Griechennds fiskalischer "Haircut" 2015

Thomas Piketty unterscheidet wilden und fiskalischen "Haircut". 2008 Irland, 2010 Griechenland, kam es zum wilden "Haircut". 2015 zeichnet sich in Athen ein fiskalischer "Haircut" ab
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Thomas Piketty unterscheidet wilden und fiskalischen "Haircut". 2008 Irland, 2010 Griechenland, kam es zum wilden "Haircut". 2015 zeichnet sich in Athen ein fiskalischer "Haircut" ab

Wer erinnert sich nicht der schwärmisch schrillen Reden vom keltischen Tiger, dein Name sei Irland, der in den Neunziger Jahren des Zwanzigsten Jahrhunderts zum Sprung ansetzt, um im Verlauf der Weltfianzkrise nach der US- Investitionsbank Lehman Brother Pleite am 15. September 2008 als Bettvorleger und Stein des Anstosses vor dem Kaminfeuer des Kapitalismus zu landen?

Was für ein Desaster, wie Thomas Piketty in seiner Streitschrift mit dem Titel

"Schlacht um den Euro",
Verlag C.H. Beck, München 2015, 175 Seiten, € 14.95 , Seite 85 Kapitel "Skandal der irischen Bankenrettung" in Krisentagebuchform schreibt

"Es ist ungeheuerlich, dass die Europäische Union heute

- gemeint ist der November 2010 -

etwa 90 Milliarden € zur Rettung der irischen Staatsfinanzen bereitstellt, ohne zuvor eine Anhebung der Körperschaftssteuer zu fordern, die derzeit in Irland bei 12,5 % liegt, aber mindestens bei 25- 30 % liegen sollte."

Dass sei mit Blick auf den durch die EU angebahnten Erfolg der Rettung irischer Banken u. a. in Irland ansässig heimischer Unternehmen dazu aus aller Welt Richtung zu erwartend exorbitanter Gewinnentwicklung nicht nachvollziehbar, meinte Thomas Piketty 2010 mit Blick darauf, dass nun einmal mehr die Nachbarländer irlands in der Eurozone die irische Zeche zahlen werden.

Ohne die desolate Lage Griechenlands zu erwähnen, betont Piketty 2010 mit Blick auf Irlands 12.5 % Körperschaftssteuer, in allen übrigen Ländern der Eurozone würden mindestens 30- 40 % BIP für Stuern und Abgaben durch die Gesellschaft und Wirtschaft erbracht, um anspruchsvolle Infrastrukturen, öffentliche Dienste, Justiz- , Gesundheits- , Bildungs- , Ausbildungs- , Rentenwesen, daseinsvorsorge, Sozial- , Familien- , Kinder- , Jugend- und Altenhilfe, Arbeitslosenversicherung angemessen zu gewährleisten.

Wer was anderes behauptet, will das notwendige Steueruafkommen anderweitig aufbringen, sicher nicht durch die Einführung bzw. Erhöhung der Vermögenssteuer, sondern durch massive Besteuerung der Arbeit und die Erhöhung der Mehrwertsteuer zu Lasten vermögensferner Schichten. Was nicht nur ungerecht, sondern ineffizient ist und zu erweiterter Arbeitslosigkeit in ganz Europa führt.

Davon abgesehen, führt das irländische Steueroptimierungsangebot nicht nur zur Verdunklung volkswirtschaftlicher Datenlage in Irland, sondern in allen betroffenen Ländern inner- und außerhalb der Eurozone bis in die USA, deutet Piketty an (S. 87).

Genau genommen, sei es, fern jeder Marktwirtschaft, reiner Diebstahl, wenn Irland mit seiner viel zuniedirgen Körperschaftssteuer das Steuraufkommen seiner Nachbarn in der Eurozone absaugt

- siehe das optimierte Steueraufkommen allein von Zweckgesellschaft deutscher Landesbanken, Privatbanken, Versicherungen, Unternehmen dazu der Bösen Acht der USA, Google, Amazon, Yahoo, Microsoft, Ebay, Twitter, Facebook, Apple -

Wenn Irland dann auch noch 90 Milliarden € als Rettungsprogramm für seine Banken, Versicherungen von der EU ins Fenster gestellt werde, um private Schulden zu sozialisieren, anstatt die Gläubiger dieser Banken, Versicherungen anteilig zur Kasse zu bitten und sei es über eine Vermögensabgabe, wie in Island, erfülle das den Grenzfall an Dummheit in Gestalt eines

"Dunkler Wahn in nadelgestreiftem Anzug" .

Thomas Piketty unterscheidet hier wilden und fiskalischen "Haircut"

Zum wilden "Haicut" sei es im Fall Lehman Brother 2008 und davor in Argentinien Richtung "Staatsbankrott", wie jetzt im Jahr 2010 in Griechenland teilweise zu undifferenzierten Lasten europäischer Steuerzahler gekommen.

In Island wurde dagegen 2009 eine Gemengelage aus wildem und fiskalischem "Haircut" adminsitriert, wie ihn Thomas Piketty so nicht, sondern anders als reinen fiskalischen "Haircut" beschreibt (S. 87), indem vermögensnahe Schichten entsprechend mit einer steuerlichen Sonderabgabe belegt werden, ihre eigenen Sichteinlagen, Vermögenswerte in Banken, Versicherungen, ohne den Staatshaushalt ihres Landes bzw. andere Steuerbürger zu belasten, vor dem Totalsausfall zu retten.

Anders als Thomas Piketty in seinem Buch, erscheint mir bereits Island

- Zyperns fiskalischer haircut 2013, konnte in Pikettys Euro-. Krisentagebuch 2010 noch keine Rolle spielen -

im Umgang mit der Weltfinanzkrise 2008 mit Blick auf den fiskalischen "Haircut" exemplarisch erfolgreich.

Der fiskalische "Haircut" hat, anders als der wilde, für mich jeden Schrecken vor Unwägbarkeiten Richtung Weltfinanzwirtschaft verloren.

Es macht halt einen gewaltigen Unterschied Richtung Ratings an den Weltfinanzmärkten, ob eine Bank, eine Versicherung zum eigenen Nutzen, den monetären Ausnahmezustand erklärt, zum wilden "Haircut" schreitet, oder der Staat daherkommt, Vermögenswerte von Bank- und Versicherungskunden im Verlauf eines fiskalischen "Haircuts", um des Gemeinwohl Willens, Banken, Versicherungen vor der Insolvenz zu schützen, zu verkürzen.

Interessant ist, dass in der letzten Nacht das griechische Parlament in Athen einer Art fiskalischen "Haircut" durch das mehrheitliche "JA" zu einer Steuer- und Bankenreform mit der Maßgabe, von allen Konten, die einen höheren Kontostand als 100 000 € ausweisen, eine Vermögensabgabe zur Rettung griechischer Banken, Versicherungen einzuziehen, zugestimmt hat
JP

https://www.freitag.de/autoren/joachim-petrick/maerchen-vom-kapital-in-einfacher-sprache
JOACHIM PETRICK 24.10.2014 | 00:00 7

Märchen vom Kapital in einfacher Sprache

Thomas Piketty Der Kapitalismus ist eigentlich in einfacher Sprache vorgetragen, nicht mehr aber auch nicht weniger als die Große Erzählung des Märchens "Rumpelstilzchen"

14:28 23.07.2015
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Geschrieben von

Joachim Petrick

Aktuelles: Meine sichere Route- Refugee-Airlift - Petition "Luftbrücke für Flüchtlinge in Not" an die MdBs des Bundestages erhofft Debatte
Joachim Petrick

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