Jakob Augstein in die Fänge des Boulevard Der Zeit gewuchtet?

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Jakob Augstein in die Fänge des Boulevard Der Zeit gewuchtet?

In der Ausgabe 50- 66- 09 Der Zeit lässt es sich der Autor Alexander Cammann nicht nehmen, die kreuzweise verknoteten Lebens- und Zeitkurven einer männlichen Troika „fatal“, statt Glasnost Perestroika, überaus bekannter Namen, die da in alphabetischer Reihenfolge sind, Rudolf Augstein, Siegfried Unseld, Martin Walser, in der jeder in seinem Metier große Fußabdrücke in der Kulturgeschichte der deutschen Gegenwart hinterlassen, mit einer märchenhaft romantisch heldisch anmutenden Geschichte unbedenklich in die seichten Gewässer, den Treibsand, die Fänge des Boulevard zu tunken.

Dabei gibt diese männliche Troika mehr innere Botschaften von ihrer Generations- Genossenschaft her, als es der Autor berichtet.

Die Männer dieser stillen wie scheinbar unantastbaren Troika, Rudolf Augstein, Siegfried Unseld, Martin Walser, sind in der Generation der Söhne und Töchter des Krieges, Hüben und Drüben, in Deutschland, in Europa, kein Einzelfall, sondern bei genauerem Betrachten nahezu die unsichtbare Hand der Prägung von Männer- und Frauenbilder der Geburtsjahrgänge von 1918- 1934 durch kindlich erlebte Krisenjahre weltwirtschaftlicher Depression, Vorkriegs- , Kriegs- , Nachkriegs- und Wiederaufbauzeit.

Frauen wie Männern dieser Geburtsjahrgänge konnten und können in der Sache bis heute unverkrampft über gesellschaftliche Gräben, Männer- und Frauenverhältnisse hinweg miteinander wie Kesselflicker streitend miteinander toben, und bleiben doch auf wundersam rätselhafte Weise als Söhne, als Töchter der Krisen, Kriege, Katastrophen, bedingungslosen Kapitulationen unverbrüchlich miteinander, auf Gedeih und Verderb verbunden.

Der Erwerb von Besitz ist diesen Töchtern und Söhnen der Weltkrisen von 1918- 48 so fremd wie der Besitz von Frauen durch Männer, wie umgekehrt der Besitz von Männern durch Frauen, denn Ihre Liebe, ihr Lebensgefühl ward in den selbst auferlegten Zwängen der Höflichkeit in Welt- Krisen, Kriegen, Katastrophen, bedingungslosen Kapitulationen geboren.

Die Gleichmütigkeit in der Wahrnehmung des Entfernens und des Nahens vonLiebe war und ist ihnen durch diese Höflichkeit bis Heute ins Herz und Hirn gebrannt.

Abwesenheit von Liebe war ihnen wie ein Marschbefehl an sichtbare und unsichtbare Fronten, einer, Mann wie Frau, übernahm stellvertretend als Kamerad/in, Genosse/in, Widerstandskämpfer/in, Partisan/in, Deserteur/in, Verfolgter, Deserteur/in die Liebe des anderen im „Urlaub“, um diese zu pflegen, in Sicherheit und einstweilig inniger Geborgenheit zu halten.

Die geborene, zur Welt gekommenen Früchte dieser kreuzweisen Lieben waren von Anfang an ein gemeinsam bestelltes weites Feld der gegenseitigen Versicherungen auf den Fall des Todes, der Verschollenheit, der Abwesenheit durch Kriegs- und Nachkriegs- Gefangenschaften des Kalten Krieges, der illegalen Parteien, Zugehörigkeiten, Hüben und Drüben.

Die Anwesenheit der Liebe dagegen war der befreiende Schlag, weg von sichtbaren wie unsichtbaren Front heißer wie kalter Kriege, in Form eines Urlaubsscheins.

Die Offenbarung eines der stillen Geheimnisse dieser verschworenen männlichen Troika „ Rudolf Augstein, Siegfried Unseld, Martin Walser“ geschah eher beiläufig auf Nachfrage Jakob Augsteins an seine Mutter, die renommierte Updike Übersetzerin, Maria Carlsson, nachdem Rudolf Augstein im Jahre 2002 gestorben war.

Diese Offenbarung zwischen Mutter und Sohn geschah offenbar, völlig unspektakulär, lakonisch wie eine Marginale, beinhaltete diese Offenbarung doch nur den beiläufigen Umstand eines verloren gegangenen, nun nachgereichten Frontberichts an die kreuzweise Nach geborenen, dass Martin Walser der biologische Vater, Rudolf Augstein der soziale Vater von Jakob Augstein, Jahrgang 1967, ist, wie es Heute in Patchwork- Familien, spätestens nach den Romane von John Updike Literatur, im gesellschaftlichen Gang und Gebe ist!?

Dabei geht verloren, dass diese Offenbarung zwischen Mutter und Sohn ein Teil des „Coming Homes“ der Geburtsjahrgänge von 1918- 1934, zahlloser Troikas von Überlebenden der Generation der Töchter und Söhne der Welt- Krisen, des Krieges, der Katastrophen, der bedingungslosen Kapitulationen ist.

Hier den Versuch zu starten, wie es der Autor, Alexander Cammann in Der Zeit unternimmt, die Geschichte der Troika, Rudolf Augstein, Siegfried Unseld, Martin Walser, samt weiblichem Anhang und kreuzweisen Nachkommenschaft in den heroisch romantischen Stand eines intellektuellen Hochadels „Der Reichen & Schönen des Boulevard“ jubelnd zu wuchten, zeugt nicht von wirklicher Wertschätzung aller beteiligten Personen.

JP

04:32 04.12.2009
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Joachim Petrick

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