Marx, Kolping fremdelten 1848 in Köln

Adolph Kolping1813-1865 Welche Schnittmenge Adolph Kolping mit Karl Marx (1818- 1883) mit Blick auf "Die soziale Frage" lebenslang hatte, welche nicht, darum geht es in meinem Beitrag.
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Adolph Kolping, Karl Marx, wirkten einander wie Feuer und Wasser, mit dem gemeinsam selben sozialen Brennpunkt und Brandherd auf ihren Bildschirmen. Auch wenn sie jahrelang zur selben Zeit um das Jahr der Bürgerlichen Revolution 1848 in Köln gelebt haben, getroffen haben sie sich, soweit bekannt, wohl nie.

Welche Schnittmenge Adolph Kolping mit Karl Marx (1818- 1883) mit Blick auf ihre gemeinsame Agenda "Die soziale Frage" des Proletariats lebenslang hatte, welche nicht, darum geht es in meinem Beitrag.

Kolping wie Marx wollten, angesichts des aufkommenden Rhein- Kapitalismus in Köln die soziale Frage auf die Agenda der Zeit setzen. Doch während Marx diese Frage durch das Schleifen der Burgen des Kapitals, über den Sozialismus beantwortet, in den Kommunismus überführt wissen wollte, organisierte Kolping dem Proletariat die eigene Basis gegen Ausbeutung durch den Verbandskatholizismus, von der Wiege bis zur Bahre, ein Leben der Gemeinschaft im Christentum.

, Zwischen Karl Marx, dem Großbürgersohn aus Trier mit artheistischen Bekenntnissen und Adolph Kolping, praktizierend katholischer Christ, Sohn eines armen Lohnschäfers in Kerpen, scheint es lebenslang Berührungsängste gegeben zu haben. Soweit ich weiß, haben beide nie miteinander korrespondiert, noch sind sie sich beide jemals persönlich begegnet.

Adolph Kolping, rheinländischer Schuhmachergeselle, über den "Zweiten Bildungsweg" katholischer Priester, Theologe, Philosoph, Sozialreformer, Arbeiterführer der christlichen Art ist vor 150 Jahren am 4. Dezember 1865, nach Fürstendiktat des Wiener Kongresses 1815 infolge des Sieges über Napoleon, im damals preussischen Köln verstorben.

Adolph Kolping begründete im 19. Jahrhundert quasi die katholische "Kirche von unten", indem er sich, anders als der katholische Klerus, der sich allein den Mächtigen auf Kaiser- , Königs- , Fürstenthronen von Gottes Gnaden verpflichtet gab, mit all seinem Sinnen und Trachten der "sozialen Frage" zuwandte. .

Köln, Kirche, Klüngel, Karneval, Kater, Küche, Kind und Kegel das sind die acht Ks, mit denen die multikulti Industrie- und Messestadt Köln bis heute in Eintracht schwebt und lebt, manchmal auch durch einstürzende U- Bahnbauten in seinen Grundfesten bebt.

Verschüttet ist dagegen das neunte K, für das Köln als erstes K außerdem steht. Die Rheinmetropole galt Mitte des 19. Jahrhunderts säkularen, klerikalen Fürsten als obskure Brutstätte des Kommunismus.

Von Köln aus agitierte Karl Marx, was seine Edelfeder auf Papier für Kampagnen hergab. In Köln traf Marx zum ersten Mal den großbürgerlichen Industriellensohn Friedrich Engels (1820- 1896).

Der SPD-Mitbegründer und Arbeiterkaiser August Bebel (1840- 1913) erhob Köln sogar zur "Geburtsstätte des Sozialismus".

Das geschah nicht von ungefähr. Köln war mit guten Verbindungen in Handel, Wandel, Verkehr über die Niederlande nach Großbritannien, dem Kernland innovativer Aufbrüche, seit Zeiten der Hanse früher industrialisiert als andere kontinentale Ballungsgebiete, angesichts beginnender Auflösung reiner Agrargesellschaften, sprich entschädigungslose "Freisetzung" von Landarbeitern als Untertanen aus überkommenen Gewohnheitsrechten gegenüber ihren säkularen, klerikalen "Gerichtsherrn", die da waren, Deputate, Unterkunft, Verprflegung, z. T. sogar Beschulung.

Dazu kam Köln wurde in Napoleonischer Zeit nach dem Civil Code Französischer Revolutions modern regiert, Davon erwies sich nach dem Sieg über Napoleon 1815 vieles von Bestand. Im Klartext hieß das, in Köln galten bürgerlich liberalere Gesetze als im übrigen tadelig adeligen Preußen.

Der Kölner Karneval feierte zu jener Zeit alljährlich "Auf Deubel & Hexe komme heraus" lachend, krachend progressiv anachistische Urständ. Die preußischen Staatspolizei veranlasst einiges an administrativen Verrenkungen, den Karneval, wenigstens dem Anschein nach, genauestens unter Kontrolle zu behalten.

"Wo sich alle Menschen gleich / Da nur ist das Narrenreich", tönte das subversive Motto unüberhörbar aus und in allen Gassen Kölns zur Fünften Jahres- , zur Karnevalzeit.

Es war im Januar 1848 als in Köln über 5000 Arbeiter für mehr Rechte auf der Straße demonstrierten. Der preussische Gesandte beim Deutschen Bundestag zu Frankfurt /Main, Otto von Bismarck (1815- 1898) verfiel zuerst mit seinem preussischen König im Märkischen zu Berlin in Schockstarre, um dann den Gesandten der Bürgerlichen Revoution in der Frankfruter Paulskirche im Laufe desselben Jahres mit Eisen und Blut, den Krieg zu erklären

Mit 13 Jahren begann Adolph Kolping eine Lehre als Schuhmacher in seiner Heimatstadt Kerpen. Zehn Jahre lang ging er unter inneren Qualen diesem kräftezehrend monotonen Handwerk in lichtarmen Räumen nach.

Abends nach der Arbeit, damals ungewöhnlich, wusste Kolping sich einen Privatunterricht zu organisieren und holte mit 28 Jahren das Abitur nach, als hätte es den Zweiten Bildungsweg schon gegeben. Mitnichten

Konsequent studierte er Theologie und Philosophie, wurde zum katholischen Priester geweiht und erfuhr täglich als Kaplan in Elberfeld/Barmen ( heute Wuppertal) lebensnah "Habt Erbarmen mit den Armen in Elbersfelde und Barmen" von der Not der Fabrikarbeiter.

"Täglich geht hier einer über die Wupper" hieß es damals wie heute in dem Galgenhumor Spruch, inzwischen nicht nur unter den Arbeiter/innen, wenn wieder einmal ein unterernährt erschöpfter Fabrikarbeiter/in, ausgebrannt vom Schlag getroffen, tot umfiel oder durch Unfall am Arbeitsplatz ohne Berufsunfall- , Altersversicherung, Hinterbliebenenrente zu Tode kam.

- Die eigentlche Herkunft der Redensart "Über die Wupper gehen" liegt in der Tatsache, dass 1852 für die Städtchen Ebersfelde, Barmen auf einer Insel mitten in der Wupper, ein Gerichtsgebäude, samt Hinrichtungsstätte erichtet wurde. Wer vor die Schranken des preussischen Gerichtes, gar zu seiner Hinrichtung geladen war, der musste über die Wupper.

Im Jahr 1929 wurde die Städtchen Ebersfelde und Barmen an der Wupper zur Stadt Wuppertal vereinigt. -

Adolph Kolping und Karl Marx hatten in ihrer Auffassung die Schnittmenge, dass die "soziale Frage" ganz nach oben auf die gesellschaftspolitische Agenda gehörte.

Worin sich Kolping und Marx wie Feuer und Wasser unterschieden.

Während Marx ganz auf den Umsturz der gesellschaftlichen Verhältnisse setzte, sogar um den Preis eines Bürgerkrieges, verschrieb sich Kolping evolutionär systemischen Prozessen durch praktische Alltags- Hilfe, allgemeine, berufliche. religiöse. gesellschaftspolitische Weiterbildung der Arbeiter/innen.

"Das Christentum ist nicht nur für die Kirche und für die Betkammern, sondern für das ganze Leben!", verkündete er.

Kolpings Lehre der Öffnung des Christentums besaß, urbi et orbi, Sprengkraft Richtung aller Furien der Kurie beim "Heiligen Stuhl" im Vatikan zu Rom – denn die Kirche war um 1850 stark elitär auf sich selbst zurückgefallen. Allein nur noch das Ringen um die richtige Liturgie bei Messen schien klerikal bedeutsam.

Die soziale Frage der Arbeiterschaft, des "Lumpenproletariats" in Europa, Nordamerika gab es damals für den Heiligen Stuhl, den Papst, den katholischen Klerus nicht.

Kolping stemmte sich mit seinem Engagement für die Arbeiterschaft, das Proletariat, Menschen auf der Flucht vom Land in die Städte, gegen das "Schweigen christlicher Kirchen.

Im Herzen nachwievor alter Schuhmachergesell, bot er Gesellen auf Wanderschaft Unterkunft, Verpflegung gegen Arbeit und Lernen an. Dazu gehörten seine Bildungsprogramme für Arbeiter und Handwerker.

Mit Adolph Kolping wurde der Begriff Verbandskatholizismus, anders als katholische Geheimlogen, Orden, transparent mit Leben gefüllt:

"Von der Wiege bis zur Bahre sollte der Mensch in katholischen Gemeinschaften eingebunden bleiben"

Kolping warb für seine Ideen, darin Marx proaktiv seelenverwandt, Schwarz auf Weiss mit einer eigenen Zeitung.

Dadurch ward sein Konzept bald über Deutschland hinaus in vielen anderen Ländern bekannt, kopiert und verbreitet.

Als Adolph Kolping am 4. Dezember 1865 vier Tage vor seinem 52, Geburtstag starb, gab es im In- und Ausland längst mehr als 400 Gesellenvereine. Aus diesen ging im Verlauf von Jahrzehnten das Kolpingwerk hervor, ein Sozialverband mit gegenwärtig über 250 000 Mitgliedern allein in Deutschland.

Die Kolping-Bildungswerke unterhalten rund 150 Einrichtungen zur beruflichen Bildung, Eingliedrung von Flüchltingen, Asylsuchenden. Das besondere Augenmerk der Kolpingwerke gilt der Obdacht, Förderung benachteiligter, unbegleiteter Jugendlicher auf der Flucht.

Ich selber weiß von einem jungen Tibeter, Lobsang, Jahrgang 1977, der mit 15 voller Gefahren über Himalaja Pfade, bei Eis und Schnee, nach Indien flüchtete. Dort, jahrelang unterfordert, ohne Aussicht auf eine Berufsausbildung, ein monotones Mönchsdasein fristete.

Bis er, Jungerwachsen, vom Dalai Lama ermutigt

"Ihr lebt nicht , um zu beten, ihr betet für das Leben da draußen, geht hinaus und lernt Berufe" ,

von seinem Tibeter Kloster im Norden Indiens entpflichtet, als Asylsuchender nach Würzburg in Deutschland kam, von einer Kolpingwerk Einrichtung betreut , begleitet, mit seinen vorhandenen Englischkenntnissen aus Indien erste Deutsch, Lese- , Schreib- und Rechnen- Kurse meistern konnte.

Zum 200. Geburtstag Adolph Kolpings 2013 gedachte Bundespräsident Joachim Gauck, evangelischer Theologe, Rostocker Pfarrer a. D., in Köln seiner und würdigte ihn als epochalen Sozialreformer: "Ein besonderer Mann, ein überzeugter Christ und ein großer Deutscher", sagte Gauck. Sein Aufruf zu sozialem Engagement sei noch immer hochaktuell.

Ob es Adolph Kolping gepasst hätte, vom Bundespräsidenten Joachim Gauck als "Großer Deutscher" vollmundig vereinnahmt zu werden, wage ich zu bezweifeln, war er doch zu allererst katholischer Christ, im Rheinländischen verwurzelt, urbi et orbi, der Welt über ein auch immer wie geartetes Deutschland, Europa hinaus verbunden.
JP

http://www.fuldaerzeitung.de/artikelansicht/artikel/402363/kultur/helfer-der-arbeiterklasse-kirchenmann-kolping-als-musical-held

Das Musical «Kolpings Traum» erzählt die Geschichte des katholischen Sozialreformers Adolph Kolping
03.08.2013

https://de.wikipedia.org/wiki/Adolph_Kolping
Adolph Kolping

http://www.redensarten.net/Wupper.html
Redensart/Redewendung

über die Wupper gehen

18:36 30.12.2015
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Geschrieben von

Joachim Petrick

Aktuelles: Meine sichere Route- Refugee-Airlift - Petition "Luftbrücke für Flüchtlinge in Not" an die MdBs des Bundestages erhofft Debatte
Joachim Petrick

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