Martin Heidegger "Alles Weitere ohne mich"

Schwarze Hefte "Scheue Antworten und traue keiner Frage!" Martin Heidegger scheute, streng katholisch erzogen, das "libertäre" Frage- und Antwortspiel, wie der Teufel das Weihwasser.
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Etiam si omnes, ego non!

Joachim Fest, siehe seine posthume Biografie

"ich nicht"

und Martin Heidegger haben diese Haltung auf ganz unterschiedliche Art und Weise gelebt.

Sinngemäß im Zusamenhang übersetzt:

"Auch wenn alle Antworten haben, ich nicht"

ist ein lateinisch geflügeltes Wort
oder:

"Auch wenn sich alle in Antworten gemein, ich nicht"

"Scheue Antworten und traue keiner Frage!"

"Scheue das Spiel der Dialektik, sei niemals These, Antithese, sei Synthese von Anfang an und sonst gar nichts in der Welt?"

Martin Heidegger (1889- 1976) scheute als Philosoph, streng katholisch erzogen, das "libertäre" Frage- und Antwortspiel in Demut, Einsiedlertum gegenüber den machtvoll "Heligen Strömen, Grundseen der Zeit" , wie der Teufel das Weihwasser.

Warum?

Eine gewagte Antwort mit Blick auf die damalige Vorkrieg- , Kriegs- und Nachkriegszeit, 1912- 1918, die eine Vorkriegszeit in Europa und der Welt war:

Fragen um Fragen, wie Gewehrsalven. Schrapnellgeschosse, Artilleriedonner, um "Sprung Auf! Marsch! Marsch" drohende Anstürme von Antworten in den Materailschlachten des Stellungskrieges über alle Fronten hinaus aus den Schützengräbern des Feindes, todbringend, "Destroy the enemy" niederzuhalten?

So geschehen im Ersten Weltkrieg von 1914- 1918, dann verbal, argumentativ hochgerüstet, auf allen parteipolitischen Seiten, ebenso im "Frieden" von 1919- 1939.

Söhne des Großen Krieges, des grauenhaften Völkerschlachtens von 1914- 1918 und entsetzlich menschenverachtend darüber hinaus, kennen, Phöenix aus der Erinnerungs- Asche der Kameraden gleich, totalitärer denn zuvor als Faschisten, Nationalsozialisten, Bolschewisten, ihrer Schockstarre, ihrem Kriegs- und Revolutionszittern kaum entronnen, postraumatisch wieder auferstanden, mit sich selber und Fragen gegenüber keinerlei Pardon, haben sie ihre Antworten doch immer noch im Tornister seit dem Weltenschicksalsjahr, dem Urkatastrophenjahr 1914, als die Zeit gesellschaftlichen Schlafwandelns, mitten in der Epoche des Kolonialismus, des "Falschen Friedens der Völker" schlagartig beendet ward.

Faschist, Nazi, Bolschewist im totalitären Sinne werden, kann nicht sein, Zeitgenossenschaft, dazu individuell gefühlt als Übriggebliebener, neben Abermillionen Gefallener, Kameraden in den Materialschlachtender Stellungskriege an den Fronten im Westen, Osten, Norden, Süden, zu Lande, zu Wasser, in der Luft, auf allen Weltmeeren, von 1914- 1918. will als Generationsgenossenschaft voller Elan bis zum letzten Gefecht, der letzten Kugel, schnell, wie ein Windhund, hart, wie Kruppstahl, geboren, in die Zeit gefallen sein, auf dass die nächste eigene Brut den Elan der Wut Väter, an der Mutterbrust als Milch gesaugt, als Staffelholz übernimmt.

Professor Arnulf Baring, Jahrgang 1932, bekennt sich noch heute als Brut der Väter, Mütter in dunkler Zeit generationsübergreifend zu deren damaliger Wut und beklagt, gleich, wo er als Gast geladen, die heutige Abwesenheit dieses unabdinglichen Elans, der aus der Wut von 1914- 1918 geboren war.

So wie Heranwachsende auf alle Fragen in der Welt letztlich nur eine Antwort haben

"WACHSEN! WACHSEN!,

so haben die Söhne des Krieges nach 1918 als posttraumatisch Übriggebliebene keine Fragen an die Welt mehr, sondern nur noch eine Antwort, die sie Vorsehung rufen "KAMPF"

Fragender Versuch der Annäherung:

"Zeichnet sich Im Gedankenweg der Hefte deutlich ab, wodurch Martin Heidegger nicht zum Nazi wurde, sondern von Anfang einer ihrer denkenden Vorläufer war?"

Dazu schreibt Michael Jäger in seinem Freitag Artikel dieser Woche in ganz eigener Lesart:

https://www.freitag.de/autoren/michael-jaeger/keine-fragen-offen
MICHAEL JÄGER 28.03.2014 | 06:00 6
Keine Fragen offen


Wurde Martin Heidegger wirklich zum Nazi, wenn er es doch schon von Geburt an als Kind der Söhne und Mütter des Großen Krieges von 1914- 1918 war?, wie andere totalitär unabdinglich Leninisten, Stalinisten, Trotzkisten waren?

Michael Jäger:

"Er hat Nietzsches Diagnose aufgenommen, das Zeitalter sei nihilistisch, und sieht in der NS-Politik eine Suchbewegung aus dem Nihilismus hinaus. Den definiert er wie Nietzsche als das Verschwundensein übergreifender Ziele und die fehlende Kraft, neue zu setzen. Auffällig, aber nicht untypisch fürs deutsche Bürgertum um 1933 ist dabei der Umstand, dass er die von den Nazis proklamierten Ziele gänzlich ignoriert, sie offenbar gar nicht ernst nimmt. So wie man gesagt hat, es hat alles schon in Hitlers Mein Kampf gestanden und wurde nur nicht gelesen."

Hat Heidegger das wirklich?

Wozu brauchen die Nazis Ziele, wenn alle. so der Vorsehung verschrieben, deren Ziele im militarisierten Gemüte tragen, weil alles nur so, aber vor allem unter Ausweitung völkischer Kampfzonen am Rande des gekränkten Deutschen Reiches seit den "Schandverträgen" von Versailles 1919 so bleiben soll, wie es vorher nie gewesen war?

Michael Jäger:

"Von NS-Zielen ist nirgends in den Heften die Rede. Heidegger tut vielmehr so, als gebe es noch gar keine, sodass es erst seines Auftritts bedürfe, sie hervorzulocken. Diese Haltung schlägt sich 1933 in der Antrittsrede seines Universitätsrektorats nieder."

Das Bürgertum lässt die Maske fallen und macht aus seiner Seele eine Mördergrube, vonwegen vorauseilender Gehorsam des Bürgertums, des Adels, der konservativen Parteien, der hugenbergischen Voss Mainstream Medien, ab 1933 mit der Machtergreifung der Nazis, wie es Wiebke Bruhns in ihrem Buch "Meines Vaters Leben" als Denkfigur vorgestellt,

Das war jederzeit abrufbarer Gehorsam mit lokalem Befehlsgewaltansrpuch, von der Memel bis an den Belt, im allgefälligen Wartestand, den Strömungen innerhalb der NSDAP bis zum sogenannt Röhm- Putsch am 30. Juni 1934 zu sagen, woher der Wind der Zeit- und Generationsgenossenschaft wirklich weht.

"Die Fahnen hoch. Die Reihen fest geschlossen!"

Michael Jäger:

"Heidegger erkennt, dass der NS so nihilistisch ist wie alles andere auch, ja den Nihilismus nur noch kenntlicher macht. Dies veranlasst ihn zu schärfsten Polemiken, führt aber keineswegs zu seiner Abwendung vom NS. "

Wie könnte Heidegger sich, unter Wahrnehmung bestimmter unterdrückter Strömungen innerhalb des Nationalsozialismus von der "Zeit- und Genrationsgenossenschaft" mit diesem abwendem?, war doch Heidegger mindestens, wenn nicht gar als denkender Vorläufer, zu selber Zeit gefühlt Nazi, wie die Gebrüder Strasser, Röhm, Hess, Hitlers, Görings?

Michael Jäger:

"Die NS-Bewegung bleibe nämlich „unabhängig von der je zeitgenössischen Gestalt“.

Hier nun offenbart sich n. m. E. Martin Heideggers kardinaler Denkfehler, der ihn sogar dazu verführt, in nihilistische Denkategorien zu verfallen, nämlich, nicht dem zeitlich orientierten

"Schwebenden im Denken"

wie bei Karl Jaspers eine Chance zu geben, auch wenn Martin Heidegger sich selber und die NS- Bewegung als Suchende definiert, sondern an das Denken an sich, so auch an Suchbewegungungen einen eschatologischen Anspruch zu erheben, der unangefochten unfehlbar von Generation zu Generation nach ehernen Gesetzen des Suchens Gültigkeit erlangt und auf ewig manifestiert.

Michael Jäger:

"Dass die NSDAP antisemitische Ziele hat, ist ihm so gleichgültig wie das ganze Parteiprogramm"

Das klingt, als sei Martin Heidegger mit der NSDAP als herumirrender Suchbewegung, wie mit einem welthistorischen "Trüffelschwein" auf der Suche nach "Volk ohne Raum" unter seiner genialen Geistesführerschaft im "Inneren Dialog" verschmolzen.

Da muss er deren Programmatik nicht kennen,noch lesen, trägt er diese doch als seines Geblütes Unterpfand im eigenen Gemütes im Denken der Gleichzeitigkeit.

Lesen wir nicht auch täglich Schlagzeilen über Parteien, Ereignisse, Entwicklungen, Weltgeschehen, um uns inhaltich die Bücher als Kopfgeburten selber zu schreiben?

Michael Jäger:
"Noch nach dem Krieg, als er äußerte, Auschwitz sei genauso eine schlimme Industrialisierung – des Tötens im konkreten Fall – wie irgendeine moderne Agrarfabrik, war das seine Haltung"

Hier kehrt Martin Heidegger seine seelische Grundsee im Denken unverblümt als Anhänger einer vermeintlich heilen Agrarkulturwelt des vorindustriellen Mittelalters im Glauben an die

"Scholle, an Blut und Boden Verschmelzungsphantasien",

mit Anleihen bei Rousseau, hier, als fundamentalistischer Zivilisations- Gegner allen technischen und gesellschaftlichen Fortschritts, Entwicklung gegen Marx Marktmacht und "Murx" der unsichtbaren Hand Adam Smith, dort, von zu Unterst nach ganz Oben.

Michael Jäger:

"Diese unmenschliche Dickfelligkeit, die den Philosophen (Heidegger) über Leichenberge gehen lässt, ist gewiss schlimmer antisemitisch als alle expliziten antisemitischen Äußerungen."

Dazu meine Frage:

Klingt die Formulierung nicht eher verharmlosend zu personenbezogen auf Martin Heidegger gemünzt, als gebe es damals, wie heute, nicht immer noch Think Tanks (Denkfabriken) in aller Welt, die ins Treibeis ihrer Fehleinschätzungen des Zustand und Fortgangs der Menschheitsgeschichte geraten sind und sich doch "nun erst recht" als das Wohl & Heil der Menschheit anpreisen?

Haben wir nicht eine Militarisierung philosophischen Denkens in damaliger Zeit nach 1914 bis heute, zu gegenwärtigen, wenn ja, ist diese bei Martin Heidegger in einer bestimmt unverantworteten Denkfarbe, wie bei vilen anderen in anderen unverantworteten Denkfarben philosophischer "Schreibtischtäter" zu finden?

Gilt Martin Heidegger wie vielen anderen damals das Weltjudentum als Inbegriff verhasster Moderne, gesellschaftlicher Entwurzelung, geistig kulturuntreuer Wanderschaft ins Nirgendwo?, in einer Nachkriegswelt Europas, Amerikas, Asiens, Afrikas, der Türkei, Arabiens von 1918, wo, trotz industrieller Revolution, immer noch der Landadel, Großgrund- , Wald- , Wiesenbesitzer , nordelbisch ostpreussische Junker als militarisierte Haudegen im vollen Veteranenwichs unter der völkischen Devise "Blut und Boden" dazu "Volk ohne Raum" (Damaliger Bestsellerbuchtitel von Hans Grimm ) den Ton angebend, das Sagen haben wollen?

Weltjudentum unverantwortlich als Denkfigur, völkisch aufgeladen, kommuniziert, ein heilloser Versuch bei Heidegger, wie des Bürgertums, den Denkfiguren des Klassenkampf zu entrinnen, ohne wirklich zu realisieren, dass hinter Denkfiguren Menschen, gar Nachbarn von nebenan, sind?

So wie heute hierzulande, in den USA, Europa, Japan, Russland der angebliche WeltIslamismus als Denkfigur über "Gefahrenlagen", "Gefährder" in Sicherheitsfragen Hochkonjunktur hat?

Michael Jäger:

"Dies ist Ausdruck dessen, dass am Anfang kein Vorhandenes vermutet wird, das nur zu entdecken wäre. Das Suchen selbst, nicht das Haben, steht vielmehr am Anfang"

Hier nun geht es zum Kern der einmal mehr anschwellenden Debatte um Martin Heidggers Denken, das uns notwendiger Weise heute im Zeutalter der Laptops, Handys, Iphons, Ipods, des Internet, der Daten Clouds, per Mausklick näher sein könnte, als dies materiell untermauert, für Heidegger selbst zu Lebzeiten bis 1976, seinem Sterbejahr. jemals der Fall war.

Nämlich per RESET Option im Gefühl zu leben, die eigne und die Welt anderer täglich per Mausklick ganz neu erschaffen zu können und doch am Ende vor allem auf Daten aufzubauen, die im World Wide Web vorhanden, in Clouds gespeichert, Vorheriges plus X wieder rekonstruieren?

Michael Jäger:

"Was Heidegger „Frage“ nennt, entpuppt sich als Befehl, denn er bringt das Wort vor, um vom Weiterdenken abzuhalten"

Das erinnert mehr an die kontemplative Art des Denkens unter dem klerikal despotischen Dach der Kirchen, Kathedralen, Dome, Münster, Moscheen, Synagogen, Pagoden zu Andachts- und Gebetszeiten, wo ein jeder unhörbar für sich, alle unerhört für einen denken.

Der Denkprozess verweilt in solchen Zeiten, Orten im Dunkeln und offenbart sich, wenn überhaupt, wie in verschworenen Gemeinschaften. im Heiligen Graal, geheimen Bruderschaften, der Mafia, Clans unter dem Credo

"Stunden der Andacht miteinander im Stillen geschwiegen, ist so gut wie alles besprochen"

nur in den Taten und Werken kommender Tage, Wochen, Monate, jahre, Lebenszeiten.

Denkverbote sehen anders aus, für Denkverbote ist die Inquisition mit Folterinstrumenten, Vermögensentzug zuständig,

Worum es Martin Heidegger als Graswurzel Philosoph erhaben reiner Güte von eigenen Gnaden auf seiner Hütte im Hohen Tann des Schwarzwaldes im Breisgau zu gehen schien, ist das Verlangen nach Stille, in der sich jedes Streben nach menschlich kollegialem Dialog von selbst verbietet.

Denn Martin Heidegger dachte nicht dialogisch, sondern es dachte in ihm, am Puls der Zeit horchend, der Zeitgeist, wie er einmal 1912 mit seinem Erstwerk "Sein und Zeit" annähernd zutreffend, aber mutmaßlich in anchwellendem Maße häufiger mit dem philosophischen Anspruch des "Errare Humanum est" irrend dachte.

Anders ausgedrückt, war folgendes Martin Heideggers Denkmaxime:

"Nolite circenses tangere"
( "Störet meine Denkfiguren nicht!")
Michael Jäger:

"Eine Antwort sei immer falsch, sagt er. Er berücksichtigt nicht, dass sich das herauszustellen pflegt, dann weitergefragt werden kann und zwar besser als vorher. Wem es ernst ist mit dem „Weg des Fragens“, der muss das Fragen, Antworten und Weiterfragen empfehlen, denn anders bewegt sich kein Gedanke vom Fleck."

Hier kommt Michael Jäger Martin Heidegger (1889- 1976) n. m. E. wirklich unphilosophisch auf die Schliche, weil es Michael Jäger selber offensichtlich schwerfällt, trotz vorhandener Fragen, Antworten, Gegenfragen, in dem zu verweilen, was bei Karl Jaspers (1883- 1969) als Zeitgenosse Martin Heideggers (1889- 1976) und der später Geborenen Hannah Arendt (1906- 1976) als Denkmaxime soziologischer Theorie galt, das

"Schwebende des "So als ob" das "Denken ohne Geländer".

Warum?,

weil Gedanken kreisen und sich nur ganz selten vom Fleck als obskurem Objekt der Begierde des Denkens fortzubewegen sinnen und trachten.

Michael Jäger:

"Nach 1938, dem Jahr der „Reichskristallnacht“, leuchtet ihm die „Judenfrage“ zunehmend ein. Nun notiert er, eine „zähe Geschicklichkeit des Rechnens“ liege der „Weltlosigkeit des Judentums“ zugrunde und gehöre zu den „verstecktesten Gestalten des Riesigen“. In seiner eigenwilligen Sprache steht das Riesige für einen Sog ins Unendliche, den man unserer Kultur allerdings attestieren kann. "

Hier verharrt Heidegger unverdrossen, seiner unverbrüchlichen "Zeigenossenschaft" nah, in der monströsen Denkfigur des "Weltjudentums" , wie wir dies seit "NINE ELEVEN 01" apätestens mit dem Weltislamismus tun, den es sowenig, wie das Weltjudentum, gibt, um das vermeintlich und wirklich "Riesige" in der Welt in einer willfährigen Metapher zu umschreiben.

Martin Heidegger scheint ganz unphilosophisch finanzpolitisch unbedarft ins Dunkle zu riechen, zu ahnen, nur eben an der falschen Denkfigur, dass 1938 mit der "Reichspogromnacht" am 9. November nicht nur in der Deutschen Reichsbank, mit ihren von Amtswegen betrügerisch fällig gestellten MEFO- GmbH Handelsschecks für die unbürokratische Geldmengenfinanzierung der deutschen Rüstung zu Gunsten weltweit operierender Konzerne, darunter die Ford- Werke, IBM, Gneral Electric, Coca Cola, Philipp Morries in den USA, das Große Rechnen an den Internationalen Finanzmärkten mit dem Ergebnis begonnen hat, dass die weltweiten Signale für die Stunde der Militärs im Namen einer Kriegskonjunktur unter dem Dach von sogenannt "New Deals" hochsschnellten.

Michael Jäger:

"Heidegger hat schon jahrelang davon gesprochen und hat immer auch das „Rechnen“ in diesem Zusammenhang herabgesetzt, weil er es als eine Methode auffasst, das Denken gegen Unerwartetes blind zu machen. Es wäre ja dann die nihilistische Methode schlechthin. Doch hat er es bis dahin nie mit den Juden verbunden. Vielmehr sei es schon im ersten philosophischen Anfang der Griechen angelegt gewesen. Dass die Juden die Urheber des fatalen „Rechnens“ seien, wird er auch künftig nicht behaupten. Aber er sieht ja inzwischen nur noch Kräfte, die vom Zeitalter nihilistisch gemacht worden sind"

Mit dem Herabsetzen des "Rechnens" an sich erweist sich Martin Heidegger, in einer Nachkriegs- Epoche, in der nicht nur die Oberschicht, der abgedankte deutsche Adel, sondern auch das konsolidierte Bürgertum seit 1919, ganz dem Militär im vollen Veteranenwichs verschrieben, herabwürdigend über jene von "Koffmichs" reden, die Bilanzen lesen können, als "wahrer" Sohn des Krieges, Kampfes, des Spartaners, des letzten Karl May Lederstrumpf Mohikaners, der allzeit bereit, einen Angriff der "Athener", "Yankees", "Bolschewiki" wachsam gewappnet, schon Morgen erwartet.

Michael Jäger zitiert Martin Heidegger

„Die Frage nach der Rolle des Weltjudentums ist keine rassische, sondern die metaphysische Frage nach der Art von Menschentümlichkeit, die schlechthin ungebunden die Entwurzelung alles Seienden aus dem Sein als weltgeschichtliche ‚Aufgabe‘ übernehmen kann.“

Das klingt abgehoben, mit der Selbsterlaubnis verbunden, man wird ja als Pholosoph noch einmal allgemein ganz unoriginell feilgebotene Denkfiguren metaphysicher Provenience, wie den Begriff vom "Weltjudentum" damals, heute "Weltislamismus" "Internationalen Terrorismus" bemühen dürfen, um dem Allgemeinen zu dienen, auch wenn da Im Einzelfall, nicht recht bedacht, Ungemach, gar Unglück droht?

Michael Jäger:

"Die „Metaphysik des Abendlandes“ habe die „zeitweilige Machtsteigerung des Judentums“ ermöglicht. Die Juden hätten ihr nichts entgegenzusetzen gehabt, da sie „die verborgenen Entscheidungsbezirke von sich aus“ nie „fassen“ konnten. So sei Husserls „Schritt zur phänomenologischen Betrachtung“ von „bleibender Wichtigkeit“, reiche aber nicht in jene Bezirke"

Solche Art philosophisch dahergerkommender Deutungen Martin Heideggers sind wohl mehr der Abwesenheit von ökonomischen Zusammenhängen, Sozialgeschichte, allgemeiner Geschichte und deren elitär kategorische Ausgrenzung geschuldet, denn bösartig, gar gefährliches Gedankengut, wie Michael Jäger nahelegt.

Michael Jäger:

"Sie wurzeln in einem allgemeinen Rassismus Heideggers, der allen Völkern Eigenschaften und „Aufgaben“ zuweist. So schreibt er, „die Engländer“ hätten „jeden Wesensumfang aufgegeben“, während im Amerikanismus „der Nihilismus seine Spitze“ erreiche. Das „Russentum“ sei für eine solche Spitzenstellung „zu bodenständig und vernunftfeindlich“. Auch solche Äußerungen finden sich erst nach 1938, doch dass Heidegger zu ihnen lange bereit war, geht aus dem oft wiederholten Glaubenssatz hervor, die Deutschen seien das zur Setzung des zweiten philosophischen Anfangs (nach dem ersten der Griechen) berufene Volk. Dieser Gedanke, dass hierzulande das Altgriechische fortgesponnen werde – während sich die westlichen Nationen an Rom orientierten –, hat Tradition in der deutschen Geistesgeschichte. Er war nicht nur Heidegger präsent."

Martin Heidegger deckt hier die unselige und doch aufschlussgebende Kehrseite des erhabenen Nimbus über die deutsche Sturm und Drang Zeit revolutionärer Aufbrüche im nationalen Schwange des Streben nach deutscher Einheitlichkeit auf, wenn bis heute, nahezu ungefiltert, gepaart mit dem Glauben an den Deutschen Wald, Blut und Boden, von den Deutschen als dem Volk der "Dichter und Denker", ungebrochen, trotz Auschwitz, die Rede war und ist

"Man denke an Werner Sombart – Heidegger war weniger originell, als er dachte. Unverzeihlich, dass es ihm egal war."

Diese Interpretation verhilft zwar zu "Schlagzeilen", doch geht dabei verloren, welcher Denkart Martin Heideggers Philosophie wirklich ist, nämlich ausdrücklich vom "Seienden" auszugehen, dieses wiederkäuend, eben nicht wie ein Rindvieh bis zum Erbrechen Geschmacksproben zu unterziehen, sondern mit Blick auf die Unendlichkeit der Zeitkurve im asymmetrischen Verhältnis zu des Menschen kurzer Lebenszeit, fraglos hinehmend, als ewigen Sauerteig für unverdaulich zu erklären.

Was dann doch, auch wenn die nicht so recht gefallen will, eine Antwort wäre.

Wenn das aus rein philosophischer Betrachtung nicht orginell ist, was dann?

Auf eine einfache Formel gebracht, lässt sich über Martin Heidegger folgende kleine Geschichte erzählen:

"Der Titan im Berg brüllt,
der Berg zittert,
gewaltig grollt der Donnerhall,
der Berg hat eine Maus geboren.

Hervortretend, gibt sich Martin Heidegger als die Maus zu erkennen und gebietet mit sparsamen Gesten
"Versenkung in Stille",
Fragen sind nicht zugelassen,
in ihm,
neben ihm links,
neben ihm rechts,
hinter ihm,
vor ihm,
über ihm.
unter ihm
marschiere die Antwort
bewahren Sie Haltung
halten Sie Schritt
teilt Martin Heidegger der Menschheit in dürren Worten mit"

Ende der kleinen Martin Heidegger Geschichte

JP

http://www.zeit.de/1993/10/die-wissenschaft-denkt-nicht/komplettansicht
ÜBER MARTIN HEIDEGGER
Die Wissenschaft denkt nicht
VON JÜRGEN BUSCHE

5. März 1993 07:00 Uhr

http://www.zeit.de/2014/12/heidegger-schwarze-hefte-veroeffentlicht/komplettansicht
HEIDEGGERS SCHWARZE HEFTE
Das vergiftete Erbe

http://www.zeit.de/2014/01/heidegger-antisemitismus-nachlass-schwarze-hefte/komplettansicht
MARTIN HEIDEGGER
"Er spricht vom Rasseprinzip"

http://www.taz.de/!134866/
Werksausgabe von Martin Heidegger

16. 03. 2014
MICHA BRUMLIK

20:04 28.03.2014
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Geschrieben von

Joachim Petrick

Aktuelles: Meine sichere Route- Refugee-Airlift - Petition "Luftbrücke für Flüchtlinge in Not" an die MdBs des Bundestages erhofft Debatte
Joachim Petrick

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