Jörn Kabisch
17.02.2010 | 12:23 59

Die schönste Zeitung der Welt

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Jörn Kabisch

Liebe Community,

hier in der Redaktion wurde vorhin die Arbeit für ein paar Minuten eingestellt. Der Freitag wurde als World's Best Designed Newspaper ausgezeichnet. 240 Titel waren mit im Rennen, außer dem Freitag haben den Preis auch noch die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und die New York Times. Die Freude ist riesengroß.

Vielen Dank an alle, die seit Anfang 2008 an dem neuen Gesicht der Zeitung mitgewirkt haben: Außer unserem Art Departement mit Janine Sack, der Leiterin, Andine Müller, Corinna Koch, Jana Schnell und Stefan Stalder waren das Anja Horn und ihr Team bei Einhorn Solutions, Matthias Last und Alexander Seeberg-Elverfeldt.

Hier die Begründung der Jury, die Christine Käppeler schnell übersetzt hat:

"Auffällig und doch so schlicht. Seite für Seite wartet diese Zeitung jede Woche mit visuellen Überraschungen auf; diszipliniert und elegant, anstatt laut und chaotisch. Wie gelingt dem Freitag diese schwierige Balance? Das strenge Grundlayout – eine solide Typographie, eine intuitive Navigation – wird durch eine präzise Auswahl und Präsentation der visuellen Inhalte ergänzt. Die Zeitung, die 2009 radikal neu gestaltet wurde, hat von der Titelseite an keine Angst davor, auffällige, originelle Illustrationen zu zeigen. Ein Frosch, der in allen Regenbogenfarben schillert, sticht dort hervor, als wolle er den Leser dazu auffordern, in die Zeitung einzutauchen. In der Mitte einer Doppelseite illustriert das wundervolle Foto eines einsamen Iglus in der gefrorenen Tundra eine Leseprobe auf eindringliche Art. Farbe wird zur Navigation des Lesers sparsam und strategisch eingesetzt. Woche für Woche ist die Struktur einheitlich, ohne dass die Zeitung dadurch vorhersehbar wird. Ähnlich reduziert ist die Typographie. Verwendet wird nur eine Schrift, was jedoch durch den Einsatz verschiedener Schriftschnitte nie eindimensional wirkt. Es gibt keine Unordnung oder unnötige Bilder, die den Blick ablenken. Der Freitag scheut sich nicht davor, seine Leser einfach lesen zu lassen. Um es kurz zu machen: Die Zeitung ist ein Genuss."

Und hier noch ein Link auf die ausgezeichneten Seiten des Freitag:

www.flickr.com/photos/63449070@N00/sets/72157623444641472/show/

Grüße, JK

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (59)

carlfatal 17.02.2010 | 17:58

Ebenfalls herzlichen Glückwunsch,
Grund zum Meckern seh´ ich nicht: Dank meines spätrömisch dekadenten Lebensstils lese ich aber auch nicht mehr selbst: das lasse ich von meinen Sklaven aus dem FDP-Ortsverein erledigen, die kriegen immer so rote Köpfe davon und sind danach immer total ausgepowert. Als arbeitsscheuer Ausbeuter kann ich da nur sagen: weiter so!

oranier 18.02.2010 | 03:21

Schade, liebe Titta,

ich komme hier wohl ein wenig spät, ich möchte natürlich nicht in Konkurrenz zu Wolfram um dich buhlen.

Deshalb hier von mir, bevor meine Stimmung aus diesem guten Grunde spätnächtlich mal wieder in wütende Aggressivität umschlägt, noch schnell ein freundschaftlicher und liebevoller Ratschlag, wie du die alsbald eintretende Langeweile womöglich verhindern kannst:
Nicht abblenden, sondern 'nen anderen Film machen als dösn hier:

www.textlog.de/tucholsky-danach.html

P.S. Habe schon ein Exposé für den Film mit einer spezifischen Alternative zu vabrühter Milch un Langeweile, nähere Auskünfte durch Anklicken des kleinen Couverts oben neben "Post" zu erfragen. (Ach so, wollte ja eigentlich nicht buhlen. Was solls!)

Fröhliche Grüße
oranier

weinsztein 18.02.2010 | 03:43

Liebe Titta,

der Freitag wird für seinen Inhalt ausgezeichnet - wem sollte das denn gefallen?

Und wer sollte den Freitag für seine Inhalte auszeichnen? Ausgezeichnete Journalistinnen und Journalisten sonnen sich meist im Spiegel ihrer Auszeichnungsmedaillen und streben oft sogleich zu Zeit, Spiegel, FAZ, FAS oder gar zur Welt.

Andererseits: "Die ruppigste Zeitung der Welt" - das würde mir gefallen als Freitag-Leser. (Dies auch als Werbe-Idee.)

weinsztein

goedzak 18.02.2010 | 10:50

Der Titel lautet doch 'Best Designed Newspaper', nicht? Da ich den einen oder anderen sarkastischen Unterton bei dem einen Kommentatoren oder der anderen Kommentatorin raushöre, darf ich vielleicht mal darauf hinweisen. Zur Beurteilung standen also die visuellen und, wie ich aus der Begründung heraushöre, erfreulicherweise auch strukturelle, konzeptionelle und funktionelle Aspekte. Begrüßenswert komplex, die Designauffassung der Jury! Definitiv NICHT aber wurde über den geistigen Gehalt der Texte geurteilt, es wurde nur festgestellt, dass das gestalterische Konzept einen solchen zu transportieren vermag. Sehe ich das richtig?
Ich selbst stehe dem Inhalt einer Zeitung, die ich seit Anbeginn ihrer Existenz lese, durchaus nicht unkritisch gegenüber. Und vielleicht muss man sagen, dass die Umsetzung des Relaunch auf dieser Seite noch nicht so herausragend gelungen ist. Was die o.g. gestalterischen Aspekte angeht, ist sie es aber!!

knorpeli 19.02.2010 | 18:59

...da kommt mein Glückwunsch zwar spät, aber ehrlich gemeint. Denn wenn sich Gestalter schon so viel Mühe geben, sollen sie auch den Preis geniessen. Mit meiner immer noch bestehenden Kritik will ich in dieser Feierlaune kein Wasser in den Wein giessen.

Jedoch macht eine gute Gestaltung noch keine gute Zeitung aus.
Ich für meinen Teil, als freitagleser der ersten Stunde, habe das Abo gekündigt. Schade, jedoch: die "Linke Mitte", vom Freitag, bzw. seinem Verleger präferiert, wird in diesem Lande nichts verändern. Deswegen ist auch eine Zeitung der "Linken Mitte" unnötig.
Nichtsdestotrotz gibt es die guten, ausgezeichneten Autoren des Freitags ja auch immer mal anderswo zu lesen............
Das Projekt "Freitag" wird vielleicht sogar wirtschaftlich überleben. Es wird jedoch nichts verändern; ausser, dass die geneigten LeserInnen und BloggerInnen das Gefühl haben, am Rad der Geschichte mitgedreht zu haben.......
Trotz allem noch einmal: Herzlichen Glückwunsch den Gestaltern!

Fritz Teich 20.02.2010 | 13:20

Ich gratuliere mit, ich kauf mir die Zeitung auch gelegentlich, obwohl sie ziemlich teuer ist. Was gefaellt, ist ihre Sperrigkeit. Quer zum mainstream. Leider sind die meisten Onlineleser eher gewoehnlich und eher gewoehnlich ist IMHO auch der Guardian, mag er auch die beste Zeitung aus dem UK sein. Offenbar faellt es schwer, das Niveau zu halten. Kein Wunder, wenn man sich an deutschen Masstaeben orientiert. Auch Die Zeit ist miefig.

mustermann 20.02.2010 | 22:00

Ich gratuliere zum Preis, hat aber wohl nichts mir Qualitätsjournalismus zu tun.
Neulich las ich im Freitag vom 2.2.10: "Dschihad heißt wesentlich im Koran: sich abmühen, sich bemühen, sich anstrengen, sich einsetzen, ja eher im Sinne von ‚studere‘."
Ich empfehle einfach mal Tagesschau gucken gegen solch blödsinniges Geschwurbel im Freitag.