Her mit den Ein- und Auswandererstädten!

Ballin Stadt In der Geschichte gibt es Beispiele für solche Städte, die damals vor allem "Auswandererstädte" waren und in der Regie von privaten Unternehmen errichtet wurden.
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Über 60 Millionen Menschen auf der Flucht inner- und außerhalb ihrer Heimatländer, bedingt durch Arbeitslosigkeit, Armut, Elend, Not, früher Tod, anwachsende Kindersterblichkeit, Wirtschaftskrisen, Kriege, Stammes- und Clanfehden, Korruption in Unternehmen, Administrationen, Parteien, organisiertes Regierungsverbrechen, erzwingen das Menschenrecht einer Option auf Niederlassung, Neu- Ansiedlung, erfordern einen neues Verständnis des Status subsidärer Staatsbürgerschaft für Kriesgflüchltinge, Asylsuchende, Ein- und Auswanderer.

Können da, angesichts dieses Hintergrunds asymmetrischer Weltwirtschaftsverhältnisse der Länder untereinander, Überlegungen über Transitzonen, Einreise- Registrierungszentren, Errichtung von Zäunen an den Außengrenzen überhaupt Instrumente richtiger Wahl der Mittel auf der Höhe der Entwicklung sein?

Wirken da goldene Worte wie das von Bundeskanzlerin Angela Merkel

"Wir schaffen das"

nicht zu kurz gegriffen, klingen diese, wenn auch gut gemeint, nicht zu sehr nach Bordmitteln, wo es doch um den großen Entwurf geht, der die weltwirtschaftliche Dimension gegenwärtiger Krisen- , Kriegsherde als treibende Kraft für Ströme von Kriegsflüchtlingen schlussfolgernd mit einbezieht?

Jetzt geplante Rückführungsverträge der EU mit Ländern in Afrika, Kaukasus, der Türkei bergen im vollen Schengen- Schwange der Gefahren von Drehtüreffekten auf Verschebebahnhöfen, die Gefahr schleichender Einführung einer Apartheid durch die Hintertür über Rückführungsgeschäftsmodelle für Refugees, für Asylsuchende als Verhandlungsprekariat im Herkunftsland, wie im Aufnahmeland.

Brauchen wir nicht vielmehr unter der Schirmherrschaft der UNO weltweit Aus- und Einwanderstädte mit dem Status von Sonderwirtschaftszonen?, dazu subsidär, mit vollen Bürgerrechten ausgestattet, eigener "Staatsbürgerschaft" für Flüchtling, Ein- und Auswanderer?

Warum heißt es immer, Flüchtlinge wollen in unsere Sozialsysteme einreisen?

Warum sind da unsere Sozialsysteme für Arme, Alten, Jungen, Hilfeabhängige, Familien, Alleinerziehende für Flüchtlinge überhaupt zuständig und nicht ein entsprechender Ein- , Auswanderer- und Flüchtlingsfond der deutschen, der europäischen Wirtschaft, die ursächlich für das Ansteigen der Armut, die Flüchtlingsströme in aller Welt durch asymmetrisch verhandelte Wirtschaftsverhältnisse anderen Weltregionen gegenüber mit verantwortlich sind?

In der jüngeren Geschichte der Weltwirtschaft gibt es Beispiele für solche Städte, die damals vor allem "Auswandererstädte" waren und in der Regie von privaten Unternehmen errichtet wurden.

Zwischen 1850 und 1939 galt Hamburg als das „Tor zur Welt“ für über fünf Millionen europäische Auswanderer, die auf der Flucht vor politischer, religiöser Verfolgung, aus Arbeitslosigkeit, Not. Elend, früher Tod waren, die einem Leben in Armut und Hunger zu entgehen suchten.und über Hamburg die „Alte Welt“ meist in Richtung Nordamerika verließen.

1901 ließ Albert Ballin, Generaldirektor der Hamburg-Amerikanische-Packetfahrt-Actien-Gesellschaft (HAPAG), auf der Veddel mit hoher Zustimmung des Hamburger Senats errichten, dem die angeblich überall in Hamburg lagernden, herumlungernden Auswanderer als Tagelöhner ein anschwellendes Ärgernis waren, Massenquartiere für Abertausende von Auswanderern aus ganz Europa errichten, die Woche um Woche in der Stadt ankamen.

Die Veddel ist eine der Hamburger Elbinseln, nahe des vom Reichskanzler Otto von Bismarcks der Freien und Hansestadt Hamburg gewährten Freihafens als zollfreier Sonderwirtschaftszone, um den weltweiten Handel und Wandel im Namen der Deutschen Reichsgründung 1871 sichtbar zu fördern.

Dafür überschrieb Hamburg Bismarck als Dankeschöne den Sachsenwald zum Eigentum und errichtete, ganz unhanseatisch, ihm zum ewigen Gedenken eine monumentale Statue in Ausgestaltung eines wehrhaften Rolands in Harnisch mit Schwert, den stählernen Blick wachsam dem Unterlauf der Elbe zugewandt.

Ballin (1857–1918) hatte in Nachfolge seines Vaters eine Agentur für Auswanderer übernommen. Sein Geschäftsmodell war, Auswanderer auf Frachtschiffen der Carr-Linie über England nach Amerika zu befördern.

1886 wurde Albert Ballin für dieses florierende Geschäft von der HAPAG als Leiter der Passageabteilung eingestellt und mit der Verantwortung für das Auswanderungsgeschäft betraut. Die Tatsache, dass Hamburg Deutschlands führender Auswanderungshafen wurde, ist vor allem Ballins Ausbau eines Netzes von Auswanderungsagenten und -niederlassungen zu verdanken, die sich auf Auswanderer aus Ost- und Südosteuropa spezialisiert hatten. 1891 verließen erstmals mehr Auswanderer Deutschland über Hamburg als über Bremen.

Auswandererbaracken am Amerikakai im Hamburger Freihafen

Damals wie heute gab es weltweit praktizierte Asylaufenthaltsrichtlinien, die Schiffseignern, damals u. a. der HAPAG, heute Airlines, die Ein- bzw. Auswanderer transportieren, deren Einreise in die USA abgelehnt wurde, die Kosten für deren Rücktransport, zwischenzeitliche Unterkunft, Verprflegung aufbürden.

Deshalb bot damals die HAPAG an, in Hamburg Unterkünfte einzurichten, um die Auswanderer vor ihrer Abfahrt auf "Herz & Nieren" zu überprüfen und sie 14 Tage in Quarantäne zu legen, weil es in jenen hahren noch nicht um Recht auf Asyl, Status von kriegesflüchltingen, sondern allein um die Frage ging, ob die Auswanderer als Einwanderer in Nordamerika gesund und arbeitsfähig waren.

Die „Auswandererbaracken“ am Amerikakai des Hamburger Hafens wurden am 20. Juli 1892 eröffnet, und rund 1400 Leute fanden hier in erbärmlich zu nennenden Quariteren Unterkunft. Alle ankommenden Auswanderer, deren Finanzen nur für eine Schiffspassage im Zwischendeck für Arme reichte, mussten in den Elendsunterkünften hausen. Anderen, die finanziell besser gestellt waren war es erlaubt, wie zuvor in der Stadt Hamburg Quartier bei Verwandten oder in Hotels zu nehmen.

1898 fordert Hamburg den Grund und Boden, auf dem die Auswandererbaracken standen, zur Hafenerweiterung ein und bot als Ausweichstandort die Veddel an.

1901 eröffnete die HAPAG dort die „Auswandererhallen“. Durch diese speziell gebauten Baracken, mit eigenem Eisenbahnanschluss, konnte die "Welle der Emigranten", mehrheitlich aus osteuropäischen Ländern, Kleinstaaten des Balkans, ganz im Sinne der Stadt Hamburg um diese herum geleitet werden.

"Die neue Auswandererstadt bot in 15 Gebäuden Platz für 1200 Personen. Es gab fünf Schlaf- und Wohnpavillions, zwei bequemere Unterkünfte („Hotel Nord“ und „Hotel Süd“), eine große Speisehalle, Wasch- und Sanitäreinrichtungen in jedem Schlafpavillion, eine Synagoge und eine Kirche für die beiden christlichen Konfessionen sowie ein Verwaltungsgebäude. Darüber hinaus gab es einen Musikpavillion, in dem Konzerte stattfanden, ein Lazarett, Gepäckschuppen und einen Stall. 1905 wurden in der Nähe weitere acht Baracken errichtet. (Quelle https://de.wikipedia.org/wiki/BallinStadt )

Anfang des 20. Jahrhunderts schwoll der Strom der Auswanderer über Hamburg dermaßen stark an, dass die Auswandererstadt 1906/07 durch zusätzliche 18 Unterkünfte, einen Block mit getrennten Küchen und Speiseräumen für Juden und Christen sowie ein großes Empfangsgebäude erweitert wurden.

Auf dem Höhepunkt dieser Entwicklung, die weltwirtschaftlich bereits seismografisch von großen Konflikten kündete, bestanden die Auswandererhallen aus 30 Gebäuden auf 12,4 Morgen Land.

"1913 wurde die Höchstmarke von über 170 000 Emigranten erreicht. Hamburg war Deutschlands größter Auswanderungshafen geworden. Zwischen 1891 und 1914 verließen fast 1,9 Millionen Menschen Europa über den Hafen an der Elbe – die überwiegende Mehrheit in die USA, das Hauptziel europäischer Auswanderer der Jahrhundertwende." (Quelle https://de.wikipedia.org/wiki/BallinStadt )
JP

https://www.freitag.de/autoren/joachim-petrick/mandat-weltweiter-fluechtlinge-an-uns-alle
JOACHIM PETRICK 27.08.2015 | 21:00
"Mandat weltweiter Flüchtlinge!"
UNO- Mandat für Frieden Worin besteht das UNO- Mandat von 60 Millionen Flüchtlinge inner- und außerhalb ihrer Heimatländer, das diese der Internationalen Politik erteilen? Aus 7 Buchstaben FRIEDEN

16:51 13.11.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Joachim Petrick

Aktuelles: Meine sichere Route- Refugee-Airlift - Petition "Luftbrücke für Flüchtlinge in Not" an die MdBs des Bundestages erhofft Debatte
Joachim Petrick

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