Jakob Augstein
Ausgabe 2213 | 29.05.2013 | 10:20 547

Schluss mit kostenlos

Paywall Wenn Journalismus eine Zukunft haben soll, muss der Leser zahlen. Auch im Netz. Was man auch sonst von Springer halten mag: Beim Bezahlmodell muss man ihm Glück wünschen

Schluss mit kostenlos

Hat eine Vision: Mathias Döpfner

Foto: Sean Gallup/ AFP/ Getty Images

"Was einen Wert hat, soll einen Preis haben." Ein Springer-Manager hat das am Montag dieser Woche gesagt, als das neue Bezahlmodell vorgestellt wurde, mit dem die Bild-Zeitung ihre Inhalte im Netz verkaufen will. Ein schwieriger Satz. Man kann sich eine Menge Dinge vorstellen, die einen Wert haben und nicht käuflich sein sollten. Und man kann sich fragen, welchen Wert die verschiedenen Inhalte der Bild-Zeitung jeweils haben. Aber dennoch war das für den deutschen Journalismus ein wichtiger Tag: Springer will der Kostenlos-Kultur im Netz den Garaus machen. Wenn es einen Verlag gibt, der dieses Ziel erreichen kann, dann ist es Springer.

Auch wenn manche Netzfundamentalisten das noch nicht wahrhaben wollen: Der Rausch des freien Netzes ist vorüber. Es ist der Morgen danach. Wir wissen jetzt, wenn sich nichts ändert, wird es guten Journalismus bald nicht mehr geben. Wir reden da nicht von einer fernen Zukunft. Die Erlöse der Zeitungsverlage befinden sich im Sinkflug. Ein Blick in die USA zeigt, dass daraus schnell der freie Fall werden kann. Es gibt außer Landlust und Zeit keinen großen Print-Titel, der wächst oder auch nur einigermaßen seine Stellung hält. Das sagt viel über die beiden Titel aus.

Zyniker und Apokalyptiker mögen mit den Schultern zucken. In einer Komödie von George Bernard Shaw bedroht das Feuer die Bibliothek von Alexandria; jemand ruft aus, das Gedächtnis der Menschheit werde verbrennen, und Julius Cäsar sagt: Lasst es brennen. Es ist ein Gedächtnis von Ruchlosigkeit. Mit der Haltung kann man auch der Zerstörung des Journalismus beiwohnen. Aber wer kann sich solch einen moralischen Luxus leisten?

Ohne Journalismus gibt es keine Demokratie. Vielleicht ist unser Journalismus nicht gut genug. Sicher ist unsere Demokratie nicht gut genug. Aber das eine braucht das andere, und das Netz untergräbt beides.

Immer noch verdient kein Medium im Netz das Geld, das notwendig wäre, auf Dauer eine auskömmliche Existenz zu sichern und gleichzeitig den journalistischen Auftrag zu erfüllen: Herrschaftskontrolle. Mit dem Geld der Anzeigenkunden allein wird das nicht gehen. Wenn Journalismus eine Zukunft haben soll, muss der Leser zahlen. Aber der Leser hat im Netz das Zahlen für Inhalte verlernt. Inhalte sind der freiverfügbare Rohstoff der Online-Welt. Ungeachtet ihrer Qualität. Das ist gefährlich. Die Verlage werden ihren Lesern den Unterschied zwischen Qualität und Quantität wieder beibringen müssen.

Springer ist dafür der unwahrscheinliche Kandidat. Aber Vorstandschef Mathias Döpfner hat so konsequent auf das Netz und die digitalen Erlöse gesetzt wie kein anderer. Und kein anderer hatte das Geld für diese Strategie. Das Netz globalisiert die Öffentlichkeit und begünstigt die Riesen. Reichweite und Technologie kosten Unsummen. Google ist der zweitgrößte Medienkonzern der Welt. Springer liegt nur auf Platz 41. Aber immerhin setzt Springer auf Journalismus. In diesen Zeiten muss man sich allein darüber schon freuen. Die Welt ist an dem Versuch gescheitert, zur dritten seriösen Tageszeitung neben Süddeutsche und FAZ zu werden. Bild hat sich in den vergangenen Jahren mit der politischen Berichterstattung viel journalistischen Respekt erworben. Ganz gleich, was man sonst von dem Haus halten mag, beim Bezahlmodell muss man ihm Glück wünschen. Der Erfolg von Springer wird der Erfolg des ganzen deutschen Journalismus sein. Und das gilt umgekehrt auch für seine Niederlage.

 

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 22/13.

Kommentare (547)

JR's China Blog 29.05.2013 | 10:54

Ich bin sicher, dass es in Zukunft Journalismus im Netz geben wird, der auf Bezahlmodellen basiert - und wenn er es wert ist, zahle ich auch gerne dafür. Aber im Moment fallen mir nicht viele Presseerzeugnisse ein, die es regelmäßig wert wären - im Grunde gar keine. Für die Presse scheint mir überwiegend zu gelten, was Hannah Arendt einmal über die historischen Wissenschaften sagte: Sie fallen um. Sie lassen sich vom Staate vorschreiben.

Es sind genau die Stories, welche politische und wirtschaftliche Eliten nicht lesen wollen, die recherchiert und veröffentlicht werden müssten. Bis dahin ist es mir eigentlich wurscht, ob es in Deutschland paywalls gibt. Über Deutschland kann ich auch in der ausländischen Presse viel lesen.

Georg von Grote 29.05.2013 | 11:09

Mal wieder herrlich zu lesen, wie Springer angeblich wieder Maßstäbe setzt im Journalismus und wie abhängig doch viele Medien von Springer sind, ohne es zugeben zu wollen.

Ich fürchte nur, das Hurra-Geschrei der so gebeutelten Verlage und Verlege kommt zu schnell und vor allem zu früh.

Hier ein Interview, das auch eine deutliche Warnung an die Nachahmer dieses Models enthält.

"Rott: Man darf diesen Schritt jetzt nicht überbewerten."

Tiefendenker 29.05.2013 | 11:27

Es ist schon sehr interessant mit anzusehen, wie das Kapital auf das Bewusstsein seiner Protagonisten wirkt.

Wir befinden uns am Beginn des Zeitalters der mikroelektronischen Revolution und Rationalisierung. Die Anwendung der Physik der kleinsten Teilchen. Diese neue Physik bedingt den Aufbruch in ein neues Zeitalter. Der Kapitalismus entstand aus und basierte noch auf der alten, Newtonschen Physik, mit seiner Verwertungslogik, der mechanischen Industrialisierung und dem dazugehörigen Wertesystem der abstrakten, Wertform, die wir täglich durch die kaufmännische Begleitung ausführen. Die moderne Mikroelektronik und das Internet brechen historisch mit dieser Logik. Sie führt zu immer größerem Wegbrechen und Abschmelzen der abstrakten Verwertungspotenziale und bewirkt damit das allmähliche Absterben des Kapitalismus. Das ist auch gut so.

Wie gesagt ist es dann interessant zu beobachten, wie die Subjekte innerhalb der abschmelzenden Verwertungsmöglichkeiten versuchen, das dennoch und entgegen des Trends doch wieder ins Kapital eingliedern zu wollen - hier mit der konkreten Forderung des „bezahlbaren Journalismus“ im Netz.

Nein, lieber Herr Augstein!!!

Gerade die neue, echte demokratische Form des kostenlosen Netzes macht doch den Paradigmenwechsel aus!

Wofür Sie sich übergangsweise einsetzen sollten, wäre ein neuer Gesellschaftsvertrag, in dem unabhängig(!) von Mehrwertproduktion und Wertverwertung, weiterhin guter Journalismus betrieben werden könnte - nämlich durch ein Bedingungsloses Grundeinkommen - aber eben nicht durch Umverteilungs- und Regulationsmodelle, wie meistens vorgeschlagen, sondern durch Lebensgeldschöpfung und Tätigkeitsgeldschöpfung durch eine Monetative. Das wäre zumindest ein praktikabler Weg, der nicht im Widerspruch zum Trend der neuen Zeit steht.

Ein entsprechendes, innovatives Wirtschaftskonzept soll erstmals im Juni 2013 durch eine Partei in Deutschland der breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden. Kann man dann hier als PDF bekommen (s. oben bei Konzepte und Archiv):

http://www.hh-violette.de/

Vielleicht wäre das mal einen Bericht wert, denn da steckt viel an neuen Sichtweisen, Ideen und Möglichkeiten drin!

Krakz 29.05.2013 | 11:30

Haben sollte müsste - ist alles richtig. Nur: die meisten Nutzer interessieren sich nicht großartig für Journalismus im Netz, sie suchen meist und länger andere Seitentypen auf. Diese Nebenbei-Nutzer wird man mit Payangeboten nicht gewinnen. Wenn Pay dann für eine Minderheit. Die Brechstange der Bild wird sicher Fussball sein - und da geht es mehr um die Sportvideos und nicht um eine journalistische Leistung.

Und mal als Dämpfer: Radio funktioniert auch nur "free" - es ist also nicht gesagt, dass man das Produkt Netz-Journalismus bepreisen kann

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Ehemaliger Nutzer 29.05.2013 | 11:31

Es sind genau die Stories, welche politische und wirtschaftliche Eliten nicht lesen wollen, die recherchiert und veröffentlicht werden müssten.

die zwangs-gez war schon eine aktion, die für sich spricht ... da wird die freiheit (der märkte und des einzelnen) grad mal nicht gebraucht ... profit-propaganda ... tja nun die verlage und journalisten ... und das netz ... geht es um die "sicherheit" der recherchierten und veröffentlichten "wahrheit" oder um die sicherheit der arbeitsplätze, egal für welches inhaltliche produkt? ... spannend, wie die paywall-springer da als "trendsetter" für die gesamte branche agieren werden, nach dem motto "von bild lernen, heisst ...

Sascha 29.05.2013 | 11:44

Will Herr Augstein also im Bereich Journalismus die gleiche unnötige "Debatte" lostreten, die schon bei den Unterhaltungsmedien, Stichwort: Musikpiraterie, so entbehrlich war?

Anstatt hysterisch vor irgendeiner herbeiphantasierten "Gratiskultur" im Internet zu warnen, wäre es sinnvoller, darüber zu diskutieren, wie die materielle Existenz der MedienarbeiterInnen abgesichert werden kann, damit sie ihre Arbeit ganz ohne wirtschaftlichen Druck machen können, zb durch höhere Lohnzahlungen seitens der ArbeitgeberInnen.

Aber nein, wenn es um höhere Löhne für JournalistInnen geht, dann stellen sich die VerlegerInnen natürlich quer und da ist dann keine Rede mehr von wegen "Qualität muss auch etwas kosten". Daher ist das ein klassischer Vorwand seitens der VerlegerInnen, um ihr einziges Interesse zu verschleiern, das mit Demokratie überhaupt nix zu tun hat: nämlich Profit.

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Ehemaliger Nutzer 29.05.2013 | 11:47

Die Problematik ist doch schon etwas komplexer!! Die arbeitenden Menschen haben durch den extremen Lohnverfall verursacht durch eine u. a. unseriöse Drückerkollonenmetalitätsclique wie Großaktionäre, Lobbykorruptionspolitik, Lobbydesinformationsmedien, Lobbygkauftegutachtenwissenschaft, MitverursacherSpringer, MitverursacherDrückerkolloneBertelsmann, DrückerkollonezunixnutzeMaschmeyer, DrückerkollonezunixnutzeFinanzjongleure, usw. die sich alle selbst kräftig bedienen auf Kosten der Löhne nicht mehr das Geld um Printmedien zu bezahlen da werden zwangsweise Prioritäten gesetzt. Es wird sich alles von selbst regulieren also keine Sorge!!! Im Übrigen ist die Konkurrenz durch das Web größer und reiner geworden. Man sieht am Web auch, dass es im Grunde nicht so einfach ist Geld wirklich zu verdienen und die die es Scheffeln tun es mittels Betrug und Bereicherung.

Weitere Gründe sind Die Hauptkonkurrenten der Printmedien die TV Sender, sowohl die Öffentlich Rechtlichen mit ihrer Zwangsabgabe als Belohnung für die die Desinformation der Bürger womit genau wie bei der Politik über Privilegien das kapitalistisch konforme Verhalten belohnt wird als auch die Privaten die über Propagandawerbung zur extremen Verteuerung der Produkte und somit der Lebenshaltungskosten der Menschen beitragen. Die Auswirkungen auf die Gesellschaft sind Folgende!!! Ich meine 17 Euro Zwangsabgabe monatlich für Öffentlich Rechtliche ist kein Pappenstiel und der Beitrag Service ist unseriös. Briefe werden nicht beantwortet Anträge nicht bearbeitet und so ist das mittlerweile in fast allen Bereichen der Gesellschaft der reinste Dilettantismus verursacht durch die Beeinflussung und das abfärben einer kriminellen Mentalität derer die den Hals nicht voll bekommen. Die arbeitenden Menschen stehen unter extremen Druck der Rest bekommt durch Privilegien ohne Leistung gepudert davon nix mit wie im Absolutismus.

Das war ein kleiner Exkurs!! Die Zerstörer der Demokratie und auch im weitesten Sinne der Printmedien sind die, die es übertreiben und immer mehr Luxus auf sich konzentrieren ohne irgendeine nennenswerte Leistung dafür zu erbringen und somit dabei sind die Gesellschaften zu zerstören. Sie werden an und mit ihrem Luxus sterben wenn das nicht endet wie die Dinosaurier an ihrer reinen Selbstüberschätzung und an ihrem hohlen Geschwafel. Weil sie glauben sie seien wer durch Geld leiden sie an der Krankheit der Selbstüberschätzung!! Sie merken und verstehen nicht wie alles zusammenbricht und in der Barbarei verschwinden wird und dann wird es wieder grün und ruhig das ist Evolution und somit das was gemeinhin als Gott gedacht wird!!!!

abghoul 29.05.2013 | 11:48

Das Elend mit der Kohle, immer wieder.

Obwohl in meiner Bude irgendwo ein paar Freitags Ausgaben herumstauben, bin ich nie Abonnent gewesen.

Aber den Tabakhändler habe ich überredet den Freitag im Sortiment zu führen. Musste nur 3 Ausgaben selber abnehmen, dann kaufte den schon jemand anders;)

Kohle ist knapp in der Grube *coughing laugh*, nicht ein Lastschrift Vertrag auf dem Konto, darauf kann ich bei gehobener Hand schwören;)

Was nutzt der beste Journalismus wenn kaum jemand davon erfährt?

"Im Weltall hört dich keiner schreien"

Naja, es gibt offene Foren und so weiter,... aber ich würd den Freitag echt vermissen.

greetings from the pit - abghoul

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Ehemaliger Nutzer 29.05.2013 | 11:48

Ich kann beim besten Willen nicht einsehen wie das Netzt die Demokratie untergräbt und noch viel weniger teile ich den Respekt für die "politische Berichterstattung" der Bild. Für die Bild hoffe ich inständig, dass sie mit diesem Versuch hart auf die Schnauze fällt. Generell stimme ich aber zu, dass Netzjournalismus entlohnt werden muss.

Gustlik 29.05.2013 | 11:53

Dass da mal aus der Paywall kein Payschwall wird.

Der Rausch des freien Netzes ist vorüber. Aber das Internet wurde doch nicht für die Journalie erfunden? Im Gegenteil... historisch gesehen kamen aus der Richtung die größten Bremser.

Jeder, der im Internet Geld verdienen will, sollte sich am Netzausbau beteiligen. Wie wär das?

Sabine Waschmeier 29.05.2013 | 12:57

Herrgott, könnte nicht wenigstens Der Freitag den Unterschied zwischen den beiden Begriffen Journalismus und Berichterstattung lernen? Ist es wirklich SO schwer?

Der Journalismus hat keine Zukunft, er hat eine Gegenwart, das Internet. Mit 29 bin ich gerade noch alt genug um um 2001 rum seine vergangenheit erlebt zu haben. Bereits damals, mit 17, hat meine einsetzende Mündigkeit die Leistungen der Berichterstatter überstiegen. Was da im zusammenhang mit dem 11ten gesagt wurde, hat mich ins Internet und weg von den alten, also hoffnungslos veralteten, Medien geschoben. DANKE dafür, eure größte Leistung in diesem Jahrtausend. Steht auf der selben Stufe wie die Vorbereitung der direkten Demokratie durch die Partei, auch sie leistet ganze Arbeit.

@bild
Wie mir dieses dämliche Bashing auf den Sack geht. Ja sie ist stumpf, aber das ist die FAZ, mit ihrer Unfähigkeit das System zu erklären geschweige denn zu hinterfragen, auch. Das ist die FAZ ohne die angabe von Primärquellen - Regel im Forum für die Regel, mädche.de - im jahr 2013 erst recht.

Schneiderlein 29.05.2013 | 13:17

Sehr seltsam, Herr Augstein, wie Sie hier etwas vielleicht Debattierenswertes mit einer Art Reinwaschung der Bild-Zeitung - und dann auch wieder det ständigen Relativierung - verweben. Aber das: "Bild hat sich in den vergangenen Jahren mit der politischen Berichterstattung viel journalistischen Respekt erworben" ist eine Ignoranz und Verharmlosung, die ich eigentlich seit zehn Jahren ausgestorben wähnte.

Auch wenn immer alle Profi-Journalisten aufstöhnen, wenn man's erwähnt: Haben Sie jemals in den BILDblog geschaut? Da geht es ja eben nicht nur um die großen Schweinereien der BILD, sondern gerade das beständige ausgefeilte Handwerk der Manipulation, des Fälschens und Lügens.

Ich hoffe nicht, Herr Augstein, dass Sie jetzt auch auf die recht dämliche Masche der Fleischhauerisierung (= Provokation ohne Erkenntnisgewinn) einschwenken. Leider lässt dieser Kommentar das vermuten. Oder wollen Sie am Ende nur selbst durch eigenes Schreiben Ihre Prophezeihung ("... das Netz untergräbt beides" = Journalismus + Demokratie) beweisen?

Antalus 29.05.2013 | 13:19

Immer dieses Rumgeheule von euch Zeitungen. Wenn der Wirt sein Bierfass auf die Strasse stellt brauch er sich auch nicht zu wundern wenn die Leute trinken ohne zu zahlen ! Wer hat denn seine Läden im Netz aufgemacht und lässt jeden alles lesen ? Wurden eure Artikel aus der Printwelt raubkopiert, raubgescannt oder von Chinesen raubabgetippt ? Ich glaube nicht. Also zieht endlich eure Paywalls hoch und hört mit eurem Selbstmitleid auf. Wer hält euch auf ? Die Angst, eure hohle Phrase "Ohne Journalismus gibt es keine Demokratie" könnte sich in Luft auflösen ? Eine seriösen und überparteiliche Zeitung würde ich sehr begrüßen, aber wo gibt es die ? Alle Welt regte sich auf als keine der großen Zeitungen zum NSU Prozess durften, aber merkt man was davon ?

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Ehemaliger Nutzer 29.05.2013 | 13:52

@JAKOB AUGSTEIN29.05.2013 | 10:20

"Ohne Journalismus gibt es keine Demokratie."

Steile These. Gibt es dafür schlüssige Argumente? Mir scheint, dass hier die Wirklichkeit arg verdreht und verzerrt wird.

Ohne die Demokratie unseres Grundgesetzes und insbesondere dem Artikel 5 gäbe es keinen Journalismus. Und aus der Erfahrung mit dem Hugenbergkonzern schufen die Gründer der Bundesrepublik den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als hohes soziales Gut und als notwendiges Gegengewicht zur privaten Presse.

Die Herrschaftskontrolle ist im Grundgesetz durch die Gewaltenteilung verwirklicht. Gefährdet wurde und wird die Herrschafts- und Gewaltenkontrolle von gewissen Pressekonzernen, die sich selbst als vierte Gewalt im Staat erklärten und erklären, was schon ein Verfassungsbruch ist, weil sie sich damit den Rang eines Verfassungsorgans anmaßen.

Wer will, dass die Bürger für im Netz angebotene Dienste zahlen, der muss ihnen das plausibel machen. Die Bürger zahlen bereits jetzt für jede Werbung durch den Kauf aller möglichen Produkte, die auf ihre Kosten beworben werden, denn mit dem Produktpreis zahlen sie ja die Werbung immer mit. Wenn also Netzdienste als Werbeflächen genutzt werden, haben die Bürger das bereits bezahlt. Nicht in persona aber in toto.

Wer Geld im Netz verdienen will, tut gut daran, sich für eine demokratische Wirtschaftsordnung, für Schaffung von Vollbeschäftigung und für auskömmliche Löhne und Gehälter einzusetzen. Dann haben die Bürger wieder Geld genug, es auch für Dienstleistungen im Netz wie z.B. Online-Zeigungen auszugeben.

JR's China Blog 29.05.2013 | 14:15

Die "Haushaltsabgabe" überraschte mich schon gar nicht mehr. Ist mir schon klar, dass die Programm-Macher mir niemals glauben würden, dass ich wirklich keine Glotze im Haus habe - und außerdem könnte ich ja heimlich ARD & ZDF im Internet gucken. ;-)Message: nützt euch gar nichts, wenn ihr nicht hinguckt. Wir entscheiden, was gut ist.
Ist für mich aber immer noch keinen Grund zum Hingucken. Genauso wenig, wie ich bei jeder Paywall wissen muss, was dahintersteckt.

JR's China Blog 29.05.2013 | 14:23

Ihre Italien-Beiträge würde ich vermissen, Ed2Murrow. Und immerhin lassen sich über die FC-Plattform Leser erreichen, die einen wordpress-Blog gar nicht beachten würden.

Solange die FC kostenfrei bleibt, steuere ich auch gerne gebührenfrei meinen Senf dazu bei lese auf anderen Blogs mit. Aber wenn ich dafür, dass ich schreibe, zahlen soll, ist für mich Schicht. Da gibt es dann auch alternative Plattformen.

Meyko 29.05.2013 | 14:42

"Ohne Journalismus gibt es keine Demokratie."

Insbesondere politische Entwicklungen werden ja, wie wir alle wissen, nach Verwertbarkeit ausgesucht, journalistisch gewichtet, einsortiert und dann eventuell veröffentlicht. Das ist wohl nach wie vor ein wichtiger Bestandteil des Journalistenjobs. Tja, und letztendlich erfahren wir Wähler bekanntermaßen beinahe ausschließlich durch die Medien, ob ein Politiker oder eine Partei wählbar ist oder nicht. Und wer selten (positiv) in den Medien auftaucht, wird dann logischer Weise weniger gewählt. Fertig. Oder auch “Basta!”

Eventuell entwickelt sich ja auch mehr Demokratie im Netz - wegen der fehlenden Einschränkung durch die bisher übliche "Vorsortierung"... :-)

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Ehemaliger Nutzer 29.05.2013 | 14:55

Dort, im Kanzleramt, ist der Staatsminister bei der Bundeskanzlerin mit beratender und unterstützender Funktion: Eckart von Klaeden. Der völlig zufällig der Bruder ist von Dietrich von Klaeden, der beim Axel-Springer-Verlag die Leitung der Regierungsbeziehungen für Deutschland innehat und öffentlich vehement das Leistungsschutzrecht vorantreibt.

http://saschalobo.com/2012/08/31/funf-entscheidende-fragen-zum-leistungsschutzrecht/

Merkel-Vertrauter wird Daimler-Lobbyist

Der Staatsminister im Bundeskanzleramt, Eckart von Klaeden (CDU), wird Chef-Lobbyist bei Autobauer Daimler. Der 47-Jährige solle "zum Jahresende" Leiter des Bereichs Politik und Außenbeziehungen werden, teilte Daimler in einer Pressemitteilung mit.

http://www.tagesschau.de/inland/vonklaeden100.html

Kein Wunder also, dass der jetzt geht. Das Leistungsschutzrecht ist ja auch durch. Seine Arbeit hier ist getan.

dame.von.welt 29.05.2013 | 14:59

Der Rausch des freien Netzes ist vorüber. Es ist der Morgen danach. Wir wissen jetzt, wenn sich nichts ändert, wird es guten Journalismus bald nicht mehr geben. ... Ohne Journalismus gibt es keine Demokratie. Vielleicht ist unser Journalismus nicht gut genug. Sicher ist unsere Demokratie nicht gut genug. Aber das eine braucht das andere, und das Netz untergräbt beides.

Das lese ich so, daß Sie, @ Jakob Augstein, nun das Projekt Freitag für gescheitert erklären.

Aus meiner Sicht wäre es *auch* gescheitert am Rückzug der 'Blauen' aus den Diskussionen, einer mir oft wenig nachvollziehbaren Politik der Moderation/Nichtmoderation + der Sperrungen/Nichtsperrungen (diese Kritik geht weniger an die On-Red als an Sie, da ich die permanente Überlastung der On-Red weder für neu noch für klug halte), einem Relaunch unter Zerstörung einer ehedem lebendigen und vielfältigen Community, der Entlassung der ursprünglichen Herausgeber, wenig später auch mir wichtiger Journalisten mit der Folge: journalistische Qualität im steilen Sinkflug.

Schade drum. Bezahlen werde ich für ein solches Trauerspiel nicht. Nicht, weil ich nicht bereit bin, für guten Journalismus in Berichterstattung wie Meinung in Print und www und auch für die eigene Partizipation am www zu bezahlen, sondern weil ich nicht für Trauerspiele zahlen möchte.

Meine eigene Schreiberei in der FC (in der nach knapp 4 Jahren beanstandungsloser Teilnahme in letzter Zeit von der On-Red gelöscht/eingeklappt wird, ohne, daß meine Nachfrage nach den Gründen zur künftigen Vermeidung etwaiger Regelverstöße einer Antwort für wert befunden wurde) werde ich überdenken und weiter einschränken, ggbfs. auch ganz einstellen.

Wie Sie wünschen, die Herrschaft über/das Geld für den Freitag war und ist ganz zweifellos Ihres, ebenso waren/sind es allein Ihre Entscheidungen über die jeweilige Zukunft des Freitag.

Der Erfolg von Springer wird der Erfolg des ganzen deutschen Journalismus sein. Und das gilt umgekehrt auch für seine Niederlage.

Ihre allwöchentlichen Schaukämpfchen mit Herrn Blome scheinen eine noch fatalere Wirkung zu entfalten, als ich ohnehin schon annahm. Weniger wegen des möglichen Erfolgs von Springer mit Paywalls oder Herrn Blomes *Qualitäten*, sondern weil Sie aus meiner Sicht bedauerlich schlecht vorbereitet erscheinen.

balsamico 29.05.2013 | 15:01

Wenn Journalismus eine Zukunft haben soll, muss der Leser zahlen. Auch im Netz. Was man auch sonst von Springer halten mag: Beim Bezahlmodell muss man ihm Glück wünschen

Döpfner wird das Glück brauchen, denn das Bezahlmodell wird sich nicht durchsetzen. Der Geist des Billig-Journalismus ist doch längst aus der Flasche. Mag sein, dass es online bald Pay-Papers und Free-Papers geben wird. Mag auch sein, dass sie sich qualitativ unterscheiden. Aber es liegt doch auf der Hand, welche Sorte mehr gelesen und werbemäßig den Sieg davon tragen wird. Döpfner müsste es selbst am besten wissen. Die BILD-Zeitung kam nur dadurch zu ihrem zweifelhaften Erfolg, dass sie erstens billig und zweitens nichts für anspruchsvolle Leser war (ist). Und genau diese Art von Zeitung wird auch im Netz den Sieg davon tragen, mit dem einzigen Unterschied, dass sie nicht nur billig sondern kostenlos ist. Abgesehen davon: Anspruchsvolle Leser haben sich noch nie mit Online-Ausgaben begnügt. Denen wird es leicht fallen, auf kostenpflichtige Online-Ausgaben "ihrer" Zeitung zu verzichten.

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Ehemaliger Nutzer 29.05.2013 | 15:21

Die „Landlust“ war in der zweiten Hälfte der 2000er Jahre eine der wenigen Printprodukte, die ihre Auflage erheblich steigern konnte. Wie man der Auflagenstatistik entnehmen kann, waren die Zuwachsraten im Jahresvergleich deutlich zweistellig. Der Anteil der „harten“ Auflage im Abo und Einzelverkauf (ohne Sonderverkäufe, Gratiswerbeexemplare und ähnliches) beträgt 96,9 %.[8]

Mit 886.355 verkauften Exemplaren im 4. Quartal 2011 (IVW) überholte Landlust zum ersten Mal auch den Stern (816.961 verkaufte Exemplare im gleichen Zeitraum). Der Trendforscher Peter Wippermann führt diesen Erfolg auf die Sehnsüchte der Menschen zurück: „Wenn man sich klarmacht, dass diese Zeitschrift - die aus einem landwirtschaftlichen Verlag kommt und keinerlei News-Wert besitzt, sondern von verschwundenen Traditionen berichtet und die Natur mystifiziert – eine höhere Auflage hat als die einst größte Illustrierte Stern, dann bekommt man eine ungefähre Ahnung davon, wovon die Menschen in Deutschland träumen.“[9]

http://de.wikipedia.org/wiki/Landlust

>>> oder die ambivalenz der journalisten+gärtner-träume???

balsamico 29.05.2013 | 15:26

Und mal als Dämpfer: Radio funktioniert auch nur "free" - es ist also nicht gesagt, dass man das Produkt Netz-Journalismus bepreisen kann

Radio, wenn es einen gewissen Anspruch hat, funktioniert nur deshalb "free," weil es gebührenfinanziert ist. Vielleicht wäre es ja ein Weg aus dem Dilemma, den Zeitungen - obwohl sie private Unternehmen sind - einen gewissen Anteil am Gebührenaufkommen zuzugestehen. Schließlich ist die Information der Bevölkerung eine wichtige öffentliche Aufgabe. Wer sagt denn, dass sie allein von den öffentlichrechtlichen Sendern bewältigt würde?

eldorado 29.05.2013 | 15:26

Das ist der beste Beitrag, den ich hier gelesen habe.

Jawohl, es braucht eine Umkehr(ung) des heutigen Systems.

Nicht mehr der Wert der Arbeit wird bezahlt, sondern der Mensch bekommt genug Geld, um seine Arbeit, zu der er sich berufen fühlt, ordentlich machen zu können. Dazu ist das BGE ein sehr guter Ansatz.

Dem Moloch Kapitalismus muss der Boden unter den Füssen weggezogen werden. Der Kapitalismus ist einer der miesesten und perfidesten Diktatoren, weil er auf leisen Füssen durch die Hintertür kommt und uns weismachen will, damit die Menschheit retten zu wollen. Das ist Zuckerbrot und Peitsche. Die Demokratien legen ihm den roten Teppich aus und fallen ihm zu füssen. Und es werden Regeln und Gesetze erlassen, um das zu zementieren.

Fallen wir nicht mehr darauf herein.

tlacuache 29.05.2013 | 15:28

dame.von.welt & balsamico etc. etc. etc. etc.:
nicht grämen, man wird sich beim "Franze" oder oder oder sonstwo treffen, keine Sorge...
;-)
Augstein's Zitatenablasshandel "über den Ad-Blogger hat uns gekillt" kann man nicht wirklich ernst nehmen.
Die Kommentare von dame.von.welt & balsamico etc. etc. etc. etc.etc. etc. sind wirklich Gehaltvoller als alles, was man im "OnlinePrint" lesen kann, und so wird es weiter- und vorwärtsgehen...
Wenn nötig, gebe ich meine Mittelamerikakommentare dazu, da kannst du dann alle SPON-ZEIT-AP-Reuters-ETC. - Kommentare in den Müll kippen, auf meine bescheidene Art und Weise...

Und das werden andere auch machen...

tlacuache 29.05.2013 | 15:38

..."Tiefendenker:
Die moderne Mikroelektronik und das Internet brechen historisch mit dieser Logik. Sie führt zu immer größerem Wegbrechen und Abschmelzen der abstrakten Verwertungspotenziale und bewirkt damit das allmähliche Absterben des Kapitalismus"...

Aha, es gibt gegenteiligere Modelle, nämlich z.B. die Scheisse fängt jetzt erst richtig an (Drohnen)

Und "eldorado im Gottes Oehrchen"...
Gruss

JR's China Blog 29.05.2013 | 16:23

Es sind die Journalisten, die den demokratischen Diskurs mit - in der Regel - überprüften Informationen strukturieren.

Dazu eine offline-Leseempfehlung:

Winzenz Wyss, "Internetrecherche verstärkt Selbstreferenzialität - über Arbeitsedingungen und Journalismusförderung", in: EPD Medien, Nr. 5 2012, ab Seite 21. Betrifft den Schweizer Journalismus, dürfte aber auch nicht so ganz an den Realitäten in Deutschland vorbeigehen. Liest sich in Sachen Struktur und Überprüfung nicht ermutigend.

Und überprüft oder nicht: interessant ist meistens das, was gar nicht drinsteht.

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Ehemaliger Nutzer 29.05.2013 | 16:23

Mal ganz praktisch gesagt/gefragt, weil überall benötigt man in dieser schönen neuen Welt ja dann einen Account.

Bei der JW zahle ich ein Soliabo, obwohl die Texte in der Regel frei lesbar sind. Bei Haaretz bin ich für zehn freie Artikel im Monat registriert, die meinerseits in der Zahl eher selten ausgeschöpft werden. Das jeweils neue Anmelden ist mir leid. Bei der taz klicke ich die aufdringlichen Eröffnungsermahnung weg, bin dort mittlerweile auch eher selten.

Den Spiegel habe ich nach der weinerlichen Anti-Adblock Kampagne mal "ohne" probiert. Es fragt sich, ob ein Augen- oder ein Nervenarzt eher gebraucht wird, wenn man diese optische Folter dann immer aushalten müsste.

Ergo und ganz pragmatisch wird die Lesezeichenliste gerade der vielen kleineneren Blogs und Medien bei Firefox gepflegt, mit XMarks (kostet einen USD pro Monat!) zwischen PC, Notebook und Smartphone synchron gehalten, wird ansonsten mir Wichtiges einschließlich allfälliger Links auf dem eigenen Blog hinterlegt.

Und für kuschelige Vereinsmeierei war ich schon damals als Kleingärtner nicht zu gebrauchen, wollte ich heute gern immer wieder neu entscheiden, wo mir Solidarität mit Medien wichtig ist.

Georg von Grote 29.05.2013 | 16:25

Also mal ganz ruhig und bitte keine Horrorszenarien aufbauen.

Es muss doch nun wirklich mal jedem klar sein, dass online-Auftritte, wenn sie denn professionel sein wollen und sind, Geld kosten. Und bitte, woher soll denn das Geld kommen?

Klar, sagen da einige Netz-Sektierer, stampft print ein, dann habt ihr genug. Selbst wenn man es täte, wäre auch das Budget bald durch den Schornstein gejagt, ausserdem wollen viele, sehr viele eben nicht auf print verzichten, auch wenn manche immer das Gegenteil behaupten. Also irgendwo her muss die Kohle kommen, von Werbung allein funktioniert das eben nicht, das haben die Jahre zuvor nun deutlich gemacht.

Was BILD da jetzt macht, ist ja kein blinder Ausflug bei Nacht und Nebel auf unbekanntes Terrain, sondern schon genau überlegt und durchdacht. Vor allem ist es auf den vermeintlichen BILD-Leser zugeschnitten und nicht so ohne weiteres von anderen abzukupfern. Ob es Erfolg hat steht und fällt wohl auch mit der Akzeptanz der Fußballberichterstattung. Sollte man nicht unterschätzen.

Auf den ersten Blick scheint das Modell funktionieren zu können. Das letzte Wort spricht allerdings der Leser und in Deutschland haben es bekanntlich Bezahlmodelle, ob beim Fernsehen oder jetzt beim Journalismus verdammt schwer.

Die anderen werden jetzt erst einmal abwarten, ob es auch klappt und wenn es bei BILD funktioniert, sind die anderen noch längst nicht aus dem Schneider, denn sie haben völlig andere Leserschaften.

Was BILD da jetzt macht, ist ja eine ganz interessante Geschichte, das Ei des Columbus für alle haben Diekmann/Döpfner dabei allerdings noch nicht erfunden. Die Euphorie kommt in meinen Augen zu früh.

Und klar, Demokratie braucht Journalismus, vor allem guten Journalismus.

Genauso klar dürfte aber auch sein, dass Demokratie auch ohne Journalismus funktioniert und genauso klar ist, dass Journalismus auch der Totengräber werden kann. Auf letzteres steuern wir in Deutschland gerade zu. Der kritische Journalismus verliert mehr und mehr an Boden und macht Platz für Verleger, Chefredakteure und Journalisten, die in einer Werbeagentur besser aufgehoben wären.

kmv 29.05.2013 | 16:31

"Was einen Wert hat, soll einen Preis haben." Ja, ja es ist immer tragisch, wenn die Welt sich ändert. Wenn dasjenige, dem man selbst einen Wert zumisst plötzlich anders bemessen wird.

Wir hatten diese Diskussion schon mal an anderer Stelle. Nicht mir, dem Leser, muss ‚der Unterschied zwischen Qualität (was auch immer das ist) und Quantität beigebracht werden‘. Die Verleger müssen sich umorientieren. Die Zeit der Monopolstellung in Sachen Informationsauf- und Verbreitung ist vorbei.

Ja, wie überzeugt man Leser und potentielle Abonnenten von der Qualität ihrer jeweiligen journalistischen Leistungen? Oder wie kriege ich sie dazu, dass sie für dieses (und nicht für jenes Produkt) in die Tasche zu greifen? Vollkommen Wurst, ob Online, oder als Print oder als sonstige journalistische Dienstleistungsform.

Jedenfalls habe ich keine Lust, mir das (Identitäts)Krisen Gejammer und die Mystifikationen der Verlagsführer zu eigen zu machen. Neuausrichten müssen sie sich schon selbst –entweder mit oder ohne paywall. Hinterher wissen sie zumindest, ob ihre Leistung geldwert ist.

Tai De 29.05.2013 | 16:47

Ohne Journalismus gibt es keine Demokratie. Vielleicht ist unser Journalismus nicht gut genug. Sicher ist unsere Demokratie nicht gut genug.

Bei allem angemessenen und notwendigen Respekt, Herr Augstein: diese Aussage erscheint mir doch ein wenig borniert und schnippisch.

Die Qualität unserer Demokratie schätze ich weitaus höher ein als die der hiesigen Presse. Peter Scholl-Latour brauchte keine Journalistenschule. Und bei den meisten der heutigen Journalisten und Redakteure hilft sie nicht viel, denn bei einem Wikipedia-Autoren liest sich im Schnitt vieles besser.

Ohne etwas Lebenserfahrung und ohne mindestens ein zentrales Thema fehlt das Gewicht, das einen Journalisten erst lesenswert macht.

Tai De 29.05.2013 | 16:51

"Die These trifft zu. Es sind die Journalisten, die den demokratischen Diskurs mit - in der Regel - überprüften Informationen strukturieren."

Die Redaktionsarbeit haben die deutschen BBC-Journalisten meines Wissens früher on-the-job gelernt. Wichtig war, was sie bereits mitbrachten: methodisch gekonntes Vorgehen und klar strukturiertes DENKEN.

Gut, dass ich nicht mehr auf die deutschen Blätter - auch den "Freitag" - angewiesen bin.

mohnwiese 29.05.2013 | 16:57

Herr Augstein, das ist wirklich fürsorglich, aber ich brauche keinen Verlag der mir den Unterschied zwischen Qualität und Quantität BEIBRINGT. Ich dachte immer, dass Sie dieses Wissen bei Ihren Lesern voraussetzen. Ich wünsche dem Springer-Verlag auf jeden Fall Glück, aber an sein mögliches Versagen die Zukunft des Journalismus zu hängen, ist wahrscheinlich der Not Ihres Mediums "der Freitag" geschuldet.
Wer glaubt, irgendetwas im Netz gratis bekommen zu haben, müsste Ihren Artikel einfach nochmal lesen. Denn Google ist der zweitgrößte Medienkonzern weil es eben nicht gratis ist. Google sagt einfach "Grazie" und holt sich das Geld aus einem anderen Kanal.
Ich halte Ihren Artkel trotzdem für ungeheuer wichtig und anregend, weil ich aus den meisten Ihrer Argumente etwas völlig anderes ableite. Selbstverständlich muss guter Journalismus bezahlt werden, und ich möchte mein hart verdientes Geld GERNE jedem Journalisten geben, der Journalismus nicht als Einnahmequelle sieht, sondern als Berufung weil er demokratisch denkt. Aber wenn jeder Verlag seinen Lesern nur das auftischt (auf das Wort "kopiert" verzichte ich hier bewusst), was sie hören wollen und vorallem noch die Anzeigeneinnahmen im Blick hat, ist das kein Journalismus, sondern einfach Unterhaltung. Sie lieber Herr Augstein und Ihre Kollegen sind in einer verzwickten Situation, denn sie müssen Journalismus völlig neu definieren und das Internet zwingt sie dazu. Wir haben nämlich gerade erkannt, dass wir inzwischen ALLE Publizisten sind und nicht nur via facebook oder twitter - ätsch. Was macht also den Unterschied, ob ich eine facebook-Mitteilung mitsamt einem eigenen Gedanken teile oder ob ich recherchiere und etwas Wissenswertes zutage fördere? Für letzteres wird es immer einen Markt geben, diese Leistung wird honoriert. Aber der Wert wird nicht mehr vom Sender bestimmt, sondern vom Empfänger und zwar radikaler denn je zuvor. Wie das geschehen kann, ist übrigens nicht nur eine Herausforderung für die Zeitungsverlage. Der eine findet einen Weg, der andere eben nicht.

Lapis 29.05.2013 | 16:58

Die erste Freiheit der Presse besteht darin, kein Gewerbe zu sein.

Karl Marx, 1842 (als Autor für die Rheinische Zeitung, deren Chefredakteur er im selben Jahr wurde)

P.S.: Ohne Öffentlichkeit gibt es keine Demokratie. Daher sind frei verfügbare Medien und Blogs allemal demokratischer als irgendein selbsternannter "Qualitätsjournalismus" der sich hinter einer Paywall versteckt.

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Ehemaliger Nutzer 29.05.2013 | 17:07

@BALSAMICO29.05.2013 | 15:49

Was Journalisten auch machen, beschrieb Heinrich Böll in seiner Erzählung Die verlorene Ehre der Katharina Blum: „Personen und Handlung dieser Erzählung sind frei erfunden. Sollten sich bei der Schilderung gewisser journalistischer Praktiken Ähnlichkeiten mit den Praktiken der Bild-Zeitung ergeben haben, so sind diese Ähnlichkeiten weder beabsichtigt noch zufällig, sondern unvermeidlich.“

Welche Menschen Journalisten werden, beschreibt Rudolf Stumberger für die Telepolis in seinem Artikel Plebejer müssen draußen bleiben.

Journalisten mögen teilweise auch Die Wachhunde der Machtelite sein, wie Noam Chomsky die Intellektuellen beschreibt. Ähnlich wie Spin-Doktoren geben sie manchen Dingen den gewünschten Dreh.

Ohne diese Leute wäre Demokratie das, was sie eigentlich sein soll.

Wer in einer von Interessen der Wirtschaft und der Parteien befreiten und von ihnen unabhängigen Schule ordentlich im kritischen Denken unterricht wurde, braucht niemanden, der ihm irgendetwas auf irgendeineweise strukturiert.

dame.von.welt 29.05.2013 | 17:10

Im Umkehrschluß empfiehlt sich der Abgleich zwischen den Jahresberichten von ai und den Ranglisten der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen: wo keine freie Presse, da Totalitarismus, Krieg, Verfolgung, Folter, mangelhafte Rechtsstaatlichkeit, reglementierte Meinungsäußerung, nebst anderen Menschenrechtsverletzungen. Darüber ist keine Berichterstattung erwünscht.

Im reicheren Teil der Welt wird die Freiheit/Qualität der Presse weit eher durch Zusammenschlüsse zu Medienkonzernen und deren Gewinnabsichten bedroht als durch staatliche Eingriffe (die Ausnahme bildet Israel mittels staatlich-militärischer Zensur). Weswegen das Geklage der Springers, Holtzbrincks, Murdochs et Cie über das kostenlose Internet nicht nur unzutreffend und hohl, sondern das Zeitungssterben Print wie online in weiten Teilen hausgemacht ist.

Fest angestellte Journalisten haben sehr oft weder die Zeit noch einen Auftrag, gründlich zu recherchieren. Das tun eher freie Journalisten bei oft lausigem Zeilenhonorar und wenigstens in Teilen der Laienjournalismus im Kommentarteil und in Blogs. Um ein Holtzbrinck-Beispiel zu nennen: Zeit Online könnte sich einsargen, würden nicht Nutzer (ohne jede Bezahlung) den oft lausig recherchierten Inhalt von Artikeln oder die Wiedergabe ungeprüfter Agenturmeldungen im Kommentarteil korrigieren oder ergänzen.

Den Relaunch bei ZO habe ich klar in Erinnerung, auch dort wurde eine lebendige und vielfältige Community zerschlagen, zugunsten von immer weniger erkenntnisstiftenden Diskussionen, u.a. mangels adäquater Moderation. Es wurden weit eher Einladungen mit Goldrand an Rechtspopulisten, Islam-, Frauen-, Homosexuellenhasser und ganz allgemein an den Stammtisch ausgesprochen - das Klima dort ist zum Weinen.

Es stellt sich die Frage, wie eigentlich die Wichtigkeit freier Presse, die Wertschätzung von qualitativ gutem Journalismus und die Bedeutung politischer Diskurse in den Köpfen verankert werden soll, wenn man es vorzieht, seine differenzierteren Nutzer herzlich auszuladen.

Der Freitag war die letzte, mit einem Printmedium verknüpfte Plattform, in der (von der Redaktion nicht rundgelutscht) eigene Blogs eingestellt werden konnten - auch hier ist aber wohl nach Jakob Augsteins obigem Artikel die Paywall in Sicht. Seit dem Relaunch besteht die FC noch aus dreivier Handvoll an Nutzern, der Rest ist verstummt oder abgewandert oder beschränkt sich auf die eigenen Blogs. Wozu sich mir allmählich die Frage stellt, warum die Paywall nicht gleich mit dem Relaunch eingeführt und die Rest-FC dicht gemacht wurde.

thinktankgirl 29.05.2013 | 17:24

Den Relaunch bei ZO habe ich klar in Erinnerung, auch dort wurde eine lebendige und vielfältige Community zerschlagen, zugunsten von immer weniger erkenntnisstiftenden Diskussionen, u.a. mangels adäquater Moderation. Es wurden weit eher Einladungen mit Goldrand an Rechtspopulisten, Islam-, Frauen-, Homosexuellenhasser und ganz allgemein an den Stammtisch ausgesprochen - das Klima dort ist zum Weinen.

Genau so isses!

blog1 29.05.2013 | 17:33

Wie mir scheint, ist die Zeit jetzt reif für den Springerkonzern zum großen Rundumschlag anzusetzen.

Aber der Reihe nach:

Am 22.04.2012 war Herr Doepfner zu Gast bei Phoenix TV im Forum Management, einer Tochtergesellschaft von ARD und ZDF. Seine Gesprächspartner waren Nina Ruge und Marc Beise.

Ich habe die Sendung verfolgt und neben vielen Plattitüden kam Herr Doepfner auf das Internet und die Online-Plattformen zu sprechen. Und da fiel bereits der entscheidende Satz, dass die Zukunft des Journalismus in der Internetnutzung liegt und der Springerverlag ernsthaft darüber nachdenkt, wie die Wertschöpfungskette von Print und Online optimiert werden kann.

In meinem Blog „der Freitag – ein Sanierungsfall? habe ich unter der Überschrift „exogene Faktoren“ das kommende Szenario beschrieben siehe auch https://www.freitag.de/autoren/waschi/der-freitag-2013-ein-sanierungsfall

Machen wir uns nichts vor: Das Zeitungssterben wird weiter gehen und die Konzentrationsprozesse werden Oligopole bzw. Monopole hervorbringen. Wer die Hoheit über die Informationen besitzt, sichert sich seinen Machtanspruch.

Mit der Paywall wird der Zugang zu Informationen beschränkt und frei schaffende, unabhängige Blogger aus dem Markt gedrängt. Das Ziel ist klar definiert, nämlich die Gleichschaltung weiter Teile der Bevölkerung. Die verbleibenden intellektuellen „Spinner“ spielen dann keine entscheidende Rolle mehr.

Manchmal wundere ich mich über Jakob Augstein. Ist er so naiv oder nur Teil des Systems? Wenn ein Manager von Springers Gnaden eine derartige Forderung aufstellt, müssten doch bei JA sämtliche Alarmglocken einen ohrenbetäubenden Lärm machen. Aber auch schon im Fall Wulff war zu beobachten, dass die Hetze gegen Wulff von JA als investigativer Journalismus gerade auch von der Springerpresse bezeichnet wurde.

miauxx 29.05.2013 | 17:40

"Ohne Journalismus gibt es keine Demokratie. Vielleicht ist unser Journalismus nicht gut genug. Sicher ist unsere Demokratie nicht gut genug. Aber das eine braucht das andere, und das Netz untergräbt beides."

Man glaubt es kaum, das vom Verleger desFreitag zu lesen, der Wochenzeitung mit dem ambitioniertesten online-Projekt der Presselandschaft ...!!?? Äh, warum haben sich Blogger, Redaktion + Augstein nochmal zu "Wir müssen reden" getroffen; warum gibt es einen großen, Jahre währenden Relaunch von freitag.de, der doch die Blogger immer besser einbinden, ja sogar mit den bezahlten Schreibern verschmelzen lassen will ??

Den Aufwand hätte man sich wohl sparen können, wenn Augstein nun verlauten lässt, das alles sei ein Untergraben von Journalismus und sogar Demokratie! Da blickste nicht mehr durch ...!?

blog1 29.05.2013 | 18:28

Lieber Miauxx,

Zunächst einmal zu der Initiative „Wir müssen reden“, an der ich – zwar nicht in vorderster Front – mitbeteiligt war. Zu dieser Aktion fällt mir das Begriffspaar „umsonst“ und „vergeblich“ ein. Die Beteiligung an dieser Aktion war zwar nicht umsonst (was den Zeitaufwand betrifft), dafür aber vergeblich.

Wenn der nicht professionelle Blogger mit dem professionellen Journalisten „verschmilzt“, dann entsteht eine neue Spezies. Nennen wir das Konstrukt einmal den „bezahlten Journalisten“, von wem auch immer. Das nennt man dann Evolution und die Säugetiere auf diesem Planeten (darunter fällt auch der Mensch) sind darin Meister ihres Fachs. Grundprinzip der Evolutionstheorie ist es , dass im Zeitablauf sich nur die Spezies durchsetzt, die sich am besten an die Umwelt angepasst hat. Umwelt heißt in dem Fall „der Markt“ und da kommt dann der Schumpeter mit seiner zentralen Begrifflichkeit der schöpferischen Zerstörung ins Spiel.

Im Volksmund gibt es das Sprichwort „Jemand einen Bärendienst erweisen“ und genau das hat Herr Doepfner praktiziert. Der ist ja nicht blöd, das macht ihn so gefährlich. Und ob jemand (mit ihm oder Herrn Dieckmann) im Aufzug nach oben oder unten fährt, merkt er u.U. nur daran, ob er sein eigenes Körpergewicht als schwerer oder leichter empfindet.

balsamico 29.05.2013 | 18:44

Was ist der Unterschied zwischen "Stammtischjournalisten" und "qualifizierten Journalisten" die nur allen AP- Reuters - Käse wiederkäuen?

"Stammtischjournalismus" ist subjektiv, man hat also in der Regel nichts oder allenfalls oberflächlich recherchiert, nichts geprüft, nichts gegengecheckt, nichts redaktionell aufbereitet und in eine lesbare Form gebracht. Vereinfacht gesagt: Stammtischjournalismus besteht aus Behauptungen, oft nur vom Hörensagen. Man könnte es auch "Geschwätz" nennen. Auf Geschwätz vom Hörensagen lässt sich keine Demokratie bauen.

Aber ok, es gibt natürlich auch Journalisten, die sich die Arbeit leicht machen. Wie auch nicht? Ich glaube allerdings, dass Faulheit und Unfähigkeit wohl nirgendwo so schnell erkannt und "gewürdigt" werden, wie im Journalismus.

Georg von Grote 29.05.2013 | 18:50

Hier haben schon einige die Rohdiamanten abgeliefert, die dann kurze Zeit darauf ein wenig umgeschliffen im redaktionellen Teil unter anderem Namen erschienen. Das das so ist, das müsste aber jeder auch wissen, der hier einfach so schreibt.

Die andere Frage ist doch immer die nach dem sogenannten Qualitätsjournalismus.

Journalismus ist immer nur so qualitativ hochwertig, wie die Leute, die ihn machen. Und da liegt heutzutage der Hase im Pfeffer.

mag sein, dass ich auf einem falschen Dampfer bin, aber ich erwarte von einem Journalisten schon einen Tick mehr Allgemeinbildung als in anderen beruflichen Bereichen. Bei Spezialthemen auch eine gesunde Portion von Spezialwissen und nicht nur ein umgeschriebenes Wikipedia.

Gerade wurden im Spiegel die Jurastudenten zu Ader gelassen. Kommt reichlich spät. Die meisten von denen waren auch schon zu meinerf Zeit eher am unteren Ende der Bildungsskala angesiedelt.

Wieso untersucht man mal nicht das Bildungsniveau der Journalistikschüler? Da werden sich bei einigen die Haare aufstellen.

Wie kann es passieren, dass in einer Gesprächsrunde mit Roberto Benigni zu "das Leben ist schön" plötzlich ein junger Kollege einer nicht ganz unwichtigen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt, nicht nur Benigni, sondern allen anderen auch den Atem mit der Feststellung raubt: Ich wusste gar nicht, dass es in Italien auch Faschismus gab.

Oder wieso muss man sich zur Kritik einer Doku über McNamara mit einer jungen Redakteurin rumstreiten, die Passagen mit Golf von Tonkin und Dominotheorie streichen will, weil sie nicht weiß, worum es da ging und geht. Und am Ende des Streits dann erklärt: ich streiche das, das versteht unser Leser sowieso nicht.

Die Beispiele mögen überspitzt klingen, sind sie aber leider nicht. Die Vorfälle in dieser Richtung häufen sich mehr und mehr. Wo soll da bitte noch Qualität herkommen, vor allem wenn die Chefredakteure, die ihre Verleger und Anzeigenchefs im Nacken sitzen haben, mehr und mehr nach dem Leser schielen um sich dessen Bildungsniveau anzunähern, statt den Leser auf ihr Niveau zu hieven.

balsamico 29.05.2013 | 18:54

Wer in einer von Interessen der Wirtschaft und der Parteien befreiten und von ihnen unabhängigen Schule ordentlich im kritischen Denken unterricht wurde, braucht niemanden, der ihm irgendetwas auf irgendeineweise strukturiert.

Informationen braucht der im kritischen Denken Geschulte auch, möglichst verlässliche. Und, ja natürlich, gibt es guten und schlechten Journalismus. Wo ist das Problem? Der kritische Leser erkennt doch schnell, womit er es zu tun hat. Er kann doch nicht auf die guten Journalisten pfeifen weil es auch schlechte gibt.

tlacuache 29.05.2013 | 19:01

..."mag sein, dass ich auf einem falschen Dampfer bin, aber ich erwarte von einem Journalisten schon einen Tick mehr Allgemeinbildung als in anderen beruflichen Bereichen. Bei Spezialthemen auch eine gesunde Portion von Spezialwissen und nicht nur ein umgeschriebenes Wikipedia"...

Nein, im Gegenteil, bei deinen untenstehenden Beispielen kräuseln sich mir die Fussnägel hoch und es "spiegelt" einfach mehr und mehr den Bodensatz der Allgemeinbildung, wenn sich ein z.B. "Politikredakteur" bei "Uwe Barschel" einen "Tennisschläger" vorstellt...

Gruss

Jakob Augstein 29.05.2013 | 19:04

Die Debatte, ob Blogger professionelle Journalisten in der Ära des Netzes ersetzen oder ergänzen hatte ich für beendet gehalten. Die Antwort lautet: ergänzen. Und das ist auch gut. Aber den zentralen Job des Journalismus – Herrschaftskontrolle – können die Blogger auf Dauer nicht in ausreichendem Maße leisten.

Den wird Springer auch nicht leisten. Aber die anderen, FAZ, SZ, Spiegel - und auch ein bisschen der Freitag. Springer kann aber durch seine schiere Größe dabei helfen, einen Kulturwandel einzuleiten. Und einen technischen Standard zu etablieren.

Warum haben sich die großen Verlage noch nicht zu einem gemeinsamen Bezahlmodell zusammengerauft? Weil sie wie italienische Stadtstaaten agieren. Es braucht einen Marktführer, der vorangeht, der eine funktionierende Technologie entwickelt, der sich die anderen anschließen können.

Bei allen Schwierigkeiten und bei aller Kritik am Haus Springer, zu der ich nun wirklich keine Nachhilfe brauche – das ist ein lohnendes und spannendes Projekt, von dem unsere ganze Zunft profitieren kann.

Insch'Allah.

balsamico 29.05.2013 | 19:26

Warum haben sich die großen Verlage noch nicht zu einem gemeinsamen Bezahlmodell zusammengerauft?

So eine Art Kartell vielleicht?

Weil sie wie italienische Stadtstaaten agieren.

Das könnte in der Natur der Sache liegen.

Es braucht einen Marktführer, der vorangeht, der eine funktionierende Technologie entwickelt, der sich die anderen anschließen können.

Genau. So ähnlich wie bei den sieben Schwestern im Ölgeschäft.

abghoul 29.05.2013 | 19:27

Aber den zentralen Job des Journalismus – Herrschaftskontrolle – können die Blogger auf Dauer nicht in ausreichendem Maße leisten. J.Augstein

Herrschaftskontrolle ist ein vielseitiger Begriff, der im entsprechenden Zusammenhang gern auch das Gegenteil von dem wohl gemeinten, aussagen kann.

Denn Herrschaft ist doch nichts ohne Kontrolle.

Das hieße jedoch auch, daß die Aufgabe, sich nicht beherrschen zu lassen, bei den Beherrschten liegt, und der Journalismus dazu nur ein Mittel ist.

Zu welchem Nutzen dieser Journalismus betrieben wird, ist ja nicht im Begriff vorrausgesetzt.

Es ist die Mündigkeit jener die ihn betreiben, ob sie sich als ebenfalls Beherschte erkennen oder meinen zu den Herrschern zu gehören, die letztlich entscheidet zu welchem Zweck dies Mittel eingesetzt wird.

greetings from the pit - abghoul

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Ehemaliger Nutzer 29.05.2013 | 19:29

Immerhin, Jakob Augstein selbst äußert sich zu meiner (impliziten) Kritik an den derzeit sehr individuellen Bezahlmodellen, sprich notwendigen vielfachen Accounts.

Bei einem möglicherweise durchaus kommenden, einheitlichen Modell "der großen Verlage" sind a) kleinere dann unter Umständen (bewußt) aussen vor und b) müsste der Verteilungsschlüssel dieser "gemeinsamen" Einnahmen dann userbezogen, zugriffsbezogen überwacht werden. Ebenfalls ein "no go"; für mich zumindest, wo ich an anderer Stelle und ohne ein sog. Downloader von Content zu sein meine ersten, im Grunde perspektivisch wohl notwendigen Erfahrungen mit Proxy/VPN-Systemen ausbreite.

mymind 29.05.2013 | 19:32

Aber den zentralen Job des Journalismus – Herrschaftskontrolle – können die Blogger auf Dauer nicht in ausreichendem Maße leisten.

Sorry, aber inwiefern leisten Journalisten diesen hehren Anspruch?

Weit & breit ist im politischen Kontext nur Einheitsbrei zu vernehmen, den die Regierenden auch von sich geben. Natürlich bestätigen die ganz wenigen Ausnahmen wie immer die Regel.

Darunter auch die grundsätzliche Kritik an Merkel & dem Bashing fehlbarer Politiker. Darüber hinaus ist nichts mehr zu vernehmen. Wo bleibt die Herrschaftskontrolle _ & die muss sich inzwischen auch auf die Wirtschafts- sowie Finanzunternehmen beziehen _ wenn nicht grundsätzlich mal etwas tiefer gegraben vor allem veröffentlicht wird?

Georg von Grote 29.05.2013 | 19:33

Herr Augstein,

ich versuche es noch einmal mit Ihnen zu diskutieren.

Den ersten Absatz unterschreibe ich voll.

Bei den anderen Punkten habe ich Bauchschmerzen.

Sie sprechen von Kulturwandel.

Was Springer da vorhat kann ich nicht unter Kulturwandel subsumieren. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass Springer so etwas überhaupt beabsichtigt. Nicht weil es Springer ist, sondern weil es sich dabei um ein reines Geschäftsmodell handelt, das das Überleben der einen oder anderen Publikation sichern soll, oder vielleicht auch ihre Position wieder stärken.

Und wieso sollten sich die Verlage zu einem gemeinsamen Geschäftsmodell zusammenraufen? Jeder der logisch denkt, weiß, dass man um ein Bezahlmodell zukünftig nicht herumkommen wird. Es sei denn, es zaubert irgendeiner etwas aus dem Hut, auf das bisher noch keiner gekommen ist. Aber gemeinsam?

Jeder Verlag, jede Zeitung hat doch divergierende Ziele, Stoßrichtungen und Leser. Das kann so nicht gemeinsam funktionieren, vor allem dann, wenn man endlich dem journalistischen Einheitsbrei entfliehen will, der meines Erachtens auch ein gewichter Grund für das steigende Desinteress der Leser ist.

Wenn, dann muss jeder Verlag für sich eine ganz individuelle Lösung, zugeschnitten auf den Leser und die eigene Identität finden. Bei der technischen Umsetzung kann man gemeinsame Programme entwickeln lassen. Das machen aber andere Firmen und diese Programme müssen genügend Beweglichkeit lassen um die paywall an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Nicht die paywall darf vorgeben, was free ist und was kostet, sondern Zeitungen müssen, wenn sie überleben wollen wieder ein Alleinstellungsmerkmal verschaffen. Und das kann ich nicht herstellen, wenn ich ständig nach dem Marktführer schiele. Das funktioniert auf Dauer in keiner Branche.

Sie haben sich nun wirklich hier mit der FC einen Rohdiamanten zugelegt, dafür muss man Ihnen und den Mitarbeiten Respekt zollen. Aber den müssen Sie schleifen, bis er zum Juwel wird und nicht abschleifen, bis nichts mehr übrig bleibt. Damit meine ich nicht, dass die Blogger hier zum Journalisten aufsteigen, oder wie es so schon heißt, Bürgerjournalisten, aber ich glaube, es hat noch keiner so richtig erkannt, welches Kapital hier ruht. Ich fürchte, Sie auch noch nicht so wirklich.

GEBE 29.05.2013 | 19:50

"Der Rausch des freien Netzes ist vorüber. Es ist der Morgen danach. Wir wissen jetzt, wenn sich nichts ändert, wird es guten Journalismus bald nicht mehr geben."

Klar. So verkauft man auch Versicherungen, indem man mit dem Sargdeckel klappert.

Wahrscheinlich aber wird es so werden, daß für schlechten Journalismus auch noch bezahlt werden soll; womöglich noch in Form von Subscriptionsleistungen im voraus.

Sandra85 29.05.2013 | 20:27

Der Bericht der Bloggerin und Sexarbeiterin Carmen (http://courtisane.de/blog/?p=659) über das extrem unfaire Gebahren des "Spiegel" ihrer Person gegenüber - sowie die hochgradig tendenziöse Berichterstattung über Prostitutionspolitik in der aktuellen Ausgabe - entlarven doch sehr schön den Zustand der ach-so-seriösen Konzernmedien.

Wenn ich mich ohnehin erst durch eine handvoll kostenlose Blogs lesen muss um mich sehr viel umfassender und ausgewogener über das Thema zu informieren (einige sehr gute Beiträge sind bei Carmen verlinkt), während im Spiegel bloß reißerische Hetze geboten wird, ist es doch kein Wunder, dass immer weniger Leute bereit sind, dafür auch noch Geld zu bezahlen. Bei so einem Journalismus würde eine Paywall den Untergang sogar noch beschleunigen.

kmv 29.05.2013 | 20:27

"Aber den zentralen Job des Journalismus – Herrschaftskontrolle –"

Hi Hi, genau ... der ungarische Schuster, der in einem kleinen Dorf sein Einmonatsblättchen redigiert und glücklich vor sich hinmurmelt: 'Was wird der Zar sich am Montag ärgern.'

Ernsthaft: Wie kommen Sie nur darauf Journalismus einen moralischen Sonderstatus zuschreiben, und so zu tun als seien die drei klassischen Gewalten Legislative, Exekutive und Jurisdiktion dazu da von der freien Presse / öffentlichen Meinung / vierten Gewalt, kontrolliert und zur Ordnung gerufen zu werden?

Für mich als, als Bürger/Leser/Beobachter ist es eher so, dass die Vier einander nicht nur kontrollieren sondern auch durchdringen und korrumpieren.

Das eigentliche Problem ist, ich bleibe dabei, dass die ‚gatekeeper‘funktion des Journalismus aufgehoben ist und auch das (noch) nicht vorhandene Bezahlmodell wird diesen Verlust nicht wettmachen. S.a. von Grote: ... sondern Zeitungen müssen, wenn sie überleben wollen wieder ein Alleinstellungsmerkmal verschaffen.

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Ehemaliger Nutzer 29.05.2013 | 21:01

Habe mich selten so zwiespältig gefühlt wie beim Lesen dieses Artikels. Nun gut ein Bezahlmodel für Artikel, so es sich durchsetzt, würde viele Probleme im aktuellen Medienbereich bessern, wenn auch nicht lösen: Die Abhängigkeit von den Anzeigenkunden könnte sich etwas entschärfen lassen, was auch evtl vielleicht und möglicherweise dazu führen könnte, dass die politische Selbstzensur vieler Journalisten etwas nachlassen würde und weniger auf Mainstream und Marktkonformität geachtet würde, dafür mehr auf critical thinking. Aber, so richtig glaube ich das noch nicht.

Vielleicht würden die Profis dann einfach nur mehr verdienen, was ihnen gegönnt wäre. Nur sollte dann die Masche mit der veröffentlichten Presseerklärung aufhören und der ehrliche Journalismus wieder anfangen. Glaubt Augstein wirklich daran?

Wie auch immer, nicht nur die Printmedien, sondern der Journalismus insgesamt ist in der Krise. Wenn man nur das schreibt, was die Leute lesen wollen, dann kann man auch gleich den Studiengang abschaffen und die Henry Nannen-Schule ebendrein.

Die Bildzeitung als Beispiel für guten politischen Journalismus zu sehen, weist schon in genau diese fatale Richtung.

Wo also ist die Lösung?

Die wenigsten lesen Bild am Computer, den Spiegel aber schon viel mehr. Die Computerleser werden so lange auf kostenlose Angebote ausweichen, bis es nicht mehr geht, Die Bildleser zahlen ohnehin für ihr Blättchen. Wenige hochwertige journalistische Produkte mit echtem Seltenheitswert, werden sich im Netz auch teuer verkaufen lassen, wenn sie entsprechend beworben werden. Bei wissenschaftlichen Publikationen ist das schon so. Alles andere geht bestenfalls für ein paar cent über die virtuelle Theke. Für Springer vielleicht ein ganz nettes Zusatzeinkommen, für den breiten Journalismus keine Lösung. Dann eher noch die Printmedien für das Iphone anpassen und dann Abos verkaufen. Aber was für ein Abstieg in der Qualität wäre das!

balsamico 29.05.2013 | 21:02

Wahrscheinlich aber wird es so werden, daß für schlechten Journalismus auch noch bezahlt werden soll; womöglich noch in Form von Subscriptionsleistungen im voraus.

Wohl nicht. Ich vermute, es wird so kommen, dass guter Bezahl-Journalismus neben angeblich weniger guten Free-Journalismus tritt (wobei dahinstehen mag, wieso gerade die Bild-Zeitung den Vorreiter für den guten Bezahl-Journalismus macht). Wie ich das Netz kenne, werden aber bald Adressen für guten Free-Journalismus kursieren.

Und das wird's dann gewesen sein, mit dem guten Bezahl-Journalismus. Die Netzgemeinde guckt nämlich nicht danach, wo es gut ist, sondern danach, wo es gut ist und kostenlos ist. Und da es solche Angebote durchaus gibt, die durch die Bezahl-Konkurrenz eher noch zahlreicher werden, wird's wohl nichts mit dem guten Bezahl-Journalismus - bis er kaputt ist. So grausam ist der Markt.

dame.von.welt 29.05.2013 | 21:04

Die ganze Zunft könnte aus meiner Sicht weit eher davon profitieren, wenn prominente Herausgeber/Journalisten wie Sie sich zur wirtschaftlichen Sicherung der freien Presse für eine Kulturabgabe (statt der GEZ-Gebühr) stark machen würden, statt sich Paywalls, initiiert und möglich durch Springers Größe, herbei zu wünschen.

Springer ist mir in Sachen Herrschaftskontrolle noch nicht aufgefallen, Springer übt Herrschaft aus. Das hat Konsequenzen, nicht nur in der Uninformiertheit und Manipulation von Bürgern, sondern auch für Politiker. Springer hebt und stürzt Politiker und ist allein schon darin demokratie-gefährdend.

Medien, die dem Markt unterliegen, werden durch ihn deformiert. Was bei allem Projekt Freitag und bei all Ihrem Idealismus auch dem Freitag anzumerken ist. Weswegen es mir völlig unverständlich ist, warum ausgerechnet Sie ausgerechnet mit den Springers um die Paywall-Wette heulen.

Wer führt denn eine Diskussion, ob Blogger professionelle Journalisten ersetzen können? Kann ich hier nicht lesen, über 'ergänzen' herrscht m.M.n. Einvernehmen. Zu 'ersetzen' fielen mir allerdings gleich drei Beispiele in der FC ein: Hans Springsteins Syrien-Berichterstattung, die von SuzieQ (ewig nicht mehr gelesen) über den Prozess gegen Breivik und ed2ms Artikel über Italien und Madagaskar (der über seine weitere Präsenz hier nachdenkt - nach Ihrer Diagnose, das Netz untergrabe Journalismus und Demokratie). Alle drei einzigartig im deutschsprachigen Raum, unerreicht von irgendeinem professionellen Journalisten, unentgeltlich bei Ihrem Freitag und die sollen dafür absehbar auch noch bezahlen?

Mit Judith Holofernes gesprochen: Ich glaub, es hackt!

Ich hielt bislang auch meine unentgeltlich beigesteuerten 'Ergänzungen' nebst gelegentlichem Kauf der Print-Ausgabe für einen fairen Tausch, wird für Sie dann wohl schon gar nicht der Fall sein. Na denn, besseres Gelingen mit dem (nach erfolgreichem *Springer-Kulturwandel*) neu gewählten Volk.

iDog 29.05.2013 | 21:09

Mit Journalismus gibt es offenbar auch keine Demokratie - was nun?

Und alle die Journallien, die sicher zu den potentiellen Kandidaten gehören sich ihre Netztinhalte bezahlen lassen zu wollen , die - leider, leider - betreiben eben keine Herrschaftskontrolle.

Ich warte also auf den Tag, an dem Werbung anschauen kostenpflichtig wird, denn dann ist der ganze Blödsinn vorbei - endlich.

JR's China Blog 29.05.2013 | 21:24

Was ist ein guter Journalist, Balsamico? Von welchem Begriff reden wir in dem Zusammenhang?

Ab und an setzt sich jemand hin und denkt relativ ausführlich über die Pressefreiheit nach. Daraus wurde vor zwei Jahren ein recht interessanter Vortrag - in Beijing.

Nicht unbedingt neu, aber gut zusammengetragen, finde ich, und dann zur Diskussion gestellt.

Und eine m. E. ebenfalls nicht uninteressante Untersuchung aus Deutschland. Da können Sie strukturieren, so lange Sie wollen, Balsamico. Der Dreh ist häufig allzu vorhersehbar. Und eine gute Schreibe macht noch keinen (guten) Journalisten.

Richtig ist: dem Blogger fehlt oft der "Bumms", um auf Fragen an die Macht überhaupt eine Antwort zu bekommen. Aber wenn die Journalisten die Fragen nicht stellen, weiß ich nicht, warum ihnen eine wichtigere Rolle zukommen sollte als den Bloggern.

Joachim Petrick 29.05.2013 | 21:34

Jakob Augstein, was war da los?

Warum zieht Jakob Augstein vor dem riesigen Haufen Geldes des Springer Konzerns, unaufgefordert, zum Kotau vor Mathias Döpfner bereit, huldvoll seinen „Hut“ zum Geßler Gruß?

Das finde ich nun wirklich übertrieben, unter Heulen und Zähneklappern, auf den Riesenbatzen Geldes des Springer Konzerns wie die Maus auf die Schlange, zu schauen, auch wenn hierzulande einiger Mut dazu gehört, den jakob Augstein nicht scheut, Projekte des Springer Konzerns öffentlich lobend zu erwähnen, wie es Jakob Augstein sich und seinen Lesern, ungeschützt auf freier Medien Landluft Wildbahn, zumutet.

Ist Jakob Augstein sich da in seiner Rolle als Treuhänder der SPIEGEL Erbengemeinschaft näher, ohne sich wirklich zu fragen, ob das Vermögen der Erbengemeinschaft, soweit es seinen Anteil betrifft, nachwievor beim SPIEGEL in der Perspektive richtig investiert ist, denn als Eigner und Herausgeber und Chefredakteur des Freitags?

Die Großen werden schrumpfen, wenn überhaupt jemand in der Medienlandschaft wächst, werden es im Print- und Onlinebereich die gegenwärtig eher noch Kleinen sein

siehe

https://www.freitag.de/autoren/joachim-petrick/paywall-zahlen-sollen-die-anderen

Joachim Petrick

29.05.2013 | 21:23

Paywall! „Zahlen sollen die anderen“

OnlineBezahlsystem Ist das nicht das „Worst Case Szenario“:"Erfolg, Misserfolg, Aufstieg oder Untergang des Journalismus hierzulande hängt vom Wohl & Gedeih des Springer Konzerns ab?"

Magda 29.05.2013 | 21:42

Ich frage mich - oder anders - ich ahne, warum Sie einen so eifernden, fast feindseligen Ton anschlagen. Und das In Ihrem eigenen Blatt mit einer Community, die zu den charakteristischen Unverwechselbarkeiten des FREITAG zählen soll. Ich bin entschlossen, das nicht ernst zu nehmen. Denn sonst müsste man wirklich - da gehts mir wie ed2murrow - beleidigt sein und abhaun.

Viele User füllen den Content mit Beiträgen, die - gerade jetzt wieder - vielfältig und zunehmend informativer werden. Jüngere Leute probieren sich hier aus. Und was lesen die nach langer Zeit mal wieder von Ihnen? Einen verquasten Lobgesang auf die BILD-Zeitung. Nee, das ist wirklich der Gipfel.

Nix dagegen, sich über Finanzierungsmodelle Gedanken zu machen, aber doch nicht in diesem "Schluss mit lustig"-Ton. Es ist schön, dass Sie BILD alles Gute wünschen. Ich wünsche Ihnen ein besseres Händchen im Umgang mit den Lesern Ihres Blattes.

Die Verlage werden ihren Lesern den Unterschied zwischen Qualität und Quantität wieder beibringen müssen.

Herrlich, wie denn? Mit Geldstrafen? Ich wünsche gute pädagogische Ergebnisse. Das ist wirklich ein umpassender Herrschaftston.

Bild hat sich in den vergangenen Jahren mit der politischen Berichterstattung viel journalistischen Respekt erworben.

Was soll das denn sein: Das Wort zum Sonntag oder BILD im Freitag.

Das können Sie noch hundertmal postulieren: Wahr ist nur, BILD ist raffinierter geworden. Die Wulff-Geschichte hats bewiesen. Wenn Ihnen das imponiert, bittesehr.

dame.von.welt 29.05.2013 | 21:43

Wer hat sie denn bei der wirtschaftlichen Sicherung der Öffentlich-Rechtlichen aka GEZ-Gebühr ausgehandelt?

Isch 'abe gar keine Fernseher, lebe allein in meiner Wohnung, zahle aber trotzdem den gleichen Betrag wie eine fünfköpfige Familie mit ebenso vielen TVs. Mir persönlich erschiene es zwar sinnvoller, die Inanspruchnahme der Öffentlich-Rechtlichen mit dem Kauf der Geräte zu bezahlen, aber egal. Warum also sollte eine Kulturabgabe zur Sicherung der freien Presse im www nicht auch pro Haushalt erhoben werden?

Davon abgesehen, iDog trifft den Nagel auf den Kopf: Ich warte also auf den Tag, an dem Werbung anschauen kostenpflichtig wird, denn dann ist der ganze Blödsinn vorbei - endlich.

Lapis 29.05.2013 | 21:53

>>Aber dennoch war das für den deutschen Journalismus ein wichtiger Tag: Springer will der Kostenlos-Kultur im Netz den Garaus machen. Wenn es einen Verlag gibt, der dieses Ziel erreichen kann, dann ist es Springer. Auch wenn manche Netzfundamentalisten das noch nicht wahrhaben wollen: Der Rausch des freien Netzes ist vorüber. Es ist der Morgen danach. Wir wissen jetzt, wenn sich nichts ändert, wird es guten Journalismus bald nicht mehr geben.<<

[...]

>>Aber immerhin setzt Springer auf Journalismus.<<



Ah, der Traum von demokratieerhaltenden, herrschaftskontrollierenden und unersetzlichen Qualitätsjournalismus bekommt endlich einen Namen.

Nee, da spricht nur der Verleger, der ein zwar legitimes Ansinnen (Gewinne bzw. keine Verluste zu machen) hat, aber dann doch versucht, sein Problem Moralkeulen schwingend auf den hehren Schutz des Journalismus (mit in Wahrheit meist redaktionell unfrei und prekär Beschäftigten) und die angebliche Unkultur der Leserschaft ("... hat im Netz das Zahlen für Inhalte verlernt") abzuwälzen.

GEBE 29.05.2013 | 22:08

"Ich warte also auf den Tag, an dem Werbung anschauen kostenpflichtig wird, denn dann ist der ganze Blödsinn vorbei - endlich."

Ich kann nicht sehen, daß dann damit der Blödsinn endlich vorbei wäre. Immerhin laufen heute unzählig viele Menschen mit Emblemen und Schriftzügen auf Hemd und Hose, usw. rum und laufen freiwillig als Werbemittel rum, wofür sie auch noch selbst bezahlen. Ich kann mir eher ein Szenarium vorstellen, in dem Werbung nicht zu konsumieren "sanktioniert" wird.

Berufsjugendlicher v2.0 29.05.2013 | 22:26

Springer und Augstein, das ist wie Island und die EU. Nur hat Island nicht die Rettung der EU auf seine Fahnen geschrieben. Für was fühlen Sie sich Herr Augstein denn nicht zuständig. Seit Ihrem Jubel über die Talkshows als Zentren der "deliberativen Demokratie" staune ich immer wieder mal über Ihre Fähigkeit sich mit den wirklich großen Themen in Verbindung zu bringen. Im übrigen wird Ihr Glanz auffallend konterkariert durch Ihre Stellvertreterin die ich in ihren Beiträgen als das Licht unter Ihrem Scheffel erlebe. Aber glabuen Sie mir, solange Sie den Freitag nicht kaputtsparen, werde ich mein Abo nicht verschenken.

JR's China Blog 29.05.2013 | 22:29

Die Frage ist doch, ob die Presse damit besser wird, dass sie sich auch formal so korporatistisch organisiert, DvW. Auch die öffentlich-rechtlichen Medien waren mal staatsfern konzipiert - bevor sie in bundesdeutsche Hände kamen.

Zumindest hatte sich das Sir Hugh Carlton Greene von der britischen Besatzungsmacht so vorgestellt. Die politische Klasse in Deutschland sah das anscheinend schon vor Gründung der Bundesrepublik etwas anders.

Ich bin für Methodenvielfalt in der Medienlandschaft. Und ich bin nicht ganz ohne Hoffnung, dass dem einen oder anderen Medienunternehmer vielleicht etwas Innovatives einfällt. Oder samma noch in der Mitte des 20. Jahrhunderts?

tlacuache 29.05.2013 | 22:31

Rohe Diamanten?

Bitteschön:

... Am 18. März 1938 hatte der mexikanische Präsident General Lázaro Cárdenas del Río die AmiOELmultis verstaatlicht, dumm gelaufen, ham'se verpennt, die Ami's hatten schon Hitler im Auge, solche Fehler sollten ihnen nicht mehr unterlaufen. In anderen Ländern wurde aus Spass Ernst, Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es z.B 1951, unter der Regierung Alas, zu einer Verstaatlichung der Ölindustrie. ...internationalen Boykott des iranischen Öls, allen voran durch die USA ... der Abadan-Krise, und im Iran zu einer Wirtschaftskrise und zum Staatsdefizit führte. Trotz dieser Ereignisse wählte das Parlament Mohammad Mossadegh ein weiteres Mal zum Premierminister des Landes"... den Rest kennen wir, Carter wird aus dem "White House" gemobbt, wollte ja Solarpaneele, der Schwachkopp,...

CEB Holding - Companhia Energética de Brasília S.A.
lässt solche Fehler nicht zu...

Wir fracken jetzt das Trinkwasser, alles überspitzt, zugegeben, aber da kann SPON einpacken, dank Onlineleser bzw., Beiträge

----------------

zahlt das jemand oder muss ich Pay Wall mucken...?

koslowski 29.05.2013 | 22:35

Als Abonnent der Printausgabe, der dem Verlag damit hilft, wenigstens etwas Geld zu verdienen, habe ich, wenn auch murrend, akzeptiert, dass deren Texte kostenlos online zu lesen sind. Wenn das Lesen hier nun bald kostenpflichtig werden sollte, finde ich das in Ordnung. Ich könnte entweder mein Abo oder meine Aktivitäten hier beenden. Schreiblust und Eitelkeit würden vermutlich zur Kündigung der Printausgabe führen. Für mich wäre das eine akzeptable Lösung, für die Bilanzen des Verlags aber nicht. Die Paywall ist kein Ausweg aus dem ökonomischen Dilemma eines linksliberalen Nischenprodukts.

dame.von.welt 29.05.2013 | 23:06

Oder samma noch in der Mitte des 20. Jahrhunderts?

In der Mitte des vergangenen Jahrhunderts gab's die Murdochs, Springers, Holtzbrincks und das www noch nicht - Ihren/Jakob Augsteins Optimismus zur qualitativen Verbesserung der Medien oder zu www-Innovationen von diesen Medienunternehmer-Seiten kann ich nicht teilen. Dazu trug btw die lausige Recherche zu China, bzw. zu den Unruhen in Tibet vor der Olympiade bei - die Ausnahme: Georg Blume in Zeit und taz. Ein anderes, für mich vorstellbares Modell wäre also eine Art direktes Abo für m.M.n. gute Journalisten, nebst deren Zusammenstellung zu einem (1) individuellen www-Medium - ohne andauernd in xx Medien quer lesen zu müssen, um mir neben politischen Agenden und Meinungsschreibe statt Berichterstattung überhaupt eine eigene Meinung bilden zu können.

Sikkimoto 29.05.2013 | 23:13

Was an der Disskussion zum Thema Musikpiraterie wirklich überflüssig war sind solche Kommentare: Nicht derjenige, der Inhalte klaut macht sich schuldig, sondern die böse Plattenfirma. Man findet den Künstler ja total dufte, nur zahlen möchte man für seine Werke nicht. Das soll doch lieber das doofe Label.

Die Antwort auf sinkende Umsätze sind mit Sicherheit nicht höhere Löhne. Und jeder der seinen Gribs kurzzeitig einschaltet weiß das...

Amanda Donata 29.05.2013 | 23:13

Lieber Herr Augstein,

diesem "Visionär" da oben in schmeichelhaftem "Kostüm" wünsche ich dagegen kein Glück (Massel) sondern vielmehr Konfrontation und Schlamassel ..;-) .. wahre Größe (Wert) ist ohne Lüge und wohnt bei den Menschen sehr bescheiden .. umsonst gibt sie, was empfangend in ihr ist. Nachrichten, die man kaufen muß, sind gekaufte Nachrichten .. gänzlich .. und häufig klebt das Blut der Menschen an dem Geld und falsche Schwüre .. Sie verstehen ..? .. vielleicht etwas ..

Gute Nacht, Germany (paßt auf Euch auf, da kommt wieder 'was ..)

AD

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Ehemaliger Nutzer 29.05.2013 | 23:44

"Ohne Journalismus gibt es keine Demokratie. Vielleicht ist unser Journalismus nicht gut genug. Sicher ist unsere Demokratie nicht gut genug. Aber das eine braucht das andere, und das Netz untergräbt beides."

Das will ich auch stark hoffen, dass das Netz dieses Gespann untergräbt, diese abgewirtschaftete repräsentative Lobbyistendemokratie, deren Auswüchse man in einem Europa bewundern kann, das von nicht gewählten Pappkameraden ruiniert wird und die Wahlbeteiligung auf unter 50% drückt, begleitet von einem großkapitalistischen, herrschaftskonformen Journalismus,wie er billiger nicht sein kann. Glück auf liebes Netz, untergrab weiter, aus dass dieses jämmerliche Gespann für immer und ewig im dunklen Grab vermodert.

Und siehe da, auf dieser modrigen Gruf wachsen wilde Pflanzen und bunte Blumen, sie recken sich keck den labenden Sonnenstrahlen entgegen und begrüßen gut gelaunt die Zukunft.

CeterisParibus 30.05.2013 | 00:37

Kennen Sie kostenlos? Nein? Ich auchnicht. Ich kenne nur umsonst. "[.]Was einen Wert hat, soll einen Preis haben." Richtig! Wie Arbeit zum Beipiel. Oder Ideen. Aber zurück zum Thema: Das Modell Paywall wird da enden wo das Modell CIplus (von mit Springer verwandtem Konzern gekoren): Im Nirvana. Die Produkte des Hauses "S" sind ihren Wert nicht Geld. Sie haben daher auch keinen nennenswerten Preis.

tlacuache 30.05.2013 | 00:55

JR's China Blog 29.05.2013 | 22:29:

Ein echter JR, kaum zu überbieten,

..."Ich bin für Methodenvielfalt in der Medienlandschaft"...

Ich auch, nur womit ist das begründet?

EADS + Daimler + BMW + Volkswagen ist für Medienvielfalt?

Mutti will mit Asmussen gestreute Kritiken?

Xinhua News Agency will Diversität?

HoHo Hotschchi Min mit 4 Drucklaufwerken? Cyan, Magenta, Yellow und Neger?

Den Audi verkoofe ich ooch soo, als Gebietsleiter im Tal des

Flusses Yangtsé, den Porsche sowieso...

Die WAZ -Gruppe mit Holtzbrink hüstelt dir was wenn'de Mutti anpinkelst, Springer - Verlag führt die Todesstrafe ein wenn'de Özdemir - Nordatlantikbrücke vor der Wahl in die Presse bringst, so schnell kannst du gar nicht abtauchen...

;-))))))))

Erstaunlich, deine Goodwillrethorik, JR, oder gibt es irgendwo einen Mindestlohn?

rolfmueller 30.05.2013 | 01:10

Bezeichnend ist, dass nicht ein seriöses Pauschal-Abo in den Verlagen diskutiert wird, sondern verschwurbelte Pay-Modelle, in denen beliebig an der Preisschraube gedreht werden kann; ein und der selbe Artikel soll beispielsweise immer weiter im Preis steigen, je größer das Leserinteresse ist. So etwas mag programmiertechnisch umsetzbar sein, akzeptieren wird es der Leser sicher nicht.

Eine Zeitung oder Zeitschrift auf Papier kommt mir schon seit Jahren nicht mehr ins Haus. Nicht aus edlen Motiven, sondern aus Bequemlichkeit. Während ich in analogen Papierzeitungs-Stapeln tagelang nach einem bestimmten Beitrag suchen muss, kann ich im Computer die Datei mit ein paar aussagekräftigen Tags versehen und mit wenigen Klicks wiederfinden.

Dass Jakob Augstein das Ende der Kostenloskultur erhofft, wundert mich noch mehr, warte ich doch schon seit Jahren sehnsüchtig auf ein profanes PDF-Abonnement des „Freitag“. Ich habe zahlreiche Magazine und Zeitungen in dieser Form abonniert, aber der „Freitag“ zwingt mich nach wie vor zum Gratislesen.

Aber vielleicht ist das auch nur konsequent, denn für vieles auf seiner Website hat der „Freitag“ ja auch nichts bezahlt.

Georg von Grote 30.05.2013 | 01:27

Bei den pdf-Angeboten kann ich durchaus verstehen, das da manche Verlage zurückhaltend sind.

Hier mal nur ein kurzer Auszug einer Seite, die einiges regelmäßig für lau anbietet.

29.05.2013 Der Stern 23/2013
29.05.2013 Chip Foto Video 07/2013
29.05.2013 FotoMagazin 07/2013
29.05.2013 Gamestar 07/2013
26.05.2013 Focus Magazin 22/2013
26.05.2013 Playboy 06/2013 (US)
26.05.2013 Der SPIEGEL 22/2013
26.05.2013 Auto Bild 21/2013
23.05.2013 Stiftung Warentest Finanztest 06/2013
23.05.2013 PS3M Das Playstation Magazin 06/2013
23.05.2013 Der Stern 22/2013
23.05.2013 auto motor und sport 11/2013
19.05.2013 Der SPIEGEL 21/2013
19.05.2013 Focus Magazin 21/2013

und das Angebot reicht Monate zurück. :-)

die_edda 30.05.2013 | 01:36

Ich möchte mich Magda in allen Punkten anschließen, die sich wiederum GVG anschließt, dem ich mich auch anschließen kann... so wie eigentlich mehr oder minder allen Kommentatoren bisher. Denn jeder Kommentator scheint sich mehr Gedanken über Journalismus (und zu Recht auch den Unterschied zu Berichterstattung) gemacht haben als Freitag-Herausgeber Augstein.

Das ist ja auch nicht verwunderlich, denn Jakob Augstein vertritt die Verleger-Interessen, die schon seit Längerem allgemein nicht mehr die Interessen der Journalisten sind. Aber es klingt so gut, wenn man als Verleger "seinen" Journalisten öffentlich den Qualitätsorden an die Brust heftet und für ihr Wohl kämpft.
Dass da jetzt auch noch ein Qualitäts-Polit-Orden für die Kollegen von der Bild raussprang, hat mich zwar ein bisschen verwirrt, wird aber wohl noch für einiges Gemurre in den hauseigenen Redaktionsräumen sorgen. Viel Spaß dabei, Herr Augstein...

Soso, das Wohl und Wehe des deutschen (womöglich gar internationalen) Online-Journalismus hängt von Gedeih und Verderb des springerschen Bezahlmodells ab?
Ach?! Ich finde, das klingt Bild+ nach einem eher schlecht kaschierten Erpressungssystem. Gratis kriegt man ein paar Bildchen und Sätze, wer ein paar Euro drauflegt, kriegt ein paar mehr Bildchen und Sätze und wer noch mal was drauflegt, wird sogar mit dem Sportteil belohnt. Das riecht stark nach Premiere Sky, dem Sender, der hierzulande zwar recht defizitär unterwegs ist, aber immerhin noch genug anwirft, um das Murdoch-Imperium zu erhalten, das ja in Großbritannien untergegangen ist, weil die dummen Leser ja alles gratis haben wollen erwiesen kriminelle Methoden bei der Recherche angewandt wurden.
Dabei bin ich grundsätzlich noch nicht Mal gegen ein Bezahlmodell, etwa für einzelne Artikel (a la taz) oder Dossiers (a la Zeit).
Ich zahle sogar für die gedruckte Sammlung der Artikel, die ich hier gratis lesen kann. Weil a) offline am Wochenende ein Gnade ist und b) ich am Montag unter dem Kommentaren zu den Artikeln das ein oder andere Ergänzende/Erdende/Erhellende lesen oder auch selbst beitragen kann. Diese Community ist das große Plus des Freitags. sie unterscheidet sich vom Leser nur dadurch, dass sie sich hier aktiv beteiligt. Das heißt aber nicht zugleich, dass der Leser strunzdoof sein muss, weil er sich hier nicht beteiligt, oder weil Quantität nicht von Qualität unterscheiden kann.

oder anders ausgedrückt: @Jakob Augstein
Sie sind bei 99,9% aller Zeitungsfälle in Deutschland, sei es online oder Print, auch nur Leser und nicht Verleger. Möchten Sie so angespochen werden? Möchten Sie, dass Ihnen ein Verleger außerhalb des Springer-Imperiums das katastrophale Horrorszenario aufzeichnet, in dem die Zukunft des Springer-Imperiums darüber bestimmt, ob Sie irgendwann noch Mal in Ihrem Leben intellektuelles Licht am Ende des Tunnels sehen?
Echt jetzt?

ed2murrow 30.05.2013 | 01:44

Sie irren. Mein Motiv ist nicht ein gefühliges Beleidigtsein. Dazu hätte schon vor einiger Zeit das menschenverachtende Verhalten eines Freitag-Redakteurs Anlaß genug gegeben.

Sondern das Entsetzen vor dem Jakobiner, der seine bisher polyvalenten Aussagen, die eine immerhin günstige Interpretation zuließen, in die ungünstigste wie apodiktische Variante gegossen hat.

Hier hat eine unumkehrbare Zäsur stattgefunden. Davor verschließe ich nicht die Augen. Im Gegenteil.

Georg von Grote 30.05.2013 | 02:03

Der Jakobiner war immer unterschwellig erkennbar. Vielleicht haben nicht alle so darauf geachtet. Insoweit überrascht mich die jetzige harschere Tonart nicht so sehr.

Vielleicht hat man nicht mit der Eigendynamik einer solchen Community gerechnet, oder hat sie schwer unterschätzt und steckt nun in dem Dilemma, nicht so ohne weiteres andere Seiten aufziehen zu können, wie sie mittlerweile in anderen Zeitungsforen üblich sind, ohne seine Glaubwürdigkeit zu verlieren. Das kann sich vielleicht die Zeit leisten, oder der Spiegel, nicht aber der freitag. Dazu ist man mit seiner speziellen Community zu häufig in der Öffentlichkeit hausieren gegangen.

Aber im Moment sehe ich Comunity und Freitag online als Bezahlmodell noch als zwei getrennte Systeme an. Sollte sich allerdings irgendwann herausstellen, dass dem nicht so sein wird, dann bedeutet das auch gleichzeitig das Ende dieser FC. Ob man sich am Hegelplatz dessen so bewußt ist, wage ich zu bezweifeln.

blog1 30.05.2013 | 02:26

„Die Debatte, ob Blogger professionelle Journalisten in der Ära des Netzes ersetzen oder ergänzen hatte ich für beendet gehalten. Die Antwort lautet: ergänzen. Und das ist auch gut. Aber den zentralen Job des Journalismus – Herrschaftskontrolle – können die Blogger auf Dauer nicht in ausreichendem Maße leisten

Hinter dieser Behauptung steckt nichts anderes als die verfestigte Meinung des Verfassers „Jetzt lasst uns Profis mal unsere Arbeit machen, ihr Nichtprofis taugt allerhöchstens als Bestätigungsmedium für die Ergebnisse unserer fundierten Arbeit, denn schließlich haben wir Journalisten unseren Job von der Pike auf gelernt“.

Das sich unter den Bloggern auch Personen versammeln, die großen Mist verzapfen, ist selbstredend, nur das gibt es unter den Journalisten auch, wenngleich das grammatikalische Niveau bei den Journalisten höher sein mag.

Den wird Springer auch nicht leisten. Aber die anderen, FAZ, SZ, Spiegel - und auch ein bisschen der Freitag. Springer kann aber durch seine schiere Größe dabei helfen, einen Kulturwandel einzuleiten. Und einen technischen Standard zu etablieren.“

Einerseits vertreten sie die Meinung, dass der Springerverlag vorpreschen soll, ein Bezahlmodell zu etablieren, andererseits sprechen sie dem Springerverlag genau diese Fähigkeit ab. Das erledigen dann FAZ, SZ und die anderen serösen Verlage. Für wie blöd halten Sie eigentlich den Springerverlag? Sie sollten nicht den Fehler machen, den Gegner zu unterschätzen.

„Warum haben sich die großen Verlage noch nicht zu einem gemeinsamen Bezahlmodell zusammengerauft? Weil sie wie italienische Stadtstaaten agieren. Es braucht einen Marktführer, der vorangeht, der eine funktionierende Technologie entwickelt, der sich die anderen anschließen können“

Wenn ihre These stimmen würde, frage ich mich, warum es in vielen Branchen Kartelle gibt, die Preisabsprachen treffen bzw. sich die Gebiete untereinander aufteilen, um so der lästigen Konkurrenz Herr zu werden. Teile und herrsche heißt die Devise. In der Stromversorgung lässt sich diese Entwicklung besonders gut beobachten.

Wenn die großen Verlage sich ihrer Meinung nach wie Stadtstaaten verhalten, dann scheint an diesen Medienkonzernen die Globalisierung komplett vorbei gegangen sein. Es erschließt sich mir nicht, dass die dort tätigen Journalisten tagtäglich über die Auswirkungen der Globalisierung berichten und sich nach innen wie Stadtstaaten verhalten.

Die funktionierende Technologie gibt es im Übrigen schon, sie nennt sich Cloud-Programmierung.

Es wäre ehrlicher gewesen, über die wahren Hintergründe einer paywall zu sprechen, nämlich dass es ausschließlich ums Geld bzw. ums Überleben geht. Darüber müssen wir reden, aber nicht darüber, dass ein säuselnder Nikolaus Blome seinen Wirkungskreis erweitert.

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Ehemaliger Nutzer 30.05.2013 | 02:35

Was einen Wert hat, soll einen Preis haben.

Die Frage ist allerdings, ob die zugleich besungene ideale Demokratie diesen Preis bestimmt - oder es nicht doch ein ziemlich schnöder Marktmechanismus auf dem Boden der demokratischen Wirklichkeit ist...

Springer will der Kostenlos-Kultur im Netz den Garaus machen.

So allgemein? Doch wohl eher der Kostenlos-Kultur für auf verlaglichen Onlineseiten erscheinende publizistische Inhalte.

Wenn es einen Verlag gibt, der dieses Ziel erreichen kann, dann ist es Springer.

Das stimmt. Wobei journalistische Anteil am Springerschen Erfolg - sinkt. Man streicht trotz Erfolgen die Bild-Redaktion zusammen, fusioniert Teile mit der BZ etc.pp. Herr Döpfer ist dafür verantwortlich, dass eine börsennotierte AG Geld verdient - nicht für qualitativen Journalismus. Und noch weniger für eine Abstraktion von Demokratie. Der Journalismus hat kein Demokratieproblem - er hat ein Geldproblem. Es gibt keinen Journalismus ohne Geld und der Journalismus, den es jeweils gibt, der hat welches. Ohne Geld keine Demokratie. So herum. Sie ist die Herrschaft des Geldes, auch wenn man sich darüber noch so oft in die Tasche lügt, nicht die Herrschaft des guten Willens.

Ein bisschen Zeitung und Boulevard wird Springer immer sein. Und Geld verdient man dort zunehmend als online-Marktplatz und online-Werbetrommel, weniger mit redaktionellem "Content". (Schon das man zunehmendmit solchen buchstäblichen Leerbegriffen arbeiten, dass man sich einen knapp oberhalb von einem Scheißdreck für die Qualität des Inhalts interessiert - solange er nur Geld bringt...)

Auch wenn manche Netzfundamentalisten das noch nicht wahrhaben wollen: Der Rausch des freien Netzes ist vorüber. Es ist der Morgen danach.

Ob solche Sätze daran liegen könnte, dass die Verlage ein digitales Geldverdienproblem haben?

Wir wissen jetzt, wenn sich nichts ändert, wird es guten Journalismus bald nicht mehr geben.

Es gibt ihn jetzt schon kaum noch. "Content"-Problematik, Hektik, Online-Überschriftengeschraube zwecks Clickgenerierung, Kampagnen- und Schweinejournalismus, weltanschauliche Vermischungen von Nachricht und Kommentar, PR-Anfälligkeit bis hin zur Käuflichkeit etc. etc. pp.

Wir reden da nicht von einer fernen Zukunft. Die Erlöse der Zeitungsverlage befinden sich im Sinkflug.

Woran das böse Netz schuld ist?

Es nun gibt drei Möglichkeiten. Entweder die Zeitungsverlage schaffen es, die Erlöse zu steigern (nachweislich schwierig) oder sich mit dem Demokratieargument die "Schornsteinfegerisierung" zu schaffen und staatliche Subventionen zu erhalten(ebenso schwierig, zumal schon die Sowjets von der GEZ sich hier tummeln) - oder es machen etliche Verlage Pleite. Für Variante 3 gibt es beim historischen Toto die besten Quoten. Wobei es durchaus Printprodukte gibt, die wachsen.

Überhaupt: Ist Springer in 20 Jahren noch ein "Zeitungsverlag"? Es wird doch eher schneller als langsamer zum Internetunternehmen mit sichtbar zusammenschmelzendem printjournalistischem Markenkern. Man hat den Eindruck, seine Benchmarks hießen inzwischen Google oder Facebook.

Springer wird wahrscheinlich irgendwann mit Druckerschwärze noch soviel zu tun haben wie ZF mit Zeppelinen oder die BASF mit Anilinfarben.

Man versteht Darwin falsch, wenn man denkt, es überlebten die Stärksten. Es sind die am besten Angepasstesten...

Zyniker und Apokalyptiker mögen mit den Schultern zucken. In einer Komödie von George Bernard Shaw bedroht das Feuer die Bibliothek von Alexandria; jemand ruft aus, das Gedächtnis der Menschheit werde verbrennen, und Julius Cäsar sagt: Lasst es brennen.

Der Apokalyptiker sind Sie. Der Zyniker stellt überrascht fest, dass Sie mit dem Freitag gleich das Erbe der Menschheit bedroht sehen.

Es ist ein Gedächtnis von Ruchlosigkeit. Mit der Haltung kann man auch der Zerstörung des Journalismus beiwohnen. Aber wer kann sich solch einen moralischen Luxus leisten?

Womäglich alle, die wissen, dass das Web nicht den Zeitungsverlagen gehört, die Demokratie schreien und in Geld und Content denken?

Ohne Journalismus gibt es keine Demokratie. Vielleicht ist unser Journalismus nicht gut genug. Sicher ist unsere Demokratie nicht gut genug. Aber das eine braucht das andere, und das Netz untergräbt beides.

Augstein an Welt: "Wir sind Underperformer. Die Demokratie ist am underperformen. Und überhaupt untergräbt das Internet die Demokratie. Wir brauchen deswegen mehr Geld."

Stellen Sie sich mal vor, Herr Döpfner stellte sich mit solchen Sätzen vor die Hauptversammlung, am besten noch ergänzt um den Satz "Liebe Leute - Demokratie nur mit bezahlten Bild-Inhalten! Und ein Flirtportal haben wir jetzt auch! Also: Mehr Clicken!"

Immer noch verdient kein Medium im Netz das Geld, das notwendig wäre, auf Dauer eine auskömmliche Existenz zu sichern und gleichzeitig den journalistischen Auftrag zu erfüllen: Herrschaftskontrolle.

Übt man unter der eingestandenen Herrschaft des Geldes denn Herrschaftskontrolle aus - wenn man zugleich auf Geldjagd ist... Die "vierte Gewalt", das sind am Horizont eher Aktivisten und Blogger (das heraufziehende Grundeinkommen und ähnliche Entwicklungen nicht vergessen) als der in vielfältigen Zwängen, Ökonomie- und Machtstrukturen sich bewegende Verlagsangestellte. Wer neigt denn eher zu "publizistischer Taktiererei" und Angepasstheit?

Wenn Journalismus eine Zukunft haben soll, muss der Leser zahlen.

Eher müsste es heißen: "Wenn gewerblicher Verlagsjournalismus eine Zukunft haben soll, muss er es erreichen, dass der Leser zahlt." Das ist nicht dasselbe. Und vor allem "muss" der Leser gar nichts. Es gibt spezialisierte Blogs, die sind auf ihrem Gebiet viel besser als jedes Mainstreammedium. Und man verbessert Dinge, die der Leser nicht so recht kauft auch noch nicht dadurch, dass man die Demokratie besingt, weil die Kasse nicht klingelt. Würde ein Automobilunternehmen wirklich ernsthaft verlautbaren : "Ihr müsst, liebe böse Autofahrer, wieder kapieren was Qualität ist! Car-Sharing gefährdet die Mobilität! Und überhaupt - ist der freie Straßenverkehr gefährlich für uns!"...

Aber der Leser hat im Netz das Zahlen für Inhalte verlernt.

Das mag sein. Doch wo die Dinge strömen, ist schlecht beraten, wer Mauern errichtet. Besser geht man mit der Zeit. Könnte man mit einer Shitstormagentur, die für Piratenabgeordnete rund um die Uhr twittert, Geld verdienen, Springer würde es sofort machen. Das zum Thema Verlage und Demokratie.

Inhalte sind der freiverfügbare Rohstoff der Online-Welt. Ungeachtet ihrer Qualität. Das ist gefährlich. Die Verlage werden ihren Lesern den Unterschied zwischen Qualität und Quantität wieder beibringen müssen.

Aber was machen die Verlage, wenn man auch außerhalb ihres Reichs Qualität findet (was definitiv der Fall ist) - oder die Zielgruppe die feilgebotenen Inhalte gar nicht mal als Qualität ansieht?

Auch ist es von der "Herstellerseite" her gewagt, der Kundenseite mitzuteilen, was diese bitteschön für Qualität zu halten habe. Wer hier wem etwas beibringt ist die zu klärende Frage. Und jenseits des reinen "Konsums" ist, mit Blick auf die publizistische Seite, die "Gatekeeper-Funktion" der Verlage auch schon ein Stück weit aufgeweicht durch das Netz.


Der Erfolg von Springer wird der Erfolg des ganzen deutschen Journalismus sein. Und das gilt umgekehrt auch für seine Niederlage.

Beim Geld beginnt die Freundschaft. Möge sie lange halten. ;)

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Ehemaliger Nutzer 30.05.2013 | 04:15

Ich habe mir letztens für 4,60€ die Zusatzlevels von Kingdomrush gekauft.

Im Ernst: Ich würde auch eher für einzelne Autoren zahlen als für ein bestimmtes Medium, und definitiv nicht für diesen recherchefreien Rudeljournalismus, der seine Qualität dadurch absichert, dass er darauf achtet, das gleiche Schlagwortgeplärre zu bieten wie andere Pleitekandidaten 'Qualitätsmedien'. Dass es "Ohne Euro kein Europa" gibt und ähnlichen Dünnsinn - in der Regel ein grotesker Klebebrei aus ideologischer Begriffsesoterik und naiver Propagandanachplapperei - erfahre ich per Demokratieabgabe auch schon auf tagesschau.de.

Was qualitativ nicht erheblich (!) darüber ist, kauft kein Mensch.

Auch handwerklich. Audiatur et altera pars? Von gestern! Der 'Qualitätsjournalist' von heute - er informiert weniger oder ordnet gar ein - er basht zusehends.

Es ist genug Geld im Umlauf. Und es fließt an den Verlagen vorbei. Es gibt auch Hochmut im Fall.

JR's China Blog 30.05.2013 | 05:43

Ich wünsche mir nicht, dass die traditionelle Presse bei uns so absäuft wie in den USA, DvW - aber wenn sie so weitermacht, wird das passieren. Es wurde hier schon einige Male geschrieben: wenn es Gutes hinter der Paywall und Gutes für umsonst gibt, wird in erster Linie das Gute ohne Paywall gelesen - das glaube ich auch.

Dann wäre die Pressefreiheit eben nur noch in Radio und Fernsehen die Freiheit von 200 reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten. Und das Thema paywall wäre erledigt. Es sei denn, die "Nischenschreiber", von denen im gleichen Beitrag/Vortrag die Rede ist, werden dann stärker beachtet.

Und wenn die sich dann eine paywall leisten können und trotzdem gelesen werden - dann wäre das für mich in Ordnung, zumal die neueren einstweilen frei zu lesen sein werden.

Die deutsche Presse wird es entweder mit den Mitteln von gestern versuchen (dann geht sie unter), oder sie lässt sich etwas Besseres einfallen. Was Döpfner da gerade versucht, ist sicher kein Zukunftsmodell.

Übrigens: was speziell den Bildredakteuren mit den tibetischen, nepalesischen usw. Fotos passierte, passiert auf vielen Gebieten - aber es fällt einem eben vor allem da auf, wo man selbst am genauesten hinschaut. Ich zweifle aber daran, dass besser ausgestattete Redaktionen oder Journalistenschulen allein die Lösung des Problems wären. Ich glaube, vielen Deutschen - auch vielen deutschen Journalisten - fehlt einfach das Interesse "am Rest der Welt".

(Ich wäre ja einstweilen schon ganz glücklich, wenn ich mehr gescheite Sachen über Deutschland lesen könnte.)

JR's China Blog 30.05.2013 | 05:55

In der Mitte des vergangenen Jahrhunderts gab's die Murdochs, Springers, Holtzbrincks und das www noch nicht

Die würde ich gar nicht so wichtig nehmen. Natürlich sind sie insofern (noch) wichtig, dass sie Mainstream sind. Aber im vergangenen Jahrhundert gab es eben kein Internet. Es gibt wenig Grund zu glauben, vor Springer oder Holtzbrinck wäre es besser gewesen. Die Platzhirsche von heute haben mehr Konkurrenz - durch das Internet und durch das globale Angebot. Es ist eben nicht alles schlechter.
Ihren/Jakob Augsteins Optimismus zur qualitativen Verbesserung der Medien oder zu www-Innovationen von diesen Medienunternehmer-Seiten kann ich nicht teilen.Den Optimismus Jakob Augsteins mache ich mir nicht zu eigen, DvW.

Meyko 30.05.2013 | 08:38

Schon seit Jahren gibt es vermutlich berechtigte Ängste, dass die Einnahmen der "Informationsindustrie" irgendwann wegbrechen...

Jedoch: Habe kürzlich auf DLF gehört, dass die Verlage in 2012 Umsatzrenditen von weit über Zwölf Prozent eingefahren haben: "Die "Zeit" hat 2012 ihr Rekordjahr gehabt, so gut haben die noch nie verdient, die Rendite ist gut zweistellig, "sehr kommod" nennt das der Geschäftsführer. Der "Spiegel"-Verlag bedauerte, dass er nur 15 Prozent statt wie im Vorjahr 20 Prozent Umsatzrendite gemacht hat."

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Ehemaliger Nutzer 30.05.2013 | 08:42

Journalismus kostet Geld. Guter (online) Journalismus wie von Spiegel online, Süddeutsche, Zeit, FAZ oder der Freitag erst recht. Ich fand das Konzept der bezahlpflichtigen Premiumartikel von FTD online gut. Vielleicht ein Vorbild für andere Medien? Den Deckel ganz zu zu machen, wäre schade, denn erst die Medienvielfalt ermöglicht es doch dem geneigten Leser zu einer Meinungsbildung.

Stichwort Kostenlos-Mentalität: Was glauben die Nutznießer, wovon die Online-Journalisten leben? Vom Einkommen ihrer - sofern vorhanden - Lebenspartner? Soweit ich weiß, ist die Bezahlung für Online-Journalisten grottig.

Vielleicht sollten Online-Medien mal für ein paar Tage offline gehen, um die Dringlichkeit ihres Anliegens aktiv erlebbar zu machen. Wie war das? Ohne Moos nix los ...

Ich finde die Forderung nach einer Paywall richtig.

Schade übrigens, dass es die FTD nicht mehr gibt. In punkto Wirtschafts- und Politiknachrichten war die Redaktion für mich persönlich top.

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Ehemaliger Nutzer 30.05.2013 | 09:06

liebe amanda donata, sie haben das sehr schön geschrieben - für mich sind das die "richtigen" worte an jakob augstein - in germany versuchen viele menschen die sie überfordernde komplexität durch simple erklärmodelle aller coleur zum "selbstschutz" zu suchen ... was mit immer neuen feindbildern und zunehmender polarisation einher geht ... wie ein aufziehendes unwetter im spannungsfeld zwischen kassandra-rufen und schönwetterprognosen ... doch "wir" passen auf ... so gut wir können ... und versuchen zu verstehen

liebe grüße

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Ehemaliger Nutzer 30.05.2013 | 09:25

lieber gvg,

mit einiger belustigung stelle ich (nach meiner antwort an ad) gerade (mal wieder) fest, was mich an der fc teilweise so fasziniert: viele engagierte menschen mit ganz unterschiedlichen reflektionen ... für mich ein schönes bild von vielfalt als gegenentwurf zu diktatorischem fraktionszwang (z.b.) oder eindimensionalität eines gedanklichen schlaglichtes ...

grüße

Meyko 30.05.2013 | 09:27

"Der Erfolg von Springer wird der Erfolg des ganzen deutschen Journalismus sein. Und das gilt umgekehrt auch für seine Niederlage."

Auf einer interessanten Diskussionsveranstaltung auf SPIEGEL.TV (Untertitel:“ Bedroht das Netz oder hilft es dem Journalismus[…]“ mit Jakob Augstein, Peter-Matthias Gaede, Ines Pohl, Giovanni di Lorenzo, Georg Mascolo und Stefan Niggemeier.) wurde kurz darüber gesprochen.

Giovanni di Lorenzos Aussage (ca. 16. bis 19. Min.) zur Problemlösung der Finanzierung von Onlinemedien mittels einer "Paywall", erschien erst einmal irgendwie naheliegend: „[…] wir haben nur Zusammen, in einer intelligenten Verschränkung, eine Option auf wirtschaftliches Überleben […]zehn große Verlage" sollten sich einig sein […]" und etwas später: „Ich sage nicht, dass sich alle zehn großen Medienhäuser absprechen sollten[…] wenn es jedoch einer alleine macht, hat er keine Chance […]“

Die Frage des Moderators:“ Ist das ein Aufruf zum Kartell?“ beantwortete Giovanni di Lorenzo mit den Worten: „Äh, Kartelle gibt es in Deutschland bekanntlich nicht und sie sind in keiner Form zugelassen. Selbst wenn beabsichtigt, sind sie nicht durchsetzbar“.

Die Spannung steigt...

Magda 30.05.2013 | 09:35

Bei facebook würde ich hier jetzt auch ein "like"-Zeichen machen. Allein schon, dass Sie auch diesen "Der Leser muss und so..." aufpieksen. Und das mit dem Apokalyptiker und dem Zyniker ist auch prima gesehen. Also - eigentlich ist das alles ein Schuss ins Knie. Die andere Seite, die mir Sorgen macht: Es sieht nicht so aus, als würde Augstein noch lange Experimente machen. Ich habe anderswo schon angemerkt: Er hat Angst, dass er was in den Sand setzt. Und von da kommt auch der ruppige Ton. Alles andere ist Garnierung.

Hinter all den kategorischen Ansagen stecken aber gar keine. Die wären mir lieber, als der Verweis darauf, dass er jetzt erstmal für Springer betet, damit der Erfolg hat, damit er das in irgendeiner Weise auch....usw.

PLless 30.05.2013 | 09:39

Herrschaftskontrolle durch privat finanzierte Medienkonzerne - das ist ja mindestens so antiquiert wie abenteuerlich. Ich weiß gar nicht, ob ich das rührend naiv oder einfach nur dreist finden soll: Das Interesse von Medienkonzernen ist Demokratie... Der Verlag macht sich Sorgen um das Auskommen seiner Mitarbeiter... (Im Bordell geht es um Nächstenliebe und Gefühle... etc.)

Nochmal zur Herrschaftskontrolle: Ich glaube angesichts dieses Blogs ist es noch mal wichtiger, die Kontrolleure zu kontrollieren. Da dürfen dann keine unternehmerischen Interessen dazwischen stehen. Deshalb ist weiterhin zu bloggen gut und wichtig.

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Ehemaliger Nutzer 30.05.2013 | 09:44

Sein Geschäft sei nicht das Bedrucken von Papier, sondern der Verkauf von Inhalten, verkündet Springer-Chef Mathias Döpfner bei jeder Gelegenheit.

Content, Inhalte also, das erinnert mich an die jüngsten Untersuchungen bezüglich versteckter Preiserhöhungen bis zu 70% durch freche Manipulationen an Verpackung und Inhalt. Babywindeln werden dünner und weniger pro Packung - begründet wird das durch die gestiegene Qualität der einzelnen Windel. Solange Content gut verpackt wird, klappt es auch mit dem Kunden :-)

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Ehemaliger Nutzer 30.05.2013 | 09:56

danke ... ein sehr schönes bild ... keine werbung mehr im öffentlichen raum (weil ja kostenlos konsumierbar wie die luft) ... nur noch als eigenprodukte von pr-agenturen in deren verkaufsräumen von "wirklich" interessierten "sich-gern-und-freiwillig-bewerben-lassenden" teuer zu erwerben >>> die aktion gegen manipulation und nötigung ... zur selbstfindung und entfaltung der menschen ;-)

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Ehemaliger Nutzer 30.05.2013 | 10:17

liebe magda,

danke für die klaren worte, denen ich mich anschliessen kann, jedoch möchte auch ich hier nichts über meine "ahnungen" schreiben - sie liegen jedoch wohl bei allen in der luft und die zukunft wird zeigen, was an ihnen dran ist ...

die ahnungslosen, die hoffnungsvollen und die verzweifelten ... würden sie sich doch nach ihren wirklichen werten befragen und diese einfach leben ... das hätte für mich lebenssinn

grüße

TH 30.05.2013 | 10:38

Medien/Bezahlmodelle im Internet/BILDplus/Meinungsvielfalt: Über Chancen des Internets und Voraussetzungen für eine demokratischere Medienkultur

Ich bin schon lange der Auffassung, dass sich das Internet in die Richtung entwickeln wird und muss, die jetzt auch Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender Axel Springer, eingeschlagen hat. Jetzt auch? Na, immerhin haben wir als vielleicht “kleinste deutsche Medienmarke” diesen Weg schon vor BILD eingeschlagen. Musste Döpfner dazu also erst seinen Chefredakteu(e)r Kai Diekmann ins amerikanische Silicon Valley schicken?...Dass Leistung auch im Internet bezahlt werden sollte, ist das eine. Wie aber könnte dies darüber hinaus progressiv auf die Medien als “vierte Gewalt” wirken? Liegt darin auch eine Chance, die Monotonie in der Meinungsbildung durch die so genannten deutschen Leitmedien und die damit eng verbundene, hörige Verflechtung von Politik und Medien zu durchbrechen?...

Berufsjugendlicher v2.0 30.05.2013 | 10:55

Auch wenn es Augstein zunächst nur um seriöse Bezahlmodelle geht, ist seine Wortwahl denunziatorisch. Die Zeitungsverleger haben schon einen Teilsieg gegen die ÖR-TV-Anstalten gewonnen, die Content nach 7 Tagen in der Mediathek unsichtbar machen müssen.

Zur Denke "die Gratis-Mentalität der Internetnutzer bedroht die Demokratie" - die Verwechselung ist eingeplant - und ein kleiner Schritt an die Seite der Big-Player gegen Netzneutralität fehlt nicht mehr viel. Der Aufstand der Anständigen angeführt durch Springer und sekundiert durch Augstein, Koch und Kellner.

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Ehemaliger Nutzer 30.05.2013 | 11:36

Schluss mit kostenlos

Paywall Wenn Journalismus eine Zukunft haben soll, muss der Leser zahlen. Auch im Netz. Was man auch sonst von Springer halten mag: Beim Bezahlmodell muss man ihm Glück wünschen

in der wirtschaft gibt es ja die "kostenloskultur" der pr-strategien und werbung bis hin zur belästigung ... scheinbar zahlt sie ja sogar noch dafür, um ihre "geschenke" zahlreich zu streuen ... soweit der schein des "kostenlosen" animationsdesigns ...

in der medien+informatons+verlagsbranche ist das anders? bin ich als-was-auch immer-leser genauso "aufgewertet" wie durch das vorzeigbare was auch immer produkt?

ein buch, eine zeitung, ein blog hat seinen wert durch dessen verinnerlichung + erkenntnis der informationen ... nahrung oder gift für geist und seele ... für nahrung würden wohl viele gern zahlen, denn sie hungern nach gut recherchierten wahrheiten zwischen den drogendealern und giftmischern ... doch das angebot ist bis auf zufällige nahrungsfunde (im angebot ihrer professionellen produzenten) faulig und geschmacklos ... also man konsumiert meist billig oder kostenlos und schneidet die faulen stellen ab ... besser man besinnt sich wieder auf selbstversorgung ...

wenn die zeitungsbranche keinen mut und kein interesse hat, den bedürfnisse der menschen was zu bieten, dann werden bald nur noch die produzenten die einzigen konsumenten sein ... so ist die tendenz aktuell zu deuten ... konsumverweigerer und nichtwähler werden die antwort sein, dies könnte sich nur bei gerechtfertigten und schwer zu gewinnenden neuen vertrauen ändern und die einkünfte der pharma+wellness+esoterikbranche würden sich verlagern ... ich möchte für schöne kleider geld bezahlen, doch mir scheint, des kaiser´s neue kleider versuchen immer noch einen marktwert zu erzielen, doch wir sind nicht so blöd für unser nacktherumlaufen an die designer+produzenten+händler zu bezahlen >>> nackt haben wir (noch) für umsonst

oi2503 30.05.2013 | 12:44

Und hier die Essentials des Jakobschen Artikels:

Verlage / Gut Leser/Netz / Böse

Wert Kostenlos-Kultur

Preis Garaus machen

Ziel erreichen Netzfundamentalisten

guter Journalismus Rausch des freien Netzes

auskömmliche Existenz Zerstörung des Journalismus

Geld der Anzeigenkunden moralischen Luxus

Riesen das Netz untergräbt

Reichweite und Technologie das Zahlen verlernt

Demokratie Unterschied beibringen müssen

Unsummen

Der Erfolg von Springer wird der Erfolg des ganzen deutschen Journalismus sein

= Ich kenne keinen guten oder schlechten Journalisten mehr, ich kenne nur noch deutsche Journalisten. Und: Am deutschen Journalisten soll die Welt genesen!

Ich schließe mich (fast) voll umfänglich @ Die_Edda an: „Denn jeder Kommentator scheint sich mehr Gedanken über Journalismus (und zu Recht auch den Unterschied zu Berichterstattung) gemacht haben als Freitag-Herausgeber Augstein.“ Das war wirklich ganz großes dFC-Tennis. Wie um dem Jakob mal zu zeigen, wo seine wirkliche Stärke im Freitag liegt. Klasse, Jungs und Mädels, ich bin stolz auf euch (ich weiß, es könnte so klingen, ist aber nicht überheblich gemeint).

Und nun noch eine persönliche Geschichte und eine praktische Frage.

Eine Geschichte? Au ja, Opi, erzähl von früher …. Ich bin über gelegentliches Lesen des Freitag-online irgendwann zur Community gekommen und habe seit einigen Monaten ein Soli-Abo. Tja, was soll ich dazu sagen (Redaktion bitte weghören): kaufen würde ich mir das zwei Mal – das erste und das letzte Mal. Die Stärke des Freitag liegt in seiner Community. Oder sollte ich besser sagen, sie lag darin? Denn seit Monaten, nach Relaunch und Orgie der Sperrungen letzten Sommer fehlt auch hier die Lebendigkeit, das Quirlige, Bunte, es von anno dunnemals. Es fehlen Inhalte. Es fehlen auch Communauten. Es schien eine zeitlang langsam wieder besser zu werden. Heute allerdings wurden bis 12:30 h gerade einmal 7 neue Beiträge eingestellt, in den Tagen vorher war es ähnlich (gefühlt).

Als einer, der mit Marketing und PR in Berlin sein Brot verdient, kenne ich einige (andere) Seiten am Hause Springer. Dazu gehört auch, dass in den einzelnen Titeln ein heilloses Tohuwabohu, ein infernalisches Durcheinander in den Anzeigenabteilungen herrscht, dass zudem machtgetrieben und –orientiert sich auch nicht wirklich bessert. Online-verkaufen kommt in der Welt der Mediaberater im Übrigen kaum vor. Ein Konzept folgt dem nächsten und keines wird eingehalten. Zum Glück waren/sind die Ansprechpartner kompetent und freundlich. Ich habe gerade einmal versucht bei Bild-online nachzusehen, was mir aber mein Admin untersagt hat, der Kluge. Autobild aber bekam ich auf: keine Anzeigenwerbung. Wohl auch kein Wunder, ist doch das ganze Heft Werbung …

Aber auch auf Freitag.de keine Werbung. Damit die akquiriert werden kann braucht es allerdings auch nennenswerten Traffic auf der Seite. Die Bezahlmodelle gehen also tendenziell gegen Werbeinnahmen.

So, Ende der Geschichte, praktische Frage. Wie soll es denn hier aussehen? Sollen die Blogger bezahlen? Das ist der Tod der dFC und damit wahrscheinlich sogar des Freitag gesamt (mich würde stark interessieren wie viele Leser nur aus Soli-Gründen die Printausgabe noch beziehen). Sollen sie nicht bezahlen? Dann ist das die Umgehungsstraße zum nicht bezahlten Freitag online. Wie Springer da helfen soll ist mir ein Rätsel.

Best, Oi

janto ban 30.05.2013 | 13:29

|| Wenn Journalismus eine Zukunft haben soll, muss der Leser zahlen.

Eher müsste es heißen: "Wenn gewerblicher Verlagsjournalismus eine Zukunft haben soll, muss er es erreichen, dass der Leser zahlt." ||

*****

Eine solche Debatte würde man der Community völlig zurecht als Selbstreferenzialität bescheinigen. Hier geht's um Medienunternehmer, die zuerst ein Überangebot auf Give-away-Basis geschaffen haben - und nun die Kampagne anstoßen, ohne ihr wertvolles Produkt stünde der Weltuntergang (oder so etwas) unmittelbar bevor. Das ist nicht schlüssig.

Ich kann Augsteins Standpunkt nur verstehen, wenn ich mir klar mache, dass er auch - und wahrscheinlich zuallererst - für den Spiegel verantwortlich ist. Der undifferenzierte Spagat zum Online-Freitag ist m.E. nicht zu schaffen. Da bin ich ganz bei Grote.

Es ist auch vollkommen inkonsequent, sich einerseits gegen das Leistungsschutzrecht und die Pflicht zur Depublizierung der Öffentlich-Rechtlichen auszusprechen - und andererseits Paywalls hochemotional, beinahe pathetisch, das Wort zu reden. Meine Güte, wir leben in einer Marktwirtschaft, in der jeder Unternehmer jederzeit guten Gewissens einen Preis für ein Produkt veranschlagen darf. Aber dann muss er auch mit den Gesetzen von Angebot und Nachfrage leben können. Warum ist es eigentlich bis zum heutigen Tage nicht möglich, dem Freitag auf freiwilliger Basis finanzielle Mittelchen zukommen zu lassen, ohne ein Papier-Abo kaufen zu müssen..? Auf diese Frage bekomme ich ja immer keine Antwort..

Aber wenn ich sehe, welch beinahe unlauteren Register spiegl.de vor ein paar Wochen z.B. gezogen hat, um die neue S-Klasse von Mercedes pseudo-journalistisch zu featuren, wird mir noch viel schlechter. Und die vielen Anzeigen der Privatversicherer erst..

Es gibt so Tage, an denen bin ich überfroh, meine 17,98 an die GEZ entrichten zu dürfen. Allein nur das Tagesprogramm von WDR5, der Sparte einer Sparte der Öffentlich-Rechtlichen, bietet mir zufriedenstellende Information, die meine realen Bedarfe (zur Not) bereits deckt. Dagegen muss - was mich betrifft - unternehmerisch angestunken werden. Und zwar so schlimm, dass ich im Jahre 2013, dessen Umfeld und Möglichkeiten, bereitwillig dafür zahle. Das ist schwierig, sicherlich, aber ich habe dieses System nicht erfunden.

Macht euer Ding. Ich werde mir als Konsument, Kunde und Blogger meinen Platz im Informationsangebot suchen, wie ich es bisher immer tat. Mit einem Mix aus kostenfrei und kostenbehaftet.

Und: Ich verlange, dass der unsägliche Druck vonseiten der Privaten auf das von mir mitfinanzierte, öffentlich-rechliche Angebot, ein Ende findet. Diese Einflussnahme ist - nicht nur in diesem Kontext betrachtet - eine Frechheit sondergleichen! Unternehmerische Modelle, die nicht tragen, sind einzustampfen. Und dann sind neue, überlebensfähige zu entwickeln. Wer das nicht kann oder will, muss sein Geschäft einstellen. So traurig sieht die Sache in einer Marktwirtschaft leider aus.

Ich befürchte, dass in nicht allzu ferner Zukunft das Netz, wie wir es heute kennen, komplett zur Debatte stehen wird. Ganz andere hoffen das sogar. Und auf dem Grabstein wird in etwa stehen:

Hier ruht das freie Internet. Es fiel mächtigen Unternehmern zum Opfer, die fälschlicherweise der festen Überzeugung waren, das unveräußerliche Recht zu besitzen, viel Geld in und mit ihm (dem Internet) verdienen zu dürfen. Es erstickte im Zuge der Durchsetzung dieser vermeintlichen Rechte auf Reibach und Deutungshoheit. R.I.P.

Es könnte aber auch alles ganz anders sein. Guten Tag.

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Ehemaliger Nutzer 30.05.2013 | 14:01

Ich finde es nachvollziehbar, dass man für erbrachte Leistungen bezahlt werden und mit seinem Beruf Geld verdienen möchte. Für diesen berechtigten Anspruch muss man m.E. kein großes Fass aufmachen. Man muss sein Angebot machen, den Preis benennen, sich den Kräften des freien Marktes und des Wettbewerbs aussetzen und schauen wie Angebot und Nachfrage sich gegenseitig und den Markt regeln.

Das gilt für Journalisten, Verleger genauso wie für jeden Handwerker und jedes andere Unternehmen. Alle unterliegen den Kräften des freien Marktes, vor allem aber den Kräften des Fortschritts. Jeder Berufszweig muss schauen wie er mit den aktuellen Gegebenheiten zurecht kommt und überlebt. Als Unternehmer hat man auch eine Verantwortung für seine Mitarbeiter. Mitarbeiter wollen entlohnt werden und durch ihre Arbeit ihre Existenz sichern. Das ist nun mal so, oder zumindest war das mal so.

Es sei denn man ist Idealist, dann steht das Ideal im Vordergrund, das des Berufsstands, das der Demokratie, aber keinesfalls der Umsatz, der Gewinn oder die eigene Existenz. Aber ob man als Idealist dann noch Arbeitnehmer oder Unternehmer sein kann? Wie will man das Ideal in einer radikalen Marktwirtschaft überhaupt noch verfolgen ohne sich in die Paradoxien zwischen dem Notwendigen und dem des Ideals sinnlos aufzureiben?

Die Radikalität der freien Marktwirtschaft und die des Idealisten kennt keine Dialektik und keinen Mittelweg. Man muss sich entscheiden. Entweder - oder.

Die Demokratie scheitert nicht am Scheitern der Verlage und der Krise des Journalismus als 4 Instanz im Staat. Schon gar nicht scheitert sie am Fehlen eines Online-Bezahlsystems für Online-Zeitungen.

Sie scheitert, wie alles und immer wieder, am Menschen und seinen selbstgeschaffenen Rahmenbedingungen.

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Ehemaliger Nutzer 30.05.2013 | 14:05

..."Und siehe da, auf dieser modrigen Gruf wachsen wilde Pflanzen und bunte Blumen, sie recken sich keck den labenden Sonnenstrahlen entgegen und begrüßen gut gelaunt die Zukunft"...

Man streift und streift am Abgrund, woodstock't sich die Blumen grün etc.,

Das Ende des Journalismus wie wir ihn kennen und die blühende Zukunft:

http://www.fastcodesign.com/multisite_files/codesign/imagecache/slideshow-large/slideshow/2013/05/1672679-slide-750-tenrei-1210.jpg

Quelle und Bild in groß

lebowski 30.05.2013 | 14:16

Mit dem Beruf des Journalisten ist es wie mit dem des Messerschleifers: er stirbt aus. Und das ist gut so (Klaus Wowereit)!

Das hängt zuallererst überhaupt nicht mit der Digitalisierung zusammen, sondern damit, dass sich Journalisten ohneNot zu Regierungsprechern haben machen lassen. Egal ob demografischer Wandel, private Altersvorsorge, Hartz-IV oder aktuell der angebliche Fachkräftemangel: jeder Sau, die die Politik durchs Dorf treibt, jagen die Journalisten eilfertig hinterher. Und jetzt, wo Journalisten einmal selber die Medizin zu schmecken kriegen, die die Politik und dieses Wirtschaftssystem den anderen verschreibt, ist das Gejammer groß. Guter Journalismus kostet eben was! Mit solchen Aussagen macht man sich Mut. Leider ist das nichts weiter als ein armseliger moralischer Appell. Und der Kapitalismus kümmert sich nicht um Moral. Wenn niemand für Journalismus zahlen will, kann die deutsche Journaille noch so viel lamentieren. Dann kommt eben kein Geld rein. Ihr droht das gleiche Schicksal wie Millionen anderen auf diesem Kontinent. Wieso soll es da den Journalisten besser gehen als dem Arbeiter?

Springer praktiziert momentan ein Modell, in dem zwanzig Welt-Online-Artikel pro Monat kostenlos sind. Ab dann muss man zahlen. Meinetwegen! Wenns hilft. Ich werde nicht zahlen . Nicht wegen meiner "Geiz ist geil" oder "Hauptsache billig"-Mentalität, sondern weil mein Lohn keine Großzügigkeit zulässt.

Jakob Augstein 30.05.2013 | 15:52

Na, da habe ich ja was angerichtet. Mich schön mit allen angelegt.


Aaaaaalsooooo: Ich finde seit ungefähr 150 Jahren, dass Blogger und prof. Journalisten Hand in Hand arbeiten sollen. Die einen verdienen ihr Geld mit diesem und jenem. Die anderen mit Journalismus. Das Geld muss irgendwoher kommen. Der Vorteil ist: sie machen nichts anderes. Sie haben Kenntnis. Und Zugang. Und weil sie unabhängig sind und weil die Mächtigen Angst davor haben, bloßgestellt zu werden, kontrollieren sie Herrschaft. Im besten Fall. Im schlechten Fall sind sie korrupte Büttel der Macht.


Die Wirklichkeit liegt irgendwo dazwischen, je nach Zeitung mehr in die eine als in die andere Richtung. Aber dass ich an den Journalismus als demokratische Institution glaube, das wird hier niemanden überraschen.


Was die Paywall angeht - das Wort ist irreführend. Es geht nicht um eine Mauer, hinter der etwas versteckt werden soll. Das wäre ja unsinnig. Es geht darum, wie die Verlage im Netz Geld verdienen können. Ich glaube aber - und da fängt eben der Bereich des Glaubens an, ich weiß es ja nicht - dass es ein mühsamer Prozess sein wird, den Leuten beizubringen, dass sie für etwas zahlen müssen, was sie zuvor kostenlos erhielten. Das nenne ich einen Kulturwandel. Ich bin sicher, dass es dazu kommen wird. Absolut sicher. Aber es wird schwierig. Ein großer Verlag, der über viel Geld und viel Marktmacht verfügt, kann der Propagandist eines solchen Kulturwandels werden.


Wer soll das sein außer Springer?


Ein Wort zu Springer: Mir geht es um die Kulturtechnik des Zahlens. Die Inhalte sind mir jetzt gerade bei diesem Thema gleichgültig. Was die Blätter dieses Hauses angeht: die Welt ist Trash und aus dem Blatt wird auch nichts mehr werden. Für ein blindes Bild-Bashing bin ich aber nicht zu haben. Ich habe dazu viele Artikel geschrieben und mich sehr gründlich mit der Bild befasst. Meine Haltung ist: die Zeitung ist zu groß als dass man es sich leisten kann, sie einfach zu ignorieren. Im Gegenteil, man muss sie angreifen, wo sie Schwächen hat – so wie Niggemeier es seinerzeit mit dem Bild-Blog getan hat. Und man muss sie ermutigen, wo sie das richtige tut – zum Beispiel beim Euro, wo sie eben nicht den rechtspopulistischen Euro-Hass der Rechten unterstützt.


Ach so, und noch ein Wort zu den Bloggern. Was ist die Aufgabe der Blogger? Sie führen die demokratische Bürgerdebatte, in aller Öffentlichkeit. So wie wir es hier gerade machen. Das ist exemplarisch, weil die Positionen verhandelt werden. Und zwar nicht wie in manchem Forum, wo Leute einfach ihre schlechte Laune loswerden, sondern als Gespräch.


Die Journalisten sollen die Mächtigen kontrollieren und die Blogger sollen die Journalisten kontrollieren. Das macht Sinn.


@Magda: mir ist auch aufgefallen, dass sich die Qualität der Texte und die Stimmung hier in der Com in den vergangenen Monaten deutlich verbessert hat. Das ist schön!

Schneiderlein 30.05.2013 | 16:06

"Bei allen Schwierigkeiten und bei aller Kritik am Haus Springer, zu der ich nun wirklich keine Nachhilfe brauche..."

Tja, pardon, Herr Augstein - und nach dem, was sie oben geschrieben haben gerne noch einmal: doch! Das ist halt die Krux wenn der Profi-Journalist auf die blöde Provokation nicht verzichten möchte. (Die sich Blogger und Profis vor und hinter Paywalls auch nicht verkneifen, ja doch!) Es bleibt halt Ihr Problem die Themen Journalismus und seine Bedeutung für die Demokratie mit dem Gebaren der BILD-Zeitung zusammen gerührt zu haben.

Columbus 30.05.2013 | 16:13

Es ist der Feiertag vor dem Freitag, ein "der Freitag"- Donnerstag zur wiederholten Präsentation des Vera icon, Fronleichnahm, Eucharistie, auf Papier oder im Bildschirmtext, Reden und Zeichen die einen Glauben machen sollen.

An einem solchen Tag kann ich auch einmal die Wahrheit sagen und ohne Fragezeichen hinschreiben, woran es grundsätzlich keinen Zweifel geben kann: In einer kapitalistischen Gesellschaft gibt es nur eine private, freie und eventuell auch einmal andere Mächte kontrollierende Presse, wenn für sie ausreichend bezahlt wird und zusätzlich, wenn genügend andere Kapitalisten ausreichend Geld für Werbung in den Medien ausgeben. - Daran ist nicht zu zweifeln, das erlaube ich mir zu glauben.

Macht, auch Kontrollmacht, hat nur eine Presse die sich nicht ständig einladen lassen muss, in welche "Hobbykeller" auch immer, zu welchem vorstellbaren "Materialtest" der Poltitik, der Wirtschaft und der Kultur der auch nur denkbar ist. Ein Presseorgan muss selbst auf einem soliden, eigenen Fundament an ökonomischen Mitteln ruhen. Das hat nicht einmal etwas mit Profitwünschen der Investoren zu tun, die in den meisten Fällen noch oben drauf kommen.

Nur selten tritt der Glücksfall ein, dass ein Presseerzeugnis, ohne Zwang, die Richtung und Haltung des Journalismus vorzugeben, von einem Kapitalisten finanziert wird. - Die Gründe, von der Eitelkeit bis zur Philanthropie oder gar zu tiefer politischer Überzeugung reichend, einmal völlig außen vor gelassen.

So, wie ein Fußballverein, dessen Spiele in der möglichst höchsten Liga, die Leute (die Masse, die Fans, das Gros der Fußballfanatiker, der Fußball-Kenner) sehen wollen, braucht die Zeitung ihr Geld. Die meisten Mittel gibt es, auch am Kiosk, auch im Abo, auch bei der Werbung, wenn in Art und Form berichtet wird, wie und was die Mitte will.

Selbst da gilt, Eintritte hoch und Merchandising hoch, um die "gewünschte" Qualität zu sichern, denn jedes Jahr muss ein bisschen mehr erwirtschaftet werden, soll es immer weiter gehen. Das ist das Konzept "ZEIT" unter DiLorenzo, das ist die aufsteigende "Landlust" für die Sehnsucht der zu Wohlstand gekommenen Mittelschicht (Was sehe ich heute für einen spannenden Film, was wächst mir im Garten schön, wohin reise ich demnächts, welche Möbel passen zu meiner Bold-walk Terasse aus sibirischer Lärche oder Thermoesche).

Ich wäre also dafür, ein Online-Abo einzuführen, bei dem jene, die den dF lesen wollen, aber bisher nicht dafür zahlen, nun moderat zur Kasse gebeten werden, Tarifierung, einschl. Sozialtarif, wie bei jeder anderen Kaufpresse.

Die bisher angedachten Paywalls und weitere Bezahlmodelle arbeiten aber mit einem "Erfolgs-Prinzip", das die Qualität und Leistungsfähigkeit der Presse überhaupt nicht verbessert, weil es tatsächlich die Pressefunktion wie den Profifußball oder die Marken- und Produktfetischisierung bei den Landlust-Produkten behandeln möchte. Presse wird dadurch eher noch weiter nivelliert, meinetwegen auf das TATORT- Spektrum an Kriminachbesprechungen, auf das Bashing entlang der Ossi-Wessi- Kunststreiterei oder sonstige, unterhaltsame, heiß diskutierte Glaubensfragen.- Es soll ja auch ein wenig Provokation in der Vergegenwärtigung der herrschaftlich-heiligen Leiche liegen.

Was immer zieht und sich auszahlt, Kolportage, Verdacht, Skandal und Übertreibung, Spannung, Sport und Spiel, der Anhang an so manche Prominenz (BILD!BILD!BILD! ZEIT!ZEIT!ZEIT!), wird auch beim Paywall eine größere Chance auf gute Einnahmen haben, da gebe ich ihnen völlig Recht, Herr Augstein. - Diese Presse wirft nicht nur ohne Paywall, sondern auch da, wo es sie schon länger gibt, den größten Profit ab. Die Bezahlseiten nach dieser Methode werden zukünftig das Angebot effizienter streamlinen.

Eine Paywall müsste also, schon aus kulturellen und ethischen Gründen, aus Gründen einer wahrhaftigen Qualitätssicherung der Presse, nicht nur als Kontrollorgan in der Politik, sondern auch in den Fragen der Kultur und der Gesellschaft allgemein, eine für das Gesamtprodukt sein.

Denn es ist ganz klar, gibt es die Paywall für die erfolgreichen, meistgeklickten Themen, dann ist das keine Qualitäts- und Rechercheverbesserung, auch keine Stärkung des investigativen Journalismus, sondern eher eine massive Schwächung. Natürliche Regression zur durchaus immer erfolgreichen Mitte der Interessen.

Führen Sie ein Online-Abo ein., dann wissen Sie schnell, wer dF lesen will, oder ob der dF letztlich am digitalen und analogen Markt völlig überflüssig ist.

Beste Grüße

Christoph Leusch

dame.von.welt 30.05.2013 | 17:43

Ich glaube aber - und da fängt eben der Bereich des Glaubens an, ich weiß es ja nicht - dass es ein mühsamer Prozess sein wird, den Leuten beizubringen, dass sie für etwas zahlen müssen, was sie zuvor kostenlos erhielten.

Lieber Herr Augstein, es ist bereits jetzt so, daß die Printleser des Freitag früher in den Genuß von Artikeln kommen als die Online-Leser, der Unterschied zu den Nicht-Papier-Käufern in der FC.

Wie wär's, Sie unterbreiteten ein Online-Abo-Angebot in klaren Zahlen? Dann müßten Sie nicht glauben und auf Kulturwandel Ihrer Leser durch Springer hoffen - Sie scheinen auch zu glauben, es gäbe da Schnittmengen? Sondern Sie wüßten binnen 24 Stunden, wie immerhin schon mal die geschrumpfte FC das aufnähme.

Ich möchte in diesem Zusammenhang an die zahlreichen Soli-Geld-Angebote aus der FC erinnern, als Sie im vergangenen Jahr von der wirtschaftlichen Schieflage des Freitags und den kommenden Kündigungen schrieben - Sie haben meines Wissens keine eine Möglichkeit eröffnet, wie man Ihnen als Herausgeber Geld außerhalb eines Print-Abos zukommen lassen kann. Mir scheint, Sie verkennen die Identifikation und Solidarität mit Ihrem Freitag, m.M.n. laufen Sie derzeit Gefahr, beides zu verspielen.

Die Unterbreitung der Kosten für ein Online-Abo wäre aus meiner Sicht auch der schlüssigere Schritt nach 'Schluss mit lustig kostenlos', als sich, Sie sagen's, mit allen anzulegen, an die Erziehung Ihrer Leser durch die Blödzeitung zu glauben und um die Paywall wie um eine drohende Naturkatastrophe zu eiern. Die Kulturtechnik des Zahlens hat hier wohl noch keiner ganz verlernt, sie wird täglich angewandt beim Kauf jedes Liters Milch.

An die Kulturtechnik der Verunsicherung durch Ihre interpretierbaren und wechselvollen Aussagen möchte ich mich nicht gewöhnen. Und nebenbei: beim Schreiben dieses Kommentars verdiene ich gerade kein Geld mit diesem oder jenem. Mir wäre trotzdem lieb, es wäre nicht völlig umsonst.

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Ehemaliger Nutzer 30.05.2013 | 17:49

Was das mit einem Kartell zu tun haben soll, ist mir allerdings ein Rätsel. Es ist doch vielmehr ein Schulterschluss, der die Durchsetzung ermöglichen soll.

Wie gesagt, Journalisten leben vermutlich nicht von Luft und Liebe allein. Wer soll das bezahlen ... ? Mich nervt ja schon die Print-Werbung gewaltig, im TV ist es noch viel schlimmer. Und das gar nicht mal wegen der Werbung, sondern wegen ihrer Botschaften. Vor nicht mal 20 Jahren war doch alles noch viel unaufdringlicher, witziger, geistreicher. Bis der geile Geiz in die Köpfe gemeißelt wurde. Seitdem kommt Werbung kaum noch mit dem Hinweis aus, wie toll ich ja auch bei diesem Angebot wieder sparen kann.

Wo dieser Sparkrampf hinführt? Z.B. zum Dieselboom, der uns in Deutschland mit einem netten kleinen Stickstoffdioxid-Problem reich beschenkt hat, hier nur ein Beispiel : http://www.tagesspiegel.de/berlin/tempolimit-gegen-stickstoffdioxid-luft-in-berlin-ist-dreckiger-als-die-eu-erlaubt/8007118.html

NO2 ist ein ganz kleines bisschen giftig. Aber Hauptsache, man hat, wenn's schon nicht auf lau gab, dann doch wenigsten ein paar Cent gespart. Die neuen sparsamen Bezinmotoren sind übrigens noch wilder. Und warum? Weil die sich Autoindustrie weigert, einen schützenden Filter zu verbauen, Kostenpunkt: ca. € 80,00 bis € 120,00. Gute Fahrt weiterhin.

Ein dicker Dank noch an alle Niedriglohnreporter; wir Blogger machen es ja ganz für nix.^^

kmv 30.05.2013 | 18:09

"Es geht darum, wie die Verlage im Netz Geld verdienen können. Ich glaube aber - und da fängt eben der Bereich des Glaubens an, ich weiß es ja nicht - dass es ein mühsamer Prozess sein wird, den Leuten beizubringen, dass sie für etwas zahlen müssen, was sie zuvor kostenlos erhielten. Das nenne ich einen Kulturwandel."

‚Kulturwandel‘ ist sicherlich auch, dass Leute mit Zugang zum Internet gewöhnt sind auf recht unterschiedliche Art und Weise irgendwo im Netz das zu finden was sie suchen. Auch, aber nicht nur oder ausschließlich kostenlos.

Wesentlicher ist, dass der Konstitutionscharakter von Information sich grundlegend geändert hat. Und der Handel damit.

Als Endnutzer profitiere ich von der Fülle und Vielfalt aufbereiteter Information und sehe keinen Handlungsbedarf (was die Bezahlmodalitäten nicht berührt).

Ihnen, den Verlagen und in Folge den Journalisten läuft etwas weg, das ist aber nicht mein Problem. (Und ich lasse es mir auch nicht als ‚Herrschaftskontrolle‘ überstülpen). Worauf Leser oder Zielgruppe, wie reagieren können die jeweiligen Verlage nur austesten. Pandora jedenfalls ist aus der Kiste.

Davon abgesehen ist es dürftig, wann immer etwas nicht so läuft, wie man sich das vorstellt es am Gegenüber festzumachen, in Ihrem Fall dem Leser. Wenn er nicht unwillig ist, dann ist er schulungsbedürftig. In beiden Fällen (Um)Erziehung. Viel Aussicht auf Erfolg dazu.

TH 30.05.2013 | 18:09

Lieber Herr Augstein,

d´accord, was den Kulturwandel anbelangt. Ich bin da übrigens gar nicht so pessimistisch. Das wird später rückblickend vielleicht wirklich das Verdienst Springers sein - und das muss man meiner Meinung nach in der Tat losgelöst von den "Inhalten" der Bild-Zeitung diskutieren-, diesen Schritt als erstes großes Medium gegangen zu sein.

Doch zu dieser Aussage von Ihnen - "Die Journalisten sollen die Mächtigen kontrollieren und die Blogger sollen die Journalisten kontrollieren. Das macht Sinn. " - wäre doch zu fragen:

a) Warum sollten allein die "Journalisten" die "Mächtigen" kontrollieren? Damit verbindet sich die Frage:

b) Wer ist "Journalist" und wer "Blogger"? Ist zum Beispiel ein Journalist, der gerade von einer Zeitung entlassen wurde, weil sie eingestellt worden ist oder Personal abgebaut hat, nun ein "Blogger"? Lebte der Journalismus mit der Gründungsphase der Bundesrepublik nicht gerade durch "Quereinsteiger" und half gerade so, die Bundesrepublik zu demoratisieren, und sind die Abgänger von Journalistenschulen heute mit einer Anstellung bei einer Zeitung damit gleich Journalisten, die Ihrem Bild eines Journalisten entsprechen? Sind die Journalisten zu weiten Teilen aufgrund der engen Verflechtung mit der Politik schließlich nicht selbst Teil jener Mächtigen, die Sie, da stimme ich ja mit Ihnen überein, kontrollieren sollten?

Vor diesem Hintergrund ist ihre Aufgabenzuweisung äußerst problematisch in meinen Augen. Mich erinnert diese einfache Zweiteilung ein bisschen an den Streit zwischen zwei Kindern im Garten darüber, wer denn jetzt Cowboy und wer Indianer sein soll.

Damit machen Sie es dem Journalismus ein bisschen einfach wie ich finde, bzw. lassen Sie ihn ein bisschen zu schnell gut wegkommen. Nehmen Sie nur den heutigen Tag und verfolgen Sie, wie der deutsche Journalismus von Spiegel online über alle möglichen Tageszeitungen bis hin zum Deutschlandfunk die Empörung über Hollande wegen seiner EU-Einwände wiedergibt. Das ist wirklich beschämend für die Zunft. Schreibe ich, als Journalist.

Nein, ich bin vielmehr der Meinung, dass eine neue Kultur im Internet auch dazu dienen müsste den Journalismus, die Medien, wieder mehr zu öffnen, ja, zu demokratisieren. Und wer weiß, vielleicht bringt auch dies eine Bezahlkultur voran, indem Sie die Nutzer/Leser neu darüber nachdenken lässt, für welche Berichterstattung sie ihr Geld ausgeben.

Beste Grüße,

Thorsten Hild

Joachim Petrick 30.05.2013 | 18:30

Ich vermute vor allem, die Mathias Döpfner Paywall Idee bei BILD zum jetzigen Zeitpunkt ist, gewollt, ungewollt, eine Wahlkampfbefeuerung zu Gunsten der Piraten, zu Lasten der SPD, Linkspartei

Ich glaube wir haben weder eine Kirse der Leserschaft, auch wenn die seit Einführung der Agenda201/HartzIV zunehmend unterfinanziert unterwegs ist, sondern eine Krise des Unternehmertums, kreativ risikobereiter Investionsbereitschaft, weil es da die Giganten unter den Untenehmen gibt, die, wie der Springer Konzern, auf einem dicken Batzen Money Money hocken und ideenlos nicht wissen, wohin mit ihrer Kohle, und zwar Pronto, weg vom Konto.

Warum wird da ständig über das Geld der Anderen, oder das Geld das da, aber nur woanders ist, geschwafelt?, statt den Journalismus, das Bloggerwesen in sein überkommen altes Recht gemeindebildender Parteilichkeit zur Sache zu setzen?

Geld kann nicht lesen, ist aber genug da,

Was fehlt, sind jene, die sich endlich wieder in Zeitungen, mit ihren Themen stark nach vorne kommend, lesen, in deren Communities, debattenfreudig, solidarisch gegenseitig erleben können,

Für diesen Mangel an Risikobereitschaft, an Ideen, dieser Art robust demonstrierten Willens, mit der Roten Laterne zur Jagd getragen zu werden, wollen diese Unternehmer auch noch, Beifall heischend, gelobt werden(s. Kommentar Aqua-Jedi 30.05.2013 | 16:21)
D

a lobe ich mir Ferdinand Lassalle, der vor 150 Jahren als Jurist und Journalist am 23. Mai 1863 den Allgemeinen Deutschen Arbeiterbildungsverein (ADAV) gegründet hat, um danach mit dem "Vorwärts" seine Inhalte an ADAV Mitglieder als hochmotiviert hungrige Leser mit der Perspektive zu bringen, dass diese als Genossenschaftler an Produktionsmitteln eine neue Einkommenssäule, neben der Lohnsäule, gewinnen.

Dass das World Wide Web. das Internet, von der Natur seiner Sache und Ursprünge her, ein Produktionsmittel vor Ort, in Kommunen, Unternehmen, Privathaushalten ist, kommt bei den Paywall Vorstellungen der Herren Döpfners & Co als Ideen- und Innovationsbremser, absichtsvoll, gar nicht vor.

Sie wollen, dass es beim kleinen Kuchen Internet bleibt, den sie sich, zu Lasten des demokratiefördernd Großen Kuchen Internet, jetzt schon einverleibt,

Warum?.
weil denen ihr Haufen an Geld, nicht investiert, fehlinvestiert, auf die Füsse zu fallen droht.

Denn sie schauen nicht auf das kommende Vermögen der Völker, wodurch sie dessen Bildung hindern, sondern auf das Vermögen, auf dem sie, prekär legitimiert, rat- und ideenlos von den Socken als Firmas Marke Angela Merkel "TU NIX" hocken

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Ehemaliger Nutzer 30.05.2013 | 18:32

gefällt mir gut - und kluge fragen - mal schauen, ob es antworten gibt

... ich befürchte jedoch, es geht noch um mehr, denn ich hab das gefühl, nicht die herrschaften werden kontrolliert, sondern diese wollen besser manipulieren >>> die freiheit im internet macht ihnen angst und es werden argumente gesammelt ... gestern bei einer terrorismusdebatte war auch das internet mit schuld, weil dort bombenbaupläne zu finden sind

naja, ich schreibe über meine gefühle und disqualifiziere mich wohl damit ...

Amanda Donata 30.05.2013 | 19:20

Spielchen


Lieber Jakob Augstein,
.. Sie haben gewiß gar nichts „angerichtet“. Alles, was ist, war vorher da und wurde weiter „entwickelt“, und man handelt so bis zu einem bestimmten Zeitpunkt. Deutschland ist das Land der Köche geworden, und auf fast jedem Kanal betet man Rezepte ‚‘runter und rauf, dann kommt ‚was „Neues“ .. was es sein auch mag. ..
Ihr Kommentar enthält nach meiner Einschätzung interessante Anspiegelungen, die es wert sind;-), näher in „Augenschein“ genommen zu werden. Sie sprechen von den „Mächtigen“ - wer genau sollen die sein? .. und davon, daß die „Berufs“-Journalistinnen/Journslisten „unabhängig“ sind .. Aha, sehr interessant. Schätze, daß das nicht stimmt: die Hierarchie eines Zeitungshauses ist der absolute Druck von oben nach unten. Wenn also die Moral oben beschädigt ist, wie soll es weiter unten im Sinne der „Aufklärung“ und Tatsachen-Info dann noch gut laufen? Kein Geld in dieser Welt kann Wahrheit und Fakten garantieren. Das Geld steht auf der Seite jener „Mächtigen“, die am Ende der Zeit umkommen werden, das ist garantiert, aber jetzt haben sie Einfluß und rotten sich zusammen. Sie wissen selbst, daß sie nur noch wenig Zeit haben, bis ihr endgültiges Ende kommt.
Die Dinge in Europa werden sich (wie geplant) zuspitzen und den erwünschten Verlauf auf allen Ebenen der menschlichen Zivilisation nehmen – zur vollen Zufriedenheit der „Mächtigen“. Jeder wird eingekreist und signiert werden, einen Stempel erhalten, ein Wörtchen ins taube Ohr geflüstert bekommen - für den „Türhüter“. Ob er weiterkommt, hängt davon ab, ob das Wörtchen „korrekt“ ist.
Wir werden sehen ..
Momentan mag es noch friedlich im Internet sein, aber der Klassenkampf wird bald losgehen und nicht minder auf den Straßen Deutschlands. Die „Vision“ des Drachendieners lag vor seiner Eröffnung bereits in einer Schublade - und viele andere Delikatessen noch.
Qualitätsjournalismus heute ist auch der gekaufte sprich zum Strichjungen (bitte verzeihen Sie) verkommene Journalismus, an dem jeder „Berufene“ mit einem Schwur gegenüber dem Verlegerhaus gebunden ist. Geldtreue gegenüber dem Verleger bis zum Tod.
Insofern sehe ich den Faschismus allein beim Geld und welche scheinbar absolute Macht darüber haben. Die politischen Spielchen in Deutschland sind Manöver, um eine Masse in Zaum zu halten. Übrigens ist die Volksmasse tatsächlich die größte Gefahr für die Mächtigen und nicht der Journalismus. Wüßten die Leute, was sie in ihrer geballten (sprich intelligent und organisiert) Kraft erreichen könnten, wer weiß, was in Germany schon passiert wäre. Stattdessen laufen Kochsendungen mit großem Erfolg, denn Deutschland will (s)einen „Erfolg“ schmecken.
Schönen Abend, Deutschland
AD

Joachim Petrick 30.05.2013 | 19:52

@Jakob Augstein 30.05.2013 | 15:52

"....dass es ein mühsamer Prozess sein wird, den Leuten beizubringen, dass sie für etwas zahlen müssen, was sie zuvor kostenlos erhielten. Das nenne ich einen Kulturwandel. Ich bin sicher, dass es dazu kommen wird. Absolut sicher. Aber es wird schwierig. Ein großer Verlag, der über viel Geld und viel Marktmacht verfügt, kann der Propagandist eines solchen Kulturwandels werden."

Besteht der Kulturwandel nicht in etwas ganz anderem, nämlich darin, dass das World Wide Web, das Internet als Produktionsmittel allen, Unternehmen, Kommunen, Privathaushalten u. u. wie zu Zeiten des Tauschhandels gleichermaßen allen gehört, ganz bestimmt aber nicht kostenlos ist, weil bereits der Zugang zum Internet jedem User Kosten verursacht.

Die Paywall lehrt nicht, dass jetzt was kostet, was zuvor angeblich kostenlos war, sondern lehrt, dass das Produktionsmittel Internet, wie seinerzeit und immer noch Grund, Boden, Jagdgründe in Wald, Seen, Meeren, die Industrie Produktionsstätten nur wieder in die Hände Weniger zu Lasten der Vielen Hände geht, ohne dass diese Vielen Hände geldwert am Produkitonsmittel Internet beteiligt sind, z. B. durch die Dividenden Einkommenssäule aus Genossenschaftsanteilen.

Geld kann icht lesen und soll doch, arbeitend, Leser gewinnen?

Das Internet kann kein Geld drucken, wird aber von Springer & Co als Gelddruckmaschine, ohne Blick auf das Gemeinwohl, Entwikcklung, Wohlstand für alle, mit der Paywall ins Spiel genbracht.

Bereits im Vorfeld der Einführung der Paywall bei BILD, wurde nicht etwa mehr journalistische Kompetenz geordert, sondern abgebaut.

Paywall = User- Gewöhnung an, überteuert beworbene, noch teurere Häppchen Journalismus im Gefühl

"Oh ist das Schnäppchen Journalisten Häppchen billig billig zu haben"

Das ist so, als wenn ein Sack Nüsse. der vorher das Kilo (1000 Gramm) /8 € gekostet hat und nun hinter der Paywall, unbemerkt im Preis hochfrisiert, , für 8 € /50 Gramm zu haben ist

Der Kulturwandel besteht darin, dass der Journalismus hinter der Paywall zum Lottospiel, zur Wundertüte wird, in der immer weniger fundiert journalistischer Inhalt, häppchenwiese, mehr kosten wird und spekulativ soll.

Statt, dass nun die Döpfners Co ihre dicke Kohle aus ihrm Vermögens Ofen hole, um diese mit Blick auf breite User Schichten in genossenschaftlich aufgestellte Produktionsmittel, wie das Internet vor Ort, zu investieren, verfeuern die das nach den bisherig prekär desaströsen Mottos

“Ich guck meinem Geld bei seiner Arbeit an den Weltbörsen zu“

„Verdammt noch einmal, mein Geld soll, verflixt noch einmal und zugenäht, dreimal schwarzer Kater, hinter der Paywall arbeiten“

Für die spekulativ schrille Bewerbung von Häppchen zu Häppchen Journalismus hinter der Paywall ist mir kein Werbeetat hoch genug. Und wenn mich der Werbeetat in die Insolvenz treibt, mach ich nebenan die nächste Paywall Klitsche mit Dittsche bei Bier und Pommes auf “

Das passiert nicht von ungefähr, brechen doch den Lotto- und Totogesellschaften in Europa dramatisch die Mitspieler, voran die unterfinanzierten, weg.

Also. lieber Jakob Augstein:

"Schluss mit kostenlos",

war gestern.

Jetzt gilt:

"Schluss mit dem Verpennen des Zugs der Zeit"

"Ihr und unser Ticket für den Zug der Zeit ist der wöchentlich erscheinende Freitag"

tschüss

JP

Amanda Donata 30.05.2013 | 20:01

Ergänzende Korrektur: Bitte verzeihen Sie: ..

1.: "Deutschland ist das Land der Köche geworden, und auf fast jedem Kanal betet man Rezepte ‚‘runter und rauf, dann kommt was „Neues“ .. was es sein auch mag. ..

2.:" .. an dem jeder „Berufene“ mit einem Schwur gegenüber dem Verlagshaus gebunden ist .."

3.: ".. Gefolgstreue gegenüber dem Verleger bis in den Tod .."

4.:".. Insofern sehe ich den Faschismus allein beim Geld und bei solchen, welche scheinbar absolute Macht darüber haben .."

5.: ".. Die politischen Spielchen in Deutschland sind Manöver, um eine Masse im Zaum zu halten .."

.. Journalismus isr richtige Arbeit ..;-)))

Olaf 30.05.2013 | 20:14

@JAKOB AUGSTEIN

Der Journalist als Erwerbsarbeiter erzeugt Informations-Produkte, die Kosten decken und Gewinne einspielen müssen, sonst kann er sich nicht als Erwerbsarbeiter halten. Aus den Informations-Produkten werden also „Waren“. Ganz gleich ob er als Freier oder als Angestellter eines Verlegers tätig ist (letzterer sich einen Teil des Gewinns seiner Angestellten aneignen muss, damit er sich und sein Unternehmen auf dem Markt halten kann). Die „paywall“ ist somit ein Instrument, den Käuferkreis seiner „Waren“ zu erweitern. Es ist die Einführung des Zeitungsmarktes im Netz.

1. Herr Augstein nennt den Akt des Bezahlens (Ware gegen Geld / Ware verwandelt sich in Geldeinnahme) eine „Kulturtechnik“, die wir im Netz zu lernen hätten.

2. Herr Augstein nennt die Erweiterung des Käuferkreises im Netz - „Kulturwandel.“

3. Herr Augstein schlussfolgert, dass die Einführung der „paywall“ durch eine andere, größere Verlagsgruppe die „Kulturtechnik des Zahlens“ (= Ware wird in Geld umgetauscht) und damit den „Kulturwandel“ im Netz (= Erweiterung des Käuferkreises) erfolgreich anstoßen kann. Seine Zeitung wird dem (vermutlich) folgen.

Herr Augstein bewegt sich in ökonomischen Realitäten, die heute gelten. Selbst wenn er dies in eigentümliche Begriffe kleidet und unterstellt, der Netz-Leser (der nun in einen Käufer verwandelt werden soll) müsse aufgeklärt und gewöhnt werden - an das, was er ohnehin alltäglich erlebt.

Doch weiter:

4. Herr Augstein nimmt an, dass der Journalist als Erwerbsarbeiter besser die Funktion der „Herrschaftskontrolle“ ausüben kann als ein Journalist, der nicht als Erwerbsarbeiter tätig ist.

5. Herr Augstein schlussfolgert, dass durch das Verschwinden des Journalisten als Erwerbsarbeiter, die Herrschaftskontrolle des Staates in solch einem Ausmaß gefährdet ist, dass die Demokratie überhaupt gefährdet ist.

6. Herrn Augstein (in anderen Worten) zusammengefasst: Ausdehnung der Ware-Geld-Beziehung "Zeitung" ins Netz hinein = Wahrung des Journalisten als Erwerbsarbeiter = Gewährleistung der gegenwärtigen Form der Herrschaftskontrolle über den Staat = Sicherung der gegenwärtigen Form der Demokratie.

Herr Augstein hat Recht.

karamasoff 30.05.2013 | 20:35

Ich werde keinen Pfennig investieren in Journalsimus, der Scheinwelten propagiert, aufrechterhält und höfisch davon Bericht erstattet oder Manipulativ tätig ist.

Die Zeiten von Woodstein sind eher endgültig vorbei als daß sie nochmal am Horizont erscheinen.

Gerade heute musst ich mal wieder ein Paradebeispiel auf stern.de lesen. Ein Artikel über den US-Soldaten, der mehrere Menschen im Gebiet Kandahar in Afghanistan ermordert hat.

Im Titel: "...SOLL 16 Menschen ermordert haben"

Im Text selbst dann eine Stellungnahme des Rechtsanwaltes, die eigentlich KOMPLETT ausschliesst, daß es in deisem Fall überhaupt noch ein SOLL geben kann.

Das ist einfach grottenschlecht. Warum sollte ich für sowas bezahlen. Wenn mir jemand erzählen will, daß sich da substantiell an der Schreibe etwas ändert...

Amanda Donata 30.05.2013 | 21:11

Sie haben auch "Recht" ..;-))) ..

.. es gibt gute Gründe es aber anders zu sehen und dafür einzustehen, mein Lieber .. die besten (Journalisten) sind bereits tot .. schon gewußt? Gegenwärtig gibt es überwiegend Ramsch .. die Chefredakteure freilich einbegriffen .. der Geist ist ihnen ausgegangen; wenn Sie das noch verstehen können, steigen Ihre Chancen ein "Journalist" zu werden ..;-))

Ihnen, eine gute Nacht

AD

janto ban 30.05.2013 | 22:00

Ist nicht umsonst. Hab's gelesen und vergebe für..

|| Sie haben meines Wissens keine eine Möglichkeit eröffnet, wie man Ihnen als Herausgeber Geld außerhalb eines Print-Abos zukommen lassen kannn (...) Die Kulturtechnik des Zahlens hat hier wohl noch keiner ganz verlernt, sie wird täglich angewandt beim Kauf jedes Liters Milch ||

..diese beiden Sätze jeweils fünf Liberty Reserve Sternchen!

mcmac 30.05.2013 | 22:42

"[...]Ich möchte in diesem Zusammenhang an die zahlreichen Soli-Geld-Angebote aus der FC erinnern, als Sie im vergangenen Jahr von der wirtschaftlichen Schieflage des Freitags und den kommenden Kündigungen schrieben - Sie haben meines Wissens keine eine Möglichkeit eröffnet, wie man Ihnen als Herausgeber Geld außerhalb eines Print-Abos zukommen lassen kann. Mir scheint, Sie verkennen die Identifikation und Solidarität mit Ihrem Freitag, m.M.n. laufen Sie derzeit Gefahr, beides zu verspielen.[...]"

So ist es.

Siehe auch: "Gestern-heute-morgen. Der Freitag war früher besser, schlechter oder anders? Egal - schlimmer ist: Wenn er gar nicht mehr wäre! - Dies aus Solidarität mit 9 MitarbeiterInnen der Zeitung!"(Seliger denn nehmen; goedzak am 14. Dezember 2012)

Selbst habe ich zeitweise lieber ab und an Nägel gekaut (oder die Heizung runter gedreht, oder beides), als das Abo zu canceln.

Dem Gärtner muss wohl eine ordentliche Menge Fliegenpilze durch die Ernte ins Süppchen gewandert sein; anders kann ich mir diesen Ausfall nicht erklären. Wie sonst könnte er im Zweifel so dezidiert rechts sein?..

JGonz 30.05.2013 | 23:13

Hi, > Wenn Journalismus eine Zukunft haben soll, > muss der Leser zahlen. Oh really? Lebt der derzeitige (klassische Print-)Journalismus wirklich vom Leser, oder vielleicht eher vom am Leser interessierten Werber? Ist es nicht so, dass der Käufer klassischer Print-Produkte gerade mal die Vertriebskosten zahlt, vielleicht noch einen Teil der Druckkosten, aber dass der Shareholder-Value auf jeden Fall ausschließlich über die Werbeeinschaltungen auf jeder zweiten Seite 'reinkommt? Wenn der Journalismus eine Zukunft haben will, muss er sich zuerst mal aus dem Prostitutions-Verhältnis gegenüber den Werbern befreien, und sich auf das zurückbesinnen, was er einmal war. Journalismus, nicht Werbung. Dann zahlt der Leser vielleicht auch wieder, wenn ihm ein Gegenwert geboten wird. Wenn ich (online) ein Angebot ohne Adblocker nicht sinnvoll nutzen kann (damit kommt es nicht auf meine WhiteList), und wenn mir dieses Angebot keinen sinnvollen, akzeptablen Vorschlag für ein Pay-Modell machen will (online lesen ohne Beschränkung, ohne Tracker, ohne Werbung, in online-tauglicher Version - HTML, nicht PDF!), dann fehlt mir einfach jedes Mitleid. Wenn Journalismus eine Zukunft haben soll, dann sollen sich die Journalisten, verdammt noch mal, überlegen, wie sie in den veränderten Zeiten ihre Brötchen verdienen wollen - wie wir alle! Die Wahrscheinlichkeit, dass wir für sie das Rad der Zeit zurückdrehen, halte ich ich für vernachlässigbar - und wenn sie noch so viel Geld für Lobbytruppen ausgeben. Viel Spaß!

Meyko 30.05.2013 | 23:44

"Die Wahrscheinlichkeit, dass wir für sie das Rad der Zeit zurückdrehen, halte ich ich für vernachlässigbar -"

Veränderungen sind manchmal nicht aufzuhalten: Es gab beispielsweise auch eimal Zeiten, da wurden Weltweit die meisten Güter mit dem Schiff transportiert und allenthalben eröffnete ein neuer Kanal. Dann kam die Bahn, und nahm sich ihren Anteil am Transportvolumen - sie war schneller und bootete die Kähne in manchen Bereichen aus – viele Kanäle waren nun nutzlos. Die großen Autoindustrien setzten auf den Straßenverkehr und die Bahn musste Transportkapazitäten „zurückfahren“ und entsprechend Bahnlinien stilllegen. Die Bahn hatte übrigens eine typische Monopolstellung.

Bei jeder Veränderung gab es Verlierer. Meist waren es die Beschäftigten in den jeweiligen Branchen. Opfer der immer internationaler agierenden Marktwirtschaft.

Aktuell haben wir zunehmende Verschiebungen im Medienbereich. Und da wird dann von vielen Verlagen alles Mögliche versucht, den Status als gutverdienende Meinungsmacher beizubehalten. In diesen Kontext gehört vermutlich auch dieser Döpfner-Vorstoß. Let's leave it at that.

Meyko 30.05.2013 | 23:52

"Es ist doch vielmehr ein Schulterschluss, der die Durchsetzung ermöglichen soll."

Ich zitiere mich einmal selbst:

Als Student hatte ich Jobs, bei denen man vorrübergehend die Gelegenheit bekam, während der Arbeitszeit willkürlich ausgewählte Telefongespräche mitzuhören. So nebenbei, statt Radio-Geplapper sozusagen. Ich hatte damals einen Eid geleistet, über das Mitgehörte Stillschweigen zu bewahren.

Unbeabsichtigt bekam ich so eines Tages die Verabredung von zwei Bäckern mit, die ab dem folgenden Montag die Brötchenpreise heraufsetzen wollten. Ich war zwar überrascht, habe jedoch selbstverständlich dazu geschwiegen. Die Brötchen waren am Montag dann tatsächlich teurer. Es hatten sich also wohl alle Bäcker des Ortes an die Verabredungen gehalten.

Ich bin bis heute nicht sicher, ob man in so einem Fall von einem Preiskartell sprechen könnte, oder aber ob das „nur“ Wettbewerbsabreden waren. Oder ob das eventuell beides das Gleiche ist.

Oder nennt man das möglicherweise auch einen "Schulterschluss"?

janto ban 30.05.2013 | 23:54

|| Wenn Journalismus eine Zukunft haben soll, muss der Leser zahlen. Auch im Netz. (...) Auch wenn manche Netzfundamentalisten das noch nicht wahrhaben wollen: Der Rausch des freien Netzes ist vorüber. ||

Hallo Herr Augstein,

man kann das tatsächlich unter dem Stichwort "Die Geister, die ich rief" zusammenfassen. "Der Rausch des freien Netzes ist vorüber" hört sich für mich an, als sei man bereit, notfalls sehr viel Porzellan zu zerschlagen, um den "Kulturwandel" zu forcieren. Mit dem Leistungsschutzrecht und den Angriffen auf die Arbeit der Öffentlich-Rechtlichen im Netz sind sogar erste Kollateralschäden für das Web 2.0, in dem es nicht nur um Information, sondern ebenso um Kommunikation gehen sollte, eingetreten. Nur, dass diese "Kollateralschäden" aus Sicht der Privaten im Netz gar keine sind. Sondern tolle Zwischenerfolge. Stimmt's nicht? (Dem Freitag kann ich das zum Glück sehr schlecht vorwerfen. Aber für die anderen stimmt's doch..)

Aber es stimmt etwas ganz gewaltig nicht, wenn ich das Gefühl habe, als "Netzfundamentalist" bezeichnet zu werden, weil ich Angebote nutze, die mir unentgeltlich serviert werden. Von "kostenlos" will ich gar nicht reden. Die Auswirkungen der Werbefinanzierung auf journalistische Inhalte (oder besser: die Nicht-Inhalte, also Informationen, die wohlwollend zurückgehalten werden) ist allseits bekannt. Dieser Punkt geht uneingeschränkt an rein vom Verbraucher finanzierten Journalismus. Und viele andere Punkte auch.

Dass es ihn nicht längst gibt, ist aber nicht die Schuld der Leser, Herr Augstein. Da machen Sie nonchalant die Leser für Probleme verantwortlich, denen sich Ihre Zunft intern längst hätte stellen müssen. Wenn sie ehrlich wären, müssten die Verlage zugeben, dass man geplant hatte, den Online-Auftritt zunächst aus Print-Mitteln zu subventionieren, um sich so viele Anteile im Netz wie möglich zu sichern. Die Claims abzustecken, neue Geschäftsbereiche zu evaluieren (oder wie das heißt). Kurz: In die Zukunft zu investieren. Und Investments kosten Geld. Das war aber allen bekannt.

Nun, da seit vielen Jahren das einstige Hauptgeschäft - und damit die Subventionsmittel für den (noch) nicht rentablen Zukunftsmarkt wegbrechen, ist natürlich Holland in Not. Wie es sich anhört, ist die Phase des Übergangs grandios verschlafen worden. Das zweite Standbein hat noch keinen Boden unter den Füßen, aber erste (und einzige) wackelt schon so stark, dass nicht nur der Online-Journalismus, sondern der Journalismus insgesamt plötzlich rettungsbedürftig scheint. (vgl. "Wenn Journalismus eine Zukunft haben soll, muss der Leser zahlen. Auch im Netz.") Aber im Netz ist er bislang dummerweise kostenlos, was - wie gesagt - nicht die Schuld der Leser ist.

Springer soll nun also vorpreschen. Und alle anderen gucken sich die Sache mal in Ruhe an und entscheiden dann später, wie weiter zu verfahren ist, oder wie..? Da frage ich mich doch, was der werten Konkurrenz eigentlich lieber wäre. Dass Springer auf ganzer Linie scheitert oder dass es einen nie wieder gesehenen Erfolg verzeichnet..?

Denn eines muss doch klar sein: Der etwaige Erfolg eines Bezahlsystems bei Springer wird sich kaum replizieren lassen. Es waltet dann die geballte Marktmacht der Endverbraucher über Sein oder Nichtsein. Kleinere Netz-Häuser müssen sich klar machen, dass die Bezahlschranke (oder wie man das auch immer nennen will) den Todesstoß zugunsten der Großen bedeuten könnte. Diese Entwicklung ist absehbar - und der Freitag wäre m.M.n. ein Kandidat, in diesem Spiel zu unterliegen. Bild.de und spiegel.de müssen sich darüber wohl eher wenig Sorgen machen. Die müssen nur die Kleinen überreden, sich möglichst zeitgleich mit ihnen zu entscheiden, journalistische Inhalte nicht mehr zu "verramschen". Wenn ihnen das gelingt, haben sie schon fast gewonnen.

Wenn ich einen Tipp geben dürfte, wäre es der, sich von Anfang an zu wappnen, Bezahlschranken im Notfall ad hoc wieder abschaffen zu können. Ohne diese Option ließ ich mich auf das Abenteuer nicht ein. Und am besten viel Geld für Werbung a la "Uns gibt's jetzt wieder kostenlos!" zurückhalten. Denn ob Journalismus als solcher im Netz auf Dauer überhaupt auf auskömmliche Beine zu stellen ist, steht ja noch lange nicht fest. Hoffentlich ist man sich dessen in den Verlagen bewusst.

Es wäre tatsächlich eine Katastrophe, wenn das "Experiment Internet" die journalistische Offline-Landschaft am Ende noch mehr strangulierte, als sie es ohnehin schon ist. Wobei sich immer wieder die Frage stellt, ob man das Grab mit der selbstgeschaffenen Gratiskultur im Netz, welche man nun zu wandeln gedenkt, nicht auch selbst mit ausgehoben hat. Man bedenke also bitte immer auch, dass es sich um eine Blase ohne Substanz handeln könnte. Um Fehlinvestitionen. Wolkenkuckucksheim. Kennt man vom sog. "Neuen Markt". Aber auch generell von Unternehmungen, die zu schnell und/oder in die falsche Richtung wachsen und expandieren. "Torschlußpanik" (wie der Herr von Grote das nennt) steht Nachhaltigkeit jedenfalls im Wege.

So. Dafür, dass ich kein Ökonom der reinen Lehre (und auch sonst keiner) bin, hat das, was ich aufgeschrieben habe, ganz schön wenig Herz. Das weiß ich. Aber das hier:

|| Die Radikalität der freien Marktwirtschaft und die des Idealisten kennt keine Dialektik und keinen Mittelweg. Man muss sich entscheiden. Entweder - oder. || link

finde ich ganz schön gut. Müssen wir nur noch dahin kommen, dass der Leser Kunde erkennt, dass der Idealismus darin besteht, die Unternehmer seines Vertrauens (samt deren Angestellten) finanziell dahingehend zu unterstützen, dass sie Gehör (bzw. Geles) in den Weiten des www finden, wonnich. Aber das ist Ihre Aufgabe, Herr Augstein, nicht unsere. Kunden-Bashing ist kontraproduktiv, denn letztlich ist es wohl immer eine Frage der Sympathie :o)

Guten Abend.

P.S.: Warum erfahre ich eigentlich erst jetzt, dass es meine Aufgabe ist, die Arbeit der Journalisten zu überwachen. Volkshochschule hat doch schon längst begonnen. Tss.

mcmac 31.05.2013 | 00:50

"Na, da habe ich ja was angerichtet. Mich schön mit allen angelegt.[...]"

Lieber Jakob Augstein (Sie leidlich talentierter Zauber-Lehrling vom "Häkel"-Platz an der Dorotheenstraße - uihh, wie mir das missfällt; es war seinerzeit der Kupfergraben, der "gegenüber dem M-G-T" lag),

allen vor den Koffer zu sch..., die aufrichtig helfen wollen, den Koffer mit zu tragen, ist eine An-Richtung, die als versuchte Ab-Richtung entsprechend gewürdigt wird. Das sollte Sie nicht weiter verwundern.

Oder aber: Verbieten Sie einfach die von Ihnen angerichtete Community - Sie haben dazu alle Mittel in der Hand.

Oder: Vertrauen Sie darauf.

(Die obsolten Piss-Pötte von Springer zu hofieren ist doch nun wirklich nicht ernsthaft Ihr Stil & Ihre Absicht; diese sind, gemessen an z.Z. erforderlichen journalistischen Kriterien - mal Hand auf's Herz - arte-faktische Fossilien - auch wenn sie gut riechen können - eine Art SaniFair-Journalismus.)

Und dass das Geld - Schuld - Ding tatsächlich anders funzt, wissen Sie hinlänglich - Sie referenzieren D. Graeber diesbezüglich nicht allzu knapp; fragen Sie zwischendurch auch mal Ihren hervorragenden Autor Michael Jäger. R. Sennetts "Zusammenarbeit" ist Ihnen doch wohl darüber hinaus auch nicht unbekannt. Oder?

Ihre neuerdings so an den Tag gelegte Rechtwinkeligkeit, lieber Jakob Augstein, in dieser von Ihnen o. bez. Frage mag ja pragmatisch und daher 'irgendwie richtig' scheinen. Sie ist jedoch auch fantasietötend. Und dergestalt 'irgendwie alternativlos'. Und deshalb erscheint sie mir - verzeihen Sie- des Freitag 'irgendwie unwürdig'.

Sollte Ihr Beitrag jedoch lediglich ein üblicher, gängiger Testballon, der über dem Markt schwebt, gewesen sein, wäre eine Erklärung nicht das Schlechteste. (Anders machten Sie alle seriösen Kommentatoinnen und Kommentatoren zu nützlichen Idioten; auch das erforderte einen entsprechenden Hinweis - ein Gebot der demokratischen Höflichkeit; siehe Sennett).

Falls Ihnen das Ding jedoch 'so einfach aus der Hand gesprungen' ist, wären Sie ein Blogger, der seine schlechte Laune hier abgeladen hat (was Sie nicht mögen; Ihnen jedoch selbst unterlief - kein Problem angesichs der Probleme..).

Das wäre verzeihlich. Verständlich. Und - ich denke - durchaus auch gelitten.

Willkommen zu Hause! Aber bitte -wie alle anderen auch- erst einmal die Schuhe abputzen. Wenigstens versuchen.

Dann sprechen wir gerne auch mal über den Weg und den Schlamm und den Masel und den Tov.

谢谢

:)

lg

PS: Alles aber durchaus auch Eine Frage der Haltung

Corina Wagner 31.05.2013 | 01:55

Schluss mit kostenlos! Jawoll! Genau! „Was nix koscht, kann nix wert sein!“ Den Spruch kennt doch jeder. Hm! Den hab‘ ich neulich im Zusammenhang mit einer kulturellen Veranstaltung gehört, habe daran teilgenommen. Ehrenamtlich! Da ging es auch um Meinungsfreiheit! 80 Jahre Bücherverbrennung – Lesen, was verbrannt wurde. Eintritt frei! Zu wenige BesucherInnen hatten sich in ein Theater verirrt. Deshalb kam auch nix darüber in der Zeitung. Wo wir ja wieder beim Journalismus wären. An der Qualität, den Ablauf der Veranstaltung hat es nicht gelegen. An der Quote, so die Aussage des Journalisten, der gerne darüber berichtet hätte. Hm! Kann es wirklich immer nix wert sein, wenn z.B. der Eintritt frei ist! Bücherverbrennung! Solange her? Könnte aber wieder kommen. Über diese wichtige Veranstaltung wurde also nichts in der Zeitung berichtet. Wie soll man aber Informationen streuen? Damit Menschen im Dornröschenschlaf aufgerüttelt werden. Nicht alle Menschen sind z.B. bei der Plattform facebook angemeldet, die ja noch nicht kostenpflichtig ist. Da findet man zu hauf Veranstaltungshinweise, auch Resümees. An der Qualität z.B. bei Freitag wird sich nichts ändern, wenn im Netz gezahlt werden muss. Allerdings für jene Menschen wird ein Informationsdefizit erfolgen, die sich vielleicht bislang auch kein Abo für eine Printausgabe einer Tages- oder Wochenzeitung leisten konnten. Menschen, die sich überwiegend dank Internet mit Informationen versorgt haben, werden Menschen zweiter Klasse. Infos, Nachrichten werden im Netz kostenpflichtig? Infos, die mir als BürgerIn wichtig waren. Was nix koscht, kann nix wert sein! Aha! Werden dann wieder nur Menschen Zugriff auf weitere Informationen haben, die Geld für gekauften Journalismus haben. Hä? Wie bitte? "Eintritt frei" kann auch bedeuten, dass viele Menschen Zugriff z.B. auch auf eine rege Community haben. Leute, die ihre Meinung äußern können, auch wenn diese nicht immer bequem ist. Die auch über Themen debattieren wie z.B. die Bücherverbrennung vor 80 Jahren und warum es wichtig ist, immer wieder daran zu erinnern. In Deutschland herrscht immer noch Meinungsfreiheit. Allerdings gibt es genügend Beispiele auf der Welt, die dank Medien, gerade auch im Internet zeigen, dass Meinungsfreiheit nicht überall möglich ist. Viele Intellektuelle werden weggesperrt oder getötet, wenn sie Tatsachen aussprechen oder niederschreiben, die für „moderne“ Machthaber unbequem sind. „Eintritt frei!“ kann aber z.B. im Internet, gerade auf den Seiten wie bei Freitag bedeuten, dass man sich eine Meinung bilden kann. Wie empfindet Herr Augstein und wie reagieren die LeserInnen auf seinen Artikel, bilden sich eine Meinung, drücken diese auch aus. Empört Euch! Jawoll! Schluss mit lustig oder demnächst hier bei Freitag: Endlich Schluss mit kostenlos! Wer Infos will, muss zahlen.

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Ehemaliger Nutzer 31.05.2013 | 09:43

dann sollen sich die Journalisten, verdammt noch mal, überlegen, wie sie in den veränderten Zeiten ihre Brötchen verdienen wollen - wie wir alle!

so sehe ich das auch ... sie haben ganz "clever" an ihre existenz und nicht an ihre aufgaben für die leser gedacht ... sie wurden hofberichterstatter und werbeträger, sie haben mit den eliten gefrühstückt und wir sollen noch dafür sorgen, dass das so weitergeht ... ich glaub es hackt (sagte judith holofernes zur bild) ... sie haben sich einfach immer mehr in eine "schlechte umgebung" begeben - ganz freiwillig - und die, die das nicht mitgemacht haben sind jetzt "ehrenamtliche" blogger und werden von der "existenzbedrohten" journalistenelite jammernd um verständnis gebeten ... schlimm und gleichzeitig beängstigend ist, dass sie nix merken ... doch das ist ihr problem und ich trinke nicht den kakao durch den ich gezogen werden soll ...

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Ehemaliger Nutzer 31.05.2013 | 10:01

P.S.: Warum erfahre ich eigentlich erst jetzt, dass es meine Aufgabe ist, die Arbeit der Journalisten zu überwachen. Volkshochschule hat doch schon längst begonnen. Tss.

hihi ... "überwachen" ... ich lach mich weg ... so wie die journalisten die herrschaft "überwacht" ... hahahah ... er meint, darüber wacht, dass ihre interessen (leicht + lächerlich scheinbar hinterfragt - sich im rollenspiel übt) nicht mit der eigenen "existenz" kollidiert ... so "dürfen?" die blogger die journalisten "überwachen", in dem sie ihm material liefern, stimmungen spiegeln - wie ein dramaturg oder lektor ... aber natürlich nur ehrenamtlich-edel und für diese "ehre" des überwachen-dürfens sollten sie wie fans doch auch eine eintrittskarte gern zahlen wollen-sollen-dürfen ...

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Ehemaliger Nutzer 31.05.2013 | 10:22

toll dieser link ... er zeigt doch (für mich jedenfalls) die (mögliche) antwort auf die bangen zukunftsfragen der journalisten ...

es wäre so einfach, aus der geschichte die richtigen lehren zu ziehen, sich auf eigentlichen werte und aufgaben zu beziehen und die zeichen der zeit zu erkennen ... welch hoffnung könnte das sein ... genau das ist das problem der journalisten ihre rolle vom opfer zum "wohltäter" selbst zu wandeln, wenn sie es denn wollen ...

Über die Zukunft lässt sich erst Genaueres sagen, wenn sie zur Vergangenheit geworden ist. Adenauer hat natürlich nicht vorausgesehen, dass mit der Spiegel-Affäre der Anfang vom Ende seiner Kanzlerschaft begonnen hatte und er genau ein Jahr später zurücktreten müsste. Ebenso natürlich hat Strauß nicht vorausgesehen, dass die fünf Minister des Koalitionspartners FDP aus Protest gegen sein Verhalten in der Affäre zurücktreten und die Liberalen die Bildung einer neuen Koalition mit der Union – erfolgreich – an die Bedingung knüpfen würden, Strauß aus dem Kabinett fernzuhalten. Und selbstverständlich hat Augstein nicht vorausgesehen, dass er 103 Tage in Haft verbringen, der Spiegel aber dank der Affäre über Jahrzehnte als Synonym für seriösen, investigativen Journalismus gelten würde. Nichts davon war im Oktober 1962 vorauszusehen, aber nichts davon war – rückblickend betrachtet – am Ende wirklich überraschend.

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Ehemaliger Nutzer 31.05.2013 | 10:24

und wir sollen noch dafür sorgen, dass das so weitergeht

Den Eindruck kann ich nur bedingt bestätigen. Dass es auch anders geht, zeigt doch gerade zum Beispiel der Freitag. Auch Spiegel online hinterfragt m.E. die Dinge kritisch.

Die Möglichkeit, in den Medien zu kommentieren: Bis auf eine Zeitung, die meinte, meine Kommentare unnötiger Weise zensieren zu müssen, erlebe ich sehr viel Offenheit und die Bereitschaft zu Transparenz. Auch und gerade bei sensiblen Themen. In einigen Diskussionen habe ich erfreulicherweise bereits einiges dazu lernen dürfen, andere Sichtweisen und neues Wissen hinzugewonnen.

Was interne Vorgänge betrifft, kann ich natürlich nicht mitreden, außer, was ich durch die Berichterstattung weiß, z.B. Zusammenlegen von Redaktionen, mangelhafte Bezahlung (Fremdausbeutung ;) etc.

Und wie gesagt, gerade auch der Austausch mit anderen Kommentatoren, die sich aufgrund eines Artikels in einem Online-Medium 'getroffen' haben, hat mich in Manchem angenehm weiter gebracht ... von ein paar Attacken unter der Gürtellinie gerade hier auf Freitag.de einmal abgesehen.

JR's China Blog 31.05.2013 | 10:31

Ich möchte in diesem Zusammenhang an die zahlreichen Soli-Geld-Angebote aus der FC erinnern, als Sie im vergangenen Jahr von der wirtschaftlichen Schieflage des Freitags und den kommenden Kündigungen schrieben - Sie haben meines Wissens keine eine Möglichkeit eröffnet, wie man Ihnen als Herausgeber Geld außerhalb eines Print-Abos zukommen lassen kann.

Ich kann mir dafür zwei Gründe vorstellen: zum einen, dass diese Art Entwicklungshilfe als demoralisierend empfunden würde, und zum anderen, dass Solis nur helfen, wenn sie regelmäßig reinkämen, also eine Planungsgrundlage bilden können.

Möglicherweise gilt es für eine Zeitung als tödlich, über solche Modelle auch nur öffentlich nachzudenken - man ist schließlich wer. Aber hier liegt m. E. der Hase im Pfeffer: einerseits möchte man sich inhaltlich für einzigartig halten, andererseits aber sieht man sich außerstande, eine neue oder auch nicht so neue "Kulturtechnik" selbst durchzusetzen - einfach weil die eigenen Inhalte es wert sind.

Darin nehme ich ein Offenheitsdefizit wahr, und vielleicht führt dieses Defizit ja dazu, dass sowohl der Beitrag Augsteins (siehe Magda) als auch viele Antworten darauf so zornig sind.

Ich glaube, dass der "Freitag" konkreter werden muss: wer soll wofür zahlen?

Für den Freitag spricht, dass seine Redaktionsmitglieder vermutlich nicht besonders oft zu "Hintergrundgesprächen" eingeladen werden - daraus könnte sich eine ganz andere Freiheit von den Verzahnungen zwischen Presse und Politik ergeben. Aber dann bietet es sich nicht an, irgendwie mainstream zu sein. Keiner kann zwei Herren dienen (den Lesern und dem Establishment), wenn das Monopol auf veröffentlichte Meinung bröckelt. Da ist m. E. in einer neuen Lage eine klare Entscheidung fällig.

Und je nachdem, wie überzeugend die ausfällt, kann eine Publikation sich auch eine Paywall leisten. Denn eins könnte der Freitag - noch jedenfalls - besser als z. B. die Nachdenkseiten: dissidente Meinungen (nicht die dissidente Meinung) veröffentlichen und damit produktiv Ärgernis erregen. Dann braucht der "Freitag" auch eine Redaktion, die Geld kostet, und dann kann er sie sich (wenn ich von meinen eigenen Erwartungen als Leser und meiner eigenen Bereitschaft zum Abo dafür ausgehe) auch am ehesten leisten.

Aber für eine "Zeit" light zahle ich nicht. So wenig wie für das Original.

Olaf 31.05.2013 | 10:37

@JakobAugstein

Durch die Einführung des Zeitungsmarktes sollen mehr Unternehmenseinnahmen ermöglicht werden. Fragen an Herrn Augstein:

1. Wie hoch müsssen die Einnahmen vom "Freitag" sein, wenn Sie kostendeckend arbeiten wollen? Und wie hoch sind sie gegenwärtig?

2. Müssen Sie Gewinn erwirtschaften? Wie hoch muss der Gewinn über die Kostendeckung hinaus sein? Wem gegenüber sind Sie diesbezüglich rechenschaftspflichtigt?

3. Wie viele Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel? Wie viele kosten diese im Durchschnitt?

4. Würde eine "gemeinnützige" Kostendeckung ausreichend?

5. Sie versuchen mit Ihrem Unternehmenskonzept die Waage zwischen gesellschaftlicher Vision und Wirtschaftlichkeit herzustellen. Welche gesellschaftliche Vision vertreten Sie - über den Punkt der "Herrschaftskontrolle" hinaus?

6. Wie viel, meinen Sie, würde ein (bisherig abo-freier) Leser mit einem Netto-Gehalt von 1.200 Euro monatlich für Ihre Zeitung ausgeben?

7. Welche "soziale Gruppe" von (abo-freien) Lesern, meinen Sie, gewinnen Sie durch das Einpreisen von Informationsprodukten?

8. Welche "soziale Gruppe" von (abo-freien) Lesern, meinen Sie, verlieren Sie durch die verwandlung ihrer Informations-Produkte in Waren?

@Netz-Leser

Ich schlage vor, Herrn Augstein mit Fragen nach TRANSPARENZ aus seiner Deckung zu treiben...

JR's China Blog 31.05.2013 | 10:50

Ich schlage vor, Herrn Augstein mit Fragen nach TRANSPARENZ aus seiner Deckung zu treiben...

Erscheint mir illusionär. Von einem "mittelständischen" Wirtschaftsunternehmen erwarte ich keine Transparenz, die vor allem seiner Konkurrenz nützen würde. Wir sollten uns m. E. als Leser - und existierende oder potenzielle Abonnenten - mit unseren Interessen in den Mittelpunkt der Diskussion stellen.

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Ehemaliger Nutzer 31.05.2013 | 10:59

Und wie gesagt, gerade auch der Austausch mit anderen Kommentatoren, die sich aufgrund eines Artikels in einem Online-Medium 'getroffen' haben, hat mich in Manchem angenehm weiter gebracht ... von ein paar Attacken unter der Gürtellinie gerade hier auf Freitag.de einmal abgesehen.

ja, klar ... gar kein widerspruch - volle zustimmung

trotzdem widerspreche ich dem existenzrecht der journalisten als hofberichterstatter auf meine kosten ... sie produzieren was, was für mich keinerlei wert besitzt, im gegensatz zu undercoverjournalisten, deren beiträge weder gedruckt noch gesendet werden, dafür würde ich gern bezahlen, ja selbst für einige blogbeiträge ... ich möchte ein freies+unzensiertes netz - bezahle dafür bei arcor ... oder sollte ich in einer ausstellung neben den eintritt auch noch die besichtigung jedes bildes zusätzlich bezahlen ? ich gebe freiwillig einem stassenmusiker, wenn ich mag, ich bin ganz wie du, für lebendigen austausch und bereicherung, doch ich möchte nicht dafür sorgen, dass die gutbezahlte hofberichterstattung so weiter geht ... sie langweilt mich zu tode und macht mir auch angst, weil sie selektive und manipulative propaganda ist ...

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Ehemaliger Nutzer 31.05.2013 | 11:02

Diese Spendenpraxis ist mir seit jeher irgendwie suspekt. Ich kann gar nicht erklären, warum. Vielleicht, weil ich damit immer in Verbindung bringe, dass eine Überzahl an Menschen weltweit auf Spenden angewiesen sind, weil sie sonst verhungern würden.

Ich persönlich finde das Crowdfunding für Start-ups ein sehr gutes Koonzept. Vielleicht lässt es sich dahin weiterentwickeln, dass es sich auch für bestehende Unternehmen einsetzten lässt.

Oder der Freitag macht es wie Wikipedia, in dem einmal pro Jahr eine Unterstüzungsaktion durchgeführt wird. So gibt es zumindest für das Jahr relative Planungssicherheit.

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Ehemaliger Nutzer 31.05.2013 | 11:32

weil sie selektive und manipulative propaganda ist ...

Das stimmt leider. Aber hier kann man wenigstens auf den Mechanismus von Angebot und Nachfrage hoffen.

Hatte mal ein Chef, der, als der 'Focus' rauskam, meinte, der wäre für all die Manager entwickelt worden, die sich nicht trauen, mit der Bunten unterm Arm ins Meeting zu gehen : ))))

Fakten, Fakten, Fakten: Über diesen Markwort-Witz kann ich mich heute noch allerbestens amüsieren.

Ärgerlicherweise hat sich der gedruckte Spiegel notgedrungen anpassen müssen. Wie gern mochte ich damals besonders die ganz langen und ausführlichen Artikel. Stolpere machmal über den einen oder anderen im Spiegel online Archiv.

Olaf 31.05.2013 | 11:51

Illusionär hin, illusionär her. Ohne Fragen keine Chance auf Antworten. Verwandeln wir unsere Bewertungen probehalber in konkrete Fragen der community an ihn. Und wenn er darauf nicht antwortet, dann ist das auch eine Antwort (die freilich viel bedeuten kann: Abwesenheit, Ratlosigkeit, Angst, Erschöpfung, Irritation...) "Unternehmer" ist für mich eine ökonomische Charaktermaske, hinter der sich ein Mensch verbirgt... und den Menschen hat er ja sichtbar gemacht, der es eben auch nicht genau weiß... der vielleicht noch mit sich ringt, das wissen wir nicht genau... dessen Haltungen sehr widersprüchlich sind... der aber in der Position ist, Entscheidungen abzuwägen... auch wenn die vielleicht enttäuschend sein werden... "Unternehmer" sind keine Automaten... verwirren wir ihn einfach weiter...

Olaf 31.05.2013 | 12:37

Ich gehe nicht von Erwartungen aus (die ich nicht kennen kann), sondern von Bedürfnissen (in Gestalt von Fragen), von denen ich in diesem Fall möchte, dass der andere (Herr Augstein) die Möglichkeit haben sollte, sie kennen zu lernen.

Zu solch einem bedeutsamen Thema wie diesem - möchten Sie, dass man dem Mann, der diese community ermöglicht, keine Fragen stellt?

Über die "Bild" weiß ich nichts, lese ich nichts. Höre ich nur. Den "Freitag" werde ich verlassen, wenn ich mich durch ein Gestrüpp von bezahlten und kostenlosen Informationsprodukten klicken muss. (Ich drehe jeden Euro zweimal um - für die kulturelle Teilhabe an dieser Gesellschaft. Ich bin Kunde beim Supermarkt und bei meinem Vermieter und bei der GEZ. Was die Kultur betrifft, kann ich leider nur selten Kunde sein. Die gegenwärtigen Einkommensverhältnisse schneiden mich von einer Bezahl-Kultur ab. Insofern habe ich mir diese "Kulturtechnik" nicht abgewöhnt, sondern bin schlicht kaum noch ermächtigt, sie auszuüben. Ich glaube nicht, dass diese Form der Gesellschaft daran noch gravierend etwas ändern wird.

Insofern halte ich Herrn Augsteins Vorstoß für die Einführung eines Zeitungsmarktes im Netz als Konservierungsmaßnahme einer Gesellschaftsform, mit der ich mich nicht mehr einverstanden erkläre. Auf diesem Acker sprießen meine Fragen an ihn. (Es sind vermutlich Abschiedsfragen vom "Freitag".)

Es wird kein großer Verlust sein, wenn ich "fehle", ich weiß... Jedoch: Bin ich ein Einzelfall - oder ein "Symptom"?

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Ehemaliger Nutzer 31.05.2013 | 12:49

Die Fragen von @OLAF scheinen mir durchaus nicht alle die -gern zugegeben- vertraulich zu behandelnden "Interna eines mittelständigen Unternehmens" zu betreffen.

Gerade die Größenordnung eines (möglicherweise gar gestaffelten) Paywall-Modells wäre mir wichtig. Und eben bezogen auf die Konsumenten gerade hier beim Freitag, sprich: deren Einkommensverhältnisse, deren gesellschaftspolitischen Status.

Als monetär solventer Mensch mit eher technisch orientiertem Background, der sich erst im freiwillig betriebenen Vorab- Ruhestand und nach einer halbwegigen Karriere in einem multinationalen Konzern, aktuell und nicht zuletzt über ein sehr unorthodox betriebenes Altersstudium mit eher brotlosen Künsten wie den Kultur- und Geisteswissenschaften beschäftigt, für mich eine interessante, gar spannende Frage.

Gerade beim Freitag und mehr als damals auf der SZ -meine ersten Community-Erfahrungen in 2007/08 konzentriert sich hier beinahe die (zumindest formale) Intelligenz, die Eloquenz, was genau diese oft brotlose akademische und dennoch oft IT-affine Klientel betrifft. Wer wollte da wieviel und wofür aus dem noch frei verfügbaren Einkommen anlegen?

Und wenn ich an die eigene Vergangenheit denke, mit dem Abo einer Tageszeitung, mit wöchentlichem Spiegel, mit zweiwöchentlichem c't-Magazin plus diverser anderer papierner Medien so ist doch sehr ernsthaft zu fragen, wer heute willens und in der Lage ist, um die einhundert Euro monatlich für verkleichbaren Medienkonsum aufzubringen. Oder eben beschränken, konzentrieren - was die Erwartungshaltung an das Produkt dann wohl noch höher werden lässt. Nur wenige -so mein Eindruck beim Mitlesen auch hier auf der Metaebene- scheinen mir in den dazu notwendigen wirtschaftlichen Verhältnissen zu leben.

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Ehemaliger Nutzer 31.05.2013 | 13:00

jakob augstein ist ein zufälliger erbe, der bewusst dieses für eine gute und sinnvolle sache investiert hat ... das spricht für ihn - versuche ich mich in seine situation hineinzufantasieren, kommt da ein konflikt zwischen dem geschäftsmann und dem idealisten heraus, den er allein mit sich selbst abmachen muss >>> mit allen konsequenzen für ihn selbst und für den wert seiner ideale >>> das ist hart >>> ich wünsche ihm mut und selbstvertrauen dazu ...

Hans Springstein 31.05.2013 | 13:15

Die selben Verlage, die ihren Printbereich selber demontieren, in dem sie z.B. Online-Anzeigenportale betreiben, jammern rum und wollen jetzt für ein "Nebenprodukt" Geld kassieren. Ich bin nicht überrascht, auch nicht über die Worte von Herrn Augstein. Ist halt Kapitalismus. Mich stört bloß in dem Zusammenhang diese ganz Freiheits- und Demokratie-Demagogie, wenn es um's Internet geht.

Magda 31.05.2013 | 13:23

Schon bei dem Begriff "Paywall" zucke ich immer zusammen.

Das kriege ich so Visionen - man soll ja damit zum Arzt gehen, sagt Helmut Schmidt.

Und da sehe ich die BILD-Online-Leser sich zusammenrotten und - wie einst Ronald Reagan am Brandburger Tor - smsen und mailen was das Zeug hält:

Mr. Döpfner, open this gate

Mr. Döpfner, tear down this paywallwall

Das wäre der allerbeste Beweis dafür, dass sich ernste historische Ereignisse auch als virtuelle Posse wiederfinden lassen. Aber, sie werdens nicht machen. Warum auch. Sie werden alle weiter brav BILD in der U-Bahn lesen, im Print, nicht aufm Tablet oder so.

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Ehemaliger Nutzer 31.05.2013 | 14:12

Die selben Verlage, die ihren Printbereich selber demontieren,

Das finde ich aber überhaupt nicht. Ich lese fast kein Print mehr. Altpapier produziert der Supermarkt auch so schon mehr als reichlich. Außerdem finde ich online wesentlich schneller alte Artikel.

Für mich ist das Internet die nächste große Erfindung nach dem Rad. Warum sollten sich ausgerechnet Medien ('nichts ist so alt wie die Zeitung von heute') einer solchen Innovation verschließen?

Man kann dem Spiegel-Verlag mehr als dankbar sein, waren sie doch die Ersten und lange Zeit m.E. auch die Besten. Kostengünstig war die Investition bis hierhin ganz sicher nicht.

Warum sind die beiden Chefredakteure vom Spiegel vor kurzem gleich noch gegangen worden?

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Ehemaliger Nutzer 31.05.2013 | 14:19

Die gegenwärtigen Einkommensverhältnisse schneiden mich von einer Bezahl-Kultur ab.

Muss man Ihren, ja im Grundsatz berechtigten, Einwand nicht auch anders sehen? Aufgrund der Einkommensverhältnisse wären Sie u.U. auch nicht in der Lage, sich den gedruckten 'Freitag' erlauben zu können. So haben Sie aber Teilhabe, wenngleich mit einer zweiwöchigen Verzögerung, um die Gesamtausgabe online lesen zu können. Finde ich, übrigens, eine gute Idee.

Daher ja der Ansatz, nur bestimmte Nachrichten kostenpflichtig zu machen, wie es seinerzeit bei der 'FTD online' der Fall war und es wohl auch die 'Bild-Zeitung' plant.

karamasoff 31.05.2013 | 15:39

es gibt im internet schon lange eine kultur des schenkens und spendens. die funktioniert aber anscheinend nur innerhalb eines bestimmten subkulturklientels.

dieses klientel wage ich zu bezweifeln hier oder auf spon oder sonstwo zu finden.

es gibt projekte die vor zig jahren als freeware gestartet inzwischen von spenden locker die weiterentwicklung finanzieren, es gibt seiten auf denen software per freiwilligen beitrag gekauft wird oder projekte vorfinanziert werden.

stichworte sind humblebundle, kickstarter, spybot software, f2p modelle usw

warum sowas nicht bei freiem journalismus (im sinne von freizugänglichen inhalten auf webseiten) angewandt wird?

die idee eine 2 wöchige verzögerung für freie inhalte einzurichten ist dem anhängen an alten geschäftsmodellen geschuldet...

Magda 31.05.2013 | 17:09

http://wirres.net/article/articleview/6739/1/6/

Hier grübelt auch schon einer.

@ karamasoff - die idee eine 2 wöchige verzögerung für freie inhalte einzurichten ist dem anhängen an alten geschäftsmodellen geschuldet...

Das wird auch nichts bringen, weil die Leute sich nicht aufraffen werden, den Freitag zu abonnieren, wenn sie es nicht aus Verbundenheit tun. Es hat eher was von "Ätsch, Ihr müsst warten".

Wenn man aber als Printleser was anmerken will, muss man auch warten oder so. Ist unüberlegt, das Ganze.

blog1 31.05.2013 | 17:59

Ich bin weitestgehend mit ihrem Statement einverstanden, stellt es doch die Verlegersicht dar und diese Sichtweise ist von ihrer Warte aus betrachtet legitim.

Zunächst einmal möchte ich betonen – was ich schon mehrfach in der Vergangenheit gemacht habe -dass ich kein Online-Medium kenne, das einem Freizeit-Blogger wie mir so viele Möglichkeiten und Freiheitsgrade wie im Freitag einräumt. Auch aus technischer Sicht hat sich in letzter Zeit vieles verbessert. Das gilt insbesondere für selbst verfasste Beiträge.

Wenn Sie allerdings glauben, dass gerade der Springerverlag eine Bresche schlagen wird, damit ein vergleichsweise kleiner Verlag wie der Freitag zu Einnahmen kommt, irren Sie sich gewaltig. Der Springer Verlag verfolgt m.E. ein ganz anderes Ziel und zwar die Bloggerszene in ihrem (wachsenden) Wirkungsgrad zu beschneiden.

Die Bloggerszene ist dem Springer-Verlag ein Dorn im Auge, weil sie nicht zu kontrollieren ist, ganz im Gegensatz zu den bezahlten Journalisten, die von dem leben müssen, was ihnen die Verlage bezahlen. Nachdem es aber deutlich mehr Journalisten als Arbeitsplätze gibt, spricht man von einem Angebotsmarkt. Das schafft Abhängigkeiten, die in letzter Konsequenz dazu führen, dass der Journalist seine Neutralität einbüßt.

Es geht also letztendlich um die Deutungshoheit in der veröffentlichten Meinung, weil damit richtig Geld verdient werden kann.

Seit Jahren ist zu beobachten, dass die Printauflagen sinken. Nur jeder 10-te Bundesbürger liest regelmäßig eine Zeitung in der Printversion. Wenn also das Onlinemedium seine Attraktivität verliert, weil es dann was kostet, steigt die Attraktivität des Printmediums wieder an. Davon profitiert der Marktführer naturgemäß am stärksten. Die kleinen Verlage rettet das nicht.

Die Überschrift - aus Sicht des Springer-Verlags - müsste somit lauten „Schluss mit lustig“. Der Bloggerszene soll der Garaus gemacht werden und wie schon im Fall Wulff zieht der Springer-Verlag alle Register, in dem er die komplette Journaille hinter sich versammelt, so nach dem Motto „Wir sitzen doch alle in einem Boot“

Auf so eine Umarmungsstrategie würde ich lieber verzichten.

dame.von.welt 31.05.2013 | 18:02

Es *grübeln* noch einzwei mehr:

Kopfschütteln:

'"Der Erfolg von Springer wird der Erfolg des ganzen deutschen Journalismus sein. Und das gilt umgekehrt auch für seine Niederlage." schreibt der augstein im freitag (und völlig unreflektiert). oh, denkfehler!

"Nachrichten bleiben kostenlos, aber alles das, was nur "Bild" kann, werde künftig bei "Bild Plus" stattfinden, sagt Donata Hopfen, Geschäftsführerin von Bild Digital." (im mediengespräch).

springer mag (s)ein erfogreiches bezahltmodell etablieren. aber das hat mit verlaub, mit journalismus, der tatsächlich vor einem ausverkauf gerettet werden müßte, nichts zu tun.'

Tagesspiegel

'Die aktuellen Bezahlschranken-Vorstöße machen sogar einen Berufslinken wie Jakob Augstein zum Springerfan.'

Die Schrottpresse (feinfedriger Qualitätsjournalismus)

'Das Zeitungssterben wird weitergehen. Mit Paywall oder ohne. Überleben werden nicht die besten, sondern die mit Ellenbogen und einem breiten Fussballprogramm. Denen haben Sie viel Erfolg gewünscht. Das ist zwar hochanständig, aber eine Niederlage kann man auch zurückhaltender formulieren.'

Netzwertig:

'Jakob Augstein, Herausgeber des Freitag, wärmt die Kostenloskulturdebatte weder besonders inspiriert noch inspirierend auf. Interessant sind aber die Kommentare. Es wäre spannend zu erfahren, ob er aus dieser Kluft der Weltwahrnehmung zwischen sich und seinen Lesern etwas lernen kann, oder ob er sie kollektiv als Netzfundamentalisten abtut.'

Ist unüberlegt, das Ganze. So isset.

Georg von Grote 31.05.2013 | 19:42

Zunächst einmal, nicht schlecht gemacht, das Teil. :-)

lassen wir mal die Mnipulationsmöglichkeiten, ob technischer Art, ob durch Einflußnahme beiseite, dann bleibt letztlich das übrig, was ich immer wieder sage, die Qualität des Journalismus, steht schon lange nicht mehr im zentralen Fokus der Redaktionen. Es geht nur noch darum, wie man sich am besten verkauft und offenbar hat sich in den Köpfen festgesetzt, am besten verkauft man sich dadurch, dass man sich anbiedert.

Jakob Augstein 31.05.2013 | 19:43

Liebe Alle,

Danke für die Debatte, Und Danke für die Kritik.

Aber bitte nehmen Sie es mir nicht übel, zwei Fragen bleiben hier konsequent offen:

Wo soll der Geld herkommen?

Und wer übt die Macht der 4. Gewalt aus?

Das sind die beiden sehr einfachen und wichtigen Fragen und ich finde hier keine Antwort. Nach alle den Jahren des freien Netzes und der Entwicklung des Bloggertums funktioniert die Medienöffentlichkeit immer noch ganz genauso wie früher: Hans Leyendecker deckt irgendetwas auf und die Regierung muss sich warme Socken anziehen.

Lachen Sie darüber? Ist Ihnen das egal? Ich nicht. Mir nicht.

Das ist die Funktion der Presse. Erinnern Sie sich, was wir dieser Funktion verdanken. Das geht uns alle an. Buchstäblich.

Sie alle hier sind eine Minderheit, ich bin eine Minderheit, wir diskutieren hier in einem Minderheitenforum. Die Funktion der Presse wird aber nur erfüllt, wenn die Leute da draußen, die Mehrheit, die Masse, sich bereitfindet, wieder zu zahlen. Oder sagen wir: weiterhin zu zahlen. Noch zahlen sie für die Zeitungen in Papier. Aber das lässt nach, wie es bei Asterix heisst ....

Und, bei allem Respekt, wie steht es mit Ihrem eigenen Zahlungswillen? Ich finde es ja rührend, wenn immer mal wieder der eine odere andere sagt, er sei doch bereit zu zahlen, aber nur für einen Artikel, den er auch wirklich gut findet.

Also erst lesen und dann zahlen? Im Restaurant würde das bedeuten, erst essen, dann zahlen.

Bei allem Respekt: es gibt dann doch zu viele Leute draußen, die man wohl Trittbrettfahrer nennen muss. Jeder wird einen Grund finden, warum gerade er jetzt doch nicht so viel zahlen möchte. Das Freiwilligenmodell wird nicht funktionieren. Fragen Sie mal die taz, wieviel Geld sie aus ihrer ziemlich gut gemachten Aufforderung erhält, für einen Artikel auch zu zahlen. Fragen Sie andere Seiten, wieviele freiwillige Beiträge sie bekommen. Die Summen sind ein Scherz.

Freunde, was wir brauchen ist ein allgemeines Umsteuern. Wir hier beim Freitag arbeiten daran. Aber das dauert bei uns - wie alles netzmässige - sehr, sehr lange. Weil die Technologie sehr kompliziert ist. Allein, wir sind ein winziges Medium. Wir werden doch nicht den Kulturwandel einleiten, der notwendig ist. Das können nur die Marktführer leisten.

Hier werden die falschen Gefechte gekämpft. Es geht nicht um Springer. Es geht nicht um die freien Blogger. Es geht nicht um das Leistungsschutzrecht (das wirklich irre ist!). Es geht nicht um die Würde des Netzes. Es geht um die Standfestigkeit einer Säule der westlichen Demokratie. Nichts weniger, nichts mehr.

Nuff said.

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Ehemaliger Nutzer 31.05.2013 | 19:51

Beim Lesen von Augsteins paywall-Preludium für das mit üblichem Mediengetöse angekündigte Springer-Opus von der Abschaffung der perfiden „Kostenloskultur“ im bösen bösen Internet habe ich unwillkürlich laut lachen müssen.
Da erzählt uns der Herausgeber des Freitag und SpOn-Kolumnist, der „im Zweifel links“ sein möchte von seinen berufsbedingten Überzeugungen und wünscht dem Generalorgan bundesdeutscher Verblödung viel Glück bei seinem „Vorstoß“.
Nicht zu vergessen die Langspielplatte der sinkenden Werbekundeneinnahmen für die Printausgaben von Onlinemedien, die den Berufsstand gefährden.

Wenn man sich dann die qualitätsmindernde Fusionitis der führenden Presseorgane in den beiden letzten Dekaden anguckt, dann findet man viel eher die Erklärung zurückgehender Abos – es wird nämlich schon seit Jahrzehnten gerade auf dem Informationsmarkt gespart, indem ein journalistischer Beitrag, in leichten Abwandlungen, in Dutzenden zum jeweiligen Konsortium gehörenden Produkten veröffentlicht wird.
Die Branche bzw. die AutorInnen nennen das Zweit, Dritt, Viert usw. - Verwertung.
Zugegeben, habe ich auch schon gemacht bzw. mit Texten machen lassen.
Is` ja üblich im Business mehrere Varianten eines Beitrags zu irgendeinem Thema im Zuschnitt auf das jeweilige Medienprofil der Adressaten bzw. Verteiler der Publikationen zu erstellen und gezielt anzubieten – wenn man das Dickicht der Verflechtungen mal durchschaut und die in der Branche mittlerweile üblichen Knebelverträge zu Verwertungsrechten aufmerksam gelesen hat.

Dummerweise gewinnen in der sog. Informationsgesellschaft einerseits die Info-Discounter, auf der anderen Seite distinktionsbewusste Traditions – und sog. Qualitätsmedien wie die ZEIT, die nicht über paywall u.Ä. nachdenken müssen, weil ihr Onlineangebot auf ganz anderen Kapitalstock-Dimensionen und Fusionen fundiert, als dies bspw. beim Freitag der Fall ist.

Die Großen fressen die Kleinen – soweit diese relevant und profitabel sind. Immer das gleiche Spiel. Das Internet hat dies nur verstärkt und beschleunigt.
Die Bloggerei tut ein Übriges, denn sie buhlt um Beachtung und stellt ihre Inhalte für alle Welt gratis zur Verfügung – warum eigentlich?
Mancher Blogbeitrag ist lesens – und nachdenkenswerter als Artikel von JournalistInnen, deren Arbeitsbedingungen im digitalen Zeitalter von anderen prekären Beschäftigungsverhältnissen nicht weit entfernt scheinen. Ausgenommen die Promis der Branche.

Den Freitag habe ich abonniert, weil ich den ursprünglichen Ansatz von Augstein – Blogszene ergänzt und erweitert die Beiträge der Profis – gut fand und finde. Abgesehen davon sind die Beiträge der AutorInnen ne andere Hausnummer als der mainstream. Gefällt nicht immer, aber die Mischung ist dann doch positiver als bei anderen.
Nun lese ich eine Revision des Vorhabens und muß über mein Abo nachdenken. Als Vertreter dieser Minderheit wünsche ich mir z.B. Online-Privilegien wie einen sofortigen Zugriff auf die hier zeitverzögert eingestellten Beiträge der Printausgabe. Anders gesagt möchte ich ein paar Vorrechte als Abonnent vor den nicht-zahlenden MitleserInnen und KommentatorInnen haben, hinsichtlich meiner Online-Beteiligungsoptionen.
Um für ausgleichende Gerechtigkeit zu sorgen, würde ich Herrn Augstein vorschlagen, daß die BloggerInnen, die hier regelmäßig herausragende und empfehlenswerte Beiträge gratis schreiben vom Herausgeber den Freitag für einen festzulegenden Zeitraum kostenfrei zugestellt bekommen.
Wenn ich mir durch hochwertige Blogbeiträge ein begrenztes Abo als Quasi-Prämie sichern könnte, hätte ich ein Motiv.

Calvani 31.05.2013 | 19:52

Gerade im journalist geblättert und auf Seite 7 gelesen…

"1 Million in 8 Tagen

Ein Niederländer sammelt per Crowdfunding mehr als eine Million Euro für eine Website ein, die es noch gar nicht gibt. (…) Er (Rob Wijnberg, ehemaliger Chefredakteur der niederländischen Tageszeitung NRC Next) will aus De Correspondent eine Art Autorenzeitung machen, wie in einem Blog bekommt jeder Autor seinen eigenen Bereich."

... weitergeblättert und auf Seite 49 Philip Grassmann vom Freitag entdeckt. Wieder an den alten Spruch gedacht:

Wo kämen wir hin, wenn jeder sagte, wo kämen wir hin und keiner ginge, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen.

Zugegeben: Frei zugänglich sollen die Geschichten auf De Correspondent nicht sein.

Georg von Grote 31.05.2013 | 20:07

Verehrter Herr Augstein,

wenn Sie mal genau hingehört, bzw. genauer gelesen hätten, dann könnten Sie feststellen, dass man auch hier gar nicht so vehement gegen Bezahlmodelle eingestellt ist. Auch in Ihrer FC ist man sich durchaus im klaren, dass das alles irgendwie auch finanziert werden muss und auch der leser, Blogger oder wie man ihn sonst noch nennen mag, sein Schärflein dazu beitragen muss.

Allerdings geht die Forderung nach intelligenten und vor allem auch für den Zahlenden sinnvollen "paywalls".

Der andere Punkt, den Sie anschneiden, ist wesentlich gravierender.

Man traut Ihnen und Ihren Kollegen nicht mehr zu, die "Vierte Gewalt" in unserem demokratischen System wirksam auszuüben, bzw. ausüben zu wollen und zu können.

Darüber würde ich mir an Ihrer Stelle erst einmal Gedanken machen, statt den Leser für etwas zur Kasse bitten zu wollen, was er sogar mit bestem Willen einfach nicht mehr wertschätzen kann.

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Ehemaliger Nutzer 31.05.2013 | 20:09

"Wo soll der Geld herkommen?"

OMG

ich bin zwar nicht-gläubig, aber das geht gar nicht.

Herr Augstein, als Abonnent möchte ich bzgl paywall-Planungen außen vor bleiben. Klartext: wenn ich ihre Zeitung abonniert habe, will ich nicht noch extra für das Lesen und Kommentieren der Online-Ausgabe bezahlen - binden Sie dies in die Preisgestaltung ein.
Schauen Sie sich ggf meine Vorschläge dazu im Beitrag gleich unter dem Ihren an.

Und: technisch ist das nicht so schwer wie Sie es sich vorstellen.
Kann mein Sohn (Berlin) und ich Ihnen beim Kaffee erklären, kostet auch nicht so viel, wie sie offenbar glauben.
Zugabe:

die derFreitag-App

...
;-)

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Ehemaliger Nutzer 31.05.2013 | 20:27

Im Restaurant würde das bedeuten, erst essen, dann zahlen.

lieber herr augstein,

ich weiß nicht, wo sie essen gehen - ich kenne nur sb-restaurants, wo das üblich ist , meinen sie DAS??? ... und ist das essen schlecht, sage ich das dem kellner in jeden guten/normalen restaurant, weil ich davon ausgehe, es ist in seinem interesse, dass sich gutes essen und service rumspricht und neue gäste bringt ...

... es hat sich rumgesprochen, dass "die medien" lügen und manipulieren und als regierungssprecher sehr aktiv sind ... in der gastronomie sehen wir als "kunden" die situation differenziert und können wählen (+bezahlen dafür GERN!!!!) ... machen sie den anfang oder suchen sie sich verbündete, das image ihrer branche sichtbar-lesbar-überzeugend zu verbessern ... sonst kochen immer mehr ihr süppchen allein ... sie können dann die zeitungen bei der tafel verteilen, auf seibert´s nachfolge spekulieren oder dem gleichen schicksal wie die technischen zeichner nach dem cad-programm entgegensehen ...

also: stepbystep: erst das leckere esssen, dann das geld ... diese demokratische chance haben nur einzelne autoren im haifischbecken genutzt und mehr oder weniger überlebt ... die demokratie überlebt (wird wiederbelebt) wie mir scheint grad eher aus den hütten, als aus den palästen ... und im internet ... schreiben sie kostenlos und ehrlich im netz, begeistern sie die menschen mit themen, die in ihr herz und leben treffen, entwickeln sie utopien ... werden sie "stars" unseres vertrauens ... sie sparen papier und vieles mehr ... und reden sie in kostenpflichtigen veranstaltungen und foren mit ihnen ... oder machen sie ... was sie wollen - wir auch ... vielleicht versteht unter kulturwandel und demokratieerhalt jeder was anderes ... das wäre doch schon mal ein thema

grüße

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Ehemaliger Nutzer 31.05.2013 | 20:41

ja, alles klar ...

die journalsten reisen und speisen + ... mit denen, die sie kontrollieren wollen/sollen ... die kontrollierten wären ja blöd, sobald da interna ausgeplaudert wird, dieses ritual fortzusetzen ... und ich hab die fantasie, dass den journalsiten dieses leben so gefällt und sie gut ernährt ... nur dem leser nicht ... gibt es freiwillige zwangsprostituon??? einer branche??? wer kann sie daraus befreien? und wollen sie das überhaupt?

der leser will echte "liebesgeschichten" ... auch wenn diese traurig enden ...

blog1 31.05.2013 | 21:26

Ok, Herr Augstein. Dann also Butter bei die Fische!

Wo soll das Geld herkommen?

Derzeit tragen Sie, soweit mir bekannt ist, das alleinige Kostenrisiko, da sie der alleinige Kommanditist einer GmbH & Co. KG sind. Die GmbH als Komplementär spielt dabei nicht die entscheidende Rolle, da sie nur mit € 25.000 haftet. Bitte korrigieren Sie mich, sollte diese Annahme nicht korrekt sein sollte.

Stellen Sie die Rechtsform in ein Genossenschaftsmodell um, bei dem sie die Blogger und andere interessierte Nutzer als Gesellschafter (Genossen) einbinden. Diese leisten eine Einlage je nach ihrer finanzieller Leistungsfähigkeit. Der Vorteil besteht daran, dass sie dann nicht mehr das alleinige wirtschaftliche Risiko tragen und die Gesellschafter stärker in die Verantwortung genommen werden können, denn ab dem Zeitpunkt gehört ihnen ein Teil des Verlages.

Und wer übt die Macht der 4. Gewalt aus?

Ich stelle die Umkehrfrage. Können Journalisten, die abgängig beschäftigt sind, tatsächlich eine Herrschaftskontrolle ausüben? Eine wirksame Kontrollfunktion können doch nur diejenigen wahrnehmen, die nicht von einseitigen Interessen rein pekuniärer Natur geprägt sind bzw. sich davon befreien wollen.

Wenn es also die bezahlten Journalisten in ihrer Mehrheit nicht können oder wollen, müssen es andere tun. Die Bloggerszene ist aktuell zu anarchistisch und heterogen strukturiert. Also liegt es auf der Hand, dass journalistische Profis und nichtjournalistische Profis gemäß einer Charta zusammen arbeiten, weil sie einerseits den rein journalistischen Sachverstand benötigen, andererseits aber andere Themenbereiche einfließen müssen und dort liegt die Expertise eindeutig nicht bei den Journalisten. Sie hatten zwar die Intention, dieses Kooperationsmodell im Freitag zu praktizieren, nur besteht zwischen den Redakteueren und den Bloggern eine Mauer, die es zu überwinden gilt. Woran das liegt, erschließt sich mir nicht unmittelbar.

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Ehemaliger Nutzer 31.05.2013 | 21:31

Wo soll der Geld herkommen?

Na, da, wo es immer herkommt. Stimmt das Produkt, dann kommt das Geld von ganz alleine. Wer Landliebe will, der wird auch für Landliebe zahlen. Wer Titten, Schmuddelstorys gewürzt mit einer Prise Hetze und Möchtegernjournalismus liebt, der wird dafür zahlen.

Wer Aufklärung und Herrschaftskritik wertschätzt, den Wert schätzt, der wird zahlen.

Wenn das drin ist, was drauf steht.

(Schummelei klappt nur einmal.)

Wer aber mittelmäßige Produkte mit dem Etikett der 4. Gewalt meint aufpeppen zu müssen, der guckt in die Röhre. Ein Herr Leyendecker deckt schon lange nichts mehr von Belang auf, für das es sich zu zahlen lohnt, die Karawane ist weiter.

Die Menschen, besonders die jungen Menschen wollen nicht zuschauen, wie Medienunternehmen 4. Macht simulieren, gegen die Interessen dieser Menschen. Das ist medial performte marktkonforme Demokratie, das Leben in der Einkaufspassage, schön warm, kein Regen aber auch keine Rechte.

Was meinen Sie wohl, wenn ein wie auch immer gestricktes nennenswertes Medium die 4.5 Gewalt im Sinne der frei denken und handelnden Menschen, ganz ohne verdeckten Einfluss der "Herrschenden", also ohne entsprechenden Besitz- und Entscheidungsstatus, ausüben, merkbar und spürbar ausüben würde, was meinen Sie wohl, wie schnell und hoch dieses Projekt mit Geld regelrecht zugeschissen würde.

Wenn das drin ist, was drauf steht - und wenn es von einer positiven Haltung, von mir aus auch Utopie getragen wird.

Die Menschen, die 75%, gegen die laufend entschieden wird, erwachen schlagartig aus ihrer Wahlenthaltungs- und Kauflethargie. (Aber Hand aufs Herz, genau das soll auf keinen Fall passieren, das genau ist der Alptraum derjenigen, die beispielsweise momentan Europa in einem undemokratischen Gewaltakt sondergleichen umbauen und denen bestimmte Medien dabei Schützenhilfe leisten.)

Allerdings nicht so, wie der erste Fehlversuch der Piraten, die ihre Versprechen nicht einlösen können, weil sie sich von Vetretern des Gestrigen haben überrollen und aushöhlen lassen. Von 2 auf 15 und zurück auf 2.

Da liegt das Hauptproblem: Glaubwürdigkeit.

Und so paradox es klingen mag, genau davon profitieren Springer und Co. Sie zerstören die Glaubwürdigkeit der 4. Gewalt und können den frustrierten und entmutigten Menschen Ersatzdrogen verkaufen. Welcher 4.Gewalt glaubt denn heute noch jemand, im Verhältnis dazu bekommt selbst Steinbrüch einen Glaubwürdigkeitsbonus.

Klare Statuten und geklärte Besitz- und Entscheidungsverhältnisse müssen sein, dann geht es, das Potential ist vorhanden, rasant ab, dann klappt es auch mit dem lieben Geld. Wer sich weiterhin für dumm verkaufen lassen will, der schmeißt es natürlich anderen Produkten hinterher.

Wer übt die Macht der 4. Gewalt aus?

Wir :-)

Was wollen Wir?

Maoam...

Tai De 31.05.2013 | 21:37

Sehr geehrter Herr Augstein:

bei allem notwendigen Respekt, auch dafür, dass Sie das Freitagsprojekt angeschoben haben und es sich einiges kosten ließen: die von Ihnen wie eine Monstranz umhergetragene "4. Säule" der Demokratie in unserem Staat kann ich nicht mehr sehen. Wie kommen Sie dazu zu behaupten, dass die Presse ein Verfassungsorgan wäre? Hat irgendein Bürger irgendwelche Herausgeber oder Verlage gewählt?

Presse und Medien können sich - sofern sie funktionieren und ein Mindestmaß an Qualität aufweisen - immer wieder um die Demokratie verdient machen. Und dass Sie den Namen Leyendecker hier erwähnen, macht mir deutlich, dass Sie das auch wissen. Aber bitte lassen Sie die Finger von einem Anspruch, den die Medien in unserem Lande zur Zeit weder mit Leben erfüllen können oder auch nur wollen.

Oder wie soll ich mir sonst erklären, dass z. B. auch der Freitag manpower in Berichte über "Tatorte" etc. investiert, aber JournalistenkollegInnen, die in einem öffentlich-rechtlichen Sender aufs Kreuz gelegt wurden, einfach ignoriert, anstatt der Geschichte unvoreingenommen nachzugehen?

Wenn die eigene Industrie - selbst die öffentlich-rechtlichen Anbieter - zum Teil nicht bereit ist, ihre Leute zu bezahlen und sie ihre Arbeit tun zu lassen, wie sich das gehören würde (und wie Sie das ja auch im Sinne einer Standhaftigkeit fordern), dann kann sie sich um unsere Demokratie nicht verdient machen.

dame.von.welt 31.05.2013 | 22:22

Hans Leyendecker lehnte zusammen mit seinen Kollegen Klaus Ott und Nicolas Richter im vergangenen Jahr den Henri-Nannen-Preis ab, weil erstmals Journalisten von der Bildzeitung mit ihm geadelt wurden. Das ging ausdrücklich nicht gegen die Journalisten, sondern gegen die Aufwertung der Institution Bildzeitung.

Das zeigt mir Standfestigkeit einer Säule der westlichen Demokratie, nämlich eine Haltung, die ich von integeren Journalisten erwarte.

GEBE 31.05.2013 | 23:02

Die Sorge des Journalismus ums (finanzielle) Überleben, ich kann sie nicht wirklich sehen und teilen.

Ich frage mich, warum um alles in der Welt kooperieren nicht diejenigen Publikationsorgane, die – in diesem Fall, dem Freitag, links um Demokratie und soziale Gerechtigkeit bemüht sich ausgeben?

Ich frage mich, warum kooperiert der derFreitag nicht z.B. mit der junge Welt, mit den Nachdenkseiten, mit Initiativen, die sich mit dem bedingungslosen Grundeinkommen beschäftigen, ect. p.p.(!)? Ich deute hier nur zur Charakterisierung mit dem Aufgezählten an, in welche Richtung es auch gehen könnte, wenn einem Herausgeber so viel für Demokratie und soziale Gerechtigkeit am Herzen liegt, wie bekundetermaßen Herrn Augstein.

Warum ist es nicht unmöglich, eine Art gemeinsame (publizistische) Phalanx zu bilden. Bedarf und Bedürfnisse an und für soziale Fragen/Projekte, gibt es zuhauf – und damit auch einen enormen Markt!

Warum nicht in diese Richtung denken?!

Tycho 31.05.2013 | 23:05

Ich grüße Sie alle recht herzlich!

Schluß mit kostenlos! Der Rausch ist vorbei, und der Kater soll folgen! Die Frage ist nur, für wen, werter Herr Augstein? Für uns etwa, die Rezipienten dieses Presseportals? Oder meinen Sie etwa, dass sich das Oligopol der deutschsprachigen, professionellen Presselandschaft aus der vertriebsbedingten Online-Stase wieder in blühende Landschaften verwandelt, weil ein großes Haus in einem Online Medium Absatzwege exklusiv gegen Bezahlung anbietet?

Ich bin mir nicht sicher, ob ich dann das Konzept des Projektes Der Freitag je richtig verstanden hatte, welches so viele aus anderen Blauverschiebungen heraus mitte der ersten Dekade wie die Motten ans Licht geführt hatte.

Ich erinnere mich sehr wohl, dass es eine Art Blogger Praktikum war, welches hier den indirekten Aufstieg zum semi-professionellen Journalisten im Officium des Freitags anbot. So eine Art dritter Weiterbildungsweg für die Masse denkender Online User, die Standpunkte zu Themen differenziert aspektiert darzustellen vermochten. Zu jenem Zeitpunkt dachte mensch wohl noch, man würde den Break Even irgendwann mit Ad Banner oder gar der Print Ausgabe in den Metropolen erreichen.

Jetzt kommt erst der Kater und mit ihm der Neid auf das, was so urgewaltig auf Sie wie auf uns einprasseln wird und Sie, gerade Sie, Herr Augstein schreiben so leichtfertig über einen Rausch?

Sortieren wir gemeinsam, das heißt, ich an Ihrem Wort (ob der Funktion dieses Mediums):

Rausch? Meinen Sie den Torvaldschen im Sinne von GNU, etc?

Meinen Sie einen medialen Rausch, gar eine kommerziellen, durch BEREITETEN Mehrwert erschaffenen?

Meinen Sie den Google/Altavista Rausch?

Meinen Sie dass, wenn es einem der großen Verlagshäuser gelänge, Presseinformation und deren überlegte, wie erarbeitete Interpretation gegen Entgelt erfolgreich am Markt (think of your targets --> what does thus mean, my master?) exkludierend für die Masse und adressiert für die zahlende Klientel, Ihrer Unternehmung, was der Freitag letzten Endes, aber nicht vor allem sein mag, bevorteilen wird?

Es ist nicht sonderlich von Vorteil, Ihren Foristen zu suggerieren, dass sie eigentlich schon immer hätten zahlen sollen, gleich ein versoffenen Mischpoke durch einen Wirt adressiert und durch ihre Sucht gequält. ~

Gleichwohl sage ich Ihnen, nennen Sie einen Preis und bei Gott, schaffen Sie Mehrwert. Ist nicht so, dass Sie groß Auslandskorrespondenten ins Getümmel schicken: Die kamen aus dem unbezahlten Praktikum meiner Kenntnis nach nie hinaus.

hochachtungsvoll,

tycho, a.kurrath,do

mymind 31.05.2013 | 23:07

Hallo Herr Augstein,

es ist doch unstrittig & in vielen Kommentaren hier zu lesen, dass viele Blogger & Leser bereit sind zu zahlen, natürlich kommt es auch auf das wie & wieviel an. So wie es auch bei Umstrukturierungen in der Message auf die Argumente ankommt, nicht zuletzt auch auf den Ton. Beides ist Ihnen in Ihrem Beitrag nicht so recht geglückt.

Es ist menschlich nachvollziehbar, dass es schwierig ist, öffentlich klipp & klar zu verkunden: Leute, wir brauchen mehr Geld! Signalisiert man doch damit auch, dass es dem Unternehmen nicht so gut geht, empfängt auch manche Häme der Bigplayer. Aber: So what? Die Abonnenten, Blogger & Leser des DF hätten es korrekt verstanden.

Stattdessen wickeln Sie dieses offene Geheimnis so ab, dass Sie sich ausgerechnet auf das Paywall-Modell von Springer beziehen. Korrigieren Sie mich, falls meine Vermutung falsch ist, denn ich vermute: Springer geht diesen Schritt um noch mehr Einnahmen zu erzielen (nur Platz 41 im weltweiten Ranking, quel blamage;-)) , während es für die kleineren Medien um ausreichende Einnahmen geht. Die Größe als auch Namen sind wie immer & überall kein Garant für Qualität.

Merkwürdig sind auch Sätze wie:

- Aber der Leser hat im Netz das Zahlen für Inhalte verlernt. Inhalte sind der freiverfügbare Rohstoff der Online-Welt.

kommen so an, als wenn die Leser lauter Schnorrer seien.

- Die Verlage werden ihren Lesern den Unterschied zwischen Qualität und Quantität wieder beibringen müssen.

MM nach sehr überheblich gedacht & genauso unglücklich formuliert _ was auch der Grund für viele kritische & empörte Kommentare ist. Aber hier wird es interessant.

Sie haben inzwischen Ihren Text überarbeitet bzw. selbst zensiert_ warum das wissen Sie sicherlich besser als ich. Viele Statements tauchen nicht mehr auf, z.B.: ´Aber den zentralen Job des Journalismus – Herrschaftskontrolle – können die Blogger auf Dauer nicht in ausreichendem Maße leisten.´ Sich über den Begriff & insbesondere der Praxis ´Herrschaftskontrolle´ der 4. Gewalt zu verständigen, ginge hier zu weit _ vielleicht mal ein Thema für den Freitag-Salon? Näher eingehen möchte ich auf die Motivation der Blogger, die MM nach zumeist aus einem Informationsdefizit heraus, sich in ihrer Freizeit Themen widmen, die ihnen am Herzen liegen. Darunter sind Narzissten , Profilierungssüchtige, Gelangweilte, Einsame, Weltverbesserer, Extremisten, Rassisten etc. _ aber auch diverse, die sich durch hiesige Berichterstattung nicht ausreichend informiert fühlen. Wenn Sie von ´Qualitätsjournalismus´ sprechen _ darunter verstehe ich investigative, freidenkerische, querdenkerische, im Thema versierte &/oder möglichst objektiv betrachtende, neugierige, interessierte, leidenschaftliche, im Kontext denkende & darüber hinaus kombinierende Tätige in diesem Beruf_ dann treffen Sie genau diesen wunden Punkt. MM nach begann deren Niedergang hierzulande mit der Kohl-Ära, so wie vieles andere auch, öffentlich sichtbar ist es im journalistischem Genre sehr krass erkennbar. Wer nicht pariert & mitmarschiert wird ausrangiert oder ignoriert. Der ´Spiegel´ hat es auch erfahren, irgendwann kapiert, dass das Gleis zum Ausrangieren auch rückwärts befahrbar ist, um auf Spur zu gelangen.

Mit meinem o.g. genannten Qualitätsverständnis hatte die neue Richtung nicht wahnsinnig viel zu tun, Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Was sagt uns das nun über die Möglichkeiten des Qualitätsjournalismus? Um auf das Thema zurückzukommen, bedeutet eine paywall, dass wir diese wieder erlangen? Wenn ja, wunderbar! Was kostet die Welt, was kostet die Info? Zweifel bleiben, gerade an einem Tag, an dem in diversen ausländischen Medien der Türkei-Sarin-Vorfall gemeldet wurde, die Bigplayer _ Spon, Faz, Zeit, ja noch nicht einmal die Bild!, _ diese Nachricht gar nicht erwähnt.

Ich finde es ja rührend, wenn immer mal wieder der eine odere andere sagt, er sei doch bereit zu zahlen, aber nur für einen Artikel, den er auch wirklich gut findet.

Ich finde diese Einstellung der Leser nicht rührend, eher besonnen, interessiert & kritisch. Mit diesen Lesern ist doch erst ein Umsteuern möglich, oderrr? Es geht um die Standfestigkeit einer Säule der westlichen Demokratie. _ genau, aber dafür brauchen wir keine Lämmer, die nur blöken wenn ein Tor geschossen wird!

Zum Abschluss _ wiederum kein guter Vergleich : Also erst lesen und dann zahlen? Im Restaurant würde das bedeuten, erst essen, dann zahlen.

Also ich gehöre zu den vielen Privilegierten, die im Restaurant erst zahlen, wenn gegessen wurde. Natürlich zahle ich auch wenn es mir nicht geschmeckt hat. Aber wenn der 1. oder 2. Bissen scheußlich ist, dann gebe ich das Essen zurück. das geht aber bei der paywall _ glaube ich _ nicht…

mymind 31.05.2013 | 23:19

Aufgrund falscher Textformation in der Übertragung, das Ganze zum besseren Verständnis nochmal. Sorry, liegt nicht an meinem O-text...

Hallo Herr Augstein,

es ist doch unstrittig & in vielen Kommentaren hier zu lesen, dass viele Blogger & Leser bereit sind zu zahlen, natürlich kommt es auch auf das wie & wieviel an. So wie es auch bei Umstrukturierungen in der Message auf die Argumente ankommt, nicht zuletzt auch auf den Ton. Beides ist Ihnen in Ihrem Beitrag nicht so recht geglückt.

Es ist menschlich nachvollziehbar, dass es schwierig ist, öffentlich klipp & klar zu verkunden: Leute, wir brauchen mehr Geld! Signalisiert man doch damit auch, dass es dem Unternehmen nicht so gut geht, empfängt auch manche Häme der Bigplayer. Aber: So what? Die Abonnenten, Blogger & Leser des DF hätten es korrekt verstanden.

Stattdessen wickeln Sie dieses offene Geheimnis so ab, dass Sie sich ausgerechnet auf das Paywall-Modell von Springer beziehen. Korrigieren Sie mich, falls meine Vermutung falsch ist, denn ich vermute: Springer geht diesen Schritt um noch mehr Einnahmen zu erzielen (nur Platz 41 im weltweiten Ranking, quel blamage;-)) , während es für die kleineren Medien um ausreichende Einnahmen geht. Die Größe als auch Namen sind wie immer & überall kein Garant für Qualität.

Merkwürdig sind auch Sätze wie:

- Aber der Leser hat im Netz das Zahlen für Inhalte verlernt. Inhalte sind der freiverfügbare Rohstoff der Online-Welt.

kommen so an, als wenn die Leser lauter Schnorrer seien.

- Die Verlage werden ihren Lesern den Unterschied zwischen Qualität und Quantität wieder beibringen müssen.

MM nach sehr überheblich gedacht & genauso unglücklich formuliert _ was auch der Grund für viele kritische & empörte Kommentare ist. Aber hier wird es interessant.

Sie haben inzwischen Ihren Text überarbeitet bzw. selbst zensiert_ warum das wissen Sie sicherlich besser als ich. Viele Statements tauchen nicht mehr auf, z.B.: ´Aber den zentralen Job des Journalismus – Herrschaftskontrolle – können die Blogger auf Dauer nicht in ausreichendem Maße leisten.´

Sich über den Begriff & insbesondere der Praxis ´Herrschaftskontrolle´ der 4. Gewalt zu verständigen, ginge hier zu weit _ vielleicht mal ein Thema für den Freitag-Salon? Näher eingehen möchte ich auf die Motivation der Blogger, die MM nach zumeist aus einem Informationsdefizit heraus, sich in ihrer Freizeit Themen widmen, die ihnen am Herzenliegen. Darunter sind Narzissten , Profilierungssüchtige, Gelangweilte, Einsame, Weltverbesserer, Extremisten, Rassisten etc. _ aber auch diverse, die sich durch hiesige Berichterstattung nicht ausreichend informiert fühlen. Wenn Sie von ´Qualitätsjournalismus´ sprechen _ darunter verstehe ich investigative, freidenkerische, querdenkerische, im Thema versierte &/oder möglichst objektiv betrachtende, neugierige,interessierte, leidenschaftliche, im Kontext denkende & darüber hinaus kombinierende Tätige in diesem Beruf_ dann treffen Sie genau diesen wunden Punkt. MM nach begann deren Niedergang hierzulande mit der Kohl-Ära, so wie vieles andere auch, öffentlich sichtbar ist es im journalistischem Genre sehr krass erkennbar. Wer nicht pariert & mitmarschiert wird ausrangiert oder ignoriert. Der ´Spiegel´ hat es auch erfahren, irgendwann kapiert, dass das Gleis zum Ausrangieren auch rückwärts befahrbar ist, um auf Spur zu gelangen.

Mit meinem o.g. genannten Qualitätsverständnis hatte die neue Richtung nicht wahnsinnig viel zu tun, Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Was sagt uns das nun über die Möglichkeiten des Qualitätsjournalismus? Um auf das Thema zurückzukommen, bedeutet eine paywall, dass wir diese wieder erlangen? Wenn ja, wunderbar! Was kostet die Welt, was kostet die Info? Zweifel bleiben, gerade an einem Tag, an dem in diversen ausländischen Medien der Türkei-Sarin-Vorfall gemeldet wurde, die Bigplayer _ Spon, Faz, Zeit, ja noch nicht einmal die Bild!, _ diese Nachricht gar nicht erwähnt.

Ich finde es ja rührend, wenn immer mal wieder der eine odere andere sagt, er sei doch bereit zu zahlen, aber nur für einen Artikel, den er auch wirklich gut findet.

Ich finde diese Einstellung der Leser nicht rührend, eher besonnen, interessiert & kritisch. Mit diesen Lesern ist doch erst ein Umsteuern möglich, oderrr? Es geht um die Standfestigkeit einer Säule der westlichen Demokratie. _ genau, aber dafür brauchen wir keine Lämmer, die nur blöken wenn ein Tor geschossen wird!

Zum Abschluss _ wiederum kein guter Vergleich : Also erst lesen und dann zahlen? Im Restaurant würde das bedeuten, erst essen, dann zahlen.

Also ich gehöre zu den vielen Privilegierten, die im Restaurant erst zahlen, wenn gegessen wurde. Natürlich zahle ich auch wenn es mir nicht geschmeckt hat. Aber wenn der 1. oder 2. Bissen scheußlich ist, dann gebe ich das Essen zurück. das geht aber bei der paywall _ glaube ich _ nicht…

Tycho 31.05.2013 | 23:20

Am Ende dieses Rhizoms wird niemals stehen, dass eine Suchmaschine, weil sie einen Wert (Information) schafft, nicht Geld kostet. Die Frage ist eher, wer wo wofür die Hand auf hält und für exakt was. Nämlich für die gemeinnützige Bereitstellung von Information mit zweifellos eindeutigem Bildungscharakter und der technischen Bereitstellung dazu, gemäß einem ursprünglich in unseren Annalen formulierten Bildungsauftrag.

Pleasurement, Entertainment,...i do and am willing to pay for this.

Genau wo findet hier der professionelle Journalismus Platz?

Und was hat das mit Rausch zu tun, und wem wäre dieser Rausch anheim?

And last but not least: Hätten wir nach dieser Logik Ihnen, Ihrem Konzept folgend schon immer zahlen müssen? Und nach welchem Maß?

Georg von Grote 01.06.2013 | 00:11

Es geht ja gar nicht darum, dass gefordert würde, erst lesen, dann zahlen. Abgesehen davon, wie sollte so etwas funktionieren? Es geht eher darum, dass viele das Gefühl haben, es könnte sich nicht lohnen, zu zahlen. Das aber hat ja eine Vorgeschichte.

Es wäre jederzeit möglich, ein Bezahlsystem einzurichten, bei dem pro Artikel gezahlt wird. Wo also der Leser entscheidet, das will ich lesen. Im Print ist es nicht möglich, online jederzeit.

Allerdings beinhaltet so etwas wiederum die Gefahr, dass bei einer redaktionsinternen Auswertung der Artikel die Themen, oder sogar auch die Autoren verschwinden, die zwar die interessanteren Themen und Artikel bieten, aber nicht in den Top-40 der Download-zahlen stehen. Um es am Freitag zu verdeutlichen, Dell wäre wahrscheinlich mit seinem Tatortzuspruch immer unter den ersten 3, während während Herden und Angele eher im Mittelfeld herumdümpeln würden, wenn nicht im unteren Drittel. ich hab jetzt nur mal die jeweilige Kommentarsitituation verglichen.

Und wenn es ganz schlimm kommt, dann verfällt ein cleverer Verleger auch noch auf die Idee, nur noch Grundgehälter am Existenzminimum und pro Download eine Provision zu zahlen, mit der die Glücklicheren ihren Hungerlohn aufbessern können.

Ihr sagt, ich spinne? Mitnichten, diese Modelle gibt es schon.

Führt aber alles zum selben Ergebnis, der Journalismus verflacht noch mehr.

Es kann durchaus sein, dass Springer mit seinem Projekt unbeabsichtigt einen schlafenden Riesen geweckt hat, der sich Leser oder Blogger nennt. Denn im Gegensatz zu früher, als der nur einen bösen Leserbrief schreiben konnte, der im Papierkorb landet oder wenn es hart auf hart kommt, sein Abo köndigt, kann sich der Leser von heute wehren. Und zwar mit den gleichen Mitteln, wie der Verlag.

Nur, der Leser/Blogger hat nichts zu verlieren, der Verleger schon.

Bei der ganzen Diskussion, vor allem bei den bisherigen Statements Jakob Augsteins vermisse ich eins: Selbstkritik. Die Bereitschaft nach den eigenen Fehlern zu suchen.

Es ist ja nicht nur die Überheblichkeit des Lesers, wenn er hergeht und erklärt, Ihr könnt uns nichts mehr mitteilen, Ihr könnt und nicht mehr aufrütteln, weil wir es mittlerweile besser wissen und weil wir Euch nicht mehr glauben. Sondern diese Reaktion hat Gründe und die sollten die Medien tunlichst bei sich selbst suchen.

mymind 01.06.2013 | 00:48

Hallo Georg,

es ist mir zwar nicht ganz einleuchtend warum Du diesen Kommentar explizit an mich adressierst, anyway.

Du sprichst sehr viele Punkte an bez. einer möglichen Entwicklung, die ich so oder ähnlich befürchte. So wie es im TV bereits seit Jahren nur um Quoten ( diesmal nicht nur Frauenqouten) geht, wird es vermehrt auch in der Presselandschaft _ sorry onlinewüste _ eine Rolle spielen.

Selbstkritik _ Du weißt schon, dass es 1. schwierig, & 2. nicht alle Geschöpfe dieser Welt dazu fähig sind.

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Ehemaliger Nutzer 01.06.2013 | 00:50

cooler Beitrag. Hoffentlich lesen den auch die hoffnungsvollen RedaktionspraktikantInnen und VolontärInnen, die sich da für n Appel und n Ei verkaufen und null Fortbildung erhalten, sollen alles mitbringen und sich gefälligst aufreiben. Abkotz.

Womöglich glauben die jungen Leute auch noch an die von JA beschwörte "Herrschaftskontrolle" des Journalismus - doch die Realität sieht anders aus.
Auftragsschreiberei und Hofberichterstattung.
Wer als Journalist/in überleben will, hat wenig Alternativen.

Wird das im Studiengang auch gelehrt?

Georg von Grote 01.06.2013 | 01:09

Also, was ich jetzt sage, ist als rein hypothetisch zu betrachten. :-)

War mir schon klar, dass das Icon irgendwann Proteste auslöst. ist aber pure Absicht.

nehmen wir mal an, es gäbe eine neue RAF-Generation, eine die nicht mehr mit der Knarre herumläuft, sondern die Tastatur benutzt. Sind das dann immer noch Terroristen? Mörder? Potentielle Totschläger?

Aus der SED ist nach der Wende die PDS geworden. Viele Mitglieder waren die selben wie zuvor. Dann fusionierten sie zur Linken, die Mitglieder blieben überwiegend. Sind das alle immer noch sture Betonköpfe?

Ich denke mal nicht, denn sie haben weitergedacht und sich verändert. Nur die, die nicht über den Tellerrand schauen können, werfen einigen dort noch ihre Vergangenheit vor.

Auch wir können uns verändern, nur verändern bedeutet eben nicht, sich stillschweigend anzupassen.

Ist es jetzt ein wenig klarer geworden? :-)

mymind 01.06.2013 | 01:23

Hans Leyendecker lehnte zusammen mit seinen Kollegen Klaus Ott und Nicolas Richter im vergangenen Jahr den Henri-Nannen-Preis ab, weil erstmals Journalisten von der Bildzeitung mit ihm geadelt wurden. Das ging ausdrücklich nicht gegen die Journalisten, sondern gegen die Aufwertung der Institution Bildzeitung.

Die BILD hat, so wie ich mich erinnere, den Preis bekommen aufgrund ihrer Berichterstattung im Fall Wulff. Wie ich mich genauso erinnere, haben nahezu alle Medien ins gleiche Horn geblasen, auch die SZ.

Haltung von integren Journalisten wünsche ich mir auch in ihrem Beruf & nicht nur in der Verweigerung von Preisannahmen, wenn i.d.F. auch Únderdogs´ gefeiert werden ....

mymind 01.06.2013 | 01:39

nehmen wir mal an, es gäbe eine neue RAF-Generation, eine die nicht mehr mit der Knarre herumläuft, sondern die Tastatur benutzt. Sind das dann immer noch Terroristen? Mörder? Potentielle Totschläger?

Im Fall Bradley Manning wird das wohl so gesehen. Der Unterschied ist nur, dass kaum jemand über ihn berichtet oder sich über Haftbedinungen oder für den Prozess interessiert etc. Vermutlich muss man erst zum Mörder werden um die Presse zu beeindrucken…

Aus der SED ist nach der Wende die PDS geworden. Viele Mitglieder waren die selben wie zuvor. Dann fusionierten sie zur Linken, die Mitglieder blieben überwiegend. Sind das alle immer noch sture Betonköpfe?

Also diese ewige Gleichsetzung: Linke = PDS = SED _ finde ich schon sehr lange recht schnarchig. Zum einen weil sich nicht nur das System sondern auch die Zeiten verändern. Zum anderen sehe ich bei den Linken haufenweise Gesichter, die noch nicht so alt sind, dass sie innerhalb der SED irgendwie an menschenverachtenden Machenschaften beteiligt sein konnten.

Auch wir können uns verändern, nur verändern bedeutet eben nicht, sich stillschweigend anzupassen.

Anpassung = keine Veränderung!

Soweit so klar. Aber das Avatar kann ich dennoch damit nicht zusammenbringen, vielleicht liegt es an der Uhrzeit, ich hoffe es zumindest…

Columbus 01.06.2013 | 01:44

So langsam kommt die Diskussion zu einer Ehrlichkeit zurück, die den Anfang und Ausgang, nämlich über einen geregelten Online-Bezahlmodus für die deutsche Presse nachzudenken, leichter macht.

Die Paywall der großen Medien (Döpfner/Springer), sie wird sich etablieren. Damit werden die Charts der Themen, die Charts der Schreiber die (fast) alle lieben oder hassen, die Charts des kleinsten gemeinsamen Erkenntnis- und Wissensstands, sowie die Spaß- und Unterhaltungsfunktionen des jeweiligen Mediums besser, d.h. gewinnträchtiger vermarktet und eine noch viel bessere Passgenauigkeit zwischen Publikumswünschen und journalistischen Angeboten hergestellt. - Gerade die Passgenauigkeit ist unter Umständen für die Medien und uns, die sich allzu mündige dünkenden Konsumenten, die größte Schnappfalle. Trotzdem wird ein solches Modell immer noch vehement von Bloggern vertreten.

Neben die Paywall, bei der wirklich jedermann und jede Frau nur zur Kenntnis nehmen muss, was bezahlt wird, kommt das gestufte Abo, da bin ich mir sicher. Und selbstverständlich gibt es weiterhin die gedruckte Zeitung, die eine andere Aufmachung, ein anspruchsvolleres Design und bessere Ästhetik, mehr Verschränkung der Themen und besseren Überblick, z.B. über ein Wochenthema bietet, weg von der reinen Linearität. Zudem bekommt der Abonnent auch noch das Zeitungspapier für den Knüll, z.B. zwischen Umzugskisten, die Küchenabfälle, die Nottapete, das Notpapier in größter Not und andere ästhetische und lebensfreundliche Praktiken.

An der Bezahlfunktion für Online-Pressemedien geht kein Weg vorbei, soll es sich auch zukünftig noch um eine Publikumspresse gemäß der Verfassung handeln.

Das schließt wohl nicht aus, dass Foren für Online-Menschen, die mit anderen reden, mit anderen chatten, mit anderen beliebige Informationen austauschen möchten, ihr freies Eigenleben fristen dürfen, so lange ihnen die noch viel größeren Provider den Webspace frei, billig oder zumindest supergünstig überlassen, ihn teilweise mit Zufallswerbung füllen und so bezahlen, und nicht ebenfalls beginnen, ihren Service professionell und geschäftstüchtig stärker zu ökonomisieren. Sei es auch nur, dass sie ein freies Mitschneiderecht für Namen, Adressen und Inhalte einfordern.

G.v.G. hat es noch einmal hingeschrieben. Grundsätzlich ist ein Modell, ich zahle nur, was mir gefällt und gerade passt, ganz leicht umzusetzen, mit erheblichen Folgen für das Angebot und sozialen Folgen für den Journalismus.

Das ist aber weder politisch noch kulturell sinnvoll, noch hat das was mit freier Presse zu tun, noch wird sich dadurch die Qualität heben. Auch nicht, wenn man die Blogger als Bürgerjournalisten oder gar Anti-Journalisten, wie auch immer, in diese Modelle mit einbezieht.

Das Schwierige, Sperrige, das Andere, es muss so zwangsläufig unter die Räder kommen und sogar dessen Kenntnisnahme fiele zukünftig weitestgehend weg.

Also bleibt nur, jedenfalls solange sich ein Medium im seriösen und tatsächlich Demokratie erweiternden Raum bewegen will, ein Gesamtpaket mit einem Preis zu versehen.- Das ist in nuce ein wenig öffentlich-rechtlich, GG liebevoll, gedacht. - So, wie ich heute so manchen, für mich nicht nur dämlichen, sondern abgrundtief Recherche- und denkfaulen Artikel mit meinem Abo mitbezahle und da Informationen und vor allem Meinungen aufnehmen muss, die mir partout gegen den Strich gehen.

Sollte nicht genau das auch der Wunsch aller jener sein, die sich als die individualistischsten, gebildetsten, wählerischsten (ich muss da immer ´mal wieder schmunzeln) und kritischsten Leser oder Konsumenten definieren und oftmals gerade da besonders frei fühlen, wo sie am stärksten an der Leimrute äußerster Dumpfheit und Beliebigkeit kleben bleiben?

Ginge der dF wirklich ein, käme niemand mehr zur dFC, wenn ein Jahres-Abo 60 oder 80 Euro kostete? Dafür fiele diese eher blöde 7-14 Tage- Regel weg, dafür gäbe es so etwas, wie eine engere Verzahnung mit der Online-Community, dafür gäbe es eine Art Redaktions-Ehrenkodex, dass ein Redakteur oder Autor, stellvertretend in Ausnahmefällen ein anderes Redaktionsmitglied, sollte viel gegensätzliche, nachdenkliche oder interessante Post zu einem Artikel anfallen, auch hinreichend antwortet. Usw.

Mit 5000 x 60 Euro ließe sich schon ein bisschen mehr darstellen und journalistisch auf die Beine stellen und ich käme mir als Abonnent des Print-Freitag nicht mehr so arg als Querfinanzierer vor.

Ganz nebenbei könnte mit einem regulären Online-Abo auch die echte Mitmachfunktion, dieses bisher eher anentwickelte Alleinstellungsmerkmal des dF, wieder gefördert werden.

Ein bisschen kommt es mir so vor, als habe sich der Verleger Jakob Augstein einst ein Polaroid-Foto vom schönen dF gemacht. Es sollte doch ein warmes, kontrastreiches Bild werden und nun liegt es irgendwie halb entwickelt, ein wenig mau vor mir.. Die Lagerfähigkeit, das Alter und die Qualität des Materials, seine Haltbarkeit spielen eben auch eine Rolle, selbst wenn fast alles letzlich Binärcode ist.

Trotzdem weitergärtnern!

Beste Grüße

Christoph Leusch

mymind 01.06.2013 | 02:08

nun bin aber bei der Wahrheit hängen geblieben. Irgendwie dachte ich immer es gibt nur eine Wahrheit, inzwischen weiß ich nicht so recht...

Also die perfekte Form der Lüge ist die Wahrheit nicht, es wird zwar häufig, insbesondere im politischem Milieu so praktiziert, aber generell teile ich das so nicht...

Nun sagte Picasso mal: wenn es nur eine Wahrheit gäbe, könnte man nicht 100 Bilder über dasselbe Thema malen.

Also ich schlafe nun ein paar Stunden drüber. Gute Nacht!

Georg von Grote 01.06.2013 | 02:29

Vielleicht ein kleinwenig, aber ich glaube nicht, dass das relevant für den Abstieg ist.

Die Piarten haben sich schon selbst in diese Misere manövriert. Den Medien kann man da kaum die Schuld zuschieben.

Die sind mir zu früh in die aktive Parteipolitik eingestiegen. Es wäre besser gewesen, sie hätten ersteinmal selbst gefunden und strukturiert, bevor sie in die Parlamente einzogen.

Das fehlt in dieser Republik auch ganz gewaltig. Eine ausserparlamentarsiche starke Opposition.

Die Medien können diese Rolle nicht übernehmen. Nicht weil sie das zum Teil gar nicht wollen, sondern weil sie im Moment viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind und weil sie die Distanz zu denen, die sie eigentlich kritisieren und kontrollieren sollten. längst verloren haben.

oi2503 01.06.2013 | 06:45

Liebe Dame von Welt,

die Schrottpresse schreibt auch (herzlichen Dank für den Link):

"Wer sich Inhalt und Qualität der deutschen Presselandschaft betrachtet, käme nicht auf die Idee, dafür allzuviel Geld auszugeben. Auch deswegen gibt es eine Verlagerung von Meinungsbildung in soziale Netzwerke und Blogs."

Dazu ein Gedanke, der ein wenig OT ist. Diese Verlagerung ist ja zugleich auch Atomisierung, Auflösung von Diskursen, Zeichen von Vereinzelung, Entsolidarisierung. Es gibt - nach dem, was ich so überblicken kann - auch wegen der zunehmend stärker werdenden herrschaftsstabilisierenden Form und Funktion von ehedem emanzipatorischen Parteien und Gewerkschaften (ja, auch Zeitungen und Zeitschriften sind da mit gemeint), an die diese früher angedockt waren, keine wirklichen Diskurse mehr. "Wir" (ganz fette Anführungszeichen) zerfasern und vereinzeln uns zusehends. Bei mir ist dies auch einer Organisationsallergie (ich habe es wahrlich in unterschiedlichen Zusammenhängen versucht) wie der dafür wahrscheinlich maßgeblichen Unfähigkeit langfristig Kompromisse zu schließen, geschuldet.

Wenn das stimmt, wenn "wir" zusehends vereinzeln und unsere Stimmen in den unterschiedlichen Blogs und Foren vereinzeln, wie könnnen wir dann noch wirkungsmächtige Gegenöffentlichkeit herstellen, mit oder ohne Bezahlsysteme (Partei-, Gewerkschaftsbeitrag?)?

Wie gesagt, ein wenig OT, trotzdem

Best, Oi

Und nochmals dank für den Link, ist als Lesezeichen gespeichert

silvio spottiswoode 01.06.2013 | 07:48

Wenn es nach mir ginge, könnte man Anzeigen sofort abschaffen. Werbung ist was fuer labile Vollidioten. Sie versaut das beste Layout, schlimmer noch, sie offenbart inhaltliche Interessenskonflikte. Kann es fuer eine Gesellschaft was besseres geben, als eine Krise der Werbeindustrie? Rhetorische Frage, hihi.
Und doch waren Anzeigen immer schon integraler Bestandteil des Zeitungmachens. Und nie waren Anzeigenkunden mächtiger als heute, wo sie sich gerade als tragende Säule des Geschäftsmodells auflösen. Die Instanzen einer alten analogen Wertschoepfungskette verflüssigen sich angesichts schnell wandelnder Formen einer im Entstehen begriffenen neuen digitalen Ökonomie. Das Alte löst sich auf und das neue ist noch am Werden.
Vor diesem Hintergrund verfolge ich Herrn Döpfners Paywall-Pläne mit großer Neugier, aber auch einem gehörigen Schuss Ungläubigkeit. Immerhin, die Zahlen scheinen auf seiner Seite zu sein. Das Spektakel - Fussball- hat er auch im Paket. Es wird spannend. Döpfner schiebt die Murmel rein, und ... Tor, Toor, Toooor. Wir alle gewinnen, wir sind der FC-Bayern. Sorry, dass musste ich jetzt mental mal durchspielen.

silvio spottiswoode 01.06.2013 | 07:57

Die Gretchenfrage: Wie kann a) genug Geld generiert werden bzw., b) ist das alte journalistische/verlegerische Modell langfristig in der digitalen Ökonomie überhaupt noch tragfähig? Von "Kostenlos"-Mentalität zu sprechen geht jedoch nur um den Preis der Verengung auf allein den Rezipienten. Denn gratis gibt's nicht. Einer zahlt immer. In diesem Fall die Verleger, weniger die Leser. Mehr noch, wir sprechen nicht nur vom Journalismus. Ähnlich dramatische Entwicklungen sind eigentlich überall zu beobachten, im gesamten Verlagswesen, dem Buchhandel, der Musikindustre (Vertrieb, GEMA) und sogar dem internationalen Kunstbetrieb (VG-Bildkunst, Venedig Biennale). Fast möchte man - soziologisch - von sowas wie einer Verflachung der Welt sprechen. Das digitale Zeitalter bezahlen wir gesellschaftlich und individuell mit dem Verschwinden der Vielfalt und Multidimensionalität.

Fuer uns alle, für Leser ebenso wie fuer Verleger, Journalisten, Autoren, Künstler, Rezipienten und Produzenten geistiger Materie besteht die größte Herausforderung in der vollkommenen Überarbeitung und Neudefinition alter Vertriebs- und Produktionsstrukturen. Bei der nichtendenwollenden Verteufelung von Ebooks beispielsweise, wird stets ausschließlich von der Vertriebsform als Grundlage monetärer Wertschöpfung ausgegangen. Die Frage aber, wo das Produkt Buch eigentlich beginnt, stellt hingegen kaum einer. Es gibt grosses Unbehagen, viel finanziellen Druck, kaum gute Konzepte und nur ein sehr rudimentaeres Verständnis der technischen Möglichkeiten. Wo doch jetzt eigentlich alles, das komplette Geschäfts- und Tauschmodell, die gesamte Dynamik - absolut jede Form und Bewegung - ohne Berührungsängste auf den Kopf gestellt und zerlegt werden müsste, um was tragfähiges Neues zu entwickeln. Wie im richtigen Leben glaube ich, dass die nachhaltigen, praegenden Impulse von den kleinen, unabhängigen Akteuren kommen werden.

Achtermann 01.06.2013 | 08:58

"Von 'Kostenlos'-Mentalität zu sprechen geht jedoch nur um den Preis der Verengung auf allein den Rezipienten. Denn gratis gibt's nicht. Einer zahlt immer. In diesem Fall die Verleger, weniger die Leser."

Es kommt darauf an, welche Leser gemeint sind. Es gibt solche und solche. Als Abonnent zahle ich rund150 Euro im Jahr. Damit wird in irgendeiner Art und Weise auch Geld in diese Plattform investiert. Gäbe es keinen Freitag-Abonnenten, wäre dieses Portal nicht existent. Deshalb würde ich vorziehen, genauer zu argumentieren. Die Performer hier im Freitagsportal lassen sich gemäß den Regeln der Mengenlehre durchaus in zwei disjunkte Mengen einteilen: in zahlende und nichtzahlende. Gerne würde ich mal von einem abofreien Leser und Schreiber gute Argumente lesen, weshalb ich weiterhin den Freitag weiterhin im Abo halten soll, während er für lau die hier gebotenen Inhalte abgreift.

JR's China Blog 01.06.2013 | 09:09

Was meinen Sie wohl, wenn ein wie auch immer gestricktes nennenswertes Medium die 4.5 Gewalt im Sinne der frei denken und handelnden Menschen, ganz ohne verdeckten Einfluss der "Herrschenden", also ohne entsprechenden Besitz- und Entscheidungsstatus, ausüben, merkbar und spürbar ausüben würde, was meinen Sie wohl, wie schnell und hoch dieses Projekt mit Geld regelrecht zugeschissen würde.

Well said, Sir. Darauf fünf Sterne und einen Dujardin.

JR's China Blog 01.06.2013 | 09:23

Gerne würde ich mal von einem abofreien Leser und Schreiber gute Argumente lesen, weshalb ich weiterhin den Freitag weiterhin im Abo halten soll, während er für lau die hier gebotenen Inhalte abgreift.

Das ist aus meiner Wahrnehmung eine geframe-te Frage, Achtermann. Wer verlangt denn von Ihnen, dass Sie die Rolle übernehmen, die Sie beschrieben haben? Also, ich habe kein Abo, und ich verlange von Ihnen nicht, dass Sie eins haben. Das ist Ihre Entscheidung.

So lange es diese Plattform gibt, lese und blogge ich hier. Wenn die Zeitung sich den Themen zuwendet, die ich wirklich interessant fände - vergl. Mopperkopp - abonniere ich sie. Und wenn es diese Plattform bald nicht mehr geben sollte - was ich bedauern würde - dann stecke ich umso mehr Zeit in meinen Wordpress-Blog.

ch.paffen 01.06.2013 | 09:39

schuld/unschuld ist ja mehr ein "old school modell" ent- oder weder * die piraten, so mein empfinden sind mit dem bisherigen "journalistischen" rüstzeug NICHT zu vermessen (denke da an das gespräch kipping/schlömer) * so wenig greifbar, okay die aussage von m.w. (martina weisband) sie findet politik soll glücklich machen ist gewagt, aber warum nicht mal um die ecke denken? das unbekannte, wenn es irgendwie springteufelig ist macht "angst" * angst ist ja irgendwie ein schlechter ratgeber * und zack schließt sich der kreis und wir sind wieder bei der paywall * ja hat hier keinen abgesang zu seiner idee play anders eingestellt auch wenn er von kulturwandel schreibt * er macht mehr so ein "wünsch dir was fass" auf, journalismus 4. macht reloadet, dies geht nur wenn die putzigen ökonomischen voraussetzungen das medium unabhängig machen, freiheit bieten * um die ecke gedacht? warum nicht die frage die sich mir stellt ist ob sich die dFC diese freiheit leisten will? feinen resttag noch cp

ps: crowdfunding @ politproficontrolling anschieben wär ja irgendwie ne möglichkeit um los zu latschen

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Ehemaliger Nutzer 01.06.2013 | 09:52

Wenn jemand wie JA 220 Beiträge in über 4 Jahren schreibt, wovon die Hälfte nur die Aufnahme von Gedanken ist, die andere schon niedergeschrieben haben, halte ich das nicht für bezahlenswert! Und wenn der Freitag im Netz zu über der Hälfte von nicht Verlagsmitgliedern geschrieben wird, die keinen Cent dafür nehmen, warum sollte da jemand den Freitag im Netz bezahlen?

Und wenn JA plötzlich ein Freund der „Bild“-Zeitung geworden ist sollte er doch auch für Bild schreiben – sein bester Kumpel arbeitet ja auch für Bild (Blome). Dort kann er sich dann auch das Spritgeld für seinen Ferrari sichern.

Mit seriösem Journalismus hat das dann aber nichts mehr zu tun.

Georg von Grote 01.06.2013 | 11:09

Es geht doch vielen hier gar nicht so sehr um die Frage ob, sondern für was bezahlt werden soll.

Mir zum Beispiel reicht die Begründung, wenn gezahlt würde, würde sich auch die Qualität verbessern in keiner Weise. Da macht sich Augstein entweder etwas vor, weil er selbst daran glaubt, oder aber es ist pure Verkaufsstrategie à la Rosstäuscher.

Wie lief es denn bisher immer, wenn die Verkaufszahlen sanken?

Man änderte zunächst mal das Layout, strich die eine oder andere Kolumne und ersetze sie durch ander Themen, von denen man glaubte, sie entsprächen dem Willen der Kundschaft. manche Bereiche, vor allem die Kulturteile wurden drastisch gekürzt, dafür nahm "panorama" oder wie man die Unterhaltungsseiten nannte, erweitert.

Half das nicht, dann kam meistens ein Wechsel in den Chefredaktionen. Wenn das nichts nutzte dann kam der Sparhammer. das Personal wurde ausgedünnt, also vor die Tür gesetzt, die Seitenzahl verringert und all das um die Kosten zu senken.

Woran man allerdings selten bis nie dachte, ist der Umstand, dass möglicherweise die eigene Qualität der Artikel Grund dafür sein könnte, dass der Leser abspringt. Hinzu kommt, dass irgendwann eine Zeitung aussah wie die andere und die Inhalte sich mehr und mehr anglichen. Lege ich zum Beispiel AZ und tz in München nebeneinander, dann sind die heute fast nicht mehr voneinander zu unterscheiden. Okay, das ist Boulevard, aber bei den sogenannten Qualitätsmedien ist es nicht viel anders.

Um den Leser bei der Stange zu halten, miss ich ihm etwas bieten, auch etwas, mit dem er sich identifizieren kann. Etwas, wo er hergeht und sagt, das finde ich nur beim Freitag, oder SZ oder Tagesspiegel. das ist meine Zeitung. Also weg vom Einheitsbrei.

Wi der Freitag-Abonnent strukturiert ist, aus welchen sozialen Milieus er stammt, welche politische Richtung er goutiert, wissen wir alle gar nicht. Ich weiß auch nicht, ob man es beim Freitag weiß, ob da Umfragen, Untersuchungen laufen oder nicht. Von der Community hier af den Freitag-Abonnenten zu schließen, halte ich für gefährlich. Da könnte sich herausstellen, dass die Schnittmenge realitiv gering ist.

Was wir brauchen ist eine corporate identity, ein sogenanntes Alleinstellungsmerkmal.

Und dann sollte man endlich auch mal in den Chefredaktionen von Spiegel bis sonst wo begriffen haben, dass sich die 4. Gewalt schon längst selbst entmachtet hat. natürlich muss die Nähe zur Politik da sein um an Informationen zu kommen, aber zum überwiegenden Teil hat man sich doch längst schon miteinander verbrüdert.

Das bekommt der Leser mit und er traut den Journalisten auch nicht mehr. Und um das Vertrauen zurückzugewinnen, reicht es nicht, einen Bundespräsidenten, oder einen zu Guttenberg wie die Sau durchs Dorf zu jagen. Und wenn man jetzt auch noch hergeht und nachträglich behauptet, die BILD hätte dabei gezeigt, dass sie auch Qualität abliefern kann, dann wird mir Himmelangst.

Es steht einfach zu befürchten, dass ein Bezahlmodell vielleicht das eine oder andere Medium retten kann, die Qualität wird sich dadurch aber nicht verbessern, solange man nicht endlich einsieht, dass man dabei ist Einheitsschrott beim Leser abzuladen.

Achtermann 01.06.2013 | 11:23

"Mit seriösem Journalismus hat das dann aber nichts mehr zu tun."

Wenn wenigsten du seriös argumentieren würdest. Niemand, nicht mal du, kann Gedanken aus dem Vakuum heraus generieren. Fast alles, was du gelernt hast, beruht auf dem, was andere schon vorgedacht haben, die sich wiederum auf andere beziehen. So ist das in einer Sprachgemeinschaft. Seltene Ausnahmen mag es geben. Grundlegendes unserer Gesellschaft, etwa die Gewaltenteilung, ist bisher geistig nicht getopt worden. Diese Schnorrermentalität "…warum sollte da jemand den Freitag im Netz bezahlen?", wie von dir postuliert, ist schon arg ich-zentriert.

Achtermann 01.06.2013 | 11:33

Lieber Georg von Grote,

ich kann und will deiner Analyse nicht widersprechen. Ich habe die von dir beschriebenen Vorgänge bei der FR beobachtet. Auswechslung der Chefredaktion (zu links), Annäherung an den Mainstream, Entlassung des Personals, Spardikatate... Genutzt hat es nichts. Jetzt gehört diese Zeitung dem Verlag, dessen Vorzeige-Publikation, die FAZ, in politischer und geistiger Konkurrenz stand.

eldorado 01.06.2013 | 11:37

Es ist schon verrückt. Alles ordnet sich wie selbstverständlich dem Materialismus und Kapitalismus unter.

Dieses System ist nicht gottgegeben. Ich würde eher sagen: "Das ist ein Werk des Teufels, weil es immer mehr die natürliche Lust zur Schaffenskraft der Menschen lähmt.

Der Technokratismus erblüht, dass es ein Schrecken ist. Auch hier geht es um ein Konstrukt, die Menschen in den Griff zu bekommen. Es geht nicht darum die Menschen in ihrer Schaffensfreude zu unterstützen, sondern sie sich gefügig zu machen.

Es werden immer mehr Brandherde entstehen von Menschen, die das nicht mehr auf diese Art dulden wollen. Gerade eben, vor ein paar Tagen, ist etwas in der Türkei am Entstehen. Wenn das Leiden zu gross wird, bricht das Geschwür auf.

JR's China Blog 01.06.2013 | 11:44

Ohne Kompromisse geht es tatsächlich nicht. Und andererseits verwässern Kompromisse in dem Maße die individuell gesetzten Ziele, in dem eine Organisation oder Bewegung wächst.

Mir scheint, es lohnt sich eher, in jeder Zusammenarbeit den größten gemeinsamen Nenner zu suchen. An der Umsetzung eines geschlossenen Weltbildes lässt sich nicht zusammenarbeiten, und das ist gut so.

Es empfiehlt sich, Gemeinsamkeiten zu suchen und allem gegenüber grundsätzlich aufgeschlossen oder indifferent (aber nicht ablehnend) zu sein, was nicht den eigenen Grundwerten zuwiderläuft. Es wäre das Gegenteil eines Ausschlussverfahrens (bei dem man immer betont, mit wem man schon mal gar keine Kompromisse machen würde), und das wäre konstruktiv.

Ich mag mich täuschen, aber mir scheint, gerade so funktionieren "soziale Medien". Was ihnen fehlt, und was in der realen Welt dazukommen muss, ist persönliche Verbindlichkeit.

Georg von Grote 01.06.2013 | 12:07

Ich muss hier mal ein Kompliment loslassen. Ein solche Diskussion, fokussiert auf das Thema, ohne ständige Spitzen und reibereien untereinander wäre vor einiger Zeit hier gar nicht möglich gewesen. Die FC hat sich geändert. Sie hat sich nicht angepasst, sie hat dazu gelernt.

Und für Jakob Augstein besteht auch gar kein Grund, sich angegriffen zu fühlen, bzw. dünnhäutig zu reagieren. Hier wird einiges an Pfunden von Argumenten abgeliefert, Argumente, die man nicht so leichtfertig vom Tisch wischen sollte.

Georg von Grote 01.06.2013 | 12:34

Ich führe ja parallel die Diskussion auf facebook. Ca 50% derer, die auf meiner Liste stehen, sind Journalisten. Die interessiert das Thema gar nicht, bzw. sie gehen ihm aus dem Weg. Zum Teil, weil sie selbst schon Teil des Sysems geworden sind, bzw. schon so konditioniert sind, dass sie gar nicht mehr wagen, den Mund aufzumachen.

Und jetzt soll mir einer mal erklären, wie ich mit solch einer Belegschaft wieder eine Unabhängigkeit der Presse herstellen und Qualität abliefern soll.

Hier wurde die Frage nach leyendecker gestellt. Der hat seit langer Zeit nichts mehr wirklich aufgedeckt. Vielleicht hat er ja noch was in der Pipeline, oder aber, der alte Kämpe ist müde geworden, was man ihm zugestehen muss. Aber wo sind die Nachwuchs-Leyendeckers?

Die gibt es hundertprozentig irgendwo, nur sie dürfen nicht mehr.

janto ban 01.06.2013 | 12:39

|| Zudem bekommt der Abonnent auch noch das Zeitungspapier für den Knüll, z.B. zwischen Umzugskisten, die Küchenabfälle, die Nottapete, das Notpapier in größter Not und andere ästhetische und lebensfreundliche Praktiken. (... ...) Trotzdem weitergärtnern! ||

Ich bin entzückt. Dass harte Kerle die besten Balladen schreiben, war klar. Aber dass die zu Vernünftigen die besten Scherze am Rande produzieren.. wer hätte das - außer mir - gedacht..? :o)

Jetzt aber zurück zur Sacharbeit. Momentchen..

blog1 01.06.2013 | 12:48

Schön, dass Sie den Ball mit der GmbH & Co. KG aufgreifen.

Es ist zwar richtig, dass JA als Kommanditist nicht mit seinem sonstigen Vermögen für den Verlag haftet.

Gleichzeitig ist es aber so, dass die geleistete Einlage des Kommanditisten futsch ist, wenn sich keine Gewinne einstellen. Insofern trägt auch der Kommanditist ein wirtschaftliches Risiko, das umso höher ausfällt, je höher seine Einlage ist.

Auf die Unterschiede zwischen tatsächlich geleisteter Einlage und Hafteinlage möchte ich hier nicht eingehen. Schließlich befinden wir uns nicht auf einem gesellschaftsrechtlichen Seminar.

ceebee 01.06.2013 | 13:03

Zitat Augstein:"Pech für die Schlecker-Frauen: Mit Putzmitteln und Körperpflegeprodukten lässt sich kein Krieg führen. Würde der Staat Israel für die Durchsetzung seiner machtpolitischen Interessen auf Zahnpastatuben setzen und nicht auf Atomraketen, die berufliche Zukunft von rund 13.000 Drogistinnen wäre sicher."

Ja, das ist Qualitätsjournalismus - ich werde ihn sicher sehr vermissen, sobald ich ihn mir nicht mehr leisten kann.

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Ehemaliger Nutzer 01.06.2013 | 13:07

spannender gedanke >>> die medienbranche hat sich selbst lahmgelegt, wie eine partei, die nicht an einem inhaltlichen programm für die erfordernisse der zeit arbeitet, sondern sich nur mit sich selbst beschäftigt ...

solange in der gesellschaft die rein materiellen werte und deren sicherung der maßstab für menschliches miteinander sind >>> bei bildung, gesundheit, umwelt, nahrung ... usw und keine besinnung auf einen ethischen kulturwandel stattfindet, wird dieser als immer größes defizit erkannt und zu recht eingefordert werden

anne mohnen 01.06.2013 | 14:07

Aber sicher, (1) Journalismus(!!) sollte bezahlt werden, insbesondere dann, wenn man ihn so braucht, wie "sein täglichglich Brot“! Deshalb reiben sich ja auch hier immer wieder diejenigen die Augen –Print-Maniaken, Junge und Alte hin oder her-, die sich fragen, warum Zeitungen seit Jahren ihren Kontent nahezu komplett ins Netz, auf FB für lau einstell(t)en. Dafür gab und gibt es sicherlich Gründe (sic!!!!!!). Und dazu sollt man dann auch stehen, oder?

(2) Für diejenigen, die die Geschäftspolitik von Springer verfolgen, ist die „Paywall“ keine Überraschung, schließlich denkt Mathias Döpfner doch seit Jahren laut über Bezahljournalismus im Netz nach! Nun machen "die" Ernst. An Hier interessierte mich als Zeitungsleserin zuvorderst: warum jetzt, was sind die Hintergründe bei Springer etc.?

(3) Amüsant finde ist, wie sehr die Altreflexe auf Springer noch funktionieren.

Im Fall von Springer hingegen, wäre einmal zu hinterfragen, ob diese „Altreflexe“ noch zu etwas taugen. Trotz aller Beteuerungen von Döpfner, ist zu bezweifeln, dass „die“ in Zukunft noch ihr Geschäftsmodell auf klassischen Journalismus bauen. Schaut man sich nämlich einmal die Gelddruckmaschine „Go feminin“ an, die Springer im Netz äußerst erfolgreich implementiert und lanciert hat, dann hat die dort angebotene Ware -„Information, Infotainment, Meinung“- kaum noch etwas mit klassischem Journalismus zu tun. Hier dient „Journalismus“ nur mehr als Vehikel, sozusagen als (meinetwegen dünnfädiges) Mäntelchen zur Generierung von riesigen Werbebotschaften und Einnahmen.

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Quelle: AGOF Internet Facts 2013-03, Basis: Onliner-WNK 51,45 Mio. Ø-Monat

Kennzahlen (je Monat)

Unique User:* 4,67 Mio.Visits:** 17.485.243PageImpressions:** 92.085.688

*Quelle: AGOF Internet Facts 2013-03

**Quelle: IVW April 2013"

Für diesen Erfolg, dass Mathias Döpfner sowohl ein Näschen als auch ein Händchen hatte, gebührt ihm und seinen Mitarbeitern_innen sicherlich unter Ökonomen und Werbeleuten aller Respekt. Was mit Briefzustelldiensten oder im TV floppte, könnte immerhin zur Freude der Aktionäre und auch des Multimillionärs und Mäzens Döpfern fluppen. Und dann hätte sich auch der tiefe Bückling vor Apples gerechnet.

Wenn es also um Bezahljournalismus im Netz geht, frage ich mich, ist Springer wirklich das geeignete Beispiel für ein nicht wegdiskutierbaresProblem? Und/oder wird nicht eher eine Nebelkerze gezündet, weil, beabsichtigt oder auch nicht, ausgerechnet Springer eher vom Thema ablenkt.

Also, gerne nochmals gebetsmühlenmäßig: Ob Print- oder Online-Journalismus und jenseits allen Springer-Bashings, wer sich zum klassischen Qualitätsjournalismus bekennt, muss ergo für Bezahljournalismus sein!!!

Deshalb werde ich ganz bestimmt keine Formate –Print oder Online- finanziell unterstützen, die Leute lancieren bzw. fördern, die weder ein Gespür für Qualitätsjournalismus haben resp. weder analysieren, recherchieren noch schreiben können. Wo Journalismus draufsteht, sollte auch Journalismus drin sein. Das bin ich daoch als Leserin der Zunft, meinetwegen der Demokratie schuldig, oder?

Berufsjugendlicher v2.0 01.06.2013 | 14:44

Danke für Deine ausführliche Analyse. Ob es noch um was anderes geht als um technische Machbarkeit der Abstufung von Zugriffsrechten im Internet, den rechtlichen Begleitschutz und Akzeptanzbeschaffung dafür, würde mich bei den Plänen von Springer und Augstein sehr interessieren.

Ich bin neugierig was GvG noch an Lösungsvorschlägen in seinem Alternativblog bietet zu den Fragen von Blog1.

Berufsjugendlicher v2.0 01.06.2013 | 15:53

Ja sicher gibt es kein Einheitsrezept, das ist ja auch der Fehler an der "Demokratieabgabe". Die ÖR haben die für sich die Lösung schon geschaffen, achnee das waren die ja die Bundesländer, aber die ÖR schrecken auch nicht vor dreister Vereinfachung zurück. Merkwürdigerweise sind Zeitungsverleger und ÖR nicht in einem Boot zu finden im Kampf gegen Ihr Wegbrechen als Säulen (heilige;-)

anne mohnen 01.06.2013 | 17:24

@ Rechercheuse,

ja, das stimmt! Nur, woher kommt das mit den „Minderheiten“. Wissen Sie mehr? Und stimmt das so:FAZ, dZEIT, STERN – alles Minderheiten-Leser ?;)

Bilder, (Filme) lassen sich manipulieren, tunen. Intelligenz, Leidenschaft, der Drall zur Wahrhaftigkeit, Recherche, gute Schreibe nicht!

Das wussten die Aufklärer schon vor 250 Jahren. Und leider ist das nicht veraltert.

Wer Qualitätsjournalismus will, der muss auch dafür zahlen – Abo, Abo, Aboooooooo- !! Wer keinen mehr geliefert bekommt bzw. keinen Bock darauf hat, zuzusehen wie geistige Fliegengewichte lanciert werden, macht erst recht die Fliege. So einfach ist das.

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Ehemaliger Nutzer 01.06.2013 | 18:24

ja, das stimmt! Nur, woher kommt das mit den „Minderheiten“. Wissen Sie mehr? Und stimmt das so: FAZ, dZEIT, STERN – alles Minderheiten-Leser ?;)

im vergleich zur bild wohl schon ... und viele, die nicht zur gesellschaftlichen elite zählen fühlen sich minder - sehen ihre stärke durch masse als naheliegendste möglichkeit der anerkennung (ich bin ja nicht allein, das sagen und tun doch so viele andere, da will ich teilhaben ... umso mehr, umso besser) - das alles wird natürlich psychologisch+ökonomisch instrumentalisiert, doch wem die möglichkeit zu selbstbewußtsein fehlt, zahlt gern diesen preis dafür ... und das sind sehr viele und unser bildungssystem hat wenig mit denken lernen und zusammenhänge verstehen zu tun ...

"Nach Luhmann werden Medien aufgrund ihrer Kommerzialisierung zwangsweise popularisiert. Der Primat von Unterhaltung über Information wird nachhaltig etabliert. Die Gesetze des Marktes verlangen eine unerbittliche Orientierung am Publikum, das mit einer ausgesprochenen Unterhaltungsorientierung und hoher Konsumbereitschaft die medialen Angebote bestimmt. Diese werden als Infotainment einfach, spielerisch, emotional und erlebnishaft aufgearbeitet. Frage: Hat die McDonaldisierung der Medien bereits zu einem McJournalismus geführt?

Die Intensivierung massenmedialer Kommunikation führt zu einem seit einigen Jahrzehnten beobachtbaren Wandel im kulturellen System: Das kulturelle Geschehen tendiert immer stärker zur Vermassung. Woodstock, Soap Operas, Love Parades, Sportanlässe oder auch die Kirchentage legen ein beredtes Zeugnis dieser Tendenz ab. Gegenüber den Massenmedien sind die ”alten” Medien (Literatur, Theater, Musik, Bildende Kunst) in eine nachgeordnete Position gerückt. Die kontinuierliche Innovationsfolge im massenmedialen Bereich und die damit einhergehende mediale Verdichtung führen zu einer Intensivierung der Medienrezeption. Die bereits durch die Einführung von Radio und Fernsehen einsetzenden tiefgreifenden Veränderungen des Alltags werden durch die Etablierung von Multimedia, Computer und Internet fortgeführt."

http://www.studgen.uni-mainz.de/ws9900/schwerp3/schwerp3.htm

Columbus 01.06.2013 | 19:34

Als bekennender und überzeugter Knüller und Blattfalter (Janto Ban), so manches vergängliche dF-Blättchen und Doppelblättchen aus der Zeitungsmitte versuche ich aber auch zu konservieren, gegen den Zerfall des Filthpapiers, habe ich jedoch auch ein großes Manko meiner Ansichten zum bezahlten redaktionellen Inhalt, egal in welchem Medium er rezipiert wird, entdeckt.

Verlangen alle Medien Geld am Stadttor, dann übersteigt die Summe der Zölle für Einzelartikel und/oder Gesamtausgaben oder Abonnements natürlich auch den ökonomischen Willen und das Können der verbliebenen deutschen und intelligenten Mittelschicht, die allerdings selbst dann Qualitätsangebote oftmals ablehnt, wenn sie wirklich völlig gratissime sind (z.B. Kunstzeitung, z.B. Infos zur pol. Bildung, z.B. Goethe-Institute und angeschlossene Einrichtungen).

Vom Vergleich der mehr oder minder zugänglichen, schon veröffentlichten Informationen und Meinungen lebt nämlich ein Großteil der Journalisten selbst und vor allem auch der gemeine Blogger, sofern er sich nicht als Berufs- oder Gelegenheitsblogger selbst vermarktet oder mit einer vermuteten oder tatsächlich vorhandenen Spezialfähigkeit anbietet.

Gerade ein Meinungsmedium lebt in der Meinung vom freien Zugang zu anderen Meinungen. Ich hoffe natürlich immer, es seien auch die qualifizierten Ansichten dabei. Grundsätzlich ist das Geschäft eines Journalisten und eines Bloggers, der was Verlässliches beitragen will, auf den freien Zugang angewiesen. - Der Verbreitung von exaktem und nachprüfbaren Wissen sehr im Wege, steht z.B. die unnötige Paywall vor so mancher Wissenschaftspublikation, die letztlich öffentlich-rechtlich beseitigt gehörte, weil das der Bildung schadet.

Sie haben also Recht, Berufsjugendlicher, es geht auch um viel Rechtliches, das die Medienhäuser öffentlich und transparent, vor allem nicht kleingedruckt, vorstellen müssten. Bisher tun sie das nicht, was mit ihrer Kaufmannsrolle zu tun hat. - Die erste Pflicht, schon zur Zeit der Fugger und Welser, Geschäftsgeheimnisse und Gewinnmargen nur mit den allerbesten Geschäftspartnern teilen. Das ist nämlich der Hauptgewinn des Kaufmanns und ein altes Händlergebot dazu lautet Verschwiegenheit. - Das ist geradezu der Widerspruch zur Funktion der Presse und des Journalisten in einer Demokratie.

Z.B. sollten sich die 10 ernsthaften Presseverleger des Landes, so sehr sie eben auch Kaufleute und nicht Journalisten sind, denen kaufmännisches Denken immer schon einen journalistischen Defekt einbaut, -wie Ärzten, wenn sie gezwungen werden um geschäftlich zu überleben-, überlegen, wie sie bei einem Online-Abo bei einer Presseeinheit, den Zugang auf die Angebote der anderen Blätter frei halten oder erleichtern können. Das ginge z.B. so, dass ein volles Dauerabo bei einer regelmäßigen Zeitung einen erleichterten Zugang zu anderen Zeitungen ermöglicht.

Das ist ja bisher der größte Vorteil des Web, den allerdings auch nur wenige Blogger für ihre Anliegen nutzen. Steht erst einmal eine Bezahlschranke, dann sinkt der freie Zugang zu den Informationen ab und auch die Vergleichbarkeit der Meinungen wird deutlich erschwert. - Ich finde, das ist ein Riesenproblem, denn ich will doch diese Netzfreiheit, heute ´mal den Prantl zu Mollath zu lesen und morgen den Ulrich Ladurner zum Iran, nicht wieder eintauschen gegen die Einförmigkeit der Ärgernisse meines Leib- und Magenblattes.

antares56 01.06.2013 | 09:52

Sie müssen bei Jakob Augstein trennen zwischen, dem Verleger, dem Sprecher einer Erbengemeinschaft, die gerade nicht die Mehrheit an einem der bekanntesten Zeitungshäuser hält und dem Journalisten Augstein.

Ich bin zum Beispiel der Meinung, dass Augsteins SPON-Kolumnen fast regelmäßig nicht nur einen anderen Blick als der Presse-Mainstream vermitteln, sondern auch sprachlich manches Mal deutlich über Par liegen. Dazu argumentiert Augstein in einer journalistischen Gattung (Kolumne), in der das recht eigentlich eher selten ist. Als Reporter kann er und will er derzeit nicht arbeiten. Zudem macht er ja auch noch ein paar andere mediale Sächelchen und hat hoffentlich ein Privatleben.

Originalität in der Presse, das ist so eine Sache. - Ich halte es ja eher für eine gewisse Gefahr, wenn ein bekennender Journalist (Herzblut, Interviews, Preise) es darauf zu sehr anlegt. Dann sollte er vielleicht in ein künstlerisches, wissenschaftliches oder irgendwie kreatives Fach wechseln. - Mit der Zeit und unter glücklichen Bedingungen, ja, das werden auch journalistische Texte vielleicht Kunst und zutiefst originell.

Zudem gehe ich von mir selbst und dem was ich lese, höre und sehe aus, und denke nun recht überzeugt, Originalität wird als Befehl und Anspruch an Autoren oder Schreiber in Medien gewaltig überschätzt.

Mir sind die anderen Tugenden des Standes, sofern sie gepflegt werden, eigentlich wichtiger: Unabhängigkeit, nur berichten und schreiben, was man auch belegen oder glaubwürdig argumentiert vorbringen kann, tatsächlich Filter sein und sogar von der eigenen Meinung Abstand halten können, also Selbstkontrolle, Mut, Fehler und Unsachlichkeiten einzugestehen, Unwissen zuzulassen und öffentlich zu machen, andere Meinungen, sofern sie im eigenen Text erscheinen, möglichst nicht zu verzerren, usw. - Das klingt, wenn ich es selbst so lese, recht trocken. Finden sie nicht? Aber ich glaube, so sind eigentlich Berufe, die um ständig wechselnder Sachen willen, für eine Öffentlichkeit betrieben werden, zu einem großen Anteil nun einmal.

Öffentlich-rechtliches Modell oder Mischformen, statt Verlegerpresse?

Das ist bisher wohl zu kurz gekommen, weil eben Verleger als Kaufleute argumentieren. - Tatsächlich wird es nicht ohne solche ö.-r. finanzierten Zusatzfunktionen weiter gehen, bleibt der Kapitalismus, was er und wie er ist.

Mein Eindruck ist z.B., dass gerade der Journalismus um Europa, die deutschen Nachbarn, Afrika, Südamerika, schwer unter der mangelnden Vermarktbarkeit leidet und das zu einem erheblichen Informationsdefizit beiträgt. Es wird sich nicht ändern, denn auf Auto, Motor, Sport und TV und viel journalstischer Selbstreferenzialiät, bei der sich Polemiker zum gegenseitigen Geschäftserfolg virtuell die Schädel spalten, kommt nur ein Bruchteil an dieser anderen, notwendigen Info, einmal von der umfassenden Berichterstattung über unsere Lieblingsgroßtiere und den ewigen Adolf unserer Geschichte einmal abgesehen.

Hier müssten die Verleger als Journalisten und ihre Angestellten aber Forderungen stellen, denn z.B. mit einem qualifizierten und nachhaltigen Fianzierungsmodell zur Auslandsreportage und Kulturreportage durch und über die Nachbarn käme ein Qualitätsschub in die Zeitungen die sich noch Presse nennen.

Beste Grüße und gutes WE

Christoph Leusch

laubfrosch 01.06.2013 | 19:41

nutzen wir mal die vielfalt des www. ...

in einem anderen forum, bei politik-sind wir habe ich dieses thema zur diskussion gestellt :

http://www.politik-sind-wir.de/showthread.php/37599-Pay-Wall-das-Ende-von-gratis-im-Internet

dort schreibe ich unter dem namen "chuzpe" und lest selbst wie die reaktionen sind.

das treibt mir echt die tränen in die augen ....

selten habe ich mich so ohnmächtig gefühlt, niemals wirklich keine mitstreiter mehr gefunden.

laubfrosch 01.06.2013 | 19:52

genau so ist es jakob, oder herr augstein, welche anrede dir/ihnen auch lieber ist.

wir wandeln gruseligen zeiten entgegen wenn keiner mehr die arbeit eines leyendeckers bezahlen will.

auch die gesamten politikforen im netz, von spon über das gescheiterte politik.de der polidia gmbh. , über politik-forum.eu ( mein baby mit vielen anderen eltern ), politopia.de, das nun ebenfalls geschlossene politikboard.org, politiksind wir.de, speakers-corner, meinungsbaum und sogar die braune hetzbude politikforen.net ...

die alle können ihre debatten einpacken, wenn es keine leitmedien mehr gibt die man zitieren kann in der gewißheit dass die zitate gerichtsfest sind.

wenn wir die gesamte journalistische arbeit in die hände von schall und rauch oder nachdenkseiten legen, dann sind wir verloren. dann ist die 4.e kraft, die freie presse, faktisch nicht mehr existent.

das ende wird die totale berlusconisierung der zivilgesellschaft sein ..

mfg laubfrosch

laubfrosch 01.06.2013 | 19:54

genau so ist es jakob, oder herr augstein, welche anrede dir/ihnen auch lieber ist.

wir wandeln gruseligen zeiten entgegen wenn keiner mehr die arbeit eines leyendeckers bezahlen will.

auch die gesamten politikforen im netz, von spon über das gescheiterte politik.de der polidia gmbh. , über politik-forum.eu ( mein baby mit vielen anderen eltern ), politopia.de, das nun ebenfalls geschlossene politikboard.org, politiksind wir.de, speakers-corner, meinungsbaum und sogar die braune hetzbude politikforen.net ...

die alle können ihre debatten einpacken, wenn es keine leitmedien mehr gibt die man zitieren kann in der gewißheit dass die zitate gerichtsfest sind.

wenn wir die gesamte journalistische arbeit in die hände von schall und rauch oder nachdenkseiten legen, dann sind wir verloren. dann ist die 4.e kraft, die freie presse, faktisch nicht mehr existent.

das ende wird die totale berlusconisierung der zivilgesellschaft sein ..

mfg laubfrosch

blog1 01.06.2013 | 20:00

Wow, jetzt bin ich aber geplättet.

Nur verwechseln Sie da nicht etwas. Bei dem Freitag geht es nicht um ein massenmediales Phänomen, sondern um die Frage, inwieweit eine Lesergruppe identifiziert werden kann, die für das bezahlt, was ihr angeboten wird. Es wird immer Menschen geben, die sich von Massemedien nicht angezogen fühlen, sie sogar ablehnen. Das ist zwar nicht die Mehrheit, aber dem Freitag würde es schon reichen, wenn er seine Abonnentenzahl (derzeit ca. 15.000) verdoppeln könnte.

pleifel 01.06.2013 | 20:02

"Bild hat sich in den vergangenen Jahren mit der politischen Berichterstattung viel journalistischen Respekt erworben."

und

"Ohne Journalismus gibt es keine Demokratie".

Bei wem hat sich Bild journalistischen Respekt erworben? Bei Ihnen Herr Augstein? Sie überraschen mich immer wieder!

Hier im Blog wird durchweg von der "Bildzeitung" gesprochen. Ich möchte doch anregen, nur noch von der "Bild" zu sprechen, denn Bild ist für mich keine Zeitung!

Wenn Herr Augstein diese Art von Journalismus meint (Bild), die die Demokratie benötigt, dann frage ich mich doch, welchen Platz nimmt dann der Freitag ein?

Und was das bezahlen betrifft:
1. Soll Online eine zusätzliche Informationsquelle sein oder mehr eine technische Variante der Wochenausgabe? Davon würde ich meine Entscheidung abhängig machen.
2. Ich würde gerne mal die Preisvorstellung dafür erfahren. Junge Welt nimmt zum Abo 5 Euro pro Monat zusätzlich. Da ist man doch gerne dabei.
3. Und der ewige Hinweis auf das kleine Team nervt, was die "Onlinegestaltung" betrifft. Hier würde ich doch glatt mal einen Werkvertag für externe Profis vorschlagen, die konkrete Vorgaben auch konkret umsetzten können. Vielleicht liegt es aber eher an der "Unkonkretheit" der Vorstellungen.

JR's China Blog 01.06.2013 | 20:42

Vielleicht klage ich zu wenig an - aber das möchte ich auch nicht. Ich glaube nicht, dass ich damit überzeugender wäre als mit Nüchternheit. Aber natürlich ist das auch ein gelerntes Verhalten, oder Gewohnheit.Ich gebe Ihnen eine Story, die mein Vertrauen in die deutsche Medienlandschaft nicht ausschließlich, aber doch deutlich miterschüttert hat - über die China-Abteilung der Deutschen Welle. Nur die "Neue Rheinische Zeitung" (vermutlich weder Ihr noch mein bevorzugtes Medium) ging dem nach, und danach dann auch der Evangelische Pressedienst. Hätte ich mich nicht an mehrere Betroffene in der Geschichte gewandt, hätte ich nur von der NRhZ gewusst (als einzige deutschsprachige Quelle online), und hätte es nicht geglaubt.Der DW-Story folgten Arbeitsgerichtsverfahren. Ich zitiere die Offline-Ausgabe des Evangelischen Pressedienstes vom 17.02.2012, mit einer Nebenbemerkung zu einem der Verfahren:
Von grundsätzlicher Bedeutung könnte ein weiterer Punkt sein: Für eine Nicht-Weiterbeschäftigung könne es ausreichen, dass der Sender als eine Anstalt des öffentlichen Rechts nur die Annahme hege, der betreffende Mitarbeiter sei Kommunist oder Anhänger des Nationalsozialismus, sagte Olesch. Ob diese Annahme überprüft worden sei, sei für die juristische Frage, ob eine Diskriminierung bei der Nicht-Weiterbeschäftigung vorliege, nicht von Bedeutung. Den Vorwurf, Kommunist oder Neonazi zu sein, hatte die DW gegenüber den Klägern allerdings gar nicht erhoben.EPD Medien Nr. 7, 17.02.2012, S. 14.Ich möchte nicht ausführlicher werden. Ich möchte nur sagen: ich bin sicher, dass der deutschen Presse diese Story nicht entgangen ist. Sie möchte nicht darüber reden. Und was glauben Sie, wie sich chinesischstämmige Journalisten fühlen, die just an das Deutschlandbild glaubten, das die DW vermittelte?Und wissen Sie, was ich denke, wenn ich von einem Verleger einen Satz lese wie Es geht um die Standfestigkeit einer Säule der westlichen Demokratie?Ich halte mich zurück, Laubfrosch. Aber ich finde einen solchen Satz albern. Berlusconi und seine Medien sind offensichtlich seicht. Aber ich frage mich, warum die Berlusconisierung schlimmer sein soll als der vordergründige Eindruck der Genauigkeit, der Gewissenhaftigkeit, oder des Pluralismus. Der kann leicht täuschen.

laubfrosch 01.06.2013 | 20:49

zitat :

Aber ich frage mich, warum die Berlusconisierung schlimmer sein soll als der vordergründige Eindruck der Genauigkeit, der Gewissenhaftigkeit, oder des Pluralismus. Der kann leicht täuschen.

diese frage stelle ich mir nicht und will ich auch nicht diskutieren.

das ist eine nebelkerze, eine ganz andere debatte.

darauf gehe ich im weiteren nicht ein.

sorry, aber da bin ich ganz ehrlich und direkt, da bin ich dann abweisend.

laubfrosch

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Ehemaliger Nutzer 01.06.2013 | 21:22

wer lust hat, kann ja mal darüber nachdenken - warum allein in der ddr ganz locker 20.000 verkauft wurde ...

Früher war alles besser. Natürlich auch im Zeitungswesen. Zum Beispiel der Sonntag, der dem Freitag voranging. Zwanzigtausend Auflage, dabei hätten wir eine Million verkaufen können, oder zwei oder drei, aber wir durften ja nicht, die Leser konnten ein Sonntag-Abo nicht erwerben, nur erben. Die kulturpolitische Wochenzeitung der DDR hatte nämlich einen schlechten Ruf: Sie war von der Partei als „konterrevolutionäre Plattform“ enttarnt; außerdem herrschte Papierknappheit. Nachdem jene Marxisten, die ihre Vorschläge zur Verbesserung des Sozialismus im Sonntag platziert hatten, längst verhaftet waren und ihre Strafe schon abgesessen hatten, als der Duft der Rebellion verflogen war, da kamen wir, die Absolventinnen.

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/was-hatten-wir-musse-damals-beim-sonntag

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Ehemaliger Nutzer 01.06.2013 | 23:31

Hallo Herr Augstein Hallo zusammen

ich möchte hier ja niemanden die Illusion über den Zustand unserer Demokratie und den der Presse als Regulativ innerhalb der demokratischen Instanzen nehmen. Aber ich stelle jetzt hier 2 Links ein die zeigen, wie ausländische Presse im Gegensatz zu unserer berichtet.

Es geht um die heutige Blockupy-Veranstaltung in Frankfurt, an der ich teilnahm. Es geht darum, dass die Polizei die Demo schon nach 15 Minuten mit einer spitzfindigen Begründung stoppte. Jeder weiß, dass es beim stundenlang einkesseln der Demonstranten und dem unverhältnismäßigen Einsatz von Pfefferspray einzig und allein darum ging, die Demo zu sprengen und das Recht auf Demonstrationsfreiheit auszuhebeln. Die Polizei weiß das, die Demonstranten wissen es und die Medien hätten es auch wissen können. Aber man begüngt sich damit, Spitzfindigkeiten in den Raum zu stellen und zu diskutieren, statt die Dinge auf den Punkt zu bringen....

So berichtet die ausländische Presse:

http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=nCGqRDW9C7U#!

und so die deutsche...

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1913406/Blockupy-Bewegung-mischt-Frankfurt-auf#/beitrag/video/1913406/Blockupy-Bewegung-mischt-Frankfurt-auf

viel Spass beim schauen und nachgrübeln über den Zustand und unserer Demokratie und unserer Presse

karamasoff 02.06.2013 | 00:06

Bei vielen Printmedien habe ich einfach nicht mehr den Eindruck, als ginge es um etwas anderes als den Content zu befüllen fürs Business egal wie und vor allem egal von wem.

Desweiteren beschlich mich in den letzten Jahren immer mehr der Eindruck, daß Journalismus ein weiter "irgendwas mit medien"-Beruf in einem "irgendwas mit Demokratie"-Umfeld auf der Basis von "irgendwas mit Knete"-Ideoleogien.

Als könnte man Journalist werden, so wie man Superstar durch DSDS wird. Das funktioniert nicht, Defizite werden irgendwann sichbar, wenn sie es nicht sofort schon sind.

Der Grundtypus dieses eindimensionalen und ehrfahrungsarmen Karrieredenkens bekam mit Helmut Kohl wohl seinen letzten Schliff: Parteikarriere "irgendwas mit Politik".

Insofern würde ich die Problematik so bezeichnen:

"irgendwas mit nicht mehr kostenlos"

Es helfen nur noch Paradigmenwechsel, insbesonders beim Leser.

Den halte ich nämlich für das noch grössere Problem

Fro 02.06.2013 | 01:20

"Was einen Wert hat, soll einen Preis haben." (Döpfner)


„Der Rausch des freien Netzes ist vorüber.“ (Augstein)

Sehr witzig.

Wie wollen denn die Herren in Zukunft die oft genutzten werthaltigen Leistungen Wikipedias, der Suchmaschinenbetreiber, Blogger, der inhaltlich bereichernden und inspirierenden Kommentatoren, Interviewpartner und der vielen Informationsgeber vergüten? Davon bisher kein Wort!

Das „Netz“ ist ein Feld des freien Gebens und Nehmens. Das ist revolutionär. Wer aus dem „Netz“ nimmt, sollte auch bereit sein Gleichwertiges zurück zu geben. Für Extras kann – wenn existentiell nötig - ein leistungsbezogenes Entgelt genommen werden.

Fro 02.06.2013 | 02:27

Ja, so ist es wohl. Wäre aber doch schön, wenn sich Jakob Augstein in dieser Angelegenheit als 'wahrer Freigeist' entpuppte und nicht auf Springers profitorientiertes Finanzierungsmodell wartete, sondern seine Zeitung zu einem echten Freiheitsblatt für Politik-und Kulturinteressierte – Leserpotenzial zur Zeit 25% - machte und (danach) mit fähigen Beratern (unter Einbeziehung der FC) ein kluges, gerechtes und erfolgversprechendes eigenes Finazierungsmodell entwickeln würde.

anne mohnen 02.06.2013 | 08:19

Liebe Rechercheuse,

Sie ersetzen das Wort „Minderheit“ durch „Elite“ und beantworten damit meine Frage nicht. :) Wer eine Tageszeitung und/oder Wochenzeitung liest, gehört noch nicht notwendig zur „Elite“ gehören. BILD ist sicherlich kein Underdog-Blatt!!

Was Sie da über Luhmann schreiben, passt auch zu McLuhan. Aber, was soll’s. Ich stimme Ihnen ja in vielen Punkten zu. :)

Der Casus Knaxus ist doch, wie Blog1, auf den Punkt bringt: dass z.B. beim dFreitag die Abo-Zahlen nicht schnell genug wachsen. Da hilft es auch nichts, wenn der eine oder andere an die „goldene Sonntag bis Freitag-Ära“ erinnert. Als JAugstein den Freitag 2008 kaufte, lag das Blatt in einem lebensbedrohlichen Koma. Und, puhhhhhhh, bringen Sie mal einen Komatösen auf die Beine.

Ich finde die Statements, die ich im Laufe der Zeit hier gelesen habe auch wohlfeil: „Ja“ zur Zeitung, doch bitte kein Abo!“ Und dann kommen die Selbstentlastungsargumente: „Print sei „old-fashioned“, man sei online-affin“. Fakt ist, dass derzeit mit Print die Sause bezahlt wird.

Es stimmt ja, dass gerade Zeitungen als Garanten für Meinungsvielfaltzu einer Demokratie dazugehören, wie das Salz zum Leben. Deshalb braucht es ein vielfältiges Angebot an Zeitungen. Ob Print oder Online, das Problem ist alt.

Ich will Zeitungen, die gut, hochprofessionell sind. Deshalb bezahle ich gerne für die Blätter, die ich abonniert habe.

Über „gut“ lässt sich dann sicherlich streiten. Da muss am Ende jeder sein Blatt finden. Ich habe da recht schlichte Vorstellungen: Ein Blatt muss sich auf die relevanten „gesellschaftlichen Systeme“ (Luhmann) beziehen: So wenig es mir darum geht, meine Meinung abgebildet zu sehen, so sehr muss für mich eine Richtung erkennbar sein: Aufklärung!!!!

Und dann müssen es handwerklich und inhaltlich gutgemachte Texte sein. Letzteres sollte auch das geringste Problem sein, denn es gibt genug junge und alte Journalisten_innen/Schreiberlinge im Land, die das können.

anne mohnen 02.06.2013 | 10:05

Sie schreiben: "Dummerweise gewinnen in der sog. Informationsgesellschaft einerseits die Info-Discounter, auf der anderen Seite distinktionsbewusste Traditions – und sog. Qualitätsmedien wie die ZEIT, die nicht über paywall u.Ä. nachdenken müssen, weil ihr Onlineangebot auf ganz anderen Kapitalstock-Dimensionen und Fusionen fundiert, als dies bspw. beim Freitag der Fall ist.“

Sie haben recht, dZeit und dF sind nicht vergleichbar! Und das meine ich gar nicht despektierlich oder gar gegen die dF gerichtet.

Obwohl Gianni di Lorenzo für mich einer der herausragendsten Blattmacher ist, der dZ weiter vorangetrieben hat, steckt auch Zeit-online knietief in den roten Zahlen. Das können die auf Dauer nicht einfach schleifen lassen. DZ verfügt sicherlich über mehr Ressourcen, kann das aussitzen und u.U., ohne dass man sich groß aus dem Fenster legen müsste, abwarten, wie die Märkte sich regeln. Das kann sich ein Verleger wie Jakob Augstein nicht leisten. Nachvollziehbarerweise und ist er deshalb nervöser, besorgter, fahriger. Da geht es ja um das Überleben des Blattes, um eine Vision von Zeitungsmachen, Journalismus, aber auch um die wirtschaftliche Existenz seiner Mitarbeiter, für die er Verantwortung trägt. Das alles wiegt sicherlich sehr schwer, drückt (...)

Sie schreiben zur Qualität und über Recycling: „Is` ja üblich im Business mehrere Varianten eines Beitrags zu irgendeinem Thema im Zuschnitt auf das jeweilige Medienprofil der Adressaten bzw. Verteiler der Publikationen zu erstellen und gezielt anzubieten – wenn man das Dickicht der Verflechtungen mal durchschaut und die in der Branche mittlerweile üblichen Knebelverträge zu Verwertungsrechten aufmerksam gelesen hat.“

Nun, das Interessante beim Googlen ist ja, das nicht nur innerhalb einer Mediengruppe mächtig recycelt wird, sondern das die Zeitungen sich gegenseitig recyceln. Ich hab‘ das mal für Rezensionen über den Kracht-Roman „Imperium“ nachgewiesen. Das war erschreckend.

D’accord: „Als Vertreter dieser Minderheit wünsche ich mir z.B. Online-Privilegien wie einen sofortigen Zugriff auf die hier zeitverzögert eingestellten Beiträge der Printausgabe.“

JR's China Blog 02.06.2013 | 10:12

Über den Zustand unserer Demokratie finde ich allerdings auch etwas in Frau Maas' Redeausschnitt:

"Meine Generation sollte auf jeden Fall die Macht dazu haben. Wir sind jung, wir sind die Menschen, die was bewegen können, wir können so Aktionen machen, und später sind wir die Leute, die irgendwie den Staat leiten."

Zum Vergleich, etwas 1848er Fiktion:

»Warten Sie man bloß, Fru Konsulin, dat duert nu nich mehr lang, denn kommt ne annere Ordnung in de Saak; denn sitt ick doar up'm Sofa in' sieden Kleed, un Sei bedeinen mich denn.«

Kurz: man wird auf jede/n Staatsführer/in gut aufpassen müssen, wenn er/sie es denn einmal geworden ist. ;-)

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Ehemaliger Nutzer 02.06.2013 | 10:40

Danke für die anregende Rückmeldung!
Ich denke in Kategorien von qualitätsorientierter Leser – und AbonnentInnen Privilegierung versus Paywall. (was evtl auch das Abschreibeunwesen eindämmen könnte)
Man lockt zahlende Netz-Kunden an, indem man diesen besondere Rechte und Räume einräumt bzw. diese schafft.
Das geht technisch relativ einfach, man kann bspw auf die Printausgabe einen Zahlen – als Gutscheincode drucken, der nur in Kombination mit einer Geheimzahl funktioniert und zum Login in Premiumbereiche wie z.B. ausführliche Reportagen und das Archiv – hier von Woche zu Woche – berechtigt. Nach einer Registrierung könnten so auch KioskäuferInnen in diesen Bereichen mitdiskutieren. Besonders attraktiv wäre dies, denke ich, wenn dann der/die Autorin an einem bekannt gemachten Tag, möglichst dem Erscheinen, für ein-zwei Stunden mit der community diskutiert.
Publiziert man dies ein paar Tage später für alle, hat man auf die qualitativ hochwertigen Berichte und Beiträge einen Marker gesetzt, der auch für nicht-zahlende Netzflaneure so attraktiv sein könnte, daß sie beim nächsten Mal die Zeitung kaufen – um das zeitlich limitierte Interaktionsprivileg mit anderen Leser/Abonnentenkreisen und der Redaktion zu teilen.

Ein wenig soziale Netzphantasie könnte der Debatte nicht schaden, denke ich.

BG

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Ehemaliger Nutzer 02.06.2013 | 10:43

Hat eine Vision: Mathias Döpfner

Bittschön, das liegt in der Familie. Schließlich ist der Mathias dem Kardinal Döpfner sein Bub (oder Enkel?).

"Was einen Wert hat, soll einen Preis haben."

Ein Wort, das mich zu Tränen rührt. Ist ein Ding vorstellbar, das einen höheren Wert hätte als die köstliche niederbayerische Landluft, die ich mir bei jedem Atemzug einpfeife? Ein, zwei, drei Minuten ohne diese Köstlichkeit und es derlaibelt mich. Für dieses Privileg des Atmenkönnens zahle ich gerne an den Staat oder - besser noch, da wirtschaftsfördernder - an die Fresh Air Company Ltd. meine Sauerstoff-Flatrate. Und weil ich bei jedem Ausatmen die CO2-Bilanz dieser unserer Erde verschlechtere, zahle ich gerne noch eine Klimaschutz-Abgabe. Man hat ja 1 Verantwortung.

Springer will der Kostenlos-Kultur im Netz den Garaus machen. Wenn es einen Verlag gibt, der dieses Ziel erreichen kann, dann ist es Springer.

Wenn es 1 Verlag gibt, für dessen Dienstleistungen ich keinen 1zigen roten Heller über den (wirrtüllen) Ladentisch schiebe, dann ist es Springer.

Auch wenn manche Netzfundamentalisten das noch nicht wahrhaben wollen: Der Rausch des freien Netzes ist vorüber. Es ist der Morgen danach. Wir wissen jetzt, wenn sich nichts ändert, wird es guten Journalismus bald nicht mehr geben.

Nun, nun. Richten wir unseren Blick nur mal auf Fernsee und den Radio. Was kann man sich dort anschaugen und anhören, ohne auf der Stelle zu verblöden und sofort anschließend seine unsterbliche Seele auszuhauchen? Richtig, es sind die Öffentlich-Rechtlichen Sender. Nicht, daß einen die Öffentlich-Rechtlichen Sender zu genußvoll schnalzenden Ekstasen hinrissen, aber im Vergleich zu den Privatsendern sind es Oasen in der Wüste.

Und, was ist den Öffentlich-Rechtlichen Sendern per herrschender Rechtsprechung verboten? Richtig, es ist ihnen verboten, die Texte zu ihren Sendungen vollumfänglich im Internet zu verbreiten. Weil? Weil sonst die privaten Anbieter von Textinformationen weinen müßten. Weinende Zeitungen, das kann nicht angehen.

Guter (leidlich guter) Schurnalismus wär also durchaus da, aber er ist leider, leider nicht in privater Hand. Es gibt keine Aktionäre von ARD oder ZDF, die aus den Leistungen anderer Leute höchst privaten Gewinn überwiesen bekommen. Ich bin jetzt mal ganz kühn (gehe die Gefahr ein, mich lächerlich zu machen) und behaupte, die Öffentlich-Rechtlichen Sender seien in der Medienlandschaft Deutschlands ein winzekleinesbißchen Stück vom Sozialismus, an welchem Umstande sich das Herz eines irgendwie linken Menschen eigentlich höchlichst erwärmen sollte.

Aber 1 Sozialismus, wo ich keine Dividenden aus Aktienbesitz bekomme, ist natürlich eine fade Sache, für Leute, wo ihr Geld in Aktien anlegen können, statt ihr Einkommen Monat für Monat verkonsumieren zu müssen.

Ohne Journalismus gibt es keine Demokratie. Vielleicht ist unser Journalismus nicht gut genug. Sicher ist unsere Demokratie nicht gut genug. Aber das eine braucht das andere, und das Netz untergräbt beides.

Das Netz untergrübe unsere Demokratie und den Journalismus gleich mit? Den größten Teil meines verpfuschten Lebens habe ich mit ohne Netz verbracht. Es gab Buchverlage, Zeitungen und es gab Sender, und ich hatte die Möglichkeit, diesen Zeitungen, diesen Sendern Ideen oder Texte zur Publikation anzubieten. Ich habe diese Möglichkeit genutzt, genutzt hat es nichts, bis auf eine klitzekleine Ausnahme (die "Sonntagsbeilage" von Michael Skasa vom Bayerischen Rundfunk hat in den achtziger Jahren drei kleine Beiträge von mir veröffentlicht).

Durch das Internet kann ich inzwischen meine Gedanken der Welt zur Kenntnisnahme geben. Nicht, daß meine Gedanken sonderlich zur Kenntnis genommen würden (auf meiner Website habe ich ca. 30 Besucher täglich, auf meinem Blog sind es ca. 20), aber verdammt wenig ist unendlich viel mehr als nichts.

Ich bin egoistisch, gewiß, aber für mich hat das Internet einen klitzekleinschmalen Pfad von meinem Schreibtisch hinaus in die Welt geschaffen.

Immer noch verdient kein Medium im Netz das Geld, das notwendig wäre, auf Dauer eine auskömmliche Existenz zu sichern und gleichzeitig den journalistischen Auftrag zu erfüllen: Herrschaftskontrolle. Mit dem Geld der Anzeigenkunden allein wird das nicht gehen.

Mit dem Geld der Anzeigenkunden Herrschaftskontrolle auszuüben ist, als wollte man den Bock zum Gärtner machen. Die relevanten Anzeigenkunden (also nicht die Kleinanzeigen a la "Erwin sucht eine Frau, welche Frau erbarmt sich Erwins?") sind nämlich genau diejenigen, die Herrschaft ausüben. Herrschaft nämlich kommt in unseren Landen nicht von der Politik, sondern von der (anzeigenschaltenden) Wirtschaft.

http://theodor-rieh.de/heinrich/Bilder/Kanzler_Flick.jpg

Wenn Journalismus eine Zukunft haben soll, muss der Leser zahlen. Aber der Leser hat im Netz das Zahlen für Inhalte verlernt. Inhalte sind der freiverfügbare Rohstoff der Online-Welt. Ungeachtet ihrer Qualität. Das ist gefährlich. Die Verlage werden ihren Lesern den Unterschied zwischen Qualität und Quantität wieder beibringen müssen.

Meine Heimatzeitung, die Passauer Neue Presse, hält es schon seit Jahren so, daß viele Meldungen oder Kommentare im Internet nur teilweise zu bekommen sind. Das Thema wird angerissen, wer mehr erfahren will, wird auf die Printausgabe verwiesen. Das Modell scheint zu funktionieren, ansonsten es sich längst rausgemendelt hätte.

Bild hat sich in den vergangenen Jahren mit der politischen Berichterstattung viel journalistischen Respekt erworben.

Nu is Schluß, wir wollen doch nicht über so ein ernstes Thema herumalbern.

Ciao

Wolfram

tlacuache 02.06.2013 | 10:44

Ich habe mich hier mal grösstenteils rausgehalten:

Fakt für mich persöhnlich ist:

Kathrin Zinkant, Konrad Ege und einige andere, wahrscheinlich keine Festangestellte, finde ich gut.

Die guten Sachen vom Augstein, einmal die Woche, kann ich im SPON lesen, falls SPON fragen sollte, ob ich latzen will, NEIN.

Z.B. Gisela Friedrichsen, seid 30 Jahren gelesen, die ich immer so toll fand und finde, kann ich bald bei 95% Ed@murrow oder 5% GvG nachlesen...

Wenn die Paywall kommen sollte, finde ich vorher bestimmt noch die Gelegenheit, die Beiträge von W.H., Ed@murrow, OI, A.M., Columbus, Springstein !, JR, und einige andere auf einer anderen Plattform ausfindig zu machen.

Gut, ich turne jenseits des Atlantiks rum und bin kein typischer "Abonnent", weder "Print" noch "Online", aber ich "bringe" auch was, das kostet dann eben meinen nichtbezahlten "Obolus".

Auch wenn Augstein z.B. nie Costa Esmeralda geantwortet hat, DAS sind seine Juwelen, wenn er sie mal verstehen sollte, nicht nur plumpe "Auslandstschurnalisten" ohne Vertrag noch Einkommen, sondern auch noch "MIT" Lebenserfahrung, Profis dieser Art kann sich noch nicht mal die NYT leisten, Chicago Sun-Times hat ja grad' die Fotografen entlassen, Augstein könnte, wenn er die Tool's einbaut, noch die Bilder von Bloggern einbauen, GRATIS, Copyright beim Auslöser, der sich verplichten muss, wenn er sie einstellt, das er es freiwillig gemacht hat, aber bei Drittverwertungen von kommerziellen Anbietern dafür sorgen muss, dass der "Knipser" zu seinem Geld kommt...

Bin ich Naiv?

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Ehemaliger Nutzer 02.06.2013 | 10:53

Sie ersetzen das Wort „Minderheit“ durch „Elite“ und beantworten damit meine Frage nicht. :) Wer eine Tageszeitung und/oder Wochenzeitung liest, gehört noch nicht notwendig zur „Elite“ gehören. BILD ist sicherlich kein Underdog-Blatt!!

liebe am,

da liegt ein missverständnis vor - ich meine einerseits, dass viele menschen gern einer mächtigen elite "dienen" - ob im dritten reich, oder ihrem könig oder guru - ihre schwäche kompensieren sie mit massenzugehörigkeit - blind und gedankenlos>>> emotionalisiert

>>> mein eingangskommentar war: nicht der beste pianist hat die höchste gage und so hat auch der beste lehrer, arzt, bauer oder journalist diese nicht >>> aber die bestverdienenden jeder branche haben die größte macht >>> sie fordern völlig zurecht den besten journalismus (arzt,pianist,lehrer, bäcker usw) bezahlen zu wollen - ja, ich auch, doch stoße ich da oft an grenzen, denen ich meist nur mit verweigerung von schlechten leistungen begegnen kann und sehe: ich bin eine minderheit, denn würden alle so handeln, gäbe es dieses problem ja nicht >>> und da diese minderheiten sozial und ökonomisch leicht zu vernachlässigen sind, bleibt ihnen nur der kampf um ihre eigenen interessen (homosexuelle, abtreibungsbefürworter z.b. können da viele geschichten erzählen)

ich beteilige mich an der paywall-diskussion nur sehr zurückhaltend in einer zeit, wo der steuerzahler bei bankenrettung, drohnen, korrupten bauprojekte und ör-tv-sendungen (ohne gefragt zu werden) einfach abkassiert wird ... ich möchte erst die leistung der journalisten sehen - ihren mut und ihre bemühungen um vertrauen ihrer "kunden" und nicht mit einer branche konfrontiert sein, die mit fast leeren händen da steht und nach geld jammert - da sind mir z.zt. die arbeitslosen jugendlichen europas, die kinder und familien in syrien und die obdachlosen asylbewerber in hamburg mit ihren situationen viel näher und verständlicher ...

JR's China Blog 02.06.2013 | 11:12

Ich versuche mal, zwei Argumentationsstränge zusammenzufassen.

Position 1: "Irgendwas mit nicht mehr Kostenlos"

Die Grundversorgung mit Informationen kann nur die traditionelle Presse leisten. Auf ihre Informationen beziehen sich die meisten Blogger, und ohne diese Informationen gäbe es sie gar nicht, bzw. sie könnten nur über die Masern (die es ja dank Impfung auch gar nicht mehr gibt) ihrer Kinder bloggen. Wenn ein Blogger sich auf Pressemeldungen bezieht, gibt ihm das eine gewisse Sicherheit, tatsächlich über Fakten z