Merkel japst philosophischen Jasperspfad

Karl Jaspers (1883 -1969) ist jener Philosoph, der sich in seiner Zeit auferlegt hat, beim Denken in der Schwebe zu verweilen, nicht Theorien hervorzubringen, im Fluss zu denken
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Der Entertainer, Comedian und Katholik Hape Kerkeling begab sich 2001 "ich bin denn mal weg" auf den Pilgerpfad des Jakobsweg. Sein gleichnamiges Buch wurde gerade verfilmt.

Über welche Pilgerpfade, -wege vefügen Protestanten wie Bundeskanzlerin Angela Merkel, zumindest "So als ob" beim Verfertigen neuer Gedanken, Sinnen und Trachtens im vollen Lauf eines gemächlichen Wandertrabes zur Besinnung zu gelangen, auf denen es nur ein "Wir schaffen das" aber keine Obergenzen geben kann?

Ein solcher Pilgerweg ist der philosophische Jasperpfad, bisher eher ungeläufig benannt nach dem Psychiater und Philosophen Karl Jaspers.

Erinnern wir uns! Karl Jaspers, 1883 in Oldenburg geboren, 1969 in Basel gestorben, ist jener Philosoph, mit beruflichen Prägungen in der theologisch- medizinischen Psychíatrie, der sich als forschend wißbegieriger Mensch in seiner Zeit auferlegt hat, beim Denken in der Schwebe zu verweilen, nicht Theorien hervorzubringen, sondern seinem Denken und dem Denken anderer ein Fließen anzuraten.

Seine berühmte Studentin Hannah Arendt (1906- 1975) hat, mit Anleihen bei "ihrem" heimlichen Geliebten und Doktorvater, dem Philosophen Martin Heidegger (1889- 1976) "Sein und Zeit" aus dem Jaspersch "Schwebenden Denken" ihre Theorie vom "Denken ohne Geländer", "Denken über den Holzweg" ausgearbeitet.

Hannah Arnedt hat sich u. a. das "Denken ohne Geländer" nicht erschlossen, weil sie sich eine Welt ohne Geländer wahrnahm oder wünschte, sondern weil unsere Welt nicht mehr voller Teufel, sondern voller Geländer ist, in denen systemisch die Banalität des Bösen in ihrem Maulwurfdasein, einem unbestimmten "Rufe" horchend, lauernd nistet

Was sich an scharf umrissener Wirklichkeit beim besten Willen nicht wegdeuten lässt, gilt es mit einem beherzten "Wir schaffen das" bis in die Unschärfen unwägbarer Deutungsmacht von Transzendenz, umarmend, "So als ob" und wirklichen Gefahren von persönlicher Panik. Massenhysterie zu entrücken.

Hat Karl Jaspers, angesichts der beginnend friedlichen Nutzung der Kernenergie nach der Mitte des Zwanzigsten Jahrhunderts, die Atomindustrie, zivil wie militärisch in Toto deshalb so vehement verteidigt, nicht weil er von deren Errungenschaften, deren angeblichen Wohltaten für die Menschheit so überzeugt war, diese als Nonplusultra der Energieversorgung kommuniziert wissen wollte, sondern, weil diese längst irreversible in der Welt war, als Motor für den äußeren, Inneren, Sozialen Frieden in der Welt über ein "Schwebendes Denken" von Gefahrenlage zu Gefahrenlage nur transzendent, über die exakten Wissenschaften hinaus, in einem unabdinglichen "So als ob" gedeutet und bewältigt werden kann?

Warum? um fortan die Sicherung von AKWs und die Zwischenlagerung, Entsorgung deren zivil und militärisch radioaktiv strahlenden Hinterlassenschaften, international finanziell unterfüttert, als Aufgabe der gesamten Menschheit im organisierten Modus einer Verantwortungs- und Haftungsgemeinschaft "Wir schaffen das" über die Blöcke des Kalten Krieges hinweg zu "umarmen" zu umsorgen, einzuhegen ?

Hatte die Existenz von radioaktiv strahlenden AKWs, Tausenden von atomaren Atomsprengköpfen zu Lande, zu Wasser in der Luft auf Erden, atomarer Giftmüll sorglos im Meer, in stillgelegten Bergwerken verklappt, auf Abermillionen Jahre für die Menschheit, fern gesicherter Datenlagen exakter Wissenschaften, nicht eine ständige Anmutung von Transzendenz im Bedenken der Daseinsvorsorge der Völker von Generation zu Generation zur real- existierenden Wirklichkeitspflicht gemacht?

Karl Jaspers deutet nach dem Zweiten Weltkrieg, den Atombomben Abwürfen durch die US- Air Force am 6. und 9. August 1945 auf die japanischen Städte Hiroshima, Nagasaki 1958 "Die Atombombe" als Metapher für das "Unvorhersehbare", das es menschheitlich einzuhegen gilt

Ersann Karl Jasper vor diesem Hintergrund der Gefahrenlagen für die Menschheit den Begiff von der "Legalen Revolution" ?, die sich nicht von oben herab entwickelt, nach unten Bahn bricht, , sondern aus den Zwängen bestimmter Situationen bei gleichzeitg bestehend nationalen, internationalen Institutionen als unabhängige Think Tank, die in Krisen abrufbar zu Diensten sind?

Ist das. was dem Philosophen Karl Jaspers, angesichts der heraufdämmernden Gefahren des Atomzeitlaters an transzendent "Schwebendem Denken" "Wir schaffen das" um das Jahr 1965 alternativlos entfuhr, nun der Physikerin und Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel, angesichts dessen, was an Fluchtbewegungen von Völkern in der Welt ist, sei es wg. Kriegsgeschehen, Hungersnöten durch den Klimawandel, asymmetrisch weltwirtschaftliche Verhältnisse voller Ungleichgewichte, mit gegenwärtig über 60 Millionen Flüchltingen inner- auf außerhalb ihrer Heimatländer, mit ihrem "Wir schaffen das" ebenso heftig und transzendent gewiss wie ungewiss im Sommer 2015 alternativlos entfahren?

"Schwebendes Denken" schützt nicht vor Irrtümern, so wie sich Karl Jaspers 1967 im Für und Wider spekulierend schwebend vorstellt, die USA und Russland verhindern als Atommächte gemeinsam die Atommacht VR China durch Verbote mit Androhung von Gewalt.

"Umarmt" Bundeskanzlerin Angela Merkel mit beherztem "So als ob" das Thema "Flüchtlinge" mit ihrem Satz "Wir schaffen das" nicht deshalb, weil sie so human wirken will, das sicher auch, aber wohl vor allem, weil sie, wie 1965 Karl Jaspers das Thema "Atomare Aufrüstung/Atomindustrie", 2015 das Thema "Flüchtlinge" aus vielen Gründen, einige habe ich genannt, unübersehbar zur Wirklichkeit im Leben der Völkergemeinschaft existent erlebt und sich gewiss ist, an Bedeutungsmacht in Fragen menschheitlich gemeinsamer Daseinsvorsorge gewinnen wird.

"Wen, oder was der Mensch nicht zu besiegen vermag, kann er nur einhegend umarmen" (Alte chinesische Weisheit).
JP

https://www.freitag.de/autoren/joachim-petrick/gesellschaftssystem-mit-verfallsdatum
Joachim Petrick
12.01.2013 | 01:25
Gesellschaftssystem mit Verfallsdatum

http://www.zeit.de/1970/15/appell-zur-legalen-revolution/komplettansicht
Karl Jaspers (V) Appell zur legalen Revolution

Philosophie in Deutschland

Er erfand den Begriff des Existentialismus
Von Claus Grossner
Datum 10.04.1970 - 07:00 Uhr


http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-32216308.html
25.06.1958
PHILOSOPHIE KARL JASPERS
In der Schwebe
ATOMBOMBE

01:14 22.12.2015
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Geschrieben von

Joachim Petrick

Aktuelles: Meine sichere Route- Refugee-Airlift - Petition "Luftbrücke für Flüchtlinge in Not" an die MdBs des Bundestages erhofft Debatte
Joachim Petrick

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