Liebe zu dritt

Miniserie Bezahlsender Sky hat mit „Funeral for a Dog“ den Roman „Bestattung eines Hundes“ von Thomas Pletzinger adaptiert

Der Hund hat, untypisch für ein Tier, nur drei Beine. Und natürlich war das mal anders: Als Mark (Friedrich Mücke) und Felix (Daniel Sträßer), zwei junge deutsche Mitarbeiter einer internationalen Hilfsorganisation in Kolumbien, die Töle zum ersten Mal sehen, ist sie noch intakt. Etwas später gesellt sich Tuuli (Alina Tomnikov), eine Medizinstudentin aus Finnland, zu den Männern. Man arbeitet, man feiert, man nähert sich an – und gerät zwischen politische Fronten. Schließlich muss Tuuli – assistiert von Felix und Mark – ein Bein des Hundes amputieren. Damit wird klar, wofür die ungerade Anzahl steht: Funeral for a Dog erzählt von einer Menage à trois.

Doch Jahre später verschwindet Felix, nachdem er mit Tuuli und einem (gemeinsamen?, bei Dreierbeziehungen schwer zu sagen …) Kind zusammengelebt hat. Übrig bleiben ein verstörter, inzwischen zum Bestsellerautor avancierter Mark, Tuuli, deren Sohn und diverse Nebenfiguren.

Der furiosen Komplexität des zugrunde liegenden Romans von Thomas Pletzinger gerecht zu werden, ist die Herausforderung dieser Adaption. In acht Teilen versuchen Pletzinger, Bob Konrad und Hanno Hackfort unter der Regie von David Dietl und Barbara Albert, das weiträumig angelegte Drama in den Griff zu bekommen. Als Leithilfe fungiert im Roman wie in der Serie der Ethnologe Daniel Mandelkern (Albrecht Schuch), der im Auftrag einer Zeitung, dessen Kulturchefin seine Frau Elisabeth (Anne Ratte-Polle) ist, ein Porträt des Autors Mark Svensson schreibt.

Daniel führt also durch die zwischen Zeitebenen und Orten (Kolumbien 1998, New York 2001, Finnland 2000, Italien 2008) hin- und herspringende Geschichte, hat dabei aber auch eine eigene Mission: In Marks Bestsellerroman über die Ereignisse mit Tuuli und Felix findet er eigene Verluste geschildert, spürt eine innere Verbindung zu Mark, der inzwischen mit neuer Freundin in einer Vanitas-Villa an einem italienischen See lebt.

Man merkt der Serie die vor sprachlichen und schriftlichen Ideen strotzende Vorlage an. Hier ist nichts aus rein dramaturgischen Gründen eingeflochten, sondern sämtliche Figuren und Motive wurden von Pletzinger, der mit Bestattung eines Hundes 2008 ein großartiges Debüt ablieferte, sorgsam zu einem Generationenporträt mit integriertem Krimi kombiniert. Doch ein Roman ist keine Serie: Die inneren, handlungserklärenden Monologe, die lesbar gemachten Gedanken in einem Buch müssen auf ihrem Weg auf den Bildschirm simplifiziert werden.

So gerät Funeral for a Dog oberflächlicher als der Roman. Und greift tiefer in die Figurenklischeekiste – mit der Quintessenz, dass sich eine normschöne Blondine nicht zwischen dem lebenslustigen Felix und dem grübelnden Mark entscheiden kann und will. Bis auf ihr beherztes Abhacken des wehen Hundebeines bleibt die Tuuli-Figur lange eine eher passive männliche Projektionsfläche – was sie wirklich will, scheint sie selbst nicht zu wissen.

In der ersten gemeinsamen Szene sitzen Tuuli, Mark und Felix auf der Ladefläche eines Lasters in Kolumbien. Die Männer schauen abwechselnd begehrlich auf die Frau oder blicken sich verschwörerisch gegenseitig an. Sie dagegen begegnet keinem der Blicke – entweder hat sie ihr Interesse an einem der beiden hochattraktiven Männer noch nicht entdeckt, was das Klischee der Frau bedient, deren eigenes Begehren erst durch das eines Mannes erwacht. Oder sie spielt von Anfang an mit beiden – das Stereotyp der mysteriösen Verführerin.

Auch auf anderen Zeitebenen bleibt Tuulis Verhalten irrational: Wieso sie Mandelkern, einen angeschlagenen, nach Alkohol riechenden und mit Erbrochenem bekleckerten Fremden, im Flugzeug nach Italien anspricht, ist unverständlich. Später hat sie sogar ein Verhältnis mit ihm, dessen psychische Zerbrechlichkeit von dem wie immer leidenschaftlich agierenden Albrecht Schuch fast zu stark ausgespielt wird.

Doch die Stärke des Romans ist auch die Stärke der Serie: Beeindruckend leichtfüßig fliegt die Story von Ort zu Ort und sucht sich mit den 90ern in Kolumbien oder 9/11 in New York vielschichtige Welten. Es geht, dann doch, um einleuchtende Gefühle wie Liebe, Eifersucht, Verlust. Neid. Und selbst wenn sich nicht alle Beweggründe der Beteiligten nachvollziehen lassen: Zuschauen kann man ihnen gut.

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