Joachim Petrick
10.01.2013 | 03:57 135

Jakob Augstein stoppt SPIEGEL Waschanlage

Broder vs Augstein SPIEGEL- Redakteure beißen sich an Jakob Augstein Zähne aus. Präsident des Zentralrat der Juden, Dieter Graumann schaut, konsterniert, einsilbig wiederkäuend, zu.

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Joachim Petrick

SPIEGEL- Redakteure beißen sich an Jakob Augstein die Amalgam- Füllungen ihrer Zähne aus
Präsident des Zentralrat der Juden in Deutschland, Dieter Graumann schaut, konsterniert bissfreudig, einsilbig wiederkäuend, entgeistert zu.

Vor Tagen noch, nahm sich Jakob Augstein den SPD- Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück in einem respektlosen Freitag Artikel mit dem Titel "trotzig wie ein Kind"" zur Brust, jetzt im SPIEGEL- Gespräch der aktuellen Wochenausgabe (3- 122- 2013) mit dem gewählten Präsidenten des Zentralrat der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, und den Spiegel- Reakteuren, Susanne Beyer, Erich Follath, wird Jakob Augstein auf offener Szene im Kreuzverhör, wie ein "Trotzkopf", vorgeführt.

Aber die SPIEGEL- Redakteure beißen dabei, trotz wiederholter Versuche, mit ihren bissigen Fragen, scnnappatmend, ins Leere.

DER SPIEGEL:
"Nach der Debatte um die Paulskirchenrede Ihres leiblichen Vaters, Martin Walser, im Jahre 1997 und die Reaktion darauf, wird er von vielen für immer als Antisemit eingeschätzt werden. Warum sind Sie danicht vorsichiger? Was ist da Ihr Antrieb? Darum fällt genetisch bedingter Antisemitismus aus."

Jakob Augstein; "Walser ist kein Antisemit.

DER SPIEGEL:
"Es ist nur die Frage, warum Sie aus der Beobachtung nicht den Schluss gezogen haben, jüdischen Fragen mit mehr Fingerspitzengefühl zu begegnen?"

Der "Stier" Jakob Augstein rührt sich, im SPIEGEL Kreuzverhör an den Hörnern gepackt nicht einen Deut von der Stelle und antwortet, noch nicht einmal auf Krawall gebürstet, einfach:

"Ich habe eine andere Auffassung vom Journalismus"

Jakob Augstein will Unrecht Unrecht nennen,egal von welchem Staat, in wessen Namen Unrecht begangen wird.

Dieter Graumann kann der Versuchung nicht widerstehen, Jakob Augstein mit dem Lassso der "Psycho- Schiene" einfangen zu wollen, als ginge es ihm, übergriffig, darum, irgendwelche "Vaterwunden" bei Jakob Augstein aufzudecken?:

"Im Zusammenhang mit Ihren Formulierungen drängen sich in der Tat Fragen auf. Warum ist das so? Gibt es da etwas, was in Ihrem Inneren verborgen ist?"
(Jakob Augsteins leiblicher Vater ist Martin Walser, Jahrgang 1927, dessen sozialer Vater war Rudolf Augstein (1923- 2002))

SPIEGEL: "Sie meinen, Jakob Augstein muss auf die Couch?"

Wie sich Jakob Augstein diesen Lasso Würfen erfolgreich entzieht, ist im aktuellen SPIEGEL 3- 122- 2013 zu lesen.

Angemerkt sei, dass Jakob Augstein selbst im familären Umfeld schon Versuche, ihn einzuhegen, urteilskräftig, ausgebremst hat.

So erfuhr Jakob Augstein erst nach dem Tod von Rudolf Augstein im Jahre 2002 auf seine Nachfrage von seiner Mutter, geborene Maria Carlsson, die u. a. das Werk John Updikes ins Deutsche übersetzt hat, dass sein leiblicher Vater Martin Walser ist,

Jakob Augsteins Entschluss im Jahre 2009 diese familiären Zusammnehänge öffentlich bekannt zu geben, löste im Vorfeld Versuche seiner Mutter aus, ihn davon abzuhalten, die möglicherweise heillosen Folgen dieser Bekantgabe für hn selber und als Vater dreier Kinder, seines Berufs als Journalist und Verleger zu bedenken.

Da stellt sich schon die Frage, ob im Doppelfamilienhaus Augstein- Walser, Väter und Mütter nicht mehr "Allesgötter/innen" gespielt haben denn ihrer Pflicht als wahrhaftige Eltern nachgekommen sind?, wenn ja, steckt darin nicht, bei allem angeblich guten Willen zur Verschwiegenheit, ein gerüttelt Maß an Unrecht?

Nun lag damals in jenen sechziger Jahren komplizenhaft kühne Verschwiegenheit als gute Sache gegen den bundesrepublikanischen Staat, gegen den dreckigen USA- Vietnamkrieg bei wachen Geistern, u. a. Rudolf Augstein, Martin Walser, nebst Gattinnen, als Duft der revolutionären Welt in der Rothändel Rauch geschwängerten Luft, ohne selber, als subversive Rebellen kenntlich gemacht, in Erscheinung zu treten.

So förderten etliche Großverleger in der Pressestadt Hamburg, darunter Gerd Bucerius von DER ZEIT, Henri Nannen vom Stern, Rudolf Augstein DER SPIEGEL u. a. über den Jung- Journalisten Manfred Bissinger, die Studentenbewegung, die Spaßguerilla, SDS, Rudi Dutschke, die Anti- Notstandsgesetzebewegung, die APO, den Repubikanischen Club in der Fasanenstraße in Westberlin, den Anti- Vietnamkrieg Kongress in der TU- Westberlin, konspirativ verdeckt, unter der Hand, ohne dass das jemals öffentlich bekannt, geschweige denn steuermindernd wirksam, werden sollte.

Irgendwie hat sich da bei Jakob Augstein, gewollt wie ungewollt, familienbedingt, im Ringen um Wahrhaftigkeit, Benennen von Unrecht, möglicherweise eine nachgeborene Seelenverwandtschaft mit autonomen Teilen der 68er unter folgendem Credo ausgebildet?:

"Alles was Recht und Gutes an meinen Vätern, Müttern war und ist, so will ich doch wahrhaftig anders, weniger "geheimnisumwoben, "göttlich" verschworen" in meinem Leben unterwegs sein!"

Im Laufe des SPIEGEL- Gesprächs wird mir, Frage um Frage, Antwort um Antwort, immer klarer, worum es wirklich geht.

Es geht gar nicht um tatsächliche Antisemitismus Vorwürfe, sondern um den gemeinschaftlichen Versuch der Spiegel- Redakteure, Susanne Beyer, Erich Follath und Dieter Graumann, den Journalisten Jakob Augstein auf eine bestimmte embeded Linie deutsch erprobten Journalismus einzuhegen.

Das zeigt sich für mich daran, dass Dieter Graumann im Gesprächsverlauf, u. a. dem SPD- Vorsitzenden, Sigmar Gabriel zubilligt, bei seinem Besuch in Israel im letzten Jahr von dortiger Apartheid zu sprechen, ohne als Antisemit zu gelten.

Der Grund, Jakob Augsteins Formulierungen z. T. als antisemitisch zu diffarmieren hat einen ganz anderen Grund, weil Jakob Augstein, anders als Sigmar Gabriel, in seinen bisherigen 5 SPIEGEL- S.P.O.N. Artikeln über Israel von 100 zwar ansatzweise die israelische Regierungspolitik unter Ministerpräsident Benjamins Netanjahu (Siedlungspolitik, Kriegspropaganda Richtung Iran) kritisiert, in der Hauptsache aber die Aussen- und Militärpolitik der schwarzgelben Bundesregierung in Sachen Israel, Naher Osten unter Beschuss nimmt, wenn es z. B. aktuell um, steuerlich subventionierte, Waffenssystem- Exporte (atomar bestückbare U- Boote) nach Israel geht.

Da muss Jakob Augstein irgendwo, unversehens, wie ein "Ladendieb", in irgendwelchen Waffenlobby Centern einen Lichtschranken Alarm ausgelöst haben, der dazu geführt hat, dass er nun mit dem extra, neurotisierend, geschärften "Messer" des Henryk M. Broder im Rücken im vielstimmigen Chorgebrüll gejagt wird:

"Haltet den "Dieb", er will mit unserem Messer im Rücken entkommen!"

Jakob Augstein hat, gelinde gesagt, die "Faxen dicke" von diesem neurotischen Journalismus hierzulande, der sich überall soweit einhegen läßt, dass das Unrecht, das im Namen Israels geschieht, nicht Unrecht genannt werden darf, Hinweise darauf, dass Israel immer noch nicht den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag anerkannt hat, vornehm zu unterbleiben haben.

Jakob Augstein will, n. m. E., frei von Rest- Neurosen, Artikel schreiben, wie Hannah Arendt in Ihrem Buch über die Urteilskraft schrieb "Denken ohne Geländer" .

Ein Hauch von Rest- Neurose umwehte Jakob Augstein dann aber doch noch, wenn er sagt:

"Ich bin bisher weder privat noch beruflich in Israel gewesen. Ich werde so wenig nach Tel Aviv hinreisen, mich da an den Strand legen, während, 10 km weiter, dieses Gefängnis Palästina unter israelischer Regie besteht, wie ich während des Apartheidregimes nach Südafrika gereist bin."

Jakob Augstein könnte ja, den Strand von Tel Avis, irgendwie links liegend, vermeiden, zu oppositionellen Politikerrn, Journalisten nach Israel reisen.

Erstaunlich für mich ist, dass Jakob Augstein, gar nicht "Im Zweifel links" in der unsäglichen Angelegenheit der heillosen Beschneidungspraxis hierzulande und in der Welt mit dem Präsidenten des Zentralsrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, übereinstimmt.

Henryk M. Broder läßt in Sachen Jakob Augstein weiter die Zunge seines "inneren Schweinehunds" , worthächelnd, heraushängen, Jakob Augstein hält dagegen.

Jakob Augstein gewährt einfach, als sänge er den Rock & Blues, wie Joe Cocker, locker vom Hocker, seinem "Inneren Walser" Freigang aus dem journalistisch blühenden Neurosenknast in Deutschland,

Fazit:

Jakob Augstein gelingt es den Automatismus der SPIEGEL- Waschanlage zu stoppen, trockenen Fusses, uneingeseift, so sauber wie zuvor, erhobenen Hauptes, seiner Sache gewiss, auszusteigen.
JP





https://www.freitag.de/autoren/joachim-petrick/hannah-arendts-holzweG
Joachim Petrick
17.12.2012 | 22:06 19
Hannah Arendts "Holzweg"

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (135)

Vaustein 14.01.2013 | 13:58

Das SPIEGEL-Gespräch mit den Herren Graumann und Augstein las ich 2x sehr gründlich. Sieger, wenn man denn in so einem Gespräch überhaupt von siegen reden mag, war eindeutig Jakob Augstein. Ziel von Herrn Graumann und wohl auch der SPIEGEL-Journalisten war es wohl, Jakob Augstein auf die journalistische Linie zu bringen, in der Israel und die Kritik an der israelischen Politik hierzulande üblicherweise gehandhabt wird.

Es ist Jakob Augstein hoch anzurechnen, dass er seiner Linie, über Israel und die dortige Politik und die handelnden Politiker, kritisch zu berichten, treu blieb.

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Ehemaliger Nutzer 14.01.2013 | 14:26

[DER SPIEGEL:
"Es ist nur die Frage, warum Sie aus der Beobachtung nicht den Schluss gezogen haben, jüdischen Fragen mit mehr Fingerspitzengefühl zu begegnen?"]

1. Geht es um jüdische Fragen, also um Fragen, die mit der jüdischen/mosaischen Religion zu tun haben oder geht es um Fragen, die die Politik (der Regierung) eines Landes betreffen?

2. Wenn im Zusammenhang mit Israel von Juden oder jüdisch gesprochen wird, wird m.E. vergessen, dass die meisten Juden nicht in Israel, sondern in den USA leben und ca. mind. 24% der Bevölkerung in Israel nicht jüdischen/mosaischen Glaubens sind.

3. Es ist immer wieder bezeichnend und verwunderlich, dass "mehr Fingerspitzengefühl" von denen gefordert wird, die GewaltTATEN BENENNEN und sich öffentlich dagegen aussprechen, NICHT aber von denen, die Gewalttaten BEGEHEN.

Man müsse bedenken, was jemand mit seinen Worten anrichte, wenn er die Politik Israels kritisiere und sie nationalsozialistisch nenne. Das könne Antisemitismus oder Judenhass begünstigen.

Die WORTE? Oder die TATEN?

Solle man gerade als israelischer Politiker, gerade wegen der Ereignisse in der Vergangenheit (gerade wegen der Shoa), nicht bedenken, wie man mit Menschen anderer Religiösität/ anderer Nationalität/ anderer Weltanschauung umgeht?

Haben Menschen, deren Vorfahren oder Kinder Opfer von Verbrechen geworden sind, unter dem (unbewiesenen Vorwand) Verbrechen vorzubeugen, das Recht selbst Verbrechen zu begehen oder Selbstjustiz zu üben?

["Im Zusammenhang mit Ihren Formulierungen drängen sich in der Tat Fragen auf. Warum ist das so? Gibt es da etwas, was in Ihrem Inneren verborgen ist?"]

Apropos Fingerspitzengefühl.

Manche nennen das im Inneren Verborgene "Gewissen", andere bezeichnen es als das "Göttliche im Menschen" oder "das innere Auge, das die Wahrheit erkennt und selbst Wahrheit ist" (z.B. ein berühmter jüd. PHILOsoph).

seriousguy47 14.01.2013 | 16:07

seriousguy47 12.01.2013 | 23:07

Die Kritik an der Neutralitätsforderung hat was. Bringt mich zumindest ins Grübeln. Es scheint in der Tat eher eine Forderung an den Abweichler Augstein zu sein, sich wieder/ endlich dem pro-israelischen Mainstream einzuordnen. Denn den sehe ich eigentlich hierzulande. Und Augstein sticht vielleicht gerade deshalb so ins Auge, weil er dagegen anlökt. Und er scheint mir schon auch sehr alarmistisch zu schreiben, und auch einseitig auf Israel fixiert (?). Aber vielleicht braucht es ja gerade sowas hierzulande....

Andererseits muss man auch sehen, dass Israel weltweit/ in der UNO ja auch ziemlich isoliert ist (?) und umso mehr darauf bedacht sein muss, dass die westlichen Industriestaaten bei der Stange bleiben. Das macht dann schon auch etwas nervös.

Kommt bei uns noch die Verpflichtung aus der Vergangenheit dazu. Das alles kann aber in der Tat nicht heißen, dass (Meinungs-)Journalisten neutral zu sein hätten. Die Medien insgesamt sollten einigermaßen ausgewogen berichten."

Ergänzend hierzu aus anderem Zusammenhang Peter Grohmann unter dem ebenfalls passenden Titel Das Irren oder die?“:

"... dass diese Furcht zu irren schon der Irrtum selbst ist": welche Weisheit leuchtet doch aus diesem Zitat des Meisters, das in verheißungsvollem Blau am Stuttgarter Hauptbahnhof prangt und eine neue Zeit einzuläuten scheint. In der Einleitung zur "Phänomenologie des Geistes" meint unser Stuttgarter G. W. F. Hegel, dass es weniger die Furcht vor dem Irrtum als die Furcht vor der Wahrheit ist, die die Absolutisten ins ewige Beharren und so in die Verderbnis treibt...."

Vermutlich wieder so ein Kommentar von mir, bei dem sich die wohlig eingefahrenen Lager der FC kopfschüttelnd von diesem Deppen abwenden werden. Der Depp sch... drauf und denkt weiter quer...;)

Joachim Petrick 14.01.2013 | 16:25

"Es ist Jakob Augstein hoch anzurechnen, dass er seiner Linie, über Israel und die dortige Politik und die handelnden Politiker, kritisch zu berichten, treu blieb. "

So begüßenswert ich diese Einschätzung finde, vernachlässigt sie doch im Tenor, dass Jakob Augstein insbesondere die SPD als stärkster Oppositonspartei in ihrer schwächelnden Kritik gegenüber der schwarzgelben Regeirungspolitik Richtung Naher Osten, Israel, Palästina, und anderen Weltkrisenregionen

Joachim Petrick 14.01.2013 | 16:33


"Es scheint in der Tat eher eine Forderung an den Abweichler Augstein zu sein, sich wieder/ endlich dem pro-israelischen Mainstream einzuordnen"

Dabei steht das Thema "Israel" für Jakob Augsteins Kritiker durch die Bank nur als Blaupause dafür, nachhaltig einschüchternd, die Furcht bei der Wahnehmung der Wahrheit bei ganz anderen gesellschaftlich relevanten Themen einzuflößen.

Georg von Grote 14.01.2013 | 16:44

Also das sich Augstein in diesem Gespräch sehr geschickt aus der Affaire gezogen hat, steht ausser Zweifel. Auch das das Gespräch von Seiten des Spiegel so besetzt und geführt wurde, edass nur ja kein Verdacht aufkommen könnte, dass hier eine Rehabilitierungskampagne geführt werden soll, steht auch ausser Zweifel. Dem armen Graumann war da ja eher eine Statistenrolle zugewiesen.

Die Frage, die aber nach wie vor im Raum steht, ist die, wieso Augstein für sich ein Recht in Anspruch nimmt, das er anderen verweigert und wenn diese es dennoch wagen, ins gleiche Horn stößt, wie seine jetzigen Kritiker.

Georg von Grote 14.01.2013 | 17:30

Nicht schon wieder jetzt. Es geht um die Frage selbst, denn es hätte jeden anderen auch treffen können. Wieso soll das eine Verhalten persönliche Gründe haben und das andere nicht? Es geht ja nun hoffentlich keiner noch davon aus, dass diese Geschichte eine reine Broder-Augstein-Fehde ist. Und da darf man doch schon das Verhalten des einen oder anderen in solchen Situationen hinterfragen?

Joachim Petrick 14.01.2013 | 17:33


"Die Frage, die aber nach wie vor im Raum steht, ist die, wieso Augstein für sich ein Recht in Anspruch nimmt, das er anderen verweigert und wenn diese es dennoch wagen, ins gleiche Horn stößt, wie seine jetzigen Kritiker."

Das zeigt einmal mehr, dass auch Jakob Augstein im eigenen Freitag Haus nicht vor Anflügen von aufblühenden Rest- Neurosen gefeit ist.

Vielleicht gilt es da, sich und anderen, vertrauensstiftend, mehr Mut zu machen?

Joachim Petrick 14.01.2013 | 17:48


Mein Hinweis auf mögliche Rest- Neurosen galt nicht Dir, sondern Jakob Augstein(s. o. mein ergänzt korrigierter Blog).
Vielleicht sollte ich Dich dagegen eher daran erinnen, dass Du Dich nicht selten mit geschwellter Empörungsbrust vor Jakob Augstein gestellt hast, wenn Dir eine Kritik an ihm zu unpassend, zu ungelegen, gar unbotmäßig überzogen schien.

Was ist geschehen, dass Dir das gar nicht mehr präsent scheint?
Mir ist nicht gegenwärtig, um was es Dir in welcher Angelegenheit mit Jakob Augstein konkret eigentlich geht?

seriousguy47 14.01.2013 | 18:02

Auffällige Parallelen zum Fall Augstein gab es 2012 in einer Auseinandersetzung des Pariser Wiesenthal-Zentrums mit dem österreichischen Verteidigungsminister. Der Reihe nach:

1. “Darabos übte die Kritik an Lieberman im Kontext der Politik gegenüber dem Iran und den Palästinensern. Er warf Israel vor, "offenbar Außenfeinde wie den Iran oder auch die Palästinenser in den Vordergrund" zu stellen, um von inneren sozialen Problemen abzulenken. Ein Angriff Israels auf den Iran würde einen nicht mehr beherrschbaren Flächenbrand auslösen.“

2. „Das Simon-Wiesenthal-Zentrum fordert den Minister …. zum Rücktritt auf. Darabos habe mit seinen Äußerungen Österreichs Neutralität hinsichtlich des Iran verletzt.“

3. „Am Donnerstag verurteilte auch der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Oskar Deutsch, die Aussagen des Ministers. Er betrachte Darabos zwar nicht als Antisemiten. Darabos sollte sich jedoch entschuldigen und seine "beleidigenden Aussagen" zurücknehmen, verlangte der IKG-Präsident. Grundsätzlich müsse Darabos für sein Eintreten gegen rechtsextreme Umtriebe und für die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit im Heer gelobt werden, so Deutsch gegenüber der Tageszeitung "Die Presse" (Freitag). "Doch offenbar hat er Probleme mit lebenden Juden", fügte der IKG-Chef hinzu.“

Kein Kommentar.

Georg von Grote 14.01.2013 | 18:11

Worum es da geht, ist eigentlich ganz einfach.

Es stößt mir einfach auf, wenn Leute, in Positionen wie Augstein, die sich teilweise zum moralischen Sprachrohr erheben, einfach vergessen, mal bei sich selbst nachzusehen, ob sie diesen Ansprüchen, die sie fordern auch gerecht werden.

Wenn dem nicht so ist, dann wirken sie, zumindest auf mich, wenig glaubhaft.

Du hast ja jetzt ein paar Textpassagen eingefügt, die ich noch moniert hätte, wie zum Beispiel die mit Reisen nach Israel.

das ist dermassen überheblich und schnoddrig rausgehauen, dass einem schlecht werden könnte.

man muss nicht nach Tel Aviv fahren um sich da an den Strand zu legen. Man muss auch nicht wie Politiker von der Linken wie eine politische Gallionsfigur am Bug eines Hilfsschiffes für Gaza glänzen.

Aber ich halte es schon für anmaßend, sich hinzustellen und zu sagen, ich fahr da nicht hin, weil da gibts Gaza und die Westbank und dann darüber telegen zu urteilen.

So was schaut man sich vor Ort an, wenn man schon den Stab brechen will.

Gegen seine Kritik an der israelischen Politik sage ich ja gar nichts, hat er ja Recht. Aber der Rest hätte sich vermeiden lassen und ist einem Informationsdefizit geschuldet, dass sich jemand in dieser Position eigentlich nicht leisten dürfte.

Joachim Petrick 14.01.2013 | 18:38


Bei solchen Positionierunen erliegt Jakob Augstein n. m. E., tatsächlich ungestüm, den Einladungen zu dem, was seine Kritiker gerne in ihm sehen würden, einen rotzfrech ungestüm, ungezügelten Trotzkopf, der àngeblich von Tuten und Blasen keine Ahnung hat.

Ich sachma, da passt für Momente, überraschend brenzlig unterhaltsam, wie im Format "Augstein&Blome" in zugespitzter Gesprächslage der Deckel haargenau auf den Topf

Wobei Jakob Augsteins Position, nicht zu Zeiten des Apartheid Regimes nach Südafrika gereist zu sein, zu reisen, nicht nur viele Anhänger von stringenten Sanktionsmaßnahmen hatte und hat, darunter mich, sondern durchaus menschlich wie international politisch persönlich begründbar und beachtenswert ist.

Mir macht es übrigens nachwievor auch mulmige Gefühle als touristischer Zuschauer in Krisengebiete, darunter nach Israel, zu reisen.

Darüber könnte sich, weil ich da, wie wir durch Jakob Augstein sinnfällig erfahren, nicht der einzige bin, die israelische Regierungs- Politik sorgenvolle Gedanken machen?

Georg von Grote 14.01.2013 | 18:52

Wenn das so wär, dürfte ich nirgendwo mehr Urlaub machen, nicht mal auf Usedom. :-)

Wenn es um Urlaub geht, verstehe ich solche Entscheidungen, wie Südafrika zur Zeit der Apartheid.

Aber geht es um Urlaub? Ich flieg doch nicht nach Israel, in den Libanon oder sonstwohin, um mich am Strand zu aalen und den Touri zu spielen, sondern um mich zu informieren, mit den Menschen zureden, zu erfahren, wie die ticken, was sie bedrückt oder was sie aufregt. Um mir ein aktuelles Bild von dem zu verschaffen, was ich hier nur aus zweiter oder dritter Hand bekomme. Vor allem wenn ich journalistisch tätig bin. Und wenn man das macht, aufnahmebereit ist, mit möglichst wenigen Vorurteilen an die Sache herangeht, dann sieht man, wieviele Klischees plötzlich verblassen, sich als falsch herausstellen und vor allem sieht man die Lage dann auch ein wenig differenzierter als von seinem häuslichen Schreibtisch aus.

Joachim Petrick 14.01.2013 | 20:13


Wenn ich Dich richtig verstehe, korrigiere mich, wenn ich falsch liege, machst Du Jakob Augstein indirekt den Vorwurf, er bediene mit seinen Nahost Kolumnen, in denen Israel erwähnt wird, Klischees und beanspruche gleichzeitig als Instanz in Sachen Kritik an Israel zu gelten?

Ich vermag das nicht zu erkennen. Mein Eindruck ist, dass Jakob Augstein, ohne Anspruch als Instanz zu gelten, nur seine Meinung, öffentlich lesbar, hinterlegt

Ist es nicht eher so, dass Jakob Augstein die Politik der Bundesregierung mit Hinweisen auf die desolate Lage in Israel, Palästina, den Nahen Osten krtitisiert?, wenn ja, fällt Dir, wie mir auf, dass nur das Wort Israel in einer Kritik an der schwarzgelben Bundesregierung zu fallen braucht, schon geht es "ritualisiert" nur um Kritik an Israel; STATT UM DIE KRITIK AN DER SCHWARZGELBEN BUNDESREGIERUNG?

Joachim Petrick 14.01.2013 | 20:35


"Und die Bemerkung mit dem Strand, die ist nun einfach daneben, da kannste machen was du willst."

Ja herrlich frech, wie Oskar auf Usedom, kann der Jakob Augstein bei günstig einladender Gelegenheit, wenn ihn der Stachel löckt, auch sein und werden.

Du bist zwar viel zu jung vom Alter her, um zur Vätergeneration von Jakob Augstein zu gehören, ich vielleicht gerade so eben, aber manchmal kommt es mir vor, als betrachtest Du Jakob Augsteins Fomulierungen bisweilen mit besonders srengem Adler- "Holzauge bleibe wach!" Väterblick?, wenn ja, warum?

Joachim Petrick 14.01.2013 | 21:31


".....Da ist diese Art von Schnoddrigkeit nach meinem Verständnis nicht angebracht."

Okay!, da ist was dran, aber so ein Medien Gespräch ist kein diplomatisches Parkett. Das ist doch eine Frage, wie hoch jemand das, womöglich aus ganz anderen Gründen, gehängt haben will.

Vielleicht hast Du das ganze SPIEGEL- Interview noch nicht gelesen? und atmosphärisch eingeschätzt?

Georg von Grote 14.01.2013 | 21:56

Wir können es uns ja gerne gegenseitig vorlesen :-)

Für die "entsprechende" Atmo hast Du doch schon gesorgt :-)

Ich bin da eher vorsichtig. Man kann da alles mögliche hineininterpretieren, aber letzttlich bleibt es bei Kaffeesatzleserei.

So ein Gespräch ist meistens kein diplomatischer Notenaustausch, aber ab und zu, sollte man auch die Diplomatie nicht aus dem Auge lassen. Es geht hier ja nun nicht um den Anbau von Kohlrabi im eigenen Garten, sonder um massive Anschuldigungen. Da ist es manchmal unklug, den Anschein zu erwecken, das ganze wäre nur ein dummer Jungen Streich über den man nach Lust und Laune witzeln kann.

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Ehemaliger Nutzer 14.01.2013 | 22:40

Vielleicht interessiert Sie das?

Foristin Anne Mohnen hat in einem parallelen Strang

https://www.freitag.de/autoren/goedzak/ich-habe-noch-nie-ein-volk-geliebt#1358199296104168

[Artikel ist unbedingt lesenswert]

über Hannah Ahrendt diesen Link eingestellt:

http://www.youtube.com/watch?v=Ts4IQ2gQ4TQ

Ich habe alle Teile der Dokumentation am Stück verschlungen.

Es ist mir ein Bedürfnis aus dem von Hannah Ahrendt Gesagten etwas zu zitieren, weil ich meine, dass es zum Nachdenken in der aktuellen Antisemitismusdebatte anregen könnte.

H.A.: "Ich habe nie in meinem Leben irgend ein Volk oder Kollektiv geliebt, weder das deutsche, noch das französische, noch das amerikanische, noch die Arbeiterklasse...

Ich liebe in der Tat nur meine Freunde und bin zu aller anderen Liebe völlig unfähig.

Vor allem aber wäre mir die Liebe zu den Juden, da ich selbst jüdisch bin, suspekt."

G.: "Bedarf nicht der Mensch als politisch handelndes Wesen der Bindung an eine Gruppe... die dann bis zu einem gewissen Grade auch Liebe genannt werden kann? Befürchten Sie nicht, dass diese Haltung politisch steril sein könnte?"

H.A.: "Nein. Ich würde sagen, die andere ist politisch steril...."

Zu einer Gruppe zu gehören ist erst einmal eine natürliche Gegebenheit. Sie gehören zu irgend einer Gruppe durch Geburt, immer. Jetzt zu einer Gruppe zu gehören, wie Sie es im 2. Sinne meinen, nämlich sich zu organisieren, das ist etwas ganz anderes.

Diese Organisation erfolgt immer unter Weltbezug. Das heißt, dass, was diejenigen miteinander gemeinsam haben, die sich jetzt organisieren, ist das, was man Interesse nennt..."

Meine Frage ist nun:

Wo keine Liebe zu einem Volk ist, zu einer Gruppe also, zu der man per Zufall der Geburt gehört, kann es da Hass zu denen geben, die per Zufall der Geburt zu einem anderen Volk gehören?

Ich erwarte keine Antwort. Fiel mir nur so ein. Wegen des Filmes.

Deshalb, schon mal jetzt, schönen Abend allerseits. :-)

seriousguy47 14.01.2013 | 22:53

""Ich habe nie in meinem Leben irgend ein Volk oder Kollektiv geliebt, weder das deutsche, noch das französische, noch das amerikanische, noch die Arbeiterklasse...

Ich liebe in der Tat nur meine Freunde und bin zu aller anderen Liebe völlig unfähig."

Das ist für mich Modernität im Sinne der Aufklärung. Das andere ist Nationalismus / Jingoismus. Und da gehe ich mit Ahrendt nicht konform, denn es macht für mich keinen Unterschied, ob ich jüdischem oder anderem Nationalismus fröhne.

Einem Staat (Volk) gegenüber will auch ich keine "Liebe" empfinden. Stattdessen könnte man sich einer "Kultur" eines Staates (Volkes) zugehörig fühlen, sich damit identifizieren, sich für sie engagieren - immer in dem Wissen darum, dass ich das auch für mich und die Meinen tue. Also aus Liebe zu denen.

Joachim Petrick 14.01.2013 | 22:59


"Da ist es manchmal unklug, den Anschein zu erwecken, das ganze wäre nur ein dummer Jungen Streich über den man nach Lust und Laune witzeln kann."

Das klingt für mich nach eher nicht heilbaren Fehlleistungen?
Wie kommst Du darauf, das ganze fasse jemand als dummen Jungenstreich auf, um über diesen nach Lust und Laune zu witzeln?

Dein Vorhalt Tenor klingt für mich, als hätte sich ein Anfangsverdacht gegen Jakob Augstein als Förderer antisemitischer Äußerungen mit der Folge erhärtet, dass er zwar noch nicht als Angeklagter aber als Beschuldigter zu einem vorgerichtlichen Gütetermin in das SPIEGEL- Gespräch gegangen sei?

Dann ginge es aber um mehr als Benimmregeln. Welchen Vorwurf machst Du Jakob Augstein wirklich?

Ich erlebe das Dieter Grauann keineswegs als Statist zm SPIEGEL- Gespräch angereist ist, sondern die Spiegel Redakteure, Susanne beyer, Erich Follath sich mit der Tendenz auf eine Staistenrolle zurückgezogen haben,Jakob Augstein mit bissigen oder weit hergeholten Anfragen disziplinieren zu wollen.

Wenn das die heutige Auffassung DES SPIEGELS von Journalismus ist, hat DER SPIEGEL n. m. E. seine beste Zeit hinter sich.

Dieter Graumann unterstellt doch tatsächlich Jakob Augstein, dass der von der ganzen Debatte um ihn zur Gunsten seiner ansteigenden Prominenz profitiere.

Jeder könnte das denken, dies aber als "Verfahrensbeteiligter" launig in die Debatte zu schmeißen, nenne ich, wie Jakob Augstein, zynisch.

Zu schweigen von dieser Art Dieter Graumanns im SPIEGEL. Gespräch die Schwarzliste der Simon Wiesenthal Stiftung erst als irgendwie nicht, dann doch irgendwie berechtigt zu zitieren, um diese dann als Hitliste wie jede Hitliste, verharmlosend, zu bagatellisieren, zeugt nicht von Ernshaftigkeit im, menschlich achtsam gebotenen, Umgang mit jemanden, dem man, wie Jakob Augstein, öffentlich mit Nachdruck Vorwürfe macht.

Georg von Grote 14.01.2013 | 23:25

Wenn ich lese, was Du da alles in meine Äußerungen hineindichtest, dann muss ich echt lachen.

Lies mal durch, was Du in das Gespräch hineingedichtet hast. Klingt wie ein schlechter Film.

Wie kommt Du darauf ich würde Augstein irgeneinem Anfangsverdacht aussetzen? Wenn dann moniere ich ein paar schlampige Formulierungen, aber das macht er ja selbst schon.

Den Verdacht haben andere geäußert und das Fatale an so etwas, wie auch an Gerüchten, so etwas ist verdammt schwer aus der Welt zu schaffen, so sehr man sich auch anstrengt. Vielleicht hat das Augstein mittlerweile auch registriert, dass ihn nicht mal sein guter Ruf vollends vor so etwas schützen kann. Und ich nehm ihm das, was gestern auf TTT lief auch ab, das ihn dieser Vorwurf schon sehr getroffen hat, mehr vielleicht, als er öffentlich zugeben möchte. Da kann ich sogar mit ihm mitfühlen, aber andererseits hält sich mein Mitgefühl auch etwas in Grenzen, denn mit dem Vorwurf muss ich heute noch leben und er war es, der ihn erhoben und salonfähig gemacht hat. Auf das Gepupse von Broder hätte keiner was gegeben.

Das Gespräch im Spiegel soll doch nur dazu dienen, seine Sicht der Dinge dar- und klarzustellen. Graumann hatte da nur eine Statistenrolle. Der muss als Alibi herhalten.

Aber vielleicht kann er auch nicht anders und es ist einfach seine Art, dass er dann noch solche kleinen Klöpse wie das mit "am Strand liegen, während Gaza um die Ecke ist" bringt, ohne daran zu denken, dass man ihm das wieder falsch auslegen kann.

Nur darum gehts. Da muss man jetzt nicht gleich wieder einen Staatsakt daraus machen.

Einerseits wirfst Du mir vor, ich würde Augstein verteidigen, wenn ich ihn dann mal kritisiere, ist es auch wieder falsch. Entscheidet Euch mal :-)

Joachim Petrick 14.01.2013 | 23:43

Endlich was zum Lachen.

"Da kann ich sogar mit ihm mitfühlen, aber andererseits hält sich mein Mitgefühl auch etwas in Grenzen, denn mit dem Vorwurf muss ich heute noch leben und er war es, der ihn erhoben und salonfähig gemacht hat"

Welchen Vorwurf meinst Du?

Übrigens bei TTT fand ich Jakob Augsteins Bemnerkung auf den Vorhalt, er würde sogar mit seinen Formulierungen, Terroranschläge begünstigen. ob er das wolle?
"....das ist nicht mein Job" auch ziemlich suboptimal menschelnd.

Also langsam schält sich n. m. E. heraus, Du bist in kritischer Solidarität zu Jakob Augstein u.a. so etwas wie als ein ehrenamtlicher Coach unterwegs?

Georg von Grote 14.01.2013 | 23:57

Natürlich hab ich lachen müssen bei Deiner Beschreibung der Interview-Situation :-)

Aber das ist ja okay. Ein typischer Petrick :-)

Welchen Vorwurf? Haste nicht mitbekommen? Augstein macht mir genau den Vorwurf, wie ihn das SWC oder Broder gegen ihn erhoben haben. Mit den gleichen fadenscheinigen Begründungen.

Tja und das bei TTT, das ist wieder diese Schnoddrigkeit, wie ich es bezeichne. Ich glaube er weiß sehr genau, was er mit Worten anrichten kann, zumindest müsste er es wissen.

Joachim Petrick 15.01.2013 | 01:15

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/eine_antwort_von_jakob_augstein_herausgeber_des_freitag/


Jakob Augstein:


"Dass ich Salon-Bolschewist bin, wusste ich ja. Salon-Antisemit hatte ich noch gar nicht mitbekommen. Aber man erfährt ja immerzu wozu man fähig ist, und erschrickt viel zu wenig …"

Ich habe den Artikel gelesen.

Das war für mich neu, dass Jakob Augstein mit einem ungewöhnlich robusten Talent den durchgewitzten "Spassvogel" machen kann, sich, wenn ihm sein Freitag Fell juckt, hinter den Linien, undercover, im Geltungsbereich der Achse des Guten gedanklich mit seinem Fallschirm aus einem Airbus 380 abwerfen läßt und scheinbar, ungerührt, unangefochten, in Feindesland, mit der Stimme des Feindes getarnt, operativ unterwegs, sein unheilvolles Gesamt Werk gegen die Achse des Guten durch scheinheilig eilige Mitarbeit zu vollenden sucht.

Denn bedenke, wenn die Achse des Guten weiter soviel Überläufer Zulauf aus dem Reich des Bösen wie durch diesen getarnten Kandaten Jakob Augstein erhält, naht unaufhaltsam deren Ende.

Lebt die Achse des Guten doch von beschleunigt hohen Wachstumraten der Erfindung des Bösen.

Ich sachmal, n. m. E. arbeitest Du Dich hier, eher deplatziert, an einem Humortest im Öfentlichen Internet Nah Verkehr ab.

Ich find den Jakob Augstein hier urkomisch!!! zum Lachen.


Jakob Augstein sollte eine Nebentätigkeit als Hardcore Kabarettist aufnehmen

Joachim Petrick 15.01.2013 | 01:43


"Na dann kann man ja das mit dem SWC eigentlich auch als Humortest im internationalen ÖPNV sehen."

Da schreibst Du was! Das kann am Schluss womöglich dabei herauskommen, Zwischendurch wird ja schon so auffällig, augenzwinkernd, lax geflachst, Das wäre ja nicht das Schlechteste
Aber auch die Wahrnehmung von Humor will eben schwer erarbeitet sein, wie Du ja selber sicher zu berichten weißt?

Georg von Grote 15.01.2013 | 01:51

Auch für Humor gibt es Grenzen, vor allem wenn er auf Kosten anderer geht.

Aber irgendwie willst Du auch nur sehen, was Du sehen willst, oder? Bzw Du bastelst Dir dann Deine Wahrheit :-)

Was ist denn, wenn die Waschanlage gar keine war, sondern nur eine wunderschöne Inszenierung, nach dem Motto 'böser Cop, guter Cop'?

Der Gedanke ist Dir bei dem Gespräch nie gekommen? :-) Zwei Spiegel-Leute gegen einen Spiegel-Mann? Was bitte soll denn da herauskommen? Graumann war da nur Mittel zum Zweck um dem ganzen ein wenig Seriosität zu verleihen.

Wie leicht seid ihr eigentlich aufs Kreuz zu legen? :-)

Joachim Petrick 15.01.2013 | 02:15


"Aber irgendwie willst Du auch nur sehen, was Du sehen willst, oder? Bzw Du bastelst Dir dann Deine Wahrheit :-)"

Ich sage es einmal mit der Schülerin von Karl Jaspers, Hannah Arendt, ich suche bei der Wahrnehmung und vor allem beim Denken in der Schwebe (Begriff bei Karl Jasper) zu bleiben.

D. h. ich bin mir nicht sicher, ob hier und da wirklich Humor, Ernst oder beides in trauter Eintracht zusammen am Werke ist, es kann, es kann auch nicht sein.

Dein Urteil gründet wie meines im besten aller Fälle auf Erfahrung und persönlicher Anschauung, d. h. sowohl Dein Urteil als auch meines haben ihre persönlich begründbare Berechtigung.

Rund wäre es gewesen, wenn Dir Jakob Augstein irgendwie eine augenzwinkernd persönliche Botschaft hätte zukommen lassen, zu der Du Dich zeitnah hättest positionieren können.

Frage ist vielleicht, wie versicherst Du Dich des einen wie des anderen Urteils?, wenn ja, bei wem, durch was?

Mei Nung 15.01.2013 | 02:27

Hallo ElisRea,

Sie hatten mir im Olivier-Guez-Kommentarstrang eine Frage gestellt, die ich dort aber nicht beantworten konnte wg. streikender Kommentarfunktion. Ihre Frage bezog sich dort ebenfalls auf Hannah Arendt, und zwar auf ihren von mir zitierten Satz: "Was es aber wohl gibt, ist eine Kollektivhaftung im politischen Bereich, die in der Tat unabhängig ist von dem, was man selbst getan hat."

Ihre Frage war: "Wodurch ist dieses Kollektiv, dem eine Kollektivhaftung zugesprochen wird, definiert?"

Als Antwort möchte ich ihnen einfach mal nachreichen, was Hannah Arendt selbst dazu weiter ausgeführt hat:

" Was es gibt, ist eine Kollektivhaftung im politischen Bereich, die in der Tat unabhängig ist von dem, was man selbst getan hat, und daher weder moralisch zu werten noch gar in strafrechtlichen Begriffen zu fassen ist. Politisch haftet jede Regierung eines Landes für all das, was durch die Regierung vor ihr zu Recht oder zu Unrecht geschehen ist. Das Recht soll sie fortsetzen und das Unrecht nach Möglichkeit wiedergutmachen... Man könnte sich wohl denken, dass auch solche Wiedergutmachung zwischen Völkern einmal vor einem internationalen Gerichtshof verhandelt wird, aber dies wird kein Strafgerichtshof sein, in dem über Schuld oder Unschuld von Personen Recht gesprochen wird."

Wobei ich persönlich schon wieder Probleme mit dem Begriff "Wiedergutmachung" habe...

Joachim Petrick 15.01.2013 | 02:32

Mutmaßlich fehlen mir Informationen darüber, wann und in welcher Sache Broder Dich aufs Korn genommen, die Löschung eines SArtikels von Dir im Freitag durch Jakob Augstein gefordert hat?, wenn ja, welchen?

Interessant ist immer wieder, manchmal tragisch, dass sich jene, die sich selber zuvor gegenseitig verfolgten, nun gemeinsam Verfolgte durch Dritte sind.

In dem Fall gibt es mehrere Optionen, das gemeinsame Verfolgten Schicksal als Bündnis zu organisieren, sich gegenseitig voreinander emotional gefühllos, gar totzustellen,, oder sich weiter auf engstem Raum zu Wohlgefalen der Verfolger weiter bis aufs Blut messerscharf zu bekämpfen?

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Ehemaliger Nutzer 15.01.2013 | 02:34

Die Ebenenfrage ist mit obigem Kommentar schon halbwegs selbst beantwortet.

Zeichnet sich am Denkhorizont eine interessante Strategie ab?

Teflon-Jakob, geschützt durch feinsten, lauteren Journalismus, sich dessen bewußt, dass man ihm folgt, durchwandert stets leichtfüßig schwerstes Gelände, irrtümlich halten ihn einige nun für einen Leichtfuß, den man mal eben überholt, vielleicht um ihm den rechten Weg zu weisen, oder um ihn eine lange Nase zu drehen, aber vertan, alle kommen mit Dreck am Stecken aus der Sache raus, nur Teflon-Jakob bleibt sauber?

Joachim Petrick 15.01.2013 | 02:45

"Wobei ich persönlich schon wieder Probleme mit dem Begriff "Wiedergutmachung" habe..."

Wenn ich mich, ungefragt, einmal dazu gesellen darf?

Hannah Arendt verneint ja die Kollektivschuld als jurstische Konstruktion, während sie die Kollektivhaftung, die Verantwortungsgemeinschaft, begrüßt.

Interessant ist, dass es in der Wirtschaft, im Aktienrecht bei Vermögenszuwächsen Besserungsscheine gibt, will sagen, wir leben in einer Zeit asymmetrischer Verhältnis von Arm und Reich, wo es an Haftungsmechanismen fehlt, die Lage der Armen oder noch mehr Veramten automatisch, gesellschaftlich gemeinsam haftend, zu verbessern.

Was hat vielen Überlebenden des Holocaust, der Zwangsarbeit die so genannten Wiedergutmachungsscheine, symbolischen Entschädigungen genutzt, wenn sie im Alter, traumatisiert, verarmt verelendet, krank, siech ihr Dasein fristen?

Joachim Petrick 15.01.2013 | 02:55

"Teflon-Jakob bleibt sauber?"

Interessante Arbeitsthese als Versuch?

Bisher galt Jakob Augstein, im Bunde mit Gertrud Höhler (Autorin des Buchs "Die Patin" ) ja Angela Merkel als die "Teflon-Politkerin Figur!"
"Teflon-Jakob, geschützt durch feinsten, lauteren Journalismus, sich dessen bewußt, dass man ihm folgt, durchwandert stets leichtfüßig schwerstes Gelände..."

Klingt für mich irgendwie, meinungsfeindlich, als ob es verbotenes Gelände, verbotene Zonen, Themen, Länder für Journalisten geben sollte?

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Ehemaliger Nutzer 15.01.2013 | 03:07

Nun, ist es nicht oft so, dass die bearbeiteten und bezeichneten Personen einen abbilden? Zwei Teflon-Geschwister kabbeln.

Wo bitte steht etwas von verboten? Dort steht: durchwandert stets leichtfüßig schwerstes Gelände ... Kein Verbotsschilder weit und breit. Aber natürlich gibt es problematisches Gelände, worum geht es denn die ganze Zeit, nicht nur hier in diesem Beitrag.

In solch problematischem Gelände bleiben viele im Morast stecken - Fortsetzung siehe oben ...

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Ehemaliger Nutzer 15.01.2013 | 03:14

Jakob, der leichtfüßige Elfenkönig, geschützt durch feinsten, lauteren Journalismus, sich dessen bewußt, dass man ihm folgt, durchwandert stets leichtfüßig schwerstes, morastiges, auch problematisches Gelände, irrtümlich halten ihn einige nun für einen Leichtfuß, den man mal eben überholt, vielleicht um ihm den rechten Weg zu weisen, oder um ihm eine lange Nase zu drehen, aber vertan, alle kommen mit Dreck am Stecken aus der Sache raus, nur der Elfenkönig bleibt sauber ...

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Ehemaliger Nutzer 15.01.2013 | 11:41

Im Nationalismus sehe ich den Ursprung dafür, dass man Menschengruppen gegeneinander aufhetzen kann, so dass sie sich gegenseitig zum Nutzen Dritter bekriegen. Und das, obwohl einzelne Menschen unterschiedlicher Nation mehr miteinader verbindet (es zwischen ihnen mehr Gemeinsamkeiten gibt) als einzelne Menschen innerhalb ein und der selben Nation.

Genau das war (und ist) das Problem des Nationalismus in D., aber eben nicht nur in D., sondern auch in anderen Ländern und auch in Israel. Und gerade in Israel, was einen Herrn Liebermann und die Ideologie seiner Partei betrifft, die darin gipfelt zu fordern, dass alle Nichtjuden (Araber u.a.) Israel zu verlassen haben (um es mit Fingerspitzengefühl zu formulieren)

"Lieberman nennt die israelischen Araber (Palästinenser mit israelischer Staatsbürgerschaft) eine „Fünfte Kolonne“. Er und seine Partei fordern ihre Deportation („Transfer“).[18] Liebermans Plan sieht vor, zehntausenden israelischen Arabern die Staatsbürgerschaft zu entziehen und sie „mit den Arabern im Westjordanland wieder zu vereinigen.“[19] Die übrigen israelischen Araber sollen einem Loyalitätstest unterzogen werden, um zu entscheiden, ob sie in Israel bleiben dürfen.[20] Israelische Siedlungen im Westjordanland sollen annektiert werden, kleinere arabisch besiedelte Gebiete in Israel könnten an das Westjordanland abgetreten werden.[21]"

http://de.wikipedia.org/wiki/Avigdor_Lieberman

--------------

Was Hannah Ahrendt und nationalistisches Denken betrifft:

Sie sagte, dass sie noch nie ein Volk geliebt habe und nur fähig sei Freunde zu lieben. Dieses "nie ein Volk lieben" bezieht sie auch auf das jüdische "Volk", d.h. die Zugehörigkeit zu einer Gruppe durch den Zufall der Geburt, gt:indem sie noch erklärend sagt: "Vor allem aber wäre mir die Liebe zu den Juden, da ich selbst jüdisch bin, suspekt."

Insofern kann ich da ihrerseits keinen Nationalismus erkennen.

ABER:

Trotzdem hat die Identifikation von H.A. mit dem Jüdischen etwas Nebulöses. Sie sagt in dem Interview, dass sie als Kind nicht wusste, dass sie Jüdin sei. Erst durch andere Kinder sei sie darauf hingewiesen worden. Und erst dann und dadurch wurde das Judesein auch in ihrem Elterhaus zum Thema.

Das verstehe ich so, dass sie von außen (aufgrund der antisemitischen, nationalsozialistischen Ideologie) zur Jüdin gemacht wurde und sich nur deshalb damit arrangieren musste. Könnte man denken. Doch dann passiert Folgedes:

Günter Gaus fragt sie, ob sie sich als etwas Besonderes fühle. Und sie antwortet darauf:"Ja." Sie fühle sich als Jüdin als etwas Besonderes, aber nicht im Sinne von minderwertig. Sie begründet das damit, dass sie anders aussehe als ihre Mitbürger....

DAS finde ich merkwürdig, aber auch irgendwie bedeutungsvoll und erklärungsbedürftig.

Schade, dass Gaus da nicht nachgehakt hat. Sie sah aus wie -zig andere Deutsche. Und sie wusste bis zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht, dass sie Jüdin "ist".

Mir ist absolut nicht klar, wodurch sie Jüdin ist/war (abgesehen eben davon, dass sie von außen in gewisser Weise zum "Judesein" genötigt wurde).

-----------

"Einem Staat (Volk) gegenüber will auch ich keine "Liebe" empfinden."

Die Frage, die sich mir stellt, ist die, ob man das überhaupot kann? Ich denke, dass die Behauptung ein ganzes Volk zu lieben, als wäre EIN einziges Wesen, pure Illusion ist. Ich würde sogar soweit gehen zu sagen: eine Wahnvorstellung. Ebenso wie die Vorstellung ein ganzes Volk zu hassen. Das hat, glaube ich mit Projektion zu tun. Müsste ein Fachmann etwas dazu sagen.

Ich glaube, dass diese Problematik das Artikelthema nur am Rande berührt. Vielleicht sollte man besser den Diskussionsstrang wechseln?

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Ehemaliger Nutzer 15.01.2013 | 13:06

Sie müssen sich nicht entschuldigen. Ihre Frage ist absolut berechtigt und ich beantworte Sie Ihnen sehr gerne.

1. handelt es sich nicht um eine Wiederholung. ich habe bisher weder zu H.A. politischer Auffassung über das Judensein bzw. Nationalismus und Liebe zum jüdischen Volk gesagt, noch über die Ziele eines herrn Liebermann.

2. Haben Sie insofern Recht, dass dieser Beitrag nicht direkt mit der Person Augstein zu tun hat, sondern mit den Inhalten, deretwegen er als Antisemit beschimpft wird.

3. Manche Leute ziehen es vor, wenn möglich, mit Personen zu reden, andere über Personen. mir geht es hier um die Sache, die der Anlasß der Angriffe auf A. und die Meinungs- und Pressefreiheit waren.

Und das ist das Thema Antisemitismus und Judenhass, worin ich einen gravierenden Unterschied sehe, da sich die eine Gruppenzugehörigkeit auf den Zufall der Geburt bezieht, die andere auf eine Religionszugehörigkeit.

Und das ist das Thema Kritik an der israelischen Regierung.

Darin ist die Verbindung zu dem Strangthema zu sehen, wenn man denn will, denn im Grunde geht es nicht um Herrn A., sondern darum an ihm exemplarisch vorzuführen, was Journalisten zu erwarten haben, die sich nicht den Vorgaben nationalistisch und machtorientierter Interessenvertreter beugen und sich deren Kontrolle entziehen.

Vielleicht sollten Sie den Artikel noch einmal etwas genauer unter die Lupe nehmen....

"Der Grund, Jakob Augsteins Formulierungen z. T. als antisemitisch zu diffarmieren hat einen ganz anderen Grund, ..."

... und sich in Toleranz üben. Ich werde es hinsichtlich Ihrer Beiträge auch tun.

Mei Nung 15.01.2013 | 13:42

Hallo Herr Petrick,

Danke für Ihren Kommentar.

Was Sie schreiben, ist sicherlich richtig.

Ich möchte dennoch anmerken, dass ich leider versäumt habe, meine Abschlussbemerkung unmissverständlicher auszudrücken:

Ich meine damit nicht , dass ich mit der Wiedergutmachung als solcher ein Problem habe ( Auch wenn sie viel zu gering war und ist, in welcher Form auch immer angesichts dessen, was geschehen war : keine Wiedergutmachung wäre noch viel ungeheurlicher gewesen!), sondern in erster Linie mit dem Wort "Wieder-gut-machung", das zwar mangels besserer Formulierungen in den Sprachgebrauch übergegangen ist, aber eigentlich ein Oxymoron, ein contradictio in adjecto darstellt angesichts dessen, WAS man wieder gutmachen will ( was ja auch Hannah Arendt selbst im Interview mit Gaus anspricht: Kann man SO etwas überhaupt je wieder "gut machen"?).

Der Begriff ist m.E. von vornherein schlecht geeignet für das, was er eigentlich sagen will.

Joachim Petrick 15.01.2013 | 15:03



Habe den Kommentar von Jakob Augstein in der Achse des Guten noch einmal gelesen.

Ich stimme Dir zu, dass ist ja ungeheuerlich, wie Jakob Freitag äh Augstein, soviel Zeit muss sein, einen bewährt gestandenen Blogger des Freitag, nämlich Dich, missbraucht, um Henryk M Broder seine obzessive Themen Achse des Guten diabolisch zwischen den Zeilen schillernd grinsend spiegelnd, zu verarschen.

Jetzt hast Du den DSchaden?, enn ja welchen?
Auf jeden Fall nimmt Jakob Augstein sich unverfroren die despektierliche Frechheit heraus, Deinen Familien Namen verkürzend, in ein schlichtes "Grote" zu verhunzen, wo doch die historischen Vögel von den Dächern pfeifen, dass der Adel, zwar 1919 nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg (1914- 1918) abgeschafft, aber das "von und zu" nun als unveräußerlicher Namensteil angeschafft wurde.

Das hart ja seitdem den für den Adel gefühlt den Gewinn, dass die glatt in die Verbrechen des NS- Regimes an hervorragender Stelle vorrauseilend verstrickt, anders als früher zu Kaiserzeiten, nicht mehr ihren gefühlten Adels Titel als Namensteil verlieren können.

Das ist ja so, als wenn man zu Graf Hammerstein, einfach nur noch Hammer Graf sagen würde.

Mutmaßlich fehlen mir Informationen darüber, wann und in welcher Sache Broder Dich aufs Korn genommen, die Löschung eines Artikels von Dir im Freitag durch Jakob Augstein gefordert hat?, wenn ja, welchen?

Interessant ist immer wieder, manchmal tragisch, dass sich jene, die sich selber zuvor gegenseitig zu verfolgen meinten, nun gemeinsam Verfolgte durch Dritte sind.

In dem Fall gibt es mehrere Optionen, das gemeinsame "Verfolgten Schicksal" als Bündnis zu organisieren, sich gegenseitig voreinander emotional gefühllos, gar totzustellen,, oder sich weiter auf engstem Raum zu Wohlgefallen der Verfolger weiter bis aufs Blut messerscharf zu bekämpfen

Joachim Petrick 15.01.2013 | 15:10

""Lieberman nennt die israelischen Araber (Palästinenser mit israelischer Staatsbürgerschaft) eine „Fünfte Kolonne“. Er und seine Partei fordern ihre Deportation („Transfer“).[18] Liebermans Plan sieht vor, zehntausenden israelischen Arabern die Staatsbürgerschaft zu entziehen und sie „mit den Arabern im Westjordanland wieder zu vereinigen.“[19] Die übrigen israelischen Araber sollen einem Loyalitätstest unterzogen werden, um zu entscheiden, ob sie in Israel bleiben dürfen.[20] Israelische Siedlungen im Westjordanland sollen annektiert werden, kleinere arabisch besiedelte Gebiete in Israel könnten an das Westjordanland abgetreten werden.[21]""

Danke für den Hinweis, dass ist ja schlimmer als ich geahnt habe.

Ds ist wohl der Grund, warum Israel keine Flüchtlinge aus Syrien aufnimmt und sich so verhält, als ginge Israel das syrische Drama mit MIllionen Palästinensern in dortigen Lagern nichts an?

Georg von Grote 15.01.2013 | 15:17

Lassen wir das, es bringt auch nichts, das Ganze wieder aufzurollen. Was ich nur aufzeigen wollte, war, dass das, was alle so aufbringt und dazu animiert jemanden mit Klauen und Zähnen zu verteidigen, ebenso zu dessen handwerkszeug gehört und er keine Skrupel hat, das auch zu seinem Vorteil einzusetzen. Ob Augstein das allerdings auch jemandem gegenüber wagen würde, der sich auf der gleichen Machtebene, wie er befindet, wage ich dann doch zu bezweifeln.

Denk doch mal lieber darüber nach, ob Du Dich Dein Eindruck, Augstein hätte sich der Spiegel-Waschstrasse gekonnt entzogen, nicht täuscht.

Das beabsichtigte Reinwaschprogramm hat doch bestens funktioniert, so wie es von allen Beteiligten, ausser Graumann jetzt beabsichtigt war.

Ich helfe Dir da gerne auf die Sprünge, wenn Du nicht weiterkommst :-)

Joachim Petrick 15.01.2013 | 15:20


"Die Frage, die sich mir stellt, ist die, ob man das überhaupot kann? Ich denke, dass die Behauptung ein ganzes Volk zu lieben, als wäre EIN einziges Wesen, pure Illusion ist. "

Historisch haben solche Illusionen zumindest literarisch solange patriotisches Gewicht, solange es diese Nationen nur kulturell aber staatlich organisert noch nicht gibt, danach nicht mehr.

In solchen Vorstadium der deutschen Nation ist ja vor 1871 nach den napoleonischen Kriegen auch die deutsche Nationalhymne entstanden "Deutschland, Deutschland über alles"
Im Vortadium der Organisation und Proklamation des Deutschen Nationalstaates 1871 mochte dieser Ruf patriotisch einige Berechtigung gehabt haben, danach nicht mehr

Joachim Petrick 15.01.2013 | 15:44


"Günter Gaus fragt sie, ob sie sich als etwas Besonderes fühle. Und sie antwortet darauf:"Ja." Sie fühle sich als Jüdin als etwas Besonderes, aber nicht im Sinne von minderwertig. Sie begründet das damit, dass sie anders aussehe als ihre Mitbürger....

DAS finde ich merkwürdig, aber auch irgendwie bedeutungsvoll und erklärungsbedürftig.

Schade, dass Gaus da nicht nachgehakt hat. Sie sah aus wie -zig andere Deutsche. Und sie wusste bis zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht, dass sie Jüdin "ist"."

Das Verbecherische am Rassismus ist ja, dass dieser fadenrissige Kriterien der Rassen Zugehörigkeit propagandistisch suggeriert, dan oben drauf ganz willkürlich definiert, wer zu welcher Rasse gehört.

Damals wäre es von Millionen Deutschen die patriotische Pflicht gewesen, um wirkliche Juden in Deutschland, in Europa, in der Welt zu schützen, sich selber spätestens nach den Nürnberger Rassegesetzen von 1935 solidarisch zu Juden zu erklären.
Genau das hat Hannah Arendt, sich, entgegen der NS- Propaganda gar nicht minderwertig fühlend, sehr viel früher gemacht, sich solidarisch zur Jüdin erklärt und später als Sozialarbeiterin jüdischen Flüchtlingen in Frankreich zu Pässen ins britische Mandatsgebiet nach Palästina verholfen.

Das mochte Günter Gaus in seinem Gesprächs Interview mit Hannah Arendt im Jahre 1963 noch allzu schmerzlich gegenwärtig gewesen sein, dass sich für ihn jede weitergehende Frage erübrigte

Joachim Petrick 15.01.2013 | 16:37


"Lassen wir das, es bringt auch nichts, das Ganze wieder aufzurollen"

Einerseits verstehe ich das, andererseits kann ich Jakob Augsteins Kommentar in der Achse des Guten nur wirkich in den richtigen Zusammenhängen einschätzen, wenn ich den wahren Anlass, nämlich Deinen Artikel kenne, der Broder gegen Dich aufgebracht hat.

Wenn Du das so "schwebend" starr stehen läßt, gewinne ich den Eindruck, Du ziehst Dein "Irgendwie Gekränktsein" einer auflösenden Klärung vor?

Irgendwie komme ich mit Deiner Einschätzung der Rolle von Dieter Graumann nicht weiter. Da brauche ich Deine Hilfe.

Ich fand ihn in dem SPIEGEL- Gespräch mit seiner Bemerkung "Jakob Augsteins Prominenz profitiere von der Debatte"
nicht nur zynisch, sondern sowas von "ganovenschräg" anzüglich drauf, wie
"Vom Profit sollten Sie mal was rüberwachsenl lassen!"

Joachim Petrick 15.01.2013 | 16:50


"2. Haben Sie insofern Recht, dass dieser Beitrag nicht direkt mit der Person Augstein zu tun hat, sondern mit den Inhalten, deretwegen er als Antisemit beschimpft wird."

Ich finde auch, Hinweise auf Hannah Arendts Forschungen hinsichtlich der menschlichen Urteilskraft, nach Erfahrung und persönlicher Anschauung, des Denkens ohne Geländer, gehört hier genau hin.

Meinungsfreiheit bedeutet ja auch, Fehleinschätzungen, Überspitzungen durchaus in Kauf zu nehmen, gleichzeitig aber auch bereits zu sein, sozusagen im Denken schwebend, seine Meinung, aufgrund bessere Einsichten im Verlauf von offenen Debatten, ohne Geschtsverlust, ändern zu können.

Joachim Petrick 15.01.2013 | 16:54



Ich bin mal gespannt, wann Ihr aus dieser Tretmühle wieder herauskommt. Wie lange wollt Ihr eigentlich noch gebetsmühlenartig wiederholen, was, wann wie, wo gesagt und nicht gesagt, gemeint und nicht gemeint worden ist und was antisemitisch klingen könnte, aber nicht ist, und...und...und......"

ich nenne so etwas öffentlichen Diskurs mit gleichen und wechselnden Teilehmern. Es reicht, dass einer einmal alles gesagt, sondern es tut Not, dass alle alles gesagt haben, was ihnen zu einem Thema einfällt

Joachim Petrick 15.01.2013 | 17:15


Was ich an dem Begriff "Wieder-gut-machung" so monströs finde, dass selbst hier bei Fragen der Entschädigung nach dem zweiten Weltkrieg in Westdeutschland, die DDR hatte gar keinen Begriff dafür außer immerhin einer Rente für NS- Regime Verfolgte deutscher Staatszugehörigkeit, NS- Begriffe von deutscher Staatsangehörigkeit Erster und Zweiter Klasse beibehalten wurden.

Für deutsche Staatsbürger gabes einen Lastenausgleich mit dem Ergebnis, dass manche selbst für den Vrlust von Eigentum auf dem Staatsgebiet der DDR, Ostpreussen, Schlesien, Sudtenland, Pommern, mehr als üppig entschädigt wurden, während Deutsche jüdischer Zuordnung als Überlebende des Holocaust mit so genannter Zweitklassiger deutscher Staatszugehörigkeit leer ausgingen und verstört erleben mussten, dass im Rahmen der so genannten zwischenstaatlichen Wiedergutmachung Millionen Gelder nach Israel flossen, ohne dass sie überhaupt und vor allem im Alter, personenbezogen davon Nutzen hatten, geschweige denn, dass ihr verloren gegangen,von Amtswegen geraubtes Hab und Gut, für null und nichtig erklärte Lebensversichrungen auch nur symbolisch ersetzt wurden bzw. wieder aufgelebt sind

karamasoff 16.01.2013 | 16:20

augstein rockt doch tatsächlich ab und an die biedere businessbude spon ganz gut. er sollte mal einen artikel schreiben darüber, ob die deutsche knalljournaille noch fähig ist zum harten konflikt oder sich langsam aber wirklich sanft der gleichschaltung nähert.

ich seh jedenfalls seit jahren keinen kerr, kraus, tucholsks, hilles, einstein etc. mehr. mit letzterem könnte man sagen:

pleite glotzt euch an restlos

schöne zusammenfassung übrigens

Georg von Grote 16.01.2013 | 16:31

Nun versuch mal logisch zu denken, JP :-)

Da sind 2 Spiegel-Redakteure und ein Spiegelkolumnist. Alle drei aus dem gleichen Stall.

Wie geht dann so ein Gespräch am Ende aus? Denkst Du etwa, die sagen am Ende zu einem von ihnen gerupften Augstein "Wir danken Ihnen für das Gespräch?" Meinst Du etwa, die nageln einen Kollegen der eigenen Zeitung an die Wand?

Quatsch! Sinn und Zweck war es einen "gereinigten" Augstein am Ende präsentieren zu können. Wenn ich mich einer blumigen Sprache bedienen würde, wie Du es gerne machst, dann würde da stehen 'wie ein Phoenix aus der Asche' :-)

Vielleicht bin ich da zu konservativ, aber wenn, dann führt man so ein klärendes Gespräch nicht mit Kollegen aus dem eigenen Haus, es sei denn man hält seine Leser für ziemlich blauäugig und inkompetent, sondern stellt sich dann schon zumindest neutraleren Gesprächspartnern. Aber vielleicht hatten die ja von der SZ oder anderen gar kein Interesse daran, wer weiß.

So bleibt einfach ein Geschmäckle einer bewußt inszenierten Angelegenheit zurück, was der Sache nicht gerade dienlich ist.

Dabei unterstelle ich den beiden Redakteuren gar nicht, dass sie ihre Fragen nicht ihre persönliche Ansicht wiederspiegeln, aber letztlich konnte und durfte da kein lädierter Kollege am Ende den Raum verlassen.

Und bei Graumann war klar, dass der kaum eine Gefahr darstellen würde. Aber man brauchte ihn in der Runde, sonst wäre es zu offensichtlich gewesen.

Joachim Petrick 16.01.2013 | 17:19

So kann man das mutmaßlich, stringent einer Argumentations- und Anschauungskette folgend, sehen, wenn man dabei die Chronolgie der Ereignisse vernachlässigt an deren Ende dieses SPIEGEL- Gespräch als Notbehelf Ersatz für ein verweigertes Gespräch mit dem Simon Wiesenthal Center (SWC) stand.

Aber wieso geht es dabei um Lädierung, Nicht- Lädierung von Jakob Augstein?, wenn ja, siehst Du in ihm doch einen Beschuldigten, der sich, erklärend, zu entlasten hat?

Ich sehe bei Dieter Graumann den gelungenen Versuch den Ball der Kritik, vor allem an der bundesdeutschen Nahost- , aber auch an der israelischen Regierungspoltik unter Null Rasennarbe flach zu halten.

Wieso meinst Du, waren die SPIEGEL- Journalisten der SPIEGEL Printausgabe nicht neutral, ist doch die SPIEGEL- Online Ausgabe eine ganz andere Baustelle!, die sich von der Printausgabe nicht nur abhebt sondern auch von dieser abgrenzt!, oder?

Steht Jakob Augstein nicht auch als Vertreter der Augstein Erbengemeinschaft für "Opposition" im kollektivierten SPIEGEL- Haus?

Wie Phoenix aus der Asche ist Jakob Augstein ja gerade nicht aus diesem SPIEGEL- Gespräch gegangen, sondern tunlichst "psychologisierend" mit der klammheimlichen Maßgabe entlassen worden, Asche auf sein Haupt zu legen.

Joachim Petrick 16.01.2013 | 17:23

"pleite glotzt euch an restlos"

Svchöner Spruch, nächster Spruch.

Wie heißt noch einmal der Spruch von Kurt Tucholsky?

"Glotzt nicht so in die Leere!"?


Die Krux der ganzen Augstein Debatte ist doch, wenn in Deutschland Journalisten, Poeten, Politiker die israelische Opposition namentlich zitieren, gilt das der israelischen Regierung als Einmischung in Innere Angelegenheiten des Staates Israel, tun sie das nicht, wie Jakob Augstein, Günter Grass und kritisieren die Politk der israelischen Regierung Benjamin Netanjahu ohne Hinweis auf die israelische Opposition, git das allemal zum "Weg- Geleit" als Begünstigung des Antisemitismus, wenn nicht gar selber direkt als Antisemitismus?

Georg von Grote 16.01.2013 | 17:45

Ich habe gar nichts vernachlässigt :-)

Aber Du hast eine Gabe, Dir Deine Wahrheiten zurechtzubasteln und alles was links und rechts nicht reinpasst, zu übersehen. Die ist schon bewundernswert, irgendwie.

Ich habe auch den Redakteuren nicht mangelnde Neutralität vorgeworfen, sondern nur gesagt, sie konnten, auch wenn sie gewolt hätten, nur so weit gehen, wie es gerade noch zu vertreten ist. Und wenn Du jetzt meinst, Spiegel und S-P.O.N. stünden in direkter Konkurrenz und hätten nichts miteinander zu tun, tja, dann tuts mir echt leid.

Eines müsste doch nun jedem klar geworden sein, die umstrittenen Formulierungen, sind allesamt schlampig und kritikfähig, nicht nur der verwendete Begriff "Lager". Wenn Du das schon abstreitest, müssen wir gar nicht weitermachen.

Das macht ihn nicht zum Antisemiten, das ist auch klar, aber das solche Textstellen irgendwann einmal Kritiker auf den Plan rufen, war so sicher, wie das Amen in der Kirche. Und mit Kritikern sind jetzt nicht Broder und das SWC gemeint, die haben die Sache nur ins Rollen gebracht. Wobei Rabbi Cooper ja längst einen Rückzieher gemacht hat und ihn nicht mehr als Antisemiten bezeichnet, aber nach wie vor darauf beharrt, dass diese Textstellen den Verdacht äußern könnten.

Darum geht es letztlich nur noch und ehrlich gesagt, sehe ich da im ganzen Interview keine Passage, dass Augstein bereit wäre, darüber auch nur nachzudenken. Im Gegenteil, er haut noch mal kräftig auf die Pauke.

balsamico 16.01.2013 | 18:29

Graumann wünscht sich fraglos mehr Sympathie für Israel, vermutlich weil er sich ein nicht zumindest auch auf Sympathie beruhendes Verhältnis zu Israel nicht wirklich vorstellen kann und weil er außerdem wohl meint, dass sich die richtige Sicht auf die Probleme mehr oder weniger automatisch einstellen muss, wenn man zur Sympathie für Israel fähig ist. Es hat ihn, nach meinem Eindruck, ehrlich bekümmert, dass Augstein auf seine Werbungsversuche ziemlich unterkühlt reagierte. Aber genau hier liegt m.E. ein Teil des Problems: Wer den Nahostkonflikt auf seine Zutaten, namentlich auf seine Ursachen und Wirkungen so kühl und vernunftgesteuert abkopft wie Augstein, der wird mit Leuten wie Graumann und anderen, die Israel lieben - weil es ja durchaus liebenswürdige Menschen und liebenswürdige Seiten hat - nie auf einen Nenner kommen. Kann sein, dass das auch eine Ursache für so manches Missverständnis ist.

janto ban 16.01.2013 | 19:00

Kann gut sein. Und dass der Durchschnitts-Linke nicht einmal sein eigenes Land (z.B. Deutschland) unkritisch und frei von der Leber weg "liebt", könnte der zweite Teil des Problems sein.

Nicht, dass mir Deutschland nicht sympathisch wäre. Nein nein, es hat durchaus liebenswerte Menschen hier. Weitergehenden Aussagen rufen aber nur das Schimpfwort "Patriot" auf den Plan. Und das will ich ja nicht.

"Israel ist ein großartiges, offenes Land", soll ich sagen. Dann sage ich das hier einfach mal ohne Wenn und Aber. Israel ist ein großartiges, offenes Land. Kommentar Ende.

balsamico 16.01.2013 | 20:43

Kann gut sein. Und dass der Durchschnitts-Linke nicht einmal sein eigenes Land (z.B. Deutschland) unkritisch und frei von der Leber weg "liebt", könnte der zweite Teil des Problems sein.

Genau. In Deutschland gilt (mehrheitlich) immer noch das Wort von Gustav Heinemann:

"Ach was, ich liebe keine Staaten, ich liebe meine Frau; fertig!" - Auf die Frage, ob er diesen Staat denn nicht liebe. Zitiert von Hermann Schreiber in DER SPIEGEL, 13. Januar 1969 (s. b. WIKIPEDIA, balsamico)

Ich muss bekennen, dass ich das auch so sehe. Deutschland und ich haben eine erstklassige Arbeitsbeziehung, nicht mehr und nicht weniger.

Moliet 16.01.2013 | 20:44

von der Zeit zensiert...deshalb hier im Freitag....

Tränen und Wut

Ich kann ihnen nur eines sagen, wenn ich Artikel lese von Juden, die ihre Regierung kritisieren, weil sie sich ein friedliches Miteinander wünschen und das auch in ihrem täglichen Leben mit Palästinensern und arabischen Mitbürgern bewerkstelligen und zeigen, dass es möglich ist. Dann bekomme ich sehr oft Tränen des Glücks in die Augen, weil es einem für einen Moment Hoffnung macht.

Verfolge ich das Vorgehen der israelischen Regierung und ihrer weltweiten Unterstützer, bekomme ich Wut.

So wie mir geht es vielen in der BRD und das hat nichts mit Antisemitismus und Judenhass zu tun, sondern ganz einfach mit gesundem Menschenverstand. Wir Bürger der BRD bekommen seit Jahrzehnten die Verantwortung für den Hc eingehämmert. Was erwarten sie jetzt von uns? Sollen wir jetzt wieder wegschauen?

balsamico 16.01.2013 | 21:18

Das mit der Liebe zum Land ist, glaub' ich, auch so ein Unterschied zwischen Deutschen und Israelis, der darauf beruht, dass beide unterschiedliche Lehren aus der Geschichte gezogen haben.

Wolffsohn/Brechenmacher haben dazu mal einen guten Essay geschrieben. Titel: "Geschichte als Falle." Sehr interessant. Er handelt davon, dass die Deutschen und die Israelis sehr unterschiedliche Lehren aus der Geschichte gezogen haben und sich entsprechend gegensätzlich verhalten: U.a.: Während die Deutschen im Allgemeinen nicht (mehr) dazu neigen, fremdes Land zu beanspruchen, sind die Israelis diesbezüglich relativ entspannt. Während die Deutschen Gewalt im Umgang der Völker nicht (mehr) mögen, halten die Israelis Gewaltanwendung zur Wahrnehmung ihrer Interessen für durchaus legitim. Während die Deutschen mit Religion nicht (mehr) viel am Hut haben, spielt sie in Israel noch eine erhebliche Rolle. Und während die Deutschen vom Nationalismus die Nase voll haben, steht er in Israel relativ hoch im Kurs.

Und, wäre hinzuzufügen, während die meisten Israelis resp. Juden ihr Land, also Israel, lieben (und ihre PartnerInnen), lieben die Deutschen weniger ihr Land als ihre PartnerInnen.

Und sitzt eben jeder in seiner Falle: Die Deutschen denken, sie hätten mit ihrer Sichtweise die richtigen Lehre aus der Geschichte gezogen und die Israelis denken das Gleiche - mit entgegengesetzter Konsequenz. Und jeder beharrt auf seiner Sicht. Zusammen kommt man so nie. Aber weil es schön kribbelt, beharkt man sich eben; nicht nur gegeneinander sondern durchaus auch untereinander.

Joachim Petrick 16.01.2013 | 21:26



"Ich habe auch den Redakteuren nicht mangelnde Neutralität vorgeworfen, sondern nur gesagt, sie konnten, auch wenn sie gewolt hätten, nur so weit gehen, wie es gerade noch zu vertreten ist. Und wenn Du jetzt meinst, Spiegel und S-P.O.N. stünden in direkter Konkurrenz und hätten nichts miteinander zu tun, tja, dann tuts mir echt leid."

Du machst es mir nicht leicht, Dich zu verstehen, Du baust hier einen persönlichen Popanz Richtung Jakob Augstein auf, hälst aber wichtige Zusammenhänge Deines Dissenz mit ihm bisher zurück-

Wenn Du meine Einlassungen, nicht als Tatsachenfeststellungen sondern Anfragen verstehen könntest, haben wir vielleicht eine Chance uns in der Sache zu verständigen.

Die Frage ist doch auch beim Freitag, ob wir die Option, dessen Online Version, samt Community, unabhängig von der Printausgabe, als eigene Bausstelle verstehehn und organisieren könnten?

Ich weiss nicht, wieweit das realistisch ist, ich gebe es aber im Falll DES SPIEGELS zu bedenken.

Was ist das denn anderes an Einschränkung von Neutralität, wenn die Rdakteure nicht könnten, wie sie wollten?
Was soll dieser Streit um des Kaisers Bart?

Georg von Grote 16.01.2013 | 21:37

Ich bau hier keinen Popanz auf, sondern ich habe nur gerügt, dass diese Vorgehensweise handwerklich nicht nur unklug sondern durchaus auch bedenklich ist. Wenn Du das nicht so sehen willst, kann ich das nicht ändern, aber Du solltest Dich dann auch fragen, wie neutral Du in dieser Sache bist oder sein willst.

Wenn Du glaubst, Du könntest Spiegel und SPON voneinender völlig trennen und meinst, das ginge auch hier bei Freitag print und Freitag community, dann bist Du ziemlich schief gewickelt, würde ich mal sagen.

Das heißt nicht, dass man nicht innerhalb einer Redaktion verschiedener Meinung sein und die auch äußern kann. Das muss sogar so sein. Aber in diesem konkreten Fall hat das Ganze ein Geschmäckle.

Joachim Petrick 16.01.2013 | 21:41


"Wieso fällt mir in diesem Zusammenhang folgendes ein? Ein Gauleiter lies in den 40ern in der Ukraine weite Gebiete umbesiedeln, um sich sein Jaggebiet zu verschönern."

Da können Sie selber wohl am besten für sich beantworten.
Im Übrigen geht es um Entzug von Staatsbürgerschaft, was völkerrechtswidrig genug ist und nicht um Umsiedlung wie im Apartheitsregime Südafrika in Homelands.

Die Vorstellung, dass Umsiedlungen Jagdgebiete verschönern könnten, ist mutmaßlich ihre grottenhaft zynische Interpretation.

Joachim Petrick 16.01.2013 | 21:57


"Wenn Du das nicht so sehen willst, kann ich das nicht ändern, aber Du solltest Dich dann auch fragen, wie neutral Du in dieser Sache bist oder sein willst."

Wie könnte ich, dank Urteilskraft in der Sache, neutral sein? Wo willst Du mich denn hin verorten. Du hast ja eine seltsame Vorstellung von Meinungs. und Urteilsfindung?
Okay!, wir haben da unerschiedliche Sichtweisen, auch wenn ich, wie Du meinst, schief gewickelt bin.

Warum sollten Printausgaben und Online Ausgaben, dank unterschiedlichen Redaktionen, nicht in bestimmten Fragen Sachlagen, Zielgruppen- Orientierungen unterschiedlich positioniert unterwegs sein?

"......handwerklich nicht nur unklug sondern durchaus auch bedenklich ist"

Meine Güte!
worüber reden, schreiben wir hier, doch nicht über Unklugheit, Etikette, sondern darüber, wie übergriffig undifferenziert, die Simon Wiesenthal Stiftung, befeuert von Einschätzungs- Expertisen Dossiers des Herrn Henryk M Broder, Jakob Augstein als angeblichen Antisemiten auf ihre Schwarze Liste gesetzt hat.
Auf jeden Fall der Fälle!
"Du bist okay! ich bin okay!"

janto ban 16.01.2013 | 22:00

In dieser Analyse steckte dann eine beinahe nicht zu lösendes Paradoxon aus deutscher Sicht. Graumann fordert von Augstein im SPIEGEL-Gespräch, dass Augstein sich - falls er ein Herz habe - doch bitte in die Lage der Israelis einfühlen möge. Dass es dort um "Leben und Tod" ginge. Von der beleidigenden Unterstellung mal abgesehen, fällt das Einfühlen eigentlich gar nicht schwer. Aber die Siedlungspolitik passt nicht ins Bild.

Wenn es ein Spiel wäre, müsste man es vielleicht "Good German, bad German" nennen. Mit den Spielregeln: Guter Deutscher, hilf, die Juden und ihren Staat zu beschützen. Mach den gleichen Fehler nicht in kongruenter Form noch einmal. Aber böser Deutscher, finde doch bitte ein Stück weit zu deiner aggressiven Grundhaltung zurück, die es braucht, um Interessen und Überzeugungen gegen Widerstände durchzusetzen.

Daran kann man als linker Sohnessohn doch eigentlich nur verrückt werden.

petar 16.01.2013 | 22:09

Jetzt auch noch ich :.

Gustav Heinemann : Ich liebe meine Frau.

Soviel zu Liebe!

Ich: Was wäre z.B. Lea Rosh ohne Holocaust ?

Ic : HM Broder ist ein Buffone.(B wie Berlusconi ecco Hanswurst).

Ich:Lieberman wäre (nach seinen Äusserungen zu urteilen) vor 1000

Jahren auch als Nazi durchgegangen.

Generell gesagt,Kritik an Netanyahu und seiner Politik wird leichtfertig als Antisemitismus verunglimpft. Die braunen Horden

in Deutschland freuen sich darob.

janto ban 16.01.2013 | 22:25

| Aber böser Deutscher, finde doch bitte ein Stück weit zu deiner aggressiven Grundhaltung zurück, die es braucht, um Interessen und Überzeugungen gegen Widerstände durchzusetzen. |

Was man vielleicht als "sich Unrecht entgegenstellen" übersetzen könnte. So näherten sich die Punkte dann an. Und Unrecht gibt's ja genug. Diktatur, Mord, Entrechtung von Frauen und Homosexuellen, die ganze Palette. Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll. Aber über die bevorzugten Mittel gegen dieses Unrecht muss geredet werden. Dass es mit "We love you, Iran" allein nicht getan ist, ist mir klar. Falls Ahmadinedschad doch eine Bombe baut - und sie auch schmeißen will, weiß ich auch nicht weiter. Wie haben wir unseren kalten Krieg eigentlich damals überwunden? Weiß man das noch? Lässt sich das rekonstruieren..?

Gute Nacht.

Georg von Grote 16.01.2013 | 22:27

Nein, JP, dann haste den falschen Blog geschrieben, oder weißt nicht mehr, was Du oben geschrieben hast.

Der Tenor Deines Blogs geht eindeutig in die Richtung, das JA sich in diesem Gespräch gekonnt und als Sieger herausgehend, der "Spiegel-mainstream-Waschanlage" entzogen hätte.

Und um nichts anderes geht es bei meinem Einwurf, dass das auch nicht anders so enden konnte, wenn Leute aus dem eigenen Hause einen Kollegen "waschen" wollen. Man stellt einen Kollegen nicht bloß, das ist ehernes Gesetz in der Branche.

Ein Beispiel, das natürlich wie jedes Beispiel hinkt.

Wenn ein Polizist in Verdacht gerät, dann untersucht das auch nicht die eigene Dienststelle, sonst käme der Verdacht auf, dass da nicht alles mt rechten Dingen abläuft.

Für Dich scheint alles gelaufen zu sein und für Dich kann Augstein weitermachen, wie bisher. Das kann er eben nicht und das wird er, wenn er es noch nicht registriert hat auch nicht mehr können. Er wirf künftig bei diesem Thema genauer auf seine Worte achten müssen, sonst geht das Ganze wieder los.

Und den "Antisemiten", den bekommt er auch nicht wieder los. Der wird ihm bei nächstbester Gelegenheit wieder aufs Butterbrot geschmiert. So läuft das mit derartigen Stigmatisierungen. Irgendeiner gräbt es aus welchen persönlichen Gründen auch immer, wieder aus.

Joachim Petrick 16.01.2013 | 23:08

"Wenn ein Polizist in Verdacht gerät, dann untersucht das auch nicht die eigene Dienststelle, sonst käme der Verdacht auf, dass da nicht alles mt rechten Dingen abläuft."

Du bringst es auf Deinen Punkt, dass Jakob Augstein Einlassungen auf den "Heissen Stuhl" gehören, gar auf die "Anklagebank"
Genau da bin ich anderer Meinung,

ich habe auch nicht behauptet, dass Jakob Augstein als triumphierender Sieger aus der SPIEGEL- Waschanlage gegangen ist, sondern diese in einer Art und Wirkung gestoppt hat, wie diese von Katalysatoren erforscht sind.

Georg von Grote 16.01.2013 | 23:20

Versuch doch nicht immer, anderen was in den Mund zu legen, was sie nicht gesagt haben. Wo spreche ich von Anklagebank?

Es geht einzig und allein um eine kritische Auseinandersetzung dessen wier er sagt, was er sagen möchte. Und wenn Du Dir mal alle Pro-Artikel ansiehst, dann kritisert fast jeder zweite die Form, die Wortwahl und auch teilweise die Stoßrichtung.

Und natürlich sprichst Du vom "Sieger", wenn Du folgendes Fazit ziehst:

Fazit:

Jakob Augstein gelingt es den Automatismus der PIEGEL- Waschanlage zu stoppen, trockenen Fusses, uneingeseift, so sauber wie zuvor, erhobenen Hauptes, seiner Sache gewiss, auszusteigen.
JP

Joachim Petrick 17.01.2013 | 00:11

Kommentar beantworten Flag comment
"Es geht einzig und allein um eine kritische Auseinandersetzung dessen wier er sagt, was er sagen möchte. Und wenn Du Dir mal alle Pro-Artikel ansiehst, dann kritisert fast jeder zweite die Form, die Wortwahl und auch teilweise die Stoßrichtung."

Jetzt scheinst Du auf den wahren Trichter gekommen zu sein, dass nämlcih die Ungeheurlichkeit der Schwarzen Liste der Simon Wiesenthal Stiftung, wie von zauberhand, in den Hintergrund tritt und aus allen Richtungen sich jetzt über eine Verdeckungsdebatte viele, darunter Du, an der Art von Jakob Augsteins Formulierungen ihr Mütchen kühlen, anstatt sich dem eigentlichen Drama im Nahen Osten, Israel, Palästina zuzuwenden!

"Fazit:

Jakob Augstein gelingt es den Automatismus der SPIEGEL- Waschanlage zu stoppen, trockenen Fusses, uneingeseift, so sauber wie zuvor, erhobenen Hauptes, seiner Sache gewiss, auszusteigen."

So kommt am Schluss heraus, dass Du unter Katalysatoren Sieger verstehst?, wenn ja, seitwann reagieren Katalysatoren mit Akteuren mit? und rufen sich als Sieger aus?

miauxx 17.01.2013 | 00:17

Ich kenne den Essay nicht, nehme aber mal an, es geht nicht allein um Israel und Deutschland und ihr Verhältnis zueinander.

Ist es aber doch so - oder Sie geben den Essay nur so wieder -, so frage ich mich, was der Blödsinn bzw. was das mit dem Thema hier zu tun haben soll? Haben Deutschland und Israel heute ein Problem miteinander, weil der eine Land will und der andere nicht? Womit oder worin sollen die beiden Staaten "zusammenkommen"? Haben sie Meinungsverschiedenheiten? Oder sollen "wir" als Deutsche etwas bedauern, was "uns" verlustig gegangen ist, während Israel das noch "darf"?

Wie gesagt, ich weiß nicht, ob der Essay tatsächlich so schräg ist oder nur Ihre Wiedergabe ... Die Aussage ihres Kommentars ist mir noch ein Rätsel - um nicht zu sagen, dass ich eine sehr bedenkliche Tendenz wittere ...

Georg von Grote 17.01.2013 | 01:41

Es ist schon phänomenal, wie Du Dich windest. All das gibt Dein Blogtext nicht her.

Du bist hergegangen und hast versucht, das Spiegel-Gespräch zu rekapitulieren undf auch gleich zu werten. Dabei hast Du erstmal ein Szenario entwickelt, das einem drittklassigen Filchen entsprungen sein könnte. Zwei bissige Spiegelreporter, zähneknirschend auf ihren zahnfüllungen herumkauend versuchen den Helden mit allen Mitteln "brain zu waschen" und am Ende verläßt er ungeschoren, "trockenen Fußes" die Waschanlage, zudem gestärkter als zuvor und genauso sauber, wie er reingegangen ist.

Das ist das Bild, das Du beschreibst. was Du jetzt behauptest steht da nicht. Wenn Du das so hättest ausdrücken wollen, dann hättest Du das auch so schreiben müssen. Ich bin nicht hier um Deine Gedanken zu lesen :-)

Ob dein "Held" nun seiner sache gewiss ist und denkt, er könne genauso weitermachen, wie zuvor, das kann nur einer beantworten. Steht hier aber nicht zur Debatte. Allerdings sauber war er vorher schon nicht mehr. Vielleicht für Dich, weil Du keinerlei Kritikpunkte siehst, aber selbst seine Befürworter attestieren ihm, verbal daneben gelangt zu haben. Und genau das ist der Punkt. Diese Textpassagen, die nun beinahe jeder fast schon auswendig herunterbeten kann, sind eben kritikwürdig. Das die Schlußfolgerung des SWC und dessen Anhänger falsch und JA kein Antisemit ist, schließt aber nicht aus, dass er sich mit seinen schlampigen Formulierungen in die Nesseln gesetzt und dadurch etwas ausgelöst hat, was möglicherweise viel nachhaltiger und unangenehmer sein wird, als dieser SWC-Vorwurf.

Offenbar will das aber keiner erkennen, bzw wahrhaben. Es macht auch keinen Sinn, das jetzt zu thematisieren, schon gar nicht hier, solange alle um Augstein herum tanzen, wie ums Goldene Kalb und noch gar nicht weiter denken können.

Es geht hier auch nicht um eine neue Nahostdebatte, die Du jetzt gerne hättest, die aber Dein Text oben auch nicht hergibt, sondern es geht darum, dass, wenn man wie Du diese kritischen Punkte nicht sieht oder verharmlost genau das eintritt, was Augstein ganz bestimmt nicht wollte und nicht will, nämlich dass sich mehr und mehr nun bestätigt fühlen, sie könnten jetzt endlich laut aussprechen, was sie sich bisher zumindest nicht in aller Öffentlichkeit zu sagen trauten.

Die Anfänge sieht man hier schon: da faselt einer von Erpressung, da wird frank und frei wieder von der jüdischen Finanzmacht gesprochen, die die Welt im Griff hat, von jüdischen Lobbys, die ganze Regierungen kontrollieren und einige gehen schon her und realtivieren den Holocaust nach dem Motto, war doch alles nicht so schlimm, die anderen wie Stalin waren noch viel schlimmer und da waren auch noch Juden mit im Spiel.

Und ich prophezeie Dir, das ist erst die Vorhut. Das wird noch wesentlich schlimmer. Das hat Augstein mit Sicherheit nie gewollt und beabsichtigt und wahrscheinlich auch nie im Traum daran gedacht, dass so etwas eintreten könnte. Aber es passiert. Hier direkt vor Euren Augen.

Und es ist fast schon ein Treppenwitz, dass ausgerechnet der, der hier von allen als antisemitische Sau durchs Dorf gejadt wurde, Eure Nasen darauf stoßen muss, weil Ihr es entweder nicht sehen oder nicht wahrhaben wollt.

Der Held, den Du in Deinem Fazit beschreibst ist ein tragischer Held.

Joachim Petrick 17.01.2013 | 02:08

"
Die Anfänge sieht man hier schon: da faselt einer von Erpressung, da wird frank und frei wieder von der jüdischen Finanzmacht gesprochen, die die Welt im Griff hat, von jüdischen Lobbys, die ganze Regierungen kontrollieren und einige gehen schon her und realtivierenden Holocaust nach dem Motto, war doch alles nicht so schlimm, die anderen wie Stalin waren noch viel schlimmer und da waren auch noch Juden mit im Spiel."

"

Willst Du das jetzt mir und Jakob Augstein ans Bein binden?

Nee!,

mein Lieber, umgekehrt wird ein Schu drauss. Das passiert, wenn überhaußt, nur deshalb, weil Jakob Augstein auch von Leuten wie Dir eine inhaltliche Debatte zur bundesdeutschen Israelpoiltik mit dem Hinweis verweigert wird, die Art und Form sei nicht adäquat, entspreche nicht den still vereinarten Sprachregelungen, was womöglich nicht einmal stimmt

Jetzt fährst Du in der Hinsicht ja richtig zu Hochfrom auf

Georg von Grote 17.01.2013 | 02:13

Mein letzter Kommentar hier, da es wohl unmöglich ist, mit Dir auf einer argumentativen Ebene zu verkehren.

Es geht nicht darum, keine kritik üben zu dürfebn, es geht einzig und allein um eine sorgfältige Formulierung. Das Du das nicht verstehst, ist klar aber mir ist das Thema ein wenig zu ernst als es von einem öffentlichen Nahverkehrsbetatscher durch den Kakao ziehen zu lassen.

Ich danke für das sinnlose Gespräch :-)

Joachim Petrick 17.01.2013 | 02:22

"Das Du das nicht verstehst, ist klar aber mir ist das Thema ein wenig zu ernst als es von einem öffentlichen Nahverkehrsbetatscher durch den Kakao ziehen zu lassen."

Nun spiel Dich hier nicht noch frech, kievig und anmaßend auf.

Ich verstehe Deine Befürtchtuing. Das sollst Du wissen, aber ich teile diese nicht, denn bei Gefahr und höchtser Not verheißt der Mittelweg bei Formulierungen den sicheren "Tod"


balsamico 17.01.2013 | 09:53

Ich kenne den Essay nicht, nehme aber mal an, es geht nicht allein um Israel und Deutschland und ihr Verhältnis zueinander.

Wolffsohn/Brechenmacher zeigen darin u.a. auf, dass Deutsche und Israelis von ihrem jeweiligen Standort bzw. Standpunkt aus unterschiedliche Lehren aus der Geschichte gezogen haben, die zwar jeweils für sich plausibel sind aber dazu führen, dass die eine Seite die andere nicht versteht - und umgekehrt. Daher der Titel: "Geschichte als Falle."

Ist es aber doch so - oder Sie geben den Essay nur so wieder -, so frage ich mich, was der Blödsinn bzw. was das mit dem Thema hier zu tun haben soll?

Ich erinnerte mich beim Lesen des SPIEGEL-Gesprächs zwischen Augstein und Graumann daran. Jeder argumentierte aus seiner Falle heraus.

Haben Deutschland und Israel heute ein Problem miteinander, weil der eine Land will und der andere nicht? Womit oder worin sollen die beiden Staaten "zusammenkommen"? Haben sie Meinungsverschiedenheiten? Oder sollen "wir" als Deutsche etwas bedauern, was "uns" verlustig gegangen ist, während Israel das noch "darf"?

Es geht, glaub' ich, weniger um Probleme der beiden Länder bzw. Staaten in ihrem bilateralen Verhältnis als um Verständnisprobleme zwischen Deutschen und Isarelis/Juden. Man hat aus Gründen der jeweiligen Geschichte und der jeweiligen Erfahrungen mit den geschichtlichen Gegebenheiten unterschiedliche Sichtweisen und kommt nicht zusammen. Das ist alles.

balsamico 17.01.2013 | 10:28

von der Zeit zensiert...deshalb hier im Freitag....

Auch ich habe mit ZO und SPON einschlägige Erfahrungen. Bei ZO wurde ich schon nach 3 harmlosen Beiträgen dauerhaft gesperrt und bei SPON wurde die Auswahl der Beiträge, die angenommen oder verworfen wurden, zuletzt dermaßen selektiv (willkürlich), dass es dem Teufel grauste. Die Moderatoren dort waren im Umgang mit dem Thema und der Meinungsfreiheit völlig überfordert, diskret gesagt. Einerseits wollten sie eine lebendige Diskussion. Aber wenn es lebendig wurde, würgten sie sie ab.

Mei Nung 17.01.2013 | 13:14

Ich stimme mit Augsteins Aussagen in dem Streitgespräch weitgehend überein. Ich verstehe auch vollkommen sein Anliegen, aus seinem journalistischen Selbstverständnis heraus, keine "verdrucksten Texte" über Israels Siedlungs-und Sicherheitspolitik schreiben zu wollen. Allerdings befremdet mich ein wenig sein Begriff "neurotischer Journalismus". Zumindest bedürfte dieser Begriff einer näheren Erläuterung.

Es trägt m.E. leider zum Misverstehen israelischen Selbstverständnisses entscheidend mit dazu bei, dass wir permanent unsere eigenen unterbewusst fortbestehenden "Kränkungen" ignorieren. Dies bei der notwendigen Kritik an Israel mitzudenken, hat ( falls Augstein dies gemeint haben sollte) nichts mit "neurotischem Journalismus" zu tun.

Im übrigen liegt die größte Chance zur Beendigung des latenten Antisemitismusvorwurfs( und dieser Debatte) m.E. in dem, was der israelische Journalist Ronen Bergman im "Spiegel" der israelischen rechtsnationalen Führung vorgeschlagen hat: "Bringt den Friedensprozess wieder in Gang und lasst die Palästinenser einen Staat ausrufen, der neben unserem existiert. Dann wird es möglich sein zu unterscheiden zwischen denen, die uns für die Besatzung kritisieren, und den echten Judenhassern. Auf Letztere können wir dann das Wiesenthal Center loslassen."

Joachim Petrick 17.01.2013 | 16:15


Was mir bei diesen Überlegungen vernachlässigt scheint, ist, dass "Deutschland" historisch mit seinen vielen kleinen Königs-, Fürstentümern, föderativen Strukturen, das Kernland einer Indentifikation mit Europa als "Abendland" verkörpert, das nicht zuletzt durch die Tatsache der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation durch den französischen Kaiser Napoleon im Jahre 1806 auf die falsche Spur der europaweit alles verengend heillosen Idee vom Nationalstaatswesen geriet.

Unter dem Aspekt des Kernlandes Europas ist es gleich, ob Schlesien, Pommern zu Polen oder einer irgendwie deutschen Republik gehört, auch wenn Historiker wie Wolffsohn/Brechenmacher in ihrem Buch "Geschichte als Falle" Vergleiche zwischen der Geschichte Deutschlands mit dem Staat Israel, dem jüdischen Volk und seiner Geschichte ziehen wollen.

Da sitzen sie nun in einer selbst gestellten Falle?, wenn ja, wollen sie die Idee Europas mit Deutschland als einem der abendländischen Kernländer nicht fordern und fördern?

Dabei geht es um mehr als um Verständigungsprobleme zwischen Israel und Deutschland, dabei geht es darum, um wir föderativen Strukturen sowohl im europäischen wie arabisch. israeischen Raum in der Zeit Perpektive, fordernd und fördernd, eine Chance einräumen wollen

Joachim Petrick 17.01.2013 | 16:24

In Fragen von Hochrüstung Israels ist ja nicht einmal auszuschließen, dass Israelis, undercover, um der Sache ihrer fremdfinanzierten Rüstung zu dienen, maskiert, getarnt als Agent provocateur, Antisemiten , Ultra Rechtsradiakale unterwegs sind?

Haushaltpolitisch kann Israel sich, heillos überschuldet, kurz vor dem Staatsbankrott, nicht einmal mehr geschenkte U- Boote aus Deutschland leisten, weil allein deren Unterhalt zu teuer ist

thinktankgirl 17.01.2013 | 18:17

@Petrick

Herr/Frau Moliet sollte mit Vorsicht genossen werden, da er/sie beim ersten Auftauchen in der FC gleich Zitate eingesetzt hat (ohne zu verlinken), die von einer Webseite stammen (und nur dort zu finden sind), die antisemitische Verschwörungstheorien pflegt.

Zwei Zitate sind zwar von der Moderation gelöscht worden, aber es steht immer noch etwas da, das auch von besagter Webseite kommt.