Candide, eine Krisenkarriere vor und nach dem Berliner Mauerfall 1989

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Candide, eine Krisenkarriere vor und nach dem Berliner Mauerfall 1989

Was früher nach gesellschaftlich hohem Stand Bildungskarrieren verbindlich, hochtrabend auf hohem Ross galoppierend, tadellos adelig verhieß, verheißen heute Krisenkarrieren informell verflixt unverbindlich „Standby Bildung“ anstandslos vernetzt als Tagelöhner/in am laufenden Band im Funkkontakt.

Als François Marie Arouet de Voltaire ( 1694- 1777) im Jahre des Herrn 1756 seinen Roman „Candide, eine Bildungskarriere, oder die beste aller Welten“ veröffentlichte, galt weltweit, trotz hereinbrechender Gedankenwelten der Aufklärung, noch das unbändig zügellos gefühlte wie ungeschriebene Natur- Völkerrecht, dass da verbindlich zu Gehör vorsah, dass der Mensch nur so viele Feinde mordete, vierteilte, in Stücke hieb, Herzen bei lebendigem Leibe aus eines Menschen Körper als Opfergabe riss, wie er, sie, es verdaulich zu verspeisen vermochte, statt diese den auf Dauerlauer hochfliegenden und niedersausenden Krähen, Geiern u. a. Aasfressern zu überlassen.
War das nicht wahrlich für unverbesserliche Optimisten wie Fatalisten die beste aller Welten?

Es hat sich leider, Dank geschuldet, wachsender Feuergefechts- , Säbel- , Hieb- ,Stich- Seuchen- , Verelendungs- Macht & Kraft, niemand, gleich von welchem Stande, aus welchem Lande, trotz später nachgereichter Vorlage eines geschriebenen Völkerrechts samt Gründung des Völkerbundes, der UNO bis heute daran gehalten.

Die beste aller Welten schlug im Jahre 1755 mit dem verheerenden Erdbeben samt Tsunami in und auf Lissabon metaphysisch endzeitlich, selbst für unverbesserliche Optimisten wie Fatalisten, in ihre Restzeit- Blüte.

Von nun an begann im Wege der Aufklärung das tägliche Dementi der besten aller Welten monologisch, dialogisch, salon- und satisfaktionsfähig zu werden.

Galt die „Beste aller Welten“ bis dato als Ausbund an Optimismus, wie Fatalismus, um die fehlende Leidensbereitschaft wie Leidensfähigkeit, metaphysisch in göttliche Gewänder gehüllt, in hoch getürmten Gedankengebäuden hochgesinnt- himmelstürmend zu verbergen, galt es nun im Wege der Aufklärung, den Sinn der Leidensbereitschaft und Leidensfähigkeit der Menschen, der Nationen, der Völker fortschrittlich in feldmäßig angeordneten Versuchsreihen, ohne Unterlass, einer Probe aufs Exempel , auf Teufel komme heraus, Gott sei bei uns, oder auch nicht“, erfindungsreich zu unterziehen.

Die Hochzeit dieser nachgewiesenen Leidensbereitschaft- und -fähigkeit der Menschen, Nationen und Völker ist bis heute die beste aller Welten unter dem Begriff des so genannten „Kapitalismus“ und seines Gegenentwurfs des real- existierenden Sozialismus durch ein Block- Systems des Gleichgewichts der gegenseitigen Abschreckung durch angedrohte und von Amtswegen vollstreckte Verbrechen und deren umdeutende Dementis im Namen des angeblich unaufhaltsam globalen Fortschritts der Menschheit.

Verbrechen taten in diesen Blöcken des Kalten Krieges Not, wie früher bei den Römern „Navigare necesse est“ die Seefahrt, um den Ruf nach dem Fortschritt der Entwicklung Menschheit, der Organisation eines globalen Rechtsstaates mit lokaler Wirkung nachhaltig zu nähren, damit weltweit alle Menschen vor den Gesetzen des Leides und des Glücks gleich sind.

Eldorados des organisierten Verbrechens von staatswegen, kommt dabei, urbi et orbi, eine abschreckend zum Himmel schreiende wie aufrüttelnde Aufgabe zu.

Dabei kam es zu einem rasenden Wettbewerb guter wie böser Taten der Menschen, Regierungen, Staats- und Glaubens- Völker, um die eine Tat mit der anderen wettzumachen, wie Candide in dem gleichnamigen Roman „Candide“ von Voltaire es vergeblich aufrechnend, zu praktizieren suchte (s. 54 ).

Adolf Hitler hat sich metaphysisch mit seinen NS- Horden aus Deutschland und anderen europäischen Staaten, insbesondere durch die Endlösung der Judenfrage in Europa mit konsequent folgendem Holocaust erstaunlich wie überraschend für den Ruf nach einem nachhaltig gültigen wie durchsetzbarem Völkerrecht ins mörderische Werk- Zeug gelegt.

Adolf Hitler hat es nicht gereicht, dass der Jude, Jesus Christus, von seinen jüdischen Mitbürgern ausgeliefert, durch die Römer unschuldig wg. seiner Bildungskarriere im Glauben ans Kreuz geschlagen, heilig gesprochen wurde.
Adolf Hitler und seine NS- Horden wollten das gesamte jüdische Volk auf europäischem Boden ans Kreuz geschlagen wissen, um damit über die Gaskammern von Ausschwitz und andernorts die Heiligsprechung des gesamten jüdischen Volkes in Europa auf den Weg zu bringen.

War die Erhebung des administrativ formierten organisierten Verbrechens durch das NS- Regime zum Gesetz „Was früher Unrecht war, ist heute Recht“, für de Bildungskarriere von Juristen/innen „Die beste aller Welten“, als Probelauf, sich später in organisierten Tatirrtum zu flüchten?

Josef Stalin, wie Mao Tse- Tungs mit ihren kommunistischen Garden haben alles getan, um durch Massenmorde, den Gulag, Zwangsarbeitslager zu angeblich pädagogisch ausgesuchten Umerziehungszwecken mit erhöhter Mortalitätsrate den Klassenfeind in den eigenen Reihen fraktionierend, so aufzuwerten, dass dieser Klassenfeind ebenfalls nahe daran ist, post mortem, ohne Eile & Fackeln heilig gesprochen zu werden.

Im Sinn & Geist des Candide von 1756 am Vortag der Epoche der Aufklärung wäre das organisierte Verbrechen von Amtswegen der Herren, Hitler, Mao, Mobutu, Pinochet, Pol Pot, Stalin u. u. gleichermaßen als Naturereignis wie das Erdbeben von Lissabon samt folgendem Tsunami als die beste aller Welten eschatologisch ,metaphysisch gedeutet worden.

Die beste aller Welten war 1756 und ist bis heute die Welt des „sowohl als auch“, angesichts erschreckend gesammelter wie vorenthaltner Nachrichten in den Tagesthemen wie Heute:

„Wie kann ich jetzt, angesichts des alltäglich ideenreich neu angereicherten Verbrechens, des alles verrohenden Bedrohungs- und Leidenshorizonts, Speis & Trank zu mir nehmen“,
sagt der beste Mensch aller Menschen „Candide“ als Bürger/in mit Krisenkarriere voller Bildungsab- und -aufbrüchen, in mir, der ich bin, während ich trank und speiste (Candide, S. 62 ).

Wo früher der Nachweis von 72 Ahnen, wie in der Bildungskarriere des Candide von 1756 im Stammbaum krisenfern wie –nah über sein und Leben und Tod anderer entschied, sind heute die stammbaumlos spekulative Ahnungen über 72 Jungfrauen im Himmel für bildungsnahe wie –ferne Krisenkarrieren in Berlin, Kabul, Bagdad, herangewachsener Menschen als so genannte Selbstmordattentäter/innen im so genannten „Krieg gegen den Internationalen Terrorismus“ mörderisches Dauerthema.

Was weiss man/frau `denn über die 72 Jungfrauen im Himmel, die angeblich auf zerfetzte Kindersoldaten/innen als Selbstmordattentäter/innen hingebungsvoll warten?
Sind es womöglich die zerfetzten Leiber der Jungfrauen auf Erden, die Opfer der Selbstmordattentäter/innen „Nine Eleven“ in den Twin Towers am Ground Zero und andernorts wurden?
Sind es gar alte Frauen, denen, opferbreit, ihre Schamlippen zugenäht, zu unerwarteter Jungfernschaft, mit Häubchen und Schleier, ein Häutchen erwuchs?

In dieser besten aller Welten des „sowohl als auch“, lässt sich gut am Boulevard genährt, frei von Anstrengungen des An- und Wohl- , Bildungsstandes, Krisen bereisend begleitend unter dem Motto verweilen:
„Ich versüße mir das Elend, die Armut, frühen Tod der anderen in der Welt durch hochpreisig gespendeten Kuchen im Fair Handel“,

“Ich weiss nicht nur, dass ich nichts weiss, ich höre, ich sehe täglich, dass ich nichts höre, nichts sehe.

Die mediale Umkehrung des metaphysischen Grundsatzes ist gegenwärtig im vollen Gange:
„Keine Wirkung ohne Ursache“ unserer Gegenwart lautet:
„Wo keine spürbar gefühlte Wirkung wahrnehmbar ist, gibt es auch keine Ursache zum Hören & Sehen“.

Wer wie Candide 1756 in Westfalen und andernorts scheinbar hochherzige Geschenke brav quittieren will, ist heute wie damals für die Krisen- , Kriegs- und Katastrophenkarriere als „Adrenalin“ Drogen User/in abenteuerwütig im militärisch- industriellen Berater Trust- Komplex wie Verbrecherwesen so gut wie weltweit abkommandierbar rekrutiert.

Metaphysisch gedacht, wäre der Grundsatz des Candide mit seiner beachtlichen Bildungskarriere in Westfalen„Der Mensch hat seinen Kopf nur zum Hut Tragen, um das Wachstum der Hut- und Tuchindustrie zu sichern“
für den Candide von heute in Berlin, Kabul, Bagdad mit ihren monströsen Krisen- ; Kriegs- , Katastrophenkarrieren , auf den grenzenlosen Grundsatz zu erweitern:

“Der Mensch hat seine Arme nur, um Waffen zutragen, damit die Waffenindustrie unkontrolliert floriert“.

Wir brauchen in dieser Welt des Optimismus mit verschleiertem Antlitz die Armut, das Elend in der Welt, um Armut und Elend endlich wie Arbeitnehmer/innen, die arbeitslos geworden, zum Thema des Boulevard zu kreieren.

Wir brauchten die Vertreibung aus dem Arbeiter- und Bauern Paradies seit dem 13. August 1961 hinter Berliner Mauerbau und Stacheldraht, um den Mauerfall von Berlin am 09. November 1989 Tag träumend thematisiert herbei phraseologisiert zu realisieren „Was gestern Unrecht, nämlich die Teilung Deutschlands, Europas, darf heute vereinigt Recht, was einst geteiltes Recht darf heute durchaus gemeinsames Unrecht sein“.

Wir kommunizieren seit Menschengedenken wie im Märchen „Hans im Glück“ mit jedem Menschen per Gedankentausch auf Erden, nah und fern.
Seit der Erfindung des „World Wide Web“, dem Internet, ahnen wir vermehrt direkt verbunden, dass das Märchen „Hans im Glück“ die Wirklichkeit im Gedanken- und Warentausch wahrhaftig, lokal & global, abbildet.
Wie gut, dass es den Kapitalismus seit dem Berliner Mauerfall von 1989 als beste aller Welten ohne Dementi durch den real- vegetierenden Sozialismus gibt, können wir doch nun weltweit ungestört durch vorherige Despoten den wirklichen Sozialismus aufbauen?

Wie gut, dass es Geld als Krisenkarrierebilder gibt, damit wir endlich erfolgreich an der Befreiung der Welt vom Geld als Restzeit- Tyrannei wie an der Auflösung einer Rest- Neurose mitwirken können.

Wie gut, dass es Kernenergie gibt, damit wir uns strahlend der Nutzung der Sonnen- Windenergie auf ewig zuwenden können.

Wie gut, dass es Arbeitslose gibt. Endlich können wir metaphysisch betrachtet, Arbeitnehmer/innen zum zentralen Thema machen.

Wie gut, dass es Arbeitgeber gibt, können wir dadurch doch im „Geben & Nehmen“ mehr Arbeit nehmende Hände kriegen.

Wie gut, dass es Frauen gibt, damit die Männer hautnah erfahren, dass sie nicht alleine auf unserer Welt sind, wie umgekehrt.

Verbrecher/innen wollen metaphysisch gesehen, ihre Untaten als Krisenkarriere nicht lassen, weil sie diese als berufene Aufgabe erfassen, damit der Ruf nach dem Aufbau, der Organisation des Rechtsstaates als Rückversicherer ihrer eigenen Sicherheit vor Blutrache, Lynchjustiz nicht verklingt.

Gut, dass es Arme gibt, Endlich kommt die Armut zur Sprache.

Die Reichen der Welt, brauchen die Arme der Armen, damit die Reichen den Reichtum der Welt treuhänderisch gesichtet, gewichtet, für eine bessere Welt zusammen tragen.

Ist das nicht nach wie vor für Candide mit seiner Bildungskarriere in Westfalen, Paraguay im gleichnamigen Roman von Voltaire 1756 wie dem Candide von Heute in Berlin, Kabul, Bagdad, London, Madrid, Mogadischu mit seiner Krisen- , Kriegs- , Katastrophenkarriere „Die beste aller Welten“?

Wo bleibt die Aufklärung? Wo das Dementi?

JP

22:03 30.09.2009
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Joachim Petrick

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Joachim Petrick

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