1914-2014 "Krisen über alles in der Welt!"

Weltunwirtschaft Aufgrund der Mobilmachung, die im August 1914 verkündet wurde, begannen sich militärische Stellen verstärkt in die Zuständigkeiten der Wirtschaft einzumischen.
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Weltunwirtschaftsgeschichte 1914-2014

Der Erste Weltkrieg (1914- 1918) war ein Krieg, der angesichts hochentwickelter Partner- und Gegner- Länder eigentlich so wenig zu führen war, wie heutzutage Kriege zwischen der EU, Russland, den USA, China, Japan, Indien, Brasilien, Südafrika zu führen sind.

Unterschied dieser sich doch insbesondere dadurch von früheren europäischen Kriegen, außer dem Dreißgjährigen Krieg (1618- 1648), dass es sich um den ersten Krieg handelte, der zwischen weitgehend hochentwickelten, nun sogar industrialisierten Ländern entbrannte und zum globalen Flächenbrand, zur "Apokalypse Now" wurde.

Die wirtschaftlichen Potentiale der am Ersten Weltkrieg beteiligten Staaten wurde nicht zu entscheidenden Faktoren, den Krieg zu gewinnen, denn der war nicht zu gewinnen, sondern dazu, den Krieg als Fortsetzung von wachstumsorientiert konjunkturellen Mitteln betrieben, fern von den eigenen Grenzen zu halten und gleichzeitig die Potentiale des Gegners in der Perspektive auf der Zeitschiene nachhaltig zu schwächen.

Was 1914- 1918 in Frankreich, Belgien, Russland misslang, denn auf deren Hoheitsgebieten wurde der Erste Weltkrieg nahezu ausschließlich zu Lasten der Zivilbevölkerung geführt.

Kriegs- bzw. Krisenwirtschaftspolitik hat damals wie heute grundlegende Ziele:

Das Herstellen von Rüstungsgütern, Kriegsmaterial (Munition, Waffen, Ausrüstungen aller Art) für evtl. Materialschlachten, vor allem aber die Sicherung der Rohstoffversorgung durch Rohstoff- Vorratshaltung.

Auf Sicht das Herabsetzen durchscnittlicher Tariflöhne durch die militarisierende Flexibilisierung der Arbeitswelt aus der Einheit von Gewerkschaften, Arbeitgebern, Militärführung auf das dirigistisch niedrige Einheitsniveau von Sold

Die Kommandierung von Arbeitskräften, beziehungsweise Soldaten, zwischen Armee und Wirtschaft, vor allem Rüstungsbetrieben, um beide nachfrageorientiert funktionsfähig zu erhalten,

Die Wahrung des sozialen und inneren Friedens durch abgestuften Ausgleich zwischen den Interessen von Unternehmern, einer gezielten Spaltung, sprich Entsolidarisierung der Arbeitnehmerschaft in unterschiedlichste Vergütungsklassen bis hin zu unentgeltlichen Freiwilligendiensten, Zwangsarbeit, um den Ball der Staatsverschuldung, trotz aller gallopierenden Erfordernisse zu Neuverschuldungen, flach zu halten.

Priorität hat das Sicherstellen der Nahrungsmittelversorgung, trotz der von den Gegnern angedrohten und verhängten Sanktionen, Wirtschaftsblockaden.

Die Erfahrungen des Ersten und Zweiten Weltkrieges haben gezeigt, dass die verschiedenen staatlichen Maßnahmen letztendlich keine der im Vorfeld des Krieges gestellten Aufgaben wirklich lösen, außer zu Lasten von Amtswegen bestimmter stigmatisierter Teile eigener und fremdländischer Bevölkerung, sei es in Zwangsarbeitslagern, Kriegsgefangenenlagern, Larzaretten, Psychiatrien, Kliniken, Altenheimen, der Jugend- und Altenhilfe, der Gesundheitsversorgung.

Zum Kriegsende ballen sich die Einzelprobleme in der Regel absehbar zu einem umfassend unbeherrschbaren Krisenkomplex zusammen, in dem die sozial ethnischen Fragen eine alles diktierende Bedeutung entfalten.

Dazu gesellen sich, beschönigend formuliert, die Herausforderungen der Finanzpolitik:

Nehmen wir das Jahr 1918 im Deutscnen Kaiserreich.

Da betrugen die Kriegsausgaben des Staates 50 Milliarden Goldmark. Das war mehr als das Elffache der Reichsausgaben des letzten Friedensjahrs 1913.

Da damals wie heute aus unterschiedlichen Erwägungen, unter anderem wegen der Aufrechterhaltung des sozialen, des inneren Friedens, die Kriegsfinanzierung, sprich "Credit Spending- Politik" zur Ankurbelung wachstumsorientierter Kriegswirtschaft nicht durch Steuern, sondern durch staatliche Kreditaufnahmen zu Gunsten von Privatbanken erfolgt, kam es im Ersten Weltkrieg, wie bei allen folgenden erklärten, unerklärten Kriegen, von Anfang an staatlich zu massiven Eingriffen in die Finanzwirtschaft bis hin zur Kredit- , Zins- und Devisenbewirtschaftung durch zentrale Führungskommissionen, die paritätisch aus zivilem, militärischem, unternehmerischem, fiskalischem und gewerkschaftlichem Organisationen berufen warden und werden.

Dieses staatliche Vorgehen kriegsbeteiligter Länder zieht notwendig alle negativen Folgen nach sich, die sich aus einer auf Staatsverschuldung basierenden Volkswirtschaft zwangsläufig ergeben

Krisen- und Kriegswirtschaftspläne vor Krisen- und Kriegsbeginn.

Die wirtschaftlichen Maßnahmen werden heute nicht mehr wie damals, unter der Voraussetzung getroffen , dass Krisen, dass Kriege – entsprechend den Erfahrungen aus den Kriegen von 1866 und 1870/71 – in wenigen Monaten beendet sein würden, sondern mehr den Vorkriegsszenarien von 1914- 1918, 1939- 1945. Nine Eleven 2001 bis heute geschuldet sind.

Heute geht die internationael Politik und Wirtschaft davon aus, dass moderne, hochentwickelte Staaten sehr wohl, zu Lasten weniger entwickelter Staaten, Wirtschaftszonen, Währungsregionen, in der Lage sind, über einen langen Zeitraum Krisen aufrechtzuerhalten, gar, ferngesteuert, erklärte, unerklärte Kriege, wie im Kaukasus, Afghanistan, Naher Osten, Israel- Palästina, Afrika, Sudan, Somalia, Kongo, Mali zu führen.

Vorrausgesetzt, jede beteiligte, involvierte Seite geht belastbar davon aus, dass sie die damit einhergehend wirtschaftlichen Einschränkungen in einer Koaltition der Willigen für jede Seite als Herausforderung annimmt, an der Krise, ja am Kriegszustand (Patriot Act nach Nine Eleven01) im Namen von wachstumsorientierten Krisen- und Kriegskonjunkturen festzuhalten.

Anders als bis in die späten 1960er Jahre, als anspringende Konjunkturen bei Wachstumsraten von 5 % und einer Inflation von bis zu 6 % und höher sinkende Arbeitslosenzahlen verhießen, bedarf es heute eines Wachstums von nunmehr unerreichbaren 3- 5 % bei einer abgeflachten Inflationsrate in hochentwickelten Ländern unter 2 %, damit die Arbeitslosenzahlen sinken.

D. h. seit Jahrzehnten weitet sich der Sockel der Langzeitarbeitslosigkeit in hochentwickelten Ländern, unabhängig von Konjunkturtälern und -aufschwüngen, Friedens-, Kriegszeiten, verstetigt aus.

. Früher versprachen sich Miltärstrategen als Folge von Wirtschaftsflauten, eine steigende Zahl von Arbeitslosen, die übergangslos den Nachschub an Soldaten für die Armeen sicher zu stellen vermochten.

Heute ist das ganz anders, heute gilt es in anschwellendem Maße mit Blick auf Krisen- und Kriegsszenarien unter dem Begriff

"Internationale Verantwortung Deutschlands, Europas"

arbeitslos gewordene Bürger nicht nur durch "Stillegungsprämien" ruhig zu halten, sondern Krisen und Kriege, z. B. am Hindukusch, in Afrika, als Chance für den Standort Deutschland, Europa zu kommunizieren und gleichzeitig, von Amtswegen, den Willen zum Friedenserhalt und Einhaltung der allgemeinen Menschenrechte daheim und in den Einsatzgebieten der Bundeswehr im Aulsand überzeugend zu versichern

Das böse Wort des Altbundespräsidenten Horst Köhler von der Erwartung umfangreicher "Rohstoffbeute", bzw. exclusiver Zugriffe auf Ressourcen aus den eroberten, sprich durch die UNO mandatierten Gebieten, darf dabei nicht zur Unzeit fallen.

Das kommunikative Problem ist dabei in Deutschland, Europa, mitten im Wohlstandsgefühl allgemeinen Friedens hierzulande von befreundeten Staaten umzingelt, amtlich unverfänglich von zukünftigen Krisen, Kriegen nicht nur zu reden, sondern, kostenaufwendig, gesellschaftlich flächendeckend, krisen- , kriegsvorbereitende Strukturen, Ämter, Behörden zu schaffen, die sich mit den Aufgabenstellungen von Krisen-. Kriegskomandowirtschaften befassen und den kommenden Anforderung von Krisen, Kriegen, Notzeiten, humanen Katastrophen, hinreichend, standhalten.

Im Deutschen Reich war am Vorabend des Ersten Weltkrieges 1914 nicht nur die zivile, sondern auch die militärische Wirtschaftsverwaltung zwischen den Reichsbehörden und den Behörden der einzelnen Königreiche, Herzog- und Fürstenümer, (Teilstaaten), heillos unabgestimmt, aufgeteilt.

Das ist heute im föderativen Deutschland mit seinen Bundesländern und der EU, der NATO mit ihren souveränen Nationalstaaten nicht anders und lässt ständige Gefahrenlagen kostenintensiver Doppelstrukturen im zivilen und militätischen Sektor mit Eigenleben aufschimmern.

Aufgrund der allgemeinen Mobilmachung, des Belagerungszustands, der im August 1914 ausgerufen wurde, begannen sich militärische Stellen verstärkt in die Zuständigkeiten und Verantwortung der Wirtschaft einzumischen.

Im Jahr 2014 leistet dieses Einmischen auf deutscher, euopäischer und globaler Ebene in allgemeine Wirtschaftstätigkeit vor Ort, bei Betonung der Wirkung freier Marktkräfte im Rahmen einer Politik des billigen Geldes der Zentralbanken, keine militärische Stelle mehr, wie 1914- 1918, sondern eine berufene Kommission, eine Troika aus IFW, Weltbank, Brüsseler Spitzenkommissionäre, die wiederum militärstrategische Experten mit monetärer Expertise engagiert.

Diese Aufgabe oblag 1914- 1918 vor allem bei den stellvertretenden kommandierenden Generälen der Armeekorps. Bei ihnen handelte es sich um die Kommandeure derjenigen Teile eines Korps, der in der jeweiligen Heimatregion zurückblieben.

Diese stellvertretenden kommandierenden Generäle erhielten mit der allgemeinen Mobilmachung, dem Belagerungszustand der eigenen Gesellschaft, nahezu diktatorische Vollmachten. Ihre Zuständigkeit war weit gefasst und wurde immer stärker ausgeweitet, indem sie immer neue Bereiche der Wirtschafts- und Sozialverwaltung als

„kriegswichtig“

deklarierten und an sich zogen. Parallel dazu und teilweise überschneidend gab es verschiedene andere Behörden mit ähnlichen Aufgaben, darunter als wichtigste das militärisch geführte preußische Kriegsministerium, das reichsweit für die Ausrüstungs- und Personalbeschaffung der Feldarmee zuständig war.

Doch auch dabei gab es Ausnahmen: so fiel die Zuständigkeit für Pioniermaterial anfangs unter die Hoheit der bayerischen Militärverwaltung. Diese unklaren Abgrenzungen führten zusammen mit dem mangelnden wirtschaftlichen Fachwissen im Militär und den nicht deckungsgleichen zivilen und Korpsbereichsgrenzen schnell zu einem zunehmenden Verwaltungschaos.

Heute geht es in Deutschland, Euopa, der Welt nicht um "kriegswichtige", sondern, nach der Ausrufung des Ernstfalles durch die NATO am 12. September 2001 nach Nine Eleven, um "krisenwichtige", sprich sogenannt "systemrelvante" Bereiche, wie das Bank- und Kreditwesen.

Kurz nach Kriegsbeginn ging es 1914 um amtliche Bestrebungen einer Reform der Wirtschaftsverwaltung. Anlass war die sich abzeichnende Munitionskrise.

Die Armee hatte zu Kriegsbeginn der deutschen Rüstungsindustrie eine ausreichende Versorgung zugetraut, ohne sich diese garantieren zu lassen. Bereits im August 1914 machten die AEG-Vorstandsmitglieder Walther Rathenau und Wichard von Moellendorff den neuen Generalstabschef Erich von Falkenhayn darauf aufmerksam, dass die britische Seeblockade unerwartet effektiv sei und die Stickstoffversorgung für die Sprengstoffproduktion zusammenzubrechen drohe.

Die Vorräte reichten zu diesem Zeitpunkt nach Einschätzung der Industriellen nur für ein halbes Jahr. Angesichts dieser Lage gründete das Kriegsministerium am 13. August 1914 die Kriegsrohstoffabteilung (KRA). Dort arbeiteten Fachleute aus der Wirtschaft, womit das Kriegsministerium erstmals in größerem Umfang Zivilisten einstellte.

Die KRA stieß seit ihrer Gründung auf heftige Ablehnung von Teilen der Privatwirtschaft, da sie massiv in das Wirtschaftsgeschehen eingriff. Ihre Hauptaufgabe sah sie in der Versorgung der Privatwirtschaft mit den benötigten Rohstoffen. Dazu wurden diese zentral bewirtschaftet, was auch Beschlagnahmung und Neuverteilung umfasste.

Anfang November 1914 stand nur noch Munition für sechs Tage zur Verfügung. Danach begann die Wirtschaftssteuerung zu greifen und die Versorgungslage im deutschen Militär entspannte sich langsam.

Um die totale Abhängigkeit von den inzwischen unterbrochenen Salpeterimporten aus Chile aufzuheben, nahm Falkenhayn direkte Verhandlungen mit der Industrie auf. Daraus folgten massive Forschungsanstrengungen, um das Haber-Bosch-Verfahren zur Gewinnung von Salpeter aus Luftstickstoff reif für die industrielle Massenproduktion zu machen.

Darüberhinaus wurden die deutschen Chemiefirmen zu einem Syndikat, der Kriegs-Chemikalien-Gesellschaft, zusammengeschlossen. Dennoch blieb die Versorgung mit Munition nach Auffassung des Militärs mangelhaft.

Der Industrie gelang es kaum, sich auf den ständig wechselnden Bedarf an verschiedenen Munitionsarten an den unterschielichen Frontabschnitten einzustellen. Die Unternehmen steigerten ihre Produktionskapazitäten nur langsam, weil sie sich angesichts der erwarteten kurzen Kriegsdauer nur wenig Profit versprachen. Erst später nutzte die Rüstungsindustrie den Krieg, um dem Reich hohe Preise für ihre Produkte aufzuzwingen.

Warum erzähle ich das?

Ich erzähle das, weil die Erfahrungen des Kalten Krieges von 1948- 1989 in allen entwickelten Ländern volkswirtschaftliche Prägungen hinterlassen haben, die "Dauerkrisen", unerklärte "Dauerkriege" um den exclusiven Zugriff auf Ressourcen, voran Arbeitskräfte als letzte Wachstumsmarktreserve zu Lasten vermögens- , bildungsferner Bevölkerungsschichten begreifen und strategisch innerhalb der Eliten kommunizieren.

Am Beispiel der Kriegskommandowirtschaft 1914- 1918 im Deutschen Kaiserreich auf die sich in Konturen abzeichnende Weltkommadowirtschaft 2014- 2018 und weiter geschaut:

Die Kriegsrohstoffabteilung (KRA) der Obersten Heeresleitung (OHL) gründet schnell eine Reihe von Einzelgesellschaften für verschiedene Rohstoffe. Sie waren private Aktiengesellschaften unter strenger staatlicher Aufsicht. Diese Verbindung privatwirtschaftlicher Elemente mit staatlicher Organisation wurde von nicht wenigen Zeitgenossen als „Staatssozialismus“ gepriesen, von anderen angeprangert

Die Rohstoffgesellschaften stießen auf massiven Widerstand in Wirtschaft, weil die in ihrem Aufsichtsrat vertretenen Unternehmensvertreter die eigenen Firmen bei der Verteilung bevorzugen. Zu Kriegsbeginn wurde nur in wenigen Fällen zum Zwangsmittel der Rohstoffzuweisung gegriffen, im weiteren Verlauf jedoch im größeren Umfang. Im Herbst 1914 begann die KRA zudem, in die Preisgestaltung der Industrie einzugreifen. Insgesamt gelang es, den drohenden Rohstoffkollaps abzuwenden.

In den Beschaffungsämtern des Kriegsministeriums herrschten weiter chaotische Strukturen. In den mehr als 40 Beschaffungsstellen war Korruption verbreitet. Ab Anfang 1915 erklärte das Kriegsministerium der Korruption mit strikter Kontrolle den Krieg.

Unternehmen, die sich um Heeresaufträge bewarben, mussten Einblick in ihre Kalkulation gewähren. Die darauf geschlossenen neuen Verträge konnte das Ministerium knapp kalkulieren, da es nun über die Abläufe und Kostenstrukturen der Produktion informiert war. Mit diesem Schritt sollten die Ausgaben begrenzt und auch eine Inflation verhindert werden (letzteres gelang nicht, siehe Deutsche Inflation 1914 bis 1923).

Der Zwang zur Offenlegung führte, wie nicht anders zu erwarten, zu erneuten Protesten aus betroffenen Kreisen der Wirtschaft.

Arbeitskräfte in Krisen, erklärten, unerklärten Kriegen.

Auch zur Arbeitskräfteanwerbung und -zuweisung zwischen zivilen und militärischen Wirtschaftsbereichen sowie der Rekrutierung für die Armee hatte es vor dem Krieg 1914 keine Pläne gegeben.

Zunächst wurden ausgerechnet die qualifiziertesten Arbeiter einberufen, was wiederum eine Flut von Anträgen aus der Industrie zur Zurückstellung (UKAs) nach sich zog. Dieses Ansinnen blieb in der Militärverwaltung jedoch zunächst ohne Resonanz.

Ein geordnetes bürokratische Verfahren war dafür nicht vorgesehen. deshalb drohte die Industrie unverhohlen mit der Erfüllungs- Verweigerung von Heeresaufträgen.

Im Januar 1915 entstand die „Abteilung für Zurückstellungswesen“ AZ(S), die von sozialreformerischen Wissenschaftlern und Bürokraten dominiert wurde. Im Mai 1915 wurde das Kriegsministerium verstärkt in die bis dahin weitgehend autonomen Einberufungsverfahren in den Armeekorpsbezirken eingeschaltet. Die AZ(S) und andere Stellen des Ministeriums konnten aber lediglich Empfehlungen aussprechen.

Die Entscheidung über Einberufungen lagen bei stellvertretenden kommandierenden Generälen. Darüber hinaus versuchten die Stellen, die Beschäftigung von Kriegsgefangenen und -beschädigten sowie Fremdarbeitern auszuweiten.

Das es dabei in Belgien/Flandern unter dem Kommando kaiserliche Heeresleitung als Vollziehender Gewalt in besetzten Gebieten, kriegsverbrecherisch, menschenverachtend, zu ersten Zwangsarbeits- und Konzentratonslagern kam, ist bis heute eher unbekannt.

Ganz zu schweigen davon, dass, entgegen Haager Kriegsordnung, vorzugsweise russische Kriegsgefangene, wie selbstverständlich auf Anfrage, Unternehmen, Kommunen, weltlichen, kirchlichen Landwirtschaftsgütern unentgeltlich zugewiesen wurden.

Im Frühjahr 1915 erfolgte die Einstufung der Arbeiter nach körperlicher Verfassung, die Industrie musste die Fittesten an die Armee abgeben. Im Juni 1915 ergingen erste verbindlichen Direktiven für Zurückstellungen an die stellvertretenden Generalkommandos.

Auf der anderen Seite setzte das Ministerium die Freistellung der tauglichsten Arbeiter für den Kriegsdienst durch die Vergabe von Armeeaufträgen an solche Firmen durch, die sich dem nicht widersetzten. Ab Anfang 1916 führte die AZ(S) vermehrt Initiativen zur Beschäftigung von Frauen, Jugendlichen und Kriegsgefangenen durch.

Nahrungsmittel

Die Notwendigkeit der Nahrungsmittelversorgung in Krisen- und Kriegszeiten wurde anfangs von staatlichen Stellen vollkommen ignoriert. Deutschland war vor dem Krieg 1914, im Gegensatz zu Großbritannien, weitgehend Selbstversorger, nur 10 % der Nahrungsmittel mussten importiert werden. Die britische Seeblockade wurde zur „Hungerblockade“ erst als 1916 allgemeine Engpässe der deutschen Kriegswirtschaft eintraten.

Dazu kam der Mangel an Nitrat für Kunstdünger. Erste Preissteigerungen zum Jahresende 1914 führten zu Unruhen. Sozialdemokraten, Bürokraten und Wirtschaft forderten eine Lebensmittelpolitik, lokale Behörden begannen mit der Festlegung von Höchstpreisen, was sich als wenig effektiv erwies.

Am 17. November 1914 wurde gegen den Widerstand der Agrar-Interessenvertreter im Innenministerium die Kriegsgetreidegesellschaft gegründet. Sie sollte nach dem Vorbild der KRA Vorräte aufkaufen, hohe Preise festlegen und dadurch einen geringeren Verbrauch und eine längere Reichweite der Vorräte erreichen. Dieses Konzept ging nur ansatzweise auf. Im Februar 1915 folgte eine Reihe von Verordnungen zur Getreideproduktion, in der die Regierung die Aufsicht über sämtliche Bestände der Landwirte erhielt. Im Januar 1915 gab es die erste Brotrationierung in Berlin, im Juni im ganzen Reich. Die Kontrolle anderer Nahrungsmittel wurde versucht, gelang jedoch kaum.

Die Landwirte reagierten mit Schwarzhandel und dem Ausweichen auf andere Produkte. Im Oktober 1915 wurde die Reichskartoffel-Stelle gegründet. Die Anweisung, im Jahr 1915 die Zahl der Schweine wegen Futtermangels um 5 Millionen Stück durch Schlachtungen zu reduzieren (im Volksmund Schweinemord genannt) führte zu einer Unterversorgung an Fleisch.

Insgesamt scheiterte die Nahrungsverwaltung an der schwerfälligen Bürokratie, den unterschiedlichen Ansätzen in verschiedenen Behörden sowie dem Konflikt zwischen den agrar-nahen Verwaltungen der Bundesstaaten und der verbraucher-nahen Einstellung der stellvertretenden kommandierenden Generäle.

Diese Probleme zogen zunehmende Forderungen nach einer militärischen Kontrolle der Nahrungsmittelverteilung nach sich, vor allem aus den Reihen der SPD. 1916 führte eine schlechte Kartoffelernte zu Hungerkrawallen und zunehmenden Spannungen zwischen Stadt- und Landbevölkerung. Auch die Industrieproduktion begann unter der schlechten Ernährung der Arbeiter zu leiden.

Im Mai 1916 folgte die Gründung des Kriegsernährungsamtes (KEA). Es war dadurch beschränkt, dass es keinen Einfluss auf die Heeresversorgung hatte und über keine eigenen Exekutivmöglichkeiten verfügte, sondern auf die Reichsministerien angewiesen war. Trotzdem handelte es sich um die erste zentrale Ernährungsstelle.

Gleichzeitig wurden die Befugnisse der stellvertretenden Generalkommandos für die zivile Nahrungsversorgung stark beschnitten. Damit wurden die Probleme nicht gelöst, jedoch verbesserte sich die Versorgung der Industriearbeiter leicht. Das Grundproblem der zu geringen Nahrungsproduktion blieb bestehen.

Sozialpolitik

Auch die Sozialpolitik stand unter der Anforderung, die Wirtschaftstätigkeit in allen gesellschaftlichen Bereichen aufrechtzuerhalten. Der Staat versuchte die Gefahr von Streiks oder gar einer Revolution zu bannen.

Ab 1915 betrieb das Kriegsministerium eine entschiedene Sozialpolitik der Spaltung, sprich Entsolidariserung der Arbeitnehmerschaft. Die AZ(S) wurde schnell zur Trägerin einer progressiven, gewerkschaftsfreundlichen Sozialpolitik, intern wurde aber auch der repressive Ansatz einer Arbeitspflicht diskutiert.

Die AZ(S) und weiterer Regierungsstellen beabsichtigten, Arbeiter durch die Gewährung von Rechten in ihrer Funktion für den Krieg zu mobilsieren. Dieser Haltung kam die Burgfriedenspolitik der SPD und der kriegsfreundliche Kurs der Gewerkschafter entgegen.

Durch die Einbeziehung der Arbeiter sollten verschiedene wirtschaftliche Probleme gelöst werden. So war es nach den Einberufungen zu Kriegsbeginn zu massiven Abwerbeversuchen unter den verbliebenen Arbeitern gekommen. Unternehmen mit Kriegsaufträgen warben Facharbeiter aus anderen Betrieben ab.

Im Februar 1915 wurde eine erste korporatistische Lösung mit der Gründung des „Metallausschusses für Groß-Berlin“ versucht. In ihm verhandelten Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam über die Berechtigung von Wünschen nach einem Arbeitsplatzwechsel. Meist wurden Kompromisslösungen nach dem Muster „mehr Lohn und Verbleib am alten Arbeitsplatz“ gefunden.

Im restlichen Reich kamen ähnliche Einrichtungen nur zögerlich zustande. Erst im Januar 1916 kam es zur Gründung des nächsten Kriegsausschusses in Dresden. Das Innenministerium schrieb im April 1916 schließlich die Gründung von Ausschüssen oder Schiedsstellen aus Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Offizieren vor. Die Industrie konnte dies aber in einzelnen Regionen, vor allem im Ruhrgebiet und in Schlesien, verhindern, wo stellvertretende kommandierende Generäle ihr nahestanden.

Darüber hinaus schrieben Heeresverträge Betrieben häufig angemessene Löhne für Arbeiter vor. Die AZ(S) begann schließlich sogar Pläne für Gewährung von Urlaub zu erörtern. Ihre gewerkschaftsnahe Haltung trug der Behörde wiederholt scharfe Kritik aus der Wirtschaft und aus dem Handelsministerium ein.

Kriegswirtschaft 1916 bis 1917

Im Frühsommer 1916 führte der massive Anstieg der Kriegskosten zu einer militärischen, politischen und wirtschaftlichen Krise: Mehr als ein Zehntel des Jahresvolkseinkommens von 1913 wurde zu dieser Zeit in einem Monat verbraucht. Ab der fünften Kriegsanleihe (September/Oktober 1916) konnten die Zeichnungsergebnisse nicht mehr mit dem Geldbedarf Schritt halten (zum Deckungsgrad durch die Kriegsanleihen vergleiche Tabelle im Artikel Deutsche Inflation 1914 bis 1923 wikipedia).

Hindenburg-Programm

Im August 1916 wurde Paul von Hindenburg Generalstabschef und Erich Ludendorff dessen Stabschef und Generalquartiermeister. Zusammen führten sie die dritte Oberste Heeresleitung (OHL), die das Kriegsministerium weitgehend entmachtete. Die von ihnen geforderte umfassende Heranziehung aller wirtschaftlicher Ressourcen für den Krieg und die starke Ausweitung der Rüstungsproduktion wurde schon bald als Hindenburg-Programm bezeichnet.

Es orientierte sich am britischen Munitions of War Act von 1915, auf dessen Grundlage die britische Kriegswirtschaft in der Schlacht an der Somme im Juli 1916 ihre Leistungsfähigkeit bewiesen hatte. Die Offensive an der Somme hatte auf deutscher Seite zu einer erneuten schweren Munitionskrise geführt. Außerdem herrschte eine katastrophale Lebensmittelknappheit.

Sofort nach ihrem Amtsantritt verlangte die neue OHL, auch auf Betreiben der Lobbyisten der Großindustrie, eine massive Steigerung der Munitions- und Waffenproduktion, um den Mangel an Soldaten auszugleichen. Wirtschaftliche, finanzielle und Arbeitskräfte-Überlegungen wurden zunächst der Forderung nach mehr Munition radikal untergeordnet. Die OHL stellte das Programm als Abkehr von der unzureichenden Politik des Kriegsministeriums dar. Erfüllt wurde das Hindenburg-Programm nur in wenigen Teilaspekten. Seine hohen Anforderungen und die Konzentration auf die Waffenproduktion trugen sogar zur Verschlimmerung der Krise bei. Zudem machte es noch größere Rückstellungen von der Front nötig.

Kriegsamt

Im November 1916 wurde das Kriegsamt unter Generalleutnant Wilhelm Groener gegründet, das zahlreiche wirtschaftliche Aufgaben des Kriegsministeriums übernahm, enger an die OHL angebunden und militärisch organisiert war. Gleichzeitig wurde auch die Autonomie der stellvertretenden kommandierenden Generäle eingeschränkt. Mit dem Amt entstanden neue bürokratische Probleme, da es sowohl den stellvertretenden Generalkommandos als auch dem Ministerium untergeordnet war und auch die Kriegsministerien der Bundesstaaten ihre Aufgaben behielten. Sowohl die SPD als auch Industrielle begrüßten die neue Behörde, da sie von ihr eine effektivere

Verwaltung erwarteten. Diese Erwartungen erfüllen sich insgesamt nicht, trotz vereinzelt sinnvoller Verwaltungsmaßnahmen insbesondere zu Nahrungsmittelversorgung. Die verworrene interne Organisation von Stäben und Abteilungen, Überschneidungen mit zivilen und anderen militärischen Behörden führten zu bürokratischer Ineffizienz.

Hilfsdienstgesetz

Die bereits vorher wiederholt geführte Diskussion um einen Arbeitszwang bekam mit der neuen OHL wieder Auftrieb. Vor allem die Industrie machte sich dafür stark. Im Oktober 1916 gab es erste Zwangsverpflichtungen belgischer Arbeiter. Im November 1916 wurde der erste Entwurf des Kriegsamts für das Hilfsdienstgesetz (HDG), eigentlich Gesetz über den vaterländischen Hilfsdienst, vorgelegt.

Es sollte die gesamte männliche Bevölkerung dienstverpflichten, vor allem für Landwirtschaft und Kriegsindustrie, sah die Einschränkung der Freizügigkeit der Arbeitnehmer sowie die Möglichkeit vor, Betriebe still- oder zusammenzulegen, um eine effizientere Produktion zu erreichen. Bereits zuvor hatte es massive politische Diskussionen sowie Lobbyarbeit von Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften zur Arbeitspflicht gegeben.

Die Ausführungsbestimmungen des HDG sahen unter anderem ein Ausschusssystem vor, das über die Kriegswichtigkeit von Unternehmen und damit über Arbeitskräftezuteilung und letztendlich die Existenz entscheiden sowie den Arbeitsplatzwechsel von Arbeitern regeln sollte. In der Reichstagsdebatte des HDG im November 1916 prallten Interessenvertreter von Gewerkschaften und Unternehmen aufeinander.

Als Ergebnis entstand eine Reichstagsausschuss zur Kontrolle des HDG, ständige Arbeiterausschüsse mit Vertretungsrecht in Tariffragen wurden in größeren Betrieben gebildet.

Dies kann als Grundstein für die betriebliche Mitbestimmung in Deutschland angesehen werden. Zusammen mit der Mitarbeit in den HDG-Ausschüssen bedeutete dies einen gewaltigen Machtgewinn für die Gewerkschaften. Außerdem wurde die Beschränkung von Kriegsgewinnen für Unternehmen ergebnislos diskutiert.

Die Regierung verpflichtete sich bei Verabschiedung des Gesetzes mündlich, sowohl den Arbeitszwang als auch die Stilllegung von Betrieben nicht mit voller Macht des Gesetzes, sondern nach Möglichkeit auf freiwilliger Basis zu handhaben. Im Dezember 1916 wurde das Gesetz verabschiedet.

Der erhoffte Effekt des HDG, die Verringerung von Rückstellungen, blieb weitgehend aus, eher wuchsen sie noch an, da die Industrie sich weigerte, ungelernte Kräfte anzustellen. Nur sehr wenige zivile Freiwillige Hilfsdienst fanden sich, vor allem Frauen. Im Frühjahr 1917 verschärft sich die Lage an der Front, worauf Ludendorff die Rückstellungen einschränkte. Die im März 1917 verschärfte Meldepflicht für Hilfsdienstpflichtige wurde nicht flächendeckend umgesetzt. Das HDG versagte vollkommen bei der Erfassung der Mittel- und Oberschicht.

Dagegen begann das Kriegsamt, sich verstärkt um weibliche Arbeitskräfte zu bemühen, wozu es soziale Gesichtspunkte (Kinderbetreuung) und angemessene Arbeitsbedingungen berücksichtigte. Die zunehmende Frauenarbeit in der Industrie zog negative Effekte in der Landwirtschaft nach sich.

Auch die Betriebszusammenlegungen nach dem HDG erzielten nicht die erwünschte Einsparung von Arbeitskräften und Transportkapazität. Im Dezember 1916 entstand der Ständige Ausschuss für die Zusammenlegung von Betrieben (SAZ) im Kriegsamt aus Behörden- und Wirtschaftsvertretern. Erste Zusammenlegungen in der Textilindustrie führten vor allem zur Konsolidierung großer Betriebe, was öffentliche und parlamentarische Proteste nach sich zog.

Weitere Zusammenlegungen scheiterten meist am Widerstand der Betriebe, die sich mit Hilfe der Beschaffungsämter als kriegswichtig darstellten. Die Stilllegungsgewalt wurde im Verlauf des Jahres 1917 zunehmend vom Kohlekommissar übernommen, weil Kohleversorgung immer kritischer wurde.

Ab dem Sommer 1917 weiteten sich die Stilllegungen auch auf kriegswichtige Betriebe aus, weil der Soldatenmangel immer größere Ausmaße annahm. Zugleich wurden über den gesamten Kriegsverlauf mit Blick auf die kommende Friedenswirtschaft „kriegsunwichtige“ Industrien am Leben erhalten und so Kapazitäten verschwendet. Das Hauptproblem des HDG bildete aber der Paragraph 9.

Er sollte den Arbeitsplatzwechsel regeln und erlaubte den Wechsel zur „angemessenen Verbesserung“ von Lohn und Arbeitsbedingungen. Schlichtungsausschüsse vermittelten bei Konflikten zwischen Arbeitern und Arbeitgebern. Im Frühjahr 1917 entstand dadurch ein totales Chaos auf Arbeitsmarkt: Arbeiter, auch zurückgestellte Wehrpflichtige, nutzten die Regelungen, um besser bezahlte Stellen zu bekommen. Arbeitgeber warben Arbeiter im höheren Maß als zuvor mit höheren Löhnen ab. Dies führte unter anderem zu einer allgemeinen Lohnsteigerung, hohen Lohndifferenz zwischen Arbeitern der Kriegsindustrie und den übrigen Erwerbstätigen sowie zu Inflation.

Transport- und Kohlekrise

Im Herbst 1916 begann die Transport- und Kohlekrise, die sich bis in das Frühjahr 1917 hinzog. Die Eisenbahn-Infrastruktur war zuvor kaum beachtet worden, obwohl die Eisenbahn das wichtigste Transportmittel geworden war, nachdem auch die Binnenschifffahrt wegen der Blockade der Seehäfen zurückgegangen war. Zusätzliche Anforderungen durch den Transport von Truppen, Waffen und Munition verschärften nach dem Kriegseintritt Rumäniens im August 1916 die Anforderungen an die Eisenbahn. Mit dem Hindenburg-Programm kam der Zusammenbruch.

Der infrastrukturell unsinnige Neubau von Industrieanlagen (Stahlproduktion im Ruhrgebiet, Weiterverarbeitung um Berlin, Transport zur Front) beanspruchte zudem hohe Gleisbaukapazitäten. Zunehmend mangelte es an Arbeitskräften zum Entladen der Waggons. Im September 1916 kam es zu ersten schweren Störungen im Kohletransport im Ruhrgebiet, die im Oktober Produktionsausfälle in Rüstungsbetrieben nach sich zogen, die schnell auf das ganze Reich übergriffen.

Der Kohletransport brach weitgehend zusammen. Beladene Züge steckten fest oder konnten nicht entladen werden. Ab Oktober 1916 wurde eine zentralen Organisation des Transportwesens versucht, die aber kaum Effekte erzielte, sondern zu mehr bürokratischer Verwirrung führte. Die in der Presse geforderte militärische Kontrolle des Eisenbahnwesens erfolgte nicht, die stellvertretenden Kommandeure setzten ihre Truppen aber zum Entladen der Züge ein. Zudem versuchte die OHL den Bau von Schienen und Zügen zu forcieren. Als wegen des starken Frosts im Januar und Februar 1917 die Binnenschifffahrt stillstand, verschärfte sich die Krise weiter, es wurden mehrtägige Transportsperren verhängt, um das Chaos zu entwirren.

Das schädigte zwar die Produktion weiter, entlastete aber die Eisenbahn.

Mit Abklingen der Transportkrise wurde zunehmend klar, dass auch in der Kohleproduktion erhebliche Probleme herrschen, weil viele Bergarbeiter einberufen worden waren. Da trotzdem und vor allem aufgrund des Hindenburg-Programms eine hohe Förderung aufrechterhalten werden sollte, befanden sich die Gruben in einem schlechten Zustand, der sich inzwischen auch auf die Produktion auswirkte.

Auch der im Februar 1917 in Dienst gestellte Kohlenkommissar konnte die Versorgung nicht verbessern, sondern erhöhte eher das bürokratische Chaos. Letztlich führte die Eisenbahn- und Kohlekrise zum Scheitern des Hindenburg-Programms. Die Waffen- und Munitionsproduktion brach im Januar und Februar 1917 ein, was einer der Gründe für den Rückzug an der Westfront auf die „Siegfriedlinie“ war.

„Steckrübenwinter“/„Kohlrübenwinter“

Der Winter 1916/17 wird wegen der Krise der Nahrungsmittelversorgung als Steckrübenwinter bezeichnet. Angesichts der katastrophalen Lage wurden die Nahrungsmittelrationen noch einmal deutlich gekürzt. Das Kriegsernährungsamt versagte vollkommen. Erst scharfe Maßnahmen des Kriegsamts besserten die Lage vorrübergehend.

Den Landwirten wurden verstärkt Arbeitskräfte, Pferde und Düngemittel zugeteilt. Im Januar 1917 entstanden Kriegswirtschaftsämter in den Provinzen. Sie stellten auf der einen Seite die Anforderungen der Landwirte für das Aufrechterhalten der Produktion fest und regelten deren Versorgung, teilweise mit Arbeitseinsätzen von Garnisonstruppen. Hierzu fand auch eine Versorgung der Bevölkerung mit Suppenküchen statt, in denen Gerichte aus Steckrüben, einem noch vorhandenen Nahrungsmittel, angeboten wurden.

Auf der anderen Seite beschlagnahmten die Ämter gehortete und versteckte Lebensmittel. Die beabsichtigte Vereinheitlichung der Nahrungsmittelrationen konnten aber auch sie nicht durchsetzen.
Inflation

1917 begannen sich auch die Schwierigkeiten der Kriegsfinanzierung verstärkt auszuwirken. Versuche, Kriegskosten über neue Steuern zu decken, setzen erst 1916 ein und hatten wenig Erfolg. Der Staat verschuldete sich durch Kriegsanleihen im Inland. Sie brachten aber nur einen Teil des erforderlichen Kapitals.

Deshalb begann die Reichsbank, trotz offiziellem Festhaltens am Goldstandard, Geld zu drucken und löste damit eine Inflation aus, die durch steigende Löhne der Kriegsindustrie verschärft wurde. Ab dem Sommer 1917 kann man von einer galoppierenden Inflation sprechen.

Streiks

Zudem konnte die Wirtschaftspolitik ihrem sozialen Anspruch immer weniger entsprechen. Die USPD verstärkte ab dem Beginn des Jahres 1917 ihre Agitation.

Nach Kürzungen der Brotrationen entwickelten sich lokale Hungerproteste in Berlin und in Dresden kam es im April 1917 zu massiven Streiks.

In der Reichshauptstadt Berlin sorgten die Gewerkschaften in einem Teil der Betriebe schnell wieder für Ruhe. In Leipzig nahmen die Streiks eine politische Richtung; Wahlrechtsreformen, Friedensverhandlungen und ein Ende der Repression im Inneren wurden gefordert.

Das Militär griff schließlich ultrabrutalst durch, besetzte kriegswichtige Betriebe und schickte Streikende mit sofortiger Wirkung als Wehrpflichtige an die Front. Eine neue Streikwelle begann im Juni 1917 im Ruhrgebiet mit Lebensmittelkrawallen.

Bald gab es auch dort politische Forderungen als europäisch- deutsches Echo auf die russischen Februarrevolution. Als Nächstes griffen die Streiks auf die schlesischen Kohlereviere über. Angesichts dieser Krisen und nach Intrigen der OHL trat am 13. Juli Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg zurück. Anfang August endeten die Streiks nach Repressionen des Militärs.

In Zusammenarbeit von Kriegsamt, KEA und Kohlenkommissar gelang im Winter 1917/18 die weitgehende Abwendung einer neuen Kohle- und Transportkrise.

Wirtschaft zum Kriegsende.

In der sich verschlimmernden, alle Bereiche von Militär, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft umfassenden Krise ab Sommer 1917 wurden kaum noch wirtschaftspolitische Maßnahmen ergriffen. Zwar wurden verschiedene Programme und Neuregelungen erwogen.

In der sich verbreitenden Kriegsmüdigkeit und dem steigernden Chaos wurde aber kaum noch etwas umgesetzt. Das Lösen unmittelbarer Notlagen trat an die Stelle von weitreichenden Konzepten. Es kam zu uneinheitlichen, teilweise widersprüchlichen Aktionen der OHL. Vergbelich wurde die Vermeidung einer Revolution zum zentralen Programm der Innenpolitik der letzten Kriegsmonate.

Nach der Entlassung von Kriegsamts-Chef Groener im August 1917 erhielten die stellvertretenden Generalkommandos wieder mehr Vollmachten, die amtlichen Instrumente des Nationalen Notstandes, der "Belagerungszustand" wurde schärfer angewendet.

Andererseits begann auch die OHL stärker die Bedeutung der Gewerkschaften zur Ruhighaltung der Arbeiter anzuerkennen. In der zweiten Jahreshälfte 1917 brach die Ernährungsversorgung vollkommen zusammen.

Der Schleichhandel nahm gewaltige Ausmaße an und hebelte die staatlichen Kontrollen aus. Nach den Unternehmern beteiligten sich zunehmend auch die Kommunen an diesen nicht legitimierten "Handelsformen", um die eigene Bevölkerung zu ernähren.

Der Nahrungsmittelmangel verminderte spürbar die Arbeitsleistung, was erneut steigende Nachfragen nach Rückstellungen zur Folge hatte. Dazu kamen vermehrte Forderungen nach politischen Reformen, die ihren Höhepunkt mit riesigen Streiks Ende Januar 1918 erreichten.

Das Militär griff "ausmärzend" hart durch und brach die Streiks bis Ende Februar. Ab März 1918 trat Ruhe im Inneren ein. Die Versorgung der Bevölkerung verschlechterte sich weiter, erstmals mangelte es auch an Kleidung und Wohnraum. Selbst die Landbevölkerung begann unter Nahrungsmangel zu leiden.

OHL und Regierung reagierten darauf erneut mit dem administrativen Aktionismus der Einrichtung von Verwaltungs- und Zuteilungsbehörden, die den Bedarf entweder überbürokratisch oder unzureichend verwalteten.

Im April 1918 erfolgte eine erneute Herabsetzung der Brotrationen. Das KEA ging gleichzeitig energisch gegen Lebensmittel-Schwarzhandel der Unternehmen vor.

Im Frühjahr 1918 starteten im Reichstag mehrere Gesetzgebungsverfahren, die kriegsbedingte Rechte der Arbeiter für die Friedenszeit festschreiben, um damit ein letztes Mal deren Loyalität zu sichern.

Diese letzten Versuche waren nicht von Erfolg gekrönt.

Paralell gab es vereinzelte Versuche von Zivil- und Militärbehörden sowohl zum Gewinn- , Preis- und Lohneinstopp. Trotz der schlechten Lage kam es nicht zu neuen Streiks, da auch die Arbeiterschaft, unverbrüchlich patriotisch eingeschworen, von einer bevorstehenden militärischen Entscheidung zu Gunsten des Deutschen Kaiserreiches ausging.

Auf Kosten von Rückstellungen waren Teile des Hindenburg-Programms Ende 1917 erfüllt worden, was aber teilweise am Bedarf vorbeiging. Ab 1918 gab es erstmals auch massiven Mangel an Stahl.

Die Produktionslinien arbeiteten zum erheblichen Teil ineffektiv, weil nicht genug Arbeiter vorhanden waren. Die Industrie begann teilweise schon mit der Umstellung auf Friedensproduktion, was zum Bau zahlreicher neuer Fabriken und zum Kapazitätsabzug aus der Kriegsproduktion führte.

Die Oberste Heeresleitung ( OHL) forderte im Juni 1918 die Ausdehnung der Wehrpflicht auf ein Alter von 15 bis 60 Jahren. Ein strengerer Arbeitzwang mit fester Bindung an den Arbeitsplatz wurde diskutiert. Die britische Offensive am 8. August beendete schließlich auch die Wirtschaftspolitik des Deutschen Reiches.

Soziale Folgen

Während die Arbeiter und die Gewerkschaften wegen des Mangels an Arbeitskräften aufgewertet wurden, erlebten vor allem die kleineren Angestellten einen deutlichen Rückgang ihrer Einkommen. Von 1914 bis 1916 sank ihr Gehalt um 20 bis 25 Prozent; wegen der parallelen Teuerung war der tatsächliche Kaufkraftverlust noch größer. Zwar steigerte sich in den letzten Kriegsjahren das Einkommen über das Vorkriegsniveau, ohne die Teuerung damit auszugleichen, während die Arbeiter noch größere Zuwächse verzeichneten. So verstärkte sich die soziale Nivellierung der Gruppe der kleineren Angestellten und der Arbeiterschaft, was sich unter anderem in der Gründung dreier gewerkschaftsähnlicher Angestellten-Dachverbände ausdrückte.

Der Mangel an männlichen führte zur vermehrten Einstellung von weiblichen Arbeitskräften, die, oft nur kurz angelernt, die vorher von Männern ausgeübten Tätigkeiten übernehmen mussten und konnten.

Die Frauenemanzipation wurde dadurch als soziale Frage noch brennender, erhielt zugleich aber einen großen Schub durch die Eigentinteressen der Unternehmen und Wirtschaft insgesamt, da deutlich wurde, dass viele vorher männlichen Arbeitskräften vorbehaltene Tätigkeiten auch und oft sogar besser, verlässlicher und billiger von Frauen ausgeübt werden konnten (Straßen- und Eisenbahnfahrer und -kondukteure, Handlungsgehilfen/Bürokräfte, Lehrer, Bandarbeiter).

Die größere Wirtschaftlichkeit von Frauenarbeit, bis heute trotz der Gleichberechtigung nicht überwunden, ebnete zugleich aber den Frauen den Weg ins Berufsleben.

Die Beamten, insbesondere in höheren Positionen, verzeichneten starke Einkommensverluste. Das Realeinkommen der höheren Beamten sank bis 1918 auf 47 Prozent, der mittleren auf 55 Prozent, der unteren auf 75 Prozent des Vorkriegsniveaus. Ein Grund dafür war die unflexible Reaktion des Staats auf die Teuerung. Zudem besaßen die Beamten, die nicht streiken durften, keine Druckmittel. 1917 wurde erstmals die Beamtenbesoldung nach sozialen Gesichtspunkten eingeführt.

Die Beamten reagierten mit Politisierung und Organisierung. 1918 entstand der Deutsche Beamtenbund aus kleineren Verbänden.

Handwerker und Händler litten darunter, dass ihre Kleinbetriebe meist als „nicht kriegswichtig“ eingestuft wurden und kaum Rohstoffe und Arbeitskräfte erhielten. Deshalb schlossen sie sich in größeren Genossenschaften zusammen und versuchten gemeinsam Heeresaufträge zu erhalten. Eine Minderheit der Handwerker näherte sich der Linken an, die Mehrheit suchte als Produzenten von Vor- und Zwischengütern sowie in ihrer Verbandsstruktur Kontakt zur Großindustrie.

Eines kann aus den Erfahrungen und archivierten Ergebnssen der deutschen Kriegskommandowirtschaft von 1914- 1918 mit Gewissheit festgestellt werden, im Verlauf von Krisen, erklärten, unerklärten Kriegen, bilden sich, unabhängig von Sieg und Niederlage, Strukturen heraus, denen vor der Krise, vor dem Kriege alle gesellschaftlichen Gruppen im Brustton voller Überzeugung ausdrücklich unter folgend handelbarer Devise gewarnt hatten:

"Sag Niemals.... Nie!"
JP

http://www.deutschlandfunk.de/der-weg-in-den-ersten-weltkrieg-deutsches-reich.724.de.html?dram:article_id=272963

Beitrag vom 26.12.2013
DER WEG IN DEN ERSTEN WELTKRIEG
Deutsches Reich: Industriestaat unter dem Adlerhelm

Von Michael Stürmer

http://www.freitag.de/autoren/joachim-petrick/heiliger-bimbam-2014-wie-1914

JOACHIM PETRICK 27.12.2013 | 19:08 2

"HEILIGER BIMBAM" 2014 wie 1914

Kassandra 1918 "Wir lernen sehr wohl aus den irrtümern der Geschichte, nämlich einfallsreich Irrtümer zu begehen, auf die wir, ohne Kenntnis der Geschichte, nie gekommen wären"

http://www.dhm.de/lemo/html/wk1/index.html
Der Erste Weltkrieg 1914- 1918

http://www.taz.de/Waehrungsfonds-zu-Vermoegensabgabe/!126906/
Währungsfonds zu Vermögensabgabe
Her mit der Kohle
taz 5.11.2013

19:49 30.12.2013
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Joachim Petrick

Aktuelles: Meine sichere Route- Refugee-Airlift - Petition "Luftbrücke für Flüchtlinge in Not" an die MdBs des Bundestages erhofft Debatte
Joachim Petrick

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