Geschwister- Scholl Gedenktag "30.01.1943"

Weiße Rose Am heutigen Tag, dem 30. Januar jährt sich zum siebzigsten Mal der Tag, an dem die Geschwister Scholl durch den Hausmeister der Maximilian UNI München verraten wurden
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Am heutigen Tag, dem 30. Januar jährt sich zum siebzigsten Mal der Tag, an dem die Geschwister Sophie und Hans Scholl durch den Hausmeister der Christian Maximilian UNI München als Widerstandskämpfer der "Weißen Rose" entlarvt und an die Geheime Staatspolizei (GESTAPO) verraten wurden.

Gleichzeitig jährt sich zum achtzigsten Mal der Tag der Machtergreifung vom Jahre 1933, die mehr eine Machtübergabe, ein Vabanque- Spiel der reaktionär- konservativ militaristischen Kräfte der Weimarer Republik um die Reichswehr und den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg an den Führer der NSDAP, Adolf Hitler, war.

Den 30. Januar 1933 als öffentlichen Gelöbnistag für die Bundeswehr einzuführen ist bisher noch Niemand im Namen der Traditionspflege der Truppe gekommen.

Das ist auch gut so.

Dagegen spricht seit dem Jahre 2011 demonstrativ der 20.Juli 1944, der Tag des Attentats der Oberst Graf Claus Schenk von Stauffenberg auf den Führer Adolf Hitler als öffentlicher Gelöbnistag der Bundeswehr.

Damals im Jahre 2011 wußten wir noch nicht, warum ein anderer Gedenktag, der Tag der Hinrichtung der Geschwister Scholl am 22. Februar 1943 als öffentlicher Gelöbnistag der Bundeswehr ebenfalls erwogen, auf keinen Fall als solcher in Frage kam, weil mit dem Jahr 2012 in Verantwortung des amtierenden Verteidigungsministers, Thomas de Maiziere, aus der Bundeswehr als Wehrpflicht- Parlamentsarmee eine professionelle Interventionsarmee wurde, deren Etat nach außen hin gerade abgescholzen wird, die aber, bar jeder Transparenz durch Staaten in Interventionsländern in unbekanntem Ausmaße fremdfinanziert wird.

In solche Zusammenhänge passt der Hinrichtungstag der Geschwister Sophie und Hans Scholl als Angehörigen der Widerstandsgruppe "Die Weiße Rose" gegen das NS- Terror- Regime, der 22. Februar 1943, auf keinen Fall.

Trotzdem erscheint mir die Historie dieser Debatte aus dem Jahre 2011 um den öffentlichen Gelöbnistag der Bundeswehr heute am 30. Januar 2013, dem Tag, an dem die Geschwister Scholl vor genau siebzig Jahren im Lichthof Treppenhaus der Eingangshalle der Münchner Christian Maximilian Universität ihre "Widerstandsflyer- Aufrufe" aus den oberen Stockwerken herab regnen ließen, besonders aufschlussreich.

Deshalb frage ich einfach noch einmal, wie damals im Jahre 2011:

Welcher Tag ist als öffentlicher Bundewehr Gelöbnistag geeignet, der 20. Juli 1944, der Tag des gescheiterten Attentats auf Adolf Hitler, oder der 22. Februar 1943, der Tag der Hinrichtung der Geschwister Sophie und Hans Scholl?

Ist der 22.Februar .1943, der Tag der Hinrichtung von Sophie und Hans Scholl. nicht viel eher als Bundeswehr Gelöbnistag geeignet als der 20.Juli 1944,

wenn ja, warum?

Am 22. Februar 1943 wurden Sophie, Hans Scholl als Mitglieder der
„Weißen Rose“
nach kurzem Prozessverlauf hingerichtet.

Ist dieser 22. Februar im Gedenken an die Geschwister Scholl der geignete Tag für öffentliche Bundeswehr Gelöbnisse?

Ich meine ja.

Mit der Abschaffung der Wehrpflicht in der Bundeswehr wird es mutmaßlich keine Bundeswehr mehr geben, die vom Geiste des Bundeswehrsoldaten als

"Bürger in Uniform",
getragen von dem Konzept der
„Inneren Führung“
des verstorbenen Bundeswehrgenerals Wolf Graf Baudissin, dem späteren Mitbegründer und erstem Leiter des Instituts für Friedens- und Konfliktforschung in Hamburg, in ihrem militärischen Alltag, wie in der
"Tradition der Truppe",
der Politischen Bildung in Theorie und Praxis, wie durch einen "Roten Faden"
geleitet war.

Die Bundeswehr wird als Berufsarmee der Kern eines Sicherheitskonzeptes sein, das staatliche, zivile wie anderweitig private Aufbau- , Sicherheits- , Entwicklungsdienste, angelehnt an die Praxis der US- Army Konzepte für die Zusammenarbeit mit privaten Sicherheits- Berater Trusts, Blackwater, Halliburton, für Sicherheits- , Logistik- , Versorgungs- , Aufbau- Jobs

„out of area“,

um sich gruppiert, deren Finanzierungsquellen jede Transparenz fehlen wird, weil die Geld- Ströme der Finanzierung aus unterschiedlichsten Quellen in Ministerien, Sozial- , Gesundheits- , Versicherungssystemen, gefragt und ungefragt, aus dem In- und Ausland fließen werden.

Das Datum des 20. Juli für öffentliche Gelöbnisse der Bundeswehr zu wählen, zeugt n. m. E. einmal vom schlechten Gewissen des Regierungspersonals seit rotgrünen Koalitions- Tagen im Umgang mit dem Datum des gescheiterten Attentats auf Adolf Hitler im Jahre 1944 und zum anderen vom unaufrichtigen Umgang mit den hellen wie dunklen Motiven der Verschwörer/innen des 20. Juli 1944, denen noch im Februar des Jahres 1943 die Hinrichtung der Geschwister Scholl, die aus reinem Herzen als Mitglieder der

„Weißen Rose“, wurden, mehr als gleichgültig war.

Die Geschwister Scholl hatten, in Kenntnis der Kriegsverbrechen in der Verantwortlichkeit der Deutschen Wehrmacht als Vollziehender Gewalt in den vom Deutschen Reich besetzten Gebieten Europas, aus patriotischem Grund, für sich ein humanistisches Recht auf Widerstand beansprucht, wie dieses seit dem Jahre 1949 ausdrücklich unveräußerlich im Grundgesetz (GG) verankert ist, zum Instrument der Verteilung von Aufrufen gegen diese Kriegsverbrechen, für sofortige Friedensverhandlungen der deutschen Reichsregierung, in Form von Handzetteln an der UNI München gegriffen.

Es ist bisher kein Dokument im Nachlass von Verschwörern des 20 Juli 1944 bis heute aufgetaucht, aus dem hervorgeht, dass die Verschwörer des 20. Juli 1944, mit Oberst Graf Stauffenberg als Galionsfigur, den Widerstand der

"Weißen Rose"

gegen das NS- Terror- Regime auch nur mit einem Wort würdigten, geschweige denn gegen die Hinrichtung der Geschwister Scholl verdeckte wie offene Protestnoten, wg. der Unverhältnismäßigkeit der Urteilsbegründung des NS- Volksgerichtshof im vorliegenden Fall der Geschwister Scholl im In- und Ausland, in Umlauf gebracht hätten.

Oberst Graf Stauffenberg beteiligte sich damals zu Beginn des Jahres 1943 lieber noch enthusiastisch an dem ausweglosen Afrika- "Abenteuer- Propaganda- Rummel" Feldzuges der Deutschen Wehrmacht unter dem Kommando des Wehrmachts- UFA- Super Stars, Generalfeldmarschall Erwin Rommel.

Warum wird nicht, statt des 20. Juli, einem Tag unselig tragischen Scheiterns und der endgültigen Preisgabe langer Namenslisten des europaweiten Widerstands gegen das NS- Regime, der reine Tag der Hinrichtung der Geschwister Sophie und Hans Scholl als studentische Mitglieder der Widerstandsgruppe

„Weiße Rose“

im Jahre 1943, der 22. Februar für die öffentlichen Gelöbnisse der Bundeswehr gewählt?

Hätte das nicht den Gewinn an Glaubwürdigkeit, sichtbar ein untrügliches Zeichen für das Festhalten an dem Konzept der

"Inneren Führung",
der Bundeswehrsoldaten als
"Staatsbürger/innen in Uniform"

in einer Freiwilligen- Parlaments- und Berufsarmee, namens Bundeswehr, zu setzen?

Unsere im Jahr 2011 verstorbene, engagierte wie liebenswerte, Freitag Bloggerin, Titta, die mich so unnachahmlich mit dem Alleinstellungsmerklmal "wördmaster" versah, hat sich zu dieser Thematik in meinem Blog aus dem Jahre 2010 folgendermaßen geäußert:

www.freitag.de/community/blogs/joachim-petrick/hinrichtungstag-der-geschwister-scholl-tag-fuer-bundeswehr-geloebnis?

14.07.2010 | 01:48
Hinrichtungstag der Geschwister Scholl. Tag für Bundeswehr Gelöbnis?
sophie scholl hans scholl bundeswehrgelöbnis stauffenberg 22. februar 1943 20.juli 1944 weisserose bundeswehr tradition der truppe nazismus weltkrieg holocaust

Titta schrieb am 14.07.2010 um 14:41
Lieber wördmaster,

wie angekündigt einige Anmerkungen zum Thema.

Zuerst einige Zitate aus „Jenseits der Brücke – Bernhard Wicki“ von Richard Blank. Das Buch ist nur noch antiquarisch zu haben, ich habe mir seinerzeit auch nur einiges rausschreiben können.
Zur Info: Bernhard Wicki war Kommunist bzw. stand ihnen nahe, kam deshalb ins KZ, mußte dort wohl einen Menschen umbringen, um selbst überleben zu können.

S.70: „In München hatte Bernie Kontakt zur Widerstandsgruppe Weiße Rose. Ihre Anhänger hielt er – bei aller Liebe – für >idealistische Idioten<. Sie waren gebildete, kulturell engagierte Bürger, die nach seiner Überzeugung allerdings keine Ahnung von Politik hatten. >Sie empörten sich gegen Massenmörder mit Flugblättern!<
Bernie kann bis heute nicht begreifen, warum das deutsche Bürgertum nicht wissen wollte, daß es von Leuten regiert wurde, die von Anfang an Verbrecher und Massenmörder waren. Fand sein Aufenthalt im KZ Sachsenhausen etwa erst 1944 statt?! Die meisten wußten nichts, weil sie nichts wissen wollten und weil sei mit den linksgerichteten Mitbürgern, mit denen, die früh Widerstand leisteten und ihre Köpfe hinhielten, nichts zu schaffen haben wollten.
Bis heute wird die Weiße Rose gefeiert. Gut. Aber warum nicht auch die Rote Kapelle? Dabei waren die bürgerlichen Idealisten allzu spät aus ihrer Träumerei erwacht. Natürlich waren sie Bernie allemal näher als alle, die bis zuletzt mit dem Parteiabzeichen am Revers durch die selbstverschuldeten Trümmer stapften. Aber sie waren im Grunde unpolitisch und deshalb, so betont Bernie, von einer geradezu gefährlichen Naivität.“

Soweit B. Wicki zum Thema. Bedenkenswert, wie ich finde.
Bonhoeffer hat ja wohl, was gerne verschwiegen wird, noch von der Wiedereinführung des Kaiserreichs geträumt. Also vom Dreiklassenwahlrecht und dem ganzen Mist.
Die Edelweißpiraten werden erst ganz allmählich als Widerstandsgruppe anerkannt. Lange galten sie einfach nur als Kleinkriminelle, weil sie eben aus wirtschaftlicher Not heraus straffällig geworden sind. Und solche können ja kein Vorbild sein, nach bürgerlichen Maßstäben. Daran wird auch deutlich, wer sich hier die Deutungshoheit von Geschichte anmaßt.

Zur Weißen Rose gab es einmal eine kritische Dokumentation, ich glaub vom WDR, in der die Aktionen und das Denken dieser Widerstandsgruppe eben auch hinterfragt wurden bzgl. Wirksamkeit und Nachhaltigkeit. Es wurde danach gefragt, was Widerstand für einen Sinn mache, wenn er so wirkungslos verpufft, und warum in der BRD gerade dieser Form des Widerstands dann so heroisiert wird, welche Funktion das gesamtgesellschaftlich haben kann. Leider wurde diese Doku nie wiederholt. Schade. Aber vermutlich hat das auch was zu bedeuten.
Was den Aktivisten der Weißen Rose am meisten zu schaffen machte, so die Doku, war das Gefühl der Ohnmacht. Deshalb die immer gefährlicher werdenden, aber unsinnigen, da ineffektiven, Aktionen. Das Gefühl, die Frage, warum so viele Hitler immer noch folgen, beschäftigte sie, warum ihre Position richtig ist, obwohl sie nur so wenige sind. Damit vor allem seien sie offensichtlich nicht fertig geworden, anstatt daß sie überlegt hätten, welche Art von Aktionen vielleicht geeigneter gewesen wären, effektiver zur Veränderung der Verhältnisse. Kern der Kritik: der Widerstand sei im Grunde sehr selbstbezogen gewesen und wenig auf wirkliche Veränderung ausgerichtet gewesen. Und solche (narzißtischen) bürgerlichen Gefühlsduseleien seien eben unangebracht für einen konstruktiven Widerstand.

Ich finde das ebenfalls bedenkenswert. Insbesondere die Tatsache, daß bürgerlichen Kreisen das Gefühl der Ohnmacht, angesichts ihrer Teilhabe an der Gesellschaft und der daraus resultierenden Vorteile, eher fremd sein dürfte. Jedenfalls zu damaligen Zeiten.
Heutzutage wird ja davon gesprochen, daß die Gesellschaft am Zerbröseln sei. Worin aber liegt das Zerbröseln? In der Abnahme der Partizipation an der Gesellschaft, also die Abnahme der Vorteilsnahme durch bürgerliche Kreise. Einfach ausgedrückt: Bürger sein bringt nichts mehr ein. Holla! Das wissen andere Gesellschaftsschichten doch schon viel länger, oder?! Hat nur nicht so interessiert. Also: nichts Neues unter der Sonne, im Grunde.

Dir liebe Grüße und Dank für dein Engagement
Titta

Meine Antwort auf Tittas Kommentar war:


Joachim Petrick schrieb am 14.07.2010 um 21:26
Liebe Titta,
vielen Dank für Deine überaus bedenkenswerte Darstellung der Argumentation von Bernhard Wicki, geben diese einmal mehr einen profunden Einblick in die verhängnisvolle wie Ohnmacht verbreitende Zerstrittenheit des deutschen Widerstandes untereinander, was wohl der wirkungsvollste Widerstand gegen die Hitlerei sei.

Bis zur Vernichtung der Mehrheit der Mitglieder der Weißen Rose, der Verschwörer des 20 Juli konnten sich die Bürgerlichen in allen gesellschaftlichen Bereichen, Kirchen, Stiftungen, Verbänden, Kommunen, Waffengattungen noch hinter einem vermeintlichen wie wirklichen Unwissen verstecken, danach nicht mehr, weil sie nun der Weltöffentlichkeit als Mitwisser, willige Helfer, verbrecherische Mittäter gegen die „Leute“ aus ihrem eigenen Stall vorgeführt waren.
Das ist vermutlich die wirkliche, wenn auch nicht angestrebte, Bedeutung und „Leistung“ der Weißen Rose Mitglieder, der Verschwörer des 20 Juli 1944.
Das nun im Nachherein als Aufstand des Gewissens der guten Deutschen feiern zu wollen, birgt nicht einen gewissen Hohn jener, die es besser wussten, wissen konnten und nichts gegen die Hinrichtung der Mitglieder der weißen Rose, voran Sophie, Hans Scholl, die Verschwörer des 20 Juli 1944 taten.

Sie hätten, soweit sie als „Wissende“ überlebten, nach dem Zweiten Weltkrieg Zeugen der Anklage gegen die NS- Verbrechen, Verbrechen der Deutschen Wehrmacht, voran deren Generalstabes sein können, was viele von ihnen traumatisiert oder im nacheilenden Gehorsam dem NS- Regime gegenüber als Rolle, heillos verweigernd, “nur nicht im Wiederaufbau, ost wie West, auffallen“ nicht leisten wollten.
Das Unterdrücken der Informationen über andere Widerstandsgruppen wie die Rote Kapelle, die Edelweißpiraten, Georg Elser, Widerstand unter den Zwangsarbeitern/innen im Deutschen Reich ist Teil dieses unseligen Zustandes nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die Gegenwart der heutigen prekären Traditionspflege der Bundeswehr.

Wer sich diesen Fragestellungen nicht widmet, verweigert sich n. m. E. jedem Verständnis für die Vorrausetzungen einer inneren Einheit Deutschlands, Europas nach dem Ende des Kalten Krieges, der Auflösung der DDR durch Beitritt zur Bundesrepublik nach Art. 23 GG am 03. Oktober 1990

tschüss
JP




https://www.freitag.de/autoren/joachim-petrick/stauffenberg-zum-gedenken
Joachim Petrick
20.07.2012 | 19:11 4
Stauffenberg zum Gedenken

16:58 30.01.2013
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Joachim Petrick

Aktuelles: Meine sichere Route- Refugee-Airlift - Petition "Luftbrücke für Flüchtlinge in Not" an die MdBs des Bundestages erhofft Debatte
Joachim Petrick

Kommentare 23