Jakob Augstein
13.07.2012 | 14:55 320

Zu welchem Zweck betreiben wir Journalismus?

Abweichungen Schreibt man für die eigene Gemeinde als publizistischer Prediger? Oder will man die Anderen erreichen und überzeugen? Beides gleichzeitig wird schwierig.

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Jakob Augstein

Dieser Blog ist die Fortsetzung eines Gesprächs, das hier seinen Ursprung fand.

Für mich ist das ein ganz wichtiges Thema. Man könnte darüber einen große Aufsatz schreiben: Wesen und Rolle des dissidenten Journalismus. Was ist die Aufgabe der abweichenden Meinung, der abweichenden Analyse? Für wen mache ich das? Wen will ich erreichen?


Es gibt die Leser, die meiner Meinung sind. Und die anderen, die es noch zu überzeugen gilt. Für die einen hat die dissidente Meinung die Funkion der Selbst-Bestätigung: wir sind nicht allein. Oder auch: wir gehören zur Minderheit der Erleuchteten. Die anderen wollen vielleicht wissen, wie die "andere" Seite denkt, oder sie sind unentschlossen und suchen nach Orientierung ...

Es leuchtet ein: diese beiden Gruppen verlangen einen unterschiedlichen Ton, man muss sich ihnen in unterschiedlichem Gewand nähern. Mir ist das neulich wieder deutlich geworden als Albrecht Müller von den Nachdenkseiten mich so unfreundlich wegen meiner Euro- und Merkel-Berichterstattung angegangen ist. Da ging es ja um mehr als um persönliche Befindlichkeit. Es ging um eine unterschiedliche Auffassung der publizistischen Aufgabe.


Die Nachdenkseiten, die ich gerne und oft lese, sind ein gutes Beispiel für eine Art von Publizismus, die ich selber nicht machen möchte. Hier geht es darum, vor der eigenen Gemeinde zu predigen. Es geht nicht mehr darum, mit Argumenten zu überzeugen, sondern darum bereits Vereinbartes jeweils neu zu bestätigen. Und es geht darum, Recht zu haben und zu behalten.

Kaum vorstellbar ist, dass ein Publizist wie Müller beispielsweise schreibt: Ich war der Ansicht, dass Gauck kein guter Präsident ist, jetzt muss ich diese Ansicht revidieren.

Eine solche Fähigkeit zur Selbstkritik passt nicht zur Form der publizistischen Predigt.

Bitte keine Missverständniss: Das ist legitim und erfüllt einen wichtigen Zweck. Ich schätze solche Autoren auch sehr, weil man sich auf sie verlassen kann. Es gibt etwa bei der FAZ solche Kollegen, deren Texte - konservativer Art - mir sehr wichtig sind.

Es ist vielleicht eine Charakterfrage: meine Sache ist das dennoch nicht. Meine journalistische Sozialisation ist anders verlaufen. Ich bin Reporter. Ich bin immer im Zwiespalt, ob ich die Dinge beschreiben soll, wie ich sie sehe - oder wie ich sie gerne hätte.

Zu meinem Journalismus gehört das Zweifeln, das Fragen, das Suchen, die Kritik - auch die an der eigenen Überzeugung. Für mich ist das eine Frage des Handwerks. Des Ethos. Aber nicht nur. Es ist nicht nur Selbstzweck. Es geht - wie gesagt - um die Frage, was das alles soll. Ich denke, Kritik soll Wirkung haben wollen. Was ist Kritik ohne den Anspruch auf Wirkung?

Bleiben wir bei der Euro-Krise. Ich bin sehr unglücklich über Berichterstattung und Kommentierung zu dem Thema. Gerade auch von linker Seite.

"Wir" sind zwar der Ansicht, dass wir das Problem verstanden haben (keine Schuldenkrise - sondern Krise des Finanzsystems) und die richtige Lösung kennen (staatliche Kontrolle / Verstaatlichung des Bankensektors; Änderung der politischen Koordinaten und dann EU-gemeinschaftliche Koordinierung von Wirtschafts- und Steuerpolitik) - aber man ignoriert einigermaßen, dass die Bundesregierung, die meisten Medien und der Großteil der Bevölkerung (inklusive 41% der Linkswähler, nach einer Forsa-Umfrage) das alles ganz, ganz anders sehen.

Dadurch wird die Kluft zwischen linker Analyse und beobachteter Wirklichkeit immer größer. Das ist ein Problem, damit müssen wir uns befassen. Das bedeutet, der linke Publizist schreibt munter vor sich hin, freut sich, dass er "Recht" hat, seine Leser freuen sich mit ihm – und das war's dann auch schon. Er hat sich mit seinen Texten so weit von der Mehrheitsgesellschaft, ihrer Debatte, ihrer Selbstfindung, ihrer Selbstkritik und ihrer Entscheidungsfindung entfernt, dass er schlicht keine Rolle spielt.

Ist das genug?

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (320)

goedzak 13.07.2012 | 15:45

1. 'Linke Analyse', die sich von der 'Wirklichkeit entfernt hat, ist weder links noch Analyse.

2. Die Leserschaft von journalistischen Texten einfach als Angehörige verschiedener 'Glaubensgemeinschaften' zu sehen, denen man entweder 'predigt' oder die man versucht, mit 'Argumenten' aus ihrer jeweiligen Gemeinde herauszulösen, ist schon ein starkes Stück!

3. Wer ist die 'Mehrheitsgesellschaft', die debattiert, sich selbst findet und selbst kritisiert? Sowas wie die mir gut bekannte 'sozialistische Menschgemeinschaft' bloß ohne 'Sozialismus', eine gesamtgesellschaftliches Subjekt, dem 'wir' alle angehören, das für uns sorgt und um das wir uns als Gegenleistung zu sorgen haben?

Das klingt mir gar nicht nach unvoreingenommener und nüchterner 'Analyse', sondern nach Bekenntnis, nach Appell, nach 'Ich-kenne-keine-Parteien-mehr'-Pathos.

...und wenn ich dann noch solche Schleimer, wie den vorangegangenen Kommentator, der Leute, die anderer Meinung sind als er, seien es Community-Mitglieder oder gern auch Redaktionsangehörige, als "merk befreit" zu bezeichnen die Angewohnheit hat, Ihnen beflissen zujubeln sehe, wird mir endgültig schlecht.

Achtermann 13.07.2012 | 15:49

Herr Augstein, Sie schreiben: "Die Nachdenkseiten, die ich gerne und oft lese, sind ein gutes Beispiel für eine Art von Publizismus, die ich selber nicht machen möchte. Hier geht es darum, vor der eigenen Gemeinde zu predigen. Es geht nicht mehr darum, mit Argumenten zu überzeugen, sondern darum bereits Vereinbartes jeweils neu zu bestätigen. Und es geht darum, Recht zu haben und zu behalten."

So stimmt das nicht, dass auf den Nachdenkseiten nur vor der eigenen Gemeinde gepredigt werden würde. Seit Jahren steigt die Nutzerkurve der Website rasant. Wenn die Unterstellung stimmen würde, die NDS schrieben nur zur Selbstbestätigung der Nutzer während der Freitag den grenzüberschreitenden Journalismus in die Gedankenwelt für Alle betreiben würde und Zweifelnde anspräche, müsste dem Blatt noch größere Wachstumsraten beschieden sein. Der Freitag hat den unbezweifelbaren Vorteil, dass Leute, die für ihn arbeiten, bezahlt werden. Die Nachdenkseiten werden ehrenamtlich herausgebracht, nicht zuletzt deshalb, weil sie auf Werbung verzichten. Es stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage der Glaubwürdigkeit. Wem traue ich als Nutzer? Einer Zeitung, die in ein wirtschaftliches System eingebunden ist und entsprechend handeln muss oder einer Form des Journalismus, die unbestechlich erscheint, weil keine wirtschaftlichen Abhängigkeiten bestehen. Albrecht Müller und seine Mitstreiter haben bisher viel Aufklärungsarbeit geleistet, weil sie sich vornehmlich um wirtschaftliche Themen und damit um harte Fakten kümmern und diese einordnen. Als Leser mag ich diese annehmen oder nicht. Lese ich eine Publikumszeitschrift wie den Freitag, weiß ich, dass ich mich auch auf Unterhaltung einlasse und zur Kontemplation lesen kann. Grundlegende Systemkritik erwarte ich nicht.

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Ehemaliger Nutzer 13.07.2012 | 16:37

„Ich bin Reporter. Ich bin immer im Zwiespalt, ob ich die Dinge beschreiben soll, wie ich sie sehe - oder wie ich sie gerne hätte.“

Offen gesagt: diesen Zwiespalt finde ich konstruiert. Die Selektive Wahrnehmung (jedes Menschen) funktioniert doch immer so, dass innere Glaubenssysteme vorab sowohl darüber entscheiden, worauf Sie den Fokus richten als auch in welchem Kontext Sie die Dinge beschreiben.

Falls da wirklich eine Art Zwiespalt existiert, dann mag das daran liegen, dass die Intensität Ihrer Spiegelungen möglicherweise heikle Zusammenhänge tangiert, die Sie vielleicht beunruhigen oder ignorieren.

Aber individuell verzerrt sind Ihre Spiegelungen allemal... :-)

(auch wenn die Hintergedanken unbewusst bleiben)

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Ehemaliger Nutzer 13.07.2012 | 16:40

Hallo Herr Augstein,

wirklich ein wichtiges und komplexes Thema. Danke erstmal für die offenen Worte.

Ich versuche in meinen Texten als Fragender aufzutreten und hoffe, dass man den Texten das auch anmerkt. Bei mir steht meist unsichtbar drunter: "Kann man das so sagen? Könnte man zu diesen Ergebnissen kommen (wenn man wollte)?"

Ich versuche mich meist an gar keiner Lösung, sondern daran, ein erkannt geglaubtes Problem auszurollen - in der Hoffnung, dass sich tausende von Leuten unter dem Text darum kümmern, den Saustall wieder zu sortieren :o) So ist es mir am Liebsten.

Deshalb schreibe ich Texte auch gern herunter und lasse mir im Nachhinein gern vorwerfen, sie seien an dieser oder jener Stelle nicht schlüssig. Das find' ich super, denn Kritik geht den Leuten im Netz viel leichter über die Tastatur als Lob. Leider tippe ich viel langsamer als ich denke, das ist ein echtes Problem..

Ich provoziere gern mal, aber es gelingt mir hier leider nicht so gut wie im SpOn-Forum. Dort war ich immer "der Linke" und brauchte gar nicht viel zu tun, um (mir so wichtige) Reaktionen zu provozieren. Hier ecke ich nicht so stark an, wie mir eigentlich lieb wäre. Ob mich das somit zum "Prediger" macht, weiß ich nicht. Ich suche jedenfalls nach Problemen für die Lösungen der Community - das ist meine Mission :o) Aber trotz aller Provokationslust geht es mir natürlich in erster Linie um die Sache.

Meine These, dass es irrelevant ist, ob es Gott gibt oder nicht, hat bislang 30 Kommentare provoziert. Eigentlich ein bisschen mickrig. Mein neuester Schrieb, in dem ich versuche, den Finanzmarkt zu personalisieren und das anhand einer (wahrscheinlich) universal-standard-deutschen oberer Durchschnittsfamilie tue, wird vielleicht auch nicht die große Welle der Empörung auslösen.

Ich habe aber ehrlich gesagt auch keinen blassen Schimmer, wer oder was die ominösen Finanzmärkte eigentlich sind, woher sie kamen, wohin sie wollen - und warum. Vielleicht ergibt sich das im Laufe einer Diskussion - mal sehen. Vielleicht hat dieser Tage aber auch niemand Lust, sich über Finanzmärkte zu unterhalten. Dieses Thema hier finde ich fast wichtiger (und es ist ehrlich gesagt eine Frechheit, dass Sie damit an dem Tag um die Ecke kommen, an dem ich über Finanzmärkte reden will) .o)

Ach, wat soll's.

Von diesem Teil des Textes bin ich sehr überrascht und ein wenig verwirrt darüber. Sie schreiben:

>>"Wir" sind zwar der Ansicht, dass wir das Problem verstanden haben (keine Schuldenkrise - sondern Krise des Finanzsystems) und die richtige Lösung kennen (staatliche Kontrolle / Verstaatlichung des Bankensektors; Änderung der politischen Koordinaten und dann EU-gemeinschaftliche Koordinierung von Wirtschafts- und Steuerpolitik) - aber man ignoriert einigermaßen, dass die Bundesregierung, die meisten Medien und der Großteil der Bevölkerung (inklusive 41% der Linkswähler, nach einer Forsa-Umfrage) das alles ganz, ganz anders sehen.<<

Diesen Aussagen stimme ich zu, aber ich hatte ihren Standpunkt diesem Themenkomplex aufgrund des bisher von Ihnen gelesenen ehrlich gesagt woanders vermutet. Ich meine: wie geht das damit zusammen, dass Sie den ESM und den Fiskalpakt für wichtig und richtig erachten? Sehen Sie diese Maßnahmen tatsächlich als Schritt in die richtige Richtung? Richtung europaweiter Steuer- und Wirtschaftspolitik? Sind das nicht eher Instrumente, die es gerade zur Aufgabe haben, den innereuropäischen Wettbewerb und die Klüfte weiter anzuheizen, anstatt ihn zu harmonisieren? Ist nicht gerade der ESM in der Lage, neoliberale Politik in Europa in Beton zu gießen?

Ich frage wirklich nur, denn ich weiß es - wie so Vieles - nicht. Es müsste einem geholfen werden, das ist der Punkt! :o)

Naja, lange Rede, kurzer Sinn: das Thema ist mir zu komplex. Muss erst mal darüber nachdenken, bevor ich mich äußere. Auch wieder so doof.. ..

Grüße.xxm

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Ehemaliger Nutzer 13.07.2012 | 17:14

>>Ich bin immer im Zwiespalt, ob ich die Dinge beschreiben soll, wie ich sie sehe - oder wie ich sie gerne hätte.<<

Dazu muss ich auch sagen: diesen Zwiespalt erkenne ich nicht. Am besten schreibt man einfach dabei, worüber man gerade spricht, über die höchstselbst wahrgenommene Wirklichkeit oder über Wünsche und Utopien. Beides schließt sich ja nicht im Geringsten aus. Im Gegenteil: Resultiert die Welt, wie man sie gerne hätte nicht sogar aus der Welt, die man zu erkennen glaubt..? Ich meine et wär' so.

Bleibt aber die Frage, nach der wirklich wirklichen Wirklichkeit des 'Heute' und dem Machbaren von 'Demnächst' (vielleicht). Und daran können wir hier doch nur scheitern.

Manchmal, wenn ich mich hier in Rage schreibe, lege ich mich ins Bett und finde, dass mein Leben der reinste Schrotthaufen ist, ich minderbemittelt und benachteiligt bin und alles so viel besser sein könnte, als es ist. Oft passiert es dann, dass ich zum Einschlafen noch eine Folge Markus Lanz in der ZDF-Mediathek gucke und diese "Vollzeitaktivistin" Poddig da sitzt (denn die sitzt oft dort). Wenn ich die sehe, wie sie so da sitzt, lächelt, Müll aus Tonnen frisst, links ist - und irgendwie glücklich, dann frage ich mich schon ab und zu, was denn nun eigentlich wirklich ist?

Mein Vater erzählt viel und gern von seinem Lieblingsaufsatz, den er mal für die Abendschule schreiben musste. Thema: "Finanzielle Armut - Fluch oder Segen?". Gute Frage, oder? Das Problem ist doch, dass solche Dinge, Gott, der ESM, der Papst, Griechenland, Fußball-EM usw. hier auf völlig unterschiedlichen Ebenen und kreuz und quer thematisiert und diskutiert werden. Wir alle hier haben ja auch völlig andere Voraussetzungen und Herangehensweisen. Dem goedzak z.B. geht es - wie ich meine erkannt zu haben - eher um das große Ganze. Ich hingegen verliere mich nur allzu gerne im klein-klein. Mit mir kann man auch über alles reden - nur den richtigen Zeitpunkt für's Jeweilige sollte man schon erwischen. Da fängt's schon an bei mir.

Das hier habe ich wieder runtergeschrieben, dementsprechend wüst ist es auch geworden. Ich schick's trotzdem ab. Man muss zwischendurch auch mal wissen, was die Leute wirklich denken - finde ich. Ich, ich, ich - diese Form gefällt hier nicht besonders, ich weiß. Ich wäre wohl in der Lage, diesen text zu überarbeiten und glatt zu schleifen, befürchte aber, dass man danach nicht mehr so deutlich erkennt, wie ich die Dinge sehe und wie ich mir die Community vorstelle. Nämlich gar nicht. Ich finde sie so O.K., wie sie ist - das ist vielleicht das Problem an der Sache :o)

Nochmal Grüße.xxm

Uwe Theel 13.07.2012 | 17:16

Lieber Herr Augstein,

ich finde es gut, dass Sie das auch von mir angestoßenen Gespräch hier weiterführen wollen, aber tun Sie es wirklich?

ich kann mich nur Goedzak anschließen, wenn er feststellt, dass es nicht geht, der oppositionell linken Meinung und vor allen Dingen kriischen Analyse a priori und per definitionem in abwertender Weise das Predigersignum anzuheften.

Wenn Sie dies tun, dann sollten Sie dies an genügend Texten am Wort belegen. Sie lassen es z.B. seltsam in der Schwebe, ob die Nachdenkseiten nun lesenwert, nachdenkenswert sind oder doch nicht und dann doch "eher nicht" raunen. An einem einzigen Müllertext ist das wohl nicht zu entscheiden

Dass sie Texte der FC hier einmal inhaltlich diskutiert hätten und nicht nur einen Satz mit einer "allgemeingültigen" Stanze nur beantwortet hätten, ich kann mich nicht recht erinnern.

Ihr Beharren auf "Forsa"-Werten, um "erfolgreichen" Journalismus zu bezeichnen und gleichzeitig zu rechtfertigen ist nur erbärmlich.

Was meinen sie, wenn Sie schreiben "Ich bin immer im Zwiespalt, ob ich die Dinge beschreiben soll, wie ich sie sehe - oder wie ich sie gerne hätte." und dann darauf beharren, der Reporter, der sie Sie seien, müsse sich immer auf die Seite des "wie es ist" schlagen?

Sehen sie nicht, dass der linke Journalist und Reporter das "ist" doch bespricht, weil er Gründe hat, dass es Anders, besser für die Menschen sein sollte und davon dann natürlich auch schreiben muß, dabei Gründe anzugeben hat.

Wo Sie also einen Gegensatz in falscher Weise konstruieren, um die alte Frage "Which side are you on?" nicht beantworten zu müssen, verlieren Sie Ihre doch selbst gestellte Aufgabe, für die Schwachen zu schreiben aus dem Auge.

Ja es gibt einen Gegensatz, den zwischen Herrschenden und Beherrschten, Sie mögen ihn den zwischen den "Starken" und den "Schwachen" nennen, obwohl das nicht hinhaut (es gibt verdammt starke "Schwache"), aber den lösen Sie auf der Ebenen des Journalismus nicht dadurch, dass Sie die "wirkliche Wirklichkeit" nicht mehr kritisieren, weil es sie gar nicht gäbe - anscheinend hat sie der linke Intellekt ja "weggeschrieben" -, um der konstruierten der "veröffentlichten Meinung" und deren Rendite habhaft zu werden.

Wie kommen Sie dazu, vor der wirklichen Wirklichkeit offenbar zu resignieren und einem falschen Traum zu verfallen, den Mediendesigner doch auch nur entworfen haben?

Von welcher Wirklichkeit reden Sie eigentlich, dass sie "ist wie sie ist"? Sie wissen was "affirmativ" mein!?

Eine begründete Kritik an den ungerechten Verhältnissen als Rechthaberei zu diffamieren nenne ich perfide.

Wenn ihnen die Hoffnung und das Trotzdem (Bloch) abhanden gekommen ist, dann mögen Sie mit ihrer Zeitung uninspirierten Boulevard "erfolgreich" betreiben, aber der linken Kritik mit buchhalterischem Habitus den Grund abzusprechen, überzeugt nicht.

Ich selber habe bisher an der Initiative "wir müssen reden!" aktiv teilgenommen, weil ich all das, was ich an ihren jetzt geäußerten Thesen kritisiere von Seiten der Zeitung nicht erwartet habe.

Von daher mögen sie es Verschwörungstheorie nennen, aber der Webbruch der kommunikativen Werkzeuge in der FC und das Verschwinden, bzw. Auftauchen von Menschen in der redaktion ist nicht ein temporär "technisch" bedingt oder naturwüchsig.

Entäuscht grüßt Sie

Uwe Theel

Magda 13.07.2012 | 17:28

Verehrter Herr Augstein,

Wenn das, was Sie als erstrebenswert betrachten, tun wollen, nämlich auch andere, als die möglicherweise generelle "linke" Meinung aufzugreifen, dann müssten Sie eigentlich anders schreiben. Sie verkünden Ihre Überlegungen mit der gleichen Ausschließlichkeit, die Sie Müller vorwerfen. Und erwarten, dass Ihre Leser das immer gleich nachvollziehen können. Ihr Beitrag zum Fiskalpakt war höchst irritierend und sehr von Meinung bestimmt.Und stößt dann auf ein entsprechendes Echo.

"Es ist vielleicht eine Charakterfrage: meine Sache ist das dennoch nicht. Meine journalistische Sozialisation ist anders verlaufen. Ich bin Reporter. Ich bin immer im Zwiespalt, ob ich die Dinge beschreiben soll, wie ich sie sehe - oder wie ich sie gerne hätte."

Das ist ein Konflikt, aus dem man was machen könnte. Dann müssen Sie aber auch diese Zweifel "transportieren. Sonst glaubt man Ihnen diese produktiven Zweifel nicht, die kann der Leser so nicht mitlesen. Der sieht oder liest eher eine gewissen Beliebigkeit.

"Kaum vorstellbar ist, dass ein Publizist wie Müller beispielsweise schreibt: Ich war der Ansicht, dass Gauck kein guter Präsident ist, jetzt muss ich diese Ansicht revidieren."

Nee, das stimmt nicht. Auch Müller und seine Mitstreiter haben sich sich schon revidiert oder modifiziert. Und in diesem Falle hoffe ich, dass er das auch nicht tut.

Eine solche Fähigkeit zur Selbstkritik passt nicht zur Form der publizistischen Predigt."

Das weiß man doch gar nicht. Und haben Sie sich denn schon mal revidiert?

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Ehemaliger Nutzer 13.07.2012 | 17:37

„Zu welchem Zweck betreiben wir Journalismus?

Schreibt man für die eigene Gemeinde als publizistischer Prediger? Oder will man die Anderen erreichen und überzeugen?“

Ich denke es geht einfach um Wirksamkeit, um das, was tatsächlich wirkt.

Die Stärkung der eigenen Gemeinde ruft ja zumeist Gegenspieler auf den Plan. Den anderen zu überzeugen, funktioniert nur dann, wenn man ihn da abholt, wo er sich befindet – also sehr individuell und mühsam.

Warum bedienen Sie sich nicht des „Gesetzes des paradoxen Wandels“? Damit wandelt sich tatsächlich etwas!

Beispiel Aikido: Ai zu praktizieren, heißt, mit dem Angriff zu verschmelzen, indem man die eigene Energie in die gleiche Richtung lenkt. (ähnlich wie in der Homöopathie das similia-similibus-Prinzip)

Danach geht es darum, die Angreiferenergie (paradoxerweise) nicht abzulenken oder abzuwehren, sondern über das Ziel des Angriffs hinaus zu vergrößern, um den Angreifer zu Boden zu werfen. So liefert der Angreifer selbst die entscheidende Energie zu seiner eigenen Entwaffnung.

In der Psychotherapie funktioniert es übrigens auch: Weil das Symptom genauso die Heilung ist, kann es sich in etwas anderem auflösen, sobald es vollständig erfahren wurde.

Meditation enthält das gleiche Paradox: indem man den Aufmerksamkeitsfokus einengt, wird die Aufmerksamkeit schließlich erweitert und losgelöst.

Für journalistische Wirksamkeit wäre es demnach notwendig – ist jetzt mein experimenteller Gedankentransfer – die Dinge, die verändert werden sollen, in ihrer Existenz, ihrer Wirkung und Bedeutung so zu verstärken, dass sie von sich aus schließlich kollabieren oder sich verändern.

Damit befänden Sie sich übrigens in guter Gesellschaft zu Ihrem berühmten Kollegen Laotse:

Dem, (dessen Macht) geschmälert werden soll,

Muss man vorerst gestatten, sich auszudehnen,

Wer geschwächt werden soll,

Muss vorerst gestärkt werde,

Wer erniedrigt werden soll,

Muss vorerst zur Macht erhöht werden.

Wem genommen werden soll,

Muss vorerst gegeben werden.

In der philosophischen Dialektik nannte man es „Quantensprung“ und im Zen-Buddhismus geschieht es durch eine rekursive lautlose Prüfung oder Betrachtung des Koan als einzigen Punkt kontemplativer Konzentration.

Bin schon ganz gespannt, worauf sich J.A. demnächst fokussieren wird!

poor on ruhr 13.07.2012 | 20:19

Man muss doch auch als irgendwie linke Zeitung einen eigenen Standpunkt haben. Wenn der wirklich "irgendwie links" ist , sollte dieser auf der Seite der Schwachen und Unterdrückten stehen . (Quelle:UT)

Nur der Dialog mit den Nachdenseiten wird Erkenntnisgewinn schaffen. Seitenhiebe führen da bei allem Recht JA` auf seine eigene Meinung nicht weiter. (Quelle: Gedanken von Magda, so wie ich sie verstanden habe)

AM mag auf manche "predigerhaft" wirken und andere empfinden einen solche "Einschätzung " als perfide, aber AM hat das Herz am rechten Fleck und bei aller Gefahr als "Schleimer" eingestuft zu werden, glaube ich dass JA das Herz auch auf dem rechten Fleck hat.

JA und AM kommen halt aus unterschiedlichen Generationen und aus unterschiedlichen Sozialisationen.

Das macht den Dialog nicht einfach.

Erkenntnisgewinn auf der linken Seite, was linker Journalismus will und sollte , wird aber nicht darüber zu erreichen sein , dass jeder auf seiner Meinug beharrt und sich als beleidigte Leberwurst in seine Ecke zurückzieht.

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Ehemaliger Nutzer 13.07.2012 | 20:45

>>Schreibt man für die eigene Gemeinde als publizistischer Prediger? Oder will man die Anderen erreichen und überzeugen? Beides gleichzeitig wird schwierig.<<

Ich hab mir das nochmal durch'n Kopf gehen lassen. Ich finde nicht, dass beides gleichzeitig schwierig wäre. Allein die Reichweite und Beschaffenheit des Mediums, mit dessen Hilfe man "predigt", dürfte darüber entscheiden, in wie weit die zu Erreichenden auch wirklich erreicht werden können. "Predigten" darüber, wie "wir" uns die Welt vorstellen, sind etwas - naja - weniger Gutes? Aber Beschreibungen der Wirklichkeit wie sie wirklich ist, etwas - ähm - Gutes? Dazwischen besteht ein Zwiespalt? Na klar: ich wohne nicht in Berlin, habe nicht Schreiben studiert und weder Geld noch Garten. Aber sonst..? Welcher Art könnte dieser Zwiespalt sein? Also dann: Ab heute nur noch über die Welt, wie sie wirklich ist: scheißenschön!

Aber ernsthaft. Da lauert ein Problem, das auf seine Ausrollung wartet: Hier werden ganz offensichtlich Erwartungen an die Community formuliert, die Welt bitteschön schreibenderweise zur Kenntnis zu nehmen, wie sie ist, um Andere an dieser Wirklichkeit teilhaben zu lassen, anstatt sich gegenseitig im Wunschträumen zu bestärken. Das ist natürlich in sich unschlüssiger - naja, ähm - Blödsinn.

Im eigentlichsten Grunde will man - wenn man einen Text schreibt - doch wohl am Liebsten, dass jeder Leser entweder zur einen oder zur anderen Gruppe gehört. Man will doch idealerweise entweder uneingeschränkt Recht zugesprochen bekommen oder auf Anhieb überzeugen, notfalls vom kompletten Gegenteil. Wenn das nicht mein (heimlicher) Anspruch an einen Text wäre, schrieb hier vermutlich gar nichts..

Wenn ich mir den Text so angucke, glaube ich, das dieses Problem vielen Journalisten eventuell gar nicht gewahr ist. Die denken hoffentlich nicht zuhauf allen Ernstes, von berufswegen her so etwas wie Wahrhaftigkeit zu schauen..? Denn auch die schreiben natürlich in etwa so, wie sie glauben, dass es von ihnen abverlangt wird. Zum einen von der vermeintlichen Leserschaft - und zum anderen natürlich von ihren Vorgesetzten (falls vorhanden) und deren Erwartungen an einen Text als Abbild der wirklich wirklichen Wirklichkeit. Etwas anderes weigere ich mich jedenfalls zu denken. (vgl. Tasse halb voll oder halb leer)

Da steht es doch:

>>Es leuchtet ein: diese beiden Gruppen verlangen einen unterschiedlichen Ton, man muss sich ihnen in unterschiedlichem Gewand nähern.<<

Bleibt halt die Frage, wem ich mich - erwartungshaltungsbedingt - in welchem Gewand von welcher Seite nähern soll, um bestmögliche Arbeit abzuliefern..? Eine Antwort darauf wäre recht aufschlussreich.

>>Ich bin Reporter. Ich bin immer im Zwiespalt, ob ich die Dinge beschreiben soll, wie ich sie sehe - oder wie ich sie gerne hätte.<<

Less emotion, more facts, facts, facts (und an die Leser denken..?)

Das kann man natürlich machen. Nur ergäbe das dann eben ein "gestelltes Bild" der Community (vgl. Wunsch), wohingegen die Wirklichkeit dieser Gruppe von Leuten dann am besten beschrieben wäre, wenn einfach jeder machte, was er meinte, tun und lassen zu müssen.

Ich agitiere mir hier heute noch den Wolf, ehrlich. Was'n Tach..

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Ehemaliger Nutzer 13.07.2012 | 21:10

Das noch (und dann dürfen die anderen mal):

>>Das bedeutet, der linke Publizist schreibt munter vor sich hin, freut sich, dass er "Recht" hat, seine Leser freuen sich mit ihm – und das war's dann auch schon. Er hat sich mit seinen Texten so weit von der Mehrheitsgesellschaft, ihrer Debatte, ihrer Selbstfindung, ihrer Selbstkritik und ihrer Entscheidungsfindung entfernt, dass er schlicht keine Rolle spielt.

Ist das genug?<<

Ich weiß nicht, ob Sie's gemerkt oder gelesen haben, aber das habe ich Ihnen in letzter Zeit ein um's andere Mal vorgeworfen. Zugespitzt dargestellt schrieben Sie in etwa:

Jetzt kommen die Piraten und alles wird gut,

dann kommt Hollande und alles wird gut,

dann kommt der ESM und alles wird gut

(und neuerdings: jetzt kommt Gauck und alles wird gut).

Aber das ist doch genau das, was Sie selbst beklagen: Es wird eben nichts gut. Im Gegenteil: es wird immer schlimmer! Das war das, von dem ich die ganze Zeit redete. Sogar, dass die SPD sich hollande-getrieben auf sich selbst zurück besinnen werde haben Sie geschrieben..

Ich bin ja froh, dass Ihnen diese Dinge selbst auch auffallen. Das Problem ist allerdings diese zweckgerichtete Hoffnung in jeden umknickenden Strohhalm, mit denen die optimistischen Linken bei ihren Lesern (irgendwie falsche) Hoffnungen wecken. Denn wer falsche Hoffnungen hegt, ist erstmal beruhigt - und eher nicht im Schramm'schen Sinne zornig. Über die Krisenpolitik der Kanzlerin zum Beispiel.

Wo soll der Elan zum Zorn auch herkommen? Was linke Autoren schreiben 1:1 umgesetzt müsste ja Revolution und Bürgerkrieg bedeuten - und das können wir ja auch nicht wollen.

Im letzten Absatz sehe ich jedenfalls Wirklichkeit durchscheinen. Aber dann darf man keine Texte wie "Die rote Sonne" verfassen - oder Artikel über die Kanzlerin, die auch nur den leisesten Verdacht aufkommen lassen könnten, Frau Doktor könnte potentiell irgendwann zur Vernunft kommen. Bereits Versuch ist m.M.n. strafbar und mit komischen Kommentaren meinerseits nicht unter 5 bis 7 Stück zu haben.. :o)

ed2murrow 13.07.2012 | 21:11

Ich lese den Blog …

lese die Kommentare …

und kann nur noch den Kopf schütteln.

Jakob Augstein hat hier kein Bekenntnis abgegeben, schon gar nicht in Form eines Artikels, sondern die Möglichkeiten, aber auch die Versuchungen von Blogs dargestellt. Blogs bei freitag.de, deren Autoren nun auch so benannt sind. Alle.

„Wir“ und „Journalisten“, sollte es vielleicht nicht aufgefallen sein, sind die „Schreiber/Leser“ oder „Bürgerjournalisten“ oder wie auch immer diese Gemengelage an Personen genannt werden soll, bei der die Idee mitschwingt, ihr auch einen Platz im Print einzuräumen. Vielleicht erinnert sich noch der eine oder die andere daran. Die Frage hätte also auch lauten können: Warum schreiben wir? Allerdings um die Facette erweitert, dass hier, genau hier: Zeitung gemacht wird. Jetzt.

Beizupflichten ist: Dieser Journalismus ist nicht Selbstbespiegelung, erst recht nicht Selbstreferenzialitis und schon gar nicht Selbstbefriedigung, in dem Tatsachen passend gemacht werden, nur um die Meinung zu rechtfertigen. Wer den diesbezüglichen Passus des erfahrenen Reporters nicht zu lesen vermag, dem kann auch nicht mehr geholfen werden. Und: Ist Bloggerehre so sehr vom Berufsethos verschieden?

Absurd wirkt dabei das stets wieder aufleuchtende Theater, was denn nun links, wirklich links oder sogar genuin links sei. In der sonnigen Gewissheit, den Blinker gesetzt zu haben, besetzt man so die linkeste aller Fahrspuren der Datenautobahn und macht sie zur Standspur, die rechts zu überholen zum reinsten Vergnügen (und Kinderspiel) wird.

Relaunch ist nicht nur Technik. Er ist vor allem: mit den verbesserten Möglichkeiten etwas anzufangen, zu schreiben bis es kracht. Es ist der Relaunch in den Köpfen.

Wer diesem Aufruf von Jakob Augstein mit Häme begegnet, hat nicht nur nichts begriffen. Er oder sie sollte(n) sich fragen, was sie in der Freitag eigentlich noch verloren haben.

goedzak 13.07.2012 | 21:24

„Wir“ und „Journalisten“, sollte es vielleicht nicht aufgefallen sein, sind die „Schreiber/Leser“ oder „Bürgerjournalisten“ oder wie auch immer diese Gemengelage an Personen genannt werden soll, bei der die Idee mitschwingt, ihr auch einen Platz im Print einzuräumen. Vielleicht erinnert sich noch der eine oder die andere daran. Die Frage hätte also auch lauten können: Warum schreiben wir? Allerdings um die Facette erweitert, dass hier, genau hier: Zeitung gemacht wird. Jetzt.

Wovon redest Du? Vom Jahre twentyfife-twentyfive?

silvio spottiswoode 13.07.2012 | 21:36

Abweichungen sind das worauf es ankommt. Abweichungen von der gängigen Meinung und Kritik an etablierten, sich verfestigenden Strukturen halten den Diskurs lebendig. Abweichungen bewahren uns vor der Erstarrung in floskelhaftem, gleichgeschalteten Dogma. Leben besteht aus Abweichungen.

Für wen macht man das? Hier wir's schon schwieriger. In erster Linie natürlich immer fuer sich selbst. "Preaching to the converted" ist keine Herausforderung. Natürlich geht es in der Arbeit immer um das Maximum. Man geht ans Limit, missachtet alle Grenzen und schiebt die Parameter des Machbaren mit jeder Handlung ein kleines Bisschen weiter. Niemals geht es um weniger, als darum die Welt zu verändern; sie ein kleines bißchen schöner, gerechter, humaner und zivilisierter zu hinterlassen, als man sie vorgefunden hat.

Wie tut man dies? Beschreibt man die Dinge wie man sie sieht oder wie man sie gern hätte? Im Idealfall beides: Man beobachtet, greift auf was man vorfindet und versieht es mit der eigenen Stossrichtung. Journalismus als ein Zweig der Erkenntnis. Hier werden Positionen artikuliert, Fakten verknüpft, Hintergründe und Zusammenhänge erläutert und es wird Licht geworfen auf eben die Dinge, die im Dunkeln liegen. Nichts ist so wichtig für mündige Bürger wie unabhängiger, kritischer Journalismus. Dass es sowas wie "immer einer Meinung sein" gibt, glaube ich nicht. Es gibt aber sicher Argumentationslinien, die den eigenen Verhältnissen sehr genau entsprechen und solche die dies weniger tun. Denn so wie die Lebenssituationen stetem Wandel unterworfen sind, so verschieden sind auch die Massnahmen um ihnen zu begegnen. So wie Herausforderungen der Wetzstein eines wachen Verstandes sind, so wird es immer Argumente für und gegen gewisse Verfahrensweisen geben. Es gilt einfach alle Möglichkeiten verantwortungsbewusst abzuwägen. Die einzige Frage dabei ist, wer zahlt am Ende den Preis und wie gross sind die Opfer die man dafür bringt. "There's no free lunch."

Zur Euro(pa)-Krise. In mancher Hinsicht fühlt es sich an, als sei man wie ein Schlafwandler bis an diesen Punkt gewandelt nur um jetzt plötzlich im brennenden Haus aufzuwachen. Wie konnten wir es soweit kommen lassen, wo hätte man früher intervenieren müssen?

Wir haben bisher kaum Zeit gehabt es wirklich zu realisieren, aber das ist unser Thema. Alles, einfach alles was wir in unseren Leben bisher für selbstverständlich erachteten wird durch diese Krise infrage gestellt. Ob wir wollen oder nicht, nichts wird mehr so sein wie vorher. Wir befinden uns inmitten eines Epochenbruchs und wir können alle mitentscheiden wie er gestaltet wird.

Abweichungen sind das was jetzt zum Mainstream werden muss. So wie viele Schritte zur Verschärfung der Krise führten, gibt es aber auch keine eine richtige Lösung raus. Und selbst wenn wir uns in der Diagnose einig sind, so gehen Meinungen ungeheuer weit auseinander, wo es darum geht die konkreten Lösungsansätze zu formulieren. Hier ist vor allem Geduld, Dialog und Toleranz gefragt, kein ideologisches Beharren auf eigenen Prinzipien. Da gibt es kein richtig oder falsch nur grösseren und weniger grossen Schaden. Und, ganz nebenbei, kein Schaden ist grösser für eine alternde Gesellschaft, als eine Jugendarbeitslosigkeit von 50%. Diese Symptome zeigen die perversn Zustände, die für uns zur Normalität geworden sind.

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Ehemaliger Nutzer 13.07.2012 | 21:42

Ja, komm, dann aber auch keine Häme gegenüber den Mitbloggenden. Die neuen Möglichkeiten der Hervorhebung (bzw. Vertuschung) von Blogeinträgen dürften doch bereits aufgefallen sein, oder? Was will man denn eigentlich mehr? Sollen erst ein journalistischer Crash-Kurs und eine Gesinnungsprüfung abgelegt werden müssen, bevor man sich einloggt? Außerdem glaube ich, dass du Augsteins Text über-interpretierst.

Die Doppeldeutigkeit war mir wohl aufgefallen, das sieht man ja an meinen Kommentaren. Aber zuerst einmal schreibt der Autor über sich und seine Gedanken in Ich-Form. Das "wir" ist an einigen Stellen kausal an das Journalistentum angebunden - dem sollte man erstmal wörtlich nachgehen denke ich. Was du daraus machst, ist ein Auftritt des Rächers der Gerechten, der ein klein bisschen überheblich-selbstverliebt daherkommt - um's mal ehrlich zu sagen. Ehrlichkeit ist eine Tugend (hab' ich irgendwo gehört..) Dein letzter Satz (die Frage) ist allerdings eine ganz normale Frechheit. Mal ganz abgesehen davon, ob du mit dem Rest recht hast oder nicht. Soviel ist mal sicher.

Trotzdem Grüße.xxm

Uwe Theel 13.07.2012 | 21:48

Lieber ed2murrow,

natürlich legt JA hier ein Bekenntnis ab, etwas weniger pathetisch ausgedrückt, erklärt er uns seine Auffassung von Journalismus und warnt, gipfelnd im letzten Abschnitt vor der mahnenden Frage vor dem Journalismus, den er nicht möchte. Damit unterscheidet er zwischen dem von ihm gewünschten Journalismus der Freitagredaktion ("Reportertum"), den er dort sicher irgendwie verwirklicht sieht und dem Journalismus, der ihm aus den Reihen der irgendwie Linken der FC zu drohen scheint, dem "Predigertum".

Die Einheit der Autoren, die Du, ed2murrow, benennst, war/ist(?) das Ziel von "Wir müssen reden!" bei bis heute offener Methode und Verwirklichung, während JA das Modell schon fix in der Tasche zu haben scheint. Sonst brauchte er nicht vor den eigenen Verbündeten zu warnen.

Daher sehe ich bei JA (noch) nicht diese Einheit der Autoren. Sie kann m.E. aus solch fixem Vorverständnis auch auf nur einer Seite geboren werden.

Es ist mir unbegreiflich, welch festes Bild bei so vielen Köpfen sich JA von dieser "Bedrohung" macht, wie "eindeutig" er sie alle mit einem Stempel versieht, während er seine Position allenfalls durch "FORSA"-Zahlen vom Erfolg der bürgerlichen Konkurrenz belegen kann, den er für sich als Beleg der richtigkeit plötzlich heranziehen zu können glaubt.

ed2murrow 13.07.2012 | 21:59

Im Gegensatz zu Dir sehe ich diese herbeigeschriebene Frontstellung nicht. Erst recht kann ich daher dem Text von Jakob Augsten keine Warnung entnehmen. Damit baust Du einen Popanz auf.

Fakt ist, Jakob Augstein interessieren Texte. Nicht nur, wie immer wieder unterstellt wird, weil das den Laden am laufen hält. Sondern weil das das eigentliche Ziel ist. Es gibt eine ganze Reihe Blogger hier, die das als Chance begreifen und daher sich die Mühe machen und sich dabei Mühe geben. Einfacher geht's doch nicht.

Uwe Theel 13.07.2012 | 22:14

Kein Popanz, lieber ed2murrow,

denn was anderes, als eine Warnung wären diese Sätze JAs:

"Dadurch wird die Kluft zwischen linker Analyse und beobachteter Wirklichkeit immer größer. Das ist ein Problem, damit müssen wir uns befassen. Das bedeutet, der linke Publizist schreibt munter vor sich hin, freut sich, dass er "Recht" hat, seine Leser freuen sich mit ihm – und das war's dann auch schon. Er hat sich mit seinen Texten so weit von der Mehrheitsgesellschaft, ihrer Debatte, ihrer Selbstfindung, ihrer Selbstkritik und ihrer Entscheidungsfindung entfernt, dass er schlicht keine Rolle spielt."

und an wen wäre die abschließende Frage

"Ist das genug?"

ebenso mahnend gerichtet?

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Ehemaliger Nutzer 13.07.2012 | 22:15

"Ist es wirklich wahr, dass 41% der Linkswähler begriffen haben, dass es eine Staatsverschuldungskrise ist?"

Kein Linker würde von einer Staatsverschuldungskrise reden! Die hohe Staatsverschuldung ist die Konsequenz aus politischem Steuer- und Subventionsbetrug über Jahrzehnte. Wenn 41% Linkswähler von einer Staatsverschuldungskrise reden, sind die Linken noch gar nicht mit dabei... :-)

Uwe Theel 13.07.2012 | 22:24

lieber ed2murrow,

solch einen Satz

"Wer diesem Aufruf von Jakob Augstein mit Häme begegnet, ..."

der dann nicht Roß und Reiter und den Text benennt, empfinde ich mindstens als schlechten Stil.

WER also sei gemeint?

Dass Gegner JAs und des FC-Projektes wie Herr Monsees oder "Keiner weiß alles" Häme ausgießen, wenn sie jetzt Zuneigung zum Linken heucheln ließe ich gelten, aber diese Stimmen sind m.E. wirklich nur rechts liegen zu lassen.

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Ehemaliger Nutzer 13.07.2012 | 22:54

Uwe, du und ich dürfen uns vom Wort "Mehrheitsgesellschaft" aber auch nicht aufstacheln lassen. Erinnern wir uns nur an die endlosen Debatten über die BILD, deren Reichweite und den (von uns erkannten) Flurschaden, den sie teilweise anrichtet. Mehrheit ist eben nicht gleich Wahrheit. Minderheit allerdings auch nicht. Wahrheit ist und bleibt Wahrheit - und Wirklichkeit bleibt Wirklichkeit. Davon gibt's jeweils mehrere. Ich behaupte sogar, dass es weit über 7 Milliarden Wahrheiten auf dem Planeten gibt.

Hier kann es eigentlich nur um Methodik gehen, nicht um Recht oder Unrecht. Einer "Mehrheitsgesellschaft" (von in diesem Falle etwa 60 bis 70% der Individuen dieses Landes) die Fähigkeit zu "Selbstfindung" und "Selbstkritik" zuzusprechen, ist vielleicht nicht gerade elegant formuliert (könnte man sagen). Wie ich es verstehe, ist es schlicht Resignation, die aus diesen Worten spricht.

"Ist das genug?" Diese Frage verstehe ich ehrlich gesagt gar nicht. "Wir" haben doch genau zwei Möglichkeiten: Entweder wir beschreiben das, was wir erfahren (hören, sehen etc., vgl. "Wirklichkeit", quasi wertfrei zum Selbstmitdenken. Wobei ich darauf bestehe, dass "Fühlen" auch eine lupenreine Erfahrung "der"Wirklichkeit darstellt). Oder wir projezieren, sprich: zeichnen Bilder davon, wie wir uns die Welt als eine bessere vorstellen (und zwar entweder mit oder ohne Beschreibung eines Lösungsweges. Ohne Lösungsweg wäre wiederum die Form für eine selbstmitdenkende Leserschaft). Das wertfreiere Wort für einen solchen Text wäre allerdings "Appell". Andere nennen es "Streitschrift" oder sonstwie.

Ich verstehe es so, dass Jakob Augstein wissen will, was in unseren Alltagen passiert. Ich merke es daran, welche meiner eigenen Blogs auf's 'Podest' gehoben werden. Ich fürchte, es ist ihm mitunter zu viel Meinung, die zu wenig exemplarisch hinterlegt ist. Kann das, was ich sagen will, gar nicht richtig in Worte fassen. Man kann es aber aus dem Text herauslesen, wenn man ihn sich mal mit der Prämisse durchliest, dass dort kein Angriff auf das eigene Schaffen stattfindet, sondern - so verquer das in diesem Kontext auch klingt - eine Wunschvorstellung von 'gutem Bloggerismus'.

Darin steckt - das habe ich oben irgendwo schon angemerkt - natürlich extrem viel von der (Community-)Welt, wie Augstein sie sich vorstellt. Da schreibt er einen Text, in dem er etwas anderes tut, als er sagt. Das ist das. "Wir" schreiben solche Texte vermutlich dauernd, ohne es zu bemerken, weiß ich nicht..

Rosa Sconto 13.07.2012 | 22:57

Poor: "JA und AM kommen halt aus unterschiedlichen Generationen und aus unterschiedlichen Sozialisationen."

Das Hauptproblem liegt darin das diese unterschiedliche Sozialisation unnötig Kräfte der Linken verbraucht. Die Gesellschaft de-soziallisiert tag-täglich mehr und mehr wegen dem Mist den Journalisten produzieren weil sie glauben es bestünde Erklärungsbedarf und eigentlich wird nur ein Thema gehyped um von wichtigeren Themen abzulenken.

Und hier wird über die Auslegung der eigenen Ansicht Meinungsmache betrieben, anstatt für die, durch das Bankenfiasko ausgelösste, Finanzkrise, die dann zur Staatschulenkrise umgedeutet wurde, gemeinsame linke Forderungen so zu formulieren dass an denen die reaktionären Bruderschaften aus der Finanzwelt, samt ihrer polischen Henker, nicht vorbei kommen. Für einen Arbeitslosen ist Journalismus mittlerweile so wichtig wie Oper.

Die Arbeitsbedingungen für Journalisten sind schlecht. Sie schreiben um ihr eigenes Überleben, und das hat Journalismus mittlerweile fast vollkommen zu einer Unterhaltungsform verkommen lassen.

Uwe Theel 13.07.2012 | 23:54

Hallo XXM,

Den ersten beiden Absätzen deines Textes kann ich im wesentlichen zustimmen. Mein Problem ist nur, was JA daraus macht und damit bin ich beim dritten Absatz deines Textes:

Die Frage "ist das genug?" bezieht JA auf genau den Teil des Journalismus, der den Kontakt zum Leser verloren habe, weil er aus der linken Perspektive an deren Sictweisen und Bedürfnissen vorbeischriebe und nur "predige" wie es eben genuin "linke" Art sei. Also warnt er vor dieser Art von Journalismus, weil er diese Gefahr nicht nur irgendwo, sondern auch in der FC lauern sieht. Positiv, sieht er, seinen jüngsten Formulierungen nach zu urteilen den (bürgerlichen) erfolgreichen Mainstreamjournalismus. - (Das verstehe ich nicht).

Und genau in dieser Haltung geht er an Deinem, wie an meinem offenen Ansatz vorbei, wobei mir Deine "Wertfreiheit" dann aber doch noch Kopfschmerzen bereiten würde. Aber das ist noch einen andere Geschichte.

lg

uwe

Joachim Petrick 14.07.2012 | 03:18

@Jakob Augstein"Zu meinem Journalismus gehört das Zweifeln, das Fragen, das Suchen, die Kritik - auch die an der eigenen Überzeugung. Für mich ist das eine Frage des Handwerks. Des Ethos. Aber nicht nur. Es ist nicht nur Selbstzweck. Es geht - wie gesagt - um die Frage, was das alles soll. Ich denke, Kritik soll Wirkung haben wollen. Was ist Kritik ohne den Anspruch auf Wirkung?"In diesen drei Sätzen kommt eine beachtliche Hefe zusammen, die mit Achtung und Respekt behandelt, wunderbar aufgehen mag. Und doch fehlt mir da Eines im Verständnis von Journalismus, nämlich mit Argumenten des Für und Wider der eigenen und der Meinung anderer, potentiell am Thema interessiertes Pubblikum aus der linken, der mittigen, wie rechten Ecke, aus dem dichten Gestrüpp des argumentativlosen Unterholzes im bunten Blätterwald zum gemeinschaftlich argumentativen Grasen, Aasen, kommunikationfreudig, auf die Lichtung der Begegnung zu locken.Manche Debatten, Diskurse laufen so matt über die Bühne, dass es Not tut, sich, uns selber, zur argumentativen Ermunterung aller, einladend, auf die kritische Schippe zu nehmen. Was Ihnen, lieber Jakob Augstein, nicht nur bisweilen, sondern ja immer besser und dichter in dem Medien Format bei Phoenix "Augstein&Blome" durchaus gelingt.

Joachim Petrick 14.07.2012 | 03:45

@Jakob Augstein"Mir ist das neulich wieder deutlich geworden als Albrecht Müller von den Nachdenkseiten mich so unfreundlich wegen meiner Euro- und Merkel-Berichterstattung angegangen ist. Da ging es ja um mehr als um persönliche Befindlichkeit. Es ging um eine unterschiedliche Auffassung der publizistischen Aufgabe."Was Sie da schreiben, legt wundersam Zeugnis ab, von dem, was sie journalistisch tun und zugleich, den Leser hinter die Fichte führend?, lassen.In Ihrem "S.P:O.N. Merkel Artikel geht es n. m. E, darum, dass Sie dem Leser durchs Knie ins Auge verklickern wollen, auch wenn Sie mit der Politik von Bundeskanzler a. D. Gerhard Schröder in vieler Hinsicht, wenn nicht gar in jeder, politisch nicht übereinstimmen, so doch eine klammheimliche Tugend in Gerhard Schröders Haltung erkennen wollen, sich per Kamekaze- Stil, mit Netz und doppeltem Gasprom Boden, ins Schwert der eigenen Partei weg zu schmeizen und die eigene Partei gleich mit.Das genau, in welcher Sache auch immer, möchten Sie Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Stunde angeblicher Euro- Not anempfehlen, ohne es, expressis verbis, so zu benennen.Was mir auffällt, Sie vermögen Angela Merkel so weinig öffentlich zu loben, wie es Albrecht Mülller, Ihrer Meinung nach, gegenüber Bundespräsident Joachim Gauck vermag.Wo verhalten Sie sich da anders, denn Albrecht Müller?Anders gesagt, Sie werden Ihre berechtigten Gründe haben, wie Albrecht Müller auch.

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Ehemaliger Nutzer 14.07.2012 | 03:54

Betreiben Sie denn nicht Journalismus, um die Meinungsfreiheit aufrechtzuerhalten? Auch wenn es weh tut? Stecken nicht Sie es denn persönlich weg, wenn Ihnen ein Leser mal ins Gesicht kotzt?

Man mag manche ihre Kolumenten furchtbar oder nicht - aber für die Schmerzfreiheit gebührt Ihnen großer Respekt.

j.kelim 14.07.2012 | 04:09

Beschreiben Sie mir einmal Ihre Wirklichkeit? Wie sieht die aus? Aus was besteht sie? Was fühlen Sie in Ihrer Wirklichkeit?

“Ihr Beharren auf "Forsa"-Werten, um "erfolgreichen" Journalismus zu bezeichnen und gleichzeitig zu rechtfertigen ist nur erbärmlich.“

Wenn Sie mir jetzt noch Ihre Quelle nennen, die mir bestätigt, dass Ihre Auffassung von der Wirklichkeit, die wirkliche Wirklichkeit ist und wer glaubt außer Ihnen noch, dass ihre Wirklichkeit die wahre Wirklichkeit ist?

"Ich bin immer im Zwiespalt, ob ich die Dinge beschreiben soll, wie ich sie sehe - oder wie ich sie gerne hätte.“

Ich wünschte, dass Sie irgendwann genau dort ankommen, nicht nur starr und unbeweglich in eine Richtung zu sehen und zu denken, sondern zu unterscheiden lernen dass der Zwiespalt, ebenso zwei unterschiedliche Gefühlsempfindungen ausdrückt.

Sich zu entscheiden bedeutet die Fähigkeit, instinktiv, das richtige zu wählen, - im Grunde ein kreativer Akt

Sehen Sie, meine Auffassung von der Wirklichkeit, ist grundlegend eine andere, als die Ihre.

j.kelim 14.07.2012 | 04:48

Ich glaube dass für viele Menschen der Name “Gerhard Schröder“ und „Hartz-IV“ dermaßen emotional besetzt ist, das es völlig gleichgültig ist in welchen erweiterten Zusammenhang, diese zwei “Symbole“ geschrieben stehen. Die Wahrnehmung, wird durch die Gefühle, wie Wut/Hass, dermaßen eingeengt, dass derjenige diesen Emotionen ausgesetzt ist, dadurch nur dasjenige aus dem Text herausließt, was er herauslesen will. Wenn derselbige, später den Artikel, noch einmal ließt, wird er dennoch den wahren Zusammenhang nicht sehen wollen, weil es fast unmöglich ist ein einmal entstandenes emotionales Gefühl zu neutralisieren und sachlich diesen Artikel aufzunehmen.

SiebzehnterJuni 14.07.2012 | 06:25

@Magda "

Eine solche Fähigkeit zur Selbstkritik passt nicht zur Form der publizistischen Predigt."

Das weiß man doch gar nicht. Und haben Sie sich denn schon mal revidiert?.."

Nein, hat er nicht. Er kommt immer stilistisch so lieb daher, praktiziert aber knallharte Macht.

Aus disem Text und aus den aneren beiden zu den "Nachdenkseiten" kommt etwas von dem an die Oberfläche, was den fREITAG so unbedeutend macht.

Wenn die "Nachdenkseiten" im Layout so daher kämen, wie der FREITAG, sähe es noch schlechter aus für den Freitag!!

Magda, ich alle Deine Worte unterstreichen!! Danke!!

SiebzehnterJuni 14.07.2012 | 06:37

"Die Nachdenkseiten, die ich gerne und oft lese, sind ein gutes Beispiel für eine Art von Publizismus, die ich selber nicht machen möchte. Hier geht es darum, vor der eigenen Gemeinde zu predigen. Es geht nicht mehr darum, mit Argumenten zu überzeugen, sondern darum bereits Vereinbartes jeweils neu zu bestätigen. Und es geht darum, Recht zu haben und zu behalten..."

Ich kann nichts von dem nachvollziehen. Ich lese die Nachdenkseiten wegen ihrer Trockenheit, herzlosigkeit, mangelndem Gefühl und besonders wegen der ätzenden Aufmachung nicht gerne.

Dennoch lese ich sie manchmal, da ich dort Fakten finde und LINKS, die sonst an keiner Stelle finde.

Wenn die Nachdenkseiten sich vom "Wir in NRW-Blog" helfen lassen würden, der zeigt, wie ein ehemaliger Chefredakteur - Alfons Pieper - in der Lage ist, ein Thema journalistisch aufzubereiten, würde ich die Nachdenkseiten täglich lesen.

Die Nachdenkseiten haben sich im übrigen ein wenig der Diskussion geöffnet, aber das ganze Layout und die Machart sind stümperhaft, nicht aber die Entschiedenheit des Arguments.

Die Reform der ONLINE-Ausgabe des Freitags ist im Layout prima, im inhaltlichen gegenüber der Community katastrophal. Kein gemeinsames Diskutieren vor der Realisation mit der Community - das wäre etwas wirklich demokratisches gewesen.Aber da zeigt sich das reale Gesicht des Jacob Augstein. Erst machen, dann diskutieren lassen und doch nichts ändern!!

SiebzehnterJuni 14.07.2012 | 08:21

@Augstein

"..

"Wir" sind zwar der Ansicht, dass wir das Problem verstanden haben (keine Schuldenkrise - sondern Krise des Finanzsystems) und die richtige Lösung kennen (staatliche Kontrolle / Verstaatlichung des Bankensektors; Änderung der politischen Koordinaten und dann EU-gemeinschaftliche Koordinierung von Wirtschafts- und Steuerpolitik) - aber man ignoriert einigermaßen, dass die Bundesregierung, die meisten Medien und der Großteil der Bevölkerung (inklusive 41% der Linkswähler, nach einer Forsa-Umfrage) das alles ganz, ganz anders sehen.

Dadurch wird die Kluft zwischen linker Analyse und beobachteter Wirklichkeit immer größer...."

Nein, wir müssen uns mit dem Zustandekommen der Umfragen, wie welche Informationen an die Menschen kommen, welche Interessen dahinter stehen beschäftigen.

Warum wird jeder Fehler der Schwarz/Gelben Regierung nie Merkel zugerechnet?

Weil die Medien Merkel schützen, als hätte sie nicht als Kanzlerin immer die volle Verantwortung für Regierungshandeln.

Und warum wird Merkel geschützt?

Ein vollkommen falscher Ansatz von Augstein.

3/4 der Bevölkerung sagt 2+2 sind 5 und dann müssen wir uns Gedanken machen, warum wir immer noch 2+2=4 sagen?

Unsäglich dieder Artikel!!

Achtermann 14.07.2012 | 08:51

"Nein, wir müssen uns mit dem Zustandekommen der Umfragen, wie welche Informationen an die Menschen kommen, welche Interessen dahinter stehen beschäftigen."

Ich stimme dir zu. Die elektronischen Medien haben das größte Publikum. Ihre Nachrichtensendungen sind es, die das Regierungshandeln an die Umfrageteilnehmer herantragen. Kritische Distanz zu den Regierenden kommt selten bis gar nicht vor. Auch weil unter Zeitdruck gearbeitet werden muss. Heute zählt die Schnelligkeit mehr als die Analyse. Wenn dieses Mosaikwissen, das nie zu einem Bild zusammengesetzt werden kann, wieder abgefragt wird (z.B. via Politbarometer), messen die Medien nichts anderes als die von ihnen vermittelten Inhalte. Kommt die Kanzlerin gut bis sehr gut weg, dann deshalb, weil die Medien die Kanzlerin schonen bzw. loben. Oder einfach, weil sie die sachlichen Inhalte der Politik an Personen koppeln, die ihrerseits darum wissen und sich selbst inszenieren. Da bleibt nichts dem Zufall überlassen. Die Spitzenvertreter der Medien und der Politik spielen sich die Bälle zu.

Augstein scheint das ausblenden zu wollen, da er selbst in diesem Establishment unterwegs ist. Sein Im-Zweifel-links-sein birgt wohl noch eine gewisse Distanz. Diese sich zu bewahren, ist harte Arbeit.

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Ehemaliger Nutzer 14.07.2012 | 09:37

"Zu welchem Zweck betreiben wir Journalismus?"

Ich hoffte eigentlich, dass der Journalismus hier, speziell der der politischen Ausrichtung, für Aufklärung, Fragen und Positionen abseits des Mainstreams steht und dabei mindestens "irgendwie" links ist.Manche Artikel werden diesem, meinem Anspruch gerecht, wirklich viele sind es allerdings nicht.

Ich persönlich will weder Predigt noch, dass der Text vor Meinungsmache überquillt. Ich wünsche mir hier mehr kritisches Hinterfragen gerade bei den Themen, die von den meisten anderen Medien nicht thematisiert werden.Auch die Auseinandersetzung mit Themen und Fragestellungen gelingt nur bei wenigen, in dem sie diese in einer Fortsezung wieder aufgreifen. Wenn insbesondere ein Blog von der Starseite aus nicht mehr zu sehen ist, erstirbt die Kommunikation meist. Siehe auch offener Brief an Albrecht Müller. Es stellt sich die Frage, wie wichtig ist/war das Thema eigentlich? Auch bei den Empfehlungen, früher der TopBlogs stellt sich mir Frage des öfteren.

Meiner Meinung nach, ich habe mir mal die Zeit genommen und viele Artikel und Auseinandersetzungen von vor zwei, drei Jahren gelesen, reduziert sich der anfänglich erwähnte Anspruch der Positionierung des derFreitag. Vielleicht erklärt sich daraus auch die Enttäuschung einiger Blogger.

ursula keller 14.07.2012 | 10:40

Journalismus sollte zuallererst der Information der Öffentlichkeit dienen.

Er sollte , ohne sich selbst als links,rechts oder wie auch immer zu definieren,recherchieren, Zusammenhänge aufzeigen und diese zur Diskussion stellen.

Ich, Jahrgang '52, kann mich noch gut an die Zeiten erinnern, in denen man am Montagmorgen gespannt war auf das, was ein bestimmtes Magazin wieder mutig und unabhängigem Journalismus verpflichtet, seinen Lesern zu bieten hatte.

Oder an die ZEIT Beiträge einer Gräfin Dönhoff und eines Theo Sommers.

Das hat Spaß gemacht zu lesen, es war spannend und es war intelligent.

Heute verfolge ich nur noch genervt die vorhersehbaren Ergüsse in diesen ehemals tollen Printmedien und registriere mit einigem Entsetzen, wie Menschen wie Julian Assange systemmatisch niedergeschrieben werden.

Er war in den letzten Jahren der einzige, der es gewagt hatte, unbequeme Informationen an die Öffentlichkeit zu bringen.

Von einem Journalisten und einem Herausgeber erwarte ich als Leser eigentlich nur eines : Unabhängigkeit und Mut.

Angelia 14.07.2012 | 12:12

Also Herr Augstein,

Ich finde es schwierig Äpfel mit Birnen, d.h. einen Reporter/Journalisten mit einem Volkswirt, ehemaligen SPD Abgeordneten und Publizisten, zu vergleichen. Für mich als Leserin ist es nur wichtig zu wissen was ist Apfel, was ist Birne und ist beides überhaupt genießbar. Wenn ich zum Arzt gehe muss ich auch wissen, ob der noch seinem Berufsethos folgt und mich in erster Linie gesund machen oder in erster Linie IGel-Leistungen abrechnen will. Immerhin geht es hier um nichts Geringeres als um meine Gesundheit – der körperlichen einerseits und der geistigen andererseits. Insofern finde ich es wichtig, dass sich jemand heutzutage überhaupt noch die Fragen nach den Grundlagen seines Handelns und nach dem warum und wofür soll das, was ich mache, gut sein, stellt. Wichtiger jedenfalls als die Frage nach dem für wen mache ich was.

Stellen Sie sich mal rein hypothetisch vor Sie kämen zu dem Schluss, dass Sie letztendlich „Perlen vor sie Säue“ werfen würden. Was sollte Sie dann noch zum Handeln motivieren? Man braucht also zumindest eine Idee von was und eine Haltung zu was. (Wem erzähl´ich das) Z.B dass es sinnvoll ist das Leiden und die Demütigungen der Menschen durch Menschen zu verringern und man diese Idee selbst dann noch verfolgt, wenn das Unterfangen aussichtslos erscheint. Die Haltung wäre dann einerseits Hoffnung und andererseits schließt man die Möglichkeit nicht aus, dass die Idee trotz allem verwirklicht werden kann. ( Habe ich bei Richard Rorty gelesen, find´ ich toll und geradezu passend für eine Widerspruchshaltung gegenüber der aktuellen Politik.)

Und wegen der linken Analyse, da haben wir doch das Problem, dass es der Definition „links sein“ immer noch an Eindeutigkeit fehlt. Haben wir es hier noch mit einem, meinetwegen humanistischen, aufgeklärten Ideal zu tun, was man vor Augen hat und es trotz allem und gerade wegen allem nicht aus den Augen verliert oder bereits mit einer Ideologie, die man, koste es was es wolle, in die Gesellschaft zwingen will?

Jedenfalls kann man es m.E. drehen und wenden wie man will – es wird immer so oder so Wechselwirkungen zwischen Schreiber und Leser geben. Die Frage ist nur welche. Bedauerlicherweise musste ich die Tage lesen, dass die Fähigkeit zur Reflektion und Selbstkritik im hohen Maß von organischen neuronalen Funktionen abhängig sein soll. So stößt demnach die Möglichkeit der Überzeugung durch Argumente leider an ihre Grenzen. Also jemanden, der lieber Denken lässt und einen Prediger benötigt wird „seine Ansicht“ eher selten durch Argumente Anders- und Freidenkender revidieren (können). (Auch ein Prediger kann natürlich „Richtiges und Sinnvolles“ äußern, was sich für das eigene Denken verwerten lässt)

Wie auch immer, ich denke es reicht nicht „wenn der linke Publizist munter vor sich hin schreibt, sich freut, dass er "Recht" hat und seine Leser sich mit ihm freuen.

Die hohe Kunst ist m.E. und da schließe ich mich Rorty an, die Möglichkeit zur Selbstkorrektur bei sich und anderen nicht auszuschließen, zu hoffen, dass Kritik eben nicht ohne Wirkung bleibt und man trotz allen beschränkten Möglichkeiten kritisch seinen gegenwärtigen Standpunkt zur Diskussion stellt.

Ohne Debatte sehe ich jedenfalls keine Möglichkeit zur Selbstfindung, Selbstkritik und Entscheidungsfindung in einer Mehrheitsgesellschaft.

GEBE 14.07.2012 | 12:16

@ ursula keller 14.07.2012 10:40

Liebe Frau Keller,

das was Sie geschrieben haben, lag mir gestern schon gleichsam auf den Tasten, hier zu schreiben, So ziemlich genau das Gleiche. Ich habe es sein gelassen, weil es mir einfach zu blöd war, solche Selbstverständlichkeiten überhaupt aufzuzeigen.

Nur dachte ich: ist es wirklich schon so weit, daß man solche Selbstverständlichkeiten tatsächlich hier schreiben muß? Das kann ja wohl nicht sein, daß es soweit schon gekommen ist, daß darüber ernsthaft debattiert werden muß.

Aber im Grunde ist es ja heutzutage schon so, daß man mehr und mehr schon degenerierten Menschen z.B. erklären muß was Handschuhe und was Schuhe sind, und daß Handschuhe an die Hände und Schuhe an die Füße gehören. Und wenn Diskussionen über solche Simpelheiten sich als intellektuelle Auseinandersetzungen entspinnen, ist das durchaus als Ausweis für das Niveau und die geistige Kapazität der Beteiligten zu konstatieren.

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Ehemaliger Nutzer 14.07.2012 | 12:18

Lieber JA,

erstmal Respekt dafür, dass Sie solche Fragen in der Community zur Debatte stellen. Und dass Sie sich mit solchen Fragen überhaupt auseinadersetzen.

Aber - ich sage mal so - einige Ihre Thesen haben mich verwirrt und fast zur Verzweiflung gebracht. Ich weiß, dass Verzweiflung eine Sünde ist... und ich wollte mir erst ein paar Tagen Zeit lassen, weil ich dachte, dann kann ich sachlich reden. Aber ich versuche es mal, jetzt, einfach drauflos zu schreiben, was brennt... vielleicht komme ich dann doch zu was Konstruktives. Und wenn nicht, dann später.

Sie schreiben über die "Minderheit der Erleuchteten" und dass man hier das Gefühl bekommt, dass man nich alleine ist (d.h. wenn man eine gleiche oder ähnliche Meinung hat). Es ist aber genau das Gegenteil. Wenn man hier ein Haufen von Nicks sieht, die anonym über Veränderung der Gesellschaft quatschen und zum Widerstand und zur Solidarität aufrufen, ihre reale Identität aber verbergen und dabei sich nicht einmal schämen es direkt zuzugeben, dass ihnen ihre Anonymität wichtig ist, damit ihre Positionen in dieser Gesellschaft nicht gefärdet werden... tja, was gibt es hier noch zu sagen? Sollten das Erleuchtete sein? Ich dachte irgendwie, das wären billige verantwortungslose Schwätzer.

Sie fragen, wie man die andere Leute (also aus anderen Kreisen, wo andere Meinungen herrschen) erreichen kann. Sorry, aber wie blöd sollten diese andere sein, um in solche Spielchen einzusteigen? Das ist jetzt natürlich kein Vorwurf an Sie persönlich, Sie haben das Verhalten von Bloggern nicht zu verantworten... ich meine nur, ich kann ihre Sichtweise über "wir sind nicht alleine" und "wir sind Erleuchtete" so nicht teilen. Gerade hier wird man alleine. Sogar auf den russischen Plattformen gibt es wesentlich weniger Anonymitätsdrang und wesentlich weniger Angsthasen, obwohl es da wesentlich mehr zu befürchten gibt.

Wenn man überzeugen will, dann muss man die angekündigten Werte tatsächlich leben. Alles andere ist Quatsch a lá Streifzug.

Ich kann auch Ihre Meinung über dissisdenten Journalismus nicht teilen. Die Sachen, die hier geschrieben und debattiert werden, sind zum großen Teil gar nicht dissident, sondern Mainstream. Sagen Sie mir bitte, wo (d.h. in welchen Medien) über FDP nicht geschimpft wird? Oder über Sarrazzin? Über Hartz IV? Über "spätromische Dekadenz"? Wo wird Merkel nicht kritisiert? Wo wird Feminismus nicht gelobt? Das alles sind schon längst Allgemeinplätze. Sogar über bedinungslosen Grundeinkommen wird in allen möglichen Talk-Show disktiert (die keineswegs links sind) und inzwischen sogar im Kanzleramt. Inzwischen sind die Menschen dissident, die gegen diesen Grundeinkommen sind. Zum Beispiel ich.

Der Freitag wird in erster Linie dadurch dissident, dass er sich zu der Linke bekennt, die von vielen immer noch als verdächtig betrachtet wird. Aber wirkliche Dissidenz sehe ich nicht. Ich sage auch nicht, dass ich sie anstrebe... ich weiß es noch nicht. Vielleicht. Kommt drauf an. Ich bezweifle momentan, dass es klug ist, dissident zu sein... nein, nicht in dem Sinne, dass man sich anpassen muss. Ich meine etwas ganz anderes. Aber das ist ja auch eine ganz anderes großes Thema, das nicht hierher gehört.

Ich kann Ihnen auch nicht beipflichten, dass "linke Analyse" den gesellschaftlichen Umständen richtig wäre bzw. dass es bei der Linke überhaupt sowas wie Analyse gibt. Ich finde die meisten Sachen, die da geäußert werden, schrecklich naiv und voll daneben. Und die linken Anhänger hier im Blog... hm... die absolute Mehrheit von dieser erleuchteten Minderheit beschäftigt sich ausschließlich damit, den aggressiven menschenverachtenden Dreck in die Richtung Bundesregierung zu werfen und die Forderungen zu stellen, die man selbst in ihrem eigenem Leben nicht erfüllen kann.

Und die redaktionelle Artikel? Was suchen da z.B. solche Banalitäten aus PR-Abteilung von Herrn Trittin?

Ja, ich sehe schon, dass mein Kommentar nich konstruktiv geworden ist. Aber ich konnte momentan nicht anders. Und vielleicht musste es auch gesagt werden.

Sie fragen, wie man die Leserschaft aus anderen Kreisen erreichen kann, wie man überzeugen kann... d.h. Sie halten die Sache für richtig und es steht für Sie nur die Frage nach der Form, die Frage, wie man die Sache vermitteln kann. Aber ich sehe hier keine Sache, die es wert wäre, sie zu vermitteln, und ich sehe hier keine Menschen, über die ich sagen würde "Ich gehöre dazu" oder "Ich möchte dazu gehören"... das ist jetzt nicht als Angriff gemeint!!!!! Vielleicht ist es einfach nur Krise der Wahrnehmung... ich suche nach dem Weg und habe so ziemlich Angst davon.

EnidanH 14.07.2012 | 12:33

@ Jakob Augstein:

Sie erkennen das Problem, liefern aber wie meistens die falsche Schlussfolgerung - das zum Thema belangloser, linker Journalismus.

Ich glaube, Sie sollten sich, Ihre gesamte Freitags-Mannschaft nebst den meisten Bloggern, mal fragen, was links denn ist?

Haben Sie nicht den Herrn Hessel gelobt? Für seinen Humanismus, für seinen Mut. Links ist keine politische Haltung, es ist eine innere, moralistische Ethik.

Und nun fragen Sie sich, warum der linke Journalismus ala Freitag oder taz keinen weiteren Anklang findet. Nun: vielleicht weil er einfach unglaubwürdig ist, weil ihm der Humanismus fehlt.

Unglaubwürdig warum: weil er sich nicht auf das logische, wahrheitsgemäße und humanistische, konstruktive konzentriert, sondern auf das Anpinkeln des Gegners, auch wenn der Gegner hin und wieder richtig liegt, oder wenn die Wahrheit irgendwo unausgesprochen herum schwebt, der Freitag sich aber damit begnügt Phrasen herunter zu beten.

Beispiele: das Hypen der Piraten, das Gerangel um Lafontaine, das Schreiben gegen den Organspender-Ausweis, oder der jüngste Artikel des Herrn Grassmann und und und. Da fragt man sich als unabhängiger Leser, der unabhängige Medien sucht, mehr als einmal, ob der Freitag nicht das verlängerte Organ der Partei-Linken ist... und sagten Sie nicht, dass linker Journalismus unabhängig sein müsse?! Ich meine das waren genau Sie.

Viel Feind viel Ehr gehört zu den 80ern, inzwischen brauchen wir mutigen, konstruktiven Journalismus, der sich nicht damit zufrieden gibt Partei-Leute nachzubeten, oder anders herum: linker Journalismus, der sowas tut ist kein linker Journalismus. Weil er nicht den Mut hat zu einer eigenen Meinung oder einfach nicht die innere Ausstattung der Empathie und der Vernunft.

Joachim Petrick 14.07.2012 | 13:16

@j.kelim 14.07.2012 04:48",,,Menschen der Name “Gerhard Schröder“ und „Hartz-IV“ dermaßen emotional besetzt ist, das es völlig gleichgültig ist in welchen erweiterten Zusammenhang, diese zwei “Symbole“ geschrieben stehen."Die Frage ist für mich, ob genau aus dem beschriebenen Zusammnehang Jakob Augstein immer wieder auf den Partei Putschisten Gerhard Schröder abhebt, weil Jakob Augstein unterhalb der parlamentarischen Ebene, nämlich in den Parteien, durchaus dem Putschismus, Quoten und Auflagen treibend, das Wort reden will, weil er nicht nur Journalist, eher verlegen?, aber eben doch auch Verleger ist?Putschisten, wie Gerhard Schröder haben sich, jakob Augstein gemäß?, nach getaner Agenda2010/Hartz IV "Arbeit" direkt über LOS, politisch selber zu verbennen, um dann, komfortabel geborgen, bei ihren Freunden, wie Putin, Gasprom u. a, Lobbyisten zu landen?

silvio spottiswoode 14.07.2012 | 13:16

Umfragewerte. Wenn wir uns mit den Zahlen beschäftigen müssten wir eigentlich auch ansehen wie sie zustandegekommen sind. Dann wird's natürlich schnell sehr kompliziert. Welche Fragen wurden wem in welchem Kontext gestellt. Jedenfalls ist bei Umfragen die Ebene von Suggestion einfach immer präsent, kann nie ganz ausgeschaltet werden. Nur wenn ich weiss wer mit welchen Zielen Statistiken in Auftrag gibt, kann ich ein einigermassen genaues Bild der Situation erhalten. Zumindest ist dies meine persönliche Erkenntnis aus Market-Research Jobs.

Abgesehen davon, meine Lebenswirklichkeit - und die der Leute mit denen ich Zeit verbringe - wird beispielsweise in den FORSA-Zahlen nicht dargestellt, genauso wenig wie in Print- oder Fernsehwerbung. (Was umso ironischer ist, weil wir das ganze Zeug machen). Dafür gibt es Gründe, die nichts mit uns zu tun haben und an dem Punkt fängt es dann an plötzlich richtig spannend zu werden.

Jetzt noch mal zum grossen Ganzen. Warum machen wir das? Wen wollen wir erreichen? Das sind doch die grossen Fragen überhaupt. Was treibt einen an? Wohin will ich? Diese Fragen zu stellen, ist doch das Wichtigste überhaupt. Viele Leute fragen sich das gar nicht mehr, weil sie keine Alternativen in ihrem Leben sehen. Umso wichtiger, dass man das öffentlich mal tut.

Vor der Lebensleistung von Altlinken wie Müller habe ich grossen Respekt. Ich frage mich aber auch warum Erkenntnisse, die für uns alle von Bedeutung sind immer so umkämpft und marginalisiert werden. Um einen gesellschaftlichen Wandel zu bewirken braucht man in einer Demokratie eine breite Basis. Warum arbeiten nicht mehr Leute daran diese Mehrheiten zu schaffen? Nichts anderes versucht Augstein.

Die Diskussion um links, linker am linkesten, die in Deutschland geführt wird, ist mir sehr fremd. Diese Energie mit der hier Demontage in den eigenen Reihen betrieben wird ist sicherlich einer der Gründe warum eine längst überfällige, konzertierte Opposition gegen den verheerenden Kurs der Regierung nicht wirklich stattfindet. Seit Jahren wird einfach zugeschaut wie Lobbygruppen und Interessenvertreter Einfluss auf demokratische Entscheidungsfindung nehmen. Da muss man dann gar nicht Mappus, den Libor-Zinsmanipulations Skandal oder das Beispiel Wulff zitieren. Eigentlich ist doch allen klar, dass ein paar wenige Konzerne und Verbände sehr sich erfolgreich in erstarrenden, alternden demokratischen Strukturen auf Kosten des Gemeinwohls eingerichtet haben. Aber da kritisiert man dann ganz treffend und zynisch den Zustand und belässt es bei der Analyse.

Das schöne an Politik ist aber doch, dass man das alles ändern kann, dass man das Demenz-Cluster abwaehlen und neue Parteien an die Macht wählen kann. Parteien mit frischem Personal, die mit dem alten Filz nichts zu tun haben. Dafür muss ein Bewusstsein bei der Mehrheit geschaffen werden. Da wäre mal gemeinsames Handeln angesagt.

fahrwax 14.07.2012 | 13:22

Was ist die Aufgabe der abweichenden Meinung, der abweichenden Analyse?

Der Streit gegen die Ungerechtigkeit, also die Pickelbekämpfung auf der eigenen Seele? Ringen um persönliche Klarheit? Zuwachs von Gerechtigkeit.

Für wen mache ich das?

Für die eigen Glaubwürdigkeit und die Heerscharen der weniger Privilegierten, wenn nicht sogar für (die?) Wahrheit?

Wen will ich erreichen?

Alle, die mit Gerechtigkeit besser leben können?

Zugegeben, das klingt alles verdammt banal und idealistisch, aber die schmuckeren Ideologien sind gerade ausverkauft.

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Ehemaliger Nutzer 14.07.2012 | 13:36

"...Dadurch wird die Kluft zwischen linker Analyse und beobachteter Wirklichkeit immer größer. Das ist ein Problem, damit müssen wir uns befassen. Das bedeutet, der linke Publizist schreibt munter vor sich hin, freut sich, dass er "Recht" hat, seine Leser freuen sich mit ihm – und das war's dann auch schon. Er hat sich mit seinen Texten so weit von der Mehrheitsgesellschaft, ihrer Debatte, ihrer Selbstfindung, ihrer Selbstkritik und ihrer Entscheidungsfindung entfernt, dass er schlicht keine Rolle spielt. Ist das genug?"

Meinen Sie mit linker Analyse und beobachteter Wirklichkeit, die Partei die Linke und ihre Wahlergebnisse? Weil im nächsten Satz schreiben Sie vom linken Publizist.... Das ist für mich ein Sprung, oder ich würde es einen Zusammenpacken nennen, was zumindest bei mir ein "versteh ich nicht" auslöst.

Vielleicht sollte, wie bereits weiter oben erwähnt, tatsächlich einmal über "links sein" diskutiert werden.

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Ehemaliger Nutzer 14.07.2012 | 14:40

Sehr gut. Auch der erste Kommentar weiter oben hat mir sehr gut gefallen.

Es ist in den Dingen, die du ansprichst tatsächlich so, dass die Wirklichkeit im Grunde genommen zur Genüge beschrieben und erkannt ist. Wir sitzen in der Verteilungs-Zins-Wachstums-Energie-Demographie-Falle - alle wissen es und ahnen, dass sich viele Dinge grundlegend werden ändern müssen - aber niemand will den (realen) Anfang machen. Lieber erst noch ein bisschen Reden, überall wo möglich ein Pflästerchen drauf kleben, vertagen, vertrösten, verschlimmern und auf den großen Knall warten. Und es stimmt: sogar die politisch Linken tun nichts großartig anderes.

Die einzelnen, Parteien und Organisationen schaffen es nicht einmal, sich zusammen zu rotten, um gemeinsam die Schlagkraft zu entwickeln, die vonnöten wäre, um Änderungen herbei zu führen. Die befürchteten Veränderungen sind womöglich zu groß, als dass sich real etwas ändert, bevor es nicht diesen öminösen "großen Knall" gegeben hat - diesen Moment, an dem ein schmerzliches Handeln unausweichlich wird. Ich schließe mich ausdrücklich mit ein.

Ich würde wahrscheinlich auch wie Augstein, Münchau (und neuerdings Diez) Woche für Woche in meiner SpOn-Kolumne verzweifelte oder zweckoptimistische Texte absetzen - immer in der Hoffnung, dass mich eine höhere Macht erhört. Aber wie heißt es so schön: "Helfe dir selbst und es wird dir geholfen werden". Tja. Mehr als meine Freunde und Kollegen anzusprechen und sie auffordern, doch bitte zur Wahl zu gehen, kann ich nicht.

Das interessiert die auch alles gar nicht. Die halten sich zwar für Wirtschaftskonservative - aber im Grunde sind das sozial-martialische Anarchisten, denen nur ihr eigener Arsch am Herzen liegt. Verständlich. Für wen man eigentlich schreibt, ist die eine Frage. Für wen man sich eigentlich noch als politischer Mensch aufführt und sich zum Affen mach, ist eine fast noch spannendere.

Ob das reicht? Das müsste eigentlich reichen, sagen wir mal so. Tut es aber offensichtlich nicht. Die Welt um uns herum zerfällt und wir können nichts tun, außer Fressen und/oder sterben. So sehe ich das mittlerweile leider. Wer Euro-Bonds haben will, weiß ja, was er zu tun hätte. Dazu hat die Kanzlerin ja ein übertrieben klares Wort gesprochen. Zu allem Anderen fällt mir bald nix mehr ein. Strafbar machen will man sich aber irgendwie auch nicht. Das ist - wenn man mal ganz ehrlich ist - das größte Problem von allen. Die Welt zerfällt und die Gutmenschen glauben noch an friedlich-demokratischen Wandel.

Und jetzt entschuldigt mich bitte, ich muss meine Tabletten nehmen, sonst wird (meine) Wirklichkeit noch viel schlimmer. Zu viel Wasser in der Atmosphäre, schrecklich..

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Ehemaliger Nutzer 14.07.2012 | 14:51

>>Wenn man hier ein Haufen von Nicks sieht, die anonym über Veränderung der Gesellschaft quatschen und zum Widerstand und zur Solidarität aufrufen, ihre reale Identität aber verbergen und dabei sich nicht einmal schämen es direkt zuzugeben, dass ihnen ihre Anonymität wichtig ist, damit ihre Positionen in dieser Gesellschaft nicht gefärdet werden... tja, was gibt es hier noch zu sagen? Sollten das Erleuchtete sein? Ich dachte irgendwie, das wären billige verantwortungslose Schwätzer.<<

Mensch, Lara, du hättest vorher besser mal gefrühstückt..! :o)

j.kelim 14.07.2012 | 14:51

DANDELIONWINE14.07.2012 12:18

Ray Douglas Bradbury

Dandelion Wine

Gibt es das irgendwie eine Verbindung?

Oder ist das Ihr wirklicher Name?

Ansonsten verstehe ich Ihre Kritik nicht, dass Sie Andere dafür kritisieren, weil sie es vorziehen anonym zu bleiben. Wieso offenbaren Sie dann nicht Ihre E-Mail Adresse mit vollständigen Namen und zeigen ein Photo, damit jeder weiß, wer Sie sind?

Ich selbst z. b. ziehe es vor anonym zu bleiben, weil ich weiß, dass Microsoft und Google, durch die Speicherung der IP-Adresse und aller meiner besuchten Webseiten, ein Profil von mir anlegt und Daten ansammelt.

ursula keller 14.07.2012 | 15:25

@ gebe

OK :)..zugegeben ich liebe es manchmal simpel.

Aber das liegt wohl einfach daran, dass ich die Frage "Zu welchem Zweck betreiben wir Journalismus" aus meiner Sicht als Leser gerne ganz puritisch von Journalisten/Herausgebern beantwortet hätte mit "....um Euch Lesern Hintergrundinformationen/Zusammenhänge zu liefern, die nur durch intensive Recherche und Zusammentragen von Fakten erbracht werden können"

JA hat irgendwo einmal in einer Kolumne gesagt "Die Manipulation in den Medien findet meistens durch Weglassen statt." (sinngemäß)

Und genau dieses Weglassen,dies gezielte Manipulieren des Lesers,geschiehtaus den Überlegungen heraus "Stammleser bestätigen bzw. Andersdenkende im eigenen Sinne überzeugen"

Kürzlich habe ich einen alten SPIEGEL Artikel von 1991 zum Thema "Atommacht Israel" herausgesucht und mit dem Artikel verglichen, der vor kurzem zum UBootdeal erschienen ist. Der von 1991 war voll spannender Fakten, der von heute eher vom "Weglassen" geprägt und mühsam aufgeblasen.

Der Artikel von 1991 hätte heute vermutlich keine Chance mehr,veröffentlicht zu werden. Zu viele Fakten :) Aber eben Journalismus vom Feinsten..

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13492033.html

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Ehemaliger Nutzer 14.07.2012 | 15:26

Zu welchem Zweck betreiben Sie denn Journalismus und welchen Zweck können Sie denn vorweisen? Aber egal, es geht ja auch darumgewisse Fähigkeiten als Journalist zu haben, und genau die Fähigkeitenhaben Sie wie viele Jou. in diesem Land nicht.

Was seid ihr denn alle ausser Menschen die Nachrichten von anderen drucken?

Columbus 14.07.2012 | 15:32

"Wirkjournalismus", neue Form oder lange Praxis?

Zu welchem Zweck betreibt man Journalismus, einschließlich des neuen, nicht bezahlten Bürger- oder Bloggerjournalismus, wenn er in seiner Hauptform als ewig wiederholtes, gegenseitiges Reduzieren und Wegschreiben, als unendliche Polemik in Erscheinung tritt?

Tatsächlich kommen wir, das nun ganz ohne Anführungsstrichelchen und wirklich über alles und alle gemeint, mit Abweichungen gar nicht gut klar.

Jakob Augstein als "Marke"

Ihre zweifellos besten Stücke schreiben Sie, lieber Herr Augstein, in einer journalistischen Form, die nicht nur Raum für sprachlicher Eleganz schafft, sondern auch viel Raum im weiten Feld zwischen der ganz platten und der fein differenzierten Meinung lässt.

Wenn also die Kolumne, zweifellos das Modestück des Journalismus in den letzten Jahren, schon den wichtigsten Teil desselben ausmachen sollte, dann wäre mir das zu wenig als Basis des Selbstverständnis eines Journalisten und eher Anlass zu großer innerer Unruhe und Unzufriedenheit.

Ich erwarte immer noch, dass ein Journalist nicht allzu viel polemisiert, sondern Sachverhalte, mit welchem Blick (Stilmittel) auch immer, richtig und differenziert berichtet, die mir sonst nie oder nur schwer aufgefallen wären. -Polemisieren kann ich doch selbst! - Der andere journalistische Blick muss mehr sein, als eine Meinung zu haben und sagen zu können, "ich wirke".

Ihre Rolle im TV ist unschätzbar wertvoll, weil sie das "irgendwie und im Zweifel linke" Sein so symbolisch am Leben halten. Selbst wenn man Sie nur als Alibi-Gegenmeinung (zu BILD, zu den Talkrunden) oder wegen ihrer SPIEGEL-Verbindungen (be)nutzte, hat das Wirkung.

Ihr Bekenntnis zum Selbstzweifel ehrt sie sehr. Diese Selbstzweifel wären auch ein notwendiges Korrektiv für so manchen Blogger, der davon nichts erkennen lässt, aber beständig verkündet, er wisse schon, wem er Türen weisen und mit dem Zaunpfahl winken müsse. An einem ihrer TV-Counterparts ist ja geradezu auffällig, wie leicht es ist, in Diskussionen offensichtlich falsche Behauptungen durchzuhalten, wird man von wenigen Zweifeln geplagt.

Für Journalisten gehört es, nach meiner Vorstellung, zum Professionalismus unbedingt dazu, solche Zweifel offen zu pflegen (Unsicherheit mitzuteilen, ist immer eine gute Abwehr gegen allzu überzeugte Antwortblogger, Kommentaristen und Leserbriefschreiber) und Irrtümer einzugestehen. Letzeres ist aber gerade in der Medienöffentlichkeit und in der Politik, zu der doch im pressemedialen Berlin alles hin strebt, ausgesprochen selten. Die im Raumschiff-Berlin kreisenden Angehörigen des politisch-medialen Komplexes denken nämlich, es könnte tödlich für ihre Karriere sein.

Sie, und auch viele Redakteure und Autoren des dF, sehen die unbrauchbaren, zersplitterten, machtlosen und sich gegenseitig intellektuell demütigenden Reaktionen der „irgendwie Linken“ und der "echten" Linken. Sie zeigen daraufhin eine eigenständige Reaktion. Das kommt nicht immer gut an, was nicht nur an den nun kritisierten Nachdenklichen liegt, sondern auch an der Art und Weise, am Stil der Kritik liegt.

Die „Nachdenkseiten“

Herr Müller schlägt gegen Sie aus, weil er zwar einigermaßen bekannt, aber im öffentlichen Meinungsfeld völlig marginalisiert ist. So wie es auch dem dF (denken Sie einmal an die alte Diskussion, dass z.B. der Perlentaucher keine oder wenig Notiz von der Schreibe ihrer Feuilleton Redaktion nimmt) ergeht, was ich sehr bedauere.

Sie selbst, sind in der deutschen Medienlandschaft bekannt wie ein „bunter Hund“. Es ist einfach so, weil das mit ihrem Namen und bei den formidablen Auftritten in den Medien nicht ausbleiben kann. - Nach dem bunten Hund schnappt immer ´mal wieder auch ein Gelber.

Ihre eigene These zur medialen Öffentlichkeit lautet, dass es auf Richtigkeit zumindest nicht mehr wesentlich ankomme, sondern auf die Durchsetzung der je vorgestellten Meinung im öffentlichen Raum (Den Schröder loben, nicht wegen der Inhalte seiner Reform, sondern weil er überhaupt den Mut hatte, sein persönliches Scheitern als Kanzler für seine Überzeugng zu riskieren, darum Merkel kritisieren). - Das stimmt zwar, bezogen auf Wirkung, es ist aber trotzdem bedauernswert und führt publizistisch fast zwangsläufig zum Kampagnen- und Meinungsjournalismus.

2011 und Anfang 2012 hat es doch mindestens drei Versuche, mit Namen Guttenberg, Wulff und Gauck, aus je unterschiedlichsten Gründen, von je unterschiedlichen Meinungsführern der deutschen Presse gestartet, gegeben, genau so zu wirken!

Die Gauck- Anti-Gauck Diskussion ist zudem ein Lehrstück, wie ausgerechnet am politisch unwichtigsten hohen Amt der Republik und eben völlig sine materia ("ohne Inhalt, Grund, Material) in aller Heftigkeit und Wut diskutiert wurde, was über Wochen die Aufmerksamkeit von den Sachthemen weg zog. - Ich kann es mir nicht verkneifen, zu den vielen Analogien in diesem Thread noch eine hinzu zu fügen: Auch der Pruritus sine materia, das Kratzen ohne feststellbaren Grund, hinterlässt schwerste Schäden und sieht nicht schön aus.

Linkes Denken und linke Webmedien

Linkes Denken hätte demnach, weil ihm einfach nicht die Kanäle zur Verfügung stehen und auch nicht unbedingt diese häufig sophistische und personalisierte Rhetorik eignet, derzeit, vielleicht nie mehr, auch nur den Hauch einer Chance breiteres Gehör zu finden und den Diskurs ohne Herrschaft zu bestimmen.

Die häufigste Antwort des Mainstreams auf solche Klagen lautet daher genau so: "Ihr seid es selbst schuld. Fragt euch, warum ihr in der medialen Öffentlichkeit und bei den Wählern keine Anerkennung gewinnt. Was nützt die richtige Idee, wenn sie keiner hören und lesen will, wenn keiner die Figuren mag, die ihm diese Ideen vorstellen? Wir dagegen, werden gehört, gesehen und gelesen. Uns versteht das Volk!"

Seit ein paar Jahren vertreten einige mitfühlende und für sich selbst besorgten Konservative linke oder ehemals linke Positionen. Noch nicht völlig abgestumpft, merken sie, wie sehr die neue Weltordnung auch ihre Ideale wegfrisst und z.B. den Kulturbegriff auf ein langestrecktes Incentive zur Verkaufsförderung von Beliebigkeiten reduziert und die goldenen Regeln des Zusammenlebens, wie die des gesellschaftlichen Diskurses, tagtäglich pulverisieren.

Wenn es also langsam auch Herrn Schirrmacher oder Herrn Hank (FAZ,FAS) ein wenig blümerant ums Herz wird, weil der Zugriff und die täglichen Forderungen ominöser "Märkte" jeden Tag ein Stück der sozialen Gesellschaft zerstören, jeden Tag etwas Differenz und Ausgewogenheit der Medien durch Aufmerksamkeitsökonomie ersetzen, kann das nur gut sein.

Dafür erweitern sich kurzfristig sogar die Spielräume für „irgendwie Linke“ in den weitgehend konservativen Pressemedien. Dietmar Dath (Implex, Simplex, Komplex) darf in der Frankfurter Zeitung Science Fiction- Literatur, Kunst, Evolution, Denken, KI und sog. neue Medien kritisch untersuchen und erhält dafür pünktlich sein Pausenbrot.

Mit besten Grüßen

Christoph Leusch

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Ehemaliger Nutzer 14.07.2012 | 15:34

Ich frage mich, wie oft ich die Sachen wiederholen soll, damit es wirklich mal irgendwann ankommt? Zum Tausendsten Mal: Ich bin nicht anonym, denn ich habe hier im Forum mehrfach meinen realen Namen genannt. Vornamen und Nachnamen. Und ebenso viele Sachen über mich erzählt, die stimmen. Keine Netzbiografie. Und wenn ich hier als Lara angesprochen werde, dann können Sie sicher sein, dass ich wirklich Lara bin. Darüber hinaus gibt es hier auch Leute, die mich real kennen. Ich verstecke mich nicht.

Aber: Darum geht es doch gar nicht. Ich würde es nicht wollen, unter meinem realen Namen (anstatt Nick) zu bloggen und ich würde es auch von keinem verlangen/erwarten. Weil es genug anonymen Trollen gibt und ich habe da gar keine Lust, mich jedem Idiot auszuliefern.

Ich habe nichts gegen Nicks, mich empört Anonymität einer anderen Art, und zwar wenn die Menschen sich von den anderen Menschen verstecken, von denen sie mit Sicherheit wissen, dass es sich um Gleichgesinnte handelt, mit denen sich man ja im Forum auch gut versteckt.

Ich betrachte die Sache so: Ich blogge im Netz, äußere meine Ansichten, unterhalte mich mit den Leuten und treffe irgendwann logischerweise die Gleichgesinnten mit ähnlichen Interessen und Zielen. So etwas kann man natürlich auch offline machen (und wird gemacht), aber die Möglichkeiten im Netz sind logischerweise viel breiter. Und wenn man die Gleichgesinnten gefunden hat, dann braucht man keine Masken mehr. Man redet von realen Person zu realen Person, man trifft sich offline, man sucht nach der Möglichkeiten, die Ideen wahr zu machen und zu verwirklichen. Man ist einfach füreinander da. Und für die Welt. So etwas habe ich in russischsprachigen Räumen erlebt.

Hier beim Freitag herrscht aber Anonymität so einer ziemlich übler Art. Man gibt vor, etwas Besseres und Klugeres als böse und blöde Regierung zu sein, man behauptet, dass man nach den Lösungen sucht und man ruft ausdrücklich zum realen (offline!) Widerstand gegen System auf. Und man spielt vor, dass man selbst bereit wäre, an diesem Widerstand mitzuwerkeln. Wenn man aber darauf angesprochen wird, dann zieht man sich sofort ins Gebüsch der Anonymität und ist man insofern unverschämt, dass man es damit begründet, man wolle die Anonymität behalten, damit die eigenen Positionen in diesem (ach so verhassten!) Kapitalismus nicht gefährdet werden. Geht's noch?

Ich habe die Schanuze voll, mich mit solchen Idioten abzugeben, und ich habe gar keine Lust mehr, mit denen über irgendwas zu reden, Blogs zu diskutieren oder gar Blogs schreiben... das wären Perlen vor den Säuen!

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Ehemaliger Nutzer 14.07.2012 | 15:59

"Das schöne an Politik ist aber doch, dass man das alles ändern kann, dass man das Demenz-Cluster abwaehlen und neue Parteien an die Macht wählen kann. Parteien mit frischem Personal, die mit dem alten Filz nichts zu tun haben. Dafür muss ein Bewusstsein bei der Mehrheit geschaffen werden. Da wäre mal gemeinsames Handeln angesagt."

Aha... gleich werde ich meine Schnürsenkel bügeln und dann laufe ich sofort zum nächsten Wahllokal. Wen sollte ich dann wählen? Lafontaine, Kipping, Riexinger, Ponader, Weißband? Weder haben sie mein Vertrauen noch interessieren sie mich. Sie haben keinen blassen Schimmer, reden nur dummes Zeug und beschäftigen sich viel mehr mit ihren internen Parteiintrigen als mit der Sache... und die sollen an die Macht? Meine Stimme bekommen sie dafür nicht!

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Ehemaliger Nutzer 14.07.2012 | 16:35

Mal so eine Frage: Wen möchte man eigentlich mit solchen Artikel erreichen? Wird damit angestrebt, dass Brigitte-Leser zum Freitag überlaufen? Sorry, aber ich finde, dass der Freitag sich zu sehr mit Salon-Unterhaltungen beschäftigt und zu wenig mit der Sache... nicht dass ich etwas gegen gelegentlichem Blödeln und Witzeln hätte, aber so etwas macht mich stutzig.

Man versucht jahrzehntenlang zu begreifen, was das Wesen der Liebe ist... um dann beim Freitag endlich erleuchtet zu werden: "Der eigenen Partnerin bei der Auswahl neuer Kleidung zuzuschauen, ist für mich aber so ziemlich die schönste Freizeitbeschäftigung. Man sitzt gemütlich in einem Sessel und beobachtet, wie sie neue Blusen, Röcke, Blazer ausprobiert. So kann man sich an der Schönheit seiner Frau und der Vielfalt der aktuellen Mode erfreuen, das ist sehr entspannend. Man muss nichts weiter tun, als zustimmend zu nicken oder skeptisch den Kopf auf die Seite zu legen, einfacher kann man sich die Liebe der Partnerin nicht verdienen."

Ach soooo geht es denn... Jesus Deine Zuversicht, und ich dachte vorher, die Welt wäre ein Mysterium.

GEBE 14.07.2012 | 16:41

Mich stößt dieser „Hype“ um Jakob Augstein ziemlich ab.

Aus dem Nichts gekommen, ausgestattet mit einem renommierten Verlegernamen und Geld aus Vaters Lebensarbeit, und offensichtlich der Ansicht, dies reiche um den Journalismus maßgeblich beeinflussen oder gar neu definieren zu können. Dabei mit mittelmäßigem Geschreibe unterwegs, mehr Attitüden an den Tag legend als Stichhaltigkeit der Argumente oder folgerichtige Konklusionen. Journalistisches Wortgeklinkel, Gegockel und Geplänkel in öffentlich-rechtlichen Schwatzbuden.

Wäre er nur irgendein Jakob A., B. oder C., vielleicht hätte das gereicht, um irgendwo in einem Provinzblatt als XY-Volontär sein Brot als Lohnschreiber zu verdienen.

Aber so, nur weil er in der Öffentlichkeit steht, werden seine Worte abgewogen und gemessen, von allen Seiten betrachtet, als seien Offenbahrungen darin zu entdecken. So viel Aufmerksamkeit würde keinem noch so gescheiten Statement eines Provinzblatt-Volontärs zuteil.

Und so kommt es auch heute im Jahre 2012, in Mitteleuropa, noch dazu, daß Flachheiten, nur weil sie von einem vermeintlichen, sogenannten gesellschaftlichen Funktionsträger oder Prominenten ausgesprochen werden, ganz besondere, hochintelligente Flachheiten sein müßten.

Costa Cordalis und Howard Carpendale durften ja inzwischen auch schon öffentlich-rechtlich die Welt und die gegenwärtigen Wirtschaftskrisenzustände erklären!

Wenn Menschen in „Stellung“ dummes Zeug quatschen, es lebt der Reflex, so wie es Goethe schon ausdrückte: „Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte hört / Es müsse sich dabei doch auch was denken lassen.“

Apropos Vererbung: Goethes Sohn war übrigens keine große Leuchte. Er hieß August und liegt in Rom begraben.

Herr Augstein, Sie mögen ein sehr netter Mensch sein, und ein schneidiger kerl noch dazu, aber bitte tun Sie nicht so, als könnten Sie die Politik oder die Welt journalistisch erklären. Das ist nämlich eine Materie die ganz offensichtlich etliche Nummern zu groß ist für Sie.

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Ehemaliger Nutzer 14.07.2012 | 16:54

Gebe, was soll jetzt dieses Dreckzeug? Was versprechen Sie sich von solchen persönlichen Angriffen? Tut es Ihnen gut, wenn Sie einem Menschen öffentlich erklären, er wäre nicht genug talentiert und so? Fühlen Sie sich dadurch groß? Und wie wäre es damit, das Gleiche zu wiederholen, aber unter Ihrem realen Namen? Sie quaseln doch sonst andauernd über die (Nächsten)liebe und so, lassen aber keine Möglichkeit aus, Ihren Nächsten zur Schnecke zu machen.

GEBE 14.07.2012 | 18:14

@ DandelionWine + Keiner weiß alles

Ja, ja, man kennt es seit Anno Tobak zugenüge: der Papa hat gesagt, der Bürgermeister hat gesagt, der Pastor hat gesagt, der Lehrer hat gesagt usw. - und es gilt gleichsam als Blasphemie, wenn man radikal infrage stellt. Reaktionen darauf, so wie Sie beide sie hier als Affekte darlegen, zeugen stets von systemischer Verhaftung.

H.Hesse 14.07.2012 | 19:13

@Gebe

Ihre Beiträge zeugen von einer schier unvergleichlichen Arroganz und Selbsterhöhung! Substantielle Kritik siehtz anders aus. Und ich scjhließe mich an: anonym lässt sich ein solches Geschreibsel wie das Ihre gut in die Tastatur tippen. - Ihr letzter Beitrag deutet an, dass sie meinen, sich an "Autoritäten" abarbeiten zu wollen. Die Art und weise ist nur peinlich.

Steini 14.07.2012 | 19:23

Zum Tausendsten Mal: Ich bin nicht anonym, denn ich habe hier im Forum mehrfach meinen realen Namen genannt. Vornamen und Nachnamen. Und ebenso viele Sachen über mich erzählt, die stimmen.

Wau, das ist mutig! Immer und immer wieder! Damit sie auch jeder bewundert dafür. Nicht, dass jetzt noch jemand Ihren Hund oder Chinchilla vergiftet, wo er soooooo viele seltene Daten über Sie weiß.

Lapis 14.07.2012 | 19:56

Lange habe ich gerätselt, wo der Journalist und Herausgeber Jakob Augstein denn politisch eigentlich steht. Die eigene Aussage (die ja nur ein Zitat seines Ziehvaters ist) "im Zweifel Links" zu sein, hat mich von Anfang an eher skeptisch werden lassen. Entweder man hat klare Überzeugungen, für die man auch kämpft, oder eben nicht. Dieses "im Zweifel" klingt dann aber doch eher wie das Kokettieren mit einem ach so unangepassten, kritischen Etikett, das aber inhaltlich in den (eigenen und redaktionellen) Beiträgen, vor allem durch die Umgestaltung der Zeitung seit 2009, so gut wie keine Entsprechung mehr findet.

Nach meinem Eindruck steht Herr Augstein politisch eher für die Positionen der Post-Schröder SPD, also: "Irgendwie Dings".

P.S.:

>>Es gibt die Leser, die meiner Meinung sind. Und die anderen, die es noch zu überzeugen gilt.<<

Klingt dann doch einwenig selbstgerecht. Also keine Zweifel?

Columbus 14.07.2012 | 20:02

Da bleibt nur noch die Frage, Gebe, ob ihr Beitrag nun nur peinlich oder schon pathologisch ist.

Einer jener unangenehmen Seiteneffekte der beliebigen Vermehrung von Meinungen sind leider genau solche Kommentare, die schon in ihrem Sprachstil erkennen lassen, wie sehr sie jenen Hirnwindungen entstammen, in denen sich reichlich Gedankenmüll und eine Menge ungerichteter Wut jahrelang anstauen konnten.

Hassmützenträgerei der übleren Sorte eben, deren grundsätzliche und ganz offensichtliche Lust nur zu provozieren und mit Unterstellungen um sich zu werfen, als einzigen Trost die Selbstentlarvung schon mit sich führt.

Da helfen auch deplazierte Bildungsschnipsel rund um Goethe, die zudem sachlich nicht stimmen, nicht viel weiter. Der Weg von GEBE zu August Goethe dürfte in etwa so weit sein, wie der von einer Schreibe ohne Kinderstube zu ernsthaften Beiträgen.

Christoph Leusch

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Ehemaliger Nutzer 14.07.2012 | 21:47

Ja stimmt, die Sache mit der "Wertfreiheit" war mindestens suboptimal. Dinge zu beschreiben, wie man sie sieht, bedeutet sogar, den "eigenen Filter" auf die Wirklichkeit anzuwenden. In dieser Sache habe ich mich zu revidieren. Kann man ja mal machen, tut gar nicht weh :o)

>>Ich bin immer im Zwiespalt, ob ich die Dinge beschreiben soll, wie ich sie sehe - oder wie ich sie gerne hätte.<<

Ich überlege immernoch, wo der "Zwiespalt" bestehen soll..? Meint er reine Arbeitsmethodik? Momentchen mal..

Auf meinem Schreibtisch steht eine leere Tasse. Sie steht nicht dort, wo sie zuvor einmal gestanden hat, denn es lugt ein eingetrockneter Kaffeering auf der Tischplatte unter der Tasse hervor.

Das war die Beschreibung eines Dings, wie ich es sehe (samt einer kleinen Schlussfolgerung). Jetzt versuche ich die andere Variante daraus, Momentchen..

Hätte ich die Tasse, die nun leer auf meinem Schreibtisch steht, nicht so voll gemacht, dann hätte ich bestimmt nicht gezuppelt und bräuchte nachher keinen Lappen zu holen, um den Fleck wegzuputzen. Ach, befände sich doch noch ein Schlückchen darin, wie würde ich mich darüber freuen.

Soderle. Falls ich es richtig gemacht habe, hätte ich jetzt mal gerne eine Erklärung, worin der Unterschied besteht. Kann es sein, dass das schlicht zwei völlig unterschiedliche Textarten sind?

Die zweite Variante klingt jedenfalls konjunktivistisch. Hätte, würde, könnte.. Und ein wenig weinerlich. Die erste Variante klingt erhabener. Klar, ohne Schnörkel - aber auch recht kühl. In Variante 1 erfährt man etwas über meinen Schreibtisch, in Variante 2 eher etwas über mich. Ist das der Unterschied? Weiß jemand was? Oder muss erst abschließend geklärt werden, ob Pseudonyme beschnitten werden dürfen und/oder Augstein gerne Fanta trinkt und Schokokuchen isst..? Ich kann warten..

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Ehemaliger Nutzer 14.07.2012 | 21:58

Mittlerweile steht übrigens noch ein leerer Schoko-Soft-Pudding-Becher, welcher vor einer Minute noch mit Schoko-Soft-Pudding, hergestellt für die Netto Marken-Diskount AG & Co.KG, befüllt war. In ihm steht der Löffel, mit dem ich den Pudding aß. Dafür ist die Kaffeetasse wieder voll und steht nun ganz woanders. Seht ihr es auch..?

Columbus 14.07.2012 | 22:48

Na, wenn Sie noch nicht einmal fair über August Goethe schreiben können, sondern damit nur ihre Sippensoße kochen, brauchen Sie doch nicht mit Projektion anfangen. Da sollten Sie einfach erst einmal wieder zur Informationsaufnahme schreiten und dann hierher zurück kommen und einen qualifizierten Beitrag schreiben, anstatt den Obergrantler und an die Wäsche Geher zu mimen. Wenn im Think tank nämlich nichts ist, dann endet es im Web meist bei persönlichen Invektiven und Unterstellungen. Auf dieser Ebene sind Sie gelandet und beschweren sich noch, wenn man es Ihnen mitteilt.

Bitte, der Weg zur Läuterung steht Ihnen doch offen. Sie sind doch als dFCler eingetragen und ab jetzt warte ich auf ihren qualifizierten Beitrag.

C. Leusch

Universalexperte 14.07.2012 | 22:48

Ein ehemaliger Kunststudent hat voriges Jahr irgendwo in Ostafrika den letzten Tag im Leben eines verhungernden Kindes auf Video dokumentiert. Mehrere Stunden lang filmte er das lethargische und vollkommen abgemagerte Wesen beim Sterben. Der Film endet quasi mit dem letzten Atemzug des Kindes. Irgendwelche Anstregungen es zu retten unternahmen er und sein Assistent nicht.

Politiker vor Ort zeigten sich empört, der Film wurde umgehend konfisziert.

Hans Springstein 14.07.2012 | 23:04

Auch wenn viellleicht schon genug zum Text von Jakob Augstein geschrieben wurde, will ich auch noch was hinzufügen:

Es scheint nicht nur mir so zu gehen, dass Augsteins Texte nicht so einfach zu verstehen sind.

Ich weiß nicht, wen er genau meint mit dem, was er da schreibt, auch nicht, wen er mit "Wir" meint. Warum er Journalismus betreibt, wird mir am Ende nicht richtig klar.

Für mich als Journalist geht es genau um die Abweichung, nicht nur, weil ich etwas gegen Einheitsbrei habe, sondern weil ich schon in der Schule lernte, dass Widersprüche die Triebkräfte der Entwicklung sind ... Das wußten schon die alten Griechen.

Ich weiß, dass ich mich nicht an "der Mehrheitsgesellschaft, ihrer Debatte, ihrer Selbstfindung, ihrer Selbstkritik und ihrer Entscheidungsfindung" orientiere, schon weil ich da keine "Rolle spielen" will und auch nicht muß. Ich will auch niemanden überzeugen. Ich lebe schon zu lange, um zu glauben, dass ich das könnte. Ich will nur Anstösse geben, auf Zusammenhänge, Hintergründe und Informationen hinweisen, die sonst verschwiegen werden und die eben das, was uns als Mehrheitsmeinung hingestellt wird, in Frage stellen, z.B. zum syrischen Konflikt. Dazu gibt es zu oft Anlass und zu wenig geschieht das. Und ich versuche das mit Informationen und Fakten zu belegen, was ich behaupte. Und mir ist völlig klar, dass ich mich auch irren kann. Aber zu oft finde ich bestätigende Fakten beim Recherchieren, das ich schon deshalb betreibe, bevor ich etwas schreibe, weil ich Journalist bin. Wenn ich etwas nicht belegen kann, behaupte ich es auch nicht.

Ich frage mich nur manchmal, was bei Augstein "linls" ist ... Aber wer hat dafür schon die korrekte Definition ...

Uwe Theel 14.07.2012 | 23:19

@ j.kelim14.07.2012 04:09@Uwe Theel

Sie schrieben an mich gerichtet:

Beschreiben Sie mir einmal Ihre Wirklichkeit? Wie sieht die aus? Aus was besteht sie? Was fühlen Sie in Ihrer Wirklichkeit?

Es geht mir in meiner Auseinandersetzung mit Jakob Augsteins These weder darum, seine Sicht der Wirklichkeit oder deren Darstellung zu kritisieren, noch darum "meine" Sicht der Wirklichkeit vorzustellen, oder gar durchzusetzen. Mit meinem Satz

Ihr Beharren auf "Forsa"-Werten, um "erfolgreichen" Journalismus zu bezeichnen und gleichzeitig zu rechtfertigen ist nur erbärmlich.

kritisierte ich allerdings, dass JA seine Darstellung der Wirklichkeit vom Erfolg bei einer breiten Mehrheit abhängig zu machen scheint, wenn linke Kritik an der Wirklichekit dort aus Gründen, die er gar nicht erst diskutiert nicht ankäme. Statt dessen diffamierte JA linke Kritik pauschal als Predigertum, dass grundsätzlich beim Leser nicht ankommen könne. Da widersprach ich.

Sie schreiben weiter:

"Wenn Sie mir jetzt noch Ihre Quelle nennen, die mir bestätigt, dass Ihre Auffassung von der Wirklichkeit, die wirkliche Wirklichkeit ist und wer glaubt außer Ihnen noch, dass ihre Wirklichkeit die wahre Wirklichkeit ist?"

Dazu kann ich nur sagen, dass ich keine "Quelle" habe aus der ich die Weisheit in Wahrheit schöpfen könnte, sondern eine Methode politischer Kritik. Die mögen Sie teilen oder auch nicht, aber wir sind nicht hier um irgendwelche Bekenntnisse abzugeben, sondern evntuell mögliche Urteile zu beobachtbarer Wirklichkeit abzugeben. Teilen sie solche (beurteilten) Beobachtungen mit, dann können wir vielleicht ins Gespräch kommen.

Das folgende Zitat, das sie anführen

"Ich bin immer im Zwiespalt, ob ich die Dinge beschreiben soll, wie ich sie sehe - oder wie ich sie gerne hätte.

ist eines aus JAs Text nicht aus meinem Text. Ich habe die schlußfolgerung, die JA daraus zu ziehen scheint, in meiner antwort an JA im dort von mir intendierten Zusammenhang bereits kritisiert.

Ihre Folgenden Äußerungen

"Ich wünschte, dass Sie irgendwann genau dort ankommen, nicht nur starr und unbeweglich in eine Richtung zu sehen und zu denken, sondern zu unterscheiden lernen dass der Zwiespalt, ebenso zwei unterschiedliche Gefühlsempfindungen ausdrückt.

Sich zu entscheiden bedeutet die Fähigkeit, instinktiv, das richtige zu wählen, - im Grunde ein kreativer Akt

Sehen Sie, meine Auffassung von der Wirklichkeit, ist grundlegend eine andere, als die Ihre."

machen für mich wenig Sinn: Sie unterstellen mir persönliche Haltungen, ohne auch nur konkrete textliche oder injhaltliche Bezüge, Konkretionen zu auch einem meiner Texte herzustellen, um dies zu belegen, wo sowieso ad rem und nicht ad personam diskutiert werden müsste.

Schließlich fragen sie mich erst nach meiner Auffassung von Wirklichkeit, die Sie also kennenlernen wollten, während sie gleichzeitig wissen, dass die Ihre davon verschieden sei. Was soll ich mit solch einer banalen These anfangen, wenn sie mir nicht einmal sagen, welche Auffassung sie von der Art haben, wie Journalismus zu arbeiten habe? - Das war das Thema.

Das einzige, was ich dafür in Ihrem text finden kann, ist Ihre Refrerenz auf das Gefühl des Journalisten. Dieses in allen Ehren und nichts gegen menschliche Gefühle überhaupt, aber ich hoffe nicht, dass der "journalismus" von BILD, der manchem sogar noch von unterhalb des "Bauches" (= Methapher als sitz des Gefühls) zu kommen scheint, Ihnen als Beleg für das steuernde Element "Gefühl" im Journalismus dienen könnte?

Steini 14.07.2012 | 23:44

Warum sollten sich Besserwisser und Menschen mit hohem Alter noch etwas beweisen? Wer meint, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben, braucht sowas nicht. Wer es nötig hat, mit zig Profilen durch die Medienlandschaft zu geistern, sollte froh sein, dass es Menschen gibt, die dieses Verhalten analysieren. Auch GEBE gehört hier zu denjenigen, die immer alles wissen. Und wenn's nicht Intellekt ist, dann ist es das hohe Alter, die Bildung und die Lebenserfahrung.

mymind 14.07.2012 | 23:52

´Es ist vielleicht eine Charakterfrage: meine Sache ist das dennoch nicht. Meine journalistische Sozialisation ist anders verlaufen. Ich bin Reporter. Ich bin immer im Zwiespalt, ob ich die Dinge beschreiben soll, wie ich sie sehe - oder wie ich sie gerne hätte.´

Aufgeklärte Leser möchten fundierte Nachrichten, die weder Hörensagen, noch irgendwelchen propagandistischen Zwecken dienen sollen. Was meinen Sie mit dem Gesehenen, was Sie lieber anders hätten? Es ist schwierig all-terrain-formulierten Aussagen zu deuten & darauf einzugehen…

´Zu meinem Journalismus gehört das Zweifeln, das Fragen, das Suchen, die Kritik - auch die an der eigenen Überzeugung. Für mich ist das eine Frage des Handwerks. Des Ethos. Aber nicht nur. Es ist nicht nur Selbstzweck. Es geht - wie gesagt - um die Frage, was das alles soll. Ich denke, Kritik soll Wirkung haben wollen. Was ist Kritik ohne den Anspruch auf Wirkung?´

??? Was meinen Sie konkret? Meinen Ansprüchen wäre erstmal sehr gedient, wenn Journalisten aufrichtig & fundiert & mit beweisbaren Belegen berichten würden…& sich nicht vereinnahmen lassen müssen! Kritik ohne Wirkung ??? Bitte um weitere Erläuterung, ich verstehe den Absatz nicht…Natürlich ist die Triebfeder der Kritik, Menschen zu erreichen & Wirkung zu erzeugen. Ist es legitim auch zu dem Preis, dass der Kritiker nicht recht im Bilde ist & dennoch ein Bild aufgebaut hat, was er nicht geprüft hat & sich dennoch einbildet Kritik üben zu können?

´Dadurch wird die Kluft zwischen linker Analyse und beobachteter Wirklichkeit immer größer. Das ist ein Problem, damit müssen wir uns befassen. Das bedeutet, der linke Publizist schreibt munter vor sich hin, freut sich, dass er "Recht" hat, seine Leser freuen sich mit ihm – und das war's dann auch schon. Er hat sich mit seinen Texten so weit von der Mehrheitsgesellschaft, ihrer Debatte, ihrer Selbstfindung, ihrer Selbstkritik und ihrer Entscheidungsfindung entfernt, dass er schlicht keine Rolle spielt.

Ist das genug?´

???Auch dieser Absatz ist zweideutig! Was ist gemeint? Wie soll & kann sich jener Publizist_ das linke lasse ich vorab bewusst heraus _ , der durchaus auch unterscheiden kann zwischen Analyse & beobachteter Wirklichkeit, oder ist hier ggf. Realität auch gemeint?_ verhalten? Gegen seine Erkenntnisse schreiben, um ´Mehrheitskonsens ´ zu treffen?

Kann es ein, dass Paul Claudel recht hatte, als er sagte:

Die Wahrheit hat nicht zu tun mit der Anzahl der Menschen, die von ihr überzeugt sind. ?

& was ist inzwischen ein Linker _ Publizist oder Leser? Einer, der nicht dem Mainstream entspricht? Ist er dann ein Aussenseiter, der entweder niemanden erreicht & oder sich von der Gesellschaft enfernt? Das wäre betrachtenswert, nicht bez. der Personen, die dann so kategorisiert werden sondern die Gesellschaft, in der so etwas passieren kann...

Columbus 15.07.2012 | 00:08

"Wer es nötig hat, mit zig Profilen durch die Medienlandschaft zu geistern, sollte froh sein, dass es Menschen gibt, die dieses Verhalten analysieren."-

Wen meinen Sie, was meinen Sie?

Das Internet ist eigentlich einmal für Leute geschaffen worden, die erstens ein wenig deutlicher sagen was sie meinen und zweitens nicht daran glauben, es genüge Wikipedia und die verschwiemelte Suche nach Nutzerprofilen, die man in irgend einen Verschwörungs- oder Unterstellungszus. bringen kann. Wer das Netz als prinzipielle Nachstelleinrichtung benutzt, der macht in seinem Leben und mit seiner Zeit was falsch.

Jetzt aber ´mal ernsthaft. Schreiben Sie doch Klartext. Wen meinen Sie und was mit "zig" und warum adressieren Sie das an mich? Es soll auch Leute geben, die es einfach nicht schaffen, unverklausuliert zu sagen, was sie denn sagen wollen.

Also Steini was wollen Sie beitragen zum Thread und zur Diskussion? Diese ganzen Kurzinterventionen hier oben drüber, die eher am böswilligen Kübeln interssiert sind, können doch nicht die Intelligenz des durchschnittlich gebildeten dF-Lesers abbilden, oder?

Beste Grüße

C. Leusch

PS:

anne mohnen 15.07.2012 | 00:08

Lieber Herr Augstein,

Predigen oder Überzeugen, Wirken oder Wirkung?

Predigen?

Tilman Jens hat pünktlich zum Hundertsten von Axel Caesar Springer auch eine Biographie geschrieben. Die Essenz daraus findet sich hier: Demnach hatte Springer ja ein göttliches Erweckungserlebnis, sozusagen sein „Damaskus“, seinen ganz eigenen Predigtauftrag. Recht spät sei es über den Verleger gekommen. Im fünften Lebensjahrzehnt, 1957 im Keitumer Seefahrtskirchlein St. Severin, am Sylter Watt sei es geschehen, dass, Jens zitiert den langjährige Weggefährten des Verlegers „Welt“-Chefredakteur Hans Zehrer, „Springer im Glauben gelandet“ sei! Alles, was er dann tat, so Jens, „wofür und wogegen er“ schließlich „kämpfte“, habe Springer „fortan mit dem Hinweis auf seine höhere Bestimmung veredelt.“ „In seinem von Engeln und Teufeln bevölkerten Kosmos“, für Springers Monumental-Biograph H.-P. Schwarz Ausdruck von fast paranoiden Zügen, sei der verhasste Kommunismus kein politisches System mehr, sonder für Springer das Reich des Bösen gewesen. Der kapitalistische Westen hingegen – ein Paradies der Freiheit. (…) „Journalismus diente ihm als Variante der alten Glaubenskriege. Selbst der weiße BILD-Verkaufsautomat wurde Springer zu „eine Art Klingelbeutel: Die Kollekte diente einem höheren Zweck!“

Nun, die Nachfolger Springers, seine Erben bei BILD haben mit der religiös überhöhten Selbstverzückung, dem „Wahn und Wollen“ des Axel Cäsar Springers zwar nichts mehr gemein. Vielleicht haben sie auch aus den Irrungen und Wirrungen des Gründers gelernt? Vielleicht hat sich nur das Publikum, der Leser geändert? Solche Fragen drängen sich auf, schon wegen Jens‘ Urteil auf über die zwar mit „viel Sendungsbewusstsein angezettelten“, dennoch völlig erfolglosen „Kampagnen“.

Andererseits, so Jens, habe die Überhöhung des Verlegers und seines vermeintlichen Kampfblattes bei seinen Kontrahenten überdauert! „Man will und kann von der alten Reizfigur nicht lassen: (---) Allein ein Handschlag mit den Unberührbaren unserer Tage könnte einen tödliche Erreger übertragen (…) eine vom Verlag (…) angedrohte Freihauslieferung einer Jubiläumsausgabe von „BILD“ zum 60. erst recht“.

Wirken oder und Wirkung!

Also, so sehr ich dem „Freitag“ eine Auflagensteigerung wünsche, so wenig wünsche ich den Machern, Heimsuchungen, gar Erleuchtungen, welcher Provenienz auch immer, die dazu beitragen könnten das Schwarz-Weiß von Zeitungsseiten, in ein vereinfachendes Gutes versus Böses“ zu überführen.

Polarisierungen, wie sie jetzt auch von den Nachdenkseiten evoziert werden sollten, langweilen mich auf Dauer. Solch ein Wirken, das in erster Linie der Selbstvergewisserung des eigenen Standpunktes dient, nutzt sich nicht nur ab; dieses Reizen, schlimmstenfalls um des Reizens willens, mündet in Gleichgültigkeit. Ich bin davon überzeugt, dass der Dauergereizte der Indifferente ist. Darauf basiert schließlich auch der Erfolg von Blättern wie BILD.

An die Satire glaubt zwar kaum noch einer. Dabei sprachen alte Zeitungsmacher dem „Furor satyricus“ durchaus die Wirkung eines „medizinischen Therapeutikums“ zu. In feuchten bis nassen Sommerlöchern wäre damit einmal mehr hysterischen Debatten, vor allem, wenn sie mit arg viel Moralin geschwängert oder gar mit dem „Tuberkel des Bösen“ behaftet sind, der Malus der Ansteckungsgefahr genommen. Zeitungsseiten erscheinen dann weiter in Schwarz-Weiß, die Meinungen bleiben aber differenziert und vielstimmig.

Die Zeit oder Süddeutsche, Berliner Zeitung, viele deutsche Tageszeitungen sind auch keine monokausalen Meinungsblätter. Wenn also in dFreitag unterschiedliche, vor allem differenzierende Positionen erscheinen, und dies ist meiner Meinung der Fall, dann ist dies im besten Sinne Normalität! Zum Glück ist eine Print-Zeitung, das betont Ihr Kulturchef Angele immer wieder, eine „Komposition“; sie erschließt sich als Ganzes. Und auf diesem Hintergrund ist es nicht nur unfair, von einem nur allenfalls schicken Lay-out zu sprechen: Wer die Beiträge -Woche für Woche- nichtliest, der kann die Richtung nicht erkennen.

„Zu meinem Journalismus gehört das Zweifeln, das Fragen, das Suchen, die Kritik - auch die an der eigenen Überzeugung. Für mich ist das eine Frage des Handwerks. Des Ethos. Aber nicht nur. Es ist nicht nur Selbstzweck. Es geht - wie gesagt - um die Frage, was das alles soll. Ich denke, Kritik soll Wirkung haben wollen. Was ist Kritik ohne den Anspruch auf Wirkung?“

Handwerk, Ethos und Überzeugung sind letztendlich nicht zu trennen. Warum aber der leichtfertige Umgang mit den eigenen Qualitätsansprüchen - aus Daffke?

„Für mich ist das ein ganz wichtiges Thema. Man könnte darüber einen große Aufsatz schreiben: Wesen und Rolle des dissidenten Journalismus. Was ist die Aufgabe der abweichenden Meinung, der abweichenden Analyse? Für wen mache ich das? Wen will ich erreichen?“

Ja, schreiben Sie doch einmal einen großen Essay zum Thema! Oder lassen Sie ihn schreiben. Warum nicht! Ich halte diese theoretischen Reflexionen, die zur Klärung von Standpunkten dienen, für sehr produktiv und aufklärend, um nicht zu sagen, ich lese auch aus diesem Grunde immer noch Zeitung! Setzen Sie das Thema fort! Nur Mut! Es wäre sicherlich interessant, wie dFreitag sich, jenseits einer Abgrenzung von den NDS oder Springer und FAS positionierte. Machen Sie eine Serie daraus, einen Gedankenfeldzug!

Steini 15.07.2012 | 00:18

Ich meine GEBE. Und noch weitere, die sich auf bestimmten Plattformen breitmachen und meinen, sie mussten überall mitmischen. Gegen Sie habe ich nichts, da Sie nicht arrogant rüberkommen. Als Medienpsychologe habe ich es mir abgewöhnt, hier nach mehr als drei jahren etwas genauer zu kommentieren, das bereits vor mehr als drei Jahren nicht verstanden wurde. Daneben haben sich auch meine privaten Prioritäten geändert. Diejenigen, die hier eine hohe Erwartungshaltung an z.B. JA stellen betreiben gleichzeitig noch Persönlichkeitsküchenpsychologie auf unterstem Niveau. und immer wieder ist es dasselbe, immer wieder dieselben Personen.

Und denken auch Sie daran, es ist und BLEIBT ein Meinungsmedium, kein Wissenschaftsforum, in dem ernsthaft diskutiert werden könnte. Das haben Titta und Oranier und noch ein paar andere bereits vor langer Zeit versucht, aber offenbar schneller verstanden als ein paar andere.

Uwe Theel 15.07.2012 | 00:24

Lieber herr Augstein,

eines ist mir im Verlaufe dieser Diskussion noch erst richtig deutlich geworden:

Ich lasse jede konkret politisch inhaltliche Position, die Ihr oder irgendein Journalismus vertreten sollte oder könnte außen vor.

Dann bleibt aber Ihr zentrales Bekenntnis immer noch stehen, nämlich das, dass Sie eigentlich am liebsten Reporter sind und aus dieser Haltung heraus immer schrieben.

Eine klare Position.

Umso mehr verwundert es mich , dass die Zeugnisse Ihres Journalismus in der eigenen Zeitung (print wie online) zu 100% Meinungsjournalismus (Kommentar, Kolumne) sind. Ich kann mich nicht erinnern je einmal eine Reportage von Ihnen im Freitag gelesen zu haben. (Die Gärtnerkolummne lasse ich mal aussen vor. Sie ahben Sie nie als Form politischen Journalismus genutzt). Der Freitag selbst sei ein "Meinungsmedium"

Vielleicht könnt ich als Leser an einer wirklichen Reportage von Ihnen schlau werden, warum Sie Journalist geworden sind. Ihr jüngsten Einlassungen zum Thema lassen mich, wie ich schon schrieb, mehr als verwirrt zurück.

Natürlich fällt es mir nicht schwer in einer Reportage auch Meinung in Form von kritik und Analyse zu finden, die Ihnen da offenbar als störend erschiene.

Mein persönliches Vorbild für Reportage waren und sind ein Georg Stefan Troller (im Fernsehen) oder ein Ekkardt Spoo (im Print), besonders zu seiner Zeit bei Der FRANKFURTER RUNDSCHAU ab Mitte der 70iger Jahre des vorigen Jahrhunderts, als er dort soziale und sozialpolitische Mißstände reportierte.

Ich hoffe sehr, dass diese beiden exemplarischen Vertreter der Reportage für sie keine Prediger sind. Für mich sind sie großartige reporter mit humanistischem Kern und mehr mehr als weniger linker "Meinungsschreibe".

Mit freundlichen Grüßen

Uwe Theel

Steini 15.07.2012 | 00:39

Kollegen und ich beömmeln uns zum Teil über so manche Kommentare in Foren, also auch hier. Die Menschen wollen ein positives Selbst bestätigt bekommen, nicht ihre Meinungen ändern. Besonders Menschen nicht, die sowieso meinen, sie hätten alles auf dem Kasten.

Wissen Sie was, @Columbus? Ich erzähle Ihnen jetzt mal etwas Positives zu meinen neuen Prioritäten.

Vorgerstern Abend habe ich mein Zelt im Garten aufgebaut und mich zuvor mit Badeklamotten davor auf Gras in den kühlen regen gelegt. Danach bin ich heiß duschen gegangen und habe mit meinem Partner im Zelt gelesen und geschnackt und bin zufrieden eingepennt. Das nenne ich Genuss - zuvor war er nur Uni, Uni, Uni. Auch jetzt noch Uni, aber alles hat sich geändert. Meine Asexualität ist der Homosexualität gewichen - ich habe also Besseren zu tun und zu fühlen als das übliche Freitagsding, Netz und Arbeit. Das hier ist für mich Freizeit, Amüsement. Ich hoffe, es regnet gleich wieder!

mymind 15.07.2012 | 00:58

@ Hans springstein

Antworten?

Ich erwarte keine Antworten, weder von JA noch von denjenigen, die sie geben sollten _ weil es keine geben KANN. zumindest keine plausiblen..wenn es gelingt, sich damit abzufinden, dass es ist wie es ist, wartet man nicht auf ANTWORTEN, das ist zeitvergeudung...zeit kann man u. A. besser nutzen indem man sich & anderen Fragen stellt & wenn auf die kaum jemand eingeht & die Ausnahmen sind mal wieder dei regel, , dann hat man sie zumindest mal geschrieben & was man mal geschrieben hat, so heißt es - bleibt länger haften als das permante Denken, von dem wir uns, auch wenn wir wollen, nicht befreien können....

Universalexperte 15.07.2012 | 01:13

http://www.youtube.com/watch?v=tW065paZiLo

Nein Danke

bin ein Prediger der Hunger hat lass mich nackt die Sonne sehn ich will vergeh' n wie im Fieber glüh'n...................(chorus)mir einen mächtigen Schutzherrn, einen Gönner finden wie Efeu mich an einem Stamm nach oben winden um die Rinde zu lecken wenn es vorteilhaft durch List nach oben kommen statt durch eigene Kraft nein danke, jeden Vers wie üblich bei so vielen Mäzenen widmen, stets den dummen August spielen damit ich mir dadurch auf eines Höflings Miene ein Lächeln, das einmal nicht grimmig ist verdiene nein danke, jeden Tag geduldig Kröten schlucken den Rücken biegsam halten durch konstantes ducken beim säen nichts anders als die Ernte denken und wo ich geh und steh, Weihrauchfässer schwenken nein danke, mich von Schoß zu Schoß nach vorne drängen mich in die Mitte alles Mittelprächtigen zwängen mich an der Seichtheit freuen in die mein Schiff gerät die Segel von Altweiberseufzern nur geblähtbin ein Prediger der Hunger hat lass mich nackt die Sonne sehnich will vergeh'n wie im Fieber glüh'n...................(chorus)nein danke, schuften bloß um anerkannt zu sein für ein Sonett statt weitere zu schreiben, nein danke, drittklassige Talente um mich zu sehn unter der Fuchtel herrischer Gazetten stehn und ständig nur das jämmerliche Ziel im Sinn Hauptsache ist, ich steh' auch irgendwo drin nein danke, kalkulieren, bangen um die Früchte und öfter Aufwartungen machen als Gedichte Abschriften redigieren, Bittschriften überbringen nein danke, nein danke, .............aber singen bin ein Prediger der Hunger hat lass mich nackt die Sonne sehn ich will vergeh' n wie im Fieber glüh'n...................(chorus)

Uwe Theel 15.07.2012 | 01:17

@ Hans Springstein und mymind

wg. "Fragen und Antworten"

Es ist vielleicht makaber, aber mich erninnert die Frage nach der Antwort an Brechts selbtbewußtes Gedicht zum Vorschlag eines Grabspruches für ihn:

Ich benötige keinen Grabstein, aberWenn Ihr einen für mich benötigtwünschte ich, es stünde darauf:Er hat Vorschläge gemacht.Wir haben sie angenommen.Durch eine solche Inschrift wären wir alle geehrt.

das Roman Herzog in einem Grußwort Zum 100. Geburtstag von Brecht in der Akademie der Künste in Berlin am 10. Februar 1998 verflachte zu dem von ihm als "besser " dargestellten Satz:

"Er (Brecht; U.T.) hat Fragen formuliert. Wir haben uns ihnen gestellt."

Wie sich Politik und Journalismus in den meisten Fällen heute "stellen", ist bekannt.

P.S.: Ich gehe mit ihren Kommentaren hier im Thread d´ccord. Danke. (u.t.)

Uwe Theel 15.07.2012 | 02:15

Liebe Frau Neumann,

indem Sie den von JA eingeführten Popanz des "linken Predigers" hier breit treten, wird auch kein wirklicher Gedanke daraus.

In Ihrem "Mut"-Blog zitierten Sie noch Postman, der davor warnte genau mit den Mitteln politischen Journalismaus machen zu wollen, die JA jetzt im Auge zu haben scheint. Genau zu dem Journalismus des "sich zu Tode Amüsierens" wünschen Sie JA jetzt Mut.

Das nenne ich eine Volte rückwärts.

Wie wäre es, wenn Sie einmal empirisch und an Texten arbeiteten und belegen, wie und in welchem Umfang in der von Ihnen und JA befürchteten Weise im Freitag (print und online) der "Predigerjournalismus" betrieben wird. Die Beispiele des Minderheitenjournalismus, den Sie präferiieren geben Sie dann bitte im Verhältnis zum linken Mainstream-Predigjournalismus bitte mit an!

Danke.

mfg

ut

j.kelim 15.07.2012 | 03:21

Ja, Danke, das leuchtet mir ein. Sie haben das sehr gut beschrieben. Eine Zeitlang spielte ich mit dem Gedanken, ein unscharfes Bild als Profil zu dem Namen hinzuzufügen. Jetzt ergab sich jedoch, eine Situation, die mich aus persönlichen Gründen zutiefst berührte und schon vor dem Kölner Urteil Informierte ich über das Thema Beschneidung, jedoch ohne Reaktion, was ich zu dieser Zeit nachvollziehen konnte, weil es ein tabuisiertes Thema war. Jetzt, wo das Thema weltweit Aktuell ist bin ich für meine Kommentare, was die Beschneidung von Jungen betrifft, für einen zu offenem Brief an ChristianBerlin mit der Gelben Karte von der Community-Redaktion verwarnt. Ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt, was wiederum seltsam ist, denn der Kommentar wurde nicht gelöscht. Zudem in einigen gegen mich gerichtete Kommentare von Hardlinern der Befürworter, bin ich jetzt sehr glücklich darüber, dass niemand meine Identität kennt.

j.kelim 15.07.2012 | 03:35

Das war ein Missverständnis. Ich habe vergessen Ihren Kommentar einzufügen. Sorry!

„Was meinen sie, wenn Sie schreiben "Ich bin immer im Zwiespalt, ob ich die Dinge beschreiben soll, wie ich sie sehe - oder wie ich sie gerne hätte." und dann darauf beharren, der Reporter, der sie Sie seien, müsse sich immer auf die Seite des "wie es ist" schlagen?“

Für mich hört sich das an, wie die Negation, eines Vorwurfs, herausgedacht aus Ihrer Wirklichkeitsauffassung, weil Sie etwas Vorgeben und gleichzeitig unterstellen Sie ihre Hypothese. In dem Sie die Antwort auf den Zwiespalt gleich mitliefern.

Aus diesem Grund schrieb ich:

Sich zu entscheiden bedeutet für mich die Fähigkeit, instinktiv, zwischen diesen beiden Möglichkeiten, das richtige zu wählen, - im Grunde ein kreativer Akt.

“Von welcher Wirklichkeit reden Sie eigentlich, dass sie "ist wie sie ist"? Sie wissen was "affirmativ" mein!?“

Beschreiben Sie mir einmal Ihre Wirklichkeit? Wie sieht die aus? Aus was besteht sie? Was fühlen Sie in Ihrer Wirklichkeit?

Ich habe das geschrieben, weil ich denke in ihrer Antwort/Frage, stülpen Sie gewissermaßen, durch eine Wirklichkeits-Annahme über die Wirklichkeit des Anderen eine Art unterstellte Antwort. Eine Wirklichkeit die mir fremd ist.

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Ehemaliger Nutzer 15.07.2012 | 08:45

Was Augstein hier geschrieben hat, war einfach eine kleine Skizze von ein paar Gedanken. Darüber hinaus hat er den Leuten einige Fragen gestellt, die er besprechen wollte. Warum sollte das alles den Aufforderungen eines Abituraufsatzes entsprechen? Bei dem Abituraufsatz geht es um was ganz anderes und da müssen auch andere Kriterien erfüllt werden. Der Text von Augstein war als Anstoß zum Gespräch gemeint und dieses Ziel ist erreicht.

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Ehemaliger Nutzer 15.07.2012 | 11:20

"Reaktionen darauf, so wie Sie beide sie hier als Affekte darlegen, zeugen stets von systemischer Verhaftung."

Lieber Gebe, bevor Sie mir hier systemische Verhaftung vorwerfen, denken Sie vielleicht ein Moment darüber nach, dass dieses Blog von Jakob Augstein aus dem Blog von Uwe Theel entstand, und das Blog von Uwe Theel befasste sich mit einer Aussage von JA und meiner Kritik darauf. Aber im Unterschied zu Ihnen habe ich die Position von JA kritisiert und das auch begründet. Sie greifen die Persönlichkeit von JA an und zwar ohne Begründungen, einfach nach dem Prinzip "Mir ist gerade danach".

Augstein hat die Fragen nach dem Wesen des Journalismus gestellt. Das war keine Ankündigung, dass er sich als Person zum Vernichten freigibt. Selbst wenn es irgendwelche Hype um ihn herum gibt (die ich eigentlich nicht sehe), was hat das mit den Fragen zu tun, um die es in diesem Blog geht?

Steini 15.07.2012 | 12:14

Sicherlich nicht der geeignete Blog für diese Themen, aber dennoch kurz etwas dazu. Eine Zeit lang fühlte ich mich auch alt, aber nicht unzufrieden; es mag mit dem täglichen Einheitsbrei (wie auch hier seit drei Jahren) zu tun gehabt haben. Input usw. ist ja anregend, aber die Frage nach dem "Sinn des Seins", drängt sich in ruhigen Minuten dann doch so sehr auf, dass man sich vielleicht zu einer Einstellungsänderung überwindet. Bei mir hat's funktioniert, doch vielleicht hat auch eine ganz große Portion Zufall die größte Rolle gespielt.

Wenn man sich im Regen ins Gras legt, kann man es viel besser wachsen hören. ;)

Steini 15.07.2012 | 12:23

Das Internet ist eigentlich einmal für Leute geschaffen worden, die erstens ein wenig deutlicher sagen was sie meinen und zweitens nicht daran glauben, es genüge Wikipedia und die verschwiemelte Suche nach Nutzerprofilen, die man in irgend einen Verschwörungs- oder Unterstellungszus. bringen kann.

Sie meinen @Weinsztein, den Wikipedia-Nachtwächter und -Journalist? ;)

Scherz beiseite. Wikipedia gehört im Wissenschaftsbetrieb nicht angewand und zitiert, aber hier im Meinungsmedium? Wenn jemand etwas untermauern möchte, ist es oft schwierig, für Interessierte die entsprechenden Quellen zu verlinken. Nicht jeder ist irgendwo eingeschrieben oder benutzt irgendwelche VPN-Clients, um auf entsprechenden Content zuzuggreifen. Somit muss man sich also mit den üblichen Literaturangaben begnügen - in der Hoffnung, dass es jemanden interessiert und als Beleg ausreicht. Dem ist hier nicht so, denn wer eine vorgefestigte Meinung (über sich und andere) besitzt, der möchte es idR gar nicht. Blogger wie Theel usw. wissen sowieso alles, warum also sollte man sachlich dagegen anstinken, wenn man die Reaktion sowieso schon kennt?

Joachim Petrick 15.07.2012 | 13:19

Lieber Jakobus Augstein,

in einem weiteren Sinne kommt, philosophisch betrachtet, mit der Zeit nicht nur Unrat, sondern durchaus Rat und wenn, dann nicht selten, ungeheuer teuer.

Hat sich der Freitag doch gerade journalistisch, Profession der Redaktion und Leidenschaft der Community vereinend, neu formiert.

Da kommt Ihr Artikel

„Zu welchem Zweck betreiben wir Journalismus?“,

Organisch gerade zu rechter Zeit. Was mich freut.

Wenn ich einmal von Ihrem Kampf der Giganten

“Augstein gegen Albrecht und zurück“

absehe, komme ich, wie folgt, zu meinem Wunsch- Ergebnis auf Ihre kardinale Frage:

„Wir betreiben Journalismus, weil wir Fehler, Fehleinschätzungen, Irrtümer gleich welcher Herkunft und sei die eigene, nicht abwerten, sondern als Erkenntnisgewinn wertschätzend kommunizieren und darüber reden und schreiben –

Wir betreiben Journalismus, weil es für uns, allein und gemeinschaftlich an kommunikativen Prozessen interessiert, orientiert, nachrangig bzw. egal und nichtig ist, wer Sieger, wer Besiegter scheint und ist, denn hinter bzw. vor jedem Sieg reihen sich viele Niederlagen; Fehler, Fehleinschätzungen, Irrtümer, hinter bzw., vor jeder Niederlage, reihen sich scheinbare wie wirkliche Siege, Erfolge ohne Ende aneinander“

tschiao

JP

PS: Meine spielerisch kleine Unbotmäßigkeit im Umgang mit Ihrem Vornamen vom „Jakobus“ statt „Jakob“ bitte ich Sie, mir, Ihrem jugendlichen Naturell und Temperament gemäß, im ermunternden Sinne großzügig nachzusehen

Uwe Theel 15.07.2012 | 13:33

@ redaktion:

Ich bitte die Redaktion freundlichst, doch von dem neuen Feature des "Einklappens" hinsichtlich der Beiträge von Steini und Keiner Weiß alles Gebrauch zu machen.

Diese Beiträge sind alle entweder off topic oder nur ad personam und bringen die Diskussion des Blogthemas keinen Schritt voran, sondern zerstören nur deren Zusammenhang und machen den Thread, der ja nun keine Unterebenen mehr hat, ab einer bestimmten Länge quasi unlesbar, im Sinne, dass keinen Kontinuität in der Argumentation mehr erkennbar wird.

Für Leser die solche Trolligkeiten mögen, mag ja dann die Möglichkeit bestehen, individuell diese Abschweifungen wieder auszuklappen und zu lesen.

Danke

Uwe Theel

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Ehemaliger Nutzer 15.07.2012 | 14:01

Zensur nach Theelchem Gusto?

Darf ich Sie daran erinnern, wer da wo "ad personam" in übelster Weise zu diskreditieren versuchte:

"Dass Gegner JAs und des FC-Projektes wie Herr Monsees oder "Keiner weiß alles" Häme ausgießen, wenn sie jetzt Zuneigung zum Linken heucheln ließe ich gelten, aber diese Stimmen sind m.E. wirklich nur rechts liegen zu lassen."

Das waren SIE weiter oben. Unddas ist nur ein Beispiel von vielen!

Sie denken wohl das Recht darauf alleine gepachtet zu haben?

Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie Ihren eigenen Empfehlungen nachkämen, und mich liegen ließen, ob rechts oder sonstwo, Hauptsache ganz weit weg von Ihnen.

Uwe Theel 15.07.2012 | 14:11

Werter Kelim,

noch einmal:

Dieser satz "Ich bin immer im Zwiespalt, ob ich die Dinge beschreiben soll, wie ich sie sehe - oder wie ich sie gerne hätte." ist ein Satz von Jakob Augstein.

Meine Kritik an diesem Satz entsprang insofern meiner Wirklichkeitsauffassung des Textkontextes bei JA, als er eindeutig einen für mich unbegründetet Priorität des Schweibens "wie es ist" präferiert, weil das Schrieben, wie es sein sollte" für ihn per se "Predigertum " darstellte, das bei den Massen nicht ankäme.

Ihre Frage, wie sich mir Wirklichkeit darstellte, ist eine sehr umfassende, die ich auf dieser Ebene nur ebenso umfassend beamtworten kann, als dass ich sage, so wie sie mein Verstand, Bildung, gGist, Erkentnisstand, sinnliche, damit eingeschlossen emotionale Wahrnehmungsfähigkeit es mir zulassen.

Aber das hilft uns beiden nicht viel weiter.

Sollten sie tatsächlich an ener Diskussion diskussiert sein, dann fokussieren sie ihre Frage doch einmal auf ein konkretes Beispiel von Wirklichkeit.

mfg

ut

Uwe Theel 15.07.2012 | 14:49

Wo bitte, forderte ich Zensur, d.h. das Löschen von Beiträgen?

Falls Sie nicht ganz auf dem Laufenden sind: Aber das wahlweise Wiedereinklappen von OT-Nebensträngen, inkl. Trollereien, die zur besseren Lesbarkeit zuvor eingeklappt wurden, ist etwas anderes.

Im Übrigen kann ich die Bitte "wegzubleiben" nur zurückgeben: Tatsache ist, dass Sie sich mit Ihren Kumpanen von presumably MI, resp. dissident MI hier zuerst immer an mich oder die sonst von Ihnen "Verdächtigen" dranhängen. Sich da über Reaktion zu beschweren ist mindestens wehleidig.

Just keep off!

anne mohnen 15.07.2012 | 15:15

Herr Theel,

die Frage von JA lautet, wie man Journalismus betreiben soll, kann, für wen etc?

Mein Vorschlag wäre: Bitte nicht als Predigt, bitte nicht als Kampagne. Das läuft sich tot! Dass Sie sich durch den Jens Artikel über Springer und seine an ihm klebenden Kontrahenten auf den Schlips getreten fühlen, so what! So ein echtes Gegenargument bringen Sie ja mal wieder nicht!

Den Link auf den JA-Artikel wollen Sie auch in den falschen Hals bekommen. Meinetwegen.

Ach, werter Herr Theel, was wäre ein Thread ohne Ihre Deutungsbemühungen? Und weil heute Sonntag ist:

„Im Auslegen seid frisch

Und munter,

legt ihr’s nicht aus, so

legt was unter.“ Goethe (diesmal nenn ‚ich den Verfasser ;-))))))))))))))))))))))

Uwe Theel 15.07.2012 | 15:38

Liebe Frau Neumann,

Sie schrieben:

"die Frage von JA lautet, wie man Journalismus betreiben soll, kann, für wen etc?

Mein Vorschlag wäre: Bitte nicht als Predigt, ..."

JAs Frage ist ok. Dann wurde aber weder von ihm, noch von Ihnen eine Antwort gegeben, sondern nur abstrakt davor gewarnt, Journalismus "als" linkes Predigertum zu betreiben. Das ist keine wirklicheine Antwort auf die Frage, denn es wird nicht belegt, von wem beim Freitag dieer Fehler zum Schaden des Freitag begangen würde. Der "Beleg" an Müllers Polemik gerät da etwas dünn, um generell etwas beweisen zu können.

Mir die Argumente abzusprechen fällt Ihnen leicht, wenn sie nicht auf meine Argumentation gegenüber JA eingehen (meine Kritik war, dass er die Notwendigkeit einer zu kritisierenden Wirklichkeit quasi in Abrede stellte, weil sie von einer Öffentlichkeit, deren Manipuliertheit JA gar nicht erst in den Blick nahm, nicht als annhembar bezeichnet würde), sondern auf Ihrer und nun wohl auch Augsteins Schiene weiter argumentieren, der Freitag sei von einer linken Hobbyjournalistenguerilla bedroht deren Abenteurertum gewehrt werden müsse. Auf die Ebene Allerdings lasse ich mich nicht ein, solange sie mir das nicht als reale Bedrohung belegen könnten.

Auch ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag, mit und ohne Goethe.

mfg

ut

P.S.: Und bitte nehmen Sie mich, bzw. meinen Texte bitte nicht als Beweisträger, so wichtig bin ich nicht und Anteilseigner des Freitag bin ich auch nicht, nur ein Abonnent. Sollten sie es doch versuchen, dann bitte im Sinne von Kant, philologisch am Text arbeitend und ohne Ihre bekannte Entschuldigung, Sie seien keine Marxkennerin.

j.kelim 15.07.2012 | 16:43

Werter Uwe Theel,

„Was meinen sie, wenn Sie schreiben "Ich bin immer im Zwiespalt, ob ich die Dinge beschreiben soll, wie ich sie sehe - oder wie ich sie gerne hätte." und dann darauf beharren, der Reporter, der sie Sie seien, müsse sich immer auf die Seite des "wie es ist" schlagen?“

Dass dieser Satz von JA ist, das weiß ich, meine Kritik bezog sich auf Ihre Interpretation dieses Satzes. Sie binden diesen Satz in Ihre Antwort/Frage mitein.

Für mich hört sich das an, wie die Negation, eines Vorwurfs, herausgedacht aus Ihrer Wirklichkeitsauffassung, weil Sie etwas Vorgeben und gleichzeitig unterstellen Sie JA ihre Hypothese. In dem Sie die Antwort auf den Zwiespalt gleich mitliefern. Das Wort "beharren" darum geht es mir.

Ich empfinde, dass Sie in diesem Satz eine Form von Konfusion erzeugen, die eine Wirklichkeit durch eine ander Wirklichkeit eliminiert.

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Ehemaliger Nutzer 15.07.2012 | 16:50

Noch ein kleiner Gedanke zwischendurch (sorry, es funktioniert momentan nur so, fetzenweise, denn, wie gesagt, ich fühle mich ziemlich irritiert, die Fragenstellungen sind unerwartet und es gibt keine fertige Antworten).

Sie schreiben, Herr Augstein: „Für mich ist das ein ganz wichtiges Thema. Man könnte darüber einen große Aufsatz schreiben: Wesen und Rolle des dissidenten Journalismus. Was ist die Aufgabe der abweichenden Meinung, der abweichenden Analyse? Für wen mache ich das? Wen will ich erreichen?“

Und dann: „Das bedeutet, der linke Publizist schreibt munter vor sich hin, freut sich, dass er "Recht" hat, seine Leser freuen sich mit ihm – und das war's dann auch schon. Er hat sich mit seinen Texten so weit von der Mehrheitsgesellschaft, ihrer Debatte, ihrer Selbstfindung, ihrer Selbstkritik und ihrer Entscheidungsfindung entfernt, dass er schlicht keine Rolle spielt.“

Das ist aber… ich kann so einer logischen Kette nicht folgen. Vielleicht weil meine Sozialisation ebenso anders verlaufen hat als Ihre. Man hat wenige Leser, weil man dissident schreibt? Um Himmels Willen. Ich kenne es ganz anders. Die dissidente Schriften waren in UdSSR heiß begehrt, obwohl man für einige Schriften in GULag geschickt bzw. erschossen wurde (sowohl fürs Schreiben als auch fürs Lesen oder auch nur fürs Aufbewahren). Das hat die Leute von diesen Schriften nicht abgehalten. Aber, okay, nehmen wir mal nicht so extreme Beispiele.

Die Zeiten nach dem Stalins Tod. Der Terror war nicht mehr so hart, aber die Zensur herrschte wie eh und je. Ein paar Jahren war die Sache lockerer, in den 70er wurde man wieder wegen unerlaubten Schriften in den Knast geschickt (aber nicht mehr erschossen).

Die Zeitschrift „Die neue Welt“ war die beliebteste, die hochrespektierteste Zeitschrift in UdSSR über mehreren Jahrzehnten. Und sie war dissident… insofern, inwiefern es überhaupt möglich war, um nicht gleich vernichtet zu werden. Sie hat nach dem Stalins Tod als erste die Schriften von Solschenizyn veröffentlicht, von Brüdern Strugatzki usw., usf. Klar wurde diese Zeitschrift auch der Zensur ausgeliefert, hat viele Sanktionen erlebt… es war schwierig. Aber man fand trotzdem den Weg. Und wenn „Die neue Welt“ wieder mal sanktioniert wurde, dann redete das ganze riesige Land darüber, obwohl es natürlich verboten war, irgendwelche Informationen darüber zu verbreiten.

Die Auflagen waren natürlich absolut fantastisch, denn, wie gesagt, „Die neue Welt“ wurde bei den Lesern heiß begehrt. Und überhaupt… diese Zeitschrift ist irgendwie zu Legende geworden. Ich nenne Ihnen ein Beispiel: Im Roman von Solschenzyn „Die Krebsstation“ gibt es so eine Episode, wo einer den Protagonisten eine Zeitschrift in einem blauen Umschlag liest. Und als gefragt wird, was er liest, sagt er: Ein Artikel über Aufrichtigkeit in der Literatur. Und wissen Sie was? Auch heute weiß jeder Bescheid, dass es dabei um „Die neue Welt“ geht (blauer Umschlag!) und um einen Artikel, wegen dem die Zeitschrift wieder mal sanktioniert wurde. Solschenizyn durfte es so nicht direkt sagen – wegen Zensur! Aber man hat ihn trotzdem verstanden.

Die Zeitschrift wurde natürlich nicht nur deswegen so begehrt, weil sie dissident war, sondern weil sie auch verdammt hohes Niveau hatte und immer wieder Stoff für intelligente Diskussionen führte, und zwar aus jedem Bereich, sei es Literatur, alternative ökonomische Theorien, Theaterrezensionen, Berichte über neue wissenschaftliche Entdeckungen, politische Panorama oder was auch immer.

Okay, diese Situation ist auf deutscher Medien-Landschaft und auf 21. Jahrhundert natürlich nicht so direkt übertragbar. Aber ich sage mal so: Ich sehe im Freitag ein Potential, etwas Besonderes zu werden. Aber: Es ist bis jetzt nur Potential. Es ist nicht verwirklicht. Ich hätte es dem Freitag aber sehr gewünscht, dass dieses Potential verwirklicht wird. Der Freitag ist zu viel mehr fähig als es bis jetzt der Fall war. Das ist meine subjektive Meinung, sie war schon mal anders, es gab mehrfach Enttäuschungen, dann habe ich wieder geglaubt... na ja. Es gefällt mir weiß Gott nicht alles hier und Kritik gibt es mehr als genug. Aber ich sehe hier das Potential, trotz allen Sachen, die mich gelegentlich auf die Palme bringen.

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Ehemaliger Nutzer 15.07.2012 | 17:29

Liebe Frau Keller,

"Von einem Journalisten und einem Herausgeber erwarte ich als Leser eigentlich nur eines : Unabhängigkeit und Mut."

Ich kann mich dem NUR ANSCHLIESSEN! Und auch sonst Ihren Aussagen.

Wenn mann heute die Zeitungen aufschlägt trifft man oft auf nichts weiter als Polemik. Die Fakten (auch kritische) liest man in Blogs (auch Nachdenkseiten) und deswegen kaufe ich mir keine Zeitung! Dazu gehören auch die Linken Blätter. Für mich steht darin auch viel zu viel Polemik.

http://de.wikipedia.org/wiki/Polemik

Ich sehe den Journalismus der großen Blätter schon lange nicht mehr als investigativ. Sondern als gezielte Meinungsmache und Manipulation, ja sogar als Ablenkung von den wahren wichtigen Themen, die die Mehrheit der Masse betrifft. Die Journalisten müssen sich doch zwangsläufig weitestgehend verkaufen. Da es in dieser Welt NUR NOCH UMS GELD GEHT.

Zumal es den Unterschied zwischen Reporter und Journalisten gibt. Letzterer ist zuständig für die Verbreitung von Informationen und Meinungen. Wobei der Vermerk wohl auf Meinungen gleich Meinungsmache steht. Also hat er einen ganz gezielten Auftrag, wie Krysmanski es so gut beschreibt! Dagegen ist der Reporter ein Berichterstatter (Sportreporter) der über aktuelle (live) Ereignisse schreibt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Reporter

http://de.wikipedia.org/wiki/Journalist

Und was die Forsa-Umfragen angeht...die nehme ich nicht ernst. Da bereits schon wieder viel zu viel die Masse manipuliert wird. Genau wie es zu DDR-Zeiten es mal war. Wenn ich meine Umwelt so wahrnehme und mich mit anderen unterhalte, dann frage ich mich oft, wie solche Umfragen wirklich zustande kommen?! Da ich genau das Gegenteil von dem, was die Befragung so aussagt, von meinen Mitmenschen gesagt bekomme.

Auch geht es den meissten Deutschen immer noch sehr gut. Deshalb wohl, und auch aus Gewohnheit, der Zulauf zu der CDU/CSU. Und wenn Merkel das Geld der Deutschen schützt, ist es doch kein Wunder, dass sie (CDU/CSU) solche positiven Umfragewerte bekommt. Zumal ja keine andere Partei wirklich besser ist und eine Alternative wäre. Die Linke hat es immer noch nicht verstanden, sich auch den Problemen der Besser Verdienenden anzunehmen. Man muß die Mitte finden.

Das Aufwachen kommt eh immer erst bei den Menschen, wenn es zu spät ist. Leider!

Uwe Theel 15.07.2012 | 17:32

Werter Kelim,

ich beginne mit Ihrem Anstoßnehmen ("Das Wort "beharren" darum geht es mir.") an meiner Wortwahl "beharren" im diskutierten Passus (der fettgedruckte Teil ist der von mir):

„Was meinen sie, wenn Sie schreiben "Ich bin immer im Zwiespalt, ob ich die Dinge beschreiben soll, wie ich sie sehe - oder wie ich sie gerne hätte." und dann darauf beharren, der Reporter, der sie Sie seien, müsse sich immer auf die Seite des "wie es ist" schlagen?“

Tatsächliche werfe ich JA vor, zwar einen nachvollziehbaren Zwiespalt zu konstatieren, sich dann aber aus mir falsch erscheinenden Gründen, auf die mir falsch erscheindende Seite einer Lösung zu begeben; (ich habe das inhaltlich schon mehrfach beschrieben, wiederhole es hier jetzt daher nicht noch einmal). Es ist also JA, der m.E. Auf einer Lösung beharrt, die mir widerlegbar zu kritisieren ist.

Mehr gibt es hier m.E. nicht zu interpretieren, unabhängig davon, ob Sie zu dem selben Schluß genüber JAs Position kämen, oder nicht.

Von daher kann ich ihrer schon einmal gelesenen Formulierung

"Für mich hört sich das an, wie die Negation, eines Vorwurfs, herausgedacht aus Ihrer Wirklichkeitsauffassung, weil Sie etwas Vorgeben und gleichzeitig unterstellen Sie JA ihre Hypothese. In dem Sie die Antwort auf den Zwiespalt gleich mitliefern. ...

Ich empfinde, dass Sie in diesem Satz eine Form von Konfusion erzeugen, die eine Wirklichkeit durch eine ander Wirklichkeit eliminiert."

auch nicht recht folgen, zudem scheint sie mir sprachlich etwas dunkel.

Sollten sie mit "Negation" hier auf den marxistischen Begriff der "Negation der Negation" anspielen, mit dem Marx erklärt, dass die dialektische Kritik der bürgerlichen Ideologie ein Greul ist, weil sie die "Endlichkeit", der eigenen Prophezeiung des eigen Pardieses auf Erden (vulgo: den Erfolg kapitalistischen Wirtschaftens) belegen kann, dann negiere (kritisiere) ich mit gleicher Logik tatsächlich, dass es keinen Sinn macht, Journalismus und seine Methoden damit zu rechtfertigen, dass er bei einer "Mehrheit" "ankäme", was bei Augstein bisher nicht mehr hieße, als dass das Blatt ökonomisch erfolgreich sei, wobei Augstein möglicherweise allenfalls noch der Meinung ist, umso besser wenn das mit linken Inhalten geschähe, er und einige andere hier und sonstwo, das aber eher für unwahrscheinlich halten und auf dieser Meinung "beharren".

Ich hoffe ich konnte mich deutlich machen.

mfg

ut

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Ehemaliger Nutzer 15.07.2012 | 17:33

Zu "off topic": Was ist denn hier eigentlich das Thema? Wenn mir das mal jemand sagte, wäre ich ein ganzes Stück weiter. Wir haben uns bislang nicht einmal darauf verständigt, ob J. Augstein allein über sich - und mit diesem "wir" über seinen Berufsstand - spricht, oder ob es (auch) um uns (als Community) gehen soll. Leider hat er sich dazu bislang nicht weiter geäußert. Meine Frage ist demnach: Was hat er da für einen Text geschrieben? Einen über die Dinge, wie er sie sieht - oder einen darüber, wie er sie gerne hätte?

Kann man das mal ordnen, bitte? Der letzte Absatz und die Passagen über die NDS sind garantiert über die Dinge, wie er sie sieht. Auch die persönlichen Passagen sind dort einzuordnen. Da das die Hauptteile des Textes sind, gehe ich mittlerweile (quasi revidiert!) davon aus, dass darin kein Apell versteckt ist. Er tritt als Meinender auf. Er meint zu erkennen, dass..

Aber das muss ich mir nicht ans Bein binden. Ich bin hier zuständig für merkwürdige Texte über Nebensächlichkeiten, Satire und Problemfindung für Anderleuts Lösungen. Das ist meine selbstgestellte Aufgabe. Ich kann auch anders, das hat man sicherlich bereits bemerkt. Aber es muss mir Spaß machen, sonst vergeht mir die Lust. Ich bin eben ein Blogger - und kein Journalist! Von dem Wort "Journalist" kann ich mich gar nicht angesprochen fühlen. Vom Wort "Autor" schon.

Aber ich weise es zurück, dass ich mich in meinem Geschreibsel von der Mehrheitsgesellschaft und deren Psyche (?) entfernt habe. Mein Umfeld holt mich täglich zurück auf den Boden der Tatsachen. Ich kenne Menschen, die Geld wie Heu haben - und andere, die kaum über die Runden kommen. Die Wirklichkeit, die ich sehe, besteht aus vielen Wirklichkeiten. Über den ESM weiß ich leider nur vom Hörensagen und aus Berichten Anderer, die glauben, darüber zu berichten, was sie im ESM sehen. Diese Wirklichkeit ist für mich nur aus zweiter oder dritter Hand erfhrbar.

Ich verzweifele an diesem Text hier noch, weil ich keinen Plan habe, was er mir sagen soll. Ob er mir überhaupt etwas sagen soll - oder ob er für Albrecht Müller geschrieben ist..

Ich bin Blogger ohne Anspruch auf Wahrhaftigkeit und Tatsächlichkeit. Ich bin hier anonym unterwegs, was mich aber trotzdem meine Manieren nicht vergesen lässt. Worüber hier eigentlich gestritten wird, ist mir unklar. Sogar GEBE, der angeblich den angeblichen "Hype" um J.A. nicht mag, arbeitet sich an ihm ab, als wenn das das Thema hier wäre. Ist es aber nicht. Ich weiß zwar nicht, was es ist, aber Augstein kann es nicht sein. Das weiß ich. So, fertig.

Nimm's nicht persönlich, Uwe. Nur der erste Teil ist als Antwort an dich gedacht, danach ist mir der Text entglitten, weil ich mich schon so auf die Lasagne freue, die gerade dabei ist, den Ofen zu verlassen..

Uwe Theel 15.07.2012 | 18:09

Du fragst, was das Thema von JAs Text ist?

steht doch drüber:

"Zu welchem Zweck betreiben wir Journalismus?"

relativ ausführlich erklärt JA,zu welchem zweck und auf welche Weise Journalismus nicht betrieben werden sollte:

"Das bedeutet, der linke Publizist schreibt munter vor sich hin, freut sich, dass er "Recht" hat, seine Leser freuen sich mit ihm – und das war's dann auch schon. Er hat sich mit seinen Texten so weit von der Mehrheitsgesellschaft, ihrer Debatte, ihrer Selbstfindung, ihrer Selbstkritik und ihrer Entscheidungsfindung entfernt, dass er schlicht keine Rolle spielt."

Kehren wir diesen Satz doch einfach mal spaßeshalber um:

Das bedeutet, der rechte Publizist schreibt verdrießlich vor sich hin, ärgert sich, dass er "nicht Recht" hat, seine Leser ärgern sich mit ihm – und das wird`s dann auch schon sein. Er hat sich mit seinen Texten so weit der Mehrheitsgesellschaft, ihrer Debatte, ihrer Selbstfindung, ihrer Selbstkritik und ihrer Entscheidungsfindung genähert, dass er schlicht die entscheidende Rolle spielt.

Lemmansky 15.07.2012 | 18:13

Der Freitag hat ein gigantisches Potential eine Marktlücke zu füllen. Die Menschen ächzen nach einer Zeitung, die erkannt hat, dass wir längst nicht mehr in einer funktionierenden Demokratie leben und unsere Eliten in guter Zusammenarbeit mit der CDU und den Medien das stolze und fleißige Volk der Deutschen für dumm verkaufen und es stätig weiter Richtung Abgrund führen. Eine Zeitung die mit Härte, unverblümt und von hervorragender Qualität aufklärt, wäre ein Segen für Linke, Bürgerlicher und jeden anderen, der endlich Wahrheit und Aufrichtigkeit will. Das ist der Zweck von Journalismus. Müller ist der Pispers unter den Blogs: Er trifft die Menschen da wo es wehtut. Der Freitag könnte das auch.

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Ehemaliger Nutzer 15.07.2012 | 18:44

@Jakob Augstein

„"Wir" sind zwar der Ansicht, dass wir das Problem verstanden haben (keine Schuldenkrise - sondern Krise des Finanzsystems) und die richtige Lösung kennen (staatliche Kontrolle / Verstaatlichung des Bankensektors; Änderung der politischen Koordinaten und dann EU-gemeinschaftliche Koordinierung von Wirtschafts- und Steuerpolitik) - aber man ignoriert einigermaßen, dass die Bundesregierung, die meisten Medien und der Großteil der Bevölkerung (inklusive 41% der Linkswähler, nach einer Forsa-Umfrage) das alles ganz, ganz anders sehen.

Dadurch wird die Kluft zwischen linker Analyse und beobachteter Wirklichkeit immer größer. Das ist ein Problem, damit müssen wir uns befassen.“

Das ist z.B. die Sache, die mich stutzig macht. Ich halte die Linke für eine völlig konzeptlose Mischpoke. Die linken Politiker reden zwar über die schönen Sachen, aber das sind Allgemeinplätze. Das Leben in diesem Land muss so aufgebaut werden, dass die Menschen keine Angst haben, sagte Kipping z.B. hier beim Freitag, usw., usf. Klar doch, wer hätte was dagegen? Aber ich sehe bei den Linken keine ernstzunehmende Analytiker und keine ernstzunehmende Theorien… man bezieht sich im besten Fall immer noch auf Marx und Luxemburg, so als wären 1,5 Jahrhunderten nicht vorbei. Und das mit der Änderung der Gesellschaft ist völlig Quatsch, denn, erstens, haben sie keinen blassen Schimmer, warum die Sachen in der Gesellschaft so sind, wie sie sind, und, zweitens, haben sie keine konkreten Vorstellungen, was für eine Gesellschaft sie aufbauen wollen. Man macht dicke Backen und redet über eine nicht kapitalistische Gesellschaft… ach so. Kann man einen nicht Apfel essen? Oder eine nicht Hose anziehen? Um irgendwo anzukommen, muss man wissen, wohin man geht und nicht was man verlassen will.

Und was dieses konkrete Beispiel mit der Krise des Finanzsystems betrifft (oben im Zitat)… um welche Analyse ist überhaupt die Rede? Was wird hier als Analyse bezeichnet? Man hat sich bei einem Bierchen unterhalten und ist zu einer gemeinsamen Meinung gekommen? Analyse heißt: Daten sammeln, mathematische Modelle aufstellen, mögliche Szenarien in Details entwickeln und mögliche Folgen durchrechnen. Wurde das alles gemacht?

Es wird staatliche Kontrolle/Verstaatlichung des Banksektors gefordert. Aha. Was/wer ist aber der Staat? Das ist die Bundeskanzlerin und ihr Ministerkabinett… sie sind aber von den Linken sooo sehr unbeliebt und sind für sooo viel Lobbyismus im Land verantwortlich, warum sollten sie jetzt plötzlich für Bankenkontrolle gut sein? Der Staat sind die korrupten Behörden, Bürokraten, die den Bürgern das Leben schwer machen. Der Staat ist ein völlig verdorbenes und verlogenes Justizsystem. Et cetera. Was sollte bitte schön die Verstaatlichung des Banksektors bringen? Wurden dazu irgendwelche wissenschaftliche Prognosen aufgestellt, irgendwelche Studien gemacht oder ist es nur so mal eine Meinung? So nach dem Prinzip: Jetzt läuft es nicht gut, versuchen wir es mal anders, vielleicht klappt es doch… und wenn nicht, dann eben nicht, wir haben für uns vorgesorgt, man verdient als Politiker so oder so gut, unabhängig von allen Finanzkrisen. An die Leiharbeiterfirma wird ja keiner von den Politikern geschickt, dafür gibt es Demos.

anne mohnen 15.07.2012 | 19:48

Sehr geehrter Herr Theel,

ich verfolge den Disput zwischen den Nachdenkseiten und JA auf Facebook und hier seit einigen Wochen.

Mir haben sich die Gründe für die Invektiven und Unterstellungen von Herrn Müller, resp. seiner Sprecherin nicht erschlossen. Das liegt eben daran, dass ich hier nicht nur die die Kolumnen von JA regelmäßig lese, wenn auch erst seit einem Jahr! Es sollte Ihnen dennoch nicht entgangen sein, dass ich meiner Lektüre den einen über anderen kritischen Kommentar habe folgen lassen. Sofern meine Einlassungen überhaupt von der Redaktion gelesen wurden, ist anzunehmen, dass sie nicht immer nur Freudentaumel bei den Betroffenen auslösten.

Dass A. Müller in vielen Punkten mit JA anderer Meinung ist, ist geschenkt. Was sich mir nicht erschließt ist die Frage, warum sich die Nachdenkseiten auf den Verleger einschießen?

Übrigens, bei allem Respekt vor Herrn Müller und seiner Arbeit, die NDS sind nun mal nicht meine bevorzugte Lektüre.

Damit ich es Ihnen einmal persönlich mitgeteilt habe: Ich orientiere mich an der SZ, der Zeit, leiste mir die Blöße, ein erzkonservatives belgisches Blatt – online- zu lesen, schon wegen des Adrenalinusschusses.( Auf Sie ist ja nicht immer Verlass ;-))))))) Außerdem bin ich noch Abonnentin christlicher Postillen, lese den einen oder anderen angelsächsischen Beitrag, vor allem jüdischer Provenienz- lLst but not least, den Freitag im Abo.

Auch wenn Sie dafür kein Verständnis haben, eine exegetische Auseinandersetzung mit den NDS führe ich hier nicht. Wieso auch. Die von JA gestellte Fragen sind letzendlich allgemein gefasst.

Salut

annemonen

PS. Kant hatte Witz!

Columbus 15.07.2012 | 19:50

Herr Steini,Ich schreibe Ihnen nicht vor, wie sie schreiben sollen, wollen und können, schreibe auch nichts zu Stilen (Soziolekt, parataktischer und/oder syntaktischer Satzbau, Einfügungen, Fremdworten und Fehlgebrauch derselben). Das ist mir, bezüglich dieses Forums und dieses Threads, ziemlich Wurst. Aber ich schreibe ja einen teilweise zustimmenden, meistenteils jedoch ablehnenden Kommentar zu Jakob Augsteins Blog. Mehr nicht. Ich denke mir beim Sprachniveau natürlich meist, an wen sich der Text richtet. Ich predige ja nicht, sondern antworte dem Verleger und Journalisten Augstein, so wie es andere hier auch halten und einige einfach nicht können oder wollen, weil sie sich als notorische Nerds, Krawallschachteln und Schlammbambeswerfer wohler fühlen und dafür leider auch noch Zustimmung erhalten. Ich bin auch nicht daran interessiert zu erfahren, wie, wo und womit Sie ihre Zeit verbringen. Warum sollte das Gegenstand eines Gesprächs beim dF sein, warum auch noch gerade in diesem Blog? Wenn schon, dann machen Sie ein eigenes Blog auf.Ich halte nichts von Beleidigungen und gar nichts davon, grundsätzlich persönlich werden zu wollen. In jeder öffentlichen Community die es derzeit in Deutschland gibt, tummelt sich ein Prozentsatz an Mitgliedern der sich gerade damit seinen Anteil an irgend einem persönlichem Gewinn erwirtschaften, indem sie über andere her fallen. Auch wenn ich fest überzeugt bin, dass diejenigen, denen ich den Vorwurf hier mache, dies gar nicht sehen oder sehen wollen, also einfach eine Ausblendung bei sich vornehmen.Ich teile auch nicht die Aufassung vieler Mitdiskutanten, Blogs und Threads hier beim dF seien der geeignete Ort, sich gegenseitig persönliche "Briefmarkenalben" (Ich setze in Anführungszeichen, weil dann hoffentlich jeder weiß, es ist im übertragenen Sinne gemeint) vorzuführen.Anders gewendet: Ich glaube schlichtweg, dass fast systematisch zu jedem beliebigen, öffentlich diskutierten Thema Bloggertypen und auch Journalisten auftauchen, -ich mache da keine Unterschiede was Formen und Inhalte, sehr wohl aber, was Haltungen und Aufgaben angeht-, die konsequent ohne Argumente auskommen möchten und stellvertetend dafür, immer lauter schreien, was sie von den vorgestellten Sachen, und vor allem von Personen halten. - Ich kann es nicht ändern, auch wenn ich das für einen saublöden, unfruchtbaren, gar zerstörerischen und zutiefst menschenfeindlichen Zug (meist ist es ja gewendeter Selbsthass, der die Leute veranlasst) halte. Bemerkenswert häufig taucht der fiese Zug in den Kommunikationsformen auf, die die größte Distanz zwischen den je Beteiligten herstellen (Bloggen und Kommentieren). Man tritt ungefragt und unaufgefordert näher und erklärt: "Du dummer Esel, kannst nicht schreiben, nicht lesen, nicht denken, nicht wissen, nicht argumentieren und bist auch noch erbbiologisch so, wie ich deine Verwandten einschätze. Auf dieser Ebene, es ist die Schwundstufe, bewegt sich das.

Distanz, nicht Nähe(!) ist heilsam, wenn es um Sachverhalte und Diskussion geht, aber leider wird sie nicht sehr häufig in diesem Sinne genutzt (Selbstzweifel, s.o., Augstein, meine Antwort, können zu der nötigen Distanz führen). Das lässt sich leicht an der gewählten Sprache erkennen. Noch einfacher: Es gibt Menschen die halten nicht einmal die einfachsten Grundregeln aus Kneipe und Alltag ein, wenn sie sich ziemlich sicher fühlen dürfen, niemand werde ihrem "Geschäft" ein Ende bereiten.Ein kleines bisschen ist es schon so, wie es früher für das Duell galt. Es gibt Leute, die haben wenig grundsätzlichen Respekt vor anderen Menschen und sind schon daher ganz einfach nicht satisfaktionsfähig. Die haben da einen notorischen Defekt, mögen sie sich noch so sehr mit ihrem digitalisierten Schmäh und der vielen Grantelei in Szene setzen.Manche mögen ja meinen, das Phänomen sei jung, Ausfluss der Tele- und Digitalmedien, dabei ist es aber nur die ewige Begleitstörung, von dem sich sachliche Argumente und sachliche Kritik nach einer Weile immer abzuheben beginnen. Bisher hielt sich das beim dF immer noch, im Vergleich zu andern Foren, in Grenzen.An der hier so offen zur Schau getragenen Nerdhaftigkeit und gelinde gesagt, rustikalen Denkungsart kann man sich erregen, ich tat es, mehr nicht.Schon psychologisch ist das Vorgehen Herrn GEBEs primitiv, weil Beschimpfung oder Verunglimpfung, das Argument mit Sippe und Erbe, niemals zu einer Verhaltensänderung oder einer substanziellen Antwort der so Angegangenen beiträgt, sofern das überhaupt je erwünscht war. - Was so im realen Leben nichts bringt, höchstens Abfuhren und eventuell auch einmal einen gebrochenen Zinken, das sollte man tunlichst auch beim Kommentieren sein lassen.Es ist eben eine gewisse Form des Sadismus, der Lust am Quälen, ob mit Worten oder Taten, die sich da digital verwrklicht. Das bleibt immer unproduktiv und macht hässlich. Zum verschachtelten Schreiben: Ja, ich glaube daran, dass das verschachtelte und redundante Schreiben etwas bringt, weil es nicht nur mehr Anforderungen stellt, sondern auch dazu zwingt, die eigenen Ansichten, die bei vielen Menschen nur so sprudeln, zu entschleunigen und zu ordnen.Wenn Sie was nicht verstehen, ein Fremdwort oder ein Argument, dann können Sie doch fragen! Ich erkläre es gerne und lasse mir auch gerne was erklären, wenn die goldenen Spielregeln eingehalten werden.

Wenn Sie also mehr entschleunigte Texte lesen wollen, bitte, Sie sind eingeladen. Davon gibt es, wenn auch derzeit mühsamer erschließbar (es soll sich ändern), eine ganze Menge, einschließich einer Unzahl guter Kommentare.Beste Grüße

Christoph Leusch

PS: Sie sehen, ich gebe mir Mühe.

Achtermann 15.07.2012 | 20:07

Hier ein Blick auf die Entwicklung des Journalismus in der Bundesrepublik und den USA. Vielleicht schafft das Lesen dieses 53-seitigen Textes ein wenig Distanz zu dem hier Diskutierten. Es handelt sich um einen wissenschaftlichen Aufsatz, der dem Spannungsverhältnis PR zu Journalismus nachspürt.

Ein Auszug:

Es ist ein schönes, ein idyllisches Bild – ein Bild, das uns von der pluralistischen Informationsgesellschaft und ihrem wichtigsten Akteur und Wächter, dem Journalisten, berichtet: Eben dieser Journalist sitzt in seiner Redaktionsstube; Verbände, Behörden und Unternehmen senden ihm Informationen zu. Er wählt aus, überprüft, recherchiert, ergänzt. Er ist korrekt, kritisch, unbestechlich.

Viele berufen sich bei der Diskussion um das Verhältnis von PR und Journalismus auf eben dieses Bild. Es ist der Maßstab im Plädoyer für ein sauberes Miteinander von PR und Journalismus. Denn geprüfte PR, so heißt es, sei nur eine Quelle von vielen, hilfreich statt gefährlich.

Dieser schöne Gedanke hat nur einen gravierenden Fehler: Die oben beschriebene Idylle ist weitestgehend dahin. In den vergangenen Jahren hat die PR massiv aufgerüstet, der Journalismus gleichzeitig abgerüstet. Die Öffentlichkeitsarbeit gefällt sich schon lange nicht mehr in der Rolle des informierenden Dienstleisters. Sie kolonialisiert den Journalismus.

Zunächst die Zahlen: In Deutschland versorgen 30.000 bis 50.000 PR-Mitarbeiter rund 48.000 hauptberufliche Journalisten mit Informationen. Während die Zahl hauptberuflicher Journalisten leicht rückläufig ist, hat sich die der Öffentlichkeitsarbeiter fast verdoppelt. Wie ein Blick in die USA zeigt, könnte sich dieses Verhältnis noch massiv zu Ungunsten des Journalismus ändern. Dort gab es bereits zu Beginn der neunziger Jahre rund 120.000 Journalisten und 162.000 PR-Mitarbeiter. Zehn Jahre später war die Zahl der Öffentlichkeitsarbeiter auf über 200.000 gestiegen. Auch für Deutschland wird vermutet, dass die Zahl der PR-Mitarbeiter weiter steigen wird.

Aber nicht nur zahlenmäßig hat die Öffentlichkeitsarbeit aufgeholt, auch die Methoden sind feiner geworden. Längst dominieren nicht mehr die plumpen Botschaften. PR ist journalistischer geworden – auch weil viele Journalisten die Seite gewechselt haben und genau wissen, was die Kollegen wünschen. So wandte sich beispielsweise der Verband der privaten Krankversicherungen im Sommer 2002 mit einem fertigen Drehbuch für ein Expertentelefon an zahlreiche Regionalzeitungen. Andere inszenieren Pseudo-Ereignisse, um die Mechanismen der Medienberichterstattung für sich zu nutzen.

Besonders geschickt im Zusammenspiel mit den Redaktionen ist die „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“, die im Oktober 2000 vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall gegründet wurde und als Lobby-Instrument neoliberaler Eliten in Unternehmen, Wissenschaft und Politik wirkt. Mit Hilfe der Initiative wollen sie wirtschaftsliberale Themen auf die Agenda setzen und einen wirtschaftsfreundlichen Klimawechsel in der Gesellschaft erreichen. Ihre Strategie zielt auf die öffentliche Meinung: „Wer am Ende die Herrschaft in einer Debatte erringt, dem winkt der höchste Preis – eine Politik nach seinem Gusto.“

Quelle: http://www.mediendisput.de/downloads/Getrennte_Welten.pdf

Uwe Theel 15.07.2012 | 22:04

Liebe Frau Neumann,

ich kann zwar Ihre Lektüreliste nicht groß als Antwort auf meine Frage an Sie ansehen, welche Bedrohung von Seiten eines mitgestaltenden Blogs oder allgemein linken Journalismus´ Sie in welcher Art auf den Freitag zukömmen sähen oder nicht, noch kann ich erkennen, in welcher Weise Sie damit oder sonstwie nun JA widersprechen oder zustimmen, aber ich wünsche Ihnen trotzdem angenehme Lektüre, die, wie gesagt absolut nicht mein Thema, gar Gegenstand meiner möglichen Kritik war.

mfg

ut

Lapis 16.07.2012 | 02:03

Herr Augstein besitzt die Gabe, seine Texte derart verklausuliert und uneindeutig, teilweise mit sich widersprechenden Aussagen zu füllen, dass häufig sowohl unterschiedliche Seiten sich bestätigt oder abgestoßen fühlen können, als auch eine Vielzahl der Leser (mich eingeschlossen) den eigentlichen Sinn nicht erfassen.

In diesem Falle also eine weitere Replik auf die deutliche Kritik von Herrn Müller an JA, getarnt als tiefgründige Analyse der Rolle des (seines) Journalismus.

Sinnigerweise verzichtet Augstein diesmal auf unangemessene Vergleiche; stattdessen garniert er dieselben Anwürfe mit vergifteten Komplimenten ("Die Nachdenkseiten, die ich gerne und oft lese","legitim und erfüllt einen wichtigen Zweck. Ich schätze solche Autoren auch sehr, weil man sich auf sie verlassen kann.").

Es ist dann aber doch wieder nur eine Schmährede geworden, in der Augstein sich selbst in der Rolle des ewig zweifelnden Reporters sieht, immer im Zwiespalt von Wunsch und Wirklichkeit, denn zu seinem Journalismus gehört

"das Zweifeln, das Fragen, das Suchen, die Kritik - auch die an der eigenen Überzeugung. Für mich ist das eine Frage des Handwerks. Des Ethos. Aber nicht nur. Es ist nicht nur Selbstzweck.",

während Ihm die NDS als "gutes Beispiel" dafür dienen, all diese Eigenschaften offenbar nicht zu haben, denn stattdessen stehen sie für

"eine Art von Publizismus, die ich selber nicht machen möchte. Hier geht es darum, vor der eigenen Gemeinde zu predigen. Es geht nicht mehr darum, mit Argumenten zu überzeugen, sondern darum bereits Vereinbartes jeweils neu zu bestätigen. Und es geht darum, Recht zu haben und zu behalten.".

Das zeugt nicht unbedingt von der eigenen Dialogbereitschaft und der Fähigkeit zur Selbstkritik.

Wenn ich die Thesen von JA richtig interpretiere, sieht er auch verschiedene Gruppen von Lesern, nämlich diejenigen, die sich:

–in ihrer Meinung bestätigt fühlen wollen

–zum Kreis der ""Erleuchteten" gehören wollen

–wissen wollen, wie die "andere" Seite denkt

–unentschlossen sind und nach Orientierung suchen.

Das ist natürlich nicht falsch, obwohl die Liste sicher nicht komplett ist. Warum diese Leser aber angeblich zwei verschiedenen und vollkommen gegensätzlichen Gruppen angehören sollen, die entsprechend bedient werden müssten, erschließt sich mir nicht. Genausogut könnten es auch eine, drei oder vier Gruppen sein. Dieses platte schwarz-weiss Denken wird der Realität nicht gerecht und bestätigt einmal mehr die Diskrepanz zwischen eigener Wahrnehmung, Anspruch und Wirklichkeit.

Auch die steile These, das Publizieren einer kritischen und vom Mainstream abweichenden Meinung erreiche aufgrund dieser Eigenschaften keine ausreichende Öffentlichkeit, führt dann also zu welchem Umkehrschluss? Für mich klingt das wie die Einstellung eines "Realos" (um es mal euphemistisch auszudrücken) im übelsten Sinne.

P.S.: Warum Ihr Appell in der SPON-Kolumne (Frau Merkel müsse selbstlos, dem Beispiel Schröders bei der Umsetzung der Hartz4-Gesetze folgend, ohne Rücksicht auf den möglichen Verlust ihres Amtes Europa und den Euro zu retten), jetzt auf einmal eine "Merkel-Berichterstattung" war, ist mir ebensowenig klar wie die Behauptung, Herr Müller habe sich in Gauck getäuscht und müsse jetzt seine Fehleinschätzung eingestehen. Hätten Sie da mal ein Beispiel? Vielleicht weil Gauck beklagt hat, dass unsere glückssüchtige, hedonistisch Gesellschaft sich partout nicht voller Stolz und Anerkennung unserer Auslandskrieger erfreuen will, bloß weil ein paar auch mal als "Gefallene" heimkehren? Oder war es eher die knallharte Kritik an Merkel, sie müsse auch mal erklären, was sie macht? Oder die Relativierung, wer oder was eben nicht "zu Deutschland gehört"? Oder die Umformulierung der von Merkel geäußerten "Staatsraison" gegenüber Israel, nur um im folgenden Interview die inhaltliche Deckungsgleichheit mit der Merkelschen Maxime zu bestätigen?

Sisyphos Boucher 16.07.2012 | 11:12

Irgendwie finde ich es lustig, dass soviele hier über das Stöckchen springen, das ihnen von Jakob Augstein hingehalten wird. :-D

Nebenbei fällt mir auf, dass die meisten User hier nur zu jenen Themen Stellung nehmen, die ihnen Futter zum Kotzen liefern. Gleichzeitig machen viele aus der Community sympathische Alltagstexte im Freitag nieder oder ignorieren sie geflissentlich.

Statt Diskussion mit gemeinsamen Zielkoordinaten pflegt ein Großteil hier den Streit um des Streitens Willen. Das langweilt! :-(

Uwe Theel 16.07.2012 | 11:52

Gehrter Sysiphos,

ich bitte differenziert zu lesen:

in diesem Blog werden Gedanken kritisiert, die die journalistische Ausrichtung des Freitag betreffen, wie sie JA reflektiert. Nachdem das phantastische Angebot des Verlegers besteht, im Rahmen einer zu entwickelnden Verzahnung von FC und Redaktion hier einen neues Projekt von Journalismus auf den Weg zu bringen, ist das ein völlig logischer und legitimer Vorgang.

Von niemanden, außer von einigen fc-feindlichen Trollen wurden hier die bisherigen Beiträge aus und in der FC unsachlich kritisiert oder gar niedergemacht.

Inwieweit JA und/oder Radaktion und beteiligte Blogger durch den verzahnten Blog einen gefahr für den "professionellen" Journalismus des Freitag sehen, ist durchaus eine zu diskutierende Frage, die aber, soweit ich es überblicke bisher im Blog - natürlich auch mit allen blogspezifischen Defiziten versehen - offen geführt wurde. Hier aktuell eine "endgültige Entscheidung" zu erwarten hieße der angestrebten Entwicklung schon eine Richtung zu geben, die so noch gar keine Zeit und Praxis gehabt hätte konkret formuliert und ausprobiert zu werden, um sich zu bewähren.

ut

Lethe 16.07.2012 | 12:03

mir würde es in erster Annäherung beinahe schon genügen, wenn sich Journalismus um saubere Handwerklichkeit bemühen wollte. Dazu zähle ich

1) eindeutige Kennzeichnung eines Fakten-Bereichs, in dem NUR reine, verifizierbare Fakten dargestellt werden, ohne jegliche Interpretation. Das impliziert den Verzicht auf jeglichen tendentiösen, intentionalen Sprachgebrauch, etwa durch suggestive Wortwahl

2) Darlegung dessen, welche Fakten aus der Gesamtheit der geschilderten Situation ausgewählt wurden, und warum der Rest der Fakten weggelassen wurde

3) eindeutige Kennzeichnung eines Deutungs-Bereichs, in dem AutorIn seine Deutung der Fakten präsentieren kann

4) Deutungsalternativen

5) Darlegung des gewählten Deutungshintergrundes, Erwähnung möglicher anderer Deutungshintergründe

Diese Liste ist sicher nicht vollständig, wäre aus meiner Sicht aber schon mal ein erster Ansatzpunkt dafür, journalistische Darstellungen von dem Generalverdacht zu befreien, durch Manipulation der Wahrnehmung auf unlautere Weise undurchsichtige Interessen bedienen zu wollen. Es darf bezweifelt werden, dass irgendein Journalist die Notwendigkeit dazu einsehen wird. Wes Brot ich ess, des Lied ich sing. Im Moment ist es eher so, dass Journalisten die gleiche Art von Narrenfreiheit genießen wie Politiker auch: Eingebunden in ihre professionellen Zwänge, dürfen sie zum Ausdruck bringen, was sie wollen; sie erreichen damit nur noch unreflektierte Idioten. Es steht zu befürchten, dass es dabei bleiben wird, links, rechts, in der Mitte und kunterbunt.

Joachim Petrick 16.07.2012 | 16:51

siehe:

https://www.freitag.de/autoren/joachim-petrick/jakob-augstein-und-albrecht-mueller-fightenJoachim Petrick16.07.2012 | 16:37Jakob Augstein und Albrecht Müller fightenJournalismus Die Freitag Frage "Ist Albrecht Müller mit seinen NachDenkSeiten (NDS) Prediger oder Lobbyist für einen Journalismus im guten Sinne, wenn ja, was ist dann der Freitag?"Kampf in atonalen Dissonanzen", Jakob Augstein versus Albrecht Müller?Jakob Augstein und Albrecht Müller fighten, wer wohl am besten sänge?

Joachim Petrick 16.07.2012 | 16:53

https://www.freitag.de/autoren/joachim-petrick/jakob-augstein-und-albrecht-mueller-fightenJoachim Petrick16.07.2012 | 16:37Jakob Augstein und Albrecht Müller fightenJournalismus Die Freitag Frage "Ist Albrecht Müller mit seinen NachDenkSeiten (NDS) Prediger oder Lobbyist für einen Journalismus im guten Sinne, wenn ja, was ist dann der Freitag?"Kampf in atonalen Dissonanzen", Jakob Augstein versus Albrecht Müller?Jakob Augstein und Albrecht Müller fighten, wer wohl am besten sänge?

weinsztein 17.07.2012 | 02:48

Diesen Beitrag Jakob Augsteins habe ich leider erst jetzt enteckt und den Kommentarverlauf sehr amüsiert gelesen.

Mir scheint, der Herausgber verabschiedet sich ganz langsavom Freitag.

Liebe Grüße an @Goedzak und @Uwe Theel. Danke! Ich stimme Euch zu.

Und ganz spezielle Grüße an Herrn Steini, der sich einst mit allerlei Spektakel hier verabschiedete und dann half, ein gegen den Freitag gerichtetes Gesocksforum zu errichten. Dort schreibt er nun unter mittlerweile 15 Nicks. Und hier auch.

Auch solchen bedauernswerten Schicksalen sollte sich der Freitag widmen!

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Ehemaliger Nutzer 17.07.2012 | 09:36

Kann man die Nachdenkseiten irgendwann weglassen? Ich schaue mich auf dieser Plattform höchstens 2 Mal im Jahr um... und es fängt langsam an zu nerven, dass hier beim Freitag seit Wochen diese Nachdenkseiten unter die Nase gerieben werden. Ich dachte, in diesem Thread geht es um den Freitag. Zwar hat Augstein selbst damit angefangen, in seinem Blogtext die Vergleiche mit NDS zu ziehen, aber irgendwann reicht es ja auch.

Joachim Petrick 17.07.2012 | 10:53

"...Zwar hat Augstein selbst damit angefangen, in seinem Blogtext die Vergleiche mit NDS zu ziehen, aber irgendwann reicht es ja auch"Das habe ich auch zuerst gedacht und mich gefragt, warum räumt Jakob Augstein den NachDenkSeiten und da insbesondere Albrecht Müller, ohne für mich erkennbare Not, bei der anschwellenden Debatte über die Konzeption und Ausrichtung des Freitag einen so hohen Stellenwert ein?Inzwischen denke ich da anders und erkenne, dass jeder für sich, Jakob Augstein hier, Albrecht Müller da, in ganz besonderer Weise ausgeprägt, für eine bestimmte Vorstellung von Journalismus stehen.Während Albrecht Müller mutmaßlich aus der Tradition von Parteizeitungen, wie dem gewerkschaftsnahen "Vorwärts" der SPD zu schreiben gedenkt, strebt Jakob Augstein n. m. E., politisch- kulturell breiter aufgestellt, mit dem Freitag danach, ohne Ansehen von Parteien, Gewerkschaften, Verbänden, Kirchen, Stiftungen einer investigativen Empörungskultur, schreibend, redend, Raum und Sendezeit zu akquirieren.Insofern halte ich jetzt Vergleiche zwischen dem Freitag und den NachDenkSeiten, vom Grundsatz her, im genannten wie kommunizierten Zusammenhang der konzeptionellen Findungssuche des Freitag und seiner Community für zielführend

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Ehemaliger Nutzer 17.07.2012 | 11:03

@Jakob Augstein

„Ich bin Reporter. Ich bin immer im Zwiespalt, ob ich die Dinge beschreiben soll, wie ich sie sehe - oder wie ich sie gerne hätte.“

Ich habe verstanden, worauf sich „wie ich sie gerne hätte“ bezieht, aber ich möchte es jetzt in einem anderen Aspekt ansprechen. Das mit Reportertätigkeit ist zweifelsohne sehr wichtig und muss auf jeden Fall sein. Aber was ist mit den Dingen, so wie sie man gerne hätte? Also mit Zukunftsvisionen? Es wäre interessant, Ihre Meinung dazu zu erfahren, ob das für Ihre Zeitung relevant wäre. Denn, ich halte es für ebenso wichtig wie z.B. Reportertätigkeit, und zwar aus folgenden Gründen: Die Visionen sind der Anfang der Realität. Am Anfang war das Wort… und das muss so buchstäblich verstanden werden. Die Worte beschreiben die Welt nicht (oder zumindest nicht nur), sondern sie schreiben die Welt. Sie geben die Richtung unserer Energie, unserem Tun, unserer Weltordnung. Und die Gedanken an sich haben eine schöpferische Kraft. Hätten Brüder Strugatzki seine Bücher nicht geschrieben, wäre die Welt in Russland jetzt anders. Schlimmer. Grauer. Hoffnungsloser. Vielleicht gäbe es gar keine Perestroika und Russland wäre unter einer weiteren Welle der Diktatur vernichtet. Denn diese Bücher haben die menschen zum inneren Widerstand und zum Menschsein erweckt. SciFi? Fantasien? Als ich in tiefe Verzweiflung fiel und weiß Gott nicht weit vom Selbstmord war und als ich dann von diesen Büchern aufgefangen wurde, waren diese Fantasien für mich real. Und es wird mich kein Stück wundern, wenn die Menschheit im 22. Jahrhundert genau so leben wird, wie Strugatzki es beschrieben haben. Denn es haben sich so viele Menschen so sehnsüchtig so ein Leben gewünscht, dass es irgendwie nur logisch wird, wenn diese Gedanken sich verwirklichen.

Also: Was ist mit Visionen? Sie fehlen! Die Linke behauptet, sie wolle eine nicht kapitalistische Gesellschaft. Ich finde das Verhältnis zwischen der Linke und dem Kapitalismus grundsätzlich falsch, aber das ist jetzt nicht das Thema. Die Frage ist, WELCHE Gesellschaft will die Linke denn? Wo sind die Visionen? Wo sind die Worte, die am Anfang wirken sollten? Wo soll es hingehen? Wie ist die Richtung?

Ich habe auf der Blogplattform von Bundeskanzlerin eine Einladung zu einem Wettbewerb gelesen, die Texte darüber zu schreiben, wie man die Welt im 2050 haben will bzw. wie die Welt sich bis zum 2050 entwickeln sollte. Ich habe die genaue Formulierung jetzt nicht im Kopf und keine Zeit, um den entsprechenden Link zu suchen, ist schon eine Weile her (kann es aber auch machen, wenn es wichtig ist, ich habe den Link in irgendeinem Ordner gespeichert). Ich fand es aber daneben, dass so etwas als Wettbewerb gestaltet wird. Wenn schon, dann sollte es einen freien Meinungsaustausch sein, ohne den Leistungsdruck und ohne Konkurrenz. Außerdem waren da viele begrenzende Bedingungen aufgestellt, z.B. es durften nur die Leute bis zum 35. Lebensjahr die Texte einreichen. Klar, mit 36 ist man für die Zukunftsvisionen zu blöd oder so. Aber ich fand es schon sehr positiv überraschend, dass im Kanzleramt solche Gedanken überhaupt entstehen.

Warum macht der Freitag sowas Ähnliches nicht? Man könnte viele Projekte auf diese Art und Weise in Gang bringen. Sie wollten WIRKUNG, Herr Augstein? Also bitte. Sie öffnen ein Projekt „Wir schreiben Blogs über die Zukunft“ oder so Ähnliches (die Redakteure dürfen selbstverständlich auch schreiben, wenn sie wollen, aber ohne Privilegien, sondern genau wie andere Blogger), drücken diese Texte ggbf. Im Print, wenn sie der Abdruck der Community für wichtig halten (aber wenn schon, dann alle Texte, kein Wettbewerb!), vor allem aber: Sie laden alle (kein Wettbewerb!) Teilnehmer des Projektes zu einer offline Diskussion beim Lagefeuer ein oder so Ähnliches.

Vielleicht wird daraus nichts und es kommen 2,5 Langweiler. Okay, dann wurde es halt probiert. Vielleicht wird daraus eine interessante Diskussion und es entstehen ein paar Freundschaften, die ein paar Leben verändern oder ein paar Leuten Mut geben. Das ist auch schon mal was. Vielleicht werden aber daraus viele interessante Diskussionen, aus denen eine RICHTIGE Partei entsteht, mit einem RICHTIGEN Konzept. Schmetterlingseffekt, gell? Alles beginnt damit, dass man einen richtigen Schmetterling findet und ihn dazu bringt, in einem richtigen Moment mit den Flügeln zu schlagen.

Überhaupt, es wären alle Texte darüber interessant, wie man die Gesellschaft ändern kann, sei es reine Fantasien über weit entfernte Zukunft oder konkrete realistische Vorschläge zu konkreten Themen.

Sie fragen, wie man die Dinge beschreiben soll, wie man sie sieht oder wie man sie gerne hätte? Beides! Und noch viel mehr!

thinktankgirl 17.07.2012 | 11:31

ZU WELCHEM ZWECK BETREIBEN WIR JOURNALISMUS?

Das ist sehr einfach zu beantworten:

Berliner Pressegesetz

§ 3 Öffentliche Aufgabe der Presse.

(1) Die Presse erfüllt eine öffentliche Aufgabe.

(2) Die Presse hat alle Nachrichten vor ihrer Verbreitung mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf Inhalt, Wahrheit und Herkunft zu prüfen.

(3) Die Presse nimmt berechtigte Interessen im Sinne des § 193 StGB wahr, wenn sie in Angelegenheiten von öffentlichem Interesse Nachrichten beschafft und verbreitet, Stellung nimmt, Kritik übt oder in anderer Weise an der Meinungsbildung mitwirkt.

Pressekodex

Ziffer 1 - Wahrhaftigkeit und Achtung der Menschenwürde Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse.

Funktionen der Massenmedien

Unter Funktionen der Massenmedien versteht man die Aufgaben, die den Medien in einer demokratischen Gesellschaft zugeschrieben werden, sowie die Leistungen, die die Medien für die Gesellschaft und ihre Mitglieder erbringen.

[...]

So sorgen die Massenmedien dafür, dass die Menschen die wirtschaftlichen, sozialen, ökologischen und politischen Zusammenhänge begreifen, die Demokratie verstehen und über Politik so unterrichtet sind, dass sie selbst aktiv daran teilnehmen können.

Aus der Informationsfunktion leiten sich verschiedene Forderungen an die Massenmedien ab. Sie sollen sich um Vollständigkeit bemühen, sodass alle Interessengruppen innerhalb der Gesellschaft zu Wort kommen können. Zudem sollen sie objektiv und verständlich berichten, sodass Ereignisse und Probleme auch für nicht sachverständige Bürger einsehbar dargestellt werden.

Unterstreichungen und Hervorhebungen sind von mir.

Die Presse kommt diesen Aufgaben nicht mehr nach. Albrecht Müller versucht die Lücke zu füllen.

ch.paffen 17.07.2012 | 14:38

@ JA - danke! (für diesen blog) feiner lesestoff

@ all - danke! (für die 202 kommentare zum blog und zu den kommentaren) teilweise feiner lesestoff - wobei ich hier jedoch offenheit bzw. respekt für "dissidente kommentare/beiträge" aktiv einfordern möchte (na ja, eigentlich muss) * open mind @ all – ist für mich in einer community so etwas wie ein "grundrecht" *

feinen resttag noch cp

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Ehemaliger Nutzer 17.07.2012 | 15:23

Ich weiß nicht, wie es Anderen geht. Von denen, die sich hier zu Wort gemeldet haben, haben sich die Wenigsten (soweit ich es überblicke) zum heimlichen Thema der Woche (Zirkum.. usw.) ausführlich gemeldet. Wenn ich Augsteins Text diesbezüglich einmal lese, kommt er mir - in Teilen - plötzlich so verdammt richtig vor. Und das ist schade, irgendwie..

thinktankgirl 17.07.2012 | 15:38

Von denen, die sich hier zu Wort gemeldet haben, haben sich die Wenigsten (soweit ich es überblicke) zum heimlichen Thema der Woche (Zirkum.. usw.) ausführlich gemeldet.

Ehrlich gesagt, interessiert mich die Beschneidung herzlich wenig, solange die demokratischen Rechte der Europäer abgeschafft werden sollen, das soziale Netz gekappt wird, um "systemrelevante" Banken zu retten.

Da bleibt mehr auf der Strecke, als ein Stück Vorhaut.

Uwe Theel 17.07.2012 | 15:55

Lieber XXM,

dieses hier ist ein Blog bei einer Zeitung, und so wie in der Zeitung nicht jeder Redakteur zu jedem Thema schreibt, braucht nicht jeder Blogger zu jedem Thema einen Kommentar oder Text zu schreiben.

Ich für meinen Teil, jedenfalls habe nicht einmal die Zeit "alle" Blogexte jeden Tages zu lesen - obwohl deren Zahl und Länge der Threads seit dem Relaunch deutlich abgenommen hat. Kompetent bin auch ich nicht in "allen" Feldern und ein "heimliches" Thema der Woche, muß nicht für jeden gleichermaßen gelten, ohne, dass er damit ein Ignorant wäre.

Wenn Du in diesem Zusammenhang JA recht gibst, dann machte das auch nur Sinn, wenn Du damit unterstelltest, dass die, die beim Thema Beschneidung geschwiegen haben "linke Prediger" seien, denn nur vor denen hat JA gewarnt, allerdings vor deeren nicht schweigendem Teil. Ich glaube nicht, dass Du in diesem Sinne glaubtest, dass JA recht hätte. - Du sagst allerdings nicht in welchem denn dann?!

mfg

ut

P.S.: Meinen Frau meint übrigens, ich verbrächte öfters zuviel Zeit mit der FC ;-).

thinktankgirl 17.07.2012 | 16:23

...da ist es ja schon ein Glück, dass nicht jede/r die freie Presse für seine Zwecke instrumentalisieren kann, so sehr er/sie es auch möchte.

Guckste hier:

Oftmals gelten Presse oder (Massen-)Medien in Demokratien als Vertreter des Volkes, legitimes Sprachrohr der politischen Meinungs- und Willensbildung. In Wirklichkeit nehmen jedoch mächtige Akteure (z. B. Regierungen, Großunternehmen, Parteien) durch professionelle Öffentlichkeitsarbeit (neudeutsch: PR von engl. public relations) regelmäßig mehr oder weniger verdeckten Einfluss auf die Berichterstattung. Dadurch gelingt es ihnen bisweilen, die „Volksmeinung“ zu fälschen oder gar zu „fabrizieren“. Aus solchen Erfahrungen speist sich ein weit verbreitetes Misstrauen gegenüber der „Vierten Gewalt“, das sich im Volksmund (z. B. Unterscheidung zwischen „öffentlicher Meinung“ und „veröffentlichter Meinung“) ebenso wie in zahlreichen Buchtiteln (Die manipulierte Öffentlichkeit[5], Manufacturing Consent[6]) niederschlägt. Der Begriff "Vierte Gewalt" dient in diesem Zusammenhang dazu, eine von der Verfassungstheorie abweichende negative Verfassungswirklichkeit anzuprangern.

Siegfried Weischenberg: „[…] die öffentliche Aufgabe, die [der Journalismus] nach höchster Rechtsprechung wahrnehmen soll, [ist] inzwischen mit der Lupe [zu] suchen. Im gesamten Journalismus wird zunehmend mehr die Kritikerrolle zur Disposition gestellt. Die Krise des Journalismus […] erweist sich vor allem als Krise seiner Kritikfunktion; sie wird obsolet, wenn die Distanz fehlt und die Relevanz sowieso. Dies gilt schon traditionell für den strukturell korrupten Motor- und Reisejournalismus sowie einen Teil der Wirtschaftspublizistik. […]“ Bezahlte Journalisten seien, um ihre immer knappere Arbeit zu behalten, wegen der Einschaltquoten und der Werbung-Abhängigkeit, tendenziell wie in der PR mehr am Mainstream orientiert. Unabhängiger Fach- und Bürgerjournalismus sei investigativer.

Uwe Theel 17.07.2012 | 16:27

Keiner weiß mehr als Nicklos: Wer würde hier irgendjemanden für irgendetwas instrumentalisieren wollen: XXM, wenn er ein anderes Thema für zu wenig kommentiert hält, oder JA, wenn er, wenn auch am für mich falschen Beispiel eine dort nur unterstellte Art von Journalismus kritisiert und indirekt mindestens einen anderen für sein Blatt fordert?

Intelligenter sollte die Mission schon Inszeniert sein.

anne mohnen 17.07.2012 | 17:23

Sehr geehrter Herr Theel,

die von Herrn Augstein aufgeworfenen Fragen, für wen, warum und weshalb Zeitungen gemacht werden sollten, sind doch kein genuin linkes Problemfeld. Das war es nie und wird es nie bleiben: Kritik zu üben, sie erwähnten Kant, ist ein aufklärerischer Anspruch. Sich zu fragen, ob dieser Anspruch noch Geltung hat und wenn ja, ob, in diesem Falle „links“ dem gerecht wird, unterliegt doch einem nicht abschließbarer Prozess.

Ich habe aus diesem Grund auch den Jens Artikel über Springer herangezogen. Abgesehen davon, dass ich ihn für einen der intelligentesten Statements zum 100. von ACS und dem sechzigsten von BILD halte, zeigt Jens, für mich sehr überzeugend, dass das Verständnis von Springers Vorstellungen von Journalismus nicht nur begrenzt ist, sondern auch seine Grenzen hat, die aber aus dem Blick geraten, auch weil sie durch nicht minder laute vermeintlich „harte Kritiker“ durch Überbewertung des Gegners nicht nur nicht zur Kenntnis genommen werden, sondern meinen Schlussfolgerungen nach, den Mythos Springer und BILD mit am Leben halten, und dies zum Wohle von Springer: Denkmalspflege im Gewande von Denkmalssturz. Sollten Sie die üblichen Debatten hier in dFC, zuletzt zum Springerjubiläum, verfolgt haben, sogar daran beteiligt gewesen sein, dürfte Ihnen nicht entgangen sein, dass ich mich aus eben diesen Gründen an falsch verstandener Denkmalpflege oder fiktiver Gegnerschaften nicht beteiligt habe.

Die Angelegenheit auf links zu reduzieren, mag zwar Ihrem Drang nach Themenhoheit entsprechen, zielt aber an der Wirklichkeit vorbei!

Nichtsdestotrotz macht es Sinn, im Zuge der gestellten Fragen daran zu erinnern, dass lauter, schriller Journalismus sich angesichts der Kakophonie des Internets verliert. Skandle, Sensationen liefert das Heer der Netzgänger aus freiem Antrieb und für lau. Informationen transportiert das Netz auch schneller und weniger selektiv, jedenfalls für die, die Kunst der Recherche beherrschen. Dafür braucht es keine Zeitungen mehr, und dies ist ja auch der Grund, warum BILD sich seriöser gibt, meinetwegen sogar seriöser geworden ist.

Wenn Sie Kant in den Ring werfen, dann beantworten sich die Fragen doch von selbst. Der Name Kant (Rousseau wurde hier ja unlängst auf Gartenzwergniveau gestutzt), geschweige sein Ringen um Öffentlichkeit, seine Diskussion über die Legitimation von Öffentlichkeit dürfen aktuell in China noch nicht einmal hinter vorgehaltener Hand fallen. Die Entwicklungen in Russland sind nicht minder besorgniserregend.

Also, die Entwicklung in der Eurozone dieses Gerede von Alternativlosigkeit und dem damit einhergehenden Versuch, Demokratie auszuhebeln, ist dies kein Thema, das allein wegen seiner Brisanz jenseits der üblichen Demarkationslinien diskutiert werden müsste, hm? Da vermisse ich auch bei den NDS die Einsicht, sorry.

Lohnt sich kein kritisches Hinterfragen, warum z.B. Wulf Schmiese Diener zweier Herren ist, resp. von FAZ und ZDF. Auch abseits von BILD und Springer, NDS lassen sich kritische Fragen an die Unabhängigkeit bzw.die Notwendigkeit von Medien und Medienmachern stellen!“

Ihre Behauptung, ich unterstütze mit der Anspielung auf den Vorjahresbeitrag von Augstein, dessen - von Ihnen unterstelltes - Bedürfnis nach Journalismus als Amüsement, ist in mehrerlei Hinsicht abstrus. Doch selbst, wenn Sie recht behielten, stellte sich nach wie vor die Frage, ob die Stimme des Verlegers allein schon den Ton der Zeitung ausmachte.

Also, kann es sein, dass Sie, leider mal wieder, ihrem Drang nach Abwertung aufsitzen. Niedlich ist es allerdings, wenn Sie dann nach der Redaktion rufen und um Hilfe bitten!

Schönes Auslegen

annemonen

Uwe Theel 17.07.2012 | 17:56

Liebe Frau Neumann,

danke für Ihr Antwort,

der ich mehr entnehmen könnte, wenn Sie nicht immer sosehr darauf bestünden, mir genau die Momente zu unterstellen, die Sie als im - meinentwegen - "falschen" Sinne für links erklären, ohne dabei Belege anzuführen, dies dann auch noch als unterstützendes Argument für JAs Text "rüberkommen" lassen.

Ich habe Ihnen ehrlichen Herzens Vergnügen bei der Lektüre der z.B. FAZ gewünscht, und was kommt in Ihrer Antwort zurück?

Bemerken Sie immer noch nicht, dass ich JA nicht ankreide, dass er vor hat, "irgendwie" bürgerlichen Journalismus zu machen - es ist "seine" (bürgerlicher Besitzindivudualismus) Zeitung. Allerdings mag ich ihn kritisieren dafür, dass er das - auch nur "irgendwie" - als links ausgibt. Ich leugne nicht, dass auch bürgerliches Bewußtsein aufklärerisch sein kann, eben Kant ist dafür ein Beispiel, aber der Freitag wollte und Augstein schien einmal mehr zu wollen: Die Weiterentwicklung bürgerlich-kapitalistischer Gesellschaft im Sinne deren demokratischer Überwindung, mindestens die publizistischen Arbeit dazu.

Nicht nur ich empfinde, dass er diesen Anspruch mehr als nur anscheinend zurückgenommen hat.

Ansonsten, es tut mir leid, brauche ich mit Ihnen nicht von Ihnen vorgegebene Erscheinungen des Journalismus diskutieren, denen ich mich nicht zugetan fühle und von dennen ich auch nicht sehe, dass sie konstituiv für die FC wären, noch sehe ich derartige Einflußnahme von sonstiger Seite auf die FC.

Linkes Bewußtsein oder Praxis mit Ihnen zu diskutieren, fällt mir schwer, es mir vorzustellen, solange Sie, ganz im Sinne von Augstein, da immer sofort den Begriff Sendungsbewußtein (des Predigers) fallen lassen und - was kein endgültiges Hindernis ein müsste - bereits einmal zugaben, keine Kennerin linker Theorie (und ?Praxis) zu sein.

I`ll be around.

mfg

u.t.

iDog 17.07.2012 | 18:24

Lieber Herr Augstein, mir kommt dieser Artikel aber auch wie ein Sermon vor - komisch.

Schreibt nicht jeder, ob nun journalistisch oder wie auch immer, am besten so, wie er die Dinge sieht ? Gerade das ist doch gesellschaftlicher Diskurs mit Mut zur Lösung aus dem Dissens und mit Mut zur Debatte.

Die Realität, die Welt ist nun mal jedem eine persönliche - von dem Anspruch der relativen Objektivität des Blickwinkels, eines so genannten journalistischen gar, sollte man sich hüten. Journalismus ist meistens bezahlte Arbeit, also Serviceleistung am Finanzier des medialen Endprodukts - kapitalistischer Produktivismus sowieso.

Ein eingebildeter ideologischer Konsens (Demokratie?) oder ein erfahrbares ideologisches Dogma (hierarchische Gesellschaftsstruktur) und noch vieles mehr von der Märchengläubigkeit bis zum Fanatismus sind Teil der selben als Realität bezeichneten komplexen Wahrheit. Jounalismus ist eine versuchte Einflussmahme auf die mehrheitliche Deutung, auf das "Nachdenken" dieser vermeintlichen Deutung / Wahrheit - wahr ist was man glauben machen kann. Wäre es nicht so vorteilhaft, anderen etwas glauben zu machen (um deren und so die eigene Realität zu beeinflussen), gäbes es keinerlei Motivation mehr zu dem, was wir heute Journalsimus nennen.

Der Mythos vom wahren und ethischen Journalismus ist so alt wie die Lüge selbst, so alt wie die Hoffnung, dass die Verbreitung der Texte und die Alphabetisierung nach Gutenberg die Macht- Wissens- und Verantwortungserhältnisse ändern werden.

Journalitische "Meinungen" und "Kommentare": geschenkt - Quellen und Quellenprüfung, also beweisbare Tatsachen, darum wird es wohl gehen. Wir bekommen sie meist nicht zu sehen ... Journalismus verhindert es professionell. Spätestens seit wir Noam Chomsky studiert, gehört ... haben, zumal seine Studie zu Barneys, wissen wir wie "Tatsachen" behandelt und/oder erzeugt werden - von Journalisten.

... dem entsprechend die These : die Fürsprecher einer egalitären Gesellschaft sind keine Journalisten, sondern eben Fürsprecher eines anderen gesellschaftlichen Vesuchs, Propheten im eigentlichen Sinne von Vordenkern ... eine egalitäre Gesellschaft braucht keine Journalisten!

Und nun noch zum Artikel direkt bzw. zu einer merkwürdigen Paranthese des Artikel abseits seines Themas:

"Wir [...] die richtige Lösung kennen (staatliche Kontrolle / Verstaatlichung des Bankensektors; Änderung der politischen Koordinaten und dann EU-gemeinschaftliche Koordinierung von Wirtschafts- und Steuerpolitik) .... "

Wie kommen Sie um Himmels willen darauf, dass das "die richtige Lösung" sein könnte. Und wer ist denn "Wir" ? Ich gebe zu bedenken, dass dies unter kritischeren Köpfen ( auch hier im DF) nicht als "die richtige Lösung" angesehen wird - und eine "linke Position" ist es auch nicht unbedingt, wenn man überhaupt davon ausgehen kann, dass eine "linke Position" existiert.

Existiert eine linke Position - welche ist sie in diesem Bezug? Was sollte ein Staat mit den privaten Pleitebanken schon anfangen .... ? Sterben die nicht besser ganz von alleine aus anstatt ständig "verstaatlicht" und doch nicht verstaatlicht zu werden ?

Bezieht die "linke Position" sich also gegebenenfalls auf staatliche Gewalt bzw hierarchische Struktur oder auf eine direkte Demokratie zu Gunsten einer egalitären Gesellschaft der Zukunft? Was sind denn die verändereten "Koordinaten"?

Besagte "Kluft zwischen linker Analyse und beobachteter Wirklichkeit" bezieht sich dann wohl auch eher auf folgenloses Herumtheoretisieren, um nicht Gelaber zu sagen. Dafür braucht es natürlich weder professionellen noch möchtegern "Journalismus". Das kann jeder Stammtisch besser.

Eine "Analyse" alleine reicht natürlich nicht - persönlich ist die besagte "Kluft" zur Wirklichkeit für jedem einzelnen aber durchaus überwindbar: man gehe auf die Straße und/oder engagiere sich entschieden gegen den veritablen "Riesen" vor der eigenen Haustüre, indem man andere informiert, zu überzeugen sucht von anderen gesellschaftlichen Optionen - also anderen etwas anderes glauben macht, um damit die Welt zu änderen. ... und indem man natürlich bei dem, was diese anscheined kritikwürdige Welt zusammenhält, nicht mehr mittun.

Machen sie doch einfach mal was ganz anderes Herr Augstein.

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Ehemaliger Nutzer 17.07.2012 | 19:17

@ Thinktankgirl,

ich empfehle Ihnen Krysmanski

http://www.uni-muenster.de/PeaCon/global-texte/globalss11-psr.htm

Journalisten haben einen Auftrag der Eliten! Es wird alles gesteuert und nichts dem Zufall überlassen. Das zeigt ganz deutlich Krysmanski mit seiner Herrschaftsstrukturforschung auf!

http://www.uni-muenster.de/PeaCon/global-texte/g-reich-2/souveraen.htm

Wie JA und der Freitag da einzuordnen sind, weiß ich nicht genau. Ich denke aber das der Spiegel jetzt auch mit darunter fällt. Auch wenn er immer noch so manches aufdeckt.

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Ehemaliger Nutzer 17.07.2012 | 20:19

Was genau tun Journalisten? - Eine Antwort an Jakob Augstein!

Und zwar von Paul Sethe, geschrieben am 5.5.1965 im SPIEGEL:

"... Ich weiß, daß es im deutschen Pressewesen Oasen gibt, in denen noch die Luft der Freiheit weht. ...

Im Grundgesetz stehen wunderschöne Bestimmungen über die Freiheit der Presse. Wie so häufig, ist die Verfassungswirklichkeit ganz anders als die geschriebene Verfassung. Pressefreiheit ist die Freiheit von zweihundert reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten. Journalisten, die diese Meinung teilen, finden sie immer. Ich kenne in der Bundesrepublik keinen Kollegen, der sich oder seine Meinung verkauft hätte. Aber wer nun anders denkt, hat der nicht auch das Recht, seine Meinung auszudrücken? Die Verfassung gibt ihm das Recht, die ökonomische Wirklichkeit zerstört es. Frei ist, wer reich ist. Das ist nicht von Karl Marx, sondern von Paul Sethe. Aber richtig ist es trotzdem. Und da Journalisten nicht reich sind, sind sie auch nicht frei (jene wenigen Oasenbewohner ausgenommen). ..."

http://www.gerdgruendler.de/Erinnerung%20an%20Paul%20Sethe.html

Zu welchem Zweck Albrecht Müller, Wolfgang Lieb und ihre Mitstreiter Journalismus und die Nachdenkseiten betreiben, steht auf den Nachdenkseiten selbst. Denn dort werden die Fragen Jakob Augsteins Was ist die Aufgabe der abweichenden Meinung, der abweichenden Analyse? Für wen mache ich das? Wen will ich erreichen? ausführlich und hinreichend beantwortet.

Warum NachDenkSeiten? http://www.nachdenkseiten.de/?page_id=4

Wie immer, wenn ein Dogma herrscht, wird die Wirkung abweichender Meinung begrenzt sein, schon allein deshalb, weil das herrschende Dogma eben eines der Herrschenden ist. Jeder Abweichler davon wird erkannt, ausgemacht und auf Linie oder zum Schweigen gebracht. Das wissen wir seit langer Zeit, nämlich seit römisch-katholischer Inquisition, Stalinismus und deutschem Faschismus. Und vom als von letzterem in die bundesdeutsche Demokratie übertragenen fanatisch-klerikalem Antikommunismus der Adenauer-Zeit, dem während der 50-60er in der Bundesrepublik Zehntausende zum Opfer fielen.

Im Zusammenhang mit den Verboten der KPD (August 1956 durch das Bundesverfassungsgericht) und der FDJ (1951 durch die Bundesregierung Konrad Adenauers) wurden im Verlauf der fünfziger und sechziger Jahre nach dem damals geltenden politischen Strafrecht über 10.000 Personen mit Haftstrafen belegt und Hunderttausende von Verfahren gegen Kommunisten aber auch des Kommunismus verdächtigte Personen geführt. Die Zahl der gegen Kommunisten gefällten 6688 Urteile war im Zeitraum 1951–1968 fast sieben mal so hoch wie die 999 Urteile gegen NS-Täter.

http://de.wikipedia.org/wiki/Antikommunismus#Bundesrepublik_Deutschland

Während der Zwischenzeit bis zur Widervereinigung erledigte die gleiche Aufgabe der Brandtsche Radikalenerlass von 1972.

In dieser Adenauerschen Tradition wurden übrigens nach der Wiedervereinigung über 80.000 Ermittlungsverfahren gegen ehemalige SED-Parteimitglieder eingeleitet. Und das wirkt nach. Heute braucht man nur in die Nähe der als "SED-Nachfolgepartei" denunzierten Partei Die Linke gerückt zu werden, um z.B. als Journalist beruflich erledigt zu werden.

Zum Angriff auf den Euro und der gegen ihn und den Wohlstand der europäsichen Völker gerichteten Währungsspekulation kommt man nicht nur als Linker sondern auch aus historischen Gründen zu anderen Einschätzungen als die gegenwärtige Bundesregierung, die meisten Medien und der Großteil der von den Medien informierten Bevölkerung. Es gab nämlich bereits 1992 einen erfolgreichen Angriff auf das britische Pfund und ein Jahr später einen gescheiterten Angriff auf die DM, weil die damalige Bundesregierung und die Bundesbank diesen Angriff des Großspekulanten George Soros und seiner verbündeten Hedgefunds mit den richtigen währungs- und finanzpolitischen Maßnahmen erfolgreich abwehrte und im Keim erstickte.

Welche Interessen die heutige Bundesregierung vertritt, weiß nur sie selbst. Für die Bürger wird lediglich sichtbar, dass hunderte von Milliarden € in Banken gepumpt werden, die nicht für ihre teilweise hochkriminellen Geschäfte gerade stehen wollen und können.

Dass einerseits Ökonomen wie Müller, Hickel und Flassbeck und andererseits Ökonomen wie z.B. Stiglitz, Krugman und Bofinger nicht immer bei Null anfangen und voraussetzen, dass ihre Leser einer längeren Diskussion folgen, kann ein Journalist zum Anlass nehmen, immer wieder mal mögliche Zusammenhänge zu erklären.

Dass für die Bürger die Welt immer unübersichtlicher wird, liegt auch daran, dass einerseits die wahren Akteure selten beim Namen genannt werden und andererseits die Welt aus den Fugen ist, wie Tissy Bruns vor über einem Jahr im Tagesspiegel schrieb. http://www.tagesspiegel.de/meinung/politischer-essay-die-welt-ist-aus-den-fugen/4523422.html Dass die Akteure der von ihnen ausgelösten Banken- und Finanzkrise gern unbekannt bleiben wollen, ist nur zu verständlich. Niemand will am Baum enden. Vielfältige gegenseitige wirtschaftliche Beteiligungen ermöglichen sicher da eine entsprechende freundliche Berichterstattung in den Medien. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk fällt ja seit der durch Kohl betriebenen und geförderten Verbreitung der privaten Schmutz- und Schundkanäle und der damit gezielten Schwächung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks als Korrektiv aus.

Sinn und Zweck einer jeden Analyse und hier insbesondere einer linken Analyse der wirtschaftlichen Vorgänge ist es ja, sich nicht von den oberflächlich sicht- und beobachtbaren Phänomenen verwirren zu lassen sondern nach den ihnen unterliegenden Strukturen zu suchen. Das Ergebnis dieser Analyse mag dann für den durchschnittlichen Leser nicht immer leicht nachverfolgbar sein, wie auch, sonst hätte er die Analyse ja selbst leisten können.

Um die wirtschaftlichen und politischen Vorgänge dem Bürger verständlicher zu machen, braucht es Journalisten, die diese Analysen und Vorgänge in einfachere Worte packen können, ohne sie unzulässig zu vereinfachen oder gar zu verkürzen. Das bedeutet andererseits nicht, dass man der von den meisten Medien informierten und geprägten Mehrheit nach dem Mund reden soll, nur weil sie sich beim Lesen nicht anstrengen mag, oder weil sie durch die privaten Schmutz- und Schundkanäle und durch die Springerpresse in den letzten dreißig Jahren systematisch verdummt, irregeführt und infantiliisert wurden.

Genau da ist der aufklärende Journalist gefordert, Herr Augstein. Auch zu dem Preis, den der SPIEGEL einst zahlte, als die Redaktionsräume von der Polizei gestürmt wurden, weil der SPIEGEL die Machenschaften eines Verteidigungsministers aufdeckte.

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Ehemaliger Nutzer 17.07.2012 | 21:26

>>Wenn Du in diesem Zusammenhang JA recht gibst, dann machte das auch nur Sinn, wenn Du damit unterstelltest, dass die, die beim Thema Beschneidung geschwiegen haben "linke Prediger" seien, denn nur vor denen hat JA gewarnt (...)<<

Nee, Uwe, beim Thema Beschneidung meine ich mit "linke Prediger"(größtenteils) die, die sich zu Wort gemeldet haben, mit Blogs. Ich war ein klein wenig überarbeitet (falls man das so sagen kann) als ich das schrieb. Sollte kein Vorwurf sein. Hatte mich vermutlich etwas zu stark da reingehangen..

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Ehemaliger Nutzer 17.07.2012 | 21:55

@anne mohnen15.07.2012 00:53@ursula keller

Ja, Sie bringen es auf den Punkt: Weglassen, mangelnde Recherche, Bequemlichkeiten, Distanzlosogkeit

Das mag wohl so sein nur hat das auch Ursachen und sehe ich aber etwas anders...Journalisten sind auch auf ihre AG angewiesen. Schliesslich gehts auch um den Erhalt des eigenen Arbeitsplatzes. Und nicht jeder Journalist ist qualitativ negativ besetzt. Es gibt ja immer noch den Chefredakteur, der letztendlich im Sinne des AG (Konzerns) entscheidet was in den Print kommt und was nicht. Also hat ein Journalist auch nur begrenzte Möglichkeiten. Differenzieren wäre demnach angebracht.

Und es ist auch irgendwie lustig wie so manch vermeintlicher LInke hier locker über den Journalismus herzieht aber in entsprechender Position wohl nicht anders handeln würde. Oder hat etwa wirklich hier einer die Absicht sich seine eigene Kündigung zu verpassen?! Ich glaube nicht.

Ausserdem hat Predigt keinen Sinn. Wenn der Freitag es nicht schafft auch die Mitte (gehobene Schicht) anzusprechen, eben auch Leute mit entsprechenden Geld, läuft alles ins Leere.

Anstatt hier immer nur zu jammern und JA anzugreifen, sollte doch jeder selber aktiv werden und seine Mitmenschen aufklären. Da gäbe es genug Alternativen wie das aussehen könnte (Flugblätter verteilen).

Und um auch mal persönlich zu werden...Bei @Uwe Teel und @GEBE sehe ich da allerdings schwarz. Da sie und noch so einige andere eben hochtrabend daher reden, was kaum ein "Normaler" Mensch versteht. Zumal sie nicht einmal ihre ach so intellektuellen Wörter erklären können.

Uwe Theel 17.07.2012 | 23:59

Liebeb Frau Neumann,

putzig werdfen allenfalls Sie, wenn Sie nur weitere Popanze aufbauen:

Wo hätte ich hier erklärt wer (von der FC?) wozu und wozu nicht gehörte?

Ihnen kann man ehrlich freundlich begegnen und bekommt nur Verdächtigungen zurück.

Übrigens, das mit den bei Ihnen nicht vorhandenen Kenntnissen linker Theorie, insbesondere im Hinblick auf Marx selbst, haben sie mir expressis verbis in einem früheren Dialog als Begründung, besser nicht weiter zu führender Diskussion selbst gestanden. Weder damals, noch heute würde ich Ihnen daraus einen Strick drehen. Sie müssen schon selber wissen auf welcher Basis sie linke Gedanken beurteilen und entsprechende Widerrede dann eventuell eben ertragen können, oder eben nicht.

Eine Gute Nacht wünscht

Uwe Theel

P.S.: Wenn es der Wahrheitsfindung dient: Es war die SZ nicht die FAZ. Mindestens, was den Wirtschaftsteil betrifft, kann ich da keinen Unterschied zwischen den beiden Blättern entdecken, aber wer nur das Feuilleton braucht und da noch gewisse Vorlieben hat wird vielleicht sogar in der FAZ besser bedient.

Uwe Theel 18.07.2012 | 00:21

Liebe Frau Neumann,

es geht wohl immer noch "putziger":

Dass Augstein doch mal solch einen Artikel wie Aqua-Jedi oder gar Paul Sethe geschrieben hätte!

Ja geht`s noch:

Aqua-Jedi belegt mit Sethe die traditionelle, gegen den Geist des GG sich vergehende Unterdrückung linken Journalismus, linken Geistes, demokratisch linker Praxis.

Augstein rechtfertigt die Irrelevanz linken "Journalismus" mit dem Ergebnis, dem IST dieser Unterdrückung, ohne die Unterdrückung auch nur in den Blick zu nehmen.

Wenn JA im Sinne Sethes schriebe, würde er nicht die unsäglichen Texte im dikutierten Zusammenhang geschrieben haben.

Es ist nett, dass Sie die Gelegenheit wahrgenommen haben, die eigene Argumentation selbst von hinten durch die Brust zu erschießen. Aber sie haben, gauau wie KarinL den Text von Aqua-Jedi nur grandios mißverstanden. Wahrscheinlich haben sie beide den Namen Paul Sethe und wofür er steht bis heute nicht einmal gekannt, die geschichte auch nur der BRD ist Ihnen allenfalls "Gechichte" mit zweimal "ch". Aber wie sagte schon der Pfälzer? "Entscheidend ist, was hinten rauskommt"

Helmut Kohl als Chefideologe von Jakob Augstein.

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Ehemaliger Nutzer 18.07.2012 | 11:06

Ich frage mich inzwischen, warum sich hier einige mit ihren verschwurbelten Formulierungen so viel Mühe geben, um Jakon Augstein ans Bein zu pinkeln.

Mit klaren deutlichen Worten gäbe es sicher weniger Missverständnisse auf Seiten einiger anderer.

Und das hier einige von den Umdenkseiten ihre Knallfrösche rein werfen, dürfte doch auch nicht verwundern.

asansörpress35 18.07.2012 | 12:42

Was die NachDenkSeiten angeht, so glaube ich nicht, dass deren Herausgeber glücklich darüber sind, wenn sich frühere fKritiken bzw. Warnungen bestätigen. Es ist jedoch vielfach so. Sie haben wenigstens - als der Mainstream auf neoliberalen Abwegen war - die Finger in die Wunden gelegt! Und bei vielen Themen, die von ihnen bereits 2003 aufgegriffen worden sind, haben sie Recht behalten. Manche Mainstream-Medien äußern heute ähnliche Kritik. Inzwischen schreiben wir das Jahr 2012! Und das Kind ist wohl längst in den Brunnen gefallen. Für mich sind die NachDenkSeiten längst unverzichtbar geworden. Niemand wird von ihnen gezwungen wie der Anhänger einer Religion an die Meinung von deren Herausgebern zu glauben. Man kann ja gut selber (nach)denken. Dabei stellt man gewiss fest, das die NDS meistens richtig liegen. Was wäre die "Alternative"? Der deutsche Journalismus (rühmliche Ausnahmen ausgenommen) erfüllt doch bis hinein in die Öffentlich-Rechtlichen nicht mehr die Aufgaben als Vierte Gewalt. Meinunsmache und Kampagnejournalismus sind übele Anzeichen dafür.

Und warum sollte Albrecht Müller heute den Bundespräsidenten Gauck plötzlich loben? Schön - für uns alle -wäre es doch, er hätte einen Grund dafür! M. E. war und ist Gauck ein eloquenter Opportunist. Ein Beschwichtiger mit dem Mono-Thema "Freiheit", der wegen seiner gewählten Ausdrucksweise gut "rüber kommt", aber in der Sache schwer zu fassen ist. Man fühlt sich an ein Stück Seife erinnert. Das einen, versucht man es zu fassen, stets wieder zwischen den Fingern wegflutscht. Mir jedenfalls sind Gaucks Bemerkungen zur möglichen Entscheidung des BVerG sauer aufgestossen. Lesen Sie mal Albrecht Müllers Buch "Der falsche Präsident". Da finden sich die Fehler Gaucks aufgelistet. Er könnte natürlich ein "richtiger" Präsident werden. Könnte ...

Recht gebe ich freilich Jakob Augstein, dass man als Journalist versuchen muss sich nicht unbedingt mit einer Sache (Hajo Friedrichs) gemein machen sollte. Nötig wäre aber den Lesern soviel Information als möglich an die Hand zu geben, dass sie sich selbst eine Meinung bilden können. Dass jedoch geschieht heute m. E. viel zu wenig.

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Ehemaliger Nutzer 18.07.2012 | 13:41

Könnte es sein, dass Jakob Augstein sein Passwort vergessen hat? Seit er hier diesen Text eingestellt hat, war er nicht mehr eingeloggt. Vielleicht würde es was bringen, wenn er Community-Support anschreibt und um Hilfe bittet?

@JA

Jakob, soll ich Ihnen mit der Mail-Adresse von Support aushelfen?

anne mohnen 18.07.2012 | 14:40

Sehr geehrter Herr Theel,

wieder einmal legen Sie sich die Argumente zurecht mit dem Ziel der Abwertung: Dass meine Lektüre einiger Werke von Marx und Engels mich noch nicht zur Kennerin des Marxismus-Leninismus krönt, wie er im letzten Jahrhundert „weste“, räume ich jederzeit ein. Wo ich mich aber als Nichtkennerin linker Theorien geoutet heben soll, dafür gibt es keinen Beleg!

Wie auch immer, ferner sind meine Einlassung zu Aqua Jedi alles andere als Zustimmung! Meine Einstellung zu Konservativen à la Sethe mit Wurzeln, knietief in der Nazi-Zeit, dürfte Ihnen längst bekannt sein. Passt Ihnen dies nicht zu Ihren eingeweckten Vorstellungen über mich?

Wenn Sie so wollen, habe ich nichts anderes getan, als Herrn Augstein ermuntert, einmal seine eigene Position darzulegen, wenn Sie so wollen, Ernst zu machen, und einen Aufsatz zuschreiben, der, wenn er denn käme, nicht aus Auflistungen bestünde. Dieser schlichte Wunsch intonierte meine Replik auf dieses Blog, indem es, so interpretiere ich JAugsteins Fragen, wohl um ein Hinterfragen des eigenen „Handwerks“ geht.

Offenkundig geht es Ihnen so wenig um eine Auseinandersetzung mit mir, am allerwenigsten aber mit dem von Ihnen in den Ring geworfenen Kant. Wo bleibt da die Zuversicht des Pädagogen, der Mut des Philologen, warum weichen Sie aus?

Kants Begriff der Aufklärung geht wohl tiefer als eine Rebellionsthese. Er berührt einen Sachverhalt, um den es bei jedem Zusichfinden einer verantwortlichen Persönlichkeit geht: Erkenne ich einen Mangel, auf welchem Gebiet auch immer, dann gibt es kein „Freiwerden“ von den Gründen eben dieses Mangels, solange ich die Gründe außer mir selbst suche, (individuell: z.B. in den Eltern, in der Gesellschaft, oder in einem seelischen Zwang, in meinen Unbewussten) Lesern, Anfeindungen. Solche Beobachtungen mögen ja sachlich richtig sein, aber das Vermögen , einen Mangel zu überwinden und nicht mutatis mutandis darin steckenzubleiben, ihn zu wiederholen, ist nicht eine Formel falscher Zerknirschung, sondern der Ort, wo es um die Einwilligung in meine Subjekthaftigkeit und Selbstverantwortung geht.

Rebellion, wo sie sich gegen einen wirklichen Mangel der anderen (Politik, Wirtschaft, Kultur etc.) wendet, enthält die Chance zur Aufklärung nur dann, wenn die Erkenntnis des Mangels der anderen nicht zur Verdeckung des eigenen Mangels diente, und z.B. so ein Blog mit seinem Thread nicht zum Experimentierfeld, am Ende gar bloß zu, Stopfen eines Sommerlochs verkäme.

Aus diesem Grund bin ich weit davon entfernt, Herrn Augstein oder irgendjemand anderem, zu erklären, was etwa linker Journalismus denn so sein sollte. Wenn jemand diese Frage aufwirft, da bin ich ganz vertrauensselig, was nicht nur den Verleger angeht, sollte er sich die Frage - with a little help of his friends ;-) - am Ende nicht selber beantworten können?

Unzweifelhaft steht Kants These, wie das ganze Projekt Aufklärung in einem weiten politischen Zusammenhang. Sein Aufsatz „Was ist Aufklärung“ ist die misstrauisch-skeptische Antwort auf einen Geistlichen; er ist eine offensive geführte Verteidigung des Programms.

Aufklärung versteht sich in ihrer Tradition als Überwinderin von Absolutismen unterschiedlicher Provenienz; sie orchestriert die Bewegung des Liberalismus und Sozialismus. Als solche versteht sie sich als Befreiung von derjenigen Herrschaft, die durch künstlich aufrechterhaltene Unmündigkeit der Beherrschten stabilisiert wird.

Weil Aufklärung ja auch Pädagogik ist, insofern, Herr Theel, schätzte ich durchaus Ihr Engagement, und insofern ja Gleichheit in der Gemeinsamkeit der Einsicht fußt, hat Aufklärung eine egalitäre Tendenz. Insofern einige wenige schon Emanzipierte die Emanzipation verbreiten wollen, hat Aufklärung erzwungenermaßen vorläufig eine elitäre Struktur; die hält sich dann gerne für eine Vorhut, nicht wahr ;-)))?

Lieber Herr Theel, diese politische Aufklärung hat sicher Anteil an der Ambivalenz des Fortschritts. Niemand hat das so klar gesehen, wie der vor dreihundert Jahre geborene Rousseau! Dies lässt sich ganz gut aufdecken im Übergang der Estimierung von Selbstaufklärung zur Aufklärung anderer. Der Anspruch selbstaufgeklärt zu sein, erweist sich nicht selten als Naivität, lässt sich als Chimäre enttarnen. Der Anspruch emanzipiert zu sein, verschleiert nicht selten das Stagnieren auf einer Stufe projizierter Rebellion, nichts anderes als eine Vorstufe von Aufklärung ist.

Uwe Theel 18.07.2012 | 15:50

Liebe Frau Neumann,

dann sind wir uns also einig in der Aufforderung an Herrn Augstein, von seiner im Augenblick offenbar ins Ziel genomenen Pauschalposition "Wichtig ist, dass am Ende ökonomischer Erfolg der Zeitung steht" herunterkommt, bzw. im dann dritten Versuch klarer sagte, was seine dahingehend zu deutenden Sätze "eigentlich meinen".

- Über Aufklärung, Kant und Pädagogik brauchen wir, hoffe ich nicht zu streiten, denn Sie können sicher sein, dass sich meine Vorstellungen dazu nicht im quasi pubertären Raum spontaner Rebellion und deren quasipädogischer Begegnung im quasigesellschaftlichen Raum drehen.

- Dass Sethe auch kontrovers diskutiert werden kann, schließt nicht aus, ihn als einen Journalisten zu verstehen, der sein Handwerk und über den Tellerand zu blicken verstan.

Als SZ-Leserin empfehle ich Ihnen zur Lektüre:

http://www.sueddeutsche.de/kultur/paul-sethexliii-der-seher-1.417226

lg

Uwe Theel

P.S.P.S: Aqua-Jedi in seinem Kommentar zustimmen, heißt JA widersprechen. Aqua-Jedi hat dafür meine volle Zustimmung.

anne mohnen 18.07.2012 | 16:48

Lieber Herr Theel,

dass Sie sich dies mit der "Vorhut" überziehen ist schade.

Nun, ich bin gespannt auf JAugsteins reformulierte(?) Vorstellungen von Journalismus Zu welchem Ergebnis mag er wohl kommen?

Ob mir schließlich das Resultat passt, bleibt abzuwarten. Mit dem Abhaken von gelisteten Sätzen, sei es die von Sethe oder anderen, tue ich mich schwer.

Ich bin Ihrem Link nachgegangen. Nun bin ich arg irritiert, frage mich, ob Sie nun doch noch die Satire für sich entdecken?

„Den Nationalsozialisten verübelte Sethe, dass sie "Begriffe, Gefühle, Lebenswerte, die jedem Konservativen teuer sind: Ordnung, Autorität, Tradition . . . missbraucht, ausgehöhlt, entleert" haben. Um so mehr bedürfe es einer neuen konservativen Bewegung, die zu nationaler Selbstbesinnung fähig sei.“

Auch Sethes überhöhtes Reden, etwa vom Gewissen der Nation, ist mir fremd. „Gut überlegt“ gibt es kein Gewissen der Nation; diese verquasterte Denke erscheint unaufgeklärt.

Auch wenn Journalismus eine zentrale Säule von Aufklärung ist, so doch nicht die Einzige, und schon gar nicht als eigenständige Macht, insofern bin ich da nüchterner, meinetwegen misstrauischer als Sie.

Asche auf mein Haupt!

danki 18.07.2012 | 17:59

Zunächst sollte Herr Augstein wissen,dass es eine journalistische Pflicht wäre,die Leser objektiv zu unterrichten und nicht so wie es einmal Paul Sethe im Spiegel vom 5.Mai 1965 veröffentlichte,in dem Nachrichtenmagazin seines verstorbenen Vaters:"Pressefreiheit ist die Freiheit von 200 reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten.“Allein mit dieser Aussage hätte Herr Augstein schon die Erklärung gehabt."dass die Bundesregierung,die meisten Medien und der Großteil der Bevölkerung (inklusive 41% der Linkswähler, nach einer Forsa-Umfrage) das alles ganz, ganz anders sehen."Nehmen wir nur die Pressekonzentration aus dem Springerkonzerne und ihre "Töchter".Warum Herr Augstein mit dem Springermann Blome nochn debattiert,wird für mich ewig verschlossen bleiben.Das Blatt,für das Herr Blome schreibt,ist wahrlich keine journalistische Glanzleistung,s.zahllose Rügen vom Presserat.Herr Augstein hätte in seiner Zeitung der Freitag mit bestem Beispiel vorangehen können,in dem er die Aussage des Direktors der EZB,Jörg Asmussen,kommentiert hätte.Er forderte nämlich die Abgabe der nationalen Macht an Brüssel.

http://www.stern.de/politik/deutschland/joerg-asmussen-im-stern-ezb-direktor-warnt-vor-spaltung-europas-1859337.html

Unverblümter konnte dieser Herr Asmussen,nicht zu verwechseln mit dem Komiker Fips Asmussen,seine Einstellung zur Bewältigung dieser Krise demonstrieren.

http://www.linksfraktion.de/pressemitteilungen/bankenrettung-statt-demokratie/

Wenn dem (Wahl) Volk jahrelang erzählt wird, der Kreis ist eckig,dann glaubt es das auch zum Schluss.Wäre das deutsche Volk,und nicht nur das deutsche Volk rechtzeitig,auch von guten Journalisten aufgeklärt worden,wäre die Umfrage bei Forsa anders ausgefallen.Bunzkanzlerin Merkel und ihre angeschlossenen Hofberichterstatter wie die Herren Deppendorf,Becker oder Frau Schausten wollen nicht oder sind dazu in ihren Interviews nicht in der Lage.

Uwe Theel 18.07.2012 | 18:09

Liebe Frau Neumann,

das mit der "Vorhut" verstehe ich überhaupt nicht und was Sethe betrifft: Wie gesagt, mann kann über ihn diskutieren.

Mein Thema aber waren Augstein und der Freitag und da kann ich den Eigner im Augenblick zu nichts von dem ermuntern, was er gerade ausgebrütet zu haben scheint. Da bleibt mir nur die Kritik, diese ist nachzulesen und ihr kann in der Sache entgegnet oder zugestimmt werden.

mfg

Uwe Theel

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Ehemaliger Nutzer 18.07.2012 | 18:17

@Uwe Theel,

Ihre Bemerkungen können sie sich sparen. Wer wirklich etwas mit zu teilen hat redet nicht so hochgeschwollen daher, sondern drückt sich allgemein verständlich aus! So wie Professor Heitmann seine wissenschaftl. Analysen allgemein verständlich herunter brechen lässt.

So etwas nenne ich intelligent. Was Sie dagegen machen ist einfach nur autoritär daher kommen. Sie haben eben nicht die Wahrheit gepachtet, sondern auch nur Ihre Weltsicht der Dinge, Ihre eigene Ideologie. Sie merken anscheinend gar nicht, dass Sie hier jedem Ihre Meinung aufdrücken wollen. Und Sie der alleinige Besitzer der Linken Wahrheit sind. Darüber kann ich nur mit dem Kopf schütteln und Sie auch nicht ernst nehmen.

Für mich sind Sie auch nicht wirklich links. Ihre Aussage, die Sie einst mal getätigt hatten, besagt etwas ganz anderes. Darüber werd ich mich aber nicht weiter hier auslassen. Wie übrigens so viele hier und auch angeblich Linke in der Partei der LINKEN. Das nur mal so nebenbei.

Im übrigen können sie hier auch viel schreiben, wenn der Tag lang ist. Etwas ändern wird nur eine Revolution. Wenn die Menschen sich solidarisieren und auf die Straße gehen. Das wird freilich nicht ohne Verluste gehen. Alles andere ist sinnloses Geschwätz und nur reines Theater!

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Ehemaliger Nutzer 18.07.2012 | 18:26

"

Wenn dem (Wahl) Volk jahrelang erzählt wird, der Kreis ist eckig,dann glaubt es das auch zum Schluss.Wäre das deutsche Volk,und nicht nur das deutsche Volk rechtzeitig,auch von guten Journalisten aufgeklärt worden,wäre die Umfrage bei Forsa anders ausgefallen.Bunzkanzlerin Merkel und ihre angeschlossenen Hofberichterstatter wie die Herren Deppendorf,Becker oder Frau Schausten wollen nicht oder sind dazu in ihren Interviews nicht in der Lage."

Journalisten haben einen Auftrag des Kapitals. Schliesslich sind Sie angestellt und werden sich nicht den eigenen Ast absägen. Die Superrreichen kontrollieren ja auch die Medien. Inwiefern JA dazu gehört, kontrolliert wird, kann ich nicht einschätzen. Auf jeden Fall könnte es gefährlich werden hier die Masse links aufzurütteln. Schliesslich wird das Kapital alles dafür tun um seine Macht zu behalten!!

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Ehemaliger Nutzer 18.07.2012 | 18:45

"Es ist nett, dass Sie die Gelegenheit wahrgenommen haben, die eigene Argumentation selbst von hinten durch die Brust zu erschießen. Aber sie haben, gauau wie KarinL den Text von Aqua-Jedi nur grandios mißverstanden. Wahrscheinlich haben sie beide den Namen Paul Sethe und wofür er steht bis heute nicht einmal gekannt, die geschichte auch nur der BRD ist Ihnen allenfalls "Gechichte" mit zweimal "ch". Aber wie sagte schon der Pfälzer? "Entscheidend ist, was hinten rauskommt"

Helmut Kohl als Chefideologe von Jakob Augstein"

Aha...und Sie sind der liebe Gott und wissen ALLES. Auch wie andere User hier verstanden werden. Das ist nicht nur autoritär, sondern für mich arrogant. Denn Sethe hat vollkommen recht!! Nur wer hier genug Geld hat ist wirklich Frei und kann sich alles erlauben! Hat unendlich viel Macht und Einfluß auf Politik und Medien! Denn der Mensch ist nunmal käuflich!

Mir scheint, lieber Herr Theel, sie haben nicht wirklich das System mit seinem Geld verstanden. Und das GG ist auch nur Makulatur und schützt den Kapitalismus, das Kapital!! Wer sein Recht haben will, muß ebenfalls genug Geld haben. Recht wird nach Standesdünken gesprochen. Auch ein Konservativer kann in einigem recht haben. Dazu muß ich kein Linker sein. Denn die Welt ist nicht nur schwarz oder weiß, sondern bunt. Auch ändert man im Leben Ansichten. Was ich mir bei Ihnen nicht wirklich vorstellen kann. Sie haben eine verbohrte Sichtweise und Ideologie dazu! Vorallem aber sind Sie ein Besserwisser, so wie Sie hier Kommentare abgeben. Was die Meinungen angeht....da hat eben jeder seine eigene. Nur darf man diese nicht verbohrt bis zum Ende verteidigen, sondern sollte auch mal in sich gehen und sich hinterfragen. Es tut nicht weh sich auch mal zu revidieren, es tut aber weh, wenn man von anderen nicht mehr ernst genommen wird. Jedenfalls wenn derjenige ernsthaft an einer Diskussion, vorallem aber an einer Lösung, interessiert ist.

Was glauben Sie eigentlich, warum mal das Internet für das gemeine "Volk" vom Kapital erfunden wurde??

Uwe Theel 18.07.2012 | 18:50

Ich hoffe, Ihr Gewährsmann, Professor Heitmann, schreibt nicht solche zerbrochenen Sätze wie z.B. diesen:

"So wie Professor Heitmann seine wissenschaftl. Analysen allgemein verständlich herunter brechen lässt."

Achtung, Lawinengefahr durch von Alpinisten herunter gebrochenes Schneebrett, möchte mann in einem solchen Fall ausrufen.

Im übrigen, danke für die Ehre, mir solchen Einfluß auf meine Leser zuzubilligen, dass diese nicht umhinkommen, meine Texte als Nötigung zur Wahrheit, selbst wenn es die gar nicht gäbe, aufzufassen.

Im übrigen wüßte ich von Ihnen gerne konkret, wie Sie denn dann die Revolution ohne Leute wie mich machen würden, sonst könnte ich auf die Idee kommen, Sie faselten nur von etwas, was Sie für Revolution halten.

P.S.: Entschuldigung für die Nötigung, diese Sätze lesen und Ihnen antworten zu müssen

Uwe Theel 18.07.2012 | 19:18

Werte Frau KarinL,

glauben sie allen Ernstes, sie müßten jetzt den Marx geben und mir den Kapitalismus erklären, um sich dann in Lenin zu verwandeln, um mir auch noch die Revolution erst kenntlich zu machen.

Werte Dame, sie kommen um Jahrzenhte zu spät, um das mindeste zu sagen. Die Vordenker sind für sie außerdem in jedem Fall ein paar Nummern zu groß, wenn sie sie nur abstrakt herbeten können.

Welche "Wahrheiten" verkünden Sie eigentlich hier dem staunenden Publikum und wie macht es das Publikum, in diesem Falle ich z.B. dies nicht aufdringlich, sondern nur abenteuerlich und lächerlich zu finden?

Nichts gegen Kapitalismuskritik und Gedanken zur Revolution, aber bitte nicht s, als sähe ich eine Doku-Soap beim Privatfernsehen.

Steini 18.07.2012 | 22:22

Strafgesetzbuch, Besonderer Teil (§§ 80 - 358), 14. Abschnitt - Beleidigung (§§ 185 - 200), § 187 Verleumdung

"Wer wider besseres Wissen in Beziehung auf einen anderen eine unwahre Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen oder dessen Kredit zu gefährden geeignet ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe und, wenn die Tat öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) begangen ist, mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft."

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Ehemaliger Nutzer 18.07.2012 | 22:27

Werter Herr Theel,

ich hatte keine andere Antwort von Ihnen erwartet. Was Marx angeht, so hat er wohl in vielem recht und ist unschlagbar in vielem. Nur fängt das ganze böse Spiel eben bei jedem selber an! Also auch bei all denen, die hier so fleissig Kritik üben aber der Rendite, sprich dem Gelde, hinter her rennen. Schon deswegen finde ich die Diskussionen manchmal als lächerlich. Oder sollten sich am Ende hier gar nur arme Hartz 4 Empfänger tummeln?

ursula keller 18.07.2012 | 22:29

Lieber Herr Augstein...

und welches Fazit ziehen Sie nun aus dieser Diskussion ???

Würde mich sehr interessieren.

Ich weiß nicht, wie unabhängig Sie als Journalist/Herausgeber sein können.

Wollen Sie denn ???

Es gibt in der BRD KEIN Medium mehr, das unabhängig berichtet, gut recheriert und wirklichen Mut zeigt.

Rudolf Augstein hatte ihn.

In Ihrem "Geplänkel" mit Blome scheint durch, dass auch Sie wissen, was "Sache ist".

Haben Sie bitte mehr Mut......

Sie könnten Journalismus wieder zu dem machen, was er eigentlich sein sollte.

Vor einigen Tagen habe ich eine Doku über Ellsberg gesehen.....diese Art von Mut, Risikobereitschaft und Überzeugung....sie fehlt heute.

Der Freitag ist sehr "salon-ig".....etwas mehr SPIEGEL mit mutiger, knallharter Recherche wie früher, das wäre gut....

Journalismus ist zu wichtig als Korrektur, als dass man ihn "verlottern" lassen könnte.....

Jakob Augstein 18.07.2012 | 22:57

Danke für die Beschäftigung mit dem Thema.

Ich habe das alles gelesen. Und mir fallen dazu diese Gedanken ein:

Journalisten sind in den seltensten Fällen einfach nur Büttel des Kapitals.Gleichschaltung gibt es nicht. Aber es gibt freiwillige Gleichrichtung.Und das ist viel schlimmer.

Woher kommt die? Aus dem Wunsch, dazu zu gehören. Die Merheit zu vertreten. Richtig zu liegen.

Manche Kommentatoren benutzen hier das Wort "unabhängig" - das ist ein zentraler Begriff. Aber da geht es nicht um Geld.

Mancher spricht hier von "Fakten". Was soll das denn sein? Auch das Wort "objektiv" macht mich nachdenklich ...

Es gibt Auffassungen der Wirklichkeit und Werte und Argumente. Wahrheiten gibt es nicht.Selbstironie, Zweifel, Distanz - das ist wichtig. Ich weiß auch, dass das in der Form des Kommentars schlecht unterzubringen ist. Wer auf 4000 Zeichen seine Meinung verbreitet, und dann gleichzeitig deutlich macht, es könnte aber auch alles ganz anders sein - den muss man nun wirklich nicht lesen. Darum gehört zum Verständnis eines Textes eine Art Beziehung zum Autor, ein Verständnis einer Linie, eines Charakters.

Ich glaube, Aufklärung muss heute vor allem bedeuten: Selbstaufklärung über die Bedingtheit des eigenen Denkens.

Debatte ist ein Wert an sich.

Und Mut tatsächlich auch.

Worum es mir geht, hat György Dalos so formuliert: "Ich bin ein Linker in meinen kulturellen Reflexen, möchte jedoch diese Haltung nicht ohne Reflexion über mich ergehen lassen. Dementsprechend muss ich für den GAU gerüstet sein, wenn etwa ein Konservativer plötzlich Recht hat oder ein Vertreter des Fortschritts eine enorme Dummheit präsentiert. Jenseits dieser traditionellen Sicht fühle ich mich jenen Paradiesvögeln verpflichtet, die in einer Frage so, in einer anderen wiederum anders denken. Andersdenken ist für mich nicht nur eine Form der ideologischen Devianz, sondern auch das Recht, über etwas anderes als die Themen des gängigen Diskurses nachzudenken."

Das klingt so einfach - und es ist so schwer. Am Ende ist alles eine Frage der Sympathie :)

Uwe Theel 18.07.2012 | 23:02

Werte KarinL.,

Sie bekamen tatsächlich genau die Antwort von mir, die Sie selbst evozierten.

Welche Antworten kann denn jemand erwarten, der hier pauschal den "anderen" das böse Spiel der Jagd nach dem Geld unterstellt, ohne jeden Beweis dafür anzutreten? Mit welchen Methoden der Ausspähung der FC sind Sie denn gesegnet?

Auf der anderen Seite scheinen sie aber genaus so eine Art von Wahrheit zu besitzen, wie diesen "anderen" mit Revolution zu begegnen sei, treten also hier mit genau der Haltung auf, die Sie bei den "anderen" aufs Schärste kritisieren und werden doch mit keinem Wort konkret.

"Wissen" Sie weiter! (Das ist ein Imperativ, keine Frage)

mfg

Uwe Theel

ursula keller 19.07.2012 | 00:11

@ augstein...

Fakten...Sie fragen was das sei ? Das ist das , was man wegläßt, um zu manipulieren :))) Haben Sie das nicht selbst irgendwo geschrieben ?

Das mit dem "dazugehören wollen" ist ein ganz wichtiger Aspekt...es sind in der Tat die unabhängigen Charaktere, die wirklichen Journalismus machen.Und je weniger es von dieser Spezies gibt, umso einsamer wird es um einen selbst.

Könnte aber auch gerade Ansporn sein.....

Dieser abgeluschte Satz "to make a difference".....er ist eigentlich ein guter Leitfaden, für Journalisten, für engagierte Menschen schlechthin......

Uwe Theel 19.07.2012 | 01:43

Sehr geehrter Herr Augstein,

Sie schreiben von der Vielfältigkeit der Meinungen, dass alles auch ganz anders sein könne, dass irgendwo immer Zweifel blieben, auch in der Journalistischen Arbeit, aber dann doch ein Standpunkt sichtbar werden muß.

Wer würde Ihnen da widersprechen? - Ich tue das jedenfalls nicht.

Sie schreiben, es gehe um Unabhängikeit des Publizisten, der Zeitung, nicht um`s Geld. Auch da, keine Gegenrede, trotzden wir alle wissen, Geld muß aber auch verdient werden.

Ja und dann stützen Sie alles auf die Sympathie, die - in diesem Fall - dem Journalisten dazu entgegengebracht werden müsste, oder meinten Sie die Sympathie zum Blatt? Ihr Text klingt mir danach, dass Sie die Sympathie zu Ihrer Person meinen könnten mehr als die zum Blatt, aber ich will jetzt nicht psychologisieren. Doch ich kann Ihnen versichern, dass ich ihrem Projekt, insbesondere nach Ihrer ersten Einladung nach Berlin im Januar nur die allergrößte Sympathie entgegengebracht habe, und größte Hochachtung für Sie und Ihre Redaktion hatte, dies zu wagen.

Die Irrtitation, die Sie mit Ihrer Facebookäußerung und den zwei letzten Blogtexten von Ihnen bei mir auslösten habe ich versucht in der Sache zu erklären und entsprechende Kritik angemeldet.

Ich kenne Sie persönlich zu wenig, als dass sich mir die Sympathiefrage im engeren Sinne stellte, ich kann mir kein Urteil über Ihren Charakter erlauben, aber ich achte Sie als Mensch und Verleger und war der Meinung ein Verständnis der "Linie" , die Sie und die Freitagredaktion verfolgten entwickelt zu haben und der wollte ich gerne und kritisch weiter zustimmen können.

Ganz dialektisch gedacht habe ich als Leser und vom Freitag zur "Verzahnung" eingeladen nicht unähnliche Wünsche, wie die, die Sie als Verleger/Herausgeber ihrer Zeitung gegenüber dem Leser gerade äußerten.

In der Sache jedenfalls, sollte bei allem Suchen nach der Linie da doch kein Unterschied sein?

Ich wünschen Ihrem und der Redaktion Projekt für den Freitag und die FC jedenfalls gutes Gelingen.

Uwe Theel

Steini 19.07.2012 | 09:14

Ihr Text klingt mir danach, dass Sie die Sympathie zu Ihrer Person meinen könnten mehr als die zum Blatt, aber ich will jetzt nicht psychologisieren. Doch ich kann Ihnen versichern, dass ich ihrem Projekt, insbesondere nach Ihrer ersten Einladung nach Berlin im Januar nur die allergrößte Sympathie entgegengebracht habe, und größte Hochachtung für Sie und Ihre Redaktion hatte, dies zu wagen.

Interessant, dass Sie sich gegenüber JA nicht trauen, zu "psychologisieren". Und schön brav förmlich anreden und unterordnen, danach etwas anbucken….

seriousguy47 19.07.2012 | 13:13

"Es gibt die Leser, die meiner Meinung sind. Und die anderen, die es noch zu überzeugen gilt."

Aber, aber, lieber J.A.,

Sie werden jetzt doch nicht auf Nachdenkseiten_2 machen! Ich möchte nicht überzeugt werden, sondern mir selbst eine Meinung bilden. Also: darlegen, werben, zuhören, kommunizieren - aber bitte nicht überzeugen (=missionieren).

Ansonsten danke für dieses Forum!

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Ehemaliger Nutzer 19.07.2012 | 18:46

Hallo Herr Augstein,

Danke für Ihre Antwort und ich gehe in den meißten Punkten auch mit.

"Journalisten sind in den seltensten Fällen einfach nur Büttel des Kapitals.Gleichschaltung gibt es nicht. Aber es gibt freiwillige Gleichrichtung.Und das ist viel schlimmer."

Das allerdings sehe ich doch etwas anders, wobei wir wahrscheinlich im Prinzip das gleiche meinen. Journailsten, die angestellt sind müssen sich immer ihrem AG unterordnen. Und nicht nur Journalisten betrifft das, sondern alle "Untergebenen" in einer Hirarchie. Da die Medien zu großen Konzernen verschmolzen bzw. gewachsen sind, ist es sehr wohl das Kapital was hier diktiert. Und es ist immer das Geld, welches die Menschen zu bestimmten Handlungen bewegt. Denn ohne Geld kann man nicht überleben! Es sei denn, man ist kriminell. Und selbst dann wirds auf Dauer schwierig.

Die ERfindung des Geldsystems war schon einen hervorragende Sache um Menschen auszubeuten und zu unterdrücken!!

Das mit der freiwilligen Gleichrichtung sehe ich auch so! Deswegen ist es ja Hitler auch gelungen so viele Massen für seine Ideologie zu begeistern. Wobei Hilter natürlich die Not der Bürger auch ausgenutzt hatte. Schliesslich gab es Armut und Hunger.

Erschütternd ist für mich immer wieder, dass die Mehrheit der Menschen sich darauf einlässt. Obwohl es so einige mutige Menschen gab, die versucht hatten die Masse aufzurütteln. Tuchholsky (u.a.) wäre da ein gutes Beispiel. Deswegen hat diese Generation, die unter Hitler die industrielle Vernichtung der Juden klanglos mit angesehen und toleriert hatten, für mich eine große Mitschuld an der Vernichtung vieler unschuldiger Menschen! Und diese Menschen, vorallem die Beamten, hatten nach dem Ende des 2. WK teilweise wieder die gleichen Positionen wie unter Hitler besetzt. Gingen in die Politik und machten weiter als wäre nichts geschehen. Das ist der eigentlich große Skandal in der BRD!! Das Altnazis untertauchen konnten und sich sogar im VS verstecken konnten.

Und ich bin mir sicher, bekommen wir wieder diese Armut und unhaltbaren Sozialen Zustände, wird die Mehrheit sich wieder anpassen und den Faschismus hin nehmen. Denn eine softe Form des Faschismus existiert ja bereits. Hartz 4 und die Hetze gegen Arbeitslose, der Zwang zum 1 Euro Job ist genau das, was Hitler auch getan hatte. Nur in einer etwas abgemilderten Form. Und es gibt auch heute genug aus dem Bürgertum, die nach unten treten. Vorallem aus der Verwaltung, die dem Staat total untergeben sind. Ohne über ihre Folgen nachzudenken.

Den Journalisten werfe ich vor, sich all die jahre nicht wirklich um Aufklärung bemüht zu haben. Die Fakten verschwiegen zu haben nur um des Wohlstands willen sprich Geld. Ich kann verstehen, wenn Sie ihre Zunft in "Schutz" nehmen. Ich kann aber nicht verstehen, wie die Medien einem Sarrazin, einem rextsextremen Hetzer so viel Plattform für seine Ansichten zur Verfügung stellte. Nichts für ungut....das hat etwas mit Charakter und links zu tun. Leider gibt es immer mehr weniger Menschen, die wirklich links und vorallem auch mutig sind.

Die Linke schafft auch nur Feindbilder wie die Rechten Parteien. Was die Piraten angeht, so habe ich meine Meinung dazu erstmal revidiert. Sie sind die einzigste Hoffnung am Horizont. Da die Piraten sich mit dem Geldsystem beschäftigen und nach Alternativen suchen. Ich fürchte nur, sie werden bei der Zunahme der Macht in genau dieses Schema verfallen wie die anderen Parteien. Denn der Mensch ist käuflich und gierig dazu! Vorallem aber verändert eine Zunahme der Macht den Charakter eines Menschen. Wie heit es so schön...man gebe einem Menschen Macht und sehe dann denn wahren Charakter!

Auch haben die Bürger der BRD für mich eine große Mitschuld, wenn wir wieder faschistoide, sklavenähnliche Verhältnisse hier bekommen. Im Osten ist das schon teilweise so, dass die Menschen versklavt sind und jederzeit abrufbereit zur Verfügung stehen sollen.

Für mich ist die BRD immer noch sehr braun. Und dazu gehören für mich auch teilweise die Journalisten (FAZ). Auch wenn sie mit zur Masse gehören wollen. Das entschuldigt nichts!! Es ist nämlich die Gier und der Wohlstand, den sie antreibt. Es gibt einfach keine guten Journalisten mehr! Journalisten wie in den 60iger - 70iger Jahren. So wie ihr Vater es war. Er hatte ja auch mal viel riskiert und wurde sogar weg gesperrt. Wo gibt es heute noch solche mutige Menschen??!! Menschen, die Aufklären und investigativen Journalismus betreiben. Den meißten geht es zu gut. Das ist das eigentliche Problem!!

Das dazu gehören (Gruppenzwang) ist das Eine...das es den meißten Bürgern, insbesondere der bürgerlichen Gesellschaft zu gut geht, zuviel Wohlstand vorhanden ist, für mich die entscheidenere Tatsache, dass die BRD den Bach herunter geht. Hochkulturen sind doch schon immer untergegangen. Die Menschen sind einfach nicht in der Lage friedlich und auf einem gewissen Niveau / Wohlstand zufrieden zu leben.Die bürgerliche Gesellschaft hat sich nie wirklich um Politik gekümmert, sondern immer nur um den eigenen Wohlstand.

Wie gesagt...diese Situation hatten wir schon mal. Und wieder sind es die Deutschen, die Europa in den Abgrund treiben. Die die Südländer zutiefst ausbeuten und unterdrücken. Wir retten die Banken damit die Deutschen ihre Sparguthaben bzw Geldvermögen behalten. Es hat sich seid Hitler nicht viel in der BRD geändert, ausser die Makulatur. Alles nur Fassade wie ich finde. Der Krieg wurde schnell vergessen und alle befanden sich im Rausch des Wirtschaftswunders. Keiner von den gut verdienenden, und das ist im Westen immer noch die Mehrheit, ist an einer Veränderung interessiert. Die Gesellschaft ist pathologisiert und verharrt lieber in einer Starre als sich um Alternativen zu kümmern. Das die bürgerliche Gesellschaft soviel Geld in den Hintern geblasen bekommt ist natürlich Absicht vom Kapital. Man muß sich ja schliesslich verbünden und Wohlgesonnene sichern. Menschen, die die Ziele von den Reichen, der Politik partizipieren. Nur mit Hilfe der bürgerlichen Gesellschaft, sprich (gehobenen) Mittelschicht, dazu zähle ich auch Journalisten, kann die Politik und damit die Superreichen ihre Ziele verwirklichen.

Es wird sich nichts ändern und die Zukunft wird düster werden. Da der IWF, die Weltbank. die USA, die Armut der Völker energisch vorantreibt! Und den Parteien es völlig egal ist, ob arme Menschen daran leiden und zugrunde gehen. Für mich ist die Menschheit schon lange krank und hat den eigentlichen Sinn des Daseins, den Lebenssinn, längst verloren!!!

Für mich hat sich seid dem Mittelalter nichts verändert. Die Gesellschaften haben nur einen anderen Mantel bekommen. Die Macht wurde durch neue Strukturen und Wörter besetzt. Die Macht bekam einen neuen Anstrich. Die Hierarchie hatte noch nie wirklich aufgehört zu existieren. Und weil die Linke genau wieder solch eine Hierarchie will, nur ebne unter einem anderen Deckmantel, ist sie nicht mehr wählbar für mich.

Ja Herr Augstein...Aufklärung heute bedeutet sich mit sich selbst, mit seiner Denkweise und Ideologie auseinander zu setzen. Dabei kann eine Debatte unterstützen und neue Anstöße geben. Nur muß jeder endlich mal bei sich selber anfangen und Eigenverantwortung für sein Handeln übernehmen!! Auch Journalisten!! Erst wenn dem Menschen klar wird, dass es eine friedliche Gesellschaft, eine friedliche Welt nur im Miteinander geben kann, jeder auf den anderen angewiesen ist, wird sich etwas ändern.

Ich habe jedenfalls den Glauben an die Menschheit und ein friedliches Miteinander längst verloren.

Der Faschismus hatte sich trotz vieler Warnungen intelligenter Menschen immer in der Geschichte durchgesetzt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Antonio_Gramsci#Journalistische_T.C3.A4tigkeit.2C_politische_T.C3.A4tigkeit_in_der_PSI

Und wenn ich mir die EU so ansehe, wieviele rechten Parteien schon in den Parlamenten sitzen, sich auch hier zur Bundestagswahl stellen wollen und die Menschen voller Frust sind, wird mir ehrlich gesagt schlecht. Der Mensch ist und bleibt das dümmste was mir je im Leben begegnet ist!!

EnidanH 19.07.2012 | 19:25

Der Journalismus und die Wahrheit...

Hmm, Herr Augstein, es gibt oft die Wahrheit, manchmal ist sie so komplex, dass auch Journalisten vor ihr kapitulieren, manchmal ist sie einfacher, in einigen Fragen gibt es keine.

Nur, was macht der Journalist draus, das ist doch die Frage, zumal sich der Journalismus als Vierte Macht sieht.

Und da schneiden viele, nicht alle, Schreiber schlecht ab, aus zum Teil unglaublichen Gründen, wie z.B. aus Ego-Gründen. Da wird geschrieben mit einer tollen Stilistik, mit manipulierenden Sätzen, damit sich der Verfasser hinterher auf die eigene Schulter klopft. Jetzt mal ehrlich, Journalisten sind doch eine reichlich verwöhnte und egolastige Klientel, gut, das gehört auch dazu, aber so manches Ego vernebelt die Sinne (das mal so allgemein gesagt, aber besonders schlimm in dieser Hinsicht erscheinen mir SPIEGEL-Journalisten).

So ein wirklich unabhängiger Schreiber hat es ja auch schwer in unserem Land, das so gerne in Schubladen teilt und Menschen, die anders ticken, am liebsten verbal massakriert. Eine in diesem Blog recht umtriebige Person z.B. ordnet Menschen hobbymäßig gerne in rechts und links ein, wobei links das parteilinks sein soll. Hmm. Auf diese Weise werden auch die umgänglichsten Humanisten zu Nazis, oder von der anderen Seite zu Heuchlern gemacht.

Und ich befürchte, dieses Denken ist bei uns Deutschen so eingebrannt, das wird sich so schnell nicht ändern.

Was ich Ihnen aber sehr ans Herz legen will ist, sich von der Linie der Partei-Linken zu distanzieren, wissen Sie, mal abgesehen, dass (auch) diese ihre Leichen im Keller haben, so spricht es nicht für die Schreibenden, wenn sie eine Meinung nachkauen, nur eben auf journalistisch getrimmt. Damit fischen Sie immer im kleinen Teich.

Persönlich noch dies, mir kommen die, die eine Moral oder eine Wahrheit verneinen wie Leute vor, die eine solche Haltung nicht besitzen. Das ist auch so ein typisch deutscher Zug, bloß keine Reflexion oder Selbstkritik. Es macht nämlich einen Unterschied, ob man Zivilcourage beweist oder das örtliche Tierheim unterstützt, weil man das aus einem inneren Bedürfnis tut, oder ob man das nicht tut, weil einem solch altruistische Anliegen fremd sind. Und jetzt raten Sie mal, welcher Typus am meisten vertreten ist?

EnidanH 19.07.2012 | 19:26

Der Journalismus und die Wahrheit...

Hmm, Herr Augstein, es gibt oft die Wahrheit, manchmal ist sie so komplex, dass auch Journalisten vor ihr kapitulieren, manchmal ist sie einfacher, in einigen Fragen gibt es keine.

Nur, was macht der Journalist draus, das ist doch die Frage, zumal sich der Journalismus als Vierte Macht sieht.

Und da schneiden viele, nicht alle, Schreiber schlecht ab, aus zum Teil unglaublichen Gründen, wie z.B. aus Ego-Gründen. Da wird geschrieben mit einer tollen Stilistik, mit manipulierenden Sätzen, damit sich der Verfasser hinterher auf die eigene Schulter klopft. Jetzt mal ehrlich, Journalisten sind doch eine reichlich verwöhnte und egolastige Klientel, gut, das gehört auch dazu, aber so manches Ego vernebelt die Sinne (das mal so allgemein gesagt, aber besonders schlimm in dieser Hinsicht erscheinen mir SPIEGEL-Journalisten).

So ein wirklich unabhängiger Schreiber hat es ja auch schwer in unserem Land, das so gerne in Schubladen teilt und Menschen, die anders ticken, am liebsten verbal massakriert. Eine in diesem Blog recht umtriebige Person z.B. ordnet Menschen hobbymäßig gerne in rechts und links ein, wobei links das parteilinks sein soll. Hmm. Auf diese Weise werden auch die umgänglichsten Humanisten zu Nazis, oder von der anderen Seite zu Heuchlern gemacht.

Und ich befürchte, dieses Denken ist bei uns Deutschen so eingebrannt, das wird sich so schnell nicht ändern.

Was ich Ihnen aber sehr ans Herz legen will ist, sich von der Linie der Partei-Linken zu distanzieren, wissen Sie, mal abgesehen, dass (auch) diese ihre Leichen im Keller haben, so spricht es nicht für die Schreibenden, wenn sie eine Meinung nachkauen, nur eben auf journalistisch getrimmt. Damit fischen Sie immer im kleinen Teich.

Persönlich noch dies, mir kommen die, die eine Moral oder eine Wahrheit verneinen wie Leute vor, die eine solche Haltung nicht besitzen. Das ist auch so ein typisch deutscher Zug, bloß keine Reflexion oder Selbstkritik. Es macht nämlich einen Unterschied, ob man Zivilcourage beweist oder das örtliche Tierheim unterstützt, weil man das aus einem inneren Bedürfnis tut, oder ob man das nicht tut, weil einem solch altruistische Anliegen fremd sind. Und jetzt raten Sie mal, welcher Typus am meisten vertreten ist?

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Ehemaliger Nutzer 19.07.2012 | 19:33

Hm, ich habe darüber auch nachgedacht. Aber es sieht nicht danach aus, als würde JA scharf darauf, seine Gedanken zu erklären. Ich habe den Eindruck, dass er in gewissen Situationen bewusst für verschachteltes und vernebeltes Schreiben entscheidet. Okay, wenn er meint, dass es so sinnvoll ist...

Ich habe heute ein russisches Gedicht aus dem 19 Jahrhundert gelesen, das mich zu zwei verschiedenen Auslegungen von Augsteins Aussage bewegt hat. Wenn ich heute Abend dazu noch komme, schreibe ich ein Blog darüber. Wenn nicht, dann am Wochenende, Samstag oder Sonntag. Aber vielleicht wird es bis zum Wochenende schon überflüssig, weil JA selbst was dazu sagt?

zelotti 19.07.2012 | 20:00

Lieber Augstein,

das ist prima, dass man anders schreibt als die anderen. Auch. dass man andere Themen angeht. Aber es geht ja nicht immer um das Recht haben und den Platz im Konzert der Meinungen, den man sich erobert.

Manchmal geht es schlichtweg darum, durch Gespräch etwas zu ergründen.

Die Spiegel Kolumne ist eine Art Blockflötenpluralismus. Da wird eine Rolle gespielt. Das ist nicht echt. Die Nachdenkseiten machen also alles falsch, weil sie die Simulation nicht erkennen, und sich an der Schreibe aufgeilen.

Die beste Aufgabe: Politiker/Journalisten/wir sollen einmal eine steile These verteidigen, die der eignen Meinung entspricht. Durchaus möglich. Und danach die Synthese. Z.B. 10 Minuten Deutschland ist das schrecklichste Land der Erde, 10 Minuten Deutschland ist das schönste Land der Erde.

- Deutschland sollte wieder Bismarcktürme bauen.

- China ist an der Euro-Krise schuld

- Wulff wurde Opfer einer Rettungsschirmverschwörung

- Was Merkel von Helmut Kohl lernen kann.

- Warum Erich Recht hatte.

- Die CDU ist eine marxistische Partei

- Das mit der Datenautobahn haben die damals eigentlich ganz gut gemacht.

- Warum Microsoft keinen Zune in Deutschland anbietet

- Fachkräftemangel: Mehr Inder in die Bundesregierung gebraucht

- Die Bild-Zeitung ist eine Hüterin der Demokratie

- Was der Augstein schreibt ist eh gekauft.

- Nur ein elender Opportunist ist wahrhaft progressiv

iDog 19.07.2012 | 20:30

Lieber Herr Augstein, sie zeigen sich in ihrer Antwort von der lockeren Seite. Ich finde Ihre Antwort aber etwas zu locker und bin zB. nicht ihrer Meinung, wenn es um die "Frage der Sympathie" geht. Was haben Informationen mit Sympathie oder Antipathie zu tun? Haben Sie sich da nicht verschrieben und meinten vielleicht Vertrauen. Denn eine Frage des Vertrauens ist Information, deren Weitergabe bzw deren Rezeption auf jeden Fall. Allerdings haben die meisten so genannten Leitmedien den früher bestehenden Vertauensbonus bei ihrer Leser- oder Zuschauerschaft vollständig zerstört... und das in relativ kurzer Zeit genau durch die Beteiligung an der besagten Gleichschaltung. Diese wiederum ist mitnichten ein Wunsch dazuzugehören - es sei denn sie meinten, man wolle damit zu den Profiteuren der finanziell vorteilhaften "Gleichschaltung" und manipulativer Deutung von Tatsachen gehören. Sie drücken sich da unnötig vage aus. Alleine aus diesem Umstand aber kann so mancher bei nicht vollständig vorhandenem Vertrauen eine Vorsicht ableiten, welche der Möglichkeit geschuldet sein könnte, von elitären Entscheidungsträgern des kapitalistischen Systems oder Geldgebern und Werbekunden eben nicht ausgebootete oder ignoriert zu werden und sich plötzlich als mittelloser Journalist wiederzufinden, dem man zwar vertrauen kann, der aber nebenher Pizzas ausfahren muss, um weiter, wen auch immer, wie auch immer, informieren zu können. Fälle dieser Art sind ja durchaus bekannt - nicht nur aus dem Pressebereich. Aileingänge mit erfolg sind eher Mühsam und selten. In dieser Situation mag sich so mancher Redakteur oder Journalist wohl dafür entscheiden, doch lieber im "Showbiz" zu bleiben.

Und was die Fakten angeht - mein lieber Schwan - da stellen Sie sich anscheinend einfach nur schlafend oder ... was? Es gibt selbstverständlich immer verschiedene Interpretationen zu dokumentierten Handlungsverläufen, aber diese sind eben nicht die Fakten, sondern die Handlungsverläufe selber sind die Fakten, wei jede halbwegs gelungene investigative Recherche zeigt. Die jüngere Vergangenheit hat uns, das internationale "Publikum", nun aber eine Fülle von Anlassen gegeben, zu erkennen, dass nicht nur die daraus abgeleitete Realität, sonderen auch die angeblich dokumentierten Handlungsverläufe selber wenig glaubwürdig waren oder sich unter den Bedingungen einer anschließenden Indizenanalyse nicht als haltbar erwiesen. Und ich möchte damit nicht nur auf offensichtliche Lügen, False Flags und andere propagandistischen Meisterleistungen hinweisen, sondern vor allem auf den Sachverhalt, dass sich die Mainstreampresse oder die so genannten Massenmedien jeglicher Kreditwürdigkeit freiwillig entledigt haben, indem sie es vermeiden die Grenzen der bestehenden, ideologischen Dogmen auch nur anzukratzen, geschweige denn zu überschreiten und also zu debattieren oder zu kritisieren. Hiermit wird die besagte freiwillige Gleichschaltung in problematischen Zeiten zum Erfüllungsgehilfen derer katastrophalen Konsequenz, da ein mögliches Umdenken radikal verhindert wird. Der von mir weiter oben angesprochen Mut, den Sie auch in Ihrer Antwort berühren, muss daher für die allergrößten Teile des aktiven Journalsimus als leider nicht existent erkannt werden. Auch der Freitag hat zu einigen Schlüsselthematiken der letzten Jahre nie wirklich Stellung bezogen, geschweige denn kritische Analysen erstellt. Dieses Schweigen ist auch information, und zwar Information, die weder vertrauensbildent wirken kann, noch Sympathie wird erzeugen können.

Pleifel 19.07.2012 | 20:50

"Zu meinem Journalismus gehört das Zweifeln, das Fragen, das Suchen, die Kritik - auch die an der eigenen Überzeugung. Für mich ist das eine Frage des Handwerks. Des Ethos. Aber nicht nur. Es ist nicht nur Selbstzweck. Es geht - wie gesagt - um die Frage, was das alles soll. Ich denke, Kritik soll Wirkung haben wollen. Was ist Kritik ohne den Anspruch auf Wirkung?"

"..Das bedeutet, der linke Publizist schreibt munter vor sich hin, freut sich, dass er "Recht" hat, seine Leser freuen sich mit ihm – und das war's dann auch schon. Er hat sich mit seinen Texten so weit von der Mehrheitsgesellschaft, ihrer Debatte, ihrer Selbstfindung, ihrer Selbstkritik und ihrer Entscheidungsfindung entfernt, dass er schlicht keine Rolle spielt. Ist das genug?"

Warum diese Zweifel? Anspruch auf Wirkung? Wenn Sie ihrer journalistischen Tätigkeit nachkommen "hintergründig zu informieren", dann wird sich die Wirkung schon einstellen.

Mehr Wirkung würde es vielleicht erzielen, wenn Sie sich und viele hier in der FC mit Beiträgen in Medien wie der FAZ beteiligen würden. Dort ist im Forum z.B. der Sarrazin mit seinem Feuilleton-Text wieder voll in der FAZ-Gemeinde angekommen. Dort fehlen die kritischen Beiträge, wie hier in der FC. Der Blog in der FAZ ist zwar auf 1000 Zeichen für einen Beitrag reduziert, aber das hat ja auch schon mal den Vorteil der Konzentration auf das Wesentliche.

Mir ist ein Augstein lieber, der sich um Redlichkeit bemüht, mich mit erläuterten Informationen versorgt, der mein Wissensspektrum vergrößert, der mein Gesichtsfeld erweitert und mich damit mit "Gedankenmunition versorgt". So ausgestattet, kann ich mich besser in Foren usw. bewegen, wo der Freitag und die Nachdenkseiten nicht zum Lesespektrum gehören.

Jeder des Lesens fähige Bürger in Deutschland ist dringend auf die kleine, kritische Gemeinde der Journalisten, Blogbetreiber angewiesen und wer in diesem Sinne aufgeklärt werden will, findet auch die entsprechenden Medien. Es besteht also kein Grund zur Resignation.

Aber wie gesagt, sich nur hier im "FC" zu tummeln, kann der Entspannung und dem Vergnügen dienen, aber die Arbeit mit den harten Nüssen findet wo anders statt. Also ran in diese Foren. Schön wäre es dann, wenn man sich dort irgenwie erkennen könnte.

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Ehemaliger Nutzer 19.07.2012 | 21:21

>>Wer auf 4000 Zeichen seine Meinung verbreitet, und dann gleichzeitig deutlich macht, es könnte aber auch alles ganz anders sein - den muss man nun wirklich nicht lesen.<<

Ach, das nehme ich nicht persönlich.

>>Worum es mir geht, hat György Dalos so formuliert: "(...) Dementsprechend muss ich für den GAU gerüstet sein, wenn etwa ein Konservativer plötzlich Recht hat oder ein Vertreter des Fortschritts eine enorme Dummheit präsentiert. (...)"<<

Oder war ich gar nicht gemeint?

Lapis 19.07.2012 | 22:07

>>Mancher spricht hier von "Fakten". Was soll das denn sein?<<

Fragen Sie doch den "Focus", und nehmen das Gegenteil.

>>Auch das Wort "objektiv" macht mich nachdenklich ...

Es gibt Auffassungen der Wirklichkeit und Werte und Argumente. Wahrheiten gibt es nicht.<<

Also im Grunde ganz ordinäre Phänomenologie?

>>Darum gehört zum Verständnis eines Textes eine Art Beziehung zum Autor, ein Verständnis einer Linie, eines Charakters.<<

Klar, man muss nur ein Fan sein und ihn ganz doll lieb haben, dann begreift man ihn auch.

Irgendwie bekommt hier der Begriff Meinungsfreiheiteine ganz neue Bedeutung. Klingt aber trozdem irgendwie toll, das Etikett vom "dissidenten Journalismus".

Huch, das Blatt ist ja sogar mit "Das Meinungsmedium" untertitelt??

Nur gut, dass das hier unter "Kultur" läuft...

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Ehemaliger Nutzer 19.07.2012 | 22:11

@J.Augstein

"Journalisten sind in den seltensten Fällen einfach nur Büttel des Kapitals.Gleichschaltung gibt es nicht. Aber es gibt freiwillige Gleichrichtung.Und das ist viel schlimmer."

Leider ist mein Kommentar zu Ihrem Text nicht wirklich hier angekommen.

Zur Gleichschaltung fällt mir das Buch von Ulrike Herrman ein

"Hurra wir dürfen zahlen...Der Selbstbetrug der Mittelschicht"

Das ist ein sehr lesenswertes Buch über die BRD und wie die Ideologie der Mittelschicht aufgebaut wurde. Die will nämlich nicht arm sein und auf keinen Fall zur Unterschicht gehören.

Ein teurer Irrtum!

Die deutsche Mittelschicht schrumpft. Gleichzeitig werden Reiche immer reicher. Der Protest bleibt aus. Stattdessen betreiben Handwerker, Beamte und Angestellte sogar noch ihren eigenen Abstieg, indem sie klaglos zulassen, dass die sogenannten Eliten immer weniger Steuern zahlen. Wie kann das sein? Die Antwort: Die Mittelschicht sieht sich selbst als Teil der Elite – ein teurer Irrtum, der nur den wirklich Reichen nützt.

Die Mittelschicht in Deutschland betrachtet sich gerne und immer häufiger als Opfer. Ständig hat sie den Verdacht, sie würde vom Staat ausgebeutet. Doch: Stellt die Mittelschicht nicht die Mehrheit in dieser Gesellschaft? Warum stimmt sie zum Beispiel für Steuergesetze, die die Oberschicht einseitig privilegieren? Warum benimmt sich die Mittelschicht so irrational? Ulrike Herrmann untersucht den bundesdeutschen Alltag, analysiert die wundersame Vermehrung der Milliardäre, die Renaissance des Adels, die Rückkehr der Dienstboten, die Verachtung der Unterschicht und den fatalen Glauben der Mittelschicht, sie sei privilegiert. Aber die Zeit drängt. Findet die Mittelschicht nicht zu einem realistischen Selbstbild, sondern hängt weiter ihrem Elitedünkel an, wird sie auch weiterhin allein für wirtschaftspolitische Fehlentscheidungen bezahlen.

Rezension Nachdenkseiten:

Begütert ist die Mittelschicht nicht: Zu ihr zählt, wer zwischen 1000 und 2200 Euro netto im Monat als Single bzw. 2100 bis 4600 Euro als Ehepaar mit zwei Kindern monatlich verdient. Die Mittelschicht unterstützt in ihrer Mehrheit eine Politik, die vor allem der Oberschicht dient, weil es die Reichen verstehen, ihre Macht und ihren Reichtum zu verschleiern,weil der Glaube an den Aufstieg in der Mittelschicht ungebrochen ist,weil sie ihren Status überschätzt und ihre Aufmerksamkeit darauf lenkt, sich von der Unterschicht abzugrenzen.

Warum setzen Journalisten nicht da an und klären auf?

Pleifel 20.07.2012 | 00:01

"Die Mittelschicht unterstützt in ihrer Mehrheit eine Politik, die vor allem der Oberschicht dient, weil es die Reichen verstehen, ihre Macht und ihren Reichtum zu verschleiern.."

Treffend beschrieben und meine Erfahrung aus dem Berufsleben bestätigt genau diesen kuriosen Zustand. Abgesehen von fruchtloser Nörgelei, mangelnder Bereitschaft sich zu engagieren, geschweige denn einer Gewerkschaft beizutreten, ist eine individualistische Tendenz zu beobachten.

Es gibt keine oder zuwenig gemeinsame Erfahrungen, die ein "Wir-Gefühl" erzeugt. Da man sich selbst als "Monade" betrachtet, aber auch erfährt, riskiert man nichts und fühlt sich noch bestätigt in dem Irrglauben, wenn man persönliche Benachteiligungen anderer wahrnimmt, die eben mehr riskiert hatten. Dann orientiert man sich eher nach oben und sieht in den Anderen nur den Konkurrenten.

Bestärkt wird das Ganze durch Politik und Medien, die uns einreden wollen, "wir müssten unsere Gürtel enger schnallen" oder "wir leben über unsere Verhältnisse". Wenn man dann nur einmal den Satz verändert und begründet, "wir leben unter unseren Verhältnissen", dann ist das für einen FAZ-Kommentator "Voodoo-Ökonomie".

Wobei mit "wir" nicht die 10% der Oberschicht gemeint ist, die von leistungslosem Einkommen lebt. Das Bankgeheimnis dient insofern nur der Steuerhinterziehung! Denn dieser Schutz gilt im Zweifel nie dem normalen Einkommensbezieher oder gar jemanden, der das "Glück der Arbeitslosigkeit erleben darf".

Es hat seit Mitte der 70er ein schleichender Prozess der "Ökonomisierung der Gehirne" eingesetzt, der aus einer Gesellschaft, die zumindest für 30 Jahre nach dem Krieg eine Aufbruchstimmung erzeugen konnte, in das Gegenteil verkehrt hat.

Es bedarf keiner Verschwörungstheorien, um die Gründe für diese Veränderungen zu erklären. Ökonomie ist keine exakte Wissenschaft. Gelebte Ökonomie ist die Umsetzung der politisch-wirtschaftlichen Vorstellungen einer herrschenden Klasse, die sich der "Intellektuellen" bedient, um diesen Zustand zu verschleiern, bzw. zu legitimieren. Man suche sich aus, was einem eher zusagt.

Wie soll auch eine Presse dass "aufheben", was sie selbst in ihren Prinzipien am Leben erhält. Es gibt Ausnahmen, aber die erhalten nicht die erforderliche mediale Aufmerksamkeit. So gibt es eine quasi Legitimation der Pressepluralität, aber das System hat es genau so vorgesehen und unter Kontrolle.

JR's China Blog 20.07.2012 | 10:38

In einem Punkt finde ich Herrn Augsteins Kolumne - "Was Merkel jetzt machen muss" - tatsächlich kritikwürdig, und teils kritikwürdig im Sinne der Kritik Herrn Müllers. Es fehlt die Diagnose, und die hat eben wirklich etwas mit auseinanderlaufender Wettbewerbsfähigkeit zu tun. Weitaus besser als nachdenkseitenhat das allerdings der Ökonom Michael Pettis beschrieben - und obgleich er das viel besser macht, lässt er ebenfalls zu oft außer Acht, dass eine Abstimmung verschiedener Volkswirtschaften aufeinander nicht darin bestehen kann, die wettbewerbsfähigsten Einheiten zu schwächen - es gibt ja auch noch einen Weltmarkt, auf dem die Euroland-Mitglieder zurechtkommen müssen. (Nebenbei bemerkt ist die Rolle deutscher Banken in Pettis' hier verlinktem Post vermutlich überbetont, aber das ändert nichts an der Klarheit im Ganzen.)

Wenn Herr Augstein überzeugend darstellen will, warum Merkel es so machen muss, wie er vorschlägt, reicht es nicht zu sagen, dass Deutschland jetzt sowieso schon bis zum Hals in der Eurogrütze steht und jetzt genauso gut mal kurz untertauchen und den Stöpsel ziehen kann. Es muss auch gesagt werden, dass es Konsens zwischen Schröder und Merkel war, dass Arbeitsplätze und ergo Außenhandelsüberschüsse gut; Konsum und Außenhandelsdefizite hingegen schlecht seien. Dass Deutschland also die Grütze, in der wir alle - Deutsche, Italiener, Griechen - bis zum Halse stehen, selbst mit in die Wanne hat laufen lassen.

Und dann hat Herr Augstein recht: Merkel muss die Europäische Union aufbauen - und wie beim Deichgrafen Hauke Haien muss "etwas Lebigs" in den neuen Deich. OK, nicht Merkel selbst. Aber wahrscheinlich ihre Kanzlerschaft.

Uwe Theel 20.07.2012 | 11:34

"Und dann hat Herr Augstein recht: Merkel muss die Europäische Union aufbauen - und wie beim Deichgrafen Hauke Haien muss "etwas Lebigs" in den neuen Deich. OK, nicht Merkel selbst. Aber wahrscheinlich ihre Kanzlerschaft."

Und was wäre dann anders?

Ich halte die Opferthese von Herrn Augstein von Anfang an und nach wie vor für haltlos: Merkel würde allenfalls dem Volk, das nichts begriffen hat, nicht begriffen hat, weil auch kräftig von Merkel &Co dafür gesorgt wird zum Fraß vorgeworfen, um dann munter "weiter so" zu machen unter einer SPD-Marionnette.

Bezeichnenderweise sagt JA an keiner Stelle, wer hier wem wozu opfern würde. Nur das Opfer selbst wird benannte. Dass die CDU ihre Angie opferte, wäre ja wohl eine nur lächerliche Aussage.

JR's China Blog 20.07.2012 | 12:00

Nun ja - alles, was ich von Merkel bisher gesehen habe ist, dass sie gerne Kanzlerin ist und es noch lange bleiben will. Und wenn sie einer "SPD-Marionette" Platz machen muss, wird sie das nicht freuen. Insofern handelt es sich bei diesem Szenario um ein Opfer - zumindest um ein persönliches Opfer. Ich verstehe Herrn Augstein so, dass Merkel ihre Kanzlerschaft zugunsten eines europäischen Institutionenbaus und einer ausgebauten Transfer-Union riskieren sollte. Eine Kanzlerschaft ist schließlich kein Selbstzweck.

Was dann anders wäre? Wir hätten dann - mit Glück - die europäischen Institutionen, welche eine gemeinsame Währung braucht.

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Ehemaliger Nutzer 20.07.2012 | 14:15

Nach dem ich jetzt auch noch "Linker Schweinejournalismus" lesen mußte, muss ich sagen: Das wars für mich. M.E. denunzieren Sie. Erst die NS hier, jetzt noch die Taz drüben. Und warum? Weil Sie kritisiert wurden? Was denken Sie aber dann über Ihre Sie kritisierende Community? Sie geben eine Antwort, die nicht wirklich eine Antwort ist. Thema, das Ihnen, wie Sie sagen sehr wichtig ist- fertig, das Nächste..

Mir scheint Ihr angeheftetes links (irgendwie und im Zweifel) mehr Marktplatz als Herzensangelegenheit zu sein. Schade.

Uwe Theel 20.07.2012 | 15:14

geehrter JR'S CHINA Blog,

ich denke wir diskutieren die Sache politisch und nicht persönlich privat im Sinne des Boulevard. Dass Merkel "gerne Kanzlerin bleiben möchte" und ein "persönliches Opfer brächte" wenn Sie zurückträte - schon Abwahl durch Bundestatgswahl währe kein Opfer mehr, allenfalls Wahlniederlage - ist, politisch betrachtet, systemisch von keinerlei Bedeutung, solange Systemkontinuität gewahrt bliebe. Was also wäre da zu diskutieren?

Dass JA die Revolution am Horizont heraufdräuen sähe, der Merkel zum Opfer fiele, indem sie - so JA wörtlich - "sich" opferte, wäre semantisch sicher mehr als gewagt, zu formulieren.

JR's China Blog 20.07.2012 | 20:36

Ich glaube schon, dass ich die Sache politisch diskutiere, Herr Theel - aber nicht systemisch. Es sei denn, schon Reformen, in der "systemrelevante" Wirtschaftsteilnehmer für sich selbst haften, oder die Wahl zwischen Euro und einer anderen Währung wären systemisch.Aber ich finde die Augsteinsche Argumentaton nachvollziehbar - auch eine verlorene Bundestagswahl auf Grund einer konsequent ausgebauten europäischen Wirtschaftspolitik wäre m. E. ein "Opfer" - eben ein persönliches. Und "Boulevard" oder nicht: wie Merkel sich in dieser Hinsicht entscheidet, halte ich für politisch relevant.

Uwe Theel 20.07.2012 | 22:10

Entschuldigen Sie, JR`s China Blog,

aber verstehe ich Sie im Sinne von JA richtig, dass es ein persönliches Opfer darstellte, wenn Frau Merkel zusammen mit Schäuble das neoliberale "Europa-Konzept" gegen den "Unwillen" - reden wir mal nicht vom Willen" - des Volkes durchzieht und dadurch mit Abwahl gestraft würde?

JA hält dieses "Opfer" zum Erhalt von Wohlstand und Europa für unverzichtbar und meint damit, systemisch betrachtet, den Erhalt der kapitalistischen Ordnung. Müller hat das ganz richtig analysiert. JA bleibt dabei zudem jeden konkreten Gedanken schuldig, warum es zu Merkels Ofer für Europa keine Alternative gäbe.

Wenn Sie das Ganze nicht systemisch betrachten, dan betrachten Sie es freilich noch politisch, allerdings damit ideologisch im Sinne des Glaubens an einen einhegbaren Kapitalismus.

Noch einmal Entschuldigung, aber nicht einmal für diesen Glauben wollte ich, dass sich irgendjemand, auch nicht Frau Merkel, opferte.

Uwe Theel 21.07.2012 | 13:38

dann, werter JR`s China Blog,

interessierte mich brennend, wie Sie im Rahmen des Kapitalgesetzes, den systemimmanenten Drang des Kapitals nach unendlicher Akkumaulation bei gleichzeitig begrenzten Ressourcen in einem Markt der konkurrierenden Markteilnehmer (tendenzieller Fall der Profitrate), eben das Kapitalgesetz zur Unwirksamkeit bringen wollten, ohne das laut "marktwirtschaftlichem" Credo, frisch aufgelegt gerade als "Neoliberlismus" , dem "Unternehmer" der unersetzliche "Anrieb" genommen werden würde, das dem Linken als Herrschaftsinstrument aber unannehmbar sein muß.

JR's China Blog 21.07.2012 | 15:51

Den Drang des Kapitals nach Akkumulation zur Unwirksamkeit bringen will ich gar nicht, Herr Theel. Ich halte es in dem Punkt - allerdings auch nur in dem - mit dem chinesischen Revolutionsveteranen Chen Yun. Und an Stelle des "Plans" als Käfig setze ich auf die Politik.

Einhegen kann man den Kapitalismus entweder ebenso gut wie die Tendenz des Menschen zu allen sonstigen Todsünden (ich glaube mich zu erinnern, die Gier ist eine davon), oder keine. Es ist - im Kapitalismus wie im Staatskapitalismus - eine Frage des politischen Willens.

Das ist für Sie, wie sie schreiben, vielleicht bereits unannehmbar, aber zu einer Demokratie gehört es auch, den Willen oder auch die Unentschiedenheit der Mehrheit - im Rahmen der Grundrechte - zu achten, und das Volk, das - angeblich - nichts begriffen hat, nicht für blöd zu erklären, weil sich dort für die eigenen Vorstellungen keine Mehrheit findet.

Uwe Theel 21.07.2012 | 16:31

Weder hat das Kapital einen "Drang" zu akkumulieren, noch ist die menschliche "Sünde" (oder Disposition) der "Gier" "schuld" am Kapitalismus.

Menschliche Gesellschaft muß sich reproduzieren, ergo muß es ein wirtschaften geben. Marxens Verdienst ist es, den Mechanismus kapitalistischen Wirtschaftens enthüllt zu haben und gleichzeitig und dagegen den Anspruch von der Beendigung der Herrschaft des Menschen über den Menschen, d.h. den der Freiheit zu stellen.

Solange wirtschaften gleichzeitig herrschaften meint, kann dieser Anspruch nicht eingelöst werden und zwar unabhängig von der "Natur des Menschen", die als solche selbst dialektischer Art ist und es erlaubt, sich für oder gegen eine Sache, ein Konzept zu entscheiden.

Ich nehme an, dass diese Thesen für Sie unannehmbar sind.

P.S.: Im letzten Teil Ihres Posts lassen Sie die Diskussion für meine Begriffe etwas ausufern. Da lasse ich mich nicht weiter darauf ein.

Insofern ist die Wahl der halbwegs entwickelten Gesellschaftsform noch nie einen "natürliche" Sache gewesen, oder hat auf irgendwelchen Sündenpotentialen oder Gierverhalten der Spezies beruht.

JR's China Blog 21.07.2012 | 17:54

Hatten Sie heute mittag nicht einen systemimmanenten Drang des Kapitals nach unendlicher Akkumulation erwähnt?Wenn Sie sich auf meinen letzten Absatz nicht einlassen wollen, ist das natürlich Ihr gutes Recht, Herr Theel. Für mich sind allerdings schon Hegels Denkmuster Modelle, keine letztendlichen Erklärungen, und Marx' Gedanken sind nicht meine.

Ansonsten gilt für mich: eine Politik, welche die Frage der ökonomischen Haftbarkeit für wirtschaftliche Fehlentscheidungen angeht, plus eine Politik, die entweder Mindestlöhne festlegt oder die eine Tarifautonomie gewährleistet, in der die Gewerkschaften sich auch mit dem "Niedriglohnsektor befassen, wäre ein guter Anfang. Nicht zuletzt sind das Schritte, welche die meisten Leute, die ich kenne, nachvollziehen und unterstützen würden.

Ohne Überzeugungsarbeit müssten Sie Ihre Mitbürger zu ihrem "Glück" zwingen, oder?

Uwe Theel 21.07.2012 | 18:44

Ich entschuldige meinen metaphorischen Umgang mit den Begriffen im diskutierten Zusammenhang:

Statt "Drang" hätte ich eher von "Gestzmäßigkeit" sprechen sollen, die dem Kapitalumschlag innewohnt; die ist es, die Marx in seiner Kritik der politischen Ökonomie, dem "KAPITAL" formulierte. Ich meinte jedenfalls nicht Drang oder Gesetzmäßigkeit im Sinne natürlichen menschlichen Wesens, o.ö.

Was Sie "wirtschaftliche Fehlentscheidungen" nennen, sind systemimnmanent betrachtet "richtige Entscheidungen", die dem Kapitalinteresse dienen. Der Wunsch nach Maßnahmen, diese "sozial abzufedern" setzte voraus, es gäbe ein systemimmanentes Interesse daran. Genau dies gibt es aber nicht. Der Kapitalumschlag funktioniert nur als Konzentrationsprozess und unter Schuldenmachen bei Herrschaft über die abhängig Beschäftigten.

Dass Marxens Kritik nicht die Ihre ist und Hegels Dialektik Ihr Denken letzlich nicht prägt, macht es schwierig über wirkliche Alternativen nachzudenken.

Ihre Hoffnung, dass die Menschen - wen meinen Sie damit genau ? - doch einsehen werden, dass z.B. Niedriglohnsektor, nicht Mindestlohn die Probleme eines an seinen inneren Grenzen stoßenden Systems stabilisieren könnten, sind da nur so folgerichtig und Ihre Position erhellend, wie falsch.

Sie nehmen weiter fälschlich an, dass ich die Menschen, - die abhängig Beschäftigten also (oder meinten sie die Kapitaleigner?) -zu Ihrem Glück, in Ihrer Logik dem Mindestlohn, also zwingen müsste? Das wohl im Gegensatz zu Ihnen, der die Kapitaleigner ja auch nicht zur Einführung von Niedriglohn zu zwingen braucht?

Sich auf Chen Yun zu beziehen entbehrt nicht der Komik: Sie propagieren hier einen Mann, der glaubte mit "marktwirtschaftlichen Mitteln" die maositischen Variante de Kommunismus zu retten. Das Ergebnis können wir heute sehen, so meinen sie wohl: China sei ja heute ein ernsthafter Konkurrent auf dem kapitalistischen Markt geworden mit dem auch wir zusammenarbeiten wollen und sollen.

Ohne hier Einzelheiten zu diskutieren, aber wie können Sie im Ernst den Preis den die chinesische Gesellschaft für diese Marktmacht bezahlt, von Kosten für Umwelt und Niedergang unserer eigenen Ökonomie im "Westen" noch abgesehen, als Argument für die Möglichkeit einhegbaren Kapitalismus´ preisen? Das ist nur abenteuerlich, aber systemimmanent logisch.

Stecken Sie sich Ihren Roten Stern ab und treten sie gelb-blau in die FDP ein.

P.S.: Meine starke Vermutung: Entweder Sie sind irgendwann um 1978/80 mit Anfang 20 im Nachmaoismus-Antikommunismus beim RCDS hängen geblieben, oder aber das "Chinesische" ist bei Ihnen eh nur folkloristische Dekoration und sie sind heute mit Mitte 40 oder so sowieso längst in der FDP, wahlweise bei den Grünen à la Metzger.

"Dong van hong!"

Pleifel 21.07.2012 | 19:15

Sehr geehrter Herr Theel,

"..und Niedergang unserer eigenen Ökonomie im "Westen" noch abgesehen,.."

Ich hoffe, ich störe nicht die trauten Gespräche des deutsch-chinesischen Austauschs und möchte ergänzen, dass ich den "Niedergang unserer eigenen Ökonomie" so nicht unwidersprochen stehen lassen kann.

Das zweifelhafte Wachstum von China ist zum großen Teil von internationalen Konzernen getrieben, die sehr wohl ihre Investitionen und Profite zu sichern wissen. Diese Konzerne profitieren vom chinesischen Markt und ziehen große Teile der Gewinne wieder raus, die also unseren starken Exportbetriebe fördern. Die Gewinner in Deutschland sind die AN in diesen Betrieben (falls starke Gewerkschaften wie bei VW Gewinne abschöpfen können) und die Kapitaleigner.

Die Frage ist allerdings dabei, wer und wieviele bei diesem Prozess "ausgeschieden" werden. Die Prekarisierung in Deutschland könnte ich als Folge dieser Entwicklung verstehen und/ oder als Versagen der Politik, die die Schranken für hemmungslosen Neoliberalismus quer durch die Parteien gefördert hat (außer der Linkspartei).

Ich bin zwar kein Chinaexperte, aber als ehemaliger Banker und "linker" Betriebsrat ein wenig mit dem Thema vertraut.

hong van dong?

JR's China Blog 21.07.2012 | 19:33

Das sind ja nun ziemlich viele Vermutungen auf einmal, Herr Theel. Chen Yun habe ich nicht erwähnt, weil ich das chinesische Modell für attraktiv hielte - das Gegenteil ist der Fall. Aber darum kann ich mich ja mit seinen Gedanken trotzdem auseinandersetzen und das, was ich nachvollziehbar finde, dann auch gedanklich anwenden. Übrigens ist das, was China letztlich bekam, auch nicht Chens Modell, sondern Deng Xiaopings. Die beiden hatten sehr unterschiedliche Ansichten, und Chen verlor die Auseinandersetzung mit Deng spätestens Anfang der 1990er.

Ebenso wie mit Chens setze ich mich gerne mit Ihrer Position auseinander. Ich wundere mich allerdings etwas über Ihre Aufforderung, mir den roten Stern abzuhängen, oder über Ihre Bemerkung, Hegel müsse mein Denken prägen, bevor es leicht würde, über Alternativen nachzudenken.

Sicherlich muss ein Niedriglohnverdiener nicht zu einem besseren Einkommen gezwungen werden. Es spricht allerdings alles dafür, dass entweder Politik oder organisierte Arbeitnehmer die Arbeitgeberseite zur Zahlung solcher Einkommen zwingen müssen.

Eine Politik, die imstande wäre, Marxens Kritik am Kapitalismus zu übernehmen und umzusetzen, brächte damit einen Willen auf, den sie m. E. besser dazu einsetzen soll, den Kapitalismus einzuhegen. Was kapitalismus-immanent ist, muss nicht zwangsläufig politik-immanent sein. Wie Herr Pleifel sagt: die Prekarisierung in Deutschland kann man auch als Versagen der Politik verstehen - das tue ich. Und wie Sie selbst sagen, Herr Theel: der Mensch ist in der Lage, sich für oder gegen eine Sache zu entscheiden. Aber das muss eben nicht auf Ihre Position hinauslaufen.

Vielleicht hilft es wenn ich sage, dass ich gestern bei meinem ersten Kommentar nicht auf dem Zettel hatte, dass es zwischen Freitag-Bloggern und der Redaktion Differenzen zu geben scheint. Ich habe nicht den Wunsch, mich daran zu beteiligen. Mein Kommentar war eine spontane Reaktion auf die "Was-Merkel-machen-muss"-Kolumne.

Aber wenn wir weiter diskutieren wollen, dann sage ich Ihnen gleich, dass das nicht ohne Geduld funktioniert. Ich versuche nicht, Ihren Standpunkt mit einem Kommentar abzufrühstücken; ich versuche, ihn zu verstehen. Wenn das aber nicht auf Gegenseitigkeit beruht, wird unsere Diskussion wahrscheinlich nicht viel bringen.

Pleifel 21.07.2012 | 20:03

Sehr geehrter Herr Theel, Herr/Frau "JR´S China Blog",

wäre es vielleicht einer "Erwägung" wert, ein Thema neu zu setzen, vielleicht mit "Konkrete Schritte zu alternativen Gesellschaftsordnungen"?

Unter Einbeziehung aller entwickelter Produktivkräfte, der Nutzung der IT für gesellschaftliche Planung mit Aufhebung des Widerspruchs zur Einschränkung individueller Lebensweisen usw.

Pleifel 21.07.2012 | 20:33

Ok, ich bin noch nicht so lange hier im Forum aktiv. Wenn ich einen Beitrag starte, müsste ich mich mit der Strukturierung und Inhalt für den Einstiegsbeitrag natürlich intensiv beschäftigen. Da kommt dann heute von mir natürlich noch nichts.

Ich stelle mir vor, dass ich die für mich wichtigsten Elemente dieser alternativen Gesellschaft benenne und meine Vorstellungen zu den Aufgaben und Vernetzungen aufführe. Es ist mir klar, dass dies nur ganz grob skizziert werden kann, wo Koryphäen dicke Bücher (-reihen) dazu geschrieben haben.

So in etwa? Bitte Vorschläge.

GrüßePaul (der steckt schon in pleifel drin)

JR's China Blog 21.07.2012 | 20:49

Ich bin dann JR - oder der Blog. Was mich betrifft, sollte vor allem nicht die Ambition in der Diskussion stecken, sich am Ende auf "die" Gesellschaft zu einigen. Eben darum erscheint mir die Idee mit konkreten (ersten) Schritten vielversprechend - bei denen kann ja womöglich jeder ein anderes Ziel verfolgen. Aber wenngleich kein "Muss", ist es sicher nützlich, wenn jeder von uns auch die Zielvorstellungen des anderen kennt. Ich schaue mir jetzt ebenfalls erst einmal meine eigenen an.

Uwe Theel 21.07.2012 | 21:24

Sehr geehrter JR,

lassen wir die Chinesen also außen vor, aber was meine Vermutungen hinsichtlich Ihrer Haltung gegenüber Marx und Hegel betrifft, so führten Sie da Ihre Position ein, auf die ich nur reagierte, weil ich einen Methodenmangel sah.

Auch was die Einhegung des Kapitalismus betrifft, so war das ihre Ausgangsthese, auf der sie weiter beharren, der ich erst widersprach.

Dazu fragte ich Sie (= Diskussionsangebot), wie Sie sich das konkret, inhaltlich vorstellten und dann antworteten Sie mit Thesen die ich denauso schlecht bei INSM finden kann.

Ich hatte nicht vor, hier einen Grundkurs in Kritik der politischen Ökonomie abzuhalten, sondern nur den Versuch unternommen von Ihnen zu erfahren, wie denn die Einhegung nun praktisch ginge und höre bisher nur von die - Entschuldigung - alten, ideologischen Rezepte.

Ich erwartete schon, dass Sie ihre Vorstellungen dann schon konkret auch gegen linke Analyse positionierten und nicht abstrakt nur die Tröstungen auf eine ungwisse ZUkunft aussprächen, die zu lange schon unerfüllt geblieben sind.

Pleifel 21.07.2012 | 21:28

Gut, jetzt habe ich wenigstens mal einen Grund, meine Gedanken zu dem Thema zu strukturieren. Für irgendwas muss die jahrelange Lektüre ja schließlich nütze sein, abgesehen von intellektuellen Erkenntnissen und einigen praktischen Umsetzungen im betrieblichen Alltag.

Also frühestens Montag stelle ich dann was ein. Bis dahin bitte etwas Geduld.

Grüße Paul (von wegen Pfeiffel!)

Uwe Theel 21.07.2012 | 22:54

Lieber Pleifel,,

Entschuldigung für die zwei F, ich weiss es sind drei.

wg. Fortsetzung er Diskussion: Gerne: Allerdings, morgen werde ich so gut wie nicht im Blog sein und nächsten Donnerstag sause ich mal kurz für drei Wochen nach Japan um mir dort Land und Leute anzusehen. Vorher muß ich noch Kofferpacken und solche Kleinigkeiten erledigen. aber ich komme wieder.

Also bitte keine Unhöflichkeit vermuten :-)

Danke

ut

JR's China Blog 22.07.2012 | 07:33

Ich wünsche Ihnen einen guten Japan-Aufenthalt, Herr Theel, und freue mich auf Ihren Post, Herr Pleifel.

Für den m. E. nicht unwahrscheinlichen Fall, dass sich darauf Differenzen ergeben, schlage ich vor, dass im Verlauf jeder von uns bis Ende August seinerseits einen Entwurf der Gesellschaft postet, die er sich vorstellt, und erste konkrete Schritte dorthin - vielleicht einmal, vielleicht auch mehrmals, je nach Diskussionsverlauf. Damit wäre jeder einmal in der Rolle des Autors und der des Kritikers, und damit lassen sich möglicherweise auch Differenzen besser einschätzen.

Pleifel 22.07.2012 | 13:53

Lieber JR,das ist mir sehr recht, da ich mich dann noch mal in einige Bücher vertiefen kann. Je intensiver man sich mit den Alternativen beschäftigt, desto umfassender und komplexer wird das Ganze.

Ja, ihre Idee mit jeweils eigenen Beiträgen finde ich gut, da es sicher unterschiedliche Schwerpunktsetzungen gibt. Wie weit ist das jeweilige Modell von der Gegenwart entfernt? Wie könnte man sich die Übergänge dorthin vorstellen? Welche Elemente hält man selbst für prioritär, usw.?

Abgemacht, ich poste am 17.08. etwa mit dem Titel: "Alternative Gesellschaftsmodelle Version 1".

Für Sie Herr Theel eine gute Reise und geschärfte Gedanken beim Wiedereinstieg in die Themen.

SayonaraPaul