Psychosoziale Gesundheit am Arbeitsplatz

Gesundheitsmanagement Gesundheit am Arbeitsplatz ist inzwischen ein stark diskutiertes Thema und nimmt einen immer höheren Stellenwert in den Unternehmen ein.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Das Thema Gesundheit spielt in unserem Alltag und damit einhergehend auch am Arbeitsplatz eine immer größer werdende Rolle. Selbst Arbeitgeber sollten längst erkannt haben, dass primär gesunde und motivierte Mitarbeiter zum Erfolg des Unternehmens beitragen können (1,2). Der Begriff Gesundheit bezeichnet in diesem Kontext nicht nur die physische und psychische Verfassung bzw. die Abwesenheit von Krankheit, sondern orientiert sich an der Definition der WHO: Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein das Fehlen von Krankheit und Gebrechen.“ (3)

Durch diese Definition wird deutlich, dass sich Gesundheit durch eine komplexe Wechselwirkung zwischen körperlichen, emotionalen, sozialen, biologischen und kognitiven Prozessen erklären lässt. Diese unterschiedlichen Aspekte der Gesundheit bedingen sich gegenseitig, wodurch mehrere funktionale Wechselwirkungen innerhalb eines zusammenhängenden Konstruktes entstehen können (4,5). Diese Zusammenhänge zeigen, dass körperliche Leiden beispielsweise auch emotionale oder psychische Auswirkungen haben und gegebenenfalls sogar mit Handlungseinschränkungen einhergehen können. Sowohl Körper als auch Geist müssen sich in einem ausgeglichenen Zustand befindenden, damit Potenziale voll ausgeschöpft werden können (4,6).

Statistiken, wie zum Beispiel Fehlzeitreporte der Krankenkassen, zeigen auf, dass psychische Erkrankungen stark im Vormarsch sind. So lag der Anteil an den AU-Tagen in Deutschland, ausgelöst durch psychische Erkrankungen, im Jahr 2018 bei rund 15,2% (7–10). Somit belegen psychische Erkrankungen mittlerweile den dritten Platz nach Muskel-Skelett- und Atemwegserkrankungen. Dies kann allerdings nicht nur mit dem steigenden Leistungs- und Zeitdruck in unserer Gesellschaft erklärt werden, denn mittlerweile ist bekannt, dass auch körperliche Beschwerden durch eine instabile psychische Verfassung ausgelöst werden können. Demnach sind zwar die Symptome physischer Natur, wie zum Beispiel Herzstechen oder Magen-Darm-Problemen, die Ursachen aber liegen an psychischen Instabilitäten und fehlenden Instrumenten zur Emotionsregulation (6,11).

Unterschiedliche Lebenswelten können sich sowohl positiv als auch negativ auf die psychosoziale Gesundheit eines Menschen auswirken. So spielen unter anderem die Partnerschaft, der Freundeskreis und die Familie eine bedeutsame Rolle, aber auch die berufliche Situation kann einen erheblichen Einfluss auf die psychosoziale

Gesundheit haben. Der Arbeitgeber kann hierbei eine aktive Rolle einnehmen und die Lebenswelt „Arbeitsplatz und Beruf“ gesundheitsförderlich gestalten. Durch präventive Maßnahmen kann der Arbeitgeber seine Mitarbeiter individuell unterstützen und motivieren (6,8).

Um das Wohlbefinden der eigenen Mitarbeiter zu beeinflussen bzw. zu fördern spielen vor allem die Sinnhaftigkeit der Aufgaben, die Identifikation mit den Unternehmenswerten und -leitlinien, die Kommunikation zu den Führungskräften und Kollegen, als auch das eigene Leistungsniveau eine große Rolle. Genau an diesen Stellschrauben sollte ein Unternehmen ansetzten, um eine produktive Arbeitsatmosphäre zu schaffen und die Eigeninitiative der Angestellten zu fördern.

Jedem Berufstätigen dürfte klar sein, dass es stressige und belastende Phasen im Berufsalltag gibt. Unternehmen, die ihre Mitarbeiter wertschätzen bieten für diese Phasen einen Ausgleich an und nehmen ihre Fürsorgepflicht ernst. Zufriedene, gesunde und motivierte Mitarbeiter sind deutlich resilienter und können Herausforderungen des Arbeitsalltags besser begegnen und bewältigen.

Leider fehlt es vor allem in Kleinen und Mittelständischen Unternehmen an Einsicht, dass ein betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) kein notwendiges Übel ist, sondern ein Faktor sein kann, der zum Erfolg des Unternehmens beiträgt. Aber auch in Unternehmen, welche bereits ein BGM eingeführt haben, ist immer wieder zu beobachten, dass sich vor allem Führungskräfte nicht in der Pflicht sehen, um mit gutem Beispiel voranzugehen. Dies hat die Konsequenz, dass sowohl Unternehmen als auch Führungskraft an Authentizität und Vorbildfunktion verlieren.

Im nächsten Artikel soll primär der Führungsstil von Fach- und Führungskräften und dessen Auswirkungen auf die psychosoziale Gesundheit des Einzelnen näher betrachtet werden.

Quellen:

  1. Führung und Gesundheit: Ein praktischer Ratgeber zur Förderung der ... - Anne Katrin Matyssek - Google Books [Internet]. [cited 2020 Feb 18]. Available from: https://books.google.de/books?hl=de&lr=&id=Me0YAQAAQBAJ&oi=fnd&pg=PA12&dq=psychosoziale+gesundheit+im+beruf&ots=jj_kLfKfhS&sig=4MvQm9VoJcrB4dy6rylOsv9A3ts#v=onepage&q=psychosoziale gesundheit im beruf&f=false
  2. Weber A, Hörmann G. Psychosoziale Gesundheit im Beruf - Utopie oder Notwendigkeit? Das Gesundheitswes [Internet]. 2008 Feb 17 [cited 2020 Feb 18];70(2):105–14. Available from: http://www.thieme-connect.de/DOI/DOI?10.1055/s-2008-1046779
  3. WHO/Europa | Über uns - Die WHO in der Welt [Internet]. [cited 2020 Feb 27]. Available from: http://www.euro.who.int/de/about-us/organization/who-worldwide
  4. Gesundes Österreich F. PSYCHOSOZIALE GESUNDHEIT Gesundheit für Alle!
  5. Der Körper als Spiegel der Seele – Psychosomatische Erkrankungen erkennen - LZG (DE) [Internet]. [cited 2020 Feb 18]. Available from: https://www.lzg-rlp.de/de/event/der-körper-als-spiegel-der-seele-psychosomatische-erkrankungen-erkennen.html
  6. Ducki A. Gesundheit als Entwicklung von Handlungsfähigkeit•Ein arbeitspsychologischer Baustein’zu einem allgemeinen Gesundheitsmodell [Internet]. 2014 [cited 2020 Feb 18]. Available from: https://www.researchgate.net/publication/256007798
  7. Meyer M, Wenzel J, Schenkel A. Krankheitsbedingte Fehlzeiten in der deutschen Wirtschaft im Jahr 2017. [cited 2020 Feb 18]; Available from: https://doi.org/10.1007/978-3-662-57388-4_29
  8. Förderung der psychischen Gesundheit - BMG [Internet]. [cited 2020 Feb 27]. Available from: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/praevention/betriebliche-gesundheitsfoerderung/gesundheit-und-wohlbefinden-am-arbeitsplatz.html
  9. Häufigste Gründe für Arbeitsunfähigkeit bis 2018 | Statista [Internet]. [cited 2020 Feb 28]. Available from: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/77239/umfrage/krankheit---hauptursachen-fuer-arbeitsunfaehigkeit/
  10. BKK Dachverband – Interessenverband der Betriebskrankenkassen - BKK Gesundheitsreport [Internet]. [cited 2020 Feb 28]. Available from: https://www.bkk-dachverband.de/publikationen/bkk-gesundheitsreport.html
  11. Weber A. Psychosoziale Gesundheit im Beruf : Mensch, Arbeitswelt, Gesellschaft. Gentner; 2007.
10:26 23.04.2020
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Kommentare