Joachim Gauck, der Lordsiegelbewahrer der Demokratie, Teil II

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Joachim Gauck, der Lordsiegelbewahrer der Demokratie,

Teil II

Will Joachim Gauck als ehemaliger Sonderbeauftragter der DDR, dann der Bundesrepublik Deutschland für das Stasiunterlagengesetz der DDR von 1990, nun als Hüter, als Lordsiegelbewahrer der Demokratieunterlagen Deutschlands in heikler Mission antreten?

Erst als Kandidat für die Wahl ins Bundespräsidentenamt, dann, völlig überraschen, wie wundersam, in das Amt des Bundespräsidenten berufen, Rechenschaft vor dem gesamten Deutschen Volk und der Weltöffentlichkeitdarüber ablegen?

Rechenschaft worüber?

Was vom Ansatz, von der Anlage und Konstruktion des Stasiunterlagengesetzes der DDR von Anfang an, de jure wie de facto, nie geplant, nie vorgesehen, kaum machbar und doch notwendig ist, nämlich aufzudecken, dass es, spätestens im Wege der beginnenden Amtszeit von Michail Gorbatschow seit 1985 als Generalsekretär der KPdSU, wie später als Staatspräsident der UdSSR mit seiner Perestroika und Glasnost einen Paradigmenwechsel für die, intelligent organisiert, systemrelevantenTeile der STASI und des MfS gegeben hat?

Worin bestand dieser Paradigmenwechsel innerhalb der STASI, des MfS, insbesondere in den Außenstellen der STASI in den Bezirken?

Der Paradigmenwechsel bestand darin, dass die STASI als „Schwert und Schild“ der Einheitspartei SED und dem Politbüro, sich von diesen in ihren Expertisen, Ergebnissen von demoskopischen Untersuchungen nicht mehr ernst genommen, ja beraten und verladen fühlte, weil der SED, dem Politbüro deren ensame Beschlüsse wichtiger waren, denn ein fundiert belastbarerDraht zum DDR- Staatsvolk.

Aus diesem erhellenden Grunde hat sich die STASI, das MfS in bestimmten Referaten über Jahrzehnte einen neuen verlässlicheren und wahrhaftigeren Gesprächspartner vor Ort in den Bezirken aufgebaut als die Nomenklatur der SED, der in wachsendem Maße über einen direkten Draht allerorten in der DDR zur Bevölkerung nicht nur anstrebte, sondern erfolgreich entwickelte, pflegte und behutsam wie umsichtig aufrechterhielt.

Welche gesellschaftliche Gruppierung konnte das, außer den Kirchen, im real- existierenden Sozialismus der DDR sein?

Eben!, gar keine, außer den Kirchen im Sozialismus!

Die Kirchen im Sozialismus mit Kontakt- und Bindungskraft in das Nichtsozialistische Ausland (NSA) waren der geborene wie auserkorenen Partner der STASI, des MfS.

Seit wann?

Seit Beginn der Glasnost, Perestroika im Jahre 1986 sowieso, wie davor durch denexplodierenden Devisenbedarf der DDR in Folge der ersten Ölpreiskrise 1973, der Aufkündung der Preissolidarität der UdSSR als Export- Globalplayer gegenüber den sozialistischen Bruderländern.

Dabei blieb es nicht.

Esfolgten in den wachen Augen des MfS, der STASIdieunwägbar wie unabdinglich bindendenAuflagen durch die Beschlüsse der KSZE- Prozessein Helsinki 1975, die in ihrer Wirkung auf die DDR Bevölkerung von der Nomenklatur in der SED, dem Politbüro weitgehend mit verheerenden fehleinschätzungen,Folgen (Ausbürgerung von Wolf Biermann 1976) marginalisiert und ignoriert wurden.

Genau aus diesen genannten und anderen Gründen, fingen einzelne STASI- Referate in Ostberlin, Leipzig, Rostock, Dresdenu. a. Bezirken an, eigenverantwortlich Strategiepapiere, vielleichtim Kontakt mit besimmten Stellen des befreundeten KGB, zu entwickeln,um sich ein neues „Parteivolk“ zimernd zu suchen, dass sich in der DDR, nicht wie die SED Nomenklatur als antifaschistische Avantgarde immer noch in Feindesland wähnte, sondern nach einem breiten Kontakt und belastbarerBindung mit dem DDR- Staatsvolk strebte, nämlich die Kirchen im Sozialismus als verlässlich zu untersuchender und fundiert Rat suchender Partner für den Inneren, den Sozialen und Äußeren Frieden.

Der Zielkonflikt der STASI, des MfS

„ich liebe auch doch alle“

war, die einen, die SED, das Politbüro, das Zentralkomitee, die Abgeordneten/innen der Volkskammer, Delegierten der Nationalen Front durften nicht bemerken, dass ihnen selbstverschuldet das Schwert und Schild der Partei, wg. Beratungsresistent der Nomenklatur, abhanden zu kommendrohte.

Die anderen, die Kirchenvertreter/innen im Sozialismus, sollten nicht einmal ahnen, geschweige denn bemerken, wie wichtig sie als Gesprächspartner und handelnder Partner für dieSTASI, das MfS waren.

Selbst für viele der DDR-Nomenklatur in Parteien, dem Politbüro u. u. ward durch diese ganze Geheimniskrämerei der STASI, des MfSerst richtig nach dem, dahin geschlunzten Günter Schabowski Berliner Mauerfall vom 09. November 1989, richtig ber die Medien offenbar, dass sie nicht alleine Privilegierte des SED- Regimes in der DDR mit einem Monatsgehalt/anno in DM, persönlicherAufwertung als Reisekader ins NSA, Erleichterungen, gar unbürokratische Aussetzung bestehender Bestimmungen, bei ausreisewilligen eigenen Sprösslingen, womöglich extra Zuwendungen vom Referat Kommerzielle Koordination des MfS unter dem NVA- Oberst Alexander Schalck- Golodkowski waren, sondern einen stillen Privilegien Partner hatten, nämlich die Mitarbeiter/innen, Vertreter/innen der Kirchen im Sozialismus der DDR die alles dies auch anstandslos in nahezu gleicher Weise erhielten.

Und nun nähern wir uns dem Rätsel der unterschiedlichen Betrachtung der Situationen und Einstellungen der Privilegierten in der untergegangenen DDR im Rückblick.

Während die einen, die Angehörigen der alten Nomenklatur der SED, des Politbüros, der STASI, des MfS, der NVA, des Wissenschafts- und Kulturbetriebs selber, heute im Bewusstsein leben, ihnen sei mit der Wende 1989 der Zugang zu legitimierten Privilegien als Forderungseigentum versperrt.

Fehlt es den damaligen Mitarbeiter/innen, Vertreter/innen der Kirchen im Sozialismus bis heute an Phantasie, sich vorzustellen, dass auch sie Privilegierte in der DDR waren, weil sie meinen, dass Wenige, was sie an Privilegien erhielten, Monatsgehalt/anno in DM, persönlicheAufwertung als Reisekader ins NSA, bis heute nicht der Rede wert sei.

Wenn ja, wohl doch eher den Geldern, den deutsch- deutsch grenzüberschreitenden Zuwendungen, Überweisungen aus Quellen der Bundesrepublik Deutschland mit eigenen stillen Konten in Hamburg, München, Bremen, Düsseldorf, Karlsruhe, Aachen, Stuttgart, Hannover, Lübeck u. u. im Rahmen der verbliebenen Einheit der deutschen Kirchen geschuldet war und nicht dem Entgegenkommen des MfS, der STASIim Missionsgebiet, namens real- existierender Sozialismus in der DDR.

Dass darin ein eklatanter Irrtum in der Wahrnehmung der deutsch- deutschen, sonders der Verhältnisse der Kirchen im Sozialismus der DDR von 1949- 1990 liegt, treibt heute möglicherweise Joachim Gauck an, seinen Handschuh in den Ring der Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten auf dem rotgrünen Ticket in heikler Mission zu werfen.

Das Problem für Joachim Gauck, scheint mir bei seiner heiklen Mission zu sein, wie vollendet Joachim Gauck, glückhaft wie umsichtig seine Mission, ohne das Ansehen der Kirchen im Sozialismus wie heute zu beschädigen, sondern zu mehren?

Ein Schelm, wer dabei Böses denkt und vermeint, Joachim Gauck wolle mit seiner spektakulären Kandidatur, neben seiner menschlich vorhandenen Eitelkeit als Siebzigjähriger, das Propaganda Marketing Gag für sein neues Buch

“im Sommer Winter, im Herbst Frühling“

vorzüglich nähren.


JP

23:40 17.06.2010
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Geschrieben von

Joachim Petrick

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Joachim Petrick

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