Wie beschneidet man eine Rose?

Koch oder Gärtner? Diese Woche offenbart der Gärtner seine Liebe zu Rosen – obwohl er ein schwieriges Verhältnis zu dieser Pflanze hat. Angefangen bei der Schädlingsbekämpfung...

Liebe Gartenfreunde,

„mir war ja gar nicht bewusst, was man beim Rosenschneiden alles falsch machen kann!“ Diesen Ausruf schrieb uns neulich eine Leserin, und ich will das zum Anlass nehmen, mich einem Thema zu widmen, das ich bislang vermieden habe: die Rose. Kein leichtes Gebiet für den Gärtner. Ein Garten ohne Rosen ist ja kaum vorstellbar. Aber nur der junge, unwissende Gärtner kann sich der Rose unbefangen nähern. Befasst man sich nur ein klein wenig mit ihr, ergreift einen Respekt, vielleicht gar Furcht. Farbe, Gestalt, Charakter, Größe, Wuchs – in allem sind Rosen so vielgestalt wie vielleicht gar keine andere Gartenpflanze, wie vielleicht überhaupt nur der Mensch selbst. Man schreibt also nicht leichthin über die Rose.

Im Rosengarten, den Joséphine de Beauharnais, die Gattin Napoleons, unweit von Paris anlegte, fanden sich nach ihrem Tod etwa 250 Rosensorten. Das war die Anzahl der damals bekannten. Im Europa-Rosarium Sangerhausen, unweit von Harz und Kyffhäuser, sollen heute mehr als 8.000 Rosensorten zu finden sein.

Vielleicht begründet gerade die Fülle mein schwieriges Verhältnis zur Rose. Vielleicht die unvereinbaren Erfahrungen und Informationen, die ich im Umgang mit ihr gesammelt habe. Rosen gelten als widerständige Pflanzen, und ich halte mich für einen geduldigen Arbeiter. Und dennoch gestalteten sich meine Beziehungen zu ihnen oft kompliziert.

Viele meiner Rosen waren anfällig für Schädlinge wie Rosenblattläuse oder Raupen. Die einen saugen die Kraft aus den Knospen, die anderen wickeln sich in die Blätter ein. Und wenn dann noch eine der drei schlimmen Krankheiten Ihre Rose befällt – Sternrußtau, Echter Mehltau oder Rosenrost –, hört der Spaß sowieso auf. Soviel kann man gar nicht wegschneiden, wie diesen Seuchen zum Opfer fällt, und sie springen von einer Pflanze zur nächsten.

Früher verließ ich mich darum bei der Pflege meiner Rosen auf den unnachgiebigen Einsatz chemischer Mittel: Zur Insektenvertilgung und zur Krankheitsabwehr. Heute leben in meinem Garten nur noch Rosen, die sich dort auch ohne solche Hilfe wohlfühlen. Ich will Ihnen die Sorten gerne nennen: Die orange­apricotfarbene Gloire de Dijon ist eine zuverlässige Kletterrose von süßem Duft und verschwenderischer Blütenfülle. Ich lasse Sie an einem Rosengerüst aus rostigem Eisen wachsen und kürze sie nach drei Metern ein. Meine Kew Rambler wächst mit ihren lieblichzartrosafarbenen, offenen Blüten im Apfelbaum und wenn ich nicht auf sie achte, wird sie ihn bald überwölbt haben. Die Rambler sind in Deutschland noch keine sehr üblichen Rosen. Sie sind ungeheuer wüchsig, ranken sich mit ihren weichen Trieben durch Bäume und Sträucher und können auch an Fensterläden, Fallrohren und Schneegittern emporwachsen und kleinere Häuser unter sich begraben.

Auf den Beeten habe ich nur die Strauchrose Königin von Dänemark, auch als Rosa alba bekannt. Sie ist eine wunderschöne zartlilarosa gefüllte Sorte, die im seinerzeit dänischen Altona gezüchtet wurde. Sie blüht nur kurz im Sommer und darum ist mir jede Blüte Jahr für Jahr um so kostbarer.

Mein ganzes Herz aber gehört der Rose de Resht, einer wunderbaren Damaszenerrose, die das ganze Jahr über mit anmutig aufrechtem Wuchs in einem tiefen rotrosa blüht, das einen ernsthaften Kontrast zum kräftigen Grün ihrer Blätter bildet und dabei wunderbar duftet. Sie ist meine liebste Rose.

Und der Schnitt? Die unverzichtbare Aunty Jane sagt dazu, dass man sich entweder alle Mühen der Kunst machen kann und die Rosen nach komplizierten Regeln und Anleitungen beschneidet. Oder man nimmt die Heckenschere, gerne auch die elektrische, und kürzt sie einfach ein.

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16:00 20.02.2010
Geschrieben von

Jakob Augstein

Journalist und Gärtner in Berlin
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Jakob Augstein

Ausgabe 14/2021

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