Egon Bahr, Kontrahent der 68er

Egon Bahr (1922-2015) Zu einer wahren Wertschätzung des verstorbenen Egon Bahr, seiner zu Lebzeiten menschlich gewinnenden Person gehören, wie das Salz in der Suppe, kritische Anmerkungen.
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Egon Bahr, Kontrahent der 68er, der APO. der Anti- AKW- , Friedens- Bewegung gegen den Nato- Doppesbeschluss als blockübergreifendes Projekt in Ost u West mit ihrem Slogan "Schwerter zu Pflugscharen", "Leute stellt euch vor, es ist Krieg, keiner geht hin".

Bei allem posthum erkärtem Wohlgefallen der üblichen Verdächtigen und neuen, die zur Person des verstorbenen Poltikers Egon Bahr (1922- 2015),

- am 19. August 2015 ist Egon Bahr nach einem Herzinfarkt in Berlin gestorben - ,

von der "Jungen Freiheit" bis zur "Jungen Welt" dazu gekommen sind, bei allem an feuchtem Mehltau, der jetzt über Egon Bahr an rcihtigen aber auch Krokodilstrränen vergossen wird, sollten wir nicht vergessen, Egon Bahr, war ein hartgesottener Kontrahent aller Dissidenten, aller Formen der 68er Bewegungen in Ost und West als blockübergreifendem Generationsprojekt.

- Den Nachruf auf Egon Bahr von Klaus Hillenbrand in der taz nenne ich hier stellvertretend für das Hochjubeln Egon Bahrs in die Ewigen Jagdgründe des Olymps der Götter "Mister Ostpolitik":

Wertschätzung liest sich anders -

Zu einer wirklichen Wertschätzung des langen Politikerlebens Egon Bahrs und seiner zu Lebzeiten sprichwörtlich menschlich gewinnenden Person gehören, wie das Salz in der Suppe, kritische Anmerkungen.

Egon Bahr ging es, als gebranntem Kind, als Sohn des Krieges, an brenzlige Fronten gewöhnt, allein darum, den heissen Krieg nun mit wirtschaftlich kalten Mitteln auf kommode Weise als Frontdasein in Ost und West fortzuführen, egal wie die Länder des Südens, in Afrika, Süd- Amerika, Asien darunter leiden.

Alles was visionär darüber hinaus zu gehen schien, im Osten der Prager Frühling 1968, Alexander Dubček, im Westen die APO, die Anti- Vietnamkriegs- und Studentenbewegung, Rudi Dutschke, Fritz Teufel, Wolfgang Neuss, Peter Weiss, Herbert Marcuse, der Eurokommunismus in Frankreich, Jean- Paul Satre, Belgien, Ernest Mandel, sprengte Egon Bahrs Vorstellungswelt

Unter strikter Anerkennung der Westbindung der Bundesrepublik, der NATO, die Nomenklatur in den Ländern des Warschauer Vertrages, voran in der UdSSR, unter vehememt persönlichem Einsatz gegen Forderungen nach Regime- Change von innen und außen, bis zum Abwinken 1989/91 atmosphärisch zu "pämpern" und zu "päppeln".

Egon Bahr machte als Staatssekretär, dann Minister für besondere Aufgaben, nur dem Kanzleramt, nicht dem Außenamt, zu Loyalität verpflichtet, aus der in der Not geborenen Geheimdiplomatie unter den Radarschirmen der Siegermächte im geteilten und besetzten Deutschland, restlichen Miteinanders im halbsouveränen Hüben und Drüben, ähnlich, wie sein Weggegfährte, der Erste Hohe Vertreter Westdeutschlands mit Dienstwagenprivileg, samt schwarzrotgoldenernemStandartenbanner in dessen Ständiger Vertretung in Ostberlin seit 1974, im Range eines Staatssekretärs, Günter Gaus (1929- 2004) eine schillernd stolzierende Tugend.

Was als Politik des Wandels durch Annäherung unterschiedlicher gesellschaftlicher Systme, als Politik der kleinen Schritte von Egon Bahr und dem Mainstream bis heute kommuniziert wird, ist in Wahrheit letztendlich eine Politik der Ausgrenzung, des Ausklammerns bestimmter Fragen nach einer Organisation des Friedens in Europa nach 1945, bestimmter politischer Schritte geworden.

Selbst der "Zwei plus Vier- Vertrag"1990 als Wegbereiter der Deutschen Einheit gilt ausdrücklich nicht als Friedensvertrag mit ehemals 153 kriegführenden Ländern gegen das Dritte Reich, um bestimmte Forderungen Geschädigter durch das NS- Regime an den Nachfolgestaat Deutschland, völkerrechtlich unverhandelt, auf den Sankt Nimmerleinstag verschoben, zu unterlaufen.

- Welche politisch sozialliberalen Initiativen, Schritte fehlen?:

Zeitnahe Versuche der Entschädigung überlebender Holocaust- Opfer, Abermillionen Zwangsarbeiter, darunter Millionen Rotarmisten,

Rückgabe durch das NS- Regime geraubter Kultur- und Kunstgüter,

Bereitstellung von materiellen und personellen Mitteln, Manpower für zeitnah erste, zweite, dritte "Auschwitzprozesse" seit 1963 gegen Personen, Organisationen des NS- Regimes, der Deutschen Wehrmacht, des Generalstabes, Wirtschaft, des Gesundheitssystems, Jurespriudenz, Richter, Staatsanwälte, Polizei, Gesellschaft, Post, Reichsbahn, "Hitlers Helfer", Administrationen kollaborierder Staaten unter deutscher Besatzungszeit, dazu in Spanien, Portugal, die maßgeblich zum eigenen Vorteil an der europaweiten Organisation des Holocaust, an Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Zwangsarbeit profitiert hatten,

Reform der Tradition der Truppe in der Bundeswehr, Stärkung des Konzepts der "inneren Führung" des Soldaten als Bürger in Uniform -

An vorderster Stelle ist hier das weltweit unterdrückte, bis heute verleugnete Generationsprojekt der 68er in Ost und West als damals gescheiterter Brückenschlag zwischen den Blöcken des Kalten Krieges zu nennen

Egon Bahr war und blieb lebenslang der "Normativen Kraft des Faktischen" eines ordentlichen Stahlhändlers unterworfen, ausgelernter Industriekaufmann beim Rüstungskonzern Rheinmetall- Borsig, 1942 bis zum Kriegsende 1945 zwangsverpflichtet, ein "Röhrenhändler" von beachtlichem Format im Ostgeschäft der westdeutschen Stahlindustrie und Wirtschaft, ein heller Kopf und Back- CHannel Wahn im nadelgestreiften Anzug, ein Aggressor auf "Filzpantoffeln", wie ihn Walter Ulbricht bezeichnet haben soll.

- Bereits 1950 hatten westdeutsche Unternehmen, voran der Ostverband der Deutschen Wirtschaft, unter Zustimmung der Adenauer Regierung, in Moskau einen Deal über 1. 2 Millionen Tonnen nahtlose Stahlrohre für Erdgas- Pipleines in der UdSSR sondiert, der dann 1962 am Röhren- Embargo der USA scheiterte. -

Am 1. Februar 1970

- in den USA regierte seit 1969 der "Ping Pong" Politik US- Präsident Richard Nixon ohne Berührungsangst gegenüber der VR- China -

war es denn so weit, unter atmosphärischer Mitwirkung des Ministers für besondere Aufgaben, Egon Bahr, ein Mann des Internationalen Stahlröhrengeschäftes seit dem Zweiten Weltkrieg (s. o.), mit ausdrücklicher Zustimmung der Brandt- Regierung im Rahmen angekündigter Enstannungspolitik Richtung Osten, kam der Deal noch vor dem Vertrag Bonns mit Moskau am 12. August 1970 als Türöffner zustande.

17 westdeutsche Banken, unter Führung der Deutschen Bank, kreditierten diesen Milliarden DM- Deal, der zu 50 % über die Hermes- Kreditversicherungsanstalt für die Exportwirtschaft aus westdeutschen Steuermitteln besichert war. -

1976 bis 1980 war Egon Bahr als Nachfolger des Herbert Wehner Intimus Karl Wienands Bundesgeschäftsführer der SPD (heute Amt des Generalsekretär) und war sich nicht zu schade, mit allem Nachdruck cora Publikum, u. a. , neben anderen wg. sogenannten Verstosses, gegen die Freiheitlich- Demokratische Grundordnung, (FDGO), Nähe zur DKP, den vorübergehenden Ausschluss des Juso-Vorsitzenden Klaus Uwe Benneter wg. blockübergreifender STAMOKAP Ideen, aufgemerkt, die dessen Vize Gerhard Schröder damals protegierte, 1977 aus der SPD zu betreiben. .

Über die Rolle und Bedeutung, die Egon Bahr damals beim Durchregieren des Baus von AKWs in Serie in Westdeutschland gegen erheblichen Widerstand an der SPD Basis, u. a. durch den SPD. Genossen, den Atomphysiker Hans Adam, Robert Jungks Buch

"Der Atomstaat",

den gerade vom SPIEGEL 1977 aufgedeckten Großen Lauschangriff- Skandal F.D.P.- Bundesinnenministers Werner Maifofer gegen den Atomphysiker, den Anti- AKW- Gegner Klaus Traube, den SPD- Landesparteivositzenden Jochen Steffen in Schleswig- Holstein, im Namen dss Atomkanzlers Helmut Schmidt, gespielt hat, lässt sich nur mutmaßen, fraglos im Sinne des Atom- Kanzlers, der auch schon einmal rollig grollig mit seinem Rücktritt drohte, falls die SPD ihm als Atom- Kanzer nicht folge.

Heide Simonis hat ihre Zustimmung für den Atom- Kanzler auf einem SPD- Parteitag in München 1977 so kommentiert

"Besser ein Helmut Schmidt als Kanzler mit drei AKWs, denn zehn AKWs mit einem anderen "GAU- Kanzler"" erinnert uns Bruno Jonas in seinem Buch "VOLLHORST" . Pieper Verlag. S. 141, Kapitel "Die SPD auf dem Wege vom Über- zum Vollhorst.

Im folgenden Jahr 1978, Egon Bahr war seit zwei Jahren SPD- Bundesgeschäftsführer, hat die SPD dann auf ihrem nächsten Parteitiag mit seinen Deligierten"ganz "Vollhorst" Linie "Dem schnellen Brüter" von Klakar zugestimmt.

- Immerhin wurde der damalige Regierende Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburgs, Hans- Ulrich Klose, ein ausgewiesener AKW- Gegner, ein Bürgermeister zum Anfassen, wie es damals hieß, mehr oder weniger aus Amt und Würden "zurückgetreten" und, nach acht Jahren Amtszeit, 1982 durch den stromlinienfürmigen AKW- Bau- Befürworter Klaus von Donhnanyi ersetzt. -

Worin ich Egon Bahr 1982 sehr wohl mit großer Sympathie folgen mochte, war seine Ächtung

"Perversion des Denkens"

mit Augenmerk auf angedachte Neutronenbomben der USA, die Menschen töten, ohne Panzer, Kriegsschiffe, U- Boote, Bunker, Bauten, Infrastrukturen zu zerstören, und sich mit dem schwedischen SPD- Ministerpräsidenten Olof Palme, dem österreichischen SPD- Ministerpräisdenten Bruno Kreisky für eine atomwaffenfreie Zone in Mitteleuropa stark machte

1990 und danach hat Egon Bahr wiederholt öffentlich gekichert, so konnte nur er kichern, wie Bettina Gaus in ihrem Nachruf auf Egon Bahr am 21. August 2015 in der taz schrieb "Niemand konnte so kichern, wie Egon Bahr"

"Na fabelhaft!, wenn die Russen uns die Deutsche Einheit so billig vermachen."

Das ist nicht die Haltung eines Politikers mit Um- , Europa- , gar Weit- und Weltsicht, sondern die eines Stahlröhrenhändlers, der seine Röhren zu überhöhten Preise zu verhökern weiß,sich in den Keller des Mainstreams traut und sich dabei kichernd ins Fäustchen lacht.

JP

http://www.onleihe.de/static/content/taz/20150821/TAZ_20150821/vTAZ_20150821.pdf
Mister Ostpolitik
21.8.2015
Klaus Hillenbrand

https://www.freitag.de/autoren/joachim-petrick/egon-bahr-gestorben-1922-2015
JOACHIM PETRICK 20.08.2015 | 13:59 12
Egon Bahr gestorben (1922- 2015)

20:40 24.08.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Joachim Petrick

Aktuelles: Meine sichere Route- Refugee-Airlift - Petition "Luftbrücke für Flüchtlinge in Not" an die MdBs des Bundestages erhofft Debatte
Joachim Petrick

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