Helmut Schmidt verstorben

Nachruf Altbundeskanzler Helmut Schmidt, geboren am 23.12.1918 in Hamburg- Uhlenhorst geboren, ist heute gegen 14.30 Uhr in seiner Heimatstadt Hamburg verstorben
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Im Gedenken an Altbundeskanzler Helmut Schmidt, der heute im Alter von 96 Jahren gegen 14.30 Uhr in Hamburg verstorben ist, erinnere ich mit meinem Beitrag aus dem Jahr 2013 daran, dass Helmut Schmidt sich lebenslang der Zukunft zugewandt gesehen hat

https://www.freitag.de/autoren/joachim-petrick/helmut-schmidt-der-zukunft-zugewandt

JOACHIM PETRICK 22.12.2013 | 04:04 6
Helmut Schmidt der Zukunft zugewandt

Schmidtschnauze95 Der Titel wurde nicht von Anhängern, sondern von Gegnern Helmut Schmidts als Kampfbegriff erfunden und erlebte erst viel später seine liebenswert gemeinte Umdeutung.

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Joachim Petrick

Der Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt steht unzweideutig zur friedlichen Nutzung der Atomenergie, weil nur diese den monetären Aufwand für atomare Waffensysteme, samt Entsorgung schultern könne,

"Schmidtschnauze" wurde als "Titel" nicht von Anhängern, sondern von politischen Gegnern Helmut Schmidts als Schimpfwort und Kampfbegriff erfunden und erlebte erst sehr viel später seine liebenswert gemeinte Umdeutung zum Markenzeichen.

Helmut Schmidt kennt als Ostermarschierer ersten Ranges und hohen Grades gegen "Atomtod" im vollen Schwange seines Elans keine halben Sachen und meint der Zukunft zugewandt, wer nicht für die <<Abschaffung aller atomaren Waffensysteme auf Erden, gemäß Atomsperrvertrag von 1957, ist, kann auch nicht gegen die friedliche Nutzung der Kernergie sein, weil das Eine ohne das Andere, weder historisch, noch monetär gesellschaftspolitisch darstellbar ist.

Helmut Schmidt ist gegen unser gegenwärtiges Parteifinanzierungsgesetz, samt Spenden- und Sponsorenpraxis, das Parteien hierzulande zum Kostgänger und Büttel des Staates und der Wirtschaft macht.

Wenn dann allerdings diese Art der Parteifinanzierung Gesetzeskraft erlangt hat, findet Helmut Schmidt es ein Unding, dass Spender der Parteien aus Wirtschaft und Gesellschaft wg. irgendwelcher "Spendenaffären", wie im Fall des Flick- Spendenskandals (1978- 1984) belangt, gar von Staatsanwälten wie Terroristen behelligt und vorgeführt werden.

Da plädiert Helmut Schmidt nachwievor auf Amnestie der Spender, auch wenn ihm seine Partei, die SPD, da schon in den Jahren 1981/82 nicht folgen wollte und lieber den Bruch der Koalition mit der damaligen 3 Pünktchen Partei F.D.P. riskierte.

Parteien sollten allein aus Mitgliedsbeiträgen finanziert werden, die steuerlich nicht absetzbar sind, meint Helmut Schmidt "Klare Kante".

Das entfalte im Verständnis von Helmut Schmidts den gesellschaftspolitisch mobilisierend umwerfenden Charme, für die eigene Partei, bundesweit flächendeckend, klinkenputzend, kampagnenstark Mitglieder zu werben

Auch in der Frage der Wiederbewaffnung, bzw. der Gründung der Bundeswehr im Jahr 1955 war Helmut Schmidt als damaliges Mitglied des SPD- Fraktionsvorstandes im Deutschen Bundetages, risikobereit, unzweideutig für ein "JA".

Helmut Schmidt absolvierte im Jahre 1958 eine Reserveübung bei der Bundeswehr in der Hamburger Friedrich Ebert Kaserne, durch die er zum Hauptmann der Reserve in der Bundesluftwaffe befördert, gleichzeitig, mit sofortiger Wirkung, genau aus dem Grunde seiner Beförderung, durch akklamative Ab- Wahl aus dem SPD- Fraktonsvorstand, demonstativ von seinen Genossen sanktioniert wurde.

Durch dei Beschlüsse des Bad- Godesberger SPD- Programm von 1959, das der vorläufigen Teilung Deutschlands, Europas in Ost- und Westblöcke, der Westbindung der Bundesrepublik Deutschland, samt Gründung der Bundeswehr, NATO- Zugehörigkeit im vollen Umfang uneeingeschränkt zustimmte, war Helmut Schmidt unzweideutig als praktizierender Visionär, erfolgreich, bestätigt worden.

Da war es selbstverständlich, dass Helmut Schmidt als gerade berufener Polizeisenator und späterer Innensenator Hamburgs im Januar 1962, die Rettungsaktionen unter der Fahne der Bundeswehr im Rahmen der Bekämpfung der Folgen und Wirkungen der verheerenden Flutkatastrophe im Februar 1962, mit über 364 Todesopfern, nicht auf kleiner Flamme hielt, sondern brennenden Transatlantiker Herzens, medial präsent, als Werbung für einen Imagewandel der Bundeswehr öffentlich kommunizierte.

Was Helmut Schmidt gelang.

Ausgerechnet die Leistung, mit der Bundeskanzler Helmut Schmidt, neben anderen, seinen historischen Fussabdruck in der neueren Weltgeschichte hinterlassen hat, nämlich der erfolgreiche Abschluss der Konferenz für Sicherheit, Zusammenarbeit,, Entwicklung (KSZE) mit dem "Warenkorb" Menschenrechte im Jahre 1975 in Helsinki findet selbst in den Reden, Kolumnen, Artikeln Helmut Schmidts kaum Erwähnung und wenn, eher nur als Fussnote. Warum?

Als Verteidigungsminister der sozialliberalen Koalition hat Helmut Schmidt, in den Jahren von 1969- 1972, unzweideutig dem Verständnis des Bundeswehr- Soldaten als Bürger in Uniform, gemäß den Leitlinien der "Inneren Führung" Generals Graf Baudissin, vor allem durch die Gründung der Führungsakademie in Hamburg- Blankenese, entgegen vielen Vorbehalten in der Führung der Bundeswehr, eisbrechend, den Vorrang gegeben,

Überhaupt war und ist Imagewandel das unzweideutige Kernthema Helmut Schmidts, wenn es um seine Partei, die SPD, ging und geht.

Dem Image der SPD als Ansammlung von vaterlandslosen Gesellen hat Helmut Schmidt als Bundeskanzler im "Bleiernen Herbst" des Jahres 1977 endgütlig durch seine öffentlich, auf Sendung, zelebrierten Predigten der "Staatsräson" hinter der, ansonsten selbstverständlich berechtigte Privatinteressen, zurücktreten müssten, den Garaus gemacht.

Später im Jahre 2007 hat Helmut Schmidt dazu gemeint, das ganze RAF- Thema sei damals von den Medien viel zu hoch, historisch überschätzt, als zu bedeutsam angesiedelt worden.

Ob das jetzt bei Helmut Schmidt als erste Anflüge von Selbstkritik bis hin zum Eingeständnis von eigenen Fehleinschätzungen zu verstehen ist, bleibt, unzweideutig, ungewiss.

Unzweideutig hat Helmut Schmidt im Jahr des Amtsantritts von US-Präsident Jimmy Carter 1977, angesichts der angekündigten Stationierung der SS 20/SS 22 durch den Warschauer Pakt auf dem Boden der DDR, seinen Finger auf die angebliche Mittelstrecken Raketenlücke in Mitteleuropa auf bundesdeutschem Boden gelegt.

US- Präsident Jimmy Carter hat diese Problematik mit Blick auf sein eher, zunächst erfrischend, unorthodoxes Verständnis der weltweiten Sicherheitsarchtektur, ostentativ ignoriert und Bundeskanzler Helmut Schmidt, intern, einen unverbesserlichen Kalten Krieger geschimpft.

Helmut Schmidt blieb unzweideutig bei seiner Forderung, die Raketenlücke zu schließen. Das Ergebnis war die etwa gleichzeitge Stationierung der SS 20/SS 22 in der DDR und der Pershing Raketen, Cruisse Missles in der Bundesrepublik Deutschland im Rahmen des so genannten NATO- Doppelsbeschlusses von 1982/83 mit dem Junktim folgender Verhandlungen für die Abrüstung.


Dass dabei Helmut Schmidt die Verhandlungen im Vorwege der Stationierung der Waffensysteme, um diese zu verhindern, mehr am Herzen lagen als die Schließung der Raketenlücke, ist ein hartleibiges Gerücht, das bis heute aus der Mitte der SPD gestreut wird, das aber einer wirklichen Prüfung der Unzweideutigkeit Helmut Schmidts nicht standhält.

Der legendäre Begriff "Schmidtschnauze" für das Im Stakkatotempo daherkommende Redetalent Helmut Schmidt wurde übrigens nicht von Anhängern, sondern von politischen Gegnern Helmut Schmidts als Kampfbegriff erfunden und erlebte erst sehr viel später seine liebenswert gemeinte Umdeutung.

Wie der innere Kompass Hlmut Schmidts gepoolt war und ist, lässt sich recht gut an seiner argumentativ austarierten Positionierung in der sogenannten "Guilaume Affäe" 1974 ermessen-

Helmut Schmidt Orginalton im Jahr 2008 in der ARD- Sendung "Beckmann":

"Da habe ich auf hässlichste Weise Willy Brandt ungehobelt schriff angebrüllt, wg. so einer schäbigen "Guilaume Affäre" gibt man doch nicht das Kanzleramt auf"

Das bedeutete im Koordinatensystem Helmut Schmidts mental aber nicht, wie die unbefangene Zuschauer denken mochte, dass er im Mai 1974 gegen den Rücktritt von Willy Brandt "Willy Kanzler" als Kanzler argumentierte, sondern Helmut Schmidt verlangte intern eine andere Begründung für den Rücktritt, verlangte das öffentliche "Eingeständnis" Willy Brandts, dass er innenpolitisch, wirtschaftspolitisch in der Ölpreiskrise 1973 gescheitert ist, um so den Übergang des Kanzleramtes in die Verantwortung von Helmut Schmidt argumentativ als Berufung des "Weltökonomen" zu fordern und zu fördern. Diese Liebe mochte ihm Willy Brandt nicht tun.

Der Zukunft zugewandt, fordert Helmut Schmidt aktuell in DER ZEIT, deren Mitherausgeber er ist, dass Deutschland seine Waffenlieferungen ins Ausland, insbondere in Krisengebiete zurückzuführen habe.

Helmut Schmidt möchte seit seinem 90-zigsten Lebensjahr aus der Welt geräumt wissen, dass er als über 90-zigjähriger für breit und fähig gehalten werde, noch einmal für eines der höchsten Ämter im Lande in die Arena zu steigen würde. Dafür sei er nun wirklich zu schwach, nicht mehr in der Lage und im übrigen auch nicht willens, er habe seine Pflicht und Schuldigkeit Deutschland gegenüber getan, jetz sind andere, sind jüngere dran-

Am 23. Dezember 2013 wird Helmut Schmidt 95.
JP

https://www.freitag.de/autoren/michael-jaeger/der-ewiggestrige
Helmut Schmidt, Visonär, SPD- Herausgeber
Michael Jäger
23.12.2012 | 09:00 66
Der Ewiggestrige

https://www.freitag.de/autoren/joachim-petrick/leichen-im-keller-der-fuhrungsakademie-201ehelmut-schmidt201C
Joachim Petrick
12.10.2011 | 03:00 5
Leichen im Keller der Führungsakademie „Helmut Schmidt

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/zeitzeugen/1493886/
30.06.2011
Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt

20:36 10.11.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Joachim Petrick

Aktuelles: Meine sichere Route- Refugee-Airlift - Petition "Luftbrücke für Flüchtlinge in Not" an die MdBs des Bundestages erhofft Debatte
Joachim Petrick

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