IGeL-Ökonomie vs Freihandel

Robert Misik fragt, Wachstum generieren geht das, angesichts der Globalisierung nationaler Wirtschaft?, ist das ein Etikettenschwindel, indem Armut zum Wachstumsmotor mutiert?
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Das Ende des Wachstums verkündete 1972 der Club of Rome, im Gefolge mit der Entkoppelung des US- Dollar Goldkernstandards ( 1 Unze = 35 US-Dollar ) als Weltleitwährung 1973.

Was war passiert?

Damals wie heute sieht sich die US-Wirtschaft mit einem Leistungshandelsbilanzdefizit von gegenwärtig 400 Milliarden $ - allein Deutschland gegenüber 70 Milliarden $/Mexico 75 Milliarden $, China 300 Milliarden $ - bei einer Staatsverschuldung von nahezu 20 Billionen $ konfrontiert.

Frankreich hatte bereits 1966 zu Zeiten De Gaulles, angesichts zu erwartend monetärer Belastungen der USA im Vietnamkrieg, seine Goldreserven, trotz Kaltem Krieg, aus Fort Knox in den USA zurückgeholt. Bis 1973 begannen viele Länder und Unternehmen ihre Investitionen in den USA dramatisch herunterzufahren.

2017 befindet sich die Weltwirtschaft einmal mehr nach Nine Eleven2001 im Wartestand einer Nachkriegswirtschaft,

- 1948 nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945, 1953 Ende Koreakrieges, 1973 absehbares Ende des Vietnamkrieges -

mit der Aussicht im Nahen, Mittleren Osten, im Kaukasus auf eine Nachkriegskonjunktur in einem Wirtschaftsraum von über 600 Millionen Verbrauchern_innen, nicht gerechnet prosperierende Emercing Markets in Afrika, Asien.

US-Präsident Richard Nixon hat 1973 mit seiner währungspolitischen Entscheidung den US-Dollar vom Goldkernstandard zu entkoppeln, an der Preisentwicklung in der Carbonindustrie (Petro-Dollar statt Golddollar), voran Gas und Öl, zu orientieren, versucht, die Kosten des Vietnamkrieges, einhergehend mit der hohen Staatsverschuldung in den USA zu globalisieren, indem weltweit die Kaufkraft durch Ankurbeln der Notenpresse mit der Folge eines signifikant gesunkenen US-Dollar- Kurses, einer global befeuerten Inflation an den Rohstoff- , Verbraucher- , Kredit- , Aktien- und Anleihemärkten abgesenkt, die Staatsschulden der USA binnen Jahren von unsichtbarer Hand wie Butter in der Sonne weggeschmolzen sind.

Gleichzeitig galt in den USA zu Richard Nixons Zeit weiter der Einkommenssteuerspitzensatz von an die 90 % aus Zeiten der Devisenbewirtschaftung und Verkündigung des New Deals US-Präsident Franklin D. Rooselvelts 1933 als Roßkur und Gegengift zur weltweit ökonomischen Depression seit dem Börsencrash 1929 an Wall Street.

Das ist seit der Ronald Reagan, Bill Clinton, George W. Bush, Barack Obama Ära in den USA heute anders, angesichts deregulierter Weltdevisen- , Rohstoff- und Finanzmärkte. Der Einkommenssteuerspitzensatz für die Reichen in den USA ist historisch so niedrig wie nie zuvor

Richard Nixon konnte damals selbstherrlich die Notenpresse zum Glühen bringen, ohne Sanktionen anderer Länder befürchten zu müssen, weil es, anders als heute in deregulierten Rohstoff- , Währungs- und Finanzmärkten, 1973, außer dem Schweizer Franken, britischem Sterling Pfund, keine anderen frei flotierenden Währungen mit Eigengewicht gab, wie heute den Euro, Yen, RMBi, Rubel u. u...

Allein das scheint der Grund zu sein, warum Donald Trump unverhohlen das kommende Ende der Eurozone herbei zu twittern sucht, er möchte wenigsten halbwegs ungestört wie 1973, die Notenpresse anschmeißen, nachdem spätestens zu Zeiten des FED Chefs Ben Bernanke (2006- 2014) die USA mit ihrem Helikopter Geld aufgehört haben, über ihre US-Dollar Geldmengenpolitik öffentlich nachvollziehbar Rechenschaft abzulegen und diese zu dokumentieren

Donald Trump spricht vielleicht deshalb nicht von währungspolitischen Maßnahmen der USA, gerade weil er China, Deutschland Währungsmanipulatinen vorhält, ohne Klage bei der WTO zu führen, angesichts von Unwuchten in der Weltwirtschaft, denn über dieses manipulative Instrumetarium verfügt er heute nicht mehr so wie Richard Nixon 1973, sondern er spricht über Zollschranken, Protektionismus"Make America great again" , um angeblich eine Re-Industrialisierung der USA, wie im Wahlkampf 2016 versprochen, über Wachstum einzuleiten.

Dabei will Trump aber das Gleiche wie Nixon 1973 erreichen, den Wert des US- Dollars schwer kalkullierbar volatil Richtung Süden unter Druck halten, um die Staatsschulden der USA zu Lasten der Gläubigerstaaten beschleunigt abzubauen.

Flankieren will Trump das durch binationale- statt transnationale Verträge, sozusagen in Umkehrung des IGeL- Prinzips im Gesundheitswesen, wo Ärzte, neben bezahlten Pflichtleistungen gesetzlicher und privater Krankenkassen, Dienste gegen Cash mit ihren Patienten frei aushandeln dürfen, indem Donald Trump auf vereinbarten Sonderleistungen der Vertragspartner mit Progressionsklausel gegenüber den USA auf Regierungsebene besteht, deren weltwirtschaftliche Wirkung mindestens so sehr im Dunkeln bleibt, wie die dadurch befeuert politische wie materiell straflose Korruption mit der Weltschattenwirtschaft von Oligarchen, MIlliardären, Warlords als hermetisch verschlossener Echokammer?

Geht es also gar nicht um wackelige Füsse des Freihandels, wie Robert Misik in seinem Freitag Beitrag nahelegt, sondern um die Unmöglichkeit unter den heutigen Bedingungen regionalen und globalen Wirtschaftens nachhaltig Wachstum zu generieren, außer zu Lasten Dritter durch die Aktivierung allgemeiner Armut, wachsender Schichten "Working Poor" People, die sich in undifferenzierten Parametern des BIP der Länder, unbesehen, als Wachstum niederschlägt?

Denn gelten nicht auch Staatsschulden, Schulden von Privathaushalten,Unternehmen, angetrieben von einer privatiserten Verarnungs- , Enteignungs- gewandet als Anlernindustrie für "Working Poor" prekäre Arbeitsplätze, in denen hierarchisch gestaffelt Höchsteinkommen generiert werden, dem BIP als Wachstum?

JP

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/auf-wackeligen-fuessen
ROBERT MISIK AUSGABE 0617 | 08.03.2017 | 06:00
Auf wackeligen Füßen
Freihandel Donald Trump droht mit Strafzöllen und Handelskriegen. Das ist falsch. Aber Deglobalisierung wird auch unter progressiven Ökonomen diskutiert

https://de.wikipedia.org/wiki/Individuelle_Gesundheitsleistung
Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL)

https://www.freitag.de/autoren/joachim-petrick/ttip-reform-des-weltwaehrungssystems
JOACHIM PETRICK 14.05.2014 | 15:43 6
TTIP, Reform des Weltwährungssystems?

22:24 08.03.2017
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Joachim Petrick

Aktuelles: Meine sichere Route- Refugee-Airlift - Petition "Luftbrücke für Flüchtlinge in Not" an die MdBs des Bundestages erhofft Debatte
Joachim Petrick

Kommentare 3