Jakob Augstein
31.05.2012 | 12:25 225

Verschweigen, was ist

Medien Die "Bild"-Zeitung hat ihren Schrecken verloren, und die schärfsten Gegner haben ihr dabei geholfen. Aber das Blatt bleibt gefährlich

Verschweigen, was ist

Das Ergebnis investigativer Recherche seitens de "Bild"? Die Nannen-Preis-Jury sieht es so

Foto: Adam Berry / AFP/ Getty Images

Neulich bekam SPD-Chef Sigmar Gabriel Gelegenheit für einen echt sozialdemokratischen Auftritt: „50 Stunden Arbeit, um nicht beim Staat betteln zu müssen – das sind Zustände wie im 19. Jahrhundert! Dagegen hilft nur ein gesetzlicher Mindestlohn für alle.“ Gesehen auf Seite Eins der Bild-Zeitung. Springers Sturmgeschütz der Demagogie als Vorreiter für die soziale Sache? 60 Jahre nach Gründung ist auch bei Bild nicht alles, wie es mal war. Mancher will das nicht wahrhaben: Die Feindschaft gegenüber dem Blatt ist in sich besser wähnenden Kreisen immer noch Pflicht. Dabei missverstehen die Kritiker nicht nur das Wesen des Boulevard-Journalismus, sie unterschätzen auch die eigentliche Gefahr, die von Bild ausgeht: Man muss den Bild-Machern weniger vorwerfen, was sie schreiben – als vielmehr, was sie verschweigen.

Vor einigen Tagen brach in Hamburg für Bild-Feinde eine Welt zusammen: Ihr Hassobjekt wurde mit dem Nannen-Preis ausgezeichnet, ausgerechnet für investigativen Journalismus in der Wulff-Affäre. Falls Henri Nannen und Axel Springer nebeneinander im Fegefeuer der Eitelkeiten schmoren, dürfte diese Juryentscheidung für Verblüffung auf beiden Seiten gesorgt haben. Schon vor der Preisverleihung hatte Antje Vollmer gewarnt, die Auszeichnung wäre für Bild-Chef Kai Diekmann ein „Ritterschlag mit Zugang zur Artusrunde“. Ihre ganze grüne Entrüstung gipfelte in dem Vorwurf, Diekmann wolle „sein Blatt aus dem Geruch der Gosse“ holen und sei „der Erfinder einer eigenen Recherche-Abteilung im Haus, die mit dem Spiegel konkurrieren will“. Normalerweise freut man sich, wenn Zeitungen in Recherche investieren. Nicht so bei Bild.

Spannend auch die Entrüstung der taz. Der Nannen-Preis für Bild, sei ein „Dammbruch“, schrieben die Schleusenwärter von der Dutschke-Straße. Hier werde eine jahrelange Imagekampagne gekrönt, die nur einen Zweck gehabt habe: „Bild den Schrecken zu nehmen.“ Dabei ist es nicht zuletzt der taz zu verdanken, dass das Springer-Blatt seinen Schrecken verlor. Für die taz ist der Kampf gegen Bild längst zum Produkt geworden, zum Teil der Marketingstrategie des Kreuzberg-Lifestyle. Was die taz-Genossen vergaßen: Verharmlosung ist Teil der kapitalistischen Verwertungslogik. Die taz hat die Bild-Zeitung durch die große Ironisierungstrommel gedreht – und sie dabei weiß und weich gewaschen. Kai Diekmann hatte gewonnen, als die taz seinen Riesenpimmel an ihre Hauswand heftete.

Ignorieren statt boykottieren?

Wie soll man aber mit dem Objekt der Ablehnung sonst verfahren? Wolfgang Storz, ehemaliger Chefredakteur der Frankfurter Rundschau, hat für alle Bild-Feinde den ultimativen Rat: „Boykottieren Sie nicht, tun Sie einfach nichts. Sehen Sie in der Bild-Zeitung kein Leitmedium, kupfern Sie Themen und Machart nicht ab. Wer unbedingt will, genieße Diekmann Wagner als selbstironische Größenwahnsinnige. Aber: nicht ernst nehmen.“ Als letzter Ausweg also Wegsehen und Verharmlosen. Das ist dann die endgültige Kapitulation der Kritik. Dabei hätte man es wissen können. Heinrich Böll schrieb schon 1984: „Kein Zweifel, Bild hat gesiegt, trotz Müller, Wallraff, Staeck und anderen. Nein, wir kommen nicht dagegen an, wir müssen die Seuche ertragen.“

Den richtigen Weg hat Stefan Niggemeier beschritten, wahrscheinlich der einzige wirklich unabhängige Medienjournalist im Land: Er hatte vor Jahren im Netz damit begonnen, die Bild-Geschichten systematisch auf Faktentreue zu prüfen. In Deutschland sind fehlerhafte Artikel selbst für eine Boulevard-Zeitung gefährlicher als jede Entrüstungsrhetorik. Ungewollt hat allerdings auch Niggemeier dem Springer Verlag damit einen Dienst erwiesen: Er hat der Bild-Zeitung geholfen, ihre Qualität zu verbessern. Bild-Chef Diekmann hat die Energie des Gegners für seine eigenen Ziele genutzt. Sein Blatt belegt auf der Liste der meistzitierten Medien hinter dem Spiegel inzwischen den zweiten Platz. Bild lügt? Schön wäre es!

Dabei ist der Kampf gegen Bild ein Missverständnis. Personalisierung und Kampagne sind das Wesen des Boulevard. Es ist unsinnig, der Bild vorzuwerfen, nicht die Neue Zürcher Zeitung zu sein. Immer häufiger bedient sich das Blatt nun auch des ganz normalen Journalismus. Die Auflage würde sonst vermutlich noch schneller sinken. Das macht die Zeitung noch gefährlicher. Aber nicht wegen der Artikel, die dort erscheinen. Sondern wegen derjenigen, die nicht erscheinen. Wahre Meinungsmacht entfaltet sich da, wo das Blatt schweigt: Die Gräuel der israelischen Besatzungspolitik, die Erfolge der islamischen Integration in Deutschland, das Verschulden der Banken in der Finanzkrise – das findet alles nicht statt. Am besten verdreht man die Tatsachen, indem man sie verschweigt.

Der ewige Kampf gegen die Bild-Zeitung ist ein Kampf gegen die eigenen Dämonen. Und die müssen bekanntlich am heftigsten bekämpft werden. Neulich hat die taz geschrieben, der neue Bundespräsident betreibe eine „Verharmlosung des Holocaust“, was ja ein starker Vorwurf gegen ein deutsches Staatsoberhaupt ist. Da hat der Grüne Jürgen Trittin geschimpft, das sei „Schweinejournalismus“, den er sonst nur von der Bild-Zeitung kenne. Trittin sagte, die taz solle sich entschuldigen. Davon wollte die taz-Chefredakteurin aber nichts wissen. Sie berief sich auf die Meinungsfreiheit. Diekmann lässt grüßen.

Kommentare (225)

Peter Knobloch 31.05.2012 | 15:30

Gute Punkte zur Bild.
Nur verharmlost Joachim Gauck m.E. wirklich den Holocaust, indem er die Verbrechen der Nazis und die der SED/Stasi in erstaunliche Nähe zueinander rückt. Was vergleichbar ist, ist höchstens die Form des Spitzel- und Überwachungsstaates, nicht jedoch das Ausmaß des systematischen, politisch (rassistisch) motivierten Mordens. Da bleiben die Nazis traurige Klimax in Geschichte. Und das bleibt hoffentlich auch so.
Dazu habe ich mich hier geäußert:
www.peterknobloch.net/index.php/kolumne/Wir_sind_Praesident_-_und_auf_dem_rechten_Auge_blind

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Ehemaliger Nutzer 31.05.2012 | 15:50

Wieder mal vollkommen richtig!
Ich habe mir noch nie in meinem Leben eine "Bild-Zeitung" gekauft und bin trotzdem nicht daran vorbeigekommen. Man begegnet ihr einfach überall, manche meinen sogar Wissen aus der "Bild-Zeitung" zu beziehen - aber dann auch nur das, was die "Bild-Zeitung" einem Vermitteln will. Und wie der Autor richtig sagt, gibt es viel Wissen, welches die "Bild-Zeitung" ihren Lesern lieber vorenthält. Sonst könnte der Bürger ja vielleicht doch auf die richtigen Gedanken kommen.

Columbus 31.05.2012 | 16:17

Sehr klug, Herr Augstein. Meinungen sind prinzipiell schuldunfähig, wenn sie zu keinem kausal nachweisebaren, nennenswerten Schaden führen.

Solange sich BILD daran hält, machen sie nicht mehr oder weniger, als andere, sich qualitativ besser dünkende Medien. Stilfragen und die durch beständige Personalisierung und Kampagnenstil notwendigen Verkürzungen, es heißt ja BILD und nicht TEXT, einmal weggelassen. Zumal, die Stilübung Personalisieren und Kampagne auch jene Blätter mittlerweile beherrschen, die entschieden mehr Zeilen anbieten.

Allerdings krankt ja selbst jenes kleine TV-Format aus dem bescheidenen Informationskanal daran, dass ein Partner es mit der Richtigkeit seiner Aussagen nicht einmal ernsthaft versucht, sondern lieber, freundlich geschrieben, fantasiert (Bsp. jüngst: Klima und die ominösen letzten 10 Jahre).

Fehlerhafte Artikel sind an sich und für sich, kein Problem. Aber die Fehler stehen zu lassen, z.B. ohne Korrektur, z.B. ohne Entschuldigung, z.B. ohne Kommunikation dazu, das ist ein eingefressenes Problem der Türsteher, egal welchen Teil der Branche sie gerade kontrollieren.

Beste Grüße
Christoph Leusch

(PS: Postfach!?)

salvo 31.05.2012 | 16:45

ach, gefährlich sind sie alle, ob bild, freitag, zeit und wie sie alle heißen, eben deshalb, weil es keine wirklich 'unabhängige Journalisten' mehr gibt, deren Aufgabe nicht so sehr darin besteht zu verschweigen, sondern eben tagtäglich eine diskursive Realität zu konstruieren, die den Interessen der Herrschenden entspricht - deren Gesicht, wie es in der monde diplomatique (frz. Ausgabe) neulich hieß, der 'Markt' ist

EnidanH 31.05.2012 | 17:41

Die Hoffnung der Text wäre eine Art Aufarbeitung der eigenen Fehler im Umgang mit dem Wulff-Umgang der BILD musste ich bereits nach dem Untertitel aufgeben.

Dann dachte ich, naja gut, das ist Beharren auf dem eigenen Standpunkt, auch wenn dieser "komisch" anmutet, dieser Standpunkt.

Jetzt denke ich, Herr Augstein muss den Freitag-Leser ja für BILD-blöd halten.

R Stilzchen 31.05.2012 | 18:18

Bei aller Hochschätzung für Herrn Augstein, kann ich doch seiner These, die Bildzeitung verschweige, "was ist", wenig abgewinnen.
Jede Zeitung schreibt über etwas, aber auch über vieles nicht. Das gilt auch für den "Freitag".
Gerade deshalb gibt es ja verschiedene Quellen. Ich kenne niemanden, der sich nur aus dem "Freitag" oder nur aus der "Bild" informiert bzw. seine Meinung bildet.

luddisback 31.05.2012 | 18:42

herr augstein hat sich, was bild angeht, offenbar verrannt und liefert nun eine gratis-image-kampagne fuer bild auf kosten seiner eigenen reputation. da kann man ihm ganz offenbar nicht helfen, denn er scheint sich aus einer art liberalem missverstaendnis heraus in diese bresche zu werfen.

dabei aber zu sagen, dass bild nicht mehr luegt, sondern nur noch dumm macht, weil sie verschweigt, ist vielleicht doch ein wenig zuviel von dieser komischen liebe.
nur ein beispiel, die oben auch erwaehnten "Erfolge der islamischen Integration in Deutschland", zu denen bild laut augstein gefaehrlich schweigt. erinnern wir uns an die vom innenministerium an bild gereichte islamstudie, die dort prompt im sinne der informationsspender propagandistisch verwertet wurde. war das politik gemacht durch verschweigen?
oder wenigstens ein einzelfall?

"Der ewige Kampf gegen die Bild-Zeitung ist ein Kampf gegen die eigenen Dämonen. "
klingt gut, ist aber doch ein ganz hohler satz.

zebraistik 31.05.2012 | 19:19

Das Gefährliche geht m.E. auch von dem Vermarktungskonzept aus, nämlich die Gegner zu vereinnahmen und sie scheinbar zu
Wort kommen zu lassen, damit aber schon zu erledigen, zudem oft unvollständig oder sinnentstellend zu zitieren. Damit
hat BILD sie journalistisch hingerichtet. So ist die Strategie.

Habe seit Menschengedenken diese Zeitung nicht mehr in der Hand gehabt, schaue mir die front pages im Netz an und kann
keine "Verbesserung" der Verblödung feststellen.

Mir ist es deshalb ein Rätsel, warum Sie, Herr Augstein sich im wöchentlichen Duell mit Blome um INHALTLICHE Positionen bemühen.

wwalkie 31.05.2012 | 19:40

"Die BILD hat ihren Schrecken verloren." Ich bin mir da nicht so sicher.

Denken Sie an die scharfzüngige Publizistin Mely Kiyak, die in der FR und BZ geschrieben hat, Sarrazin sei eine "lispelnde,stotternde, zuckende Menschenkarikatur" (starker Tobak, zugegeben, die Autorin hat sich öffentlich entschuldigt. Sie hatte nicht gewusst, dass Sarrazin seit einer Operation eine partielle Gesichtslähmung hat, was diesen allerdings nicht daran hindert, andere mit züchterischer Erfahrung als "Ackergäule" zu bezeichnen).

Wie reagiert BILD?

"Darf man jemanden so menschenverachtend beleidigen?" fragt sie rhetorisch. Und bezüglich der Entschuldigung: "Wie ernst ist diese Entschuldigung gemeint?". Auf den entsprechenden Blogs wurde und wird Kiyak wüst und rassistisch beschimpft.

Es hat sich eine Art Arbeitsteilung ergeben: Menschen werden in BILD zum Abschuss feigegeben, und in den geistesverwandten "Volkscommunities" wird draufgeballert. Bei Wulff war es ähnlich. Vielen erging es so und vielen wird es so ergehen. Nach der "Investition" in Recherche (also: Vergrößerung der Schnüffelabteilung) gilt umso mehr: Wissen ist Macht. Schon Frieda Burda wusste: "Wer die BILD-Zeitung hat, hat die Macht."

"Der ewige Kampf gegen die Bild-Zeitung ist ein Kampf gegen die eigenen Dämonen", schreiben Sie, irgendwie an Horkheimer/Adornos "Elemente des Antisemitismus" erinnernd. Ich möchte daran erinnern, dass darin auch eine Theorie kapitalistischer Rackets steckt. Und die trifft - finde ich - die Sache besser. Die Dämonen sind gesellschaftlich produzierte. Unser Erschrecken vor diesen wirft uns solchen Medienrackets wie BILD and Comp. in die schwarzen Arme, die uns nicht mehr loslassen, uns aber beim Erdrücken trösten: Seht her, die Welt wird immer schlimmer, da sind DIE Abzocker, DIE Ausländer, DIE Sozialschmarotzer, DIE Besserwessis, DIE Beleidiger von Sarrazin, der nur wie WIR die Wahrheit sagt, WIR, die WIR sind: Papst, stolze Deutsche, Bundespräsident, ehrlich Arbeitende, kleine Leute, fröhliche Patrioten, Fussballeuropameister, Formel-1-Weltmeister ...

Nee, nee, ein "Mißverständnis" ist der Kampf gegen BILD nicht, ein Mißverständnis wäre allerdings, es dabei zu belassen.

ed2murrow 31.05.2012 | 21:23

Lieber Jakob Augstein,

ein anschauliches Beispiel für Ihre These von der Gefährlichkeit durch Weglassen würde der Artikel von Bild sein „Diese Journalistin muss sich bei Sarrazin entschuldigen“ und dazu gegengelesen BILDBlog „Islamhass ist für "Bild" nicht der Rede wert“. Wobei sich hier aktives Tun und Unterlassen in einem vereinen – zu einer in Teilen schlechterdings unwahren Story. Oder anders ausgedrückt: Die Mischung macht es und damit der manipulative Effekt.

Alleine auf das „Weglassen“ abzustellen -so bestechend die These im ersten Moment auch klingen mag- riskiert den Einwand, dass eine Tageszeitung keine Enzyklopädie ist. Zielgruppenorientiert sind die meisten Publikationen ohnehin.
Beste Grüße, e2m

www.bildblog.de/39089/islamhass-ist-fuer-bild-nicht-der-rede-wert/
www.bild.de/politik/inland/thilo-sarrazin/diese-journalistin-muss-sich-bei-sarrazin-entschuldigen-24344024.bild.html#

wwalkie 31.05.2012 | 21:46

So arbeitet BILD. Und so rumpelt R.Stilzchen.

Ein das falsche Allgemeine illustrierendes Beispiel (eine valide viele "Beispiele" heranziehende Analyse ist in einem Kurzkommentar bekanntlich nicht möglich) verdampft R.Stilzchen (und sein BILD) zum Thema Beleidigung in der Mediengesellschaft. "Wer hat Frau K. gezwungen, sich so beleidigend zu äußern?" Die Gelegenheit zur Relativierung des Rassismus lässt er en passant natürlich nicht aus.

Man hätte auch fragen können: Wie kommt es, dass eine humanistische Autorin einem Autor, der viele andere permanent beleidigt (und dies bevorzugt in jenem Medium, das viele andere permanent beleidigt) dazu gebracht wird, diesem gewissermaßen den Zerrspiegel vorzuhalten, in dem er andere permanent präsentiert? Hätte man fragen können, will man aber nicht. Ist doch nicht zu kompliziert, R.Stilzchen, oder?

Also extra für Sie: ich konstatiere eine Arbeitsteilung zwischen BILD und den "Volkscommunities". Ich situiere den Erfolg von BILD in der gesellschaftlichen Verdinglichung von uns allen - R.Stilzchen ausgenommen. Eine Gesellschaft von Rackets.

In einer Gesellschaft, in der die Bildung jedes einzelnen die Voraussetzung für die Bildung aller wäre, gäbe es BILD nicht. Augstein müsste allerdings auf Blome verzichten (vielleicht aber auch nicht). Und Sie auf eine wichtige Informationsquelle. Was mit wahrlich nicht leid täte.

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Ehemaliger Nutzer 31.05.2012 | 22:07

Ich habe mir auch noch nie eine Bildzeitung gekauft. Was ich mir nicht verkneifen kann ist, andere darauf hinzuweisen, ob sie denn den Inhalt verstehen. Und hier habe ich immer eine herzliche Antwort erhalten, ja die verstehen wir. Hier kann man erkennen, mit wieviel "Bildung" ein Mensch auskommen kann, eigentlich blamabel. Wir können richtig stolz darauf sein, dass unser Volk der Dichter und Denker so richtig verblödet.
Aber genau so soll ja auch der Bürger sein, er soll den billigsten Dreck kaufen und auch fressen, ohne jegliche Überlegung. Durch Nachdenken, haben wir in diesem Staat kein Wachstum.

wwalkie 31.05.2012 | 22:29

"Wir sind alle heimlich Sarrazins, die immer schon ihreMeinung sagen wollten," schreibt der große Autor Wagner zum beleidigten Star.

Natürlich haFrau Kiyak in ihrem meiner Meinung nach berechtigtem Zorn Sarrazin beleidigt, so wie Sarrazin viele andere beleidigt hat. Sie hat sich dafür entschuldigt, hat ihren faux pas erklärt. Damit sollte es gut sein. Sarrazin hat sich nicht entschuldigt. Das "Wir" Wagners, das Sarrazin heißt, auch nicht. Im Gegenteil.

Es ist für BILD, die ihr verbundenen Blogs - und anscheinend auch für Sie - noch lange nicht gut. Auf geht's zum lustigen Menschenjagen.

Aber mir geht es eigentlich darum - ich wiederhole es Ihnen gegenüber wohl vergeblich - um das Lösen vom Einzelfall. BILD ist ein gesellschaftliches Produkt, vereinfacht: ein Spiegel der Gesellschaft. Wenn Sie sich in diesem Spiegel wiederfinden, mögen Sie sich freuen, ich nicht.

blog1 31.05.2012 | 22:48

@ Jakob Augstein,

Zu dem Artikel von JA fällt mir folgende Geschichte ein, die mir mein Großvater vor Jahren erzählt hat. Mein Großvater (Jahrgang 1895) hat zwei Weltkriege miterlebt, den einen aktiv als Soldat, den zweiten passiv, weil u.a. zu alt war. Mein Großvater war ein überzeugter Antifaschist und hatte in der Nazizeit einige Nachteile in Kauf zu nehmen. U.a. wurde er in der Waffenproduktion zwangsverpflichtet.

Meine Großeltern betrieben in der Nazi-Zeit ein Eisenwarengeschäft. In dem Gechäft wurden auch Messer verkauft, für die sich insbesondere SS-Leute interessierten. Man muss dazu sagen, dass es in der Stadt eine SS-Kaserne gab. Insofern gab es eine rege Nachfrage nach diversen Stichwaffen.

Wie es damals häufig üblich war, saß die Mutter meines Großvaters, also meine Urgroßmutter, mit im Laden. Eines Tages betrat ein hoher SS-Offizier den Laden. In der Ecke saß meine Großmutter und las wie gewohnt Zeitung, ihre Lieblingsbeschäftigung neben ihrer Neugier, die sie elegant hinter der Zeitung verbarg. Viel Auswahl gab es damals nicht, es herrschte ja Zensur.

Der SS-Offzier sah meine Großmutter in der Ecke sitzend und sprach sie an: "Na, gute Frau, lesen Sie Zeitung, damit Sie auf dem laufenden bleiben."

Meine Großmutter antwortete "Ja, das stimmt, aber wissen Sie, ich lese auch das, was zwischen den Zeilen steht".

Der SS-Offizier etwas verdutzt:" Wie soll ich das verstehen."

Meine Großmutter: "Na so, wie ich es gesagt habe".

Der SS-Offizier änderte schlagartig seinen bislang freundlichen Tonfall und antwortete sehr barsch: "Nun, gute Frau, Sie sind ja schon etwas älter. Wenn dem nicht so wäre, würde ich Sie jetzt mitnehmen. Aber in Anbetracht ihres Alters wollen wir mal Gnade vor Recht ergehen lassen".

Er verließ den Laden ohne etwas zu kaufen.

Damals in der Nazi-Zeit war jedem halbwegs intelligenten Leser klar, dass die Zeitungen das schrieben, was der Reichspropagandaminister wollte. Heute ist das nicht so klar. Der Bild-Jornalismus ist eine Mischung aus Fakten, die den Tasachen entsprechen und dem Weglassen von Fakten, die aufgrund ihres Fehlens die Faktenlage verfälschen. Die Manipulation des Lesers ist subtiler Natur, weil zudem der Anschein der Seriosität erweckt wird. Ein Wolf im Schafspelz bleibt aber ein Wolf trozt seiner Tarnung. Aber vielleicht sollten wir einfach die Lesart meiner Urgroßmutter beherzigen und auch das lesen, was zwischen den Zeilen steht.

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Ehemaliger Nutzer 31.05.2012 | 23:00

Wenn es nur um den Schlagzeilengenialisten wie Bild ginge, es geht aber um die Gleichschaltung aller Medienorgane, so die Themen politisch genug sind!
Welcher Reporter schreibt aus Syrien?
Alle halten den Euro für gut?
Wer schreibt aus Libyen, dort braucht man inzischen Gesetze als das man die Gaddafi Zeit nicht loben darf?

Lapis 31.05.2012 | 23:14

Das wöchentliche Kuscheln mit Blome zeigt Wirkung.
Manchmal scheint es, als ob "irgendwie Links" nur die Umschreibung für sozialliberale Zierschleifchen ist, die als Feigenblatt für das ansonsten angepasste, herrschaftsdienende Weltbild herhalten müssen.
Da kann man sich dann auch mal über den Abgang Lafontaines freuen und die 'Bild' für seriös halten.

Meyko 01.06.2012 | 00:10

Vom Glück, »Bild« zu sein.

Andere kommen zu etwas anderen Einschätzungen. Wie zum Beispiel Niggemeier im Zusammenhang mit der Wulff-Geschichte:

Christian Wulff ist, das zeigt auch dieses Detail, nicht darüber gestolpert, dass er sich mit »Bild« angelegt hat, sondern darüber, dass er immer noch glaubte, mit ihr gemeinsame Sache machen zu können.

"Das ist eine wichtige Erkenntnis, denn das wäre eine verheerende Lehre, die Prominente und Politiker aus der ganzen Geschichte ziehen könnten: Dass es so tödlich ist, wie man immer schon angenommen hat, sich mit »Bild« anzulegen. Nein, tödlich ist es, zu glauben, einen Pakt mit der »Bild«-Zeitung schließen zu können und davon am Ende profitieren zu können. Im Zweifel wird nur einer von beiden von einem solchen Pakt profitieren, und das ist derjenige, der es sich erlauben kann zu tricksen und zu lügen, heute mit Schlamm zu werfen und morgen seriös zu tun, keine Rechenschaft ablegen zu müssen und sich keine Sekunde um sein Geschwätz von gestern kümmern zu müssen."

www.stefan-niggemeier.de/blog/vom-glueck-bild-zu-sein/

Uwe Theel 01.06.2012 | 03:20

"Über" die BILD-Zeitung kan man viel reden, solange man keine Textarbeit dazu betreibt.

Alarmierend bei Augsteins Auseinadersetzung finde ich den nicht nur unterschwelligen Tenor, BILD als Boulevard zu rechtfertigen und es nur bedenklich zu finden, dass gewisse Dinge in BILD gar nicht erst auftauchten

Bei Fußball- und Lottoergebnissen läßt sich schwer lügen und was am Sonntag auf dem Rasen stattfand, das wissen am Montag sowieso immer "alle". Die Alibiartikel seriösen Journalismus´ bei BILD sind nicht entscheidend.

BILD schreibt in in einer Art und Sprache, die seinen Lesern nicht nur in BILD längst als die einzige erklärt wurde, die es verstünde.

Da kommt inzwischen schon lange kein Deutschunterricht, keine seriöse Presse oder ein solches Literatur- und Kulturwesen mehr gegen an. Fakten, Fakten, Fakten lügen nicht.

Fernsehen und Rundfunk sind genauso durchgestylt. In der Tat, da braucht man keinen "einzigen" und einzelnen BILD-Feind mehr alleine, besonders, wenn man schon kapituliert hat.

Wenn Augstein der Boulevardisierung nicht abhold ist, dann braucht er auch über die BILD-Zeitung nur zu schreiben, wie er schreibt wenn sie Vorbild sei und genau das klingt aus Augsteins Zeilen. Seinen Warnung vor der zeitung ist hohl.

Wenn Augstein Storz in dem Zusammenhang widerspricht, dann weil Augstein selbst die Bildzeitung nicht verschweigen kann, weil er via Blome längst mit ihr im falschen Gespräch ist und Boulevard auch im eigenen Blatt nicht mehr nur als Gegenstand der Kritik hält.

Vielleicht Sollte Augstein einmal erklären, was für ihn Boulevard sei und warum er als seriös gelten kann.

Sein Argument, dass Presse dann seriös sei, wenn Sie nicht über gewisse Dinge schwiege, dann greift das zu kurz. Wenn die BILD ganz in der Tradition Springers heute das Selbstverteidigungsrecht Israels verteidigt, dann braucht sie nichts über die Problematik der israelischen Siedlungspolitik zu schreiben. Die ist dem Publikum aus vielen anderen Quellen bekannt. Aber warum sollte jemand BILD lesen, wenn er nicht der Meinung wäre, dass ihm dort die Welt überzeugend erklärt wird?

thbode 01.06.2012 | 10:53

Vielleicht kommt Herr Augstein doch wieder irgendwie raus aus der Sache. Einfach mal das Thema BILD auf sich beruhen lassen. Da kann man nichts gewinnen...
Es macht einfach keinen Sinn zu fordern dass man seine Aversion gegen die BILD ablegen soll, nur weil sich dieses Blatt von extrem übel sich vielleicht zu übel gewandelt hat. Also ob man die weitere positive Verwandlung des Blattes durch weitere Kritik verhindern würde. Wie bei einem Diktator der nun nur noch halb so viel Unheil anrichtet, und den man nun im Kreis der Demokraten begrüßen soll um ihn nicht zu verärgern sondern zu motivieren sich noch weiter zu verbessern. Diese Taktik war schon immer fragwürdig. Oder sollen wir jetzt die BILD sogar kaufen um sie quasi zu entschädigen für Einbußen bei der extrem reaktionären und dumpfen Klientel? Diese Blome-Augstein-Schiene ist vermutlich der Motor dieser ganzen Aktionen, das sollte einfach mal aufhören. Ein Massen-Blatt das wirklich die Interessen der "einfachen" Menschen vertritt wäre natürlich wunderbar. Aber die Leitung des Konzerns interessiert sich natürlich nicht dafür, weil sie selbst zu den Profiteuren des Systems gehört. Und auch so von der BILD-Unkultur, wie Zynismus, Profitrorientierung und Anti-Links-Stimmung imprägniert ist, dass das ja nichts werden kann.

apatit 01.06.2012 | 10:56

“Nur verharmlost Joachim Gauck m.E. wirklich den Holocaust, indem er die Verbrechen der Nazis und die der SED/Stasi in erstaunliche Nähe zueinander rückt.“

Nun mal ganz ehrlich Herr Knobloch, wundert sie das wirklich?

…“ Ich hätte einfach gesagt, die Muslime, die hier leben, gehören zu Deutschland“… sagte Gauck (“unser Präsident der Herzen“ ) – das hat sich auch Bild ausgedacht und nun wird doch klar, warum Wulff wegmusste, nicht wegen ein Plaste Kinderauto vom Autohändler, sondern weil Wulff und Gattin nicht so verbohrt und Weltfremd waren. Ich will nicht die Verfehlung von Wulff relativieren, aber Gauck relativiert auch, auf ganz anderen gefährlichen Gebiet, was man den Antikommunisten und Pastor trotzdem übel nehmen sollte. Und wer den Besuch in Israel verfolgt hat und auch hier wieder die Berichterstattung, besser Hofberichterstattung – wie souveräner (Gauck), als wäre er schon im paralllen Universum hinter dem schwärzesten Wurmloch Präsident gewesen. Nein, es ist nicht Personenkult, von Eitelkeit nicht mehr zu überbieten – es ist der ganz normale Zeitgeist und wer hatte gesagt, “jedes Volk bekommt den Präsidenten, den es verdient hat“. Und über den Stinkstiefel Beitrag in der TAZ denke ich auch neu nach…!

mcmac 01.06.2012 | 11:20

"[...]Dabei missverstehen die Kritiker nicht nur das Wesen des Boulevard-Journalismus, sie unterschätzen auch die eigentliche Gefahr, die von Bild ausgeht: Man muss den Bild-Machern weniger vorwerfen, was sie schreiben – als vielmehr, was sie verschweigen.[...]"

Na, dass muss man nicht nur den BILD-Machern vorwerfen, oder? (ich denke in diesem Zusammenhang nicht nur an die Mainstream-Presse im Allgemeinen, sondern beispielsweise auch an die leitmediale Redaktion der ARD-Tagesschau aus Seeheimer-Stadt Pfeffersackhausen...)

Jean Pierre Hintze 01.06.2012 | 12:51

Nonsens - die Verbrechen der Nazis lassen sich in Tradition und Kontext zu den Verbrechen der SED sehen. Schliesslich verstanden es beide, Menschen industriell zu töten. Wenn natürlich auch unter verschiedenen Zielsetzungen und Größenordnungen. Die einen töteten aus rassistischen und/ oder ideologischen Gründen unter industriellen Voraussetzungen in Konzentrationslagern, die anderen "nur" aus ideologischen Gründen mittels Schiessbefehl und automatischen Selbstschussanlagen. Waren es bis 1945 Millionen Opfer, die der industriellen Vernichtung zum anheim fielen, waren es anschließend nur einige hundert Menschen gewesen, die an den Grenzen und in den Haftanstalten der "DDR" ermordet wurden. Nichtsdestowenigertrotz bleibt die deutsche Tradition dem Morden treu, "der Tod ist ein Meister aus Deutschland".
Wer deshalb Gauck ernsthaft eine "Verharmlosung" vorwirft, kann es entweder aus intellektuellen Gründen nicht besser oder will verschiedene Wertungen, moralische Ansprüche an das Töten von Menschen schaffen. Damit würde jedoch das geistige Klimax für künftiges Morden bereitet. Ist das ihre Intention, Herr Knobloch?

pruword 01.06.2012 | 12:57

Der Henri-Nannen-Preis war schon ein einziger Witz, als er René Pfister für seine Satire auf Horst Seehofer bzw. dessen Modelleisenbahn aberkannt wurde. Dies lässt meine Welt nicht zusammenbrechen - aber tief blicken. Jemand der einen Text gut findet, den er nicht versteht, ihn dann auszeichnet (denn er ist in der Tat gut gewesen, aber m.E. vollkommen offensichtlich Satire - was ihn auch nicht weniger auszeichnungswürdig gemacht hätte) und plötzlich denkt: "Oh. Satire. Ich bin gefoppt worden !! Na dann hat er den Preis nicht verdient!!" statt sich seiner eigenen Borniertheit bewusst zu werden (denn der Artikel war ja offenbar so gut geschrieben, dass einige Deppen ihn für "echt" gehalten haben) - geht es wirklich noch kläglicher? Ist ein solcher Preis überhaupt irgendetwas wert?

Dreizehn 01.06.2012 | 13:40

Mir wäre wichtig, auf den Aspekt hinzuweisen, daß BILD es heute gar nicht nötig hat, aggressiv aufzutreten. Wir leben in einem CDU-Staat, es gibt keine Zweifel an den etablierten Hierarchien, BILD definiert sich neu bzw. setzt neue Akzente.

Kampagnen wie seinerzeit gegen Andrea Ypsilanti [Wichtig! zwecks ultimativer Exorzierung des Übels aus der SPD] nur in Ausnahmefällen, aber das Waffenarsenal ist einsatzbereit.

Magda 01.06.2012 | 14:09

„Der ewige Kampf gegen die Bild-Zeitung ist ein Kampf gegen die eigenen Dämonen. Und die müssen bekanntlich am heftigsten bekämpft werden.“

Aha, wenn die Einen, die BILD bekämpfen, gegen die eigenen Dämonen kämpfen, dann muss man ja auch mal fragen dürfen: Gegen welche eigenen „guten Geister“ kämpfen Menschen, die andauernd den kritischen BILD-Erklärer und -verteidiger machen?

Und noch eines: Die wievielte Runde ist das eigentlich?

Und noch eines: Keine Sau kommt auf die Idee, der BILD vorzuwerfen, dass sie nicht die NZZ ist.

Jetlag 01.06.2012 | 18:37

Lieber Herr Augstein,

jedes Blatt (bzw. i.A. Mensch) verschweigt, denn jedes hat eine gewisse politisch-ideologische Richtung und selektiert bzw. betont daher das, was die Richtung bestätigt und blendet aus bzw. vernachlässigt das, was ihr widerstrebt.

So würden Sie ja auch nicht auf die Idee kommen, Kriminalitätsraten von Migranten mit denen von Deutschen zu vergleichen. Vielmehr, so vermute ich, wünschen Sie sich, dass sowas erst gar nicht angesprochen wird.

Insofern werfen Sie anderen (vorliegend der "Bild") etwas vor, was auch Sie selbst betreiben. Und dann erinnert Ihr Vorwurf des "Weglassens" schon ein wenig an Selbstgerechtigkeit.

Viele Grüße

Jetlag

EnidanH 01.06.2012 | 18:55

Nach nochmaligem Drüberlesen beschleicht mich das Gefühl, wenn Augstein von Dämonen sinniert, dann schaut er nicht allzu weit über den Tellerrand, und wenn er über Boulevard schreibt, dann hat er seine Hausaufgaben nicht gemacht, ja, er widerspricht sich sogar selbst. Denn der Boulevard, das ist nicht die BILD, denn die BILD ist vielmehr Politik als im reinen Boulevard vertreten ist.

Da redet Augstein also davon, die BILD darf nicht verharmlost werden, verharmlost sie aber selber, indem er ihr den Titel Boulevard verpasst... ja, ist das jetzt Selbsttherapie oder was?

Daweißmanauchnichtmehrweiter.

Zur Theorie der Dämonen: Leute, die die BILD noch nie kauften, sich also für deren Themenverarbeitung nicht interessieren, der BILD aufgrund dieser Themenverwurstelung aber kritisch gegenüberstehen... gegen welche Dämonen kämpfen die?

wwalkie 01.06.2012 | 19:30

Danke für den Hinweis auf die Bedeutungsverschiebung des Begriffs "Boulevard".

"Boulevard" ist im 19. Jahrhundert das Theater der großen pariser Boulevards: leicht, populaire bis bürgerlich, geistreich bis grob-komisch. "C'est du bon boulevard". Man amüsiert sich über die kleinen und großen Unzulänglichkeiten des bürgerlichen Daseins, um anschließend beschwingt dinieren zu gehen.

Heute wird der Begriff erweitert, und schwupps wird - ohne dass man's merkt - BILD dem Boulevard zugerechnet. Das ist, wie Sie richtig schreiben, eine Verharmlosung des Blatts, das so zum Mittel bürgerlich-urbaner Lebenskunst geadelt wird.

heidenplejer 01.06.2012 | 20:40

"Zur Theorie der Dämonen: Leute, die die BILD noch nie kauften, sich also für deren Themenverarbeitung nicht interessieren, der BILD aufgrund dieser Themenverwurstelung aber kritisch gegenüberstehen... gegen welche Dämonen kämpfen die?"

Gute Frage. Da Freud nicht mehr lebt, übernehme ich:
solche Leute kämpfen gegen den Dämon Augstein, sind sich aber dessen tief unbewußt.

Uwe Theel 01.06.2012 | 22:11

wg. "Dämonen"

Wer einmal einen konzisen Überblick über den Begriff "Dämonen" haben will, der lese hier:

daimon.myzel.net/Daimon

aber so interessant und fruchtbar diese Lektüre sein könnte, soweit hat Aigstein m.E. nicht gedacht. Er unterstellt nur, dass die Feindschaft gegenüber Bild nur ein Projektion der Selbstvorürfe sei, die man sich selbst machen müsste um das eigene Versagen, das einen "dämonisch" ängstigt zu verdrängen.

Diesen Mechanismus gibt es in der Psychologie und ist dort nachwisbar.

Augstein beweist aber an keiner Stelle, dass linker Journalismus nur den Boulevard in Bild bekämpfe, den er sich selbst nicht gestattet.

Das ist ein Popanz.

Wahr ist allerdings, das Augstein für Boulevard, auch in der eigenen irgendwie linken Zeitung ist.

Vielleicht sollt er sich einmal - ich wiederhole mich -, was er eigentlich als Bpoulevard definiert und begründen, warum und wie solcher fortschrittlichem Journalismus dienlich sei, was daran links sei, falls er an diesem Zusammenhang überhaupt noch interessiert ist.

Achtermann 01.06.2012 | 22:38

@ Uwe Theel

Augstein beweist aber an keiner Stelle, dass linker Journalismus nur den Boulevard in Bild bekämpfe, den er sich selbst nicht gestattet.

Das scheint Augstein öfter zu unterlaufen oder gar zum Prinzip seines Schreibens zu gehören, wenn man Albrecht Müllers Analyse nachliest. Augsteins Spiegel-Kolumne über die Linkspartei scheint von Unterstellungen zu leben. Müller schreibt:

Augstein macht sich den Jargon der herrschenden Agitation zu eigen...

Er übernimmt die gängigen Vorurteile...

Krampfhaft versucht der Autor eine Parallele zu früheren Spaltungen der Linken herzustellen. Keine Ahnung von Geschichte. Keine Ahnung von der besonderen Demission der strategisch ausgedachten Agitation in der heutigen Zeit.

Der Artikel von Augstein strotzt von Behauptungen ohne Belege.

Ob Albrecht Müller übertreibt, vermag ich nicht zu beurteilen. Jedoch erinnert diese Art Texte zu kreieren als typisch für Spiegel bzw. Spiegel-Online, die von kritischen Medienbeobachtern immer häufiger mit den Methoden der Bildzeitung in Verbindung gebracht werden.

Quelle:
www.nachdenkseiten.de/?p=13395

heidenplejer 01.06.2012 | 22:39

"Vielleicht sollt er sich einmal - ich wiederhole mich -, was er eigentlich als Bpoulevard definiert und begründen, warum und wie solcher fortschrittlichem Journalismus dienlich sei, was daran links sei, falls er an diesem Zusammenhang überhaupt noch interessiert ist."

Ich denke nicht, dass er das tun muß. Er ist Verleger und handelt, er gibt die Linie vor und trägt selbst mit eigenen Artikeln dazu bei. Das ist nicht weiter begründungsbedürftig, es spricht für sich und kann damit natürlich auch Gegenstand von möglicher, vielleicht auch nötiger Kritik sein. Man mag das mögen oder nicht, aber es ist wenig erfolgversprechend, einen Verleger wieder und immer wegen Entscheidungen zu kritisieren, für die er alleinige Handlungsvollmacht besitzt - in der Erwartung, dass er das korrigiert, wofür er sich entschieden hat.

Uwe Theel 01.06.2012 | 23:19

@ heidenplejer am 01.06.2012 um 20:39

abgeseghen davon dass mir der zitierte Satz zu schnell in den Blogsatz ging - hier die korrigierte Fassung:

""Vielleicht sollt er sich einmal - ich wiederhole mich -, erklären, was er eigentlich als Boulevard definiert und begründen, warum und wie solcher fortschrittlichem Journalismus dienlich sei, was daran links sei, falls er an diesem Zusammenhang überhaupt noch interessiert ist."

bin ich schon der Meinung, dass Augstein dies gerade als verleger zu tun hätte. Es kann nämlich nicht angehen, dass er etwas - den Boulevard - "irgendwie" propagiert, ohne davon einen Begriff zu haben, den er ja auch irgendwie in der Redaktion vertreten wird, wenn er umgesetzt werden soll. Es ist nur fair, dies auch den Lesern transparent zu machen.

Zum anderen kommt Augstein eigentlich nicht darum herum, weil er einen Begriff salonfähig zu machen sucht, der für Linke zwar nicht tabu, aber aus guten Gründen kritikwürdig war und ist.

Sollte Augstein also das Kunstück gelingen einen Begriff des linken Boulevard von dem des bürgerlichen abzugrenzen, könnte man darüber reden. Das Boulevardeske aber stikkum salonfähig zu machen, geht nicht, auch wenn die Frankfurter Rundschau das schon einmal bei ihrem Besitzerwechsel zu Dumont vorgemacht hat. - Warum ist Storz dort wohl gegangen worden?

Urmel auf dem Eis 01.06.2012 | 23:39

"Der Artikel von Augstein strotzt von Behauptungen ohne Belege."

Nun, meines Wissens ist das die Zielsetzung eines Meinungsmediums.

Würde Herr Augstein (oder würden andere) Tatsachen und Fakten, also Wahrhaftiges drucken, dürften (und könnten) Sie und ich uns ja eigentlich (und uneigentlich) erst danach eine Meinung bilden.

Geht alles bunt durcheinander hier, oder ?

Die untersten 20 % der Gauss`schen Normalverteilung und die obersten 0,5 % als sogenannte Handlungselite bestimmen die mediale Richtung und den Zeit"geist". Punkt.

Jakob Augstein 01.06.2012 | 23:51

Begriffsklärungen? Schwierig.
Es geht um Identität, nicht um Begriffe.

Schreibt jeder Journalist, was er weiß? Nein.
Verzichtet jede Zeitung auf Personalisierung? Nein.
Verfolgt keine Zeitung ein Interesse? Nein.
Meidet jede Zeitung Polemik? Nein.
Erzeugt keine Zeitung eigene Nachrichten? Nein.
Begibt sich keine Zeitung in gefährlich Nähe von Politik und Wirtschaft und Kultur? Nein.

Worum geht es also? Wenn man böse ist: Um den Grad an Korruption. Wie immer im Leben: Korruption gehört dazu. Die reine Lehre ist etwas für die Schulen. Draußen im Feld läuft es dann anders. Wer das leugnet lügt. Wer das als Entschuldigung für jede Schweinerei nimmt ist Zyniker geworden. Es ist eine Frage des Grades. Mehr nicht. Das bedeutet, alle Zeitungen sind verwandt. Das liegt in ihrer Natur. Sie erscheinen regelmäßig auf Papier.

Wo unterscheiden sie sich? Es geht um den Geist der Leute, die das Blatt machen. Um die Identität. Warum machen die das? Was ist ihnen wichtig? Was sind ihre Werte? Was sind die Kontrollen? Denn niemand ist gefeit vor Hybris und Fehlern ...
Eine gute Frage lautet zum Beispiel: Machen wir Zeitung, um Geld zu verdienen oder verdienen wir Geld, um Zeitung zu machen.

Linker Boulevard wäre also einer, der sich skrupellos aller Mittel bedient, über die der Boulevard verfügt und sie zum Guten einsetzt. Ja! Denn die Mittel des Boulevard sind deshalb so stark, weil sie sich selber so wenig Kontrolle auferlegen. Personalisierung, Kampagne, Vereinfachung, Wiederholung, Polemik, Übertreibung - das sind die Mittel des Boulevard. Die findet man auch überall sonst. Aber nicht in der Dichte und in der Mischung. Vom Wort zur Propaganda ist ein fließender Übergang.
Linker Boulevard würde mit dem gleichen Kaliber zurückschießen. Aber mit linksdrehender Munition.

Klar kann man sagen: Das will ich nicht. Das lese ich nicht. Das ist mir am Ende ebenso eklig wie rechter Boulevard. Populismus, das kann man ja sagen, ist immer widerlich, egal woher er kommt und wohin er will. Klar kann man sagen, der Zweck heiligt die Mittel nicht und seriöser Journalismus ist etwas anderes.

Aber – und das sind die Dämonen, die ich meine – alle seriösen Journalisten kennen die Versuchung des Bösen. Und um es von sich fernzuhalten brauchen sie einen Sündenbock, einen, dem sie alle Schuld aufladen können, in die selbst zu verfallen sie fürchten. Weil sie den Sog spüren und ihm meistens widerstehen, aber eben nicht immer.

Und wir? Der Freitag? Wir haben Glück. Wir sind eine Wochenzeitung. Da geht Boulevard ohnhin nicht so gut. Man muss schon die hohe Schlagzahl der Tagespresse dafür haben. Es stellt sich darum für uns diese Frage nicht. Aber, ja, ich gebe zu, das wäre mein großer Wunsch, das machen zu dürfen. Es ist eine Versuchung. Und wahrscheinlich ist es gut, dass sie sich mir nicht wirklich stellt.

(Das Internet ist übrigens immer Boulevard)

Uwe Theel 02.06.2012 | 00:13

Huch, das ist eine lange Geschichte:

Storz war der letzte unabhängige Chefredakteur im Geiste der alten FR bei der FR bis die Mehrheitsanteile wirklich zu Dumont-Schauberg wechselten (2005 -2007) und Neven du Mont den Prozess exekutierte, dass er die Rundschau seit 2001 seinen Berliner Zeitungen redaktionell formal und inhaltlich eingruppiert.

Damals - 2006 - löste Vorkötter dann gegen den Protest der Rundschauredaktion Storz in Frankfurt ab, um seit 2009 Chefredakteur sowohl der BZ als der FR zu sein. Die FR ist heute eine schwache Regionalzeitung mit gleichproduziertem Mantel aus Berlin, der von Köln aus bestimmt wird.

Ich habe die Rundschau seit 1972 über dreißig Jahre lang gelesen, um beurteilen zu können, was Relaunch bei der FR in 2007 hieß. - Das war mehr als ein Formatwechsel der Größe des Druckbogens. Ich habe diesen Prozess mit einigen anderen Mitstreitern im Blog der FR begleitet und bis zum Rauschmiß dagegen geschrieben. (Man kann das alles noch nachlesen (Googlen: Bronski Blog Ihre Kritik ist uns wichtig). Wenn man alles findet sind dies weit über 2500 Kommentare im Bronski-Blog der FR und später im Blog von Hebel.

Aber das ist eine andere Geschichte.

Im Augenlick ist sie allerdings in sofern interessant, dass die Herausgeber der FR zwischen 2004 und 2007/2008 öffentlich vorgaben, den Grundstein zur Neuerfindung der Zeitung zu legen, indem zunächst Print und Online der FR eine Verbindung eingehen sollten, die endgültige Zeitung der Zukunft aber nur noch online existieren würde.

In Wahrheit haben sie eine der letzten linksliberalen deutschlandweiten Print-Zeitungen Deutschlands durch Boulevardisierung und falsche Regionalisierung qualitativ an die Wand gefahren. Angeblich sollte die FR "wieder" auf gesunde ökonomische Füße gestellt werden, wozu sie - so wörtlich "jünger und weiblicher" werden müßte und sollte .

Allein solche blödsinnigen Formulierungen zeigen, dass es hier nur um ideologische Marktbereinigung gegen links (im weitesten Sinne) und Stabilisierung der Wirtschaftlichkeit des Dumont-Schauberg-Medienbetriebs ging.

Ich unterstelle dem Verleger Augstein damit nicht solche Absichten, aber ich möchte ihn warnen, bei seinem an sich tollen Projekt, das jede Unterstützung verdiente ungeeignete Strukturen und Methoden anzuwenden, die dem zuwiederlaufen, wofür die Tradition des Freitag stehen sollte: Im Zweifel unabhängig links und das nicht nur "irgendwie".

P,S. "horizont.net" meldet gerade (31.05.2012) , dass Vorkötter den o.a. Doppelposten abgeben wird um an höherer Stelle bei Dumont gebraucht zu werden

www.horizont.net/aktuell/leute/pages/protected/Uwe-Vorkoetter-tritt-offenbar-als-Chef-von-Berliner-Zeitung-und-FR-ab_107903.html

Ein Artikel der aktuell die von mir skizzierte Geschichte belegen kann. DMS hat seine Strategie nicht geändert, die FR wird langsam sterben gelassen.

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kingprussia 02.06.2012 | 00:21

In der NOT frisst der Teufel auch Fliegen. Da musste der Heiligenschein des Journalismus gewahrt bleiben, und das hatte zur Folge, dass man der BILD einen echten Preis geben müsste, weil man auf Wulff in der Ausübung seiner Pflicht der Wahrheit gegenüber alle Menschenrechte mal mit Füssen zu treten leider hatte ;)

carsten plaug 02.06.2012 | 00:24

Das schreibt ein Verleger, der auch Journalist ist und das Zeitung machen aus mehr nur als journalistischer Seite zu beleuchten vermag, ja notwendigerweise dazu gezwungen ist, um einen Verlag am Laufen zu halten.
Ein Chefredakteur könnte und müsste vielleicht anders, bei einem Ressortleiter sieht das wieder ganz anders aus etc.pp.

Ob linker oder rechter Boulevard: es steht zu bezweifeln, dass das Wort Boulevard in Zeiten zunehmender "Verspartung" überhaupt noch zutreffend zu bezeichnen vermag.

Dabei ist Bild nichteinmal rechter Boulevard, das ist dabei nichteinmal eine Frage der Perspektive. Bild ist weder rechts noch Boulevard: davon hat sich Bild längst verabschiedet.
Und Bild ist es gelungen, sich vom korrumpierten Habitus hin zum korrumpierenden Habitus als täglich weiterentwickeltes Instrument zu entwickeln.
Selbst wenn es die Massen nicht steuert, mit den Schlagzeilen werden nichtzuletzt auch politische Entscheidungen verbunden.

Das macht Bild überparteilich wie parteiisch: also hochgradig gefährlich für jeden, der sich auf Bild einläßt.

Eine Versuchung würde ich es weniger nennen, eher eine Art mephistophelischen Pakt.

Uwe Theel 02.06.2012 | 00:38

@ Jakob Augstein schrieb am 01.06.2012 um 21:51

"Linker Boulevard würde mit dem gleichen Kaliber zurückschießen. Aber mit linksdrehender Munition.

Lieber Herr Augstein,

zeigen, nennen Sie mir einen Artikel aus dem Freitag, oder zur Not von woanders her, der das zeitgenössisch realisiert und erläutern Sie bitte kurz, wie er das journalitisch Ihrer Meinung nach "linksdrehend" machte.

Ich antworte Ihnen dann gerne "am Text" und konstruktiv, was ich damit anfangen kann, davon halte.

Bisher sind mir Ihre Ausführungen nur abstrakt. Daraufhin läßt sich nicht wirklich argumentieren.

mfg

Uwe Theel

Columbus 02.06.2012 | 00:57

ad
Uwe Theel schrieb am 01.06.2012 um 22:13:

Lieber Herr Theel,

Bei aller Sympathie für ihren Standpunkt, -die Redaktionen werden jetzt wohl wieder entflochten-, die Frankfurter Rundschau litt und leidet nicht an Seichtigkeit. Gerade in 2010 und 2011 haben die dort anständig investigativen Journalismus gemacht und das nicht zu knapp! Und auch die anderen Ressorts müssen sich nicht verstecken.

Woran aber diese Qualitäts-Zeitung, genauso wie ihre Konkurrenz, auch wenn es niemand so annehmen und eingestehen möchte, sehr leidet, das ist die Nachfrage des Publikums genau nach dem, was Jakob Augstein mit Boulevard, Personalisierung und Kampagnenfähigkeit meint.

Das Boulevard im weitesten Sinne, sichert die hohen Auflagen und jene Blätter, die das konsequent und strategisch betrieben, z.B. die ZEIT oder auch der SPIEGEL, oder auch die SZ, sicherten
sich so ihren Markt.

In dieser Frage muss ich Jakob Augstein schon sehr Recht geben. Selbst vermeintlich aufgeklärte Geister verlangen, wenn es zum Schwure kommt, nach der Leichtigkeit des Seins und Sie, lieber Herr Theel, können das gerne entlang der Massendiskussionen mit den meisten Klicks in der dFC nachvollziehen.

Beste Grüße
Christoph Leusch

Columbus 02.06.2012 | 01:24

ad Jakob Augstein schrieb am 01.06.2012 um 21:51 :

Das ist einerseits sehr wahr, lieber Herr Augstein, andererseits aber auch wieder nicht. Denn es gibt einfach nicht genug Linksdrehende die ein solches Blatt noch machen könnten. Beim Leserreservoir bin ich mir da weniger sicher.

Der diskrete Chame des "Popopo" und "Bubu" und gewisser boulevardeske Hamburger Anfänge so manchen heutigen medialen Edelpromis, sie lassen sich nicht klonen.

Sogar die heute notorischen Medien-Nörgler waren mal fast revolutionär und Boulevard. Das erfordert eben auch die historische Zeit im Beipack. - Die ist (noch) nicht.

Ein solcher Zustand könnte aber eintreten, sollte Finis terrae so langsam auch beim wirklichen Geld ankommen. - Diese Zeiten kann sich aber selbst ein gutgläubiger und aufrechter Linker nicht gerne herbei wünschen, weil dann zunächst einmal Rechts und zwar in ganz anderer Ausprägung als wir es uns bisher nur vorstellen können, die Wahlen gewinnen wird. - Ob dann noch viel Pressefreiheit im Sinne des Boulevards drin ist?

Sie dürften mit der kleinen Wochenzeitung doch ganz gut bedient sein, denn eine Sache fördert der Boulevard, egal welcher Ausrichtung, keinesfalls: Den eigenen Intellekt und das eigene (Ge)Wissen.

Man passt sich nämlich schleichend an und hat selbst gegen offensichtliche Lügen dann kein Sachmittel an der Hand, sondern eben auch nur noch die personale Bezichtigung und die Kampagne.

Bitte fassen Sie das jetzt nicht als Aufforderung zur Beichte auf.

Beste Grüße und gutes WE
Christoph Leusch

Uwe Theel 02.06.2012 | 02:47

@ Columbus am 01.06.2012 um 22:57

Lieber Columbus,

natürlich findet hier und da in der Rundschau auch noch guter Journalismus statt.

Aber, wenn Sie sich einmal symptomatisch den nur tragisch zu nennenden journalistischen und beruflichen Niedergang eines Stephan Hebel vor Augen führen, der einst stellvertretender Chefredakteur war, glänzende Kommentare im Print schrieb, die FR mitverantwortete, dann zum " Politischen Redakteur mit besonderen Aufgaben" wurde und gerade noch versuchen konnte in einem eigenen Blog das Niveau poltischer Diskussion gegenüber der Verflachung und Manipulation im hauseigenen Nachbarblog, dem Bronski-Blog zu halten:

"Hebel_macht_Mittag"
hebel.frblog.de/

dann sieht die Sache schon anders aus. Diesen Blog hat Hebel am 14.08.11 resigniert wieder eingestellt. Dort wurde mit Leuten, die inzwischen teils beim Freitag gelandet sind in mindestens der guten Qualität dikutiertiert, die im Freitag meistens erreicht wird. Allerdings war der Tenor von Seiten der User für die FR nicht tragbar, da er im von mir angedeuteten Sinne FR-kritisch war und Hebel dem nicht entgegentreten konnte/wollte/durfte.

Man lese den Blog wahlweise von vorne oder rückwärts:

hebel.frblog.de/hebel-macht-schluss/

Inzwischen macht Hebel - "boulevardesker geht`s gar nicht mehr - ein Flash-Kasperletheater unter der Überschrift

"Hebels nölende Wochenschau"

www.fr-online.de/videos,1472414,16158198.html
Hebels nölende Wochenschau vom 01.06.12

, dass einem nur noch die Tränen des Mitleids kommen.

Soll das Linker Boulevard sein, und was bewirkt er?

Ich habe das Gefühl, das Augstein und Hebel den Begriff "Satire", die immer links ist, mit dem des "Boulevard", der immer rechts ist, verwechslen.

Gute Nacht wünscht

Uwe Theel

heidenplejer 02.06.2012 | 08:34

@columbus

"denn eine Sache fördert der Boulevard, egal welcher Ausrichtung, keinesfalls: Den eigenen Intellekt und das eigene (Ge)Wissen."

Das sehe ich genau umgedreht: gerade wegen der schwierigen Grenzziehungen, die eine solche Blattgestaltung täglich erfordert, werden Intellekt und Gewissen stark herausgefordert. Keineswegs wird man dabei dümmer und einseitiger. Und wie kompliziert das menschliche Gewissen gestaltet ist und sich bestimmte Fragen täglich neu stellen: das ist ein weites Feld und bietet somit viel Platz zum Dazulernen.

Peter Knobloch 02.06.2012 | 13:28

Vielen Dank für Ihren persönlichen Angriff Herr Hintze "Wer deshalb Gauck ernsthaft eine "Verharmlosung" vorwirft, kann es entweder aus intellektuellen Gründen nicht besser ..." Ich gebe gerne an Sie zurück:
Wissen Sie, dass es beispielsweise einen Unterschied zwischen Mord un Totschlag gibt? Warum glauben Sie könnte es diesen Unterschied geben? Nicht um das eine Töten gegenüber dem anderen zu rechtfertigen, sondern um Abstufungen zu finden. Ja die gibt es.
Es salopp gesagt ein unterschied, ob ich den Einbrecher versehendtlich mit dem Nudelholz zu hart am Kopf treffe und er nicht mehr aufwacht oder ob ich plane, wie ich ein ganzes Volk ausrotte im Glauben, dass seine Mitglieder von Geburt an minderwertig sind. Die DDR hat keinen Genozid betrieben. Das mildert nicht die Grausamkeit politischer Morde oder von Schießbefehlen an der Grenze. Aber es ist verdammt nochmal ein Unterschied zum kühl durchdachten Massenmord!
Sie müssen doch den Unterschied erkennen können!

Columbus 02.06.2012 | 13:49

Hätte ich drauf getippt, Heidenplejer, dass Sie es anders sehen.

Dürfte ich um Beispiele bitten, die erahnen lassen, der Boulevard schule Intellekt und Gewissen, in Bezug auf die Abwägungsfähigkeit und Urteilsfähigkeit der Leser?

Ich gebe ihnen ein paar harmlose Gegenbeispiele:

Boulevard ist z.B., wenn man, weil man gerade eine Kampagne fährt, die da lautet, der Klimawandel findet nicht statt, genau den Gletscher sucht und kolportiert, bei dem das tatsächlich (wichtig, man muss nicht lügen!) nicht der Fall ist und dazu die Schlagzeile titelt: Klimaforscher irrten. Dieser Gletscher wächst. - Was die übrigen 90% oder 95% machen, ist dann nicht erwähnenswert und findet im Boulevardmedium als Gegenmeinung auch kein Gehör. - Dafür steht aber mit schöner Regelmäßigkeit auf der ersten Seite, der nächste Sonnensturm werde uns katastrophisch treffen.

Das gehört zu den Dingen, die der Boulevard konsequent verschweigt. Wie sich seine groß aufgemachten Beispiele, von Mord und Todschlag, bis hin zu Urteilen über Gruppen, im Verhältnis zur beobachtbaren Gesamtrealität verhalten. Neben einem Haufen anderer Fakten und Erkenntnisse, die wichtig zu Einschätzung wären, wie z.B. seinen informellen Abmachungen mit den Leuten, für die er Personalisierungen, auch positive, wünscht, - Bei Wulff kam dieser "positive" Teil, im Rahmen der Negativ-Skandalisierung nach der Abwendung ans Licht, bei von Guttenberg, nach der schier unglaublichen "Prostitution" der ZEIT in einem Londoner Luxushotel. -, ist das eine seiner, gesellschaftlich sehr gefährlichen Methoden.

In GB erleben wir ja gerade die Aufdeckung des Schauspiels, dass ein ganzer Medienkonzern mit seinen wichtigsten Boulevardmedien eine quasi institutionalisierte Dauerkampagne für den PM-Kandidaten und Prime-Minister seiner Wahl fuhr und dafür jegliches Mittel, auch alle illegalen Methoden, einsetzte. - So weit ist es hierzulande noch nicht.

Es ist letztlich nicht endgültig zu beweisen, -die Gegen-Hypothese verlangte ja einen boulevardfreien Journalismus, den es auch aus Unterhaltungs und Geschäftsgründen nicht geben kann-, aber die vielen, jetzt schon sichtbaren Einflüsse in England lassen es vermuten, dass hier die Murdoch-Medien bewusst und gezielt Politik machen konnten und eben Bündnisse sichtbar wurden, die weit über das famose, ganz flapsige Schröder- Diktum, man brauche "BILD, Bams und Glotze", weit hinaus gehen. - Journalismus ist das nicht mehr.

In der Diskussion um den Klimawandel behaupte ich als Zeitungsmedium oder leitender Redakteur (Leitend, das ist immer noch wichtig!) dreist, in der letzten Dekade sei es tatsächlich kälter geworden.

Die Behautungen kommen in den Titel und den Teaser, in die vielgelesene Kolumne, in die weiteren Meinungsformen, die absichernde Einschränkung wird irgendwo, wenn überhaupt, unauffällig platziert.

Ebenso stellt man auf sozialem Gebiet leichtfertige Behauptungen auf: Z.B., dass die Türken Deutschlands, insbesondere die Alten und die Kranken, sowie die Erwerbsunfähigen, die Überlastung des deutschen Sozialsystems verschulden. Dass sog. Ehrenmorde eine häufig geübte Praxis unter Muslimen in Deutschland seien.

Ich betone hier nochmals, das ist nicht nur BILD. Z.B. die These zum Sozialsystem vertrat der Chefredakteur der ZEIT.

Hier geht es aber um den Punkt Schule des Intellekts und des Gewissens beim Rezipienten. Das können Sie gerne einmal ausführen. Wo fand das, entlang der Lektüre des Boulevard-Journalismus, unter Umständen bei Ihnen, je statt?

Der "Boulevard-Stil", als solcher, er lässt sich schon lange nicht mehr auf "BILD" begrenzt, sondern fand, einfach nur mit einem je leserangepassten Deutsch versehen, nach dem personalisierenden Motto es möge was hängen bleiben, seinen Weg in die gesamte Presse.

Auch wenn die medialen Produzenten, -Bei BILD heute überwiegend Akademiker, auch journalistisch gut ausgebildet, teils gar akademische Journalisten,die sogar wissenschaftlich erlernten, wie man Boulevardisierung begründet. -, später einmal von den eigenen Thesen wieder abrücken, bleiben die in die Welt gesetzten Kampagnen nicht ohne Wirkung.

Selbst eingefleischte BILD-Leser (m/w) betonen bei Befragungen, Sie hätten eine kritische Distanz zum Blatt. Der häufigste Spruch aber lautet: "Wenn die es schreiben, muss was dran sein." Der Spruch stimmt auf der banalsten Ebene immer, charakterisiert aber die reale psychologische Grundeinstellung, auf die der Boulevardjournalismus zielt, von dem Jakob Augstein glaubt, er ließe sich für gute Ziele und die besseren Argumente einspannen.

Lernen könnten Sie allenfalls, wenn Sie den Boulevard selbst zum Beobachtungsobjekt machen und ihn, durchaus mit seinen Methoden, ausstellen (Bild-Blog). Da darf man aber dann nicht in den Modus verfallen, einen alleinigen Sündenbock, die BILD, zu suchen.

Was aber die weiter fortschreitende Boulevardisierung auch verhindert, -Augstein schreibt ein wenig zornig, im Netz ist immer Boulevard. Dies ließe sich leicht, entlang der erhobenen Klickstatistiken und an Beispielen, sogar hier unter uns aufgeklärten und kritischen Zeitgenossen, beweisen-, weil Meinungen und Thesen eben viel leichter zu generieren sind, als mit Sachargumenten zu widerlegen, ist die oftmals durch den Alltag schon arg strapazierte, geistige Konzentration noch auf ein paar überprüfte und konsistent vorgetragene, wichtige Sachverhalte lenken zu können.

Beste Grüße
Christoph Leusch

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Ehemaliger Nutzer 02.06.2012 | 13:55

Nachtrag:

Das, was Augstein über die taz schreibt, ist richtig. Ines Pohl, die selbst in der Jury des Henri- Nannen- Preises sitzt, ist für mich mittlerweile unglaubwürdig.
(Nicht wegen der Preisverleihung an die BILD, da hat sie .. dagegen gestimmt..?!)

Die taz lebt sehr gut vom BILD-bashing und das ist sowohl der taz als auch Frau Pohl bewusst. Nur, Frau Pohl bzw. die taz sollte den Leser nicht unterschätzen, der weiß wann und wie .. er.. " verarscht" wird.

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Ehemaliger Nutzer 02.06.2012 | 15:03

Lieber Herr Augstein!

Zunächst möchte ich Ihnen sagen, dass ich es sehr erfreulich finde, dass Sie Ihre Ausrichtung konkretisieren und damit auf die Diskussion hier, die ja nun doch sehr kritisch ist, eingestiegen sind. Dass das möglich ist- wunderbar!
Ich bin noch nicht allzu lange dabei und habe vermutlich vieles, was Ihre Vorstellungen angeht, nicht mitbekommen. Ich kann nur sagen, was mich bewogen hat mich hier anzumelden, war das Projekt mit der Community, deren Blogs ich zum Teil wirklich klasse finde und das "irgendwie links".
Mehrere Artikel der Redaktion über die Linke fand ich aber wirklich sehr enttäuschend und ich versuche gerade Ihre erklärten Ziele des "linken Boulevard" damit in Übereinstimmung zu bekommen.
Ich sehe ehrlich gesagt aber nicht, wo da mit "linksdrehender Munition" zu Gunsten der Linken geschossen wurde.

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Ehemaliger Nutzer 02.06.2012 | 15:37

Sich eine Meinung bilden - darüber, was das heute vor allen Dingen heißt, rede ich mir in meinem Umfeld den Mund fusselig. Vor allem die Damen "informieren" sich ganz gerne tagsüber in BILD und BUNTE, wo die Denkrichtung vorgegeben wird. Abends (im besten Falle) dann die (im besten Falle) eher neutral gehaltenen Nachrichten am Fernsehen. (Im besten Falle) bei den Öffentlich-Rechtlichen. Die Herren aber genauso: BILD, AutoBILD, KICKER - Ende.

Mein Status im Freundeskreis? Eine Ankedote:

Irgendwann im Januar. Mein Geburtstag, mein Küchentisch, mein Nudelsalat, meine Party. Alle sitzen nudelsalatessend um den Tisch, man unterhält sich angeregt. Eine gute Freundin am Tisch ist irgendwie schwanger, dauermüde und dauergestresst. Aber alles gut.

Plötzlich kommt das Thema Wulff auf (warum auch immer). Bildzeitungsüberschriften werden aufgesagt, fliegen hin und her. Ich esse, höre eine ganze Weile zu, warte. Frage mich, ob über Wulff zu reden bereits ein politisches Gespräch ist, oder nur der übliche Gossip.

Dann wage ich mich irgendwann aus der Deckung, öffne meinen Mund und fange geläutert-geübt leise und unaufgeregt an etwas zum laufenden Thema sagen zu wollen. Es macht ein klirrendes Geräusch. Die irgendwie Schwangere hat die Gabel aus der Hand auf ihren Teller fallen lassen, reißt die Arme in die Luft und ruft: "Oh Gott, jetzt bloß kein politisches Gespräch. Ich bin schwanger und kann das jetzt nicht ertragen!"

Alles ist mucksmäußchenstill. Ich höre den Fluß durch's offene Küchenfenster hinter'm Haus vorbeifließen. Ich warte. Ergreift jemand Partei für mich? Nein. Ich sitze eine Weile mit gesenktem Kopf und tue so als ob ich weiteresse. Nach kurzer Zeit stehe ich auf und nuschele: "Ich geh' mal ins Wohnzimmer zu den Anderen".

So viel zum Status meiner komischen Meinung zu allem.

silvio spottiswoode 02.06.2012 | 15:39

Dass BILD neue Akzente setzt stimmt. Mich hat beispielsweise echt umgehauen, die Bild-Zeitung als Medienpartner der "Art Press"-Ausstellung im Martin-Gropius-Bau zu sehen; BILD in trauter Einigkeit neben dem ZKM und der Stiftung für Kunst und Kultur, Bonn.

Für einen Moment wähnte ich mich am falschen Ort. Hatte ich mich verlaufen, verirrt in die falsche Veranstaltung? Wie kann jemand wie ich plötzlich zur BILD-Zielgruppe werden? Was habe ich falsch gemacht? Kunst, Kultur und Boulevard: Wieso geht das plötzlich zusammen. Ich bin verwirrt.

Columbus 02.06.2012 | 16:13

Auch da gilt, welches Wissen meinen Sie?

Wissen wie man Zeitung oder Online oder TV macht? Wie man z.B. eine tägliche Ausgabe von wenig Inhalt und viel Meinung, mit gutem Unterhaltungswert, journalistisch produziert?

Ja, da kann ich zustimmen. Das wird in höchstem Maße professionalisiert und mit viel Wissen, auch mit Intelligenz gemacht.

Intellekt erforderte allerdings das Infragestellen des eigenen Standpunktes und Tuns, seine Relativierung und Selbsteinschätzung, die Mitbegründung des eigenen Standpunktes, erkennbare Diffrenzierung im eigenen Schreiben und Abbilden und Öffnung der verfügbaren eigenen Kanäle für ein Mindestmaß an Gegenmeinung. - Wie schwer das sein kann, lässt sich ja sogar hier, beim dF verfolgen, obwohl hier die Bedingungen einfach besser sind.

Gewissen forderte noch einmal mehr, weil es da dann auch um die reale Wirkung der eigenen, freien Meinung für andere geht. Da ist eine beständige und vor allem auch ernsthafte Güterabwägung verlangt und vor allem eine freiwillige, sich selbst verpflichtende Konfrontation mit den Folgen des eigenen Tuns.

Im Binnenraum der ganzen Springerwelt, so stelle ich mir das vor, wird aufgrund der Marktmacht und der Möglichkeiten des Konzerns, bei Personalfragen und was das Betriebsklima angeht, bestimmt einiges getan. Da schneiden die Springer Erzeugnisse bestimmt nicht schlecht ab, vor allem im Vergleich zu viel kleineren Presseerzeugnissen und Verlagshäusern (Arbeitsplatzzufriedenheit und Sicherheit).

Das sichert die Loyalität der Mitarbeiter, selbst wenn es im täglichen öffentlichen Geschäft öfter einmal unter die Gürtellinie geht und auch BILD-Macher im Grunde wissen woran es da dann fehlt.

Bei allem Bild-Bashing kommt mir eine realistische Einschätzung, auch des eventuell gebildeten Publikums der Presse insgesamt, eher zu kurz. Ich glaube, dass diese, näher an der Realität liegende Mutmaßung, was Menschen lesen wollen, was sie anzieht, zum Teil begründet, warum Boulevard auch für einen Zeitungsmacher J.A. verlockend ist.

Es wäre einmal einen Versuch wert, dazu die prächtigeren Geschöpfe dieses Gewerbes länger und kräftiger daraufhin zu befragen.

Weiter
Christoph Leusch

goedzak 02.06.2012 | 16:26

Lustig. Aber du darfst stolz auf deine Geburtstagsgäste sein! Die sind in der Lage, den Unterschied zw. 'Boulevard' und einem politischen Gespräch zu erkennen!

Pech nur, dass du gerade DIESE Art Schwangere in deiner Bekanntschaft hast. Als ich selber noch munter am Schwängern war (nicht habe 'aufpassen' müssen, weil...), habe ich einige Schwangere kennengelernt, die hätten mir eine geklebt, wenn ich solche oder andere Rücksichten auf sie hätte nehmen wollen, nur weil sie schwanger ("aber nicht krank") waren. :)

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Ehemaliger Nutzer 02.06.2012 | 16:48

Vor zwei Wochen hat sie noch bei 'nem Umzug geholfen. Die ist schon recht robust, die junge Frau. War wahrscheinlich einfach die beste Begründung, mich mundtot zu kriegen, die ihr spontan eingefallen ist. (Um vorrauseilend das 'Schlimmste zu verhindern', was soviel heißt wie: mich erst gar nicht anfangen lassen, damit ich nicht in Versuchung gerate, nicht mehr aufhören zu können. Und alle mit den Augen rollen und auf die Uhr sehen müssen usw.) Gelernte Sparkassenfachwirtin - aber über die Euro-Krise reden (außer den mittlerweile einschlägigen Griechenland-Kalauern) ..? Leider nicht möglich :o(

EnidanH 02.06.2012 | 16:49

Mir widerstrebt es wirklich, wenn BILD und Boulevard gleichgesetzt werden, der Boulevard alleine hätte keinen Bundespräsidenten wie die Sau durchs Dorf getrieben, denn zu diesen Machtspielchen hätte dem Boulevard die Politik gefehlt. Wird dem Boulevard nicht immer die Politiklosigkeit vorgeworfen? Na also, und nun soll das politisch motivierte Handeln (oder dieses Spielchen unter Millionenpublikum "wer hat den längsten") der BILD in der Causa Wulff plötzlich Boulevard sein. Hmm.

In dieser Sache haben sich die (halbwegs) seriösen Medien keinen Gefallen getan, ich meine sogar, dass nur wenige das selbst bemerkten. Denn schon lange wird die Presse immer weniger seriös aufgefasst, verbindet die sich dann mit der BILD in einer mehr als fragwürdigen BP-Aushebelung (bevor ichs vergesse, nein, das ist kein Pro für Wulff, das ist ein Contra gegen die BILD), dann verspielen sie ihren Restruf.

Und nun machen diese seriösen Medien weiter wie bisher oder üben sich in Protesten gegen den Preis für die BILD... ja was denn nun, fragt sich der geneigte Leser und muss feststellen, dass auf die Presse auch kein Verlass mehr ist.

Der einzige, der immer noch nicht kapiert wohin die Reise geht und wie frustriert der Ex-Leser ist ist der ehemals seriöse Journalist, denn der sitzt meist fernab von Grabenkämpfen der Basis in einem schönen, klimabetriebenen Büro. Da hat ers gut, er kann über Dinge schreiben, die wenig wichtig sind, er kann verschweigen, weglassen, hinzufügen, andere Dinge problematisieren, die keine Probleme sind, und die Bäume, deren Papier dann zum Drucken verwendet werden können sich ja auch nicht wehren. Das ist wie mit den Piraten, die letzten, die kapieren, dass diese Form von Nonsense-Politik großen Anklang findet, da es eine Vielzahl von Leuten gibt, die Dummheit bevorzugen, das ist der wiederum der Journalist.

Was ich damit sagen will, es gibt doch kaum noch wirklich authentische, mutige Journalisten, Mariam Lau ist eine davon.

Der Journalismus schaufelt sich sein eigenes Grab, jetzt ist nur noch die Frage, ob das Publikum schadenfroh zuschaut oder sich angewidert wegdreht.

Uwe Theel 02.06.2012 | 18:28

Eben, Lapis

und deswegen kann es zu hochpolitischen (d.h. reaktinären) Zwecken "dienlich" sein sich des Boulevardsstils als Mittel/Methode zu bedienen um zu verbergen wie unvernünftig die verfolgten Ziele dahinter sind.

Ein fortschrittlicher aufklärerischer Journalismus tut das Gegenteil von verbergen, ergo hat er das z.B. Mittel der Satire, nicht aber das des Boulevards an der Hand und kann es benutzen.

Uwe Theel 02.06.2012 | 20:42

@ Jakob Augstein schrieb am 01.06.2012 um 21:51

"Begriffsklärungen? Schwierig.
Es geht um Identität, nicht um Begriffe.

Verwirrender Auftakt Ihres Argumentes,

lieber Herr Augstein:

Wie ist Identität, außer durch sichtbare Taten und durch sprachliche Mitteilung und in beiden Fällen beim Verstehenden anders als duch verstandene Begriffe, Sätze mitteilbar?

Aber gut, reden wir von Identität:

Dass Boulevard die "Identität" Ihrer Zeitung ausmache, das wird es wohl nicht sein.

Wollen Sie dann die Identität Ihrer Zeitung, die Ihren eigenen Worten nach "irgendwie" links sei also mit dem Mittel des Bpoulevard transportieren; etwas in der Art sprachen Sie jetzt einige Male aus.

Da widerspreche ich Ihnen, es sei denn es bliebe beim "irgendwie" links, das es nicht gibt, wie irgendwie "nass" auch nicht. Da hat man allenfalls ein eben "unbestimmtes" Gefühl von links oder nass.

Politik, poltischer Journalismus aber haben Begriffe von dem was sie/er tun und die sind immer "bestimmt" (bestimmbar), die Agierenden mögen das zugeben oder nicht.

Im Laufe der Diskussion dieses Blog ist mir ein Gedanke gekommen, den ich Ihnen noch einmal explizit vorlegen will:

Könnte es sein, dass Sie die Waffe der Satire, die immer links ist und scharf nicht einsetzen wollen/können/??? und dafür, das, was Sie bisher unbestimmt immer nur Boulevard nannten, der eben immer nur stumpf und kleinbürgerlich ist, für Satire o.ä. glauben ausgeben zu müssen, da sie in Ihrem Blatt eben nicht z.B. im Sinne Tucholskys geübt wird/werden soll?

Wäre das nicht die gute Alternative?

Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag

Mit freundlichen Grüßen

Uwe Theel

P.S.: Warum sollte das Internet "immer" Boulevard sein (müssen)?

Uwe Theel 02.06.2012 | 20:46

Ich wiederhole das Folgende hier noch einmal, weil es sonst in dem langen Blog, da wo es o. hingehört (www.freitag.de/politik/1222-verschweigen-was-ist#comment-412389), sonst untergeht.

Uwe Theel schrieb am 02.06.2012 um 18:42

@ Jakob Augstein schrieb am 01.06.2012 um 21:51

"Begriffsklärungen? Schwierig.
Es geht um Identität, nicht um Begriffe."

Verwirrender Auftakt Ihres Argumentes,

lieber Herr Augstein:

Wie ist Identität, außer durch sichtbare Taten und durch sprachliche Mitteilung und in beiden Fällen beim Verstehenden anders als duch verstandene Begriffe, Sätze mitteilbar?

Aber gut, reden wir von Identität:

Dass Boulevard die "Identität" Ihrer Zeitung ausmache, das wird es wohl nicht sein.

Wollen Sie dann die Identität Ihrer Zeitung, die Ihren eigenen Worten nach "irgendwie" links sei also mit dem Mittel des Bpoulevard transportieren; etwas in der Art sprachen Sie jetzt einige Male aus.

Da widerspreche ich Ihnen, es sei denn es bliebe beim "irgendwie" links, das es nicht gibt, wie irgendwie "nass" auch nicht. Da hat man allenfalls ein eben "unbestimmtes" Gefühl von links oder nass.

Politik, poltischer Journalismus aber haben Begriffe von dem was sie/er tun und die sind immer "bestimmt" (bestimmbar), die Agierenden mögen das zugeben oder nicht.

Im Laufe der Diskussion dieses Blog ist mir ein Gedanke gekommen, den ich Ihnen noch einmal explizit vorlegen will:

Könnte es sein, dass Sie die Waffe der Satire, die immer links ist und scharf nicht einsetzen wollen/können/??? und dafür, das, was Sie bisher unbestimmt immer nur Boulevard nannten, der eben immer nur stumpf und kleinbürgerlich ist, für Satire o.ä. glauben ausgeben zu müssen, da sie in Ihrem Blatt eben nicht z.B. im Sinne Tucholskys geübt wird/werden soll?

Wäre das nicht die gute Alternative?

Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag

Mit freundlichen Grüßen

Uwe Theel

P.S.: Warum sollte das Internet "immer" Boulevard sein (müssen)?

Lapis 02.06.2012 | 22:46

"Begriffsklärungen? Schwierig.
Es geht um Identität, nicht um Begriffe."

Diese Aussage ist ein Armutszeugnis für den Herausgeber einer Zeitung.
Auch wenn es nur eine (wahlweise faule oder feige) Ausrede war, um eine Positionierung zu vermeiden, so sind klare Begrifflichkeiten doch wohl die Grundlage erfolgreicher Kommunikation.

Vielleicht verstehe ich das aber auch völlig falsch, und es geht hier nur um Marketing und eine verkaufsfördernde Produktidentität?

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Ehemaliger Nutzer 02.06.2012 | 23:41

>Die taz macht einen auf Bild und empört ihre Leser.

>>In bester Boulevard-Manier titelte sie am Donnerstag "So mies lief der Rainer-Rauswurf". Die Folge: Sieben Leser kündigten ihr Abo. "Wenn ihr so gerne wie die Bild Zeitung sein wollt, dann sucht Euch die entsprechenden Leser", erklärte eine Abonnentin. Gegenüber MEEDIA verteidigt taz-Chefin Ines Pohl das Cover: "Wir wollten mit dem Langhans-Titel den medialen Hype brechen und haben uns dabei der Mittel der Boulevardpresse bedient und sie satirisch überhöht."

Ja ja, die Satire- Flagge... (schwarz auf weiß ).. kann immer dann gehisst werden "wenn es falsch" verstanden wurde.

carsten plaug 03.06.2012 | 00:01

Das war ja nicht er erste "satirische" Aufmacher, den sich die taz hatte einfallen lassen.
der bild-phallus am Redaktionsgebäude mag ja widerspenstig wirken, erzeugt indes imao ein ikonografisches Desaster.
Jedenfalls würde weder KD's Ausstattung noch andere Insignien seiner Monstranz an ein Büro gehören in dem ich arbeiten wollte: mag das nun satirisch oder augenzwinkernd superschlau wirken wollen.
Vermutlich aber gilt man dann auch schon wieder als irgendwie links.

Lapis 03.06.2012 | 00:25

Als Vorbild investigativen Boulevards mag evtl. die (hochgeschätzte!) "Titanic" gelten, die schon im August 2004 über Kai Diekmann enthüllte:

http://wwwold.titanic-magazin.de/archiv/0804/images/kaischi_01.jpg

Entspannung de luxe! Ein angehender Schmuddelreporter relaxt im Kreise seiner Lieben und wird eins mit dem Volk, das er später mit Fickgeschichten aus der Regionalliga unterhalten wird. "Und mit dieser Wurstkartoffel ist euer Ex-Kanzler befreundet?" fragen irritierte Journalisten aus dem Ausland, und wir müssen ihnen zur Antwort geben: "Nicht nur der."

Blackbird 03.06.2012 | 01:52

@Jakob Augstein

Ich vermag Sie zu trösten:

Nicht alles woran eine Sau sich reibt, ist eine Eiche.
Auch ist nicht alles, was sich reibt, eine Sau.

Aber dieses Spiel mit dem Popanz der 68'er erscheint doch verdächtig.
Konkurrenz belebt das Geschäft, man weiß es ja, aber manchmal, wenn zwei sich reiben, ist da nicht mal eine Eiche .

Für mich und viele andere ist das Blättchen kein Thema, es erreicht nicht ein Zehntel der Wirkung, die ihm zugeschrieben wird. Aber der beste Aufhänger ist ja immer noch die Polarisierung.

Aber selbst die erhalten Sie nur kläglich aufrecht.

Es heißt nicht "Augstein gegen Blome",
es heißt auch nicht "Freitag gegen Bild",
es heißt:"Miteinander gegen die Pleite."

Mit der Wahrheit verdient man kein Geld. Das ist der Grund für "Boulevardisierung", aber das ist ein unzutreffendes Wort.

"Verklatschung" muß es heißen .

Georg von Grote 03.06.2012 | 03:12

Tut mir ja leid, aber der Artikel bringt es auf den Punkt.

Das viele es hier nicht erkennen, bzw. wahrhaben wollen, kann ich mir nur dadurch erklären, dass diese vier Buchstaben B I L und D bei den meisten immer noch einen automatischen Reflex auslösen, der bei ihnen die Jalousien runtergehen läßt.

BILD war gefährlich und ist nach wie vor gefährlich. Meines Erachtens sogar weitaus gefährlicher als früher. Nicht nur, weil BILD, wie Augstein es ja deutlich anspricht, das Konzept geändert hat, indem nicht, wie früher oft, Tatsachen bewußt verfälscht, teilweise auch erfunden wurden, sondern Meinung mittlerweile durch Weglassen erzeugt, bzw. manipuliert.

Das kann aber nur einer erkennen, der sich mit dem Blatt auseinandersetzt und nicht sofort die Schotten dicht macht, wenn der name erwähnt wird.

Die bittere Wahrheit dabei ist, dass BILD ständig dazugelernt hat und dazu lernt, während andere Medien, wie Spiegel, taz, SZ, FR etc sei es aus Überheblichkeit oder anderen Gründen diesen Zug verpasst haben. Diese Überheblichkeit hat die taz mit Diekmanns Pimmel überdimensional dokumentiert. In meinen Augen hat in diesem Moment die taz vor der BILD kapituliert.
Die anderen von Spiegel bis SZ spätestens mit der Wulff-Affaire als sie sich vor Diekmanns Karren spannen ließen.

BILD verkörpert auch Boulevard. Aber nicht jede Form des Boulevard, nur den rechten.

Und auch da verschließen die meisten wieder die Augen und träumen noch von Medien, die es so längst nicht mehr gibt und auch nicht mehr geben wird.

Wenn es rechten Boulevard à la BILD gibt, dann existiert auch ein linker Boulevard. Er muss sogar existieren.
Er wird als Gegenpol dringend benötigt. Zumal ich über diese Form wesentlich mehr Leser erreiche als über langatmige, komplizierte pseudo-philosphische Artikel im Stile der Zeit und anderen. Damit erreiche ich heute höchstens noch pseudo-elitäre Zirkel.

silvio spottiswoode 03.06.2012 | 03:20

@ Uwe Theel

Vielleicht ist die zentrale Frage eine nach der Wirkung: Warum machen wir Zeitung? Geld oder Liebe? Was wollen wir damit bewirken? Für wen tun wir das, wer ist die Zielgruppe?
Eine Zeitung mit einer Auflage von 2.500.000 Exemplaren zu machen ist einfach ein anderes Gefühl, als eine für nur 5.000 Leser zu gestalten. Ähnlich wie bei Bildenden Künstlern - wenn sie nicht überaus speziell sind - dann freut man sich ja auch umso mehr, je besser eine Eröffnung besucht ist. Denn ein großer Wirkungskreis hat einfach mehr ... Drive, Spin, Auswirkungen, Möglichkeiten, Dynamik, ... Erotik.

So wie es in der Kunst die Achse zwischen Markt und Kunst gibt, so existiert in der Presselandschaft der Gegensatz zwischen Journalismus und Propaganda. Was Murdoch in England und Australien betreibt ist so gezielte politische Einflussnahme, dass es sich nur noch schwer als Journalismus bezeichnen lässt. Das perfide Geflecht des Springer Medienkonzerns - sowie seiner inoffiziellen Ableger/Blogs - agiert in Deutschland ähnlich, wenn auch nicht mit der selben rechtswidrigen, murdochschen Stringenz.

Die wirklich spannende Frage bleibt aber doch: Wie erreicht eine Zeitung ihre Leser?
Hier finde ich die sinkende Auflagenzahl der Bildzeitung besonders spannend: Die von 1998 mit 4,5 Mio bis 2011 auf 2 ,8 Mio gesunken ist. Demnach ist der "Lowest Common Denominator" eben nicht mehr das Geheimnis großer Reichweite.

Weil die Spezialisten bei Springer dies auch schon realisiert haben macht man dort jetzt noch in Kunst und Kultur. Da werden Ausstellungen gesponsert, Museen gegründet und alle Register der medialen Verwertbarkeit aufs wirksamste gezogen.

Die grossen etablierten Markennamen des zeitgenössischen Kunstbetriebs - von Andreas Slominski bis Max Hollein (Direktor des Frankfurter Städel Museums) - sind sich nicht zu schade plötzlich im Springerkontext aufzutauchen. Somit erschliesst sich das alte Arbeiterblatt, die Bild, jetzt auch die kreative, buergerliche Leitkultur des 21. Jahrhunderts. Eine neue vielversprechende Zielgruppe.

Uwe Theel 03.06.2012 | 03:59

@ silvio spottiswoode schrieb am 03.06.2012 01:20

Mir ging es in meinen Beiträgen in diesem Thread nicht primär daraum, was macht BILD und/oder was macht BILD nicht. Dass BILD bei zusammenbrechenden Märkten auch "(bildungs)bürgerlicher" (weg vom "Arbeiterblatt" (???; UT) werden kann, verwundert mich nicht. BILD will Einfluß haben auf möglichst alle Bevölkerungsschichten und Geld verdienen. Die Identität der BILD ist herschaftsstabilisierend im Sinne des Systems.

Meine Frage war, ob ein Blatt wie der Freitag, mit seiner "Identität" unter Hinwendung zu Elementen des Boulevard - Augstein sprach schon davon, dass der Freitag für ihn durchaus eine linke Boulevardzeitung sein könnte - diese Identität einer kritischen, linken, auf gesellschaftliche Veränderung zielende Presseinstanz zu sein, verwirklichen könne, oder ob das nicht eine contradictio in adjecto wäre.

Im übrigen geht es mir zu allerletzt um die Frage, ob Jacob Augstein sein Geld in "meinem" Sinne einsetzen will oder nicht. Er wird diese Entscheidung immer ohne mich zu fragen, treffen. Wie sollte ich da auf eine andere Idee auch kommen?

Auch die Frankfurter Rundschau ist verschwunden, obwohl einige andere und ich sogar einen offenen Brief mit einem 10-Punkte Reformprogramm für die "neue" Rundschau an Vorkötter und DuMont geschickt hatten, nachdem in mindestens 4 Blogs mit über 2000 Einträgen die Sache diskutiert worden war.

Ich bin kein Traumtänzer.

Georg von Grote 03.06.2012 | 05:04

Lieber Theel,

das mit dem linken Boulevard ist doch an anderer Stelle schon durchgekaut worden. Stieß nur nicht auf Zustimmung, bzw Verständnis, weil die meisten bei Boulevard entweder nur an BILD oder eben an yellow press denken, also Boulevard mit Klatsch und Tratsch und "Titten" gleichsetzen.
SPON macht schon lange sogenannten Boulevard. Nicht so links wie er sein könnte, aber was die da praktizieren ist auch schon Boulevard.

Aber so lange hier oder auch in anderen Medien bei den Lesern im Kopf herumgeistert, dass eine "Boulevardisierung" automatisch auch mit Rechtsruck zusammenhängt, was absoluter Unsinn ist, und der Begriff Boulevard vor allem dazu benutzt wird, gewisse Artikel und ihre Verfasser abzuqualifizieren, so lange ist eine konstruktive Diskussion über dieses Thema nicht möglich.

Jakob Augstein 03.06.2012 | 12:06

Satire? Ich weiß nicht. Die taz versucht immer wieder Satire und die Titanic macht gar nichts anderes - ich finde, das geht regelmäßig schief. Irgendwie ist die Ära der Satire vorüber. Das Problem ist, dass die Wirklichkeit so absurd ist, dass keine Satire mithalten kann. Neulich hat die FAS mal Satire gemacht und im FEU geschrieben, das Grass Gedicht stamme aus der Titanic Redaktion. Ich habe das als Geschichte sofort geglaubt, mich nur gewundert, dass es nicht mehr Reaktionen hervorgerufen hat. Nach ein bisschen googlen war dann klar, dass es ausgedacht war. Aber ich war überhaupt nicht verwundert. Wenn alles möglich ist, was soll dann Satire?

Ironie - und das ist ja noch mal was anderes - geht schon eher. Aber die Erfahrung lehrt, das Ironie ohne zusätzliche Informationen wie Gesichtsausdruck, Stimmlage, persönliche Bekanntschaft .. ziemlich oft ziemlich schief gehen kann. Denken Sie nur an unsere Community Threads. Regelmäßig wenn einer ironisch sein will, kommen drei und fallen über ihn her ...

Linker Boulevard wäre genauso fies wie rechter Boulevard - nur mit anderen Zielen. Es würden eben nicht die Ausländer und Stratäter und Hartzer runtergemacht sondern die Banker und die Bosse. Und zwar pesonalisiert. Das stelle ich mir lustig vor. Man nimmt sich als Zielscheibe nicht diejenigen, die sich nicht wehren können. Sondern die mit den großen Rechtsabteilungen. Ansonsten müssten auch linker Boulevard nackte Frauen zeigen und Fußball und Autos und Servicejournalismus und den ganzen Quatsch. Klar. Sonst wäre es ja kein Boulevard.

Ich weiß nicht, ob die Leser das gut fänden. Der Deutsche ist obrigkeitshörig und mag es eigentlich nicht, wenn die Autoritäten in Frage gestellt werden. Für '68 schämt sich das Land ja immer noch und kann gar nicht verstehen, dass da einmal alles für kurze Zeit in Frage gestellt wurde ...

Aber noch mal und um jedes Missverständnis auszuräumen: Das geht nicht mit einer Wochenzeitung. Wir machen das beim Freitag nicht. Wollen wir nicht. Können wir nicht. Werden wir nicht. Das geht nur täglich.

((Und das Netz ist deshalb Boulevard weil es kurz ist und böse und hart und oberflächlich und wankelmütig und emotional und und und ...))

EnidanH 03.06.2012 | 12:32

In folgendem hat Augstein recht:
"Linker Boulevard wäre genauso fies wie rechter Boulevard - nur mit anderen Zielen. Es würden eben nicht die Ausländer und Stratäter und Hartzer runtergemacht sondern die Banker und die Bosse. Und zwar pesonalisiert. Das stelle ich mir lustig vor. Man nimmt sich als Zielscheibe nicht diejenigen, die sich nicht wehren können. Sondern die mit den großen Rechtsabteilungen. Ansonsten müssten auch linker Boulevard nackte Frauen zeigen und Fußball und Autos und Servicejournalismus und den ganzen Quatsch. Klar. Sonst wäre es ja kein Boulevard."
ABER, der linke Boulevard kommt doch oft verkleidet in Systemskepsis einher, denn auf das Niveau des Boulevard will sich der Linke nicht hinunterlassen, so greift er (bereits) personalisiert an.

Mit diesen Sätzen hatten Sie vor Jahren recht, inzwischen nicht mehr:
"Ich weiß nicht, ob die Leser das gut fänden. Der Deutsche ist obrigkeitshörig und mag es eigentlich nicht, wenn die Autoritäten in Frage gestellt werden. Für '68 schämt sich das Land ja immer noch und kann gar nicht verstehen, dass da einmal alles für kurze Zeit in Frage gestellt wurde ..."
DENN: Der Deutsche ist doch schon längst nicht mehr, dank der Medien so obrogkeitshörig, der Deutsche mutiert doch zum Allround-Wutler. Vom Systemdeppen zum Wutler. Oder wie erklären Sie sich sonst den ehemaligen Erfolg Der Linken und nun der Piraten? Aber da ist es wieder, dass Manko des Journalisten, der durch die Realitättsferne der letzte ist, der "Trends" bemerkt. An diesem generalisierten Wüten ist der Journalismus nicht unschuldig, immerhin liefert er regelmäßig, ob gerechtfertigt oder nicht, dem Publikum Aufreger. Beispiel: Wulff.

Aber ich sehe, es dauert wohl noch, bis das dort ankommt, wo es ankommen soll. Bis dahin schaufelt der Journalismus weiter. So bleibt es spannend, diplomatisch gesagt. Darauf, dass Schreiber und Publikum sich über das aufregen, das wirklich heiß ist, zu warten ist frustrierend. Denn man will sich ja nicht die Finger verbrennen, so als Journalist und selbtgerechter Wutler. Verschweigen, was ist...

EnidanH 03.06.2012 | 12:32

In folgendem hat Augstein recht:
"Linker Boulevard wäre genauso fies wie rechter Boulevard - nur mit anderen Zielen. Es würden eben nicht die Ausländer und Stratäter und Hartzer runtergemacht sondern die Banker und die Bosse. Und zwar pesonalisiert. Das stelle ich mir lustig vor. Man nimmt sich als Zielscheibe nicht diejenigen, die sich nicht wehren können. Sondern die mit den großen Rechtsabteilungen. Ansonsten müssten auch linker Boulevard nackte Frauen zeigen und Fußball und Autos und Servicejournalismus und den ganzen Quatsch. Klar. Sonst wäre es ja kein Boulevard."
ABER, der linke Boulevard kommt doch oft verkleidet in Systemskepsis einher, denn auf das Niveau des Boulevard will sich der Linke nicht hinunterlassen, so greift er (bereits) personalisiert an.

Mit diesen Sätzen hatten Sie vor Jahren recht, inzwischen nicht mehr:
"Ich weiß nicht, ob die Leser das gut fänden. Der Deutsche ist obrigkeitshörig und mag es eigentlich nicht, wenn die Autoritäten in Frage gestellt werden. Für '68 schämt sich das Land ja immer noch und kann gar nicht verstehen, dass da einmal alles für kurze Zeit in Frage gestellt wurde ..."
DENN: Der Deutsche ist doch schon längst nicht mehr, dank der Medien so obrogkeitshörig, der Deutsche mutiert doch zum Allround-Wutler. Vom Systemdeppen zum Wutler. Oder wie erklären Sie sich sonst den ehemaligen Erfolg Der Linken und nun der Piraten? Aber da ist es wieder, dass Manko des Journalisten, der durch die Realitättsferne der letzte ist, der "Trends" bemerkt. An diesem generalisierten Wüten ist der Journalismus nicht unschuldig, immerhin liefert er regelmäßig, ob gerechtfertigt oder nicht, dem Publikum Aufreger. Beispiel: Wulff.

Aber ich sehe, es dauert wohl noch, bis das dort ankommt, wo es ankommen soll. Bis dahin schaufelt der Journalismus weiter. So bleibt es spannend, diplomatisch gesagt. Darauf, dass Schreiber und Publikum sich über das aufregen, das wirklich heiß ist, zu warten ist frustrierend. Denn man will sich ja nicht die Finger verbrennen, so als Journalist und selbtgerechter Wutler.

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kingprussia 03.06.2012 | 12:36

Ich weiß nicht, ob die Leser das gut fänden. Der Deutsche ist obrigkeitshörig und mag es eigentlich nicht, wenn die Autoritäten in Frage gestellt werden. Für '68 schämt sich das Land ja immer noch und kann gar nicht verstehen, dass da einmal alles für kurze Zeit in Frage gestellt wurde ...

:: Wenn Sie Hörigkeit mit Naivität verwechseln, dann kann ich Ihre Aussage nachvollziehen, bleibt aber falsch. Denn um einer Demokratie untertan zu sein, muss ich mir ja auch zuerst klar werden, dass ich Demokrat sein will. Und wenn "Deutsche" als Gruppe sich schon dazu bekannt haben (Bismarcks Arbeitergesetze gg. Common Wealth der Superdemokraten), dann braucht man das wie 68er nicht so in Frage zu stellen, als wäre das 3. Reich aus Demokratie entstanden und daher muss per "make love not war" Hierachie zur Anarchie werden .. ;) Finden Sie mal einen 68er, der die RAF/DDR in Frage stellt ;)

((Und das Netz ist deshalb Boulevard weil es kurz ist und böse und hart und oberflächlich und wankelmütig und emotional und und und ...))

::Das Netz ist 68er ;) ;) Sie wollen doch echt hier keinem Andrehen, dass die 68er versucht haben eine bessere Welt zu schaffen mit billigem Tabuabbau ;) Die 68er waren eine billige Überreaktion zum Wirtschaftswunder, denn auf einmal sieht man durch Coca Cola und Kaugummi die eigne Geschichte vor den Weltkriegen gar nicht mehr (war Absicht seitens der USA(Wallstreet)) ..

Joachim Petrick 03.06.2012 | 13:27

@Jakob Augstein

Überväter, Heinrich Böll/Grass/Augstein/Bucerius/Nannen vielstimmig einig hier, Axel Cäsar Springer auf einsamer Flur, Millionen leser/innen hinter sich gähnend wähnend da, die von ihren eigenen Vätern selber in den Bruderkrieg, in feindliche Geschwisterschaft der deutschen, der europäischen Teilung getrieben, als Dämonen in uns selber zu verorten, verweist eleganten Fußes, gekonnt, auf das, was Boulevard, anders als Despotie wirklich vermag, nämlich, das Verschwiegene zwischen den Zeilen unterschlagen zu belassen und doch das unterhaltsam kryptische Gefühl zu vermitteln, es sei alles öffentlich besprochen.

Die britische Oberschicht ist da bis heute, beispielgebend, unerreichte Meisterschaft.

Seltsam!,
nun befinden wir uns in der dritten Generation im feindlichen Geschwisterkrieg der Bölls Springers und lobpreisen das alte Kampfeslied:
Geschlagen kehren wir nach Haus, unsere Söhne, Töchter, Enkel fechten es besser aus!"

Nur was denn eigentlich?

Inzwischen ist die ganze Kulisse des einstigen Bruderkrieges der Springer Böll/Grass/Augstein/Bucerius/Nannen durch den Fall der Berliner Mauer am 09. November 1989, obsolet, wie weggeblasen, als hätte es diese Kulisse nie gegeben und lebt doch als leer geschossene Patronenhülse in uns fort?

Dass, was Springer verschweigt, könnte ja das weite Feld des Linken Boulevards sein!, oder?

BILD war noch nie der Dämon, wie Antje Vollmer als Kriegskind, ehemaliges K- Gruppen Mitglied verlautbart, sondern der Bote der Botschaften aus dem Fischteich dämonisch angeteichter Meinungsreservate wider besseres Wissen.

Da hat sich etwas geändert, weil BILD da, Auflagen fischend, mithalten will, hat sich auch BILD im Duktus ihres Auftritts geändert.

Was in Ihrem Artikel, lieber Jakob Augstein, alles in bleiernen Lettern, zwischen den Zeilen und daneben verschwiegen wurde, daraus ließe sich wahrlich wöchentlich ein auflagenstarker Linker Boulevard nähren.

Sie verschweigen u. a. das Gezänke Gezicke um den Henri Nannen Preis an Reporter der Sueddeutschen und der BILD- Zeitung. Dieser Versuch mit Hilfe der Preisvergabe des Henri Nannen Preises die verfeindeten Geschwister in der dritten Generation zu versöhnen, musste notwendig scheitern, weil Versöhnung erarbeitet und errungen sein will.

Da taugt Ihr Versuch den Freitag als linkes Boulevard Blatt zu etablieren viel eher als Teil eines Versöhnungswerkes unter den verfeindeten Enkel- Geschwistern.

Auch wenn Sie innerlich ganz andere Debatten führen, u. a. mit Nikolaus Blome von der BILD bei Phoenix, fühlen Sie sich doch aufgerufen, wenn der Springer Hahn aus der Vergangenheit kräht, ihre durchtrainierten Hühner zu satteln und sie, kurzatmig gackernd, über Stilblüten Barrikaden der Art "Sturmgeschütz der Demagogie!" im Lande zu jagen, dass es es eine reine Freude, ein großer Genuss beim Lesen ist.

Wahrlich, ich sage Ihnen und mir und allen, die es hören und lesen wollen, die Stunde des Linken Boulevard hat mit Ihnen geschlagen.
Seit es den Freitag in Verbindung der Internet Comunity gibt, haben wir es geahnt, jetzt, angesichts der demografischen BILD- Dämmerung sind wir dessen gewiss.
Wann wird Nikolaus Blome im Freitag als Joint Venture mit BILD hauptstadtamtlich eingestellt?

Da hat es die Despotie schwerer, in der zwischen den Zeilen auf kryptisch verschlüsselte Weise das Verbotene, aufwendig an der Zensur vorbei, ohne die Öffentlichkeit über Kerkergebühr zu strapazieren, Wesentliches im Underground der Kassiber Kader Öffentlichkeit exklusiv unbestimmt verhandelt bleibt.

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Ehemaliger Nutzer 03.06.2012 | 13:44

Da muß ich Ihnen aber jetzt mal recht geben, Herr von und zu ;-).

Die Masse kann man nur über Boulevard erreichen! Hier tun sich manche Linke sehr schwer damit. Nur ist eben nicht jeder prädesdiniert sich mit wirklich "anspruchsvollen" Themen auseinander zu setzen.

Die Frage ist nur, was macht einen linken Boulevard eigentlich aus? Wie macht man linken Boulevard? Diese Frage scheint mir schwierig zu beantworten. Auf alle Fälle muß man sich dafür des einfachen, klaren Wortes besinnen. Und nicht so ein hochtrabendes Geschwurbel wie es so manch einer hier von sich gibt. Das versteht nämlich kaum ein (einfacher) Mensch. Mit hochtrabenden Worten um sich zu werfen zeugt für mich nicht von Intellektualität, sondern von vertuschen der eigenen Unfähigkeit die Dinge ganz einfach zu erklären! Um damit eine gewisse Überlegenheit zu demonstrieren. Die Masse kann ich nur mit der selben, einfachen, klaren Sprache erreichen! Als Bsp. und Vergleich nenne ich mal Professor Heitmeyer mit seiner wissenschaftlichen Analyse über "Deutsche Zustände". Er ist einer der wenigen Intelligenten, der sich darauf besonnen hat, die Mehrheit der Bürger zu erreichen. Der eigens ein eigenes Büro errichtet hat, um wissenschaftl. Sprache "herunter zu brechen" auf ein allgemein verständliches Niveau. E.Fromm hatte dies mal ziemlich gut auf den Punkt gebracht. Was ich ja auch in meinem Profil zu stehen habe.

Von mir aus kann der Freitag ruhig über die Linken klatschen und tratschen. Nur eben nicht denunzieren und in den Keller schreiben. So wie mit Lafontaine geschehen. Da die Linke es ohnehin schon schwer genug hat im rechten Bürgertum Aufmerksamkeit zu bekommen. Und das die BRD überwiegend schwarz eingestellt ist, beweist die jahrelange Wahl der CDU!

Theda 03.06.2012 | 14:02

Hallo Herr Theel,

hier fallen immer wieder Floskeln wie "die meisten hier", "viele hier denken so-und-so". Ich weiß gar nicht, wie viele hier lesen und schreiben.

Wie wurden diese Daten operationalisiert und wo kann man sie einsehen? Bevor wir das nicht wissen, wird keine konstruktive und vor allem seriöse Diskussion zu diesem Thema nicht möglich sein. Sie als Statistikexperte arbeiten doch sicher oft mit SPSS und haben vielleicht auch Quellen, wo Otto-Normalverbrauer diese Auswertungen findet, die GvG anspricht.

Theda

Theda 03.06.2012 | 14:02

Hallo Herr Theel,

hier fallen immer wieder Floskeln wie "die meisten hier", "viele hier denken so-und-so". Ich weiß gar nicht, wie viele hier lesen und schreiben.

Wie wurden diese Daten operationalisiert und wo kann man sie einsehen? Bevor wir das nicht wissen, wird keine konstruktive und vor allem seriöse Diskussion zu diesem Thema nicht möglich sein. Sie als Statistikexperte arbeiten doch sicher oft mit SPSS und haben vielleicht auch Quellen, wo Otto-Normalverbrauer diese Auswertungen findet, die GvG anspricht.

Theda

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Ehemaliger Nutzer 03.06.2012 | 14:05

Georg von Grote schrieb am 03.06.2012 um 01:12

"Die anderen von Spiegel bis SZ spätestens mit der Wulff-Affaire als sie sich vor Diekmanns Karren spannen ließen."

Und nicht nur die!

Stichwort Wulff:

Das Verfahren wurde eingestellt!

www.welt.de/newsticker/dpa_nt/regioline_nt/berlinbrandenburg_nt/article106405863/Ermittlungsverfahren-gegen-Wulff-eingestellt.html

War mir auch klar, da die Vorwürfe gegen ihn total haltlos waren! Mich hatte es entsetzt wie die "linke" Mehrheit hier BILD aufgesessen war und vor lauter Neid mitgemacht hatte. Auch der Freitag lag da voll daneben und hatte im Prinzip die Kampagne gegen Wulff und damit BILD voll unterstützt. Anstatt nach Recht und Gesetz zu distanzieren!

www.freitag.de/politik/1201-der-b-se-wulff

Tja, ich frage mich oft was JA eigentlich wirklich will...Die Gleichschaltung der Medien ist unübersehbar. So gewinnt man jedenfalls keinen Blumentopf.

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Ehemaliger Nutzer 03.06.2012 | 14:08

Ja vielleicht weinsztein ( Zunge brech), so als Zugpferd vom Spiegel hier her?
Nachdem ich jetzt weiter unten gelesen habe, dass "linker Boulevard" doch nicht das Ziel ist, frage ich mich schon, was die Diskussion darum dann soll.
Vielleicht geht es darum, die Community soweit zu provozieren, dass das was m.E. eigentlich in den Artikel gehört, hier aus uns herausgekitzelt werden soll. Ist das eventuell das Konzept?

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Ehemaliger Nutzer 03.06.2012 | 14:17

Bingo, lieber Herr JA! Sie haben voll ins Schwarze getroffen und das auch noch zu 100%!

Wir brauchen keine Schuldigen, denn dazu gehört nunmal jeder einzelne von "uns". Ich nenne es Systemrelevanz. Die, die es nicht können, bleiben zwangsläufig auf der Strecke in diesem System!

Und ja...der Deutsche ist Obrigkeitshörig, weil zumeißt autoritär erzogen! Zumal es den meißten D ja auch noch gut geht. Der Mensch neigt nunmal dazu sich erst zu ändern, aktiv zu werden, wenn`s an sein Eingemachtes, sprich Geld geht. Auch wenn es dann für viele bitter sein könnte. Bis jetzt wird immer nur verdrängt und schön geredet. Mal schauen wie lange das noch so geht...

anne mohnen 03.06.2012 | 14:24

@ Lieber JA (am 03.06.2012 um 10:06)

"Satire"?

„Politische Satire steht immer in Opposition. Es ist der Grund, weshalb es bis auf den heutigen Tag kein konservatives Witzblatt von Rang gibt und kein regierungstreues. Nicht etwa, weil die Herren keinen Humor hätten oder keinen Witz. Den hat keine Klasse gepachtet. Aber die kann ihn am wenigsten haben, die auf die Erhaltung des bestehenden aus ist, die die Autorität und den Respekt mit hehren Räuspern und hochgezogenen Augenberauen zu schützen bestrebt ist. Der politische Witz ist ein respektloser Lausejunge“ Kurt Tucholsky. Die Politische Satire in: K.T.: Gesammelte Werke. Hamburg 1985, Bd. 2, S.171ff.

Für einen kurzen Moment hat allerdings die FAS, (Claudius Seidel?), den Lausejungen gegeben. Da wäre ich schon gerne Redaktionsmäuschen gewesen beim Erschallen des Gelächters über das prompte Nachreichen des Echtbeweises Grassscher-Trauerverse der SZ.
Verkehrte Welt?

;-))))

silvio spottiswoode 03.06.2012 | 15:59

Nee, schoen waer's. Satire funktioniert eben im entgrenzten Pluralismus nicht.

"Das Problem ist, dass die Wirklichkeit so absurd ist, dass keine Satire mithalten kann." (Augstein)

Leider trifft's das vollkommen. So ist es. Schluck.

Der ganz alltägliche Wahnsinn der uns alle umgibt. Wenn wir versuchen darauf mit Satire zu antworten, dann sind wir bei Fellini - oder Ulrike Ottinger, take your pick -, schaufeln uns in die eigene Bedeutungslosigkeit.

Columbus 03.06.2012 | 16:24

ad Uwe Theel schrieb am 02.06.2012 um 00:47:

"Natürlich findet hier und da in der Rundschau auch noch guter Journalismus statt."

Lieber Uwe Theel, ich erlaube mir "hier und da" einfach zu streichen. Sie können ruhig anderer Meinung sein und bleiben.

Ich bleibe bei meiner Überzeugung, prinzipiell keinen journalistischen Qualitätsunterschied z.B. zw. dF und FR erkennen zu können. - Also in dem Sinne, dort bei der FR schrieben die Holzköpfe und die vom Verlag gesteuerten Profis und nur hier beim dF, die edlen, blitzgescheiten und klugen Vertreterinnen und Verteter des Faches, die sich den unbestechlichen Blick und die erkennbare Haltung bewahrt hätten.

Die FR hat auch unter der jüngsten Veränderung in der Organisation, unter den neuen Plänen des jetzigen Verlegers, weiterhin die Themen investigativ voran getriebt, die z.B. durch die politische Gleichschaltung des HR-Rundfunks und durch das mangelnde aufklärerische Interesse der größten Zeitung des Landes Hessen, der FAZ/FAS, brach liegen.

Und wenn Sie einmal einen Blick auf das FR-Feuilleton werfen und es einfach unvoreingenommen vergleichen, z.B. mit dem beim dF Gebotenen, dann schneidet das doch keineswegs schlecht ab.

Wichtige gesellschaftspoltische Themen, sachlich:
Bitteschön. Gerade gestern FR+ online, steht wieder ein guter Artikel der nicht ganz unbekannten, aber selbstverständlich auch einmal Mist produzierenden, Daniela Vates, zur erheblichen Zunahme der Wochenendarbeit, der genau so im dF stehen könnte:

www.fr-online.de/wirtschaft/wochenendarbeit-am-sonntag-gehoert-papi-dem-chef,1472780,16232988.html

Mit der Fokussierung auf die Kolumnen und die vielen Meinungsbeiträge, die tatsächlich in allen Pressemedien seit zwei Jahrzehnten erheblich an Boden gewannen und auch ein erhebliches Maß an Leseraufmerksamkeit (Kritik pos./neg.) erfahren, egal in welcher Zeitung, treffen Sie mich allerdings an einem wunden Punkt.

Diese Teile sind mir, bezogen auf Presse, eher eine nette Beigabe, während sie für andere die Zeitung eigentlich ausmachen und sie sich davon Orientierung und Einordnung erwarten.

Dafür bin ich aber zu dumm, denn ich sage mir, "Kolumnen kannst du dir auch selbst schreiben, wenn es dir nicht genügt, sie schon im Kopf zu haben."

Wie ich schon häufiger ´mal anmerkte, in Deutschland sind solche "Kolumnen" nicht nur völlig überschätzt, sondern auch von einer so großen Beliebigkeit in Inhalten und Formen, ja sogar Formschwankungen, dass sich daran nicht festmachen lässt, warum nun z.B. die FR, nur weil Herr Hebel, statt einer Diskurskolumne nun eine "Kracherkolumne" regelmäßig einspeist, - die eigentlich doch den geheimsten Wunsch so manches Bloggisten und die insgeheime Forderung an die jeweils "(ge)liebteste" Zeitung, das meist geschätzte Blog bedient- , die Zeitung schlechter sei.

Sie werden es vielleicht nicht glauben, aber ich bin sogar davon überzeugt, dass die FAZ und die FAS, über den Daumen, lesbare und in bestimmten Teilen sogar vorbildliche Zeitungen sind, egal was einige unbelehbare Altideologen und jüngere, unbedarfte Kräfte da weiter so anrichten dürfen. Selbst in der "Rheinpfalz" findet sich noch eine ganze Menge guter Journalismus.

Beste Grüße
Christoph Leusch

silvio spottiswoode 03.06.2012 | 17:15

@ Uwe Theel schrieb

"Meine Frage war, ob ein Blatt (...) mit seiner "Identität" unter Hinwendung zu Elementen des Boulevard (...) diese Identität einer kritischen, linken, auf gesellschaftliche Veränderung zielende Presseinstanz zu sein, verwirklichen könne, oder ob das nicht eine contradictio in adjecto wäre."

Linker Boulevard ist möglich, ist keine "contradiction in itself". Inhaltlich und formal muss sich Linker-Boulevard aber klar von der konservativen Variante abgrenzen.

In diesem Zusammenhang muss ich immer an Walter E. Baumann denken, der ja die Gestaltung vom PflasterStand und später auch das FR-Redesign zu verantworten hatte. Formal hat er beispielsweise immer versucht Sub-Kultur Aspekte ins Zeitungsdesign mitaufzunehmen. Das allein reicht natürlich nicht.

Was mich, als Gestalter, bei dem Versuch "Bild-Zeitung" zu lesen immer aufs neue verblüfft, ist die inhaltliche und formale Verschiebung der gestalterischen Elemente: In den Headern wird der Text zum Bild, die Leadins werden zu Überschriften und die Geschichten sind meist nicht größer als Randspaltenbeitraege. Gekrönt wird das Ganze mit einem Bild, dass den Weissraum fast ganz verdrängt und so zur Bühne wird.

anne mohnen 03.06.2012 | 17:35

@ Sivio Spottiswoode schrieb a, 03.06.2012 um 13: 59

"Nee, schoen waer's. Satire funktioniert eben im entgrenzten Pluralismus nicht."

Die Frage ist doch, ob es so plural zugeht, hm?

Die andere Sache ist doch die, dass der "Witz" der FAS nur einen Moment lang funktionierte, und das war von denen so angedacht!

Ich zitierte Tucholsky eher im Sinne von JA . Aber Tucholsky ist ja auch so eine Sache. Er meinte sicher nicht "Vulgarität" im Sinne der Titanic. OK, Satire ist vorbei. Man muss zuviel mitliefern. Das macht sie unmöglich, hm.:-(((((

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Ehemaliger Nutzer 03.06.2012 | 17:49

Ehemaliger Nutzer schrieb am 03.06.2012 um 10:36

"Das Netz ist 68er ;) ;) Sie wollen doch echt hier keinem Andrehen, dass die 68er versucht haben eine bessere Welt zu schaffen mit billigem Tabuabbau ;)"

Glauben Sie wirklich das eine "68èr" Revolution im Netz etwas bewirkt?

Ich war zwar 68 nicht dabei, denke aber doch das es um mehr als nur um billigen Tabuabbau ging. Ging es nicht im Endeffekt um das Aufbrechen konservativer Werte und Strukturen? Und haben hat die BRD dies nicht auch teilweise erreicht?! Leider werden Bewegungen immer wieder unterwandert. Und in der BRD wurde und wird genauso wie damals in der DDR eine Ideologie massiv über die Medien verbreitet! Propaganda ist eben doch alles.

Was wir jetzt wieder haben ist ein Rückschritt in total konservative Werte. Oder warum lässt man den Adel wieder aufleben und klatscht ihm Beifall?! Es wurden bereits neue Wörter geschöpft. Jetzt fehlt nur noch der Kaiser ;-)

silvio spottiswoode 03.06.2012 | 18:02

@ Jakob Augstein

"Es würden eben nicht die Ausländer und Straftäter und Hartzer runtergemacht sondern die Banker und die Bosse. Und zwar pesonalisiert. (...) Man nimmt sich als Zielscheibe nicht diejenigen, die sich nicht wehren können. Sondern die mit den großen Rechtsabteilungen. Ansonsten müssten auch linker Boulevard nackte Frauen zeigen und Fußball und Autos und Servicejournalismus und den ganzen Quatsch. Klar. Sonst wäre es ja kein Boulevard."

Mit der Zielen stimme ich überein, aber es müsste auch inhaltlich ein Alleinstellungsmerkmal geben: Linker Boulevard sollte beispielsweise weniger macho sein. Da sollten auch mal Frauen und Randgruppen vorkommen. Also, dann eben auch nackte Männer - der Gleichberechtigung wegen. Klar, auch Autos, aber nicht so elitär, teuer und mit schlechtem Geschmack, sondern eher so "how-to-do-it-yourself"-maessig: How to fix your old scond-hand Jensen-Interceptor, oder Ersatzteil-Tipps fuer den "Schneewittchen Sarg" und den Citroën DS. Überhaupt sollte der Punk-Aspekt des Selbermachens einen Gegenpol zu der ohnmächtigen Altherrenexpertenkultur bilden.

Uwe Theel 03.06.2012 | 18:13

@ KarinL. schrieb 03.06.2012 um 11:48

Liebeb KarinL ""Priester der Kongregation "Die normative Kraft des Faktischen" bezog sich konkret auf einen anderen Blog, den ich jetzt aber hier nicht weiter hereinziehen möchte.

Und: Würde ich wirklich nur in solchen Kurzformeln schreiben, dann hätten Sie recht. gemeinhin lasse ich aber meinen Überschriften mindstens kleinen Kapitelchen folgen, oder beziehe mich auf vorausgeganegne Entfaltungen.

Bezogen auf Ihren Beitrag

@ KarinL. schrieb am 03.06.2012 um 11:44

möchte ich noch ergänzen, dass ich Ihre wohl grundsätzlich gemeinte Kritik an einer angeblich grundsätzlichen Verschwurbeltheit wissenschaftlicher, intellektueller Sprache gegenüber "DEM" Volk so (verkürzt) in keinem Fall anerkennen würde.

Ich würde mir vielmehr Gedanken darüber machen, wie es um das Schul- und Ausbildungs- und Mediensystem einer Gesellschaft beschaffen ist, die einem solchen Vorurteil, das im Einzelfall zutreffendes Urteil sein kann, damit dem Inhalt des allgemeinen (UN)Bewußtseins entspricht.

Umgekehrt sollte man begreifen, dass Die "einfache" Sprache von Bild (Spottiswoode hat gerade einen sehr schöne formale Beobachtung eines Mittels dazu gemacht) sicher nicht der Ausdruck ist, den komplexere Formulierungen von nicht so einfach zu gewinnendem Wissen über die Welt gegenüber der Welt annehmen müssen, um verstanden zu werden, wenn das terrain richtig bereitet wäre. Kurz: Das Terrain und die Mittel für die angemessene Sprache muss bereitet, darf nicht zerstört werden.

P.S.: Klar, auch Linke schwurbeln manchmal, aber sie können es bemerken, man kann sie mit Erfolg darauf aufmerksam machen. Anchließend sind sie aber immer noch nicht mit bürgerlichen, gar rechten Schreibern zu verwechseln.

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Ehemaliger Nutzer 03.06.2012 | 19:32

fahrwax schrieb am 03.06.2012 um 12:38

"Eine an der Interessenlage der Betrogenen orientierte Moral?"

Hmm, ich weiß nicht genau, ob Moral heute noch sinnvoll ist. Moral ist ja eh all zu verkommen. Und was bedeutet, was versteht denn jeder unter Moral? Da hat mit Sicherheit jeder seine eigenen Werte.

Auf jeden Fall muß so eine Art des Boulevard, wenn er denn links sein will, auch linke Emotionen befördern! JA und seine Mitarbeiter sind doch die Fachleute.

Boulevard ist aber nicht seriös, geschweige denn investigativ. Vielleicht sollte ein "linker" Boulevard beides miteinander "verknüpfen"? Und entscheidend ist auch immer noch, welche Zielgruppe ich überhaupt erreichen will.

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Ehemaliger Nutzer 03.06.2012 | 19:49

R Stilzchen schrieb am 31.05.2012 um 13:44

"Vergleichen kann man jedes mit jedem, aber gleichsetzen meistens nicht.
Das Deutsche Reich unter Hitler war Akteur der Geschichte, ebenso die Sowjet-Union unter Stalin. Die DDR war ein von der UdSSR besetztes Gebilde ähnlich wie Dänemark unter Nazi-Deutschland."

Und die BRD wurde amerikanisiert! Also gleichermaßen wie die DDR von den Russen beeinflusst wurde. Das hatten Sie letztendlich übersehen :-)

Geierwally 03.06.2012 | 20:04

es ist äh schon auffällig, das die spd in der bild immer mehr gewicht findet, liest man öfters artikel über sigmar oder dem peer.
ob es an dem imageberater liegt, der von bild zur spd wechselte ?
oder will man damit eher der linken schaden ? sigmar macht ja gern mal den sozial linken, was dazu dient der linken wähler von links abzunehmen.
die bild weiß zu gut, das wenn die spd mitregiert, die ganz anders drauf sind als in der opposition, deswegen besser linke stimmen an die spd als an die linkspartei.
ds ist taktik.

Georg von Grote 03.06.2012 | 20:05

"Boulevard ist aber nicht seriös, geschweige denn investigativ."

Das ist der Denkfehler, von dem ich sprach. Wenn man die Formel Boulevard=BILD=Boulevard nimmt, dann mag das ja stimmen, bzw nur teilweise stimmen, denn BILD hat schon immer investigativ gearbeitet. Nur eben anders als gewünscht.

Boulevard ist aber nicht BILD und linker Boulevard kann durchaus seriös und investigativ sein.
Und um Moral geht es dabei nicht, aber um Meinung und um die Entscheidung, welche Meinungsströmungen will ich als Zeitung vertreten und meinen Lesern vermitteln.
Und wen stelle ich mir als Leser meines Meinungsmediums vor, welche Zielgruppe will ich erreichen?
Als Zeitungsmacher muss ich doch viele Faktoren einbeziehen.
Darunter gehört auch, wie man irgendwann schwarze Zahlen schreibt. Das erreicht man letztlich nur durch entsprechende Zahl der Abos, sprich Leser und Werbeeinnahmen.
Je qualifizierter meine Redaktion, desto höher muss die Einnahmenseite ausfallen, damit das Projekt nicht scheitert.
Sprich, ich kann nicht nur eine "Elite" bedienen, sondern ich muss den Durchschnittsbürger erreichen, ihm das Gefühl geben, da ist eine Zeitung, die versteht mich, die benennt meine Probleme, die versucht etwas zu ändern.
Letztlich nichts anderes, was BILD jahrzehntelang gemacht hat. Aber das geht eben auch links und seriöser als bei Springer.

Man kann dem nicht so vorgebildeten Leser auch komplexe Zusammenhänge erklären. Nur muss man sich dann seiner Sprache bedienen. Vereinfachen. Und so verpacken, dass er es auch liest.
Ich hab das auch lernen müssen in teilweise heftigen Diskussionen mit meinen Redakteuren.
Und meistens hatten sie Recht, weil sie ihre Leser, also ihre Zielgruppe wohl besser kannten als ich.

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Ehemaliger Nutzer 03.06.2012 | 20:12

Lieber Herr Theel,

über das Bildungssystem brauchen wir Linke wohl nicht zu debattieren. Das ist nämlich unter aller Niveau! Man kann aber die Welt auch mit ganz einfachen, sprachlichen Mitteln anderen erklären.

Was die Sprache angeht, so möchte ich doch auf Kant verweisen. Schon Hitler und Göbbels hatten erkannt wie einfach doch das "Volk" mittels simpler Sprache zu beeinflussen ist.

de.wikipedia.org/wiki/Empathie#Missbrauch_der_Empathie_f.C3.BCr_manipulative_Zwecke

PS: Ich hatte sie niemals als rechten Schreiber einordnen wollen. Von daher verstehe ich Ihr PS nicht wirklich.

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Ehemaliger Nutzer 03.06.2012 | 20:21

Georg von Grote schrieb am 03.06.2012 um 18:05

"...denn BILD hat schon immer investigativ gearbeitet. Nur eben anders als gewünscht.

Mensch Georg...BILD hat EINSEITIG INVESTIGATIV gearbeitet. Die Wahrheit besteht nicht aus schwarz oder weiß! Da muß ich dir aber jetzt doch heftig wider sprechen :-)

Die Bild erzeugt mit seinem angeblich investigativen Journalismus genau das, was negative, rechte Emotionen hervor ruft. Nämlich Neid, Angst, Hass

Zitat:

Was ist der kürzeste Weg ins Herz? Die am weitesten verbreiteten Instinkte und Leidenschaften, die man aufstacheln muss, sind nach William Gerard Hamilton (1729–1796) Neid, Angst, Wünsche, Hoffnungen und Hass.

Und genau dagegen müsste ein irgendwie linker Boulevard argumentieren! Sonst erzeugt man wiederum nur dieselben Emotionen und nichts ist erreicht. Es geht nur im Miteinander und gegenseitigem Verstehen, ja akzeptieren. Schliesslich haben wir alle nur diesen einen Planeten zur Verfügung, auf dem es sich leben lässt.

Uwe Theel 03.06.2012 | 20:28

@ KarinL. am 03.06.2012 um 18:12

Nur kurz, weil ich weg muß zum Joan-Baez-Konzert:

Ich glaube auch, wir sind uns weitgehend einig.

Insgesamt wollte ich nur deutlich machen, dass es Zusammmenhänge gibt, die nicht beliebig vereinfacht verständlich gemacht werden können, sondern dass hier die Form dem komplexen Inhalt schon folgen muß.

Dies dann als intellektuelle Macke abzutun, halte ich für falsch.

Mein P.S. war nicht persönlich, so rum oder so rum gemeint sondern sollte auch nur ausdrücken, dass linke Sprache mit rechter niemals zu verwechseln ist, sosehr die Versuche z.B. Carl Schmitts das nahezulegen scheinen.

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Ehemaliger Nutzer 03.06.2012 | 21:28

Lapis schrieb am 02.06.2012 um 20:46

.....Diese Aussage ist ein Armutszeugnis für den Herausgeber einer Zeitung.
Auch wenn es nur eine (wahlweise faule oder feige) Ausrede war, um eine Positionierung zu vermeiden, so sind klare Begrifflichkeiten doch wohl die Grundlage erfolgreicher Kommunikation....

JA ist Journalist und kein "typischer" Linker, politisch engagierter. Ich denke auch, dass JA sich nicht immer eindeutig positionieren kann. Schliesslich gehört er auch zur Zunft der Journalisten und hat mit Sicherheit jede Menge befreundete Bekannte (Blome?) dort. Gegen den Strom zu schwimmen kann einen ziemlich einsam werden lassen. Vielleicht weiß JA auch wirklich nicht so recht wohin er eigentlich mit seiner Zeitung will. Einerseits Geld verdienen und andererseits die Gesellschaft aufrütteln, Kritik üben und gegen steuern ist doch recht schwierig. Seine Aussagen diesbezüglich waren auch in einem Interview widersprüchlich wie ich finde.

www.youtube.com/watch?v=j3Tn8AQ2bFE

Und ja klaro doch...es geht natürlich in 1. Linie auch um Auflagen. JA ist Verleger!

JA im Selbstfindungsprozeß was die Identität des Freitag angeht? Und eines darf man auch nicht vergessen....JA ist in einer ganz anderen Welt (Schicht) groß geworden, verkehrt in einer anderen Welt als viele von uns es je werden können/wollen. JA hat somit eine ganz andere Denkweise, sieht Dinge aus einer völlig anderen Perspektive. Auch solte man nicht die Prägung JA wie alle anderen durch die kulturelle Hegemonie der BRD vergessen.

de.wikipedia.org/wiki/Kulturelle_Hegemonie

Ich denke, dass JA eine eindeutige Positionierung, aus welchen Gründen auch immer, schwer fällt. Das kann man aber auch aus seinen Kommentaren heraus lesen.

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Ehemaliger Nutzer 03.06.2012 | 21:28

Lapis schrieb am 02.06.2012 um 20:46

.....Diese Aussage ist ein Armutszeugnis für den Herausgeber einer Zeitung.
Auch wenn es nur eine (wahlweise faule oder feige) Ausrede war, um eine Positionierung zu vermeiden, so sind klare Begrifflichkeiten doch wohl die Grundlage erfolgreicher Kommunikation....

JA ist Journalist und kein "typischer" Linker, politisch engagierter. Ich denke auch, dass JA sich nicht immer eindeutig positionieren kann. Schliesslich gehört er auch zur Zunft der Journalisten und hat mit Sicherheit jede Menge befreundete Bekannte (Blome?) dort. Gegen den Strom zu schwimmen kann einen ziemlich einsam werden lassen. Vielleicht weiß JA auch wirklich nicht so recht wohin er eigentlich mit seiner Zeitung will. Einerseits Geld verdienen und andererseits die Gesellschaft aufrütteln, Kritik üben und gegen steuern ist doch recht schwierig. Seine Aussagen diesbezüglich waren auch in einem Interview widersprüchlich wie ich finde.

www.youtube.com/watch?v=j3Tn8AQ2bFE

Und ja klaro doch...es geht natürlich in 1. Linie auch um Auflagen. JA ist Verleger!

JA im Selbstfindungsprozeß was die Identität des Freitag angeht? Und eines darf man auch nicht vergessen....JA ist in einer ganz anderen Welt (Schicht) groß geworden, verkehrt in einer anderen Welt als viele von uns es je werden können/wollen. JA hat somit eine ganz andere Denkweise, sieht Dinge aus einer völlig anderen Perspektive. Auch solte man nicht die Prägung JA wie alle anderen durch die kulturelle Hegemonie der BRD vergessen.

de.wikipedia.org/wiki/Kulturelle_Hegemonie

Ich denke, dass JA eine eindeutige Positionierung, aus welchen Gründen auch immer, schwer fällt. Das kann man aber auch aus seinen Kommentaren heraus lesen.

anne mohnen 03.06.2012 | 22:41

@ Sivio schrieb am 03.06.2012 um 01:20

"Die grossen etablierten Markennamen des zeitgenössischen Kunstbetriebs - von Andreas Slominski bis Max Hollein (Direktor des Frankfurter Städel Museums) - sind sich nicht zu schade plötzlich im Springerkontext aufzutauchen."

Ob BILD eine Arbeiterpartei im strengen Sinne des Wortes je war, lass‘ ich mal außen vor!

BILD ist allerdings nicht gleich Springer. Wie Du schon schreibst, ist Springer ein verzweigter und ein vergleichsweise äußerst erfolgreich agierender Konzern!
Kunst, auch bildende Kunst, hat keine Scheu vor dem Geld, am wenigsten vor der Macht der Medien. Vielmehr lassen sich Interdependenzen ausmachen. Die sprichst von einer Achse zwischen Kunst und Markt. Ob die per se problematisch ist, wäre nachzuweisen und am Einzelfall aufzuzeigen. Neu sind diese Abhängigkeitsverhältnisse nicht.
Nehmen wir einmal Dürer als exemplarischen Fall. Dessen Ruhm basiert auf einem modernen Medium: Buchdruck! Buchdruck macht ihn nicht nur in Europa berühmt, sondern auch zu einem reichen Mann. Wie wichtig der Handel und Öffentlichkeitsarbeit für einen Künstler sind, das lernte Dürer in Venedig. Zurück in Nürnberg, wandte er sich direkt an den Magistrat und agierte dabei so geschickt, gelernt ist gelernt, dass ihm lukrative öffentliche(!) Aufträge winkten. Wenn Dürer-Werke heute Unsummen erzielen, schreibt sich da eine Strategie fort, freilich mit beschleunigenden Mitteln und globaler agierend.
Soviel zum Griff in die Geschichte der Wechselwirkung von Kunst-Geld-Öffentlichkeit. Mir ist übrigens nicht bekannt, dass einer der bedeutendsten Maler der Gegenwart, Gerhard Richter, der recht sarkastisch über die horrenden Summen spricht, die Sammler seiner Bilder bereit sind zu zahlen, den Armen dieser Welt Geld spendet. Das steht er in der Tradition von ………………….Legionen anderer Künstler. (Ich schätzte mich trotzdem glücklich, einen „Richter“ zu besitzen!)

Auch wenn ich Dir diese Auffassungen nicht unterstelle, die Realität lässt sich weder in jene schlichte Algorithmen überführen, wie es sich Investmentbanker, Internetnerds oder andere Einkläger (manchmal auch sogenannte Linke) überschaubarer Weltsichten wünschen, noch ist Herr Dr. Döpfner ein schäbiger Bösewicht!
Dr. Mathias Döpfner ist, wie einst Axel Cäsar Springer, ein Connaisseur des „Schönen, Guten und Wahren“. Schon deshalb mag ihn Friede Springer. Herr Dr. Döpfner schreibt Bücher über Musik, bewahrt denkmalgeschützte Villen vor dem Verfall, den die öffentliche Hand aufgrund klammer Kassen nicht mehr allein stoppen könnte. Im feinen geschichtsträchtigen Ambiente richtet er Empfänge, Events, gerne Kunstausstellungen aus. Natürlich ist es Döpfners gutes Recht und das seiner Gäste, meinetwegen eines Max Hollein(?), unter sich bleiben zu wollen. Gerne dürfen diese Leute auch ihre eigenen ästhetischen Maßstäbe bedienen. So weit so gut!
Allerdings, wenn diese Leute öffentlich, hier kommt - nicht nur- Springer ins Bild, mehr oder minder reißerisch und massentauglich etwa eine Steuersenkungspolitikpolitik einfordern, somit aggressiv für eine Wirtschafts- und Finanzpolitik optieren, die nicht nur, zwecks Krisensicherung des eigenen Portefeuille, den Kauf von Objekten befördert, z.B. Villen oder bildende Kunst, sondern, wenn die von ihnen propagierten, destabilisierenden Politik des inflationären Schuldenmachens, vice versa für die Wertsteigerung gerade dieser Sachwerte sorgt, dann tun sich da Interdependenzen im Sinne von das Gemeinwohl gefährdende Abgründe auf.
Diese Leute nehmen ganz bewusst in Kauf, dass der Öffentlichen Hand das Wasser abgraben und die Demokratie geschwächt wird. Wenn jene Einnahmen vorenthalten werden, die es braucht, um einem Kultur- und Bildungsauftrag für alle Bürger nachzukommen, spätestens dann hat doch die Stunde eines linken Meinungsmediums zu schlagen. Wenn dann noch der Ruf nach Privatisierung des Kulturbetriebes erschallt, nicht selten getarnt als Rettungsvorschlag gegen die Schließung von Museen und Orchester in der Provinz oder, boulevardesk in Anti-Bildungskampagnen verpackt, mit dem Tenor, der Mob brauche keine ermäßigten Eintrittsgelder für den Besuch von Kultureinrichtungen, wie Museen, er sei ohnehin desinteressiert, dann gilt es Lügen zu entlarven!
Gerechtigkeitsdefizite aufzudecken, ist keine abstrakte Angelegenheit, wohl ein sich Abarbeiten an der Realität, an konkreten Problemen.
Bereits eine einfache Zurechtrückung der Realität bestünde darin, einen Max Hollein daran zu erinnern, wenn er wieder einmal betont, die unterirdische Ausstellungsfläche des Städl sei aus rein privaten Mittel finanziert worden, dass diese Privatiers nicht einfach einen Kellerausbau finanzieren wollten, sondern ganz prestigeträchtig das Untergeschoss eines international renommierten Museums. Bei aller Wertschätzung für den Frankfurter Kaufmann und Bankier Johann Friedrich Städel, das Museum wäre ohne öffentliche Gelder nicht das geworden, was es heute ist, und wird auch in Zukunft nicht ohne diese auskommen.
Zur Komplexität von Abhängigkeitsverhältnissen gehört, kritisch darauf hinzuweisen, dass meistens öffentliche Museen in Deutschlands, für Privatsammler sowohl die Infrastruktur für Ausstellungen als auch ihre hohe internationale Reputation zur Verfügung stellen. Was auf den ersten Blick wie eine Win-win-Strategie erscheint, verdankt sich längst einer massiven Schieflage. Während die Museen kaum noch in der Lage sind, mit den Preisen des Kunstmarktes zu konkurrieren, aus oben beschriebenen Gründen zum Ankauf von Werken auf privates Geld angewiesen sind, steigern Privatsammler ihren Besitz im Wert durch die Unterstützung öffentlicher Museen. Ein beredtes Beispiel ist die Sammlung Flick
Das sollte kein Plädoyer gegen Mäzenatentum sein, wohl aber ein Hinweis, dass allein Dein angeführtes Beispiel, nicht mehr auf der Eben von Boulevard, links oder rechts, abzuhandeln ist.
Wenn Kritik als Satire nicht mehr funktioniert, wieso dann als Boulevard, links hin oder her?
Das Problem von Abhängigkeiten hat doch einen Komplexitätsgrad, den BILD als Boulevard schon wegen des Anspruchs vermeintlicher Massentauglichkeit gar nicht bedienen kann, je konnte. Die Gefahr besteht dann „per se“ in einer auf Unschärfe begründeten Schärfe. Differenzierung ausgeblendet! Dass entsprechende politische Positionen zusätzlich dafür sorgen, dass vieles nicht gesagt wird, darin liegt, die Demokratie schwächende Funktion dieser Zeitung. Die Tatsache, dass BILD nicht zur Stärkung der Demokratie beiträgt, macht die Gefährlichkeit des Blattes aus.
Ganz so „holzschnittartig“, wie einst, scheint es nicht mehr zu funktionieren. Deshalb ist auch BILD „seriöser“ geworden, deshalb braucht BILD ein neues Image, notfalls mittels Augstein.
„((Und das Netz ist deshalb Boulevard weil es kurz ist und böse und hart und oberflächlich und wankelmütig und emotional und und und ...))“
Das Internet u.a. als Ausweichort - für noch schlichtere, noch armseligere Positionen als die von BILD-, sozusagen die Spielweise von Gemeinheiten aller Art ist keine schlechte These!

anne mohnen 03.06.2012 | 22:59

@ Silvio

Der JAugstein Artikel gefällt mir ja auch:

Nur- wie war das mit der Satire?
"Da sollten auch mal Frauen und Randgruppen vorkommen. Also, dann eben auch nackte Männer - der Gleichberechtigung wegen. Klar, auch Autos, aber nicht so elitär, teuer und mit schlechtem Geschmack, sondern eher so "how-to-do-it-yourself"-maessig: How to fix your old scond-hand Jensen-Interceptor, oder Ersatzteil-Tipps fuer den "Schneewittchen Sarg" und den Citroën DS. Überhaupt sollte der Punk-Aspekt des Selbermachens einen Gegenpol zu der ohnmächtigen Altherrenexpertenkultur bilden."

carofivargas 04.06.2012 | 00:02

Wieso denke ich bei diesem Artikel an pro Bild Werbung?

Ich bin zwiegespalten und würde dem Verfasser gerne seine kritische Einstellung gegenüber der Bild glauben. Meiner Ansicht nach ist dieser Artikel jedoch ein weiterer, vielleicht bewusst gesetzter, Mosaikstein die Bild Zeitung zu einem "normalen" Medium zu machen. Uns ist jetzt sogar die hohe Faktentreue der Bild bewusst. Damit haben wir für kritische Seitenblicke direkt das richtige Argument parat.

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Ehemaliger Nutzer 04.06.2012 | 00:12

Ehemaliger Nutzer schrieb am 03.06.2012 um 10:36

Zu den 68ern mal ein paar "Fakten". Und in dem Zusammenhang auch mal etwas zur BILD.

www.kaikracht.de/68er/

Und wenn all diese stimmt, dann war die BRD so etwas von gruselig / konservativ. Da bin ich echt froh als Frau in der DDR aufgewachsen zu sein! Und man sieht auch sehr gut, wieviel Macht und Einfluß die Kirche damals noch hatte. Diese BRD war und ist heute noch teilweise so etwas von rückschrittlich. Insbesondere was Frauen betrifft. Einfach unglaublich das es so etwas im 21. Jhrdt. noch geben kann!

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Ehemaliger Nutzer 04.06.2012 | 00:12

Ehemaliger Nutzer schrieb am 03.06.2012 um 10:36

Zu den 68ern mal ein paar "Fakten". Und in dem Zusammenhang auch mal etwas zur BILD.

www.kaikracht.de/68er/

Und wenn all diese stimmt, dann war die BRD so etwas von gruselig / konservativ. Da bin ich echt froh als Frau in der DDR aufgewachsen zu sein! Und man sieht auch sehr gut, wieviel Macht und Einfluß die Kirche damals noch hatte. Diese BRD war und ist heute noch teilweise so etwas von rückschrittlich. Insbesondere was Frauen betrifft. Einfach unglaublich das es so etwas im 21. Jhrdt. noch geben kann!

Georg von Grote 04.06.2012 | 00:35

Nun, Karin, natürlich hat die Wahrheit viele Seiten und BILD kapriziert sich nun einmal auf die eine, die ihr gerade in den Kram passt.
Das heißt aber nicht, dass man da nicht investigativ recherchiert. Man läßt nur die Erkenntnisse weg, die der meinung, die man dem Leser vermitteln will, im Wege stünde.
Und sicher hat das mit seriösem Journalismus und Verantwortung eines Journalisten nichts mehr zu tun. Zumindest nicht in meinen Augen.

Ich bin auch nicht Augsteins Auffassung, dass linker Boulevard nichts anderes als der von BILD bekannte wäre, nur eben mit "linksdrehender" Munition. Wenn ich mich dieser gleichen Mittel und Methoden bediene, bin ich nicht besser als die von BILD. Ich kann es mir zwar einreden, objektiv bin ich aber dann das gleiche "Schwein". Nur eben ein linkes.

Linker Boulevard kann aber auch etwas anderes sein, nämlich Sprachrohr derer, die keine Lobby haben und deren Probleme kaum Gehör finden.
Linker Boulevard kann "the pain in the ass" derer sein, die an den Schalthebeln der Macht sitzen und diese missbrauchen. Im Kleinen, sprich lokal oder auch im Großen, sprich global.
Aufgabe einer Zeitung oder eines Journalisten ist es in meinen Augen nicht, die Welt zu verändern.
Aber die Problemzonen zu entdecken, sie aufzudecken und darüber kritisch zu informieren, das sehe ich als Aufgabe an.

Und bei aller Ernsthaftigkeit der politischen Themen, in einer Zeitung muss auch Platz und Raum sein, den Leser zu unterhalten, ihn aufzuheitern, ihn über vermeintlich Nebensächliches wie Mode, Film, Fernsehen, Küche, sogenannten lifestyle, Reisen zu informieren und das geht locker auch ohne Nackedeis und billigen Klatsch und Tratsch.

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Ehemaliger Nutzer 04.06.2012 | 01:39

Zitat Jakob Augstein: >>Begriffsklärungen? Schwierig. Es geht um Identität, nicht um Begriffe.

[1] Schreibt jeder Journalist, was er weiß? Nein.
[2] Verzichtet jede Zeitung auf Personalisierung? Nein.
[3] Verfolgt keine Zeitung ein Interesse? Nein.
[4] Meidet jede Zeitung Polemik? Nein.
[5] Erzeugt keine Zeitung eigene Nachrichten? Nein.
[6] Begibt sich keine Zeitung in gefährlich Nähe von Politik und Wirtschaft und Kultur? Nein.

Worum geht es also? Wenn man böse ist: Um den Grad an Korruption.

Und ich bin böse :o) (Habe die Liste einfach mal durchnummeriert, sorry)

Grad an Korruption.. genau das ist es.

Punkt [6] der Liste ist der hauptsächliche Dreh- und Angelpunkt des Ganzen und funktionierte sogar als übergeordneter Punkt der Punkte [1], [2] und [3].

Ich wollte zu diesem Thema lange schon einen Blog schreiben, aber jetzt schreibe ich das mal hier hin.

Die Auflagen im Print gehen seit Jahren stetig zurück, womit die wichtigste Einnahmequelle der Verlage kontinuierlich wegbricht. Redaktionen werden zusammengeschrumpft und überregional zusammengelegt. Die Großen kaufen die Kleinen, eine gewaltige "Marktbereinigung" läuft. Zentralisierung, Rationalisierung, Oligopolisierung.. das ganze Gedöns, das man aus anderen Wirtschaftszweigen auch kennt.

Erklärter Hoffnungsschimmer: das Internet. Dieses für die Leser "kostenlose" Ding, in dem Geld über Werbung reinkommt. In dem die Inhalte also nicht direkt vom Leser durch breit gestreute Kleinstbträge, sondern von zahlungs- und interessenskräftigen Werbekunden finanziert werden.

Wenn ich das Wort 'kostenlos' oben in Anführungsstriche setzte, dann aus gutem Grund. Denn kostenlos ist

unabhängige

Information auf Dauer natürlich nicht zu haben. Wie denn auch? (Ich bin übrigens ein GEZ-Gernezahler, aber das nur am Rande)

Die langfristigen Kosten belaufen sich selbstverständlich auf sinkende Qualität der angebotenen Information, die im Grunde davon abhängt, wie integer eine Redaktion (von der Recherche bis zur Veröffentlichung) arbeitet.

Ich habe mir mal überlegt, dass ich - wenn ich SoWi-Lehrer wäre - mit meinen Schülern und den Bildzeitungsausgaben einer beliebigen Woche einmal ein Spielchen spielen würde, ein kleiner Projekttag.

Aufgabe: Suchen Sie aus den vorliegenden Blättern alle kritischen Informationen heraus, die Sie zu

- den privaten Rentenversicherungen (einschließlich Riester/Rührup)
- PPP (Public Private Partnership)
- der Privatisierung von Staatseigentum
- der Privatisierung kommunaler-/ Landes-Aufgaben (Energie, Entsorgung, Infrastruktur, Bildung usw.)
- das private Krankenkassensystem
- Steuersenkungen für Unternehmen, Groß- und Größtverdiener
- den Afghanistan-Krieg
- die Arbeit der Bundeskanzlerin

finden können. (Hausaufgabe wäre logischerweise, z.B. freitag.de oder nachdenkseiten.de nach den nicht gefundenen Informationen zu durchforsten)

BILD war schon immer so, für die anderen befürchte ich das Schlimmste. Man beißt doch nicht die Hand, die einen füttert, oder? Jedenfalls nicht ab..

Wobei man das für die Auflagenstärke der Bildzeitung nochmal stark relativieren müsste. Die Hand, die die gedruckte BILD füttert, sind doch immernoch (auch) die vielen, kleinen Leute, die wg. irgendeiner neuerlichen Entlassungswelle kurz vor'm Burn-Out stehen, Lohnverzicht üben und FDP wählen, weil sie an Wirtschaftswachstum, Arbeitsplatzsicherheit und Wohlstand mittels Steuersenkung glauben, oder..?

So, ich bin müde und gehe jetzt ins Bett. Guten Abend.
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Ehemaliger Nutzer 04.06.2012 | 01:55

@Jakob Augstein schrieb am 03.06.2012 um 10:06

Gefällt mir! Dem schließe ich mich komplett an. Meine firlefanz.xxm-Rubrik kommt nicht so gut an (wenn man es mal an den Kommentaren misst). Ich schaffe es aber auch nicht mehr, so unbeschwert albern zu sein wie früher. Es stimmt tatsächlich: die Realität hat die Karikaturisten überholt. Wie die ZDF heute-show es jede Woche schafft, doch noch was rauszuholen, ist mir schleierhaft. Ich denke, dass ich es in Kürze mal in Gedichtform versuchen werde - mit irgendwas zwischen Kästner und Erhardt (also mit richtigen Endreimen und so..) firlefanz2.0.xxm :o)

Uwe Theel 04.06.2012 | 02:20

@ Theda schrieb am 03.06.2012 um 12:02

Liebe Theda,

Sie tun mir zuviel der Ehre an, mich mit menem Basiswissen in empirischen Sozialwissenschaften zum Statistikexperten zu machen

Auch fühle ich mich nicht wirklich angesprochen: Ich habe nachgeschaut, es ist in diesem Thread nur Herr von Grote der drei oder vier mal sich auf "die meisten" bezieht, die etwas so und so verstünden oder dort und dort am häufigsten klickten.

Die Quellen von Herrn von Grote kenne ich nicht aber ich kann ihnen zwei Quellen nenne:

Da ist zum einen die Seite der

IVW - Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V.

www.ivw.eu/index.php

wo die Auflagen- und Reichweitenentwicklungen auch der Tages- und Wochenzeitungen sowie de Onlinemedien in Deutschland vierteljährlih fortgeschrieben dokumentiert werden.

Man muß sich da zu den Titeln der einzelenen Publikationen etwas durchklicken.

Da die Mitgliedschaft dort freiwillig ist und der Freitag nicht Mitglied ist, finden Sie dessen Daten da leider nicht

Auf

www.twingly.com/top100?lang=de

Kann man die Top100-Blogs in Deutschland gelistet finden;

BILDblog von Niggemeier z.Zt. Platz 3,
die Nachdenkseiten Platz 13

Freitag z.Zt. nicht unter den Top100, was aber nichts heißen muß - auch dort muß man sich registrieren lassen um gelistet zu werden.

Amtliche Listren für soetwas gibt es m.W. nicht, im übrigen hüten die Blog-Betreiber solche Zahlen wohl generell auch als Betriebsgeheimnisse.

Sorry for not beeing of more help.

ut

Uwe Theel 04.06.2012 | 02:28

@ von Grote

Lieber Herr von Grote,

Ihre These von der Möglichkeit des linken Boulevard in Ehren, Sie und andere behaupten er wäre möglich und nützlich für die Linke (nicht nur die Partei gleichen Namens).

Diese Behauptung steht jetzt in mehreren Formulierungen, besonders von Ihnen auch hier im Thread, nur kein einziges konkretes Beispiel, eventuell mit Angaben zu Spezifika seiner Qualität und Wirksamkeit wurde bisher vorgestellt.

Geben Sie mir bitte ein substanzielles Beispiel.

Dann können wir endlich über Konkretes reden.

Danke

ut

Georg von Grote 04.06.2012 | 02:59

Lieber Theel,

was möchten sie an konkretem Beispiel haben?
Ein Beispiel für einen Themenkreis und ein Konzept, wie man das boulevardmäßig links aufbereiten kann?
Nachdem es den linken Boulevard, zumindest in der Form, wie ich ihn mir vorstelle, zur Zeit nicht gibt, wäre das ein Fall für eine Art Entwicklungsredaktion.

Wäre doch etwas für eine engagierte FC. Ohne Jux jetzt.
Freitagleser entwickeln einen anspruchsvollen linken online-Freitag-Ableger, der professionellen Ansprüchen gerecht wird.
Denke mal, das Projekt würden auch die Profis aus der Redaktion nicht unspannend finden und möglicherweise auch kritisch begleiten.

Ich sagte an anderer Stelle schon einmal. Diese Form des linken Boulevard gab es schon einmal vor langer Zeit, Ende der 60er und in den 70ern.
Die AZ in München praktizierte das einmal. Zwar überwiegend regional auf das Verbreitungsgebiet bezogen, aber durchaus auch mit überregionalen Themen. Die AZ gehörte damals neben Spiegel, SZ und anderen zur Stammlektüre von Lehrern, Hochschulprofessoren etc. pp. Und natürlich auch zur Stammlektüre des Durchschnittsbürgers, der sich in dem Format wiederfand.

Nur weil man etwas auf den ersten Blick für unmöglich hält, muss es nicht unmöglich sein.

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Ehemaliger Nutzer 04.06.2012 | 12:37

Georg von Grote schrieb am 03.06.2012 um 22:35

.....

Ja Georg, ich stimme dir auch weitestgehend in deinen Ausführungen zu. Und auch JA hatte in einem Interview, der Link müsste hier irgendwo stehen, sich auch mal so geäuusert. Journalisten sind dazu da, kritisch die Gesellschaft zu hinterfragen. Dabei kommt es auch auf die jeweilige Einstellung des Journalisten an (links oder rechts). Journalismus ist nunmal auch subjektiv. Vorallem aber ist er auch abhängig von seinem AG! Was die Tatsache erschwert, objektiv zu urteilen und Kritik zu üben. Da ist JA im Vorteil, weil unabhängig.

Das linker Boulevard sich von BILD abheben muß, ist wohl unstrittig.

Das BILD nur einseitig, entsprechend seinen Interessen, investigativen Journalismus betreibt, sollte doch auch jedem klar sein. Und BILD vertritt numal das Kapital. Für mich ist das eben nicht investigativ, weil nicht objektiv. Sich etwas heraus zu picken um daraus dann Meinungsmache zu betreiben ist doch nur billig und primitiv. Die Zusammenhänge aufzuzeigen, Sachverhalte von allen Seiten zu beleuchten, und dabei objektiv zu bleiben, dem Leser eine eigene Meinung zu ermöglichen ohne zu manipulieren, eine wahre "Kunst". Diesen Journalismus gibt es aber heute nicht mehr. Wir haben bereits eine Hegemonie der Journalisten (bis auf enige Ausnahmen) in diesem Lande, in der das eigenständige (Nach)Denken völlig abhanden gekommen ist. Oft wissen die Foristen mehr als die Journalisten schreiben. Zumal sich Journalisten der Obrigkeit verkauft haben und nicht mehr abhängig sind!

JA will auch keinen linken Boulevard a`la BILD. Das hatte er ja auch eindeutig in einem Beitrag hier vermittelt.

Journalisten können auch gar nichts verändern. Sie können nur begrenzt Mißstände aufzeigen. Denn solange es Hirarchien gibt, solange werden Menschen immer unterdrückt werden. Dazu fällt mir Orwell ein.

Zitat:
"Auf lange Sicht war daher eine hierarchisch geordnete Gesellschaft nur auf einer Grundlage von Armut und Unbildung möglich."

Wie recht doch Orwell mit allem hatte, zeigt die Realität.

Sägerei 04.06.2012 | 15:35

Nur eins noch weil mich dieses Augstein'sche Gelaber wirklich nervt.
Was zählt, ist nicht das was Springer schreibt oder nicht schreibt. "Die Zeitung" (wie die Bild in meiner Umgebung heißt) kann nunmal nicht alles en detail durchleuchten. Das verbietet schon der großzügige Schriftsatz.
Das einzige Erfolgskriterium der Zeitung ist emotionaler Natur. Es zählt einzig und allein welche Gefühle die Menschen zu ihresgleichen sowie zu "den anderen" entwickeln. Damit ist die Zeitung immer noch genauso erfolgreich wie zu Zeiten APO. Sie definiert wer drin ist und wer draußen, völlig egal welche Aufhänger dafür benutzt werden.
Die bedingungslose Gewogenheit wie auch der schäumende Hass, den sie erzeugen können ist überwältigend und geht in meinem Falle quer durch die Familie, deren andere Seite nichts (wirklich gar nichts) anderes liest, Sarazin wie einen Heiligen verehrt und jederzeit genussvoll von dem Kakao trinkt durch den man sie zuvor gezogen hat.
Die wohlkalkulierte emotionale Nebenwirkung dieses Giftes kommt natürlich überhaupt nicht in Betracht, wenn man sich mit Herrn Blome einmal die Woche in irgendeinem Hauptstadtstudio zum gelehrten Gedankenaustausch trifft.

silvio spottiswoode 05.06.2012 | 11:31

@ anne mohnen

Die "nackten Männer" sind absolut ernst gemeint, keine Satire, nirgends!
Satire wäre wenn ich sagte, nur Akt-Fotos von SCHWANGEREN Frauen. Mit so "Anni Leibowitz-Demi Moore" Ästhetik.

Denn wenn schon Gleichberechtigung, dann aber auch in der uneingeschränkten, medialen Verwertung aller menschlichen Aspekte beider Geschlechter.

Ganz im Ernst: Linker Boulevard kann nur funktionieren, wenn die Form eines Revolverblattes zwar ganz bewusst 1 : 1 übernommen wird, aber eben ohne die konservativen, hegemonialen Aspekte.
In dem Punkt sehe ich bei Augsteins Idee noch Optimierungspotential. Denn es reicht meines Erachtens eben nicht, wenn Linker-Boulevard nur genauso eklig und fies ist, wie rechter. Man muss nicht nur den Aufschlag annehmen um das Spiel zu gewinnen. Man muss den Ball auch Millimeter genau zurueck vor die Linie schlagen. Und das geht nur wenn die Leute da abholt werden, wo sie gerade sind.

Die klaffende Wunde, die rechter Boulevard - in BILD Format - einfach inzwischen hat, ist, dass er nicht mehr zeitgemäss ist, sich nur an Männer richtet und die Hälfte der Bevölkerung als handelnde Subjekte vollkommen ignoriert.

Da könnte man sofort, zielführend reingrätschen und den siechenden Patienten übernehmen: Autos und Frauen für die Männer. Männer und Tierbabies für die Frauen. Dann noch ein paar menschliche Dramen - wie "Ackermann war's nicht, es war seine Frau!", "Das 3. Geschlecht: Ursula von der Leyens Metamorphose" oder Etwas aus dem Leben der "alleinerziehenden, berufstaetigen, zweifachen Mutter und Grafikerin in Berlin-Kreuzberg" (da koennte man sicher ein geiles, dramatisches Shooting in Kostas Murkudis oder Lala Klamotten irgendwo auf einem Rooftop inszenieren). Dann noch ein wenig Freakshow (so Rolf im Rollstuhl, wie er sich autofahrend durch Job und Familie seinen Alltag navigiert), ein paar Wunder (Romy Schneider wiederbelebt) und was Aussergewoehnliches von um die Ecke. Fertig ist de 0-Nummer.

Uwe Theel 05.06.2012 | 12:51

@ silvio spottiswoode schrieb am 05.06.2012 um 09:31

...Fertig ist de 0-Nummer.

Boulevard wäre das schon, was aber wäre daran links?

Dass den Lesern die Abscheulichkleit, bzw. Bedauernswertheit und Unerreichbarkeit von

""Ackermann war's nicht, es war seine Frau!", "Das 3. Geschlecht: Ursula von der Leyens Metamorphose" oder Etwas aus dem Leben der "alleinerziehenden, berufstaetigen, zweifachen Mutter und Grafikerin in Berlin-Kreuzberg" (da koennte man sicher ein geiles, dramatisches Shooting in Kostas Murkudis oder Lala Klamotten irgendwo auf einem Rooftop inszenieren). Dann noch ein wenig Freakshow (so Rolf im Rollstuhl, wie er sich autofahrend durch Job und Familie seinen Alltag navigiert), ein paar Wunder (Romy Schneider wiederbelebt)"

von "links" klar gemacht wird?

Damit soll ich genau das Publikum abholen, dass sich vom rechten Boulevard bisher das Gegenteil hat einhämmeren lassen und es glaubt und das mit einer 5000er Auflage.

How silly can one get!?

silvio spottiswoode 05.06.2012 | 14:36

@ Uwe Theel

"How silly can one get!?" Never silly enough, if you want my humble opinion.

Bin offen fuer Vorschlaege.

Die Antwort kann aber keine Satire sein, denn ein Linker Boulevard an sich ist schon eine subversive Idee.

Ich glaube, es muss einfach mal versucht werden. Scheitern aber immer besser. Beim Kulturwerk vom Kunstfonds hatte ich dazu ein Konzept eingereicht, eine abgewandete Form meiner Diplomarbeit. Das fand aber keine Mehrheit. Irgendwie kapiert das keiner, aber gerade deshalb ist es wichtig.

Es geht doch einzig und allein darum konservative Herrschaftmodelle zu oeffnen und zu vereinnahmen, ohne ein Teil von ihnen zu werden. Das ist immer eine Gratwanderung bei der die Grenzen fliessend sind, deshalb ist es eben ja auch so spannend.

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Ehemaliger Nutzer 05.06.2012 | 14:46

Der ewige Kampf gegen die Bild-Zeitung sei ein Kampf gegen die eigenen Dämonen. Neeeiiiin, ich hab den Dämon nicht. Ich bestehe auf meinem Recht die BILD scheiße zu finden und Mc Donalds ungenießbar!
Das wirklich böse ist doch, dass jedem unterstellt wird, eigentlich konsumiere er Boulevard und Mc auch sehr gern, er geniert sich nur es zuzugeben. Nein ich finds schrecklich. Ich find unsachgemäße Polemik schrecklich, drei Wort Sätze (meistens) und geschmacksverstärkte Remouladensoße. Allein dafür, was sie der deutschen Sprache antut, möge sie in der Hölle braten. Ewig und ständig hört man, dass die Bild ja über jeder Kritik erhaben sei, denn die Auflage gäbe ihr recht... wieviel sinds? Sechs Millionen? Bleiben 74 Millionen, die sie nicht lesen. Vielleicht sind manche drunter, die sie nicht kaufen, weil sie noch nicht lesen können ^^. Gut. Aber es sind auch Leute dabei, die hartnäckig Widerstand leisten (das kleine gallische Dorf) mit Gründen inhaltlicher und geschmacklicher Natur. Remouladensoße mit Geschmacksverstärkern wird niemals wohlschmeckend, egal wieviel Salat man zur Imageverbesserung dazulegt.

Die Bild kann sich einen Turban aufsetzen, sich auf Wallraffs Seite schlagen oder Händchenhaltend im Kreis hüpfen... das bleibt immer eklig. Das ist nun mal so, wenn der Effekt mehr zählt als der Gehalt.

Uwe Theel 05.06.2012 | 15:00

Dear spottiswood,

I am open minded and sometimes silly too.

Nach Satire habe ich nicht "verlangt", sondern Augstein nur gefragt, ob er da das eine mit dem anderen nicht verwechsele. - Die etwas unklare Antwort kann man inzwischen nachlesen.

Ich persönlich bin der Meinung, Satire kann durchaus subversiv sein, wenn Sie unterwandert im Sinne, die Fundamente des als falsch Erachteten zu erschüttern.

Bezüglich der "konservativen Herrschaftsmodelle" gehe ich im Anspruch weiter, sie sollen gebrochen werden.

Und da wäre ich bei der Praxis:

Ich fragte hier schon Augstein und von Grote: Zeigt mir ein praktisches TEXTbeispiel für linken Boulevard.

Ich lese hier dauernd nur die Behauptung, es müssse ihn geben, es gäbe ihn, es habe ihn gegeben (AZ) nur nachlesen will mich keiner lassen.

Vielleicht birgt das Konzept dass Sie oben als Kern Ihrer Diplomarbeit ansprachen da einen Ansatz, aber auch den kenne ich nicht.

Solange bleibe ich bei meinem Standpunkt, dass ich mit einem in der Vergangenheit "erfolgereich" nur zur Dummhaltung, Verschleierung und Affirmation eingesetzen Mittel nicht erkennen kann, wie es überhaupt links gewendet werden könne, geschwiege denn Wirkung entfalten sollte, wenn seine Wirkung bisher immer in die Gegenrichtung erfolgreich war.

Die Befürworter des "linken" Boulevrad sind hier gewissermaßen in der Bringschuld.

Your humble servant ;-)

Uwe Theel

Uwe Theel 05.06.2012 | 15:34

Ich beharre darauf:

Es geht nicht darum, jetzt die Satire gegen den Boulevard auszuspielen. Nach Satire habe ich nicht "verlangt", sondern Augstein nur gefragt, ob er da das eine mit dem anderen nicht verwechsele. - Die etwas unklare Antwort kann man inzwischen nachlesen.

Ich persönlich bin der Meinung, Satire kann durchaus subversiv wirkungsvoll sein, wenn Sie unterwandert im Sinne, die Fundamente des als falsch Erachteten zu erschüttern.

Und da wäre ich bei der Praxis:

Ich fragte hier schon Augstein und von Grote, zuletzt spottiswoode: Zeigt mir ein praktisches TEXTbeispiel für "linken" Boulevard.

Ich lese hier dauernd nur die Behauptung, es müssse ihn geben, es gäbe ihn, es habe ihn gegeben (AZ) nur nachlesen will mich keiner lassen.

Vielleicht birgt das Konzept von spottiswoode, das er oben als Kern seiner Diplomarbeit ansprach, da einen Ansatz, aber auch den kenne ich nicht.

Solange bleibe ich bei meinem Standpunkt, dass ich bei einem in der Vergangenheit "erfolgereich" nur zur Dummhaltung, Verschleierung und Affirmation eingesetzen Mittel nicht erkennen kann, wie es überhaupt links gewendet werden könne, geschweige denn Wirkung entfalten sollte, wenn seine Wirkung bisher immer in die Gegenrichtung "erfolgreich" war.

Die Befürworter des "linken" Boulevrad sind hier gewissermaßen in der Bringschuld.

Zeigt mir einen solchen Text, der schon gedruckt wurde!

Lethe 05.06.2012 | 16:33

Da bleiben die Nazis traurige Klimax in Geschichte.

Lesen Sie mal was zu den Unternehmungen der Société générale de Belgique im Kongo zwischen 1888 und 1908, dem sog. "Kongogräuel". Natürlich, im industriellen Organisationsgrad sind die Nazis ungeschlagen, aber wer sagt denn, dass man zum effektiven Töten größter Menschenzahlen eine Industrie braucht.

Oder der amerikanische Holocaust. 1492 lebten etwa 125 Millionen Indianer in Nordamerika, 1892 kam das amerikanische Volkszählungsbüro auf die Zahl von verbliebenen 250.000.

Uwe Theel 05.06.2012 | 18:09

@ tlacuache am 05.06.2012 um 14:09

Da Du ja auch in so einer erdig, staubig, sandigen Gegend zu leben scheinst, wirst Du verstehen, dass ich mich mit einem solchen urteil ganz einverstanden erklären kann:

Meine Vorfahren väterlicherseits kommen aus Pommern.

Dort ißt man Kartoffeln und ist stur.

Beides wird weiter westlich und südlich und in neuerer Zeit häufig mißachtet und/oder mißverstanden.

tlacuache 05.06.2012 | 18:47

"Uwe Theel schrieb am 05.06.2012 um 16:09"
Mit der "erdig, staubig, sandigen Gegend" hast du Recht, ausserdem ist sie noch rechtslastig mit Flöhen im Kalk bedeckt...
Nach erweiterten Gichtanfällen sollte ich schleunigst Kartoffelbasenmässig nach Pommern einmarschieren...
;-)
P.S.
Nicht zu vergessen die fucking 95% Luftfeuchtichkeit mit Dengue-mücken-freifahrtschein-in-der Regenzeit...
(O.K., ich hab' Klima, geht' noch...)
;-)
LG
TL

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Ehemaliger Nutzer 05.06.2012 | 19:46

Medien Verschweigen, was ist? Das sagen Sie?

Ich sage Ihnen, in Deutschland gibt es nur Medien die Verschweigen, jedoch nur aus Unfähigkeit!

Wo sind die kritischen Denker? Wo sind die Kritiker,
was wird in diesem Land denn noch überhaupt hinterfragt?

Ja über das Niveau der Bildzeitung kann man sich lustig machen. Ach wie wichtig!

Wo habt Ihr denn jemals eine Sache aufgeklärt?
Wann habt Ihr jemals mehr geleistet als andere
Medien, sagt mal?

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Ehemaliger Nutzer 05.06.2012 | 20:40

Hallo Herr Theel,

vielleicht werden Sie hier schlauer, was linken Boulevard betrifft. Ich bin mir aber nicht sicher, ob JA das wirklich will.

kritische-massen.over-blog.de/article-uhudla---eine-linke-boulevard-zeitung-in-osterreich-105771774.html

www.woz.ch/1145/medientagebuch/linker-boulevard

kaerntnerseele.blogspot.de/2009/10/die-erklarung-fur-haiders-angebliche.html

Komentar von einem User zum linken Boulevard. Aus

www.lafontaines-linke.de/2011/12/traeume-vom-boulevard-gysi-fraktion-zeitung-massenblatt/

Dr. No sagt:
23. Dezember 2011 um 16:09

Ja ja die Zeitung. Ich hatte in einem Brief an Oskar den Vorschlag schon vor 2 Jahren gemacht. Damals meinte er, dass sei zu teuer. Wir können nicht alle erreichen. Nicht so kompliziert geschrieben wie der Freitag aber auf Stern-Niveau sollte es schon sein. Viele Bilder, locker geschrieben, gute Reportagen, nicht so theoretisch, aus dem Leben gegriffen, lieber mal einen Bericht über Wohnsitzlose, über Leute die für ein Appel und ein Ei den Rücken krumm machen. Die schlichte Wahrheit geht unter die Haut, nicht irgendwelches Phrasengedresche von oben herab. Pointiert, kompetent, zuweilen ein wenig ironisch, spritzig, nicht moralin-säuerlich, der typische Tucholsky-Stil. Als Name könnte man einen von Tucholskys Pseudonymen nehmen. Das Problem ist glaube ich gar nicht so sehr das Geld. Es bräuchte 10 Leute die a) an die llnke Sache glauben und b) ihr journalistisches Handwerk verstehen. Dürfte nicht einfach sein.

Und unsere Positionen müssen erklärt werden, nicht anhand von ermüdenden Texten und ellenlangen Tabellen sondern mit Schaubildern.

im amerikanischen Sprachraum geben sich Professoren im allgemeinen große Mühe auch komplizierte Sachverhalte Nicht-Fachleuten nahe zu bringen. Das sollten wir auch tun und gewisse überhebliche Vergleiche unterlassen, mit denen bestimmte Leute in Schubladen gesteckt werden, in die sie nicht gehören.

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Ehemaliger Nutzer 05.06.2012 | 20:40

Hallo Herr Theel,

vielleicht werden Sie hier schlauer, was linken Boulevard betrifft. Ich bin mir aber nicht sicher, ob JA das wirklich will.

kritische-massen.over-blog.de/article-uhudla---eine-linke-boulevard-zeitung-in-osterreich-105771774.html

www.woz.ch/1145/medientagebuch/linker-boulevard

kaerntnerseele.blogspot.de/2009/10/die-erklarung-fur-haiders-angebliche.html

Komentar von einem User zum linken Boulevard. Aus

www.lafontaines-linke.de/2011/12/traeume-vom-boulevard-gysi-fraktion-zeitung-massenblatt/

Dr. No sagt:
23. Dezember 2011 um 16:09

Ja ja die Zeitung. Ich hatte in einem Brief an Oskar den Vorschlag schon vor 2 Jahren gemacht. Damals meinte er, dass sei zu teuer. Wir können nicht alle erreichen. Nicht so kompliziert geschrieben wie der Freitag aber auf Stern-Niveau sollte es schon sein. Viele Bilder, locker geschrieben, gute Reportagen, nicht so theoretisch, aus dem Leben gegriffen, lieber mal einen Bericht über Wohnsitzlose, über Leute die für ein Appel und ein Ei den Rücken krumm machen. Die schlichte Wahrheit geht unter die Haut, nicht irgendwelches Phrasengedresche von oben herab. Pointiert, kompetent, zuweilen ein wenig ironisch, spritzig, nicht moralin-säuerlich, der typische Tucholsky-Stil. Als Name könnte man einen von Tucholskys Pseudonymen nehmen. Das Problem ist glaube ich gar nicht so sehr das Geld. Es bräuchte 10 Leute die a) an die llnke Sache glauben und b) ihr journalistisches Handwerk verstehen. Dürfte nicht einfach sein.

Und unsere Positionen müssen erklärt werden, nicht anhand von ermüdenden Texten und ellenlangen Tabellen sondern mit Schaubildern.

im amerikanischen Sprachraum geben sich Professoren im allgemeinen große Mühe auch komplizierte Sachverhalte Nicht-Fachleuten nahe zu bringen. Das sollten wir auch tun und gewisse überhebliche Vergleiche unterlassen, mit denen bestimmte Leute in Schubladen gesteckt werden, in die sie nicht gehören.

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Ehemaliger Nutzer 05.06.2012 | 22:41

Islamijaa schrieb am 05.06.2012 um 19:27

"Wer hinterfragt von euch, den eigenen Glauben?"

Ich glaube nicht. Ich bin sozial eingestellt und da reihe ich mich JA seine Aussage ein. Im Zweifel links...also für die Hilfe sozial Schwacher und sich solidarisieren. Wenn eine Gesellschaft keine Solidarität mit den sozial Schwachen übt, dann ist sie bereits verloren. Sozialen Frieden gibt es nur im Solidarischem Handeln.

Und ich orientiere mich an Fakten und nicht an einer Ideologie. Links sein bedeutet nicht zwangsläufig eine absolute Übereinstimmung mit der Linkspartei!

anne mohnen 06.06.2012 | 00:33

@ Silvio 05.06.2012 um 09:31

"Ganz im Ernst: Linker Boulevard kann nur funktionieren, wenn die Form eines Revolverblattes zwar ganz bewusst 1 : 1 übernommen wird, aber eben ohne die konservativen, hegemonialen Aspekte."

Ja, das klingt nach einer Herausforderung einem „Drecksblatt“ (Leyendecker, SZ, über BILD) eine O-Nummer entgegenzusetzen.
Ambitioniert ist dann die Vorgabe: 1:1.

Ich hab‘ auch schon einen Vorschlag für den „O-Nummer-Nackedei“ der Seite 3: ein zwei Meter Mann, tätowiert und ausgestattet mit einem ums Gemächt gewundene hellbau-rosa gepunkteten Schleifenband.
Gefertigt aus Pappmaché, bildhauerisch im Stile eines Kalamis, sitzet dem kahlköpfigen Neo-Zeus ein Papagei auf der Schulter.
Der wäre nicht nur anti-hegemonial, wegen seiner programmatisch ( Schleifenband: hier muss Ellen von Unwerth ran), gegen Anni und Susan gerichteten, inszenierten Schäbigkeit à la Jeff Koons, setzte ein Fanal für den durch Frauenquoten ausgebremsten und an seiner Identität zweifelnden Mann, spielte nebenbei und ganz „en vogue“ auf der Klaviatur der historischen Reminiszenz, sondern beschwörte als Rettungsring in tiefer Gefahr ein Eintauchen in die Ursprünge des Abendlandes.
So zum Sinnbild des endgrenzten Pluralismus(?) aufgewertet, könnte dieser Freitags-Boy den (seit 1848) angeschlagenen Freiheitsbaum ersetzen, sodass sogar die Mitglieder "Schutzgemeinschaft Deutscher Wald" umgehend Abonnementen des linken Boulevard würden. Im Gegenzug pfiff man in Zukunft auf Preise aller Art. Neben dem Papagei trüge man stolz die Goldene Tanne im Wappen, nee Bild.
Das gefällt Dir nicht?
Na, wie sagte mein Lieblingstorwart, (forever and ever!) Toni Schuhmacher meinte, neulich bei Böttiger sinngemäß: „Ein Tor, zu schießen oder ein Tor zu halten, sei alles, nur kein Zufall, am allerwenigsten Glück.

Doch mal ganz ehrlich! Das Internet ist in der Tat der Boulevard. All das, was Du sehr originell(!) andenkst, ist dort zu haben. Gut, es liegt unsortiert herum. Es braucht inzwischen Recherchefreudigkeit und Findigkeit - zwischen all dem „Geröll“ und Müll.
Das wird sich in Zukunft ändern? Das Internet wird sich umbauen, wie auch immer.

Und Satire? Ich teile die Auffassung nicht, dass die nicht mehr möglich ist. „Furor Satiricus“ war, ist und bleibt eine scharfe Waffe, eine literarische Aggressionsform der schreibenden Zunft. Jenseits von Verleugnung und Ausblendung sind die Zeiten danach! Aber lassen wir das.

Ich stoße mich auch eher an Begriffen wie „entgrenzter Pluralismus“

Blackbird 06.06.2012 | 01:52

@Jakob Augstein

209 Kommentare und nur 2 Reaktionen von Ihnen.
Das ist untermäßig.
Wie schon zuvor habe ich auch hier den Verdacht, daß das erfolgreiche Blatt nur zur Bewerbung des eigenen Blattes genutzt wird.
Die guten alten Reflexe der 68'er werden gereizt, und schon trudeln die Kommentare ein.

"Oh,schaut mal,der Freitag greift die Bild an!!! "

Nein, das tut er nicht. Er läuft mit ihr mit.

Uwe Theel 06.06.2012 | 03:01

@ KarinL. am 05.06.2012 um 18:40

Haben Sie vielen Dank, liebe KarinL. für ihre Beipiele.

Soweit ich sehen kann stellte die Mehrheit Diskussionen zum Thema vor, wie sie auch hier geführt werden.

Die Schweizer Gewerkschaftszeitschrift WORK scheint die einzige zu sein, die online zu lesen ist, aus der Wiener UHUDlA habe ich bisher nur bei WORK einen Artikel gefunden.

Ich werde mir die Textbeispiele aus den genanten beiden Zeitungen noch näher anschauen, aber soweit ich bisher sehen konnte ist das kein "Boulevard" sondern eine Mischung aus AGITPROP, Satire und gezielter Provokation und Information, die sich jederzeit in Ihrer Übertreibung zu erkennen gibt, die zuspitzen aber nicht verschleiern will. Man nennt dies, den Gegenstand (der Kritik) zur Kenntlichkeit zu entstellen.

All dies ist das Gegenteil dessen, was Boulevard tut.

Danke noch einmal und für heute eine gute Nacht

ut

Uwe Theel 07.06.2012 | 03:53

@ fahrwax schrieb am 06.06.2012 um 20:42

"Geht Video auch als Beispiel für Linken Boulevard und Satire?"

Klar geht Video und mit zwei meiner Lieblingskabarettisten immer.

Pispers und Schramm machen politisches, satirisches Kabarett. Bei beiden kann einem das Lachen im Halse stecken bleiben, aber man kann dabei mit- und weiterdenken.

Das schafft Boulevard nicht.

Ergo, sie sind kein Beispiel für Boulevard.

silvio spottiswoode 10.06.2012 | 13:43

@ Anne Mohnen

Witzig. Doch, zu ausgedacht. Boulevard muss immer einfach sein, glaube ich. Ganz locker aus der Hüfte, denn es geht doch stets darum, es den Leuten leichter zu machen, an ihre Instinkte und Emotionen zu appellieren. Ihnen Entscheidungen abzunehmen.

Apropos Pluralismus.
Wenn hier von entgrenztem Pluralismus die Rede ist, dann im Sinne von distanzloser, medialer Aufmerksamkeit. Kein Aspekt des Privaten ist mehr tabu und nichts ist zu schräg oder abwegig, als dass sich damit kein Geld verdienen ließe; als dass nicht ausführlich darüber berichtet werden könnte.

Aber ganz unabhaengig davon: Wir alle können inzwischen doch einkommens- und bildungsunabhaengig unsere Partner zwischen Männern und Frauen jeden Alters waehlen, monogam oder polygam leben, heiraten - oder auch nicht, Kinder mit gleichgeschlechtlichen Partnern zeugen und aufziehen - oder auch nicht, uns in hetero-, homo- und metrosexuelle Beziehungen stuerzen und über all das dann bereitwillig, in wechselnden Sende- und/oder Ausstellungsformaten, bis zur völligen Erschöpfung des dankbaren Publikums, Bericht erstatten.

Das ist doch einfach irre. Mir gefällt das, ich finde das toll. Die Möglichkeiten sind schier atemberaubend. So viel wie heute ging noch nie.

Wie man dann mit all den Möglichkeiten umgeht, steht natuerlich auf einem anderen Blatt. Der Mensch definiert sein Menschsein eben viel mehr durch Abgrenzung. Auch das ist wichtig.

silvio spottiswoode 10.06.2012 | 15:01

@ Uwe Theel, dear humble servant

Ganz gleich ob linker oder rechter, Boulevard ist immer, per Definition, als Geschichte verkleidete Meinungsmache, mehr oder weniger duerftig untermauert durch angeblich objektive Fakten.
Aber auch Linker Boulevard muss einfach sein, denn es geht doch in erster Linie darum den Leuten Entscheidungen abzunehmen, es ihnen leichter zu machen, an ihre Instinkte und Emotionen zu appellieren.

Die Nähe zum Menschen, das Selbstverständnis den Leser erreichen zu wollen, macht Boulevard aus.

Für Kommunikationsdesigner und Wahrnehmungstheoretiker ist das Spannende an Yellow-Press-Journalismus nicht so sehr die Textebene, nicht der Inhalt, sondern vielmehr die Form: Die Semiotik der einzelnen Elemente und deren Subtext. Kurz, die non-verbale, rein visuelle Kommunikation.

Deshalb ist ein Textbeispiel fuer Linken Boulevard meines Erachtens auch nur eingebunden in ein Seitenlayout und in Zusammenhang mit Bildern und anderen Geschichten sinnvoll. Augstein beispielsweise, mit seinen sehr einfach, emotional formulierten und oft noch schoen und fliessend geschriebenen SPON-Texten befindet voll im Zielgebiet. Die unerträgliche Leichtigkeit des Boulevard wird da aber immer wieder durch humorvolle Windungen gebrochen.

Uwe Theel 11.06.2012 | 01:31

@
silvio spottiswoode schrieb am 10.06.2012 um 13:01

"Ganz gleich ob linker oder rechter, Boulevard ist immer, per Definition, als Geschichte verkleidete Meinungsmache, mehr oder weniger duerftig untermauert durch angeblich objektive Fakten."

Diesen Satz, lieber spottiswoode unterschriebe ich ihnen jederzeit, strichen sie die Worte ""Ganz gleich ob linker oder rechter,"".

Ich kann meinen armen Kopf anstrengen wie ich will, aber ich kann mir keine als "Geschichte verkleidete Meinungsmache, mehr oder weniger duerftig untermauert durch angeblich objektive Fakten." vorstellen, die linke Inhalte transportierte und dann auch noch bisher nicht Linke, von der linken Sache überzteugte.

Wenn sie weiter schreiben, es ginge nicht so um Texte und deren Verständnis, sondern um visuelle Wahrnehmung und Aufmerksamkeiztssteuerung, so arbeitet visuelle Wahrnehmung und deren Verarbeitung im Gehirn vollkommen autonom und nach anderen Regeln, als die Teile menschlichen Geistes, die die Lingusitik und insbesondere die Psycholinguistik für Sprachverarbeitung mit deren eigenen Regeln der Produktion und Rezeption verantwortlich machen können.

Möglicherweise kann man als Insiderjoke das Kapital von Marx als Comic ohne, oder mit wenigen Sprechblasenworten neu herausgeben (Insider wissen ja eh schon alles), aber ich glaube nicht, dass damit breitere Leserschichten zu gewinnen wären, geschweige denn das Werk Marx als solches sich auftun würde, besonders, wenn der Comiczeichner dann nur eine als "Geschichte verkleidete Meinungsmache, mehr oder weniger duerftig untermauert durch angeblich objektive Fakten." ablieferte, und damit die Ausssagen Marxens apriori als falsch darstellte.

P.S.: Kommunikationsdesigner und mindestens gewisse Wahrnehmungstheoretiker werden vom Spätkapitalismus m.E. etwas überschätzt, wenngleich wirkungsvoll in dessen Sinne eingesetzt.

silvio spottiswoode 11.06.2012 | 15:11

@ Lieber Theel

was ich - zugegeben etwas umständlich - versuchte zu sagen war einfach nur: Boulevard - in any form - is predisposed opinion maskerading as impartial fact;
also, Boulevard - in jeglicher Ausfuehrung - ist so etwas wie vorgefasste Meinung maskiert als unparteiische Tatsache.

Aber das stimmt so nicht ganz, deshalb ist es jetzt gestrichen! ;)))

Ganz wertfrei könnte es guter Linker Boulevard aber doch schaffen den Lesern komplexe Themen zeitsparend, einfach und klar zu vermitteln.

Was hingegen momentan tatsaechlich praktiziert wird ist rein negativ; da wird erpresserisch Druck ausgeübt, an instinktive Ängste appelliert. Da werden oft die Grenzen zu faktenverdrehender Demagogie und Volksverhetzung deutlich überschritten. Aber das muss ja nicht zwingend so sein.

Es muesste ein Leseerlebnis entstehen, das beim Leser ein positives, staerkendes Gefuehl hinterlaesst. Statt Angst und Ausgrenzung wird Vertrauen und das positive Miteinander betont.

P.S.:"Das Kapital" als Comic is m. E. nicht falsch. Eine ansprechende, gut illustrierte und verlinkte Webseite waere wahrscheinlich sogar auch mal notwendig.
Comics nehmen die Kids mal einfach so in die Hand, zum belanglosen Zeitvertreib. Und das ist ja die beste Verfassung um sich von den wirklich wichtigen Dingen im Leben ueberraschen zu lassen. Umso besser, wenn es dann auch noch den atemberaubenden 150 Jahre alten Originaltext gibt, um die Neugier zu befriedigen.

Uwe Theel 12.06.2012 | 02:22

@
silvio spottiswoode am 11.06.2012 um 13:11

Fortsetzung von Uwe Theel am 11.06.2012 um 22:00:

Meine Empfehlung des o.a. Mangas

http://www.eastpress.co.jp/upimg/1537.jpg

führte bei meiner Tochter (z. Zt. Studium in Japan) zu folgender Spontanreaktion:

Haha, das klingt interessant XD Die Überschrift verspricht "Durch Storyline und Illustrationen verstehen!" also schätze ich, dass eine Geschichte erzählt wird, während Marx als Protagonist sein Werk erklärt. Neben dem Titel wird gefragt "Warum entstand die Kakusa-Shakai?!" (Ein Modewort, dass die Differenzgesellschaft mit der sich öffnenden Schere von Arm und Reich bezeichnet) und das Buch soll wohl "Alles was Marx klipp und klar über den Kapitalismus!" (da fehlt das Verb in dem Japanisch...>.>) beinhalten... habe jetzt allerdings erstmal meinen Tripp nach Tokyo gebucht und werde dort dem heillosen Konsum einer übergeschnappten Mediengesellschaft fröhnen. Aber gib deine Tochter nicht auf, vll besteht ja noch Hoffnung. ;)

Das braucht der hoffnungsvolle Vater nicht weiter zu kommentieren :-)

silvio spottiswoode 12.06.2012 | 15:09

Sie klingt grossartig. ;)))

Angeregt durch eine Comic-Biografie nahm der Junior hier tatsaechlich Nietzsches "Jenseits von Gut und Böse" in die Hand, bevor das Buch dann tagelang aus dem Regal verschwand. (Was in mir grosse Hoffnungen weckt). Nur, meien Fragen über das Gelesene weicht er noch mit kruden Verallgemeinerungen aus - "Eltern können so unglaublich anstrengend sein".

"Du hast keine Chance, aber nutze sie."

>> Aber damit waeren wir dann auch irgendwie wieder beim Thema: Boulevard, wenn auch in abgewandelter Form.

Es gibt ein ganz gutes Niggemeier Interview in der Netzzeitung (39 Fragen, Nov. 2006), dort zitiert er den Guardian als erfolgreiches Beispiel. www.netzeitung.de/feuilleton/39fragen/455824.html

Uwe Theel 13.06.2012 | 01:58

@ silvio spottiswoode schrieb am 12.06.2012 um 13:09

ad: "Sie klingt grossartig. ;)))"

Ich werde es der Tochter sehr gerne ausrichten; Ende Juli werde ich sie für drei Wochen besuchen können.

ad: "Es gibt ein ganz gutes Niggemeier Interview in der Netzzeitung (39 Fragen, Nov. 2006)"

Wirklich ein sehr gutes Interview, vor allem die Antworten Niggemmeiers in Bezug auf die Gründe der Gefährlichkeit von BILD: Präzise und analytisch klar, kein Geschwurbel, wie bei Augstein in seinem obigen Blogtext.

Niggemeiers Antwort auf Frage

13 Lehnen Sie eigentlich Boulevardjournalismus generell ab?

Nein. Aber der Boulevardjournalismus, wie «Bild» ihn betriebt, ist ein System aus Druck, Rache, falschen Versprechungen, Wiedergutmachungs- Angeboten, Deals aller Art - das hat eine andere Qualität. Guter Boulevard schafft es, komplizierte Sachverhalte einfach zu erklären. Guter Boulevard verdreht sie nicht. Zum Boulevard gehört auch, die Themen zu behandeln, die die Leute lesen wollen, und nicht die Themen, von denen man glaubt, dass sie sie lesen müssten.

Es geht darum, es den Leuten leicht zu machen – mit einfacher Sprache, einer attraktiven Überschrift, einem guten Bild, wie auch immer – sich auf ein Thema einzulassen. Auch meiner Lieblingszeitung, dem britischen «Guardian», alles andere als eine Boulevardzeitung, gelingt das großartig. Bei Qualitätszeitungen in Deutschland fehlt dieses Selbstverständnis, den Leser erreichen zu wollen, häufig - das ist mir fremd, insofern habe ich größere Sympathien für den Boulevard.

bestätigt mir eigentlich meine Aufassung von er Unmöglichkeit "linken" Boulevards. Ich glaube nicht, dass man für den richtigen Anspruch, auch kompliziertere Sachen in positiv Aufmerksamkeit erregender, ja auch unterhaltender Form mit gewissen Vereinfachungen vorzubringen ohne zu verfälschen notwendig sofort als Boulevard oder gar "linken Boulevard" bezeichnen muß.

Klarer Ausdruck des Wesentlichen ist zum Beispiel ein Grundvoraussetzung von gutem Unterricht jedweder Stufe und Art. Ich glaube z.B. nicht, dass jeder Grundschulllehrer, der häufg gar nicht so einfache Dinge an leider nicht immer neugierige Kinder bringen soll, einen "boulevardesken" Unterricht pflegen muß, oder sollte, um Erfolg zu haben, ohne dass sein Unterricht deswegen langweilig oder gar völlig unergiebig würde.

Die Neugier der Kinder bleibt nur für ein Leben erhalten, wenn man sie dort, am Anfang nicht schon erstickt. Da jede Verfälschung aber irgendwann auffliegt

- ich erinnere an Lincolns berühmten Ausspruch: "“You can fool all the people some of the time, and some of the people all the time, but you can not fool all the people all of the time.” " -

und solcher Lehrbetrug gerade die Kinder für ihr Leben entäuschen wird, ist also die Forderung nach dem per definitionem betrügerischen Boulevard im Sinne von gesellschaftlicher Aufklärung kein Vorschlag der gemacht werden sollte.

Am anderen Ende er Lehr- und Lernskala wäre zu bemerken, dass in der Physik z.B. kein Wissenschaftler ohne "Modellbildung" auskommt, die mancher Laie vielleicht für "grobe Vereinfachung" halten könnte, die er nicht akzeptierte, wenn man ihm damit ein ihm bisher unerklärliches Phänomen erklären wollte, was aber nicht beweist, dass Vereinfachung per definitionem verfälschte.

Wahrscheinlich ist die ganze Diskussion um "linken Boulevard" nur eine aufgesetzte, weil irgendjemand den Satz, man müsse die "Kunden da abholen, wo sie stehen" gründlich mißverstanden hat, weil er meinte, man müsse die Kunden nicht nur da abholen, wo sie BILD hat im Regen stehen lassen, sondern dies auch noch auf die gleiche Art wie BILD machen müsse, die auch "andersherum" funtionieren könne.

"Werch ein Illtum!"

lebowski 24.06.2012 | 23:39

Immer wieder interessant, dass Kai Diekmann kostenlos in den Köpfen linker Journalisten wohnen darf.

Ignorieren heißt übrigens keineswegs, wegsehen und verharmlosen.In einer Aufmerksamkeitsökonomie ist Ignorieren die stärkste Waffe, die es gibt. Diekmann weiß das, deswegen gibt es immer wieder Kampagnen, in denen Promis ermutigt werden, sich kritisch über Bild zu äußern. Negative Aufmerksamkeit ist besser als keine.

Was soll eigentlich bei dem lustigen Kampf gegen die "Bild"-Zeitung herauskommen? Dass die am Ende verboten wird oder dass die sich in die "Zeit" verwandelt?