"Faust" in Zeiten BIG MONEY bis BIG DATA

Joh Wolfgang Goethe Oskar Negt schreibt in seinem Buch "Faust Karrie r e" im Vorwort, er habe durch Goethe gelernt, was menschliche Maßverhältnisse ausmacht, was Bildung ist.
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Faustischer Seelen Glanz und Ignoranz

Der Philosoph und Soziologe aus Hannover, Oskar Negt, schreibt in seinem Buch "Faust Karrie r e" im Vorwort, er habe durch die Lektüre des Dichters Wolfgang von Goethe gelernt, was menschliche Maßverhältnisse ausmacht, was Bildung ist.

Diese Aussage ist umso erstaunlicher, und doch zugleich Programm seines Buches, in dem Oskar Negtden Johann Wolfgang Goethe aus dem Weimarer Dunstkries des Weimarer Blldungskanon des "Dichter- Genie Kults" am Beispiel seines Hauptwerks "Faust " zweiter Teil zu befreien sucht.

Dabei scheut Oskar Negt nicht davor zurück, die obskur alarmierende Idee des Faustdarstellers Will Quadflieg unter dem Hamburger Schausielhaus Indendanten Gustav Gründgens aufzugreifen, die Faustfigur sei ein faschistoider Typ, die er auch in seiner Rolle als Faust in dem dem gleichnamigen Drama von Goethe so anlegen wolle, was ihm seinzeit Gustav Gründgens strikt untersagt.

Oskar Negt spielt in seinem Buch darauf an, ob Gustav Gründgens das wohl wg. seiner persönlichen Verstrickung im NS- Regime als prominenter Staatshschauspieler und "bekannter" Homosexueller unter dem fadenrissigen "Rettungsschirm" des Generalfedmarschalls Hermann Göring tat?

Das „Passwort“, das Codewort des Dr. Faust in seinem Pakt mit dem Teufel zu später Tagesstunde, später Lebenskunde für den Ernstfall seines Risikos um Leib und Leben, lautet in dem gleichnamigen Drama von Goethe:

"Verweile Augenblick, du bist so schön!" und schon ist es um den Dr. Faust geschehen.

Oskar Negt favorisiert hier folgende Variante als Schlüsselwort:

"Werde ich beruhigt mich je auf ein Faulbett legen

So sei es gleich um mich getan" ( Faust II, Verszeile 1692/93)

In unsere Epoche des untergehenden Big Moneys kurz vor der Befreiung der Welt vom Geld mit eindeutig verifizierten Tendenzen, Bestrebungen Richtung Big Data liegt mir diese Vers Version auf der Zunge:

""Werd ich beruhigt mich je

Vom Streben nach der Mehrung meines Geldes,

Hab und Gut Vermögen, zu Lasten Dritter,

links oder rechts, vor mir, hinter mir

vom Wachstumspfad abgekommen,

als Toskana Fraktion

vergnügt ab durch die Mitte

in die Büsche gehen

randvoll guten Weines

mit dem begnügen,

was ich habe,

alle Fünfe gerade sein,

andere so leben lassen, wie sie meinen

mich, römisch dekadent,

auf ein Speis- und Trank- Faulbett legen

So sei es gleich um mich getan"

In Oskar Negt streiten offenbar zwei Seelen in seiner Brust, die des Philosophen und die des Soziologen.

Die eine sagt ihm, der Kapitalismus kann in seiner, deregulierend, Tabu brechend, strebenden Ausgestaltung in der Gegenwart nur eine Rekonstruktion, Ermächtigung durch das Vorherige sein,

Die andere sagt Oskar Negt, ebenso offenbar, der Kapitalismus ist die Ausgeburt reiner Ohnmacht in der Gesellschaft auf einer Lebens- Galopp Rennbahn, die andere, klerikale, säkulare Kräfte, Mächte gegen alle Sonntagsreden des

"Ora et Labora"

erfunden, global abgesteckt, regional parzelliert haben,

Ein Kapitalismus, der, standesgemäß verankert, Saturierten, der durch die Raserei seiner permanenten Betriebsamkeit, das Spektakel seiner computergesteuert hochfrequenten Restrisiko- Wagniskapital- Rennen

"Brot und Spiele"

eine All Macht vorzutäuschen sucht, die ihm die alten Mächte, auf Kopf oder Zahl, bei der Bedeutung ihrer Ahnen, Wahlverwandtschaften, Orden, Good Man, Bad Man Clans, Bad Banks, Bad Churchs, letztendlich niemals einräumen werden und sei es, dass sie den Kapitalismus durch die Befreiung der Welt vom Geld aus Markt und Mitte der Gesellschaft jagen, damit dieser endlich seinen monetären Rand hält, den er den mächtigen, Herrschenden so großmäulig versprochen

Treffender Weise,, sich, von NSA Big Data Projekt „Prism“ ins Namenlose von Schattenwirtschaften erst verfolgt, dann zerstreut, ganz vom öffentlichen Acker macht, als wäre er nie sichtbar gewesen.

"Faust Laufbahn Galopp Karriere"

„Big Apple“, Symbol für „Big Money“, selbst die gebrochene „Faust Karrie r e“, verdampft und verdunstet, bevor sie begonnen, gerade angesichts von Klimakatastrophen ganz unterschiedlicher Art bis zur monetären Unkenntlichkeit, war gestern, jetzt dämmert zuerst nicknamenweise leise das personenbezogen www.datenerfasste.de

"Faust- Profil"

der Epoche des Big Data herauf.

Geheimrat Johann Wolfgang von Goethe war vierzig Jahre alt, als die Französische Revolution, die nationalen Befreiungskämpfe in Nordamerika 1789 gegen absolutistischen Monarchien in Europa, den britischen Kolonialismus inaller Welt, voran auf der Insel Haiti um 1812, im vollen Schwange in die Blüte der Aufklärung schlug, es den Poeten und Theaterdrehbuchautor Goethe auf der bangen Suche nach Geländern für sein Denken zu dem gesellschaftlich- kulturell mystifizierenden statt aufklärerischen "Faust" Stoff trieb.

War und ist der "Faust" folglich als insgeheime Streitschrift gegen den damaligen Zeitgeist unabdinglich unbändigen Willens zur Aufklärung zu verstehen, der erst durch die k. u. k. Fürst Metternich, Zaren- , Kaiser-, Königs- , Fürstenhäuser Epoche

"Der Wiener Kongress tanzt"

in Europa, zensiert, aus der Mitte der Gesellschaft vorübergehend , bis zur europäischen bürgerlichen Revolution 1948 herausgedrängt, an den kriminalisierten Rand gerät und damit Europa auf über ein Jahrhundert bildungsfern um viele Chancen des Friedens in Einheit der Vielfalt seiner Länder und Regionen bringt.

Aber da lebt Geheimrat Goethe nicht mehr, der 1835 starb.

"Faust Karriere"

wird im unternehmerischen Wesen mit spektakulär propagandistischen Getöse seit mindestens zwei Jahrhunderten unangefochten gelebt.

Einem Unternehmer geht es stets darum, andere, fragil aufbauend hier, flexibel zerstörend, zerlegend, um angestammte Rechte bringend, da, in Einzel- und Bestandteile meistbietend, käuflich, zu verlegen, ohne jemals selber in die Verlegenheit fehlender Kreditwürdigkeit bei Big Money zu geraten.

Tritt der Fall monetärer Verlegenheit, wider alle präsentierten Prospekte, Bilanzen, ein, ist der Unternehmer als Rechtsperson, wie von Zauberhand, mangels Unternehmensstrafrecht, kein Unternehmer mehr, sondern nur noch Privatier, der immer weniger von gehortet eigenen Erträgen in der Vergangenheit leben kann, bis er dem Staat, wie viele, die er vorher, „freigesetzt“, entschädigungslos ausgesteuert, zur Alimentation durch den Staat getrieben, diesem als Sozialhilfefall, sein Schonvermögen ausweisend, auf der Tasche liegt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte es der bundesdeutsche Sozialstaat ab 1948/49 mit der Inklusion, früher hieß das Integration, von Millionen Flüchtlingen, Heimkehrern, Auslandsdeutschen aus verlorenen Ostgebieten und der DDR, vormals Ostzone, zutun.

12 Jahre nach der deutschen Einheit von 1990 geht es vermehrt um eine andere Heimkehrer Gruppe.

Abertausende gescheiterte Unternehmerexistenzen, Selbständige, Freiberufler, darunter Anwälte, Ärzte, Journalisten, Gutachter, wissenschaftliche Mitarbeiter im Deutschen Bundestag, die als Heimkehrer aus der

"Formierten Gesellschaft"

des Wirtschaftswunder Professors und Volkskanzlers Ludwig Ehrhard, der abgewickelten DDR- Wirtschaft nach Beitritt zur Bundesrepublik gemäß Art. 23 GG ab dem Jahre 1990, in amtlich geheimer Erwartung der kommenden Nöte und existentiell unternehmerischen Vernichtungen durch die Einführung des Euro, über die Proklamation der Agenda2010/Hartz IV Gesetze im rotgrüngeschmückten Berliner Dom 2003, nach der asymmetrisch prekären Zusammenlegung der Sozial- und Arbeitslosenhilfe, Aufnahme in den Armen des Sozialstaates finden, diesen aber, persönlich angesprochen, nicht mehr so genannt wissen wollen, als ginge es um allfällige Geschenke & Gaben des Himmels.

Es sprengt ihre Vorstellungskraft, zu erahnen, dass der Kampf bis zur Erlangung eines grundgesetzlich verbrieftes Rechts auf Sozialhilfe in besonderen Lebens- und Notlagen ein langer mühseliger Marsch vieler in Solidarität voller Rückschläge war.

"Denn sie wissen nicht, weil sie vorher Unternehmer, Selbständige, Freiberufler waren, woher sie gesellschaftlich historisch kommen, noch, wo sie sich jetzt gesellschaftspolitisch bei der Agenda2010Hartz IV Gesetzen im Vorfeld als Aufstocker befinden, dann, spätestens, bei Krankheit, im Alter, ausgesteuert, dort ganz gelandet sind"

Stellvertretend für Geheimrat Goethe hat seine Faustfigur zwei Seelen in ihrer Brust

Die eine, angesichts der Wirkungen und Folgen der Aufklärung, gegenwartsabgewandt, das, dichterisch, beredsam unterhaltsame Verwirren, dramatisch theatralisch gelungenes Verklären, gewundenes Verrätseln der Wahrnehmung von aufgedeckt säkular, klerikal gesellschaftlichen Herrschafts- Unrechts- und -Rechtsverhältnissen, die klare Konturen erlangen, in der nahegelegten Folge von faustisch furchtlosen Teufelspakten im Ahnenstamm konturlos enden?

"Dr Jekyll Mr Hyde- Syndrom"

Anders als in der Novelle des schottischen Schriftstellers Robert Louis Stevenson (1850–1894), dessen Literaturfiguren

"Dr Jekyll und Mr Hyde"

sich in schlichtender Verhandlung über ein erkannt, aufgedeckte entsetzliches Unrecht im standesgemäß vorgerichtlich selbstherrlichen Streit befinden, bleibt die Literaturfigur "Dr. Faust" von solchen rechtlichen Erwägungen, in antik mythischen Zusammenhängen weilend, auf olympische Weise „unangekränkelt“.

In einer Epoche, in der existentielle Fragen, außerhalb der Res Publica, des Stadtkreises, von Gut und Böse alltäglich, rechtlich unangefochten, unter den Menschen gleichermaßen willkürlich als Geschenk des Olymp oder Fluch der Götter wirkten, juristische Begriffe von Gut und Böse nicht gab, wo alles eine gewagte Frage an die Götter im Olymp war, deren Gehör keinesfalls als verlässlich galt, fühlte sich Faust den Göttern, verbrieft durch gesellschaftlichen Stand, Bildung, Vermögen, öffentlicher Nimbus und freie Gesinnung, wie heute Pop- Stars, Wirtschafts- , Medien- ., Politik- Prominenz, Bruderschaften, Verbrechersyndikate, ebenbürtig gleich, wwenn nicht gar unheilschwanger überlegen, dass ihn schlussendlich kein Bangen noch Zaudern umfing, den Pakt mit dem Teufel einzugehen.

Andererseits will Dr. Faust in seiner Seelen Brust mit keinen Problemen, Konflikten konfrontiert sein, die ihm, so oder so, Entscheidungen abverlangen, weil er mit seinem Inneren System des Gleichgewichts des Schreckens von Gut und Böse, ausbalanciert, keine Wege zu Lösungen kennt.

Was Faust dagegen als Feldherr kennt, ist das Abbrennen, Sprengen, das Schleifen, Begraben von Konflikten, Problemen, inneren wie äußeren, auf deren Trümmerfeld, erweiterte Ufer für Fundamente vorheriger und neu dazu kommender Konfliktgemenge, Problemgedränge erbaut werden können.

Dr, Faust, eine Theaterfigur in einer Zeit die noch Sinn für "Lebende Standbilder"

bei, instrumentell gut bestückt, orchestrierter Hausmusik hat.

Zeiten, in denen das herrschaftlich Gute wie Böse bis zur unauflöslichen Unkenntlichkeit ineinander verwoben, doch, hungernd, darbend nach Erkenntnissen allgemein wissenschaftlich- philosophisch- rechtlicher Phänomene, das Sehnen nach der reinen und praktischen Vernunft eines Immanuel Kant nicht hindern kann, noch mag.

Hier in den Mythen der Antike heimgekehrt, fühlt Faust stellverbtretend für seinen Schöpfer Goethe,

"Hier bin ich ganz, hier darf ich sein"

"Was die Welt im Inneren zusammenhält",

ein Leben voller alltäglicher Gefahrenlagen für Leib, Leben, Seele und Verstand.

Da braucht Wolfgang von Goethe schon einen jahrzehntelangen Anlauf, um mit diesem "Faust- Stoff", der Aufklärung, der Französischen Revolution, den nordamerikanischen Befreiungskriegen zum Trotz, und Geleit, schwanger, in Wehen, Big Money ahnend, Big Data vorwegnehmend, die Mauer des klerikal, säkular adlig tadeligen Beschweigen des europäischen, Spätmittelalters, deutscher Bauernkriege, der Reformation, des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648 ), ohne Schaden an seinem Intellekt, an seiner Seele zu nehmen, in dichterischer Freiheit, zu durchbrechen, in den Gestaden der griechischen Antike mit ihren zeitlosen Mythen, rettend, Asyl zu finden.

Gleichwohl steht Goethes Drama "Faust" unübersehbar, wie eine Stele, mitten in zertrümmerten Kultur- Landschaften zweier Jahrhunderte, nur das Brandenburger Tor steht noch ganz, als Gedanken schöpfendes Menschenlicht von psychodramatischem Gewicht unbestimmten

"Sowohl als auch".

Das wiederum passt als

"Lebendes Standbild"

mit „Faustischem Seelenhaushalt“ im poetischen Sprachgesang seines Gedanken belebenden "Sowohl als auch" wie die, augenzwinkernd, lächelnde Faust aufs Auge unserer Gegenwart und jüngsten Vergangenheit vor und nach dem Heißen und Kalten Krieg seit 1914, als der ideologisch anschwellenden Zeitgeist Bocksgesang, hüben und drüben, im unabdinglichen „Für und Wider“ von Gut und Böse im Leben der Anderen bis hin zum vermeintlichen Endsieg im Rassen- und Klassenkampf..

Oskar Negt wollte wohl als Philosoph, Soziologe mit seinem klassischen Bildungskanon den Germanisten huldigen und diesen doch gleichzeitig, ohne Heiner Müllers „Hamletmaschine“zu bemühen, mit der „Faustmaschine“ verbal genüsslich gehörig einen bei puhlen.

Dabei mag ich nicht ausschließen, dass Johann Wolfgang Goethe, angesichts drohender Barbarei, überschießender Projekte und Aktionen der Französischen Revolution im Wege ihrer Militarisierung durch die europäischen Monarchien, von ähnlichen Motiven getrieben ward, die Mythen der Antike, des Mittelalters, wie die Gebrüder Jakob und Wilhelm Grimm, den überliefert europäischen Märchen Sprachschatz in deutscher Zunge nicht nur aufgeschrieben zu sammeln und zu bergen, sondern durch Dichtung beizeiten vor dem furchtbaren Gefreiten, versiegelt und verrammelt, unter Verschluss zu nehmen.

JP

Oskar Negt: Die Faust-Karriere.

Vom verzweifelten Intellektuellen zum gescheiterten Unternehmer.
Steidl Verlag, Göttingen 2006.
304 Seiten, 16,80 EUR.
ISBN-10: 3865211887

00:11 22.06.2013
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Geschrieben von

Joachim Petrick

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Joachim Petrick

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