In Zeiten von aufgedunsenen Hype-Ökonomien, KI-Slops und der ständigen Funktionalisierung muss sich Pop mal wieder die Sinnfrage stellen. Was ist Pop? Für wen ist Pop? Und geht es um mehr als Profit und darum, den nächsten viralen Smash-Hit zu landen, der so nahrhaft ist wie eine halbe Tüte Takis-Chips?
Ganz in der Tradition des Songs Mein Freund, der Baum der Musikerin Alexandra von 1968 widmet sich Tree Aid dem Schutz der Natur vor der Haustür. Der Neuköllner Emmauswald ist nämlich bedroht. Das vier Hektar große Biotop ist Rückzugsort für Tiere, Pflanzen und Menschen in Berlin und will nun von der Immobilienfirma BUWOG abgeholzt werden. Hier sollen – man ist kaum erstaunt – elitäre Luxusappartements entstehen.
Karl der Käfer gegen die Abholzung
Tree Aid ist aus der Initiative „Emmauswald bleibt!“ entstanden, die seit 2022 gegen die geplante Abholzung protestiert: eine Petition mit über 20.000 Unterschriften wurde eingereicht, alternative Vorschläge gemacht, und obwohl der Bezirk Neukölln die BUWOG-Pläne ablehnt, hat der Senat das Projekt oberlehrerhaft unter seine Fittiche genommen. Görli-Zaun, ick hör dir trapsen ... Ende Oktober wird eine Benefiz-Compilation veröffentlicht, die zum Großteil exklusive Songs von 57 Acts umfasst.
Die erste Single ist eine Adaption des Öko-Protestsongs Karl der Käfer, die Kuration im besten Sinne eklektisch. Pop- und Rockstars wie Pet Shop Boys, Bernard Sumner und Tocotronic sind vertreten wie auch Held:innen der elektronischen Musik (Matthew Herbert, Mouse on Mars und Barbara Morgenstern). Berliner Legenden wie hackedepicciotto und Bernadette La Hengst mit ihrem Chor der Statistik dürfen natürlich auch nicht fehlen. Im Januar 2026 findet ein Festival im Festsaal Kreuzberg statt.
Tree Aid verweist nicht nur im Namen auf die gigantomanischen Charity-Events Live Aid und Band Aid. Es zeigt, dass Szenen und Stile spätestens dann egal sind, wenn ein gemeinsames Ziel verfolgt wird. Die Initiative ist aber auch romantisch. Natürlich sind die Welt und ihre Feindbilder komplexer geworden. Mut und Sinn stiftet Pop in diesem Fall aber dennoch.