Religion, Utopie oder Arbeitsmarktreform?

JAKOBS SPONLEITER Hier schlägt Jakob Augstein einen österlich missionarischen Pfingsten Ton an, als wolle er den Leser dazu verführen, ins Land der „Ans Kreuz Geschlagenen“ zu reisen
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Was Jakob Augstein auf seltsame Weise in erlesen, zart dahingehauchten Pastelltönen bei seiner These

„Jesus- die Alternative“

im S.P.O.N. Artikel dieser Woche im SPIEGEL- Online

auszublenden scheint, ist, dass die vom Vermögen an Geist und Gütern Unberührten. mitten im Reichtum der Völker „blind und stumm“ wandelnd, und doch ausgegrenzt, die Dialektik zwischen dem Christentum als Religion der mehrheitlich Armen und dem minderheitlichen Streben der selbsternannten oder von

„Gottes Gen Gnaden“

Eliten nach Akkumulation des Kapitals ein unaufhebbarer Zusammenhang des

„Ora et Labora“

besteht.

Insofern verkörpert der Kult um die Figur Jesu für mich nicht die Alternative, sondern einen systemrelevanten Bestandteil des Denkens, dass die Mehrheit arm, eine Minderheit asymmetrisch reich an Geist und Gütern gehört, weil es das klerikale Gesetz der Väter, Mütter seit Anbeginn der Menschheitstage so befiehlt.

Denn das Christentum ist von Anfang als eine Notreligion verlorener Söhne und Töchter nach Art einer Selbsthilfe Notgemeinschaft von Gläubigen auf nomadenhafter Wanderschaft angelegt, denen, sowohl das weltliche Reich der Römer, als auch das Reich des angestammten Glaubens gelehrsamer Judenheit den direkten Zugang zu Vermögen an religiöser und säkularer Bildung verwehrt.

Verlorene Söhne und Töchter sind jene, denen Väter, Mütter, sollten sie, wider Erwarten, vorübergehend als Gast, eher unerwartet heimkehren, anders als den Erstgeborenen, zu keinem Existenz sichernden Recht im Glauben noch Alltag verhelfen, sondern im günstigsten Fall der Fälle einmalig ein feierlich freudiges Wiedersehensfest bereiten.

Das Christentum predigt, als wenn die Welt voller Teufel und Geiselnehmer wäre, für seine Glaubensschar als Geiseln alternativlos die Lehre von der Identifikation mit dem

„EWIGEN AGGRESSOR“.

Ausgerechnet in einer historischen Phase, in der das Römische Reich darauf angewiesen war, sich nach innen und außen, unter größten Anstrengungen, zu konsolidieren, weil der Versklavung fremder Völker aus vielerlei, inneren und äußeren, Gründen Grenzen gesetzt, bot sich, wie vom Himmel erfleht und gefallen, die Glaubensgemeinschaft der Christen als Vertreter einer neuen Arbeitsmoral klösterlicher Anspruchslosigkeit und unendlich belastbarer Bescheidenheit im Nonnen- und Mönchswesen des„Ora et Labora“an, innerhalb des Römischen Reiches, über eine unausgesprochen Arbeitsmarktreform, gegen die die Agenda2010/Hartz IV eine Honigroute für die Betroffenen ist, nie geahnte Arbeitskraft Ressourcen zum Nulltarif zu erschließen und sei es um den als Erlösung kommunizierten Missions- Preis, in selbstgewählter Versklavung und Ausbeutung, gottergeben, die ganze Welt, den Stadt- und Erdkreis, wen möglich bis zum Mittelpunkt des Planeten, zu erschließen

Die Tatsachenmenschen haben abgewirtschaftet:

In der Krise wird deutlich, dass Kapitalismus und Neoliberalismus keine Hoffnung bereithalten. Die Aufgabe der Politik wäre es, ihnen mit der Kraft der Utopie zu begegnen. Os­tern, das Fest der Auferstehung, erinnert an diese Kraft“

schreibt Jakob Augstein da.

Von wegen!

Ersten nährt Jakob Augstein mit diesem Satz insgeheim den Kult vom „Tatsachenmensch an sich“

Als ginge es um eine Marke, um einen I.Pod von Apple, um in Jakob Augsteins Bild zu bleiben, als ginge es um die kultige Umdeutung des Marxschen Lehrsatzes

“Das Sein bestimmt das Bewusstsein“

in das allgefällig antike Credo von Pharaonen und Päpsten:

„Das Design bestimmt das Bewusstsein“,

denn den „Tatsachenmenschen an sich“ gibt es nicht-

Was es gibt allerdings gibt, sind Menschen, lokal, regional, global aufgestellt vernetzte Personengruppen mit scheinbar unerschöpflichen Finanzressourcen, denen Krisen, Katastrophen, Kriege und sei es nur deren Gerücht bestens dazu taugen, Fakten, sprich Tatsachen, ganz neuer wie alter Art zu schaffen.

Wenn das stimmte, was Jakob Augstein, engagiert und beherzt österlich „ sich evangelikal pfingstbegeistert outend“ nahelegt, dass die Politik dem Kapitalismus, dem Neoliberalismus mit nichts als der Kraft der Utopie zu begegnen, weil die Politik über sonst keine anderen Instrumente noch Kraft verfügt, sehe ich wenig Veranlassung, Hoffnung zu nähren, sondern ganz im Gegenteil, Hoffnungslosigkeit zum allerletzten Zug der Zeit umzudeuten, auf den es beizeiten aufzuspringen gilt.

Ja!, was denkt sich Jakob Augstein dabei

„…ihnen mit der Kraft der Utopie zu begegnen. Os­tern, das Fest der Auferstehung, erinnert an diese Kraft“,

sollen unsere Politiker erst ans Kreuz des Kapitalismus geschlagen sein, den sie selber organisiert und, deregulierend, von der Leine gelassen, um dann, in grausigen Flüchen über ihr eigenes Versagen, ihre Sünden niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage auferstanden zu sein?

Wo erinnert Auferstehung an Kraft?,

außer dass das euphorisierte Erleben von sich verbreitender Ohnmacht, den Menschen ein Neues Wohlgefallen von göttlichen Gnaden verkündet und, ferngesteuert, unter den Menschen Kräfte wie österliches Strohfeuer mobilisiert, auf deren Nachhaltigkeit wir bis heute vergeblich warten-

Hoffnung war noch nie der Stoff aus dem Kapitalismus und Neoliberalismus gestrickt waren, sind beide doch zu demselben Zwecke behuft, ihr Dasein, dem Kommando von klerikalen, säkularen Despoten befohlen, Heulen & Zähneklappern auslösend, als Vogel- , sprich Menschenscheuche zu fristen.

„Man muss kein Christ sein, um die Bedeutung der Auferstehung schätzen zu lernen. Die Auferstehung ist der Sieg des utopischen Denkens. Und zwar im Diesseits. Nicht in irgendeinem Wolkenkuckucksheim. Das ist der Triumph der Utopie über die Hoffnungslosigkeit des Todes. Der Tod kommt daher wie ein Finanzkapitalist und sagt "There is no alternative" - und dann straft die Auferstehung Christi diese Worte Lügen. Das ist unerhört. Es gibt eine Alternative. Daraus lässt sich lernen, auch für die Politik.“

Hier schlägt Jakob Augstein einen österlich missionarischen Pfingsten Ton an, als wolle er den Leser dazu verführen, einmal ein Memorial- Abenteuer ins Land der

„Ans Kreuz Geschlagenen“

als „ZEITREISE“ zu buchen, auf dass, selbsterlebt, die einer jeden Auferstehung innewohnende Kraft, persönliches Zeugnis seines Glaubens ablegt,

Wo ist da in der Auferstehung der Triumpf der Utopie über den Tod, die Hoffnungslosigkeit zu finden, den Jakob Augstein weisen will?.

Auferstehung geschieht oder geschieht nicht.

Utopie will, anders als Auferstehung, die vom Himmel fällt, bzw., gen Himmel fährt, alltäglich in Hitze des eigenen Angesichts, in Kooperation mit anderen Menschen, Völkern, hart und beständig genährt, erarbeitet sein.

Der Tod kommt auch nicht daher wie ein Finanzkapitalist und sagt

"There is no alternative" ,

wie Jakob Augstein meint. Der Finanzkapitalist ist des Todes, wie jeder andere Mensch, er weiß es nur noch nicht und sinnt, unverdrossen, mit leerem Tunnel Blick, sozial depriviert, dehydriert, in die geplünderten Kassen anderer, über seine „verpfändete“ Unsterblichkeit.

Das ist das Problem ungenutzter Ressourcen der Möglichkeiten Menschlicher Kommunikation.

Seit wann bitte, straft die Ausnahme die Regel Lügen, ist doch die Auferstehung nichts als die, heiliggesprochene, Ausnahme von der Regel.

In der Regel erweisen sich Ausnahmen von der Regel als Grundsteine, als Schlusssteine klerikaler Regeln von Kathedral-, Dom-, Münster-, Moschee-, Tempel, Synagogen-, Pagoden-, Pyramiden- Regimen.

Politik ist dazu da, Regeln zu schaffen, Ausnahmen zu minimieren, wie soll da die Politik aus der angeblichen Kraft der Ausnahme der Auferstehung Recht schöpfen und demokratischen Sinn stiften, wie sich das Jakob Augstein so, unverblümt österlich, pfingstorientiert vorstellt?

So gern ich auch der begeisternden Wucht des österlichen Elans Jakob Augstein folgen möchte, ich kann es nicht, dazu findet ihr mich nachösterlich zu entgeistert vor.

Auf jeden Fall hat sich dieser, nachtragend, „Österliche Spaziergang“ mit Jakob Augsteins gedanklichen Handreichungen für mich gelohnt.

JP

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/s-p-o-n-im-zweifel-links-die-jesus-alternative-a-891885.html

Religion als soziale Utopie: Die Jesus-Alternative

Eine Kolumne von Jakob Augstein

https://www.freitag.de/autoren/soenke-paulsen/der-alternative-jesus

Sönke Paulsen

01.04.2013 | 22:05 18

Der alternative Jesus?

https://www.freitag.de/autoren/joachim-petrick/krachend-und-vernehmlich

Joachim Petrick

02.04.2013 | 16:52

Krachend und vernehmlich

03:25 28.03.2013
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Joachim Petrick

Aktuelles: Meine sichere Route- Refugee-Airlift - Petition "Luftbrücke für Flüchtlinge in Not" an die MdBs des Bundestages erhofft Debatte
Joachim Petrick

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