Randalieren für die Liebe

Punkrock ist zurück In diesen Zeiten von AfD und Rechtsruck kommt der Punkrock zurück - Zum Beispiel durch Swiss & die Andern
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Diese Zeiten, in denen der rechte Mob sich wieder ungehemmt auf den Straßen zeigt, erinnert viele an den Anfang der 90er Jahre, in denen Häuser brannten und die NPD in den Fußballstadien mobilisierte. Die musikalische Reaktion gab es vor allem durch den deutschsprachigen Punkrock von Slime, Dritte Wahl, Normahl und vielen anderen Bands. Auch wenn der Punk nie richtig weg war, erlebt er jetzt wieder eine Renaissance. Wenn Haltung und klare Botschaften gefragt sind, dann kann man eben nicht Bendzko, Giesinger und Co. hören. So rocken jetzt beispielsweise Feine Sahne Fischfilet die Festivals von der Ostsee bis nach Bayern.

Eine andere Band aus Hamburg hat gerade ihr neues Album „Randalieren für die Liebe“ veröffentlicht. „Swiss & die Andern“ heißt die Formation, die einen Crossover von Punk und HipHop anbietet, wie es in den 90ern von Rage Against the Machine, Clawfinger oder Such a Surge zelebriert wurde. Der Kampf gegen Rechts und gegen eine Ellenbogengesellschaft stehen im Vordergrund des Albums. Neben ein paar Balladen geht es kräftig zur Sache. Dabei hält die Band die Balance zwischen wütenden und tröstlichen Texten. Natürlich kommt Punk nicht ohne Parolen und Vereinfachungen aus, um die Haltung wie auf einem T-Shirt vor sich herzutragen. Dass das alles nicht ganz so bierernst zu nehmen ist, macht die Band mit kurzen Einspielern deutlich. Die Songs überzeugen mit Wechseln von Tempo, Gesang und Rap - so ist das Album nie langweilig. Wer reinhören mag, sollte die ersten beiden Songs des Albums auswählen, um die Bandbreite der Musik zu erfassen. Der Opener „Schwarze Flagge“ gibt die politische Richtung vor. „Nicht von dieser Welt“ tröstet über das persönliche Scheitern hinweg. Aus dem Hip Hop übernommen wurde die Selbstdarstellung, das Posen und sich selber abfeiern. Das mag dem einen oder anderen klassischen Punkrock-Fan ein bisschen zu weit gehen, aber Haltung zeigen auf der Bühne und auf der Straße geht nun mal auch nur ganz persönlich.

Swiss & die Andern, Randalieren für die Liebe, Label Missglückte Welt, VÖ. 24.08.2018

13:43 29.08.2018
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Geschrieben von

JB Rebentrost

Magister der Germanistik, Geschichte und Kommunikations- und Medienwissenschaften, Poetry Slammer, PR-Berater, Autor und FC St. Pauli Fan
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