Steuerfreier Luxus im Luxemburger Freihafen

Kunst auf Halde "Wir wollen kein Friedhof für Kunst werden. Allerdings können wir diese Ausstellungen keinem breiten Publikum öffnen, es wird nur auf private Einladung zu sehen sein"
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LUXEMBURG
Kunst im Luxemburger Freihafen auf Halde
Luxemburger Freeport als Luxusgüter- , Kunst-Tresor

Wovon sich die Freie und Hansestadt Hamburg, zähneknirschend gut Kirschen essend, zum Wohle aller Bundesländer in Gänze, befreit, das Herzogtum Luxemburg will diesem als Euroland und Schwester der Schweiz unbekümmert unverdrossen eine Chance geben, einem Freihafen für Stadt und Land ganz besonderen Zuschnitts, nämlich als steuerbefreiter Ort für das Handeln, Horten, Rekonstruieren, Restaurieren, Reparieren von hochpreisigen Luxusgütern, Sammelobjekten aus aller Herren Länder.

In stahlbewehrt riesigen Tresorkammern sollen wohlfeile Schätze, Skulpturen, Gemälde, Preziosen aus Sammlerhand nicht nur lagern, sondern einem interessierten Publikum, im erlesen kleinen Kreis, versteht sich, zur An- und Einsicht namentlich marktbezogen handelbarer Preisbildung für Auktionen bei Sotheby u. u. als "Ausstellungsobjekte und Schuckstücke" präsentiert werden.

Damit das ganze Setting des Luxemburger Freeports für Luxusgüter nicht so, schnöde, nach Mammon gen Himmel stinkt, daherkommt, in der vermögensnahen Landschaft der Luxemburger Au an der Mosel hin zum Rhein steht, gibt es überdimensioniert, bombastisch ausgelegt, grandios inzenierte Kunst am "Bau" vom Gröbsten wie Feinsten

"Überlebensgroße Porträts wenden den Besuchern des Luxemburger Freeports ihre Gesichter zu. Ein Street-Art-Künstler, Alexandre Farto, besser bekannt unter dem Namen Vhils, hat sie auf 26 Metern Länger und 6 Meter 50 Höhe in die Betonwand der Eingangshalle gemeißelt"
weiss Tonia Koch heute im Deutschlandfunk zu berichten und führt fort:

"Die großzügige Lobby wird wohl der einzige Raum sein, den Otto-Normal-Verbraucher künftig vom 55 Millionen Euro teuren Kunst-Tresor betreten darf. Vorausgesetzt, die Kunden, die ihre Kunstschätze hier lagern, spielen mit. Denn gerne würde Freeport-Manager David Arendt Bilder oder Kunstsammlungen nicht nur wegsperren, sondern auch einer interessierten Öffentlichkeit zeigen:

"Wir wollen kein Friedhof für Kunst werden. Allerdings können wir diese Ausstellungen keinem breiten Publikum öffnen, es wird leider nur auf private Einladung zu sehen sein."

Nachtigall!, ich höre Dir trapsen!

Die erlesen scheue Kundschaft aus aller Welt, "privatim" geladen, Sammler, bestallte Museenvertreter, seriös bis bizarre Auktionshaus Unternehmen, Investmentfonds und Stiftungen, werden nicht nur den Bestrebungen des lieben Herrn Arendt nach einem lebendigen Kunstort im Herzogtum Luxemburg entsprechen, sondern bereits Kunden, sprich zu Hauf Einlagerer im Luxemburger Luxusgüter Freeport sein

Kosten an Aufwand für einen Sammler- und Ausstellungsort, der allen modernen Anforderung wohltemperiertem Raumklima, reduzierter Lutfeuchtigkeit, Sicherheits- , Technik- und Ausrüstungsstandards entspricht, wurden nicht gescheut, um einem Rembrandt, Picasso, Immendorf, Bueys, Kokoschka, einem van Gogh, Liebermann, Nolde, Klee, Andy Warhol, einem Matisse, erlesen ausgesuchten Weinen, ein Wohlbehagen angedeihen zu lassen

"Wir bieten eine hochwertige Lösung für Sammler, die weiter sammeln, obwohl sie keinen Platz mehr haben und die sehr teure Objekt sammeln, wo die Versicherung es nicht zulässt, dass das im Hause bleibt." erläutert Mr. Arendt.

Es wird wohl nicht allein um Versicherungen gehen, die Hochsicherheitstrakte für besichert hochpreisige Luxusgüter, Sammelobjekte einfordern, sondern auch um Fragen, wie schützen sich Sammler, Musseen, Auktionshäuser vor preismindernden Ermittlungsanfragen in Sachen von Vermögenserklärungen, Steuerangelegenheiten, Kunstraub, Raubkunst, Plagiatvorbehalten, Herkunft (Provenienzforschung) der Sammelobjekte?

Der Luxusgüter Freeport Bau selber weist durchaus, wenn auch sperrig und klotzig in trutzigen Maßen im Stadt Bild, architektonisch raffinierte Strukturen auf, gerade weil die äußere Fassade rundum nahezu fensterlios erscheint. Licht dringt wenig über einige Glasbausteinschlitze in die erhabenen Ausstellungsgemächer hinein.

Gemessen an den schmucklosen Betonklötzen und Lagerhäusern in denen ansonsten in Europa teure Kunstobjekte und Preziosen der Steinreichen verwahrt werden, sei der Luxemburger Freihafen jedoch ein bemerkenswerter Fortschritt, meint David Arendt:

"Die anderen Freeports haben Warenhäuser umgebaut, Klimaanlagen eingebaut, Sicherheit wo es geht, wie auch immer. Bei uns wurde das von vorneherein so konzipiert und gebaut, dass das tadellos vor sich geht."

Passt das nicht haarklein und -genau auf den Zug der Zeit, der, ungerührt, durch, asymmetrisch aufgestellt, gesellschaftliche Verhältnisse zwischen Arm und Reich allerorten in der Welt rauscht?, wenn ja, in der Hand der Wenigen zu Lasten der Vielen nicht mehr aus noch und ein und schon gar nicht wohin weiss mit seinem mobilem Vermögen, aus dem Fundus des Reichtums der Völker, unter dem Gebot sozialer Bindung von Eigentum, entlehnt?

Gegenwärtig besitzt die Rekordzahl von 2325 Milliardären weltweit ein Vermögen von 7,3 Billionen Dollar (5,64 Billionen Euro). Das ist ein Vermögens-Plus von zwölf Prozent, wie aus einer heute in Zürich veröffentlichten Studie der UBS in Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsinformationsdienst Wealth-X hervorgeht.

Die Summe entspricht dem doppelten Bruttoinlandsprodukt Deutschlands. Sie übersteigt auch den Wert aller Firmen im Dow Jones Index. Dabei werden die Reichen gerade in Europa immer reicher. Mit 2,37 Billionen Dollar haben die 775 Milliardäre Europas die Nordamerikaner beim Gesamtvermögen überholt.

Was bei einem solchen Luxemburger Luxusgüter Freeport selbstverständlich nicht fehlen darf, ist die direkte Anbindung an den Luxemburger Airport, damit die Luxusgüter, Sammelobjekte, richtig oder falsch deklariert, an Ermittlungs- , Steuer- und Zollbehörden vorbei, ungeachtet der UNO- Konvention gegen Raub- und Beutekunst von 1997, binnen Halbstundenfrist verladen, im- und exportiert werden können.

Der Transport der Luxusgüter, Sammelobjekte vom Flugzeugfrachtraum und -rumpf in die Tresore wird "Keiner hat es gesehen!" binnen Minuten vonstatten gehen..

Das Luxemburger Depot Angebot scheint in Krisen- und Kriegszeiten besonders nachgefragt zu sein, wenn es für Superreiche u. .a. in Notlagen gilt, aus Krisen- und Kriegsgebieten, Libyen, Syrien, Irak, Ukraine, Afghanistan, Jemen, Mali, Kongo, Südsudan; Pakistan, ihre Luxusgüter, Sammelobjekte unverzüglich per Lufttransport in Luxemburger Hochsicherheitstrakttresoren rundum sicher zu bergen.

Im Luxusgüter Freihafen werden weder Vermögens- , Mehrwertsteuern noch Zollgebühren erhoben.

Das ist Balsam für die sensiblen Reichen in der Welt, die sich von Steuerbehörden aller Länder in Sachen Kapitalvermögen, Steuer- CD- Umlauf, unbarmherzig gejagt fühlen, denen ihre vorherigen Kapital- Fluchtorte in Steueroasen vor den Augen als Fata Morgana von gestern entschwinden, die sich nun, entweder, auf Straffreiheit pochend, den Steuerbehörden selbstanzeigen, oder gleich in steuerlich nicht veranlagt, sprich steuerbefreit, in den Eigentumserwerb von Luxusgütern, Sammelobjekten stürzen. als gelte es, die Welt endlich vom Gelde zu befreien.

EZB, FED u. a, Zentral- und Notenbanken sind seit Nine Eleven 2001, befeuert von der Weltfinanzkrise 2008, längst dabei, per Zinspolitik real unter Null, der Befreiung der Welt vom Geld durch die grandiose Ausweitung der Geldmengen reiche Nahrung zu geben.

Dazu kommt, bei allem medailen Geleit- Getöse und Gewese, angeblich strenger und zeitnaher Steuern einzuziehen, den Sumpf an Steuerosaen ein für allemale auszutrocknen, eine erstaunliche Nonchalance gegenüber dem gewogenen Publikum, entweder gar keine vermögenssteuererklärungen, geschweige denn Vermögenssteuern zu erheben, oder aber Vermögenssteuern nur auf Kapital- und nicht aber auf Sachvermögen zu erheben.

Die Folge ist, Millarden Euro an Firmen- , Privatvermögen werden gegenwärtig von Kapital- in Sachvermögen, richtig oder falsch umdeklariert, umgerubelt und sind steuerlich nicht mehr zu veranlagen.

Gleiten wir unversehens gerade in eine Epoche, in der es den Reichen in der Welt schnuppe ist, ob, wo und wenn, ob es überhaupt noch Steueroasen in Welt gibt?, weil das neue weltweite Steuersparmodell heißt, raus aus den valuierten Kapitalwerten, hinein in nicht valuierte Sachwerte der Weltschattenwirtschaft, Weltschattenfinanzindustrie, undeklariert, entlehnt aus dem Fundus des Vermögens der Völker?

Neben den Steuereinnahmeverlusten in Bund, Ländern, Kommunen hierzulande, hat das zur Folge, dass der Reichtum in der Hand der Wenigen zu Lasten der Vielen unaufhaltsam dynamisiert zur unkalkulierbar spekulativen Base anschwillt, ohne dass staatliche Behörden, demoskopische Institute eine ökonomische Vorstellung vom realen Umfang dieses Vermögens, mangels Datenerhebungen durch Vermögenserklärungen, eruieren können.

Vergessen wir nicht, gerade die Reichen, Vermögenden in der Welt,leben nicht wirklich von ihrem Geld, sie sind den unmittelbaren Zwängen alltäglicher Geldwirtschaft enthoben, sie finanzieren sich vorwiegend durch ihre Kreditwürdigkeit, ihr Ranking, Rating nach Basel I, II, III, die sich aus kaum belastbar behaupteten Vermögensannahmen als fragil "hinterlegte" Sicherheit bemisst.

Zurück zum Luxemburger Freeport mit Airport Anschluss

Selbst Dienstleistungen wie Restauration von Gemälden, Skulpturen, Sammelobjekten gelten steuermindernd, bleiben dazu auf jeden Fall, trotz Wertsteigergung, steuerbefreit.

Erst beim endgültigen Verlassen des Luxemburger Luxusgüter Freeports in Richtung eines anderen EU-Landes, werden Steuern und Abgaben fällig gestellt.

Werden die luxuriösen Waren in deutsche, russische, amerikanische, chinesische oder arabische Wohnzimmer exportiert, bleiben sie von der Mehrwertsteuer verschont.

Wer hätte da als vermögensnaher Reichtums- Bürger nicht gerne eine deutsche, chinesische, russische, arabische, amerikanische Adresse.

In Deutschland ist die Vermögenssteuer seit 1997 wg. verfassungswidriger Ungleichbehandlung von Kapitlavermögen und Sachwertvermögen, darunter Eigentum an Kunst- , Sammelobjekten ausgesetzt und, trotz wiederholter Anmahnung durch das Bundesverfassungsgericht (BVG), bis heute nicht wieder aktiviert.

Damit alles mit rechten Dingen zugeht, haben die Luxemburger eigens die gesetzlichen Bestimmungen zu Lande, zu Wasser und in der Luft angepasst, erläutert Sylvie Atten vom Luxemburger Zoll:

"Normalerweise bei einem Freihafen muss die Firma nur, na ja nur ein Buchhaltungssystem führen was rein und was raus geht. Wir gehen jetzt aber darüber hinaus, wir verlangen eine Deklaration dazu, das heißt, wir wissen immer was im Freihafen liegt, das muss die Firma uns mitteilen und das kontrollieren wir auch."

Überdies, ergänzt David Arendt, lebe das luxemburgische Fort Knox der Kunst von seinem guten Ruf.

"Wir wollen auf keinen Fall mit Geldwäscherei oder Terroristenfinanzierung irgendetwas zu tun haben, diese Leute sind nicht willkommen."

Luxemburg will in der "Luxus- Tortenstückgutliga" der Superreichen mitspielen und nicht der großen Schwester Schweiz

"Kulturell- sozialer Geiz ist geil" ,

noch Singapur oder London mit seinen weltweiten Inseln des Commonwealth of Nation britscher queenszice Krone, das profitable Geschäft überlassen.

Und jetzt kommt es, des Pudels Kern der Wahrheit auf dem Grund der Moldau, die hier einmal mehr der Rhein ist.

Ab Januar kommenden Jahres sind die Geldhäuser, Finanzinstute der Steueroasen verpflichtet, die Finanzämter in den Herkunftsländern ihrer Kunden zu informieren, was an Kapital- Vermögen in ihren Tresoren, auf Kundenkonten ruht, bzw. stündlich computergesteuert im hochfrequenten Handel mit Wertpapieren, zarten bis harten Zertifikaten, Derivaten, ein- und ausmarschiert.

Deshalb ist das Kapital in den letzten Monaten weltweit überaus mobil unterwegs, von Geldvermögen in Sachwerte umgerubelt worden. Aber- Millionen wurden bereits in Kunst, Edelmetalle und andere Kostbarkeiten, Pretiosen investiert, denn diese müssen, siehe da, den heimischen Finanzämtern nicht gemeldet werden.

Ein Geschäftsmodell, von dem Luxemburg profitieren möchte, erklärt der Luxemburger Regierungschef Xavier Bette ganz unverfroren:

"Ich bin immer froh, dass Luxemburg, wenn es Möglichkeiten gibt und die anderen Länder es noch nicht machen, was zu entwickeln, wo wir eben schneller sind als andere Länder."

Ende der von mir erweiterten Durchsage von Tonia Koch heute im Deutschlandfunk-

JP

http://www.deutschlandfunk.de/luxemburg-freihafen-als-kunst-tresor.795.de.html?dram:article_id=297760
Beitrag vom 17.09.2014

LUXEMBURG
Freihafen als Kunst-Tresor

Von Tonia Koch

19:18 17.09.2014
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Joachim Petrick

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Joachim Petrick

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