Joachim Petrick
15.04.2014 | 02:47 83

Karlheinz Deschner 1924- 2014

Nachruf Allgemeinbildungsgut ist Karlheinz Deschners Wissen um kirchliche Abgründe aber bei weitem bis heute noch lange nicht. Karlheinz Deschner starb am 8.April 2014

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Joachim Petrick

Im stillen Grabe, unter der Grasnarbe noch, die Kretins, die vergeblichen, verkannten, die anerkannten, hochgejubelt congenialen Stars des Literatrubels, fad senistre Prominenz gestohlener Zeit, wie sie ihm, bar allen Erbarmens mit den "Armen", alle sündenstolz hießen, Hermann Hesse, Max Frisch, Hans- Magnus Enzensberger, Walter Jens, Günther Grass, Uwe Johnson, Ingeborg Bachmann, Siegfried Lenz, Heinrich Böll zum wiederholten Rapport bestellt, kühn den Stachel wider den Ungeist der Zeit gelöckt, war das lebenslang Karlheinz Deschner?

Ja, er war es bis er am 8. April 2014 mit 89 Jahren starb als weilte er für alle Zeiten unter uns, den Übriggebliebenen der Schande nicht nur im Namen der Christenheit auf Erden?

In Medias Res der Ermittlungen von Karlheinz Deschner in Auszügen:

Kaiser Konstantin "Magnus", starb im Jahre 337 n. Christus, alle Mitglieder seiner Familie, die seiner Karriere im Weg standen. soll er, seiner inneren Stimme folgend, umgebracht haben.

Tausende an Mordtaten "zu Felde" hat er auf dem Kerbholz, vom Bewusstsein eines persönlichen Gewissen konnte noch keine Rede sein. Als "leuchtendes Vorbild der Christenheit" wird Konstantin heiliggesprochen: Hat er doch ganz im Sinne jener Zeit neuen Erfindungsdrangs eines bewaffneten Christentums im rechten Glauben gehandelt.

Vor allem hat Konstantin, den "alle als einen gütigen Vater kennengelernt" (Bischof Theodoret), gesiegt. Es kommt auf die Menge des Erfolgs an und auf die richtige Rechtfertigung desselben. Wer einmal mordet, ist kriminell. Erst der Umfang des Wütens und die Flut des vergossenen Blutes machen Verbrechen straflos. Wer sich seine Taten von Päpsten sanktionieren läßt, ist historisch am erfolgreichsten.

Papst Leo I. (440 bis 461) stachelt an: "Wenn Gottes Geist die Eintracht zwischen den Christenherrschern stärkt, dann sieht die ganze Welt, wie in doppelter Hinsicht das Vertrauen wächst: Durch den Fortschritt im Glauben und in der Liebe wird die Macht der Waffen unüberwindlich, so daß Gott, durch unsere Glaubenseinheit gnädig gestimmt, in einem den Irrtum der falschen Lehre und die Feindseligkeit der Barbaren vernichten wird."

Einer seiner Nachfolger, Sergius I., setzt diesem "Löwenpapst" übers Heilige Grab: "Er hat gebrüllt, und die feigen Herzen der Tiere begannen zu zittern." Der Schreibtischtäter Leo I. hatte geraten, die Nichtchristen "wie todbringendes Gift" zu meiden und kein Wort mit ihnen zu sprechen, sondern sie in ihre "finsteren Schlupflöcher" zurückzujagen. Vernichtung der Menschenwürde der Andersgläubigen und Sprache der gesalbten Totschläger nenne ich so was, entnommen dem uralten Wörterbuch des Unmenschen.

Kirchengeschichte aus der Sicht eines investigativen Ermittlers gelesen, als Geschichte von Verbrechen mit Billigung, wenn nicht fordernd, fördernd unter dem Beifall der Kirche, von Laien, von Klerikern, von Priestern, Bischöfen, Kardinälen und Päpsten verübt - das ist der gifig strahlend kontaminiert blutrote Faden in Karlheinz Deschners "Kriminalgeschichte des Christentums".

Karlheinz Deschner, geboren 1924, im Jahre 1988 Träger des Arno-Schmidt-Preises (weil er für den Primat der Vernunft, für den Vorrang der Wahrheit vor der historischen Lüge schreibe), ist im moralischen Sinne Überzeugungstäter, auf keinen Fall wollte er Fachhistoriker gerufen sein, auch wenn die Mehrzahl seiner Bücher Geschichtswerke reinen Wassers sind.

Seit Jahrzehnten völlig auf sich allein gestellt, im gewollten Kontrast zu seinen zahlreichen Gegnern ohne Assistenz, Zuträger und Geldmittel aus einer Universität, verlangt Kalrheinz Deschner als freier Schriftsteller danach, vor sich und der Welt mit Belegen offenzulegen, daß das Verbrechen im Gewande willkürlicher Selbstermächtigung unter dem Postulat

"Gegen die, denen Gott zürnt",

von Anbeginn im organisierten Christentum systemischen Charakter hat.

Plastisch ausgedrückt, so wie die Atomenergie in jenen Jahrzehnten, in denen Karlheinz Deschner seine voluminöse Kriminalgeschichte des Christentums bis ins Jahr 2013 in 10 Bänden schrieb. nicht Teil eines organisierten Verbrechens, sondern ein Verbrechen sui generis an der Menschheit und unserer Erde selber ist. (siehe dazu Holger Strohm)

Des Moralisten verzweifelte Fragen hinter seinen kirchenkritischen Büchern: Wie viele Ermordete, Gefolterte, Ausgeraubte, Versehrte müssen denn noch her, bis über Ermattung durch die böse Tat Reue einsetzt und gar Abkehr?

Wieviel an Verbrechen gegen die Menschlichkeit gegen Andersgläubige, Ketzer muß aufgedeckt sein, bis dem Sinn für Komplizenschaft Lebenssaft und Kraft aus- und verlorengeht?
Bis es als Schande gilt, sich in Andachten, Gesang, Gebeten, Lithurgie, Litaneien als Christ zu bekennen?

Bis die identifizierten Täter sich nicht mehr als Beleidigte, von der uneingestanden eigenen Schuld Gekränkten, in herzerbarmende Szene setzen dürfen?, oder sich mit himmelschreiend wohlfeil orchestrierten "Mea Culpa" Chorälen cora Publikum ihren wirklichen Verpflichtungen an der Gesellschaft, den Menschen unserer Einen Welt gegenüber entziehen

1986 ist Deschners erster Band, "Die Frühzeit" (bis 430), erschienen, mit inzwischen 130 000 verkauften Exemplaren. 1989 lag der zweite Band vor, "Die Spätantike" (bis 565). 1990 ist der dritte (bis zum Jahr 1000). Im Jahr 2000 (nach "christlicher" Zeitrechnung) lag das Gesamtwerk vor, bis auf den Zehnten und letzten Band im November 2013.

Wie viele Bände sein Gesamtwerk umfassen wird, wusste Deschner 1990 noch nicht zu sagen, meinte aber damals. Neun werden es gewiß. Nun sind es Zehn geworden

Alle Bände haben, auf 1580 Seiten, gut 580 Jahre der kriminalgeschichte des Christentums bis ins Jahr 2010 aufbereitet.

Die Rede ist von gut 40 000 Seiten Exzerpten und Entwürfen - kein Wunder bei dieser Überfülle an Tatbeständen, an kirchlich inspirierten und von Kirchenleuten begangenen Verbrechen, Mord, Raub, Vermögensentzug,Betrug, Erberschleichung reuelos ungesühnt an Juden, Heiden, Andersgläubigen, Aufklärern, Ketzern, Hebammen, Hexen verübt, im Namen ohne Rechnungslegung gegenüber der Alleinseligmachenden Heiligen Kirche in Rom, Konstantinopel, Mailand, Nürnberg, Kiew, Moskau, Wittenberge, Köln, Trier, München, Mainz, Weimar, Jena, Leipzig, Hamburg, Stralsund, Lübeck, Magdeburg, Prag, Genf, Basel, Paris, Münster, Brüssel, Madrid, Lissabon, Wien, London, Stockholm, Bergen, Kopenhagen..

Deschners Plan, 2000 Jahre Heilsgeschichte unter dem wichtigem Aspekt kriminell heilloser Energie, zu ergründen, bietet konfessionell gelenkter Geschichtsschreibung eine nie zuvor dagewesene Chance, im kirchlichen Raum Begriffe von Unrechtsbewusstsein in Fragen des theologisch gesteuerten Umgangs mit der Menschheits- und Erdengeschichte, nährend, zu fördern und expressis verbis von der Kanzel, in Andachten, Gebeten Gesängen im Kreise der Gemeinde, urbi et orbi, zu fordern .

Die Kirche läßt das Christentum von theologisch- juristisch geschulten Christen aufbereiten und beginnt erst langsam und weiter eher hinhaltend, scheibchenweise, ihre Archive im Vatikan und andernorts der staatlichen Praxis in vielen Ländern, auch in Deutschland, England zur unselig leidlichen Nachahmung empfohlen der Welt für wissenschaftlich fundierte Forschung zu öffnen.

Lange ertrugen die sogenannt Eingeweihten, die Experten von dunklen Gnaden Karlrheinz Deschners Gegenstimme nicht.

Deschner, streuen sie hier und da noch immer, auch wenn auf dem Heiligen Stuhl nun ein Papst Franziskus als Stellvertreter Gottes auf Erden Bescheidenheit, Einkehr, Demut, Sinn und Achtsamkeit gegenüber Alltagssorgen der Menschen predigt und gar lebt?, ist ein Volksverhetzer, ein Satansanhänger in Menschengesalt, ein neuer Julius Streicher, ein Alfred Rosenberg, Houston Stewart Chamberlain, zumindest sei er aber ein unseriöser Marktschreier, ein "Abermals und immer wieder kräht der Hahn" dem die Zunft der Eingeweihten den Dialog zu verweigern hat und seine Anerkennung in den Medien in Harnisch hintertreibt.

Im Chor derer, die zigtausend Schriften in Archiven, Bibliotheken, Buchhandlungen füllen ließen, die die orthodoxe Litanei des Halleluja, Kyrie eleison absingen, singt nicht etwa einer falsch, der schrille falsche Gesang wider den Geist der Aufklärung ist Programm.

Deschner hat zwei Dutzend lästerlich anstössig erregende Bücher als insgeheim anerkannter "Kotzbrocken" unter den Literatur- und Kulturkritikern hierzulande zum Broterwerb hinter sich gebracht. die ihm keine Freunde, viele zum Feinde machten, aber sein unbändiges Gespür für Scharfsinn nach dunkler Zeit der braunen Horden in Europa von 1933- 1945 bei investigativen Ermittlungen zwischen kulturell- klerikalen Zeilen, dahinter und im theologisch- historischen Zusammenhang auf dem Weg zur Vollendung seines Werkes zum wichtigsten Werkzeug macht,

* Karlheinz Deschner: "Kitsch, Konvention und Kunst"; Paul List Verlag, München: 184 Seiten, 1957; 1,90 Mark

*Karlheinz Deschner: "Talente - Dichter -Dilettanten. Überschätzte und unterschätzte Werke in der deutschen Literatur der Gegenwart". Limes Verlag, Wiesbaden; 1964, 388 Seiten; 12,80 Mark.

Deschner ist dabei nicht investigativer Reporter mit Sinn für Bestsellerlisten, sondern Moralist, Prediger in Gestalt und Habitus eines Johannes der Täufer, der immer wieder dasselbe zu sagen wagt, es Zeitgenossen und nächsten Generationen erzählen will und die Hoffnung nicht aufgibt, es einmal historisch in Lettern geschmettert vortragen zu können, als Reminiszenz an das Ungeheuerliche in der Kirchengeschichte.

Das und viel mehr ist Karlheinz Deschner gelungen.

Deschner ist wahrlich nicht der Begünder der Kirchen- Kritik per se, Deschner steht in einer langen Reihe der Kirchen Kritik Tradition, der Aufklärer, angefangen mit Giordano Bruno.

Karlheinz Deschner hat den Violetten Faden der Kirchenkritik in einer Zeit nach 1945, mitten im Wirtschaftswunder in Westdeutschland aufgegriffen, in der vielen Altnazis, Mitläufern die Kirche als Zufluchtsort, als Ersatz für ihre "Braune Kirche" galt, sich ihrer Gewissensbefragung, Verantwortung für Versagen in Amt und Würden, Verstrickung in und NS- , Kriegs- Verbrechen selber zu entziehen.

Erinnert sei hier an Aufklärer des 18. Jahrhunderts, wie die Franzosen Pierre Bayle, Claude Helvetius, Voltaire oder an den deutschen Schriftsteller Heinrich Heine. In Deschners "Kriminalgeschichte des Christentums" hat nun auch das 20. Jahrhundert bis in den Beginn des 21. geweitet sein Buch.

Machen wir uns nichts vor:

"Allgemeinbildungsgut ist Karlheinz Deschners Wissen um kirchliche Abgründe aber bis heute bei weitem noch lange nicht."

Im Juni 1993 erhielt er – nach Walter Jens, Dieter Hildebrandt, Gerhard Zwerenz und Robert Jungk – den Alternativen Büchnerpreis und im Juli 1993 - nach Andrej Sacharow und Alexander Dubček - als erster Deutscher den International Humanist Award der Internationalen Humanistischen und Ethischen Union (International Humanist and Ethical Union). Zudem wurde Deschner im September 2001 mit dem Erwin-Fischer-Preis des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) und im November dem Ludwig-Feuerbach-Preis des Bundes für Geistesfreiheit Augsburg ausgezeichnet.

2004 wurde Deschner mit dem Wolfram-von-Eschenbach-Preis des Bezirks Mittelfranken für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Die Laudatio hielt der Literaturwissenschaftler Karl Corino.

2006 bekam er den Premio letterario Giordano Bruno, Mailand.

Im Jahre 2006 wurde Deschner zum Mitglied der Serbischen Akademie der Wissenschaften und Künste (Abteilung für Geschichtswissenschaft) gewählt.

Im Jahr 2004 gab die Giordano Bruno Stiftung die Einrichtung eines nach dem Autor benannten Deschner-Preises bekannt, der Personen oder Organisationen verliehen werden soll, „die in besonderem Maße zur Stärkung des säkularen, wissenschaftlichen und humanistischen Denkens und Handelns beitragen“.

Erster Träger dieses Deschner-Preises (2007) war der britische Evolutionsbiologe Richard Dawkins (Oxford).

Wird Karlheinz Deschners Werk über die Kultusminister in den Bildungskanon der Schulen gelangen?

Der Verdacht vieler, die Kirche habe schmutzige Hände, wird durch das Beharrungsvermögen von Karlheinz Deschners Forschungen zur Gewißheit. Die Fakten beginnen endlich die unseligen Ahnungen, Mutmaßungen vieler Menschen zu ersetzen, und was die Phantasie erdacht hat, gerät durch Hinweise auf die Realität ins Erblassen,

Beispiele welcher heillos unselige Ungeist Kirchenfürsten prägten und selber machtvoll predigten:

"Ich warne euch vor den Tieren in Menschengestalt", sagt der heilige Irenäus. "Sind sie aber keine Christen, sind sie Teufel"; "Schlachtvieh für die Hölle", sagt der nicht weniger heilige Kirchenvater Hieronymus.

Wenn Heilige so deutlich die Richtung weisen, zeitigt das Folgen:
"Der katholische Kaiser Valentinian I., gestorben 375, befiehlt schon wahllose Exekutionen; nur sonntags sollen keine Hinrichtungen von Ungläubigen erfolgen. Der Irrtum, wenn's denn überhaupt einer war, hat kein Recht, die Irrenden bekommen keine Gnade."

"Es ist gerecht, diejenigen auch ihrer weltlichen Güter zu berauben, die nicht den wahren Gott verehren", dekretiert der Christenkaiser Justinian im Jahre 527, und schon hat das Reich seine Pogrome. "Auf daß sie im Elend erliegen", verlieren Ketzer die Bürgerrechte, ihr Besitz wird beschlagnahmt und an rechtgläubige Volksgenossen verteilt, ihre Bethäuser gehen in Flammen auf.

Die "Christenverfolgungen" der christlichen Ur- und Frühzeit sind, verglichen mit den Verfolgungen, die durch Christen geschehen sind, unerheblich gewesen.

Ehrliche Bücher machen den Leser nicht nur sehnsüchtig nach Wahrhaftigkeit, sie richten ihn auf. Wie hältst du es, nach der Lektüre dieser Fakten, mit so einer Religion, die als genuin abendländisch gilt und auch noch als Frohbotschaft vom lieben Gott unter den Menschen geladen sein will?

Verständlich, wenn einer nach solcher Deschner-Lesung. Lektüre seiner Werke, stehenden Fusses zum Amtsgericht schreitet, seinen Kirchenaustritt zu erklären, da er in einer so monströs ekelhaft bruchlos hermetisch geschlossenen Tradition ein Stück Gegenwart erkennt, außer er wendet sich im heiligen Zorn voller Empörung der Kirche von unten zu. Die gibt es inzwischen ja auch.

Es gibt keine gute Seite einer Sache und daneben einfach einen bösen allzu menschlichen Verdacht.
Die schlimme Seite ist die Wesentliche, verdeutlicht Karlheinz Deschner mit klarem Blick auf das hierarchische Organisationsmodell Kirche und mit ihm Holger Strohm in Fragen der angeblich friedlichen Nutzung der Atomenergie.

Denn ganau so ist es auch mit der Durchsetzung der zivilen Nutzung der Atomernergie nach 1945 im Kalten Krieg, als sei dieser allein zu diesem ungestörten Behufe erfunden, die Finanzierung der militärischen Nutzung atomarer Sprengkraft für die Produktion von Atombomben, den Bau von Atommüll Zwischen- und Endlagern verdeckt über den Strompreis von Privalthaushalten subventioniert, Jahrzehnt um Jahrzehnt zu gewährleisten.

Aber Karlheinz Deschner juckte zu Lebzeiten mit Herz, Hirn, Humor, Mutterwitz der Hafer des begnadeten Kabbarettisten bei der Findung der richtigen Pointe, wenn er. sich selber u. a. auf die Schippe nehmend, den Satz prägte:

"Je größer der Dachschaden, desto schöner und ungestörter die Aufblicke gen Himmel."
Auf Karlheinz Deschners Leben und Wirken lässt sich wahrlich passend der Satz Friedrich Hölderlins (1770- 1843) münzen:

"Der Mensch kann nicht nur nach unten, er kann auch ins Oben fallen"

Auf jeden Fall ist es Kalrheinz Deschner mit seiner historischen Perspektive auf Mörderpäpste, Kreuzzugs- Kardinäle und Lügenpriester und -theologen gelungen wenn nicht ein neu gestimmtes Halleluja, Kyrie eleyson, so doch eine Diskussion anzustossen.

Wo aber könnten Christen das Diskutieren in einer basisdemokratisch verfassten Kirche erlernen?

Ihre Evangelien kennen kein Duldung eines Gegenüber auf Augenhöhe, das freimütig offenherzig Zunge zeigt, Dann wohl nur durch Spiegelneuronen in einer säkular demokratisch verfasst dialogisch, statt diabolisch, entwickelten Zivilgesellschaft.

Schon die früheste und heiligste aller Gründungsurkunden, das Neue Testament, hat als Hintergrundrauschen einen charakteristisch überaromatisierten en Beigeschmack: Es spielt durchweg in kleingeistig bäuerlichem Milieu; seine Erwählten baden in praller draller Selbstgefälligkeit, und seine Jünger hassen alle, die sich nicht bei ihnen weinselig zu Hause fühlen.

Friedrich Nietzsche ist noch 1844 Jahre später im Laufe seines zu kurzen Lebens von diesem Christen- Mief und -Muff unter den Wendehals Talaren speiübel geworden.

Beweisen müßten Deschners Kritikassen, was der Autor erfunden, erstunken, was erlogen hat, daß da Zitate gefälscht, falsch angewendet, falsch von ihm bewertet worden sind, daß Deschner nicht immer auf dem neuesten Stand der Forschung gewesen sei.

Da sie durch die Kirchenbank schweigen, ist dem ersten Anschein nach zu vermuten , daß sie ihn nicht widerlegen können.

Dem zweiten Anschein nach, nicht einmal die Energie und menschliche Anstrengung dafür aufbringen, seine Werke lesend, der Kirche selber auf deren ungeheuerliche Schliche kommen zu wollen. "Kein Anschluss unter dieser Nummer! Nach Kritikassen Diktat verreist!" .

Karlheinz Deschner hat mehr Tages- und Nachtstunden drangegeben, als es jedem einfällt, der für seine Arbeit im Weinberg des Herrn nach dem dynamisierten Lebenszeitbeamtentarif ab A 13 bis zum Beginn seines Pensionsalters, gar Vorruhestandes für die vorgezogene Fahrt auf den Golfplatz von nebenan entlohnt sein will und wird.

Respekt vor der Leistung derer, die als basisgewählte Geisliche, Seelsorger/innen, Diakone/issen auf einem Platz verweilen, von dem hundert auf der Reise ins Land der Besserdotierten auf der Karriereleiter der kirchlichen Administration sich auf- und davongestohlen haben.

Kein Wort der Reue aus berufenem Mund im Namen der Körperschaft Kirche zu finden und keine Geste der Erinnerung an die Opfer ihrer eigenen Kirche, denn ihnen geht es, wenn überhaupt, um bedauernswerte Einzelfälle, falsche Personalentscheidungen, mit Hinweis auf das

"Errare Humanum est"

Das ist die heutige Taktik derer, die klerikal keine Scheiterhaufen mehr brennen lassen können.

Papst Johannes Paul II, (Wojtyla), Papst Benedikt XVI (Joseph Ratzinger) reisten immerhin immer hin zu den Tatorten von einst, ließen sich huldigend feiern und in Andacht und Schweigen verfallen.

Wegsehen ist auch eine Form der Zustimmung, des unausgeprochene Einvernehmens mit dem Lauf der Geschichte könnte man meinen und doch, wenn auch nicht das Hinsehen, so war da doch ein beredtes Hinhören dieser Päpste zu gegenwärtigen und das ist neu .

Der Kölner Katholik und Schriftsteller Heinrich Böll hatte ein besonderes Gespür für die kirchliche Korruptheit, die sich seiner Meinung nach nicht nur in der Vergangenheit, sondern in subtileren Formen auch in der Gegenwart manifestiere.

Weshalb auch er schließlich aus der Körperschaft der Kirche austrat. Böll war über das Infame in der Kirche so empört, daß er z. B. dem "Päpstlich in Acht und Bann Verdammten" Professor a. D. Horst Herrmann aus Münster/NRW gegenüber wiederholt unverhohlen deutsche Bischöfe als "noch nicht entdeckte Ganoven", womöglich gar Gauner, Halunken" tituliert hat.

Damals im Jahr 1974 hat Horst Herrmann Heinrich Böll, nach eigenem Bekunden, ungläubig verdutzt angeschaut. Herrmann glaubte:

"Das Schlimme läge hinter uns, begraben in den Marmor-Sarkophagen der Kathedralen. *

Mitnichten.

Die Werke Karlheinz Deschners haben Horst Herrmann zu einem anderen, zu einem weniger verhangen, einem klaren Blick auf die Werke der Kirchen im Für und Wider in unserer Einen Welt verholfen

An ihren Früchten und Werken sollt ihr sie erkennen, meinte Jesus, der gewiß nicht der Stifter der Religion war, die in den jahren nach seiner Kreuzuigung auf dem "Galgenberg" zu Golgatha seinen Namen okkupiert hat.

Daß die Wirkungsgeschichte des Evangeliums von der Liebe eine Rekordzahl von gefolterten und getöteten Opfern aufweist, liegt mit an der Unvollkommenheit seiner Anhänger. Aber es liegt auch an den heiligen Schriften selber, deren Autoren die Absichten Jesu bereits im Keim erstickt, abgeschwächt, umgedeutet und mit Vorsatz verfälscht haben.

Danke Karlheinz Deschner.

Joachim Petrick

Am 8. April 2014 ist Karlheinz Deschner mit 89 Jahren verstorben.

Das politische Buch Karlheinz Deschner in 10 Bänden: "Kriminalgeschichte des Christentums" Rowohlt Verlag, Reinbek

http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=tz&dig=2013%2F02%2F26%2Fa0122&

26.02.2013
Wir sind müde

https://www.freitag.de/autoren/joachim-petrick/ratzinger-laesst-katze-aus-dem-heiligen-sackk
Joachim Petrick
27.02.2013 | 18:09
Ratzinger lässt Katze aus dem heiligen Sack

http://de.wikipedia.org/wiki/Karlheinz_Deschner
Karlheinz Deschner

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (83)

fahrwax 15.04.2014 | 10:59

Danke für diesen Nachruf auf den Kriminalisten Karlheinz Deschner. Bisher ist mir keiner, der sonst lautstark auf dem Mist krähenden, Hähne ans Ohr gedrungen.

Deschner hat akribisch erforscht, wie eine Institution verkommt.

Die Errichtung von Palästen, nicht nur im Namen der Nächstenliebe, befördert das Gegenteil des propagierten Anliegens?

"Jede Institution ist eine Missdeutung und Geringschätzung des lebendigen Gottes."

Das Zitat stammt von einem "Ehemaligen Nutzer".

h.yuren 15.04.2014 | 11:36

lieber jochen,

dank für den nachruf. erst gestern hörte ich vom tod deschners. hab den mann erst vor 7 jahren persönlich kennen gelernt.

sein kirchenkritisches werk hat er in einem aphorismus eingedampft: je größer der dachschaden, desto schöner die aufblick zum himmel.

und was die kirche betrifft, könnte mensch sagen, too big to fail, darum wird weiter gewirtschaftet. vor allem nach dem bewährten muster, mach eine partei draus und die lämmer laufen zuhauf.

aber deschner ist nicht nur aufklärer, sondern auch schriftsteller mit pfiff.

grüße, h.

Joachim Petrick 15.04.2014 | 13:45

"sein kirchenkritisches werk hat er in einem aphorismus eingedampft: je größer der dachschaden, desto schöner die aufblick zum himmel."

Hallo hy,

Danke für die Perle!

Hier kommt noch eine Perle:

Auf Karlheinz Deschners Leben und Wirken lässt sich wahrlich passend der Satz Friedrich Hölderlins (1770- 1843) münzen:

"Der Mensch kann nicht nur nach unten, er kann auch ins Oben fallen"

Joachim Petrick 15.04.2014 | 14:14

siehe zu Karlheinz Deschner im Freitag;

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/morder-sexmaniacs-und-schmarotzer
CHRISTIAN GAMPERT 11.03.2005 | 00:00
Mörder, Sexmaniacs und Schmarotzer
Gegengeschichte Der 80-jährige Karlheinz Deschner und seine "Kriminalgeschichte des Christentums" sind jetzt beim großen Abendländischen Schisma und den Renaissance-Päpsten angelangt

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/dem-wendigen-kardinal-faulhaber
OTTO KÖHLER 14.04.2000 | 00:00
Dem wendigen Kardinal Faulhaber
FROHE BOTSCHAFT IN WEISS-BLAU In München wird die Kollaboration des einstigen Kirchenfürsten mit dem Nazi-Regime nach wie vor durch einen Straßennamen geehrt

fahrwax 15.04.2014 | 15:47

Meeensch, du lässt aber reichlich Bildung raushängen.

Ich vermute stark, du zielst in diese Richtung:

„Es gibt eine unerlässliche Voreingenommenheit, die die Augen öffnet. Wenn ich nicht voreingenommen bin von dem Wunsch nach Gerechtigkeit, dann nehme ich das Leiden der Gequälten nicht einmal wahr. Voreingenommenheit ist die Bildung des Herzens, die uns das Recht der Armen vermissen lässt. Ein Urteil zu haben ist nicht nur eine Sache des klugen Verstandes und der exakten Schlüsse, es ist eine Sache des gebildeten Herzens. Das gebildete Herz ist nicht neutral, es fährtauf, wenn es die Wahrheit verraten sieht. Der Zorn ist eines der Charismen des Herzens.“

Joachim Petrick 15.04.2014 | 19:28

http://www.katholisch.de/de/katholisch/glaube/unsere_vorbilder/bonifatius.php

Erzbischof Bonifatius, der einzige Bischof von päpstlichen Gnaden, der aus irland über Bremen kommend, jemals in Hamburg einen Bischofssitz sein Eigen nannte, aber nach ein paar Monaten wg. des Ansturms der Wikinger die Hammerburg zu Hamburg hoch zu Ross verließ und fluchtartig nach Bremen zurückkehrte?

Joachim Petrick 15.04.2014 | 21:49

nachgewachsen:

Auf jeden Fall ist es Karlheinz Deschner mit seiner historischen Perspektive auf Mörderpäpste, Crusader Kardinäle und Lügenpriester und -theologen gelungen wenn nicht ein neu gestimmtes Halleluja, Kyrie eleyson, so doch eine Diskussion anzustossen.

Wo aber könnten Christen das Diskutieren in einer basisdemokratisch verfassten Kirche erlernen?

Ihre Evangelien kennen kein Duldung eines Gegenüber auf Augenhöhe, das freimütig offenherzig Zunge zeigt, Dann wohl nur durch Spiegelneuronen in einer säkular demokratisch verfasst dialogisch, statt diabolisch, entwickelten Zivilgesellschaft.

Schon die früheste und heiligste aller Gründungsurkunden, das Neue Testament, hat als Hintergrundrauschen einen charakteristisch überaromatisierten en Beigeschmack: Es spielt durchweg in kleingeistig bäuerlichem Milieu; seine Erwählten baden in praller draller Selbstgefälligkeit, und seine Jünger hassen alle, die sich nicht bei ihnen weinselig zu Hause fühlen.

Friedrich Nietzsche ist noch 1844 Jahre später im Laufe seines zu kurzen Lebens von diesem Christen- Mief und -Muff unter den Wendehals Talaren speiübel geworden.

Beweisen müßten Deschners Kritikassen, was der Autor erfunden, erstunken, was erlogen hat, daß da Zitate gefälscht, falsch angewendet, falsch von ihm bewertet worden sind, daß Deschner nicht immer auf dem neuesten Stand der Forschung gewesen sei.

Da sie durch die Kirchenbank schweigen, ist dem ersten Anschein nach zu vermuten , daß sie ihn nicht widerlegen können.

Dem zweiten Anschein nach, nicht einmal die Energie und menschliche Anstrengung dafür aufbringen, seine Werke lesend, der Kirche selber auf deren ungeheuerliche Schliche kommen zu wollen. "Kein Anschluss unter dieser Nummer! Nach Kritikassen Diktat verreist!" .

Karlheinz Deschner hat mehr Tages- und Nachtstunden drangegeben, als es jedem einfällt, der für seine Arbeit im Weinberg des Herrn nach dem dynamisierten Lebenszeitbeamtentarif ab A 13 bis zum Beginn seines Pensionsalters, gar Vorruhestandes für die vorgezogene Fahrt auf den Golfplatz von nebenan entlohnt sein will und wird.

Respekt vor der Leistung derer, die als basisgewählte Geisliche, Seelsorger/innen, Diakone/issen auf einem Platz verweilen, von dem hundert auf der Reise ins Land der Besserdotierten auf der Karriereleiter der kirchlichen Administration sich auf- und davongestohlen haben.

Kein Wort der Reue aus berufenem Mund im Namen der Körperschaft Kirche zu finden und keine Geste der Erinnerung an die Opfer ihrer eigenen Kirche, denn ihnen geht es, wenn überhaupt, um bedauernswerte Einzelfälle, falsche Personalentscheidungen, mit Hinweis auf das

"Errare Humanum est"

Das ist die heutige Taktik derer, die klerikal keine Scheiterhaufen mehr brennen lassen können.

Papst Johannes Paul II, (Wojtyla), Papst Benedikt XVI (Joseph Ratzinger) reisten immerhin immer hin zu den Tatorten von einst, ließen sich huldigend feiern und in Andacht und Schweigen verfallen.

Wegsehen ist auch eine Form der Zustimmung, des unausgeprochene Einvernehmens mit dem Lauf der Geschichte könnte man meinen und doch, wenn auch nicht das Hinsehen, so war da doch ein beredtes Hinhören dieser Päpste zu gegenwärtigen und das ist neu .

Der Kölner Katholik und Schriftsteller Heinrich Böll hatte ein besonderes Gespür für die kirchliche Korruptheit, die sich seiner Meinung nach nicht nur in der Vergangenheit, sondern in subtileren Formen auch in der Gegenwart manifestiere.

Weshalb auch er schließlich aus der Körperschaft der Kirche austrat. Böll war über das Infame in der Kirche so empört, daß er z. B. dem "Päpstlich in Acht und Bann Verdammten" Professor a. D. Horst Herrmann aus Münster/NRW gegenüber wiederholt unverhohlen deutsche Bischöfe als "noch nicht entdeckte Ganoven", womöglich gar Gauner, Halunken" tituliert hat.

Damals im Jahr 1974 hat Horst Herrmann Heinrich Böll, nach eigenem Bekunden, ungläubig verdutzt angeschaut. Herrmann glaubte:

"Das Schlimme läge hinter uns, begraben in den Marmor-Sarkophagen der Kathedralen. *

Mitnichten.

Die Werke Karlheinz Deschners haben Horst Herrmann zu einem anderen, zu einem weniger verhangen, einem klaren Blick auf die Werke der Kirchen im Für und Wider in unserer Einen Welt verholfen


Das politische Buch Karlheinz Deschner in 10 Bänden: "Kriminalgeschichte des Christentums" Rowohlt Verlag, Reinbek

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Ehemaliger Nutzer 15.04.2014 | 23:29

Ein guter Mann, der Deschner. Schön, dass er sein Lebenswerk - und was für eins! - abschließen konnte. Indes sollte man einen genialen Kirchen- und Religionskritiker nicht mit als Argument für einen plumpen Naturalismus verwechseln, der das Denken am Urknall anstoßen lässt.

Das größte Verbrechen der Christen ist die flächendeckende Ausmerzung der gegen sie gerichteten Schriften des Porphyrios.

Diese waren aber kein Metermaßmaterialismus, sondern höchste Theologie. Oder, wem daraus der Aquinat entgegenstinkt: Metaphysik.

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Ehemaliger Nutzer 15.04.2014 | 23:58

Wobei der Willigis nur so halb in die Reihe passt. Hier hat doch eher die Kirche mit ihm ein Problem bekommen als dass er sich an ihr abgearbeitet hätte (wofür es tausend Gründe gibt). Einfach, weil er das Erleben als wichtiger ansieht als abstrakte Wahrheiten in Begriffsform, womit er tausendmal Recht hat, weil Sein und Geist Erleben ist. Er ist aber, was immer man darüber denkt, nach wie vor ein Benediktinerpater, gehört den Jungs in Münsterschwarzach an, bei denen es einen Zen-Raum und die in der Klosterkirche die Werke von Graf Dürckheim in einer beleuchteten Vitrine auslegen... Gutartiger Relativismus könnte man das nennen. In der Tat ist es aber schon ein Spagat, was Willigis macht. Vielleicht hätte er - theologisch betrachtet - dem Unfug der abendländischen Christenheit, den Mann am Kreuz zum Quell allen Seins zu ernennen, doch besser den Rücken gekehrt.

Ein Mystiker sein und ein Christ sein funktioniert nur, wenn es keine Kirche gibt, nichts was Erleben zu Gunsten der Abstraktion und des Ritualismus zurückdrängt. Willigis erinnert mich auch so ein bisschen an unsere "rheinischen Mystiker" um Meister Eckhart, dem sie mit seinem genialen Denkgebäude auch den Prozess gemacht haben. Allerdings hat er nicht Akademisches an sich. Ist ja auch nicht Zen. ;)

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Ehemaliger Nutzer 16.04.2014 | 00:16

Steht weiter oben:

«So paradox das ist, wer spirituell sucht, wird in den Amtskirchen nichts finden; das betrifft die katholische kirche genau so, wie die evangelische; im Islam ist das nicht anders, wer zum Sufi(Mystiker) wird, hat mit den anderen Glaubensrichtungen ein Problem.»

Das gilt aber nicht nur für die Theologischen Institutionen, sondern für alle, da nehme ich die asiatischen Religionen nicht aus.

Joachim Petrick 16.04.2014 | 14:33

Zur Trinität hier ein Artikel:

https://www.freitag.de/autoren/joachim-petrick/die-trinitat-ein-dogmatischer-glaube-bis-ins-spirituelle-koma
JOACHIM PETRICK 28.12.2010 | 21:44 4
Die Trinität, ein dogmatischer Glaube bis ins spirituelle Koma?

Die Trinität, ein dogmatischer Glaube bis ins geistig spirituelle Koma?
Die Dreieinigkeit, ein dogmatischer Glaube, ohne Punkt, Komma, Absatz, Strich bis ins geistig spirituelle Koma?

von Gott, ich bin von Gott an Sohnes Statt angenommen"

Führt die Trinität (Dreifaltigkeit/Dreinigkeit von Sohn, Vater, Heiliger Geist) durch die augustinisch (Auriel Augustinus(354- 430 n. Chr.)) gelehrsame Hintertür der Begründung einer chtristlich- theologischen Philosophie die Vielgötterei aus römischer Vorzeit im Christentum Roms wieder ein?

Jesus Flucht in die Schutzbehauptung:
"Ich bin Gottes Sohn"

fahrwax 16.04.2014 | 19:44

NRHZ Beitrag von heute, mit video dazu:

"In zwölf Folgen, jeweils um die zehn Minuten unter dem TV-Serientitel „Mit Gott und den Faschisten" bewies Deutschlands bedeutendster Kirchenkritiker, daß die „Stellvertreter Gottes” im Vatikan, von Leo XIII. bis Pius XII. wesentlich zur Herrschaft des Faschismus in Italien, Spanien, Deutschland und Jugoslawien und damit zu den politischen Katastrophen und zum Völkermord im 20. Jahrhundert beigetragen haben."

http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=20230

Joachim Petrick 16.04.2014 | 20:53

http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=20230
Filmclips
Folge VIII: Hitlers Lobsinger
Von Karlheinz Deschner, Peter Kleinert und Marianne Tralau"

Danke für die Recherche!.

Interessant auch, wie Karlheinz Deschner darauf verweist, dass es immer wieder menschlich und moralisch hochmotiviert gutwillige Päpste gab, die aber meist sofort, binnen Frist, von deb Furien der Kurie durch einen diesen genehmen Papst abgelöst wurden und sei es durch Mord.

Da ist es gleich, ob da einer liberal, wie Papst Franziskus, als Argentinier unterwegs ist, um das katholische Südamerika den USA, der EU gegenüber gewogen zu stimmen, wie zuvor Osteuropa durch Papst Johannes Paul II aus Polen gewogen gestimmt wurde.

alalue 16.04.2014 | 21:14

Jesus hat so etwas nie gesagt. Das war sein späterer Manager Paulus.

Die Trinität ist einfach das ägyptische Modell: Amon, der Hauptgott, hat seinen Stellvertreter auf Erden, den Pharao, den er über Maa: gute Eingebungen=hl Geist, leitet.

Ich empfehle: Paul Verhoeven: Jesus, die Geschichte eines Menschen.

Ein glaubwürdiger Versuch, aus den Evangelien, der dortigen Entwicklung der Darstellung und zeitgenossischen Dokumenten die Geschichte zu rekonstruieren.

Danach stellt man keine solchen Vermutungen mehr an, weil man mehr Hintergrund hat, was gewesen sein könnte und was es sicher nicht war.

alalue 17.04.2014 | 09:58

"Jesus Flucht in die Schutzbehauptung: ich bin Gottes Sohn."

Noch einmal: seit etwa 200 Jahren gibt es ernsthafte Versuche, aus den gegebenen Texten die Geschichte zu rekontruieren.

Verhoeven hat sich ernsthaft damit auseinandergesetzt und eine sehr schlüssige Version geliefert, wie man die Evangelien und andere Texte deuten könnte. Und daraus ergeben sich sichere Hinweise, welche Aussagen sicher nicht von Jesus stammen. Und Gottes Sohn auf gar keinen Fall: das war die spätere Konstruktion, die Paulus schuf.

Jesus wurde als Aufwiegler von Pilatus hingerichtet. Um diese Religion im römischen Reich zu verbreiten, mußte Paulus solche Kontruktionen machen.

Aber lesen Sie es selber, denn sonst ist solche Versuche vergebliches Rumstochern.

Joachim Petrick 17.04.2014 | 12:27

Auch wenn sich Verhoeven eindringlich und ernshaft mit vorliegenden nicht vorliegenden Texten, Berichten von und überJesus befasst hat und zu einem bestimmten Ergebnis gelangtsein will, das andere Ergebnisse ausschließt, liegt es doch im Wesen einer solchen Erzählung wie "Jesus", dass diese immer wieder neu und wie zuvor gesponnen, überliefert, erweitert, verkürzt unter den Menschen unterwegs ist.

Unter anderen hat sich Rudolf Augstein jahrzehntelang mit dem Erzählstoff "Jesus" beschäftigt und seine Ergebnisse aus vielerlei Lektüre der Bibel und Sekundärliteratur in seinem Buch "Jesus menschensohn" wqiederholt erweitert, umgeschrieben, zusamen getragen.
Dabei ist mein Satz
"Jesus Flucht in die Schutzbehauptung: ich bin Gottes Sohn."

sicher, neben möglichem Wirklichkeitsgehalt, ein Versuch mich der Erzählung "Jesus" anzunähern, diese neu und anders zu spinnen, zu überliefern, um nicht nur der FIGUR JESUS, sondern den Mosaik Bildern über die damalige Zeit Deutungen zu stiften.

Denn damals galten alle mutterseelenallein vaterlose Kinder, wie noch in manchen Regionen unserer Gegenwart als Gotteskinder, und meinte damit aufsässige Plagegeister, die auf Kinderkreuzzüge, durch einen "Rattenfänger" wie zu Hameln gelockt, "entsorgt" gehörten.

alalue 17.04.2014 | 12:40

Damals gab es bei den Juden jesuskritische Texte, weil dem Mainstream diese neue Religion nicht gefiel.

Jesus wurde zu passender Zeit nach einem der zahlreichen jüdischen Aufstände geboren, und der Kritiker zitierte die damals allgemein bekannte Tatsache, daß Maria von einem römischen Legionär vergewaltigt wurde. Deshalb hat Joseph ein Weilchen gezögert, wie man lesen kann, bis ihm der Herr "einen Engel schickte " und er sie doch nahm.

Man kann sich natürlich alles mögliche ausdenken, aber zu realer Kritik am Christentum sollte es doch möglichst nahe an der Realität sein.

Joachim Petrick 17.04.2014 | 12:40

"Jesus wurde als Aufwiegler von Pilatus hingerichtet."

Das ist eine interessant These, die im Widerpsruch zu mehreren Evangelien steht, gilt Jesus in jenen doch nicht als Aufwiegler, sondern Religionsstifter auf der Suche nach seinem Reich, das "noch" nicht von dieser Welt ist und deshalb von Pontius Pilatus nach römischen Recht nicht verurteilt sein konnte, sondern vom Volk Israel, Jesus leidensgenossen selber, auf Verlangen des Pilatus nach einer "freien" Wahl zwischen dem Jesus und dem Barnabas, anstatt des Volksrebellen Barnabas den römischen Häschern überlassen blieb und ans Kreuz geschlagen wurde,

Hat denn Pontius Pilatus nicht danach die in Evangeleien belegten Worte gesprochen:

"Ich weiss, dieser Mann Jesus ist ohne Schuld nach römischen Recht , aber was soll ich tun, außer meine Hände in seiner Unschuld zu waschen, denn wir halten heute nicht römischen, wir halten Gerichtstag im Geiste des Volkes Israel?

Joachim Petrick 17.04.2014 | 13:01

"Man kann sich natürlich alles mögliche ausdenken, aber zu realer Kritik am Christentum sollte es doch möglichst nahe an der Realität sein."

Darum, um das Ausdenken, geht es doch bei Erzählungen aus und in schriftloser Kultur überhaupt:

"Das Wesen einer Erzählung, insbesondere über die Figur "jesus" liegt doch nicht darin diese für alle Zeiten abschließend als Lehre von sich selber in Schriftform vorzulegen, sondern weiter in einer jüngeren und jüngsten Gegenwart zu erzählen, stimmig fort zu sprinnen "

Aus welchen Quellen nimmt denn Verhoeven seine vermeintliche Realität über die Geschichte der Figur "Jesus", nimmt er sie nicht auch aus den reimen, die er sich selber mit anderen macht? und das ist gut so

alalue 17.04.2014 | 13:07

Okay, wenn Sie es nicht selber lesen wollen, ein paar Dinge weiß ich noch. PP war ein bekannt grausamer Statthalter, der einige Jahre später von den Römern selber zurückgenommen wurde, weil die übertriebene Gewalt ihre Wirkung verliert. Diese Darstellung kommt mit einiger Sicherheit aus dem Emanzipationsprozeß der neuen Religion von der alten jüdischen: die ersten Christen waren ja Juden.

Von der Gerichtsbarkeit, die eh keine war: der Statthalter hat sich doch nicht mit einem kleinen Aufständischen abgegeben, ist nichts erhalten, oder wahr.

Jesus wurde, auch nach anderen Berichten, von einer über 200 Mann starken Truppeneinheit aufgegriffen: die haben alle einkassiert, die mit ihm dabei waren.

Es waren aber keine seiner vorherigen Anhänger dabei: die überlebten alle. Simon Petrus war sehr mutig, als der Jesus am Kreuz aufsuchte, dann mußte er ihn natürlich verleugnen: sonst wäre er daneben gehangen. Die beiden neben ihm waren andere: aus anderen Textstellen wird geschlossen, daß sich Jesus nach einer gewissen Zeit von seiner friedlichen Botschaft: linke Backe, rechte Backe, verabschiedet hat: " es gibt Zeit, da muß man seinen Mantel gegen ein Schwert tauschen": der Mantel war lebenswichtig, diese Textstelle bedeutet äußerst Entschlossenheit: vermutlich hat er militante Gruppen aufgesucht, von denen es reichlich gab, und von diesen wurde er verraten.

Johannes der Täufer war viel wichtiger, als es in der Bibel dargestellt wird: Jesus mußte ja wichtig werden. Jesus war zu Beginn sein Schüler, der sich, vor allem nach dessen Ermordung, emanzipierte. Aber er glaubte auch an die baldige Ankunft Gottes mit anschließendem Reich auf Erden: dadurch verlieren seine Sprüche: selig sind die Gerechten... natürlich an Wirkung, weil sie nicht für die ohne baldiges Gottesreich gedacht waren, ohne dem hätte er es wohl nciht gesagt.

Aber wenn Sie es wirklich interessiert, lesen Sie es selber, und wahrscheinlich werden Sie den Augstein vergessen können: eine Schutzbehauptun Jesus, er sei Gottes Sohn ist absolut auszuschließen. Vielleicht lese ich es trotzdem mal.

Gruss

Joachim Petrick 17.04.2014 | 23:29

"Die beiden neben ihm waren andere: aus anderen Textstellen wird geschlossen, daß sich Jesus nach einer gewissen Zeit von seiner friedlichen Botschaft: linke Backe, rechte Backe, verabschiedet hat: " es gibt Zeit, da muß man seinen Mantel gegen ein Schwert tauschen": der Mantel war lebenswichtig, diese Textstelle bedeutet äußerst Entschlossenheit: vermutlich hat er militante Gruppen aufgesucht, von denen es reichlich gab, und von diesen wurde er verraten"

Das ist eine interessante Erzählung der Figur Jesus nach den Vorlieben Verhoevens, der durchaus, in Anlehnung an Vorstellungen eines militanten "Al Quaida" als vermeintlichen Exekutor des "Guten" ein hoher Grad an Moral zuzubilligen ist.

Geht es bei der Figur Jesus aber nicht mehr um um eine geistliche Heraussforderung in einer Zeit sich gegenseitig eskalierender Gewalt unter den Stämmen Isreals und mit anderen Völkern unter der Fuchtel römischer Besatzung?, nämlich Deeskalation

"Wer Dir auf die linke Backie schlägt, dem biete Deine recht, damit er sich vergewissere, dass jener nicht mit Vorsatz gewalt ausübt sondern aus reinem Affekt?

Im erst 2006 weiteren Kreisen bekannt gewordenen Judas Evangeleium aus dem Apokrypen, neben dem der Maria Magdalene, wird deutlich, dass Judas kein Verräter war, sondern ein Gnostiker, der Jesus im Garten Genezareth, verfolgt von den Tempelwächtern, Häschern des Volkes Israel, römischen Legionären im stillen Einvernehmen mit Christus selber diesen jenen in "Schutzhaft" übergab.

Judas vermeinte selbst im schlimmsten Fall am Kreuze geschlagen würde Jesus nichts wirklich geschehen, außer, dass Jesus, ganz nach gnostischen Vorstellungen, seinem "Mante = Körper" entschwinden gen Himmel fahren würde.

Erst ab dem Jahr 325 n. Chr, hat dann Kaiser Konstantin, selber zum Christen bekehrt, der Christenheit staatlich hierarchische Strukturen aufgezwungen hat, in denen nur noch die vier Evangelien Markus, Johannes, Lucas, Mätthäus genehm waren, die übrigen dagegen als Apokrypen bis heute nicht

alalue 18.04.2014 | 07:53

Ich habe Ihnen einen kleinen Ausschnitt gezeigt, lesen Sie das Buch selber: es beinhaltet recht konsistente Ausführungen.

Die scheinen mir auch besser zu einem Menschen aus dieser Zeit zu passen, der als Prediger mit seiner neuen Auffassung durch diese Zeiten zog.

Ihre, habe ich das Gefühl, beinhaltet zu viel aus dem heutigen Bild: Gottes Sohn war nie sein Thema, das ist einfach zu anmanßend, jedenfalls zu Lebzeiten : das wurde von Paulus im nachhinein konstruiert.

Und die Annahme, er habe zu Lebzeiten an seiner eigenen Legende gearbeitet, scheint mir abwegig.

Verhoeven stützt sich auf Vorarbeiten, er hat keine Phantasien wie in seinen Filmen geboten.

Judas wird auch als spätere Konstruktion geschildert, als Sinnbild der Juden, die dem neuen Glauben nicht folgten, und der Jünger, die nach Jesus Tod wieder dem üblichen Glauben nachgingen.

Joachim Petrick 19.04.2014 | 00:59

"Gottes Sohn war nie sein Thema, das ist einfach zu anmanßend, jedenfalls zu Lebzeiten : das wurde von Paulus im nachhinein konstruiert."

Vielleicht hilft hier einmal die seit Jahrhunderten zu gegenwärtigende Überhöhung des Begriffs "Gottes Sohn" in der Exegese der Bibel zurückzustellen, und wahrzunehmen, dass alle Menschen alttestamentarisch als Gottes Kinder gelten und das dann besonders, wenn sie mutterseelenallein vaterlos aufwachsen.

Die Überhöhung des Begriffs "Gottses Sohn" wurde erst über die vier Evangelien im Neuen Testament mit Vorsatz kolportiert

alalue 19.04.2014 | 07:13

Zuerst bitte ich um Entschuldigung, ich habe mich zu einem Anfängerfehler verführen lassen: weil ich etwas zu wissen glaube, muß ich alle sofort davon überzeugen. Und bin ein bischen beleidigt, wenn es öfters als einmal Widerspruch gibt.

Verhoeven hat sich nicht selber was ausgedacht, sondern hat die Arbeit von Menschen ausgewertet & berücksichtigt, die die Evangelien und erhaltene Schriften aus dieser Zeit intensiv studierten: drei der Evangelien behandeln die gleiche Geschichte, und in ihnen werden gleiche Vorkommnisse verschieden dargestellt: die Evangelien wurden zu unterschiedlichen Zeiten verfaßt, und da läßt sich eine Entwicklung erkennen.

Wenn es Ihre Absicht ist, aus Ihrem jetzigen Wissen Vermutungen anzustellen, Ihr gutes Recht und tun Sie es.

Ich wollte Ihnen nur sagen, daß mich dieses "Jesus- die Geschichte eines Menschen" sehr überzeugt hat und daß es sich wirklich zu lesen lohnt. Sonst irgendwie rumzuspekulieren lohnt sich für mich nicht, da dieses Buch für mich die Basis darstellt.

Gruss

Joachim Petrick 19.04.2014 | 11:22

"Ich wollte Ihnen nur sagen, daß mich dieses "Jesus- die Geschichte eines Menschen" sehr überzeugt hat und daß es sich wirklich zu lesen lohnt"

Vom Lesen dessen bin ich und haben Sie mich überzeugt, dass das lohnt.

Wenn Sie es Anfängerfeher nennen, okay. Ich denke aber her, es hat gelohnt darüber zu prechen.

Nicht dass es sich nun umgekehrt verhält, die bisher unterdrückten Evangeleinen nun das Maß aller Dinge sind, die vorherig maßgeblichen unterdrücken.

In diesem Sinne Frohe Ostern aus Hamburg