Das Staatsmassaker

ITALIEN Vor 30 Jahren, am 12. Dezember 1969, begannen in Mailand die bleiernen Jahre
Exklusiv für Abonnent:innen

Es ist einer der folgenschwersten Tage der italienischen Nachkriegsgeschichte. Innerhalb einer Stunde detonieren am 12. Dezember 1969 vier Bomben, drei davon in Rom: zwei am Altar des Vaterlandes an der Piazza Venezia, eine in einem unterirdischen Gang der Banca Nazionale del Lavoro. Während in der Hauptstadt insgesamt 18 Menschen verletzt werden, verursacht der vierte Anschlag ein Blutbad. Dabei sterben in der Mailänder Landwirtschaftsbank an der Piazza Fontana 16 Menschen, etwa 100 werden verletzt. Eine fünfte Bombe wird in einer Bank an der Piazza della Scala in Mailand gefunden und von einem Sprengmeister der Polizei gezündet.

Der zunächst nur von der radikalen Linken erhobene Vorwurf, in Mailand habe es sich um ein "Staatsmassaker" (Strage di Stato) gehandelt,