Spa 1918, Blaupause für den 20. Juli 1944?

Stauffenbergs Tod Nach dem gescheiterten Attentat auf HItler wurden Stauffenberg und Mitverschwörer vor 70 Jahren im Innenhof des Bendlerblocks ohne Militärgerichtsverfahren hingerichtet
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70. Jahrestag 20.Juli 1944.

Gedenken an Oberst Graf Stauffenberg und seine Mitverschwörer des gescheiterten Attentats auf den Führer, Adolf Hitler

Rückblende von 1944 zu 1918

Gefälschte Marschbefehle und Drückebergerei: Ab Juni 1918 brachten verdeckte Militärstreiks die deutsche Westfront zur Auflösung.

Die Auflösung des deutschen Heeres 1918

Mit dem Scheitern der deutschen Frühjahrsoffensiven an der Westfront Mitte 1918 unter dem strategisch zögerlichen Kommando hier, Vabanquespiel des Generalquartiermeisters Erich Ludendorff da, Hunger- und Kampstreiks der Truppe ab 1917 begann die Auflösung der deutschen Armeen im Ersten Weltkrieg.

Die Zahl der Gefangennahme deutscher Soldaten durch die Westalliierten, die der Versprengten im Hinterland nahm dramatische Ausmaße an.

War nicht jetzt im Sommer 1944 deckungsgleich mit 1918 eine Situation für die Deutsche Wehrmacht an allen Fronten entstanden, nachdem die letzte Große Panzerschlachtoffensive der deutschen Heere gegen die Rote Armee bei Kursk an der Ostfront im Spätsommer 1943, unter hohen nicht wieder zu behebenden Verlusten an gut ausgebildet motvierten Soldaten, an Material gecheitert war und nun die Invasion in der Normandie durch die Alliierten im Westen seit dem D- Day,dem 6. Juni, stetig an Boden Richtung Reichsgrenze gewann?

War da nicht die Strategie des Genralstabes der deutschen Heere im belgischen Hauptquartier Spa 1918, unter der "Militär- Diktatur" des Generalsfeldmarschalls und Helden von Tannenberg Paul Hindenburg und seinem Generalquartiermeister Erich Ludendorff genau die Blaupause, die es jetzt im Jahr 1944 brauchte, um über das Ende des Krieges hinaus, die Ehre des deutschen Offizierskorps, des einfachen Soldaten als ungeschlagene Kämpfer an allen Fronten, durch eine weitere Dolchstosslegende nährend, wie damals 1918 zu retten?

1918 war es dem Duo Hindenburg/Ludendorff mit List und Tücke gelungen, bis in den Deutschen Reichstag, die Medien glaubhaft eine Dolchstosslegende zu kommunizieren, die da besagte, unsere Heere kehren ungeschlagen von allen Fronten in geordneter Formation in die Heimat zurück und überlassen es der Politik, den Parteien in Berlin, um den Preis der Auflösung der, preussisch geprägt, dynastischen Monarchie, der inzenierten Flucht Kaiser Wilhelm II aus dem Adelsgeschlecht der Hohenzollern ins Exil nach Doorn in den Niederlanden, Waffenstillstands- , Friedensverhandlungen mit den Feinden des Deutschen Reiches verantwortlich zu verhandeln und zu unterzeichnen.

Wenn es nach Erich Ludendorff gegangen wäre, hätte sich Kaiser Wilhelm II nicht ins Exil nach Doorn begeben, sondern im Oktober 1918 mannhaft, an vorderster Front kämpfend, seine tödliche Kugel gesucht und gefunden.

Nur der Einrede Hindenburgs, was machen wir, wenn seine Majestät der Kaiser und Oberbefehlshaber aller deutschen Heere unglücklicherweise nicht von französichen, englischen Soldaten getötet, sondern gefangen genommen wird?, ist es zu verdanken, das von dieser Idee im deutschen Generalstab im belgischen Spa 1918 Abstand genommen wurde ( s. Herfried Münkler "Der Große Krieg", Kapitel "Ludendorffs Nullsummen- , Vabanquespiel und Zusammenbruch der Mittelmächte S. 653).

Da der Führer Adolf Hitler, jetzt 1944, in aussichtsloser Lage für die Deutsche Wehrmacht an allen Fronten so wenig Ehre im Leib hatte, wie Kaiser Wilhelm II 1918 in aussichtsloser Lage für die deutschen Heere, sich selber zum Wohle und Heil des Vaterlandes, der Ehre der Offiziere, Soldaten, zu entleiben, damit die Dolchstosslegende 1918 wie 1944 auf fruchtbaren Boden in der Hefe des Volkes falle, was blieb da noch an Wahl, außer einem Attentat auf den Führer, Adolf Hitler, gleich ob dieses gelinge oder scheitere?

Wobei im Dunklen bleiben müsse, um die Heimatfront. mit Fremdarbeiteraufständen in Millionen Zahl, dazu peu a peu in allen reichsdeutsch- besetzten Gebieten Europas, in wirkliche Turbulenzen zu bringen, wer die Attentäter sind, und wenn schon, dann, desinformierend, die Satrapenbande des NS- Regimes selber als Attentäter zu denunzieren, mochten die Verschwörer um Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg gedacht haben.

Was dem Generalstab der deutschen Heere im belgischen Spa 1918 selber an politischer Strategie für eine Dolchstosslegende im Fall der Niederlage eingefallen war, sollte doch wohl für die, hochgebildet, geschulten Generalstäblern der Deutschen Wehrmacht im Berliner Bendlerblock jetzt im heißen Juli 1944 mit der Auslösung des vorbereiteten Alarmplans "Walküre" des Heimatersatzheeres, zu dem Oberst Graf Stauffenberg im März 1944 abkommandiert wurde, mehr als auf der Hand liegen.

Anders als im Fall Kaiser Wilhelms II im Herbst 1918, fiel für den Führer, ganz abgesehen, dass Hitller immer noch, befeuert durch die Massenproduktion von Vergeltungswaffen, den ferngesteuerten Raketen V- 1, V- 2. an den Endsieg glaubte, die Option der Flucht unter freiwilligem Zwang ins Exil aus vielerlei Gründen 1944 schwer ins Wasser.

Was so ausgesprochen generlastabsmäßig genial von der Strategie her im Rahmen der Auslösung des "Walküre Alarms" für das reichsdeutsche Heimatersatzheer, mit der Kriegslage im Sommer 1918 in Spa als Blaupause, angedacht und kühn am Morgen des 20. Juli 1944 durch Oberst Graf Stauffenberg und seine Mitverschwörer ins Werk gesetzt wurde, war gegen 21.00 Uhr am Abend desselben Tages nichts als todbringende Asche für die Attentäter selber, weil jene, die es, eingedenk der Lage 1918, im Generalstab der Deutschen Wehrmacht besser wissen konnten, von jahrelang federführend eigenen Verstrickungen in die Verbrechen des NS- Regimes traumatisiert, paralysiert, ihr einzig vorstelbares Heil im Überleben, koste es an millionenfachen Leben, an Vermögen, Gütern der Völker der Welt, was es wolle. nunmehr allein im Untergang des Heiligen Deutschen Reiches suchten.

"Nach uns die Sintflut!", "Genießet den Krieg, der Frieden wird furchtbar!"

Vielleicht mögen die Verschwörer um Oberst Graf Stauffenberg in soldatischer Disziplin und Moral durchaus bedacht haben, wie unheilvoll die Dolchstosslegende nach 1918 Richtung Militarisierung der Lebensverhältnisse, der Außen- Wirtschafts- , Industrie- und Innenpolitik des Deutschen Reiches aus "Einem Guss" gewirkt hatte, aber jetzt ging es darum, die Ehre des Frontoffiziers und Frontsoldaten zu retten.

Die Ehre des Soldatentums ist nicht alles im Reich, mögen die Verschwörer um Oberst Graf Stauffenberg als Söhne des Krieges erwogen haben, aber ohne die Ehre des Soldatentums, wie sollte da wohl das Deutsche Reich nach einer bedingungslosen Kapitulation fortbestehen? Selbst Adolf Hitler galt ihnen "kameradschaftlch" als "Sohn des Krieges"

Dass das Hohe Lied der Soldatenehre durch die Verstrickungen der Deutschen Wehrmacht als Vollziehender Gewalt in den seit 1939 deutschbesetzten Gebieten Europas in Verbrechen, Organisation, Bereitstellung von Logistik und Einsatz für Massenmord unter dem diffusen Oberbegriff "Partisanenkrieg", dazu als williger Helfer beim Holocaust längst voller entsetzlich grässlich krächzender Missklänge besudelt war, schienen die Verschwörer um Oberst Graf Stauffenberg gar nicht wahrzunehmen.

Personen unter den Verschwörern wie Arthur Nebe, die im Osten Massenerschießungen an Juden veranstaltet hatten und Graf Helldorf, der als SA Führer Polizeipräsident von Berlin war und mutmaßlich direkt, indirekt den Reichstag am 27. Februar 1933 (mit) angezündet hat, mochten hier den reaktionär erzkonservativ- militaristischen Ton angegeben haben, der auch keine Erwähnung, geschweige denn Mitleid mit den am 22. Februar 1943 hingerichteten Geschwistern Sophie und Hans Scholl aus der studentischen Widerstandsgruppe "Weisse Rose" an der Universität München, der Stadt der Bewegung, erlaubte.

Oberst Graf Stauffenbergs letzte Worte in die Mündungsfeuer seines Hinrichtungskommandos am Abend des 20. Juli 1944 im Innenhof des Bendlerblocks nach dem gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler bei aufgeblendetem LKW- Scheinwerfer Licht waren:

"Es lebe das Heilige Deutschland!"

JP

https://www.freitag.de/autoren/joachim-petrick/stauffenberg-zum-gedenken
Joachim Petrick
20.07.2012 | 19:11
Stauffenberg zum Gedenken

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/operation-mythos
THOMAS HUMMITZSCH 28.04.2009 | 16:05
Operation Mythos
Identität Herfried Münkler erliegt in seinem neuen Buch der zwiespältigen Kraft der deutschen Mythen

https://www.freitag.de/autoren/joachim-petrick/das-ende-des-heiligen-deutschland-am-eiligen-20-juli-1944
Joachim Petrick
19.07.2011 | 17:34 10
Das Ende des "Heiligen Deutschland" am eiligen 20. Juli 1944

https://www.freitag.de/autoren/joachim-petrick/hinrichtungstag-der-geschwister-scholl-tag-fur-bundeswehr-gelobnis
Joachim Petrick
14.07.2010 | 01:48 15
Hinrichtungstag der Geschwister Scholl. Tag für Bundeswehr Gelöbnis?

02:27 15.07.2014
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Joachim Petrick

Aktuelles: Meine sichere Route- Refugee-Airlift - Petition "Luftbrücke für Flüchtlinge in Not" an die MdBs des Bundestages erhofft Debatte
Joachim Petrick

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