Jean Brouillard

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RE: Die FAZ, Sarrazin und Lügen zu Weihnachten | 27.12.2010 | 01:20

Sorry, es muss natürlich heißen:

Augstein hebt die von S. bei Diskussionen demonstrierte Haltung hervor: es geht ihm - S. - nicht darum, auf Argumente einzugehen und im Sinne einer Wahrheitssuche zu diskutieren, oder die Berechtigung der von ihm konstatierten Zusammenhänge mit anderen gemeinsam zu erwägen und zu prüfen. Es handelt sich nicht um einen sokratischen Diskurs.

beg your pardon-
J. B.

RE: Die FAZ, Sarrazin und Lügen zu Weihnachten | 27.12.2010 | 01:05

Der Artikel von Jakob Augstein stellt etwas Besonderes in der Diskussion ausgelöst durch S. dar.

Darum ist er wertvoll.

Besonders ist, dass er nicht erst das Berechtigte an S. Aussagen hervorhebt, um dann das Unberechtigte als abzulehnen zu markieren.

Augstein hebt die von S. bei Diskussionen demonstrierte Haltung hervor: es geht ihm darum, auf Argumente einzugehen und im Sinne einer Wahrheitssuche zu diskutieren, oder die Berechtigung der von ihm konstatierten Zusammenhänge mit anderen gemeinsam zu erwägen und zu prüfen. Es handelt sich nicht um einen sokratischen Diskurs.

S. wiederholt auf jede noch so treffende inhaltliche Kritik gebetsmühlenartig irgendeines seiner problematischen Beispiele.
Aber nicht diese Haltung selbst, die nicht versucht den Gegner umzustimmen, sondern nur sich selbst durch Vermehrung durchzusetzen sucht, indem sie appeliert, ist das Zentrum von Augsteins Angriff.

Es handelt sich vielmehr um die Richtung des Appels, die gewissermaßen die von S. vorgetragene Haltung als sachlicher, ruhiger, besonnener, gründlicher Argumentierer desavouiert.
Augstein charakterisiert ihn – und dies zum ersten Mal in der öffentlichen Diskussion, obgleich dies eigentlich viel früher zu erwarten gewesen wäre – als Rassisten.

Mit dieser Charakterisierung steht und fällt die Frage der Berechtigung der Zuwendung, welche die Thesen von S. in der öffentlichen Diskussion erfahren.

Wie bereits die Berliner Zeitung kurze Zeit nach Entfachen der öffentlichen Debatte durch S. meldete, schlug sie im Alltag durch indem z. B. in Kreuzberg und Neukölln Mädchen und Frauen die Kopftücher von den Köpfen gerissen wurden. Die Strasse verstand sofort den appellativen Charakter der Argumentation von S. und denen, die ihn zwar kritisierten, aber den Ball aufnahmen und erklärten, jetzt müsse dringend über den Integrationswillen bestimmter Menschen diskutiert werden und über geeignete Maßnahmen.

Die Inkriminierten spürten und verstanden ebenso sofort, dass erneut wie in den Neunziger Jahren eine feindliche Atmosphäre, ein Kampf gegen sie initiiert wird.

Das Spezifische in den Neunziger Jahren war, dass hier noch dagegen gekämpft wurde, indem der Diskurs als rassistisch gekennzeichnet wurde.

So dass ein Ergebnis der Bestrebungen des öffentlichen Diskurses darin bestand, ein Tabu zu etablieren in Bezug auf die Gegenwart von Rassismus zu sprechen. Dabei hat sich insbesondere Herr Schäuble hervorgetan.

Die öffentliche Diskussion mit diesem Schwerpunkt verschwand plötzlich als die Regierung wechselte und offenbar wurde, dass die Verfassungsschutzbehörden durch V-Männer bestens informiert waren, welche Gruppen besonders durch Gewalt gegen Ausländer aktiv wurden.

Diese öffentliche Information beendete sehr plötzlich die tägliche rassistische Gewalt auf den Strassen und die parallele Diskussion um die Angst der deutschen Bürger vor Überfremdung.

Auch diese Diskussion hatte appellativen Charakter wie diejenige von Sarrazin, der Angst vor der Abschaffung nicht vor der Überfremdung hat.

Augstein sagt nicht mehr und nicht weniger als dass es sich um einen rassistischen Diskurs handelt und stellt uns und die FAZ damit vor die Frage, wollen wir uns an einem rassistischen Diskurs beteiligen oder nicht.

Augstein hat ein anderes Gewissen als Sarrazin.
J. B.