Mário Soares "O Rei" Portugals gestorben

Mário Soares 1924-2017 starb am 7. Januar 2017 im Alter von 92 Jahren als O Rei "unser König, unser Leuchtfeuer" portugiesischer Demokratie seit dem Nelkenrevolutionstag am 25. April 1974
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Mário Alberto Nobre Lopes Soares, geboren am 7. Dezember 1924 in Lissabon, war der Sohn von John Lopes Soares, ein ehemaliger Priester. Lehrer, Professor, der die Hochschule Moderne und Elisa Nobre Soares gründete..

Soares hatte 1942 als 18jähriger Student noch gar nicht so richtig gegen die Diktatur in Portugal gekämpft wie er einmal erzählte, um die Willkür des Regimes deutlich zu machen, trotzdem wurde er verhaftet, heiratete während seiner Haftzeit Maria de Jesus Barroso, vertrat später Regimegegner als Anwalt vor Gerichten, bis er 1970 das Land zu verlassen hatte, ins Exil nach Paris ging..

Nach dem unblutigen Militärputsch in Portugal und seinen Kolonien, historisch geläufig als friedliche Nelkenrevolotion, kehrte Soares drei Tage nach Beginn der Nelkenrevolution am 25. April 1974 von Paris nach Portugal zurück

Von da ab gab es kein hohes Amt im politischen Leben Portugals, in Regierung, Staatsämtern, mit dem er als Sozialist und Internationalist, nicht wenigstens einmal - Stellvertreter, Minister, Premierminister, Präsident und MEP - betraut wurde.

- Außenminister in I, II und III provisorischen Regierung, die das umstrittene Dossier verfasste, die Entkolonialisierung der Kolonien Portugals zu veranlassen, war Minister ohne Geschäftsbereich in der IV Regierung- Mit dem Sieg der Wahlen im Jahr 1976 wird Soares Premierminister, der ersten wirklich konstitutionellen Regierung (1976 - 1977) und II (1978). dann 1983 - 1985, der sogenannt Centre Block mit der PSD - gab der Regierung den Schub, die Beitrittsverhandlungen des NATO-Mitgliedslandes Portugal mit der damaligen Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), zum Abschluss zu bringen -

Soares war 1986 bis 1996 portugiesischer Präsident, wurde 1991, den Jahren der großen Wende in Europa, mit 70% der Stimmen wiedergewählt.

- Mario Soares hatte seinen Freund, älteren politischen Weggefährten Willy Brandt (1913- 1992) zwei Tage vor dessen Rücktritt als Bundeskanzler 1974, von Paris kommend, als letzter offizieller ausländischer Gast im Kanzleramt besucht. Brandt legte im Jahr der portugiesischen Revolution der Nelken , während die griechische Militärjunta nach deren gescheiterten Versuch der Okkupation Zyperns, durch Truppen des türkischen Ministerpräsident Ecevits ausgebremst, in sich zusammenbrach, am 6. Mai 1974,sein Amt als Bundeskanzler nieder, um sich ganz seinem Amt als SPD-Vorsitzender 1964- 1987, der Sozialistischen Internationale u. a. als deren längjähriger Präsident zu widmen.

- Die Sozialistischen Internationale war 1889 als lockerer Verbund europäoscher Sozialdemokratie in Paris gegründet, zwischenzeitlich durch die Wirren der Zeit 1933- 1945 marginanlisiert, 1951 unter Einschluß der isrealischen Sozialdemokratie Shimon Peres in Frankfurt/Main neu gegründet worden. Brandt fiel die Verantwortung zu, sowohl die USA als auch die UdSSR, mit Blick auf die Balance zwischen Ost und West, unter besonderer Berücksichtigung der sich abzeichnend fragilen Entwicklung im Franco- Regime Spaniens, vor Fehleinschätzungen der Revolution der Nelken in Portugal zu bewahren

Der amerikanische Außenminister Henry Kissinger sah 1975/76 in Mario Soures einen "Kerenski- Verschnitt" am Vorabend der boslchewistischen Revolution in den Ländern Südeuropas nach dem Vorbild der Oktoberrevelution in Rossland 1917. Das Gspenst der Bolschewierung Südeuropas geisterte, tritz des Gelingens der Demokratie in Portugal, Spanien, weiter in den Braintrusts, Think Tanks der Nato herum und brütete entsprechend die "Strategie der Spannung" aus, mit ihren ungesetzlichen Undercover Gladio Unternehmen an Regierungen, Parlamenten vorbei, ,verdeckt rechtsextreme Attentate in Bolognia/Italien, Münchner Oktoberfest 1980 im Bundestagswahlkjahr der Giganten Helmut Schmidt vs Franz- Joseph Strauß, wenn nicht zu initiieren so doch zu protegieren, wie Der Spiegel nach der Jahrtausendwende investigativ aufgedeckt hat.

Soares übernahm später, nachdem 1975 ein Militärputsch der Hardliner in Lissabon wirkungslos verpufft war, einige Jahre die Leitung des Nahost- Komitees der Sozialistischen Internationale bis ihm 1986 Ben Wisch ( Hans-Jürgen Wischnewski/SPD) in der Rolle folgte

Kann die Geschichte des Rücktritts Willy Brandts vom Amt des Bundeskanzlers am 6. Mai 1974, noch vor dem absehbar vorrauseilenden Rücktritt Richard Nixons am 8. August 1974 vom Amt des US-Präsidenten, angesichts des drohenden Impeachments wg. des Watergate Skandals des Weißen Hauses, ganz anders gedeutet werden, nämlich als verdecktes Unternehmen,

- Willy Brandt im April 1974 zu Helmut Schmidt "Sei nicht überrascht, wenn in nächster Zeit das Amt des Bundeskanzlers auf Dich zukommt -

über die Sozialistische Internationale mit Willy Brandt als "überzeugten" Nordatlantiker an der Spitze den Kalten Krieg für über ein Jahrzehnt bis 1989 zu verlängern?, statt dass die USA und UdSSR diesen über den diplomatisch "Kleinen Dienstweg" nach der vollständigen Niederlage der USA in Vietnam 1975 über den KSZE Prozess in Helsinki als verlorene Zeit beenden?

(Quelle: Willy Brandt "Erinnerungen", Propyläen Verlag, 1989, S. 322, 349, 445) -

Bald galt Mario Soates den Portugiesen als O Rei (Unser König/Unser Leuchtfeuer der Demokratie.

Mário Soares, der unbestritten als bedeutsamste historische Persönlichkeit der jungen portugiesischen Demokratie nach dem Ende der Diktatur Salazars gilt, der es verstand, neben radikalen Fliehkräften in seiner eigegen u. a. Parteien, das Militär nach 1974 in Portugal, demokratisch verfasst, einzuhegen, starb am Samstag 7 Januar 2017 im Alter von 92 Jahren nach 10 Tagen Krankenhausaufenthalt auf der Intensivstation.

Mário Soares war früh in der Politik aktiv. Schon als Student (Diplom in Geschichte und Philosophie Wissenschaften in den Jahren 1951 und Recht 1957), war er Sekretär des Zentralkomitees der Matos während General Nortons Kandidatur zur Präsidentschaft im Jahr 1949.

Soares war aktives Mitglied mehrerer Oppositionsbewegungen während der Estado Novo Diktatur. 12 Mal wurde er von der PIDE verhaftet, der politischen Polizei des Regimes. Er war fast drei Jahre im Gefängnis. Er wurde 1968 nach Sao Tome deportiert und zwei Jahre später ins Exil nach Frankreich gezwungen.

Er war noch im Exil, als er einer der Gründer der Sozialistischen Partei Portugals im Jahr 1973 wurde.

Mário Soares, anders gestrickt als der deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt (1918- 2O15), war immer von Visionen angetrieben. u. a. als es ihm von seinem Pariser Exil aus, noch während die Diktatur in letzten Zügen lag, gelang, die Unabhängigkeit der sozialistischen Opposition im Untergrund Portugals zu behaupten.

In DER ZEIT vom 7. Januar 2017 ist zum Tod von Mário Soares zu lesen::

"In seinen bis zuletzt scharfzüngigen Kolumnen für die Zeitung Diário de Notícias und für die Wochenzeitschrift Visão äußerte sich Soares zum Zeitgeschehen. Er kritisierte die Sparpolitik in Lissabon und Brüssel, die zunehmende soziale Ungleichheit in Portugal und Europa und die Vernachlässigung von Flüchtlingen. "Die Welt sieht leider immer schlechter aus", sagte Soares im vergangenen Jahr. Als seine Antriebskraft nannte er "eine große Lust zu leben und eine immense Neugier".

http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-01/portugal-mario-soares-expraesident-tot
Portugal
Ex-Präsident Mário Soares gestorben
7. Januar 2017, 17:28 Uhr

https://www.freitag.de/autoren/andre-araujo-soares/40-jahre-nelkenrevolution-ein-rueckblick
ANDRE ARAUJO SOARES 25.04.2014 | 09:37 8
40 Jahre Nelkenrevolution - ein Rückblick

21:51 09.01.2017
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Geschrieben von

Joachim Petrick

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Joachim Petrick

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