Er war eben 17, er war fünf Monate Soldat

Günter Wilh. Grass Im Jahr 2006 bearbeitet Günter Grass in seinem Buch "Beim Häuten einer Zwiebel" seine Mitgliedschaft in der Waffen SS und entlarvt unser Denken, wenn ja, warum?
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Nobelpreisträger für Literatur 1999 Günter, Wilhelm Grass, am 16. Oktober 1927 in Danzig-Langfuhr, Freie Stadt Danzig geboren, am 13. April 2015 in Lübeck mit 87 Jahren verstorben, war im Zweiten Weltkrieg in der Zeit vom November 1944 bis zur bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reiches am 8. Mai 1945 als 17jähriger Soldat eines Waffenträgers des NS- Regimes.

Günter Grass hat nie bestritten, noch verschweigen wollen.. dass er als missbrauchtes Kind Soldat eines Waffenträgers des NS- Regimes war.

Nicht nur gegenüber Max Frisch hat Günter Grass in den 60er Jahren seine Waffen SS- Mitgliedschaft "Zunge zeigend" öffentlich zur Sprache gebracht, sondern u. a. in biografisch angelegten Interviews mit Klaus Wagenbach und dem Öffentlich- Rechtlichen Sender Radio Bremen.

Entlarvt Günter Grass mit seinem biografisch angelegten Buch

"Beim Häuten einer Ziebel" 2006

nicht ungewollt jene, die, trotz der Wehrmachtsausstellung 1997/2007 des Hamburger Instituts für Sozialforschung (HIS), eine Debatte um Günter Grass Waffen- SS Mitlgiedschaft losgetreten haben, weil sie immer noch, wider besseres Wissen, zwischen angeblich "sauberen" Soldaten der Deutschen Wehrmacht und "dreckigen" Soldaten der Waffen SS unterscheiden wollen?

Wer, wie Günter Grass mit 17 Jahren als Kanonenfutter für die NS- Kriegesmaschinerie missbraucht, die Greuel, das Grauen am eigenen und fremden Leibe von Kameraden, Frauen, Kindern, Greisen, Kriegsgefangenen, Flüchtlingen, Vertriebenen erlebt hat, die von allen Waffenträgern des NS- Regimes mit ihren Waffengattungen im Namen des Deutschen Reiches ungesühnt begangen wurden, dem war damals und später gewiss nicht nach einer Unterscheidung zwischen guten und schlechten Waffenträgern, dem war die Deutsche Wehrmacht, die Waffen SS als Waffenträger so gut wie gleichemaßen ein "Gottseibeiuns" und Entsetzen.

Diese Unterscheidung der angeblich guten Deutschen Wehrmacht Soldaten und der angeblichlich schlechten Waffen SS Soldaten als Waffenträger des NS- Regimes wurde, anstatt den Genralstab der Deutschen Wehrmacht, die Oberste Befehlsgewalt über beide Waffengträger, als verbrecherische Organisation wg. eines Angriffskrieges zu identifizieren, zu verurteilen, unglücklicherweise durch das Nürnberger Krieggsverbrecher Tribunal der Siegermächte ab Ende 1945 im öffentlichen Bewusstsein verankert.

War doch gerade die Deutsche Wehrmacht als Vollziehende Gewalt in den von deutschen Truppen eroberten und besetzten Gebieten Europas hauptverantwortlicher Akteur, wenn es um logistische Ressourcen, Unterstützung bei der Rekrutierung der Kommandos für Massenmorde, den Holocaust ging. Soldaten, Eisenbahnwaggons, LKWs von der Front abzuziehen u. a. der Waffen- SS und anderen Sondereinheiten für Massenmord- Kommandos bereit zu stellen?

Die Wehrmachtsausstellung dokumentiert diese hauptverantwortliche Rolle des Generalstabes der Deutschen Wehrmacht eindeutig bei den Massakern, Massenmorden, Vernichtung von Millionen Kriegsgfangegen durch Entbehrungen, Auszehrung, Versklavung als Zwangsarbeiter in Konzentrationslagern ( KZs), Unterkunfts- und Verpflegungsentzug im Namen des Deutschen Reiches.

Das Oberkommando der Deutschen Wehrmacht (OKW) hat dem Kommissarbefehl des Führers Adolf Hitler vom 22. Mai 1939 zu keinem Zeitpunkt des gesamten Krieges widersprochen, sondern per verkündetem Tegesbefehl und Dienstanweisungen ausdrücklich detailgenau vertreten und militär- disziplinarisch strafbewehrt von den Soldaten, gleich welcher Dienstgrade, dessen Einhaltung auf dem Befehlswege eingefordert?

"Rotarmisten, die sich als politische Kommissare zu erkennen geben oder als solche indentifiziert, angetroffen werden, sind sofort zu liquidieren, die Partisanenbekämpfung ist als Tarnung zur Vernichtung der jüdischen Bevölkerung in Ost- und Süd- Europa zu nutzen, Verbrechen an der Zivilbevölkerung, an Kriegsgefangenen durch deutsche Soldaten, entgegen Haager Kriegsordnung, Genfer Konvention, ist von strafrechtlicer und militär- disziplinarischer Verfolgung freizustellen"

Was braucht es da noch vermeintlicher Entlarvung Günter Grass als Angehörigen der Waffen- SS, um ansatzeweise das Ausmaß an verbrecherisch organisierter Energie zu erahnen, das damals unter der Kommandogewalt der Deutschen Wehrmacht auch gegenüber der Waffen- SS in besetzten Ländern Europas, in Kriegesgebieten, in Kampfzonen, Frontabschnitten mörderisch, plündernd, raubend, vergewaltigend unterwegs war?

Warum ausgerechnet im Jahr 5 nach NIne Eleven 2001, dem verbecherischen Anschalf auf die Twin Towers des World Trade centers (WTC) in new York im Jahr 2006 dieses infame Kampagne gegen Günter Grass wg. seiner Waffen- SS Mitlgiedschaft losgetreten wurde, ist schnell ermittelt.

Es ging darum den Auslandseinsatz der Bundeswehr in Afghanistan ideologisch zu unterfüttern, dass sehr wohl zwischen guten und schlechten Soldaten zu unterscheiden sei, um die Bereitschaft in der deutschten Bevölkerung für Kampfeinsätze der Bundeswehr als militärisch- humane Interventionen offensiv kommunizieren und rechtfertigen zu können.

Das alles geschah auf dem Hintergrund des Propagandabegiffes US- Verteidigungsministers Donald Rumsfield von dem Neuen und Alten Europa.

Deutschland galt den USA unter der US- Präsident Goerge W. Bush Administration damals als Teil des Alten Europas, das sich, anders als das Neue Europa, Polen, Ungarn, die Balitkumstaaten, Spanien, Portugal, Niederlande, Dänemark, England, Kampfeinsätzen im Irak verweigerte.
JP

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/grass-war-ein-anderer
REDAKTION AUSGABE 1615 | 15.04.2015 | 12:40 32
Grass war ein anderer

https://www.freitag.de/autoren/joachim-petrick/death-of-germany-s-guenther-grass
JOACHIM PETRICK 16.04.2015 | 03:35 4
DEATH OF GERMANY`S GÜNTHER GRASS

22:46 19.04.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Joachim Petrick

Aktuelles: Meine sichere Route- Refugee-Airlift - Petition "Luftbrücke für Flüchtlinge in Not" an die MdBs des Bundestages erhofft Debatte
Joachim Petrick

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