Schafft endlich die Theologien ab!

Universität In Bochum rüstet sich ein atheistisches Bündnis gegen die verordnete Karfreitagstrauer. An den Hochschulen bewahren die Theologien noch immer ihre Macht.
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In Nordrhein-Westfalen wird grade über ein neues Hochschulrecht debattiert. Das sogenannte Hochschulzukunftsgesetz steht dabei im Sperrfeuer der Kritik. Ob nun die Rektorenkonferenz, die Studierendenvertretungen oder die großen Wirtschaftsverbünde - alle haben etwas an diesem Gesetz auszusetzen. Die Kritik ist dabei vielfältig und oftmals gegenläufig. Ein Punkt wird jedoch hingenommen: Die Sonderstellung der theologischen Fächer und Institute.

Überkommenes Religionsprimat

Ein guter Ansatzpunkt, um die Verankerung der konfessionell gebundenen Lehrstühle in einem Hochschulgesetz zu finden ist der Satzbeginn: "Ausgenommen davon sind." Im bestehenden Hochschulrecht des Landes NRW etwa gelten strenge Regeln bei der Anerkennung von nicht-staatlichen Hochschulen. Im §74 werden dann Ausnahmen für kirchliche Hochschulen eingerichtet. Diese gelten dennoch gleichwertig zu anderen Hochschulen.

Natürlich folgt das Hochschulrecht hier wiederum nur Staatsverträgen zwischen der Bundesrepublik Deutschland mit verschiedenen Religionsgemeinschaften. Aber warum werden diese eigentlich ohne Murren hingenommen? Bekenntnisorientierte Lehrstühle stellen das Gegenteil von dem dar, was Hochschulen ausmachen. Verdeutlichen kann man dies vielleicht an den Aussagen des Rektors der Universität Hamburg.

Geduldete Wissenschaftsfeinde

Dieter Lenzen, seines Zeichens Pädagoge mit einschlägigen philosophischen Erfahrungen, beschreibt das kontinentaleuropäische Universitätsmodell so: "Dieses bestand darin, der nachwachsenden akademischen Generation eine wissenschaftliche Aufklärungs- und Erkenntniserfahrung zu ermöglichen, damit Wissen an die Stelle von Glauben und Wahrheit an die Stelle von Meinung, Offenbarung und Indoktrination trete."

Wissen möge also an die Stelle von Glauben und Wahrheit an die Stelle von Meinung, Offenbarung und Indokrination treten. Nun vermitteln Theologien zwar Wissen, aber dieses Wissen beruht auf nichts mehr als Meinung, Offenbarung und, sehen wir uns einmal an, wie die Bindung an religiöse Gemeinschaften funktioniert, sicher auch Indoktrination. Oder anders gesagt: Der Wissens- und damit auch Wissenschaftsbegriff stammt aus der voraristotelischen Zeit. Die Logik und Semantik des theologischen Erkenntnisprozesses ist nichts anderes als kindliches Geschichten-Erzählen.

Friss die Prämisse oder stirb!

Für die theologische Erkenntnislehre gibt es eine Prämisse und die lautet: Es gibt Gott. Wichtig ist hier zu unterscheiden zwischen einer solchen Prämisse und einer axiologischen Annahme, da Theologen gerne Apologetiken ihrer Methoden mit Verweis auf die Mathematik formulieren. Eine Axiologie besagt lediglich, dass, gegeben folgendes sei so-und-so, etwas daraus folge. Theologen jedoch sagen nicht, dass, gegeben Gott sei, etwas so-und-so sei, sondern, dass Gott ist. Sie machen also eine Seins-Aussage. Seins-Aussagen sind immer angreifbar. Außer in der Theologie. Da gibt es Gott, irgendwie als Erfahrung a priori.

Weiterhin ist die religiöse Logik auch oftmals zirkulär. Weil es Gott gibt ist etwas anderes in der Welt so-und-so beschaffen und die Beschaffenheit dieses Dings verweist dann wieder auf die Existenz Gottes. Der Gottesbeweis bei Leibniz etwa läuft stark in die Gefahr dieser Zirkularität und seien wir ehrlich: Die Theologie hat sich, zumindest als epistemische Wissenschaft, nicht weiter, sondern eher zurück entwickelt.

Schmeißt die Pfaffen raus!

Solange man, wie etwa der ehemalige EKD-Vorsitzende Huber, Professor für Theologie werden kann, ohne einen offensichtlichen Sein-Sollens-Fehlschluss zu bemerken, können sich die Theologien nicht auf eine grundlegende Wissenschaftlichkeit berufen. Religionen gehören zum Alltag und es spricht nichts dagegen, diese zu erforschen. Dann aber bitte als vergleichende Religionswissenschaften. Alles Andere ist eine Beleidigung für das deutsche Wissenschaftssystem. Und wenn wir schon mal dabei sind: Warum erziehen eigentlich staatliche Schulen unter kirchlicher Aufsicht zu einer intoleranten Weltanschauung? Den bekenntnisorientierten Religionsunterricht sollten wir direkt mit entsorgen.

13:39 18.04.2014
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