Michael "Bommi" Baumann † (1947-2016)

Nachruf Am 19. Juli ist Bommi Baumann, der Terroristen Aussteiger, mit 68 Jahren in der Wohnung seiner Heimatstadt Berlin ruhig eingeschlafen und verstorben
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Der Terrorist, Michael Baumann, genannt Bommi, der 1974, von sich und seinem terroristischen Tun angewidert, seine Knarre wegschmiss und das Weite außerhalb Deutschlands suchte.

Ausgelernter Betonbauer, "Mitlglied "Umherschweifender Haschrebellen", Bombenbauer der "Bewegung 2. Juni",

Durch einen Anschlag der Gruppe auf den Britischen Yachtclub in Berlin-Gatow starb ein Bootsbauer. Baumann hatte den Sprengkörper mitkonstruiert

. 1974 machte Bommi als Aussteiger aus der Terrorszene und Autor mit seinem Debüt- Buch 1975

"wie alles anfing"

von sich reden. Drogenkonsum galt ihm mit Unterbrechungen als sein Hobby, wie er noch 2012 im Prozess gegen die V- Frau des Verfassungsschutzes Verena Becker, als Zeuge geladen, auf die Frage des Vorsitzenden Richters, warum er wieder Drogen nehme, im Spaßgurilla Jargon Fritz Teufels "Wenn es der Wahrheitsfindung dient" flapsig antwortete

"Irgendein Hobby muss der Mensch doch haben"

Bommi Baumann führte ein Leben voller Ups and Downs das aber als waschechter 68er atets mit sprungberiten Humor im Outfit, Ton und Gestus aus den Schützengräben des Kalten Krieges, zu politisch gefärbt gespielten Clownerien mit umwerfenden Sinn für gewitzte Pointen aufgelegt

- „High sein, frei sein, Terror muss dabei sein“ –

Das war ein Spruch, der seinem Lebensgefühl als Nachkriegskind voll entsprach. Die seelischen und realen Trümmerlandschaften in Stadt, Land,Fluss, Seen, Meer waren sein Spieilfeld, wie damals für viele Kinder und Kinder meinen ihr Spiel. wo auch immer und mit wem ernst.

Für „Bommi“ Baumann umriss das viele Jahre, in denen er so etwas wie ein Medienstar gewaltbereit angesagter Linker galt, sein politisches Konzept. Vom „umherschweifenden Haschrebellen“ bis zum leichtsinnig verführten Bombenbauer durch den V- Mann des Verfassungsschutzes Westberlin, Peter Urbach, zum nachdenklichen Zeitgenossen, der begriffen hatte, dass er als Terrorist mit seinem Ego- Ticket mit anderen in eine Falle gelockt und gelaufen war, die Falle der Gealt gegen Sachen und Personen.

Nicht er war Herr des Verfahrens im "Millionenspiel" des Geschäftsmodells nationaler und internationaler Terrors, wie er zunächst dachte, da waren ganz andere Akteure unterwegs, von denen er und seine Kumpanen nicht einen Ansatz von Ahnung gehabt hatten, wie er 2011 in einem Youtube Interveiw über die Geschichte und Bedeutung des Unternehmens GLADIO der NATO in Itlalien zur zeit der Roten Brigaden der Geiselnahme und Ermrodung des italienischen Christdemokraten Aldo Moro 1978, 1980 Terroranschläge im Hautbahnhof Bologna, auf dem Münchner Oktoberfest, und anderen Ländern mit ihrer Strategie der Spannung berichtete

: ein Leben voller Downs and Ups. Am 19. Juli ist Bommi Baumann, der Terroristen Aussteiger, mit 68 Jahren in der Wohnung seiner Heimatstadt Berlin im Stadtteil Friedrichshain ruhig eingeschlafen und verstorben.

Nach seiner Ausbildung zum Betonbauer Mitte der sechziger Jahre trieb der 1947 im damaligen Ostberlin geborene Michael Baumann, früh „Bommi“ genannt, dann1959 mit seiner Mutter nach Westberlin umgezogen, "unterfordert" an der Gedächtniskirche in Westberlin herum. ließ mit anderen die riesigen Lambrusco Rotwein- Flaschen kreisen, rauchte einen Joint, der ist dein Freund, besah sich die Kunstwerke von Straßenmalern gegenüber, grinste die gutbetucht ältlichern Damen, daunter viele Kriegerwirwen, mit mondänen Hut bei ihren Tortenschlachten im Cafe Kranzler am Ku- Damm, Zähne bleckend, Grimassen schneidend, frech an, und ward Mitglied der „umherschweifenden Haschrebellen“.

Als Westberliner Jung braucht Bommi ja nicht zum Wehrdienst bei der Bundeswehr antreten, wenngleich ausgerechnet viele männliche Heranwachsende in der Frontstadt Westberlin als patriotische Kämpfer für Freiheit damals freiwillig ihren Wehrdienst in Westdeutschland absolvierten. Das die das unter der Aufsicht der Vier- Mächte in Berlin so durften, ist wohl eine bisher ungeschriebene Geschcihte für sich.

Schilderungen unter den Studenten über die "Exekutierung" des Studenten Benno Ohnesorg durch den Hauptkommissar in Zivil Karl- Heinz Kurras, MfS Mitarbeiter, wwi sich Jahrzehnte später herausstellte, in einem Hinterhof nahe der Bismarckstraße am 2. Juni 1967 bei Demonstrationen gegen den Schah- Besuch in Westberlin brannte sich in Bommis Haschrebellen Gemüt ein

Die anfangs friedfertige Spaßguerilla Szene radikalisierte sich nach dem 2. Juni binnen Wochen, aufgeputscht von schrillen Schlagzeilen der Springer- Presse

"Lasst unsere Polizei mit dem Pack, Gesindel und Gesocks nicht allein"

gegen die Studentenbewegung. Matthias Walden, alisa Baron von Sass, politischer Chefkolumnist Axel- Cäsar Springer Welt prägte damals den Kampfbegriff 68er gegen alle, die scheinbar und wirklich studieren. Das galt wohl auch ganz nebenbei als probates Miittel, angesichts der Babybomer, den unübersehbaren Bildungsnotstand aus dem öffentlichen Bewusstsein zu drängen.

Bommi Baumann, Georg von Rauch und Thomas Weisbecker, die in der sogenannten „Wielandkommune“ zusammenlebten, taten sich zusammen, um als "Stadtguerilla" ihren Kampf in den Städten zu beginnen.

Ihr Vorbild waren die Tupamaros in Uruguay. Nach Brandanschlägen der „Tupamaros West-Berlin“ gegen die britische Fluggesellschaft BEA saß Baumann 1970 einige Monate im Gefängnis Moabit ein.

Sein Weg zu einer zentralen Medienfigur gewaltbereiter Szene in Westberlin nahm Fahrt auf, als Ende 1971 sein Freund Georg von Rauch, von der Polizei gestellt, erschossen wurde. Baumann stand neben ihm und konnte fllehen. Gemeinsam waren sie dabei gewesen, ein, Auto für den Volxx- Kampf zu "requirieren".

Bommi verstand sich als „Proletarier“, dem Fauskämpfe nicht fremd waren und der bereit war, wenn es denn sein musste, schlagende verbindungen einzugehen, der nach allen seiten wissbegierig war. sich argumentativ nicht so leicht die Butter vom Brot nehmen ließ.

Zwischenzeitlich versuchte sich Bommi im zweiten Bildungsweg zur Erreichung der Hochschulreife und buchte Semester für Schulfremde im Privatgymnasium Gabbes- Lehranstalten in der Westberliner Aßmannshausenstraße, nahe Rüdesheimer Platz. Vielleicht sind wir uns da sogar im Pausenhof einmal in den Jahren 1966- 1968 begegnet. Erinnern kann ich mich nicht.

- Damals war ich nach Westberlin getürmt, um mich nach meinem Bundes- Wehrdienst in den Niederlanden, in Faßberg und Hamburg bei der Bundesluftwaffe zukünftigen Reserveübungen zu entziehen, ein Studium "Generale" zu beginnen. Was gelang, -

Für den gelernten Betonbauer Baumann begann damit der Weg in den terroristischen Untergrund. Wenige Monate später war er Mitbegründer der terroristischen „Bewegung 2. Juni“, die im eigenen Verständnis mit der RAF haderte, weil die ihnen zu theoretisch zu pseudoakademisiert hochtrabend erschien.

Bommi verstand sich als „Proletarier“, der, anders als die studentisch und intellektuell geprägten Mitglieder der RAF praktische Berufserfahrungen körperbetont vorweisen konnte

Im Februar 1972 starb bei einem Bombenanschlag auf den britischen Yachtclub in Berlin ein Bootsbauer – der zufällig die Bombe fand, die eigentlich nur Sachschaden anrichten sollte.

Baumann, der an die Bombe mitkonstruiert hatte, war zutiefst entsetzt und löste sich daraufhin von der „Bewegung 2. Juni“ und tauchte unter, um dem Verfolgungsdruck zu entgehen.

Baumann war danach über viele Jahre polymorph drogenabhängig, An der Entführung des CDU-Politikers und Spitzenkandadaten Peter Lorenz im damaligen Wahlkampf zum Westberliner Abgeordnetenhaus 1975 war er nicht mehr beteiligt.

Ganz im Gegenteil. Im Jahr 1974 appellierte Baumann in einem im Spiegel veröffentlichten Interview, an geheimen Ort in Italien zustandegekommen, unter dem Titel

„Freunde, schmeißt die Knarre weg“

an seine „Genossen“, den bewaffneten Kampf zu beenden.


Nach sechsjähriger Flucht über Afghanistan, Pakistan, Indien, italien wurde Baumann 1981 im Osten Londons eher als "Beifang" zufällig in einer instandbesetzten Gründerzeit Villa gefasst, mach Westberlin ausgeliefert, und saß darauf wegen Bankraubes und der Sprengstoffanschläge fünf Jahre und zwei Monate in Haft.

. Noch auf der Flucht schrieb er das Buch

„Wie alles anfing“

und widerpsrach allen Zielen der „Bewegung 2. Juni“ in der bisherigen Form der Gewalt, sowohl gegen Personen als auch gegen Sachen.

Zehn Jahre nach dem Ende der DDR wurde1999 bekannt, dass Baumann für das DDR- Ministerium für Staatssicherheit (MfS) ein Dossier über die Mitglieder von RAF und „Bewegung 2. Juni“ angefertigt hatte, nachdem er auf der Flucht beim Transit über die DDR verhaftet worden war. Baumann begründet diese Kooperation mit dem MfS als persönliche Zwangslage, - er sei auf dem Transitweg aus dem Nahen Osten über den Flughafen Schönefeld- Ostberlin nach Westberlin von DDR- Grenzern mit falschem Pass angetroffen, gestellt worden - , dass die STASI ihm gedroht hatte, ihn nach Westberlin abzuschieben, falls er die Dossiers nicht erstelle.

- Trotz Grundlagenvertrag zwischen DDR und Bundesrepubilk Deutschland 1972 gab es bis 1989 kein Rechtshilfeabkommen zwischen beiden deutshen Staaten.. Folglich blieb es im Belieben der DDR- Organe, einen weltweit gesuchten Straftäter an Westdeutschland auszuliefern oder nicht auszuliefern, wie umgekehrt Westdeutschland Richtung Warschauer Vertragsstaaten, zu denen die DDR gehörte, ebenso verfuhr..

Erstellte Dossiers waren für das MfS wie meist für Geheimdienste in der Welt nicht vom Inhalt her interessant, sondern in dem Umstand, dass sich damit der Verfasser des Dossiers, ob er es wollte oder nicht, verpflichtete, ohne je eine Verpflichtungserklärung abgegeben zu haben, von nun an erpressbar war -

Baumann lebte zuletzt in Berlin, an Hepatitis C chronisch erkrankt, und war als Zeitzeuge, Publizist , Vortragsreisender, Talkrunden- Gast präsent engagiert, seine Themen waren, wie kann es anders sein,

"Rausch und Terror"

wie sein Buch 2008 hieß, Verführbarkeit zum Terorismus, Geheimdienste und Drogen.

So packt ihn bis zuletzt ein Mitteilungs- und Bekennungsdrang , wenn es um die Person, den einstigen Promi- Anwalt Horst Hahler im Westberliner Anwaltskollektiv gehe, zu dem auch das heutige MdB der Grünen, Hans- Christian Ströbele, damals gehörte.

Dass Mahler 1962 auch Rechtsextremisten unter Deckung des Nato- Unternehmens GLADIO in Europa, die in der DDR mit Sprengstoff Versorgungsleitungen hochgehen ließen, erwischt wurden, vertreten, Gefangenenaustausch und Freikäufe, die es bereits damals gab, grenzüberschreitend angebahnt hatte, sei ihm erst nach der Jahrtausendwende bekannt geworden, berichtet Baumann in einem Youtube Interview 2011 (s. u,).

Mahler sei es auch gewesen, der Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Mutter eines Kindes, 1965 Wahlhelferin von Willy Brandt, nach deren Flucht aus Frankfurt/Main wg, Nichtantretens ihrer Haftstrafe nach Urteil aufgrund ihres Kaufhausbrandanschlages 1971 nach italien flohen, dort aufsuchte und gegen deren anfänglichen Willen, mit falschen Papieren versehen, über Südtirol mit dubios rechtslastigen Helfern zurück nach Westberlin holte.

Baader rund Ensslin hatten damals, mit Zwischenstopp in Paris, von Italien aus, alles andere vor, auf keinen Fall aber in den bewaffneten Kampf einzusteigen. Sie wollten hinaus in die Welt nach; Afghanistan, Pakistan, Indien.

Horst Mahler sei in Westberlin die Spinne im Netz des internationalen Geschäftsmodell "Terror" aus deutschem Grund gewesen. Gut vernetzt, mit dem Verfassungsschutz verdrahtet, ohne Berührungängste gegenüber V- Leuten, wie dem heute mit anderer Identität im Ausland lebenden Peter Urban, meinte Baumann 2011.

Horst Mahler, der gewalbereite Jungerwachsene unter den Kriegskindern,

- denen die allgemein vagabundierende Beschaffungskriminalität im Nachkriegsdeutschland aus reiner Not und Elend zur zweiten Haut wurde - ,

die er anwaltlich, meist wg.Kleinkriminalität, Schwarzfahrens, Widerstand gegen die Staatsgewalt, "Schauen & Klauen" Kaufhausdiebstählen, Bagatelldelikten betreute, aus seiner Anwaltskartei als form- und steuerbar, belastbar, verlässlich verschwiegen gewaltbereite Kader mit einem Drill & Thrill Kick für Terror- Einätze in jede politische Richtung in jeder Gegend der Welt zu rekrutieren verstand.und wohl noch versteht.

Insofern sind Politik, Polizei, die Medien in besonderer Pflicht, wenn es zu Teroranschlägen kommt,, nicht den Terror in den Vordergrund der Berichterstattung zu stellen, sondern das Gestörte, Verstörte, Verführte, Traumatisierte in Personen, gleich welchen Alters, welchen Geschlechts, die sich hierzulande terroristischer Mittel bedienen, um "Relrutierungserkommandos und - büros" des Terrors den Wind aus den Segeln zu nehmen. und die Topographie des Terrors und Grauens für Selbstaufopferung im Namen einer angeblich allgemein guten Sache und sei es die Gottes reizlos und unattraktiv zu machen.

Das scheint mir, gerade auf dem Hintergrund der verstörenden Ereignisse in Würzburg, München, seit 1974 die Botschaft des verstorbenen Michael (Bommi) Baumann zu sein.

Es darf nicht sein, dass auf dem Altar auflagen- und quotensteigernder "Breaking News" und parteilichen Stimmenfangs Menschen geopfert werden.

JP

http://www.taz.de/!5320956/
Nachruf auf Bommi Baumann
20. 7. 2016
MICHAEL SONTHEIMER
Wie alles endete

http://www.tagesspiegel.de/berlin/zum-tod-von-michael-bommi-baumann-der-terrorist-der-reue-zeigte/13905546.html
20.07.2016 23:21 Uhr
Zum Tod von Michael "Bommi" Baumann
Der Terrorist, der Reue zeigte
VON GERD NOWAKOWSKI

https://www.youtube.com/results?search_query=Bommi+Baumann+-+Gladio&oq=Bommi+Baumann+-+Gladio&aq=f&aqi=&aql=&gs_sm=3&gs_upl=455966l461765l0l462820l22l22l0l15l15l0l349l1612l0.2.3.2l7lo

Etwa 212 Ergebnisse
7:54
Gladio - Bommi Baumann Teil 1

00:54 23.07.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Joachim Petrick

Aktuelles: Meine sichere Route- Refugee-Airlift - Petition "Luftbrücke für Flüchtlinge in Not" an die MdBs des Bundestages erhofft Debatte
Joachim Petrick

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