Recherche in die Vergeblichkeit

Flüchtlingsströme Die eigene Flucht vor dem Inneren Auge, irgendwo in einem Land, einer Stadt, Quartier, das in Medien Berichten angeblich als sicherer Ort, sichere Heimstatt gilt.
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Was verändern tägliche Berichte über die Flucht anderer Menschen in uns?

Gegenwärtig sind inner- und außerhalb ihrer Heimatländer über 60 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht vor Krieg, Krisen; Elend, Not ums tägliche Wasser und Brot, Versehrtheit, dramatisch ansteigende Kindersterblichkeit, früher Tod.

Die eigene, die fremde Flucht fremder, bekannter, naher, ferner Menschen?

Die eigene Flucht vor dem Inneren Auge und das, irgendwo in einem Land, einer Stadt, einem Quartier, das in Medien Berichten angeblich als sicherer Ort, sichere Heimstatt gilt.

Diese Berichte implementieren Medien hierzulande inflationär und idyllisch ins öffentliche Bewusstsein, während Millionen Menschen weltweit auf der Flucht sind, deren blutige Aktualität uns nicht schrecken soll?

Andererseits!

Wie ist es für die Menschen, die aus Profession, Betroffenheit, Engagement, tagaus, tagein, nah an dieser Realität entlang arbeiten, für Journalisten, Mitglieder von NGOs, Ehrenamtliche, Ärzte ohne Grenzen, die alltäglich mit der Wirklichkeit von unterversorgten Menschen auf der Flucht, in Flüchtlingssammellagern im Kosovo, im Libanon, Jordanien, Russland, der Türkei, Iran, Afghanistan, Pakistan, Mali, im Jemen, im Sudan, Somalia, Kongo, Libyen, auf der griechischen Insel Kos, der italienischen Insel Lampedusa, in Calais im Dschungel- Camp vor dem Eurotunnel, in Berlin, Hamburg, Dresden konfrontiert sind?

Diese Fragen liegen unserer Angst, Furcht vor allen Formen von Flucht zugrunde, als gebe es eine unsichtbare Hand in unserer "Einen Welt", die durch Krisen- und Kriegsherde, mliitärische Interventionspolitik, Waffenhandel in Krisengebiete, mit Vorsatz, weltwwirtschaftlich bedingt, Märkte, Ressourchen mobilsiert, Märkte, Ressoourcen auf Jahrzehnte durch Sanktionen aller Art kaltstellt, damit freie Kräfte eines freien Weltmarktes für Völkerwanderungen, sprich Flüchtlingsströme, ihre Wirkung voll entfalten können?

"Das Handbuch der Vertreibungen schreiben Krisen, Kriege, militärisch- humane Interventionen"

Das wusste auch der Reichsprotektor von Böhmen und Mähren Reinhard Heydrich im Januar 1942,

- der Zweite Weltkrieg war auf allen Kontinenten unvermindert voll im Gange - ,

als er Hohe Vertreter, Spitzenbeamte aller gesellschaftlichen, wirtschaflichen, logistischen Bereiche des Dritten Reiches, kooperierender Länder in Europa, in die

"Wannsee Konferenz"

zur

"Endlösung der "Judenfrage" in Europa" rief.

Damals 1942 Judenfrage, heute 2015 Flüchtlingsfrage?

Jude, Flüchtling kann jeder, ohne Ansehen der Person, noch Herkunft, sein.

Das ist eine Frage georgrafischer Lage und sonstigen unwirtlichen Gegebenheiten ohne Ein- noch Ausgang.

Der Unterschied zu heute, die Juden Europas waren 1942 nicht auf der Flucht, sie waren bis 1933 mehr oder weniger als Bürger iin europäischen Ländern integriert, seßhaft, hatten Berufs- Qualifikationen, Arbeitserlaubnisse, Staatszugehörigkeit, Zulassungen aller Art, Vermögen zu verlieren, wurden ab 1941/42, mit käuflichen Tickets versehen in reichsdeutschen, französischen, spanischen, títalienischen, polnischen, ungarischen, rumänischen, baltischen, norwegischen, belgischen, holländischen Eisenbahnwaggons in Vernichtungslager im Osten Polens, nach Auschwitz, Treblinka, Sobibor, deportiert.

Fluchtströme, Völkerwanderungen gehen lokal und global Vertreibungen von Menschen, ob jung, ob alt, Greis oder Kind, aus ihren angestammten Gebieten, Regionen, Ländern, Dörfern, Städten, Häusern, Wohnungen voraus und beginnen mit entschädigungslosem Vermögensentzug, Vernichtung von Dokumenten, Personal- , Qualifikationsnachweisen, Versicherungspolicen, Androhung von Gewalt, Vergewaltigung, Verschleppung, Versklavung und deren willkürlichem Vollzug durch rektrutiert staatliche oder privat finanzierte Soldateska, Söldnerarmeen..

Nehmen wir die Flucht eines fiktiven Berichterstatters aus den Krisen- und Kriegsgebieten unserer Gegenwart, namens Arthur Cöllisch, der in den Kriegswirren Syriens, zwischen die Fronten geraten, in die Flucht an unbekannten Ort vertrieben, seiner Redaktion als verschollen gilt

- Dies erfahren wir als Leser von dessen Kollegin Marta -

Marta beschäftigt die Flucht, das Verschollensein Arthurs, da sie nicht nur Kollegin, sondern mit ihm befreundet war.

Schleicht sich hier "mit dem befreundet war", statt "befreundet ist" , insgeheim unvermittelt eine unselige Komplizenschaft mit dem Verschollensein ein?

Haben wir alle Hoffnungen fahren lassen, dass der Reporter, Krisen- und Kriegsberichterstatter Arthur Cöllisch je wieder unversehrt, auftaucht?

Fürchten wir, von "guten Mächten" wohl geborgen, daheim in Europa, Deutschland, Berlin, Hamburg, Dresden, Weimar, München, Köln auf dem Sofa, schon Morgen, dass wir es sein werden, die binnen Wochen selber verschollen sind?

Schon steigen bei manchem unter uns Erinnerungen hoch.

- An den gewaltsamen Tod des Sternreporters Gabriel Grüner in Jugoslawien im schwülen Sommer des Jahres 1999 während der militärisch- humanen Intervention der NATO ohne UNO- Mandat, unter deutscher Beteiligung im Kosovo - .

An einer Stelle ihrer neusten Berichtes schreibt Marta, Arthur habe so manches Mal ihr gegenüber knallhart eine "kannibalische Gier" nach den Lebenslinien Anderer offenbart. Über ihr Schweigen dabei sei sie im Nachherein zutiefst bestürrzt.

War Arthurs Lebenslinie nun unterbrochen, gar ohne Zeugnis, noch Hinterlassenschaft abgebrochen?

Marta nimmt die Flucht, das Verschollensein Arthurs zum Anlass, über ihren Kollegen, auf eigene Faust und Rechnung, ohne Wissen ihrer Redaktion, zu recherchieren; sogar einen Roman möchte sie über ihn schreiben.

Bei der Recherche soll ihr Arthurs irakischer Freund Saddam helfen.

Das Drama Dreieck entfaltet seine Wirkung

Diese Konstellation "Marta- Arthur- Saddam" muss zu Reibereien nicht nur in der Beziehung zu Saddam führen.

Marta steigert sich immer mehr in ihre Recherchen ober Arthur hinein, findet in ihnen keinen Anfang für einen Plot des Romans und schon gar nicht für dessen Ende. Sie übersteigert das Schicksal des Kollegen und Freundes Arthur immer weiter, um sich ihm, dem unfassbar "Nichtfassbaren" geradezu schwärmerisch näher zu fühlen. Marta zitiert Arthur einmal als sei er vom Wesen her gefühlskalt, ja von mehr als autistischen Episoden geschlagen:

"Er hat immer von sich gesagt, ich wäre nicht imstande, etwas wahrzunehmen, zu fühlen, solange ich es nicht aufgeschrieben vor mir sehe."

Nun, lieber Leser, werde ich Sie sich selber bei ihrer Recherche in die Vergeblichkeit überlassen, denn ich weiss zum Thema Flucht, Vertreibung weder ein noch aus.

Und denken Sie dabei daran, selbst virtuelle Reisen in Krisen- und Kriegsgebiete, sind Reisen in das Gefühl von Sterblichkeit

JP

http://www.daserste.de/unterhaltung/talk/menschen-bei-maischberger/sendung/menschen-bei-maischberger-514.html
Die Flüchtlingskrise: Politiker ratlos, Gesellschaft gespalten
PlayMenschen bei Maischberger - Anja Reschke und Til Schweiger
Vorschau auf die nächste Sendung: Flüchtlingskrise - Politiker ratlos, Gesellschaft gespalten (heute, 18.8.2015, 22:45 Uhr)

16:19 18.08.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Joachim Petrick

Aktuelles: Meine sichere Route- Refugee-Airlift - Petition "Luftbrücke für Flüchtlinge in Not" an die MdBs des Bundestages erhofft Debatte
Joachim Petrick

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