Eine Angst geht um in Europa.

Im Westen nichts Neues Terroristen, Flüchtlinge und Rassisten. Wieso tut denn niemand etwas und wer profitiert von der Angst?
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Seit nun schon über 14 Jahren wird unter dem Deckmantel der Terrorbekämpfung im Nahen Osten Krieg geführt, ein gigantischer Sicherheitsapparat aufgebaut und diverse politische Interessen durchgesetzt.

Bewegungen wie Pegida, und auch einige Parteien erhalten durch die nicht ganz neue Terror- und Fremdenangst Aufwind.

Dabei sollte man sich fragen, was seit dem 11.09.2001 eigentlich erreicht wurde (und von wem).

Frankreich ruft in diesen Tagen erstmals den europäischen "Bündisfall" aus und - ob Europa oder nicht - die USA sind natürlich fast als Erste mit dabei. Nicht wert zu erwähnen, dass auch England im Gleichschritt marschiert.

Wobei von Gleichschritt zu sprechen wiederum übertrieben ist, da doch - wie schon in Afghanistan - der Krieg erst vornehmlich aus der Luft geführt werden soll. „Chirurgische Kriegführung“ wie damals die Propangandamaschine der USA dies nannte.

Was im Nachhinein aus Afghanistan und den Gründen für den Irakkrieg wurde und dass dies direkt mittelbar zu den Anschlägen in Paris führte, ist heutzutage allgemein bekannt und wird ignoriert.

Aus der Vergangenheit lernen. Wie naiv doch der Geschichtsunterricht ist.

Auch der Islamische Staat wird von den erneuten Bombenangriffen profitieren, treiben sie doch die darunter leidende Bevölkerung noch stärker in seine Arme, bzw. nach Europa.

Damit zum zweiten Standbein der europäischen Angst: Der Flüchtlingskrise.

Europa und die USA profitieren von Waffenexporten und Ressourcen im Nahen Osten und destabilisieren die gesamte Region mit Militäreinsätzen. Viele humanitäre Organisationen und einige Politiker raten bereits seit Jahren sich auf eine große Flüchtlingswelle gefasst zu machen.

Passiert ist natürlich nicht viel. Vorausschauende, langfristige Politik sucht man vergebens. Dafür wird auf allen Seiten das Säbelrasseln lauter

"Wir sind das Volk"-Rufe auf der einen Seite und ein losgelassener De Maizière/Seehofer/Wendt auf der anderen reißen sich um unsinnige Parolen und weitgehende Befugnisse. Doch weder ein Zaun, Obergrenzen noch mehr Sicherheit werden die Situation langfristig entschärfen.

Wo ist gerade jetzt die Diskussion über konkrete Maßnahmen, die auch zielführend ist? Wo die Deeskalation in der Bevölkerung?

Die Politik versagt in der Flüchtlingsfrage auf ganzer Ebene. Weder in Europa noch in Deutschland wird eine Lösung (gesucht?) gefunden und genug Geld in die Hand genommen, um ausnahmsweise keine Banken zu retten.

Dafür wird die Zivilbevölkerung dermaßen als Retter hochstilisiert, dass man dabei vergisst, dass dies kein Normalzustand ist.

Spenden sammeln, freiwillige Arbeit, all die humanitäre Hilfe - die auch noch zum Teil von kleingeistigen Trauergestalten mit Gutmenschentum abgetan wird - ist eigentlich Aufgabe des Staates.

Geld genug hat Deutschland eigentlich. Warum passiert dann nichts?

Weil es sich politisch leichter lebt, wenn jeder noch jemanden unter sich hat, auf den er seine Wut richten kann und sich die Angst auch besser verkauft.

Die verständlichen Verlustängste und Wut im nationalistischen Lager sollte sich eigentlich gegen das Regierunglager richten, die ihnen z.B. die Agenda 2010 eingebrockt hat, oder z.B. die Wirtschaftsflüchtlinge, und nicht gegen die, denen es noch schlechter geht. Nach unten tritt es sich nur leichter.

Allerdings ist der Weg vom Anzünden eines Asylheimes über das Niedertreten einer wehrlosen, hochschwangeren Frau bis zum bewaffneten terroristischen Anschlag moralisch nicht sehr weit.

Doch mit Je suis Charlie und der Trikolore im Profilbild bleibt man auch moralisch immer auf der sicheren Seite.

Und jetzt?

Deutschland ist genauso gefährdet wie vor den Paris-Anschlägen, doch trotzdem werden - wie immer in solchen Momenten - weitreichende Befugnisse für Polizei und Innenministerium gefordert. (Von denen im Übrigen die meisten auch in Frankreich nichts geholfen haben)

So schlimm wie heutzutage war der Terror in Europa noch nie, bekommt man das Gefühl. Überall herrscht Ausnahmezustand.

Dabei haben die Terror-Anschläge in Europa in den letzten 20 Jahren abgenommen.

Und auch das Bild des bärtigen, islamistischen Terroristen (und Flüchtling) lässt sich bei näherer Betrachtung nicht halten. Dennoch geistert die Angst vor dem Islam durch die deutsche Presselandschaft und durch Dresdens Straßen.

Es wird Zeit diese Angst massiv abzubauen und mehr Ratio und Humanismus in den öffentlichen Diskussion zu bringen statt plumper Wahlkampfsprüche.

Wo bleibt eigentlich die Friedensbewegung der letzten fünfzig Jahre in diesen Tagen?

Johannes Nareyek

05:20 26.11.2015
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Geschrieben von

Jo Na

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