Martin Luthers "Zwei Feste Burgen Welt"

Obrigkeit „Von weltlicher Obrigkeit, wie weit man ihr Gehorsam schuldig sei“, basiert darauf, die Kirche sei für das Seelenheil, der Staat aber für die äußere Ordnung zuständig.
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Die Freheit eines Christenmenschen, wie Martin Luther diese als verpflichtende Übung im Glauben Christi in Thesen mit Gott verband.

Infolge der über Martin Luther verhängten Reichsacht und seine Exkommunikation im Rahmen des Wormser Edikts 1523 erging u.a. durch Herzog Georg von Sachsen und Kurfürst Joachim I. von Brandenburg das Verbot des Verkaufs und Besitzes des Neuen Testaments in der Deutung und Übersetzung von Martin Luther.

Von nun an galt als Straftat, Martin Luthers Theologie zu lesen, zu kennen, privat zu vertreten, öffentlich zu verbreiten.

Aus Anlass dieser Verbote verfasste Martin Luther 1523 sein Werk
„Von weltlicher Obrigkeit, wie weit man ihr Gehorsam schuldig sei“, das auf der Grundthese basiert, die Kirche sei für das Seelenheil, der Staat aber für die äußere Ordnung zuständig.

Die Schrift ist in drei Abschnitte gegliedert.

Zuvorderst wird die Berechtigung der Obrigkeit thematisiert. Anschließend werden die Grenzen der weltlichen Obrigkeit definiert, bevor abschließend über die christliche Amtsführung weltlicher Obrigkeit Losungen und Thesen aufgestellt werden.

In seiner Abhandlung teilt Luther die Welt nach dem Prinzip der
"Zwei- Reiche- Welt"

Martin Luther beschreibt diese Reiche als Regimente, Burgen, zum einen in das Reich, das Regiment, die Burg Gottes, zum anderen in das Reich, das Regiment, die Burg der Welt.

Alle Rechtgläubigen in Christus und unter Christus ordnet martin Luther dem Reich Gottes zu, welches weder eines Schwertes noch des Rechts bedarf, sondern allein aus sich heraus durch den Heiligen Geist regiert wird.

Alle Menschen, die zum Reich Gottes gehören, glauben an Jesus Christus, die Gande und Barmherzigkeit Gottes und die vier Evangelien des Lukas, Johannes, Markus und Matthäus, weitere Evangelien gelten Martin Luther, wie der katholischen Kriche ohnehin, als Apokryphen, Schriften aus dem Dunkel des Ungeistes und Unergründlichen.

Alle freien Christenmenschen haben den Heiligen Geist im Herzen, geist und Sinn und üben aus ihrem reinen Glauben heraus alltäglich das Gebot der Nächstenliebe, so dass folglich kein Gesetz noch Schwert notwendig wäre, wenn alle Menschen rechtschaffene geschöpfe zum Wohlgefallen Gottes seien.

Als Instanz des geistlichen Regiments nennt Luther Bischöfe und Priester, deren Aufgabe es ist, kundig das Wort Gottes zu verkündigen und der Gemeinschaft der Gläubigen umgangssprachlich zu predigen, so dass der Heilige Geist die Herzen der Gläubigen erfüllt. Zu ihren Aufgaben gehört auf keinen Fall der Fälle, in weltliche Angelegenheiten des Alltags, der Obrigkeit einzugreifen.

Zum Reich der Welt gehören, im Geiste Luthers, alle jene, die keine Christenmenschen sind und es auch nicht werden wollen..

Gesetz und Schwert dienen folglich ausschließlich der Erhaltung der weltlichen Ordnung, auch unter den Unchristen und Bösen, indem die diese durch Gesetz und Schwert zur Einhaltung des äußeren und inneren Friedens gezwungen sind.

Das Reich der Welt soll von dem Staat, also durch Fürsten, herzoge, Könige, Kaiser, regiert werden. Diese sollen wiederum für Gerechtigkeit und gesellschaftliche Ordnung innerhalb des Staates Sorge tragen.

Die Regenten bleiben alle tage ihrer Regentschaft den Grundsätzen der Vernunft und Nächstenliebe unterworfen.

Das bedeutet, sie sollen christlich, gerecht und verantwortungsvoll regieren, sowie als Garanten den Schutz und die Verteidigung ihres Volkes gegenüber Jedermann gewährleisten. Jedoch dürfen weder Bischöfe noch weltliche Fürsten Gesetze erlassen, die die Seelen der Menschen betreffen. Die Seelen können, so Luther, nur von Gott allein regiert werden. Folglich sind im weltlichen Regiment Gesetze von Nöten, die sich auf den Leib und das Gut der Menschen beziehen. Sobald aber die weltliche Obrigkeit der Seele Gesetze gibt, z. B. die Idee des Nationalismus, des Patriotismus zum ehernen gestz für alle Bürger erklärt, greift die weltliche Obrigkeit folglich in den Herrschaftsbereich und Zuständigkeiten Gottes ein.

Doch weil die Frommen viel weniger sind als die Bösen, wird aus zwei Gründen das weltliche Schwert durch die weltlichen Herrscher benötigt. Zum einen, um das Böse zu verhindern und die Einhaltung der Gesetze zu erzwingen, zum anderen, um die gerechten Christen vor der Schlechtigkeit der Unchristen zu schützen. Das weltliche Schwert, also das Gesetz, ist deshalb nicht von denen zu fürchten, die gute Werke vollbringen und gemäß dem Glauben leben, sondern es dient zu Strafe von Übeltätern.

So weit, so gut, so weniger gut, weil Martin Luther bei allem guten Willen als Christenmenschen, und ganz Kind seiner Zeit, im Überschwang seines reforamtionseifers der 95 Thesen, die er am 31 Oktober 1517 ans Tor der Schlosskirche der Universitätsstadt zu Wittenberg schlug, tunlich ignoriert, dass da im Wege reformistisch gewollter Teilung von weltlicher und geistlicher Machtfülle, jeweils ein unwägbarer Bereich sui generis mit Eigendynamik erwacht.

Zu der Fragestellung passt vortrefflich Michael Jägers Beitrag in der Freitag Printausgabe 16, vom 16. April 2014, den ich soeben gelesen habe.

"Stürmt die feste Burg"

War Martin Luthers Reformglaube gegeben, wie ein Lehn aus der gnadenreichen Hand weltlicher Herrschaft, voran des Kurfürsten von Sachsen- Anhalt Friedrich dem Weisen zu dessen Wohlgefallen?

Martin Luther ward in dessen Auftrag Stifter einer allgemein deutschen Schriftkultur, indem er Kurfürst Friedrich dem Weisen zum Lobe, die gesamte Bibel, Altes und Neues Testament aus dem Hebräischen, Aramesischen, Griechischen, Lateinischen, umgänglich, in die deutsche Sprache seines erlesenen Gefallens und Verständnis übersetzte.

Wenn Luther da sagt, jedermann sei "Unterthan" seiner weltlichen Obrigkeit, so muss diese erst von dieser erworden sein, um sie zu fordern, in amtliches Handeln umsetzen zu können.

Und darin sei der "Unterthan", ob Bauer, Händler, Seemann, Handwerker, Geselle, Magd, ob Edelmann, vor seiner weltlichen Obrigkeit, anders denn vor dem Papst in Rom auf seinem völkerrechtlichem Subjekt dem "Heilgen Stuhl" mit hochgestellt hierarchisch privilegierten Furien der Kurie, gleich

Da offenbart Luther wenig Sinn für Huldigung gegenüber der Obrigkeit, geschweige denn Neigung zur Unterwerfung, denn einmal seinen Reformglauben als Lehn aus der Hand der Obrigkeit gegeben, ist diese sein Eigen "Land" und das als Ganzes, damit er, Martin Luther, im Namen Gottes ein freier Christenmensch in deutschen Landen sei.

Michael Jäger relativiert am Beispiel des Reformators Martin Luther n. m. E. Vorstellungen von Demokratie in einer

"Zwei Reiche Welt"

nach dessen Gusto bis heute als eine Frage hierzulande der Westbindung der Deutschen oder nicht, statt nach eigener Räson und Facon nach des Glückes Pfand der Seligkeit als Teil eines Weltganzen zu streben.

Das elend strapazierte Wort vom angeblichen Befehlsnotstand, erwähnt Michael Jäger punktuell, hinter dem sich selbst noch der Organisator des Holocaust, der Vernichtung ganzer Völker im deutsch besetzten Europa von 1939- 1945 in KZs, Adolf Eichmann, in seinem spektaukulär prekären Prozess in Tel Aviv 1961 zurückzog, um seine Unschuld, bzw. Schuldunfähigkeit zu beteuern.

Entfaltet der Befehlsnotstand, wenn überhaupt als Rechtskonstruktion nur Wirkung im mildernden Umstands- Sinne, wenn zum Zeitpunkt der Tat beim Angeklagten ein Unrechtsbewusstsein über die Untat vorlag, weil derjenige, der nun angeklagt, zum einstigen Zeitpunkt eines von Amtswegen befohlenen Verbrechens, weder ein noch aus wusste, im Affekt zur Tat geschritten war, statt nun im Nachherein sein angeblich damaliges Unrechtsbewusstsein über die Untat nacheilend zu bekunden und trotzdem, entgegen seinem eigentlichen Willen, zu jener Tatzeit das befohlene Verbrechen in Serie beging

Die 68er litten n. m. E. nicht unter der Geschichte, wie Michael Jäger in seinem Artikel zu berichten weiss, sondern llitten an jener gelebten Gegenwart in der Väter, Mütter, traumatisiert als Opfer wie als Täter die Geschichte im allgemeinen und persönlichen verleugneten, wenn sie nicht ganz ins Stillschweigen, Verstummen verfielen, oder sich als Mitläufer. so oder so, brüstend, angeblicher Heldentaten rühmten.

Michael Jäger vereinnahmt Martin Luther als beredt profunden Zeugen, dass Deutschland, das deutsche Gemüt, eine tiefe Neigung zu einem Sonderweg verspürt.

Übersieht Michael Jäger dabei, dass es Martin Luther war, dem die Reformation der katholischen Kirche zu einem Teil, gar zur Teilung der Kirche geriet, weil die Reformation nicht Teil eines Ganzen, sondern nur Teil ihrer selbst als "Selbsterfüllende Prophezeiung" der Macht weltlicher Fürsten in Mitteleuropa ward?

JP

http://www.projektwerkstatt.de/religion/luther/luther_kriegsleute.html
Martin Luther im Original - Lobrede für die weltliche Obrigkeit

02:12 18.04.2014
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Geschrieben von

Joachim Petrick

Aktuelles: Meine sichere Route- Refugee-Airlift - Petition "Luftbrücke für Flüchtlinge in Not" an die MdBs des Bundestages erhofft Debatte
Joachim Petrick

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