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Mensch - Bürger - Leser - Wähler
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RE: In der Zwickmühle | 26.03.2020 | 09:34

In der Frage Geld oder Leben wurde sich im Kapitalismus und seiner neoliberalen Ausprägung letztendlich immer für das Geld als höheres Gut entschieden. Die Menschen in ihrer Masse passen zu diesem System - man muss sich nur deren aktuelles Hamsterverhalten anschauen. Gier und Habgier werden weiter obsiegen. Eine dagegen opponierende Minderheit bleibt chancenlos, hoffnungslos unterlegen. (Und wenn nun die Alten und Kranken sich vorzeitig ins Jenseits verabschieden, denen in unserer Gesellschaft sowieso keine Achtung und kein Anstand entgegengebracht werden, so sie nicht vermögend, dann passt es ja vielen in den Kram, entlastet die Rentenkassen, nimmt Fridays for Future Teile ihres Feindbildes.)

RE: Raus aus der Furchtquarantäne | 25.03.2020 | 18:46

Völlig ohne Virus ist die Missachtung fundamentaler Grundrechte doch seit langer Zeit an der Tagesordnung. Das Recht des Geldes und die Macht des Kapitals dürfen die Würde des Menschen hierzulande jeden Tag antasten und mit Füßen treten, lange vor der jetzigen Extremsituation.

Hat aber nichts mit dem aktuellen Versuch (Bemühen) zu tun, selbst die Gesundheit derer zu schützen, die jammernd auf ihr Recht pochen, bewusstseinsbildende Gruppentherapie, Grillwurst im Park, Fahrradfahren in der Stadt und vor die Tür gehen für sich ganz persönlich immer und überall haben zu wollen, es über die Gesundheit ihrer Mitmenschen zu stellen, komme was da wolle. In vielen Landstrichen Afrikas oder Südamerikas und Asiens wären viele wohl dankbar, wenn ihre größte Pein darin bestehen würde, einige Zeit in den vier Wänden bleiben zu müssen und Massen wie Gruppen zu meiden.

Unsere Politikklasse stümpert den Vorgang Kampf gegen COVID-19 und dessen Auswirkungen, schaut man sich andernorts um, (noch) recht ordentlich, wenn auch mit fataler Verspätung, über die Bühne. Sie geben, was sie können. Der Politikertyp, der in einer existentiellen Krise auf den politischen- oder Katastrophen-Punkt absolut auf der Höhe, über Charisma verfügt und sich als herausragend erweist, Widerstände überrennt, vieles durchsetzt und richtig macht, also das Format Churchill, de Gaulle, Schmidt (Helmut, nicht Ulla), gibt es längst nicht mehr. Dafür ist unsere Zeit nicht angelegt.

Dass der Tod einen jeden von uns deutlich früher und unvorbereiteter erwischen kann, als man es in eigener Lebensträumerei gedacht oder verdrängt, sollte aufgeklärte Erdenbürger nicht wirklich schrecken. Der Mann mit der Sense war (ist) immer für Überraschungen gut, man schaue nur Ingmar Bergmanns „Das siebente Siegel“. Dafür ist ja jetzt eine gute Zeit, es ehrt außerdem den unlängst verstorbenen Max von Sydow, einen Giganten der Schauspielzunft.

So oder so, über alles lässt sich streiten und meinungsverschieden aneinandergeraten, nicht aber über den Wunsch: GESUNDHEIT und WOHLERGEHEN für alle in diesen Zeiten. Es sei hier ausdrücklich erwähnt und gewünscht.

RE: Abschied vom Frieden | 22.03.2020 | 07:54

„Aber die vollends aufgeklärte Erde strahlt im Zeichen triumphalen Unheils.“ (Horkheimer/Adorno, Dialektik der Aufklärung)

RE: Wie viel Rechtsruck braucht die CDU? | 27.02.2020 | 22:27

Auf Herrn Blome bezogen muss man wohl attestieren, 20 Berufsjahre im Springerkonzern machen dann offensichtlich doch dumpf, rechts und dumm, einen billigen Propagandisten und rechten Michel.

Herr Augstein müsste, so er sich das Wort erkämpft oder genommen hat, dem ständigen dazwischen Gequatsche viel mehr Einhalt gebieten. Dieser Hang des ständigen ins Wort fallen und dem Gegenargument nicht zuhören können ist peinlich, scheint ebenfalls noch Nachwirkung von vielen Jahren BILD zu sein.

Wie Nikolaus Blome in einer Jury landen konnte, die einen Preis vergibt, der den Namen des großen Journalisten, Autors und Chefredakteurs Theodor Wolff trägt, bleibt zumindest staunenswert.

RE: „Politik heißt, die Welt von unten zu sehen“ | 27.02.2020 | 08:44

„Trump ist ein Ausreißer der Dummheit.“

Da könnte Larry Sanders irren. Trump auf Dummheit reduzieren ist ein Fehler. Trump hat Machiavelli, Hobbes oder Bernays sicher nicht gelesen, entspricht aber in vielem deren Einsichten und Anleitungen für einen Politiker, Machtmenschen und Herrscher. Verschlagenheit ohne Gewissensbisse, keinerlei Skrupel, alle Instrumente von Demagogie bis Schmeichelei im Köcher und die Plattheit und Dumpfheit in der Sprache, die einer breiten Schicht von US Bürgern gerade noch geläufig und verständlich, denen suggeriert, der redet ja wie wir, „einer von uns“. Eine Menge Gerissenheit und Unverfrorenheit gegenüber Instanzen und Gesetzen, die alles Mögliche an Ursache haben mag, dennoch auf wesentlich mehr basiert als auf Dummheit. Trump mag vielen schrecklich daherkommen, aber er entspricht genau dem Politikertypus, der Konjunktur hat und dem die Leute hinterherrennen. Boris Johnson z. B. hat dies schnell gelernt und abgekupfert, sich damit wohl ein Jahrzehnt Macht gesichert. Derweil segelt Donald Trump gemächlich Richtung zweiter Amtszeit.

Die Gebrüder Sanders sind offenbar ehrbare und achtenswerte Leute mit Geschichte und dem Bewußtsein für selbige, vor allem interessante und kluge Köpfe. Mehr von solchen Brüderpaaren und die Politik wäre an einigen Orten vielleicht in einem etwas besseren Zustand.

RE: Kein Weg zurück | 26.02.2020 | 10:32

"Žižek hat mal bessere und mal schlechtere Tage."

Dem ist wohl so. Sicher. Aber wer hat die nicht?

RE: Die „kommunistische Gefahr“ | 26.02.2020 | 09:14

Selbst über einen Vorkoster - besser gleich mehrere - müsste er wohl intensiv nachdenken. Sonst könnte seine eventuelle Amtszeit noch kürzer werden als jene des lächelnden Papstes Albino Luciani. (Sanders wird das Weiße Haus aber nicht erreichen, vielleicht ein persönliches Glück für ihn und seine Familie.)

RE: Kein Weg zurück | 26.02.2020 | 09:07

Wie Richard Nixon schon 1977 im legendären Interview mit David Frost in entwaffnender Offenheit und Dackelblick sagte: „Wenn der Präsident etwas tut, so heißt das, dass es nicht illegal sein kann." So tickt die USA, so ihr System, so ihre Eliten, so ihr jeweiliger Präsident.

Donald Trump, hierzulande immer besonders finster gezeichnet, ist nach wie vor sicher kein Wunschpolitiker für den Gabentisch der Menschheit. Aber hat man eigentlich George W. Bush schon vergessen? Dessen Kriegs- und Lügenkumpel Tony Blair zündelt und hetzt übrigens aktuell gerade von Großbritannien aus gegen Bernie Sanders. Die Front gegen Sanders wird übrigens wirklich noch gewaltiger und verleumderischer sein, als jene gegen Corbyn, sozusagen weltumspannend, eine Internationale der Eliten, der Ordo- und Neoliberalen. Eine Internationale, die funktioniert. Hierzulande werden sich viele einreihen, man kennt und ahnt die üblich Verdächtigen.

Žižek ist einer der interessantesten Denker unserer Zeit, der Zusammenhänge klar darstellen kann, ohne sich in akademischer Schlaumeierei zu verlieren und die Leute mit intellektueller Hochnäsigkeit zu nerven. Mit der Präzision solcher Beiträge adelt er den FREITAG, bindet den Leser und bringt es fast einfältig aber sehr treffend auf den Punkt: Wir leben in einer Welt, die kopfsteht.

RE: Die „kommunistische Gefahr“ | 25.02.2020 | 09:20

"Es hat sich etwas geändert dort drüben, fundamental sogar."

Am Abend des 3. November 2020 werden wir sehen, wer schwarz sieht und was sich fundamental geändert hat. (Trump wird an dem Abend siegen, ob Sanders überhaupt dabei, ist noch sehr fraglich. Und wenn er dabei, dann wird er gratulieren müssen.) Sie merken schon, meine US Eindrücke/Erfahrungen sind fundamental anders. Sprechen wir uns also am 4. November wieder. Bis dann! Alles Gute.

RE: Leistungsempfänger, igittigitt | 25.02.2020 | 09:09

Der Neoliberalismus, im Gegensatz zu Wunschvorstellungen und Träumen vieler Linker, obsiegt weiter und schickt je nach Bedarf und Notwendigkeit seine willfährigen Helfer in die Umlaufbahn. Merz wird den sozialen Kältegrad sehr schnell noch frostiger einstellen. Er wäre die natürliche Fortsetzung von Schröder mit anderen Mitteln. Ein kommender Sieg von ihm auf ganzer Linie daher nicht ausgeschlossen. Wer alles für diesen neoliberalen Hardliner trommeln und wirbeln wird, kann man sich leicht ausmalen. Wie es dieser Allianz aus realer Macht, Geld und Meinungsmache gelingen kann, dass der deutsche Michel in Merz den Messias erkennt, diesem wie dem Rattenfänger von Hameln hinterherläuft, lässt sich am Beispiel Boris Johnson sehen. Ein deutscher Dominic Cummings an Merz Seite und wir haben die Pleite, was sich in der Tat nur zufällig reimt und nicht als Aufheiterung gemeint war.

So es für Merz allein nicht reicht, stehen ja Grüne bereit, die bei Gerhard Schröders Sozialstaatzerstörung mit an der Abrissbirne und FDP gespielt, sich auch bei Merz wenig zieren werden. Am Ende muss man letzte Hoffnungen auf Angela Merkel setzen. Wozu andere politisch zu dumm, ist ihr immer noch zuzutrauen, Merz ein zweites Mal auszuwringen. Oder man setzt auf die gerade entstandene Kombination Laschet/Spahn, den irrlichternden Herrn Röttgen? Alles „tolle Aussichten“. Was man in diesem Land mittlerweile für politische Alternativen hat, könnte einen im Sinne von Heine wirklich schlecht schlafen lassen. Da erscheint einem Herr Söder fast schon als...