Sozial- und Steuerstaat, kleinster ermittelbarer Nenner?

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Sozial- und Steuerstaat, kleinster ermittelbarer Nenner?

„Stand By“ individueller wie organisierter Willens- und Meinungsvielfalt!?

Wohlfahrtsstaat wie der Steuer- und Umverteilungsstaat ist eben keine genuin linke Idee, sondern als kleineres Übel die friedensstiftende Auflage eines Staatsbildenden und Staatstragenden Konsenses zwischen den Protagonisten des Antagonismus von Menschenrechten, Völkerrecht und vagabundierend organisiertem Kapital?

Einst waren es im Abendland die Kirchen, die die Einsammlungder Moneten der Proleten als milde Gaben, als Sünden Ablassbriefefür die Bildung von Kapitalstöcken auf Schuldenbasis alsPfand an Bankhäuser wie die der Fugger, Welser verhökerten, um klerikal säkularem ihrem Sinnen & Trachten nach überdimensioniert unterfinanzierten Projekten, wie den Bau des Petersdom zu Rom, scheinbar, außer von dem kleinen Mönch Professor Dr. Martin Luther zu Wittenberg, unbehelligt, ungestört nachzugehen.

Später waren und sind es die Staaten der Welt, egal ob liberal, demokratisch, sozialistisch, monarchistisch, despotisch, die dasselbe Spiel der Kirchen im 16. Jahrhundert auf ganz grobe Weise säkular, im Frieden wie im Kriege (Vater aller Schuldenaufnahmen zu Gunsten Dritter) , nachspielten und spielen, überdimensioniert unterfinanzierte Projekte durch Schuldenaufnahme bei gleichzeitiger Verpfändung des staatlichen Steuervermögens der Gegenwart und Zukunft an Banken, Versicherungen, Finanzdienstleister zu verhökern.

Inzwischen stellt sich aber für dieGläubiger Banken, Versicherungen, Finanzdienstleister aller Staaten der Welt, die global robust aufgestellt sind, die lapidar leidenschaftslose Frage, ob es nicht mehr Sicherheit des Profit, der Rendite verheißt, wenn ein großer Teil der Staaten, voran der Sozialstaat im Gesamtstaat,in seinen organisierten Strukturen zertrümmert, zerstreut ins Kleinteilig Kommunale ausgewildert, zum Teufel gejagt in den Orkus der Geschichte verdammt gehört?


Ist es möglicherweise der kokett kommodeAnarchist wie Sprach- Stilist Peter Sloterdijk, der aus Feigheit vor dem Hochmögend Vermögenden Freund/in den so genannten „kleptokratischen“ Steuerstaat in seiner Existenz aufs schärfste kritisiert, weil er sich, anders als die Braut, nicht traut, die Subvention der Vermögen der Reichen durch denselbigenSteuerstaat an den Pranger zu stellen?

Die von Peter Sloterdijk geforderte Stolzkultur der Vermögenden und Reichen als Steuerzahler/innen existiert, lokal & global betrachtet, längst.

Nur eben im unverantworteten Umkehrschluss

“stolz ist nicht auf sich, wer Steuern zahlt,

stolz ist auf sich, wer Steuern legal, illegal, scheißegal verkürzen kann“, indem die Vermögenden, Reichen sich auf Stolzkultur ein Ei backen, sind diese als Steuerzahler/innen kreativ wie legal, illegal, scheißegalerfinderisch flüchtig in Steueroasen entschwunden.

Die Thilo Sarrazins unserer Tage wollen nicht wirklich Debatten vom Zaume brechen.

Die Thilo Sarrazins unserer Tage wollen, aus Feigheit vor dem Freund/in, nur mit der Vielstimmigkeit der demoskopisch komisch eruierten Meinungsvielfalt der angeblich Schweigenden Mehrheit biologistisch, gar populistisch ständisch rassistisch eingefärbt, Kultur, Elite verengt orientiert, jonglierend „auf Deubel Auflagen, Quoten, Zoten Präsenz komme heraus“ nur spielen.

Das unerklärte wie verrätselte Ziel der Thilo Sarrazins unserer Tage ist, einzig und allen, die organisierten Formen(Parteien, Kirchen, Gewerkschaften, Verbände, Stiftungen) der Wahrnehmung gesellschaftlicher Konfliktgemenge, Problemgedrängen, lokal und global, aus dem Zusammenhang gerissen, zerstreut, einer beliebig handelbaren Individualisierung zuzuführen, die jederzeit für eine blühende Landschaft glühender Empörungskultur, auflagen-, quotenstark abrufbar, nutzbar gemacht werden kann.

JP

21:21 22.09.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Joachim Petrick

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Joachim Petrick

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