Graf Schwerin von Schwanenfeld am 21. August 1944 im Volksgerichtshof

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Ulrich Wilhelm Graf Schwerin von Schwanenfeld am 21. August 1944 im Volksgerichtshof Berlin

Fiktives „Gerichtsspiel“, angelehnt an den Duktus der Aussagen und Formulierungen des Volksgerichtshofpräsident Roland Freisler und des Angeklagten, desMitverschwörers des 20. Juli 1944, Ulrich Wilhelm Graf Schwerin von Schwanenfeld während der Hauptverhandlung im Volksgerichtshof Berlin am 21. August 1944.

Eröffnung der Hauptverhandlung:

Roland Freisler:

„Angeklagter erheben Sie sich von der Anklagebank und treten Sie vor ihren Richter, der ich als solcher vom Deutschen Volke berufenbin!

Graf Schwerin von Schwanenfeld:„Wenn es der Wahrheitsfindung dient!“

Roland Freisler:

Nun werden Sie mal nicht frech, Sie erbärmliches Würstchen.

Glauben Sie etwa Sie können hier als dahergelaufener Fritz den Teufel als Wahrheit an die Wand malen?

Die Wahrheit brauchen wir nicht zu finden, die liegt hier in der Anklageschrift gegen Sie hieb- und stichfest vor.

Sie sind ein gemeiner Verräter und Verbrecher, der unseren geliebten Führer Adolf Hitler gemeinschaftlich mit anderen Verbrechern hinterrücks heimtüisch ermolchen wollte.

Gott sei es gedankt, hat die Vorsehung unter der unser geliebter Führer unermüdlich für das Wohl aller deutschen Volksgenossen/innen, agaus tagein,schaltet und waltet ihrem Verbrecherischen Plan den Erfolg versagt.

Was fummeln Sie denn ständig da wie ein alter Mann an Ihrer verschmutzten Hose herum?

Graf Schwerin von Schwanenfeld:

„Man hat mir meinen Hosengürtel abgenommen, deshalb bin ich genötigt meine Hose weinigstens mit einer Hand festzuhalten, damit die nicht rutscht

Roland Freisler:

HA!HA! Regel Nummer Eins unserer Polizei lautet:

„Verbrechern sindbei der Festnahme Gürtel, Hosenträger abzunehmen, damit die nicht weglaufen können und sich nicht in der Haft durch Selbstmord ihrem gerechten Urteil entziehen.“

Das ist nur zu Ihrem eigenen Schutz. Diese Fürsorge unseres großherzigen Nationalsozialistischen Staates wissen Sie anscheinend nicht recht zu schätzen.

Angeklagter, wie ist Ihr Geburtsname?

Graf Schwerin von Schwanenfeld:

„Ulrich Wilhelm Graf Schwerin von Schwanenfeld“.

Roland Freisler:

„Wie sehr muss ein Mann moralisch fallen, dass es aus so gutem Adelshause kommend, hochgebildet auf Kosten unseres Staates, so tief in einen Abgrundsumpfdes Verbrechens von Hoch- und Landesverratversinkt?

Sie da ! Wann und wo wurden Sie geboren?

Graf Schwerin von Schwanenfeld:

Selbst als Angeklagter habe ich den Respekt vor deutschen Gerichten verdient von Ihnen Herr Volksgerichtshofpräsident im Voll- Laut meines Namens angesprochen zu werden und nicht mit einem herablassenden „Sie da“ entwertet und entmutigt zu werden.

Das sage ich im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte, dass ich nicht nur glaube und ahne , dass ich viele bin.

Ich stehe hier nicht nur als Graf angeklagt, sondern auch als Schwerin und Schwanenfeld.

Roland Freisler:

Sie da! Sie kleine Nummer im verjudet durchrassten Kopenhagen geboren, wollen das deutsche Volk Mores lehren?

Das ist ja eine anmaßendeUnverschämtheit eines aristokratischen Lümmels sondergleichen. Wenn das der Führer wüsste. Kleiner Scherz muss auch einmal sein.

Aber interessant, Sie zeigen sich hier dreist als kriminelle Vereinigung in Persona non Grata an.

Der Begriff „kriminelle Vereinigung“ gibt es bisher gar nicht in unserem Strafgesetzbuch.

Aber was nicht ist, kann ja Morgen schon werden.

Graf Schwerin von Schwanenfeld:

Herr Volksgerichtshofpräsident bedeutet Ihre Anspielung auf den Führer als klammheimlicher Hinweis, dass der Führer hier mithört mitsieht?

Das wäre ein eklatanter Verstoß gegen die nach wie vor geltend Strafprozessordnung der Weimarer Republik.

Wie ich sehe ist der gesamte Gerichtssaal dieses Volksgerichtshofs mit Kameras und Mikrophonen bestückt.

Roland Freisler:

Sie da!

Sie sehen nur Gespenster.

Sie sind ja raffiniert. Glauben Sie etwa wg. „Gespenster Sehens“ hier mildernde Umstände zu kassieren?

Zum Glück gilt das „Gespenster sehen in Europa“ seit den Tagen von Karl Marx und Friedrich Engels nicht mehr alsmildernder Umstand bei der Urteilsfindung in reichsdeutschen Gerichten.

Graf Schwerin von Schwanenfeld:

Herr Volksgerichtshofpräsident!, was ist mit der Kamera hinter Ihrem richterlichen Hochsitz?

Roland Freisler:

Sehen Sie da! Sie spinnen.

Das ist keine Kamera, wie jeder außer Ihnen sehen kann, sondern nur ein schwarzer Tintenklecks von Martin Luther an der Wand.

Kommen wir zur Sache.

Wann wurden Sie geboren?

Graf Schwerin von Schwanenfeld:

„Am 21. Dezember 1902“

Roland Freisler:

haben Sie Abitur?

Graf Schwerin von Schwanenfeld:

Ich bin bis zum Abitur 1921 auf der Klosterschule Roßleben gewesen.

Roland Freisler:

Haben Sie studiert, wenn ja, was und wo?

Graf Schwerin von Schwanenfeld:

Studiert habe ich Landwirtschaft in München, Berlin und Breslau.

Roland Freisler:

„Sind Sie verheiratet?

Graf Schwerin von Schwanenfeld:

Ja!

Roland Freisler:

Mit wem?

Graf Schwerin von Schwanenfeld:

Marianne Sahm.

Roland Freisler:

Wann und wo haben Sie geheiratet?

Graf Schwerin von Schwanenfeld:

1928 auf einem unserer Familiengüter in Göhren in Mecklenburg- Strelitz.

Roland Freisler:

Ach ne!. Sie da!,

sind also so einer jenendahergelaufener ostelbischen Großgrundbesitzer Junkersöhnchen die ehrgeizig Geschichte machen wollten und dann so erbärmlich scheiterten, weil die Vorsehung unseren geliebten Führer zu schützen wusste.

Haben Sie Kinder?

Graf Schwerin von Schwanenfeld:

Fünf Söhne.

Roland Freisler:

Auch das noch. Erst dem Führer fünf Kinder schenken und dann den Führer mit solcher Brut als Vater ermorden zu wollen. Verderblicher kann kein Volksgenosse in seiner gesinnung sein. Was sage ich Volksgenosse. Ich entziehe Ihnen hiermit den Adelstitel Volksgenosse.

Sie da! Sie erbärmliches Früchtchen, dem die Hose herunterrutscht. Nehmen Sie gefälligst wenigstens Haltung an, wenn ich mit Ihnen spreche,

Wann ist Ihnen der Name des Führers das erste Mal zu Ohren gekommen?

Graf Schwerin von Schwanenfeld:

Ich wurde 1923 in München mit 21. Jahren Augen- Zeuge des „Hitlerputsches“.

Roland Freisler:

Welchen Eindruck hat der Führer auf Sie damals in seinem mutigen nationalen Kampf für das deutsche Volk gemacht?

Graf Schwerin von Schwanenfeld:

Keinen guten Eindruck, wenn Sie das meinen.

Roland Freisler:

Wiiiiiiiieeeeee!

Na diese Unverschämtheit wird Ihnen unser bewährterStrafvollzug noch vor Ihrer Hinrichtung austreiben. Dafür werde ich sorgen. Darauf können Sie sich 100 %zig verlassen.

Ende erster Sitzung bis zur Mittagspause.

Zweite Sitzung erfolgt mt Verkündung des Urteils nach der Mittagspause

19:14 21.07.2010
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Geschrieben von

Joachim Petrick

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Joachim Petrick

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