Luther, Erasmus Karlstadt, Zwingli, Müntzer

Reformation Martin Luthers Erasmus Desiderius von Rotterdams, Andreas Karlstadts, Ulrich Zwinglis, Thomas Müntzers Disput um den freien Willen und die Eucharistie, das Sakrament
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Martin Luther (1483-1546) galt seit Veröffentlichung seiner 95 Thesen 1517 in Fragen der Sexualität insbesondere der des Ehestandes als heiliges Sakrament frei von Hemmungen und scheinbar darin ganz dem radikalen Willen zur Reformation verschrieben, wie diesen Ausgustinus als Menetekel teuflischer Wahn im höllischen Anzug Jahrhunderte zuvor an die Wand geschrieben hatte

Denn nicht Sturm und Drang, sondern Mut zur Sanftmut, Gelassenheit, Toleranz Andersdenkenden gegenüber wohne dem Jimmeleich auf Erden inne, meinte zugleich in Zeitgenossenschaft Luthers anfänglicher Führer und Lehrmeister im Berg Christi Erasmus (Desiderius) von Rotterdam (1466 -1532) nut Verweis auf Augustinus Worte.

"Wenn wir nichts Gutes hervorbringen können, da alles menschliche Handeln sündhaft ist, dann gilt das auch für den Geschlechtsverkehr , der nicht anders und daher auch nicht schlimmer ist als jede andere Sünde". So paradox expressiis verbis es uns Heutigen in den Ohren klingen mag, aber diese düstere Geschichte des Menschengeschlechts nach Art vorherrschenden Klerus der Furien der Kurie des Vatikans zu Rom, mit seinem Minmalkonsens in donnernden Predigten von den Kanzeln herab mit dem Bösen, machte Martin Luther frei, schreibt die britische Historikerin Lyndal Roper sinngemäß in ihrem Buch "LUTHER", der Mensch Martin Luther, eine Biografie Kapitel "Freier Wille" Martin Luther vs. Erasmus (Desiderius) von Rotterdam, Fischer Verlag, S. 367.

Sexuelle Lust war Luther Teil menschlicher Natur, war ihm, anders als den Täufern, den "Blutsbrüdern" im Thüringischen und Münsterland, nicht "Heiliger Stuhl", noch Eucharistie, sondern so natürlich wertvoll, lieb und teuer wie jedem Bauern täglicher Stuhlgang, seinen Acker zu düngen,(S. 378).

Warum furzet ihr nicht, hat es euch nicht geschmecket?" befeuerte Luther bei Tisch schon einmal allen Ernstes eindringlich fragend den Stuhlgang seiner Gäste

Anders als Martin Luther war Erasmus (Desiderius) von Rotterdam bereits mit 12 Jahren, Vollweise als eines von zwei unehelichen Kindern eines katholischen Priesters und seiner Haushälterin, einer Arzttochter, nicht freiwillig, sondern gezwungen durch seinen Patron, Mentor in die Fänge des Augustiner Ordens und seinen Klostersbrüdern im Burgenland geraten. Seine Eltern waren früh verstorben.

Doch sowohl Luther als auch Erasmus war die Drangsal der Zwang zum Fasten, Darben, Gruppen Beichten, Selbstkasteien bis das Blut spritzt, Frieren ohne Wams noch wärmende Decke in unbeheizt kalten Gemächern mit kahlen Wänden um der Erlangung Gottes Barmherzigkeit und reine Güte Willen unter Inkaufnahme des eigenen Todes durch Auszehrung im Nachherein lebenslang ein Gräul, ein Grauen an Untaten anempfohlen jungen Seelen gegenüber durch die Augustiner Bruderschaft der Mönche, das ewiger Verdamnis anheingestellt gehört

Während Martin Luther sein Überleben klösterlicher Torturen ab seinem 22 Lebensjahr, - zuvor hatte er dem Wunsch seines Vaters gemäß Juristerei studiert - , später Acht und Bannbulle des Papstes nach dem Reichsratstreffen zu Worms 1521 mit dem Reisekaiser und hohen Würdenträgern des Papstes im Detail als unverdient erlösende Gnade Gottes durch die schützende Hand des Kurfüsten Friedrich der Weise von Sachsen-Anhalt auf der Wartburg als Junker Jörg empfand, ordnete Erasmus Desiderius, klösterlichen Zwängen entronnen, seine gewonnene Freiheit eines Christenmenschen im Namen der Aufklärung, des Humanismus allein dem Ergebnis seines freien Willens zu, ohne die Existenz der Gnade Gottes im Allgemeinen leugnen zu wollen.

Dass Erasmus Desiderius von Rotterdam beim Wormser Disput 1521, trotz dringlicher Einladung Martin Luthers, nicht anwesend war, hat er ihm nie wirklich verziehen, Erasmus zog es, trotz seiner grundsätzlichen Zustimmung zu den Zielen der Reformation, vor, ganz im Sinne der Aufklärung jede Parteinahme für die eine oder andere Seite zu vermeiden.

Am Schlusse saß er, trotz seiner Prominenz als geistiger Urheber der Reformation, anfänglicher Lehrmeister Martin Luthers, Thomas Müntzers, Ulrich Zwingli, Andreas Karlstadt, gemieden, zwischen allen Stühlen und traktierte mit erpobter Edelfeder das lesende Publikum mit seinen ironischen Schriften wider den Zustand der militarisierten Reformation mit Beginn und Ende des kaiserlich-. fürstlichen Bauernlegens, mordierend päpstich- kaiserlicher Landsknechten, marodierend vagabundierend mordend brandschatzend aufständischer Bauernrotten. Horden und Banden im Verlauf der Bauernkriege bis 1525 im Namen Christi, wo die Reformation sich verbreite, sei das der Tod der Wissenschaft.

- Erasmus Desiderius war zwischen 1501- 1524 viermal auf Reisen in England, weilte häufig bei seinem Freund, Theologen und Moralphilosophen Thomas Morus,

Bei einem Ritt weg von England zurück nach Hause in Frankreich verfasste Erasmus Desiderius der Theologe, Philosoph, Schriftgelehrte, Stilist, Philologe, Poet in unendlich langen eintönigen Tagen, Wochen im Sattel, weil so ein Aufenthalt auf dem Rücken seines Pferdes kein rechter Platz für wissenschaftliche Abhandlungen, Traktate war, mit ironisch leichter Feder in seinem Notizbuch die gesellschaftskritische Satire "Lob der Torheit".

Erasmus hat täglich nahezu 1000 Wörter zu Papier gebracht, insgesamt etwa 150 Bücher geschrieben und ca. 2000 Briefe hinterlassen, schreibt Prof. Dr. Detlef Jena in seiner TLZ-Kolumnist vom 27. Oktober 2011.

Erasmus Desiderius reiste durch Europa, nach Deutschland, Italien, Frankreich, die Schweiz, vom Burgenland nach Basel zur Stääte mit den damals größten Druckmaschinen und gab als erster die Bibel in lateinsicher Sprache in Druck. Als sich dort die Reformation durchsetzte, zog es ihn nach Freiburg. In Basel starb Erasmus 1532. -

Für Martin Luther war der menschlich freie Wille undenkbar, der Mensch galt ihm, wie ein Pferd, das der Teufel von Sinnen reitet, das aber von Gott durch seine erlösende Gnade gelenkt wird (S. 371).

Dass Erasmus Desiderius in seinen Schriften zur Begründung des "Freien Willens" diesen unselig beipflichtenden Ton eines ironisch höhnenden Johannes Eck in der Sache anschlug, Luthers päpstlich berufener Kontrahent römischer Kurie bei der Leipziger Disputation 1519, als er seine 95 Thesen zu verteidigen hatte, die Versammelten, wenn es um den sogenannt freien Willen des Menschen ging, mit seinem Wort von der Gnade Gottes konfrontierte, theologische Mores zu lehren vermeinte, brachte den reformatorischen Zorn und Eifer in Luther unerbittlich zum Glühen.

Scheute Martin Luther letztendlich persönliche Verantworung für das, was er an Gutem, Schlechten getan, geschrieben, veranlaßt hatte, die Reformation maßgeblich in Mittel- und Norddeutschland mit seinen 95 Thesen in Gang gesetzt, auf Trab gebracht zu haben, wenn er seinen freien Willen als Teufelsausgeburt verwarf und an seinem theologischen Dogma von der Gnade des erlösenden, barmherzigen und versöhnenden Gottes festhielt?, die da schaltete und waltete?

Erwuchs daraus obigatorisch sinngemäße die Formel, wenn sich der Streit unter einstigen Weggefährten der Reformation gegenseitig ungebremst hochgeschaukelt, die Wahrheit wird durch die Gnade Gottes das Licht der Welt erblicken. Amen!

Andererseits, so aufklärerisch die Rede Erasmus, Müntzers, Zwinglis, Karlstadts in Fragen des freien Willen des Menschen im Namen der Reformation, fern ab von Wittenberg, auch unterwegs zu sein schien, darauf bestand, das Fleisch, Körper und Geist jedes ein Bereich sui generis sei, der freie Wille den Menschen befähige, sehr wohl tugendhaft und diszipliniert Geist und Fleisch zu unterscheiden, danach christlich wohlfeil gelehrig ethisch streng zu leben, so offenbarte sich doch an der Frage der Ehe, der Rolle von Mann und Frau, der Sexualität. dass es den damaligen Verkündern des freien Willens, zu allerfürst um Selbstperfektion in den Tugenden strengen Glauben ging, ohne sich den Geiseln klösterlichen Fastens, Darbens, Schlafentzugs, Erniedrigens, Frierens, Kasteiens im Bruderschafts Zwang erneut unterwerfen zu wollen.

Müntzer wie Karlstadt führten freien Laien- Chorgesang, muttersprachliche Predigten noch vor Luther in den Gottesdienst ihrer Gemeinden ein, legten das Priestergewand ab, predigten priesterfreien Gottesdienst, Eucharistie, wandelten in ihren Kirchen in Zivil, entfernten Bilder aus den Gebets- und Andachtshäusern, während Martin Luther und Katharina von Bora sich als Paar und einzeln von Cranach dem Älteren in großer Stückzahl publikumswirksam in prominenter Farbe porträtieren ließen..

Gleichwohl war es Thomas Müntzer noch weniger als Andreas Karlstadt seelisch vergönnt, trotz und wg. seines freien Willens, die Botschaft über die Geburt seines Kindes in Freuden anzunehmen, weil ihm seine eingegangene Ehe, die Sexualität, ein Leben mit Weib, Kind und Kegeln, lebenslang klösterlich lustfern geprägt, eher Last denn Freude, Wonne war, ein Buch mit sieben Siegeln blieb, das zu enträtseln, sich angeblich, angesichts großer Werke, die es im Namen Christi zu meistern galt, nicht lohnte.

Da war Martin Luther aus anderem Holz geschnitzt, Weib, Kinder, Bier, Wein und Gesang, üppige Mahlzeiten an langer Tafel daheim zu Wittenberg in Gesellschaft mit Geselligkeit, Tischgebeten, Reden, niemals wollte er wieder aus angeblichen Glaubenstugenden selbstzerstörisch hungern müssen, schon gar nicht aus freiem Willen, Gespräche bei Tisch mit wohlbetucht zahlenden Studenten als Gäste, Katharine von Bora, seine geschäftstüchtige Gattin, die ihn in ihren gemeinsamen Ehestand geworben hatte, redet unter seinem Dache mit Lachen, Ach und Krach, wie ihr der kluge Geist und flinker Schnabel gewachsen, freien Geistes beredsam mit.

Wer ist nun näher bei unserer und der damaligen gesellschaftlichen Wirklichkeit, jene, die den freien Willen des Menschen verkünden, scheinbar die Ideen der Aufklärung, des Humanismus im Vorgriff auf Karl Marx, Friedrich Engels Thesen vom dialektischen Materialismus, Histomat, "Das Sein bestimmt das Bewusstsein", auf ihrer Seite haben, oder Martin Luther, der seine Lehre von der Ganzheit des Körpers, Geistes und der Seele im gesprochenen Wort unverdrossen predigt und in seinen Schriften in alle Welt verbreitet als hätte er Sigmund Freuds Abhandlungen zur Psychoanalyse, kommentiert von Eugen Drewermann, gelesen? Oder war es umgekehrt?

Oder anders gefragt. wohnt sowohl der einen theologischen Verheißung, Körper und Geist seien voneinander abgespalten, als auch in der anderen theologisch gegensätzlichen Verheißung, Fleisch und Geist seien ein Ganzes, das dialektische Radikal inne, das Sein bestimmt das Bewusstsein?

Der weitere Streit unter den einstigen Weggefährten der reformation war der Disput über das richtige Verständnis der Eucharistie und hier das Sajrament des Abendmahls. Kuther meinte bei der Verteilung des Brotes und des Altarweines im Kelch beim heiligen Abendmahl im Namen Christi mit den Sätzen "Dies ist mein Leib. mehmet hin und esset", "Dies ist mein Blut, so trinket" Jesus sei körperlich gegenwärtig, während Erasmus Desiderius, Andreas Karlstadt, Thomas Müntzer, Ulrich Zwingli meinten, Jesus sei nicht körperlich, sondern geistig gegenwärtig. Zwingli beschäftigte insbesondere die Deutung das Wörtchens "ist" ohne die Deutung zu einem Ende zu führen.

Nun war Jesus nicht nur ein Messias, Relgionsstifter sondern auch ein Volkslehrer, der in römischen Zeiten, wo die Fleischesser als Trendsetter bestimmten, was Lebensmittel auf dem Teller, was Getränk im Glas ist, was keine Nahrung, kein Getränk ist, so dass das reine Wasser, einfache Brot selbst unter den Armen, Ausgestossenen, Verfolgten, Vertriebenen als Nahrungsmittel und Getränk nichts galt.

ich aber frage euch: "Wollte Jesus mit seinen Worten "Nehmet hin das Brot, des isst mein Leib, tinket das reine Wasser, das ist der Wein, den mein Blut isst" allem Volk verdeutlichen wollte, welche Art von Nahrung nämlich nicht Fleisch noch Wein, sondern Brot, aus gemahlenem Getreide, Wasser von den Seen, den Flüssen, vom Meer als Manna, als Regen, durch die Sonne Gottes genährt, vom Himmel fällt, denn sehet, die Vögel in den Lüften, sie säen nicht auf Erden, sie schöpfen kein Wasser aus Brunnen, sie ernten und trinken doch?"
JP

http://www.tlz.de/web/zgt/kultur/detail/-/specific/Streit-zwischen-Erasmus-und-Herrn-Luther-433564907
Streit zwischen Erasmus und Herrn Luther
TLZ-Kolumnist Prof. Dr. Detlef Jena.
27. Oktober 2011 / 16:24 Uhr

15:57 03.12.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Joachim Petrick

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Joachim Petrick