Fiktiver Dialog zwischen Hans Modrow und Michail Gorbatschow 1990

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Fiktiver Dialog zwischen Hans Modrow und Michail Gorbatschow im Januar 1990

Teil II :

Linkspartei im Speer- und Sperrfeuer von CDU/CSU/FDP/SPD.

Warum?

Viele Legenden umkreisen, umranken dieses bis heute nicht wirklich greifbare Geheimnis, im Hüben und Drüben, der staatstragenden Parteien wie ein undurchlässiges Dickicht.

Nehmen wir als Legenden Beispiel die Gründung der DDR- Treuhandgesellschaft, auch „Anstalt zur Treuhänderieschen Verwaltung des Volkseigentums“ genannt, im März 1990 unter dem damaligen Ministerpräsidenten Hans Modrow nach vorliegendenBeschlüssen der Volkskammer der DDR aus der Taufe gehoben, die die Interessen des Volkes wahren und das Eigentum vor berchtigten wie unberechtigten Durchgriffsrechten Dritter Seite schützen sollte.

Die Legende besagt nun scheinbar unanfechtbar wie schlüssig, dass nach der ersten freien Wahl in der DDR, Lothar Maiziere als DDR- Ministerpräsident und CDU Vorsitzender in der DDR den Zweck der DDR- Treuhandgesellschaft mit Wirkung des Treuhandgesetzes vom 17. Juni1990 zur Privatisierung und Reorganisation des volkseigenen Vermögens grundlegend wandelte.

Im Tumult über diese scheinbar schlüssige Legende der Wandlung des Gesellschaftszweckes der öffentlich- rechtlichen Treuhandgesellschaft der DDR ist seit zwanzig Jahren bis heute ein unversöhnlich fortgesetzter „Maulwurf- Grabenkrieg“ entbrannt, ohne den wirklichen Vermögensverhältnissen der aufgelösten, abgewickelten DDR- Volkswirtschaft, ihrer „Einheit von Sozialpolitik und Ökonomie“ wissbegierig auch nur annähernd auf den Grund zu gehen.

Es wäre einen Versuch wert.

Das so genannte „Georg Schürer Papier“ vom November 1989, angefertigt für den Kurz- Zeit- Staatsratsvorsitzenden Egon Krenz, legte nicht definitiv den Staatsbankrott der DDR offen, auch wenn da nach alter festgebundener Verrechnungseinheit MDN gegen DM (1 : 8) über 40 Milliarden Valutaeinheiten DM, $, Schweizer Franken an Staatsschulden ausgewiesen waren, wie die Legende behauptet, sondern offenbarte knallhart, angesichts des In Auflösung begriffenen Comecon, der kooperativen Annäherung der Bundesrepublik Deutschland und der UdSSR im Rahmen einer global aufgestellten Perestroika, Glasnost, bereits block- übergreifend angelaufenen Joint Ventures, uneinbingliche Forderungen der DDR gegenüber den sozialistischen Bruderländern und dem nicht- sozialistischem Ausland in mindesten gleicher Höhe.

Spätestens Ministerpräsident Hans Modrow brauchte unabdinglich die Einbringung dieser DDR Außenstände als Forderungen gegenüber den nicht- sozialistischen Staaten, wie sozialistischen Bruderländern, voran der UdSSR, um im Wege der beginnenden Umwandlung von DDR- Staatsbetrieben in Privatbetriebe diesen das durch das sozialistische Konzept der Plan- und Staatslenkungswirtschaft entnommene Eigenkapital (EK), zurück zu geben.

Die DDR- Treuhandgesellschaft war insbesondere deshalb vor denMärzWahlen zur DDR- Volkskammer 1990 aus der Taufe gehoben worden, DDR- Staatsbetriebe bei der Umwandlung in kleinere privatwirtschaftlicheEinheiten nicht nur von virtuellen Altschulden gegenüber den DDR- Planungskommissionen zu befreien, sondern die in Jahrzehnten der DDR Planwirtschaft zurückgehaltenen Gewinne ebenso virtueller Natur als Einlage für das existenziell unabdinglich notwendige Eigenkapital (EK) auszuzahlen.

Sollte ich die Aussagen des “Schürer- Papiers“ über uneinbringliche Forderungen der DDR gegenüber den nicht- sozialistischen Staaten, wie sozialistischen Bruderländern, voran der UdSSR bewahrheiten, wäre der eigentlich Gesellschaftszweck der DDR Treuhandanstalt öffentlichen Rechts Schall und Rauch.

Das EK war für die über die DDR- Treuhandanstalt öffentlichen Rechts neu entstandenen Betriebe mit privatrechtlicher Gesellschaftsform von existenzieller Bedeutung, um Sicherheiten bei Kreditaufnahmen für den Normalbetrieb als Sicherheit vorlegen zu können.

Was tat Hans Modrow?,

er flog mit einer hochkarätigen DDR Delegation, darunter Gregor Gysi als neu gewählter SED/PDS Vorsitzender, zum Genossen Generalsekretär der KPdSU und Staatspräsident der UdSSR Michail Gorbatschow nach Moskau, um dessen Verständnis und Unterstützung für die brüderlich entschlossene Einbringung der Forderungen der DDR in den sozialistischen Ländern einzuloben.

Folgender Dialog mag sich zwischen den Genossen Hans Modrow und Mihail Gorbatschow auf höchster Ebene zugetragen haben:

„Genosse Michail!,

Du weißt warum ich Deine Unterstützung brauche!

Aber sicher doch Genosse Hans.

Aber bevor Du Dich in Deinen Erläuterungen wiederholst bedenke folgendes.

Das Leben ist im Fluss. Da Geld von gestern ist immer noch da, aber woanders. Wer zu spät kommt, wirddas Leben zur alltäglichen Strafe.

Warum nur, Genosse Hans, haben die Genossen/innen in der DDR Glasnost, Perestroika seit über vier Jahren Knüppel zwischen die Füße geworfen, wo sie konnten, statt als zehnstärkster Industriestaat der Welt nach neustem OECD- Bericht auf Internationalem Parkett Glasnost, Perestroika als globale Veranstaltung zukommunizieren und argumentativ kräftig mit anzupacken?

Genosse Hans!

ich erlebe täglich Bestrafung im Leben für meine zu spät und nur halbherzig von der KPdSU unterstützen Perestroika, Glasnost.

Und da kommst Du aus der schönen DDR, lt. OECD- Bericht die zehntgrößte Industriegesellschaft der Welt, und redest, mir nichts dir nichts, von Forderungen der DDR an arme sozialistische Bruderländer wie die UdSSR.

Dabei müsst ihr in Ostberlin nur die Mauer schleifen und schon schwimmt ihr in den Milliarden von DM, $, Schweizer Franken, die uns mehr und mehr von den internationalen Finanzmärkten aufgrund dramatisch fallender Gas- und Ölpreis verweigert werden.

Genosse Hans!,

nicht, dass Du denkst, ich verstünde nicht das Problem des Eigenkapitalbedarfs der über die Treuhandanstalt neu gegründeten Privatbetriebe in der DDR.

Doch lass uns da einmal historisch einen ökonomischen Bogen schlagen:

Spätestens seit Gründung der DDR 1949 hat die UdSSR die DDR an den Weltmarktpreisen für Rohstoffe, voran Gas und Öl vorbei mit im Preis herunter subventionierten Gas- und Öllieferungen mehr als solidarisch bedacht, um nicht zu zu sagen selbstlos begünstigt, um die DDR- Betriebe und DDR- Bevölkerung für den Aufbau des globalen Sozialismus von Moskau ausgewogen zu stimmen..

Genosse Michail!,

warum haben die Genossen/innen in der UdSSR die sozialistische Rohstoff- Preis- Solidarität, insbesondere mit den osteuropäischen Ländern, wie der DDR nach der Ölpreiskrise von 1973 aufgekündigt?

Genosse Hans!

Gute Frage!, nächste Frage.

Genosse Michail!,

kannst Du nicht ein erlösendes Bürgschafts- Wort bei Bundeskanzler Helmut Kohl für die DDR Fordrungen in sozialistischen wie nicht- sozialistischen Ländern einlösen?

Können schon, aber ich will nicht.

Wir haben in der UdSSR derartige Probleme mit den ganz unterschiedlichen Nationalitäten in den autonomen Republiken.

Da könnt ihr euch Genossen/innen in der schönen DDR gar kein Bild von machen.

Ich will Dir offen sagen, warum ich nicht den Türöffner für die DDR in Bonn spielen will.

Wir sind mit unseren finanziellen Mittel wie investivenkapital Vorstellungen gegenüber Bonn Mitbewerber mit den finanziellen Vorstellungen der DDR und anderer sozialistischer Bruderländer des Comeconan Bonn.

Wenn den Forderungen der DDR an die UdSSR, deren Berechtigung ich vom Grunde her nicht in Abrede stelle, mit sofortiger Wirkung entsprochen würde, stünde die UdSSR bei Verhandlungen mit Bonn in heruntergelassenen Hosen da.

Willst Du das. Genosse Hans! Willst Du das wirklich?

In Deutschland habt ihr kein Nationalitätenproblem, wie wir in der UdSSR. Dafür solltet ihr Gott

äähh

Lenin danken und nicht ein Nationalitätenproblem daraus machen.

Ich sage Dir was!

Verständigt euch mit Bonn, koste es, was es wolle.

Meine Zustimmung habt ihr als Blanko Scheck

Übrigens hat Bundeskanzler Helmut Kohl mir gegenüber signalisiert, dass die Bundesrepublik Deutschland, egal ob es zur Deutschen Einheit kommt oder nicht, unbürokratisch die Verbindlichkeiten von sozialistischen wie nicht- sozialistischen Ländern gegenüber der DDR zur Zufriedenheit aller Beteiligten als Zeichen des Guten Willens bedienen wird.
Genosse Hans!
Macht es da überhaupt noch Sinn über die berechtigten wie weniger berechtigten Forderungen der DDR an die UdSSR und andere sozialistische Bruderländer zu verhandeln?
Was die euch bei deutsch- deutschen Verhandlungen zuviel abnehmen, versuchen wir in Moskau von Bonn wenigstens in Teilen für uns wieder heraus zuholen.
Genosse Hans!,
den kleinen brüderlichen Finanz- Dienst im Sinne von Glasnost und Perestroika wird die reiche DDR doch wohl leisten können.
Was meinst Du Genosse Hans?
Genosse Michail!
Ich bin sprachlos.
Und da redet Egon Bahr, als höre Niemand mit, davon, wenn Helmut Kohl eine Konföderation der beiden deutschen Staaten, gar die Deutsche Einheit so billig kriegt, wie er sich das vorstellt, warum nicht, wenn die anderen so dämlich sind.
Mehr kann und will ich im Vollbesitz meine ökonomischen Sinne da beim besten sozialistischen Willen nicht sagen“


Vorläufiges Ende des fiktiven Dialogs zwischen den Genossen Hans und Michail im vorgerückten Januar 1990

Ob die DDR verkauft wurde, weiß ich nicht, was aber auffällt, ist die Tatsache, dass der DDR die Basis ihrer Geschäftsfähigkeit am Internationalen Kapitalmarkt möglicherweise dadurch genommen wurde, dass die Bundesrepublik vorab, nicht nur signaliserte, die Verbindlichkeiten der DDR zu übernehmen, sondern auch die Eintreibung der Forderungen der DDR an Dritte.

Was dann vermutlich im Ergebnis ausblieb, um keine Stimmung gegen die Einheit Deutschlands im Ausland zu nähren, und der DDR Treuhandgesellschaft als operativer Masse für die Ausstattung der neu gegründeten Privatunternehmen aus des DDR Staates Hand mit Eigenkapital die Finanzmittel vorenthielt?


JP

00:53 02.07.2010
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Geschrieben von

Joachim Petrick

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Joachim Petrick

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