Helmut Schmidt "auf eine Zigarette" als kerniger Atomkraft- Bekenner

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Helmut Schmidt "auf eine Zigarette" als kerniger Atomkraft- Bekenner

Helmut Schmidt am heutigen Abend in der Münchner Runde im Gespräch mit

"Politiker sind nicht ausreichend ausgebildet"

Helmut Schmidt sprach nicht nur als Mitglied des Vereins"Verein für deutliche Aussprache" in der Münchner Runde mit

Sigmund Gottlieb

über die Fehler in der internationalen Finanzpolitik.

Helmut Schmidt zog in der Sendung das Fazit:

"Überall sind Politiker nicht ausreichend ausgebildet, um zu verstehen, was eigentlich notwendig ist.

"Letzten Endes liegt es daran, dass die politische Klasse in Amerika, die politische Klasse in London, aber auch die politische Klasse in Paris, in Berlin, in Rom – in den europäischen Hauptstädten, nicht ausreichend ausgebildet ist, um zu verstehen, was eigentlich notwendig ist. Sie können sagen, das sei ein Problem ihrer intellektuellen Kompetenzen. Das hört sich gut an, ist aber in Wirklichkeit schlimm."

Dabei geht Helmut Schmidt, ohne Arg, von der rein menschlich günstigsten Erklärung für das Versagen der Internationalen Politik aus, ohne die infernal fatale Option politischer Korruption, Abgeordnetenbestechung auch nur anzudeuten.

Der schwarz-gelben Bundesregierung stellt Helmut Schmidt keine guten Noten aus.

In der Sendung nannte er, was in Berlin falsch laufe.

Kritik an Schwarz-Gelb

"Einstweilen macht diese Regierung keinen sonderlich erfolgreichen Eindruck. (...) Zum Beispiel auf dem Feld der Finanzpolitik, ich erkenne ebenso Defizite auf dem Feld der Außenpolitik, ich erkenne Defizite auf dem Feld der Sicherheitspolitik. Nehmen Sie Afghanistan, oder nehmen Sie die angebliche Vorbereitung des Irans auf atomare Rüstung. Das alles sind Felder, auf denen die gegenwärtige Regierung mehr zu tasten scheint, als zu wissen scheint, was sie will."

"In meinen Augen ist der Sozialstaat, so wie wir ihn in Deutschland haben (…), wahrscheinlich die größte kulturelle Leistung, die im 20. Jahrhundert in Europa zustande gebracht worden ist (…). Gleichwohl muss man wissen, dass der Sozialstaat auf längere Sicht so nicht bleiben kann, wie im Augenblick."

Hintergrund: "Heute gehen die Deutschen im Durchschnitt mit 61 Jahren in Rente, aber sie leben viel länger als damals (…). Das heißt, sie wollen endlos Rente empfangen, aber unten wachsen nicht genug junge Leute nach, die die Rente finanzieren müssen."

"Wir müssen länger arbeiten, wir müssen wahrscheinlich (…) mindestens einmal im Leben den Beruf wechseln, wenn nicht zweimal."

Helmut Schmidt"

Den Afghanistan-Einsatz bewertet der einstige Verteidigungsminister (1972 bis 1974) wenig optimistisch. Aus seiner Sicht präsentiert keine der beteiligten Regierungen einen viel versprechenden Ausweg. Dennoch dürfe man die Soldaten vor Ort nicht im Stich lassen.

Verlorener Krieg?

"In Wirklichkeit weiß von den europäischen Regierungen eigentlich keine, wie das zu Ende gehen soll."

"Ich weiß jedenfalls, dass dieser Krieg nicht 'gewonnen' werden kann."

Dennoch dürfe sich Deutschland seiner Verantwortung nicht entziehen: "Wenn wir alleine versuchen würden, uns daraus zurückzuziehen, würden wir uns in Europa in einer Weise isolieren, die dazu führt, dass alle unsere Nachbarn anfangen, darüber nachdenken: 'Kann man den Deutschen schon mal wieder nicht mehr trauen?' Das letztere Argument ist für mich das entscheidende: Das Vertrauen unserer Nachbarn ist für uns von ungeheurer Bedeutung. Das ist eine der Lehren, die meine Generation aus den beiden Weltkriegen gezogen hat. Es ist den heutigen Generationen nicht ganz so selbstverständlich, wie meiner Generation das gewesen ist."

Außerdem: "Jedenfalls habe ich öffentlich verlangt, dass bei all dem Hick-Hack und dem Hin und Her im Untersuchungsausschuss des Bundestages über die Vorgänge im Bereich Kundus, dass wir bei dem gefälligst Rücksicht nehmen müssen auf die Lage der Soldaten an Ort und Stelle. Die tragen ihre Haut zu Markte für eine Zielsetzung, die ziemlich aussichtslos ist."

Das war "auf eine Menthol- Zigarette" der Weltfinanzökonom Helmut Schmidt

Helmut Schmidt, der Welthistoriker, sagt aber auch manchmal, ganz unbefangen, völlig unvorbelastet, Sachen wie:

"Die Deutschen seien, aufgrund der Ereignisse und den Folgen der beiden Weltkriege, voran der industriellen Massenvernichtung von 6 Millionen Juden in Ausschwitz und anderswo, ängslicher als andere Völker und deshalb auch ängstlicher, wenn es um ein Bekenntnis zur Kernernergie gehe.

Den Begriff "Waldsterben", der vom Inhalt her anderen Ländern völlig unbekannt ist, haben übrigens wir Deutschen erfunden."

JP

22:15 02.03.2010
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Geschrieben von

Joachim Petrick

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Joachim Petrick

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