierige Menschenrechtslage in Deutschland Auskunft geben. Das ist schon beschämend für dieses Land.

Und wann kommt der Autor dieses Artikels endlich seiner journalistischen Berichtspflicht nach? Sprechen Sie diesen Straftäter gegen Bürgerrechte doch öffentlich auf die Menschenrechtsverletzungen an!

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nil 22.08.2011 | 16:24

@Columbus schrieb am 21.08.2011 um 18:56

Danke, Sie haben die Situation der sehr gut erfasst und dargestellt. Die Fähigkeit zu einer Wahrhaft evolutionären Gesamtschau ist leider wenigen Individuen gegeben.
Diese müssten mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit bekommen, damit sich die Früchte vermehren könnten.
Warum wird dies zu wenig getan? ich glaube, weil sehr viele Politiker Journalisten, Redakteure, Autoren... u.s.w. nicht in der Lage sind, dieses zu erkennen und auch nicht in der Lage sind wahrhaft Integral zu denken, aus unserer gemeinsamen Geschichte wirklich und wahrhaftig zu lernen.
Authentische Politik, wie authentische Berichterstattung muss nicht selten bleiben, wenn die Beteiligten endlich einsehen, dass ihr Wissen in Wahrheit lückenhaft und fragmentiert ist und anderen die es besser wissen als sie, das Wort erteilen und diese unterstützen und zugleich sich selbst weiterentwickeln, anstatt weiterhin bruchstückhafte werke zu produzieren.

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nil 22.08.2011 | 16:24

@Columbus schrieb am 21.08.2011 um 18:56

Danke, Sie haben die Situation der sehr gut erfasst und dargestellt. Die Fähigkeit zu einer Wahrhaft evolutionären Gesamtschau ist leider wenigen Individuen gegeben.
Diese müssten mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit bekommen, damit sich die Früchte vermehren könnten.
Warum wird dies zu wenig getan? ich glaube, weil sehr viele Politiker Journalisten, Redakteure, Autoren... u.s.w. nicht in der Lage sind, dieses zu erkennen und auch nicht in der Lage sind wahrhaft Integral zu denken, aus unserer gemeinsamen Geschichte wirklich und wahrhaftig zu lernen.
Authentische Politik, wie authentische Berichterstattung muss nicht selten bleiben, wenn die Beteiligten endlich einsehen, dass ihr Wissen in Wahrheit lückenhaft und fragmentiert ist und anderen die es besser wissen als sie, das Wort erteilen und diese unterstützen und zugleich sich selbst weiterentwickeln, anstatt weiterhin bruchstückhafte werke zu produzieren.

Joachim Petrick 22.08.2011 | 17:32

@Uwe Theel

Lieber Uwe Theel.

auch wenn mein persönlicher Appell, unsere Zivilgesellschaft besser mit argumentativen wie finanziellen Mitteln auszustatten nicht an Dich, sondern an Jakob Augstein erging, will ich Dich in meinen Appell gerne bei dieser günstigen Gelegenheit, besser sozialdemokratisch denn gar nicht demokratisch, mit einbeziehen.

Du schreibst:

"Deine Fragen sind pompöser, als Ihr Gehalt rechtfertigt."

Das stimmt.
Selbst meine Frage nach der Unterfinanzierung unserer Zivilgesellschaft ist vom Gehalt her heillos unterfinanziert.

Kann es sein, dass Du Marxens Theorie vom Kapital als stoffungebunden theologische Droge missbrauchst. weil diese Marxsche Kapital Theorie mit Engelszungen daherkommend, Dich täglich zu "Heroen Heroin Spritzen" verführt?

Du klingst in Deinem obigen Text sosehr im Reinen mit Dir und dem Missbrauch der Marxschen Kapital Theorie, dass ich vermute, Du hast Dir gerade eine Dröhnung appliziert?

Da hilft zunächst nur medizinisch medikamtentös begleitete Entgiftung mit nachfolgend, zuerst stationär betreuter Entwöhnung danach in ambulanten Selbsthilfegruppen (s. Jakob Augsteins Begriff für die Senioren NachDenkSeiten) auf Krankenschein.

Warum komme ich darauf?,
weil Du den Begriff Kapitalismus, Kapitalgesetz theologisch genuin anwendest, unangreifbar, unanfechtbar, unfehlbar vorstellst, als käme das Kapitalgesetz als schemenhaft namenloses Gespenst ( bei Adam Smith als unsichtbare Hand) aus einer erdenfernen fremden Welt.

Du schreibst weiter:

".....dass Du hoffnungslos dem sozialdemokratischen Einhegungsgedanken der Sozialdemokratie verhaftet bleibst."

Hier klingt Dein Satz allemal pompös bombastisch theophrastischer als es die Zielrichtung Deiner Fraglosigkeit zuläßt.

Frag mich doch mal was. Z. B.:

"Wer wird hier gehegt gepflegt?,
der Sozialstaat als Träger, lwgitmierter Garant der Verbreitung von Wohlstand über Wohlfahrt, oder wird der Kapitalismus als obskures Objekt der Begierde einer säkular klerikal verwachsenen Weltschicht nach überfinanziert subventionierter Hege Pflege, unter Bestandsschutzgarantie, samt Zusicherung seiner gesellschaftlich deregelulierenden Ausweitung gestellt zu sein?

Im übrigen hat die Sozialdemokratie mit der Agenda 2010/Hartz IV gerade ab dem Jahre 2003 belegt, dass sie sich, über ihren historischen Schatten springend, auch weit weg von Einhegungsgedanken bewegen kann, indem sie brachial rotgrün, wie schwarzrot die Zivilgesellschaft finanziell entkoppelt hat, dass es den Privathaushalten mehrheitlich verunmöglicht ist, Beiträge für Meinungsmedien Abos, Mitgliedschaften in Parteien, Gewerkschaften, Kirchen, Kultur, Sport, Musen, Monatskarten des ÖPNV regelmäßig zu entrichten.

Zum Schluss möchte ich Dich herzlich einladen Dich an der gerade laufenden Debatte über den Kapitalbegriff und den überkommenen bzw. erweiterten und neu gestellten Begriff der Arbeit im Blog von Micheal Jäger zu beteiligen:

www.freitag.de/community/blogs/michael-jaeger/67-wird-sollte-es-etwas-wie-arbeit-gar-nicht-mehr-geben?

19.08.2011 | 13:51
(67) Wird (sollte) es etwas wie "Arbeit" gar nicht mehr geben?

siehe Kommentar von Michael Jäger:

Michael Jäger schrieb am 20.08.2011 um 15:02
u. a.:

"......Der Begriff der abstrakten Arbeit verweist auf den Ware-Geld-Zusammenhang, zu dem sie gehört. Die Frage ist, ob dieser Zusammenhang immer kapitalistisch sein muß. Frage und Zusammenhang habe ich monatelang erörtert. Gegenwärtig geht es um eine andere Frage: was in der Anderen Gesellschaft an die Stelle der kapitalistischen abstrakten Arbeit tritt und wie es benannt werden wird......"

Uwe Theel 22.08.2011 | 17:59

@ Joachim Petrick am 22.08.2011 um 15:32

Lieber JP,

1) Wenn man so kategorienfrei bis hin zur Sinnfreiheit schreibt, wie Du es gemeinhin tust (Dir Deinen Spaß machst), dann solltest Du anderen nicht den Gebrauch derer Kategorien vorwerfen.

2) Deine wilden Phantasien über die Art meines Gebrauchs argumentativer Begriffe mögen Quellen haben, die ich hier lieber nicht versuche auszumachen. Das bleibt mal so als Denkmal, so dieses Wort überhaupt angemessen wäre, seiner selbst stehen.

3) Wenn ich Dich vor dem sozialdemokratischen Einhegungstheorem warne, halte ich es für ziemlich ungehörig, mir mit einem Deiner manchmal auch gar nicht vollkommen sinnfreien Wortspiele zu kommen, das mir im Zusammenhang den Demokratiegehalt in meinen Kommentaren abspricht.

4)Es ist lieb, dass Du mich auf Michael Jäger hinweist, aber den lese ich schon eine ganze Weile mit, schrieb auch schon dort. Allerdings scheinst Du auch ihn nicht zu begreifen, der eben auch sehr den Begriff anstrengt (Hegel): Jäger versucht gerade den Kapitalbegriff zu reformulieren, aber nicht, indem er in eskamotiert, sondern untersucht welche Bedingungen geschaffen werden können, bzw. heute schon innerkapitalistisch entstanden sind, um das "Wirken" des Geldes als Kapital praktisch ausschließen zu können. D.h., Jäger betreibt eine Kritik der politischen Ökonomie, die dem Geld-Wareumschlag einen neue Figur geben soll.

Da wird der Kapitalismus nicht eingehegt sondern abgeschaft. - Das ist ein gewaltiger Unterschied. Diesees Denpprojekt käme übrigens nie ohne Kant, Hegel, Marx et. al. aus; lies die einmal Jägers Inhaltsverzeichnis durch.

Spaßvögel wie du kommen da ohne aus - so wird`s wohl sein.

Gruß
ut

Joachim Petrick 22.08.2011 | 18:43

Lieber Uwe Theel,
es gibt viele Arten sich um Antworten zu drücken, Deine ist es bei Gelegenheit, den Fragesteller abzuwerten, um sich den Mühen einer themenbezogenen Antwort zu entziehen.

Mien Wort vom " lieber sozialdemokratisch als gar nicht demokratisch" bezog sich auf das theoloisch despotische Verständnis des Begriffs Kapital in deinen Ausführungen.

"2) Deine wilden Phantasien über die Art meines Gebrauchs argumentativer Begriffe mögen Quellen haben, die ich hier lieber nicht versuche auszumachen. Das bleibt mal so als Denkmal, so dieses Wort überhaupt angemessen wäre, seiner selbst stehen."

Was willst Du damit verdunkelnd andeuten?

"Da wird der Kapitalismus nicht eingehegt sondern abgeschaft."

Meines Erachtens ging es in Deinem Text nicht um Michael Jägers marxistisch adaptierten Kapitalbegriff, sondern um den von Dir eingeführten Begriff des sozialdemokratischen Einhegungsgedanken der Sozialdemokratie.

Da machst Du es Dir mit Deiner Antwort zu leicht.

Bist Du nun, neben der über das Parteienfinanzierungsgesetz, im geteilten Nachkriegsdeutschland soziademokratisch geprägt, finanzierten Parteiendemokratie, für eine Ausweitung der Finanzierung der Zivilgesellschaft, oder geht es Dir, wie im real-existierenden Sozialismus nur um die Sicherung der Überfinanzierung Einer Partei? der Einheit? eines beliebigen von und zu auf Kosten und Lasten der Zivilgesellschaft?

Wen oder was hegt die Sozialdemokratie in Seinem und sonst keinem Verständnis mutmaßlich ein?
Das Kapital oder den Sozialstaat?

Es geht hier, lieber Uwe Theel, um personenbezogene Meinungsbildung und nicht um ein Seminar im Elfenbeinturm Deiner Wahl immerda immerzu mit drolliger Gesichts- und Wortkontrolle von der Rolle.

tschüss
Jochen

Angelia 22.08.2011 | 21:50

Hallo Rapanui

das mit dem abstrakten Parlamentarischem System meint, die Funktion eines parlamentarischen Systems war, nach langer geschichtlicher Entwicklungszeit, eigentlich mal so und so gedacht gewesen. Man hat sich philosophiegeschichtlich auch lang und breit mit der Frage, was ist Freiheit, was Gerechtigkeit und so beschäftigt. So entwickelten sich nach und nach die Menschenrechte genau so wie Verfassungen. Das Ergebnis der Entwicklungen wurde allgemeiner Konsens. Nichts existiert wirklich außerhalb unserer Ideen. Freiheit nicht, Gerechtigkeit nicht und Solidartät auch nicht. Demokratie ist ja auch nur eine intellektuell ausgereifte abstrakte Idee, die man aber mit Leben füllen muss, damit sie überhaupt existiert. Genauso wie Freiheit und Gerechtigkeit. Sonst landen wir wieder im Stadium des Archaischen. Beim recht des Stärkeren. Oder in Diktaturen und gedanklich in Absolutismen. Das ist einerseits dem Menschen ohnehin immanent, anderseits in unserem Kulturgedächtnis auch noch fest eingeprägt....

Lange Rede kurzer Sinn. Die meisten Parlamentarier kennen den gesellschaftliche Konsens über die alteuropäischen Begriffe, wie Freiheit, Gerechtigkeit usw. Außer Frau Merkel. Die hat Europas Philosophie-Geschichte mit hoher Wahrscheinlichkeit übersprungen und ist aus der Diktatur heraus direkt im anderen Extrem, des angloamerikanischen, gelandet. Freiheit und Gerechtigkeit definieren die Amis z.B ganz anders als wir.

Also ist die Summe des Zitats: >>>Die Neoliberalen können jetzt neben den Linken ihren Platz auf dem Scherbenhaufen der Ideologien einnehmen. ....Sie kranken seit jeher daran, dass sie die Idee der Gerechtigkeit nicht mit der Idee der Freiheit verbinden können. jetzt doch eigentlich klar, oder?

Immehin beklagen die meisten Bürger, ob links, irgendwie links, rechts, irgendwie liberal, doch genau den Bruch der Politik mit dem gesellschaftlichen Konsens über die Begriffe. Nicht, dass die Meisten den Inhalt konkret benennen könnten. Leider. Sonst müsste Herr Augsten so einen Text gar nicht verfassen. Aber im Kulturgedächtnis existiert die Erinnerung als Ahnung, drückt sich bei den meisten Menschen als allgemeines Unwohlsein aus und endet in sprachloser Politikverdrossenheit.

Uns fehlen meist die Worte, vernünftige Worte, die den Kern, die Basis erfassen und ausdrücken. So können wir Politiker auch nicht gut auf unserem gesellschaftlichen Konsens festnageln.

Ja und andere fühlen sich einfach nur abgehängt. Wie die Jugendlichen in England. Und dieser Cameron hat nicht den Hauch einer Ahnung, warum das so ist. Er hat aber auch nicht das europäische Kulturgedächtnis. So als Eroberernation.

Ich mach jetzt Schluss. Rede mich gerade in Rage.

Tschöö

Uwe Theel 22.08.2011 | 21:57

Lieber JP,

du magst ja, aber ich will nicht albern werden:

1) Den Gedanken von der Einhegung des Kapitals (also: "Wir müssen seine Auswüchse beschränken, dann kriegen wir das mit sozialer Marktwirtschaft schon hin!"), den haben die Sozialdemokraten bis zur spd-radikalen Variante Schröder zwar gepflegt, zurückgehen tut er mal nindestens bis auf Bernstein (SPD), im strengen Sinne erfunden haben Sie ihn nicht, weil er im Kern die Normalfigur bürgerlicher Rechtfertigung dieses Monsters ist.

2) Wenn Du glaubst, mit Deinem dummen Wortspiel von "lieber sozialemokratisch als gar nicht demokratisch" durchzukommen, indem du damit angeblich nur nur ein "theoloisch despotische Verständnis des Begriffs Kapital" meintest, das Du aber eindeutig mir zuschreibst, mußt Du mich für dümmer halten, als Du zu sein scheinst: Du diffmierst, ohne jede Argumentation, ohne jede begriffliche Bestimmung den/meinen Kapitalbegriff als "theologisch-despotisch", willst aber mit mir inhaltlich diskutieren, wirfst mir da Drückebergerei vor.

Mache Dich nicht lächerlicher, als bisher schon: Wie kannst Du mit Deiner Art Nonsens-Diskussion erwarten, dass man sich mit Dir auf eine ernsthafte Diskussion einlassen sollte. Ich habe das in der Vergangenheit mehrfach versucht, was bei Dir jetzt mit dem Spotturteil Elfenbein-Seminarismus belegt wird. Allenthalben landet man, versucht man Dich trotzdem ernst zu nehmen bei Dir in "Späßen" und lachhaften Fragen. Diese kann man sich selbst dann beliebig zurecht basteln, dass sie irgend einen halbwegs verständigen Sinn machen, um spätestens bei der Antwort wieder da zu landen, wo man gestartet war.

Rumblödeln kann man mit Dir herrlich, aber ein gescheites, intelligentes Gespräch im Sinne politischer Analyse führen nicht. "Persönliche Meinungsbildung", wenn Sie denn tatsächlich mehr sein sollte als ideologisches Gestammel oder höchstens sinnfreies Comedy-Blödeln, kommt auch nicht ganz ohne geteilte Definitionen des Politischen aus, die traditionell erst mal gültig sind.

3) Wenn Du hier glaubst, Michael Jäger für Dich vereinnahmen zu können, dann tu es mindestens seriös. Natürlich stütze ich mich auf einen Kapitalbegriff, wenn ich den Kapitalismus kritisiere und dies ganz umabhängig von Jägers mir außerordentlich spannend erscheinendem Projekt. Dass Du es wagst über den kapitalismus zu reden, als sei er die Kulisse einer Schmierenkomödie hat weder etwas mit meinen, noch mit Jägers Versuchen einer Kritik der politischen Ökonomie des Kapitalismus zu tun. Deine Difamierungen (s.o.) sind in keiner weise solchem kritischen Denken selbst nur als Widerrede angemessen noch hilfreich, entlarven sich selbst.

5) Deine nur scheinbar blödsinninge Frage

"Wen oder was hegt die Sozialdemokratie in Seinem und sonst keinem Verständnis mutmaßlich ein? - Das Kapital oder den Sozialstaat?"

hälts Du warscheinlich für lustig, Die Antwort darauf hatte ich längst klar gegeben: "Einhegung des Kapitalismus". Die Antwort die der Kapitalismus, insbesondere in der regelmäßig auftretenden Krise mit "seinem" und für "seinen" Sozailstaat gibt, ist in aller Regel für die Betroffenen, die ihn brauchen, nur weil es Kapitalismus gibt (Die Kapitalisten brauchen ihn so wie Du ihn Dir wünschst sowieso nicht!) in keiner Weise lustig.

Schließlich: Wenn hier einer im Elfenbeinturm sitzt, dann weder Du noch ich. Du allerdings piepmatzt in Deinem Spaßkäfig hier im Blog inzwischen dermaßen herum, dass man vor Deinen Kommentaren und Blogs nur noch warnen kann.

Gruß
ut

Uwe Theel 22.08.2011 | 22:12

@ Angelia am 22.08.2011 um 19:50

Liebe Abgelia, da hast Du Dich aber wirklich in Rage geredet und darüber den Faden wohl verloren.

Rapanuis Kritik an JA bezog sich im engeren Zusammenhang auf JAs pauschale Verurteilung der Linken. Das hat JA getan und das ist bisher nicht geheilt.

Dein Argument, dass den Menschen die Argumente gegen ideologisch-bürgerliche Politik fehlt, mag bei den Massen aus hier nicht weiter diskutierten Gründen in viel zu vielen Fällen richtig sein, die intellektuelle Linke aber hat Worte dafür, JA kennt sie und redet trotzdem unsinnig, bis hin zum Lob des Cameron.

JA wäre aufgefordert, nach einem solch "mißverständlichen" (ich hasse dieses Wort in solchen Zusammenhängen) Artikel eine ernsthafte Diskussion mit seinen Krtiker im Blog aufzunehmen, aber er schweigt. Das ist fast noch schlimmer als der Unglücksartikel selbst.

JA warnt in seinem Artikel nicht vor dem Rückfall in die Barbarei, sondern er hält eine Heilung des Kapitalismus durch Kapitalismus in soziademokratisch-christsozialer-grüner Form für möglich. Solche "Mißverständnisse", die keine sind, dürften gar nicht erst entstehen.

LG
Uwe

Angelia 22.08.2011 | 22:36

also Uwe, da steht doch : "Die Neoliberalen können jetzt neben den Linken..." also sind beide gemeint. Und was der Eine als pauschale Verurteilung wertet, wertet der Andere, ich z.B als starke Kritik.

"JA wäre aufgefordert[...]eine ernsthafte Diskussion [...] aufzunehmen, aber er schweigt"

Also es macht ja auch gar keinen Sinn den eigenen Artikel zu erklären und zu rechtfertigen. Gesagt ist gesagt und fertig. Die Leute sollen sich doch dran reiben, untereinander, am besten mit ihren eigenen (vernagelten, immer gleichen) Ansichten und sich ihre eigene Meinung bilden.

Ich lese kein Lob für Cameron. ich lese Ironie in den einleitenden Sätzen. Nach dem Motto, ach! doch schon dahinter gestiegen, Cameron und dann auch noch freiwillig ausgesprochen, schön.

Ich, Uwe, stehe auch mehr auf die Heilung eines Systems als auf rausoperieren. Revolution oder Evolution, das ist hier die Frage.

Liebe Grüße Angelia (die, die aus zivilisatorischen Gründen geschworen hat nie wieder mit lG A zu unterscheiben)

Joachim Petrick 22.08.2011 | 23:25

Lieber Uwe Theel.
ich ahne und vermute, Du fühlst Dich mit dem ganzen Thema, samt Zumutung einer schlichten Antwort als Meinugsbekundung, irgendwie ratlos überfordert und flüchtest Dich nun in persönliche Herabsetzungen meiner Person.
Das Universum vergebe Dir. Lasse es mich wissen, wenn das Universum sich diesbezüglich bei Dir meldet, schon habe ich Dir als Schuldigern hochherzig vergeben

Nachdem Du die scheinbar "Günstige Gelegenheit""So schlau wie Jochen tut, ist ergar nicht!" genutzt, die Palme herauf, herunter zu jagen, meine Person, hier und da, in ihrem Diskursbestreben herabzuwürdigen, der Lächerleichkeit frohlockend geneigt, anheimgeben wolltest, um der Antwort auf meine eigentliche Frage auszuweichen, frage ich Dich wiederholt, qualfrei, zu dieser vorgerückten Runde, in deeskalierender Beharrlichkeit ein weiteres Mal:

"Bist Du mt mir der, geteilten oder ungeteilten, Meinung, dass unsere Zivilgesellschaft unterfinanziert, mindestens hinreichenso finanziert gehört wie unsere Parteien durch das Parteienfinanzierungsgesetz?

Zusatzfrage nur für Dich adhoc an dieser Stelle, auf dieser Freitags- Welle:

"Sind unsere Parteien gar der Kern unserer Zivilgesellschaft, auch wenn die Parteien unsere Zivilgesellschft und deren Belange mit Nicht- Achtung bestrafen?

Darüberhinaus wäre ich Dir sehr verbunden, wenn Du Dich der kleinen Anstrengung unterziehen würdest, einmal zu dem von Michael Jäger erweiterten Begriff der Arbeit aktuell Deine Meinung zu äußern.
Das wäre doch einmal eine Arbeitsebene für uns beide, die wir uns solange scheinbar vergeblich gesucht und endlich, wider Erwarten, manchmal etwas holperig, gar rüpelhaft bis launig unflätig, aber im Kern von Herzen zugewandt, gefunden haben!, oder?

Wenn Dir das "Theologisch Despotische" an Deinem Wort Begriffs Gewand im gefühlten Elfenbeinturm nicht mehr kleidsam erscheint, streif es ab, ziehe es aus und recycle es für einen besseren Zweck.

In diesem Sinne
"Ernst komme her, Spass bleib hier!"

tschüss
Jochen

Uwe Theel 22.08.2011 | 23:56

@ Angelia schrieb am 22.08.2011 um 20:36

"also Uwe, da steht doch : "Die Neoliberalen können jetzt neben den Linken..." also sind beide gemeint."

Liebeb Angelia,

Du und A meinen offenbar mit "beiden", Linke und Neoliberale. Schon diese Gleichsetzung ist nicht haltbar. Übersehe ich diese Gleichsetzung, bleibt, dass JA nicht einmal für die Linken interne Differenzen entdeckte, und bei aller Unzulänglichkeit wenigstens links einen Ansatzpunkt für Fortschritt endeckte..

In der Passage

"Der britische Premier Cameron hat ein paar Tage gebraucht, um die richtigen Worte zu finden. Erst in dieser Woche sagte er: „Die sozialen Probleme, die sich seit Jahrzehnten entwickelt haben, sind vor unseren Augen explodiert“. Und er sprach von der „kaputten Gesellschaft“. Für einen Tory ist das ein Fortschritt. Gesellschaft – das Wort kommt dem britischen Konservativen nicht leicht von den Lippen. Da wirkt immer noch die Lehre Jeremy Benthams nach, der vom „fiktiven Körper“ sprach. Aber wenn die Gesellschaft kaputt ist, geht auch der Mensch kaputt. Das wollten Margret Thatcher und die anderen neoliberalen Ideologen nach ihr nicht wahrhaben. Der Markt hat keine moralische Qualität ,und ohne Moral werden wir zu Tieren."

setzt er Cameron zwar von Thatcher und den Neoliberalen ab, tut dies aber nur aus "moralischen" Gründen. Cameron ist für JA eine positive Möglichkeit. Die am Schluß angeklebte "Kritik"

"Premier Cameron denkt über eine Kontrolle von Facebook und Twitter nach, wie sie in arabischen Staaten praktiziert wird. In Deutschland fordert der Innenminister die Aufhebung der Anonymität im Internet."

ist keine in der eigentlichen Sache und trennt unzulässig Ordnungspolitik von Wirtschaftspolitik. das ist nichts als Wortgeklingel mit Zeitgeiststichworten.

Wo da Ironie sein soll verschließt sich meinem Verständnsis als Politologe und Germanist.

Ich verspreche in Zukunft für Dich immer mit voll ständigen Wörtern und Namen zu unterschreiben und bin gespannt, was wir zwischen Revolution und Evolution noch so rausfinden werden in der Zukunft.

Liebe Grüße

Uwe

Uwe Theel 23.08.2011 | 00:18

@ Joachim Petrick schrieb am 22.08.2011 um 21:25

"Bist Du mt mir der, geteilten oder ungeteilten, Meinung, dass unsere Zivilgesellschaft unterfinanziert, mindestens hinreichenso finanziert gehört wie unsere Parteien durch das Parteienfinanzierungsgesetz? "

Entschuldigung JP, aber die Antwort gab ich Dir bereits:

Der Kapitalismus ist grundsätzlich "unterfinanziert", das ist seine "Berufskrankheit" und Du wirst ihn ebensowenig davon heilen, wie ein Bergmann ab einem bestimmten Punkt mit Sicherheit an der Staublunge erkranken wird. (Dass wir dieses Problem nicht mehr haben, liegt nicht am bergbau selbst.).

Was Jägers "erweitertern Begriff" von Arbeit betrifft, so ist der nur deshalb entscheidend, weil Jäger versucht, den Begriff des Geldes, genauer den des Umschlags von Kapital in Geld mit einem neuen Gesellschafts- und Arbeitsbegriff, damit einem neuen Eigentumsbegriff - all das bezogen auf gesellschaftliche Praxis - neu zu bestimmen. Das ist Marxismus, meinetwegen auch "Neomarxismus" pur und nicht sozialdemokratischer Revisionismus oder christsoziale "Marktwirtschaft".

Ich verfolge Jägers Projekt mit großem Interesse und großer Sympathie.

Liebe Grüße

Uwe

P.S: Du verkennst meine Kritik an Deinen Texten: Wenn Du Dich persönlich getroffen fühlst, so ist dies wohl unvermeidlich immer genau dann, wenn Deine "ganz persönlichen" aus dem Hut gezogenen Phantasiekategorien gegen Standardtheoriemodelle antrreten, ohne dass Du dies plausibel machen könntest. ("Standardtheoriemodell" heißt übrigens nicht, dass es sich um Dogmatik handelte). Diese Formuliereungen, das bist in diesem Fall tatsächlich DU, es gibt keine plausiblen Bezug auf konkrete Diskussionnen, die sich auf sonstige, begriffene Wirklichkeit bezöge. Welt kann unterhaltend sein, aber "spaßig" läßt sie sich nicht erkenntnisträchtig analysieren, geschweige denn verändern. Allerdings kann wissenschaftlich geführte Diskussion Spaß machen, mir jedenfalls, Dir offensichtlich nicht. U.T.

Uwe Theel 23.08.2011 | 00:23

@ Angelia schrieb am 22.08.2011 um 20:42

uppss... jetzt hat Rapanui nur noch drei Sterne :-X

... jetzt sind es wieder vier Sterne... Ich glaube, man muß besternte Kommentare nach der Besternung noch ordentlich weiter diskutieren, damit sie die Bersternung voll behalten.

Also produziere ich hier noch etwas red tape. :-).

Nur Kosock und die Seinen, wissen, wie es wirklich sich verhält.

Liebe Grüße
Uwe

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Ehemaliger Nutzer 23.08.2011 | 00:40

@ Angelia schrieb am 22.08.2011 um 20:36

>>>Demokratie ist ja auch nur eine intellektuell ausgereifte abstrakte Idee, die man aber mit Leben füllen muss, damit sie überhaupt existiert.

Das ist ein sehr sehr sonderbarer Satz.

>>>die Funktion eines parlamentarischen Systems war, nach langer geschichtlicher Entwicklungszeit, eigentlich mal so und so gedacht gewesen

Meinen Sie, dass es da so eine Art Bedienungsanleitung für "Parlamentarische Systeme" gibt? Wenn wir die dann alle richtig gelesen haben, klappt es auch mit der Demokratie?

>>>Immehin beklagen die meisten Bürger, ob links, irgendwie links, rechts, irgendwie liberal, doch genau den Bruch der Politik mit dem gesellschaftlichen Konsens über die Begriffe.

... und meinen doch ganz unterschiedliche Erscheinungen, ja gehen ganz unterschiedlich vor bei der politischen Grundierung ihrer Klage (die ich mal mit "Kritik" gleichsetze)

Weil das so ist, muss sich Augstein positionieren. Anfangs eiert er mit Cameron, Bentham, Moore und Sennett übers Titelblatt, um dann endlich die Linke als "Vertriebenfraktion" und "unwürdige Zänker" auf dem Scherbenhaufen zu entsorgen - so als wäre damit die Linke hinreichend einsortiert und entsorgt.

Nun trennt und entsorgt er noch die Neoliberalen als diejenigen, die den Kapitalismusgrenzwert überschritten. Was bleibt, wenn ich davon ausgehe, dass er die extreme Rechte als nicht recyclefähig gar nicht erst erwähnt? Die gute bürgerliche Mitte. Viel Leitartikel für so wenig Courage.

Alle bürgerliche Presse krankt daran, dass Sie die Idee der Gerechtigkeit nur dann für publizierbar hält, wenn die eigene Freiheit dadurch nicht gefährdet wird.

Dreizehn 23.08.2011 | 00:46

Diese zuletzt von Ihnen gestellte Frage ist leicht beantwortet: Das Cameron-Zitat wird ihm als zustimmend ausgelegt, weil er dem zustimmt.

Die, wie Sie schreiben, "Wertung" "richtige Worte" ist nicht, wie Sie schreiben, "neutral", sondern eben eine Wertung - Augstein, wie man so schön sagt, pflichtet Cameron bei bzw. stimmt ihm zu. Ich nehme an, Sie haben da etwas falsch verstanden bzw. möchten es unbedingt so verstehen.

Schlimmer noch - Angelia weiter unten -, Augsteins Einbettung des Cameron-Zitats einfach als Ironie zu lesen: Er sagt es zwar, aber meint es ganz anders, ich weiß das. Dagegen kommt man mit Vernunft überhaupt nicht mehr an.

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Ehemaliger Nutzer 23.08.2011 | 01:17

@ Angelia schrieb am 22.08.2011 um 23:06

>>>Augstein meinte doch nur die Linke, die die Idee der Gerechtigkeit nicht mit der Idee der Freiheit verbinden kann.

Genauso habe ich ihn verstanden.

Da ich ohne "den wesentlichen verbindenden Satz" zu zitieren, zur gleichen Auffassung wie Sie komme, rücken Sie mal die 3 Sterne wieder raus. Dazu kommen dann noch die 2 Extrasterne, die durch denjenigen erbracht werden müssen, der einen Irrtum eingestehen muss.

Und schon bin ich wieder bei 5 Sternen. Ein guter Tag geht zu Ende.

Uwe Theel 23.08.2011 | 01:35

@ Calvani und Rapanui,

ich kapiere zwar nicht, was Linke für Linke wären, die Freiheit unf Gerechtigkeit nicht miteinander verbinden könnten - solche Gedanken erinnern mich fatal an die Art der Debatte um den sogenannten "linken Antisemitismus" -, aber ich gehe, kurz vor dem zu Bett gehen und Sternchenträumen jetzt erstmal davon aus, dass wir alle Drei und mindestens "irgendwie" einig sind.

Gute Nacht zusammen

Uwe

Angelia 23.08.2011 | 01:40

Rapanui: "Das ist ein sehr sehr sonderbarer Satz. "

Warum?

Nein, es gibt keine Bedienungsanleitung für die Demokratie sondern Definitionen von Demokratíe und wie sie gestaltet kann.

"und meinen doch ganz unterschiedliche Erscheinungen"

hmm... ich glaube, im Wesentlichen ist die Mehrheit sich über die sozialen Verwerfungen genauso im klaren, wie über den Verfall des parlamentarischen Werte- und Aufgabeverständnisses der Volksvertreter. Das dürfte, meiner Einschätzung nach in allen politischen Lagern der Fall sein.
Natürlich haben Menschen unteschiedliche Interessen. Dafür haben wir ja auch unterschiedliche Parteirichtungen. So soll das ja auch sein. Nur fühlt sich wohl kein Klientel, außer Hotelbranche, Versicherungsbranche, Banken und große Pharma- und sonstige Großkonzerne, mehr wirklich vertreten. Das die Linke nur ca. 8% Wähler hat und eine Reihe davon sind auch noch Protest, aber keine Überzeugungswähler, liegt eben daran, dass die Linke das Feld des Sozialen besetzthat, aber trotz der wirklich wenigen guten Leute in der Partei, eben dann doch niciht wirklich überzeigen können.

Das liegt eben auch an einer ideologischen Träumerin wie Wagenknecht und einem schwachen Führungsteam. Ich könnte den Spagat zwischen Sozialismus ala DDR und sozialer Demokratie auch nicht hinbekommen.

Aber Rapanui, die Linke ist nicht der Nabel der Welt. Parteien, so wie jetzt aufgestellt sind, vertragen alle durch die Bank Schelte. Auch die Linke und man, ich jedenfalls ist immer mit denjenigen am strengsten, die das vertreten wollen was einem selbst am nächsten steht. Also der Idee von Sozialen, Gerechtigkeit, Freiheit, Demokratie, Chancengleichkeit, nicht der Partei.

"Vertriebenfraktion" und "unwürdige Zänker"

gut, das ist Polemik.:-)

"Was bleibt, wenn ich davon ausgehe, dass er die extreme Rechte als nicht recyclefähig gar nicht erst erwähnt? "

Hmm... das stimmt, aber parlamentarisch ist die extreme Rechte nicht oder nur mit einem oder zwei Sitzen vertreten. Außerdem kann niemand, auch ein Herr Augstein nicht, soweit gehen und die Linke mit der NPD gleichsetzten. Weil das so einfach falsch ist.
Da passt die FDP als Spiegelbild schon besser. Hier das Soziale dort die Freiheit pervertieren.

"Alle bürgerliche Presse krankt daran, dass Sie die Idee der Gerechtigkeit nur dann für publizierbar hält, wenn die eigene Freiheit dadurch nicht gefährdet wird."

Neben der Presse gibt es Bücher, NGO´s und andere Möglichkeiten des Informationsaustausches. Das Argument ist abgegriffen, nachgeplappert und lahm. Lies mal was zu Netzwerk Recherche, lies Telepolis...

gute Nacht

Columbus 23.08.2011 | 03:30

Lieber Rapanui,

Ich möchte aber nicht in einer Geschichte mit Volkskongressen und Volksräten aufwachen, die mir am nächsten Tag sagen, ich solle abhauen, den Mund halten, die mir im schlimmsten Falle, mit Lager oder Fallbeil drohen.

Die Demokratischen und Republikanischen Prinzipien, weil sie im Grunde die jeweilige Minderheit vor den Reflexen der Mehrheit schützen, mag ich nicht gerne aufgeben. - Ich sehe sie derzeit nur mit Füßen getreten und in ihrer Reichweite stark beschnitten.

Linke hätten mehr politische Durchschlagkraft, wenn sie nicht ständig das Gefühl vermittelten, sie seien a) nicht ehrlich in der Anerkenntnis der "Menschenschutz-Prinzipien" und b) irgendwie so stählern und innenverspiegelt, wie die Plapperer des Kapitalismus in den Medien, den Lobbyhallen, auf den Abgeordnetensitzen und an den Schalthebeln der Macht.

LG
Christoph Leusch

Columbus 23.08.2011 | 03:38

ad Dreizehn schrieb am 22.08.2011 um 22:46:

Jetzt frage ich Sie:

Würden Sie denn den Satz so nicht sagen können? Wo verbirgt sich da eine Ideologie oder gar ein schlechter Zungenschlag?

„Die sozialen Probleme, die sich seit Jahrzehnten entwickelt haben, sind vor unseren Augen explodiert“.

Dieser Satz ist völlig neutral, weder konservativ, noch links, noch rechts. Er beschreibt ein Faktum, eine simple Feststellung, die, wie auch andere KommentatorInnen schon erkannten, von Jakob Augstein sogar ironisiert wurde. Nach dem Motto: Konservative brauchen für kleine Anerkenntnisse eine Woche Bedenkzeit und für große gar ganze Jahrzehnte! - Leider brauchen wohl auch ein paar traurig in sich versponnene Linke wohl einige Jahrzehnte Bedenkzeit, bevor sie "demokratischen Sozialismus" glaubwürdig vertreten lernen.

Das hieße nämlich, zunächst einmal nie mehr in den Jargon der uneigentlichen Sprache der sozialistischen Glückwünsche und der geplanten, nach Fahrplan ablaufenden Geschichte zu verfallen.

Das macht so halsstarr und unter der Menschheit sehr unangenehm. Dabei ist der "Demokratische Sozialismus" doch etwas Liebenswertes.

Wie wollen Sie Herrn Augstein also aus diesem Satz eine Zustimmung zu Cameron zimmern? Das ist doch zu viel Wortklauberei. Die Zustimmung zu einem ganz simplen allgemeinen Satz sagt mitnichten, Herr Augstein solidarisiere sich mit PM Cameron. - Weiter unten steht dann deutlich mehr dazu, was das glatte Gegenteil belegt. Sie müssen Texte verbunden lesen und können nicht einzelne Sätze heraus meiseln. Da entsteht immer ein falscher Eindruck.

LG
Christoph Leusch

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Ehemaliger Nutzer 23.08.2011 | 08:37

@ Angelia schrieb am 22.08.2011 um 23:40

>>>Aber Rapanui, die Linke ist nicht der Nabel der Welt

Augstein geht es nicht um die "Die Linke". Bei ihm landet die gesamte Linke als Denkrichtung auf dem Scherbenhaufen. Sonst wäre die Angelegenheit ja harmlos.

>>>Rapanui: "Alle bürgerliche Presse krankt daran, dass Sie die Idee der Gerechtigkeit nur dann für publizierbar hält, wenn die eigene Freiheit dadurch nicht gefährdet wird." Angelia: Neben der Presse gibt es Bücher, NGO´s und andere Möglichkeiten des Informationsaustausches. Das Argument ist abgegriffen, nachgeplappert und lahm. Lies mal was zu Netzwerk Recherche, lies Telepolis...

Dann doch noch mal mit dem Holzhammer: Ich meine, dass sich die Gedankengänge von Augstein nicht von denen anderer in den bürgerlichen Medien unterscheiden.

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Ehemaliger Nutzer 23.08.2011 | 09:06

@ Columbus schrieb am 23.08.2011 um 01:30

>>>Ich möchte aber nicht in einer Geschichte mit Volkskongressen und Volksräten aufwachen, die mir am nächsten Tag sagen, ich solle abhauen, den Mund halten, die mir im schlimmsten Falle, mit Lager oder Fallbeil drohen.

Warum adressieren Sie diese Befürchtungen an mich?

>>>Die Demokratischen und Republikanischen Prinzipien, .....mag ich nicht gerne aufgeben. - Ich sehe sie derzeit nur mit Füßen getreten und in ihrer Reichweite stark beschnitten.

In der Analyse der Ursachen für diese Lage unterscheidet sich die Linke eben von der Rechten. Es gibt kein frei schwebendes "Parlamentarisches System", welches als ein Gegenpol zum "Parteiengezänk" die Demokratie verkörpert. Das Parlamentarische System ist letztlich so, wie die Akteure, die sich in ihm bewegen. Hier muss man sich als politischer Mensch letztlich positionieren.

>>>Linke hätten mehr politische Durchschlagkraft,... Wen meinen Sie die Partei oder eine politische Orientierung? Wenn Sie die Partei "Die Linke" meinen, ist es eine andere Diskussion, denn wie schon gegenüber Angelia dargestellt: Wenn Augstein die Partei meinte, dann stellte er für mich nicht den politischen Standort vom dF in Frage.

Das aber ist der Gegenstand meiner Kritik.

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preussenmichel34 23.08.2011 | 12:55

Gedanken eines Tölpel von der Couch aus :

Günter Wallraff habe ich während einer Debatte auf arte mal sagen hören :

„Man darf nicht von vorne herein alle Verdammen in den Medien. Es gibt auch gute Journalisten, die es wert sind, gelesen und unterstützt zu werden !“

******

Die Nach Denk Seiten

Ein hervorragender Feldherrenhügel. Eine gute Anhöhe.

Man überblickt nicht immer das ganze Schlachtfeld und trotzdem kann man tief in die Linien blicken.

Die täglichen, schwarz weiss aufgereihten Satz-Kolonnen geben die Sturmrichtung vor. Zwischen den Zeilen herrscht klare Ansprache.
Die einfachen Verknüpfungen Ihrer Generalität halten Einheiten und Kombattanten jeder Gattung bereit.

Fahrendes Volk, Gaukler, Heilige, Pfeffersäcke und Fürsten.
Abenteurer, Strauchdiebe, Gauner, Mörder und Halunken.
Revolutionäre, Aufklärer, Mineure, Söldner, Plänkler, Mineure, leicht und schwere Infanterie.

Da gibt es Batterien, die ein vortreffliches Kaliber verschießen und
in Windeseile vorgetragene Kavallerie-Attacken mit der Wirkung eines Orkan .

Mit wehenden Fahnen ziehe ich täglich mit Euch mit.

Früher hieß es Willi wählen,
heute gilt für mich Nach Denk Seiten sehen.

Eure treuen Dienste haben einen unschätzbaren Wert.

Mit aufrichtigem,
mit untertänigem Dank.

Euer PreussenMichel

*****

Und Herr Peter Scholl-Latour hat einmal gesagt, das man im Alter die Möglichkeiten hat, sich zwischen Alters-Milde und Alters-Zorn zu entscheiden. Er habe sich für den Alters-Zorn entschieden.

****

Also Salon-Sozialist. Mmmmh.

Bei Salon stellt sich mir die Frage, von welchem Salon man hier ausgeht.
Ausgehend vom 2. Weltkrieg als Vater aller Dinge.

Der französische Salon wird es nicht sein. Er scheint mir genauso bedeutungslos geworden, wie der deutsche Stammtisch.
Die Russen haben meiner Einschätzung nach mit Salons wenig am Kopf, die gehen lieber mit Mamutschka saunieren und Wodka trinken.

Bleiben also nur noch zwei :

Ist es also der englische Salon der feinen Gesellschaft, wo man laut Karl Marx nur der puren Langeweile frönt. Wo man meinem Eindruck nach in einer eigenen Welt lebt und sich Piratengeschichten vom „wie man es gerne hätte“ in die Tasche erzählt. Meist hinter verschlossenen Türen oder noch schlimmer mit Drehtür.

Oder ist es der klassische Salon, den Mann aus Cowboy-Filmen vom Wilden Westen kennt. Wo das Glücksspiel herrscht, wo gesoffen wird, gehurrt und zotige Witze. Wo man miese und gute Geschäfte macht,
wo schon mal eine zünftige Schlägerei im Gange ist, bei der alles kurz und klein geschlagen wird.
Und wo im Eingang eine Schwingtür sein muss, sonst ist es kein Cowboy– Film.

Herr Augstein,
Ihr Name hat einen guten Schmiss. Ist eine Marke.
Hat das Zeug zu einem Fixstern am Firmament über all den Paralleluniversen.

Und bisher :

Ihr Beitrag in der Freitags-Ausgabe nach der Bundestagswahl 2009 „Der Trick des Teufels oder wie die Konservativen uns für dumm verkaufen“ hat damals großen Eindruck auf mich gemacht !

Die Berichterstattung über die Opfer von Kunduz.
Frau Merkel sagt in Ihren vielen Reden so gut wie gar nichts.
hr Dialogbereitschaft für ein bedingungsloses Grundeinkommen.
Ihr Einschreiten bei der FAZ – Sarazzin – Broder – Springer - Stimmungsmache
Abzug aus Afghanistan
Von Guttenberg war ein Hausminister der BILD
Unter Deutschland’s Lack ist brauner Rost.
Die FDP ist aus der Geschichte gefallen.
Ihr respekierende Haltung gegenüber der Links-Partei.
Ihr Bekentniss zu EUROPA
Ihre Berichte über den Raubzug der privaten Verlage wie Springer gegenüber den Öffentlich-Rechtlichen.
Ihr Partnerschaft mit IGEL
Ihre Partnerschaft mit dem britischen Guardian
Ihr Arbeit mit und für ein ehemals nahezu ostdeutsches Blatt
Die Möglichkeiten des Pallawers in der Freitag Community.

Und natürlich : Wir brauchen Neuwahlen !

Zur Zeit sind Sie für mich ein waschechter Cowboy . . . .
und dafür bleibe ich Freitags-Indianer !

****

Oskar Lafontaine – Hetzjagden und Auswirkungen
(Couchbeobachtungen)

Ich hab es beileibe nie ganz verstanden, aber ich habe erkannt, das es ein gewaltiges Interesse und Tatendrang gab und gibt, den Ruf dieses Mannes in der Öffentlichkeit zu zerstören.

Wird sich die Berichterstattung jetzt ändern ?

Dem Mann wurde nicht auf die feine englische Art mitgespielt. Angefangen hat alles mit Kanzleramtsminister Bodo Hombach, der im Auftrag von Schröder versucht hat, aus dem SPD-Volkstribun einen Puddel zu machen. Sein Bruch mit Schröders Regierung zeugt mir rückblickend betrachtet von Rückgrat.

Der Saarländer hat seitdem mediale Hetzjagden oder Standrechtliche Erschießungen auf seinen Ruf ertragen, die in keinem Verhältniss stehen und die ja sogar aus englischen Salons geführt wurden. Er bewies Standhaftigkeit.

Das er darauf sogar mit dem Vorsitz einer ersten gesamtdeutschen Linken - Partei im Bundesrang nach der Wiedervereinigung antwortete, macht Ihn verwegen.

Er kann einen besoffen reden.

Wo ist eigentlich das Springer Sprech Gehöhne : Der macht den Lafo ! Da die Konservativen dem Lafontainismus nun reihenweise anheim fallen, will ich von Ihm noch eine Weisheit über Merkel aus dem letzten Wahlkampf gratis oben drauf geben :
„Die ist doch fremdgesteuert.“

Bei der Treibjagd hat der Spiegel auch eine krude Rolle gespielt. Mit dem Bericht „Der virtuelle Kandidat“ in der Ausgabe vom 16.11.2009 war der letzte Rest Vertrauen zum Spiegel zerbrochen. In dem Beitrag wurde Lafontaine ein Verhältniss zu Frau Wagenknecht angedichtet.

Die Titelgeschichte war damals der Suizid vom Profi-Fussballer Robert Enke. Cover „König Fußball“ mit Selbstmord ! Sicherlich eine der meist vergriffenen Ausgaben des Jahres 2009. Das war meinem Geschmack nach bewußte, gezielte Stimmungsmache ! Am Dienstag nach der Veröffentlichung des Heftes erklärte Lafontaine eine Krebserkrankung.

Die Sendung ttt im Ersten wie auch extra 3 haben über diese Räuberpistole einen kritischen Beitrag gemacht. Da war auch Herr Aust zu hören. Aus meiner Erinnerung „Herr Augstein hat seine Mitarbeiter früher immer dazu angehalten, erst einmal zu schreiben, was ist !“

Bei Spiegel-Journalisten habe ich während des Jahreswechsel den Eindruck bekommen, das die Haltung vom groben „Was ist „ zum vornehmen „Wie man es gerne hätte“ nicht nur endgültig gekippt ist, sondern auch dreist zur Schau getragen wird.

Herr Schwennicke war am 22.12.2010 im DLF Gast bei der Sendung „Zur Diskussion“ Thema : Der wählerische Souverän
Deutschlands Parteienlandschaft im Umbruch.

Sabine Adler moderierte, weitere Gäste Stefan Braun (Süddt.) Majid Sattar (FAZ) und zugeschaltet Hugo-Müller Vogg (Bild)

Der Spiegelmann, der eigentlich symphatisch wirkt, schien eingekreist. Er brachte fast keine eigenen Positionen zustande. Fast kein krummes Wort über Ms. Mörkel. Über Staatsrkise Westewelle, über die Wikileaks-Veröffentlichungen, über Krieg in Afghanistan, über Show in Afghanistan. Anstatt z.B. die Regierung zu kritisieren, hat man meiner Erinnerung nach nur vornehmlich auf die FDP im gesamten dreingeschlagen oder an der Oberfläche gestreichelt. Es war für mich ein erschreckend harmloser Auftritt von Herrn Schwennicke angesichts der Ereignisse des Jahres 2010.

Um so verwunderlich schien für mich ein Beitrag von einem der Chefredakteure, Herr Mascolo am 01.01.2010 in „Die große Samstags-Dokumentation – Jahresrückblick 2010“ auf Vox. Da hat er so etwas von sich gegeben wie, „eine Regierung, die rückblickend 2010 soviele Herausforderungen durchstanden hat, wird bis 2013 im Amt bleiben !“ Da das in einer Dokumentation, produziert von Spiegel TV, eingebettet war und nicht in einer Debatte, kann ich hier eine Variante des niederen Kanzel-Journalismus erkennen.

For me it had a taste of
Treueid auf schwarz-gelb oder Selbstaufgabe.

****

... und was die israelischen Salons (oder soll ich sagen Kaffehäuser) angeht. Nun, durch die Blume gesagt : Hier wird man dem einen oder anderen Kränzchen auf Dauer nicht aus dem Weg gehen können. Die letzte Reiberei gab es ja im Januar. Und eigentlich schätzen doch Gärtner Rosen, sind Sie doch eine Zierde und Augenweide für jeden Garten.

Bei den derzeitigen Demonstrationen in Israel habe ich einen jungen Mann etwas bemerkenswertes sagen hören : Man ist die ewige - Wir müssen uns verteidigen - Politik satt. Es gibt auch ein Israel, das ein ehrliches Miteinander will.

Dazu möchte ich mit einer persönlichen Anekdote enden. Auf einem mittelalterlichen Markt habe ich mal einen lustigen korpulenten Kerl erlebt, der einen Mönch darstellte und ein wenig an „Bruder Tack“ erinnerte. Manchmal hat er aus Spass auch einen kauzigen Rabbi gemimmt, was immer zur allgemeinen Erheiterung beitrug.

Wenn Ihm Besucher z.B. allzu penetrant auf die Gewandung rückten, setzte er sich eine improvisierte Kippa auf, versteckte sein KreuzAnhänger, reibte sich seine Hände und natzte in leicht jiddischem Sprech :

„Briederchen, lass uns doch a kleene Bar Mizwa machen. Der Rebbe Tuchmann aus Krakow hat immer jesacht : De Beschneedung jeht auch janz schnell.
Schnipp - Schnapp, iste ab.“

Uwe Theel 23.08.2011 | 13:38

@ Columbus schrieb am 23.08.2011 um 01:30

Ich möchte aber nicht in einer Geschichte mit Volkskongressen und Volksräten aufwachen, die mir am nächsten Tag sagen, ich solle abhauen, den Mund halten, die mir im schlimmsten Falle, mit Lager oder Fallbeil drohen.

Lieber Christoph,

was soll denn dieser antilinke, polemische Satz innerhalb einer Diskussion unter Linken:

Du setzt hier die unsägliche Sprache Pauschalisierung der Linken mit den Argumenten der bürgerlichen Rechten nahtlos fort.

Wem soll das dienen? - Das ist keine konstruktive Aufforderung an Leute, denen man (angeblich???) zutraut den linken Gedanken forwärts zu bringen.

Um Rapanuis Holzammer differenzierender zu gebrauchen:

Der Antikommunismus, der in solchen Worten und Sätzen wie den Deinen oder JAs immer noch mitschwingt, ist der, der in Deutschland seit Anbeginn der sozialistisch-kommunistischen Bewegung vorhanden ist und von seinen Sprechern und nie wirklich begründet wird, werden kann. Da sind nur die hohlen Versatzstücke wie das von "modernen Entwicklungen" im Kapitalsimus, der sich schon selber hülfe , oder das eben ewig rückwärts verwurzelte Sozialismus-/Kommunismusbashing der bürgerlichen Gesellschaft (Klartext: Der Sozialismus/Kommunismus war schon immer verbrecherisch, wird es immer sein).

Seinen historisch "aktuelle", weil frische Verwurzelung aber hat diese "Haltung" in der blutigen Gehirnwäsche in diesem Sinne, die zuletzt der deutsche Faschismus als historisch extremste Form bürgerlicher Herrschaft veranstaltete, deren so perpetuierte Ergebnisse bei uns im kalten Krieg und der Adenauerzeit und seither immer noch nicht nur nachwehen.

Jede Diskussion" der Art wie sie JA hier startete ist erneute Befruchtung dieses Schoßes.

Hier gälte es zu diskutieren. Diese Diskussion ist aber eine andere, als die, die für einen emazipatorischen, forwärtsgewandten, demokratischen Sozialismus geführt werden müßte, so wie Michael Jäger hier im Freitag dies z.B. tut. Dabei halte ich solche Ballungen wie "emazipatorischer, forwärtsgewandter, demokratischer Sozialismus" für vorauseilenden Gehorsam gegenüber der bürgerlichen Reaktion als Reflex auf die gerade angeführten Zusammenhänge: Man kann ganz einfach "Sozialismus" sagen, ich tue dies in der regel auch selbstbewußt. Was anderes sollte er sein?

Gruß

Uwe

P.S.: Wemn mir jetzt einer vorwürfe, ich vergäße die Verbrechen des Sozialismus/Kommunismus und nicht einmal sagte die Verbrechen die verräterisch im Namen des Sozialismus und Kommunismus begangen wurden, so wäre das nur mehr vom Gleichen, das ich soeben kritisierte.

Dreizehn 23.08.2011 | 14:29

Bestenfalls, werter Christoph Leusch, reden wir aneinander vorbei.

Ich schrieb, daß Augstein einen Satz Camerons zustimmend zitiert. Daß Sie mir nun in Ihrer Frage unterstellen, ich wolle ihm "eine Zustimmung zu Cameron zimmern", mag man mit Ihrer Aufgeregtheit erklären, aber einige Zeilen drunter grenzen Sie sich gegen die Behauptung ab, "Augstein solidarisiere sich mit PM Caneron". Das habe ich, wenn Sie so freundlich sind nachzulesen, so lang sind meine Texte nicht, nie behauptet.

Falls Sie diese Art, miteinander zu diskutieren, intensiver pflegen möchten, empfehle ich Ihnen zum Thema Eristik ein Werk von Karl-Heinz Anton: Mit List und Tücke argumentieren.
Technik der boshaften Rhetorik; dort insbesondere die Erläuterungen zu Subversive Fragetechnik, Taktisches Gegenteil, Unbewiesene Voraussetzung, Aufbauschstrategie.

Columbus 23.08.2011 | 15:51

Guten Mittag Uwe Theel,

Auch mir gehen die Pferde durch und ich werde unscharf im Argument. Ich ärgerte mich über so viel Auslegewillen, anstatt kompletter Lese des Augstein Textes. Keinesfalls wollte ich Rapanui an den Karren fahren, also hier auch meine Entschuldigung!

Aber genau so, wie sich der reale Kapitalismus, in dem wir ja tief stecken, -ich hoffe daran gibt es wenigstens keinen Zweifel-, von den theoretischen Konzepten dazu unterscheidet, -Theoretisch ist eben die Effizienzleistung uneinholbar gut, sogar die Erhaltung der Natur über Preise und Börsen regelbar, wie sogar die Grünen glauben.-, gibt es gute und richtige, ja ideale Konzepte von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Dazu eine Verfassung, die es zu verwirklichen gilt, die nicht schon mit der Erklärung zur Bundesrepublik Deutschland, 1949, erfüllt wurde. Auch mit 66-68ff war dann nicht ein Endpunkt erreicht, schon gar nicht mit dem Beitritt der ehemaligen DDR, und der norwegische Staatschef erinnerte jüngst daran, dass das Mehr an Demokratie ein Dauerauftrag ist.

Mindestens in den letzten zwei Dezennien wurden einmal schon erreichte Positionen willentlich aufgegeben, und das liegt zur Hauptsache in der Willensentscheidung der Sozialdemokraten einen kompletten politischen Richtungswechsel vorzunehmen und an der Entscheidung der Grünen, diesen Wechsel als "Kellner" mit zu vollziehen. CDU/CSU und FDP waren länger schon mehrheitlich überzeugt, es sei notwendig. Seither baut eine öffentlich wenig erkennbare, sehr breite Mehrheit an Parmamentariern mit ganz unterschiedlichen Parteibüchern an der gleichen Form der im Sinne des Marktes, "gelenkten" Demokratie.

Sie glauben daran und sichern auch ihre Mandate so ab. Sogar politische Pausen und die Regierungswechsel, sowie der Austausch mit den Lobbyarbeitsplätzen, sind entsprechend eingeplant und geregelt. Man kennt sich.

Das Konzept Demokratie aber, im Prinzip ein Minderheitenschutz-, Transparenz- und Beteiligungskonzept und das Konzept Republik, nämlich eine verbindliche, belastbare und in Kernpunkten nicht beliebig änderbare Verfassung zu haben, sind eine Idealität, der die Realität nur schrittweise und letztlich in einem unendlichen Regress näher kommt, zuletzt sich gar wieder entfernte.

Die linke Opposition des "demokratischen Sozialismus" tut aber manches Mal so, als sei alles korrupt, unbrauchbar, böse und z.B. in den Fragen der Wirtschaft, sei alles als rein staatliche Lenkungsaufgabe zu bewältigen. Sie schickt Grüße nach Kuba und redet sich beim Mauerbau um Kopf und Kragen.

Das hindert, die eigentliche politische Leerstelle mit Aussicht auf Erfolg (Genügend Menschen die nicht links sind, auch so nicht angesprochen werden wollen, zukünftig überzeugen!), von der auch geistig völlig ausgelaugten und hohlen SPD endlich zu übernehmen. - Die sind derzeit dabei, sich auf ein "Schrö-Fi- II", mit Steinen, Erzengeln und Künasten vorzubereiten.

Herr Augstein wünscht sich Verteidiger des parlamentarischen Systems, die es selbst ernst nehmen. Derzeit sitzen da, gerade bei den etablierten Parteien, Kräfte, die den Parlamentarismus als reine Ermächtigungsmaschine für und über Verfahren ansehen und das Geschäft auch so betreiben.
(In Berlin z.B. aktuell: Wer ist der bessere Wirtschaftförderer, wer lockt besser; Wer schützt, allein durch seine Wahl, die Pkw der Bürger; Wer erklärt besser ein gliedriges (!) Schulsystem).

Das geht ja sogar ein paar konservativen Hinterbänklern und alt gewordenen, Herz-Jesu-Marxisten auf, aber z.B. niemandem mehr in der FDP, kaum noch jemandem in der SPD (Eine Ausnahmeerscheinung M. Bülow., schrieb hier öfter bei der dFC).

Es stimmt, ich ziehe mir den Schuh an, es war Bashing und Keule und nicht gut, aber eines aus der Reaktion, immer mit dem Gefühl, da wollen Leute Augsteins "Links"- oder "Nicht-Links"- sein, durch eine Zerlegung seines Artikels in Satz-Fragmente nachweisen. Ein Satz aus dem Kontext, ist immer ein falscher Satz und diese Methode, es funktioniert z.B. bei Jungle World oder Konkret mit dem ewigen Antisemitismusvorwurf genau so, macht einen schnell zum Gegner und in Zeiten des Web stempelt es ewig ab.

Dabei muss doch ein Artikel Absatz um Absatz gelesen werden und nach den Pünktchen in Rapanuis Zitat und natürlich im Ausgangstext kommt die Erklärung, wer und was gemeint ist, so, wie Rapanui es doch einfordert.

LG und Mahlzeit
Christoph Leusch

willibald hamster 23.08.2011 | 15:54

Lieber Herr Augstein, Sie schrieben:

"Links in einem politischen Sinne wäre es, das parlamentarische System gegen seine Feinde zu verteidigen und innerhalb dieser Gesellschaft für mehr Gerechtigkeit zu kämpfen. Der Posten ist frei, seit die Sozialdemokraten ihn gekündigt haben. Dafür müsste sich Die Linke aber endlich von dem Gedanken verabschieden, die Vollendung der Gesellschaft liege jenseits des parlamentarischen Systems. Dort wartet nur die Stasi. Sonst nichts."

Ersteinmal misstraue ich dem zutiefst utopischen Gedanken - Utopie hier nicht in der positiven Bedeutung eines Herrn Blochs -, der "demokratische Rechststaat" sei mitsamt seines Parlamentarismus politische Formvollendung, das ist liberales Geschwätz von vorgestern. Was zeichnet diesen demokratischen Rechtsstaat aus? - Rechtsgleichheit, mehr nicht.
Was bedeutet Parlamentarismus? - Dass wir als Volk repräsentiert werden und unsre einzig legitime politische Aktion im Wählen besteht (es ist ein Irrtum, anzunehmen, wirkliches Demonstrieren sei erlaubt), kann nicht als demokratisch bezeichnet werden. Diesen Grundwiderspruch erkannte schon Rousseau und verortete ihn als aristokratisches Überbleibsel, wie sich überhaupt der Liberalismus gut mit dem Obrigkeitsstaat versteht.

Dieses "innerhalb dieser Gesellschaft für mehr Gerechtigkeit zu kämpfen" versucht nahezulegen, dass diese kapitalistische, pseudo-demokratische Gesellschaftsform die einzig wahre sei. Jede soziale Errungenschaft innerhalb des Kapitalismus wird von ihm irgendwann zunichte gemacht, Stichwort neoliberale Offensive. "mehr Gerechtigkeit"...Ich bitte Sie!, Gerechtigkeit und nicht weniger muss es heißen, entweder die Welt ist gerecht oder eben nicht!!

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Ehemaliger Nutzer 24.08.2011 | 00:49

@ Columbus schrieb am 23.08.2011 um 13:51

>>>Dabei muss doch ein Artikel Absatz um Absatz gelesen werden und nach den Pünktchen in Rapanuis Zitat....

Sie meinen, dass Augstein die Neoliberalen meint, die die Gerechtigkeit nicht mit der Freiheit verbinden können? Das glaube ich nicht, denn dann hätte er geschrieben, dass die die Idee der Freiheit nicht mit der der Gerechtigkeit verbinden können. Außerdem bezieht sich doch Sie auf das Substantiv im vorhergehenden Satz und das heißt nun mal "die Linke". Das steht nicht die Partei "Die Linke". Diese Art von Diskussion vergällt mir das Denken. Soll Augstein doch selbst erklären wie er es meint, ich habe eindeutig geschrieben, wie ich es verstehe.

>>>Links in einem politischen Sinne wäre es, das parlamentarische System gegen seine Feinde zu verteidigen und innerhalb dieser Gesellschaft für mehr Gerechtigkeit zu kämpfen.

Was will Augstein denn mit diesem Satz sagen? Meint er denn mit "das parlamentarische System" das der Bundesrepublik, das ideale oder dessen aktuelle Institutionen? Der Satz ist vollkommen unpolitisch und jeder Schüler kann dem nach einer Unterrichtsstunde zustimmen und sich eine "Eins" abholen.

Und hier: Die Linke muss "innerhalb dieser Gesellschaft für mehr Gerechtigkeit kämpfen". Das zeugt doch von seinem völligem Unverständnis für den Diskussionsstand innerhalb der Linken und die aktuellen Konfliktlinien. "Innerhalb dieser Gesellschaft kämpfen", das kann man doch gar nicht ernst nehmen. Nicht weil es ein Standpunkt wäre, den man nicht teilt, sondern weil es gar nichts aussagt.

Ich habe jeden Satz aufmerksam gelesen. Neben solchen Allgemeinplätzen, wie oben aufgeführt, kommt dann der "Scherbenhaufen" als ein sehr eindeutiger Standpunkt. Augstein reduziert die Linken auf die "Vertriebenen" und die "Zänker".

An welche " Linken" wendet er sich also? Wo sieht er Beispiele für den "Kampf innerhalb der Gesellschaft für Gerechtigkeit"? Mit wem solidarisiert er sich? Mit wem sympathisiert er?

Kein Standpunkt. Nirgends.

Angelia 24.08.2011 | 01:46

Da wir wegen der unterschiedlichen Interpretation des Augstein´schen Textes eh nicht auf einen Nenner kommen, noch was zu den Sternchen :-)

Das geht so: wenn man einen Irrtum durch selbstständiges überprüfen des Originaltextes erkennt, das heißt, sich nicht auf den Zitierer verlässt, der ja den wesentlichen Satz nicht zitierte, was man aber nicht wissen konnte, sich aber trotzdem freiwillig fragte, hat der Zitierer im Kontext vielleicht doch recht, man, also ich, dann seinen Irrtum erkennt, diesen dann öffentlich zu gibt, statt in üble Sophisterei oder Rechthaberei zu verfallen (was ich könnte, wenn ich wollte) dann hat man insgesamt 6 Sternchen verdient. 2 * für´s sich selbst überprüfen, 3* für´s zugeben´und ein Sondersternchen.

Wenn man eine fehlerhaftes Zitat/Irrtum nicht zu gibt, kriegt man 3 Sterne abgezogen. Für Verdrehung des Sachverhaltes noch mal - 2 * und wegen der Sophisterei gibt es noch mal - 1 * extra, macht - 6 *

So ! ;-))

Columbus 24.08.2011 | 04:54

Nein, da steht nicht nur klar und deutlich, dass sich die Neoliberalen irren und die falsche Politik (nämlich Sicherheits-und Ordnungspolitik) machen, die am Ende zur Zerstörung der Demokratie beitragen kann, sondern eben auch, dass die Grußadressenlinke nicht in der Lage ist, den von der SPD bereitwillig zur Verfügung gestellten politischen Spielraum zu nutzen.

Z.B. Lafontaine, Bisky, Gysi und auch Sahra Wagenknecht haben das, teilweise erfolgreich, versucht. Derweil sind aber interne Diskussionen und ein leidiges Festhalten an ganz alten Einschätzungen der Lage (einschließlich der damit verbundenen Rhetorik) dabei, den Erfolg wieder zu gefährden. - Die bürgerliche Presse wird nicht zögern, das auszunutzen und die Finger in diese Wunde zu legen.

Und einen festen Standpunkt teile ich mit Jakob Augstein: Ohne Demokratie und Republik geht es nicht. Es gibt auch für Linke politisch nichts besseres und erstrebenswerteres, als diese Prinzipien der Demokratie. Für einen "demokratischen Sozialismus" kann es also nur darum gehen, seine Chancen und Aufgaben in der Demokratie ernst zu nehmen, zumal eine alte, große Partei ganz freiwillig viel Platz schuf.

Anderen Falles bleibt das alles auf der Ebene feinen Streites unter Linken, die sich gegenseitig in die Pfanne hauen und dann zu Recht marginalisiert werden.

Vielleicht ist es notwendig über den deutschen Tellerrand hinaus zu blicken und sich ein wenig mehr z.B. an Billy Bragg (Hyde Park Corner Speeches) , Negri und Hardt (Konzepte für die Multitude), an den Jugend- und Arbeitslosenbewegungen in Spanien und Frankreich (Verzicht auf Ideologie, dafür ein paar klare Forderungen, Spontanität und Hartnäckigkeit) , an der Beteiligung der linken Intellektuellen und Künstler dort zu orientieren und die Kämpfe um Ideologien innerhalb der Linken einzustellen.

Dazu gehören auch ehrliche Bündnisse, z.B. mit den Progressiven in den Kirchen, dazu gehört der Abschied von der leisen Trauer, am Politbüro oder an der verkrusteten Führungsideologie Kubas, oder sonstigen historischen Gegebenheiten aus der politischen, staatssozialistischen Vergangenheit sei irgendwie noch Rettenswertes übrig.

Es ist schlicht nichts mehr da und der Strukturaufbau der Deutschländer ähnelt sich zunehmend, wobei mittlerweile die Farben und Straßen im Osten frischer, der Beton noch dreister und die Ackerschläge schier unendlicher wirken, als je in manchen Teilen des Westens.

Auch die politischen und gesellschaftlichen Mentalitäten von Ost- und Westdeutschen haben sich angeglichen und es ist besser für Linke, sich dieser Tatsache nicht durch heftiges Augenkneifen zu entziehen.

Das heißt aber auch, die Demokratie und die Republik nicht als etwas Instrumentelles, sondern als wertvoll und primär, vor solchen Themen wie Sozialisierung, Rekommunalisierung, Stärkung von Genossenschaften und Gewerkschaften, usw., zu begreifen. Dieses System ermöglicht auch den unblutigen Machtwechsel und schützt die jeweilige Opposition, ja jeden einzelnen angefeindeten und angegriffenen Bürger, zumindest in der Idealität. Das dem in der Realität nicht so ist, das erzählen nun sogar Konservative.

Mit diesen Prinzipien im Gepäck lassen sich die Hürden überwinden, die medial und von den politischen Gegnern errichtet werden, um Linke an der Einrede und Gegenrede im großen Stile, vor einem breiteren Publikum zu hindern.
- Das kann man aus einer Position der Anerkenntnis und Bejahung der bundesrepublikanischen Demokratie viel überzeugender leisten, weil dann die Verstöße der Konservativen und Rechten als Abbau der einmal erreichten Stufen klar offen liegen. Sie brechen ihre eigenen Regeln und übergehen die Grundlagen der Demokratie, neben der Tatsache, dass ihre Wirtschaftsmodelle nicht schaffen, was sie einst versprachen. - Damit lässt sich also linke Politik machen, damit lassen sich Wahlen gewinnen.

Augstein hat hier nur seine erste Sorge angesprochen, dass nämlich dieses friedliche und sichernde System der Demokratie in Gefahr ist und die Linke sich besser als Retter, denn als Zerstörer einen Namen machen sollte. Damit gewinnt man Stimmen.

Die Populisten der Rechten in der EU verkünden, das politische System an sich sei schuld und müsse über Bord (z.B. Behandlung von Fremden nach einem anderen Recht, Notstand, Sicherheit und Ordnung). Die machen diese Propaganda viel plausibler und wirksamer als es Linke in der Geschichte je konnten.

Grüße und gute Nacht
Christoph Leusch

Joachim Petrick 24.08.2011 | 05:03

zur thematischen Erbauung:

www.freitag.de/community/blogs/joachim-petrick/schirrmacher-krallt-sich-frank--frei-linkes-arche-noah-geschirr

24.08.2011 | 02:52
Schirrmacher krallt sich, frank frei, linkes Arche Noah Geschirr
schirrmacher prantle konservatismus linke lafontaine echternachsche springprozession arche noah missionare

Konservative kapern, enternd um sich knutschend, "Linke" Arche Noah Positionen.
Knutschend konservative letzte Mohikaner greifen beim politischen Elchtest zum linken Geschirr?

Linke Positionen von den letzten Mohikanern des Konservatismus bis zur Unkenntlichkeit vereinnahmt?

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Ehemaliger Nutzer 24.08.2011 | 22:09

@ Christoph Leusch schrieb am 24.08.2011 um 02:54

Sie könnten ja selbst den Leitartikel im Freitag schreiben. Immerhin ist der von Ihnen nächtens geschriebene deutlich besser als der von Augstein.

Es bleibt dabei, der Leitartikel von Augstein ist unsolidarisch gegenüber den Linken. Seine bis in die Wortwahl hinein ausgelutschte Argumentation gegen die Partei "Die Linke" hätte ich mir auch in der "Zeit" abholen können. Die Partei "die Linke" und die Linken als Denkrichung hätte eine andere Kritik verdient.

Das von Augstein den Linken zugewiesene Areal "Besetzung der SPD-Baracke" entspricht nicht der politischen Situation. Die gegenwärtige politische Situation ist nicht entstanden, weil die SPD die Baracke geräumt hat, sondern weil sie daraus verjagt wurde. Die Konzepte "Sozialpartnerschaft", "mehr Demokratie wagen", "Staatsbürger in Uniform",... funktionierten unter spezifischen, nicht wiederholbaren politischen und historischen Bedingungen.

Wo bleibt Augsteins politische, historische, ökonomische Analyse des Kapitalismus, ohne die eine Linke gar nicht zu denken beginnen kann. Da lese ich etwas vom "parlamentarischen System" und der "Demokratie" - sollen das die gegenwärtigen Erscheinungsformen des Kapitalismus sein?

Augstein hat zur Entwicklung des "Produktivkräfte" nichts zu sagen. Dass die Linken sehr oft so deplatziert und aus der Zeit gefallen wirken, hat etwas damit zu tun, dass sie offensichtlich nicht wirklich verstehen, wie sich die kapitalistische Gesellschaft durch die hohe Dynamik in Wissenschaft und Technik entwickelt.

Zu alledem nichts, sondern nur Gewaber von der "Moralischen Kernschmelze".

Uwe Theel 24.08.2011 | 23:06

Lieber Christoph,

den Popanz:

Und einen festen Standpunkt teile ich mit Jakob Augstein: Ohne Demokratie und Republik geht es nicht. Es gibt auch für Linke politisch nichts besseres und erstrebenswerteres, als diese Prinzipien der Demokratie. Für einen "demokratischen Sozialismus" kann es also nur darum gehen, seine Chancen und Aufgaben in der Demokratie ernst zu nehmen, zumal eine alte, große Partei ganz freiwillig viel Platz schuf.

den muß man sich erst mal bauen, um auf ihn einzudreschen:

Als wenn die Linke keine Demokratie wolle, wenn sie Sozialismus sagt.

Dein und Augsteins Problem ist, dass ihr Euch die - ja wohl bürgerliche - Republik und die Demokratie nur sozialdemokratisch vorstellen könnt, also mit Kapitalismus, aber nicht ohne eben demokratischen Sozialismus. Den Raum, der in der Baracke leer geworden sei, ist mindestens seit Godesberg nicht mehr der, der er vielleicht einmal war und auch Scheidmann rief am 9. November 1918 die Republik aus, wie Liebknecht an dem selben 9. November 1918, dem SPD-Mann aber war sie damals schon von links bedroht. Was hätte da eine Linke seither zu besetzen? Allenfalls das, was nicht freigegeben wurde.

Und auch ein solcher Satz

Augstein hat hier nur seine erste Sorge angesprochen, dass nämlich dieses friedliche und sichernde System der Demokratie in Gefahr ist und die Linke sich besser als Retter, denn als Zerstörer einen Namen machen sollte.

von Dir ist grundfalsch: Wer behauptet es denn, dass die Linke eine Gefahr für die Demokratie sei? - Du und Augstein etwa? Dann wäret ihr nicht nur in der Gesellschaft von Scheidemann!!!

Ein seltsames Demokratieverständnis weht mich hier an: Als wenn es Demokratie nur auf die sozialdemokratische Weise gäbe.

"Denke zweimal, denke mindestens zweimal" spricht Messemer auf der Pardon-Platte "Anweisungen für Partisamnen" Worte des Mao-tse-tung, dem Vorsitzenden einer Volksrepublik, die bei den "Konservativen" nicht nur unseres Landes wieder hoch im Kurs ist.

Ich widme Dir diese Zeilen auch im gedenken an den großen Hannes Messemer.

Liebe Grüße

Uwe

Uwe Theel 24.08.2011 | 23:22

@Uwe Theel am 24.08.2011 um 21:06

Korrektur:

Oh, Verzeihung, da ist mir ein Satz ganz sinnentstellend verunglückt, weil da ein "nicht" stehen blieb:

Im fünften Absatz nuß der erste Satz natürlich heißen:

Dein und Augsteins Problem ist, dass ihr Euch die - ja wohl bürgerliche - Republik und die Demokratie nur sozialdemokratisch vorstellen könnt, also mit Kapitalismus, aber ohne eben demokratischen Sozialismus.

Angelia 25.08.2011 | 01:35

Uwe: "demokratischen Sozialismus...."

Der Sozialismus ist nach seinem Scheitern aber nicht mehr vermittelbar. Da kann man noch so oft das Adjektiv demoratisch vor hängen. Die Mehrheit der Menschen will den Sozialismus nun mal nicht. Und das zu akzeptieren, das wäre dann demokratisch. Außerdem müsste sich der Sozialismus zunächst von seinem Makel, der Diktatur durch den Staat, befreien und sich im Denken nachhaltig demokratisch verhalten.

Insbesondere bei den Linken, die, wie hier in NRW, nichts weiter machen als durch Blockade, Bockigkeit und Sturheit zu nerven, sehe ich nicht den Ansatz von demoratischem Verhalten. Sie wollen uns ihr Konzept aufzwingen, koste es was es wolle. Sie wollen jetzt schon Geld aus der Reichensteuer ausgeben, obwohl sie es nochgar nicht haben. Und zum lachen in den Keller schicken, das wollen sie uns auch noch. (Was beim Rhein-Ruhrländer so gar nicht ankommt)

Außerdem sind es Ultrasozialisten, wie Jakob Jung hier, die leichte Ansätze zum demokratischen Verhalten einiger Linke, scharf angreifen und back to the roots fordern.

Vermittle du uns doch mal den demokratischen Sozialismus in einem eigenen Blogbeitrag.

Fro 25.08.2011 | 03:11

Ja Angelia, diese Ungewissheit, was Sozialismus denn nun sei, der da von der Partei dieLinke gewünscht wird, wirkt auf die Bürger nicht besonders vertrauenserweckend. Zumal es immer noch Leute gibt, die das DDR-System als Sozialismus bezeichnen.
Ich unterstütze deinen Wunsch, Uwe oder ein anderer möge uns erläutern/skizzieren, was er unter einem demokratischem Sozialismus versteht.

In Jakob Jungs Blog schrieb ich einiges zum Thema.

Uwe Theel 25.08.2011 | 14:44

@ Angelia schrieb am 24.08.2011 um 23:35

Der Sozialismus ist nach seinem Scheitern aber nicht mehr vermittelbar.

Liebe Angelia,

Diesem Satz widerspreche ich ganz entschieden:

DER Sozialismus ist ein Zukunfstprojekt, das sich noch längst nicht zur Reife entwickelt hat. Wer die auch blutige Repression aus macht- und ideologiepolitischen Gründen in seiner Geschichte erfahren hat, kennt und immer noch nur ein Scheitern aus "internen Gründen" annimmt, die ihn auf immer diskreditiert haben und außer ideologischen oder mindstens ahistorischen Schlagworten nichts zur Sache beizutragen hat, ist mindesten historisch kurzsichtig.

Die Vorurteile, der Sozialismus wolle alle Menschen mit Gewalt "gleich" machen scheint sich mir z.Zt. vielmehr unter der Gleichmacherei des Kapitalismus von der Euronorm bis zur Gleichschaltung im ideologischen Denken durch die Massenmedien wirklich zu verwirklichen. Marx hat dies abstrakt/konkret längst im ihm, dem Kapital, alles subsumierenden Kapitalgesetz im Akkumulationsprozess und seinem unausweichlichen Ende (in "Unterfinanzierung" = Der Kapitalsimus ist nicht mehr bezahlbar - Genauer: im tendenziellen Fall der Profitrate)) formuliert.

Da wäre es also eher an Dir, diese dem Sozialismus zugeschriebene angebliche Scheitern aus Gründen der Gleichmacherei um den Preis der Freiheit und Menschenwürde als dem Kapitalismus NICHT EINWOHNEND zu beweisen. Dieser herrscht inzwischen weltweit, wenn auch noch nicht in einem "einheitlichen Markt", nicht der Sozialismus.

Was ich unter "Linkssein" verstehe, habe ich in meinem Blog

Was ist eigentlich "links"? - Individuum – Freiheit – Gesellschaft

www.freitag.de/community/blogs/uwe-theel/was-ist-eigentlich-links---individuum--freiheit--gesellschaft

schon diskutiert, nehme aber heute noch und fürderhin konkrete Fragen dazu zur Beantwortung an.

Liebe Grüße

Uwe

Uwe Theel 25.08.2011 | 14:58

@ Fro am 25.08.2011 um 01:11

Lieber Fro,

dann gilt für Dich auch meine Antwort an Angelia

www.freitag.de/politik/1133-moralische-kernschmelzecomment-304997

und an columbus

www.freitag.de/politik/1133-moralische-kernschmelzecomment-304822

In Jacob Jungs Blog habe ich Dir ja schon geantwortet - als Sozialist :-)

Dort schrieb ich auch am 24.08.2011 um 22:49 Uhr in Bezug auf Deine und Angelias Wahrnehmung der Linkspartei:

Nun ja, wenn man an die Wurzel geht, dann geht´s meistens auch auf den Nerv.

LG
ut

Uwe Theel 25.08.2011 | 15:16

@ Joachim Petrick am 25.08.2011 um 00:18

Lieber JP,

diese Dialektik eines "Gelungenen", das doch "nicht zutreffend" sei kann auch nur Dir gelingen, der Du die Sinnfreiheit zur Grundlage Deines Schreibens gemacht hast.

Wg. MR-R und GG: Wenn Grass einen Bestseller hat, dann weil er etwas zu sagen hat und schreiben kann.

P.S.: Du überschätzt den Spiegel übrigens auch in seiner Weisheit. DieZeiten sind lange her.

Bitte!

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Ehemaliger Nutzer 26.08.2011 | 12:05

@ Angelia schrieb am 24.08.2011 um 23:35

>>>Vermittle du uns doch mal den demokratischen Sozialismus....

Ein wirklich günstiges Angebot gibt es bei Lidl
a href="http://ostblog.blog.de/2011/01/26/lidl-schmueckt-marx-engels-10435451/" target="_blank">ostblog.blog.de/2011/01/26/lidl-schmueckt-marx-engels-10435451/

(Bedienungsanleitung: Ihre Aufforderung an Uwe Theel kommt daher, wie die einer übel gelaunten Konsumentin.)

Joachim Petrick 26.08.2011 | 17:07

Uwe Theel schrieb am 22.08.2011 um 22:18
@ Joachim Petrick schrieb am 22.08.2011 um 21:25

"Bist Du mt mir der, geteilten oder ungeteilten, Meinung, dass unsere Zivilgesellschaft unterfinanziert, mindestens hinreichenso finanziert gehört wie unsere Parteien durch das Parteienfinanzierungsgesetz? "

Entschuldigung JP, aber die Antwort gab ich Dir bereits:

Der Kapitalismus ist grundsätzlich "unterfinanziert", das ist seine "Berufskrankheit" und Du wirst ihn ebensowenig davon heilen, wie ein Bergmann ab einem bestimmten Punkt mit Sicherheit an der Staublunge erkranken wird. (Dass wir dieses Problem nicht mehr haben, liegt nicht am bergbau selbst.)."

Da haben wir sie wieder, die Moralkeule des Kapitalismus, um sich vor Antworten auf die wirklichen Fragestellungen der Unterfinanzierung unserer Zivilgesellschaft wohlfeil wie akrobatisch hochgestapelt hochtrabend zu drücken.

Eine unhaltbare Nummer ohne Netz noch doppelten Boden

Columbus 31.08.2011 | 02:49

ad Rapanui schrieb am 24.08.2011 um 20:09

Der Leitartikel als Leidartikel. Ich habe doch so gar kein Talent für Artikel jeglicher Art. Daher wurde ich auch nicht Journalist und nicht Schreiber.

Aber ich bin ein wenig nachsichtiger, weil die Aufgabe so schwer ist und, wie ich meine, dem Jakob Augstein eher seine Vorliebe für Zitate aus dem Wortschatz der Mehrheit der Andersdenkenden (Nicht-Linken) vorgehalten werden.

Die moralischen Fragen stehen sehr hoch im Kurs, gerade auch hier, in der dFC, und die Trockenheit des Diskurses um Wirtschaftsthemen, man müsste einmal ausprobieren ob es auch ganz anders geht, ist nicht allzu gefragt, wird aber häufig beklagt.

Sie fordern ein, was der ökonomisch halbwegs geschulte Jakob Augstein durchaus auch einmal ausführlich machen könnte. Wirtschaftsthemen, dazu gleich im Überblick, sind beim dF doch eher ein Desiderat. Aber ich vermute einmal, dass eine nennenswerte Erweiterung hier, zwar ein geheimer Wunsch der Redaktion und des Verlegers ist, aber die Finanzdecke noch länger knapp bleibt, um die Lücke, außer mit ein paar Gastautoren, hinreichend schließen zu können.

Mein Ideal wäre, eine Wirtschaftsredaktion fernab von Nacherzählungen der Firmenverlautbarungen, der Industrieverbandsmeldungen und der Dax-Dow-Interpretationen, die so formelhaft in allen Tageszeitungen, im TV und endgültig in den drei Massenintelligenzblättern, ZEIT (wieder Auflagenwachstum), SZ und Der Spiegel, zelebriert werden.

Sie schätzen den aktiven Anteil der SPD am Ausstieg aus der "Baracke", für meinen Begriff, zu gering ein und die Chancen der Partei "Die Linke", die Leere zu besetzen waren schon einmal deutlich besser. Dazu müssten bald wieder eine Sprache und politische Angebote her, die auch Nicht-Linke und nicht dezidierte Linke anziehen könnten.
- Auch das ist nur Meinung und meine halbe Wahrheit.

Grüße und weiter, weiter
Christoph Leusch

Columbus 31.08.2011 | 03:32

Also, hier bei der dFC gelte ich doch weniger als Partisan, sondern eher als Eretrist, Umstandskrämer und neuerdings, als Eckermann (;-) ). - Sei es so!

Ich finde es mutig, zudem ziemlich untypisch für dt. Verleger, sich so in die persönlichen Karten schauen zu lassen und vor allem, Diskussionen auszuhalten.

Jakob Augstein gibt sich als Zeitgenosse zu erkennen, der nicht unbedingt immer weiß, was näher an der Wahrheit liegt und daher manche Wertung auch daneben setzt. Aber, anders als alle nationalen "Mitbewerber", stellt er sich doch dabei nicht so blöd an, ins Publikum zu rufen, ihr seid alle blöd, wenn ihr nicht applaudiert.

Ich finde, dafür kann man seine Artikel auch am Stück und nicht in Stücken und zu Stücken kommentieren.

Meine Rückfrage: Würde irgend jemand in Deutschland noch einem anderen dt. Zeitungsverleger überhaupt das Attest "irgendwie links" ausstellen wollen? Etwa den ZEIT-Verlegern, die einmal linksliberal und konservativ-liberal waren und es vielleicht nun wieder werden (Tanker brauchen lange für ihre Wendekreise) , wenn die ökonomischen Zeiten sich ein wenig ändern?
Etwa bei der SZ, etwa bei Augsteins Beteiligungsblatt "Der Spiegel"? Bei Rudolf Augstein hieß es noch "im Zweifel links". Aber das ist durch ökonomische und verlagsrechtliche Veränderungen
gar nicht mehr drin.

Die Bedeutung anderer Zeitschriften und Zeitungen für die ernsthafte Meinungsbildung ist so weit zurück gegangen, dass da höchstens noch lokale und regionale Themen eine größere Rolle spielen.

Vom Fernsehen will ich gar nicht reden. Dort dürfen Linke, weil sie einfach noch zu viel Intelligenz und Intellekt besitzen, in der zweiten Reihe die Recherche und Vorbereitungsarbeit vieler Programme leisten und sogar die Unterhaltung beflügeln. Sie sollen aber, nach Möglichkeit und Wünschbarkeit der Politik (auch der SPD!) und der Intendanzen, nicht allzu sehr auffallen.

Was die Übertreibung angeht und das Missverständnis, pauschal alle Linken und Sozialisten mit dem blödsinnigen Diktaturverdacht zu überziehen, nehme ich ihre Kritik an. Das steht schon weiter oben. Ich bekräftige das aber hiermit noch einmal.

Gemeint sind jene, die immer schon wissen wie die Verhältnisse wirklich sind und jene, die von den alten Floskeln und der einlinigen Geschichtsbetrachtung nicht lassen können und das auch medial zum Ausdruck bringen.

Gute Nacht
Christoph Leusch

Uwe Theel 31.08.2011 | 14:58

@ Joachim Petrick schrieb in

www.freitag.de/politik/1133-moralische-kernschmelze#comment-303918

Zum Schluss möchte ich Dich herzlich einladen Dich an der gerade laufenden Debatte über den Kapitalbegriff und den überkommenen bzw. erweiterten und neu gestellten Begriff der Arbeit im Blog von Micheal Jäger zu beteiligen:

www.freitag.de/community/blogs/michael-jaeger/67-wird-sollte-es-etwas-wie-arbeit-gar-nicht-mehr-geben?

Antwort Das habe ich inzwischen längst mehrfach, auch auf Deine Beiträge eingehend getan. Bezeichnenderweise, ist da von Dir außer einer lustigen astrophysikalischen Interpretation des Kapitalismus nichts intelligibles geäußert worden. - Hätte auch die "Anstrengung des BegriffS" (Hegel) bedurft.