Ist „ehemalige“ DDR als Fussnote mehr als real- existierende DDR?

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Ist „ehemalige“ DDR als historische Fussnote mehr als "real- existierende" DDR?

Eine Replik auf den Historiker Hans-Ulrich Wehler mit seiner mokant provokanten These von der DDR als "Fußnote der Weltgeschichte"

Ich biete Ihnen hiermit. Lieber Leser/inn eine Einladung zu einer Sightseeing- Tour in eine mokant markante Unschärfe unserer jüngeren deutschen Geschichte.
Dabei steckt hinter dem Begriff „ehemalige DDR“ eine gewaltige Pharaonen Pyramide an versammeltem juristischem Scharfsinn.

Anders als eine untergegangene DDR, der man noch eine Flaschenpost in der Müritz hinterher schicken kann, ist eine ehemalige DDR adressenlos abgewickelt, aus dem Grundbuchregister der Rechtskultur- , Politikgeschichte getilgt, als Adressat für Forderungen auf Entschädigungen nicht mehr erreichbar. Statt Klagewegen, die eine vormalige DDR erlauben würde, läßt eine ehemalige DDR nur klaglose Schmerzensbahnen zu. Darin liegt schlicht & ergreifend der untiefe Sinn des Begriffs „ehemalige DDR“, uns alle in eine juristisch wie historische Unschärfe im Deutenden Denken & Handeln zu verführen. Ist doch der Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland nach Art 23 GG am 03.Oktober 1990 bis heute historisch, landauf, landab, in einer unheiligen Allianz der „Seligen“ so abgehandelt worden, als sei dies die historische Amnestie für die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland seit 1949? Dabei waren humoristisch acharf betrachtet die DDR wie die Bundesrepublik Deutschland in der gefühlten Not ohne Mut zu abgrundtiefem Hoch- und Landesverrat 1949 gar nicht gründbar. Insofern gilt der Begriff“ehemalige DDR“ womöglich nur als Blaupause für ganz andere Staaten, wie kurzdarauf die UdSSR, demnächst unsere Bundesrepublik, um sich bei günstiger Gelegenheit im Wege einer aufgespürten Wetlkrise adressenlos vor Gläubigern, Geschädigten aus dem Staube zu machen, wie die DDR mit Beschluss der ersten frei gewählten Volkskammer 1990!? Was mich besonders fragwürdig neben dem Begriff „ehemalige DDR“ berührt ist der Begriff „ehemaliger/e DDR- Bürgerrechter/in soundso, oder ehemaliges RAF- Mitglied Christian Klar, ehemaliger Terrorist/in?

Den Begriff ehemaliger Alkoholiker/in hat die Welt dagegen noch nie gesehen? Da ist die Rede davon“Einmal Alkoholiker immer Alkoholiker, wenn auch trocken!“ Lebt die DDR also ewig im ungedeelten Deutschland fort, so gut in Bayern wie im Saarland, NRW, Hamburg, nur eben trockengelegt und schon gar nicht „praecox“ Schalck- Golodkoswski Devisenerguss vom Stapel zu Wasser gelassen, im vorauseilenden historischem Ungehorsam der Volkskammer untergegangen?

Ich erhalte bei der Lektüre der Auszüge eines Brieftextes von Thomas Mann vom 27. August 1949 an Paul Olberg in Stockholm gerichtet, eine Ahnung, auf welcher immer noch glühenden Lava des nazistischen Vulkan- Ausbruchs in Deutschland, Europa damals auf sprachlichen Stelzen, hierhin, dahin tappend, in artifiziell hoher Kunst der Gunst unerwarteter Gedankensprünge und Wendungen stolz thomasiert mannhaft stolziert ward oder nicht.
Auwiah!

Wir bzw ich stolziere mal unbefangen weiter und zwar wie folgt:

Es ist immer noch bei vielen Versuchen der Betrachtung und Bewertung der Bedeutung der DDR Historie der historisch ausgesprochen wie unausgesprochen fadenscheinig begründete Vorwurf aus Weimarer Republik System- Zeiten im Raum:
“Wenn die KPD 1932/33 die Macht erhalten hätte, wie die Nazis, sei es durch einen kohabitierenden Reichskanzler General Kurt von Schleicher, hätte die KPD ebenfalls ein leninistisch- stalinistisches Terror- , Umerziehungs- , Vernichtungsprogramm gefahren wie die Nazi- Banden.
Dann wäre es weniger um Rassen- sondern mehr um vernichtenden Klassenkampf gegangen.

Auch wenn die exilierten KPD- Gremien im Moskauer Hotel Luxor ihre Genossen/genossen nicht nur widerstandslos sondern wg. Fraktionierung aktiv an die Mörder des KGB ausgeliefert, so gibt die Geschichte eine andere Mär, fern von Möglichkeiten und Tedenzen deutscher Kommunisten/inen, den Nazis deren singulären Rang als kriegstreibende Raub- und Mörder- Horden abzujagen.

Das mediale Hintergrundrauschen dieses Vorwurf taugt aber trotzdem immer noch, wie im vorliegenden Fall des Historikers Hans-Ulrich Wehler mit seiner mokant provokanten These von der DDR als "Fußnote der Weltgeschichte", um eine alte „Blaupause“ der historischen Betrachtung, weg von den scharfen Umrissen der Lebensläufe, -entwürfe der Menschen hin zu der milchglasartigen Unschärfe allgemeiner bei Fuss nötigender Erörterungen mauerbauend zu nähren.

Den 68ern geht es da im Auge historischer Betrachter/innen global wie den ehemaligen DDR- Bürgern/innen, wenn das „ehemalig“ bei soviel Unterlassungen der historischen Betrachtungsweise überhaupt je gelingen mag.

Die Vergleiche des NS- Regimes und der DDR sind glaube ich unselige Stellvertreter Vergleiche aus einer Weimarer Republik Perspektive, damit die wirklichen Vergleiche von Totalitarismus hitlerischer, maoistischer wie stalinister Prägung verblassen.
Niemand soll die DDR, trotz und wg, stalinistischer Willkür in der Sowjetzone, als im Anfang erstaunlich gelungenes, später scheiterndes, sozialistisches Experiment auf deutschem Boden kommunizieren können, geschweige wollen können.

JP

siehe dazu Freitags Blog Beitrag:

www.freitag.de/community/blogs/magda/anders-vergleichen Magda

Anders vergleichen

ddrbrdvergleichnutzenstasi

17:35 04.09.2009
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Joachim Petrick

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Joachim Petrick

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