Jakob Augstein
25.03.2009 | 11:30 108

Über die Netznomaden. Kleine Kritik an der Kritik am Freitag

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Jakob Augstein

Es gärt in der Freitag Community. Das ist ein gutes Zeichen - weil es zeigt, das die Mitglieder der Community Anteil nehmen. Und es ist ein schlechtes Zeichen, weil Unzufriedenheit sich breit macht und die Kritik, die am Freitag-Team und an den technischen Grundlagen schon seit langem geäußert wurde, sich verschärft hat.
Ich könnte jetzt sagen, dass ich die Kritik verstehe, ernst nehme und alles tue, um ihr gerecht zu werden - das wäre sogar die Wahrheit, denn natürlich müssen wir genau das tun. Aber ich will etwas anderes sagen: Die Kritik geht fehl. Komplett. Sie ist grundsätzlich falsch. Nicht in den Einzelheiten, die kritisiert werden, sondern im Grundsatz.
Es gibt eine technische Ebene, eine inhaltliche und eine allgemeine, eine der Kommunikation, des Stils, des Klima.
Inhaltlich habe ich selber hier sehr viel und sehr ausführlich Stellung bezogen. Vor allem meine Haltung zum Verhältnis von Staat und Wirtschaft hat hier für - gelinde gesagt - Irritationen gesorgt. Das ist in Ordnung. Meine Haltung ist nicht ganz unbegründet, ich weiß wovon ich spreche, die Argumente sind nicht total bescheuert, um es klar zu sagen. Wenn daran Kritik geübt wird, halte ich das gut aus. Ich fordere die Kritik heraus.
Der neue Freitag ist nicht angetreten, eine reine Lehre zu verbreiten. Wir sind keine Priester. Wir praktizieren keine Religion. Wir sind Journalisten. Und als solche Zweifler. Wer das nicht versteht, versteht Journalismus nicht. Journalismus heisst Zweifeln. Und heisst nicht Wissen.
Die Abteilung für Weltanschauung ist woanders. Wir haben eine Grundhaltung, die ist "irgendwie links", ich benutze diese angreifbare Formulierung bewusst, weil ich - und sehr viele andere Leute - keine Lust auf ideologische Festlegung, politmorale Rechthaberei und engstirnige Gestrigkeit haben. Mit den Rezepten, die gestern gescheitert sind, wird man die Krankheiten von morgen nicht heilen. Wir brauchen neue. Wer das nicht begreift, kann es sich im historischen Schmollwinkel gemütlich machen und schimpfen. Das kostet nichts und hält die Füße warm. Aber das ist nicht meine Haltung. Man versagt damit vor der Herausforderung der Wirklichkeit. Gerade heute.
Darum ist es im Freitag so, dass ich schreibe, was ich denke und die anderen schreiben, was sie denken. Und es gibt eine - wie gesagt - zugrundeliegende Gemeinsamkeit aller Freitag Redakteure und Autoren und Herausgeber, eine polit-emotionale Übereinstimmung in der Tiefenstruktur und es gibt wechselseitigen Respekt. Wenn es das alles nicht gäbe, könnten wir nicht zusammen arbeiten. Aber es gibt keine Deckungsgleichheit in der Analyse, in der Kritik, im Argument ... Zum Glück nicht. Ich würde in einer Zeitung, in der das so ist, nicht arbeiten wollen - und lesen möchte ich das auch nicht.

Das ist das Inhaltliche.
Dazu gibt es nicht mehr zu sagen.

Und nun das Tecnische.
Das technische System von Freitag.de lässt zu Wünschen übrig. Das finden wir auch. Wir sind mit einer Beta-Version gestartet. Beta heisst unfertig. In den vergangenen sechs Wochen ist sehr vieles sehr viel besser geworden. Daran kann es keinen Zweifel geben. Die Geschwindigkeit der Seite ist erhöht worden. Neue Funktionen sind hinzugekommen. Das Navigieren ist einfacher. Perfekt ist das alles nicht. Noch lange nicht. Perfekt wird es hier nie werden, möchte ich hinzufügen.
Muss es das sein?
Ich wundere mich.
Aber vielleicht beruht meine Verwunderung auf einem Missverständnis.

Der Freitag ist angetreten, um Leser und Redaktion und Autoren zu einer Community zu vereinen, zu einer Gemeinschaft. Wir wollen dieses Produkt gemeinsam gestalten. Der Anteil von Leser-Texten am Online-Auftritt des Freitag liegt im Moment bei knapp über 20 Prozent. taz, Spiegel, Zeit, Süddeutsche, FAZ haben Anteile, die sich zwischen ein und vier Prozent bewegen. Keine Missveständnisse: Ich zitiere die Statistik nicht aus Zahlengläubigkeit. Der Spiegel hat wahrscheinlich zehntausendmal mehr Masse im Netz als wir. Egal. Es kommt auf das Prinzip an. Wir sind sechs Wochen auf Sendung. Und ein Fünftel von unserem Material kommt aus der Community. Das freut mich. Weil wir genau das wollen.
Langsam? Ja. Unperfekt? Ja. Verbesserungswürdig? Ja. Aber eben auch einzigartig. Es gibt schlicht und ergreifend kein journalistisches Produkt in Deutschland, das diesen Weg eingeschlagen hat, den wir eingeschlagen haben. Bei uns können Leser buchstäblich schreiben, was sie wollen. Und wenn wir es gut finden, drucken wir es in der Zeitung ab und dann gibt es Zeilenhonorar wie für jeden anderen Autor. Es gibt keine Zensur. Es gibt keine Freischaltungsfristen. Es gibt eine offene Auseinandersetzung. Manchmal auch schmerzhaft. Na und? Das gehört dazu. Wir sind dafür bereit. Sind die Leser es auch? Das müssen sie selber entscheiden. Unser Job ist es, die technischen Grundlagen zu verbessern. Die konzeptionelle Grundlage ist da und sie funktioniert hervorragend.

Und dann gibt es noch eine Ebene der Kritik, die Komunikation, Stil und Klima betrifft. Da lerne ich gerade sehr viel. Und ich will gerne mitteilen, was ich lerne - erneute Kritik geradezu herausfordernd. Sie müssen bedenken, dass ich - und wir alle hier - aus der Kultur des Printjournalismus kommen. Eine andere gibt es im Moment in diesem Land auch noch nicht. Sie ist am entstehen, Projekte wie dieses helfen dabei. Im Printjournalismus gibt es ein bestimmtes handwerkliches Ethos. Ob sich die Zeitungen und die Kollegen daran halten, ist eine andere Frage. Aber die Regeln sind eigentlich klar. Und es gibt eine bestimmte institutionelle Tradition. Zeitungen sind komplexe Gebilde. Viele Leute müssen sehr differenzierte Arbeitsabläufe befolgen, damit eine Zeitung entstehen und verkauft werden kann. Der Aufbau solcher Strukturen braucht Zeit. Zeitungen brauchen Zeit. Zeitungen sind etwas sehr nachhaltiges. Verlagshäuser entstehen in Generationen. Abonnenten halten ihrem Blatt jahrzehntelang die Treue. Auf der Grundlage dieser Traditionen, dieser Nachhaltigkeit entsteht Qualität.
Das Internet ist anders. Schneller. Die Hierachien sind flacher. Das Experiment findet Raum. Das ist schön, das ist der Vorteil des Netzes. Und sein Nachteil. Es gibt weniger Bindungen. Weniger Geduld. Weniger Nachhaltigkeit. Weniger Tradition. Weniger Verantwortung. Es gibt, mit einem Wort, weniger Institutionen. Ohne Institiutionen aber ist alles nichts. Das Internet birgt das Risiko der Infantilisierung. Schnell rein. Schnell raus. Es ist bindungsarm. Unser Vorhaben, eine Community aufzubauen, will dieser Tendenz des Netzes entgegenwirken. Es geht um Bindung. Es geht darum, sich dem schnellen Sog entgegenzustellen. Es geht um Nachhaltigkeit.

Es gibt Netznomaden, die weiterziehen wenn die Steppe abgegrast ist. Und es gibt andere, die bleiben und Zisternen graben. Netznomanden werden keine Städte bauen. Wir wollen eine Stadt bauen.

Wer kann glauben, dass man eine Stadt in sechs Wochen baut?

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (108)

cemb 25.03.2009 | 13:01

Grundsätzliches Lob für das grosse und leidenschaftliche Experiment "der Freitag" und den Mut es umzusetzen. Es geht deutlich einen Schritt weiter, als bei den meisten Printverlagen mit Online-Präsenz.

Jeff Jarvis hat mal letztes Jahr gesagt, Communties im Internet kann man nicht besitzen. da ist etwas dran. Man kann sie auch nicht steuern, sage ich. Sie entwickeln ein Eigenleben. Als Plattformanbieter kann man seine eigene Linie nur offen kommunizieren. Und die Plattform rund máchen. Das tun Sie gerade. Gut.

In einem Punkt möchte doch widersprechen. Die Bindung von Menschen in Online-Communities scheint mir stark zu sein. Kein hit and run. Das kann man bei vielen bekannten anderen Online-Communities ebenfalls beobachten. Nicht schwächer zumindestens als in klassischen Offline-Communities. Das zeigen ja gerade auch die Auseinandersetzungen zum Format und zur Funktionalität des Freitag. Die Erwartungen sind gross.

Recht haben Sie im Punkt "Ungeduld". Ja, Internetjahre sind deutlich kürzer als Hundejahre.

Ich bin gespannt wie dieses Experiment läuft. ich mache mir momentan auch viele Gedanken darüber. Ich beführworte grundsätzlich Vorhaben wie diese und versuche mir ein Bild im Gesamtzusammenhang der Medienlandschaft zu machen.

Ich wünsche dem Freitag und seinem Team viel Erfolg und eine gute Hand.

bandidorosso 25.03.2009 | 13:02

Der Philosoph Emile Littre schrieb einst: „Die Nationen haben – im Guten wie im Bösen – den Journalismus, den sie verdienen“ In diesem Sinne ließe sich heute argumentieren, in Zukunft haben wir nicht nur die Journalisten, sondern auch die bloggenden Bürger, die wir verdienen. Das Positive dabei: Dank der neuen Technologien als Medien der Massen können wir all das, was uns mißfällt, öffentlich artikulieren und versuchen, es gemeinsam besser zu machen.
„Das große Versprechen der Demokratisierung des Publizierens ist nicht die Herrschaft der ahnungslosen Masse. Es ist die Chance, die Vorteile der professionalisierten Wissensproduktion mit der Intelligenz der Masse zu kombinieren.“
So zumindest formuliert es der Journalist des Jahres Stefan Niggemeyer. Dem könnten wir uns gemeinsam anschließen.

Lorz 25.03.2009 | 13:44

Zum Technischen: Das seltsame ist ja, dass ihr auf eine Plattform gesetzt habt (Plone), deren Schwachstellen ja hinlänglich eigentlich bekannt sind; und die Vorbereitungszeit läuft ja schon recht lang; der Freitag wurde ja nicht erst Anfang Januar gekauft. Diese Entscheidung lässt sich auch nicht mit der neuartigen Konzeption erklären, ihr habt das Rad ja nicht neu erfunden. Das gilt auch im Zusammenhang mit der mangelnde Übersichtlichkeit und "Usability"- eine Struktur, die den Zugriff auf Inhalte, auch zurückliegende erlaubt, hätte ihr euch doch auch einfach vom Guardian abschauen können.

jfenn 25.03.2009 | 14:33

Das Urteil, "der Freitag" sei gescheitert, sollte man differenzierter fassen.

Der Relaunch hat alles in Bewegung gebracht. An die Stelle von Nachdenklichkeit und sachlicher Diskussion sind in der Print-Ausgabe viele bunte Bilder und viel Tamtam getreten. Die dadurch verbreitete Unruhe hat "dem Produkt" alles andere als gut getan. Der alte Freitag war ein radikaler Gegenentwurf zu der bunten Hochglanz-/ Konsum-/ Werbe-Welt der anderen Zeitungen am Markt. Die Zeitung hatte ein Profil, das sie von anderen linken Medien klar unterschied. Das ist nach meinem Eindruck durch den harten Schnitt der letzten Wochen leider für immer verlorengegangen. Der neue Freitag ist viel zu laut geworden, sehr viel mehr pianissimo wäre gefordert, gerade wenn man nach Lösungen für gesellschaftliche Probleme sucht, die nur sehr aufwendig zu diskutieren sind, was ja bekanntlich (man kennt das aus den anderen Medien zu genüge) nur mit Tiefgang und in einem entsprechenden Umfeld zu reflektieren sind. Wo dieser Stil nicht gepflegt wird, kann wirkliche Diskussion nicht gelingen.

Davon ist die Online-Community zu unterscheiden. Sie ist im Blatt bisher noch gar nicht wirklich angekommen, und ich glaube, daß Cem Basman Recht hat, wenn er in seinem Kommentar auf die Kritik von Chris97 in dessen Blog fixmbr hier vor allem mehr Qualität gefordert hat. Solange die nötige Qualität fehlt, kann die Community die Print-Ausgabe nicht bereichern. Der Weg, hier wirklich jeden bloggen zu lassen, der es sich zutraut, ist m.E. verkehrt, denn das ist kein Alleinstellungsmerkmal einer Zeitung und fördert oder "zieht" deshalb nicht automatisch Qualität. Bloggen kann heute jeder überall im Netz. Nach dem großen Durcheinander, das in den letzten Wochen hier eingezogen ist, erfordert es nun auch einigen Mut, hier ein neues Blog zu eröffnen. Gefordert sind übrigens exklusive Inhalte, nicht eine Zweit- oder eine Resteverwertung aus anderen, bereits eingeführten Quellen.

Die "Community" war und ist ein Experiment. Ich will sie noch nicht ganz abschreiben, aber ich meine, der Weg, den die anderen Zeitungen gegangen sind, Blogger auszuwählen und sie dann frei arbeiten zu lassen, wäre besser gewesen, als die Bühne völlig freizugeben.

Und was, schließlich, das "Klima" angeht, so kann man ein völlig freies Portal natürlich auch nicht mit "Machtworten" steuern oder gar bändigen. Der "Freitag" war mehr für das Florett bekannt, das Schwert paßt nicht in diese Szene.

Meine Hoffnung wäre nun, daß Verlag und Redaktion aus den Fehlern der letzten Wochen lernen und hieraus Schlüsse ziehen mögen. Mir scheint, kompetente Beratung wäre nötig.

m 1 25.03.2009 | 15:20

Herrlich von oben herab diese konzeptionelle Selbstbeweihräucherung.
Herrlich von oben herab mit welchem Selbstverständnis das Rad neu erfunden wird.

Aber mal im Ernst: Dasselbe hätte die Musikindustrie schreiben können. Oder aktuell die Buchverlage.

Zur Technik: "Ich wundere mich. Aber vielleicht beruht meine Verwunderung auf einem Missverständnis."

Der journalistische Neandertaler und das Internet. Willkommen im Land der Zauberei.

Ich sage es mal so: Das Internet hat eine technische Basis. Wer diese gewachsene Basis mit allen ihren Übereinkünften, Standards und existierenden Funktionen mit Füßen tritt, der wird zurück getreten. Was Sie mit Ihrer rückständigen Bastellösung geschaffen haben verlangt dem Benutzer ein gestandenes Maß an Masochismus ab.

Zum Internet: "Es gibt weniger Bindungen. Weniger Geduld. Weniger Nachhaltigkeit. Weniger Tradition. Weniger Verantwortung. Es gibt, mit einem Wort, weniger Institutionen. Ohne Institiutionen aber ist alles nichts. Das Internet birgt das Risiko der Infantilisierung. Schnell rein. Schnell raus. Es ist bindungsarm."

Das ist zu 100% falsch. Das Internet als technisches, urdemokratisches und inhaltliches Kommunikationsmedium erzeugt Bindungen, Nachhaltigkeit, Traditionen und Verantwortung abseits der bisherigen Institutionen in bisher unbekannten Maßen und Qualitäten. Das Internet von heute ist ein bisher unbekanntes n:m Medium.

Herr Augstein, Sie reden über das Fernsehen und über zappende Fernsehzuschauer, ist Ihnen das eigentlich klar?

merdeister 25.03.2009 | 15:27

Was aus dieser Diskussion vor allem bei mir hängen geblieben ist, ist das sich einige Blogger nicht ernst genommen fühlen. Sie scheinen sich mehr Anerkennung vom "Freitag" erhofft zu haben. Man ist schon lange "da" und bloggt seit Ewigkeiten
Einige Menschen, die sich für sehr wichtig halten und ihr Hobby sehr ernst nehmen, scheinen gekränkt zu sein.

Anette Lack 25.03.2009 | 15:29

Lieber Jfenn;

ich widerspreche Ihnen, und das, um das mal etwas polemisch zu sagen: leidenschaftlich und entschieden.

"An die Stelle von Nachdenklichkeit und sachlicher Diskussion sind in der Print-Ausgabe viele bunte Bilder und viel Tamtam getreten."

Was ist gegen bunte Bilder einzuwenden? Auch sie haben, wenn Sie gut sind, einen Informationswert (sprechen Sie mal mit einem Pressefotografen über seine Berufsauffassung!) - und damit eine Existenzberechtigung in einer Zeitung wie dem "Freitag".

Und was meinen Sie mit Tamtam? Ich fand den alten Freitag in seinem Lay-Out sehr streng. Was ist gegen diese, nennen wir es Auflockerung, zu sagen?

Ich lese zwischen den Zeilen Ihres Kommentars (bitte korrigieren Sie mich, wenn dies eine falsche Interpretation sein sollte), dass linke Informationen, linke Zeitungen nicht unterhaltsam daher kommen sollten. Vielleicht befürchten Sie, dass eine Zeitung wie der Freitag dann in die Beliebigkeit abrutscht? Ich finde ganz und gar nicht, dass dies geschehen ist - und es steht auch nicht zu befürchten (s. den Blog von Jakob Augstein oben).

Sie sind ja nicht der einzige, der hier so denkt - aber mich erinnert das ein bisschen an früher, als meine Freundin mir den Verrat an der Frauenbewegung vorwarf, weil ich mir die Lippen anmalte... Meinen Sie nicht, dass wir alle da etwas mutiger sein und im übrigen auch weiterhin der Redaktion vertrauen könnten, die doch auch einen Anspruch und eine Vision hat?

"Der Weg, hier wirklich jeden bloggen zu lassen, der es sich zutraut, ist m.E. verkehrt...der Weg... Blogger auszuwählen und sie dann frei arbeiten zu lassen, wäre besser gewesen, als die Bühne völlig freizugeben."

Auch da bin ich ganz anderer Ansicht. Für mich macht es gerade den Reiz der Community aus, dass hier jeder bloggen darf. Eine Auswahl durch die Redaktion wäre für mich eine Bevormundung der Community - und nach welchen Kriterien sollte das auch geschehen?

Letztlich erfolgt doch eine Auswahl automatisch DURCH die Community: Wer interessant schreibt und/ oder Neues zu berichten hat, wird viel gelesen.
Bitte sagen Sie mir - es interessiert mich wirklich - woran machen Sie Qualität hier fest? Bzw. Ihre Meinung, dass die hier nicht sehr hoch ist?

Herzlich

Anna Dorothea

johannpeterwerth 25.03.2009 | 15:54

Habe ich da eine heiße Diskussion verpasst?

Da gibt es also ein Print-Produkt, das im Publikationen immer mit den Augen des Gestalters und der Freitag erfreut meine Augen.

Und dieses Print-Produkt bietet den Lesern auf seiner Internet-Plattform die Möglichkeit, Inhalte selbst zu generieren. Wo liegt das Problem? Die Foren beim Spiegel sind ein Alptraum für jeden Nutzer, die SZ untersagt mitunter sogar einfache Kommentare oder löscht missliebige – und die FAZ hat einen technischen Unterbau, den ich nicht zu begreifen wage. Das ist nicht mein Metier.

Augstein hat doch schon darauf hingewiesen, dass das hier eine Beta-Version ist. Natürlich kann man vor Freischaltung ein paar Tests machen, aber die wahre Feuertaufe erlebt das Ding doch erst, wenn Nutzer tatsächlich damit hantieren müssen. Also bitte: Geduld und Contenance!

merdeister 25.03.2009 | 16:02

Was soll das bitte alles?
Wir sind doch nicht im Kindergarten.
Es ist schon schlimm genug, dass ich mich mit dem gekränkten Ego und enttäuschten Hoffungen einiger alter Blog-Hasen beschäftigen muss. Dass ich aber im Rahmen ihrer Kritik implizit beleidigen lassen muss, ist eine Frechheit.
Da sind einige enttäuscht, weil man "die Blogger" (ein scheinbar sehr erlesener Kreis) nicht ernst genommen hat, zumindest nicht so ernst wie sie sich selber nehmen. Da wird auf technischen Problemen als würde man sich persönlich von ihnen beleidigt fühlen, man hat doch eigentlich besseres verdient.
Dann möchte noch jemand das bloggen nur Qualifizierten Schreibern erlauben und nicht jedem. Wenn ich nicht gut schreibe, wird es eben keiner Lesen, soviel Platz wird auf dem Server sein. Es wird eben eine Blog-Evolution im Freitag stattfinden.
Kritik finde ich gut. Christian Berlin zeigt immer wieder, dass Kritik direkt, hart und doch respektvoll sein kann.

jfenn 25.03.2009 | 16:34

Liebe Anna Dorothea,

wahrscheinlich haben wir einfach ein unterschiedliches Verständnis dessen, was "unterhaltsam" ist? Ich fand das alte Layout nicht "streng", sondern eher "klassisch". Wenn ich mich gegen die "bunten Bilder" wende, meine ich damit nicht nur, daß ich Schwarz-weiß-Fotos eindrucksvoller finde, sondern auch, daß hierdurch Texte verdrängt worden sind. Ich erinnere mich an die ganzseitige Aufnahme von Facebook-Gründer Zuckerberg. Den dazugehörigen Artikel fand man erst auf der nächsten Seite. Dieser Platz war also vorhanden, während -- in einer anderen Ausgabe -- die Literaturbeilage zur Leipziger Buchmesse diesmal entfiel -- es gab keinen eigenen Teil mehr hierfür in der Zeitung, sondern nur noch ein paar Sonderseiten. Der illustriertenartige Anteil im dritten Buch wurde andererseits ausgebaut, so daß Politik und Feuilleton weniger ins Gewicht fallen. Dadurch wird die Zeitung für mich weniger interessant.

Und ich möchte mich wiederholen: Wer etwas im Internet veröffentlichen möchte, kann das überall tun, dazu braucht er kein Portal einer Zeitung. Wordpress und Blogspot und viele Webforen, Mailinglisten und Newsgroups existieren seit langem und werden genutzt. Von einer Zeitung erwarte ich, daß sie auswählt und mir Lesenswertes anbietet.

Wenn es also darum geht, "Input" oder "Feedback" aus der Leserschaft zu erhalten, wäre die Möglichkeit, Artikel der Redaktion, die online veröffentlicht werden, kommentieren zu können, der richtige Weg. Direkte Anmerkungen trage ich gerne bei und würden mich auch von anderen Lesern sehr interessieren, mehr als eine Seite "Leserbriefe" eine Woche später erst, ich sehe aber keine Veranlassung und auch keinen Nutzen darin, hier eigene Blogs aufzuziehen, und die Erfahrungen aus den letzten Wochen zeigen ja auch, daß das aus vielerlei Gründen nicht geklappt hat und -- meine Vermutung -- wahrscheinlich auch nicht klappen wird.

LG,

jfenn

Joachim Losehand 25.03.2009 | 16:41

Es gibt Kinder, die klemmen sich einen Besen zwischen die Beine, klopfen aufmunternd dem Stiel aufs Holz und beugen sich flüsternd zu den Borsten. Andere Kinder stehen breitbeinig und mit verschränkten Armen daneben, ziehen den Rotz hoch und sagen: „Das ist kein Pferd, sondern ein Besen – und Du bist ein Esel.“

Ich war und bin kein Angehöriger der „Blog[o]spähre“, nicht einmal als passiver Gelegenheitsgast „über den Zaun“. Auf einige andere hier° trifft das offensichtlich nicht zu: Denn die Klagen lassen jene kopfschüttelnde Enttäuschung mitklingen, die aus nichterfüllten eigenen Ansprüchen und Vorstellungen erwächst. Mit dem Grad der Professionalisierung nehmen auch die Ansprüche zu – allerdings auch jene „déformation professionelle“, die einen Besen immer einen Besen und ein Pferd immer ein Pferd sein läßt.

Die stete Perfektionierung des allgegenwärtigen Illusionsproduzenten „Computer“, der die Oberflächen – das Design – von Internetauftritten, Spielfilmen, Spielen, Photographien retouchiert, glättet, die „performance“ verbessert oder gar „optimiert“, treibt unsere Ansprüche vor sich her. Maschinen und Menschen müssen „funktionieren“, Höchstleistungen „bringen“, den unbedingten Willen zur „Exzellenz“ in allem haben.

Eine der Konsequenzen der Evolutionstheorie ist der Tod der platonischen Idee und der des Ideals. Nicht alles, was ist (existiert), hat eigenes „Sein“ in je höherem Maße, je mehr es an der Idee (des Guten, Schönen usf.) partizipiert. Existieren bedeutet nicht mehr Entwicklung auf, Annäherung an eine feste Idee, ein unwandelbares Ideal hin. Evolutionäres Existieren bedeutet nicht-teleologisches Fortschreiten, ist tastendes Probieren und sich Entfalten im Vor und Zurück und im Seitwärtsgang. (Und: Evolution hat keinen „intelligent designer“, der hie und da mit einem Fingerstups gütig lenkend die Dinge auf Kurs hält, weil Evolution im strengen Sinne keinen „Kurs“ hat.)

Offensichtlich wissen hier° einige, was ein Blog[1] ist – inklusive, welches Genus ihm im Großdeutschen Sprachgebrauch etymologisch notwendigerweise zukommt. Und natürlich, wie das Blog[1] dann auszusehen hat, technisch und inhaltlich. Und so stehen sie breitbeinig und mit verschränkten Armen daneben, ziehen den Rotz hoch und sagen: „Das ist kein Blog[1], sondern ein Schmarrn – und Du bist ein Dilettant.“

[1] „Blog“ hier mal als Summe vieler einzelner Blogs verstanden.

cemb 25.03.2009 | 17:48

Lieber Joachim Losehand,

verstehen Sie ein "Blog" einfach als ein simples zielgruppengerechtes Inhaltsverwaltungssystem (Neudeutsch: Content-Management-System) für Texte und andere Inhalte, mit dem Autoren ihre Texte erstellen und verwalten, Leser einzelne Beiträge entdecken, finden, suchen und lesen können. Mehr nicht. Die einzige Anforderung, die alle an ein System haben ist, dass es möglichst einfach und zuverlässig in der Handhabung ist. Nicht mehr und nicht weniger. Die Metadiskussionen darüber, was Blogs bedeuten sollen oder welche kulturelle Errungenschaft sie seien, können Sie erstmal hier (positiv gemeint) weglassen. das sind akademische Diskussionen. Einschliesslich der über den Genus.

Von der Anforderung zur Einfachheit und Zuverlässigkeit ist es momentan noch etwas weit entfernt an diesem Ort. Aber das ist ja allen bewusst und es tut sich ja auch demnächst da etwas offensichtlich wie erklärt wird.

Der Inhalt der Artikel ist, was zählt. Und wer sie erstellt und wer sie liest und möglicherweise seinen Senf dazu gibt. Das ist die Hauptsache. Wenn die Werkzeuge dafür auch gut geeignet sind, macht es mehr Spass und es ist leichter mit diesen Inhalten umzugehen.

Aber jetzt rede ich langsam am Thema des Artikel fast vorbei...

lukasheinser 25.03.2009 | 18:24

Ich habe den Eindruck, dass hier Leute mit dem Bloggen angefangen haben, die sich nie im Leben ein eigenes Blog eingerichtet hätten. Das finde ich - unabhängig von den Inhalten - erst einmal bemerkenswert. Dass nicht jeder auf Anhieb printreife Artikel schreibt, liegt auf der Hand. Ich finde es aber schön, wenn Menschen, die bisher nur rezipiert haben, nun auch zu schreiben anfangen - mit teils beachtlichen Ergebnissen. Da dann schnell mögliche Spreu von möglichem Weizen zu trennen ist wohl Teil jener Medienkompetenz, die wir alle in Zukunft brauch werden.

Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass sich die Mediennutzer in zwei Gruppen Teilen werden: in die, die auch zukünftig auf die "Gatekeeper" schwören, und in die, die sich ihre Informationen aus Zeitungen (bzw. deren Webseiten) und Blogs zusammensuchen. Beides kann zu interessanten Ergebnissen führen.

Bildungswirt 25.03.2009 | 19:18

Vorschlag: Kleines Abkommen der Community
Weder Gott, ein hoher Priester noch der Teufel wird der Community helfen, das müssen wir - der gelebte FREITAG - schon selbst erledigen. Klare Worte sind von allen Seiten geschrieben worden, m.E. ist alles gesagt, nur noch nicht von jedem.

Deshalb schlage ich ein kleines Abkommen vor:
Wir lassen diese Selbstfindungsdebatte (ob journalistisch, strategisch, gruppendynamisch, technisch etc.) wenigstens für 2 Wochen (!!!) ruhen, kümmern uns - jeder an seinem Platz - um seine Aufgaben und avisierten Projekte. Persönlich halte ich mich sofort daran, keine Kommentare mehr zu dieser kalten Suppe. Dafür gibt es mindestens 2 neue Blogbeiträge und einige Kommentare zu inhaltlich interessanten Themen. Auf dass der FREITAG blühe, auch unter schwierigen Startbedingungen.

Tessa 25.03.2009 | 19:43

Schöne Idee? Schöne Idee.
Wir wissen, im Netz tickt die Zeit schneller. Wir lesen jede Kritik und Anregung und lernen dadurch neue Sichtweisen oder finden Bugs, die wir selbst nicht entdecken. Das ist toll. Und während uns jeden Tag Kritik erreicht, sei es als Kommentar, Blogpost oder Leserbrief, wird am Freitag weitergearbeitet.
Harte Kritik ist gut, mit Respekt versehen noch besser. Wir würden gerne noch öfter darüber informieren, woran wir gerade arbeiten. Vielleicht ist es aber besser, wir tun das tatsächlich, und Sie haben die Resultate schneller auf der Seite.
Daher können auch nicht alle Mitarbeiter zu jeder Kritik umfassend Stellung nehmen. Gelesen wird alles. Und bei den Notfällen helfen wir weiterhin so schnell wie möglich. Am einfachsten ist dies meist mit einer Mail an community -minus- support -ät- freitag -punkt- de

Viele Grüße
Tessa

Nos Nibor 25.03.2009 | 20:23

jfenn. „…Blogger auszuwählen und sie dann frei arbeiten zu lassen, wäre besser gewesen, als die Bühne völlig freizugeben.“
Es ist ein uraltes Problem, das sich auch hier auftut: Wer darf und sollte über ein Problem mitreden und mitdenken dürfen. Vor Kurzem versuchte ich mit einem Genetiker über genetische Probleme ins Gespräch zu kommen. Es war nicht möglich, weil er mir als Architekt indirekt die Kompetenz auch nur zu so einem Gespräch absprach. Und so kann sicher jeder Beispiele beisteuern, wo Spezialisten sich mit dem Argument abschotten, dass dem anderen das notwendige Wissen fehle. Aus meiner Lebenserfahrung weiß ich, dass Intelligenz weniger die Fähigkeit bedeutet, sofort richtige Antworten geben zu können, als neugierig zu sein, die richtigen Fragen zu stellen und alle möglichen Antworten in den eigenen Erkenntnisprozess einzuordnen. Als völliger Neuling (vielleicht >Depp im Bloggersprech) dachte ich, dass hier etwas entsteht, das Bildungs-Ebenen durchlässiger macht und die Kunst des Aufmerkens gegenüber originellen Gedanken und amüsanten Formen (wie den >gerappten Beitrag von ? ) sich entwickeln kann.
Nun habe ich den Eindruck, dass einige professionelle Schreiber das mehr als eine Erweiterung des hart umkämpften publizistischen Marktes sehen und alle dilletierenden Nobodys darin als Störfaktoren. Liegt aber nicht gerade in der Möglichkeit einer Teilnahme so unterschiedlicher Individuen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Wissen der Reiz und Wert des Neuen? Podien, in denen sich sog. Intellektuelle die Zitate von Max Weber bis Walter Benjamin, um nur die geläufigsten zu nennen, um die Ohren hauen, gibt es genug. Augstein bleibe hart, werdet technisch besser und verständlicher, dann wird Dir auch ab und zu der provokante Flirt mit dem Neoliberalen nachgesehen.

Giuseppe Navetta 25.03.2009 | 20:24

Ich finde, man sollte doch schon ein wenig Geduld mitbringen, wie sich die Umgestaltung weiterentwickelt. Viele der guten Autoren finde ich weiterhin in meiner seit etwas mehr als ein Jahrzehnt geschätzten Wochenzeitung, was mir persönlich sehr wichtig ist. Der Redaktion kann ich nur viel Erfolg wünschen, mit der Erinnerung, dass Sie mit dem Freitag in wirklicher guter journalistischer Tradition stehen, wenn man bedenkt, dass Günter Gaus einer der Mitbegründer der Zeitung war, was, wie ich finde, nicht nur zur Qualität verpflichtet, sondern vorallendingen zur kritischen Stellungnahme und unbequemen Fragestellung hinsichtlich gesellschaftspolitischer Debatten auffordert!

chapultepec 25.03.2009 | 22:52

ich finde es toll, dass man mit den Journalisten kommunizieren kann. Das ist bei allen anderen Zeitungen fast unmöglich. Selten werden die email Adressen angezeigt und noch seltener kriegt man eine Antwort auf Kritik oder Kommentare. Beim Freitag kann man grundsätzlich alle Artikel kommentieren. Das finde ich auch sehr, sehr positiv.

Diese Art des Ideenaustausches waren e.g. beim alten Freitag nicht gegeben. Ich bin froh, dass es der neue Freitag gibt.

Ich hoffe, dass irgendwann man Artikel als Audiodatei runterladen kann. Ich habe eine ziemlich langer Weg zur Arbeit (ca. 70 Min.) und diese Zeit kann man gut nutzen mit Zuhören von guten Artikeln. Dazu würde ich sofort den Freitag mit Aufpreis abonnieren ; )

Carlos 25.03.2009 | 23:22

Lieber Herr Augstein,

ein paar Anmerkungen von einem, der nicht ganz so Wortgewaltig bzw. Wortgewandt ist, zu ihrer Kritik an der Kritik.

1. Die Technik. Interessiert mich herzlich wenig - wenn ich etwas schreiben möchte, dann sollte das relativ problemlos funktionieren, da ich wenig lust habe, mich damit auseinanderzusetzen. Ich habe bisher erst einmal versucht, hier beim Freitag einen Blogeintrag zu schreiben - den Versuch musste ich nach kurzer Zeit abbrechen. Zur Zeit habe ich leider nicht die Ruhe, um längere Texte zu schreiben, von daher versuche ich es vielleicht später noch mal - klappt dann eventuell ja besser.

2. Die teils recht heftige Kritik, die hier über den Freitag geäussert wurde und wird... wer länger in Internetforen und Communities unterwegs war, der kann es wohl bestätigen, das der allgemeine Ton dort sehr viel Rauer ist als anderswo. Daran sollte man, wenn man versucht eine Community im Netz aufzubauen, denken. Kann es sein, das Journalisten diese Art von Ton einfach nicht gewöhnt sind?

3. Das Inhaltliche. Der Freitag hat (soweit ich das verstanden habe) den Anspruch, nicht mit dem "Mainstream" der anderen Zeitungen zu schwimmen. Nun, ich bin wahrscheinlich nicht der einzige, der der Meinung ist, das man die meisten deutschen Zeitungen inzwischen getrost vergessen kann, was neutrale, sachliche, oder einfach nur wahrheitsgemäße Aussagen angeht. Will sagen, die Erwartungshaltung gegenüber dem Freitag ist enorm hoch! Und das heißt nun mal, das alles, was der Freitag tut oder schreibt, sehr viel gründlicher unter die Lupe genommen wird - gerade auch, wenn es um ihre Haltung zum Verhältnis von Staat und Wirtschaft geht.
Ich fand ja ihr Bild von Freitag bei Fixmbr nicht schlecht (das Schiff, das zu weit auf hohe See geschippert ist und jetzt wieder näher an die Küste soll), aber - um bei dem Bild zu bleiben, ein Schiff, das zu nah an der Küste fährt, kann auch sehr schnell stranden...

Zum Abschluss noch zu diesem Satz von Ihnen:
"Wir praktizieren keine Religion. Wir sind Journalisten. Und als solche Zweifler. Wer das nicht versteht, versteht Journalismus nicht. Journalismus heisst Zweifeln. Und heisst nicht Wissen."
Sehr schön... und vor allem, weil ich diese Hoffnung bei den meisten Journalisten in diesem Land inzwischen aufgegeben habe, wünsche ich ihnen, das sie und ihre Mitstreiter im Freitag diesem Anspruch irgendwie gerecht werden (oder es zumindest versuchen).

P.S. Wenn Nomaden geeignete Bedingungen vorfinden, graben sie auch Zisternen und gründen Städte.
Wir waren alle mal Nomaden.

Streifzug 25.03.2009 | 23:59

Der Freitag war für mich schon so gut wie abgeschrieben. Dann las ich bei meinem abendlichen Streifzug Kritiken und gelangte letztendlich zu diesem Artikel von Jakob Augstein. Er schreibt:

"Der Freitag ist angetreten, um Leser und Redaktion und Autoren zu einer Community zu vereinen, zu einer Gemeinschaft."

Was ist die Substanz, die Basis dieser Gemeinschaft?

Es ist eine kluge Entscheidung, dass hier jeder bloggen darf. Damit wird einem bestimmten Trend entgegengewirkt. In vielen Medien ist ein charakterlich defizitäres Verhalten an der Tagesordnung: die Schwächeren der Gesellschaft werden getreten aber die Ursachen gravierender Problemen werden verharmlost und vertuscht.

Die Ursache dieses Verhaltens mag in der immer größeren Abhängigkeit von der Werbung und der damit einhergehenden inhaltlichen Abhängigkeit liegen.

Gibt es eine Alternative? Ich denke da immer an einen der letzten Artikel des alten Freitag:

Ein gut bestelltes Haus
http://www.freitag.de/2008/22/08220201.php
Wilhelm Brüggen
"Alle hatten viel Geld, Zeit und Ideen investiert und mussten jetzt mit ansehen, wie sie in den unerbittlichen Mühlen linker Armutsökonomie klein gearbeitet wurden, was - wie man sich leicht vorstellen kann - mit heftigen inneren Konflikten verbunden war."

Kann ein linkes kommerzielles offenes "Gemeinschafts"-Projekt, ohne grundsätzliche Abhängigkeit von Werbung, ausreichend Geld verdienen?

Die (massiven) Probleme des Webauftritts sehe ich nicht so tragisch. Ich komme ursprünglich aus dem Bauwesen. Dort gilt etwas vereinfacht dass Innenarchitekten die vorhandene Substanz verschönern, während Architekten keine Angst haben wenn nötig auch Wände oder Decken einzureißen, um das Werk zu optimieren. Habt den Mut und lasst einen Architekten ran dann ist es noch zu retten.

filtor 26.03.2009 | 01:04

Zu Ihren drei Ebenen jeweils kurz:
1) Aus inhaltlichen Gründen lese ich Ihre Zeitung nicht mehr regelmäßig, sie ist mir zu konventionell-bürgerlich geworden. Wobei ich zugeben muss, dass ästhetische Gründe hinzukommen: Die geschichtslos-poppige Machart ist teils schlechte Imitation (Guardian und Jungle World sehen besser aus), teils affig. Vorher hatte der Freitag Charakter. (Ich bin nicht 67, wie Sie jetzt vielleicht hoffen, sondern 27.)
2) Aus technischen Gründen läuft Ihre Seite auf meinem Rechner sehr schlecht. Was mich nicht stört, ich lese im Wesentlichen nur die alten Artikel im Archiv.
3) Aus "allgemeinen" Gründen stört mich Ihr Beitrag hier. Der hauptsatzlastige Stil wirkt oberlehrerhaft, ihr Tonfall ist auf anstrengende Weise selbstgerecht.

ChristianBerlin 26.03.2009 | 09:31

zu 3)

Dieser uncharmante vehement affirmative Stil hat keinen anderen Sinn, als die Kritiker zum Schweigen zu bringen - was natürlich nicht gelingt (s. Deinen Beitrag u.a.). Aber sie werden schon mal bescheidener und kleinlauter.

Ich finde richtig, was er macht. Er stellt sich vor seine Mitarbeiter/innen. Die Kritik kam so heftig, da könnten einzelne an sich zweifeln. Wenn die reflexartig hinschmeißen, fliegt ihm der Laden auseinander. Das wäre der SuperGaU und bei weitem gefährlicher, als meuternde Blogger gehen zu lassen oder in die Wüste zu schicken. J.A. beweist unternehmerischen Instinkt in der Krise, das ist ein gutes Zeichen.

Trotzdem ist der Inhalt seiner Argumentation großer Quatsch - in den entscheidenden Punkten unzutreffend und an der Kritik vorbei. Das begreift man aber erst, wenn man sich vom virtuellen Rohrstock des Oberlehrers nicht mehr das Gehirn lähmen lässt.

ebertus 26.03.2009 | 11:26

Zwei Beiträge hier (filtor ChristianBerlin), die man versteht, ob mit 22, mit 27, dann dazwischen wohl, oder gar mit 62 - like me...

Und es gab/gibt schon schlimmeren, vehement affirmativen Stil:
www.sueddeutsche.de/computer/28/426784/text/
Grund zur Selbstreflektion, gewiss. Nur das Ergebnis - soweit erkennbar - darf jeder für sich interpretieren, dann umsetzen. Finde es auch richtig, zumindest interessant, was der Augstein da macht und dem Kommentar von @Streifzug hier ist wenig hinzuzufügen. Das gilt globaler

Martina Kausch 26.03.2009 | 12:03

Herr Augstein,

in Anbetracht der umständlichen Darstellung der bereits abgefassten Kommentare habe ich bewusst darauf verzichtet, mich durch das bereits Geschriebene zu beißen.

Auf den Hauptteil zu "Journalisten" "Technik" möchte ich mich gar nicht auslassen, aber über den letzten Teil Ihres Beitrages über das Internet.

Sie schreiben, dass das Internet weniger Bindungen hergibt. Das ist falsch. Die Bindungsfähigkeit im Web ist genauso stark oder ambivalent wie im realen Leben. Man setzt sich in einer Kneipe an einen Tisch zu Fremden, trinkt mit ihnen ein Bier, quatscht ein wenig und zieht dann weiter. Dennoch findet man so auch manchmal Menschen, mit denen sich später etwas wie Freundschaften herausbildet. So ist es auch im Internet.

Sie schreiben, dass das Internet weniger nachhaltig ist. Woher wissen Sie das? Worauf begründen Sie diese Aussage? Das Internet ist genauso nachhaltig wie das Fernsehen oder aber die Printmedien. Nicht aus dem Internet sondern aus dem Umgang mit den Printmedien nämlich stammt der Spruch: "Was interessiert mich am abend die Zeitung vom Vormittag!"

Es gibt weniger Tradition? Doch, die gibt es. Auch wenn das Internet erst wenige Jahre alt ist, haben sich dennoch bestimmte Verhaltensnormen entwickelt, die inzwischen als selbstverständlich angenommen werden. Oder meinen Sie mit Tradition solche Verhaltensweisen wie "Kaffeetrinken jeden Mittwoch um 15 Uhr bei Tante Erna"? Man muss sich nur der Mühe unterwerfen, sich mit Traditionen im Internet auseinander zu setzen.

Ach ja, Institutionen soll es auch weniger geben? Was verstehen Sie in diesem Zusammenhang unter "Institution"? (lat: instituere=aufbauen, errichten...) Glauben Sie nicht, dass sich hier bei den Kommentatoren und Schreibern Personen befinden, die auch etwas instutiert haben? Z.B. schon seit Jahren bestehende Internetpräsenzen?

Das Internet birgt das Risiko der Infantilisierung? Starker Tobak, den Sie da von sich geben! Bitte bringen Sie doch entsprechende Beispiele für diese Aussage, die sich anhand von überdurchschnittlich vielen Exempeln nachvollziehen lassen.

Ach ja: Ihr Vorhaben, eine Community aufzubauen - ist zwar löblich, aber unter den gegenwärtigen Umständen eine Fantasterei. Was meinen Sie, benötigt man, wenn man eine Gemeinschaft errichten möchte? Zeit! Und sechs Wochen sind im Internet eine verdammt kurze Zeit, nicht mal ein Augenschlag.

In ihrem letzten Satz erkenne ich, dass Sie das Buch "Die Stadt in der Wüste" gelesen haben. Wenn Sie sich daran erinnern, wurde die Stadt unter einer strengen Regie erbaut, die aus einer Not heraus entstand.

Wie gesagt: ich finde Ihre Kritik aus Ihrem Anspruch heraus berechtigt, aber wenig fundiert sondern nur mit Begrifflichkeiten und Schlagworten versehen, die - denkt man tiefer darüber nach - einer faktischen Überprüfung so nicht standhalten werden und können.

ChristianBerlin 26.03.2009 | 14:23

@ebertus

Danke für den Hinweis auf den Internetverriss von Bernd Graff. Darin tauchen ebenfalls Schwärme alles kahlfressender und dann weiterziehender Netznomaden auf, aber ansonsten hat diese Idiotenschelte mit der Argumentation von Augstein wenig gemeinsam.

J.A. glaubt an das Gute im Web, B.G. nicht.

Dessen Kernthese, das "Web 0.0" bewirke nichts außer Verwirrung, nimmt ihm nach dem realen Obama-Sieg aber niemand mehr ab.

Er schreibt außerdem deftig-polemisch, aber durchaus charmant und interessant. Man kriegt mit, wen und was er meint, und er nennt und verlinkt auf Quellen. Prüft man die aber nach, kommt heraus, dass er schummelt.

Z.B. sagt Jimmy Wales, einer der Wikipedia-Gründer, im englischen O-Ton noch:

[Zitat Jimmy Wales]“For God sake, you’re in college; don’t cite the encyclopedia.”[/Zitatende]

Bei Bernd Graff wird daraus:

[Zitat]"Um Himmels willen! Ihr seid doch auf dem College. Wie könnt ihr da diese Enzyklopädie für eure Studien nutzen!"[/Zitatende]

Traduttore, traditore.

Auch an Deutschen Universitäten ist Wikipedia keine zitierfähige Quelle - und zwar unabhängig davon, ob der Inhalt stimmt oder nicht. Solche Quellen gab es schon früher, z.B. Lehrbücher oder Zeitschriftenschauen, was aber nicht hieß, dass man sie nicht für Studien- oder Recherchezwecke nutzen konnte. Entweder verkennt Graff diesen Unterschied, oder er hilft der "Wahrheit" ein wenig beim Übersetzen nach.

In beiden Fällen wäre Graff ein Autor, der glaubt, was er schreibt. Denn letzteres hieße, dass er die "neuen Idiotae" (also uns Internetnutzer) tatsächlich für extrem Schwachsinnig hält.

Tessa 26.03.2009 | 18:53

Liebe Frau Kausch,
vielen Dank für Ihre Ausführungen. Ich kann Ihnen auch in vielen Teilen zustimmen. Als jemand, der im Netz aufgewachsen ist, ist mein Verständnis des Webs geprägt davon, es als etwas Selbstverständliches aufzufassen. Kontakte über das Web entfalten, wie Sie schon sagen, durchaus enge Bindungen. Ich kann nur für mich sprechen, aber ich habe tatsächlich über das Bloggen und das Netz immer wieder Menschen kennengelernt und erst später "in echt" getroffen. Das Netz beschwört nicht den Anbeginn einer Zeit blasser Computerfreaks, es kann uns durchaus in sozialer Hinsicht bereichern und Freundschaften förden. Auch Beziehungen rein digitaler Natur sind heute nichts ungewöhnliches mehr, und haben eben eine andere Art von Qualität, als face to face-Kontakte. Heute ist es nicht mehr peinlich jemanden im Netz kennengelernt zu haben, zudem kann hier Gutes entstehen. Sei es der Austausch, ein voneinander lernen oder ein konstruktiver Streit.

Viele Grüße
Tessa

nbo 26.03.2009 | 20:08

zum umgangsstil im web: wir werden uns damit abfinden müssen, dass das web noch eine weile eine kolonie ist, die von horden grobschlächtiger übellauniger user besiedelt wird wie einst lateinamerika von den schergen spaniens. ich muss sagen, dass der ton in der freitag-community geradezu labsal im vergleich mit anderen foren ist. da kann man jemanden wie chris97 einfach mal als maskottchen durchgehen lassen.

ein ernsthaftes problem, dass man dem freitag (noch) nicht ankreiden sollte, ist die darstellung und strukturierung der user-generierten-beiträge. die menge an blogbeiträgen ist im wortsinne überwältigend. ich gebe schnell auf, wenn ich mich einfach nur durch endlose listen klicken muss (ob sie nun nach groben ressortthemen gebündelt sind oder nicht). es müsste zum einen eine art vorschau zum durchblättern geben, ohne dass man jedesmal eine ganze seite neu lädt. zum anderen wäre es sinnvoll, die blogbeiträge nicht nur anhand von schlagworten sortierbar zu machen, sondern als eigenständige redaktionelle arbeit zu themen zu bündeln, die bezüge zeigen, in einer eigenen rubrik zu pflegen. ein derartiges vorhaben macht meines wissens kein online-medium, und es wäre mit sicherheit aufwändig, aber eine echte neuerung in der online-schreibflut. dann würde auch der hier zuletzt artikulierte frust über das versinken eigener beiträge in dieser schreibflut verschwinden.

nach wie vor skeptisch stehe ich jeder art von bewertungssystem gegenüber. für mich ist es ein ausfluss aus der rankingsucht, mit der seit jahren alles überzogen wird. soll das der focus machen. kann ich dem urteil vieler leser trauen, die im schnitt einem text 2 oder 5 sterne gegeben haben? gehen nicht oft genug geschmäcklerische überlegungen oder empörung über argumente ein, die nicht die eigenen sind? genügen würde eine einfache variante, "x leser empfehlen diesen beitrag".

zuletzt noch ein wort zu den community-beiträgen in der printausgabe: ich finde, es hat etwas abwertendes, als autorennamen dort den usernamen zu verwenden. wenn der beitrag so gut ist, dass er gedruckt wird, sollte der autor wie jeder andere autor auch mit seinem namen ausgewiesen werden. es entbehrt ja nicht einer gewissen ironie, dass ein linkes blatt wie der freitag plötzlich mit einer fein ausdifferenzierten schreibhierarchie daherkommt. verleger - herausgeber - redakteur - autor - blogger. ich weiß, dass damit transparenz hergestellt werde soll. aber auf mich wirkt es wie die erfindung eines medialen kastenwesens. was steht denn dann bei praktikanten (war ja selbst mal einer beim freitag)? die idee einer klassenlosen gesellschaft sollte sich auch im medium direkt wiederspiegeln.

das mal als wasserstandsmeldung von der elbe, ciao, nbo

nbo 26.03.2009 | 20:09

zum umgangsstil im web: wir werden uns damit abfinden müssen, dass das web noch eine weile eine kolonie ist, die von horden grobschlächtiger übellauniger user besiedelt wird wie einst lateinamerika von den schergen spaniens. ich muss sagen, dass der ton in der freitag-community geradezu labsal im vergleich mit anderen foren ist. da kann man jemanden wie chris97 einfach mal als maskottchen durchgehen lassen.

ein ernsthaftes problem, dass man dem freitag (noch) nicht ankreiden sollte, ist die darstellung und strukturierung der user-generierten-beiträge. die menge an blogbeiträgen ist im wortsinne überwältigend. ich gebe schnell auf, wenn ich mich einfach nur durch endlose listen klicken muss (ob sie nun nach groben ressortthemen gebündelt sind oder nicht). es müsste zum einen eine art vorschau zum durchblättern geben, ohne dass man jedesmal eine ganze seite neu lädt. zum anderen wäre es sinnvoll, die blogbeiträge nicht nur anhand von schlagworten sortierbar zu machen, sondern als eigenständige redaktionelle arbeit zu themen zu bündeln, die bezüge zeigen, in einer eigenen rubrik zu pflegen. ein derartiges vorhaben macht meines wissens kein online-medium, und es wäre mit sicherheit aufwändig, aber eine echte neuerung in der online-schreibflut. dann würde auch der hier zuletzt artikulierte frust über das versinken eigener beiträge in dieser schreibflut verschwinden.

nach wie vor skeptisch stehe ich jeder art von bewertungssystem gegenüber. für mich ist es ein ausfluss aus der rankingsucht, mit der seit jahren alles überzogen wird. soll das der focus machen. kann ich dem urteil vieler leser trauen, die im schnitt einem text 2 oder 5 sterne gegeben haben? gehen nicht oft genug geschmäcklerische überlegungen oder empörung über argumente ein, die nicht die eigenen sind? genügen würde eine einfache variante, "x leser empfehlen diesen beitrag".

zuletzt noch ein wort zu den community-beiträgen in der printausgabe: ich finde, es hat etwas abwertendes, als autorennamen dort den usernamen zu verwenden. wenn der beitrag so gut ist, dass er gedruckt wird, sollte der autor wie jeder andere autor auch mit seinem namen ausgewiesen werden. es entbehrt ja nicht einer gewissen ironie, dass ein linkes blatt wie der freitag plötzlich mit einer fein ausdifferenzierten schreibhierarchie daherkommt. verleger - herausgeber - redakteur - autor - blogger. ich weiß, dass damit transparenz hergestellt werde soll. aber auf mich wirkt es wie die erfindung eines medialen kastenwesens. was steht denn dann bei praktikanten (war ja selbst mal einer beim freitag)? die idee einer klassenlosen gesellschaft sollte sich auch im medium direkt wiederspiegeln.

das mal als wasserstandsmeldung von der elbe, ciao, nbo

Streifzug 26.03.2009 | 21:28

Ich kann mir nicht helfen und muss es noch schreiben. Die Assoziation beim ersten Anblick des Profils von Jakob Augstein geht mit nicht mehr aus dem Kopf. Dort schreibt er: "Journalist und Gärtner in Berlin".

Sofort schoss es mir durch den Kopf: "Being There".
Anderen ist es bestimmt als "Willkommen Mr. Chance" mit Peter Sellers bekannt.

Die inhaltliche Substanz dieser Assoziation bietet mehr als mir im ersten Moment klar war. Aber das kann jeder selber nachlesen :-)
de.wikipedia.org/wiki/Willkommen_Mr._Chance

"Life is a state of mind" - (Das Leben ist ein Gemütszustand)

Jakob Augstein 26.03.2009 | 22:55

Super Film.
Ich krieg, glaub ich, die Assoziation nicht richtig mit. Aber ich nehm es mal als etwas, worüber ich mich freue - weil, wie gesagt, der Film großartig ist, und Peter Sellers schon mal sowieso.

Als Inspektor Clouseau geht er mir manchmal ein bisschen auf die Nerven (so wie Jacques Tati auch - obwohl ich begreife, dass es große Kunst ist, die man da sieht). Aber es gibt wahrscheinlich keine lustigere Szene als die aus dem Partyschreck, wo Sellers als Hrundi V Bakshi auf der Hollywood Party landet.

Streifzug 27.03.2009 | 02:13

@Jakob Augstein
Es ist positiv gemeint. Ich kann es allerdings nicht so formulieren, dass es wie gemeint rüberkommt.
Stichpunkte: Kommunikationsfähigkeit, Künstliche Intelligenz, feinsinnige Satire, Plattitüden, Auftritte von Politikern, Rezeptionsvermögen der Öffentlichkeit, sehr kurze Aufmerksamkeitsspanne, Schwächen der modernen Industrie- und Finanzgesellschaft, unbegrenzter, abstumpfender Konsum der allzu mächtigen Medien, Unterhaltung mit Substanz ...

"I like to watch" - "I like to blog"

ChristianBerlin 27.03.2009 | 08:48

Mein früherer Ressorchef fragte mich des öfteren, warum ich nicht leiber Bäcker oder Friedhofsgärtner geworder bin. Am Anfang konnte er mich damit beleidigen, inzwischen verstehe ich ihn. Und seit ich J.A. kenne, fühle ich mich sogar geehrt. :-) Der Film war wirklich einer meiner Lieblingsfilme, weil er einfach nichts auslässt - eine moderne Variante von Gottfried Kellers bekannter Satire, und ich glaube, leider der letzte Film mit Peter Sellers.

Gregor Keuschnig 27.03.2009 | 10:09

Interessant ist, dass der Kritiker chris97 in seinem moderierten Blog Kritik an seiner Kritik in Form eines Kommentars nicht veröffentlicht. Soweit zum Thema pluralistisches und offenes Denken. Die Enttäuschung der Kritiker beruht m. E. nicht zuletzt darauf, dass das links-ideologische Denken zu Gunsten offener Strukturen aufgebrochen werden soll. Da passt vielen die (politische) Richtung nicht - und dann schiebt man dann auch mal gerne technische Gründe vor. Natürlich ist die Technik hier noch optimierbar, aber die Qualität und Güte eines Textes hat zunächst einmal nichts mit der technischen Aufbereitung zu tun. Er "funktioniert" zur Not auch noch auf Papyrus. Jetzt komme ich zum Missverständnis, welches ausgeräumt werden muss. Ja, Journalismus heisst Zweifeln - das ist richtig. Das ist aber - leider - heutzutage die Ausnahme. Auch Journalisten vermitteln immer mehr das Gefühl des Wissenden. Blogger kopieren diese Hybris und potenzieren sie teilweise noch, um im allgemeinen Diskurs überhaupt eine Stimme zu erhalten. Das macht ja viele Blogs so gähnend langweilig: Ihre Meinung ist nicht nur pointiert (das wäre ja noch nichts Schlechtes), sie ist zementiert und unangreifbar. Um einen vielleicht holprigen Vergleich aus der Justiz heranzuziehen: Blogger sind Anwälte für etwas - Journalisten sollten ergebnisoffen ermittelnde "Staatsanwälte" sein (ergebnisoffen heisst: sie müssen in beide Richtungen forschen). Meine Meinung: Sich die Kritik anhören, sich ihr stellen, aber sich nicht in jedem Punkt den Kritikern ergeben. Die kochen oft genug auch nur mit Wasser.

filtor 27.03.2009 | 11:26

Deutsche Journalisten sind leider allzu oft Staatsanwälte, eben Anwälte des Staates. Nachzulesen wieder nächste Woche, wenn sie über die "gewalttätigen Chaoten" schimpfen, und damit nicht die paramilitärischen Polizisten, sondern die NATO-GegnerInnen meinen werden. Ich hab mir nach der Rostocker Demo vor Heiligendamm 2007 einen Satz aus der FAZ notiert - laut Herrn Augstein ja die beste deutsche Zeitung -, dessen pathetisch-autoritärer Ton ganz gut die gesamte Berichterstattung dieses Blatts (und vieler anderer) auf den Punkt bringt - jede polizeiliche Desinformation wurde unüberprüft abgedruckt (nach dem Gipfel revidierte man dann teilweise), aber mit einer kräftigen Prise Ressentiment gewürzt: „Das Bild setzt sich fest: Polizisten, die um ihr Leben laufen, die mit gebrochenen Gliedern am Boden liegen. Die schutzlosen und verletzten Beamten, die nur mit Glück überlebten, symbolisieren die Kapitulation des Rechtsstaats.“

Andre080582 27.03.2009 | 11:57

Das Problem ist wohl einfach, dass ein Projekt, das mit solchen Vorschlusslorbeeren gestartet ist und neue Akzente setzen will, besonders kritisch beäugt wird. Die Erwartungshaltung war einfach sehr hoch. Da hilft auch der Hinweis auf "beta-Version" wenig. Ich für meinen Teil kann die gesammelte Kritik an "der Freitag" nicht gänzlich nachvollziehen. Noch immer komme ich hier gern vorbei und kaufe mir die aktuelle Ausgabe am Kiosk. "der Freitag" wächst... hoffentlich auch weiterhin mit seinen Lesern

lukasheinser 27.03.2009 | 13:24

Den Vergleich mit Lateinamerika finde ich brutal, aber gut. Man darf auch nie aus den Augen verlieren, von was für Größenordnungen wir im Web sprechen: Wenn ein deutschsprachiges Blog auf 40.000 Leser pro Tag kommt, ist das sicher richtig, richtig viel. Vermutlich hat jeder Shopping-Sender mehr Zuschauer. (Was beweist, dass Reichweite andererseits keine Aussagen über Relevanz zulässt.) Aber dadurch, dass im Web 2.0 viele (jeder?) gleichzeitig empfangen und senden, entsteht eine gewaltige Rückkopplung. Wer ausschließlich im Web 2.0 unterwegs ist, wird den Eindruck bekommen, Blogs oder twitter seien Massenmedien (weil jeder, den man kennt, sie nutzt). Ich finde es immer sehr hilfreich, meinen Großeltern zu erklären, was ich eigentlich beruflich tue. Wenn man sich erst mal verständliche Erklärungen für "Blog" oder "Community" überlegt hat, hat man glaub ich wieder genug Abstand zum Thema gewonnen. Aber ich fürchte, jetzt habe ich mich (was auch typisch fürs Internet ist) völlig vom Thema entfernt ...

m 1 27.03.2009 | 18:50

Ahemm: "da kann man jemanden wie chris97 einfach mal als maskottchen durchgehen lassen" (von @nbo) Nur mal ein wenig zur Historie der jetzt im Netz umlaufenden heftigen Der-Freitag-Kritik von @chris97: Christian ist einige Zeit vor dem Neuerscheinen von Der Freitag auf seinem Blog fixmbr mit Jakob Augstein in Kontakt gekommen. Christian hatte ebenfalls vor dem Start der jetzt so kritisierten Webseite einen Testzugang und hat eine lange Mängelliste geschrieben. Die Mängelliste basierte auf seinen fundierten Erfahrungen als Blogbetreiber und wurde auch transparent öffentlich gemacht. Nach dem Neustart von freitag.de haben sich viele Leute hoffnungsfroh mit einigen Erwartungen hierher begeben und ebenfalls fleißig getestet und viel Feedback gegeben. Die angesammelte Kritik lässt sich auf Fixmbr, bei identi.ca/tag/freitag, hier in der Community und an vielen anderen Stellen im Internet nachvollziehen. Also, die zuletzt veröffentlichte persönlich sehr engagierte Kritik von @chris97 ist kein spontanes Sommergewitter bei ansonsten wolkenfreiem blauem Himmel, sondern die Wolken sind lange sichtbar von allen Seiten her aufgezogen und haben sich folgerichtig jetzt mal entladen müssen. Wer jetzt hinzukommt, der hat es beim jetzigen Stand der Eskalation evtl. ein wenig schwer das Alles nachzuvollziehen, aber die Kritik hat lange kollektiv gegrummelt, dann gab es den einen oder anderen Warnschuss mit dem Höhepunkt der länglichen und persönlichen Kritik von @chris97 an den technischen und inhaltlichen Mängeln bei Der Freitag. Links und Lesezeichen: www.google.de/search?q=site%3Ahttp%3A%2F%2Fwww.fixmbr.de%2F+"der+Freitag" www.google.de/search?q=site%3Afreitag.de+%40chris97 identi.ca/tag/freitag As always just my two cents...

Joachim Petrick 27.03.2009 | 21:27

Teil I Hallo Jakob Augstein, Sie sind ja zum Glück nicht ab und zu Guttenberg, sondern wirklich, vom Scheitel bis unter die Sohle, ein Jakob vom Rudolf Augstein und Gattin, wie sie sich noch hatten. Deshalb frage ich Sie an dieser Stelle, auf dieser Freitags Welle unverblümt durch die Blume: „Wie kann es sein, dass Sie zum „Neustart“ des Freitag allen Sparten Arten der Nomaden in den Netzen das Wetzen zur Oase Freitag lehren, um diesen dann, angeblich mangels Stallgeruch, „schimpfend“ Nase triefend rümpfend, den Rücken zu kehren, nur noch übertroffen von chris97 auf seinem schnieken alsternahen Hanseaten Blog, der seinen ungebetenen Kritikern, Argumenten Hubern, Lobhudelern zur Unzeit, wie ich einer bin, weil ich viele bin, den Zugang zu seinem Blog- Clan, trotz mehrmals artigem Klopfen verwehrt (s. a. hier Kommentar Gregor Keuschnig ) Wie können Sie den Netz- Nomaden, wie Sie diese nennen, erst eine Oase als Ballon, namens „der Freitag“ aufblasen: “Kommt alle her,ihr Monaden Sparten Netznomaden die Freitags Tafel ist reichlich gedeckt, das Brot für alle da gebrochen, das Wasser wie Wein in Gläsern gebändigt ausgehändigt“ Die Jakobsleiter Augstein Parole über allem, ich hörte sie mir zum Wohle “Nicht nur die Harten, kommen in den Freitags Garten“, um dann unvermittelt alle Netz- Nomaden vor den Kopf zu stoßen, den „Rausschmeißer“ Kaffee „Last order“ aufzubrühen: “ Netz- Nomaden! verlaßt die Oase „Freitags Garten“, wenn es euch nicht paßt, euch ein Hummel Fieber fremdelnd flüchtig per Mausklick in andere Oasen treibt!. Ihr seid mir nicht nur zu weich, ihr weicht mir zusehr hin her, wie es Nomaden so beliebt“. Das erinnert mich eigentümlich kurios, amüsant famos an die DDR, als die Kirchen- und Kultursekretäre/innen im Politbüro des Zentralkomitees der SED, mitten in der Mc Carthey Kommunisten Hatz in den USA, deutschen Exilanten/innen in Nordamerika den Ballon einer systemübergreifenden Oase, namens „Sonntag“ aufgeblasen: “Kommt alle, ihr Intellekt- Beladenen, ihr Talente, nicht nur aus Malente, in die Oase, in das Arbeiter- und Bauern- Paradies DDR!“, um diese dann idelogisch gewogen, als Nomaden gekennzeichet, in Reisekader/innen, Nicht- Reisekader/innen aufzusparten, voller Gelege, wie in einem SED- Massen- Hühner-/Gockel- Gehege.

Joachim Petrick 27.03.2009 | 21:28

Teil II Genug des Ernste, Spass lass mich los! Netz- Nomaden sind doch jene, die im Zeitalter sich auflösender Staaten, Parteien, Gewerkschaften, Ideologien, Kirchen, Glaubensverdichtungen, -richtungen, Print- und Medien Produkten mit verdorrtem Sinn für Alleinstelungsmerkmale auf geregelten Grenz- und Reise- und Aufenthaltsverkehr angewiesen sind!, oder? Wie sagte Herbert Wehner noch brüllend in Deutschen Bundestag beim Hammelsprung , als wäre der eine Wüste: “Siehste! Wer hinausgeht, muss auch wiederkommen!“, womöglich noch mit Kind Kegel!, das habe jetzt ich gesagt. Fazit: Das Projekt „der Freitag“ hat sich, gut aufgestellt, der Herausforderung gestellt, im Zeitalter des heraufdämmernden Nomadenwesen in allen gesellschaftlichen wie privaten Bereichen, mitten in der Wüste des abgeholzten Blätterwaldes, eine Oase für Nomaden zu sein!“, oder? „Eine Oase wird „der Freitag“ sein. Nur so soll er sein, Nur so wird der Freitag und wir mit ihm mehr als eben leben!“ tschüss JP

filtor 28.03.2009 | 11:42

@ Gregor: Ihren Vergleich habe ich verstanden, aber er basierte auf der m.E. völlig verblendeten Weltsicht (verbreitet v.a. unter deutschen Staatsanwälten), wonach die deutsche Staatsanwaltschaft die "objektivste Behörde der Welt" ist. Daher mein scheinbar naive Wörtlich-Nehmen des Wortes "Staatsanwalt". Und ein Seitenhieb auf Herrn Augsteins Lieblingszeitung, die m.E. auf ranzige Weise konservativ ist, schien mir auch angebracht.

Avatar
klara 28.03.2009 | 16:55

Die Aufregung habe ich noch nicht recht mitbekommen, weil ich mich gerade erst registriert habe - aufgrund dieses lesenswerten Blogs, der mir nahelegt, dass ich die Aufregung auch gar nicht mitbekommen muss, weil ich es mir ungefähr vorstellen kann...

"Netznomaden" ist ein wirklich hübsches Wort - und auch in Städten braucht es jene Reisende, zur Erfrischung, Inspiration, und sie sollten aus jeder Zisterne schöpfen dürfen, wenn sie ein wenig Sternenstaub dafür zurücklassen. Aber wie mögen wir die Sesshafteren nennen, die - "committed" mit auch mal müden Händen nach Zisternen graben und vielleicht sogar fruchtbare Städte bauen?

Stadthirten? Netzbürger? Web-Citoyens?

cemb 28.03.2009 | 18:41

Lieber Jakob Augstein, ich habe eben noch einmal Ihren Artikel Journalismus 2.0 gelesen. Ich fand ihn in seiner Haltung mutig, offen und optimistisch. Es hatte mir beim ersten Lesen damals schon gefallen. Heute wieder. Was hat Ihre Haltung verändert? Die "Netznomaden" klingen etwas nach Enttäuschung und Verbitterung. Das gefällt mir nicht.

Jedes Experiment, und "der Freitag" ist eines, ist unvorhersehbar. Deshalb ist es ja ein Experiment. Und das Web ist dabei das grösste und lebendigste Labor der Welt. Instant Feedback. Von allen Seiten. Das Netz ist der beste Platz, um schnell aus diesem Feedback zu lernen, die Rahmenbedingungen des Experiments und auch die eigenen Erwartungen zu ändern, zu verbessern und wieder daraus zu lernen. Dieses Experiment geht nie zu Ende. Eine schnelle Folge von Iterationen des Lernens, um sich immer mehr dem zu nähern, was wir für eine erstrebenswerte, gute und lebensfähige Lösung halten.

Ich bin nicht der Meinung, dass das Experiment "Freitag" in einer Sackgasse gelandet ist, wie manche sagen. Es hat nur noch nicht schnell genug Iterationen durchlaufen. Wir können dieses Experiment im Web nicht einfach anhalten und abwarten. Das Web lebt weiter und zwingt uns zur Veränderung, Anpassung und zum Lernen. Das macht jede Plattform 2.0 durch. Dafür gibt es viele prominente Beispiele. Das ist Teil des Spiels. Das Web zwingt uns sogar manchmal an unseren Positionen zu zweifeln. Sogar manchmal an unsereren Grundfesten. Und manchmal ist es auch ein Raubtier. Niemand hat bisher ein Webangebot ersonnen, das vom ersten Tag an sofort in allen Belangen funktioniert hat. Das Web ist eine grosse Lernmaschine. Das finde ich gut.

Es gibt keinen Grund enttäuscht zu sein. Es gibt nur eine Chance zu lernen und weiter zu experimentieren. Dazu gehört Mut, Offenheit und Optimismus. Davon haben Sie in Ihrem Artikel über den Journalismus 2.0 damals gesprochen. Das ist eine gute Haltung. Ich finde, die Zeit ist längst reif für ein neues Journalismus-Modell. Warum soll er nicht hier entstehen? Was meinen Sie?

oca 28.03.2009 | 22:53

"ich weiß wovon ich spreche" (J.A.)

Na eben nicht! Ihre "Kapitalismuskritik" ist so flach wie sonst nur die Tagesschau.

Und Ihr Blog wird gerade, falls Sie es noch nicht gemerkt haben, von Müll überschwemmt (z.B. m 1), was er auch verdient hat, solange Sie an einer Debatte über die "Gemeinschaft" des Freitag mehr Interesse haben, als an einer Kritik der Welt um den Freitag herum.

Schackerbilly 29.03.2009 | 12:25

Ich persönlich mag den Vergleich zwischen dem bösen Nomaden und dem guten Sesshaften nicht. Er weckt ehrlich gesagt ungewollt Assoziationen zu Leni Riefenstahls "Tiefland" und der ganzen Blut-und-Boden-Romantik.

Trägt nich das Nomadische - die Poststrukturalisten haben es uns gezeigt - bei genauerer Betrachtung sogar überaus positive Züge? Und sollten die nicht auch gewürdigt werden?

Damit will ich nur auf die unglücklich gewählte Allegorie aufmerksam machen. Die hier kritisierte Vorgehensweise einiger User teile ich, nur ist sie meiner Ansicht nach keinesfalls nomadisch. Das genaue Gegenteil ist der Fall.

Jakob Augstein 29.03.2009 | 14:10

Hallo lieber cemb,
danke für die guten Worte!
Von Enttäuschung keine Spur Im Gegenteil: Sie haben völlig Recht, die Lernkurve ist steil, und dazu gehören für mich auch Gedanken über die eigene Verortung sozusagen. Und Verortung ist natürlich immer auch Abgrenzung. Ohne geht es nicht.

Ich will das nicht überzeichnen: Aber wir stehen hier im Moment mit einem Bein in der einen, mit dem anderen in der anderen Welt. Weil die Welt, in der wir eigentlich mit beiden stehen müssten, so noch gar nicht existiert. Das ist großartig. Aber ein bisschen wackelig.

Ich kann die Auseinandersetzung zum Lesen empfehlen, die hier zum gleichen Thema stattfand:

www.bwlzweinull.de/index.php/2009/03/26/der-freitag-zoomer/comment-page-1/#comment-17084

Und ich werde mal versuchen, in den nächsten Tagen einen neuen BlogBeitrag zu spinnen, in dem es ein bisschen mehr um diesen Clash of Civilisations geht und wie wir daraus etwas Neues entstehen lassen. (Vielleicht rechtzeitig zur re:publica Konferenz in Berlin, auf der ich das Vergnügen habe an einem Podium teilzunehmen. Da gibt es dann jede Menge Blogger, mit denen ich mich streiten kann. :)) )

Denn - auch da haben Sie völlig Recht: Die Zeit ist reif für einen neuen Journalismus.
Ihr JA

Joachim Petrick 30.03.2009 | 06:02

Hallo Jakob Augstein,
unverkennbar haben Sie den „Freitagswillen“, haben Sie aber auch eine Freitagsvilla“?
Falls nicht, ist das auch nicht weiter schlimm.
Da sage ich subversiv im übertragenden Sinne, wie Ihr Vater Rudolf Augstein, anno 1967 im Audimax der UNI in Hamburg, zu Rudi Dutschke:
“Nicht eschatologisch Jammern verbal Picheln“, sondern ideal medial „Hämmern Sicheln“.
Wobei ich in besagter Debatte von 1967 eher Rudi Dutschke zuneige, denn Ihrem Vater, weil Rudi Dutschke gar nicht subversiv auf ein Phänomen unserer Zeit verwies, das auch heute gilt:
“Nicht nur Freitags- Antworten kommen als Fragen daher, Freitags- Fragen als Antworten“.
Die Menschheit ist nicht nur voller Freitags- Antworten, ohne die Fragen zu den Antworten zu kennen!“.
Insofern war es gut, voller zivilem Mut, dass Rudi Dutschke es nachdrücklich vermied, als Einzelner Antworten zu geben, wo es nicht nur ihm unter Teilen der 67er, 68ern darum ging und geht, sich auf die Suche und Pirsch von Fragen zu begeben.
Trotzdem wurde auf Rudi Dutschke am 10. April 1968 geschossen.
Hatte da nicht nur Bild, sondern auch Der Spiegel, wenn auch auf sehr viel subtil komplexere Weise ahnungslos mit geschossen?
Bestand Günter Gaus als damaliger Chefedakteur des Spiegel, späterer Herausgeber des Freitag, in seiner legendären Interview- Reihe “Zu Protokoll“ nicht 1967 darauf, mehr die subversive Seite des Studentenführers, Rudi Dutschke, unerbittlich nachhakend dem interessierten Publikum vorzustellen, wie es Der Spiegel Herausgeber, Rudolf Augstein, sich 1967 im Audimax der UNI Hamburg so engagiert wie aufrichtig wünschte, statt die fragende Seite des Rudi Dutschke als dessen eigentliches, wie schützendes Element in Zeiten der aufkommenden Radikalisierung, Militarsierung der politischen Auseinandersetzung in den Medien, herausgearbeitet, bedeutsam hervorzuheben?
Ich wünsche mir, dass der Freitag sich als Meinungsmedium aufgestellt behauptet, dem es in erster Linie um das Suchen und Aufspüren von Fragen geht, zu denen die Antworten lange, demnächst, oder auch später vorliegen!?
„Menschliche Kommunikation wird eher durch Fragen, denn Antworten genährt!“, oder?
tschüss
JP

Joachim Petrick 30.03.2009 | 06:50

Hallo oca,
schade!, dass Sie über mich und mein „abstruses Zeug“ „sprechen“, statt mit mir!
Flüchten Sie doch nicht! Verweilen Sie!, der „Freitags- Forum Augenblick“ ist so schön!
Vielleicht haben Sie ja an meinem „abstrusen Zeug“ ein „Gebrechen“ erkannt, dessen Fragestellungen ihnen, aber nicht mir vertraut sind.
Lasssen Sie mich doch an Ihren Fragen teilhaben.
„Ich lasse Sie nicht, Sie fragen mich denn!“
Wie finden Sie das!?

tschüss
JP

thielsby 31.03.2009 | 12:16

Wenn Augstein als Antwort auf zahlreiche Kritik hier überzeugend das Konzept des "Freitag" vorträgt und am Ende seiner Erklärungen das Bild des "Netznomaden" bemüht, der keine "Städte baut", um daraufhin von einem Leser mit der Faschismuskeule bedroht zu werden, so ist das tatsächlich ein trauriges Zeichen. Das ist kein Stil und offenbart nur altes Denken in ideologischen Kategorien. Ich hoffe für die Zukunft dieser höchst interessanten Neuerscheinung, daß hier keine geschulten Kader, die sich im Besitz der Wahrheit wähnen, das Zepter in die Hand nehmen. Es war sicher nicht ganz glücklich, daß Augstein die Grundhaltung des "Freitag" mit "irgendwie links" beschrieb; zum einen, weil es vieles ausschließt und zum anderen, weil man leicht ein Ungleichgewicht an Meinungen erhält , das der Community nicht dienlich sein kann.

Axel F 31.03.2009 | 14:58

Ich möchte nochmals betonen, dass Leute wie chris97, also der heftigste Kritiker des neuen Freitag, nicht zu denen gehören, die "Zisternen graben", um im Bild zu bleiben.

chris97 äußert sich seit längerem in der Freitag-Gruppe von identi.ca auf eine Art und Weise über Mitarbeiter des Freitag, die meiner Meinung nach grob an der Grenze zum Beledigenden ist. Diese "Kritik an den Kritikern" von Jakob Augstein sei ein "arrogantes Gehabe", und Steffen Kraft bescheinigte chris97 vor kurzem "dummes Gelaber", ohne einen konkreten Artikel als Referenz zu nennen.

Letzteres hat er inzwischen gelöscht, nicht aber ohne auf meinen Hinweis, dass ich seine ausfallende Art nicht akzeptabel finde, mit Beleidigungen wie "Pfeife" und "Spinner" zu beantworten.

Der große Kritiker chris97 veröffentlicht übrigens Kritik an seiner Freitag-Kritik auf F!XMBR nicht, auch wenn diese niveauvoll formuliert ist. chris97 ist selbst nicht kritikfähig und somit meiner Ansicht nach schon charakterlich nicht in der Position, hier auf diese Weise vernichtende Kritik am Freitag zu üben. Liebes Freitag-Team, nehmt solche Leute bitte nicht allzu ernst, die haben ihre eigene egoistische Agenda.

Joachim Petrick 31.03.2009 | 18:24

Für einen Tag stand ich verloren, wie auf dem Bahnhof, nicht abgeholt, auf der Freitags Piste. Dachte zuerst „wer biste?“, als keiner mir mit Blog- Beiträgen folgt. Jetzt ahnst du das echte Dieter Althaus Gefühl vom Nichts, vom Scheitern!?, bevor es angefangen. Biste wie Dieter Althaus als Pisten Hooligan auf die Gegenspur geraten, ohne zu wissen warum? War deine Abfahrt „Ein Pisten Jux“ wie die seine zu rasant?, bist du deine Abfahrt anderwärts „verboten“ wieder hochgejagt, mit der Schwerkraft als Bremsspur gen Himmel?
Soweit Althaus echt schlecht.

Wieso hält der Freitag sich das sonderbar gesondert Chris 97 Blog- Zoo Portal, eine russische Puppe in der Puppe?, mit eigenem Zugang per Gesichts-, Gebets- , sprich „Textkontrolle“!?, als gebe es im Freitag eine „ominös karietöse Plattform“ hier, wie dort, hinter den Bergen, bei den Sieben Zwergen der Linkspartei, die Plattform “Sarah Wagenknecht“ als Schneewittchen, niemals Flittchen, bunter Polit- Marx- Vogel, Engels- Pointen- Specht!?“

Soweit noch echter.
Ab jetzt wird alles gut, selbst ich werde täglich besserungswürdiger.

Die taz hat die Rubrik „Wahrheit“, „Verboten“ neu erfunden. Was hat der Freitag bisher neu erfunden, seitdem Erich Kuby „Freitag habe ihn selig!“, irdisch enteilt, nicht mehr unter uns Lebenden weilt?

Wie wäre es mit Freitags- Rubriken, Ecken wie!?:
„Kunterbuntes“,
„Schul- bis Müntefrei“,
„deutsche Scham“
„Alarm deutsche Scham“ ,
„Falscher Alarm“,
„abfallarmer Text“,
„recyclebares Wort zum Freitag“,
„“Verzogen wg. Mauerfall der Woche, des Monats, des Jahres, des Jahrzehnts, des Jahrhunderts, des Jahrtausends!“,
„Eingezogen wg. Mauerbau!“,
„Wende in vier Wänden!“,
„Erheitert gescheitert“,
„ Besser gleich Scheitern, denn Köhlern!?“,
„Beichte der Woche!“,
„Flüstern!, Freund hört mit!“,
„Whistleblower „Sie mich auch schon wieder!?“,
„Götz von Berlichingen am Freitag“,
„Lyrisch gelogen!“.
„Kurze Lügen, lang gebeint“
„Was niemand wissen darf!“,
„mucksmäuschenstill“
„intim“
„Zwischen den Zeilen brdddr“,
„Scharf mit Pfiff“
„Kalte Schnauze, heisser Sinn!“
Pfeffer Salz!, Freitag erhalts“

Ecke der Freitag Affirmation:
„Den Sozialismus sollst du suchen, den Kapitalismus meiden“. (Anmerkung der fliegenden Redaktion „Bei lokal gesellschaftlichem Blitz und Donner, bei globalem Gewitter schützen weder Sozialismus noch Kaptalismus, sind eben doch beide nur Eichen Buchen!“).
JP

Constantin Rhon 01.04.2009 | 09:26

Lieber Herr Augstein,

zu Ihrer Kritik an der Freitag-Kritik: Genauso ist es, Herr Kollege! - Ich baue seit Jahresanfang eine kleine (und hoffentlich feine) Stadtteilzeitung im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg auf. Mit aufbauen meine ich AUF BAUEN, d.h. von unten auf, aus dem Nichts. Der Kopf dröhnt vor Gedanken, Ideen, was man machen muss, unbedingt noch machen müsste, wann etwas zu machen ist - und vor allem mit wem....

Es geht um nichts anderes als die Übernahme von Verantwortung. Immer. Mimosenhaftes Gezänk und Getue hält nur ab von der Arbeit.

Machen Sie einfach weiter!

Beste Grüße

Joachim Petrick 08.04.2009 | 17:08

Teil I
Hallo Jakob Augstein,
Maria v. Boisse hat mir in ihrem Blog empfohlen, mich nicht über das Umweg LOS in ihrem eigenen Blog, sondern direkt an Sie mit meinen Vorschlägen zu wenden, was ich „herman hermits“ hiermit gerne tue:

Kurzum, ich schlage vor und ermutige Sie und alle Engagierten, Interessierten am Freitag zum freimütigen Nachschlagen:
“der Freitag diskutiert Offshore im Netz, ohne den Rang des Zank Zwang der Registrierung, Regeln, an die man/frau sich halten kann, aber nicht muss, wie folgt!:
4. Beiträge, Kommentare anderer werden weder tadelnd noch lobend, bewertend in der Freitags- Community kommentiert, weil sie als Dokument unserer Zeit im Freitag für sich sprechen
5. Wer will, spricht in eigenen Kommentaren, eigenen Beiträge nur für sich selbst nicht nur am, aber ganz selbstbestimmt im Freitag.
6. Abwertungen von Personen, Kommentaren, Beiträgen anderer in der Freitags- Community werden gelehrig vermieden, außer diese beinhalten den Anfangsverdacht von Straftaten.
7. Vorschläge in der Freitags- Community, wie in der Freitags Redaktion werden zeitnah zu jeder Zeit an einsehbarer „Börsen“- Stelle, samt statistischer Zustimmungen, Gegenstimmen, wie der Stand der Umsetzung oder Verwerfung dieser Vorschläge als Freitags- Historie dokumentiert.
Teil II folgt

Joachim Petrick 08.04.2009 | 17:12

Teil I
Hallo Jakob Augstein,
Maria v. Boisse hat mir in ihrem Blog empfohlen, mich nicht über das Umweg LOS in ihrem eigenen Blog, sondern direkt an Sie mit meinen Vorschlägen zu wenden, was ich „herman hermits“ hiermit gerne tue:

Kurzum, ich schlage vor und ermutige Sie und alle Engagierten, Interessierten am Freitag zum freimütigen Nachschlagen:
“der Freitag diskutiert Offshore im Netz, ohne den Rang des Zank Zwang der Registrierung, Regeln, an die man/frau sich halten kann, aber nicht muss, wie folgt!:
4. Beiträge, Kommentare anderer werden weder tadelnd noch lobend, bewertend in der Freitags- Community kommentiert, weil sie als Dokument unserer Zeit im Freitag für sich sprechen
5. Wer will, spricht in eigenen Kommentaren, eigenen Beiträge nur für sich selbst nicht nur am, aber ganz selbstbestimmt im Freitag.
6. Abwertungen von Personen, Kommentaren, Beiträgen anderer in der Freitags- Community werden gelehrig vermieden, außer diese beinhalten den Anfangsverdacht von Straftaten.
7. Vorschläge in der Freitags- Community, wie in der Freitags Redaktion werden zeitnah zu jeder Zeit an einsehbarer „Börsen“- Stelle, samt statistischer Zustimmungen, Gegenstimmen, wie der Stand der Umsetzung oder Verwerfung dieser Vorschläge als Freitags- Historie dokumentiert.
Teil II folgt

Joachim Petrick 08.04.2009 | 17:14

Teil II
Ab jetzt wird alles gut, selbst ich werde täglich besserungswürdiger.

Die taz hat die Rubrik „Wahrheit“, „Verboten“ neu erfunden. Was hat der Freitag bisher neu erfunden, seitdem Erich Kuby „Freitag habe ihn selig!“, irdisch enteilt, nicht mehr unter uns Lebenden weilt?

Wie wäre es mit Freitags- Rubriken, Ecken wie!?:
„Kunterbuntes“,
„Schul- bis Müntefrei“,
„deutsche Scham“
„Alarm deutsche Scham“ ,
„Falscher Alarm“,
„abfallarmer Text“,
„recyclebares Wort zum Freitag“,
„“Verzogen wg. Mauerfall der Woche, des Monats, des Jahres, des Jahrzehnts, des Jahrhunderts, des Jahrtausends!“,
„Eingezogen wg. Mauerbau!“,
„Wende in vier Wänden!“,
„Erheitert gescheitert“,
„ Besser gleich Scheitern, denn Köhlern!?“,
„Beichte der Woche!“,
„Flüstern!, Freund/in hört mit!“,
„Whistleblower „Sie mich auch schon wieder!?“,
„Götz von Berlichingen am Freitag“,
„Lyrisch gelogen!“.
„Geistig Gassi gehen!“
„Kurze Lügen, lang gebeint“
„Was niemand wissen darf!“,
„mucksmäuschenstill“
„intim“
„Zwischen den Zeilen brdddr“,
„Scharf mit Pfiff“
„Kalte Schnauze, heisser Sinn!“
Pfeffer Salz!, Freitag erhalts“
„Mein Name ist Freitag „Sonntag! Frag mich mal was!“

Ecke der Freitag Affirmation:
„Den Sozialismus sollst du suchen, den Kapitalismus meiden“. (Anmerkung der fliegenden Freitags Redaktion:
„Bei lokal gesellschaftlichem Blitz und Donner, bei globalem Gewitter schützen weder Sozialismus noch Kaptalismus, sind eben doch beide nur Eichen Buchen!“).

Über eine zeitnahe Rückmeldung würde ich mich freuen. Danke!
tschüss
Joachim Petrick

JoergH 20.04.2009 | 21:57

Lieber Jakob Augstein,

ich glaube - und die Nostalgiker des alten Freitag mögen mich jetzt steinigen - der Freitag hat sich noch nicht genug gewandelt. Die Zukunft kritischer Medien liegt nicht im Meinungsjournalismus - dieser ist in jedem Blog, jeder Community zuhause und Kommentare verändern nicht die Welt. Die Zukunft liegt in der wirklich freien, kritischen Information, im Investigativen, in der Aufklärung über Mißstände im Wortsinne. Ich habe gesehen, wie interessiert sie auf dem taz-Kongress Brigitte Alfter und David Cohn gefolgt sind und habe den starken Eindruck mitgenommen, dass sie das ähnlich sehen.
Mehr demnächst in einem Blog-Beitrag.
Grüße,
JH

Jakob Augstein 21.04.2009 | 01:47

Lieber JH,
ja, ich sehe das wie Sie. Aber Sie legen die Latte sehr, sehr hoch. Was Sie da schreiben, ist das schwierigste und höchste und ehrenhafteste, was Journalismus machen kann. Man muss ehrlich sein: Wir werden das hier auf mittlere Sicht nicht schaffen. Es kostet zu viel Geld. Ich habe das ja auch auf dem Podium gesagt: Überall liegen die schlummernden Skandale und Misstände und Ungerechtigkeiten. Aber die Betroffenen, die, die es mitbekommen, halten den Mund, melden sich nicht. Dabei war es nie leichter als heute, anonym Informationen direkt an die richtige Adresse zu lenken. Es geschieht aber nicht. Ein Medium wie der Freitag ist aus Mangel an Ressourcen schlicht nicht in der Lage, umfassende investigative Recherchen anzustellen. Eben darum fand ich ja das Projekt von Alfter so interessant - also Investigativ-Pools zu bilden, die ihre Projekte an mehrere Zeitungen in verschiedenen Ländern verkaufen und damit die Mittel sicherstellen, die sie brauchen. Wir müssen den Aufbau der Gegenöffentlichkeit - die wir dringend brauchen - erst einmal mit der guten alten Weltanschauung beginnen. Aber dass Ziel muss das sein, was Sie beschreiben.
Ihr JA

ChristianBerlin 21.04.2009 | 02:37

@JA

Dann sind wir uns ja endlich auch einig (wir hatten diese Diskussion ja schon mal). Nur mit dem Unterschied, dass ich die These vertrat, dass investigativer Journalismus nicht nur Geld kostet, sondern - zumindest am Kiosk - auch Geld bringt - über kostenlose Werbung in anderen Medien, die einen als Referenz ihrer Informationen angeben müssen "Nach Recherchen der ... war/hat..." / "Wie Der Freitag in seiner morgigen Ausgabe ..." usw.

Natürlich sollte der Freitag dann an jedem Ort an jedem Kiosk sein, sonst verpufft der Effekt. Das ist noch lange nicht der Fall. Im Flensburger Raum habe ich ihn zu Ostern nirgends (als Print) bekommen.

Und den Begriff "Weltanschauung" hätte ich gemieden (wird i.d.R. synonym mit "Ideologie" verwendet und von Ideologie-Kritikern mit "falsches Bewusstsein" gleichgesetzt). Oben im Beitrag heißt es noch, dass wir keine "Glaubensgemeinschaft" werden sollen (jedenfalls nicht in einem so engen Sinn). Was nicht hindern muss, ein schlüssiges Problembewusstsein für die Gesamtlage zu entwickeln, sowohl im Analyse-Teil der Zeitung, als auch in den Berichten, die die Fakten dazu liefern.

LG CB

PS: Ihre Idee, synergetisch und internetspezifisch Geld zu verdienen, um den Journalismus zu refinanzieren war sehr überzeugend. Ich glaube, das würde funktionieren, auch ohne weitere investive Mittel.

JoergH 21.04.2009 | 08:45

Lieber Jakob Augstein,

natürlich ist es das schwierigste, was der Journalismus leisten kann. Ich bin nicht naiv. Deshalb ist es keine Meßlatte, die ich auflege, sondern es geht mir um die Schärfung der Selbstwahrnehmung, um Problembewußtsein. Als Journalist muss ich wissen, dass ich mit einer guten Reportage deutlich mehr erreichen kann als mit zehn noch so eloquenten Leitartikeln. Und wenn ich gesellschaftspolitisch argumentiere - und ich denke, für sie ist der Freitag auch ein gesellschaftspolitisches Projekt - kann ich gar nicht anders, als nach den Sternen zu greifen.
Aber ich bin nicht naiv und weiß, wieviel Anstrengung das wäre. Es wäre ein langer Weg. Aber ich freue mich von ihnen zu hören, dass sie ihn auch für richtig halten. Als eine Möglichkeit, den Freitag weiterzuentwickeln.
Bis dann, JH

ChristianBerlin 21.04.2009 | 11:22

Lieber JoergH,

da denken wir ähnlich und doch vollkommen verschieden.

Das Marx-Zitat in Deinem Profil verwende ich z.B. ebenfalls als Signatur in einem Forum, das ich im letzten Sommer übernommen habe - leicht verfremdet bzw. upgedatet und auf das dortige Thema bezogen (GoogleEarth).

Du dagegen lässt den ersten Halbsatz weg. Da liegt der Fehler. Marx selbst hielt eine realitätsgerechte Wahrnehmung und Deutung der existierenden Verhältnisse für eine unverzichtbare Voraussetzung ihrer Veränderung. Dabei ist auch Platz für fromme Mythen, Legenden, Visionen und Utopien - solange sie als solche benannt und insofern krititisiert werden dürfen.

Das, was Du propagierst, hält dagegen die Not-Lüge für Not-wendig. Das "falsche Bewusstsein" soll einem guten Zweck dienen - und wird am Ende dessen Gegenteil erreichen, wenn es sich selbst dem Hinterfragt-Werden erfolgreich entzieht.

Wohin Ideologie selbst bei ihren Machern führt, siehst Du sehr schön im "Untergang", wo Bruno Gans Armeen Befehle erteilt, die gar nicht mehr existieren - oder in der Aktuellen Kamera von vor 20 Jahren, wo der beginnende Exodus des DDR-müden Staatsvolkes als Abwerbung von Facharbeitern durch den Klassenfeind erklärt wurde. Der hatte dazu u.a. Zigaretten vergiftet, was die damaligen Journalistenkollegen in einem Einzelfall sogar nachweisen konnten.

Ein einheitliches falsches Bewusstsein kann eine Gemeinschaft nach innen und außen stark machen. Doch die Realität als solche wird immer stärker sein.

LG CB

Anette Lack 21.04.2009 | 12:15

Lieber JoergH;

"Die Zukunft kritischer Medien liegt nicht im Meinungsjournalismus - dieser ist in jedem Blog, jeder Community zuhause und Kommentare verändern nicht die Welt."

Da stimme ich Ihnen nicht ganz zu. Investigativer Journalismus und "Meinungsjournalismus" gehören für mich untrennbar zusammen, beides zusammen ergibt den Journalismus der Zukunft.

Ohne eine zusätzliche Erklärung, eine Orientierung quasi, wird ein Skandal manchmal nicht so leicht als solcher zu erkennen sein... und da wir Journalisten uns beruflich mit Hintergründen befassen, sehe ich mich auch als Dienstleister, der dem Leser EINE mögliche Lesart vorstellt. Wie er sie letztlich für sich verwertet, bleibt ihm überlassen.

Herzlich

Anna

JoergH 21.04.2009 | 12:35

Lieber CB,

manchmal ist es gut, erst zehn Minuten etwas anderes erledigen zu müssen, nachdem man ein Posting gelesen hat. Das gibt der Wut Gelegenheit, sich zu verziehen und man kann wieder sinnvoller argumentieren.

Warum Wut? Weil du aus dem verkürzten Marx-Zitat konstruierst, ich würde, gut maoistisch, die Lüge als Mittel der Veränderung akzeptieren. Frei nach dem Motto "Die Wahrheit im Munde des Gegners dient immer dem Klassenfeind und muss deshalb geleugnet werden." Ein solches Bild von mir zu zeichnen fand ich angesichts der dürftigen empirischen Basis unverschämt. Und das ist zurückhaltend formuliert.

Das Fehlen des ersten Halbsatztes betont nämlich diesen eher, soweit ich das sehe. Auch dir ist er ja sofort ins Gedächtnis gekommen, weil einfach jeder dieses Zitat kennt.

Zweitens, warum verbindest du "Weltanschauung", die ich sogar eindeutig als Plural sehe - wie sonst sollte darüber debattiert werden - mit Ideologie. Wir alle haben notwendigerweise eine Anschauung von der Welt, die unsere Wahrnehmung strukturiert und auf deren Grundlage wir das Beobachtete bewerten. Wenn du dies als falsches Bewußtsein bezeichnest unterstellst du, dass es soetwas wie eine einzige unverrückbare Wahrheit gebe. Dann aber brauchen wir nicht mehr debattieren, sondern nur missionieren - eine aus meiner Sicht für eine Demokratie abstruse Vorstellung.

Insofern Frage ich mich, was deine Ausführungen mit meinen Aussagen zu tun haben. Außer du bestehst darauf, dass jede Weltanschauung eine Ideologie und somit abzulehnen ist.

Postideologische und postmoderne Grüße,
JH

ChristianBerlin 21.04.2009 | 15:08

Lieber JoergH,

manchmal ist Wut zu etwas gut. Besonders dann, wenn ihr als Additiv die Denkpause beigemengt wird und aus dieser brisanten Mischung dann klare Worte Sätze folgen.

In der Sache sind wir uns - im Kern jedenfalls - nun doch restlos einig, statt eines Dissenses sind nur noch zwei Fragen offen.

Frage 1

[Zitat]warum verbindest du "Weltanschauung",[...] mit Ideologie[/Zitatende]

Das hätte vor hundert Jahren noch keiner getan, ist aber heute dominierender Sprachkonsens.

Freud z.B. stellt stellt in "Totem und Tabu" drei sukzessive von der Menschheit entwickelte "Weltanschauungen" gegenüber: Den Animismus (den Aberglauben), die Religion (den Gottesglauben) und die Wissenschaft. Letztere beansprucht seit ihren Anfängen, das Gegenteil von "falschem Bewusstsein" zu erzeugen, kann aber, wie Freud wohl weiß, durch eine Verkennung der eigenen Grenzen wieder in den Aberglauben zurückführen. Bleibt sie aber methodisch konsequent, wird dieser Fehler vermieden. Und somit wäre Wissenschaft keine Weltanschauung im Sinne von Ideologie.

Nach den Erfahrungen des zwangzigsten Jahrhunderts mit modernen Weltanschauungen haben die Begriffe "Weltanschauung" und "Ideologie" negative Konnotationen bekommen, die sie an dessen Anfang noch nicht hatten. Und sie werden fast synomym gebraucht.

Die Relevanz dieses (postmodernen) Sprachgebrauchs lässt sich durch ein einfaches Google-Experiment schnell erkennen:

Beleg a) - aus dem obersten Google-Fund zu "Weltanschauung"

[Zitat Wikipedia-Artikel zum Lemma]Eine strenge Unterscheidung der Begriffe „Ideologie“ und „Weltanschauung“ ist nicht möglich[/Zitatende]

Beleg b) - aus dem zweitobersten Google-Fund zu "Weltanschauung"

[Zitat Suma - nicht mehr im Link]Die Weltanschauungsbeauftragten der EV. Landeskirche Württemberg bietet Informationen zu Sekten, ideologischen Gruppierungen und Phänomenen der Weltanschauung.[/Zitatende]

Die Subsummierung dieser Dinge unter dem Auftrags-Etikett "Weltanschauung" ist keine kirchliche Besonderheit. Derselbe Sammelbegriff ist auch im säkularen Rechtswesen gebräuchlich, wenn die Neutralitätspflicht des Staates gegenüber Religionen und Weltanschauungen betont werden soll.

Die Verwandtschaft (und Gegnerschaft) der Religionen und Weltanschauungen liegt in der Gemeinsamkeit, dass sich deren Inhalte eben nicht in allen Punkten logisch jedermann beweisen lassen, sondern gerade die Kerneinsichten sich nur dem Bekenner erschließen. Es wird "Glaube" gefordert.

Beleg c) dritter Google-Fund

Den finde ich am besten. Hier wird bei heise.de unter der Headline "Unterschiedliche Weltanschauung" eine Pressemitteilung der Bayerischen Staatsregierung zum Prozess um die "Zeitzeugen"-Publikation zerpflückt, die wie im bekannten Prawada-Witz die Realität mittels der Sprache verschleiern möchte, ohne freilich direkt zu lügen.

[...]

ChristianBerlin 21.04.2009 | 15:09

[...]

Wenn J.A. mit "Weltanschauung" etwas anderes meinte, müsste er das am besten selbst erklären. Mir fiel der Widerspruch auf zu der Äußerung, hier ginge es nicht um eine Glaubensgemeinschaft. Irgendwie sind Freitags-Leser und Freitags-Blogger das ja schon, z.B. in der von Dir betonten Überzeugung, dass die herrschenden Verhältnisse nicht per se alternativlos sind. Was J.A. jetzt als Anspruch formuliert, geht aber viel weiter und - wenn er meint, was man aufgrund des dominierenden Sprachgebrauchs herauslesen könnte und wird - zu weit.

Ich habe ihm das nicht mal unterstellt, mich aber vorsorglich von einer Deutung distanziert, die er seinen Gegnern dank dieser Vokabel in einer so programmatischen Aussage auf einem silbernen Tablett anbietet - zum Nachteil des Freitags und aller, die hier mitmachen.

Frage 2 (indirekte Frage)

[Zitat JH]Ein solches Bild von mir zu zeichnen fand ich angesichts der dürftigen empirischen Basis unverschämt.[/Zitatende]

Das Problem, dass ich noch mal ideologiekritisch nachlegen musste, ist durch Deine Verteidigung der Begriffe entstanden.

[Zitat JH]Und das Spielchen der "Entideologisierung", hinter dem dann doch nur der Druck steckt, die herrschenden Verhältnisse als alternativlos anzuerkennen, mag ich nicht mehr mitspielen.[/Zitatende]

Dass Du kontra Entideologisierung bist, klang so, als seist Du pro Ideologisierung. Dagegen musste ich mich noch mal abgrenzen.

Gegen die Übersetzung "falsches Bewusstsein" hattest in Deiner ersten Replik noch protestiert. Es ist gut, dass Du auch das nachgeholt hast.

Fazit: Du und ich haben hier für alle Leser unmissverständlich dokumentiert, dass es nicht um Prawda- oder AK-Journalismus gehen kann, auch nicht in der baerischen Form oder den modernen Spin-Varianten zahlloser Institute und Stiftungen, die mit einer organisierten Schwemme von Analysen und Studien ebenfalls die Wahrheit verdrehen ohne direkt zu lügen. Deshalb: Entideologisierung ja, aber dann bitte auch dort, wo heute Ideologie stattfindet!

Nix für ungut wegen der Provokation, aber jetzt sehen wir immerhin klar - und sind gar nicht mal uneins. Oder?

Postideologische und postevangelikale Grüße
CB

ChristianBerlin 21.04.2009 | 18:10

@Streifzug

Das mit dem Begriffswandel und der Definitionsmacht ist tatsächlich ein permanentes Kommunikationsproblem. Auch den Google-Algorithmus durchschaut im Grunde niemand. Deshalb kann natürlich an der Relevanz meinesTestes gezweifelt werden.

Du kannst den Begriff "Weltanschauung" gerne anders bestimmen und ihn mit Philophie und Zweifel gleichsetzen. Wichtig ist nur, dass Du das dann immer mit angibst, weil jeder, der sich das Gegenteil ergoogelt, das sonst zwangsläufig missversteht.

Mit Philosphie hat Religion traditionell kein Problem - im Gegensatz zu den Fundamentalismen, die aktuell leider in allen drei monotheistischen Religionen auf dem Vormarsch sind und selber Ideologien krassester Art exemplifizieren können. Die etablierte akademische Theologie versucht dagegen von der Antike bis heute beidem gerecht zu werden. Ob das immer gelingt, ist eine zweite Frage - aber hier ein wenig offtopic. Ham'mer ja schon mal besprochen. :-)

ChristianBerlin 22.04.2009 | 10:32

Du, das ist keine schlechte Idee ;-)

Aber was ich meine, ist doch klar, oder? Das kann z.B. bei Abkürzungen wie "SS" oder "LKA" eine böse Falle sein, die auch alles mögliche Unschuldige bedeuten können, aber eine dominierende Bedeutung mit negativer Konnotation haben.

In meiner pädagogischen Ausbildung war z.B. "SS" in Unterrichtsentwürfen noch üblich für "Schüler" im Plural. Inzwischen vermeidet man dieses Kürzel. 1991 musste ich mich in einer Recherche mit jugendlichen Neonazis befassen, die die beiden Buchsatben an ihrer Kleidung trugen und behaupteten, sie würden "Saalschutz" bedeuten - bei ihnen jedenfalls. Deren Unwesen (vor allem nach dem Mauerfall) hat m.E. das allgemeine Sensibel für historisch belastete Begriffe und Abkürzungen noch mal erhöht, nach dem Motto: Wenn Du das nicht meinst, sag's lieber anders. Manchmal reicht auch aus, klarzustellen, was gemeint ist und was nicht.

Anette Lack 22.04.2009 | 10:58

Lieber Jakob Augstein;

"Überall liegen die schlummernden Skandale... Aber die Betroffenen, die, die es mitbekommen... melden sich nicht. Dabei war es nie leichter als heute, anonym Informationen direkt an die richtige Adresse zu lenken."

Ich lese da etwas Unverständnis zwischen den Zeilen, und wenn das so ist, kann ich es einerseits nachvollziehen. Mich irritiert oft die Trägheit gerade auch der Hamburger, was ihre Mitwirkung an Demokratie angeht.

Aber unterschätzen Sie nicht vielleicht auch die Ängste der Menschen, die Kenntnis von Missständen haben? Gerade heute, wo - banal, aber zutreffend - nahezu kein Arbeitsplatz mehr sicher ist. Diese Skandale spielen sich ja oft im direktem Umfeld ab.

Ich denke an Unternehmen wie Lidl - auch wenn der Hinweis anonym erfolgt, kennen doch die Filialchefs ihre Pappenheimer und wissen meist, wo die undichte Stelle zu suchen ist.

Aber selbst wenn der Adressat nicht zu benennen ist, kann die Antwort auf das Aufdecken eines Missstands durch interne Hinweise wiederum aus Repressalien für alle Angestellten/ Beteiligten bestehen - zwecks Abschreckung potentieller Nachahmer.

So ein Tipp erfordert häufig viel Mut. Und den hat nicht (mehr) jeder....

Herzlich

Anna

JoergH 22.04.2009 | 11:35

Liebe Anna Dorothea,

natürlich können, nein sollen Journalisten auch Orientierung geben. Aber es ist kein Alleinstellungsmerkmal und niemand kann für sich beanspruchen, dass seine Meinung Kraft seines Berufes im demokratischen Diskurs mehr zählt - auch wenn manche "Hauptstadtjournalisten" (Jakob Augstein), die der Regierung ihr Handeln vorschreiben wollen, dies anders sehen mögen. Was bleibt also das Alleinstellungsmerkmal des professionellen Journalismus? Recherche, Recherche, Recherche...
Liebe Grüße,
JH

JoergH 22.04.2009 | 11:44

Lieber CB,

abgesehen von der Weltanschauung, die JA glaube ich ähnlich verwendet wie ich - jeder hat eine Weltanschauung , über die Debattiert werden kann, während Ideologie ein Kollektivphänomen ist, quasi die GROßE ERZÄHLUNG - liegen wir glaube ich auf einer Wellenlänge. Die Google-Relevanz ist mir nicht so wichtig, da ich es für ein ideologische Dogma der vergangenen 20 Jahre halte, "unideologisch" sein zu wollen. Deshalb auch meine Verweigerung. Es ist eine noch immer nicht vergangene Mode, klare Positionierungen als "ideologisch" zu brandmarken, quasi als totschlagargument. Ich empfinde mich als postideologisch, aber wehre mich dagegen, vor dem Kampfbegriff "Ideologie" Angst zu entwickeln.
LG,
JH

ChristianBerlin 25.04.2009 | 13:42

Wir sind uns einig. Vor diesem Totschlagargument, das irgendwann von irgendwem kommen könnte - und wenn der Freitag je wieder Bedeutung erlangt, wird es kommen - wollte ich ihn, J.A. und zugegebenermaßen mich selbst vorsorglich durch eine einfache Klarstellung an Ort und Stelle schützen, auf die ich ggf. dann verweisen kann. Ich habe schon diverse Totschlagversuche er- und überleben dürfen, vielleicht bin ich etwas übervorsichtig.

Das mit dem Vertrieb, was ich oben angesprochen habe, wird übrigens teilweise schlimmer. Diese Woche gab es den Freitag in Berlin in mehreren Läden schon nicht mehr , wo man ihn vor kurzem noch bekam. Die gute Nachricht: Einer meiner konservativen Freunde hat ihn sich diese Woche zum ersten Mal gekauft und war insgesamt begeistert, besonders von der Seeräuber-Geschichte.

Knueppel 15.05.2009 | 13:38

Lieber Jakob Augstein,
sicher Ihr Blog steht schon bald 2 Monate in diesem Forum und ... sicher ist in den diversen Kommentaren bereits "alles" gesagt, was es zu sagen gibt. Andererseits, ich bin "ganz frisch" hier (seit gestern eingeloggt) und deshalb gebe ich meinen Senf "trotzdem" noch dazu:
Da ich auch in anderen Online-Foren schreibe (u.a. ZEIT-ONLINE = Knüppel, SZ-Online = Jamerson, TIMM-TV = Knüppel) habe ich einen "gewissen Überblick" bekommen. Netznomade? So sehe ich mich eher nicht, aber ... ich langweile mich schnell, wenn "Diskussionen im Kreis laufen", wenn Themen immer und immer wieder gepostet werden, ohne neue Erkenntnisse hinzuzufügen. Mit anderen Worten: Ich schaue mir das hier gern mal eine Zeitlang an - dann entscheide ich ob ich bleibe.
Zur Technik: Mir fällt es relativ leicht, sehr schnell, viel Text zu schreiben und da ... "behindert" mich die Limitierung auf 20.000 Zeichen sehr. Ich habe gestern z.B. meinen ersten Blog mehrmals kürzen müssen, um ihn überhaupt einstellen zu können. Das hat zur Folge, dass wichtige Aussagen und Zusammenhänge nicht mehr vorhanden sind. Eigentlich ist es nicht mehr mein Text und ich kann mich nur noch schwer damit identifizieren. Das ist bei ZEIT-ONLINE z.B. nicht so geregelt!
So bevor ich auch hier jetzt wieder mein Zeichen-Limit überschreite ...
beste Grüße und
viel Erfolg!
Knüppel offen schwul, engagiert und kämpferisch - er steht für den Kampf gegen Rassismus, Antisemitismus und Homophobie

Jakob Augstein 15.05.2009 | 14:03

Lieber Knüppel,
(interessantes Pseudonym)
schön, dass Sie da sind.
Die Begrenzung auf 20000 Zeichen finde ich unbedingt richtig. Ich kenne kaum Zeitungsartikel, die sinnvollerweise so lang sein sollten. Das kann bei Blogs eigentlich nicht anders sein. Irgendeiner muss das ja auch noch lesen ... :)
Wir bauen hier eine Community auf, die auf einem politisch-journalistischen Fundament steht - die sich aber in alle denkbaren Richtungen entwickeln kann. Was immer die User wollen... Wir werden die sogenannten "social networking" Funktionen noch vestärken, damit die User untereinander besser in Kontakt treten können. Und vor allem geht es natürlich darum, dass unsere Nutzer selber Texte schreiben und Themen vorantreiben, die wir redaktionell einbinden, Online und Print.
Mal sehen, was Sie daraus machen.

Viele Grüße,
Ihr JA

Knueppel 15.05.2009 | 14:31

Hallo Jakob Augstein,
danke für die freundliche Begrüßung! Ja, ja ... mein Nick! Wie so oft im Leben ein "Zufallsprodukt" Letzten Sommer wollte ich mich bei ZEIT-ONLINE anmelden, weil ich einem Artikel unbedingt widersprechen wollte. Ich hatte mir einen "aussagekräftigen" User-Namen, wie "Stachel" (im Fleisch der Politik usw.) vorgestellt. Mein Frust, als der Nick schon vergeben war, trieb mich zu "änlichen" Pseudonymen - war alles schon besetzt. Als ich dann (ganz verzweifelt) "Knüppel" eintippte, bekam ich "grünes Licht." Kurze Zeit später begann ich massiv in die Themen Homophobie, Coming-Out Unterstützung, HIV-/AIDS-Prävention einzusteigen, weil mich Schändung des Mahnmals für die ermordeten Homosexuellen und der Ehrenmord an einem schwulen Studenten in Wut brachten und ... plötzlich wurde ich von anderen Usern auf die phallische Komponente von "Knüppel" aufmerksam gemacht. Das amüsierte mich und seitdem "spiele" ich mit dem Nick ("knüppeldick", "knüppelhart" etc. :-).
Zu dem 20.000 Zeichen-Limit ... wenn Sie wüssten, was diesem Forum an Beiträgen von mir entgeht ;-), die ich hier alle nicht posten kann, weil sie weit über 20.000 Zeichen enthalten :-))))) Aber ernsthaft: "Häppchen-Info", wie bei der Blöd-Zeitung: Riesenüberschrift und auf der letzten Seite 5 Zeilen Text, ist nicht mein "Ding" (sehen Sie, schon wieder zweideutig :-).
Mag sein, dass ich "langatmig" schreibe, andererseits ... gerafft fallen zwangsläufig Hintergründe und Bezüge (die ich durchaus wichtig finde) unter den Tisch. Ich meine, das führt zu einer "Banalisierung" der Beiträge. Und ... wie gesagt: Ich z.B. lese (und schreibe) sehr schnell auch lange und komplizierte Texte (Training! War lange Jahre Abonnent der FR - schöne Grüße an Dr. Storz! Als er gehen musste habe ich mein Abo gekündigt).
Ach und noch etwas, falls ich hier 'mal zu provokativ, nervend oder sonstwas agieren sollte, bitte kurze PN von der Redaktion. Ich bin lernfähig und einsichtig!
Ich grüße Sie
Knüppel

cheers 25.05.2009 | 17:26

ach herr augstein,

ich mag ihre schreibe. das haben sie drauf. diese meinungsorientierte nähe jeden 2. satz zu brechen, das ist nett, das ist guter stil, sag ich als publizist MA.

aber dieses kriterium kann ich leider nicht für den ganzen freitag anlegen.
viele der artikel bewegen sich auf dem niveau einen neon, also rein emotional geschriebene beiläufigkeiten. neulich beim artzt ist mir aufgefallen wie ungerecht das ... ist.

oder hier der aktuelle online aufmacher oben : "Bloggerin Adriane Seliger weiß, warum wir in der Öko-Rangliste abstürzen" .... das ist einfach schlecht formuliert.

und da setze ich an :

wollen sie ein neues produkt am markt etablieren, dann muss der eigene leistungsanspruch auch stimmen. haben sie einen editor an bord ? dies würde sicherlich helfen. genau dort hapert es. es wird gefühlsduselig zu interessanten themen uninteressanter kram geschrieben. das prinzip "aufmacher" sollte durch das prinzip "fallhöhe" ersetzt werden. als konkretes beispiel :

würden jetzt iranische weibliche studentinnen zum ersten mal zu sagen wir filmwissenschaften zugelassen, dann ist das eine feine sache und durchaus berichtenswert. versucht man dies allerdings durch ein interview mit der ersten iranischen filmwissenschaftlichen studentin umzusetzen geht das in die hose, man sollte so eine frau ruhig in ruhe lassen, da sie sich besser nicht mit der tragweite ihrer position sondern mit ihrem studium auseinandersetzen sollte. catch my drift ?

Jakob Augstein 26.05.2009 | 00:42

Lieber cheers,
ich bin mir nicht sicher, dass ich Sie so richtig verstehe.
Also iranische Studentin für Filmwissenschaft. OK. Und dann aber kein Interview mit ihr - weil sie sich auf ihr Studium konzentrieren soll? Ich weiß nicht. Ich bin doch Journalist. Und für meine Leser verantwortlich und meine Geschichte. Nicht für die Studentin. Finde ich.
Eine ganz andere Sache ist, ob wir zu einer Art linker Polit-Neon werden. Interessante These. Finde ich gar nicht nur schlecht, die Analogie. Weil Neon in der Tat ein großes Vorbild für das Community-Building ist. Das haben die wirklich sehr gut hinbekommen. Wenn wir eine ähnlich dicht gepackte Community gründen können, die sich vor allem mit politischen und gesellschaftlichen Themen befasst - aber auch darüberhinaus miteinander in Kontakt und Austausch tritt - dann haben wir auf jeden Fall ein sehr wichtiges unserer Ziele erreicht.
Ihr JA

schlesinger 13.06.2009 | 21:36

Lieber JA,
Kürzlich schrieb ich "Gut" zu diesem Beitrag.
Dabei habe ich offenbar Ihren Satz überlesen: "Bei uns können Leser buchstäblich schreiben, was sie wollen."

Sollten Sie das wörtlich und nicht nur im Sinne einer großzügigen Meinungsfreiheit verstehen, dürfte sich das zu einem schweren handicap entwickeln. Das wäre das erste mal in der Menschheitsgeschichte, dass es etwas ohne Regeln funktioniert.

Sollte selbst der lausigste Stilist über Kultur, der recherchefaule Langeweile-Blogger über Politik, und der bildungsfernste Provokateur hier über Wissenschaft bloggen dürfen, weil er es toll findet, im Gegensatz zu seiner sonstigen Lebensumgebung auf (virtuell) großer Bühne stehen zu können?

Sicher kann man entgegenen: Die community wird es werten, indem sie einen Beitrag liest und kommentiert, kurzum: annimmt. Das klingt zunächst gut. Doch könnte binnen kurzem aus der community ein Verschwörungstheorie-Forum werden, schlicht weil sich viele aus dieser Ecke hier einfinden könnten, schreiben und gegenseitig kommentieren. Oder eine kostenlose Plattform für Piraten-Werbung (was gerade aufzuziehen scheint) etc.pp. Oder eine monströse Form von Twitter. Oder... Diese Liste der Möglichkeiten liesse sich lange fortführen.

An dieser Stelle wird der Freitag nicht um die Frage herumkommen, welches Publikum (und welche Blogger) er möchte. Die Antwort "alle" wird kaum realisierbar sein. Also welche? Wird diese Antwort (und zugehörige Verfahrensweisen; im weitesten Sinn eine Qualitätskontrolle; auch eine Netiquette) nicht gegeben, wird sich irgendeine Richtung von alleine einstellen. Es könnte eine vom Freitag nicht gewünschte sein.

Gutes Gelingen und beste Grüße
schlesinger

Jakob Augstein 04.07.2009 | 12:37

Lieber Schlesinger,
ich sehe jetzt erst Ihren Eintrag. Meine Schuld.
Aber was Sie beschreiben ist ja auch nach ein paar Wochen noch aktuell.
Ich habe schon den Eindruck, dass wir mit der Commmunity auf dem richtigen Weg sind. Sie waren neulich selbst mal unzufrieden, das habe ich nicht vergessen. Aber ich finde, wir lernen aus solchen Erfahrungen. Wir haben einen sehr zivilen Ton, es entstehen Gespräche, im Ganzen ist alles vom Willen zur Vernunft geprägt. Ich teile wahrhaftig nicht alle Meinungen und Einschätzungen, die hier geäußert werden. Muss ich ja auch nicht. Sie fragen, welches Publikum wir möchten - jedes, das sich mit dem oben beschriebenen Weg identifizieren kann. Unsere Aufgabe als Redaktion besteht gleichsam darin, auf die guten Sitten zu achten. Ich stelle es mir schon so vor wie einen Garten, den man pflegen muss, weil er sonst zuwuchert.

(Das ist natürlich eine gefährliche Metapher wenn man meine Haltung zu Ordnung im Garten kennt ... :) )

Jakob Augstein 04.07.2009 | 12:53

Lieber Schlesinger,
ich sehe jetzt erst Ihren Eintrag. Meine Schuld.
Aber was Sie beschreiben ist ja auch nach ein paar Wochen noch aktuell.
Ich habe schon den Eindruck, dass wir mit der Commmunity auf dem richtigen Weg sind. Sie waren neulich selbst mal unzufrieden, das habe ich nicht vergessen. Aber ich finde, wir lernen aus solchen Erfahrungen. Wir haben einen sehr zivilen Ton, es entstehen Gespräche, im Ganzen ist alles vom Willen zur Vernunft geprägt. Ich teile wahrhaftig nicht alle Meinungen und Einschätzungen, die hier geäußert werden. Muss ich ja auch nicht. Sie fragen, welches Publikum wir möchten - jedes, das sich mit dem oben beschriebenen Weg identifizieren kann. Unsere Aufgabe als Redaktion besteht gleichsam darin, auf die guten Sitten zu achten. Ich stelle es mir schon so vor wie einen Garten, den man pflegen muss, weil er sonst zuwuchert.

(Das ist natürlich eine gefährliche Metapher wenn man meine Haltung zu Ordnung im Garten kennt ... :) )

mh 04.07.2009 | 12:53

@JA: aus dem jetzt heraus ist das richtig. das problem an communities ist, dass die eigentliche aufgabe ihrer steuerung erst dann aktuell wird, wenn sie beginnt über ihre ursprüngliche stammuserschaft heraus zu wachsen. dann ist der punkt der verwerfungen erreicht und die moderation, oder hier redaktion, muss dann entscheiden ob sie die alte linie verfolgen will oder sich dem wachstum beugt.

dabei heisst "sich dem wachstum beugen" nicht zwangsläufig, dass es bewusst geschieht, sondern auch, dass man sich nicht in der lage sieht sich gegen die entwickelte dynamik zu stellen, die entstanden ist. hier geschieht dann auch der qualitätsverlust.

beim freitag wird es insofern interessant, als dass die redaktion eine neue komponente im verlauf darstellen wird, die in dieser form neu ist. dabei spiele ich vor allem auf das gegenseitige wechselspiel der unbewussten meinungsanpassung zwischen den verschiedenen parts an, die me zur größten herausforderung wird.

btw: die in den interviews durchdringende euphorie mag zur zeit angebracht sein, sollten aber nicht über den gedanklichen status der momentaufnahme hinwegtäuschen.

mfg
mh heute "etwas" kommentierfreudig

Avatar
ejamie 31.10.2010 | 13:21

22 monate später "einschätzung aus dem off" (und ohne das konzept zur community- einführung zu kennen): die community ist eine parallelgesellschaft im kleinen und die schnittstellen zum freitag- inhalt wenige, woran liegts: zu wenig (von den schwarzen schafen) gefordert und (die weißen schafe) gefördert.