Otto Köhler "Nie wieder achtzig"

Prinz Eisenherz Otto Köhler, der Journalist mit der Prinz- Eisenherz Frisur, dessen "ewige Jugend" heute an Haupt und Haar konserviert von weißem Schnee umlodert scheint, ist achtzig
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Otto Köhler, der sich lebenslang nur einmal durch eine unleidliche Zerstreutheit, deren tieferer Grund war, dass er bei einer Literaturgruppen EROTIK- Veranstaltung im Lokal "Massengrab" 1963 in Westberlin selbstvergessen in Langeweile verfiel.

Sich, die Gelegenheit beim Schopfe packend, gestattete, erst tief in die blauen Augen seiner zukünftigen Gattin Monika,

"Sieh an!, der Lenz ist da, lass uns Frühlung machen",

zu schauen und sich darauf ganz in sie zu verlieben und mit sich zu trauen. Was gelang.

Otto Köhler war sich nicht zu schade, bzw. wohl eher als Student der Philosophie, Geschichte, Volkswirtschaft an der Freien Universität (FU) Westberlin darauf angewiesen, nach dem Berliner Mauerbau am 13. August 1961 die sogenannte Zitterprämie für Bleibewillige des Westberilner Senats erfolgreich schriftlich einzufordern, die ihm zunächst, anders als anderen Studenten, aus unerfindlichen Gründen verweigert wurde.

Am 10. Januar 1935 in einem Dorf nahe Schweinfurt/Bayern geboren, war der kleine Otto Köhler ein begeisterter Hitler- Pimpf, der mit Bakalit Spielzeug Soldaten in Reih und Glied und militaristischer Jugend- Lektüre auf die Deutsche Wehrmacht als Wesen geeicht und vergattert wurde, an dem die Welt mit Bomben, Spaten und Granaten in Serie heilen und genesen sollte und wenn Millionen sterben, die ganze Welt in Scherben fällt.

In Würzburg begann Otto Köhler nach dem Abitur zu studieren, war bald Vorsitzender des dortigen Sozialistischen Studentenbundes (SDS) und trat als Jungspund mit 17 in die SPD ein, studierte an der Freien Universität (FU) in der Frontstadt Westberlin weiter, wurde zuvor aus dem SDS in Würzburg hinausgeworfen, weil er einer Einladung als Offizieller des SDS zu einer Veranstaltung an die UNI Jena in der DDR gefolgt war.

Selbst dass Otto Köhler dort vor strammen SED- Kadern für die FDGO aus vollen Herzen Einsatz gezeigt, eine kesse Lippe riskiert hatte, löste keinerlei miidernde Umstände beim SDS, bzw. dessen kaltschnäuzigen Finanzier der SPD, für seinen Fall aus, denn es regierte nach Innen und Außen der Kalte Krieg.

Otto Köhler politische Welt bewegte sich damals, gelinde gesagt, zwischen einem kleinen rot-gelben Büchlein

"Deutschland- ein Rheinbund"

den Kommentaren eines gewissen Jens Daniel, neben dem Namen Moritz Pfeil, Pseudonym von Rudolf Augstein, was damals nicht bekannt war und der wöchentlichen Lektüre des SPIEGELs-

Otto Köhler war, man darf es wagen zu sagen, von Rudolf Augstein umzingelt, ohne es auch nur zu ahnen und dachte bei sich, wenn der Rudolf Augstein, anders als die übrigen Redaktuere DES SPIEGELs,

- alle Veröffentlichungen waren damals, anders als später namenlos gestellt-,

für seine Kommentare mit Klarnamen einen eigenen Kasten erhält, will ich auch so einen haben.

Dreizehn Jahre später hatte Otto Köhler ab 1966 seinen eigenen namentlichen Kolumne Kasten im SPIEGEL.

Es begann, heute vergleichbar, die politiisierend große Zeit der Kolumnen, der Stern engagierte Sebastaian Haffner als Kolumnisten.

Ulrike Meinhof war bereits "linksgewirkt" renommierte Kolumnistin beim Magazin "Konkret" und gleichzeitig weiterhin heimliches Mitglied der KPD, die 1956 nach jahrelangem Rechtstreit verboten wurde.

Unter Studenten war klar, Otto Köhler fungiert für den SPIEGEL als Feigenblatt und als vorheriger Konkret- Autor dazu mit dem Gewinn einer Auflagensteigerung beim bundesdeutschen "Jungvolk", das auf Prinz Otto Eisenherz Frisuren "Marke Pilzköpfe der Beatles" stand.

Das ließ sich für Otto Köhler und seine Leser/innen gut an so dann.

Ich habe, wie viele andere Studenbewegte damals als "Ständiger SPIEGEL- Leser" Otto Köhlers Kolumnen in kritischer Solidarität inhalliert.

Doch 1972 besann sich Rudolf Augstein anders. Er wollte im Bundestagswahlkampf der "Ritterkreuzträger Partei" FDP, Marke

"Erich, schöner Mende"

helfen, als "Ewiger Jungspund" ein neues jugendlich aufgefrischtes "Twen- Image" zu verpassen und selber für die zur Pünktchen Partei gewendete F.D.P. im tiefschwarzen Wahlkreis Paderborn bestechend schneidig und verwegen gegen den Spitzenkandidaten der CDU/CSU Rainer Barzel für den Deutschen Bundestag als Mitglied zu kandidieren.

Da brauchte es des Feigenblattes Otto Köhler für den SPIEGEL im Gusto Rudolf Augsteins nicht mehr.

Otto Köhler wurde abgefunden, vor die Tür des SPIEGEL- Hauses an der Brandtswiete in Hamburg gesetzt, Hermann L. Gremliza von der Zeitschrift "Konkret" gab sein kurzes Gastspiel beim SPIEGEL bis zur Gründung des legendären SPIEGEL- Mitarbeiter- Beteiligungskollektivs nach Rudolf Augsteins anfänglichen Willen unter Freiwlligen Zwangm danach war auch Gremliza ausgebootet.

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Rudolf Augstein unterlag, wie nicht anders zu erwarten, im Wahrlkreis Paderborn, Rainer Barzel, kam aber über einen sicheren Listenplatz trotzdem in den Deutschen Bundestag , wo es ihn, von den F.D.P. Granden als Hinterbänkler kaltgestellt, nicht einmal 12 Wochen hielt bis er sein Mandat niederlegte.

Angeblich, weil Günter Gaus, der damalige SPIEGEL- Chefredakteur vom Bundeskanzler Willy Brandt als Erster Ständiger Vertreter der Bundesrepublik Deutschland in der Hauptstadt der DDR in Ostberlin im Range eines Staatsekretärs, nicht dem Auswärtigen Amt, sondern direkt dem Bundeskanzleramt gegenüber weisungebunden, abgeworben wurde.

Über Jahre war Otto Köhler Autor des Magzins "Der Monat", finanziert von der CIA, "Konkret", bis zum Berliner Mauerbau 1961 von Organen der DDR mitfinanziert, wie wir heute wissen, des Satiremagazins "PARDON", DER ZEIT, des STERN, Mitherausgeber des Magazins "Ossietzky", von mir dazu gern gelesener Autor im Meinungsmedium DER FREITAG.

2002 schrieb Otto Köhler noch vor dessen unerwartetem Ableben eine "Rudolf Augstein" Biografie, die ich zur Lektüre empfehle.

Die "investigative" Autobiografie des ehemaligen Verfassungsschutzpräsidenten Hamburgs, Hans- Josef Horchem, in den 1990er Jahren öffnete Otto Köhler vollends die Augen über die Medienmischpoke der Deutschen Republk im Bunde mit staatlichen Diensten, die Hamburger Viererbande, SPIEGEL, DIE ZEIT, STERN, DIE WELT, voran Haug von Kühnheim, Nina Grunenberg u. u., die sich monatlich geladen "zur Unterrichtung" ein Stelldichein in der Villa Horchems an der Alster gaben und nicht nur für Leib und Seele bekocht wurden.

Otto Köhler untersuchte darauf die Anfänge DES SPIEGELs ab 1946 und dessen, zurückhaltend formuliert, laxen Umgang mit der Einstellung ehemaliger NS- Kader, wie Horst Mahnke, Rudolf Diel des 1934 im Wege des sogannten Röhm- Putsches geschaßten GESTAPO- Chef, der 1944 als vermeintlicher Begünstiger des Hitlerattentats am 20. Juli 1944 im KZ- Dachau landete, 1946/47 im Zeugenhaus Nürnberg gastierte, um vor dem Nürnberger Kriegsverbrecher Gerichtshof als umstrittener Zeuge der Anklage vernommen zu werden.

Heute nach Nine Eleven 2001 beklagt Otto Köhler, gar nicht leise, in einem Interview mit Stefan Hurth in der "Jungen Welt" die Phalanx bellizistisch hoher Tonlage, sowohl im SPIEGEL, der FAZ, DER WELT, weniger in der Sueddeutschen, mit der Frankfurter Rundschau als Witz am Rande, aber vor allem in DER ZEIT mit dessen Politikredakteur Bernd Ulrich, der 2011 mit dem unsäglichen Buch Furor machte

"Wofür Deutschland Krieg führen darf- Und muss", Rowohlt Verlag,

während er DEN FREITAG an dieser Stelle beschweigt.

Mit Dieter Hildebrandt rufe ich Otto Köhler, spät aber nicht zu spät, diesen Glückwunsch zu seinem achtzigsten Geburtstag zu:

"Nie wieder achtzig"

Denn ich ahne, Otto Köhler ist mindestens so bissig und witzig, wie es der Bajuware und Ober- Bayer Dieter Hildebrandt lebenslang war, als Ober- Franke vermag Otto Köhler dies nur nicht so direkt bezeugen.
JP

https://www.jungewelt.de/2015/01-10/006.php
10.01.2015
»Würzburg war wirklich eine Schule des Widerstands«
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02:43 11.01.2015
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Geschrieben von

Joachim Petrick

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Joachim Petrick

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