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Frühling1968

Unbeschwert starteten wir 1968, ich mit meiner Schwester in die Osterferien, sie von Hamburg, ich von Westberlin kommend, in Waren an der Müritz bei unserer geliebten Großtante Dora, uns gegenseitig feiernd, den Aufbruch des Frühlings 1968 bei klarer Sicht, hellem Sonnenschein, in leeren wie vollen Zügen zu genießen..

Ich wußte ja längst, dass das deutsche Wort Frühling ins Britische übersetzt

"Spring"

heißt, dass Axel Cäsar Springer 1947 von den Briten als Besatzungsmacht in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg in Hannover eine Lizenz zum Gelddrucken erhalten hatte.

Seit die Schlagzeile über die Nachricht vom Attentat auf Rudi Dutschke durch den Attentäter Josef Bachmann am 10. April 1968 selbst im Drüben der DDR in Waren an der Müritz die bekundend die Rundemachte, war mir klar, war wahr, dass aus dem britischen Wort für Frühling

"Spring"

übergangslos "Nomen est Omen",der Name

"Springer"

in "Persona non Grata" werden kann, der in erschreckend aufscheuchender Weise nicht direkt Geld druckt, sondern Schulden in Form von unterlassenen Meinungen zwischen den Zeilen druckt, die, rasant flächendeckend, wie Grenz- und Block- übergreifend beschleunigt, noch mehr Geld verheißen, als das Gelddrucken selber.

Das gesamtdeutschen Klima war schlagartig europaweit in diesen Sonnen reichen Tagen des Frühlings 1968, von Hamburg, Westberlin, Leipzig, Bonn über München, Paris, London, Kopenhagen, Rom, Warschau, Budapest,über Amsterdam, Stockholm, Oslo, Athen, Teheran, Ostberlinbis Waren an der Müritz nicht durch das entsetzlich Attentat auf Rudi Dutschke so verdüstert, sondern unvergleichlich entsetzlich vermehrt durch die Art der militaristisch rabiat aufgestellten "Bürgerkriegs- Berichterstattung" bundesdeutscher Meinungsmacher, die blockübergreifend, angesichts des eskalierten Vietnam Krieges der USA, europaweit unübersehbar, unüberhörbar ein Signal gegen den Prager Frühling von 1968 durch dasHaus Axel CäsarSpringer und andere Medienkonzernen setzen wollten, koste es an Wahrheit, Klarheit der Berichterstattung, gar Leben, was es wolle..

Ein mir fernstehender Verwandter aus Rostock, Marineoffizier a. D. der deutschen Wehr des untergegangenen Dritten Reichesbemerkte auf unserer Durchreise von Waren an der Müritz über Rostock, Bad Kleinen, Grevesmühlen, Herrenburg(Grenzübergang DDR/BRD) Lübeck, Bad Oldesloe nach Hamburg, ungefragt:

"Das Schwein (gemeint war Rudi Dutschke)hat sich das selber zu Schulden kommen lassen. Der ist doch aus der Ostzone rüber, um den Westen schlecht zu machen!"

Ich fühlte mich menschlich, wie organisch dermaßen technisch unterlaufen, dass mir der Unterkiefer im Stillen sprachlos herunterfiel.

Eben noch stellte sich dieser fernstehende Verwandte aus Rostock, den ich zum ersten Mal und nie wieder auf einem Spaziergang kennenlernte, als literarisch belesen dar:

"Vom Eise befreit....!"

(Osterspaziergang von Johann Wolfgang Goethe)

Um nun bruchlos in diese sprachlich unvernarbte Barbarei der "Sprache des Unmenschen", mitten in der "Zone", zu verfallen, vor der Herbert Wehner polternd wie brüllend im Deutschen Bundestag gewarnt, ohne jetzt für die Studenten/innen, Söhne und Töchter sichtbar Partei zu ergreifen.

Meine Schwester und ich konnten uns in dieser aufgeheizten Situation nur beklommen still gegenseitig unseres Entsetzens versichern.

Die Folgen meines Unterkiefer Falls in diesem Frühling 1968 war eine anhaltende Arbeitsstörung, die ich als "Zonengepäck" zurück mit nach Westberlin in meinen studentischen Alltag nahm.

Nirgends war ein väterlich, mütterlich versöhnlicher Frieden für die medial durch ihre Väter, Mütter, größeren Geschwister der Flakhelfer/innen Generation brutal ausgewilderten Kriegskinder, im Hüben noch im Drüben, am Horizont erkennbar in Sicht.

Nur Willy Brandt raffte sich, wenn auch verzögert, neben dem Bundespräsidenten Gustav Heinemann, wenigsten als Bundeskanzler zu der versöhnlichen Formulierung im Deutschen Bundestag auf:

„Die Studenten/innen, das sind doch auch unsere Leute“.

JP


11:10 06.03.2010
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Geschrieben von

Joachim Petrick

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Joachim Petrick

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